VI.

Welches Ingenieure, Mechaniker und andere Gelehrte vielleicht am besten

überschlagen.

"Wann wird der Mensch einmal aufhören, in der Tiefe umherzukriechen, um

im Azur und im Frieden des Himmels zu leben?"

Die Antwort auf diese Frage Camille Flammarion's ist ziemlich leicht.

Das wird dann geschehen, wenn die Fortschritte der Mechanik das Problem

der Aviation, d. h. der Nachahmung des Vogelfluges, zu lösen gestatten,

und vor Ablauf weniger Jahre -- das sah man ja voraus -- mußte eine

praktische Verwerthung der Elektricität zur Lösung dieses Räthsels

führen.

Schon im Jahre 1773, also ziemlich lange, bevor die Brüder Montgolfier

ihre erste Montgolfière und der Physiker Charles seinen ersten

Wasserstoffballon construirten, hatten einzelne abenteuerliche Köpfe

davon geträumt, mittelst mechanischer Apparate die Luft so zu sagen zu

erobern. Die ersten Erfinder hatten also keineswegs an Apparate

gedacht, welche leichter als die Luft waren, was schon der Standpunkt

der physikalischen Wissenschaft ihrer Zeit nicht erlaubte. Sie gingen

darauf aus, die Fortbewegung durch die Luft durch specifisch schwerere

Apparate, durch Flugmaschinen, welche die Bewegung des Vogels

nachahmten, zu ermöglichen.

Ganz dasselbe hatte schon jener Thor, der Icarus, der Sohn des

Daedalus, gethan, dessen mit Wachs angeheftete Flügel ihm bei der

Annäherung an die Sonne abfielen.

Doch ohne bis auf mythologische Zeiten zurückzugehen, ohne eines

Archytas von Tarent zu erwähnen, begegnet man schon in den Arbeiten

eines Dante von Perousa, eines Leonard de Vinci und Guidotti der Idee

von Maschinen, welche bestimmt waren, sich in der Atmosphäre zu

bewegen. Zweieinhalb Jahrhunderte später traten weit zahlreichere

Erfinder auf. Im Jahre 1742 construirt sich der Marquis de Baqueville

ein System von Flügeln, versucht dasselbe über der Seine und bricht

beim Herabfallen den Arm. 1768 entwirft Paucton den Plan zu einem

Apparat mit zwei Schrauben zum Heben und zur Fortbewegung. 1781 baut

Meerwein, der Architekt des Fürsten von Baden, eine Maschine zur

Nachahmung des Vogelflugs und verwirft den Gedanken der Lenkbarkeit von

Ballons, welche eben erfunden worden waren. 1784 lassen Launoy und

Bienvenu eine Helicoptere aufsteigen, die von Federn bewegt wurde. 1808

Fliegversuch des Oesterreichers Jakob Degen. 1810 erscheint ein

Schriftchen von Deniau aus Nantes, in dem der Grundsatz des "schwerer,

als die Luft" beleuchtet ist. In den Zeitraum von 1811-40 fallen die

Untersuchungn und Versuche von Berblinger, Vigual, Sarti, Dubochet und

Cagniard de Latour. 1842 tritt der Engländer Henson mit seinem System

der geneigten Ebene und durch Dampf bewegter Schraube auf; 1845 Cossus

mit seinem Apparat mit Steigschrauben; 1847 meldet sich Camille Vert

mit seiner Helicoptere aus Federbügeln; 1852 Letur mit seinem lenkbaren

Fallschirm, dessen praktische Prüfung ihm das Leben kostete. In

demselben Jahre tritt Michel Loup hervor mit seinem Vorschlage, bei dem

die gleitende Bewegung in Verbindung mit vier sich drehenden Flügeln

gebracht ist. 1853 Béléguic mit seinem durch Zugschrauben bewegten

Aeroplan; Vaussin-Chardannes mit seinem lenkbaren Drachen; Georges

Cauley mit seinen Fliegmaschinen, die ein Gasmotor treiben sollte.

