Napu-Sklavin in Festtracht.]

[Illustration]

Im südlichsten Winkel des Golfes von Tomini liegt die stille,

verträumte Ortschaft Posso. -- Hingeschmiegt unter wiegenden

Palmenkronen, vom linden Seewind geküßt und vom ewigen Liede der

Brandung umschmeichelt, schläft sie einen Dornröschenschlaf, dem sie

nur der alle 14 Tage hier anlaufende Postdampfer für kurze Stunden zu

entreißen vermag.

Der Ort ist Regierungsstation und steht unter dem Befehle eines die

Militär- und Civilgewalt in seiner Person vereinigenden Hauptmannes,

dem ein Detachement von etwa 100 Soldaten beigegeben ist. Ein

geräumiges Haus und große schöne Gartenanlagen sind die einzigen

Annehmlichkeiten, welche dem aus Europa hierher verschlagenen

Bezirksmachthaber geboten sind. Nur durch diese Anlagen vom Heim des

Tuan besar getrennt, schließt sich der Pasangrahan an, einer der am

komfortabelsten ausgestatteten, die mir in Niederländisch-Indien

vorkamen.

Prächtige schattige Alleen durchziehen, sternförmig ausstrahlend,

die weit hingedehnte Station. Reizende Parkanpflanzungen und als

Clou eine hochgelegene Uferpromenade mit malerischen Ausblicken auf

Posso-Fluß und Kampong vervollständigen die Sehenswürdigkeiten des

Platzes. Schmuck und sauber, mit einem Anstrich von Wohlhabenheit,

wennschon jeder Eigenart verloren gegangen, präsentieren sich die

unter Grün versteckten Eingeborenenhäuschen im Stile des gewöhnlichen

Malayenhauses, wie es für den ganzen Archipel typisch ist. Von ihnen

heben sich die zierlich beschnitzten und bemalten Wohnungen der

buginesischen Einwanderer als ungleich stilechter vorteilhaft ab.

Der Kaserne gegenüber, die wie überall in Indonesien auch den mehr

oder weniger legitimen Weibern der Soldaten und ihren zahlreichen

»Früchten eines Schoßes«, wie sich der Malaye poetisch ausdrückt, zur

Wohnung dient, haben eine Anzahl der nirgends fehlenden bezopften

Söhne des Himmels ihre Läden aufgeschlagen, von wo aus sie Garnison

und Eingeborene mit den billigen Quincaillerie-Erzeugnissen westlicher

Kultur beglücken. Ihr Hauptgeschäft aber besteht im Aufkaufen der

Landesprodukte, hier vor allem Kopra und Rotang, die sie im großen nach

China und Europa verfrachten.

Damit ist die Aufzählung alles irgendwie Bemerkenswerten in Posso

am Meere -- zum Unterschiede von Posso-See -- beendet. Diese beiden

Bezeichnungen schließen übrigens ein niedliches Wortspiel in sich, da

das holländische »Posso-Meer« auf deutsch »Posso-See« besagt, während

das deutsche »Posso-See« (holld. = Zee) umgekehrt im Holländischen

»Posso am Meer« bedeutet.

Posso hat ungeachtet seiner günstigen Küstenlage ein außerordentlich

heißes Klima, in dem die Vegetation üppig wie in einem Treibhause

zur Entfaltung gelangt. Fast ohne Zutun des Menschen sorgt hier eine

allgütige Natur für seinen Unterhalt. Aber auch diesem Eden fehlt die

Schlange nicht, die das Glück seiner Bewohner stört. Vor allem sind

es Verstand und Gemüt verdüsternde Kultvorstellungen, unter denen

die Bevölkerung schmachtet. Nach Mitteilung des Kommandanten treibt

speziell der Hexenglauben bösartige Auswüchse. Vieherkrankungen,

gehäufte Sterblichkeit und dergl. Geschehnisse werden von den Leuten

in vielen Fällen auf Verhexung zurückgeführt. Der Zauberei verdächtige

Personen sind ihres Lebens nicht sicher. Während sie früher lebendig

verbrannt wurden, greift unter dem strengen holländischen Regime die

fanatisierte Bevölkerung zum Meuchelmord, wobei schleichenden Giften

die Hauptrolle zufällt. Die Behörde steht solchen Ausbrüchen brutaler

Selbsthilfe ziemlich ohnmächtig gegenüber, da die Eingeborenen,

durch mehrmals vorgekommene strenge Ahndungen gewitzigt, in größter

Heimlichkeit zu Werke gehen. Jeder Aufklärung unzugänglich, bewahrt die

Bevölkerung über Akte ihrer Femjustiz unverbrüchliches Stillschweigen,

so daß es fast stets unmöglich ist, die Übeltäter zu überführen.

Die wichtigste Obliegenheit während meines Aufenthaltes in Posso war,

mir die Zustimmung des Regierungsvertreters zur Fortsetzung meiner

Reisen durch die schwierigen und noch nicht völlig pazifizierten

Gebiete von Napu und Besoa zu sichern. Herr Hauptmann Massey stand

meinem Reiseprojekt freundlich gegenüber, bestand jedoch darauf,

mir wiederum eine militärische Eskorte mitzugeben. Ich nahm hiervon

dankend Kenntnis und bat nur um Beschleunigung bei der Auswahl der

Mannschaften. Dieser Bitte wurde freundlichst willfahrt und als

Zeitpunkt meiner Abreise der kommende Morgen festgesetzt. Der gütigen

Unterstützung des Herrn Hauptmann Massey verdankte ich auch meinen

Dolmetscher, der in der Person eines in Posso wohnenden Malayen aus der

Minahassa Namens No-Moningko gefunden wurde. Derselbe beherrschte die

Idiome der zu durchziehenden Sprachgebiete vollkommen und erklärte sich

nach einigem Zureden bereit, mir bis Palu zu folgen.

+Posso -- Waldbiwak Bambaimpo+, den 7. November.

Der Tag des Aufbruches zu meiner letzten und wichtigsten Reise in

Celebes war kaum heraufgedämmert, als sich bereits die 24 Gepäckkulis

vor dem Pasangrahan eingefunden hatten. Das Verteilen der Lasten

vollzog sich unter dem unvermeidlichen Streit der Leute um die

bequemsten Gepäckstücke. Ich überließ die Aufsicht meinem neuen

Begleiter No und meinem Jungen, um mich von Herrn Hauptmann Massey

zu verabschieden. Mit bestem Danke für die freundliche Aufnahme und

die erwiesenen Gefälligkeiten sagte ich ihm Lebewohl, und von seinem

wohlgemeinten »Glück auf den Weg« begleitet, gab ich das Zeichen zum

Abmarsch.

Dicht vor der Mündung des Posso-Flusses ließen wir uns mittels

Fähre übersetzen. Am anderen Ufer zog sich der Weg noch eine

Strecke weit durch den Kampong, später durch lichten dünnen Busch

in fast schnurgerader Linie nahe dem Meere hin, mit gelegentlichen

wunderhübschen Ausblicken auf die tiefblaue Flut.

Nach 2stündigem Marsche erreichten wir Mapane, ein schönes großes Dorf

mit ausgedehnten Kokosplantagen, die der Bevölkerung eine mühelose und

angenehme Existenz ermöglichen. Die Leute nennen sich hier nach ihrem

Stammesnamen Topebato. --

[Illustration: 240. Mein Dolmetsch No-Moningko.]

In dem reichen Mapane befand sich auch die Werkstatt eines

buginesischen Goldschmiedes, den ich aufsuchte. Meine Erwartungen

wurden aber getäuscht; ich fand bei ihm nicht ein interessantes Stück.

Eine silberne Tabaksdose, etwa neun Gulden auswiegend, sollte ich

mit 30 fl. bezahlen. Das war mir doch etwas zu bunt, und schleunigst

schüttelte ich den Staub von meinen Füßen. Man sollte eben an

Küstenplätzen keine Einkaufsversuche machen, da man stets überteuert

wird.

Am Strande von Mapane, wo Fischerei in größerem Umfange betrieben wird,

lagen ganze Reihen von Booten, die mir durch ihre originellen Ausleger

bemerkenswert erschienen, welche kurz vor der äußeren Querstange eine

starke Biegung nach oben in der Form eines Pferdekummets aufwiesen.

Unsere nächste Station war das benachbarte, gleichfalls sehr bedeutende

Dorf Kasigundju, das wir auf guter, aber schattenloser Distriktsstraße

in etwa einer Stunde erreichten. Hierselbst wohnte ein holländischer

Missionar. Er war zur Zeit meines Eintreffens abwesend, und seine

fieberkranke Frau konnte mich nicht empfangen. Im Hause des nunmehr

aufgesuchten Dorfvorstehers von Kasigundju wurden mir Kokosnüsse und

Pisang zur Erfrischung geboten. Während meines Verweilens bei ihm

rief man die neuen Träger zusammen, da in diesem Dorfe Kuliwechsel

stattfand. Die Posso-Leute gingen zurück, und Topebatu aus der

Umgegend, die bis Napu durchzumarschieren hatten, traten an ihre

Stelle. Ihre Vorbereitungen für die Abwesenheit von gut einer Woche

zogen sich etwas in die Länge, so daß ich erst mit ca. einstündiger

Verspätung von hier aufbrechen konnte.

Mit dem schönen Wege hatte es von Kasigundju ab leider ein Ende, und

wir betraten schmale verwachsene Fußpfade. Kurz hinter dem Dorfe scharf

nach links abbiegend, wandten wir uns direkt dem Napu-Gebirge zu. Die

Überquerung des Salu Puna ging auf einem Fährboote glatt vor sich.

