Empfindungen enthalten Tatsächliches über die Außenwelt, Gef

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1922 so weit

wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler

wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht

mehr verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original

unverändert; fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.

Der Übersichtlichkeit halber wurden die Fußnoten an das Ende der

jeweiligen Kapitel, das Inhaltsverzeichnis dagegen an den Anfang des

Texts verschoben.

Besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der

folgenden Symbole gekennzeichnet:

unterstrichen: _Unterstriche_

fett: =Gleichheitszeichen=

gesperrt: +Pluszeichen

Antiqua: ~Tilden~

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Das Gedächtnis

Von

Alfred Leopold Müller

Volkshochschule der Universität Leipzig

und Lehrer-Seminar Leipzig

Mit 18 Abbildungen

12. Auflage

[Illustration]

Stuttgart

Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde

Geschäftsstelle: Franckh’sche Verlagshandlung

1922

Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht,

vorbehalten.

Für die Vereinigten Staaten von Nordamerika:

~Copyright 1922

by Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart~

Eine schwedische Ausgabe dieses Buches ist unter

dem Titel „Minnets Vard“ im Verlag von

+Wahlström und Widstrand, Stockholm+,

erschienen.

STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI

HOLZINGER & Co. STUTTGART

Inhaltsverzeichnis.

Seite

I. Die grundlegende Bedeutung des Gedächtnisses 3-4

II. Der wissenschaftliche Versuch 4-6

III. Bewußtseinsvorgänge 6-22

IV. Ein kurzer Ausflug in die Werkstatt unseres Geistes 22-33

V. Regeln für jede Gedächtnisarbeit 33-49

Aufmerksamkeit 33-37

Die Taktgliederung 37-40

Gruppenbilden, Stelle-Anweisen (Lokalisieren), Gliedern 40-42

Gefühl und Anteilnahme (Interesse) 43-45

Lernen im Ganzen oder in Teilen? 45-48

Verteilung der Wiederholungen auf mehrere Tage 48

Die Einbildung 48-49

VI. Mehr Arbeit der Sinne! Die Zeugenaussage. Ihre Mängel

und mögliche Besserung 49-57

VII. Persönliche Eigentümlichkeiten beim Vorstellen 57-62

VIII. Wie stellen wir fest, welche Vorstellungsseiten uns

fehlen und deshalb einzuüben sind? 62-64

IX. Sinnvolles Lernen 64-66

X. Mnemotechnische Anregungen?? 66-68

XI. Hemmung und Förderung der Gedächtnistätigkeit 68-78

Gesundheitlicher Teil 68-78

XII. Zusammenfassung 78-82

I. Die grundlegende Bedeutung des Gedächtnisses.

Die gewaltigen Errungenschaften der Technik und Großbetriebe, die

kulturfördernden Leistungen der Wissenschaften, die in rastlosem

Fortschreiten die Menschheit zu ungeahnten Höhen führen, sie alle

entsprangen dem menschlichen Geiste. Nicht auf einmal. In mühevollem

Arbeiten, Entdecken und Verwerten baute die Nachwelt auf den

Errungenschaften der Vorwelt weiter. Was der einzelne schuf und

entdeckte, vermochte er mit einer bewundernswerten Kraft seines Geistes

zu bewahren, mit dem Gedächtnis. Es entfiel ihm nicht sofort wieder.

Er lehrte das Neue die andern. Sie vermochten es auch zu behalten, zu

verwerten und weiter zu vererben. Das Gedächtnis ist die Fähigkeit des

Menschen, Wahrnehmungen oder Vorstellungen einzuprägen, zu behalten,

wenn auch nicht unverändert, und später in ähnlicher Weise wieder zu

erneuern.

Im Gedächtnis liegen die Wurzeln zu jenem gewaltigen Riesenbau an

Errungenschaften, den der einzelne Mensch überhaupt nicht mehr zu

überschauen fähig ist. Das Gedächtnis ist das Pfund, mit dem er

wuchern konnte. Darum wurde es auch immer hochgeachtet und zu bilden

versucht. Von den ältesten Zeiten an bis zu den Gelehrten unserer Tage,

Weltweisen, Ärzten, Erziehern usw., schenkte man ihm regste Beachtung.

Es ist ein Schlüssel zum gesamten geistigen Leben.

Und wenn wir die verschiedenen Stufen menschlicher Begabung betrachten,

so zeigt sich eine fast ausnahmslose Regel: Minderwertige Geister

haben geringe Gedächtniskraft,[1] mittelgroße stets bessere

Gedächtnisleistung, und hervorragende Geister fallen meist auch durch

ihre erstaunliche Erinnerungsfähigkeit auf. Das Gedächtnis und die

gesamte Geistesbildung stehen im allgemeinen im gleichen Verhältnis

zueinander.

Ein Aristoteles, Leibniz, Goethe, Humboldt, Wilhelm Wundt und andere

waren nur deshalb fähig, große geistige Zusammenhänge zu schauen und

hervorzubringen, weil ihnen +das Gedächtnis wie ein großes beseeltes

Buch, das von selbst seine Seiten öffnet+, einen ungeahnten Reichtum an

geistigen Arbeitsunterlagen lieferte.

Auf so breiter, umfassender Grundlage gewonnene Ergebnisse haben

entschieden mehr Allgemeingültigkeit und kommen der Wahrheit sehr nahe.

Das Gedächtnis vertieft die Geistesbildung und gibt ihr Reichtum und

Umfang.

II. Der wissenschaftliche Versuch.

In fabelhafter Weise beherrscht jetzt der Mensch die Natur, deren

einstmals gefürchtete Kräfte von ihm zu getreuen, arbeitsamen Knechten

herabgedrückt worden sind. Den Hauptanteil an dieser Arbeit hat jenes

winzige bißchen Gehirn, 1400 g schwer, das erst ganz langsam, dann

immer schneller, lawinenartig die Mittel fand, den Menschen zum Herrn

der Natur zu machen.

Dabei entdeckte er einen bemerkenswerten Kniff. Es ist noch gar nicht

so lange her, daß er darauf verfiel, im Vergleich zu dem weiten Weg,

den die Menschheit bisher gehen mußte. Er entdeckte, daß die Natur

einfach gestellte Fragen unveränderlich nach bestimmten Gesetzen

beantwortete. Diese Frage ist das Experiment. Nachdem ihm diese

Gewißheit geworden, stellten seine Arbeiter auf naturwissenschaftlichem

Gebiete Milliarden von Fragen an den Erdgeist. Dem Ursachgesetz

unterworfen, beantwortete er auch geduldig alle einfach gestellten

Fragen in unzweideutiger Weise. Wenn aber voreilig und neugierig nach

den letzten, höchsten und schwierigsten Dingen gefragt wird, dann

schüttelt er kräftig sein Haupt, und wenn er überhaupt antwortet, so

geschieht es in einem Rätselwort.

Der Forscher läßt sich jedoch dadurch nicht entmutigen. Er zerschlägt

listig das ganze Rätsel in mehrere Teilfragen und wiederholt

vereinfacht den Versuch, bis er die Gesetzmäßigkeiten des Geschehens

klar erkennt. Mit der Erkenntnis der Natur sind aber dem Menschengeiste

meist gleichzeitig die Mittel zu ihrer Beherrschung gegeben.

