Bemerkungen über die +beste Erholung+, den +Schlaf+, nicht fehlen; denn
ein Mensch, der durch den Schlaf noch nicht genügend gestärkt und
neubelebt ist, der müde und abgespannt die Arbeit der Lerntätigkeit
aufnimmt, leistet wenig oder gar nichts. Der wissenschaftliche
Versuch zeigt uns nämlich, daß der Einfluß des körperlich-geistigen
Wohlbefindens auf die Leistungsfähigkeit sehr groß ist.
Allgemein ist die Ansicht verbreitet, daß für den Erwachsenen
mindestens acht Stunden Schlaf nötig sind. Wenn aber ein Bedürfnis
für noch längere Ruhe vorhanden ist, so gebe man dem ruhig nach. +Die
Nacht+ sollte +so wenig als möglich zur Arbeit+ verwendet werden.
Nach dem Mittagessen (12 Uhr) erreicht die geistige Leistungsfähigkeit
infolge der Verdauungstätigkeit einen ganz beträchtlichen Tiefstand.
Darum ist die geistige Arbeit sofort nach dem Mittagessen verfehlt.
Entweder wird sie oder die Verdauung, meist beide, unter großer
Kraftvergeudung ungünstig beeinflußt. Von 3 Uhr an steigert sich wieder
die Arbeitsfähigkeit und erreicht gegen 5 Uhr ihren Höhepunkt am
Nachmittag.
Bei Nervosität oder nach angestrengter geistiger Arbeit, die unbedingt
+mindestens eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen zu beenden+ ist,
vermag mancher nicht einzuschlafen. Dem können wir nicht dringend genug
unser Mittel der Entspannung empfehlen, wie wir es für Spaziergänger
vorschlugen, nur daß an Stelle des Marschierens fortwährendes Zählen,
etwa bis vier, einzutreten hat: Also Sammlung auf tiefe Atmung und
Zählen, dabei mit geschlossenen Augen Festhalten eines vorgestellten
Punktes. Dazu fasse man vertrauensvoll den festen Vorsatz, am andern
Morgen recht frisch, munter und leistungsfähig aufzustehen!
Wir haben es hier mit der +Einbildung+ zu tun, die aber ganz
wesentlichen Einfluß auszuüben vermag. Es sei nur an die bekannte
Tatsache erinnert, daß es fast jedem Menschen möglich ist, zu einer
bestimmten Zeit frühmorgens aufzuwachen. Bei den meisten genügt hierzu
der feste Vorsatz und der Glaube an den Erfolg.
Selbst bei schwerer Schlaflosigkeit läßt sich mit ähnlichen Mitteln
viel erreichen. Natürlich ist es dann nötig, noch länger als eine halbe
Stunde vor dem Schlafengehen mit jeder geistigen Arbeit aufzuhören.
Auch muß man sich +tagsüber körperlich müde gearbeitet+ haben. Die Zeit
vor dem Schlafengehen verwende man dann dazu, in einem schleppenden,
ermüdenden Zeitmaß umherzuwandern, durch Schlaffmachen des ganzen
Körpers sich +Müdigkeit einzureden+, bemühe sich, an nichts weiter als
an die Müdigkeit zu denken, die immer mehr von Körper und Geist Besitz
ergreift. Man vergesse aber ja nicht den +gläubigen Vorsatz+, am andern
Morgen recht +frisch und leistungsfähig aufzustehen+.
Wenn ein Nervöser den Arzt zu Rate zieht, ist dessen erste Frage nach
der Verdauung. Verstopfungen sind nämlich mitunter die allerersten
Ursachen von Schädigungen des Nervengefüges, von Schwermut,
Lebensüberdruß, ja sogar von Selbstmord und schweren Verfehlungen in
geschlechtlicher Beziehung.
Und diese Schädigungen sind gerade bei Schülern infolge der sitzenden
Lebensweise weit verbreiteter, als man nur ahnt. Da infolge der
herrschenden falschen Scham diese außerordentlich wichtige Frage selten
gestreift wird, will ich wenigstens in dieser Beziehung meine Pflicht
erfüllen, denn es ist eine ganz gefährliche Klippe, an der schon
manches Lebensglück gescheitert ist.
