XVIII.

Erster Feldzug in Kalabrien. -- Portici. -- Salerno. -- Eboli. --

Cosenza. -- Die Schlacht bei Maida. -- Scheußliche Behandlung und

Martern der den Briganten in die Hände gefallenen Gefangenen. --

Die schrecklichsten Augenblicke meines Lebens. -- Gräßlicher

Insurgentenkrieg und Verwüstungen. -- Fra Diavolo. -- Ich nehme

seinen Adjutanten gefangen. -- Seine Galanterie gegen zwei

französische Offiziersdamen. -- Rückkehr nach Neapel. -- Fra

Diavolos Gefangennehmung und Hinrichtung.

Über die Brücke della Maddelena, welche am entgegengesetzten Ende des

Posilippo über das unbedeutende Flüßchen Sebeto führt, marschierten wir

nach dem wenige Miglien entfernten Portici, das unfern des Vesuv am Ufer

des Meeres liegt, ein königliches Schloß hat, in welchem man eine

interessante Sammlung der zu Pompeji und Herkulanum ausgegrabenen

Altertümer aufbewahrte. Hier wurde ein halbstündiger Halt gemacht, und

die Soldaten und Offiziere freuten sich, das herrliche Neapel im Rücken

zu haben; denn der Dienst war über alle Maßen beschwerlich und ermüdend

gewesen, man war fast nie aus den Kleidern gekommen, und auch ich konnte

mit vollem Recht >Keine Ruh bei Tag und Nacht< singen, hatte noch wenig

von Neapels Herrlichkeiten gekostet, und es war mir unmöglich gewesen,

mich einen einzigen Tag ganz frei machen zu können, um nur den Vesuv zu

besteigen, ein Wunsch, der mir sehr am Herzen lag und jetzt in Portici,

so nahe an dem merkwürdigen Berg, von neuem erwachte und mich mit

Bedauern erfüllte, ihn nicht befriedigen zu können, nicht wissend, ob

ich den wild-tobenden Gesellen je wieder erblicken würde. Wir brachen

nun über Torre del Annunciata nach Nocera auf, einem kleinen Städtchen,

das unsere erste Etappe war. Hier ruhten wir den Tag über, denn wir

marschierten gerade in der heißesten Jahreszeit, in der zweiten Hälfte

des Monats Juni, wo die Luft hier kochend ist. Die folgende Nacht

brachte uns nach Salerno; von Neapel bis hierher ist der Weg angenehm,

man kommt fortwährend durch schön gelegene Ortschaften, so daß man

selten eine halbe Stunde marschiert, ohne ein Dorf oder einen Flecken zu

passieren. Hier ist aber auch die Gegend und das Feld durch die Asche

des Vesuvs so außerordentlich fruchtbar geworden, daß sie sechsmal

soviel Bewohner als die anderen Provinzen des Reichs ernähren kann und

auch ernährt.

Salerno ist eine angenehme Stadt, die, von lachenden Fluren und Hügeln

umgeben, an dem Ufer des Meeres liegt und an achttausend Einwohner und

dreißig Klöster hatte. Auch hier sind die Straßen mit Lava gepflastert,

sonst aber schlecht gebaut.

Hier stießen wir auf einen kleinen Transport verwundeter französischer

Soldaten nebst zwei Offizieren. Diese teilten uns mit, daß es in ganz

Kalabrien greulich aussehe, daß man sich vor allem hüten müsse, den

Briganten (so wurden alle Insurgenten genannt) lebendig in die Hände zu

fallen, da sie an den gefangenen Franzosen die entsetzlichsten und

unerhörtesten Grausamkeiten begingen, bevor sie solche töteten. Die

Königin Caroline habe das ganze Land mit unzähligen Emissären

überschwemmt, welche das rohe und abergläubische Volk gegen uns

aufwiegelten, und selbst bis an die Tore von Cosenza habe sich der

Aufstand schon verbreitet. Die Geistlichkeit und die Mönche seien aber

unsere größten Feinde, sie versprächen dem Volk für jedes Glied eines

Franzosen fünfzig Jahre weniger in dem Fegfeuer zu schmachten und für

einen getöteten Feind Absolution aller Sünden, wer aber deren drei töte,

dessen Seele fahre schnurstracks in den Himmel, ohne die Hölle nur zu

berühren; dies alles glaubte das Volk wie an die Wunder der Madonna oder

an das Dasein der Sonne, auch machten uns diese Kameraden eine gräßliche

Schilderung von der Verpflegung und dem Mangel an guten und nährenden

Lebensmitteln, dem wir entgegen gingen, da man selbst für Geld nichts

erhalten könne und die Quartiere ärger wie Viehställe seien. Dies waren

saubere Aspekten, und nur zu bald sollten wir uns überzeugen, daß diese

Berichte weder unwahr noch übertrieben waren.

Von Salerno kamen wir in das Städtchen Eboli, in dessen Nähe bei dem

Dorf Buccino eine noch ganz gut erhaltene altrömische Brücke über den

Fluß Botta führt. Von hier wandten wir uns den Apenninen zu und

marschierten unaufhaltsam durch die Gebirge über Lago negro, wo die

Neapolitaner erst vor wenigen Monaten von den Franzosen geschlagen

worden waren, und das mitten in Sümpfen liegende Tarsia nach Cosenza, wo

wir gegen Ende Juni eintrafen. Der Weg ging fast ununterbrochen bis

Castrovillari über Gebirge auf- und abwärts und war sehr lästig und

beschwerlich, namentlich der Übergang über den hohen Berg Gualda. Bis

hierher hatten wir indessen noch an nichts Mangel gelitten, im Gegenteil

alles im Überfluß gehabt. Von Tarsia aber ging der Marsch bis Cosenza,

noch zehn gute Stunden, durch Reisfelder, große Moräste und im Sommer

fast ganz ausgetrocknete Bäche, die aber in der Regenzeit zu wilden,

reißenden Waldströmen werden, und war sehr unangenehm. Wir waren die

ganze Nacht durchmarschiert, ohne einen frischen Trunk Wasser, viel

weniger sonst etwas erhalten zu können, an einigen elenden Baracken

machten wir zwar öfters Halt, aber da war für alles Geld auch nicht das

mindeste zu haben. Erst gegen Mittag des kommenden Tages, bei der

unausstehlichsten Hitze, erblickten wir endlich, matt und müde, das

ersehnte Cosenza, das uns wie das gelobte Land erschien. Auf dem

Marktplatz daselbst angekommen, ließen sich die Leute auf das Pflaster

niederfallen und schliefen bald vor Müdigkeit auf ihren Tornistern ein,

bis sie, von den Fourieren und Sergeantmajors aufgeweckt, in ihr

Quartier, wieder ein paar Klöster, geführt wurden.

In Cosenza schien sich übrigens wider Erwarten alles ganz gut zu

gestalten, die Garnison war mit den Einwohnern ziemlich zufrieden,

besonders mit dem weiblichen Teil derselben; alle jetzt einlaufenden

Nachrichten schienen günstig, nur in den unzugänglichen Bergschluchten

trieben die Brigantenhaufen noch ihr Wesen und verließen ihre

Schlupfwinkel nur selten und mit der äußersten Vorsicht, wo sie dann

kleine Detachements und vereinzelte Soldaten überfielen. Wir versprachen

uns in Cosenza ein weit angenehmeres, wenigstens nicht so fatiguantes

Leben wie in Neapel und bedauerten nur, keinen Feind zu sehen; aber

diese anscheinende Ruhe sollte schnell ein Ende nehmen, denn schon den

dritten Tag nach unserer Ankunft kam ein Kurier, von dem in Kalabrien

kommandierenden General Regnier abgesandt, der die Order überbrachte,

daß alle in und um Cosenza stehenden Truppen bis auf tausend Mann, die

in der Stadt selbst bleiben sollten, sofort, hinlänglich mit Munition

versehen, sich über Rogliano und Scigliano in Eilmärschen nach Nicastro

begeben sollten. Die englische Flotte war in dem Golf von Eufemia

angekommen und machte Miene, Truppen ans Land zu setzen. Noch vor

Sonnenuntergang waren wir auf dem Marsch, den wir trotz der großen

Hitze, aber teilweise auf Wagen und Karren, rastlos bis Nicastro

fortsetzten, wo wir gegen den folgenden Abend ankamen und uns auf dem

schönen Marktplatz dieser Stadt, die schon mit Truppen aller

Waffengattungen, welche Regnier eiligst an sich gezogen hatte, angefüllt

war, aufstellten. Hier erfuhren wir, daß der englische General Stuart

mit einer bedeutenden Heeresmacht, aus englischen und sizilianischen

Regimentern bestehend, die etwa sieben- bis achttausend Mann betrage,

schon seit sechsunddreißig Stunden in dem Golf von Eufemia gelandet sei

und sich stündlich durch den Zulauf der Kalabresen und Briganten

verstärke, deren man schon drei- bis viertausend zähle.

Noch in derselben Nacht, wir hatten kaum sechs Stunden geruht, erhielten

wir nebst den übrigen Truppen Befehl zum Aufbruch und wurden sämtlich

gegen die Höhen des Dorfes Maida dirigiert, wo wir zwei Stunden nach

Mitternacht ankamen und bis Sonnenaufgang biwakierten. Hier erblickten

wir das in der Ebene längs der Küste in der Nähe der englischen Schiffe

kampierende feindliche Heer. Regnier erteilte an alle Korpskommandanten

Befehl, sich schlagfertig zu halten. Dies war am 4. Juli 1806. Die

ersten Strahlen der Morgensonne beleuchteten die Truppenmassen, Fahnen,

Schiffe und Flaggen der Feinde, und Düret, vor der Front unseres

Bataillons hersprengend, rief uns zu: »Heute wird das Regiment die

Feuertaufe in offener Schlacht erhalten!« Wir antworteten durch

freudiges Zujauchzen. Ich muß gestehen, daß mir in diesem Augenblick

auch die Möglichkeit, hier mein Leben zu enden und Eltern und Heimat in

diesem Leben nie mehr wieder zu sehen, ins Gedächtnis kam, aber lange

hatte ich keine Zeit, solchen Gedanken Raum zu geben; das ungefähr

siebentausend Mann starke Heer wurde in Schlachtordnung gestellt, die

Position, die wir genommen hatten, war sehr günstig, denn wir lehnten

uns an eine waldige Anhöhe, hatten aber nur vier Kanonen und ungefähr

vierhundert Mann Reiterei. Die Engländer und Sizilianer dagegen waren

wenigstens zwölftausend Mann stark, hatten eine furchtbare Artillerie

ausgeschifft und konnten noch obendrein durch das Feuer ihrer kleineren

Schiffe, die auf Kartätschenschußweite von dem Ufer vor Anker lagen,

unterstützt werden. Regnier hoffte, daß der Feind durch seine Übermacht

und seine Artillerie sich würde verleiten lassen, uns in unserer

vorteilhaften Stellung anzugreifen, dieser hielt es aber vorerst für

ratsam, sich nicht zu weit von seinen Schiffen zu entfernen, würde es

jedoch vielleicht später gewagt haben, aber Regnier verlor die Geduld,

er wußte, daß die Engländer schon im Besitz des Kastells St. Amantea

waren, fürchtete auch, wegen der von allen Seiten einlaufenden drohenden

Nachrichten, daß eine allgemeine Insurrektion ausbrechen und sich

schnell über ganz Kalabrien und hinter unserem Rücken verbreiten könne;

er sah, wie jeden Augenblick neue Haufen Kalabresen, die alle rote

Kokarden aufgesteckt hatten, zu dem Heer des Generals Stuart stießen,

und hoffte durch einen raschen Angriff und Sieg diesem allem

vorzukommen, entschloß sich deshalb, nach acht Uhr des Morgens seine

vortreffliche defensive Stellung zu verlassen, um den Feind anzugreifen.