Als er nun gar entdeckte, daß er selbst den Gesetzen des Naturreichs

unterworfen ist, übertrug er den Versuch auch auf sich selbst. Es

wäre nun merkwürdig, wenn er vor dem Gehirn und seinen Fähigkeiten

haltgemacht hätte. So haben wir denn tatsächlich seit etwa 60 Jahren

den wissenschaftlichen Versuch im Geistesleben, d. h. eine Erforschung

nach naturwissenschaftlichem Verfahren.

Lotzes, Steinthals, F. H. Weber-Fechners Versuche über

leiblich-seelische Wechselbeziehungen[2] und Helmholtz’ Untersuchungen

über Sinnesvorgänge bereiteten die Bahn vor, die erst Wilhelm

Wundt nachdrücklich beschritt, um mit Hilfe des wissenschaftlichen

Versuchs die Psychologie,[3] die bisher rein grübelnd übersinnliche

Geisteswissenschaft gewesen war, mit neuen und +sicheren+ Ergebnissen

zu bereichern. Seitdem ist in vielgliedriger Gelehrtenarbeit mit

Bienenfleiß eine ungeheure Menge geistiger Tatsachen zusammengetragen

worden. Die neue Seelenforschung ist eine wissenschaftliche Bewegung

fast ohnegleichen geworden. Sie steht heute im Mittelpunkte unseres

Denkens und beeinflußt alle Strömungen unserer Zeit.

+Ein+ Rätsel lag der seelischen Forschung besonders nahe, das

+Gedächtnis+, das als Grundbedingung alles höheren geistigen Lebens

wohl überhaupt die tiefste Frage der Seelenkunde ist. Auch technische

Vorzüge hat gerade diese Frage: Die Arbeitsleistungen des Gedächtnisses

sind ja genau gemessen, und die Lernbedingungen lassen sich auch in

zahlloser Weise verändern. Ebbinghaus war der erste Forscher, der

dieses Teilgebiet bearbeitete, indem er in mühseliger Arbeit sinnlose

Silben unter den verschiedensten Bedingungen selbst lernte und so die

grundlegenden Ergebnisse der Gedächtnisforschung entwickelte.

Obgleich aber diese Wissenschaft heute mit wichtigen Ergebnissen einer

fast abgeschlossenen Gedächtnisforschung aufwartet, ist leider von

einer allgemeinen Nutzbarmachung so gut wie nichts zu spüren. Und

doch ist es +ein dringendes Bedürfnis unserer Zeit, bei den großen

Anforderungen, die an das Wissen und Können jedes Menschen unserer

Zeit, besonders aber des Schülers, gestellt werden, diese Schätze zu

heben. Es ist eine unverantwortliche Kraft- und Zeitvergeudung+, wenn

Lehrer ihre Schüler, Eltern ihre Kinder planlos oder mit unsinnigem

Verfahren den nun einmal erforderlichen Gedächtnisstoff einprägen

lassen.

Die Überbürdungsfrage im Schulbetriebe wäre zur Hälfte gelöst, wenn

jedes Kind zu einem vernünftigen Gebrauche und zu sinngemäßer Pflege

seiner Gedächtniskraft erzogen würde. Die Kurzsichtigkeit würde

vermindert, Zeit und Nervenkraft gespart werden. Dann ließe sich auch

Zeit für bessere körperliche Ausbildung des Schülers gewinnen, damit

jeder fähig ist, mit Körper und Geist, also mit allen seinen Kräften,

dem Vaterland zu dienen.

Dabei will dieses Büchlein helfen. Es soll eine volkstümliche, kurze,

aber doch nach Möglichkeit umfassende Darstellung bewährter alter Wege

und neuerer Versuchs-Gedächtnisforschungen auch für Eltern und Schüler

sein. --

[1] Binets und Simons Untersuchungen an geistig Minderwertigen

(Imbezillen und Debilen) haben bewiesen, daß ein umfangreiches

Gedächtnis eine recht seltene Ausnahme ist. Einer geringen

Klugheit entspricht ein geringes Gedächtnis. Das ist die Regel.

Die Untersuchungen an Durchschnittsschulkindern bestätigen sie

durchaus. Erwähnt sei aber immerhin, daß bei Minderwertigen auch

einmal eine Gedächtnisart sich ganz fabelhaft entwickeln kann. Ein

geistig minderwertiger Vierzehnjähriger z. B. sagte nach drei Minuten

Einprägung eine Seite lateinischer Wörter her, ohne je Latein gelernt

zu haben. Vgl. auch S. 58 Inaudi.

[2] Vgl. die Kosmos-Buchbeilage Dr. H. Dekker, Fühlen und Hören, S.

32/33.

[3] ~psyche~ (griech.) = Seele, ~logos~ (griech.) = Wort,

Lehre. Psychologie = Seelenlehre, Seelenkunde. Leider ist unser

wissenschaftliches Schrifttum noch so verwelscht, daß wir die

Welschwörter noch daneben setzen müssen. Sonst findet sich der Leser

auf keiner Seite einer wissenschaftlichen Abhandlung zurecht.

III. Bewußtseinsvorgänge.

Nach traumlosem, tiefem Schlafe, dem wir bewußtlos hingegeben waren,

erwachen wir und mit uns die +bewußte+ Tätigkeit unseres Geistes. Wir

+wissen+ von uns selbst, erkennen Teile der Außenwelt, wir sind bei

+Bewußtsein+. Im Bewußtsein beginnt nun die Verarbeitung von Reizen der

Außenwelt; denn an Auge und Ohr treten Äther- und Luftschwingungen.

Die Sinnesnerven leiten die Reize weiter,[4] und im Gehirn haben

wir +Empfindungen+. Darunter versteht der Forscher ein kühles

Kenntnisnehmen von dem Reiz, das in Wirklichkeit so kühl gar nicht

vorkommt. Wenn wir durch sinnreiche Apparate den Puls eines Menschen

aufzeichnen lassen und zeigen ihm eine einfache Farbe, etwa Blau, oder

lassen einen Ton erklingen -- sofort zeigt der Puls Veränderungen,

weil das Herz durch Gefühle etwas beeinflußt ist. Schon daraus sehen

wir, daß mit den einfachsten Empfindungen schon +Gefühle+ verknüpft

sind. Reine Empfindungen, also bloßes kühles Kenntnisnehmen von Reizen

ohne Gefühlsbegleitung, gibt es nicht. Der Seelenforscher aber muß die

verwickelten geistigen Vorgänge zergliedern und unterscheidet deshalb

scharf zwischen Empfindung, Gefühl und Willen. In Wirklichkeit hängen

diese drei Elemente des Bewußtseins eng verbunden miteinander zusammen.

Wie eng, das werden wir noch in diesem Abschnitt erkennen.

[Illustration: Abb. 1. Einfache Zuckung (Reflexbewegung).]

[Illustration: Abb. 2. Leitung des Reizes bei bewußten Empfindungen

(willkürliche Bewegungen).]