Durch Busch und eingefenzte Plantagen ging es drüben weiter, wobei mir

die sonderbaren Umzäunungen auffielen. Die hierzu verwandten starken

Baumstämme waren nicht in der gewöhnlichen Art aufeinandergelegt,

sondern bildeten, vertikal nebeneinander in die Erde gerammt,

Palisaden von Manneshöhe. -- Streckenweise stießen wir auf größere

Eukalyptenbestände, deren säulengerade schlanke Stämme erst in einer

Höhe, welche die der anderen Waldbäume zwergenhaft erscheinen ließ,

mächtig ausladende Laubschirme bildeten. Diese bis zur Krone astlosen

Waldriesen gewährten mit ihrer völlig glatten und herrlich grün, grau,

gelb, rot bis violett gefleckten Rinde und den darauf hin und wider

huschenden Sonnenreflexen einen wundervollen Anblick. Der Fuß schritt

auf einem Rindenteppich dahin, da sich die Borke dieser stolzen Bäume

periodisch in langen schmalen Streifen von oben nach unten abschält.

Einen weiteren anmutigen Kontrast in das Grün dieser Küstenwälder

brachte ein stattlicher Baum, dessen Blätterreichtum buntgemischt die

satte Farbenpracht des jungen Erstlingslaubes mit allen Übergängen bis

zu den tiefroten Tinten des Herbstlaubes gleichzeitig in sich vereinte.

Große Flüge weißer Kakadus und Gesellschaften bunter, lärmender

Papageien belebten die Hochwipfel dieser Urwälder. Wir kamen später

noch einmal an einer großen Rodung mit jungen Pisangpflanzen zwischen

den wirren Reihen der gefällten und halbverbrannten Baumstümpfe

vorüber. Es waren die letzten Anzeichen des bewohnten Geländes. Nunmehr

führte der Weg ununterbrochen durch schattigen Wald. Unsere Wanderung

wäre noch genußreicher gewesen, hätten wir dabei nicht so häufig

Moraststellen angetroffen und unzählige Rinnsale zu durchschreiten

gehabt, die von undurchdringlichen Sumpfpflanzen-Gehegen eingefaßt

waren. Solche Kräuterwildnisse sind die Lieblingsplätze zierlicher

Schmetterlinge sowie farbenprächtiger Käfer, die hier in Unmengen

vorkommen.

Eine besondere Merkwürdigkeit dieser Waldzonen waren die mehrfach

angetroffenen »surat útan«, die die Skizze auf S. 457 veranschaulicht.

Der am Wegrande errichtete Pfosten (Fig. a) mit geradem in einer

bestimmten Richtung in den Wald hinein weisenden Querarm bedeutet

in der Zeichensprache der Eingeborenen, daß der in der angedeuteten

Richtung sich ausbreitende Wald von dem Aufsteller des Wegezeichens

in Besitz genommen sei, und daß kein anderer mehr ein Anrecht darauf

habe. Der Pfahl mit einem schief nach unten deutenden Querarm (Fig.

b) warnt vor einem Betreten des Waldes nach dieser Richtung, da dort

messerscharfe Bambusspitzen im Laubwerk des Bodens verborgen sind,

wie sie zum Erlegen von Wild an der Erde befestigt werden. Zwei

schräggekreuzte abwärtsgerichtete Arme (Fig. c) zeigen an, daß nach den

beiden angedeuteten Richtungen hin Fußlanzen angebracht sind, usw.

[Illustration]

Je näher wir dem Fuße des Gebirges kamen, desto schlechter und

unwegsamer wurde der Pfad, der mit Geröll und Fallholz überschüttet

war. Gegen 3 Stunden waren vergangen, als wir an den schmalen

Einschnitt des über Felsen hinbrausenden Salu Impo gelangten. Das vom

Napu-Gebirge herabstürzende Flüßchen wurde durchwatet. Bald darauf

erreichten wir eine waldfreie Einsattelung, hinter welcher unmittelbar

das hohe Gebirge anstieg. Der Platz wurde Bambaimpo genannt und war

das Ziel unseres heutigen Marsches. Hier rasten regelmäßig die von

Napu kommenden oder über das Gebirge dorthin gehenden Wanderer, und

eine hier errichtete primitive Baracke dient ihnen als Obdach. Ein

käfigartiger Anbau hatte die Bestimmung, als »Herrenlogis« zu dienen.

Ich zog es aber vor, im Freien zu bleiben, wo ich mir aus Astwerk ein

kleines Gerüst herstellen ließ, das auf 3 Seiten mit Wachstuchplanen

umkleidet wurde, und dessen Dach aus dichten Blätterlagen bestand.

Zwischen Dach und Wänden blieb dabei genügend Zwischenraum für

Luftzutritt. Mit so einfachen Mitteln wurde ein völlig separiertes

und ungleich angenehmeres Schlafquartier fertig gemacht, als es der

verräucherte Schuppen mit den 40 schwitzenden Insassen gewesen wäre.

Ein in unmittelbarer Nähe vorbeifließender kristallklarer Waldbach

gewährte ein erfrischendes Bad, und wieder einmal kam es mir so recht

deutlich zum Bewußtsein, wie wenig der Mensch eigentlich zu seinem

leiblichen Wohlbefinden bedarf.

+Bambaimpo -- Watutau+ (Napu), den 8. November.

Als wir nach ruhiger Nacht in köstlichem Waldesfrieden um 6 Uhr

Bambaimpo verließen, um mit dem Anstiege zum Napu-Gebirge zu beginnen,

ahnte ich nicht, daß mir der schwerste Marsch meiner Reisen bevorstand,

der mir um ein Haar zum Verhängnis geworden wäre.

Eine Reihe von Gründen hatte mich veranlaßt, an der Spitze des Zuges

zu marschieren, darunter nicht zum wenigsten der Umstand, daß das mich

diesmal begleitende Militär aus etwas phlegmatisch veranlagten Leuten

bestand. Das beschauliche Leben in Posso hatte ihnen zweifellos besser

behagt als die Beteiligung an meiner Expedition, und im Gegensatz zu

meinen früheren Paloppo-Soldaten war es ihnen völlig einerlei, wie weit

sie zurückblieben. Zu dieser Feststellung hatten sie bereits am ersten

Tage reichlich Gelegenheit gegeben. Heut wiederum schien ihnen der

frühe Aufbruch nicht zuzusagen, und da mir verdrossene Mienen auf die

Nerven fallen, beschloß ich vorauszugehen.

Nur von meinem Dragoman No, der sich glücklicherweise als ein strammer,

ausdauernder Junge erwies, und einem Topebato begleitet, der als Führer

zu dienen und nur meine Apparattaschen zu tragen hatte, stiegen wir die

sich vor uns aufbauenden Gebirgslehnen hinan.

Dem Bergwalde fehlten die in den Wäldern der Ebene so auffälligen

Eukalypten. Dagegen war der Wald reich an Schwämmen, deren ich mehr als

20 verschiedene Species zählte. Nacktes festes Gestein trat nirgends

zutage; desto eigenartiger muteten vereinzelt aus dem Pflanzengewirr

herausragende würfelförmige Felsbrocken an, die, regellos zerstreut

liegend, in dicke Moosschichten eingebettet waren.

Eine Stunde anstrengenden Steigens brachte uns auf den ersten Absatz

des Gebirges. In dieser Berg-Einsamkeit lernte ich endlich auch den

»burung babi« aus eigener Anschauung kennen, dessen tiefen, weit durch

die Wälder schallenden Ruf ich wohl hundertmal gehört hatte. Meiner

bisherigen Annahme entgegen war dies keine Buceros-Art, sondern eine

große grüne Fruchttaube mit schneeigweißer Brust. Lange nicht mehr

vernommenes Affengebell unterbrach die tiefe Stille des Gebirges

mit fröhlichem Lärm. Prachtvoll rotgelb gesprenkelte Juliden, trotz

ihrer notorischen Ungefährlichkeit von den Eingeborenen als giftige,

bösartige Tiere gefürchtet, zogen im moosigen Untergrunde auf die Jagd

nach Kerfen. Eine mir bisher noch nicht vor Augen gekommene Art kleiner

Landegel unterschied sich durch verhältnismäßig friedliches Betragen

vorteilhaft von den blutgierigen Artgenossen in den östlicher gelegenen

Gebirgen.

Ohne Unterbrechung stark ansteigend, marschierten wir gegen 3

Stunden durch herrlichen Wald, ehe derselbe ein verändertes Aussehen

anzunehmen begann. Stelzenwurzlige Pandanaceen und kletternder Bambus

wurden häufiger und häufiger, bis wir nach 4¼stündigem Marsch eine

neue Gebirgsabstufung erreicht hatten. Die in wallende Morgennebel

gehüllte kleine Blöße war der Rastplatz Nompi-Nompi. Ein festgefügtes

Blockhäuschen mit danebengelegenem größeren Schuppen war auf der Mitte

des Platzes errichtet, den Verweilenden Unterkunft zu bieten. Auch

mir, der ich keine Idee davon gehabt hatte, daß Nompi-Nompi nicht gar

weit von Bambaimpo entfernt lag, hatte es der Sergeant als heutiges

Marschziel bezeichnet, bei dieser selbstherrlichen Bestimmung die

gewohnte Marschleistung zu Grunde legend. Ich war daher nicht wenig

überrascht, mich bereits am frühen Vormittag am Ziele zu finden, und

die Absicht meiner Leute, in diesem nebelfeuchten Waldloche faulenzend

den Tag zu verbringen, kam mir lächerlich vor. Daher gedachte ich nur

die Ankunft der ersten Nachzügler abzuwarten, um ihnen meinen Entschluß

mitzuteilen, nach Watutau, dem Hauptdorfe von Napu, durchzumarschieren.