Es ist nicht zu empfehlen, mit Arzeneien, an die sich der Körper
schnell gewöhnt, dagegen einzuschreiten. Ein Glas frisches Wasser am
Abend und eins nüchtern frühmorgens wirken in den allermeisten Fällen.
Wichtig ist Gewöhnung an eine bestimmte Zeit, dabei nötigenfalls
Einbildungseinflüsse vor dem Einschlafen.
Dem Körper fremde Gifte.
Bei nervöser Schlaflosigkeit mit Kopfschmerz verordnet der Arzt
+Brom+. Wie aber die Untersuchungen der Kräpelinschen Schule ergeben
haben, schwächt dieses Gift das Gedächtnis, indem es die seelische
Verbindefähigkeit herabsetzt. Unsere oben erwähnten naturgemäßen Mittel
gegen Schlaflosigkeit sind entschieden empfehlenswerter als jeder
Gifttrank, wenn auch Brom noch verhältnismäßig am unschädlichsten ist.
Viel verbreitet ist als Schlafmittel
das Rauschgift.
In dieser Frage will ich nur Leuchten der Wissenschaft reden lassen.
Schon 400 Jahre vor Chr. Geb. wünschte +Plato+ ein Gesetz, das den
Knaben bis zu 18 Jahren den Wein verbietet. Ferner hat Kräpelin, Lehrer
der Irrenärzte, an der Universität München, 1892 in einer wertvollen,
vielbeachteten Arbeit: „Über die Beeinflussung einfacher seelischer
Vorgänge durch einige Arzneimittel“ die Wirkung von Alkohol, Tee,
Morphium, Äther, Amylnitrit usw. untersucht. Die Ergebnisse, zu denen
er in bezug auf die Wirkung des Alkohols kommt, sind kurz folgende:
Einfache geistige Fähigkeiten mit und ohne Weingeistbeeinflussung
können ja genau an den +Leistungen+ gemessen und verglichen werden. Da
zeigt sich, daß das Rauschgift geistige Leistungen +verringert+ und
+verschlechtert+, während merkwürdigerweise die Leute selbst glauben,
besonders gut und angeregt zu arbeiten. An vielen Versuchspersonen
wurden folgende Untersuchungen mit peinlich gewissenhafter Vermeidung
von Fehlerquellen angestellt:
1. die Zahl der Silben geprüft, die in fünf Minuten mit Betonung
gelesen wurden, ebenso
2. die Menge der Zahlen, die in derselben Zeit zusammengezählt wurden,
3. die Zahl der Wiederholungen, die nötig waren, um zwölfstellige
Zahlen zu lernen,
4. die Zeit auf tausendstel Sekunden gemessen, die gebraucht wurde,
um bei zwei verschiedenen Zeichen, etwa Klingel oder Erscheinen einer
grünen Scheibe, entweder einen rechten oder linken Hebel loszulassen.
+Höhere geistige Arbeit+ wurde verlangt, indem man zu sinnlichen
oder rein gedanklichen (abstrakten) Wörtern schnell andere Wörter zu
sagen hatte. Natürlich sind +die+ Wörter am schnellsten da, die schon
irgendeine Verbindung mit dem Reizwort haben, mit ihm verbunden oder
gar verknüpft sind. Die Verknüpfung ist natürlich die höhere Leistung.
Es zeigte sich, daß diese sinnvollen, gedanklichen Zusammenhänge
(Apperzeptionen) nach Alkoholgenuß vermindert und durch bloße
Vorstellbindungen (Assoziationen) ersetzt wurden. Und unter diesen
fand ebenfalls ein weiteres +Herabdrücken+ statt. Die wertvolleren
Verbindungen, etwa daß beim Reizwort Tag einfiel: Licht, Sonne,
Arbeit usw., werden durch solche ersetzt, wo noch weniger Sinn zu
walten braucht: Mittag, Sonntag, Bach, mag usw. Hier ruft der Klang
einen andern Klang geistlos ins Bewußtsein. Auch wurden viel Worte
gemacht mit wenig Sinn. Diese Tatsache ist natürlich fürs Gedächtnis
bedeutungsvoll.