Ich zählte damals noch keine siebzehn Jahre und hatte noch sehr wenig,

fast keine Kriegserfahrungen gemacht, als uns aber die Order zum

Herabmarschieren in die Ebene zukam, sagte ich zu meinem Kapitän, dem

Hauptmann Leclerc: »Wir sind verloren!« Dieser antwortete mir: »Ich bin

Ihrer Meinung, aber was können wir machen!« und setzten uns in

geschlossenen Reihen in Marsch. Dazu kam noch, daß unsere Leute durch

die gehabten harten Strapazen noch sehr ermüdet waren, ja Regnier war so

eilig, daß er mehreren, soeben erst zu uns gestoßenen Bataillonen nicht

einen Augenblick Ruhe gönnte, sich durch etwas Speise und Trank zu

stärken. Wir rückten jetzt in zwei Treffen vor, wobei er die Truppen

sich wie auf einem Exerzierplatz durch Fahnen und Hauptführer richten

und so das Gewehr im Arm in Geschwindschritt vorwärts marschieren ließ

und nicht einmal abwartete, bis die Reiterei den linken Flügel des

Feindes, gegen den sie beordert war, angegriffen hatte; die Voltigeurs

hatten kaum mit den feindlichen Schützen geplänkelt, als ihnen das

Signal zum Rückzug gegeben wurde, und nachdem die Infanterie mehrmals

abgefeuert hatte, erhielt sie Order, im Sturmschritt mit gefälltem

Bajonett gegen den Feind vorzurücken und denselben anzugreifen; dieser

aber, ein gut gerichtetes Feuer unterhaltend, streckte viele der

Unsrigen zu Boden. Bald hatte sich der Kampf mit blanker Waffe auf dem

linken Flügel entsponnen, die Engländer und Sizilianer umgingen ihn,

nahmen uns in die Flanken und brachten einen Teil des Heeres zum

Weichen, namentlich die Polen, von denen ein Bataillon, etwa

sechshundert Mann stark, dabei war, während das Bataillon der Schweizer

noch lange wie eine Mauer stand. Der rechte Flügel, von dem auch unser

Bataillon einen Teil ausmachte, leistete langen und tapferen Widerstand,

gegen eine große Übermacht kämpfend, obgleich ihn das zahlreiche

englische Geschütz verhinderte, vollständig deployieren zu können.

Unsere Reiterei war unterdessen in vollem Galopp dem linken Flügel zu

Hilfe geeilt und hieb in die sizilianischen Bataillone wacker ein; aber

jetzt rückte ein soeben noch gelandetes englisches Regiment aus einem

Hinterhalt hervor und wurde so trefflich von dem Geschütz souteniert,

daß bald darauf unsere Kavallerie geworfen wurde. Jetzt machten die

englischen Batterien ein so mörderisches Feuer von allen Seiten, daß

bald das Schlachtfeld mit unseren Toten bedeckt war und wir den Rückzug

antreten mußten, der sich in wenigen Augenblicken in eine vollständig

unordentliche Flucht auflöste. Unser Bataillon, das auf dem rechten

Flügel gestanden, war eines der letzten, welche die Retirade antraten,

die die plänkelnden Voltigeurs noch eine kurze Zeit zu decken suchten,

bis endlich auch hier die allgemeine Unordnung einriß und sich die

Massen teilten. Nahe an zweitausend Tote und Verwundete mußten wir auf

dem Schlachtfeld zurücklassen, unter den letzteren war auch der General

Compère und viele Stabs- und andere Offiziere, die in englische

Gefangenschaft gerieten.

Sicher hatte Regnier einen großen Fehler begangen, seine günstige

Stellung aufzugeben und sich dem Feinde gewissermaßen ohne Not in die

Arme zu werfen; denn wir waren durch Waldung, den Fluß Amato und dessen

morastige Ufer geschützt, hatten auch an Lebensmitteln keinen Mangel,

und vierundzwanzig Stunden später würden noch einige tausend Mann mehr

zu uns gestoßen sein, die noch nicht eingetroffen waren, wie Stuart

fälschlich in seinem Schlachtbericht angibt, auch wären die Engländer,

in der Ebene unter der Julisonne Kalabriens nur erst einige Tage

kampierend, schon allein durch die schlechte Luft, die in dieser

Jahreszeit in dem Tal von Eufemia herrscht und die bösartigsten Fieber

erzeugt, zum Wiedereinschiffen gezwungen worden, wollten sie nicht

dezimiert werden; und griffen sie uns in unserer guten Stellung an, wo

ihr Geschütz wenig oder gar nicht wirken konnte, so waren sie verloren.

Auch eine persönliche Rücksicht bewog den sonst behutsamen und

erfahrenen General Regnier zu diesem fast tollkühnen Angriff; derselbe

Stuart hatte nämlich schon in dem ägyptischen Feldzug diesem

französischen General eine Schlappe beigebracht; er wollte sich deshalb

an ihm rächen und hoffte die Engländer gefangen zu nehmen. -- Als

Napoleon diese Niederlage erfuhr, rief er aus: »Regnier ist immer

unglücklich!« Diese verlorene Schlacht in dem kaum eroberten Reich hatte

äußerst nachteilige Folgen für uns und gab dem Nimbus der französischen

Unüberwindlichkeit eine arge Blöße. Auf der anderen Seite ist in

Erwägung zu ziehen, daß jeden Augenblick ein allgemeiner Aufstand in

unserem Rücken zu befürchten war, wo wir dann zwischen zwei Feuern

standen. Der Rückzug wurde gegen Catanzano zu genommen und wäre sicher

völlig mißglückt, wenn die Engländer ihren Sieg gehörig zu benutzen

verstanden und die Flüchtigen sogleich verfolgt hätten; aber sie blieben

in bequemer Untätigkeit nach der Schlacht und überließen die Verfolgung

den ganz undisziplinierten Insurgentenkorps, die sich ihrerseits wieder

mit der Plünderung der Toten und so weiter verweilten. Regnier gelang

es, mit einigen Trümmern des Heeres die Küsten des Golfs von Tarent zu

erreichen, er wurde aber auf diesem Rückzug beständig beunruhigt, verlor

fortwährend viele Leute, welche, sowie mehrere von dem Gros getrennte

kleine Abteilungen, meistens den Insurgenten in die Hände fielen und

denen dann ein schreckliches Los ward. Die durch die Briganten verübten

Grausamkeiten gingen so weit, daß sich Stuart selbst veranlaßt fand, die

Kalabresen in einer Proklamation zu mehr Menschlichkeit zu ermahnen;

dies half aber wenig; weit mehr nützte es, daß er für jeden ihm lebendig

abgelieferten gemeinen französischen Soldaten fünf und für jeden

Offizier fünfzig Ducati versprach. Diese Insurgenten nagelten gewöhnlich

die ihnen in die Hände fallenden Franzosen lebendig an Bäume oder

Pfähle, durchstachen ihnen die Augen mit glühenden Eisen, rissen ihnen

die Zunge aus dem Halse, schnitten ihnen Nase und Ohren, ja die

Schamteile ab, die sie ihnen sodann unter den rohesten Scherzen in den

Mund steckten, brachen ihnen auch öfters alle Zähne, einen nach dem

anderen aus, gossen siedendes Pech oder geschmolzenes Blei in die Wunden

der ganz entkleideten Körper und verübten noch namenlose andere Greuel

an den unglücklichen, oft schon ganz verstümmelten Schlachtopfern ihrer

Wut, die sie selbst dann noch fortsetzten, wenn der schrecklich

Gemarterte schon längst seinen Geist aufgegeben hatte. Und nicht nur

Männer waren es, die solche Untaten verübten und sich mit Lust an dem

gräßlichen Schauspiel weideten, sondern auch Frauen hatten fast noch

mehr ihre satanische Freude daran und halfen mit Rat und Tat neue Qualen

erfinden und vollziehen. Ein gleiches Schicksal hatten selbst diejenigen

ihrer Landsleute, welche als Anhänger der Franzosen bekannt waren.

Prinzen und Bischöfen, Weibern und Mädchen, Greisen und Kindern, auch

wenn nur deren Verwandte für Freunde der Franzosen galten, wurde

gleiche, den Mädchen und Frauen noch schrecklichere Schmach und

Behandlung, wenn sie ihnen in die Hände fielen. Ganze Dörfer und Städte,

die man für französisch gesinnt hielt, wurden unter dem Ruf: »_Viva

Ferdinando quarto, la morte ai Francesi!_« niedergebrannt und der Erde

gleichgemacht. Diese fanatische Wut war durch die Mönche erzeugt worden,

die kein Mittel verabscheuten, das Volk dazu zu bringen.

Sehr gefährlich waren die Retiraden durch die Dörfer und Städte, wo

Weiber und Kinder an der Ehre teilnahmen, dem fliehenden Feinde zu

schaden; Abteilungen von zwei- bis dreihundert Mann wurden nach der

Schlacht bei Maida in den Orten, durch die sie kamen, angefallen, und

unter den heftigsten Verwünschungen und Flüchen goß man auf die

durcheilenden Truppen siedendes Wasser oder warf Steine von den Dächern

und aus den Fenstern auf sie herab, und von den Insurgenten verfolgt,

wurde man jenseits des Ortes oft von einem anderen Haufen, durch den man

sich schlagen mußte, erwartet, konnte also nicht daran denken, sich in

den Straßen der Dörfer gegen die Unbilden wehren zu wollen. Die

Briganten, die jeden Weg, jeden Schlupfwinkel kannten, verloren die

Fliehenden nie aus den Augen, umgaben sie beständig unsichtbar von allen

Seiten, kamen ihnen oft zuvor und mehrten sich mit jedem Schritt

vorwärts, unendlichen Schaden zufügend. In den meisten Orten war man von

der Ankunft der fliehenden Franzosen und ihrer Niederlage schon

unterrichtet und empfing sie mit dem Wutgeschrei: »_Ah cani francesi!_«

Dabei hatten die Fliehenden nicht selten noch mit dem äußersten Mangel

und Hunger zu kämpfen.

Auch mich hätte um ein Haar breit beinahe das Schrecklichste getroffen,

und nur durch ein halbes Wunder entging ich dem martervollsten Tod. Ich

war einer mit von den letzten, die das Schlachtfeld verließen, und hatte

versucht, wenigstens die Bagage unseres Bataillons zu retten, aber

vergeblich. Alles fiel in der Feinde Hände, also auch mein Gepäck,

dessen Verlust ich indessen gerne verschmerzt hätte, wenn sich nicht

mein Klavierauszug des Don Juan, Schillers Fiesko, Don Carlos und

Cramers Adolph der Kühne, Raugraf von Dassel, dabei befunden hätten, ein

für jetzt nicht zu ersetzender Verlust; Haarlocken und einige Billette

mehrerer meiner Schönen aber trug ich bei mir in einem Portefeuille in

meiner Brusttasche. Da ich mich endlich auch auf die Flucht begeben

mußte, wenn ich den Engländern nicht in die Hände fallen wollte, so

raffte ich noch einige sechzig Mann von unserem Regiment, größtenteils

Voltigeure, zusammen, die sich noch vorfanden, und warf mich mit diesen

in die nahe Waldung und die Gebirge, kam glücklich zu Nicastro an, brach

aber, da es hier mit jeder Minute unsicherer zu werden begann, noch in

der Nacht weiter auf und wieder in die Gebirge, denn in diesen

Wildnissen glaubte ich mich weit sicherer als auf den Landstraßen und in

den Ebenen, wo mein kleines Detachement jeden Augenblick aufgehoben

werden konnte. Ich irrte mit meinen Leuten auf das Geratewohl, ohne

Munition und Lebensmittel, ohne Wegweiser, ohne Karten, ohne die

geringste Kenntnis des Landes in dem Waldgebirge umher, jeden Augenblick

fürchtend, dem Feinde in die Hände zu fallen. Wir begegneten endlich

einem Bauer, der aus dem Städtchen Taverna kam, das in der Nähe lag, den

ich sogleich festhielt und durch Drohung des augenblicklichen

Niederstechens, wenn er mir die geringste Unwahrheit sage, von ihm

herausbrachte, daß vor ein paar Stunden eine Abteilung Insurgenten aus

demselben abgezogen sei, um zu den Sizilianern zu stoßen, daß man aber

zu Taverna noch nichts von unserer Niederlage wisse. Ich traute dem

Bauer dennoch nicht, da wir aber beinahe vor Hunger umfielen und auch

keine uns so notwendige Munition mehr hatten, so beschloß ich nach

kurzer Überlegung, einen gewagten Streich auszuführen, der, wenn er

glückte, uns aus der Not helfen und mich für den Augenblick aus dieser

fatalen Lage ziehen mußte; mißglückte er, so waren wir nicht viel

schlimmer daran wie jetzt auch. Ich marschierte nun, von dem Bauer

geführt, gerade nach Taverna, ließ aber den Führer unter strenger

Bewachung zweier Korporale vor demselben zurück, mit dem Befehl, ihn

niederzumachen, wenn sie Unrat merkten und er uns hintergangen habe. In

das etwa fünfzehnhundert Seelen zählende Städtchen eingerückt, ließ ich

mich durch den ersten Einwohner, dem ich begegnete, zu dem Sindico

führen und kündigte diesem an, daß ich die Avantgarde eines mir

folgenden Regiments kommandiere, das noch heute von Neapel eintreffe,

befahl ihm, mir sofort die Krämer anzuzeigen, die mit Pulver und Blei

handelten, vorgebend, die strengste Order zu haben, mir dieses abliefern

zu lassen, bei Strafe des Erschießens desjenigen, der dessen Besitz

verheimliche. Dies hatte die gewünschte Wirkung, und in weniger als

einer halben Stunde erhielt ich über achtzig Pfund Pulver und noch

dreimal soviel Blei und Schrot, hierauf requirierte ich Brot und Wein

und mehrere Pferde, die erhaltenen Lebensmittel zu transportieren, gab

über alles gehörig Empfangscheine und verließ hierauf das Städtchen, dem

gefälligen Herrn Sindico anbefehlend, ja bestens für die Quartiere der

demnächst ankommenden Truppen zu sorgen, damit er keine

Unannehmlichkeiten zu gewärtigen habe, was mir der gute Mann versprach;