-- Eine Viertel-, eine halbe Stunde verging; aber kein Laut aus dem

Walde unter uns verriet die Annäherung meiner säumigen Gefolgschaft.

Da riß mir der Geduldsfaden, und in der allzu optimistischen

Voraussetzung, daß sie aus freien Stücken folgen würden, setzten wir

den Weg fort.

Durch einen Mooswald, wie er schöner nicht gedacht werden kann, immer

höher und höher klimmend, gelangten wir gegen 12 Uhr auf die Paßhöhe

des Napu-Gebirges. Hier umfing uns die hehre Größe und verträumte

Schwermut einer Moorlandschaft mit ihrem stillen Zauber. Keine

der typischen Erscheinungen solcher Moore fehlte. Hier wechselten

lichte Laubwälder mit baumlosen Flächen und melancholisch stimmenden

dunklen Teichen; dann wieder drängten sich Sträucher und Blumen der

Hochgebirgsflora: Rhododendren, Lorbeergebüsch, Kannenpflanzen,

Myrtensträucher und Farne. Auch der Vogelwelt schien das Gelände

zuzusagen; die lieblichen Weisen der kleinen Sänger ertönten aus dem

Buschwerk, Erddrosseln schlüpften hurtig von Zweig zu Zweig, sich an

reifen Beeren delektierend, und große grauweiße Schwalben strichen mit

gellendem Pfeifen spielend und jagend hin und wider. Dick bepelzte

kleine Nager huschten über den Weg, während zahlreiche Fährten und

Losungen auch das Vorhandensein größeren Wildes dokumentierten. Unter

den in dieser Höhenzone angetroffenen Blüten waren die augenfälligsten

und schönsten die zahlreich vorkommender Orchideen, wenngleich

viele Arten dieser Familie auch wieder recht unscheinbare Blümchen

zeigten. In einer der hoch über dem Erdboden auf Bäumen epiphytisch

lebenden Arten der letzteren Kategorie sollte ich die seltsamste aller

malayasiatischen Pflanzenformen kennen lernen, eine Myrmecodia-Art,

die sogenannte Ameisenpflanze. Einem kurzen Stengel mit 4-5 großen

Blättern und unansehnlichen kleinen Blüten sitzt am Grunde ein

blasig aufgetriebener stachliger Knollen von tiefbrauner Farbe auf,

dessen Inneres ein System von Zellen und Gängen bildet, die kleinen

außerordentlich bissigen roten Ameisen zur Wohnung dienen. Das

Pflanzengewebe verwandelt sich unter der Einwirkung der Ameisensäure

in eine korkige Masse, deren Mulm von den Tierchen herausgeschafft

wird. Die großen Mengen kugel- oder beutelförmiger Knollen dieser

Ameisenpflanzen, von teilweise bedeutendem Umfange, sahen von fern

Kolonien von Webervogelnestern nicht unähnlich.

[Illustration: 241. Ameisenpflanze.]

An 3 Stunden lang durchzogen wir dieses wundersame Gelände, insofern

vom Glück begünstigt, als Bewölkung die Hitze milderte und das Gehen

auf dem fast ebenen und weichen Boden sehr angenehm war. Plötzlich

hörte der Buschwald auf, und wir standen vor einer Kette freiliegender,

kahler Höhenkuppen, die in Stufen nach der duftig heraufschimmernden

Hochebene von Napu hin abfielen. Von dieser trennte uns noch eine

bedeutende Entfernung, so nahe sie auch auf den ersten Blick schien.

Die ausgedehnte Steppenfläche von Napu, die sich dort unten in der Höhe

von 1070 m über dem Meere erstreckte, mißt bei einer Länge von 8-10

Stunden ungefähr 4 Stunden in der Breite. Napu dürfte somit die weitaus

größte Hochfläche der Insel darstellen. Zwei größere Wasserbecken und

bizarr gewundene Flußadern blinkten aus der Tiefe herauf. Ein weit in

die Steppe vorspringender niedriger Hügelzug teilte diese herzförmig.

Die Umrahmung der Ebene bildeten mittelhohe, von Dunst umflorte

Gebirge, deren höchstes das ca. 2000 m hohe, von uns überschrittene

Napu-Gebirge war. Zarte blaue Nebelschleier lagerten über der

Hochebene, die in der Ferne im Sonnenglast verschwamm.

Ergriffen von der Schönheit des Panoramas konnte ich einen begeisterten

Ausruf nicht unterdrücken, fand aber bei meinen Begleitern nicht das

leiseste Verständnis. Ihr Empfinden bewegte sich in anderen Bahnen.

Gleich mir hatten auch sie seit dem frühen Morgen keinen Bissen mehr zu

sich genommen und lagen nun schlapp und todmüde im kurzen Grase.

Als heller Streifen schlängelte sich der schmale Pfad über die

weiten, durch tiefe Mulden getrennten grasigen Hügelkämme. Von dem

Wunsche erfüllt, an das scheinbar nahe Ziel zu gelangen, und jeden

Anflug von Müdigkeit vergessend, ließ ich mich unvorsichtigerweise

verleiten, Führer und Dolmetsch ruhig weiterschlafen zu lassen und

ganz allein ins Tal hinabzueilen. Eine drängende Unrast war in mir,

dieses unbekannteste aller centralen Hochtäler der Insel zu betreten.

Mit beflügelten Schritten eilte ich über die langgestreckten Reihen

der vor mir liegenden Hügel hinweg, bis sich endlich der Pfad steil

und schroff in die Tiefe senkte. Prachtvoller Laubwald bedeckte die

Bergflanke. So schnell als möglich kletterte ich bergab, und um ½-5

Uhr stand ich am Fuße der Ausläufer vor einem wilden Gebirgswasser,

das sich in starken Krümmungen seinen Weg durch die Felsen gebahnt

hatte. Auf einer Strecke von kaum 5 Minuten Weges war der Fluß 3mal mit

hölzernen Stegen überbrückt. Diese Stege nahm ich als erstes Anzeichen

der Nähe besiedelter Gebiete, und wenn auch zunächst noch nichts von

menschlichen Wohnungen zu erblicken war, so wollte ich doch mit dem

Warten auf meine zurückgelassenen Begleiter keine Zeit verlieren.

In einem Hohlwege zwischen hohen Schilfwänden des Talgrundes eilte

ich rüstig weiter, stets gewärtig, auf Eingeborenenhütten zu stoßen.

Irgendwo von links herüber ertönte melodisches Fuja-Gehämmer und

Hundegebell. Die Pfadrichtung aber war gerade entgegengesetzt. Endlich

tauchten kurz vor mir zwei auf einer Anhöhe gelegene spitzgiebelige

Hütten auf. Erwartungsvoll trat ich näher, sah aber tief enttäuscht

nur zwei alte, halb verfallene Lobos vor mir liegen. Kein Mensch,

kein weiteres Haus war weit und breit zu sehen. Irre konnte ich

nicht gegangen sein; denn weithin vor mir war die Weglinie deutlich

zu verfolgen. Dennoch wollte sich eine leise Besorgnis bei mir

einschleichen.

Unentwegt dem Fußsteig nachgehend, hatte ich einen sumpfigen

Taleinschnitt zu überqueren, wobei ich dreimal durch einen ziemlich

tiefen Fluß waten mußte, dessen Wasser mir fast bis zu den Hüften

reichte. Doch die Erfrischung tat gut, und in der Hoffnung, bald ein

Dorf zu erreichen, verdoppelte ich meine Eile. Jenseits der Senkung

betrat ich eine hügelige Steppe, auf welcher die Pfadspur undeutlich

wurde. Zudem teilte sich der Weg, und ich stand ratlos. Rechts ging es

über die Hügel unabsehbar weit in die Steppe hinein; dort vermutete

ich also das nahe geglaubte Watutau nicht. Der linksseitige Pfad,

welcher dem vom Flusse durchströmten Tale folgte, schien mir der

aussichtsvollere zu sein, da hohe Baumgruppen, wie man sie sonst bei

Häusern findet, mich in meinen Erwartungen bestärkten. Die Sonne stand

schon tief. Ein kühler Steppenwind hatte sich aufgemacht und drang

erkältend durch meine oben von Schweiß, unten von Flußwasser durchnäßte

Kleidung. Auch mein heut ungewöhnlich stiefmütterlich behandelter Magen

begann rebellisch zu werden.

Hastig lief ich eine weitere Stunde und erreichte die erste Baumoase.

Erschrocken sah ich mich dort von trügerischem Sumpf umgeben. Hier

konnte ich nicht weiter. Unverweilt ging es denselben Weg wieder

zurück. Ich fürchtete, mich verlaufen zu haben, und eilte in der

Richtung auf die beiden Lobos zu. In der Nähe derselben hatte ich das

Fuja-Gehämmer gehört; dort also mußten Menschen zu finden sein. Um mir

den Weg abzukürzen, versuchte ich querfeldein zu gehen. Aber jenseits

des durchwateten Flusses geriet ich in ein derart zerklüftetes Gelände,

daß meine Kräfte beim Klettern zu erlahmen drohten. Mannshohes Schilf

verbarg mir die Erdrisse; ein paarmal stürzte ich hinab und konnte mich

auf dem lockeren Erdreich der steilen Böschungen nur schwer wieder

in die Höhe arbeiten. So durfte es nicht weitergehen. Mit Mühe und

Not schaffte ich mir mit meinem Haumesser einigermaßen freie Bahn und

gelangte nach diesem vergeblichen Abstecher schweißtriefend und recht

entmutigt wieder auf den alten Weg. Nun erinnerte ich mich meines

Revolvers und feuerte kurz hintereinander Signalschüsse ab. Nichts

rührte sich. Die Gegend war wie ausgestorben, und auch von meinen

zurückgebliebenen Leuten war weit und breit nichts zu entdecken. Die

Burschen müssen Stunden dort oben am Waldesrande verschlafen haben.