Endlich wurde das unmittelbare Behalten geprüft. Das Auge betrachtete
durch einen Spalt sinnlose Silben, ein- und zweisilbige Wörter, die
sich auf einer Trommel vorüberbewegten. Man ließ nun nach 15, 30
oder 60 Sekunden angeben, was gemerkt worden war. Schon bei 30 ~g~
Alkohol (¾ ~l~ Bier) treten nach 15 bis 20 Minuten häufige Auslassungen
(vergessen) ein, auch falsche Angaben. Die Zuverlässigkeit leidet
stark. Besonders bei sinnlosen Silben, die schwerer zu lesen und
aufzufassen sind als sinnvolle Wörter, stieg die Zahl der Auslassungen
auf das Fünfzehnfache, die der falschen Angaben aufs Doppelte der
Fehler in nüchternem Zustande.
Es zeigt sich also eine +um so größere Beeinträchtigung, je
anstrengendere oder höhere Leistungen+ vom Geiste verlangt werden.
Je geistloser, je maschinenmäßiger, je eingeübter eine Arbeit ist,
desto geringer ist der Schaden. Es wirkt also der Alkohol auf +den+ am
ungünstigsten, der +schöpferisch+ tätig sein will.
Nach größeren Gaben, bei 60 ~g~ Alkohol (= 1½ ~l~ Bier), war die
Erschwerung oder Lähmung der geistigen Arbeit bis zwei Stunden
nachzuweisen. Bei mittleren Gaben, bei 30-45 ~g~ Alkohol (= ¾–1 ~l~
Bier), ergab sich ebenfalls bei +allen+ geprüften geistigen Leistungen
eine deutlich nachweisbare Minderung von etwa 40 bis 50 Minuten Dauer.
Nach geringen Gaben (7,5-10 ~g~ = ¼ ~l~ Bier) trat vor der Lähmung
eine +kurze+, viertel- bis halbstündige Erleichterung ein, jedoch nur
bei Arbeiten, die irgendwie +mit Muskelarbeit+ zusammenhängen, z. B.
beim Lesen (Sprachmuskulatur), beim Loslassen der Hebel. Aber dieser
unwesentliche, kurze Vorteil wird +übertroffen+ von +Nachteilen+:
Die Sicherheit und Genauigkeit nimmt ab. Was nützt es, wenn die
Bewegung erleichtert, aber die +Überlegung verringert+ wird und die
+Zuverlässigkeit leidet+! Was ist das aber für ein verfluchter Gewinn,
wenn der Führer eines Kraftwagens das Lenkrad schneller dreht, aber
gerade nach der falschen Richtung, und einen solchen Zusammenstoß
mit Wagen oder Baum oder Prellstein verursacht, daß alle Insassen
herausgeschleudert werden und Hals und Beine brechen!
„Und gar eine einmalige Gabe von 80 ~g~ Alkohol = 2 ~l~ Bier verfliegt
nicht rasch und vollständig, sondern hinterläßt eine gewisse
Nachwirkung, die nach 24 Stunden noch nicht ganz verschwunden ist.“
(Kräpelin.)
+Jede Erleichterung fehlt+ bei den Vorstellbindungen und beim Rechnen.
Auf das Gedächtnis wirkt also auch eine kleine Gabe von allem Anfang
an schädlich. Kräpelin folgert, daß der Weingeist +von vornherein die
Verstandes- und gefühlsmäßigen Vorgänge+, später auch die zunächst
erleichterten Bewegungen erschwert.[22]
Wenden wir uns nun von diesem auch die Gedächtnistätigkeit lähmenden zu
den anregenden Giften, Tee und Kaffee.
Sie enthalten beide dasselbe Gift. In den Kaffeebohnen schwankt der
Gehalt an Kaffein (Koffein, Teein usw.) von 0,7-2,2%, in den Blättern
des chinesischen Tees von 2-3,5%, im Paraguaytee (~Ilex paraguayensis~)
beträgt er gegen 5%.
Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es kein gänzlich
ungefährliches Gift ist. Kräftige Gaben erzeugen Gedankenverwirrung,
Schwindel, Ohrensausen, Beklemmung, Zittern der Hände, jagenden,
zuweilen aussetzenden Puls. Sind diese Erscheinungen vorüber, so
bleibt eine körperliche und geistige Niedergeschlagenheit zurück. Bei
Tieren tritt nach größeren Mengen unter allgemeiner Muskellähmung der
Tod durch Ersticken ein. Wenn wir auch heute etwas an den Genuß von
Kaffee gewöhnt sind, so ist Kindern, Herzkranken und nervösen Personen
gegenüber Vorsicht, am besten Ersatz des Kaffees nach altdeutscher
Sitte durch eine reiche Auswahl kräftiger Suppen geboten.
Durch die bekannten Kaffee-Ersatzmittel-Aufgüsse wird nach Mahlzeiten
der Magensaft verdünnt, die Verdauungstätigkeit verlangsamt und
verlängert. Sie sind also auch nicht zu empfehlen. Überdies +trinken
wir+ im allgemeinen +viel zu viel+.
In geringen Mengen und nicht Tag für Tag genossen wirkt dieses Gift
aber anregend auf die Nervenzentren des Großhirns und des verlängerten
Markes. Das Herz schlägt kräftiger. Darum pulst das Blut schneller,
wird in reicherem Maße allen Geweben des Körpers zugeführt, spült die
dort entstandenen Ermüdungsgifte schneller fort und führt reichlich
neue Nährstoffe zu. Deshalb regt es auch die geistigen Fähigkeiten
merklich an. Man denkt und arbeitet leichter; sowohl gewohnheitsmäßige,
geistige Arbeiten, als auch die Auffassung neuer Eindrücke werden
gefördert. Ermüdung, sogar der Schlaf wird verscheucht.
Gleichwohl ist es ohne Zweifel besser, auch das Kaffein zu meiden und
sich nur dann die mäßige Anwendung dieses Giftes zu gestatten, wenn
ein dringendes Bedürfnis vorliegt: Nachtwachen bei Schwerkranken; für
Kraftwagen- und Dampfwagenführer usw.
[19] Dr. Feuchtersleben, Diätetik der Seele (Tagebuchblätter), und
Dr. Hufeland, Makrobiotik, seien als weitere Beiträge zur seelischen
Gesundheitspflege empfohlen (Reclams Univers.-Bibl. Nr. 1281 und
481/484); ebenso Nr. 1130: Kant, Macht des Gemütes (herausg. von
Hufeland).
[20] Das Kosmosbändchen von Lipschütz, Warum wir sterben, bringt
weitere Belege zu dieser Frage.
[21] Sehr zu empfehlen ist besonders für Frauen: Weibliche
Körperbildung und Bewegungskunst von F. Giese und Hedwig Hagemann.
(F. Bruckmann, München.) Nur Atemübungen, aber in ausgezeichneter
Weise, bietet das billige Heftchen von ~Dr. med.~ Beschorner und
Friedrich Richter, Atemübungen (Verlag Paul Eberhardt, Leipzig).
[22] Als Anregung zu weiterem Nachdenken über diese und andere unsre
Zeit bewegenden Fragen sei das Buch von Bonne empfohlen: Im Kampf
um die Ideale, Verlag E. Reinhardt, München (erschienen in einer
großen und in einer +Volksausgabe+, 13 Mk.). Ferner Dr. Wilhelm
Bode, Zum Schutze unsrer Kinder vor Wein, Bier und Branntwein
(Mäßigkeits-Verlag, Berlin ~W~ 15, Uhlandstraße 146, 1 Mk.)
XII. Zusammenfassung.
Der Wert des Zurückschauens, Überblickens, Zusammenfassens, den
wir bei allen geistigen Leistungen erkannten, besonders aber bei
Gedächtniserfolgen gewürdigt haben, führt von selbst zu einer kurzen
Rückschau am Schlusse des Buches.
Eine grundlegende Geisteskraft für allen Fortschritt, zugleich wohl
die schwierigste Frage der Seelenforschung, lernten wir im Gedächtnis
kennen. Es vertieft jede Geistesbildung und gibt ihr Reichtum und
Umfang.
