Augenblicke -- hochgradiger Verstimmung geben, wo es als drückende Last
empfunden wird, aneinandergefesselt zu sein. Über solche unglückliche
Störungen werden jene Gatten am leichtesten hinwegkommen, die keusch in
die Ehe eingetreten und einander treu geblieben sind. Der Liebesgenuß,
den sie ausschließlich beieinander zu suchen und zu finden gewohnt
sind, ist etwas unendlich Süßes, das sie immer wieder zusammenführt und
versöhnt.
Alles in allem genommen ist die Ehe der richtige Boden für heiteres
Gedeihen von Mann, Weib und Kind, und gehen diejenigen nicht irre, die
sich nach der Ehe sehnen und nach ihr trachten!
Wie wenig wissen überhaupt diejenigen, welche immer nur an die
körperliche Schönheit des jungen Weibes und an den physischen
Geschlechtsgenuß denken und welche die Menschen bejammern, daß sie
durch Gesetz und öffentliche Meinung im geschlechtlichen Verkehr auf
ein einziges Individuum beschränkt werden, von dem Glücke, das aus dem
+seelischen+ Unterschiede und der +seelischen+ Anziehung von Mann und
Weib zu erwachsen vermag! Wie bedauernswert sind diejenigen, die im
Weibe nur das jagdbare Wild sehen, an dem man seine Stärke und seine
List übt und an dem man, wenn man es gefangen hat, als Tier mit dem
Tiere seinen physischen Drang befriedigt, solange einem dies Spaß
macht! Sie ahnen nicht, daß auf der Grundlage gegenseitiger Achtung,
Treue und Güte zwischen Mann und Weib ein Bund der Kameradschaft und
Freundschaft entsteht, der, indem er Leib +und+ Gemüt befriedigt,
weit höhere und dauerhaftere Glücksgefühle bereitet als der rasch
verfliegende Rausch der Brunst.
Der erwachende Jüngling betrachtet das Weib, dessen Leib und Seele dazu
geschaffen ist, Mutter zu werden, mit Ehrfurcht; mit jener Ehrfurcht,
die er seiner eigenen Mutter widmet, die ihn geboren, gesäugt und
aufgezogen hat. Möchte er doch diese Empfindung, stark und rein,
unbefleckt durch gemeinen Genuß, in die Ehe hinübernehmen. Dann wird
diese an ihm das Dichterwort völlig wahr machen können. „Das ewig
Weibliche zieht uns hinan!“
Mit diesen Worten soll keineswegs eine blinde Schwärmerei für das
Weib in der Wirklichkeit erweckt werden. Nur allzu viele Weiber haben
recht wenig „Ewigweibliches“, dafür aber ein ausgiebiges Maß von
„Allzuweiblichem“ in sich, geradeso wie die meisten Männer Mangel
an „Ewigmännlichem“ und Überfluß an „Allzumännlichem“ leiden. Aber
durch gewissenhafte Arbeit kann aus wenigem viel und aus viel wenig
gemacht werden. Je höher das Ziel ist, nach dem wir streben, um so
Höheres werden wir erreichen. Wer einem anderen Menschen von vornherein
zeigt, daß er ihn keiner höheren Leistung für fähig hält, wird ihn
auch niemals zu einer solchen bringen. Je reiner und edler das Ideal
der Weiblichkeit ist, das der Mann erträumt und ersehnt, je größeres
Vertrauen er in die Fähigkeit der Frau setzt, sich diesem Ideale zu
nähern, um so besser wird es ihm gelingen, die vorhandenen Keime
des Ewigweiblichen im Weibe zu wecken. Je niedriger er die Frau von
vornherein bewertet, um so mehr Niedriges wird er auch in ihr finden.
Der Mann vergesse nie, daß er zur Führerschaft berufen ist, und daß,
wenn er als Führer versagt, das ganze Volk in die Irre gehen muß.
Natürlich gilt ganz Ähnliches wie von dem Einflusse des Mannes auf die
Frau auch vom Einflusse der Frau auf den Mann. Kaum etwas spornt den
Mann mehr zur Tat als der Beifall der Frau. Nicht als Kämpferin auf dem
Kampfplatz der Männer, aber als +Kranzspenderin+ lenkt die Frau die
völkische Entwicklung mit. Wenn sie nur dem +edlen+ Wettstreit ihren
Beifall spendet, nur +nützliches+, +tüchtiges+ und +rechtschaffenes
Handeln+ belobt und belohnt, leistet sie ihrem Volk den besten
Dienst. Der Adel ihres Wesens und Verhaltens bestimmt den Adel ihres
Hauswesens, die Gesittung ihrer Familie.