Verzweifelt suchte ich mit dem Glase wieder und wieder die Gegend ab

und entdeckte nun auf einem Hügel eine gerade zum Himmel aufsteigende

dünne Rauchsäule. Sie mußte aus einer Hütte kommen; denn ein

Wildfeuer hätte ganz andere Schwaden entwickelt. Die ganze Breite des

Taleinschnittes sowie ein schmaler Waldstreifen dahinter trennten mich

von der Feuerstelle. Immer länger wurden die Schatten, und Eile tat

not, wenn mich nicht die Nacht in dieser Einöde überraschen sollte. Mit

letzter Energie machte ich mich aufs neue daran, auf pfadlosem Boden,

in gerader Richtung durch dick und dünn loszusteuern.

Das vermaledeite, in ganz widersinniger Weise gewundene Flüßchen

kreuzte alle Augenblicke meinen Weg, und ich war erhitzt und dampfend

zu x-maligem Durchwaten desselben gezwungen. Dabei geriet ich an so

tiefe Stellen, daß mir das Wasser bis zur Achselhöhle ging, so daß ich

Revolver und Feldstecher hoch über den Kopf halten mußte, um sie vor

Nässe zu bewahren. Außerdem war das Bergwasser empfindlich kühl und die

Nachtluft rauh. Ich schwitzte vor stark einsetzender Nervosität und

zitterte gleichzeitig vor Kälte. Unverdrossen arbeitete ich mich durch

das verfilzte Rohrdickicht bis nahe an die Hügel heran. Hier stieß ich

auf einen Büffelpfad und folgte diesem ungeachtet der nicht geringen

Gefahr eines Zusammenstoßes mit diesen bösartigen Tieren. Blieb mir

auch ein verhängnisvolles Rencontre erspart, so kam ich doch bald zu

der bitteren Einsicht, daß ich mich abermals auf einem falschen Wege

befand, der mich in eine sumpfige Rohrwildnis führte, aus der mich nur

der Rückweg befreien konnte. Das Schilf schlug hoch über meinem Kopfe

zusammen, und meine Füße verstrickten sich im Gewirr niedergebrochener

Rohre. Kaum mühsam davon befreit und vorwärts stolpernd, sank ich

plötzlich bis zur Hüfte im Moor ein. Kalter Schweiß drang mir aus allen

Poren, keuchend ging der Atem. Eine Schwächeanwandlung überfiel mich.

Halb unbewußt warf ich mich mit dem Oberkörper über das niedergedrückte

Rohr, um weiteres Einsinken zu verhüten.

In dieser kritischen Lage durchzuckte mich jählings der Gedanke,

daß dieser Augenblick das Ende meiner Reisen sein könnte, und der

Selbsterhaltungstrieb riß mich empor. Mit verzweifelter Anstrengung

gelang es mir, mich aus dem Moraste herauszuarbeiten. Auf den tief

unter Wasser wurzelnden Knollen des Rohres Fuß fassend und mich mit

größter Vorsicht weitertastend, erreichte ich völlig erschöpft wieder

festeren Boden.

Die Sonne war inzwischen zur Rüste gegangen, und das Zurechtfinden

wurde immer schwieriger. Ich zwang meine erregten Nerven gewaltsam

zur Ruhe und versuchte, Schritt vor Schritt das Terrain prüfend, den

Sumpf zu umgehen. Mit der ruhigen Überlegung schien mir auch das

Glück wiederzukehren. Ich gelangte auf ansteigenden Boden und fand

hier eine breite, aufwärts führende Büffelspur, der ich nachging.

Eine Viertelstunde später hatte ich zwar mit zitternden Knien und

wildschlagendem Herzen, aber doch glücklich, einer großen Gefahr

entronnen zu sein, den Hügel erklommen. Mit kaltem Schauder sah ich auf

das unheimliche schwarze Moor im Kessel unter mir nieder.

So gut es bei dem Dunkel möglich war, suchte ich mich nun zu

orientieren und konstatierte erleichterten Herzens, daß der aus der

Tiefe heraufführende Büffelsteig auf einen am Rande der Senkung

hinführenden Fußweg ausmündete. Nun fühlte ich mich geborgen.

Schon nach kurzem Marsche sah ich Kulturen vor mir liegen. Einige

Umzäunungen waren noch zu überklettern, dann bemerkte ich hocherfreut

endlich, endlich die Umrisse einer menschlichen Behausung aus der

Nacht emporragen. Wohl war es nur eine armselige Feldhütte; dennoch

durchströmte mich ein warmes Glücksgefühl, als ich mich nach den

überstandenen Nöten wieder unter Menschen wußte.

In der Hütte kauerten zwei Frauen und ein paar Kinder vor einem

auf dem Feuer brodelnden Kessel. Bares Entsetzen sprach bei meinem

unvermuteten Auftauchen aus ihren Zügen, das sich bei den Kindern in

einem befreienden Geschrei Luft machte. Ich bemühte mich, die Weiber

mit gütlichem Zuspruch zu beruhigen. Nun sie wenigstens kein Gespenst

mehr in mir zu erblicken brauchten, kehrte auch den Frauen der Sinn

wieder in die Wirklichkeit zurück, und ein aufgeregtes Reden begann,

aus dem mir nur eins zweifellos klar wurde, daß wir einander auch

nicht ein Wort verstanden. Diese fruchtlosen Verständigungsversuche

unterbrach ein eben heimkehrender, etwa 17jähriger Bursche, vermutlich

ein Sohn des Hauses. Auch er sprach kein Wort Malayisch, erwies sich

aber insofern der Situation mehr gewachsen, als er in mir einen

Verirrten sah und auf mein ständig wiederholtes »Watutau«, ins Freie

tretend, mit ausgestreckter Hand in die nachtschwarze Ebene wies. In

dieser Richtung also mußte der Ort liegen. Ich hätte jetzt wer weiß was

gegeben, meinen Dolmetsch No zur Stelle zu haben; doch auch ohne diesen

war ich entschlossen, unverzüglich nach Watutau aufzubrechen, zumal in

der Hütte nichts für den europäischen Gaumen Genießbares aufzutreiben

war. Auf dem Wege dorthin sollte mir der junge Mann, sei es gutwillig,

sei es gezwungen, als Führer dienen. Mein oft erprobtes Universalmittel

führte auch in diesem schwierigen Falle zu rascher Verständigung. Kaum

sah mein hoffnungsvoller Jüngling den vorgehaltenen blanken Dollar vor

seinen Augen blitzen, als helle Freude aus seinen Mienen strahlte. Den

für mich so ominös gewordenen Namen Watutau wiederholend, machte er

kurz kehrt und forderte mich mit einer einladenden Handbewegung auf,

ihm zu folgen.

Es war ½-8 Uhr, als wir uns auf den Weg machten. Hätte ich ahnen

können, daß mir noch eine dreistündige Anstrengung bevorstand, -- keine

noch so verlockende Vorstellung hätte mich nach dem heut Erlebten auf

den Weitermarsch nach Watutau gebracht. -- Mein Mentor zog in einem

Tempo fürbaß, daß ich bei meiner Ermüdung Mühe hatte, ihm zu folgen.

Von der geheimen Angst beherrscht, der Jüngling könnte mir im Dunkel

entwischen, suchte ich ihm auf den Fersen zu bleiben. Erst durch Wald,

dann Anpflanzungen mit vielen zu übersteigenden Einzäunungen erreichten

wir den Talgrund. Dort begegnete uns ein etwa gleichalteriger Kamerad

meines Führers, der sich uns ohne weiteres anschloß. Die Sachlage

erschien mir nicht ganz unbedenklich. Völlig der Führung der beiden

Burschen überlassen, beunruhigte mich der Gedanke, daß die To-Napu von

jeher zu den fremdenfeindlichsten Stämmen gehört hatten. Ich hielt es

daher für zweckmäßig, meinen Begleitern eine Waffe zu zeigen, und gab

ein paar Schüsse aus meinem Revolver ab mit dem Nebenzwecke, dadurch

auch meine eigenen, irgendwo in dieser Gegend steckenden Jungen auf

mich aufmerksam zu machen.

In der Niederung angelangt, mußten wir durch den heut schon so oft

gekreuzten Fluß hindurch, und bald darauf waren wir bei den beiden

mir bereits bekannten Lobos angelangt. Als wir nun aber genau den

von mir bei meiner ersten Ankunft betretenen Weg weiter verfolgten,

genau dieselben Wasserläufe überquerten und schließlich an demselben

Scheideweg anlangten, von dem aus meine Irrfahrten ihren Ausgang

genommen hatten, wurde es mir klar, daß die holperige, kaum mehr als

Pfad anzusprechende, nach rechts in die Steppe abbiegende Wegspur

tatsächlich die richtige gewesen war. Ich wußte jetzt, daß ich noch

einen langen Marsch vor mir hatte. So rasch es meine müden Beine

gestatteten, eilten wir über das kupierte Terrain. Mit Mühe nur

vermochte ich die schwachen Silhouetten meiner Führer zu erkennen; zu

wiederholten Malen war ich gezwungen, mich von ihnen an den Händen über

Moraststellen geleiten zu lassen. Aber noch immer war kein Ende des

Weges abzusehen, und Mißtrauen begann aufs neue in mir aufzusteigen.

