I.
Eine Taufe. -- Frau Rat Goethe. -- Voltaire in strengem 1-16
Arrest zu Frankfurt am Main; seine Perücke. -- Der erste
Luftschiffer in Deutschland. -- Sonderbarer
Zwischenfall. -- Blanchard werden fürstliche
Ehrenbezeigungen zuteil
II.
Kleinkinderjahre mit großen Episoden. -- Die letzte deutsche 17-29
Kaiserkrönung (Franz II.). -- Die französischen
Emigranten. -- Die Frankfurter Juden. -- Der alte
Rothschild und sein Vater
III.
Die Neufranken in Frankfurt. -- Cüstine. -- Die 29-39
Kontribution. -- Die Mainzer Revolution
IV.
Wiedereinnahme Frankfurts durch die Preußen und Hessen. -- 39-51
Franzosen durch den Pöbel niedergemacht. -- Schreckliche
Lage der Frankfurter Abgeordneten zu Paris, aus der sie
mein Oheim befreit. -- Eindruck, den die Nachricht von
der Hinrichtung Ludwigs XVI. macht
V.
Aufenthalt des Königs von Preußen und seiner Garde in 52-71
Frankfurt. -- Spielwut der Offiziere. -- Ein Jude muß
einen Wechsel fressen. -- Eine Entführung. -- Errichtung
einer stehenden Bühne in Frankfurt. -- Die erste
Vorstellung der Zauberflöte erregt ungeheures Aufsehen.
-- Abermalige Belagerung Frankfurts (1796). -- Die Stadt
wird mit glühenden Kugeln beschossen. -- Niederbrennen
der Hälfte des Judenquartiers. -- Frankfurter Zustände
jener Zeit. -- Meine schöne Cousine. -- Eine Scheidung.
-- Eine Hochzeitsreise mit Unannehmlichkeiten in
Stuttgart
VI.
Das Institut zu Homburg vor der Höhe. -- Die Flegeljahre. -- 72-88
Homburg und seine Umgebungen. -- Der Hof. -- Eine
Schweinsjagd im Schloßgarten und eine Schildwache im
Teich. -- Eine kaiserliche Stecknadel
VII.
Das Pensionat zu Offenbach. -- Die Gebrüder Bernard. -- Eine 89-117
große Prellerei. -- Das Puppenspiel. -- Der
Konfirmationsunterricht. -- Schinderhannes gefangen und
hingerichtet. -- Allerlei Amoretten. -- Ich will mich
schlechterdings dem Theater widmen. -- Eine Reise nach
Weimar. -- Goethe und Schiller
VIII.
Abermaliger Aufenthalt in Homburg vor der Höhe. -- Diverse 118-139
Amoretten. -- Ich gebe den Schauspieler auf, um Soldat
zu werden. -- Glänzende Folgen einer Ohrfeige. -- Eine
Hanauer Zopfparade. -- Ich trete in französische Dienste
IX.
Mainz; seine Geschichte. -- Ich werde zu dem Regiment Y. 139-154
versetzt. Formation desselben. -- Die Familie Jung. --
Die Mitternachtsmessen. -- Eine tödliche Krankheit. --
Das Regiment erhält Ordre, nach Toul zu marschieren. --
Ich gehe zu meiner Wiederherstellung auf Urlaub. --
Chasttelers Mätresse, und eine Nacht im Bären. --
Napoleon hält eine Revue in Mainz. -- Ich bekomme einen
Transport Rekruten nach Toul zu führen
X.
Marsch von Mainz nach Toul. -- Abscheuliche Zusammensetzung 154-172
des Transports. -- Oppenheim. -- Worms. -- Desertion und
Diebereien. -- Die Pfalz. -- Dürkheim. --
Kaiserslautern. -- Die Familie Karcher. -- Landsstuhl.
-- Homburg. -- Saarbrücken. -- Eine getröstete
Strohwitwe. -- St. Avold. -- Courcelle. -- Ein
schmutziger Vorfall. -- Metz. -- Ich werde in das
Militärgefängnis gesetzt. -- Spitzbübereien des
Quartiermachers. -- Die Sehenswürdigkeiten von Metz. --
Pont à Mousson. -- Ankunft in Toul
XI.
Die Garnison zu Toul. -- Ich werde Kadett-Sergeant. -- 173-190
Schlechte Administration und Organisation des Regiments.