Zwischen 1854 und 1863 sind zu nennen: Josef Bline, der Patente auf

verschiedene Systeme der Luftschifffahrt besitzt, Bréant, Carlingfort,

Le Bris, Du Temple, Bright, dessen Steigschrauben sich in verkehrter

Richtung bewegen; Smythies, Panafieu, Crosnier u. A. m. Endlich wird im

Jahre 1863 auf Betreiben Nadar's in Paris eine Gesellschaft "Schwerer,

als die Luft" gegründet; hier führen die Erfinder ihre Maschinen vor,

von denen schon verschiedene patentirt wurden, wie die von Ponton

d'Amécourt und seine Dampf-Helicoptere; de la Landelle's System einer

Verbindung von Schrauben mit geneigten Ebenen und Fallschirmen;

Louvrié's Aeroscaph; Esterno's mechanischer Vogel; Groof's Apparat mit

durch Hebel bewegten Flügeln. Jetzt, nachdem der Anstoß gegeben ist,

erfinden die Erfinder, berechnen die Rechner Alles, was die

willkürliche Fortbewegung durch die Luft ihrer praktischen Anwendung

zuzuführen verspricht. Bourcart, Le Bris, Kaufmann, Smyth,

Stringfellow, Prigent, Danjard, Pomès und de la Panze, Moy, Rénaud,

Jobert, Hureau de Villeneuve, Achenbach, Garapon, Duchesne, Danduran,

Parisel, Dieuaide, Melkisff, Forlanini, Brearey, Tatin, Dandrieux,

Edison erdenken, construiren, erbauen und vervollkommnen -- die Einen

unter Anwendung von Flügeln oder Schrauben, die Anderen unter den von

geneigten Ebenen -- Maschinen, welche bereit sein werden, an dem Tage

zu functioniren, wo ihnen ein glücklicher Erfinder einen Motor von

hinreichender Kraft und außerordentlicher Leichtigkeit hinzufügt.

Wir bitten wegen dieses etwas langen Namensverzeichnisses um

freundliche Entschuldigung, doch es schien uns nothwendig, die

Einzelstufen jener Leiter der Luftschifffahrtserfolge, auf deren Gipfel

jetzt Robur der Sieger erscheint, vorzuführen. Ohne die schwachen

Versuche und die kühnen Experimente seiner Vorgänger, hätte der

Ingenieur ja unmöglich einen so vollkommenen Apparat zu construiren

vermocht. Und wenn er nur ein verächtliches Achselzucken für Diejenigen

hatte, welche noch immer starrsinnig dabei verharrten, die Lenkbarkeit

von Ballons erfinden zu wollen, so standen bei ihm die Anhänger des

Grundsatzes "schwerer als die Luft" in hohem Ansehen, ob das nun

Engländer, Amerikaner, Deutsche, Oesterreicher, Italiener oder

Franzosen waren -- vor Allem letztere, deren durch ihn vervollkommnete

Arbeiten ihn in den Stand gesetzt hatten, seine Flugmaschine, den

"Albatros", zu ersinnen und auszuführen, jenes Ungeheuer, das jetzt das

Luftmeer durchmaß.

"Die Taube fliegt! hatte einer der enthusiastischen Anhänger des

"Albatros" gerufen.

-- Man wird noch durch die Luft spazieren fahren, wie jetzt über die

Erde! hatte darauf ein hochbegeisterter Vertheidiger derselben Theorie

hinzugesetzt.

-- Mit der Locomotive, der Aeromotive!" hatte der lustigste von Allen

hinaustrompetet, der sich mit Vorliebe der Presse bediente, um die Alte

und die Neue Welt für die Sache zu interessiren.

In der That steht es ja durch Rechnung und Erfahrung fest, daß die Luft

ein sehr widerstandsfähiger Stützpunkt sein kann. Ein Kreis von einem

Meter Durchmesser vermag als Fallschirm nicht allein das Eindringen in

die Luft zu verlangsamen, sondern den Fall sogar isochronisch zu

machen. Das war schon längst bekannt.

Ebenso wußte man, daß die Einwirkung der Schwerkraft, wenn die

Fortbewegung eines Körpers eine sehr schnelle ist, etwa im umgekehrten

Verhältnisse des Quadrats zur Schnelligkeit abnimmt und zuletzt

ziemlich bedeutungslos werden kann.