Selbst wenn wir in einem stillen Zimmer die Augen schließen und kein

störender Reiz uns trifft, merken wir doch noch deutlich, daß wir bei

Bewußtsein sind, und können irgendein Erlebnis, einen Spaziergang

u. dgl. +vor+ unser geistiges Auge, wie wir das Bewußtsein auch nennen

können, +hinstellen+. +Vorstellungen+ sind es, die dann im Bewußtsein

vorüberziehen. Freilich gelingt es uns nicht, alle Einzelheiten des

damals Geschauten oder Erlebten wieder aufleben zu lassen. Unser

körperliches Auge sieht ja nicht alles, und was es sieht, nicht überall

mit gleicher Deutlichkeit. Von all dem aber, was unsere Augen sehen,

macht das Bewußtsein, das geistige Auge, abermals einen Abzug; denn es

hält Auslese. Nur das nehmen wir in unsern Geist auf, was das innere

Auge aufmerksam betrachtet hat. (Vgl. auch S. 50 ein auffallendes

Beispiel dazu.)

Und damit sind wir wieder bei dem großen Rätsel angelangt, dem wir

uns in diesem Buche widmen wollen: Was von unserm Bewußtsein erfaßt

wurde, ob es nun dem Gesichts-, Gehörs-, Körpergefühls-, Geruchs- oder

Geschmacksbereich angehört, können wir als Vorstellung in ähnlicher

Weise auch wieder ins Bewußtsein zurückrufen. Diese großartige

Fähigkeit, Erinnerungsreste (Vorstellungen) im Bewußtsein in ähnlicher

Weise wie früher wieder aufleben zu lassen, bezeichnen wir, wie schon

gesagt, als Gedächtnis.

Cartesius war der Meinung, was durch das Bewußtsein eingehe,

hinterlasse (Gedächtnis-) +Spuren+. Diese Ansicht ist ein Fortschritt

gegenüber Platos Veranschaulichung dieses Rätsels. Nach ihm sollen

wir uns Erinnerungsbilder in der Seele ähnlich vorstellen, als wie

den Siegelabdruck im Wachs. Aber auch des Cartesius’ Ansicht führt

leicht zu grobsinnlicher Auffassung der Gedächtnisfrage. Deshalb redet

man heute vorsichtiger von +Anlagen zur Wiederbelebung+ früherer

Empfindungen. Damit meint man, daß jeder Eindruck infolge der Anlage

(oder Disposition) leicht wieder erneuert werden kann, sogar dann

erneuert werden kann, wenn die Empfindung längst vorüber ist. Sie

dauert mitunter jahrzehntelang. Ja, Ebbinghaus, der bei seinen

Versuchen noch nach langen Zeiträumen Ersparnisse beim Wiedererlernen

feststellen konnte, ist der Meinung, daß es bei Gesunden kein restloses

Vergessen gibt.

Es ist unmöglich, uns der geistigen Schätze an Vorstellungen, die unser

Gehirn besitzt, auf einmal bewußt zu sein; sie ruhen in ungeheurer

Menge gewissermaßen in Dunkelheit, im +Unbewußten+. Nur einige wenige

treten über die Bewußtseinsschwelle ins Bewußtsein ein, und jetzt erst

bemerken wir sie.

[Illustration: Abb. 3. Schnellseher nach Wundt. Rechts Schieber in

einem Augenblick des Falles. (Aus Schulze, Werkstatt der experiment.

Psychologie und Pädagogik.)]

Nun ist es mit unserem geistigen Auge ebenso wie mit dem körperlichen:

Das Bild, das unser Blick erfaßt (das Blickfeld), ist nicht in allen

Teilen gleich deutlich und klar. Nur einen kleinen Ausschnitt des

Bildes in der Richtung, in der das Auge gerade blickt, sehen wir ganz

klar, den Blickpunkt.

Die Vorstellung nun, die eben aus dem großen Reich des Unbewußten über

die Bewußtseinsschwelle ins Bewußtsein eingetreten ist, erscheint uns

noch nicht ganz deutlich und klar. Sie steht nun zwar im Blickfeld des

Bewußtseins, erreicht aber erst ihre höchste Klarheit und Deutlichkeit,

wenn sie in den Blickpunkt des Bewußtseins („Brennpunkt der

Aufmerksamkeit“ nach Wundt) weiterschreitet. Dies geschieht unter der

Leitung der Aufmerksamkeit, von der sie hier festgehalten werden kann,

sonst schreitet sie vom Blickpunkt in das Blickfeld und wird immer

mehr verdunkelt. Wenn sie nicht von der Aufmerksamkeit wieder in den

Blickpunkt gehoben wird, sinkt sie nach einiger Zeit über die Schwelle

des Bewußtseins ins Unbewußte zurück. Wir merken dann nicht eher wieder

etwas von ihr, als bis sie wieder einmal über die Bewußtseinsschwelle

gelangt. Fortwährendes Gehen und Kommen geistiger Inhalte finden wir

so im Bewußtsein. Alle wandern durchs Blickfeld (Perzeption),[5] nicht

alle durch den Blickpunkt (Apperzeption),[6] nämlich nur die durch

Aufmerksamkeit ausgezeichneten.

Früher wurde hin und wieder behauptet, in einem Augenblick könne unsere

Aufmerksamkeit sich nur +einem+ Eindruck hingeben, sich nur auf +eine+

Vorstellung richten. Das ist aber eine Unterschätzung dieser geistigen

Kraft des Bewußtseins und der Aufmerksamkeit. Rein aus der Erfahrung

liefert uns die Schrift der Blinden den Gegenbeweis.

Ihr Urheber, der französische Blindenlehrer Braille, hatte in der

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts keine Ahnung von den Ergebnissen

der Versuchs-Seelenforschung und jener merkwürdigen Beständigkeit

des Bewußtseinsumfangs (Höchstzahl 6 Einheiten), die wir sofort

kennenlernen werden. Da er selbst erblindet war, kam er nach den

mannigfaltigsten Versuchen und Übungen darauf, nicht über sechs

verschieden gelagerte (erhabene, d. h. fühlbare) Punkte hinauszugehen

= ⠿ Nur so können diese Punkte als Buchstaben von den Blinden leicht

und sicher tastend unterschieden werden. Gewöhnlich werden dazu beide

Zeigefinger benützt. Der rechte geht voraus und faßt +gleichzeitig+ die

vorhandenen Punkte auf, der linke folgt prüfend, zergliedernd und faßt

die Punkte +nacheinander+ auf.

Die Buchstaben ~A~-~J~ werden durch die obersten vier Punkte

dargestellt, die Buchstaben ~K~-~T~ entstehen durch Hinzufügen des

untersten linken Punkts. Zu diesen Zeichen noch den rechten untersten

Punkt gesetzt, ergibt den Rest des Abc.

⠁ ⠃ ⠉ ⠙ ⠛ ⠟

~a~ ~b~ ~c~ ~d~ ~g~ ~q~

Diese Beschränkung auf 6 Punkte ist nicht zufällig gewesen. 9

Punkte etwa hätten Gelegenheit gegeben, noch Zahlen und Satzzeichen

darzustellen. So fehlen diese.

