III. Teil.

Durchquerung von Central-Celebes von Paloppo am Golf von Boni nach

Posso an der Tomini-Bucht.

[Illustration]

Von den Toradja-Landen nach Paloppo zurückgekehrt, hatte ich mehrere

Tage mit dem Sichten und Verpacken der von dort mitgebrachten

Sammlungen zu tun. Das Auftreiben von geeigneten Kisten konnte in dem

betriebsamen Paloppo keine Schwierigkeiten machen, doch sei erwähnt,

daß der p. t. Chinese storekeeper dafür Preise zu nehmen versteht, als

handle es sich um Luxusmöbel. Glaubt man endlich nach langem Feilschen

mit ihm handelseins zu sein, dann verlangt der gewissenhafte Zopfträger

noch einen Extragulden für das Packstroh. -- Trotz vieler Scherereien

waren die 8 große Kisten füllenden Sammlungen endlich glücklich auf dem

Postdampfer untergebracht. Leider kamen 3 davon seinerzeit in Europa

nicht an und waren auch trotz aller Bemühungen nicht wieder zu erlangen.

Doch zurück nach Paloppo! Bevor ich meine große Inlandreise antrat,

wollte ich noch der Königin des Luwureiches einen Besuch abstatten.

Dank der freundlichen Verwendung des A.-Residenten wurde mir die

erbetene Audienz sofort bewilligt. --

[Illustration: 169. Residenz der Königin von Luwu.]

In Begleitung des A.-Residenten sowie der beiden Garnisonoffiziere

begaben wir uns um die 4. Nachmittagsstunde zur Astana (Palast), die

den Mittelpunkt eines großen, freien Wiesenplanes einnimmt. Das Haus

der Datu (Königin) ist das weitaus größte und stattlichste Gebäude

in Paloppo. Von der Hausbedachung hingen an jedem Dachsparren frei

in Ringen schaukelnde, bemalte holzgeschnitzte Ananasfrüchte herab,

das Emblem der höchsten Adelskaste, bezw. der Königswürde. Schon beim

Betreten des Platzes kam uns der Opu Patúnru, der Prinzgemahl, mit

seinen Ministern, dem Opu Tomarilálang, dem Opu Baliránte und dem

Pabitjára entgegen, um den A.-Residenten als Vertreter der Regierung

feierlich zu empfangen. Die 4 Radjas trugen als Kopfbedeckung

golddurchwirkte, aus Pferdehaar gewebte luwuresische Mützen. Über

den langen bis zu den Knöcheln reichenden Hosen waren die starren

Prunksarongs geschlungen, die von den darunter verborgen getragenen

Krisen stark aufgebauscht erschienen. Während wir die zum Hause

hinanführende überdachte Freitreppe erstiegen, wurde ein oben

auf kleinem Vorraum aufgestellter, prachtvoller alter Bronzegong

geschlagen, und im Innern des Hauses postierte Trommler bearbeiteten,

auf dem Boden hockend, mit den flachen Händen Holztrommeln, denen

sie rhythmische Geräusche entlockten. Oben am Eingange empfing uns

die Datu. Hinter ihr stand ihre Tochter, die Andi Luwu, die nach

luwuresischem Hofceremoniell den Oberkörper nur mit einem rosaroten

Schleiertüll bedeckt hatte. Beide begrüßten uns mit Händedruck, worauf

der Resident die Datu an der Hand in den großen Empfangsraum zu einer

mit weißen Linnen gedeckten Tafel führte, an welcher wir alle uns

niederließen.

We Kambo Daëng Risómpa, die Königin von Luwu, war eine stattliche,

volle Dame von mittelgroßer Figur und auffallend heller Hautfarbe,

welche auf Hindublut schließen läßt, dessen sich so ziemlich alle

Fürstlichkeiten Malayasiens rühmen. Die Datu war mit Sarong und

dunkelblauer Samtbluse bekleidet, und ein hoher holländischer Orden

schmückte ihre Brust. Die nackten Füße steckten in goldgestickten

Pantöffelchen. Außer der Königin nahmen nur noch der Prinzgemahl und

die Prinzessin Andi Luwu am Tische Platz. Die beiden Damen hatten zu

ihren Füßen große Prunkspucknäpfe vor sich stehen, deren sie sich

fleißig bedienten. Auf dem mattenbelegten Boden hinter ihnen kauerte

eine anmutige Gruppe junger Mädchen, alle im Tüllschleier-Dreß.

Die Adats-Mitglieder -- entsprechend europäischen Minister-Chargen

-- umstanden das untere Tischende. Den Hintergrund füllten müßige

Zuschauer und die Trommler aus.

Der Empfangssaal nahm die ganze Breite des Hauses ein. Seine Wände

bestanden aus hölzernem Rahmenwerk, dessen untere Hälfte mit feinem

Bambusgeflecht ausgefüllt war. Von der Mitte der Längsseite ging eine

Scheidewand durch das Haus, hinter welcher sich die Wohngemächer

befanden. Dem holzgetäfelten Saale diente zum größten Teile das

Sparrenwerk des Daches als Decke; nur der Platz über unserem Tische war

mit weißem Stoffe überspannt.