Man wußte ferner, daß sich bei zunehmendem eigenen Gewichte eines

fliegenden Thieres die zum Schwebenderhalten desselben nothwendige

Oberfläche der Flügel nicht in gleichem Maße vergrößert, obwohl die

Bewegungen, die es ausführt, etwas langsamer sein müssen.

Ein Aviations-Apparat muß demnach so construirt sein, daß er diesen

Naturgesetzen entspricht und dem Vogel nachgebildet ist, "dem

wunderbaren Typus der Fortbewegung in der Luft", wie Doctor Marey im

französischen Institut sich ausgedrückt hat.

Die Apparate nun, welche allein dieses Problem zu lösen vermögen,

zerfallen in folgende drei Arten:

1. Die Helicopteren oder Spiraliferen, welche nur aus Schrauben mit

verticalen Achsen bestehen.

2. Die Orthopteren, das sind Maschinen, welche ganz den natürlichen

Flug der Vögel nachzuahmen bestimmt sind.

3. Die Aeroplanen, in Wirklichkeit geneigte Ebenen, wie die

Papierdrachen der Knaben, aber von horizontalen Schrauben getrieben

oder gezogen.

Jedes dieser Systeme hatte und hat selbst noch heute entschiedene

Anhänger, welche ihre Ansichten unabänderlich als die richtigen

hinstellen.

Aus mancherlei Gründen hatte Robur jedoch die beiden letzteren

verworfen.

Es unterliegt zwar keinem Zweifel, daß die Orthoptere, der mechanische

Vogel, gewisse Vorzüge aufweist. Die Arbeiten Renaud's haben dafür 1884

den Beweis beigebracht. Doch man darf, wie dem Genannten auch

eingeworfen wurde, die Natur niemals sclavisch nachahmen wollen. Die

Locomotiven sind auch nicht nach dem Vorbilde der Hasen und die

Dampfschiffe nicht nach dem der Fische gebaut. Den ersteren gab man

Räder, welche doch keine Beine sind, dem letzteren Schrauben, welche

gewiß nicht den Flossen entsprechen. Und wir meinen, Beide laufen doch

recht gut. Uebrigens weiß man noch gar nicht genau, wie der Flug der

Vögel, welche sehr complicirte Bewegungen ausführen, eigentlich zu

Stande kommt. Doctor Marey z. B. hat die Vermuthung ausgesprochen, daß

die Federn der Flügel sich beim Aufschlag öffnen, um die Luft

durchzulassen -- ein Vorgang, der durch eine künstliche Maschine

schwerlich herzustellen sein möchte.

Andererseits ist es nicht zweifelhaft, daß auch die Aeroplane einige

gute Erfolge aufzuweisen haben. Setzen die Schrauben den Luftschichten

eine schiefe Ebene entgegen, so müßte daraus eine ansteigende Bewegung

hervorgehen, und kleine Versuchs-Apparate haben bewiesen, daß das

disponible Gewicht, dasjenige, über welches man noch über das

Eigengewicht des Apparates hinaus verfügen könnte, mit dem Quadrate der

Geschwindigkeit zunahm. Hierin liegt offenbar ein großer Vortheil, der

die der Aerostaten, welche aufgetrieben werden sollen, weit übertrifft.

Nichtsdestoweniger glaubte Robur, daß, wenn es etwas noch Besseres

gäbe, das auch noch einfacher sein müsse. Auch die Schrauben -- die ihm

im Weldon-Institut durch ein glückliches Wortspiel direct an den Kopf

geworfen worden waren -- konnten ja wohl allen Ansprüchen an seine

Flugmaschine genügen. Die Einen sollten dieselbe in der Luft schwebend

erhalten, die Anderen sie unter den besten Verhältnissen der

Schnelligkeit und Sicherheit in der Horizontalen fortbewegen.

Theoretisch müßte man ja mittelst einer nur kurzen, aber in der Fläche

großen Schraube, wie Victor Tatin es zuerst ausgesprochen hatte, dahin

gelangen, "wenn man es auf das Aeußerste triebe, in ungeheures Gewicht

durch verschwindend kleine Kraft zu heben".