Als der Mensch erkannte, daß die Natur einfach gestellte Fragen
(Experimente) unveränderlich nach ewigen Gesetzen beantwortet, als er
erkannte, daß er selbst nicht außerhalb der Natur steht, unterwarf
er auch den menschlichen Geist und das Gehirn dem wissenschaftlichen
Versuch, auf dem die großen Ergebnisse der heutigen Gedächtnisforschung
beruhen, deren Kenntnis für die Allgemeinheit von großem
Nützlichkeitswert ist.
Auf dem Schaffen von Zusammenhängen beruht das Gedächtnis. Dieses
Verbindungenschlagen, Verquicken und Durchdringen (bei Verschmelzung
und Angleichung) geistiger Grundwerte bezeichnen wir (als Assoziation)
als Vorstellbindung, wenn es von selbst geschieht. Ist Aufmerksamkeit
und Wille daran beteiligt, so entstehen (Apperzeptionen): Beziehungen,
Verknüpfungen, Verkettungen.
Obgleich sich unser Gedächtnis aus einer Vielheit, dem Zahlen-, Wort-,
Ton-, Bewegungs-, Gleichgewichtsgedächtnis usw., zusammensetzt, gelten
doch gewisse Regeln für sie alle.
So ist der Grad der Aufmerksamkeit bei der Auffassung eine grundlegende
Kraft. Je mehr Aufmerksamkeit und innere Sammlung -- desto größer
ist der Erfolg des Lernens. Aber schon hier zeigen sich persönliche
Unterschiede. Wir unterscheiden eine stetige oder festhaltende
Anlage, die sich nur langsam einer Aufgabe anzupassen vermag, aber
dann treu und zäh in der einmal eingeschlagenen Richtung beharrt,
ferner eine unstete Form, die sich überraschend schnell einer
umfangreichen Aufgabe anpaßt, sich aber leicht ablenken läßt. Zu
erstreben ist aber ein drittes Gepräge, das die Vorzüge beider Formen
in sich vereinigt, schnell umfangreich-oberflächlich, aber ebenso
schnell beschränkt-kräftig und -tiefgehend sich dem einzelnen widmen
kann. Durch Übung lassen sich fast alle angeborenen Unterschiede im
Gedächtnisbereiche ausgleichen.
Genau so stark wie unser gesamter leiblich-geistiger Verband, z. B.
Puls, Atmen, Gehen usw., rhythmisch veranlagt ist, kommt auch bei
Aufmerksamkeit und Bewußtsein der Takt als ein jede leibliche und
geistige Arbeit stark fördernder Antrieb vor. Er läßt uns Getrenntes
zu Einheiten zusammenfassen und wird so zu einer bedeutsamen
Gedächtnishilfe.
Was Gefühlswert für uns hat, was als eigenes oder fremdes Erlebnis
(in Form einer Erzählung) an uns herantritt, begegnet einer starken
Anteilnahme. Wirkt aber die Neigung mit, so ist die Arbeit schon zur
Hälfte geleistet. Darum empfiehlt es sich, an dem, was wir treiben, den
regsten Anteil zu nehmen, in hohem Grade tätig zu sein.
Das Gefühl der Sicherheit, des Könnens, dieses Kraftgefühl, ist,
wie bei allen Erfolgen, so auch beim Gedächtniserfolg eine wichtige
Voraussetzung. Nichts hindert unsre Fähigkeiten so sehr wie der
lähmende Zweifel. Er muß mit aller Kraft unterdrückt werden, und läßt
sich das erforderliche Selbstvertrauen auf keine andere Weise gewinnen,
so nehme man ruhig die Einbildung (Autosuggestion) zu Hilfe. Der Erfolg
ist hier das Entscheidende.
Schon daraus läßt sich schließen, daß der bewußte Wille auf den
Gedächtnisvorgang nicht ohne Einfluß ist. Tatsächlich weist die
Versuchs-Seelenkunde nach, daß der feste Vorsatz, sich etwas für immer
einzuprägen, die Dauer der Bindungen fördert. Unbewußt steigert sich
dabei die Aufmerksamkeit.
Auseinanderreißen des Lernstoffs führt meist zu geistloser Einprägung.