Erst nachdem wir alle Platz genommen hatten, kam es zur eigentlichen

Vorstellung. Dabei wurde jedes Wort durch einen Dolmetsch aus dem

Malayischen ins Luwuresische übersetzt. Ich überreichte den 3

Fürstlichkeiten je ein Schmuckstück als Geschenk. Hierauf wurden

Cigaretten herumgereicht, denen auch die Datu und die Prinzessin

fleißig zusprachen. Die Stimmung wurde nun angeregter, und mit

Interesse hörten die hohen Herrschaften von meinen Reisezielen.

Schließlich benutzte ich die Gelegenheit und wagte die Bitte zu äußern,

von der Königin und ihrem Hofstaate eine photographische Aufnahme

vornehmen zu dürfen. Zu meiner Freude hatte ich damit Erfolg, und zwar

wurde der Zeitpunkt dafür gleich auf den nächsten Tag festgesetzt.

Viel schwieriger war es schon, die Erlaubnis zum Photographieren der

Reichsinsignien zu erlangen, die sehr heilig gehalten werden und nur

unter Beobachtung strenger Vorschriften zur Schau gelangen können.

Infolge der dankenswerten Unterstützung durch den A.-Residenten wurden

aber schließlich alle Bedenken überwunden, und wir erhoben uns zur

Verabschiedung. Gong und Trommeln traten abermals in Tätigkeit, und die

Datu geleitete uns unter demselben Ceremoniell wie beim Empfange wieder

zum Ausgang.

Am andern Tage pünktlich zur selben Stunde fand ich mich in der Astana

ein, um die interessanten Persönlichkeiten im Bilde festzuhalten. Da

im Hause dazu kein genügend heller Raum war, so wurden ein Teppich und

Stühle auf die Wiese herausgebracht, und ich arrangierte hier eine

Gruppe, wie sie Tafel VI wiedergibt. Auch mehrere darauf folgende

Einzelaufnahmen verliefen glatt. Nun aber sollten die Reichsinsignien

an die Reihe kommen, und damit begannen die Schwierigkeiten. Zunächst

durften die Gegenstände nicht aus dem Hause gebracht werden, weil dazu

die Anwesenheit von 4 speziell dafür vorgesehenen Mitgliedern des hohen

Rates erforderlich gewesen wäre, von denen eines gegenwärtig verreist

war. Wohl oder übel mußte ich mich also zu einer Innenaufnahme mit

Blitzlicht entschließen. Nun verweigerte man wieder meinem Boy Rámang,

der mir am Apparat Handreichungen leisten sollte, den Zutritt zur

Astana, und es bedurfte langen Parlamentierens, ehe ich seine Zulassung

erwirkte; doch mußte er sein Haupttuch ablegen. Endlich nahte der

feierliche Augenblick des Hereinbringens der Reichskleinodien. Unter

Gong- und Trommelschlägen trat aus einem Verschlage im Hintergrunde des

Saales eine Prozession heraus, an deren Spitze die Ceremonienmeisterin,

eine ehrwürdige Greisin, schritt. Hinter ihr wurden auf samtnem Kissen

die hochheilig gehaltenen Insignien getragen, mit deren Besitz nach

altem Adat Wohl und Wehe des Reiches auf das innigste verknüpft sein

sollen. Über dem Kissen wurde ein Baldachin aus weißen Tüchern von 4

Personen getragen.

Die Kronschätze bestanden in der Hauptsache aus Waffen, -- Krisen,

Schwertern und einer Lanze, -- die sich alle mehr durch genealogischen

Wert, als durch kunstvolle Arbeit und Kostbarkeit des Materials

auszeichneten. Wirklich hohen Wert dürfte unter allen Gegenständen

nur eine daumenstarke, etwa 1½ m lange Kette aus reinem Celebesgolde

besitzen. Unter den Waffen hat so ziemlich jedes Stück seine Legende.