-- Schlimmer Ruf desselben. -- Aufstand wegen des
Handgeldes. -- Deutsches und französisches
Liebhabertheater. -- Nancy. -- Eine Entführung. -- Ich
werde Vorleser beim Fürsten und erhalte Arrest. -- Ein
Duell im Mondschein. -- Eine Klopffechterei. -- Abmarsch
nach Avignon
XII.
Colombey. -- Neufchateau. -- Ein greulicher Vatermord. -- 191-225
Montigny. -- Komisches Mißverständnis. -- Langres. --
Dijon. -- Chalons sur Saone. -- Wasserfahrt auf dem
Coche d'Eau. -- Eine Nacht in Macon. -- Lyon. -- Ein
vereitelter Gaunerstreich und beigelegtes Duell. -- Das
Regiment wird auf der Rhone eingeschifft. -- Vienne. --
Condrieux. -- Schiffbruch unter der Brücke St. Esprit.
-- Orange. -- Avignon. -- Aufenthalt daselbst. -- Die
Insel Bartelasse. -- Villeneuve. -- Madame Croizet und
die Prozession. -- Eine Tour nach Vaucluse. -- Ewiger
Friede. -- Eine gefährliche Überrumpelung. -- Abmarsch
nach Montpellier. -- Tarascon. -- Böses Volk. -- Eine
entwaffnete Wache. -- Ein Schäferturnier. -- Nimes. --
Lünel. -- Montpellier
XIII.
Die Garnison zu Montpellier. -- Der Peyron. -- Furcht der 225-270
Soldaten vor der medizinischen Fakultät. -- Die
Einwohner. -- Meine Hausdamen. -- Demoiselle Verteuil.
-- Fürst Y. mein Nebenbuhler. -- Ich falle in Ungnade.
-- Die Fahnenweihe. -- Der souveräne Fürst in strengem
Arrest. -- Folgenschwerer Ritt nach Cette. -- Nächtliche
Spazierfahrt auf der See. -- Auch ich in strengem Arrest
und verliere meinen Grad als Sergeant. -- Ich werde
Unterleutnant. -- Abmarsch nach Toulon. -- St. Remy. --
Orgon. -- Aix. -- Das Fronleichnamsfest daselbst. --
Arles. -- Toulon. -- Stadt und Hafen. -- Das Arsenal. --
Die Galeerensklaven. -- Wiedereinnahme von Toulon durch
die Republikaner (1793). -- Bonaparte tut sich zuerst
hervor. -- Verbrennung der französischen Flotte und des
Arsenals. -- Verheerung der Stadt. -- Rauferei mit einem
Marine-Offizier. -- Ein Skandal im Theater. -- La Seine.
-- Die Familie Guige. -- Eine Hochzeit auf der Insel
Porquerolles. -- Abmarsch nach Genua
XIV.
Marsch von Toulon nach Genua. -- Lüc. -- Frejus. -- Cannes. 271-282
-- Die lerinischen Inseln. -- Madame Grenet. -- Nizza.
-- Landsleute. -- Seefahrt von Nizza nach Genua. --
Finale. -- Savona. -- Der Anblick Genuas vom Golf aus
gesehen
XV.
Beschreibung Genuas. -- Besuch bei einem Grafen Fiesco. -- 283-324
Ein sauberer Kanonikus. -- Soiree bei Dorias. -- Ein
italienischer Sprachlehrer. -- Die Marchesa P... und ihr
Cicisbeo. -- Signora Peretti. -- Mozarts Don Juan wird
zuerst durch mich in Genua bekannt. -- Die
Militärmessen. -- Komisches Mißverständnis. -- Ein
gefälliger Gitarre-Lehrer. -- Ein Mordanfall. --
Maskenfest bei Dorias mit einer Episode. -- Abmarsch von
Genua
XVI.
Marsch von Genua nach Mola di Gaëta. -- Beschwerliche 324-354
Märsche durch das Gebirge. -- Der Anblick von Italiens
Ebenen. -- Parma. -- Reggio. -- Modena. -- Bologna. --
Eine liebenswürdige Advokatenfamilie. -- Faenza. --
Forli. -- Cesena. -- Rimini. -- San-Marino. --
Sinigaglia. -- Loretto. -- La Casa-Santa und ihre
Schätze und Reliquien. -- Macerato. -- Foligno. --
Spoleto. -- Terni. -- Der Wasserfall. -- Narni. --
Civita-Castellana. -- Roms Umgebung. -- Ein Tag in Rom.