Die Macht der Frau als Gattin und Mutter ist so groß, daß sie mitten
in einer Wüste von Dummheit und Ichsucht, an deren Urbarmachung die
treueste Arbeit des Mannes scheitert, eine Oase von Seelenhoheit und
Glück zu schaffen vermag, -- wenn sie nur selbst ein reines Herz
besitzt! Nur der Umstand, daß in der modernen Frauenbewegung alte
Jungfern das große Wort führen, die infolge ihres bedauerlichen
Schicksals von der Größe und Herrlichkeit des wahren Frauenberufes
nichts ahnen, macht es verständlich, daß die „moderne Frau“ das
Reich der Ehe und Familie, wo die Frau als Verwirklicherin des
Ideals edler Menschlichkeit den Kreis ihrer Lieben beglücken und
dadurch unberechenbare Fernwirkungen ausüben kann, als Gefängnis
haßt und verachtet und mit unbelehrbarer Leidenschaftlichkeit in die
unerfreuliche Welt des Mannes hineindrängt, um dort auf seinen Wegen
kümmerlich dahinzukriechen. Dorthin, wo ein -- wenn auch kleines --
Reich dauernden Friedens bestehen kann, trägt die „Emanzipierte“ mit
ihrer Selbstsucht Unruhe und Kampf; in der Welt des Mannes aber, für
welche Kampf und Krieg unerschütterliches Gesetz sind, will sie, in
der richtigen Einsicht, daß der Krieg die Unfähigkeit der Frau für
das Staatsleben zu völliger Nacktheit enthüllt, den „ewigen Frieden“
stiften, wobei sie nichts anderes erreichen kann, als den Herzen der
Männer Schwachheit, Wehleidigkeit und Feigheit einzuflößen.
Es gehört zu den größten Mängeln unserer gesellschaftlichen
Einrichtungen, daß sie der Mehrzahl erst lange nach Eintritt der
Geschlechtsreife das Eingehen der Ehe gestatten. +Wie viele könnten
aber auch unter den heutigen Verhältnissen längst die Wonnen
jugendkräftiger Liebe ohne Gewissensskrupel in der Ehe genießen, wenn
sie mit einem bescheidenen Haushalte zufrieden wären, wenn nicht
der Hang nach trägem Wohlleben und nichtigem Luxus oder töricht
überspannter Ehrgeiz sie von der Ehe zurückschrecken würde!+
* * * * *
Ich bin am Schlusse meiner Erörterungen angelangt. Aus der
ungeschminkten Darstellung der Wirklichkeit ergeben sich ungezwungen
die Folgerungen. Die Hygiene kommt zu ganz denselben Forderungen
wie die Moral. Die oberste Forderung ist: +daß jeder seinen
Geschlechtstrieb beherrschen lernen muß+! Enthaltsamkeit von allen
geschlechtlichen Genüssen bis zum Eintritt der vollen Geschlechtsreife
und bis zur Vollendung des eigenen Wachstums! Befriedigung des
Geschlechtstriebes ausschließlich in der Ehe! Maßhalten im Genusse;
auch in der Ehe!
Die Zahl der Kinder darf man nicht so weit anwachsen lassen, daß es der
Familie unmöglich wird, sie zu ernähren und aufzuziehen.
Die Erzeugung von Kindern, die voraussichtlich krank oder minderwertig
geraten würden, muß unterlassen werden.
Dagegen hat der Gesunde und Tüchtige seinem Volke gegenüber
geradezu die Pflicht, zahlreiche Nachkommen zu erzeugen. Es ist
ein unersetzlicher Verlust für die Nation und eine Sünde an ihr,
wenn -- wie dies so häufig geschieht -- gerade geistig und sittlich
hochstehende und dabei körperlich gesunde Männer ehelos bleiben und
sich der Fortpflanzung enthalten, wenn so gerade der edelste Keimstoff
vergeudet wird! Heute mehr als je, da uns der Weltkrieg Hunderttausende
von Männern bester Art geraubt hat!
+Regelung des ganzen Geschlechtslebens im Dienste der Fortpflanzung!