ich entfernte mich nun, vorgebend, dem Regiment entgegenmarschieren zu

müssen, um dem Oberst desselben über alles gehörig Rapport zu erstatten,

nahm vor dem Städtchen den noch verhafteten Bauer wieder mit, der mir

den nach Cosenza einzuschlagenden Weg zeigen mußte, worauf ich ihn mit

einigen Carlini für seine gehabte Mühe und ausgestandene Angst entließ.

-- Es war hohe Zeit, daß ich Taverna verlassen hatte, denn eine Stunde

darauf rückte ein Streifkorps von fünfhundert Insurgenten daselbst ein,

die sich jedoch wieder zurückzogen, als sie hörten, daß man ein

französisches Regiment erwarte, das bereits angesagt und im Anmarsch

sei. Zur rechten Zeit hatten wir auch den Vorrat von Munition erhalten,

denn nachdem wir einen großen Teil der Nacht im Wald biwakiert hatten,

wurden wir den anderen Morgen von einem an hundertfünfzig Mann starken

Insurgentenhaufen angegriffen, durch den ich mich mit einem Verlust von

drei Mann schlagen mußte, ihn aber in die Flucht trieb und dann weiter

retirierte, da sich der Haufen durch herbeieilende Bauern vermehrte. So

schlug ich mich, ohne einen anderen Wegweiser zu haben als bisweilen

einen aufgefangenen Kalabresen, noch mehrmals von Insurgenten

angegriffen, alle Ortschaften meidend, ohne andere Lebensmittel als hier

und da weggenommene Ziegen und Pferde, die schnell getötet und am Feuer

gebraten wurden, unter tausend Gefahren bis nach Palenza durch, wo ich

nach sieben Tagen, noch sechsundfünfzig Mann stark, in einem

bejammernswerten Zustand ankam und die erste Unterstützung und das erste

Brot wieder erhielt, da bis hierher noch keine Insurgenten gekommen

waren. Während dieser Zeit hatten wir unter keinem Dach geschlafen,

sondern biwakierten, wo wir ruhten. Die eine Hälfte der Mannschaft

bewachte die andere, wenn sie schlief, und wurde dann von dieser

abgelöst. Aber noch einmal gerieten wir, und ich ganz besonders, in die

furchtbarste Lage.

Nur noch wenige Meilen von Cosenza entfernt, ohne es jedoch genau zu

wissen, hatten wir uns in einer Vertiefung des Waldgebirges Sila

gelagert, um neue Kräfte zum Weitermarschieren zu sammeln und endlich in

der Hauptstadt des diesseitigen Kalabriens das Ziel unserer unsäglichen

Leiden zu finden. Noch unentschlossen, welchen Weg ich einschlagen

solle, um dieses Ziel baldmöglichst zu erreichen, ritt ich ganz allein

(ich hatte mich durch ein requiriertes Pferd beritten gemacht) auf eine

mit niedrigem Gesträuch bewachsene Anhöhe, um von dieser aus die

Umgegend überschauen und rekognoszieren zu können. Jenseits des Hügels

aber, den ich eine Strecke hinabreiten wollte, um noch eine andere

Anhöhe zu erreichen, fing der Boden an sumpfig zu werden, worauf ich

anfänglich nicht achtete, aber mit jedem Schritt vorwärts wurde er

seichter, und plötzlich sank zwischen dichtem Gesträuch das Pferd bis

beinahe an den Bauch in die Brüche; ich stieg nun ab und geriet selbst

bis an die Knie in den Sumpf, und da ich weder mir noch dem Pferd helfen

konnte, so schoß ich eine Pistole ab, in der Hoffnung, daß es vielleicht

meine Leute hören und mir zu Hilfe kommen würden. Aber in demselben

Augenblick fielen zwei Schüsse, von denen mir der eine am linken Ohr

vorüberpfiff, der andere aber mitten durch meinen Tschako fuhr. Gleich

darauf sprangen sieben bewaffnete Banditen aus dem Gebüsch, packten mich

von hinten beim Kragen, rissen mir die Epauletten von den Schultern, die

Uniform vom Leibe und entwaffneten mich, ehe es mir möglich gewesen, in

meiner Lage nur die Hand an den Degen zu legen, um mich zu verteidigen.

Sie schickten sich an, mich auf kannibalische Art zu schlachten, indem

sie schrien: »_Ah cane francese, sei fritto!_« Da ich wußte, wie diese

Unmenschen mit den Gefangenen umzugehen pflegten, so schwebten mir in

diesem Augenblick alle diese gräßlichen Martern vor Augen; man kann sich

denken, in welchem Gemütszustand ich mich befand. Als die Briganten im

Begriff waren, mir auch das Hemd vom Leibe zu reißen, da machte

plötzlich der, welcher gerade vor mir stand, das Zeichen des Kreuzes und

rief: »_Santissima Madonna!_« Auch die anderen bekreuzigten sich, und

einige unter ihnen sprachen: »_Ah é buon Christiano é di buona fede,

lasciamolo._« Dies hatte die Reliquie bewirkt, die ich zu Loretto

mitgenommen und noch immer auf der bloßen Brust trug, ohne daran zu

denken, und welche die Räuber erblickt hatten und sehr gut erkannten.

Einige wollten sie mir abnehmen, die anderen aber stritten dagegen, und

es entspann sich ein ziemlich heftiger Wortwechsel zwischen ihnen, von

dem ich nur soviel verstand, daß die einen meinten, der Himmel würde sie

sogleich strafen, wenn sie jetzt noch Hand an mich legten, andere aber

meinten, das habe nichts zu sagen. Während sie noch so um mich und mein

Leben stritten, fielen mehrere Schüsse, durch welche einer der Briganten

in den Arm getroffen wurde, und gleich darauf sprangen Karabiniers und

Voltigeurs von meinen Leuten aus dem Gebüsch und befreiten mich aus den

Händen meiner Henker, die mit Hinterlassung eines Teils ihrer Waffen die

Flucht ergriffen. Die Soldaten halfen mir und meinem Pferd aus dem

Morast, und ich dankte der Vorsehung und der Madonna von Loretto für

meine wunderbare Rettung, nahm mir aber vor, nie mehr allein in

Kalabrien auf Rekognoszierung in die Büsche zu reiten. Ich war zwar

gerettet, allein wir waren noch lange nicht über die Berge, obgleich wir

mit Hilfe eines aufgefangenen Bauern ohne weiteren Unfall glücklich

Cosenza erreichten, wo sich der General Verdier mit ein paar tausend

Mann befand.

Ich erstattete diesem General einen treuen Bericht über das Vorgefallene

und auf welche Art es mir gelungen war, mich mit meinen Leuten bis nach

Cosenza durchzuschlagen; mit Verwunderung hörte er mich an, staunte

namentlich über meine wunderbare Rettung aus den Klauen der Briganten

und lud mich mehrmals zu Tische ein, wo ich einige interessante

Bekanntschaften mit kalabresischen Edelleuten, Anhängern der Franzosen,

machte. Aber die Lage von Cosenza wurde mit jedem Tag schwieriger, die

Insurrektion immer drohender, der Aufstand wurde allgemein, die Flammen

des Aufruhrs loderten um uns her, und bald waren wir von Briganten und

Insurgenten umringt, die Bewohner der nächsten Umgegend und selbst die

mißvergnügten Einwohner der Stadt fingen an, ihre Häupter drohend zu

erheben, der Ruf: >_maladetti cani francesi_< wurde immer lauter, und

von den einlaufenden Nachrichten war immer eine schlimmer als die

andere. Von Sizilien aus wurde das ganze Land mit Proklamationen

überschwemmt, in denen man die getreuen Kalabresen zur Bekämpfung und

zum Morden der Franzosen aufforderte, ihnen alle möglichen

Versprechungen machte und Unterstützungen zusagte, sowie daß Ferdinand

IV. sich bald selbst an ihre Spitze stellen würde, auch sandte man

fortwährend alles Raubgesindel, Mörder und Diebe Siziliens in Masse nach

Kalabrien. -- Reggio und das Kastell Scylla waren wieder in Feindes

Hände gefallen, und die Schiffe Sidney Schmidts führten Munition und was

zum Kriegsbedarf gehörte, in großem Überfluß allen Orten der Küste zu.

Verdier entschloß sich nun, um nicht völlig eingeschlossen zu werden, so

lange noch eine Möglichkeit vorhanden war, die Hauptstadt Kalabriens zu

räumen. Wir verließen Cosenza in ziemlich guter Ordnung, doch nicht ohne

allen Verlust, und zogen uns in der Richtung von Neapel in das Gebirge

zurück, wo wir einige Kanonen einbüßten. Lebensmittel wurden in den

Dörfern und Ortschaften, in deren Nähe wir kamen, gewaltsam requiriert,

wobei es nicht selten zwischen den dahin gesandten Abteilungen und den

Bauern zu Tätlichkeiten und zum Blutvergießen kam. Wir biwakierten, wenn

wir ruhten, was jedoch nicht häufig der Fall war, unter freiem Himmel,

und jeden Tag kam es zu Neckereien mit den Insurgenten. Eine Abteilung

von fünfhundert Mann, bei der auch ich mich mit meinem Detachement

befand und die nach Ritorto, einem großen Flecken, beordert war, fand

sich plötzlich von drei Seiten von zahlreichen bewaffneten

Brigantenhaufen, unter denen sich mehrere Kompagnien sizilianischer

Infanterie, ein paar Schwadronen Reiterei und sogar einige englische

Dragoneroffiziere befanden, umringt. Von allen Seiten gedrängt, blieb

uns kein anderer Weg als der nach Cosenza führende offen, wir warfen uns

wieder in diese Stadt, wo man uns aber mit einem Hagel von Steinen und

dem Ausruf: »_Maladetti cani!_« empfing und siedendes Wasser und Öl auf

uns goß. Auch die Feinde waren fast zu gleicher Zeit mit eingedrungen,

und es entspann sich ein hartnäckiger Kampf in den Straßen selbst, bei

dem ich einen tiefen Säbelhieb in den rechten Arm von einem feindlichen

Dragoner erhielt, der aber fast in demselben Augenblick von einem

französischen Grenadier vom Pferde gestochen wurde. Die Wunde blutete

zwar stark, ich ließ mir sie aber durch einen unserer Leute mit dem von

dem Hemde eines Toten abgerissenen Ärmel verbinden und schlug mich mit

den übrigen durch die Straßen wieder zum Tor hinaus, wo wir retirierend

uns fortwährend auf das eifrigste unserer Haut wehren mußten;

wahrscheinlich würden wir dem uns verfolgenden, bald mehrere tausend

Mann starken Feind unterlegen sein, wenn wir nicht glücklicherweise

jenseits der Stadt, gegen Montalto zu, auf die Avantgarde eines

französischen Linienregiments gestoßen wären, das von Salerno her im

Marsch war und die Garnison von Cosenza verstärken sollte. Ein Bataillon

dieses Regiments folgte bald seiner Avantgarde, dessen Chef sich nun uns

anschloß, und so waren wir instand gesetzt, nicht nur den verfolgenden

Feind wieder Face zu machen, sondern auch der angreifende Teil zu

werden und ihn zurückzuschlagen. Jetzt ließ ich mir durch den

Bataillons-Chirurgus meine Wunde, die zwar nicht gefährlich war, aber

doch bis auf den Knochen ging, kunstgerecht verbinden und hatte nahe an

drei Wochen zu tun, bevor ich den Arm wieder gehörig brauchen konnte.