Wohin brachten mich die beiden? -- Ganz unerwartet hörten wir da

menschliche Stimmen. Argwöhnisch hielt ich meine Schritte an, bis sich

zu meiner nicht geringen Überraschung herausstellte, daß es meine

beiden zurückgebliebenen Leute No und der Topebato waren, die sich

dicht vor uns befanden. Das war ein erfreuliches Zusammentreffen, und

ich war so zufrieden darüber, daß ich das Schelten ganz vergaß. Nachdem

sie oben im Gebirge ausgeschlafen hatten, waren sie mir nachgeeilt,

hatten mich im Tale bei den zwei Lobos, die bei Wanderungen über das

Gebirge als Nachtquartier benutzt zu werden pflegen, vergebens gesucht

und waren mir dann trotz Nacht, Hunger und Ermüdung weiter auf dem Wege

nach Watutau gefolgt.

Beim Erzählen unserer Abenteuer waren wir unvermerkt tüchtig vorwärts

gekommen und sahen nun eine dunkle Masse sich vom nächtlichen Himmel

abheben. Ein Dorf lag vor uns, aber noch war es nicht Watutau. Der Ort

hieß Lampa und sollte nach Aussage der Leute »dekat«, d. h. nahe bei

Watutau liegen.

Meine Uhr zeigte die neunte Stunde, als wir in Lampa eintrafen. Ich

hätte nun ohne weiteres hier bleiben können; da ich jedoch erfahren

hatte, daß in Watutau ein holländischer Missionar stationiert war,

ließ ich mich durch die Aussicht auf ein besseres Quartier verleiten,

mich auch der Bewältigung der letzten Teilstrecke noch zu unterziehen.

Vorher aber mußte ich etwas genießen, was es auch sein mochte. Mein

vernachlässigter Magen ließ sich nicht länger beschwichtigen. In

Lampa ragten himmelhohe Kokospalmen zu Dutzenden empor; aber, o

Jammer, die an Salzluft gewöhnten Bäume trugen in Napu keine Früchte

mehr. Selbst Bananen waren im ganzen Dorfe nicht aufzutreiben. Meine

Ansprüche schrumpften bis auf das Begehren nach Maiskolben zusammen;

aber auch diese waren nicht zu haben. Ein paar Stengel Zuckerrohr waren

schließlich das einzige erhältliche Labsal. Todmüde sank ich, wo ich

stand, zu Boden und zermalmte mit heißhungrigem Behagen die saftigen

Rohrstücke, die erste Erquickung nach 15stündigem Marsche.

Nach einer Rast von wenigen Minuten den Weg fortsetzend, gelang

es uns erst nach einer Stunde, Watutau zu erreichen. In geringer

Entfernung von dem Dorfe lag inmitten eines umzäunten Stück Landes ein

windschiefer Holzkasten, das mißratene Produkt eines architektonischen

Erstlingsversuches des darin hausenden Missionars. Mynheer t. K. war

Junggesell und noch dazu ein unpraktisch veranlagter. Ich klopfte

ihn um ½-11 Uhr nachts aus dem Bette. Dem unerwarteten Besuch und

den Bedürfnissen eines mehr als 16 Stunden auf den Beinen gewesenen

halbverhungerten Reisenden stand er leider hilf- und verständnislos

gegenüber. Da es in diesem »Heim« am Nötigsten fehlte, hätte ich

getrost in Lampa bleiben können; es wäre mir nichts entgangen. Ein

Feldbett ohne Matratze, ohne Kissen und Decke bildete schließlich den

Pfühl, auf den ich mich in meinen nassen Kleidern strecken konnte, und

ich fror die Nacht über erbärmlich.

+Watutau+, den 9. November.

Um 5 Uhr war ich, wohl oder übel dem Beispiele meines Wirtes folgend,

wieder auf den Beinen. Eine schneidende Morgenbrise fegte über die

Hochebene und machte die Bretterbude in allen Fugen ächzen. Der

Frost schüttelte mich, und mit Sehnsucht harrte ich eines wärmenden

Frühstückes. Unverbesserlicher Optimist, der ich nun einmal bin, hatte

ich mich in so lüsternen Erwartungen böse verrechnet. Im Missionshause

von Watutau wurde nicht gefrühstückt. Weniger spartanisch veranlagt,

entschloß ich mich dessenungeachtet, um etwas Tee zu bitten. Das

heiße Wasser erfüllte seinen Zweck und erwärmte mir den Körper,

so daß es mir nun schon leichter fiel, mir die konsistenteren

Bestandteile eines landläufigen Frühstücks hinzuzudenken. Nach

solcher Illusions-Schwelgerei lud mich mein Wirt ein, ihm zu einem

Besuche beim Distriktshäuptling zu folgen. Mein schüchternes Bedenken

wegen der frühen Stunde -- es war eben 6 Uhr -- wurde als belanglos

zurückgewiesen, und so stand unserer Visite nichts im Wege.

Das originelle, spitzgiebelige Haus des Oberhäuptlings von Napu lag

gleich als erstes am Dorfeingange. Die Dachenden liefen in eigentümlich

geformte Giebelzierate aus. Aus den Randleisten des Giebels sprangen in

regelmäßigen Abständen stilisierte Tierköpfe vor. Eine Treppe führte

unter dem weit überhängenden Schindeldache zur lukenartig ausgesparten

Tür, deren Niedrigkeit das Eintreten nur bei starkem Bücken erlaubte.

Im Innern des Hauses herrschte ein dämmeriges Dunkel. Eine einzige

kleine, rechteckige Scharte im schrägen Dache ließ einen spärlichen

Lichtschimmer einfallen. Niederes Gebälk, mit Wirtschaftsgeräten

behängt und mit Vorräten belegt, mahnte zur Vorsicht beim Umherbewegen.

Das Haus barg nur diesen einen Raum, den ringsumlaufende, etwas erhöhte

Podeste umzogen. Auf diesen waren an je einer Längs- und Querseite

Verschläge abgeteilt, welche die nur durch Tücher abzuschließenden

Schlafräume des Häuptlingspaares darstellten. Auf der zweiten

Längsseite lagen die Schlafkammern zweier den Wohnraum mit der Familie

teilenden Sklavinnen, und das Podium der Eingangsquerwand diente

Besuchern als Aufenthaltsraum. Auf ausgebreiteten Matten nahmen wir

daselbst Platz. Die Mitte des Gesamtraumes war von der mächtigen

Feuerstelle eingenommen. In den freien Gängen um diese herum schlafen

etwaige Gäste des Nachts.

Der Kapala Landschapp, wie sein offizieller Titel lautete, war ein

junger, etwa 20jähriger Mann, eher klein als groß, mit mädchenhaft

weichen Gesichtszügen und mandelförmigen dunklen Augen, bei auffallend

heller Hautfarbe -- alles zusammengenommen, ein hübscher Mensch.

Seine Gattin, mit feinen hindostanisch anmutenden Gesichtszügen,

rassigem Blick und schlanker gerader Nase war ihm nicht nur körperlich

bedeutend über den Kopf gewachsen. Sie entstammte einem alten

Häuptlingsgeschlecht und soll eine große Mitgift eingebracht haben. Der

Stolz des gefürsteten jungen Paares war ein einziger Sprößling, ein

Knäblein, welchen die silberne Kette nebst Schamdeckel um die runden

nackten Lenden allerliebst kleidete. Im Überschwange zärtlicher Liebe

Buláwa (Gold) genannt, tyrannisierte er Eltern und Dienerinnen.

[Illustration: 242. Haus des Oberhäuptlings in Watutau.]

Bei unserem Eintreffen saß die Familie einträchtig mit den Sklavinnen,

zwei jungen netten Mädchen, beim Frühstück, wie ich mit ungewöhnlicher

Anteilnahme ersah. Der Hausherr empfing uns etwas verlegen, beinahe

unterwürfig, die Fürstin völlig unbefangen. Der Oberhäuptling war

mit Hose, Jacke und Haupttuch bekleidet. Seine Gattin wie die beiden

Sklavinnen, die sich bester Behandlung erfreuten und als zum Hause

gehörig betrachtet wurden, trugen häßliche Fuja-Krinolinen, hier Wini

genannt, und Kattunjacken. Talergroße, stanniolverzierte Ohrknöpfe

steckten in den Ohrlappen der Gebieterin.

Nach der Vorstellung und der gebührenden Bewunderung des Stammhalters

entschloß sich die geschmeichelte Mutter, mir ihren berühmten

Familienschmuck hervorzuholen. In der Hauptsache bestand derselbe aus

sehr schön gearbeiteten buginesischen Goldgeschmeiden, wie Ketten,

Spangen, Armbändern etc. Ethnographisch war darunter nichts von

besonderem Interesse. Als Bestes erschien mir die Kombination einer

zierlich gearbeiteten Halskette aus Goldgliedern mit dazwischen

eingefügten korallenähnlichen roten Stücken eines sehr seltenen,

angeblich in der Reisähre gefundenen Silikates, dem wundertätige

Eigenschaften zugeschrieben werden, und das von den Eingeborenen

hochgeschätzt wird. Die gezeigte Kette sollte einen Wert von mehreren

Hundert Gulden besitzen.