Wenn die Orthoptere -- durch Flügelschläge gleich einem Vogel -- sich

erhebt, indem sie sich in normaler Weise gegen die Luft stürzt, so

steigt die Helioptere auf, indem sie mit ihren Schraubenflügeln schräg

dagegen wirkt, als ob sie eine geneigte Ebene hinaufklimme. Im Grunde

hat sie ja nur schraubenförmig gewundene, an Stelle der schaufelartigen

Flügel. Die Schraube bewegt sich nothwendig in der Richtung ihrer Achse

fort. Ist diese vertical, so bewegt sie sich vertical; ist sie

horizontal angebracht, so treibt sie in horizontalem Sinne.

Der große Flugapparat des Ingenieur Robur beruhte nur auf diesen beiden

Wirkungen.

Wir geben hier eine genaue Beschreibung desselben, welche füglich in

drei Theile zerfallen kann, betreffend das Verdeck, die Schwebe- und

Treibmaschinen und die äußere Maschinerie.

Verdeck. Das war ein dreißig Meter langes, vier Meter breites Bauwerk,

ein wirkliches Schiffsdeck mit Vordersteven in Form eines Rammsporns.

Darunter wölbte sich der festgefügte Rumpf, der die Apparate zur

Erzeugung der mechanischen Kraft barg, ferner befanden sich da die

Pulverkammer, die Werkzeuge, das allgemeine Magazin für Vorräthe aller

Art, darunter auch die Wassergefäße des Fahrzeugs. Rund herum standen

leichte Pfosten, die, mit Eisendraht unter einander verbunden, die

Reeling bildeten. Darauf aber erhoben sich drei Ruffs,[4] deren

Räumlichkeiten zur Wohnung für das Personal und für die Maschinerie

bestimmt sind. Im mittleren Ruff arbeitet die Maschine, welche das

Schwebewerk in Bewegung setzt; in dem vorderen die Maschine für die

vordere Treibschraube, im hinteren die für die hintere Schraube, so daß

diese drei von einander völlig unabhängig wirken. Nahe dem Vordertheile

befindet sich der Ruff für die Werkstatt die Küche und die

Mannschaftswohnung. Nahe dem Heck, im letzten Ruff, finden sich mehrere

Cabinen, unter anderen die des Ingenieurs, ein Speisezimmer und darüber

ein kleiner verglaster Raum, in dem sich der Steuermann aufhält, der

das Ganze mittelst eines gewaltigen Steuerrades lenkt und leitet. Alle

diese Ruffs werden durch Lichtpforten erhellt, deren Scheiben aus

Hartglas bestehen, das eine zehnfach größere Widerstandsfähigkeit als

gewöhnliches Glas hat. Unterhalb des Rumpfes ist ein System von

biegsamen Federn angebracht, dazu bestimmt, etwaige Stöße zu mildern,

obwohl eine Landung ungemein sanft bewerkstelligt werden konnte, so

sehr war der Ingenieur Herr seines Apparates.

[4] Ruffs nennt man auf Seeschiffen die auf Deck stehenden kleinen

Holzbauwerke, welche als Wohnung für die Mannschaft dienen.