Für den Gesichtssinn gilt das gleiche. Wird eine Anzahl

unzusammenhängender Linien, Punkte, Ziffern oder Buchstaben dem Auge in

Bruchteilen einer Sekunde gezeigt und dann schnell wieder verdeckt --

genaue Versuche ermöglichen die verschiedenen Arten der Schnellseher[7]

(Tachistoskope) --, so zeigt sich, daß Ungeübte 3-4, Geübte dagegen

6 einzelne Linien, Punkte, Ziffern, Buchstaben klar und deutlich

gleichzeitig erfassen können. 6 Einheiten vermag die Aufmerksamkeit

also beim Gesichtssinn +gleichzeitig+ zu umfassen. Beim Gehör arbeitet

sie in ähnlicher Weise. 6 getrennte Schalleinheiten, etwa Taktschläge,

umfaßt sie auch +nacheinander+, nur muß auf strenge Sonderung der

einzelnen Schläge geachtet werden.

* * * * *

Sowie etwas Takt oder Sinn mitspielt, umfängt die Aufmerksamkeit

sogleich bedeutend mehr. Wenn nämlich dem Auge in obiger Weise

sinnlose Silbenverbindungen geboten werden, erfassen wir in einem

gegebenen Augenblick 6-10 Buchstaben, bei geläufigen Satzbildungen,

Sprichwörtern, gar 4-5 kurze Worte mit zusammen 20-30 Buchstaben.

Selbst der Ungeübte vermag folgendes Wort zu lesen, es in einem

Augenblick überfliegend:

Sommernachtstraum.

Beim Gesichtssinn +gleichzeitiges+ Umfangen mit der Aufmerksamkeit

(simultan), beim Gehörssinn +nacheinander+ (sukzessiv) -- es bleibt

das gleiche Ergebnis: Höchstens 6 voneinander getrennte Einheiten

umspannt die Aufmerksamkeit. Wir wollen uns durch folgenden einfachen

Versuch selbst davon überzeugen. Wir lesen einer andern Person ohne

Taktgliederung (!) und ohne Betonung (!) folgende Silben vor:

~su~, ~le~, ~ar~, ~ip~, ~ed~, ~ok~.

Sie wird uns diese 6 Einheiten aus 12 Lauten bestehend wiedergeben

können. Wir bieten ihr in gleicher Weise folgende Silben:

~som~, ~dek~, ~lim~, ~fag~, ~tub~, ~ked~, ~hif~, ~ent~.

Höchstens 6, meistens weniger, etwa 5 Silben mit 15 Buchstaben, vermag

sie uns wiederzugeben.

Die Macht der Gliederung aber erkennen wir so recht aus den Versuchen

Wundts. Mit Klopfapparaten, die auf bestimmte Schläge Nachdruck legen,

z. B. beim ⁴⁄₄-Takt auf den ersten stark, auf den dritten nicht so

stark, auf den zweiten und vierten Schlag schwach klopfen, läßt sich

bei einiger Übung feststellen, daß die Aufmerksamkeit umfassen kann

(der Nachdruck wird durch Striche über der Note angezeigt):

[Illustration: 6 unrhythmische Eindrücke.

12 = ~M. M.~[8] 6×2 im ²⁄₈-Takt rhythmisierte Eindrücke.

20 = 5×4 Achtel im ²⁄₄-Takt.

40 = 5×8 Achtel im ⁴⁄₄-Takt.]

Mit 40 Eindrücken, in 5 Einheiten zusammengefaßt, ist der Höhepunkt

erreicht, und zwar bei geübten Versuchspersonen.

Tragen wir mit Takt und Betonung etwas verhältnismäßig Sinnvolles vor,

so ist es auch Ungeübten möglich, mit ihrer Aufmerksamkeit sehr viel

zu umspannen. Und vermuten läßt sich, daß es uns noch leichter fallen

wird, wenn wir die 3 Hilfen: Takt, Betonung und etwas Sinn, nützen

dürfen. Wie leicht fällt uns darum die Auffassung und Wiedergabe z. B.

des Signals zum Sturm auf den Feind:

[Music: Sehr rasch ♩ = 120.

Kartoffelsupp, Kartoffelsupp, den ganzen Tag Kartoffelsupp,

Supp, Supp, Supp.

Geht schneller Geht schneller geht immer immer schneller vor!

vor! vor! vor! vor! vor!

]

Wir erkennen also schon hieraus ein grundlegendes geistiges Gesetz:

Getrennte Elemente vermag unser Bewußtsein nur wenige (6) aufzufassen.

Je mehr aber +gegliederter Zusammenhang+ herrscht, desto mehr vermag

die Aufmerksamkeit zu umspannen und zu verarbeiten.

[Illustration: Abb. 4. Verlauf der Empfindungen und des Gefühls bei

Einwirkung regelmäßiger Taktschläge (Nach Wundt.)]

Das bringt uns auf die Frage, ob denn jene 6 getrennten Schalleindrücke

im Geiste getrennt bleiben? Ist die Zeit von einem Taktschlag zum

andern wirklich ganz leer? Nein! Eine aufmerksame Selbstbeobachtung

schon zeigt uns, daß seelische Elemente ausfüllend und so verbindend

wirken. Wenn wir aufmerksam auf etwas hören, haben wir leise

Spannungsempfindungen und -gefühle am Trommelfell, das Augenzwinkern

unterbleibt, dem Gesicht sieht man an, daß es gespannt ist, die Atmung

wird für Augenblicke unterbunden, zum mindesten verflacht. In dieser

Beherrschung so vieler Muskeln, mitunter des ganzen Körpers, zeigen

sich uns Willensäußerungen; dazu haben wir deutlich die Gefühle und

Empfindungen der Spannung, des Tätigseins, der Anstrengung. Das alles

+vor+ einem Taktschlag, hinterher stellt sich für Bruchteile einer

Sekunde das Gefühl der Entspannung, der Lösung ein, um in Erwartung des

nächsten Taktschlags wieder zum Gefühl der Spannung emporzuschnellen.

Der Verlauf dieser Empfindungen und Gefühle bei Einwirkung regelmäßiger

Taktschläge läßt sich etwa so veranschaulichen (s. Abb. 4). Punktiert

sind die Empfindungen von den Taktschlägen 1 2 3 4 5.

Doch nicht nur +Spannung und Lösung+, noch zwei ganz andere

Gefühlspaare können sich mit den bloßen Empfindungen verbinden: +Lust

und Unlust+, +Erregung und Beruhigung+.

Wir erwähnten schon, daß die einfachsten Empfindungen von uns

nicht kalt hingenommen werden. Es ist sofort für Gefühlsbegleitung

gesorgt, wie wir aus den Veränderungen der Atmung und des Herzschlags

ersehen. Diese Veränderungen können mit langen Hebelvorrichtungen auf

berußtes Papier geschrieben werden.[9] Nach Wundt herrschen folgende

Gesetzmäßigkeiten zwischen Puls und Gefühlen:

[Illustration:

Puls

+--------+-----------------+

| |

verlangsamt beschleunigt

+------+-------+ +-----+------+

| | | | | |

verstärkt | geschwächt verstärkt | geschwächt

| | | | | |

durch durch durch durch durch durch

Lust Spannung Beruhigung Erregung Lösung Unlust

| | +------------+ | |

| +--------------------------+ |

+----------------------------------------+

Abb. 5. Die Gesetzmäßigkeit zwischen Puls und Gefühlen. (Nach Wundt.)]

