2. Thiere und Pflanzen.

§ 21 (40 ff.). ~a.~ Der +Hund+, der Frigga beigegeben als Sinnbild

der Häuslichkeit (§ 16), besitzt daher als in Göttergemeinschaft

stehend, die Gabe des Blickes in die Zukunft und sieht namentlich

die leichenwählenden Nornen oder Walkyren nahen. Vgl. 244 u. 812. --

196. Heult ein Hund mit erhobenem Kopfe, so bricht Feuer aus, senkt

er den Kopf dabei, so stirbt Jemand (allg.), vgl. 530. * Ruft man ihn

aber beim Namen, so wird dem Unglück, welches er anzeigt, vorgebeugt

(Zwickau), vgl. 407. -- 197. Begegnet man beim Ausgehen einem Hunde, so

ist es ein gutes Anzeichen (Annaberg), vgl. 161 ff.

~b.~ Das +Pferd+. 198. Das Pferd gilt ebenfalls als ein weissagendes

Thier, vgl. 250.

~c.~ Der +Hase+. 199. Der Hase wird wegen seiner oft koboldartig

erscheinenden Gestalt für eine verkappte Hexe gehalten (vgl. 351 u.

353), daher bedeutet ein über den Weg laufender Hase Unglück (allg.).

Vgl. „Die Symbolik in der deutschen Mythologie“ Aufsatz in den

Grenzboten 1862. I. S. 104 ff.

~d.~ Die +Katze+, wie der Hund der Frigga heilig, ist als Begleiterin

oder auch als angenommene Hülle der Hexen (vgl. 351) dem Aberglauben

ebenfalls ein vorbedeutendes Thier. -- 200. Eine über den Weg laufende

Katze, besonders eine schwarze, bedeutet Unglück (allg.). -- 201. Wenn

die Katze sich putzt (Marienberg), oder einen krummen Rücken macht

(Schwarzenberg), kommt Besuch. Vgl. 813 u. 814.

~e.~ Das +Schwein+ war das gewöhnliche Opferthier bei den alten

Deutschen und daher dürfen aus diesem Thiere bereitete Speisen

Weihnachten und Fastnachten nicht fehlen, vgl. 14, 73 u. 452. -- 202.

Der Aberglaube, daß begegnende Schweine Unglück, wenigstens Prügel,

bedeuten, +Schafe+ dagegen Glück oder daß man gern gesehen werde

(allg.), stammt wohl aus der alttestamentlichen Bedeutung dieser

Thiere. -- * 203. Wenn das Schwein beim Schlachten nicht schreit, so

ist es nicht fett (Mildenau). -- Die +Kuh+ vgl. 140 u. 815.

§ 22 (42 ff.). ~f.~ Die +Krähe+ und +Dohle+ vertreten die Stelle des

im Gebirge nicht vorkommenden +Raben+, der, als Wodan’s Vogel, Unglück

verkündend ist. -- † 204. Setzt sich eine Krähe auf ein Haus, so stirbt

Jemand in diesem (Annaberg) oder in dem gegenüberstehenden Hause oder

überhaupt in der Nachbarschaft (Raschau). Dasselbe gilt von der Dohle

(Annaberg). -- * 205. In Annaberg ist namentlich Eine von gewissen

klugen Leuten gekannte Dohle, aus der Zahl derer, welche in der Nähe

des Gottesackers sich aufhalten, die, wenn ein Todesfall im Hause

eintreten wird, sich auf das betreffende Haus setzt und jämmerlich zu

schreien anfängt. Vgl. 530, 825 u. 826.

~g.~ Das ganze Geschlecht der +Eulen+ steht nach altem Aberglauben mit

den finstern Mächten im Bunde. -- † 206. Wenn das +Käuzchen+ schreit,

so stirbt innerhalb dreier Nächte ein Verwandter oder Freund dessen,

der es hört (Zwickau), vgl. 412 u. 530.

~h.~ Die +Henne+. 207. Wenn eine Henne kräht, bedeutet es Unglück

(Geiersdorf, Marienberg), vgl. 818 ff.

~i.~ Die +Schwalbe+ ist ein glückbringender Vogel. Ebenso die

+Wachtel+, vgl. 423. -- † 208. „Jag’ die Schwalben nicht ’naus, denn

sie bringen Segen in’s Haus“ (Annaberg, Raschau). -- † 209. In dem

Hause, wo Schwalben nisten, kommt kein Feuer heraus (allg.), vgl. 366,

420, 672 u. 824.

~k.~ Der +Kukuk+ gehört ebenfalls zu den Göttervögeln des deutschen

Heidenthums und gilt allgemein als weissagend. -- 210. Wenn man den

Kukuk im Frühjahr zum erstenmal rufen hört, frage man: „Kukuk, schrei

mir meine Jahre aus, wie lange ich noch leben soll.“ So viel mal sein

Ruf ertönt, so viele Jahre lebt man noch (allg.). -- 211. Bei dem

ersten Kukuksruf greife man an den Geldbeutel, dann geht einem das

Geld im ganzen Jahre nicht aus. Wer dabei aber kein Geld bei sich hat,

dem fehlt es das ganze Jahr hindurch (allg.), vgl. 457. -- 212. Den

Burschen und Mädchen giebt er auf ihre Frage an, wieviele Jahre sie

noch ledig bleiben (Schwarzbach).