Das in seiner Eigenart und Beschaffenheit merkwürdigste Stück der

besichtigten Schätze war -- ein Haartoupet! Daß man diese in Europa

so beliebte und verbreitete Kulturerrungenschaft auf der weltfernen

Napu-Hochebene schon seit alter Zeit kennt und als unentbehrlichen

Bestandteil weiblichen Festputzes schätzt, dürfte wohl den wenigsten

bekannt sein. Dem falschen Haar wird zur Erhöhung des Effektes an

jeder Schläfe ein Büschel Hahnenfedern aufgesteckt, deren Fahnen noch

auffällig mit den angeklebten rosaroten Flaumfederchen einer Erddrossel

geschmückt sind. Als Klebemittel bedient man sich erwärmten Dammars.

Erscheint die Napu-Schöne in großer Toilette, so hängen die in den

Haareinlagen befestigten Schmuckfederbüschel über den den Haaraufbau

krönenden Bastkopfring bis über die Ohren herab, -- ein niedlich und

kokett kleidender Kopfschmuck.

Nach längerem Verweilen verabschiedeten wir uns von dem Ehepaar, und

Mynheer t. K. schlug mir nun vor, einen Ausflug nach dem bereits

gestern abend durchwanderten Lampa zu unternehmen. Nun war ich gestern

so viel gelaufen, daß ich heut ohne Bedauern auf den Spaziergang hätte

verzichten können. Im stillen hatte ich auch noch immer gehofft, daß

unser nach dem ausgedehnten Besuch beim Häuptling zu Hause ein, wenn

auch noch so bescheidener Imbiß warten würde. Es blieb beim Wünschen!

Meinem Gastgeber waren solche menschlichen Schwächen anscheinend fremd,

und so nüchtern, wie man überhaupt nur sein kann, schloß ich mich

ihm an. -- Der heftige Morgenwind war mit dem Höhersteigen der Sonne

eingelullt, und allmählich wurde es sogar recht warm, so daß ich also

an diesem gesegneten Morgen doch noch einmal zu etwas Warmem kam.

[Illustration: 243. Dorfumwallung von Lampa.]

Lampa ist eine uralte, mit Ringwällen befestigte Ansiedlung und

dürfte das älteste Dorf Napus überhaupt sein. Aus unbekannter Ursache

war der Ort vor Jahren von seinen Bewohnern verlassen worden und

dann lange Zeit vereinsamt geblieben. Erst in jüngster Zeit hatten

eingeborene Familien wieder einige der Hütten in Besitz genommen. Zur

Zeit meines Besuches standen etwa zwei Drittel aller Häuser leer und

waren großenteils stark verfallen. Nähert man sich von der Ebene her

dem Dorfe, so sind von weitem nur dessen gegen 2 m hohe, mit Bambus

bepflanzten Umwallungen zu sehen. Bei weiterer Annäherung heben sich

dann die altersgrau bemoosten, riesigen Steildächer der Hütten heraus.

-- In den Bambusanpflanzungen auf den Lehmwällen waren in regelmäßigen

Abständen lebensgroße Schreckfiguren aufgestellt. Das Material zu

diesen Puppen bestand aus Arengfasern. Ein viereckiges Stück Fuja, aus

dem Augen, Nase und Mund ausgeschnitten waren, markierte das Gesicht.

Auch Pisang-Blattscheiden fanden hierzu als Material Verwendung. Ein

Bast-Schild nebst einer Rohr-Lanze oder einem ebensolchen Schwert in

den Händen vervollständigten die Ausrüstung dieser Dorfwachen, deren

Bestimmung es war, Unbefugte vor dem Betreten des Dorfes zu warnen, wie

überhaupt Böses und Übles von diesem fernzuhalten.

[Illustration: 244. Schreckfigur auf den Wällen von Lampa.]

[Illustration: 245. Gebeinhaus von Lampa.]

Auf doppelseitiger Pfostentreppe überkletterten wir den Wall. Das

Dorfinnere entsprach den Seltsamkeiten seines Äußeren. Die zahlreichen

Hütten mit ihren ungeheuren Spitzdächern und den sonderbaren, aus

den Dachrandleisten vorspringenden Schnitzereien ruhten auf soliden

Bohlenrosten, deren Pfahlwerk ohne die anderweit übliche Steinunterlage

direkt im Boden festgerammt war. -- Auf einige Distanz konnte man

glauben, die enormen Giebel reichten bis auf den Boden herab, wie

es bei einem im Dorfe aufgefundenen Gebeinhaus, das allein bei den

in mehrjährigen Zwischenräumen stattfindenden Totenfesten geöffnet

wird, tatsächlich der Fall war. Es bestand nur aus dem unmittelbar

dem Erdreich aufsitzenden Dache. Die ungewöhnliche Steilform der

Napu-Häuser dürfte in dem ungewöhnlich rauhen Klima der Hochebene und

den hier herrschenden heftigen Winden begründet sein. -- Bei Tage gegen

die Sonne, nachts gegen Wärmeausstrahlung schützend, dient der hohe

Spitzgiebel den fensterlosen Räumen gleichzeitig als Rauchableiter und

vermag auch der vehementen Gewalt der Regengüsse besser zu widerstehen

als ein flaches Dach. Arg mit Unkraut überwucherte Felder bildeten

die Umgebung der verödeten Hütten, während die wieder bewohnten

von umfriedeten Gemüsegärtchen umzogen waren. Zwei gewaltig große,

nahe beisammen stehende Geisterhäuser, vermutlich die Hauptlobos

der Landschaft Napu, lagen in der Mitte des Dorfes. Sie zeigten die

typische Bauweise und unterschieden sich nur durch ihre Grasbedachungen

von den übrigen schindelgedeckten Häusern.

Über die Hütten Lampas ist nur zu sagen, daß sie im Innern dem

Häuptlingshause von Watutau getreulich glichen. Schrecklich unbequem

waren die Hütteneingänge, zu denen in Lampa aber nicht Treppen,

sondern Kerbpfosten hinanführten. Eine oben am Eingange angebrachte,

schräg herausstehende beschnitzte Stütze (tuha) erleichterte das

Hineinkriechen in den Türverschlag. Bei Feuersgefahr müssen diese engen

und unbequemen Zugänge für die Insassen verhängnisvoll werden, zumal

Seitenöffnungen, wie Fenster oder Luken, völlig fehlen. Die Ursache zu

einer derartigen Beschränkung der Zugänge wird wohl ebenfalls in dem

Bestreben zu suchen sein, sich vor der Nachtkühle zu wahren.

In den Innenräumen der beiden Lobos von Lampa fand ich nichts

Außergewöhnliches. Ich hatte den Eindruck, als ob mit der durch das

holländische Gouvernement bewirkten strengen Unterbindung der grausamen

Kultgepflogenheiten, wie sie in der Marterung und Abschlachtung von

Sklaven, Kriegsgefangenen, oder den feigen Überfällen bei Kopfjagden

ihren abstoßendsten Ausdruck fanden, auch eine unverkennbare

Gleichgültigkeit in religiösen Dingen Platz gegriffen hätte, die sich

in einer starken Vernachlässigung und dem Verfall der Geisterhäuser

zeigte. Vom Posso-See angefangen bis nach Kulawi hin trat diese

Erscheinung besonders auffällig zu Tage.

[Illustration: 246. Geister- und Beratungshaus in Lampa.]

Bereits im Begriffe, auch den zweiten Lobo zu verlassen, entdeckte

ich ein sorgfältig in Matten gehülltes umfangreiches Etwas auf dem

oberen Gebälk. Die Bemühungen des uns geleitenden To-Napu, meine

Aufmerksamkeit davon abzulenken, erregten meine Neugierde erst recht,

und so scheute ich denn weder Staub noch Spinnweben und kletterte zu

seinem Verdrusse im Dachstuhl empor. Meine Beharrlichkeit führte zu

einem glänzenden Ergebnis. Zwei Gegenstände, wie sie ethnographisch

interessanter wohl in Celebes nicht mehr zu finden sind, schälten

sich aus den bergenden Hüllen, und es kostete mich Mühe, bei ihrem

Anblicke meiner Aufregung Herr zu werden. Es waren zwei uralte,

geschnitzte Todánga, Lobo-Schemel, die den Priestern oder Häuptlingen

vielleicht schon seit Generationen als Sitze dienen mochten (s. Fig.

253). Die Lehne des größeren zeigte einen frei herausmodellierten

Anoakopf, die des zweiten, besonders reich verzierten Schemels einen

ebensolchen in Reliefarbeit, sowie einen Affenkopf und zwischen

beiden eine ornamentierte Leiste. Eine ebensolche Zierleiste zog sich

auch um den Sitzblock des Schemels herum. Wie mir Mynheer t. K., der

für ein holländisches Museum sammelte, erzählte, wußte er lange um

die Existenz dieser beiden ethnographischen Prachtstücke und hatte

sich schon vergeblich die größte Mühe gegeben, sie in seinen Besitz

zu bringen. -- Ohne ein Wort zu sagen, ließ ich die Todánga wieder in

ihre Hüllen bergen, fest entschlossen, alles daranzusetzen, sie für

meine Sammlung zu gewinnen. -- Bei meinen Besuchen im Dorfe erwarb ich

später noch eine große Anzahl hübscher bisher noch nicht gesehener

Gegenstände, unter denen Sirihmörser mit Pferdekopf-Griffen aus Bein

und eingesetzten roten Fruchtaugen zu den originellsten gehörten. Auch

»hodánga«, Hüttenhaken zum Aufhängen von Gebrauchsartikeln am Gebälk,

erhielt ich in den verschiedensten mir neuen Mustern. Nicht minder

interessant waren mir die in Napu gebräuchlichen höchst primitiven

Reitsättel, die aus 2 mit Schnüren verbundenen und mit Matten belegten

Holzklötzen bestanden. Höchst grausam sind die aus Palu stammenden,

mit Stacheln versehenen Messingtrensen der Pferde. Die Zügel derselben

bestehen aus einem Rotangbügel, der so knapp um den Hals des Gauls

liegt, daß kaum noch die dirigierende Faust des Reiters darunter Platz

findet.