Auftriebs- und Treibmaschinen. Auf dem Verdeck erhoben sich lothrecht

siebenunddreißig Achsen, von denen je fünfzehn an Back- und Steuerbord

und sieben höhere in der Mitte errichtet waren, so daß das Ganze einem

Schiffe mit siebenunddreißig Masten ähnlich wurde; nur trugen diese

Masten an Stelle der Segel jeder zwei horizontale Schrauben von kurzer

Steigung und geringem Durchmesser, denen aber eine ungeheure

Umdrehungsgeschwindigkeit ertheilt werden konnte. Jede dieser Achsen

empfängt ihre Bewegung unabhängig von der anderen, und außerdem drehen

sich je zwei und zwei in entgegengesetztem Sinne -- eine nothwendige

Maßregel, um den ganzen Apparat nicht in wellenförmige Bewegung kommen

zu lassen. Auf diese Weise aber halten sich alle Schrauben, während sie

eine wie die andere auf verticalen Luftsäulen emporzusteigen streben,

gegenseitig das Gleichgewicht. Der Apparat ist demnach mit

vierundsiebenzig Schwebeschrauben ausgerüstet, deren drei Arme

äußerlich durch einen Metallring zusammengehalten werden, der, als

Schwungrad wirkend, die motorische Kraft besser ausnützen hilft. Am

Vorder- wie am Hintertheile drehen sich, auf horizontalen Achsen

montirt, zwei Treibschrauben mit vier Armen jede, welche der

Fortbewegung des Ganzen vorstehen. Diese Schrauben, welche an

Durchmesser die Auftriebsschrauben übertreffen, können sich ebenfalls

mit der größten Geschwindigkeit drehen.

Alles in Allem schließt sich dieser Apparat an die Systeme an, welche

von Cossus, de la Landelle und de Ponton d'Amécourt aufgestellt und vom

Ingenieur Robur verbessert wurden. Dagegen gebührt ihm bezüglich der

Wahl und der Verwendung der motorischen Kraft unbedingt der Ruhm des

Erfinders.

Maschinerie. Weder vom Dampf des Wassers oder anderer Flüssigkeiten,

weder von der comprimirten Luft oder anderen elastischen Gasen und

endlich ebenso wenig von explosiven Gemischen, welche fähig sind, eine

mechanische Wirkung auszuüben, entlehnte Robur die notwendige Kraft,

seinen Apparat schwebend zu erhalten und fortzubewegen, er nahm dazu

die Elektrizität in Anspruch, jene Naturkraft, welche dereinst die

Seele der industriellen Welt zu werden verspricht. Eine

dynamo-elektrische Maschine verwendete er zur Erzeugung derselben

jedoch nicht, sondern nur Batterien und Accumulatoren; nur war es

Robur's Geheimniß, welche Materialien er zur Zusammenstellung seiner

Elemente und welche Säuren er zur Erregung derselben anwendete;

dasselbe galt für die Accumulatoren. Niemand wußte, woraus deren

positive und negative Platten bestanden. Der Ingenieur hatte sich aus

gewissen Gründen wohl gehütet, darauf ein Patent zu nehmen.

Unbestreitbar aber zeigten seine Batterien eine außerordentliche

Ergiebigkeit, die Säuren eine fast vollständige Widerstandsfähigkeit

gegen Verdunstung und Frieren, seine Accumulatoren eine unverkennbare

Ueberlegenheit über die von Faure, Sellon, Volckmar, und endlich

lieferten seine Ströme Ampères von bisher unerreichter Anzahl. Daraus

aber ergab sich eine so zu sagen unendliche Menge elektrischer

Pferdekräfte zur Bewegung der Schrauben, welche dem Apparate eine

seinen Bedürfnissen weit überlegene Schwebe- und Triebkraft unter allen

Umständen verliehen.

Wir wiederholen jedoch, das war die Sache des Ingenieur Robur und

darüber bewahrte er ein unverbrüchliches Geheimniß, und wenn der

Vorsitzende und der Schriftführer des Weldon-Instituts nicht das Glück

haben, dasselbe zu durchdringen, so dürfte es wahrscheinlich auf immer

für die Menschheit verloren sein.

Es versteht sich von selbst, daß dieser Apparat infolge der glücklich

gewählten Lage seines Schwerpunktes hinreichende Stabilität zeigte. Man

brauchte also niemals zu fürchten, daß er mit der horizontalen

bedenkliche Winkel bilden oder gar umschlagen könnte.

Es erübrigt noch mitzutheilen, aus welchem Material der Ingenieur Robur

seinen Aeronef hergestellt hatte, ein Name, der für den "Albatros"

besonders geeignet erscheint. Welches war der so harte Stoff, daß das

Bowie-Messer Phil Evans' ihn nicht zu ritzen und dessen Natur Onkel

Prudent nicht zu erkennen vermochte? Ganz einfach -- Papier!