Das Kissen mit den Reichskleinodien wurde nun, immer mit dem Baldachin

darüber, auf den Tisch niedergelegt, und die Königin sowie die

vornehmsten der Anwesenden traten heran und berührten jedes einzelne

Stück mit der Hand, welche hierauf jedesmal an die Stirn geführt

wurde. Ich konnte die flach liegenden Gegenstände in dieser Lage

nicht photographieren. Selbst ordnen und berühren durfte ich das

Kissen nicht, und die Frau Ceremonienmeisterin zeigte sich meinen

Wünschen gegenüber schwerhörig. Mit Mühe und Not gelang es mir, eine

Schrägstellung des Kissens durchzusetzen. Nun aber störte mich der

darüber gehaltene Baldachin. Da man mir eine Entfernung desselben

als ausgeschlossen bedeutete, einigten wir uns dahin, daß die 4

Baldachinträger die Tragestangen so hoch es anging zu halten hatten,

und nun beeilte ich mich, zu Ende zu kommen. Trotz meiner dringenden

Bitte an die Datu und ihren um den Tisch versammelten Hofstaat, nicht

zu mir hinzusehen, oder doch wenigstens die Augen zu schließen,

starrten alle wie hypnotisiert auf meinen Apparat. Als nun der grelle

Blitz des entzündeten Magnesiums aufflammte, hörte man nur einen

einzigen Aufschrei der Angst. Die Datu saß ganz kreidig in ihrem

Stuhle, und die Baldachinträger hätten um ein Haar den »Himmel« fallen

lassen, was gottlob die allein geistesgegenwärtige Ceremonienmeisterin

rasch zu verhindern wußte. Gut nur, daß die andern Aufnahmen schon

gemacht waren; denn jetzt wären meine Chancen sehr wenig aussichtsreich

gewesen. Dessenungeachtet entließ mich die Datu freundlich.

[Illustration: 170. Reichsinsignien von Luwu.]

Es stellte sich später heraus, daß ich doch bei weitem nicht alle

Reichskleinodien zu sehen bekommen hatte. Der A.-Resident hatte

deswegen die Güte, mir eine von einem früheren Civielgezaghebber,

Herrn Michichon, gefertigte Photographie der gesamten Kronschätze zur

Reproduktion zu überlassen. Da es sich um hochseltene ethnographische

Objekte handelt, deren Geschichte weitere Kreise interessieren dürfte,

so lasse ich an Stelle meiner unvollständigen Photographie dieses Bild

und die aus dem Holländischen übersetzte Beschreibung dazu nachstehend

folgen. Hiernach besteht der Reichsschmuck von Luwu aus folgenden

Gegenständen:

1. Klewang mit goldenem Griff und goldener Scheide, genannt Bunga

Waru. Er soll aus dem Himmel stammen und darf nur von der Datu

getragen werden. Der Name Bunga Waru besagt soviel: als Blume von

einem Warubaume.

2. Klewang, dessen Griff und Scheide mit goldenen Figuren versehen

sind. Sein Name ist Ka-Karúrung. Die Klinge des Klewang wurde zur

heidnischen Zeit, also vor Eindringen des Islam, in einem Arengbaume

gefunden. Karúrung bedeutet Arengspan, Stück einer Arengpalme. Dieser

Klewang darf nur von dem Patúnru getragen werden.

3. Klewang, dessen Griff und Scheide gleichfalls mit goldenen Figuren

versehen sind. Er wird Ka-Barána genannt. Auch die Klinge dieser

Waffe wurde in heidnischer Zeit in einem Baume, und zwar in einem

Barána-Waringinbaume gefunden. Dieser Klewang darf nur von dem

Pabitjára getragen werden.

4. Bádik, ein Dolch. Der Name besagt soviel als: durch übernatürliche

Einflüsse entstanden. Derselbe ist mit Edelsteinen verziert und hat

einen goldenen Griff und Scheide. Die Klinge ist mit eingelegten

goldenen Figuren versehen, welche Djekko-É benannt sind. Hergestellt

ist die Waffe durch den früheren Padjung (Fürsten) von Luwu, Pátta

Mattinro-É ri Malángke (= der Fürst, der in Malángke gestorben

ist). Djekko heißt: »nicht gerecht«. Dieser Bádik darf nur von dem

Baliránte getragen werden. Die Tradition besagt, daß der Träger

dieses Dolches nicht gerecht sein darf, sonst lebe er nicht lange.

5. Ein Bádik, dessen Griff mit einem goldenen Ringe versehen ist. Die

Waffe stammt aus Mandjapai und wird Nene Anging genannt. Dieser Dolch

darf allein von dem Kéni getragen werden.

6. Ein Klewang mit Griff und Scheide aus Holz, früherer Reichsschmuck

von Séko, Hauptort des Distriktes Róngkong. Bei der Eroberung von

Séko durch Lúwu erbeutet und dessen Kronschätzen eingereiht. Der Name

dieser Waffe ist Lémpo batu.

7. Eine Lanze mit Elfenbeinschaft, ausgestattet mit einem goldenen

Pándok. Ihr Name ist Pasorang Gigi (= Stiel, von einem Zahn gemacht).

Sie ist angefertigt durch den schon erwähnten Luwufürsten Pátta

Mattinro-É ri Malángke (siehe No. 4). In Wirklichkeit soll der Stiel

nicht aus Elfenbein hergestellt sein, sondern aus dem Knochen eines

aus dem Himmel herabgekommenen Karbau (= Büffel), genannt Labi

Tómbeng. Diese Lanze darf nur der Datu vorausgetragen werden.

8., 9., 10. und 20. Krise, mit goldenen Griffen und Scheiden.

Die Griffe stellen Figuren vor, wie man sie bei hindostanischen

Krisen aus Bali und Lombok vielfach findet. Wahrscheinlich sind es

Beutestücke früherer luwuresischer Machthaber, ohne besondere Namen.

Unter Kopfjägern in Central-Celebes · 第 24 / 63 题