[Illustration: 247. Reitsattel und Trense aus Napu.]

Recht befriedigt von den Ergebnissen meiner Einkäufe, traten wir

den Rückweg nach Watutau an, nicht ohne daß ich vorher dem heut

gerade abwesenden Häuptling des Dorfes die Mitteilung hinterließ,

daß ich morgen wiederkäme und ihn dann zu sprechen wünschte. Meine

Erwartung bei unserer Heimkehr in Watutau, Militär und Träger

vorzufinden, erfüllte sich ebensowenig, wie die vielleicht nicht allzu

unbescheidene Annahme, daß mich Herr t. K. als einzige in Frage

kommende Persönlichkeit zum Mittagstische einladen würde. Da floh ich

die Stätte der Kasteiung und siedelte ins Fremdenhaus des Dorfes über.

Mein Dolmetsch No aber wurde nach Eßbarem ausgesandt. Eine Anzahl roh

genossener Eier und eine Traube abnorm großer, rotschaliger Pisangs

machten dem unfreiwilligen Fasten ein Ende.

Gegen 4 Uhr nachmittags kamen endlich meine Träger an und mit ihnen

mein Koch Rámang. Das war eine festliche Stunde, und ein den Umständen

angemessenes lukullisches Mahl machte aus mir wieder einen besseren

Menschen. Meine Schutzgarde aber hatte den Weg auch heut noch nicht

zu bewältigen vermocht, und ihr Eintreffen in Watutau war nach den

Aussagen der Leute erst am kommenden Tage zu gewärtigen.

Kurz nach Eintritt der Dunkelheit brach ein heftiges Gewitter aus;

schwere Regenschauer prasselten auf das undichte Dach und zwangen mich

zur Flucht von einer Ecke in die andere.

+Watutau+, den 10. November.

Die Ablöhnung meiner Kasigúndju-Träger nahm mich heut morgen bis gegen

8 Uhr in Anspruch; dann brach ich mit meinen beiden Jungen unverzüglich

zu der dem Häuptling von Lampa angekündigten Besprechung auf. -- Auch

Mynheer t. K. schloß sich mir wiederum an. Unterwegs passierten wir

eine lange Kolonne von Besoa-Leuten, die unter Führung ihrer Dorfchefs

mit Wegearbeiten beschäftigt waren. Einige dieser Straßenarbeiter

trugen Affenfellmützen, wie ich sie ähnlich auch bei den To-Lampu

am Posso-See gefunden hatte. Diese »sonko ibo« aus halbkugeligen

Rotanggeflechten oder Kürbissen, überzogen mit Fellstücken des

schwarzen Pavians (Cynopithecus niger), verliehen ihren Trägern ein

recht verwegenes Aussehen. Vielleicht dienten diese gegenwärtig schon

selten gewordenen Kopfbedeckungen ursprünglich als Kriegsmützen und

werden bei den eingekehrten friedlichen Zeiten nur noch aufgebraucht.

Es gelang mir unschwer, einige dieser mir höchst erwünschten Objekte

zu erlangen. -- Auch von den hübschen breiten Perlenstirnbändern, wie

sie speziell in Besoa und Kulawi getragen werden, konnte ich von diesen

Leuten mehrere Exemplare käuflich erwerben. Vermutlich wird dieser bei

Frauen sehr kleidsame Schmuck für gewöhnlich auch nur vom weiblichen

Geschlecht getragen. Bei Männern sehen diese »tali lawólo«, wie sie

nach einer Korallenart benannt werden, weichlich aus. Im vorliegenden

Falle wurden sie von den Leuten als Hals-, nicht als Stirnbänder

getragen und dürften als Liebesangebinde anzusehen sein, die in den

genannten Landschaften, deren Bewohner ritterlicheren Allüren folgen

als in anderen centralen Gebieten, häufig und in den verschiedensten

Abarten vorkommen.

[Illustration: 248. Affenfellmützen aus Napu.]

Nahe beim Dorfe Lampa trafen wir mit meinen soeben ankommenden Soldaten

zusammen. Der Sergeant teilte mir in voller Gemütsruhe mit, daß er mit

seinen Leuten am ersten Tage in Nompi-Nompi, am zweiten bei den alten

Lobos am Fuße des Gebirges im Napu-Tale genächtigt hätte; so schnell

wie ich könnten sie nicht laufen. Ich sagte ihm, er möge sich heut

in Watutau von der überstandenen Strapaze recht erholen, da ich schon

anderen Tages den Weg fortsetzen würde und auf seine Begleitung nicht

verzichten möchte.

In Lampa wartete unser bereits der Häuptling, ein junger ewig

hüstelnder Mensch mit etwas scheuem Blicke, und mit ihm so ziemlich die

gesamte Einwohnerschaft des Ortes. Die von mir geplante Aktion wurde

mit einem sich lebhaft entwickelnden Kaufgeschäft eingeleitet. Erst

sollten die Leute sehen, daß ich ihnen Vorteil brachte, und es war

merkwürdig, wie begierig auch diese To-Napu nach dem blanken Silber

waren. Während selbst die verlockendsten Tauschartikel sie ungerührt

ließen, konnten sie dem Angebot von klingender Münze selten widerstehen.

[Illustration: 249. Halsketten aus Fruchtsamen.]

[Illustration: 250. Sirihtaschen aus Central-Celebes.]

Im folgenden seien einige der bemerkenswertesten Ethnographica

angeführt, wie ich sie jetzt hier und später in Watutau erworben

habe. Unter ihnen schienen hübsche Hornartikei eine Spezialität

der Gegend zu sein, u. a. Horn-Hüttenhaken, Kalkdosen, Eßlöffel,

Brustgehänge, Fingerringe und Armreifen. Eine andere Besonderheit waren

die verschiedenen Halsketten aus wohlriechenden oder als heilkräftig

geltenden Fruchtsamen, wie sie von beiden Geschlechtern getragen

wurden. Durch Zierlichkeit zeichneten sich die aus den Samen einer

Schotenart hergestellten Kalkbehälter aus. Junge Leute liebten es,

sich mit Kniebändern aus Fellstreifen zu schmücken. Hochgeschätzte

Objekte waren bronzene Kriegsglöckchen (timbónga), die der To-Napu nach

erfolgreichen Kopfjagden an der Hüfte trägt (s. Fig. 274). Hervorragend

schön waren die Fuja-Haupttücher (siga) der Männer, deren grellbunte

Zeichnungen in Napu nach traditionellen Mustern hergestellt werden.

So zeigen die um den äußeren Rand laufenden schwarzen Streifen an,

wieviele Kopfjagden der Träger bereits mitgemacht hat. Zum weiteren

Eindringen in die Mysterien dieser etwas komplizierten und wohl auch

schon stark verwischten Symbolik hätte mir mehr Zeit zur Verfügung

stehen müssen. -- In Bezug auf Schönheit u. Farbenbuntheit wetteiferten

mit den Haupttüchern die Kaléwa od. Fuja-Frauenjacken. Von diesen wie

von den »hepu« genannten Sirihtaschen erhielt ich prachtvoll bemusterte

Exemplare, wahre Kabinettstücke. Alle besonders sorgfältig gearbeiteten

derselben stammten regelmäßig noch aus älterer Zeit. Damals wurden

die Farbstoffe teils aus den Wurzelknollen einer in Napu häufig

vorkommenden, herrlich blühenden Orchidee gewonnen, teils auch aus

anderen pflanzlichen Bestandteilen oder aus mineralischen Substanzen

bereitet. Gegenwärtig bedienen sich die Eingeborenen zum Färben resp.

Bemalen ihrer Fuja-Gegenstände überwiegend eingeführter Farben, doch

halten die mit ihnen behandelten Objekte keinen Vergleich mit den

Produkten der Hausindustrie aus.

[Illustration: 251. Sitzfell aus Napu.]

Zu den eigenartigsten Erzeugnissen dieses Distriktes gehören ferner

die Bastkopfringe, mit denen sich die Schönen des Landes zu schmücken

pflegen. Neben ihrer reichen Bemusterung und Farbenbuntheit zeichnen

sie sich durch ihre außergewöhnliche Höhe von durchschnittlich 10

cm aus. Die sonst kaum minder schönen Kopfringe aus Besoa und Bada

sind kaum halb so hoch. -- Erwähnt zu werden verdienen auch die auf

der Napu-Hochebene gleichfalls wohlbekannten Faux culs (húba), die

rückwärts unter den Jacken vorstehenden Duftbündel, welche hier

Dimensionen annehmen wie in keiner anderen Gegend. -- Die Sitzfelle

oder Mattenschürzen der Männer (palépe) werden gleich den gewöhnlichen

Rotang- oder Kürbismützen hauptsächlich von Sklaven getragen. Freie

Männer dürften sich ausnahmslos der Sigas bedienen.