In diesen sechs Gefühlsrichtungen liegt eine ungeheure Summe von

Gefühlsschattierungen und -verbindungen, die zu jeder Empfindung

hinzutreten können.

Empfindungen enthalten Tatsächliches über die Außenwelt, Gefühle

dagegen sind persönliche, innerliche Antworten des Geistes auf Reize.

So erblicken wir bei tieferer Betrachtung in unserm Geiste den mächtig

schaffenden Grundsatz der Verbindung, weitgehender Verquickung

und Durchdringung, aber doch auch wieder Wahrung der Eigenart der

geistigen Elemente. Empfindung, Gefühl, Wille treten nicht vereinsamt

auf, sondern immer eng verschlungen wie die Fäden eines wundersam

verknüpften Flechtwerks.

Jetzt begreifen wir, warum wir überhaupt fähig sind, die einzelnen

Hornstöße des Sturmsignals im Zusammenhang nachzusingen. Wenn wir nicht

diesen Grundzug des Geistes kennten, getrennte Empfindungselemente mit

anderen Empfindungen, mit Gefühls- und Willenswerten zu verknüpfen und

zu einem Ganzen, zu einer Einheit, zusammenzuschweißen, würden wir vor

einem Rätsel stehen. So aber zieht die Vorstellung vom ersten Hornstoß

alles andere ins Bewußtsein nach, weil alles Dazugehörige: Empfindungen

mit Klang-, Spannungs-, Lösungs-, Tätigkeits-, Lustgefühlen usw.

verbunden wird, wozu noch eine Verknüpfung mit dem Wortgedächtnis

getreten ist: „Kartoffelsupp, Kartoffelsupp, den ganzen Tag

Kartoffelsupp, Supp, Supp, Supp.“ Dabei fühlt jeder ganz deutlich eine

damit verbundene Gefühlsmischung, die sich nicht leicht in Worte fassen

läßt: Das Ganze wirkt scharf, rhythmisch, stramm, ulkig usw. Im Gefecht

treten dazu noch ganz andere, vorzugsweise Willenswerte von Pflicht,

Gehorsam, Begeisterung, Wut usw. Ich erinnere mich noch ziemlich

deutlich meiner eigenen Bewußtseinslage beim Hören dieses Rufes im

Schlachtgetümmel. An das „Kartoffelsupp“ dachte ich nicht mehr, sondern

werbend und mahnend, aufreizend und vorwärtsdrängend stand nur die

andere Sinnverbindung im Blickpunkt des Bewußtseins: „Geht schneller

vor, geht schneller vor, geht immer, immer schneller vor, vor, vor,

vor!“ Und war man auch vom letzten Sprung noch atemlos, dieser

Ruf stachelte an und peitschte alle vorwärts, bis nach ungeheuern

Anstrengungen und Opfern die Stellung der Russen unser war.

Dieses Verbindungenschlagen der geistigen Elemente untereinander

bezeichnet man, wenn es von selbst geschieht, als +Assoziation+

(~socius~ [lat.] = der Genosse, der Gesellschafter).

Es wird Zeit, daß wir auch in der Wissenschaft den fremden

Sprachplunder loswerden: Vorstellungsverbindung ist für die Zunge

nicht leicht genug. Das lange Wort mehrere hundertmal in einem Buche

gebraucht, kostet Zeit, Lohn, Papier usw. Also: +Vorstellbindung+ kann

nicht mißverstanden werden.

Diese Bindungen verglich man früher mit einer Kette, bei der die

Einzelvorstellungen, den Gliedern einer Kette gleich, aneinander

gereiht sind. Jetzt veranschaulicht man das Wesen dieser nicht

einseitigen, sondern vielseitigen, fast allseitigen Bindungen besser

als ein weitverzweigtes Geflecht, als ein vielseitig brauchbares Netz.

+Arten der niederen geistigen Verbindungen+ (Assoziationen).

1. Wenn wir auf der Orgel einen Ton erzeugen, glauben wir, +einen+

Ton zu vernehmen. Wir sind sehr erstaunt, wenn wir mit Hilfe der

Helmholtzschen Schallverstärker erkennen, daß dieser +eine+ Ton sich

aus einem Grundton und einer ganzen Menge von Obertönen zusammensetzt,

die jenem die Klangfärbung geben. So innig haben sie sich verbunden,

daß wir die Obertöne fast nie heraushören. Wenn sich Metalle zu einer

Legierung verbinden, verschmelzen sie. Wir reden hier von einer

vollkommenen +Verschmelzung+ und erblicken darin eine Art der niederen

Bindungen. Die Haupttöne eines Akkordes verschmelzen ziemlich innig,

z. B. bilden in dem Vierklang ~c~ ~e~ ~g~ ~c´~ die Klänge ~c~ und ~c´~

eine nahezu vollkommene, ~c~ und ~g~, ~c~ und ~e~ aber unvollkommene

Verschmelzungen. Noch unvollkommener verschmelzen ~c~-~es~. Darum ist

ein Mehrklang immerhin eine Verschmelzung, aber eine lose.

Fast jeder Geschmack außer den einfachen Empfindungen: süß,

sauer, bitter, salzig, ist eine Verschmelzung der Geruchs- und

Geschmacksempfindungen. Wenn wir jemand bitten, sich die Nase

zuzuhalten, und geben ihm kleine Zwiebelstückchen in Würfelform zu

kauen oder streichen ihm die schönste Vanillentunke auf die Zunge, so

kann er nicht angeben, was er im Munde hat. Erst wenn er die Hand von

der Nase wegnimmt, +riecht+ er, was wir ihm gaben. Er sagt aber sicher:

„Jetzt +schmecke+ ich, daß es Zwiebel (Vanille) ist.“

Unsere räumlichen Gesichtsvorstellungen sind Verschmelzungen

der Netzhautempfindungen mit jenen äußerst feinen, die Stellung

und Bewegungen des Auges begleitenden Muskelempfindungen (vgl.

Praktische Gedächtnispflege S. 40-42). Doch nicht nur Empfindungen

verschmelzen untereinander, auch Empfindungen mit Gefühlen und

Gefühle untereinander. Von den vielen tausend Möglichkeiten wollen

wir ein echtes Beispiel herausgreifen, das sog. +Gemeingefühl+. Es

ist eine innige Verschmelzung hauptsächlich der sinnlichen Gefühle,

die an die Spannungs- und Bewegungsempfindungen der Muskeln und an

die Empfindungen der inneren Schleimhäute, besonders des Magens,

geknüpft sind. Darauf beruht also unser Gesamtbefinden, die Frische

und Lebendigkeit, die uns beseelt, oder die allgemeine Unlust und

Mattigkeit, die uns mitunter beherrscht.

2. Eine neue, die Verschmelzung ergänzende Form der Vorstellbindungen

lernen wir kennen, wenn wir das folgende Bildchen (Abb. 6) aufmerksam

betrachten: Ganz deutlich sehen wir, wie sich das vorderste Kind

herumdreht, das dritte Mädchen, mit zwei Zöpfen, nach oben schaut. So

meisterhaft hat der Künstler die weißen Fleckchen angebracht, daß die

Personen des Bildes stellenweise geradezu körperlich heraustreten.