Noch denselben Abend gelang es, uns wieder mit Verdiers Division zu

vereinigen, der sein Hauptquartier in einem großen Flecken, etwa zehn

Miglien von Cosenza, das nun mit Insurgenten und feindlichen Truppen

überfüllt war, aufgeschlagen hatte. Unsere Lage war indessen immer noch

sehr kritisch, besonders da der so gefürchtete Brigantenchef oder

eigentlich Räuberhauptmann Fra Diavolo mit seinen zahlreichen Banden

rund um uns herum sein Wesen trieb. Wir mußten uns die folgenden Tage

mit ansehnlichem Verlust durch Tarsio und Cassano, die sich in vollem

Aufstand befanden, schlagen und kamen endlich zu Matera, der Hauptstadt

der Basilicata, an, wo uns der daselbst kommandierende General, der noch

nicht beunruhigt worden war, alle nötige Hilfe zukommen ließ. Hier

erfuhren wir, daß die wichtige Festung Gaëta endlich übergegangen und

deren starkes Belagerungsheer bereits unter dem Oberbefehl des Marschall

Massena auf dem Marsch nach Kalabrien begriffen sei. Diese Neuigkeit gab

uns frischen Mut und Zutrauen und machte zugleich bei den Insurgenten

einen für uns so vorteilhaften Eindruck, daß diese es wenigstens nicht

mehr wagten, uns in offener Fehde anzugreifen; Gaëtas Fall paralysierte

so ziemlich die Wirkung der Niederlage von Maida. Durch frisch

angekommene Truppen verstärkt, rückten wir nun wieder vor, bald waren

die Insurgenten aus Cosenza und der Umgegend verschwunden, wir besetzten

die Stadt neuerdings, in der Verdier abermals sein Hauptquartier

aufschlug; die unter seinem Befehl stehenden Truppen waren wieder bis

auf sechstausend Mann angewachsen. Cosenza mußte eine sehr bedeutende

Kontribution erlegen, und wir ergriffen allenthalben die Offensive.

Bald nach unserer Wiederbesetzung Cosenzas verließ ein Korps von

ungefähr dreitausend Mann, bei dem auch mein Detachement, diese Stadt,

die Insurgenten zu verfolgen; den dritten Tag nach unserem Ausmarsch

trafen wir in der Ebene von Cocozza auf ein bedeutendes

Insurgentenkorps, das zu umstellen uns so gelang, daß es nach einer

kurzen, aber heftigen Gegenwehr fast gänzlich niedergemacht wurde, nur

etwa dreihundert Mann davon entkamen, die nach Amantea flüchteten, wo

sie sich in ein Kloster warfen. Als wir aber schnell nach dem

erfochtenen Sieg in Amantea einrückten, ergaben sie sich, Pardon

erflehend, unter der Bedingung, ihnen das Leben zu schenken, was auch

zugestanden wurde, aber auch nichts weiter. Sie wurden sämtlich

geschlossen unter guter Eskorte nach Neapel abgeführt, wo man die

meisten zur Galeere verurteilte. Das Kastell von Amantea hielt sich aber

noch länger und fiel erst nach einer fünfundzwanzigtägigen Belagerung.

Massena rückte jetzt in Eilmärschen heran; dies und der Fall von Gaëta,

dessen moralische Wirkung außerordentlich war, gab schnell den Dingen im

ganzen Königreich eine andere Wendung. In Neapel selbst hatte man zu

gleicher Zeit eine große Verschwörung entdeckt, die genau mit der

Landung der Engländer und Sizilianer und dem Aufstand in Kalabrien

zusammenhing. Man ging jetzt daselbst mit einer vielleicht zu raschen

Energie zu Werk, und täglich wurden nach sehr kurzen summarischen

Verhören eine große Zahl der Verschworenen hingerichtet, welche durch

aufgefangene Briefe, geheime Korrespondenz und Polizeispione

ausgemittelt und entdeckt worden waren, aber gewiß verlor auch mancher

ganz unschuldig sein Leben. Bald war nun keine englische Uniform mehr

auf dem ganzen festen Land des Königreichs zu erblicken, die Engländer

überließen die Kalabresen ihrem Schicksal, das traurig und furchtbar

genug war. Teuer mußten sie die von den Pfaffen versprochene Befreiung

vom Fegfeuer und aus der Hölle bezahlen und erhielten statt der ihnen

ebenfalls versprochenen zeitlichen Güter einen oft sehr grausamen Tod.

Freilich waren die von ihnen besonders auch an den eigenen Landsleuten

begangenen Grausamkeiten scheußlich genug gewesen, sie hatten vom

Säugling bis zum neunzigjährigen Greis, von dem zartesten Mädchen bis

zur ehrwürdigsten Matrone alles, was sie den Franzosen geneigt glaubten,

unter teuflisch ausgesonnenen Qualen gemordet und die Mädchen und

Jungfrauen vom siebten Jahre bis zum blühendsten Alter aus den besten

und edelsten bürgerlichen und adeligen Familien, bevor sie sie töteten,

geschändet und genotzüchtigt, ja noch nach deren Tod ihre viehischen

Lüste an den blutigen Leichnamen gesättigt. Besonders waren es die

Räuberbanden vom Handwerk, die sich diesen Teufeleien mit aller Lust

überließen, und ein halbes Hundert befriedigte nicht selten der Reihe

nach seine Geilheit an ein und demselben unglücklichen Schlachtopfer,

das ihnen in die Hände gefallen war, wobei diese Ungeheuer das

Hohngelächter der Hölle erschallen ließen.

Daß jetzt fast ebenso scheußliche Repressalien angewandt wurden, war

zwar nicht zu verantworten, aber natürlich und nicht gut zu verhindern.

Wir verfuhren indessen bei weitem nicht so raffiniert, sondern mehr

summarisch, übergaben dem verzehrenden Feuer ganze Städte und Dörfer, in

welchen die Unsrigen ermordet worden waren, und alles, was sich lebendig

und tot in denselben befand, wurde ein Raub der Flammen. So gingen

hintereinander Lauria, San Pietro, Latronico, Raparo, Fondico, Scigliano

und so weiter mit allem, was sie enthielten, im Rauch auf. Entwaffnet

wurden alle Ortschaften, wo wir hinkamen, ohne Ausnahme, und jeder

Einwohner, bei dem man nach vierundzwanzig Stunden noch eine Waffe oder

ein Stilet vorfand, wurde auf der Stelle erschossen. Ganze Transporte

von Verdächtigen wurden in Ketten nach der Hauptstadt geschafft, wo sie

meistens ein schreckliches Los erwartete, und allenthalben hatten wir

Militärgerichte niedergesetzt, die mit den Angeklagten kurzen Prozeß

machten und diese zu Dutzenden erschießen ließen. Jeder Ort, der nur den

geringsten Anschein hatte, als wollte er es versuchen, Widerstand zu

leisten, wurde sofort geplündert und dann niedergebrannt. Daß unsere

Soldaten dabei mit den jungen Mädchen und Weibern nicht viel besser

umgingen, als es die Insurgenten gemacht hatten, ist leider nur zu wahr,

doch badeten sie sich nicht in deren Blut nach gebüßter Lust und

schändeten auch keine zu Tod, auch bewies das Benehmen mancher dieser

Weiber, daß ihr eine so abgezwungene Gunst gerade nicht ganz

unwillkommen war, und mehrere folgten sogar ihren gewaltsamen Verführern

nach dem Tod ihrer Männer oder Väter.

Der strengste militärische Despotismus wurde überall eingeführt, wo wir

die Herren waren, aber wir waren es noch bei weitem nicht allenthalben,

noch hatten die Insurgenten die stärksten Positionen und die

bedeutendsten Engpässe in ihrer Gewalt, die nicht ohne große Verluste

und immer mit der blanken Waffe genommen werden mußten. Indessen hatten

wir es doch bald nur noch mit einzelnen Banden zu tun, auf die wir Jagd

machten und die sich meist in die unzugänglichsten Schlupfwinkel der

ödesten Wildnisse, in verborgene Felsenklüfte und Täler zurückgezogen

hatten, namentlich in die Basilicata, mit die wildeste und unbekannteste

Provinz im ganzen Reich, in deren Schluchten und Wälder einzudringen

fast unmöglich ist. Aus diesen Verstecken machten die Briganten

fortwährend Ausfälle auf kleine Militärabteilungen und in die nächsten

Ortschaften, vortrefflich durch ihre Spione unterrichtet, wenn sie es

gefahrlos tun konnten. Diese Banden trieben auch das Handwerk des

Straßenraubs und verübten Raubmorde ohne Unterschied gegen alle

Parteien.

Noch immer stand ich mit meiner Abteilung, die jetzt bis auf einige

vierzig Mann zusammengeschmolzen war, bei der Division Verdiers, mit der

wir die meisten Strapazen und Gefechte teilten, wobei wir oft in acht

Tagen nicht unter Dach und Fach kamen, unser Bett die rauhe Erde, unsere

Decke das Himmelszelt war, und froh sein konnten, wenn wir etwas

Maisstroh zum Lager erhielten. Bei dieser Gelegenheit konnte ich recht

den Charakter der verschiedenen Nationen, denen meine Leute angehörten,

beobachten. Die Russen waren alles zufrieden, beschwerten sich über

nichts, wenn ihnen nur der Aquavit nicht ausging, und sie etwas Fett,

Talg, Öl, gleichviel, zu ihrem Brot erhielten; daß sie auch Braten nicht

verschmähten, wenn sie ihn haben konnten, versteht sich von selbst; den

Wein ließen sie wie Wasser die Gurgel hinabgleiten, und stahlen mit den

Ungarn um die Wette, was ihnen anstand, standen aber im Feuer wie Mauern

und Felsen. Die Österreicher und Böhmen waren besonders dem Mehl und dem

Tabak gefährlich, hatten sie Knödel und überhaupt Mehlspeisen vollauf,

dann war alles gut, aber satt mußten sie sein, wenn etwas mit ihnen

anzufangen sein sollte, ihr größter Greuel war, mit leerem Bauch

marschieren zu müssen, dem Wein waren sie hold, und war der Wanst voll,

so standen auch sie gut im Feuer, dabei gehorchten sie, ohne auch nur

eine Miene zu verziehen; werden sie gut angeführt, so ist mit diesen

Truppen etwas anzufangen, der gemeine Mann und Unteroffizier ist dann

eine vortreffliche Maschine; weniger sind sie bei dem leichten Dienst im

Feld brauchbar, wozu ihnen in der Regel die nötige Gewandtheit abgeht,

namentlich den Böhmen. Die Preußen, von denen ich auch einige bei mir

hatte, waren in vielen Stücken ganz das Gegenteil, besonders gut zu

allen Kriegslisten zu gebrauchen, und bei vieler Windbeutelei besaßen

sie doch viele persönliche Tapferkeit und waren Waghälse. Die Polen

kamen ihren Todfeinden, den Russen, am nächsten, waren aber womöglich

noch schweinischer, namentlich immer voll Ungeziefer. Die Ungarn, sehr

tapfer, spürten hauptsächlich den Speckseiten nach, mit deren Schwarten

sie sich den ganzen Körper und die Haare einschmierten und sich den Rest

vortrefflich schmecken ließen. Es gibt aber auch nichts Zarteres und

Köstlicheres, als so ein schwarzes italienisches Schwein, das mit

ausgepreßten Oliven gemästet ist und ein äußerst delikates Fleisch hat.