Veredelung des rein tierischen Verkehrs zu einer sittlichen
Gemeinschaft!+
Dies ist das Ideal! Möge die Jungmannschaft ihm aus allen Kräften
nachstreben zum Wohle von Volk und Staat!
[Illustration]
Soeben erschien:
Hygiene der Nerven und des
Geistes
Von Prof. Dr. =Aug. Forel=
Vierte, verbesserte und erweiterte Auflage
348 Seiten mit Tafeln und Textbildern
Geheftet M 3.40 :: Gebunden M 4.20
Der berühmte Gelehrte räumt in diesem Werke mit den vielen landläufigen
Vorurteilen, all den bequemen Schlagwörtern von Modekrankheit,
von Überbürdung mit Arbeit u. a. und all den verkehrten Ansichten
über unsere Lebensweise gründlich auf. Seine Darstellung spricht
zum Verstande und zum Herzen, sie weist klar und sicher auf die
vielfältigen Ursachen der Nervosität hin und auf die Fehler, die
der Kulturmensch gewohnheitsmäßig Tag für Tag macht und dadurch
sein Nervenleiden selbst verschuldet. Der Verfasser zeigt Mittel
und Wege zur Gesunderhaltung der Nerven und zur Herbeiführung ihrer
Wiedergesundung. Die Darstellung der Nervenhygiene des Kindesalters,
die das Buch gibt, verdient die besondere Beachtung aller Kreise.
_Bücherei der
Gesundheitspflege_
········ Herausgeber: ········
Obermed.-Rat =Dr. F. v. Gußmann= und Geh. Medizinalrat =Prof. Dr.
M. Rubner= a. d. Universität Berlin
Die Bedeutung einer verständigen Gesundheitspflege erschließt sich
in neuerer Zeit immer weiteren Kreisen. Dem Laien, der sich über
ihre Aufgaben und Ziele genau unterrichten will, bietet sich in
der „Bücherei der Gesundheitspflege“ die beste Gelegenheit, über
alle Fragen der allgemeinen wie der speziellen Hygiene belehrt zu
werden. Die Arbeiten dieser Sammlung sind wahre Meisterstücke der
Volksaufklärungskunst. Wissenschaftlicher Ernst durchdringt ein jedes
der prächtigen Bücher. Klare, übersichtliche Anordnung des Materials,
deutliche, schöne Abbildungen, die berühmten Namen der Autoren, von
denen jeder eine Größe in seinem Fache ist, endlich der äußerst
geringe Preis lassen die „Bücherei der Gesundheitspflege“ ungemein
empfehlenswert erscheinen. Die Sammlung wurde auf der Ausstellung
für Wohlfahrts- und Gesundheitspflege in Berlin sowohl wie auf
der Allgemeinen hygienischen Ausstellung in Wien mit der goldenen
Medaille, und auf der Weltausstellung in Brüssel mit dem Ehrendiplom
ausgezeichnet.
-- Verzeichnis der erschienenen Bände nebenstehend. --
=Aufgaben, Zweck und Ziele der Gesundheitspflege= von Geh.
Med.-Rat Prof. Dr. Orth. Brosch. M --.80. Eleg. geb. M 1.--.
=Bakterien, Infektionskrankheiten und deren Bekämpfung= von
Hofrat Pro. Dr. Schottelius. Mit 33 Taf. Br. M 5.--. Eleg. geb. M
6.--.
=Gesundheitspflege im täglichen Leben= von Prof. Dr. Grawitz.
Brosch. M 1.50. Geb. M 2.--.
=Hygiene des Auges= von Prof. Dr. v. Sicherer. Mit vielen
Abbild. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25.
=Hygiene der Nase, des Rachens und des Kehlkopfes= von Prof.
Dr. Neumayer. Mit Tafeln und Abbildungen. Br. M 1.80. Geb. M 2.25.
=Hygiene der Zähne und des Mundes= von Prof. Dr. Port. Mit 4
Taf. u. Abbildungen. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80.
=Hygiene der Lunge= von Prof. Dr. v. Schrötter. Mit 18
Originalabbildungen. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25.
=Hygiene der Nerven und des Geistes= von Prof. Dr. Forel. Mit
4 Tafeln und 6 Textabbild. Brosch. M 3.40. Geb. M 4.20.
=Hygiene des Magens, des Darms, der Leber und der Niere= von
Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Ewald. Mit Tafeln und Illustrationen.
Brosch. M 2.--. Geb. M 2.50.