[Illustration: Abb. 6. Die umbildende Angleichung beim Betrachten von

Bildern.

(Aus Neue Bahnen, 1906.)]

Diese prächtige Gelegenheit, unsere seelische Tätigkeit bei einer

Bildbetrachtung zu zergliedern, wollen wir nicht ungenutzt vorübergehen

lassen. Wollen wir zunächst mit schwarzem oder geschwärztem Papier

alle weißen Kleckse, die Lampen darstellen, zudecken! Dann nehmen wir

ein Stück Papier zur Hand! Damit decken wir zunächst die obere Hälfte

des Bildchens zu, so daß der unterste Rand des Papierstreifens in

der Richtung der Linie ~a~--~a~ liegt. Wie? diese länglichen weißen

Spritzer haben wir als Kinderkörper gedeutet?

Nun decke man die untere Hälfte des Bildes zu, daß der Streifenrand in

der Richtung ~b~-~b~ liegt! Mit Ausnahme des zweiten Kindes von links

werden wir kaum in jenen Flecken Köpfe vermuten. (Überzeugen!!)

Wie können diese unverständlichen Lichtflecke und -linien von uns

zu einem so „sprechenden“ Bilde gedeutet werden? -- +Wir+ sind es,

die eine Deutung ins Bild hineintragen, +wir+ geben unglaublich viel

alte Vorstellungselemente von Kindern, Laternen usw. an den neuen,

an sich gänzlich unvollständigen, feinberechnet unvollständigen

Eindruck ab. Der neue, ganz und gar lückenhafte Eindruck wird im

Nu ergänzt durch früher erworbene entsprechende Vorstellungen aus

dem Gesichtsgedächtnisschatze. +So+ wird der Eindruck „aufgefaßt“,

„verstanden“. Wenn der Künstler die weißen Flecke nicht so geschickt

angebracht hätte, so wären aus unserem Gedächtnis keine unbewußt

ergänzenden Vorstellungselemente hinzugetreten, würde uns das Bildchen

„unverständlich“ bleiben -- wir wüßten „nichts mit ihm anzufangen“.

Dieses gleichzeitige Zusammenfließen alter und neuer Vorstellungen wird

als +Assimilation+, als +umbildende Angleichung+, bezeichnet.

Alle Bild- und Gemäldebetrachtungen sind umbildende Angleichungen. Doch

nicht nur sie, auch alle Auffassungen von Dingen, die wir wiederholt

sehen. Angenommen, wir sehen einen wirklichen Fackelzug der Kleinen.

Wie unendlich lange Zeit würden wir wohl brauchen, um die ungeheure

Fülle von Einzelempfindungen, die gewaltige Flut von Gefühlen und

ihren Verbindungen, wirklich alle aufzufassen! So greift unsere

Aufmerksamkeit aus der Fülle von Eindrücken nur einige wenige Züge

heraus (Kinder, Fackeln, Laternen). Wir haben gar nicht die Zeit, alle

Einzelheiten aufzufassen. Aus früheren Vorstellungen wird so schnell,

daß wir es gar nicht merken, alles Fehlende ergänzt.

Auf diese Weise wird die Auffassung aller Eindrücke

wesentlich beschleunigt, weil unser Bewußtsein natürlich mit

Erinnerungsvorstellungen viel schneller arbeiten kann, als wenn

eine Zergliederung der gesamten Flut von Eindrücken erfolgen müßte.

Wir erinnern uns daran, daß unser Bewußtsein nur 6 Einheiten

gleichzeitig aufnehmen kann. Wem das als ein Mangel erscheint, der

wolle ja bedenken, daß ohne diese wundervolle Angleichung und ohne

jene Bewußtseinsenge die Eindrücke unserer Umgebung das Bewußtsein

erdrücken oder wir so fassungslos dastehen würden wie ein Blinder, der

plötzlich sehend wird.

Genau der gleiche Fall liegt vor beim Übersehen von Druckfehlern. Unser

Lesen ist infolge der Übung so geschwind, daß wir nicht mehr Buchstaben

an Buchstaben reihen, sondern wir überfliegen ganze Wörter. Kaum ist

das Wortbild flüchtig erfaßt, sofort kommt aus dem Erinnerungsschatze

das ganze Wort und die richtige Wortbedeutung ins Bewußtsein. Wir

+übersehen+ also eigentlich +nicht nur+ den Fehler, wir tun noch

viel mehr, +wir setzen+ unbewußt infolge des lebendigen, sofort

sprungbereiten Vorstellungsschatzes das +richtige Wort an Stelle des

falschen+.

Beim Sprechen, besonders beim schnellen, werden ganze Silben

verschluckt, ganze Wörter arg verstümmelt, und doch hören wir

sie richtig. Sofort, wenn solche unvollständige Klanggebilde ins

Bewußtsein treten, taucht das vollständige Wort aus dem Gedächtnis

ergänzend auf, verbindet sich mit dem neuen Klanggebilde, und die

Wortbedeutungsvorstellung tritt dann auch noch aus dem Gedächtnis ins

Bewußtsein. So verstehen wir. Wie unvollständig unser sprachliches

Hören meist ist, merken wir erst, wenn wir uns einmal verhören. Wir

glauben ein Wort bestimmt gehört zu haben, während es nachweislich

gar nicht gefallen ist. +Aus unserm Gedächtnis+ stammt das Wort mit

Wortbedeutung. +So mächtig treten alte Vorstellungen auf, daß sie jene

unklare Schallempfindung vollkommen in den Schatten stellen und uns

selbst weismachen, es sei der neue Eindruck.+

Diese Umbildungsvorgänge machen uns um eine wichtige Entdeckung

reicher. Sie zeigen uns, +wie unglaublich viel Altes, Gedächtnismäßiges

wir in unsere Erlebnisse hineintragen+. Alles Erkennen und

Wiedererkennen sind Umbildungen, wobei von den betreffenden alten

Vorstellungen meist ein gemengter Knäuel von Erinnerungsresten rege

wird.

Uns fällt das Sprichwort ein: „Irren ist menschlich!“ Das hat uns die

Erfahrung schon oft gezeigt. Wie tief dieses Irren aber schon in den

einfachsten Erinnerungsvorgängen begründet ist, hatten wir doch nicht

vermutet. Ist doch insofern alle menschliche Auffassung ein Irren!! So

erklären sich schon manche Mängel der Zeugenaussage. Vgl. S. 50-55.

Jetzt beginnen wir zu ahnen, von welch gewaltiger Bedeutung die

Forderung ist: „Mehr Arbeit der Sinne!“ (S. 50.) Es leuchtet doch

ein, daß nur dann eine neu auftretenden Reizen entsprechende

Auffassung erfolgen kann, wenn wir früher +peinlich genau ähnliche

Dinge aufmerksam zergliedernd auffaßten+ und so einen reichen Schatz

möglichst vollständiger und richtiger Vorstellungen erwarben.

