859. =Zum heiling Ohmd.=

Gedicht von verw. Frau v. Elterlein in Schwarzenberg, geb. Benckert aus

Annaberg.

Heut is der heil’ge Ohmd ihr Mäd,

Kummt rei, mer gießen Blei.

Fritz löf geschwind zur Hanne Christ,

Se soll bei Zeiten rei.

Mer hahm d’n Lächter[24] a’gebrannt;

Satt[25] nuf, ihr Mäd, die Pracht.

Do drühm bei euch, is a recht fei,

Ihr hot ’ne Sau geschlacht.

Ich hob mer a e Lichtel köft,

Ver zwee un zwanzig Pfäng’.

Gi Hanne hul’ ä Tüppel[26] rei,

Mei Lächter is ze eng.

Kahr,[27] zindt ä Weihrauchkärzel a,

Doß a wie Weihnacht riecht;

Unn stell’s ner of des Scherbel[28] dort,

Dos unnern Ufen liegt.

Lott’[29] dorten of der Hühnersteig[30]

Do liegt men’ Lob[31] sei Blei.

Mähd raffel[32] fei nett sehr dort rüm,

S’ist[33] werd der Krienerts[34] scheu.

Denn’s Mannsvulk hat sei Frehd an wos,

Sei’s a an wos ner will.

Mei Voter hot’s an Vugelstell’n,

Der Kahr, der hot’s an Spiel.

Ich gieß fei erst, wänn krieg’ ich da?

Saht her en Hommerschmied!

De Karlin[35] lacht, die denkt gewiß,

Ich män ihr’n Richter Fried.

Mer ham a sächzähn Butterstoll’n,

Su lang wie ’n Ufenbank.

Ihr Mäd, do werd’ gefrässn wär’n,

Mer wär’n noch Alle krank.

Mer ham a neunerlä gekucht,

A Worscht unn Sauerkraut.

Mei Mutter hot sich o geploocht,[36]

Die ale[37] gute Haut.

Fritz brock de Semmelmillich ei,

Nasch ader[38] net derfu.[39]

Ihr Ghunge[40] wärft kee Räspel[41] nei

In’s heilig Ohm’nd Struh.

Wär gieht den über’n Schwammentupp?!

Nu Lotte ruh’ste nett!

Wart, wenn när weerd der Voter kumm’,

Do mußt dee glei ze Bett.

Nä hurcht ner a mohl in Ufentupp,

Dos Rumpeln und dos Geig’n.

Na wenn es när nett winseln thut,

Denn s’ist bedett’s[42] noch Leich’n.

Den heiling’ Ohmd üm Mitternacht,

Do läft statt Wasser Wei.[43]

Wenn ich mich ner nett färchten thät,

Ich hult ’n Tupp voll rei.

Denn drühm an Nachbar’sch Wassertrug

Do stieht ä grußer Mah.[44]

Und wär nett reichte Tohzen[45] hat,

Dän läßt er gor nett na.

Lob hul derweil den Hanne Lieb[46]

’n Voter ä Kännel Bier.

’noch,[47] wenn de kümmst, do singe mer:[48]

„Ich freue mich in Dir.“

Ihr Kinner, gieht in’s Bett nu nuff,

Der Seeger zeigt schu ens.

Ob mer ä Weihnacht wieder erle’m?[49]

Wie Gutt will, su gescheh’s.

[24] +Lächter+, Leuchter.

[25] +Satt+, sehet.

[26] +Tüppel+, Töpfchen.

[27] +Kahr+, Karl.

[28] +Scherbel+, kleine Scherben.

[29] +Lott’+, Charlotte.

[30] +Hühnersteig+, Hühnerhorde, worin während des Winters Hühner in

der Stube sich mit aufhalten.

[31] +Lob+, Gottlob.

[32] +raffel+, raschle.

[33] +s’ist+, sonst.

[34] +Krienerts+, Kreuzschnabel.

[35] +Karlin+, Karoline.

[36] +geploocht+, geplagt.

[37] +ale+, alte.

[38] +ader+, aber.

[39] +derfu+, davon.

[40] +Ghunge+, Jungen.

[41] +Räspel+, Räuspel, Räuber am Licht.

[42] +bedett+, bedeutet.

[43] +Wei+, Wein.

[44] +Mah.+ Mann.

[45] +Tohzen+, Tatzen, starke Hände.

[46] +Hanne Lieb+, Johannes Gottlieb.

[47] +’noch+, hernach.

[48] +mer+, wir.

[49] +erle’m+, erleben.

=2. Neujahr= (vgl. 586).

Ein verbreiteter Scherzreim, namentlich auf dem Lande, ist folgender:

860. Ich gratelir euch a zum neuen Kahr

’ne Kop vuller Haar,

’ne Stohl vuller Hüner,

’ne Buden vuller Kerner.

Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges: Ein Beitrag zur Kenntnis des Volksglaubens und Volkslebens im Königreich Sachsen · 第 45 / 54 题