Am unverdrossensten waren jedoch die Franzosen, wenn sie vierundzwanzig

Stunden marschierten, nichts zu nagen noch zu beißen hatten, waren sie

nichtsdestoweniger heiter und guter Dinge; schlugen sich, wenn es nötig

war, ebenso mutig, als kämen sie von einem sybaritischen Mahl, selbst

mit dem Teufel herum, und machten ihre Privathändel immer unter sich mit

der Klinge aus. Die Italiener waren Duckmäuser, mürrisch, ewig

unzufrieden, im Dienst nicht zuverlässig, und zeigten den wenigsten Mut

in offener Schlacht; sich in sichern Hinterhalt legen war ihre Sache.

Eines Morgens, nachdem wir den Abend vorher in Squillaci eingerückt

waren, trafen die Rudera unsers ersten Bataillons, von Düret angeführt,

ganz unerwartet daselbst ein. Der brave Mann schien ordentlich gerührt,

als er mich sah, und bezeigte eine große Freude; er hatte mich längst

unter den Toten geglaubt, nahm großen Teil an dem Schicksal, das mich

seit unserer Trennung betroffen hatte, und hörte meinen Berichten mit

der größten Aufmerksamkeit zu. Mehr als einmal rief er aus: »_Mais c'est

inoui!_« Am meisten wunderte er sich, daß ich mich nach der Schlacht von

Maida so durchzuschlagen gewußt, und meinte, ich würde einst noch ein

tüchtiger General werden. Indessen erfuhr ich von ihm und einigen andern

Offizieren des Bataillons, daß sie während der Zeit ebenfalls nicht auf

Rosen gebettet waren, furchtbare Märsche und Kontremärsche unter

beständigen Gefechten mit den Feinden hatten machen und sich fortwährend

durch zahlreiche Haufen von Insurgenten schlagen müssen, wobei sie viel

Leute und fast die Hälfte der Offiziere, unter denen auch mein Kapitän,

Herr von Leclerc, war, verloren. Zu Strongoli und Conigliano hatte man

ihnen das Durchmarschieren und die Lebensmittel verweigert, beides

mußten sie durch blutigen Kampf erzwingen, und erst in Cassano hatten

sie einigen festen Fuß fassen und sich etwas erholen können. Das

Bataillon, nun auch ein Teil von Verdiers Division, machte Jagd auf die

Briganten, was, wenn auch fast immer sehr beschwerlich war, doch

mitunter auch nicht ohne lustige Abenteuer ablief; gar manche

schwarzäugige und schwarzhaarige Kalabresendirne, die uns in die Hände

fiel, war uns doch nicht so abhold bei näherer Bekanntschaft, und ich

entsinne mich immer mit Vergnügen eines allerliebsten blutjungen

Mädchens, Tochters eines Sindico, die zuerst gezwungen und dann

freiwillig und vergnügt eine längere Zeit Berge und Wälder mit mir

durchzog, auch uns manchmal von großem Nutzen in diesen unwirtlichen

Gegenden war. Als ich sie endlich in ihre Heimat, ein Dorf in dem jetzt

größtenteils niedergebrannten Silawald, entlassen wollte, hatte ich alle

Mühe, sie loszuwerden, trotzdem ihr ihr Beichtvater eingeprägt, daß die

geringste, einem _francese_ zugestandene Gunst unfehlbar die ewige

Verdammnis nach sich ziehe; aber ich war ja ein _tedesco_, schade nur,

daß dem Mädchen nicht begreiflich zu machen war, was das für ein Wesen,

und welcher Unterschied zwischen diesem und einem Franzosen ist. Ich

versprach ihr beim Abschied, sie später wieder aufzusuchen.

Noch manche Woche ging so unter Entbehrungen, mannigfaltigen Gefahren,

Strapazen und kleinen Scharmützeln hin und man wußte nie, wo man den

nächsten Tag zubringen würde, gewöhnlich unter freiem Himmel. Diese

Brigantenjagd war so ermüdend als in der Regel undankbar, da die

Insurgenten nicht nur die Örtlichkeiten genau kannten, sondern auch

immer im Einverständnis mit den Einwohnern waren, die ihnen jeden

unserer Schritte verrieten und uns dagegen immer irrezuführen suchten.

Nur nach unerhörten Anstrengungen und Kreuz- und Quermärschen gelang es

uns bisweilen, diese wahren Überall und Nirgends zu erreichen; aber

hatten wir sie auf einer Seite verjagt und versprengt, so spukten sie

schon wieder auf der andern oder hinter unserm Rücken um so frecher, und

hatte man sie endlich doch erwischt und ihnen viele Leute getötet, so

zeigten sie sich wenige Tage darauf wieder mit größeren Streitkräften

und in doppelter Zahl. Dieses immerwährend von Sizilien aus verstärkte

Volk ließ sich natürlich auf einen offenen Kampf oder gar eine Schlacht

nicht ein, sondern führte den kleinen Krieg, den man bei dieser

Gelegenheit vollkommen gut lernte, wohl an fünfzig verschiedenen Orten

zumal, weshalb auch unsere Streitkräfte so sehr zersplittert werden

mußten, daß wir nirgends mit gehörigem Nachdruck operieren konnten,

wodurch sie bisweilen in großem Vorteil waren. Kanonen und Reiterei

waren ohnehin hier nicht anwendbar, sondern eher ein Hindernis; die

Briganten fügten uns durch das Abschneiden oder Wegnehmen von

Lebensmitteln, die nicht gehörig eskortiert waren, unendlichen Schaden

zu. So durchzogen wir fortwährend die beiden Kalabrien und die

Basilicata von einem Ende zum andern, überall Verheerung und Verwüstung

hinbringend oder findend.

Eines abends, wir hatten kaum ein paar Stunden in dem in einem

Waldgebirge liegenden Dörfchen Stigliano, unweit Tricarico, geruht, kam

uns die Nachricht zu, daß der furchtbare Fra Diavolo neuerdings, mit

einem großen Insurgentenhaufen aus Sizilien kommend, gelandet sei, sogar

Kanonen bei sich führe und sich nach seiner Vaterstadt Itri begeben

habe, um daselbst abermals die Insurrektion zu organisieren. Aber gleich

nach seiner Ankunft vom General Hügo versprengt, habe er sich mit seiner

Bande in die Gegend von Tricarico und Potenza gezogen und schon mehrere

Ortschaften überfallen. In der Tat streiften Abteilungen seiner Bande im

nahen Wald in der Nähe von Stigliano.

Das Gerücht hatte das Korps dieses gefürchteten Brigantenchefs zu einem

bedeutenden Heerhaufen gemacht, unser Bataillon war bis auf vierhundert

Mann zusammengeschmolzen und wußte nicht, daß, von Hügos Truppen

verscheucht, sich Fra Diavolo selbst gewissermaßen auf der Flucht

befand. Düret ließ jetzt alle Zugänge des Orts besetzen, in dessen Mitte

wir ein Biwak aufschlugen, stellte Lauerposten aus, um uns gegen einen

etwaigen Überfall zu sichern, und so brachten wir die ganze Nacht in

Alarm zu.

Von diesem Fra Diavolo wurde so viel Fabelhaftes und Unglaubliches

erzählt, daß ich ihn für einen wahren Rinaldo Rinaldini hielt und ihm

meine Bewunderung, wie einst dem Schinderhannes ruhmwürdigen Andenkens,

nicht versagen konnte, was mich jedoch nicht hinderte, bald darauf einen

seiner Adjutanten gefangenzunehmen und ihn selbst später hinrichten zu

sehen. Sein eigentlicher Name war Michaeli Pezza oder Pozza, er war aus

der kleinen Stadt Itri in der Terra di Lavora gebürtig. Aus einem

gemeinen Straßenräuber hatte ihn Ferdinand IV. oder vielmehr dessen

Gemahlin, die Königin Karolina, auf Veranlassung des Generals Ruffo, zum

Oberst der neapolitanischen Armee gemacht und ihm sogar den Titel eines

Herzogs von Cassano erteilt, nachdem dieselbe Regierung früher einen

Preis auf den Kopf des Räuberhauptmanns gesetzt. Während der Belagerung

von Gaëta leistete er dem Prinzen von Hessen-Philippsthal wichtige

Dienste, indem er die Franzosen zwischen dem Kirchenstaat und dem

Volturno beunruhigte, ja, beinahe hätte er Lucian Bonaparte auf seinem

Landsitz bei Rom aufgehoben; der aber wurde noch zu rechter Zeit

gewarnt. Er warf sich sodann nach Kalabrien, wo er uns allen möglichen

Schaden zufügte. Seine Bande war weit über zweitausend Mann stark und

der Ruf seiner Taten so außerordentlich, daß die Kalabresen steif und

fest glaubten: er könne zaubern und hexen und daß ihm nichts unmöglich

sei. Philippsthal hatte ihn indessen wegen seiner Schandtaten, die er

nicht unterließ, endlich aus Gaëta gewiesen, von wo er nach Palermo

gegangen war, jedoch im September wieder mit seiner hauptsächlich durch

freigelassene Galeerensklaven verstärkten Bande in Unteritalien landete,

alle Banditen und Mißvergnügte abermals an sich zog und sodann nach Itri

marschierte, um sich seiner Vaterstadt in seiner ganzen Herrlichkeit zu

zeigen. Joseph beauftragte den General Hügo, mobile Kolonnen gegen den

gefürchteten Brigantenchef zu bilden, wozu jener hauptsächlich die

rabenschwarzen Soldaten des Regiments Royal africain, eine Abteilung der

Chasseurs von der korsischen Legion und einige andere leichte Truppen

verwandte, denen er auch etwas Reiterei zugesellte.

Fra Diavolos Haufen mochte jetzt etwas über dreitausend Mann stark sein

und war voller Zuversicht; reich von der Königin Karoline beschenkt, die

dem Brigantenchef unter anderm ein kostbares Armband mit ihrem Bildnis

und eine Fahne mit von ihr höchst eigenhändig gearbeiteten

Goldstickereien verehrt hatte, und außerdem noch mit einem englischen

Majorspatent versehen, hatte er sich eine kurze Zeit auf der Insel Capri

bei dem dortigen Kommandanten Hudson Lowe aufgehalten und seine

Operationen gegen die Franzosen mit kecker Verwegenheit begonnen. Bei

dem Überfall eines Städtchens waren ihm zwei französische Damen, die

Frauen zweier Stabsoffiziere, in die Hände gefallen, die er längere Zeit

mit seiner Bande auf seinen Streifzügen in den Gebirgen und Wäldern

herumschleppte, deren Tugend aber nicht mehr sehr jung war und die er

endlich, wie sie und er behaupteten, unangetastet wieder nach Neapel

zurückschickte, nachdem er sich ein Zertifikat von denselben hatte geben

lassen, daß er sie mit zuvorkommender Aufmerksamkeit behandelt habe und

ihrer Schamhaftigkeit und Keuschheit nicht zu nahegetreten sei. Von

diesem Zertifikat hatten die Damen eine Abschrift, die: >Michel Pezzo,

Herzog von Cassano, _per copia conforma_< unterzeichnet war, und die sie

in Neapel allenthalben vorzeigten. Was es damit eigentlich für eine

Bewandtnis hatte, daraus konnte man nicht recht klug werden, die böse

Welt wollte wissen, daß die Damen, obschon nicht mehr in der ersten

Jugendblüte, dennoch der Bande oder deren Anführer manche vergnügte

Stunde hätten machen müssen.

Soviel ist gewiß, daß, als sie in Neapel ankamen, sie äußerst übel

aussahen, was man ebensogut den überstandenen Strapazen als andern

Dingen zuschreiben konnte, sie mußten sich bei all dem viel Neckereien

wegen ihres Aufenthalts unter den Banditen gefallen lassen. Wer den

Schaden hat, darf ja für den Spott nicht sorgen.