3. Es sind aber auch Vorstellbindungen verschiedener Sinnesgebiete

möglich. Freilich besteht zwischen den einzelnen Sinnen eine

Scheidewand, so daß ein ununterscheidbares Zusammenfließen wie bei der

vollkommenen Verschmelzung nicht stattfinden kann. Aber doch knüpfen

sich auch hier zarte Bande, die allerdings etwas loser sind als die

Verbindungen des gleichen Sinnesgebiets, aber doch noch als feste

Bindungen angesprochen werden müssen. Es sind die „+Komplikationen+“

(ich schlage dafür vor „mehrsinnliche Bindungen“). Wenn wir einen

Borsdorfer Apfel sehen, und es läuft uns das Wasser im Munde

zusammen, so ist das nur möglich, weil die Gesichtsvorstellung vom

Borsdorfer Apfel mit der Geschmacksvorstellung früher eine Bindung

eingegangen ist, so daß jetzt sofort die Speicheldrüsen abzusondern

beginnen. Ein starker Donner weckt in unserm Bewußtsein gleichzeitig

vielleicht das Gesichtsbild eines Feldgeschützes oder Mörsers infolge

der Gehör-Gesichtsbindung. Beim stillen Lesen können viele an sich

beobachten, wie sie leise Sprechbewegungen ausführen. (Siehe später

Inaudi! S. 57.) Eine Übersicht würde uns also bieten:

Vorstellbindungen (Assoziationen)

eines Sinnesgebietes, verschiedener Sinnesgebiete

/ \ |

/ \ |

Verschmelzung Angleichung vielsinnliche Bindung

(Assimilation) (Komplikation)

Endlich gibt es auch Bindungen, die nicht in einer für die Beobachtung

unteilbaren Tat (simultan) vor sich gehen, sondern wo infolge

Verzögerung deutlich zwei Teile nachzuweisen sind. Diese verzögerte

(sukzessive) Vereinigung +beruht+ sonst +auf den gleichen allgemeinen

Ursachen+ und hat +dieselben Eigenschaften+ zweier gleichzeitiger

Bindungen, der umbildenden Angleichung und der mehrsinnlichen

Bindung. Sie ist der Beobachtung leicht zugänglich; denn alles, was

uns von selbst einfällt, wenn wir uns ganz willenlos dem Spiel der

Gedanken hingeben, ist verzögerte Bindung. +Das gesamte Erinnern,

sämtliche Gedächtnisvorgänge sind nacheinander ins Bewußtsein tretende

Vorstellbindungen.+ Scheinbar von selbst folgt einer Vorstellung dann

eine ganze Menge anderer. Wir wissen aber, daß +dieses Folgen nur auf

Grund von Verbindungen+ möglich ist. Deshalb verweisen wir andauernd

auf frühere oder spätere Stellen, damit jeder beim zweiten Lesen

möglichst viele Brücken schlägt.

Wirkt aber bei den geistigen Verbindungen der Wille mit und

unterscheiden wir deutlich Gefühle der Spannung, der Tätigkeit

dabei, so entstehen nach Wundt Apperzeptionen, die unmittelbar

unter der Mitwirkung der Aufmerksamkeit zustande kommen. Denken,

Überlegen, Einbildungskraft und Verstandestätigkeit sind (nach Wundt)

+solche+ Verbindungen. Durch sie nur sind dann solche weitgespannten

Zusammenhänge und Überblicke (Synthesen), solche tiefeindringenden

Zergliederungen (Analysen) möglich, wie wir sie bei den Größen des

Geistes bewundern.

Für Apperzeption, wie sie Wundt auffaßt, haben wir zahlreiche deutsche

Wörter: denken, beziehen, überlegen, zergliedern, verknüpfen,

verketten usw. Durch sie entstehen +die höheren, den Menschen vor der

Tierwelt auszeichnenden Gedächtnisverknüpfungen+. Von diesen höheren

Verbindungen läßt Goethe den Teufel bewundernd sprechen:

„Es ist mit der Gedankenfabrik,

Wie mit einem Webermeisterstück,

Wo ein Tritt tausend Fäden regt,

Die Schifflein herüber, hinüber schießen,

Die Fäden ungesehen fließen,

Ein Schlag tausend Verbindungen schlägt.“

[4] Wie derartige Reize zustande kommen und wie sie von den

Sinnesnerven fortgeleitet werden, um als Empfindungen in unser

Bewußtsein zu treten, zeigen die beiden ersten Abbildungen. Unser

Finger berührt einen heißen Gegenstand oder verletzt sich an einer

Nadel; sofort wird der Finger auch schon zurückgezogen, ohne daß

unser Wille daran beteiligt ist. Das geht so zu: Der heftige Reiz

(Hitze, Stichverletzung) erregt eine Empfindungs-Nervenzelle, ein

Sinneskörperchen, von denen Hunderte und Tausende auf Fingern,

Lippen und anderen empfindlichen Stellen verteilt sind (Abb. 1).

Jedes dieser Sinneskörperchen, die nur einige Tausendstel-Millimeter

messen, ist von einer feinen Nervenfaser umstrickt, die sofort den

Reiz bis zum Hinterhorn des Rückenmarks leitet. Dort löst er eine so

starke Erregung aus, daß sie nach dem Vorderhorn zu (motorischen)

Bewegungs-Nervenzellen überstrahlt und dort auch Erregung verursacht.

Sie teilt sich der Bewegungsnervenfaser mit, die den dazugehörigen

Muskel zusammenzieht und den Finger von der gefährdeten Stelle

entfernt. Der Zuckungsbogen ist geschlossen, wir haben eine

unwillkürliche Bewegung, eine Reflexbewegung, gemacht, an der unser

Gehirn vorderhand gar keinen Anteil genommen hat.

Wesentlich zusammengesetzter werden die Vorgänge, wenn wir uns

im Dunkeln tastend bewegen. Dann genügt nicht die einfache

Zuckungsbewegung zum Schutz des bedrohten Gliedes. Dann springt die

Erregung nicht sofort vom Hinter- zum Vorderhorn, sondern steigt erst

im Hinterhorn aufwärts ins Großhirn. Verschiedene Hirnstellen sind

daran beteiligt (Abb. 2). Die an dieser Stelle als Schmerz, Druck,

Kälte oder Wärme in unser Bewußtsein tretende Empfindung wird unter

Hinzutritt des Willens zu einem Bewegungsantrieb umgearbeitet, der

von der Bewegungszone im Gehirn zum Muskel abwärts geleitet wird, das

bedrohte Glied mit bewußter Absicht zu bewegen.

[5] Bloße Aufnahme.

[6] Erfassung.

[7] Solcher „Schnellseher“ gibt es mancherlei Arten. Bei den einen

fällt eine Platte mit viereckiger Öffnung herab, durch die der Blick

Bruchteile von Sekunden lang auf bestimmte Ziele freigegeben wird.

Oder es schwingt vor den Augen eine Fläche mit einem Schlitz hin und

her, durch den Zeichen oder Gegenstände auf ganz kurze, bestimmbare

Zeit betrachtet werden (Abb. 3).

[8] D. h. nach dem Taktmesser (Metronom) von Mälzel gemessen.

[9] Wie sich Puls und Atmung bei jenen drei Gefühlsrichtungen

gestalten, ist bei Wundt, Grundzüge der Physiologisch. Psychologie,

II. Band, 6. Aufl., S. 304-309, zu ersehen. Es sind ähnliche Puls-

und Atemlinien, wie wir eine auf Seite 69 bringen.