=Hygiene des Stoffwechsels= von Prof. Dr. Dennig. Brosch. M
1.20. Geb. M 1.50.
=Hygiene des Blutes= von Medizinalrat Dr. Walz. Mit 4 kol.
Abbild. Br. M 1.20. Geb. M 1.50.
=Hygiene des Herzens und der Blutgefäße= von Prof. Dr.
Eichhorst. Mit 9 Tafeln. Brosch. M 2.--. Geb. M 2.50.
=Hygiene der Haut, Haare und Nägel= von Prof. Dr. Riecke. Mit
17 Originalabbildungen. Brosch. M 2.40. Geb. M 3.--.
=Hygiene des Geschlechtslebens= von Obermedizinalrat Professor
Dr. v. Gruber. Mit 4 Taf. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80.
=Entstehung und Verhütung der menschlichen Mißgestalt= von
Prof. Dr. Lange und Prof. Dr. Trumpp. Mit 125 Abbildungen. Brosch.
M 1.60. Geb. M 2.--.
=Säuglingspflege und allgemeine Kinderpflege= von Prof. Dr.
Trumpp. Mit 35 Abbildungen. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25.
=Körper- und Geistespflege im schulpflichtigen Alter= von
Professor Dr. Trumpp. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80.
=Gesundheitspflege für Frauen und Mütter= von Prof. Dr. S.
Gottschalk. Mit 7 Tafeln und 32 Textbildern. Brosch. M 2.40.
Gebunden M 3.--.
=Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft= von Dr.
Jaerschky. Mit 42 Illustrationen. Brosch. M 1.60. Elegant geb. M
2.--. Übungstafeln apart M --.80.
=Körperpflege durch Wasseranwendung= von Prof. Dr. Rieder. Mit
10 Tafeln und 16 Textabbild. Brosch. M 2.40. Eleg. geb. M 3.--.
=Hygiene der Kleidung= von Prof. Dr. Jaeger und Frau Anna
Jaeger. Mit 94 Abbildungen. Brosch. M 2.50. Geb. M 5.--.
=Nahrungsmittel- u. Ernährungskunde= von Geh. Medizinalrat
Prof. Dr. Rubner. Mit viel. Tabellen. Brosch. M. 2.--. Eleg. geb. M
2.50.
Ausführliche Prospekte versendet kostenfrei der Verlag:
_Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart._
FUSSNOTEN:
[A] Zum Glück für die anderen Organismen mit geringerer
Vermehrungsfähigkeit werden die Umstände rasch ungünstiger in dem Maße,
als die Zahl der Nachkommen zunimmt, so daß in der Wirklichkeit die
Nachkommenschaft niemals in annähernd so raschem Tempo wächst. Immerhin
macht uns ihre außerordentlich große Vermehrungsfähigkeit begreiflich,
wieso diese winzig kleinen Wesen rasch so gewaltige Veränderungen
hervorrufen können, wie wir sie bei der Gärung und Fäulnis oder bei
gewissen ansteckenden Krankheiten beobachten.
[B] Von dieser Regel gibt es viele Ausnahmen. Es sind Fälle von
Befruchtung durch 11jährige Knaben bekannt. Ebenso kommt verspäteter
Eintritt der Geschlechtsreife vor.
[C] Auch der Säfteverlust durch die häufige Samenentleerung mag
schädlich sein, obwohl die entleerten Mengen selbst bei extremer
Ausschweifung so klein sind, daß an einen schädlichen Verlust von
Eiweiß nicht zu denken ist. Es ist möglich, daß der Verlust von
spezifischen Absonderungsprodukten der Hoden empfunden wird, die bei
Mäßigkeit zum Teil wieder aufgesogen worden wären. (S. o.)
[D] Die Einführung des Gliedes in die durch zersetztes Blut
verunreinigten weiblichen Geschlechtsteile kann übrigens auch beim
Manne zu Entzündungen und kleinen Abszessen an der Eichel und an der
Vorhaut Anlaß geben.
[E] Es kann auch Schwängerung erfolgen, wenn der Samen außen auf die
Schamspalte oder in deren Nähe ergossen worden ist.
[F] Bei der Entstehung der Paralyse scheint auch nicht selten der
Alkoholmißbrauch beteiligt zu sein.
[G] Auch in diesen Fällen gewährt der Kondom einen wertvollen, wenn
auch keineswegs ganz sicheren Schutz.
End of Project Gutenberg's Hygiene des Geschlechtslebens, by Max Gruber