Die mobilen Kolonnen des General Hügo setzten indessen bald dem Fra

Diavolo so gewaltig zu, daß er sehr in die Enge getrieben wurde und sich

endlich gezwungen sah, seine Bande in mehrere Abteilungen zu zerstreuen,

von denen eine jede vorgab, von ihm in Person befehligt zu sein, eine

Kriegslist, um die Verfolger irrezuführen. Die Generäle Dühesme und

Goulü hatten den Auftrag, dafür zu sorgen, daß ihm die Wege in den

Kirchenstaat versperrt würden, während der jetzt in Gaëta kommandierende

General Valentin seine Wiedereinschiffung verhindern sollte und Hügo ihn

rastlos verfolgte, eine mühsame und gefährliche Aufgabe, da er sich

immer, nachdem er einen Handstreich vollbracht hatte, in die

unwegsamsten und unzugänglichsten Wildnisse zurückzog. So oft die

Voltigeurs oder Jäger mit Leuten seiner Bande plänkelten, zogen sie

immer den kürzern, zum standhalten und zur Annahme eines ordentlichen

Gefechtes war er nicht zu bringen.

Damals war es, als wir zu Stigliano durch das angebliche Herannahen des

Fra Diavolo in Alarm gesetzt wurden, indessen verlief doch die Nacht

ohne daß wir weiter beunruhigt worden wären. Nachdem jedoch der Tag

angebrochen, ward uns die Gewißheit, daß sich eine Bande bewaffneter

Briganten, etwa vier Miglien von unserm Dorf, in einer wildbewachsenen

Schlucht aufhalte. Auf diese zuverlässige Nachricht setzten wir uns in

Marsch, und Düret gab mir das Kommando unserer kaum sechzig Mann starken

Avantgarde, indem er zu mir sagte: »Ich kann dieses gefährliche Kommando

niemand besser als Ihnen übertragen, da Sie sich nach der Niederlage von

Maida so gut durchzuschlagen gewußt, überhaupt schon viele Erfahrung in

diesem gefährlichen Krieg gemacht haben und den Gefahren zu begegnen

wissen, auch der einzige sind, der mit der italienischen Sprache

fortkommen kann. Seien Sie indessen vorsichtig, sorgen Sie besonders,

daß man Sie nicht unvermutet überfallen kann und sichern Sie Ihre

Flanken durch Seitenpatrouillen.«

Diese Vorschriftsmaßregeln waren allerdings sehr notwendig, denn mehr

als ein halbes Hundert solcher kleiner Detachements französischer,

italienischer, korsischer, schweizer und politischer Truppen waren schon

von den Insurgenten überfallen, umringt und niedergemacht worden.

Allenthalben lagen die Briganten im sichern Hinterhalt und Versteck,

waren von allen Bewegungen der Truppen genau unterrichtet und durch ihre

Spione vortrefflich bedient. -- Nach der Schlacht bei Maida hatten sie

an zweihundert Mann, die sich in einen großen Maierhof retiriert und

denselben in der Eile möglichst verschanzt, ihn sogar mit Pallisaden

versehen hatten, von den Bauern unterstützt, förmlich belagert. Nachdem

die Truppen den Rest ihrer Patronen verschossen, stürmten die Briganten

am dritten Tag, wo die Belagerten aus Mangel an Lebensmitteln schon halb

verhungert und folglich ganz kraftlos und matt, sich fast nicht mehr zu

verteidigen imstande waren, den Hof und machten die ohnmächtigen Leute

unter unsäglichen Martern bis auf den letzten Mann nieder.

Nicht immer stand es in meiner Gewalt, Dürets Instruktionen zu befolgen,

denn gar oft kamen wir durch so schmale und enge Wege, durch so wild

verwachsenes Gehölz und dichtes Gesträuch, hinter denen sich Felsen

türmten, daß nicht daran zu denken war, Seitenpatrouillen zu

detachieren, ja, nicht selten konnte man nur Mann vor Mann auf den

schmalen, kaum betretenen Fußsteigen marschieren. Gegen die

Mittagsstunden kamen wir an einen kleinen Weiler, in dem wir zwar einige

Menschen, aber sonst auch nichts antrafen; hier erfuhr ich auf meine

Erkundigungen, daß Fra Diavolo mit einem kleinen Teil seiner Bande in

der vergangenen Nacht dagewesen, erst diesen Morgen den Ort wieder

verlassen und den Weg nach Tricarico eingeschlagen habe. Ich wollte das

Bataillon hier erwarten, um neue Verhaltungsbefehle zu empfangen, es

traf auch nach einer guten Stunde ein. -- Düret befahl mir jetzt, einen

Führer aus Ferrandina, so hieß das Örtchen, mitzunehmen und mit meiner

Avantgarde gleichfalls nach Tricarico zu marschieren. Wir mußten durch

das noch sehr seichte Flüßchen Basiento passieren, dessen Wasser uns

kaum bis an die Knie reichte. Aber am jenseitigen Ufer zeigten sich

plötzlich Insurgenten auf den felsigen Anhöhen, welche ihre Gewehre auf

uns abfeuerten, mir einen Mann töteten und dann verschwanden, ohne daß

ich daran denken konnte, sie zu verfolgen, da mein Führer mir

versicherte, in dieser Wildnis wisse er sich, einmal von dem Weg

abgekommen, nicht mehr zurechtzufinden. Erst mit einbrechender Nacht

erreichten wir das Dorf Grottola, wo aber kein Mensch etwas von dem Fra

Diavolo wissen wollte. Ich machte hier abermals halt, die Ankunft des

Bataillons zu erwarten, das aber nicht eintraf. Mein Führer gab vor, daß

sich seine Kenntnis der Gegend nicht weiter erstrecke und bat mich, ihm

zu erlauben, nach Ferrandina zurückkehren zu dürfen. Ich fand aber für

gut, ihn die Nacht über noch bei mir zu behalten, und versprach ihm,

daß, wenn bis zum nächsten Morgen nichts Besonderes vorfiel, ich ihn

dann entlassen würde. --

Meine Lage fing an bedenklich zu werden, ich glaubte mich umringt oder

doch wenigstens vom Bataillon abgeschnitten und biwakierte diese Nacht

auf einem freien Platz vor dem Dorfe, ringsum Posten auf Schußweite

aufstellend, um uns vor jedem Überfall zu sichern. Auf mein Verlangen

brachten mir die Einwohner von Grottola etwas Reis, Welschkornmehl und

ein Körbchen mit Eiern, nebst Wein, so daß wir uns ziemlich restaurieren

konnten und sogar so munter und guter Dinge wurden, daß wir den Fra

Diavolo samt seiner Bande zitierten und sich zu zeigen aufforderten,

wenn er Mut habe. -- Die Nacht verging ohne irgendeine Beunruhigung, die

meisten Leute schliefen gegen Mitternacht ein. Als aber der Tag kaum zu

grauen begann, befahl ich aufzubrechen, teilte ein paar Flaschen Aquavit

unter das Detachement aus, die ich noch requiriert hatte, aber dem

Bauer, der sie brachte, bezahlte. Ich ließ mich nun mit diesem, der

einige Worte, die ich nicht verstand, mit meinem Führer gewechselt

hatte, in ein Gespräch ein; auf meine Fragen, ob er nichts von Fra

Diavolo wisse, und nachdem ich ihm deshalb ziemlich drohend zugesetzt,

antwortete er endlich, wenn ich ihm zusichern könne, daß er den Preis

von sechstausend Dukati, der auf den Kopf dieses Brigantenhaupts gesetzt

sei, wenigstens zur Hälfte erhalte, da mir die andere Hälfte gebühre, er

mir denselben in die Hände liefern wolle. -- Erstaunend erwiderte ich

freudig, daß er nicht nur die Hälfte, sondern die ganze Summe, die die

Regierung ausgesetzt habe, erhalten werde. Er blieb aber dabei, mit mir

teilen zu wollen, meiner Großmut, die er nicht begriff, mißtrauend, was

ich dann auch zusagte, um ihm nicht das Vertrauen zu benehmen. -- Er

teilte mir nun mit, daß sich Fra Diavolo, kaum zwei Miglien entfernt,

mit höchstens dreißig Mann seit gestern abend in einer Waldschlucht

gelagert befinde, indem er in der Gegend von Salerno durch die

französischen Chasseurs total versprengt worden sei, wir müßten aber

eilen, wenn wir ihn noch treffen wollten, da er wahrscheinlich mit

frühem Morgen aufbrechen und sich dann noch tiefer in die Waldgebirge

flüchten werde. Ich marschierte schnell ab, den Bauer samt meinem Führer

aus Ferrandina in die Mitte nehmend, ihnen beiden erklärend, daß bei der

mindesten verdächtigen Anzeige sie zuerst niedergemacht würden. -- In

aller Stille zog ich durch Grottola, kam jenseits des Ortes in einen

dicht verwachsenen Wald und stand, von dem Bauer geführt, bald an dem

Eingang einer in der Tiefe zwischen Felsen und Gesträuch befindlichen

Schlucht; hier sah ich durch das Gebüsch hinab in einem kleinen

Kesseltal einige zwanzig Mann um ein fast abgebranntes Feuer meistens

schlafend lagern; der Bauer sagte: »_Eccoli!_« So geräuschlos als

möglich besetzte ich den einzigen Ausgang dieser Schlucht. Unbemerkt

drang ich dann so weit vor, daß ich die Briganten zählen konnte, es

waren ihrer dreiundzwanzig. Ich wünschte, sie womöglich alle lebendig zu

fangen, aber jeder Schritt vorwärts machte es wahrscheinlicher, daß ich

von ihnen entdeckt würde, sie dann noch Zeit hätten, sich aufzuraffen

und eine verzweifelte Gegenwehr vorzubereiten. Ich beschloß nun, sie mit

einem Hurra und möglichstem Lärm zu überfallen, damit sie in dem ersten

Schrecken den Kopf verlieren sollten. An den Eingang des Kesseltals

postierte ich zehn Mann mit einem Korporal, stieg sodann mit den andern

mit gespannten Hahnen den schmalen Pfad hinab, die Briganten immer im

Auge habend; als ich endlich sah, daß sich ein paar zu regen begannen,

gab ich dem Tambour das Zeichen pas de charge zu schlagen, und mit dem

Ruf: »Vorwärts!« die Gewehre auf sie abfeuernd, stürmten wir hinab. Das

Manöver gelang vollkommen. Die Briganten sprangen auf, griffen nach

ihren Waffen, eilten dem Ausgang zu, machten zum Teil kehrt, während

andere, den Kopf verlierend, uns in die Hände liefen, dann auch wieder

umkehrten; wir folgten, ihnen die Bajonette in die Rippen setzend.

Mehrere, schon verwundet, warfen ihre Gewehre weg, während andere an dem

entgegengesetzten Ende der Schlucht auf Bäume kletterten. Einigen gelang

das fast Unglaubliche, indem sie die beinahe senkrechten Felsenwände mit

Hilfe der Gesträuche, die sie erfaßten, hinankletterten. Zwei davon

stürzten jedoch, nachdem sie schon eine bedeutende Höhe erreicht hatten,

herab, wovon der eine das Genick brach und auf der Stelle tot war, der

andere aber das Bein verletzte und nicht mehr von der Stelle konnte.

Noch andere schossen meine Leute herab, während drei auf diese Art

wirklich entkommen waren, sich auch vielleicht in den Gipfeln hoher

Bäume verborgen hatten, wo wir sie nicht entdecken konnten. -- Die

übrigen, unter denen der Anführer, der aber nicht Fra Diavolo selbst,

sondern nur einer seiner sogenannten Adjutanten, namens Belardi, war,

nahmen wir gefangen und banden sie mit Gewehrriemen zusammen. -- Dieser

Belardi hatte sich allenthalben, wo er hinkam, für Fra Diavolo selbst

ausgegeben, so wie dies noch andere Chefs der Bande taten, die in

Kalabrien umherirrten, wozu sie vom wahren Bruder Teufel ermächtigt

waren, damit man, wie oben bemerkt, irregeleitet, nicht auf dessen Spur

kommen sollte. -- Was aus ihm geworden, konnte ich von den Gefangenen

nicht erfahren, die, wie sie mich versicherten, ihr Oberhaupt schon seit

zwölf Tagen oberhalb Salerno verlassen hatten, ohne zu wissen, wo er

jetzt sei. So leid es auch mir und dem Bauer, der mich hierhergeführt,

tat, nicht den rechten Mann erwischt zu haben, so war ich dennoch über

den gemachten Fund froh und überzeugt, jetzt nicht mehr viel zu fürchten

zu haben, da die Bande gesprengt und die Einwohner dadurch so mutlos

gemacht waren, daß sie sich nicht trauten, etwas offen gegen uns zu

unternehmen.