~l.~ Die +Spinnen+ gehören als Mitbewohner des Hauses zum Gefolge der

Freya, vgl. 367, 420, 830 und +Wuttke+, § 202. -- 213. Wenn früh eine

Spinne auf Jemanden zuläuft, so bedeutet dies Glück (allg.). * Oder:

wenn die am Vormittag auf Jemanden zulaufende Spinne bei dem Zuruf:

„Spinne, bringst du Glück, bleib’ steh’n, bringst du keins, lauf’

fort“ sitzen bleibt, ist es ein glückbringendes Anzeichen (Raschau).

Neueren Ursprungs scheint der entgegengesetzte Aberglaube: „Die

Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen“, vgl. das Französische:

~araignée au matin grand chagrin, araignée du soir grand espoir~. Eine

Vereinigung beider Aberglauben findet sich in folgender Ansicht: *

Spinnen, namentlich Kreuzspinnen, früh in der siebenten Stunde bedeuten

Glück, in der zehnten Vormittagsstunde zeigen sie Unglück, wenigstens

Verdruß an (Zwickau). -- * 214. Läuft die Spinne an Jemanden hinauf, so

bedeutet es Glück, läuft sie abwärts aber Unglück (Zöblitz), vgl. 367.

~m.~ Der +Holzwurm+, die Todtenuhr, auch die Holzmühle genannt. 215.

Dieser Käfer zeigt durch sein Picken den nahe bevorstehenden Tod eines

der Hausbewohner an (allg.), vgl. 530 und +Wuttke+, § 50.

§ 23 (45). +n.+ Der +Hollunderstrauch+ (vgl. 133 u. 166) war im

deutschen Heidenthum von hoher Bedeutung und stand namentlich auch in

Beziehung zu den Todten (+Montanus+, die deutschen Volksfeste etc. 2.

Bdchen., S. 149), daher sein häufiges Vorkommen auf Gottesäckern. --

* 216. Wenn im Herbste ein Hollunderbaum wieder blüht, so stirbt bald

Jemand aus der Familie, der der Baum gehört (Schneeberg), vgl. 530.

~o.~ Die +Haselstaude+ (~corylus avellana~) ist ebenfalls dem deutschen

Heidenthum bekannt, woher noch ihre Verwendung zur Wünschelruthe rührt,

vgl. 459. -- * 217. Jedes Zäpfchen am Haselstrauch nach Michaelis, wo

zwei und zwei zusammengewachsen sind, bedeutet einen Groschen Aufschlag

am Brode (Ehrenfriedersdorf). -- * 218. Wenn viele Haselnüsse werden,

entstehen viele uneheliche Kinder (Geier), vgl. 475. +Wuttke+ sagt §

366: „Die Nüsse, besonders die Haselnüsse, haben durch ganz Deutschland

eine besondere Beziehung zur Liebe und zur Ehe.“

~p.~ Der +Hagerosenstrauch+ (~rosa canina~), „Hanebuttenstrauch“,

diente wahrscheinlich zum Einzäunen der heiligen Hainstätten und

war ein Gegenstand abergläubischer Verehrung. -- * 219. Wenn der

Hagebuttenstrauch viel Früchte trägt, so kommt viel Sturm und Regen

(Raschau), vgl. 832 ff.

~q.~ Außer den angeführten Gewächsen giebt es noch mehrere, denen

ebenfalls eine besondere Bedeutung, deren Ursprung bis in das deutsche

Heidenthum zurückreicht, beigelegt wird. Z. B.: der +Hirse+ war eine

in den frühsten Zeiten unsers Volkes sehr verbreitete Getreideart

und gewöhnliche Festspeise, daher noch jetzt seine abergläubische

Anwendung, vgl. 14, 18, 73, 167 u. 365.

~r.~ Neueren Ursprungs sind Anzeichen an folgenden Gewächsen: * 220.

Wenn das +Korn+ abgehauen wird und es schlägt das Brod auf, so wird das

Brod billig (Raschau). -- * 221. Wenn der Brei von neuen +Erdäpfeln+

recht quillt, so bleiben dieselben billig (Geier). -- * 222. Je mehr

Brode in dem „+Brodkörbchen+“, einem kleinen schwammartigen Gewächs,

desto wohlfeiler wird das Brod und umgekehrt (Ehrenfriedersdorf). --

Vgl. die Botanik des Aberglaubens, Aufsatz in der Illustrirten Zeitung

1860, Nr. 879.

Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges: Ein Beitrag zur Kenntnis des Volksglaubens und Volkslebens im Königreich Sachsen · 第 20 / 54 题