Schon eine Reihe von Jahren hatte die Fabrikation desselben große

Ausdehnung gewonnen. Ungeleimtes Papier, dessen Blätter mit Dextrin und

Stärkemehl imprägnirt wurden, bildet unter der Wirkung der

hydraulischen Presse ein Material von der Härte des Stahls. Man erzeugt

daraus Rollen, Schienen und Wagenräder, welche haltbarer und

gleichzeitig leichter sind, als solche aus Metall. Diese große

Haltbarkeit bei außerordentlicher Leichtigkeit eben hatte Robur bei der

Erbauung seiner Luftlocomotive zu benützen gesucht. Alles, Rumpf,

Rippen, Ruffs, Cabinen, bestand aus Strohpapier, das unter hohem Drucke

metallähnlich geworden war und das sich -- ein Umstand, bei einem in

großer Höhe dahinschwebenden Apparate gewiß von Werth -- auch als

unverbrennlich erwies.

Für die verschiedenen Theile der Schwebe- und Treibmaschinerie, wie für

die Flügel der Schrauben hatte gelatiniertes Fasergewebe als ebenso

widerstandsfähiges, wie biegsames Material gedient und von diesem auch,

da es sich allen Formen anpaßte, in den meisten Gasen und

Flüssigkeiten, Säuren und Salzen unlöslich war -- ohne von seinen

isolirenden Eigenschaften zu sprechen -- in der elektrischen

Maschinerie des "Albatros" der ausgedehnteste Gebrauch gemacht worden.

Der Ingenieur Robur, sein Obersteuermann Tom Turner, ein Mechaniker

mit zwei Gehilfen, zwei Bootsmänner und ein Koch -- Alles in Allem

acht Personen -- bildeten die ganze Besatzung des "Albatros", welche

für die bei der Fahrt durch die Luft nöthigen Manöver übrig

ausreichte. Jagd- und Kriegswaffen, Fischergeräthe, elektrische Lampen,

Beobachtungsinstrumente, Boussolen und Sextanten zur Erkennung der

Fahrtrichtung, Thermometer zur Messung der Temperatur; verschiedene

Barometer, die einen, um die erreichte Höhe, die anderen, um die

Veränderung des Luftdruckes zu messen, ein "Stormglas" zum Erkennen

drohender Stürme, eine kleine Bibliothek, eine kleine tragbare

Druckerei, ein Geschütz auf Zapfen, in der Mitte des Decks, das, von

rückwärts geladen, ein Geschoß von sechs Centimeter Durchmesser

schleuderte; der nöthige Vorrath an Pulver, Kugeln, Dynamitpatronen;

eine Küche, in der die von Accumulatoren gelieferten Ströme zur

Feuerung dienten, ein Vorrath von Conserven, Fleisch und Gemüse, die in

einer Cambüse ad hoc neben Gefäßen mit Brandy, Whisky und Gin

aufgestapelt waren, endlich Alles, was während einiger Monate gebraucht

werden konnte, ohne landen zu müssen -- das bildete das Material und

die Vorräthe des "Albatros" -- ohne die berühmte Trompete zu rechnen.

Außerdem befand sich ein leichtes, unversenkbares Kautschukboot an

Bord, das acht Mann auf einem Flusse, einem See oder auch auf ruhigem

Meer tragen konnte. Fallschirme in Voraussicht eines eintretenden

Unglücks führte Robur nicht mit sich. Er glaubte nicht an Unfälle

dieser Art. Die Achsen der Schrauben waren alle von einander

unabhängig; der Stillstand der einen blieb auf die übrigen ohne

Einfluß. Selbst wenn nur das halbe Triebwerk in Gang blieb, reichte es

schon aus, den "Albatros" in seinem natürlichen Element zu erhalten.

"Und mit ihm, wie Robur der Sieger Gelegenheit fand gegen seine

Passagiere -- Passagiere wider Willen -- zu äußern, mit ihm bin ich

Herr jenes siebenten Welttheiles, der an Größe Australien und Afrika,

Oceanien, Asien, Amerika und Europa übertrifft, jenes Icariens der

Luft, das eines Tages noch Tausende von Icarussen bevölkern werden!"

Robur der Sieger · 第 7 / 20 题