IV. Ein kurzer Ausflug in die Werkstatt unseres Geistes.

Es ist natürlich, daß unser Gehirn (Abb. 7 und 8), diese wunderbare

Gedankenfabrik, die Forscher besonders anzog, daß es ebenso wie das der

Tiere mit allen möglichen Verfahren bis zu seinen Zellen mikroskopisch

gründlich durchforscht wurde. Im Jahre 1887 schon erschien ein

Verzeichnis von 341 Arbeiten über Nervenfasern und Ganglienzellen.[10]

Allein 1895 bis 1908 wurden gegen 1500 Arbeiten nur über die Bauart der

Gehirnzellen veröffentlicht.

[Illustration: Abb. 7. Das menschliche Gehirn von oben.]

Ein Schnitt durch das Gehirn zeigt uns, daß die rötlichgraue

Oberfläche, die „graue Substanz“, das „Rindengrau“, nur einen dünnen

Überzug von wenigen Millimetern Dicke bildet. Was darunter liegt, sieht

weiß aus und besteht aus ungezählten Millionen von markhaltigen Fasern,

Nervenleitungen, die wir als Mark bezeichnen (Abb. 11).

Wenn wir nach einem Vergleiche suchen, der uns den Zweck dieser

Einrichtung verständlich macht, so eignet sich dazu das Bild einer

elektrischen Kraftanlage recht gut. Die Dynamomaschine als Kraftwerk

versorgt die Leitung, ein weit gespanntes Drahtnetz, mit Kraft und

Licht. Das Rindengrau würde als Kraftstelle, die ungeheuren Mengen von

Markfasern als das ganz verschlungene Leitungsnetz zu bezeichnen sein;

denn mehrere Millionen solcher Nervenleitungen verbinden die einzelnen

Teile des Gehirns und ihre Oberflächenzellen untereinander.

[Illustration: Abb. 8. Das menschliche Gehirn von unten.]

Außerdem ziehen ganze Faserzüge von einer Hirnhälfte zur andern. „Der

größte Teil des menschlichen Großhirnmarkes besteht also tatsächlich

aus nichts anderem als aus Millionen wohlabgedichteter, insgesamt

Tausende von Kilometern messender Leitungen, die die Sinneszonen

untereinander, die Sinnesbezirke mit den geistigen Bezirken und diese

wieder untereinander verknüpfen; -- und nur aus dieser Mechanik ergibt

sich die Einheitlichkeit der Großhirnleistungen.“ (Flechsig.)

[Illustration: Abb. 9. Isolierte Ganglienzelle. Nach Ramon y Cajal.

(Aus Pfeiffer, Menschliches Gehirn.)

~N~ Neurit (Nervenfaser); alle übrigen Ausläufer sind Dendriten

(baumartig verästelte Ausläufer des Zellinhalts).]

Das ganze Gehirn ist nun in kleinere oder größere Arbeitsgebiete

eingeteilt. Das +Kleinhirn+ ist durch Nervenleitungen mit allen

Gelenken, Sehnen, Muskeln, auch mit den drei Bogengängen des Labyrinths

im Ohr, verbunden. Darum empfinden wir mit seiner Hilfe fortwährend

jede Lageveränderung der beweglichen Körperteile und sind stets über

die Lage unseres Körpers genügend unterrichtet.

[Illustration: Abb. 10. Einzelne Zellen und Faserverbindungen aus

der vorderen Zentralwindung des Menschen. Nach Ramon y Cajal. (Aus

Pfeiffer, Menschliches Gehirn.)

~A~ Große Pyramidenzellen mit nach oben gerichteten Dendriten und

nach abwärts gerichtetem Neurit. -- ~B~ Schaltzellen, vielleicht

Mittelglieder von Assoziationsfasern. -- ~D~ Endverzweigungen aufwärts

gerichteter Neuriten.]

Um die Bedeutung des +Mittel-+ und +Zwischenhirns+ zu ermitteln,

versuchte man, bei Säugetieren das Großhirn zu entfernen, was nach

mühevollen Versuchen endlich Goltz, dem Straßburger Anatomen, bei

einem Hunde gelang. Das Tier, das also nur noch Kleinhirn und Mittel-

und Zwischenhirn besaß, blieb noch 18 Monate am Leben, und man

konnte an ihm beobachten, daß auch ein großhirnloses Säugetier nicht

ohne seelische Regungen ist. Zwar war der Hund blödsinnig geworden,

hatte die Fähigkeit zur richtigen Auslegung des Empfundenen und das

Gedächtnis verloren und vermochte die Nahrung nicht selbst zu suchen.

Doch konnte er sich ohne Unterstützung aufrichten, stehen und sogar

aufrecht gehen. War er auf glattem Boden hingefallen, so richtete

er sich von selbst wieder auf. Aus folgendem Versuch schließt der

Nichtfachmann vielleicht gar auf erste Anfänge eines Denkens ohne

Großhirn. Man ließ ihn zwischen lange Bretter. Er lief bis zum Ende, wo

die Zimmerwand ihm den Weg versperrte. Umdrehen konnte er sich in der

Enge nicht, so versuchte er lange, sich an der Wand emporzurichten und

das Hindernis zu überwinden. Nach vielen fruchtlosen Anstrengungen fing

er langsam an, rückwärts zu gehen, und war nach einer Viertelstunde (!)

erst wieder aus den Brettern heraus.

Ob man, wie Wundt, auf ein ganz leises Dämmern von Bewußtsein daraus

schließen darf? Oder war es nur bei dem Tiere ein etwas unheimliches

Gefühl vor dem unüberwindlichen Hindernis, das ein Zurückweichen

hervorrief, und dann ein zwangsläufiges Weiterpendeln, nachdem das

Rückwärtsgehen einmal eingeleitet war? Selbstverständlich fehlte seinem

Gehen Zweck und Ziel. Sinnestätigkeit war beschränkt vorhanden, denn er

war nicht blind, nicht taub, nicht stumm, hatte Geschmack und Gefühl.

[Illustration: Abb. 11. Frontalschnitt durch die rechte

Großhirnhalbkugel des Menschen. (Nach Dr. C. Heitzmann.)

~Stl~ Stirnlappen. ~Schl~ Schläfenlappen. ~Sw~ weiße Substanz. ~Sg~

graue Substanz. ~Ba~ Balken. ~Sth~, ~Lk~ u. ~Vm~ innere Anhäufungen

grauer Substanzen. ~Ki~ innere Kapsel. ~Vr~ rechte Hirnkammer.]

Aber die Triebe machten sich noch mit starker Wucht und Selbständigkeit

geltend. Hatte er kein Futter, so lief er hungrig und sehr lebhaft

umher. Nach dem Fressen trat sofort Ruhe ein, und es überfiel ihn ein

ruhiger, anscheinend traumloser Schlaf, bis Nahrungsmangel oder starke

innere oder äußere Reize sein Bewußtsein von neuem aufstachelten.

Die körperlichen Bedürfnisse wirken also sogar noch bei völligem

Großhirnmangel treibend (Trieb!) und setzen alle Glieder in Bewegung,

die der unmittelbaren Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse dienen.

Das Gedächtnis · 第 1 / 7 段