-- Marsch nach Mola di Gaëta. -- Besitznahme des
Königreichs Neapel durch die Franzosen
XVII.
Die Belagerung von Gaëta. -- Mola di Gaëta. -- Abmarsch nach 354-380
Neapel. -- Sessa. -- Ein Dominikanermönch verführt zwei
Korporale. -- Capua. -- Aversa. -- Neapel. -- Vetter
Moritz. -- Der neue König und seine Regierung. -- Das
Blut des heiligen Januarius wird zugunsten der Franzosen
flüssig. -- Scheußliche Exekutionen. -- Der Vesuv speit
Feuer. -- Die Lazzaroni. -- Die italienischen
Benefizvorstellungen. -- Aufstand in Kalabrien. --
Abmarsch dahin
XVIII.
Erster Feldzug in Kalabrien. -- Portici. -- Salerno. -- 380-418
Eboli. -- Cosenza. -- Die Schlacht bei Maida. --
Scheußliche Behandlung und Martern der den Briganten in
die Hände gefallenen Gefangenen. -- Die schrecklichsten
Augenblicke meines Lebens. -- Gräßlicher
Insurgentenkrieg und Verwüstungen. -- Fra Diavolo. --
Ich nehme seinen Adjutanten gefangen. -- Seine
Galanterie gegen zwei französische Offiziersdamen. --
Rückkehr nach Neapel. -- Fra Diavolos Gefangennehmung
und Hinrichtung
Einleitung.
Es gibt heute nichts, was höher im Kurs stände, als die Tatsache. Die
knappen Berichte des deutschen Hauptquartiers, die in wenigen, genauen
Worten den jeweiligen Stand der größten Erschütterung aufzeichnen, die
die Welt je erlebt hat, sind gepreßt voll mit Tatsachen, zwischen denen
keine Watte von Gefühl, Betrachtung, Ausmalung liegt. Die genaueste
Projizierung vom Geschehnis ist uns heute die liebste, weil sie die
reinlichste Aufzeichnung unserer Schicksalslinie darstellt. Was könnte
ein anderer hinzutun, das wir selber nicht tiefer und inniger empfänden!
Aber als Ergänzung dieser gewaltigen Nüchternheit, die das Gesamtbild
haben muß, ist uns die Darstellung des einzelnen Erlebnisses willkommen,
in dem wir die Anfänge der großen Dinge spüren und sehen. Die Tatsache
ist das Entscheidende; aber ihre Farbe und manchmal ihre Bedeutung
erhält sie dadurch, daß sie in Handlung oder im Unterlassen des
einzelnen Menschen wurzelt, ein einzelnes Menschenschicksal ist!
Hier ist ein Buch, das solch ein einzelnes Menschenschicksal erzählt, in
dem sich aber der Zusammenbruch der alten Welt in den Revolutionsjahren
und der Aufstieg der neuen in Napoleon spiegelt, bis auch das Erdbeben
und sein Sohn keine Faktoren eines weltpolitischen Lebens mehr sein
konnten, sondern ihren Platz nüchternen, aber gewaltigen Erscheinungen
abtreten mußten: der allgemeinen Wehrpflicht, dem allgemeinen
Stimmrecht, dem neuen Nationalstaat.
Aber dies Buch eines französisch-preußischen Offiziers erzählt eben
nicht von hoher Warte, sondern aus dem Gewimmel der vielen heraus, in
dem hier und da der Siebenmeilenschritt des kleinen Korporals auftaucht.
