547. An die Blumen auf den Gräbern darf man nicht riechen, sonst
verliert man den Geruch (Lauter), vgl. 397.
Anhang.
Gespenster, Geister und gespenstige Thiere. Sagen.
§ 47 (386 ff.). Der Glaube an +Gespenster+, die man meist als ruhelos
umherirrende Seelen auffaßt, ist im Gebirge weit verbreitet und
Spuckgeschichten sind noch in den letzten Jahren vielfach hie und da
(z. B. in Annaberg) aufgetaucht. Dem Gespensterglauben ist der Glaube
an +Geister+ nahe verwandt, und es sind namentlich „Berggeister,“ von
denen Bergleute dies und jenes zu erzählen wissen. Die +gespenstigen
Thiere+, wie der Drache, der Getreideschneider, der Alp u. s. w., sind
bereits durch das früher Angeführte erledigt (vgl. 114, 155, 364, 365
u. 486).
Hier führt uns der Aberglaube in das Gebiet der Sagen, von denen sich
im Gebirge ein nicht unbedeutender Schatz findet. Viele derselben sind
bereits gesammelt (vgl. +Gräße+, Sagenschatz des Königreichs Sachsen,
Dresden 1855, S. 313-412. +Segnitz+, Sagen, Legenden etc. aus der
Geschichte des sächsischen Volkes, 2 Bde., Meißen 1839/41. +Ziehnert+,
Sachsen’s Volksagen, 1. Aufl., 3 Bde., Annaberg 1838 ff., neue Ausgabe
in Einem Bande, ebenda 1851). Viele derselben aber sind nur mündlich
verbreitet. Von letzteren wollen wir die wenigen Mittheilungen, die uns
in dieser Beziehung zugegangen sind, anschließen.
548. Es spuckt bei den Sandgruben, welche zwischen +Buchholz+ und
+Schlettau+ an der sogenannten alten Straße liegen. -- 549. Desgleichen
ist es nicht geheuer bei der letzten Vertiefung, welche die Chaussee
zwischen +Schlettau+ und +Scheibenberg+ macht, bei dem sogenannten
Saubade, das seinen Namen von den wilden Schweinen hat, die sich lange
vor Anlegung der Chaussee in dem sumpfigen Moorboden daselbst abkühlten.
550. Zwischen +Geiersdorf+ und +Königswalde+, am linken Ufer der Pöhla,
liegt eine Wiese (nach ihrem Besitzer die Reicheltwiese genannt), die,
da dieselbe sumpfigen Untergrund hat, sehr weich und „papprich“ ist.
In derselben soll ein Fuhrmann, der Salz geladen hatte, mit Wagen und
Pferden versunken sein. Abends 9 Uhr erscheine derselbe mit seinem
Fuhrwerk wieder, knalle mit der Peitsche und rufe: „Hüoh!“ -- 551.
Bei der Grube „Dorothea“ auf +Geiersdorfer+ Gebiet und bei der Grube
„Stern“ auf +Mildenauer+ Revier läßt sich zu gewissen Zeiten ein
Lichtchen sehen. -- 552. In der +Zschopau+ giebt es einen Nix, der
jährlich sein Opfer fordert.
553. Auf dem +Greifenstein+ bei Geier läßt sich der Kaspar sehen. Er
erscheint in weißen Hosen, rothem Fräckel, großen Kanonenstiefeln und
Bonaparthut. Man erzählt z. B.: eines Tages, Nachmittags 4 Uhr, als die
Arbeiter eines Steinbruches, welcher dem Greifenstein sehr nahe liegt,
ihr Brod verzehrten, ruft aus Unmuth einer von den Arbeitern gegen die
Höhe des Felsens: „komm, Kaspar, iß mit.“ In demselben Augenblick
kommt ein großer Stein vom Fels herab und fällt gerade neben dem
Arbeiter hin. -- 554. Als der früher in Ehrenfriedersdorf angestellte
Förster Töpel eines Tages bei dem +Greifenstein+ vorbeiritt, hingen
soviel Gras- und Strohhalme von den nahen Bäumen herab, daß er kaum
hindurchreiten konnte. Dabei bleiben einige Halme auf seinem Hute
liegen. Als er daheim seinen Hut abnimmt, hat er um denselben eine
goldne Kette. Es soll noch ein Stück von dieser Kette vorhanden sein.
555. „Of dem +Schladenberg+ (Schlettenberg bei Marienberg) da lössen
sich immer ä paar Lichtle sahn. Da drinn stackt nämlich e goldnes Kinn
(Kind). Un an en gewissen Tog wächst do druff eene schüne Blum. Wär
nu die nimmt, dar kan in den Barg nei gihn. Do liegt ä goldnes Gungel
(Junge) in eener gold’n Pfann. Doas Zeig (Zeug) bewacht ä grußer Hund.
Där nu die Blume hoat, darf se nur den grußen Hund hinweißen. Nu ko er
die Pfann mit dem Gungel nahm. Nu ober muß er ausreißen. Iß er über’n
Hammergraben, do kan der Hund nischt mer thun. Wenn er aber noch nich
d’rüber ist, un der Hund hat’n eigehult, do muß er d’s Gungel un d’s
annere Zeig her goben un der Hund trogt’s wieder nuff.“
Zweite Abtheilung.
Sitten und Gebräuche.
Bei dieser Abtheilung machte es besondere Schwierigkeiten, den ziemlich
umfangreichen, aber andererseits durchaus nicht vollständigen Stoff
in eine leidliche logische Ordnung zu bringen. Es wurde vor Allem der
Gesichtspunkt der +Feste+ in das Auge gefaßt und zunächst diejenigen
Sitten und Gebräuche erörtert, welche sich an noch gegenwärtige oder
frühere kirchliche Feiertage anschließen. Dann folgen die Feste, deren
Feier aus dem alltäglichen Leben und dem Bedürfnisse nach religiöser
Weihe oder nach leiblicher Erholung hervorgegangen ist. Die Feste
endlich, welche die einzelne Familie bei besonderen Ereignissen ihres
häuslichen Kreises begeht, bilden den Schluß. Es lag nahe, namentlich
„bei den Festen des bürgerlichen Jahres,“ an die feiernden Personen
das oder jenes anzuschließen, was ebenfalls in das Gebiet der Sitten
und Gebräuche gehört. Es werden daher bei der Kinderwelt außer dem
Schulfeste auch Spiele und andere Erholungen besprochen und bei den
Festen der Erwachsenen ist insbesondere auf die Eigenthümlichkeiten des
Bergmannes und des Bauers näher eingegangen. Diese gesammte Anordnung
kann vielfach angefochten werden, doch erschien sie immer noch als die
übersichtlichste und ist deshalb gewählt worden. -- Ein anderer Mangel
liegt weniger in der Form, als in dem Inhalt. Manches, was vielleicht
ausführlich behandelt ist, wird der oder jener für unwichtig halten,
während er Anderes, was gar nicht erwähnt ist, vermißt. Wir gestehen
dies gern zu; doch rechnen wir aus den in der Vorrede angeführten
Gründen auf nachsichtige Beurtheilung.
Das Jahr mit seinen Festen.