Ich marschierte nun mit meinen Gefangenen nach Grottola zurück, den

Führer von Ferrandina entlassend, den Bauer nahm ich mit nach Tricarico,

wo ich das Bataillon vermutete, und wohin ich nach kurzem Halt aufbrach.

-- Unterwegs unterhielt ich mich mit dem gefangenen Belardi und fragte

ihn über manches, was seinen Chef betraf, konnte aber nur ausweichende

Antworten oder sehr ungenügende Auskunft von ihm erhalten; auf meine

Frage, warum er den Eingang zur Schlucht nicht besetzt und keine Wachen

ausgestellt habe, erwiderte er mit Ingrimm: »Ich hatte es ja getan, aber

als der Morgen herankam, krochen die Schurken alle zum Feuer und

schliefen, auch dachten wir nicht, Verräter unter den Einwohnern zu

finden.«

In Tricarico angekommen, war das Bataillon zu meinem Leidwesen schon

seit mehreren Stunden nach Potenza abmarschiert; ich folgte ihm und traf

es noch auf einem Halt, ehe es diese Stadt erreicht hatte. Ich zeigte

sogleich dem Kommandanten Düret meinen Fang an, der, darüber

hocherfreut, mir sagte, daß er abermals in nicht geringer Unruhe

meinetwegen gewesen, da er Order erhalten, sofort nach Potenza zu

marschieren, was man mir nicht habe mitteilen können. -- Der Bauer wurde

mit einer Belohnung von hundert Dukati heimgeschickt, deren er sich aber

wenig erfreuen konnte, da er ein paar Tage darauf ermordet war.

Schon war die Regenzeit eingetreten und unsere Märsche und die

Brigantenjagd, die wir von hier aus in die Umgegend machen mußten,

wurden immer beschwerlicher, wenn auch weniger gefährlich, da wir nur

selten auf einen Feind trafen. Bäche und Flüßchen, die man vor wenig

Tagen noch fast trockenen Fußes passierte, waren zu reißenden

Waldströmen geworden, durch die man nur mit Lebensgefahr kommen konnte,

oft gingen uns die Fluten bis beinahe an den Hals. Eines Tages mußten

wir bei der Verfolgung eines Insurgententrupps in der Gegend von

Duchessa und Auletta den sonst ganz unbedeutenden Sele passieren, der

aber nun zu einem wilden, reißenden Strom angeschwollen und so mächtig

war, daß wir mit enggeschlossenen Gliedern, pelotonweise

durchmarschierten, wobei die Soldaten Tornister und Patronentaschen auf

den Köpfen befestigt hatten, die Gewehre quer über dem Wasser hielten,

und so in Masse durch das Wasser gingen, dennoch ertranken drei Mann,

die im letzten Glied eines Pelotons sich nicht eng genug angeschlossen

hatten und von den Fluten fortgerissen worden waren. Auf dem jenseitigen

Ufer angekommen, mußten wir einen tiefen und engen Hohlweg passieren,

von dessen felsigen, mit Gebüsch bewachsenen Höhen uns die Briganten mit

Flintenschüssen empfingen und schon, als wir noch im Wasser waren, auf

uns herabschossen, mit sicherer Hand ihre Beute aussuchend, meistens

Offiziere. Nachdem sie abgefeuert hatten, verschwanden sie spurlos, so

daß an ein Verfolgen nicht zu denken war.

Glücklicherweise war diese gefährliche Passage nicht von langer Dauer

und die Abdachung der Berge bald sehr flach. Solche Märsche und

Kontermärsche nahmen kein Ende, und selten hatten wir einen oder auch

nur einen halben Tag Ruhe. Die Regen und Gewitter wurden immer häufiger

und heftiger, die Nahrung immer schlechter und spärlicher, einmal mußten

wir sogar elf Tage in der Gegend von Chiaromonte unter beständigen

Regengüssen biwakieren, wo, im Schlamm und Morast lagernd, oft nur noch

die auf Steinen und Tornistern ruhenden Köpfe frei vom Wasser blieben,

so sehr waren die Gewässer angeschwollen. Als wir endlich diese Stelle

verließen, um uns in das ganz verwüstete Dorf Rotonda zu begeben, brach

ein so furchtbares Gewitter gerade über unsern Häuptern los, daß es zwei

Soldaten, deren Gewehre ganz schwarz angelaufen waren, mitten in den

Reihen des Bataillons erschlug; nur auf der Spitze des Gebirges ließ der

Regen etwas nach, in den Tälern aber hörte er oft in vierundzwanzig

Stunden keine halbe Stunde auf. In fast jedem Ort, durch den wir kamen,

mußten wir Kranke zurücklassen, deren Weitertransportieren unmöglich

geworden war, mit dem Bedeuten an die Einwohner, daß, wenn sie nicht die

äußerste Sorgfalt für diese Leute trügen, ihr Ort den Flammen

preisgegeben würde, und sie selbst dem Tod verfallen seien. Dennoch

sahen wir nur sehr wenige von den Zurückgelassenen wieder. Immer mehr

schmolz unser Bataillon zusammen; Soldaten, die aus Müdigkeit

zurückblieben, sich dann oft verirrten, fielen den Bauern und Briganten

in die Hände, die sich immer in der Gegend, die wir soeben verlassen,

hinter unserm Rücken zeigten. Oft mußten wir auch mit Lebensgefahr auf

den schmalen und schlüpfrigen Fußpfaden marschieren, die längs

schauerlichen Abgründen hinliefen, auf denen ein Fehltritt das

Hinabstürzen unvermeidlich machte. So verloren wir einen Sergeanten der

Karabiniers, und einen stürzenden Tambour rettete nur seine auf dem

Rücken hängende Trommel, bei der ihn zwei Chasseurs packten. Selbst die

sonst so sichern Maultiere mußten mit großer Vorsicht geführt werden.

Das schlimmste war, daß bei all diesen Entbehrungen und Gefahren auch

noch unsere Kleider und Schuhe sich allmählich in Lumpen auflösten und

wir bald einem abgerissenen Banditenkorps ähnlicher sahen als Soldaten;

längst war an den Gamaschen kein Strupfen mehr, und die Hälfte der

Soldaten ging auf bloßen Füßen, hatte wenigstens keinen Schein mehr von

einer Sohle unter den zerrissenen Schuhen, die bei jedem Schritt

steckenblieben und mit den Händen wieder ausgegraben werden mußten. Den

Offizieren, die meistens Suwarowsstiefeln trugen, ging es nicht viel

besser, auch sie waren sohlen- und absatzlos. Daher war es immer das

beste, wenn wir in einen Ort kamen, Schuhmacher, Schuhe und Leder zu

requirieren, und die Kompagnieschuster und Soldaten flickten, so oft

halt gemacht wurde; an Wäsche war nicht zu denken, ich hatte seit zwei

Monaten dasselbe Hemd auf dem Leibe und verfluchte doch jetzt auch

manchmal die gloire militaire und den Soldatenstand, obgleich ich dank

meiner mäßigen Lebensweise, wenn auch von Fleisch sehr abgefallen und

dürr wie ein Hering, doch noch immer so ziemlich gesund war. Ich trank

aber fast nie puren Wein oder Aquavit, sondern beides immer reichlich

mit Wasser vermischt, aß, wenn ich deren haben konnte, in Öl gebackene

Eier oder Kuchen, deren Teig meistens aus Mais- oder Welschkornmehl

geknetet war.

Endlich, nachdem Düret wenigstens schon zehn Berichte nacheinander

abgesandt und darin gemeldet hatte, daß sich das bis auf ein Dritteil

zusammengeschmolzene Bataillon unmöglich länger in Kalabrien halten

könne, ohne gänzlich aufgerieben zu werden, kam die Order zum Rückmarsch

nach Neapel, die mich, sowie uns alle, hoch erfreute und neu belebte.

Aber bevor wir diesen Hafen, in dem wir das Ende unseres Elends

erwarteten, erreichten, sollten wir noch einmal, und zwar indem wir

einen Waldbach, der sich unweit Muro in die Sele ergießt und jetzt auch

zu einem reißenden Strom angeschwollen war, passierten, arg heimgesucht

werden. Das Wasser ging uns wieder bis über die Brust; als sich das

erste Peloton mitten im Strom befand, erschien plötzlich auf den

Felsenhöhen des Ufers ein Haufen von mehr als hundert Briganten, die von

ihrer sichern Stellung aus ein gut unterhaltenes Feuer auf uns gaben,

aber durch dasselbe keinen großen Schaden anrichteten, da ihre meisten

Kugeln in den schützenden Tornistern, welche die Leute auf den Köpfen

hatten, steckenblieben; doch riß Unordnung in den Reihen ein, wodurch

mehr als zwanzig Mann in den Wellen umkamen und von dem Strom mit

fortgerissen wurden.

Dies war indessen das letzte Ungemach, das wir auf diesem Feldzug

erlitten, und wir marschierten nun ungestört über Muro, La Valva, Eboli,

Salerno und Nocera nach Neapel, wo unser Bataillon in der Fortezza del

Carmine kaserniert wurde; gleich nach unserer Ankunft gaben wir noch

einige sechzig Mann in das Lazarett ab.

Unterdessen war aber auch der Haupturheber unserer meisten

Mühseligkeiten, der berüchtigte Fra Diavolo selbst, gefangen worden und

wurde ein paar Tage nach unserer Ankunft zu Neapel (im November 1806)

gehangen. Ich bin imstande, aus den zuverlässigsten Quellen von

Offizieren, die ihn bis zu seiner Gefangennehmung verfolgten, diese und

das Ende des berüchtigten Brigantenchefs mitzuteilen.

Von Hügos mobilen Kolonnen allenthalben verfolgt, hatte Michel Pezzo

seine ganze Bande in zwölf Abteilungen unter zwölf Anführer verteilt und

jedem eine Provinz angewiesen, in welcher er auf seine eigene Faust

operieren sollte, während er den Kern seiner Leute und die verwegensten

Banditen, etwa sieben- bis achthundert Mann, bei sich behalten hatte.

Alle Anführer waren, wie ich schon erwähnte, angewiesen, sich für den

Fra Diavolo auszugeben, dabei war ihnen gesagt, daß, wenn sie zu sehr

ins Gedränge kämen, sie einen kleinen Hafen zu erreichen suchen sollten,

um nach Sizilien überschiffen zu können, wo er ihnen Palermo als den

allgemeinen Sammelplatz bezeichnete. Hierdurch war es ihm gelungen, noch

eine Zeitlang den verschiedenen Kolonnen, die scharf hinter ihm waren,

zu entgehen, da diese, durch die von allen Seiten, wo man den Fra

Diavolo in der Nähe glaubte, einlaufenden Berichte irregeführt wurden.

Endlich aber setzte ihm selbst eine Abteilung des schwarzen Regiments

Royal Africain und eine andere von Latour d'Auvergne so zu, daß es in

der Gegend von Bojano, der alten Hauptstadt des Samniterlandes, zu einem

hitzigen Gefecht mit Fra Diavolos Haufen kam, wobei man wegen der Nässe

der Gewehre nicht feuern konnte, sondern sich mit den Kolben und der

blanken Waffe schlug. Der Sieg war längere Zeit zweifelhaft, als noch

zum rechten Moment zwei Kompagnien eines französischen Linienregiments

den kaum vierhundert Mann starken Abteilungen zu Hilfe kamen und rasch

den Ausschlag gaben. Das Gemetzel war fürchterlich, und Fra Diavolo

entkam mit noch etwa zweihundert Mann nur durch schleunige Flucht. Die

übrigen blieben teils auf dem Wahlplatz tot und schwer verwundet, oder

wurden zu Gefangenen gemacht und erschossen; von den Fliehenden

ertranken außerdem noch viele in dem Biferno, den sie passieren mußten.