Ein Mann erzählt ein ungewöhnliches, aber auch unbekanntes Leben, Jahr
für Jahr, Woche für Woche, von seiner Kindheit in Frankfurt am Main,
über der, landsmännisch respektlos behandelt, der Name Goethe steht, von
seinem Eintritt in die glorreiche Armee, seinen Feldzügen in Italien,
Spanien, im Balkan und auf Korfu, von der preußischen Dienstzeit mit
Drill, Langerweile und letzten Erinnerungen an den Gamaschendienst, und
schließlich von einem freien Vagabondieren durch ganz Europa, das
Deutschland des Frankfurter Bundestags und das Frankreich Ludwigs
XVIII., um dessen zerbrechliche Herrlichkeit immer noch das Gespenst des
verbannten Napoleon spukt. Ja, als der Verfasser in seine Heimatstadt
zurückgekehrt ist und langsam in die Glorie des stimmberechtigten
Bürgers einrückt, taucht noch einmal die bestimmende Gestalt seines
Lebens auf: der Kaiser! Er hat ihn bewundert, aber nie geliebt; noch
weniger liebt er seine Kerkermeister, die Engländer. So wird er das
tätigste Mitglied einer bonapartistischen Konspiration, die den
Gefangenen von Sankt Helena mit einem märchenhaften, unwahrscheinlichen
und heut, hundert Jahre später, uns so geläufigen Mittel befreien will:
mit einem Unterseeboot. Aber der Kaiser stirbt, eh das Wunder
verwirklicht werden kann. Und die Welt geht, des Gigantenkampfs müde, zu
neuen, etwas muffigen und saftlosen Spielereien über. Das Leben eines
Toten kehrt in die Niederungen zurück.
Fünfundzwanzig Jahre durchstreift der Frankfurter Bürgersohn, der mit
seinem wahren Namen Friedrich hieß, Europa, und fünfundzwanzig Jahre
lang ist ihm Feldzug und Reise fast nichts anderes als der Flug von
einer Frau zu einer anderen Frau. Er wird wohl ein wenig übertreiben;
aber selbst nach dem Abzug eines mäßigen Prozentsatzes bleiben noch
soviel galante Abenteuer über, wie sich sonst nur bei Casanova finden
lassen. Und die erzählt er nun mit heller Freude und dem ausgesprochenen
Genuß des Nachkostens. Er erlebt all die Frauen noch einmal, die er in
Quartieren und im Salon errungen hat, und vergißt bei keiner, die
Beweise seiner Kraft aufzuzählen. Allerdings, mit tiefschürfender
Psychologie gibt er sich dabei nicht ab. Er ist auch hier ein
unbedingter Anhänger der Tatsache und weiß sich nichts Amüsanteres, als
den Weg zu ihr möglichst genau darzulegen. Er kennt hundert Arten der
Verführung, und die Frauen, denen er begegnet, kennen, -- das muß man
zugeben -- hundert und eine Art, sich verführen zu lassen. Von der
Fürstin bis zum Dienstmädchen kennt er die ganze weibliche Klaviatur des
damaligen Europa, und (er ist auch ein großer Musiker) seine
Lieblingsoper, die damals noch kaum über Österreich und Deutschland
hinausgedrungen war, ist natürlich der unsterbliche Don Juan. Er weiß
die Schönheit Mozartscher Musik wohl zu erfassen. Aber ganz
uneigennützig ist seine Propaganda für den Meister doch nicht, denn
seine größten Liebes-Triumphe erringt er immer wieder durch das Duett
Don Juans, das er mit geschickten Impromptus mit der Erkorenen
durchnimmt.
Aber die Abenteuer des Toten spielen sich im Rahmen napoleonischer
Heerzüge ab! Es sind Feldpostbriefe aus einer Zeit, wo die
Kriegsschauplätze so zahlreich waren wie heute. Allerdings muten uns
diese Kämpfe, neben dem eisernen, zerfleischenden Ringen von heut, wie
Scharmützel an, die mehr jugendlichem Tatendrang als weltgeschichtlicher
Notwendigkeit zu entstammen scheinen. Seltsam liest sich die bunte
Schilderung des Kleinkriegs am Ende des italienischen Stiefels, Sizilien
gegenüber, wo die Engländer in schöner Skrupellosigkeit Tag und Nacht
neapolitanische Banditen an Land setzen und mit ihrer Flotte den
Franzosen das Leben sauer machen. Die Freunde von heute benutzten damals
schon Mittel gegeneinander, die sie heut kräftig miteinander gegen uns
ins Werk zu setzen trachten, und gaben einander an Sorglosigkeit in der
Wahl der Kampfmethoden nichts nach; das beweist vor allem die