Von Waffen fehlten die Schwerter gänzlich, die gerade in Napu besonders

interessant gewesen sein sollen. Nach Mitteilung des malayischen

Inlands-Assistenten in Watutau hat das Gouvernement sämtliche

auffindbaren Waffen konfiszieren lassen. Mein Gewährsmann war selbst

Augenzeuge, als über 500 prachtvolle Schwerter und alte Lanzen aus

Napu nach Posso geschafft wurden, um dort vor versammeltem Volke

zerbrochen und ins Meer geworfen zu werden. Um der alten Gewohnheit des

Lanzentragens nicht völlig entsagen zu müssen, haben sich die Männer an

den Gebrauch von Gehstöcken gewöhnt, wozu sie häufig alte Lanzenschäfte

benutzen. Die Messinghülsen der Oberteile solcher wandelte man

praktischerweise durch Einsetzen eines Holzbodens in Sirihmörser um.

[Illustration: 252. Sklavengrab und Herrengrab aus Lampa.]

Bei meinen heutigen Erwerbungen in Lampa hatte der Häuptling ziemlich

verdrossen dabeigestanden und neidischen Blickes dem Zirkulieren

des Geldes zugesehen. Nun hielt ich die Zeit für gekommen, auch ihm

gegenüber mit meinen besonderen Wünschen herauszurücken. Ich ließ ihm

also die Frage vorlegen, ob er mir die beiden Lobo-Schemel verkaufen

wolle. Wie ich es gar nicht anders erwartet hatte, erfolgte eine glatte

Ablehnung. Nun verlangte ich die beiden Todángas nochmals zu sehen

und zu photographieren, wogegen der Häuptling nichts einzuwenden

hatte. Wir begaben uns also gemeinsam nach dem Lobo, und derweilen die

Schemel herausgeholt wurden, gab ich meinem Dolmetsch No den Auftrag,

während einiger von mir vorzunehmender Aufnahmen beim Häuptling

zurückzubleiben, um mit ihm nochmals im geheimen zu verhandeln und

eine runde Summe zu bieten. -- Inzwischen besuchte ich einen außerhalb

der Dorfumwallung mitten im Lalanggestrüpp angelegten Gräberplatz.

Es waren Erdgräber, und zwar lagen die von Herren und Sklaven dicht

nebeneinander. Starb in früherer Zeit bei den To-Napu ein Vornehmer

oder ein Häuptling, so mußte ihm ein Sklave in das Schattenreich

folgen, dessen Leiche neben der seines Herrn eingescharrt wurde. Die

Gräber beider unterschieden sich sehr wesentlich voneinander. Das

Erdreich über den Grüften war geebnet. Über den Herrengräbern befanden

sich Bambusroste von etwa 2 m Länge bei 1½ m Breite und ½ m Höhe.

Auf diesen waren die zur Überführung der Toten benutzten Tragbahren

niedergelegt und festgeschnürt. Die Größe der Sklavengräber entsprach

knapp den Körpermaßen des Begrabenen. An Stelle der Bambusplattformen

erhob sich darüber ein etwa ¾ m hohes dreifußähnliches Gestell

aus Astwerk, in dessen Gabeln die zu den beiden Gräbern benutzten

Ausschachtungsgeräte festgebunden lagen. --

[Illustration: 253. Lobo-Schemel aus Lampa.]

Bei meiner Rückkehr empfing mich No strahlenden Blickes. Er hatte sich

sein Extra-Backschisch verdient. Der geldbedürftige Häuptling hatte

meinem Gebote, das für ihn ein kleines Vermögen bedeutete, nicht zu

widerstehen vermocht, und beide Schemel waren mein Eigentum geworden.

Ich ließ die teuer erkauften Schätze sofort nach Watutau schaffen,

wohin wir uns alsbald zurückbegaben, ich in ebenso gehobener, wie Herr

t. K. in geknickter Stimmung.

[Illustration: 254. Der Monolith von Watutau.]

Die größte Merkwürdigkeit des Hauptdorfes Watutau war ein uraltes

rätselhaftes Steinbildnis. Es stand ziemlich im Mittelpunkte des

Dorfes, das nach ihm seinen Namen erhalten hat (= Steinmensch; watu

= Stein, tau = Mensch). In rohen Umrissen zeigte der gegen 1½ m hohe

Granitblock die Formen einer hockenden menschlichen Figur. Über die

Entstehung und Herkunft dieser seltsamen Skulptur, der eine gewisse

Ähnlichkeit mit verwandten, in Java und Sumatra vorkommenden Monolithen

nicht abzusprechen ist, wußte mir niemand das geringste anzugeben. Der

Stein wird von den Eingeborenen zwar nicht gerade göttlich verehrt, übt

aber dennoch einen starken übersinnlichen Einfluß auf sie aus, so daß

besonders häufig Frauen hierher kommen, um dem Bildnis ihre Kümmernisse

anzuvertrauen und Sirihopfer darzubringen.

Versagte die Tradition in diesem Falle, so wußte man mir doch über die

Entstehung der Hochebene von Napu eine originelle Erklärung zu geben:

»Vorzeitlich bestand auch das Territorium der heutigen Hochebene aus

hohem Berglande, wie alles Gebiet von Meer zu Meer. Da kam aus dem

Hochgebirge herab ein riesiger Büffel, um in den Napu-Bergen Weide

zu suchen. Er fand hier so zarte Äsung, daß er sich vor Wohlbehagen

niederlegte und im Grase wälzte. Zweimal drehte er sich dabei um sich

selbst, und die hierdurch entstandenen Flächen stellen die durch einen

vorspringenden Hügelzug geteilte Hochebene von Napu dar. Auf seiner

Streife weiterziehend, kam der Büffel hierauf ins Besoa-Gebirge. Auch

hier wälzte er sich einmal, und die entstandene tiefe Mulde ist das

heutige Hochtal von Besoa.«

Über Watutau ist sonst Besonderes nicht zu berichten. Brände haben

das alte Dorf vernichtet, und die in neuerer Zeit entstandenen

Baulichkeiten haben wohl den alten Typ nach Art des Häuptlingshauses

beibehalten, sind aber in breiten regelmäßigen Reihen angelegt und

mit gut gepflegten Vorgärten versehen. Die Fuja-Industrie ist in Napu

ebenso wie anderwärts in starkem Rückgange begriffen, und importierte

Stoffe finden immer mehr Eingang. Die hervorragend schönen, noch aus

der Blütezeit derselben stammenden alten Fuja-Erzeugnisse, die ich

gerade in Watutau erhielt, verdankte ich nur dem Umstande, daß sie

außer Mode gekommen waren und man sich ihrer entäußern wollte. Meine

von dort mitgebrachten Stücke sind vielleicht die letzten Zeugen dieser

aussterbenden Kunst. Was heutzutage meist schon nach buginesischen und

javanischen Sarongmustern angefertigt wird, läßt bereits die frühere

Sorgfalt vermissen.

[Illustration: 255. Arekascheren und Sirihmörser aus Napu.

(Mittelstück: eine Bambuspfeife aus Kulawi.)]

Unter den Gebrauchsgegenständen der Bewohner Watutaus zeichneten sich

die Frauen-Sirihmörser durch ihre Eigenart aus. Wohl führten sie

denselben Namen wie die der Männer, »pombaua«, unterschieden sich aber

von diesen durch die Form, die nicht wie bei jenen cylindrisch, hoch

und eng, sondern niedrig ist, durch den Hohlraum, der sich von unten

nach oben erweitert, vor allem aber durch die Gestaltung des stets

rechtwinklig gebogenen eisernen Stampfers, dessen abgestumpfter kurzer

Schenkel der Höhe des Mörsers entspricht, während der als Handhabe

dienende längere in einen meißelförmigen Schaber ausläuft. Zu den

Sirihmörsern der Männer gehören je ein gerader hölzerner Stampfkolben

und eiserner Schaber, die zusammen mit ersterem in einem Leder- oder

Holzfutteral mitgeführt werden.

Von allen bei den Eingeborenen vorgefundenen Importartikeln fand

ich bunte gestrickte Wollmützen europäischen Ursprungs am wenigsten

angebracht. So ein stämmiger halbnackter Geselle mit der Babymütze

auf dem Haupte, bei seiner Feldarbeit in der Sonnenglut bietet einen

seltsamen Anblick.

+Watutau -- Doda+ (Besoa), den 11. November.

Als ich früh morgens aus dem Hause trat, fand ich vor demselben

bereits ein gutes Pferd mit anständigem Sattelzeug zu meiner Verfügung

stehen, -- eine Freundlichkeit des Inlandsassistenten von Watutau, der

mich auch persönlich bis nach Besoa und Bada geleiten wollte. Auch

Mynheer t. K., der in Besoa eine unter einem malayischen Guru stehende

Missionsfiliale unterhält und diese inspizieren wollte, hatte sich

entschlossen, mitzukommen. Alles wäre somit in Ordnung gewesen, hätten

wir nur nicht auf die Kulis zu warten brauchen. Schließlich übernahm

der Inlandsassistent die Sorge für die Beförderung meines Gepäckes und

blieb mit meinen Boys zurück, um später mit diesen und den Trägern nach

Doda nachzukommen. Ich verabschiedete mich also vom Häuptling, und

gleich darauf verließen wir Watutau, das ich erst nach so schwerer Mühe

erreicht hatte.

[Illustration:

Tafel XIV.

Unter Kopfjägern in Central-Celebes · 第 32 / 63 题