Schon darum ist das Lernen im Ganzen vorteilhafter als Lernen in
Teilen. Nur in jenem Falle wirkt der Sinn als starke Hilfe. Selbst
bei großen Stoffen ist das Ganzlernen zu empfehlen. Nur schiebe man
sinngemäß einige Pausen, in denen an nichts anderes gedacht werden
darf, ein. Währenddessen kann sich die Aufmerksamkeit neu sammeln. So
werden auch bei umfangreichen Stoffen die Gedankenfäden nur in einer
Richtung geschlagen.
Das Merken arbeitet in zwei Formen. Das unmittelbare Behalten ist ein
Benützen von Nachbildern, die wir noch eine kurze Zeit im Bewußtsein
festhalten, bis wir etwa auf eine Frage die Antwort gefunden haben.
Dagegen beruht das Merken für längere Zeit, das auch wieder in zwei
Formen möglich ist, für einen bestimmten Zeitpunkt und für immer, auf
dem wichtigen Vorgang der Bindung oder Verkettung (Assoziation oder der
Apperzeption).
Geschickte Auffindung irgendwelcher Zusammenhänge selbst bei sinnlosem
Stoff ist eine wertvolle Hilfe beim Einprägen. Die Zahl besonders
führt in unserem Geiste ein recht schwaches kraftloses Dasein. Wer nun
schnell und geschickt mit mnemotechnischer Hilfe die Zahlen in passende
Wörter zu übertragen vermag, wird ohne Zweifel Vorteile haben. Allein
für andere sind die mnemotechnischen Grundsätze eine +Kraftvergeudung+,
da meist mit einer ungeheuern Menge von Hilfsvorstellungen gearbeitet
werden muß.
Bei den einzelnen Menschen zeigen sich ausgeprägte
Vorstellungsunterschiede. Die einen arbeiten vornehmlich mit Gesichts-,
die andern mit Gehörsvorstellungen. Sehr bedeutungsvoll sind außerdem
Bewegungserinnerungen für unser Vorstellen und geistiges Arbeiten.
Die Anschauung dient als unerläßliche Grundlage aller Erkenntnis,
und ohne kräftige Arbeit der Sinne gibt es kein gesundes, lebendiges
Geistesleben. Durch planmäßige gründliche Beobachtungsübungen gilt
es, schon in frühester Jugend die folgenschwere Unzuverlässigkeit der
Zeugenaussage zu bessern.
Gesundheit des Gedächtnisses beruht in der Gesundheitspflege des
Körpers und Geistes. Gesunder Leib und gesunder Geist verbürgen auch
ein leistungsfähiges Gedächtnis.
Lösung der Aufgabe auf S. 50:
In den meisten Fällen ist die VI (6) nur angedeutet. Ihr Platz wird vom
Sekundenzifferblatt eingenommen. Nun eine ehrliche Antwort! Sahst du
nicht eine VI (6) oder IɅ (9) vor deinem geistigen Auge stehen?
* * * * *
Dieses Buch sollte in erster Linie die +Wissenschaft+ von der heutigen
Gedächtnisforschung verbreiten. Ausführlich auch noch die Anwendung der
Ergebnisse für Lehre und Leben zu bringen, dafür mangelte der Raum.
Aber in zwei andern Bändchen von +Alfred Leopold Müller+:
1. +Praktische Gedächtnispflege+ wird das nachgeholt. Die 4. Auflage
bringt auf 55 Seiten wichtige Ratschläge für +alles+ Lernen. In den
folgenden 23 Seiten sind +sämtliche fruchtbringende+ Gedanken über
+Sprachenlernen+ dargestellt, die jemals veröffentlicht wurden. Die
letzten 14 Seiten behandeln ausführlich: +Sinngemäße Vorbereitung auf
Prüfungen+.
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Der Geistesforschung 4.-6. Band. (Th. Müllers Verlag und
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lernen. Gedächtnisberufseignungsprüfungen. Bildhafte Darstellung
philosophischer Gedankengänge, mathematischer, geschichtlicher,
erdkundlicher Stoffe. Absichtliches Vergessen. Rechte und falsche
Befreiung der Seele (Psychanalyse). Erleben der Gedächtnisstoffe. Vier
Rechenkünstler und ihre Merktechnik. Die verwerfliche Mnemotechnik,
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Mit diesen drei Werken hat jeder die Gewähr, das +gesamte+
Gedächtnisgebiet zu kennen, auf sicherem Grunde zu stehen und
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verwickeltes Kulturleben und für sein persönliches Leben hingewiesen zu
sein.