Bei dieser Flucht wurde Fra Diavolo noch einmal von einer Abteilung der

korsischen Jäger erreicht, die noch mehrere Gefangene machte und den

Rest seiner Bande vollends sprengte; als er eine kurze Strecke die nach

Apuglia führende Straße passieren mußte, sah er einige Eskadronen

französischer leichter Reiterei dahergesprengt kommen, die ihn zwar

nicht erkannt, aber doch jedenfalls als verdächtig angehalten haben

würden, außerdem waren seine Verfolger höchstens auf Kanonenschußweite

von ihm entfernt. Hier war weder zum Entfliehen noch zum Verbergen mehr

Gelegenheit, und ängstlich richteten seine wenigen Begleiter fragende

Blicke auf ihren Chef, der, gewöhnt, sich auch aus den verzweifeltsten

Lagen zu ziehen, jetzt den Kopf nicht verlor und sich durch List und

Verschlagenheit auch diesmal, jedoch nur auf kurze Zeit, aus seiner

mißlichen Lage half. Er befahl seinen Spießgesellen, ihm und einem

seiner Offiziere die Hände auf den Rücken zu binden, beide sodann in

ihre Mitte zu nehmen, dann auf der Landstraße fort an der Reiterei

vorüberzumarschieren. Ihre Einwendungen schlug er schnell mit drohenden

Blicken nieder, indem er ihnen befahl, auf allenfallsiges Befragen zu

erwidern, sie gehörten der Bürgergarde des nächsten Städtchens an und

hätten die beiden Gefangenen, die man im Verdacht habe, zur Bande des

Fra Diavolo zu gehören, nach Neapel zu transportieren. Die List gelang

vollkommen, der die Reiterei kommandierende Offizier ließ den Fra

Diavolo nach kurzem Befragen samt seiner Eskorte vorüber, und die

angebliche Bürgergarde marschierte mit erhobenem Haupt durch die Reihen

der Kavallerie. Kaum waren sie ein paar hundert Schritte entfernt, so

schlugen sie einen Seitenweg ein, erklommen eine steile und gesträuchige

Anhöhe und gaben sogar eine Decharge gegen die langsam dahinreitende

Kavallerie, welcher der Brigantenchef nun hohnlachend und mit lauter

Stimme zurief: »Ich bin Fra Diavolo!« -- Der kommandierende Offizier

ärgerte sich, und seine Leute lachten über den Streich, den man ihnen

gespielt hatte. Ersterer wollte einen Teil derselben absitzen lassen, um

die Räuber zu verfolgen, diese hatten sich jedoch schnell, nachdem sie

abgefeuert, ins unzugängliche Dickicht geflüchtet. Auch seinen andern

Verfolgern, die seine Spur verloren hatten, entging er und würde sich

vielleicht gerettet haben, hätte er nicht die Unvorsichtigkeit begangen,

in der Nacht ein Feuer anzuzünden, was die Truppen aufmerksam machte und

ihnen seinen Aufenthalt verriet. Die korsischen Jäger rückten nun

möglichst unbemerkt heran und suchten ihn zu umringen, aber ehe dies

noch vollständig geschehen, wurden sie von den Briganten bemerkt, die

aufsprangen; die Jäger gaben nun eine Decharge, welche mehrere derselben

und den Fra Diavolo selbst verwundeten, dem es dennoch gelang, sich

durch eine abermalige Flucht zu retten; ganz allein eilte er jetzt auf

dem Weg nach Salerno davon, in der Hoffnung, an der Küste eine Barke zu

finden und mit deren Hilfe auf der See zu entkommen; auch jetzt noch von

den Bürgergarden verfolgt, entging er diesen nur mit genauer Not.

Die Nächte waren schon kalt und die Spitzen der Berge mit Schnee

bedeckt; der zweimal verwundete arme Bruder Teufel, seit zwei Monaten

rastlos herumgejagt, hatte den ganzen Tag nichts zu sich nehmen können

und war durch Müdigkeit und Blutverlust völlig erschöpft, als er an die

einsam stehende Hütte eines Hirten kam. Nachdem er sich überzeugt hatte,

daß dieser allein war, bat er ihn um ein Nachtquartier. Er brachte von

demselben heraus, daß sich in der Gegend weder Truppen noch Insurgenten

befanden und erstere sich niemals bis hierher verirrten; er legte nun

seine Waffen ab, wärmte sich bei einem Kohlenfeuer und aß, während er

ruhte, einige am Feuer gebratene Maronen und Bataten (ein sehr

nahrhaftes, kartoffelähnliches Knollengewächs, das in jener Gegend

häufig wächst) und schlief darauf ruhig auf dem Boden an dem Feuer ein.

Sein Unstern aber wollte, daß gerade in dieser Nacht vier wohlbewaffnete

Räuber mit Gewalt in die Hütte des Hirten drangen, und diesem wie dem

von ihnen nicht gekannten Fra Diavolo befahlen, sich mit dem Gesicht auf

die Erde zu werfen, ihnen beiden bei Todesstrafe geboten, nicht

aufzublicken, sich dann in Besitz alles dessen setzend, was sich vorfand

und ihnen anstand. Fra Diavolo wagte es nicht, sich zu erkennen zu

geben, und die Räuber nahmen seine Waffen mit sich fort.

Bald darauf, nachdem sie weg waren, verließ auch er die Hütte, in der er

sich nicht mehr sicher glaubte, und irrte wieder in dem waldigen Gebirge

umher, bis ihn seine Wunden so sehr schmerzten, daß er kaum mehr

fortkonnte und froh war, als er in einiger Entfernung ein Licht

erblickte, zu dem er sich hinschleppte. Es war das Städtchen San

Severino, in dem der Apotheker soeben seine Bude öffnete, als Fra

Diavolo ankam und sich auf einen Stein vor dessen Haus setzte. Er war

erstaunt, bei dieser Kälte und um diese Zeit einen Menschen auf offener

Straße sitzend zu finden. Auf sein Befragen sagte der Brigantenchef, er

komme eben aus Kalabrien und erwarte noch Landsleute, mit denen er

zusammen nach Neapel gehen wolle. Der Apotheker schöpfte jedoch

Verdacht, da der Unbekannte einen andern Akzent als die gewöhnlichen

Kalabresen hatte, lud ihn ein, in seine Bude zu treten, wo er ihm, um

ihn treuherzig zu machen, ein Glas Branntwein einschenkte. Aber während

dies der Räuber trank, schickte er sein Mädchen heimlich fort, einen

Gendarmen zu holen. Bald darauf trat einer dieser Packfesten ein und

begehrte die Papiere des Fremden zu sehen, da er sich aber über seine

Person nicht gehörig ausweisen konnte, sagte ihm der Gendarm, daß er ihm

nach Salerno zu seinem Eskadronschef folgen müsse. Hier wurde er zu

demselben, der zugleich Platzkommandant von Salerno war und Farrino

hieß, geführt und wußte sich so gut auszureden, daß er auf dem Punkt

war, wieder auf freien Fuß gestellt zu werden, als unglücklicherweise

für ihn ein neapolitanischer Sappeur, der ihn sogleich erkannte, mit dem

Ausruf: »Ah, der Fra Diavolo!« in das Zimmer trat. Dieser will zwar

seine Person verleugnen, aber der Sappeur gibt solche Kennzeichen an,

die alles Leugnen unnütz machen, und endigt mit den Worten: »Ich muß

Euch doch wohl kennen, ich habe ja so oft das Gewehr vor Euch

präsentieren müssen.« Nun wurde er auf der Stelle mit Ketten geschlossen

und unter einer starken Bedeckung nach Neapel abgeführt. Hier bemühten

sich mehrere Personen, sogar französische Generäle, seine Begnadigung

auszuwirken. Sie wollten, daß er als Kriegsgefangener behandelt werden

sollte, aber vergeblich, und zwar mit Recht, denn wenn man seine

Feindseligkeiten gegen die neue Regierung auch ganz und gar als

rechtmäßig betrachten will, so verdienten doch seine Mord- und

Greueltaten als Räuber längst den Tod. Er war schon unter der vorigen

Regierung als Mordbrenner und Straßenräuber von den Gerichten zum Strang

verurteilt, und es war ein Preis auf seinen Kopf gesetzt worden. Das

ärgste bei der Sache war, daß die Engländer, die fortwährend im Golf von

Neapel kreuzten und von allem unterrichtet waren, ihn, als sie seine

Gefangenschaft erfuhren, durch einen Parlamentär als englischen Major

reklamierten. Eine große Ehre für die englische Armee! -- Salicetti, der

damals Polizeiminister in Neapel war, ließ auf dieses Ansinnen erwidern,

>es tue ihm unendlich leid, allein man wisse von gar keinem Major in

englischen Diensten, der in Gefangenschaft geraten sei, habe auch keinen

solchen ausfindig machen können; verstehe man aber einen gewissen

Banditen darunter, der weder eine militärische noch politische Charge

bekleide und unter dem Namen Fra Diavolo bekannt sei, so sei dieser

vermöge eines noch unter dem König Ferdinand von den Gerichten gefällten

Urteils, das ihn als Mordbrenner, Räuber, Schmuggler und Dieb bezeichne,

zum Tode verurteile, schon Tags vorher hingerichtet worden<. --

Salicetti hatte sich beeilt, ihn vermöge dieses Urteils hängen zu

lassen, und ich sah ihn zum ersten- und letztenmal auf der Galgenleiter,

die er entschlossen bestieg. Er wurde gleich den andern vom Henker zu

Tode geritten, war von kleiner, untersetzter Statur, hatte aber einen

starken und nervigen Knochenbau, ein scharfes, durchdringendes Auge und

dabei etwas Wildes und Grausames in seinen Zügen. Sein von mir

gefangener Adjutant wurde gleichfalls gehenkt, und viele Exekutionen

fanden jetzt überhaupt täglich vor dem Castel nuovo statt.

Namenregister.

Erster Band.

Artois, Graf 25

Barras 233, 257

Bernard, Gebrüder 90 f.

Bettina, Brentano 98 f.

Blanchard, Luftschiffer 12 f.

Böhmer, Doktor 44

Braunschweig, Herzog von 29 f., 43

Breidenstein, Pfarrer 72 f.

Cartaux, General 255 f.

Chastteler, Marquis von 152

Cüstine, General 31 f.

Dillon, General 30

Doppet, General 256

Dügommier, General 256

Esterhazy, Fürst 24

Fahrtrapp 2 f.

Fiesco, Graf 284 f.

Fra Diavolo 395, 402 f., 413 f.

Franz II. 19 f.

Friedrich Wilhelm II. 42 f., 52

Goethe 114

Goethe, Frau Rat 2, 6 f., 99

Helden, General 39 f.

Hessen-Kassel, Erbprinz von 135 f.

Hessen-Kassel, Landgraf von 38

Hessen-Philippsthal, Prinz von 354, 357 f., 403

Homburg, Friedrich V. von 74, 75

Hood, General 258

Hügo, General 402 f.

Joseph Bonaparte 353, 362, 365, 368 f., 404

Jourdan, Marschall 367

Jung, Hofrat 106, 142 f., 146 f.

Kalkreuth, General 40

Kleber, General 59

La Roche, Sophia 98, 109

Latour d'Auvergne 137-138, 414

Lefevre, General 137

Massena, Marschall 396 f.

Moritz, Bankier 361 f.

Mürat 294, 375, 378

Napoleon 153, 254 f., 353, 387

Neapel, Ferdinand IV. von 353, 362, 394

Neapel, Karoline von 362, 382, 403, 404

Neuwinger, General 33

Pappenheim, Graf von 19

Petroli 379

Pius VII. 336, 348

Quesnel 234 f.

Regnier, General 353 f., 380, 383

Rothschild, Mayer Amschel 20

Salicetti 418

Scherer, Hofrat 89

Schiller 115

Schinderhannes (Joh. Bückler) 101 f.

Scholze 3 f., 65 f., 72 f.

Scholze, Henriette 65 f., 73 f.

Schulter, Oberst 2 f.

Sidney Schmidt, Admiral 357, 394

Staël, Frau von 115 f.

Stark, Pastor 3

Stuart, General 384, 387

Verdier, General 393 f.

Voltaire 9 f.

Wartensleben, General 59

Weller 2 f., 99

Weller, Fritz 48 f., 107

Willemer 109

Zink, Konrektor 86

Vierzig Jahre aus dem Leben eines Toten. Band 1 Hinterlassene Papiere eines französisch-deutschen Offiziers · 第 24 / 25 题