ausführliche Schilderung der Land- und Seeschlacht bei Toulon. Aber viel
interessanter ist noch der Einblick in das Napoleonische Weltgebäude,
das wir in der großen Geschichte sozusagen nur in der Verschalung kennen
lernen, während es hier bloßgelegt wird, mit dem Wurm im Gebälk und
flüchtig nur aufgenagelten Sparren. Was wissen wir von Napoleons Glück
und Ende? Daß er etwa 1805 auf dem Gipfel seiner Macht stand, 1814 Land
und Krone verlor, zurückkehrte und am 16. Oktober 1815 als Gefangener
auf Sankt Helena landete. Hier aber, aus dem Leben eines Toten, erfahren
wir von einem höchstbeteiligten Augenzeugen, wie es um das Weltreich,
auch zur Zeit der größten Blüte, bestellt war. Wir erleben mit, wie kaum
ein Quadratmeter ruhig und sicher gewesen ist, wie auch in den
unterworfensten Städten und Ländern die Empörung züngelte und
emporschlug und ständige, blutige Gewaltherrschaft nötig war, um den
Schein der Macht nach außen aufrecht zu erhalten. In Neapel, Rom,
Venedig, Wien, Madrid, an allen Enden Europas war die Unsicherheit
napoleonischer Größe dieselbe. Gewiß, unser Gewährsmann ist ein ganz
kleiner Leutnant, aber er kommt überall hin, er ist, wenn auch ein
unbedeutendes, so doch ein Glied der Herrscherkaste, er findet seinen
Weg immer im Umkreis der Fußstapfen des Titanen, und siehe da: auch
_dieser_ Koloß hat tönerne Füße. Nirgends ist seine Herrschaft
anerkannt, nirgends an der Peripherie klappen die militärischen Dinge so
richtig, nirgends kommt die Verpflegung und der Sold zur rechten Zeit,
für nichts hat Napoleon die Zeit sachgemäßer Maßregeln: er dekretiert
und sehr oft so, daß seine glühenden Anhänger zu seinen Gegnern werden
müssen, weil seine Anordnungen für das betreffende Gebiet tödlich
wirken. Tragisch geradezu und in ihrer Komik doch wieder lächerlich
wirkt die Liquidation dieses größten Weltreichs. Unser Erzähler sitzt
strafversetzt auf Korfu, von der Welt durch die englische Flotte
abgesperrt. Und während die Menschheit den Sturz Napoleons tragödienhaft
nach der Völkerschlacht bei Leipzig erlebt, nimmt er auf Korfu die
Gestalt einer ganz gewöhnlichen Geldklemme an, bis schließlich die
Engländer, Wochen nach Napoleons Ende, auch auf der kleinen Insel mit
einer längst operettenhaft gewordenen Weltherrschaft Schluß machen. Die
kleine preußische Garnison, die unsern Helden später aufnimmt, kann
natürlich nach den Abenteuern einer zehnjährigen Kriegszeit nicht gut
wegkommen. Der große Schwung der Befreiungskriege ist verflogen, die
heilige Allianz lastet auf Preußen, der Garnisondienst ist noch nicht so
recht der allgemeinen Wehrpflicht angepaßt, wenn auch die Fuchtel
verschwunden ist. Langsam erst konnte aus der Enge von Provinz und Drill
das herauswachsen, was damals in den Windeln lag und heut unser aller
Rettung und Stolz ist: das deutsche Volksheer!
Die Zeit vor hundert Jahren in einem deutschen Spiegel! Die Zeit, in der
die Wurzeln der unseren ruhen! Der Held erlebt sie, wie kaum ein
anderer, in fremder Uniform wie so viele, aber mit unverfälschtem Blick
für die Not seines Vaterlandes. Was preßt sich alles in die
fünfundzwanzig Jahre seiner Wanderfahrt! Er erlebt die erste Aufführung
der Zauberflöte in Deutschland und bringt die erste des Don Juan in
Italien zustande; er verhaftet den guten Papst Pius VII. und beinahe den
nicht minder berühmten Fra Diavolo. Er ist der Liebhaber von Napoleons
schönster Schwester Pauline und drauf und dran, der Retter und Erlöser
des Gefangenen von Sankt Helena zu werden. Er ist -- und das ist das
Beste an ihm, dem flotten Erzähler, unermüdlichen Schürzenjäger, mutigen
Soldaten -- eine der typischen Gestalten, in denen sich deutsche
Tatenlust ins Weltgedränge mischte, seit Jahrhunderten fremde Geschäfte
besorgte und heut im mächtigen Rahmen deutscher Herrschaft und deutscher
Ausdehnung sich im eigenen Haus, am eigenen Werk betätigen muß!
April 1915.
Ulrich Rauscher.