Von Alfred Leopold Müller ist auch der 7.-10. Band der Geistesforschung
in Th. Müllers Verlag erschienen: „+Deine gestaltende Seele und dein
Stil+“. Preis 14 Mk., auf holzfreiem Papier, in festem Umschlag 20 Mk.
Statt des bisher allein üblichen grammatischen langweiligen Weges
ist eine tiefer schürfende seelische Grundlegung des Stils erreicht.
Zahlreiche Beispiele zeigen, wie unsere größten Meister nur mit diesen
Gestaltungsmitteln die +tiefsten Wirkungen+ erreichten. Zugleich lernt
jeder Leser den Gedanken aus verführerischen Stilformen herausschälen.
Nur so wird man zugleich unabhängig von geschickter Aufmachung und
gewinnt ein eigenes Urteil.
Eine solche den Erfolg verbürgende Stillehre auf neuen Wegen mit so
hochgesteckten Zielen gibt es noch nicht in unserem Schrifttum.
Folgende seit Bestehen des Kosmos erschienene Buchbeilagen
erhalten Mitglieder, solange vorrätig zu +Ausnahmepreisen+:
1. Gruppe 1904-1907. Broschiert M 98.50, gebunden M 152.--
1904
Bölsche, W., Abstammung des Menschen. -- Meyer, Dr. M. W.,
Weltuntergang. -- Zell, Ist das Tier unvernünftig? (Dopp.-Bd.) --
Meyer, Dr. M. W., Weltschöpfung.
1905
Bölsche, Stammbaum der Tiere. -- Francé, Sinnesleben der Pflanzen. --
Zell, Tierfabeln. -- Teichmann, Dr. E., Leben und Tod. -- Meyer, Dr. M.
W., Sonne und Sterne.
1906
Francé, Liebesleben der Pflanzen. -- Meyer, Dr. M. W., Rätsel der
Erdpole. -- Zell, Dr. Th., Streifzüge durch die Tierwelt. -- Bölsche,
W., Im Steinkohlenwald. -- Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.
1907
Francé, Streifzüge im Wassertropfen. -- Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.
-- Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore. -- Teichmann, Fortpflanzung
und Zeugung. -- Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.
2. Gruppe 1908-1911. Broschiert M 98.50, gebunden M 152.--
1908
Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane. -- Teichmann, Dr. E., Die
Vererbung. -- Sajó, Krieg und Frieden im Ameisenstaat. -- Dekker,
Naturgeschichte des Kindes. -- Floericke, Dr. K., Säugetiere des
deutschen Waldes.
1909
Francé, Bilder aus dem Leben des Waldes. -- Meyer, Dr. M. W., Der Mond.
-- Sajó, Prof. K., Die Honigbiene. -- Floericke, Kriechtiere und Lurche
Deutschlands. -- Bölsche, W., Der Mensch in der Tertiärzeit.
1910
Koelsch, Pflanzen zwischen Dorf und Trift. -- Dekker, Fühlen und Hören.
-- Meyer, Dr. M. W., Welt der Planeten. -- Floericke, Säugetiere
fremder Länder. -- Weule, Kultur der Kulturlosen.
1911
Koelsch, Durch Heide und Moor. -- Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.
-- Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit. -- Floericke, Vögel fremder
Länder. -- Weule, Kulturelemente der Menschheit.
3. Gruppe 1912-1916. Broschiert M 123.--, gebunden M 190.--
1912
Gibson-Günther, Was ist Elektrizität? -- Dannemann, Wie unser Weltbild
entstand. -- Floericke, Fremde Kriechtiere und Lurche. -- Weule,
Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. -- Koelsch, Würger im
Pflanzenreich.
1913
Bölsche, Festländer und Meere. -- Floericke, Einheimische Fische. --
Koelsch, Der blühende See. -- Zart, Bausteine des Weltalls. -- Dekker,
Vom sieghaften Zellenstaat.
1914
Bölsche, Wilh., Tierwanderungen in der Urwelt. -- Floericke, Dr. Kurt,
Meeresfische. -- Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben. -- Kahn, Dr.
Fritz, Die Milchstraße. -- Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie.