Da hat es sich gleich in Asche verwandelt,
Tongilian. Das Haus ging auf in Flammen.
Doch deine Freunde traten rasch zusammen,
Ersetzten dir’s zehnfach. Nun gib acht.
Du stehst, Verehrter, im Verdacht:
Damit man dir so den Schaden deckt,
Hast du den Kasten selbst in Brand gesteckt.
Da sieht man, wie unsere moderne Feuerversicherung im alten Rom ersetzt
wurde. Geschäftsfreunde bildeten ein Konsortium, und dem Betroffenen
wurde geholfen. Es lag aber auch damals schon nahe, diese Hilfe zu
mißbrauchen.
Aber nun endlich Issa, und genug der Alltagsmenschen. Auch zu Issa, dem
Hündchen, beugt sich unser Dichter herab. Bei seinem Freund Publius hat
er das Tier gesehen. Dies sei das letzte Stück meiner Auslese.
I, 109: Die Issa will ich heute singen.
Von Issa soll mein Lied erklingen.
Sie ist drolliger, als der Sperling war,
Den einst Catull geliebet,
Ist wonniger als das Taubenpaar,
Das sich im Schnäbeln übet,
Einschmeichelnder als die liebste Maid,
Kostbarer als Indiens Perlengeschmeid.
Das ist Issa, des Publius Hündchen.
Betrachten wir es ein Stündchen.
Da winselt es sanft schon, als spräch’s zu dir:
„So Lust wie Leid, das teilen wir,“
Und streckt dann das Hälschen, weil’s schlummern will.
Keinen Atem hörst du. Es liegt so still.
Und kommt ein Bedürfnis, auch keinen Flecken,
Kein Tröpfchen macht es auf die Decken,
Kratzt nur mit der Pfote flehentlich:
„Hebt mich vom Pfühl! denn es ängstet mich!“
Auch keusch ist die kleine Hündin sehr,
Flieht alle Liebeleien.
Wo ist auch der Hund, der würdig wär’,
Um unsre Issa zu freien?
Doch ach! doch ach! auch dieses Hündchen
Hat dermaleinst sein Sterbestündchen.
Drum hat ihr Herr, der sie so liebt,
Ihr Bild, das sie prächtig wiedergibt,
Mit eigner Hand gemalt: so treu!
Man weiß nicht, welches die Issa sei,
Das Tier selbst? oder das Konterfei?
Das ist römisches Leben, bis herab zum Stubenhündchen; wie intim
berührt das alles! Aber ich lasse nunmehr den Vorhang fallen. Alle
dürftig und ungenügend ist, was ich hier geboten, und wer es kann,
sollte den Martial selber lesen. Denn alle Übersetzungen sind doch
nur bestenfalls Talmigold oder Simili-Brillanten[420]; in den meisten
seiner Miniaturen aber bringt der lebhafte Dichter nebenher noch eine
solche Fülle von Anspielungen, daß zum Verständnis eine einfache
Übersetzung gar nicht ausreichen würde. Auf alle Fälle aber wird mein
Leser begreifen, daß Martial alsbald und durch viele Jahrhunderte immer
wieder eifrige Nachahmer gefunden hat.
[Randnotiz: Spätere Epigrammatiker. Soldaten und Priester geschont.]
Aus der Spätantike erwähne ich die Dichter der sog. ~Anthologia
latina~, sowie den Ausonius und Luxorius. Die beiden zuletzt
genannten sind Christen; gleichwohl steigert sich noch bei ihnen
das geflissentliche Aufsuchen des Unanständigen bis zum Monströsen.
Wertvoller ist Claudian, der Dichter des christlich gewordenen
Kaiserhofes um das Jahr 400; denn in ihm ersteht endlich wieder ein
Kämpfer, der es wagt, mit offenem Visier zu beleidigen[421]. Offenbar
war es der kaiserliche Hof selbst, der ihn dabei deckte. Neues, was
uns fesseln könnte, bringen diese Spätlinge nicht. Nur freilich den
Flieger. Der Flieger taucht bei Luxorius auf. Man staune indes nicht
allzu sehr; denn in Wirklichkeit war es nur ein Equilibrist. Luxorius
lebte im Anfang des 6. Jahrhunderts im afrikanischen Vandalenreich,
wo immer noch die altrömische Kultur blühte und es immer noch
römische Amphitheater gab. In solchem Raum geschah das Wunder: einen
Riesenweitsprung, der dem Flug gleichkam[422], vollführte da ein
junger Zirkuskünstler durch die ganze Länge der Arena, wenn wir es
glauben wollen, 40 Meter weit. „Es ist kein Mensch,“ sagt der Dichter;
„nur Vögeln ist das möglich, und ich wundere mich nicht mehr, daß
ein Dädalus einst auf Flügeln über das Meer flog. Guten griechischen
Wein hab’ ich dem jungen Menschen kredenzt. Er ist so leicht wie eine
Schwalbe, aber der Wein soll ihn schwer machen.“
Wir wollten lernen. Haben wir hiermit endlich genug gelernt? und sind
wir in der Lage, ein Endurteil zu fällen? Keineswegs! sondern das
Wertvollste bleibt noch übrig. Wer urteilen will, hat nicht nur auf
das Vielerlei, das in den Dichtern steht, er hat auch auf das, was
diese Dichter verschweigen, achtzugeben. Denn lehrreicher ist oft, was
das Altertum +nicht+ sagt, als was es sagt. Und die Beobachtung, die
sich da ergibt, ist rasch erledigt; ich meine nur dies, daß bei allen
diesen Dichtern nahezu jeder Ausdruck des Rassenhasses fehlt, ferner
jeder religiöse Gegensatz, jeder konfessionelle Hader völlig unberührt
bleibt und sich nirgends ein Wort gegen die Priester findet, ja, daß
endlich auch der Soldatenstand von keinem je verunglimpft wird. Nichts
merkwürdiger, nichts charakteristischer, nichts bewunderungswürdiger
als das!
Plautus hatte einst den ~Miles gloriosus~ geschrieben. Da wurde der
dumme griechische Offizier, der sich für den schönsten aller Männer
hält und mit den unglaublichsten Großtaten renommiert, unendlichem
Gelächter preisgegeben. Das spätere Rom weiß davon nichts mehr. Das
römische Militär war unantastbar. Auch die römischen Feldwebel und
Rekruten, auch der Legionär und der ~Tribunus militum~ werden gewiß
ihre Schwächen gehabt haben, und nichts war frecher im Auftreten als
die kaiserliche Garde in der Hauptstadt selbst. Aber unsäglicher
Respekt umgab sie. Kein Wort des Spottes hören wir je. Nur einmal
bringt Martial das zahme Distichon:
II, 80: Hört! auf der Flucht vor dem Feind hat Fannius selbst sich
getötet.
Ist es denn Wahnsinn nicht, sterben, damit man nicht stirbt?
[Randnotiz: Toleranz im Religiösen; kein Rassenhaß.]
Die gleiche Schonung gilt prinzipiell auch den Trägern der
Gottesdienste. Nur Afranius hat in alter Zeit einmal ein Stück
„Der Augur“ auf die Bühne gebracht, wo solch ein Priester, dem die
Vogelschau oblag, ein Augur, die gefürchtete Hauptperson war: der
einflußreiche Mann schreit und rast so, daß der Himmel darüber
einzustürzen droht; aber sein Gesichtsausdruck ist falsch und
widerwärtig wie eine angemalte Wand[423]. Das war Afranius, und das ist
alles. Späterhin ist es nur einmal noch der Christ Luxorius, der über
einen trunksüchtigen Priester seiner Kirche herfällt[424].
Die Sacerdotes waren eben schon durch ihr Amt geschützt. Überdies
aber waren es in der vorchristlichen Zeit den besten Kreisen, ja, dem
Hochadel angehörende Männer und Frauen, die, zumeist verheiratet, von
der sonstigen vornehmen Welt sich im täglichen Leben durch nichts
abhoben, da sie in ihren Privathäusern lebten und nur während der
heiligen Handlung des Opfers und Gebetes das Priestergewand anlegten.
So hielt es ja auch der Kaiser selbst, der als Oberpriester, ~Pontifex
maximus~, persönlich die Staatsopfer vollführte. Eine anspruchsvolle
Isolierung und Weihe des geistlichen Standes, die den Spott oder
Widerwillen des Unfrommen hätte herausfordern können, gab es noch nicht.
Nur die asiatischen Cybelepriester hat Martial in der Tat mit
seinem Hohn verfolgt[425], deshalb, weil sie mit ihrer schändlichen
Menschenjagd, die sie in den Städten Italiens betrieben, auch amtlich
verfehmt waren, und so trifft denn einmal auch die Göttin Cybele
selbst, die die Entmannung ihrer Anbeter forderte, ein entrüstetes
Wort[426].
Das steht für sich. Sonst aber wird von den fast unzähligen Religionen,
die damals in den Mittelmeerländern durcheinander wogten, kaum eine
einzige von diesen Dichtern angetastet oder der Kritik ausgesetzt.
Isis, Serapis, Mithras, Anubis, Jehova, das Christentum -- um von den
überkommenen römischen Nationalgöttern ganz zu schweigen --, alle diese
Gottheiten und Bekenntnisse fanden damals ihre Verehrer. Wer aber
mag sie in ihrem Glauben stören? Religion ist Privatsache; der Witz
biegt vor diesen Dingen aus. Vor allem ist von diesen Dichtern, soweit
ihre Werke uns vorliegen und eine Kontrolle möglich ist, nie Christus
verhöhnt worden. Das scheint mir ewig denkwürdig.
Und was von den Religionen gilt, gilt endlich annähernd auch von den
Rassenunterschieden. Massenhaft dienten z. B. die Syrer in Rom als
elegante Sklaven und Sänftenträger, so unbeliebt sie auch wegen ihres
durchtriebenen Charakters waren; aber nur einmal trifft sie bei Martial
eine angreifende Wendung[427]. Auch gegen die sonst so gerne verfolgten
Juden ist er nur an einer Stelle ausfällig[428]. Wo er auf der Gasse
jüdische Bettler sieht, findet er durchaus kein bösartiges Wort[429],
wohl aber muß er sich seinerseits gegen einen jüdischen Widersacher,
der ihn angegriffen hat, verteidigen[430]. Ärgerlich war es, daß die
römischen Mädchen, wenn Germanen, Juden oder Perser nach Rom kamen,
sich gleich in diese Fremden verliebten und die römischen jungen Herren
alsdann als Luft behandelten. Den Ärger darüber kann uns der Dichter
nicht verschweigen[431].
So begegnen wir nun einmal wirklich auch einem Germanen in Roms Gassen,
und das muß unsere besondere Neugier erwecken. Ein Unfreier ist’s,
vielleicht ein von der städtischen Verwaltung zur Straßenreinigung
angestellter Sklave. Aber der Mensch benimmt sich sehr rücksichtslos,
als wäre er der Herr Roms. Aus einem Wasserbehälter der Fernleitung,
der mit köstlichem Gebirgswasser gespeist wird, will ein Knabe, ein
römischer Bürgerssohn, trinken; der Germane kommt und stößt ihn
herrisch fort, weil er zuerst trinken will. So geschehen zu Rom im
Jahre 96 n. Chr. Daß Martial den Menschen grob anfährt, das können wir
ihm wohl nicht verargen[432]. Erheiternder aber ist es noch zu lesen,
wie einmal ein Gallier, auch dies ein Kraftmensch, von ihm eingeführt
wird; da erhalten wir wieder einmal ein Straßenbild, und zwar bei Nacht:
VIII, 75: Zur Miete wohnt in Rom ein Mensch von keltischer Race.
Es ist spät Nachts. Von der Flaminischen Straße
Will er nach Haus. Da stolpert er im Lauf.
Das Schienbein ist verrenkt; er stürzt und kommt nicht auf.
Was soll der Riese tun, um hochzukommen?
Des Galliers Diener sieht’s und steht beklommen.
Er ist so schwach, so klein. Er hülfe gerne.
Doch seine Kraft reicht kaum, zu halten die Laterne.
Da war’s, als ob man Hilfe brächte:
Eine Leiche schleppten zwei Schinderknechte,
Wie man die Verbrecher ohne Weh und Ach
In die Gruben hinausschafft tausendfach.
Der Diener fleht: „Faßt an, ihr Leut’! herbei.
Was aus der Leiche wird, ist einerlei.“
Da tauschen richtig sie die Last schon aus. Nach oben
Wird schon der Riese hochgehoben,
Liegt da schon schwer in seinem Fett
Auf der gemeinen Bahre, auf dem Schinderbrett.
Vom Totengräber sah er sich zuletzt
Auf seiner eignen Wohnung lebend beigesetzt[433].
[Randnotiz: Anders die Satire. Religiöse Aufklärung.]
So weit die Spottdichtung und das Sinngedicht, so weit die fliegenden
Blätter Roms. Welche Zurückhaltung sich diese leichtlebige Kunst im
Altertum auferlegte, haben wir gesehen. Ganz anders die große römische
+Satire+, zu der wir uns jetzt noch wenden. Indem wir auch sie noch
zu Wort kommen lassen, hört alsogleich das Behagen auf; die Lehre
beginnt, und sie reißt uns aus all der Heiterkeit, die uns bisher
umgab, in den Ernst hinüber, der bis zum Ingrimm geht, und in die
Sorgen um die schweren Grundfragen des Lebens. Denken wir nur an die
religiöse Frage. Die Satire ist es, mit deren Hilfe wir einem der
größten menschheitlichen Ereignisse, dem Übergang aus dem Polytheismus
in das Christentum, der großen religiösen Umwälzung der Antike, die
eben zu jenen Zeiten langsam vor sich ging, nähertreten können. Es sind
die etwa fünf Jahrhunderte von 200 v. Chr. bis 300 n. Chr. In diese
Entwicklung hat auch die große römische Satire mit eingegriffen; denn
ihre Aufgabe war eben die Erziehung des Volkes. Aber das Aufstellen von
tugendhaften Lehrsätzen genügte ihr nicht; sie rief auch dabei wieder
den Spott zu Hilfe. Alle falschen Werte riß sie mit Hohn herunter;
alles, was hohl und vermorscht, schlug sie in Trümmer.
Ich sehe hier von der wichtigen Aufklärungsarbeit der griechischen
Philosophen ab und halte nur auf Rom, das Zentrum der Welt, das
Auge gerichtet. Da hatte dereinst schon der Dichter Ennius im 2.
Jahrhundert v. Chr. kaltsinnig an dem alten Götterglauben gerührt
und für die Entstehung der Vorstellungen von Jupiter und den anderen
Nationalgöttern trivial-euhemeristische Erklärungen vorgetragen, die
sich wie ein amüsanter Roman für die Halbbildung lesen. Das übermütig
freche Volkstheater, der sog. Mimus, wirkte überdies schon lange ganz
im gleichen Sinne. In den Schwänken, die es da gab, wurde Jupiter,
der höchste Gott, wie ein alter Onkel hübsch begraben, die Göttin
Diana machte ihr Testament, und ähnliche Scherze mehr, wobei immer das
Sündhafteste dem Publikum gerade das liebste war. Dann kam Varro, der
Philologe, mit schwerstem Geschütz, der in einem dicken Sammelwerk
den ganzen bunten Götterglauben des Altertums mit seinen tausend
Namen redlich buchte, aber diesen Glauben dabei als nichtig nachwies
und nur die Naturkräfte im All noch als göttliche und heilige Mächte
gelten ließ. Derselbe Varro schrieb aber auch Satiren, z. B. einen
„gefälschten Apoll“, in denen er von den Göttern handelte und die
Volksvorstellungen nur deshalb bestehen ließ, um possierlich mit ihnen
zu spielen[434]. Gleichzeitig mit Varro wirkte dann auch Cicero, und er
machte diese freien Ansichten populär; Ciceros berühmte Schrift „Über
die Natur der Götter“ ist das erste große Aufklärungswerk gewesen,
das durchschlug. Der Staatskultus mit seinem reichen Tempeldienst
bestand freilich ungeschmälert weiter, aber jeder Gebildete dachte
dabei hinfort, was er wollte. In Wirklichkeit haben sich damals alle,
die nachdachten, auf die stoische Religion zurückgezogen, die von
den Philosophen ausging und deren Lehre sich mehr und mehr und immer
deutlicher zum geistigen Monotheismus hindurchrang. Die Frage war nur,
was aus den herkömmlichen Göttern schließlich werden sollte.
[Randnotiz: Persius. Seneca. Juvenal.]
Wundervoll geläutert sind schon die Vorstellungen, die Persius zu
Kaiser Neros Zeit in seinen Satiren vortrug. Es handelt sich um das
Gebet; albern und gottlos, sagt Persius, sind die Menschen, die sich
Bargeld und sonstige angenehme Dinge wünschen und mit solchen Bitten
die hohen Götter behelligen. Gott ist gütig, und er weiß selbst am
besten, was uns not tut. Und neben Persius stand nun auch schon Seneca,
der endlich die Axt an die Wurzel legte, indem er sich gegen den
herrschenden Gottesdienst selbst, gegen den Ritus mit seinen Opfern und
Zeremonien wandte. Gott ist ein Geist; er bedarf dieser menschlichen
Armseligkeiten nicht. „Über den Aberglauben“, ~de superstitione~,
betitelte Seneca sein umstürzendes Buch, von dem wir gewisse Abschnitte
unbedingt zur Satirenliteratur rechnen; denn die beißendste Satire
war darin seine Waffe. So wie die Satire immer das Extreme aufsucht,
so hat hier Seneca gerade die lächerlichsten Auswüchse der sog.
Frömmigkeit, die ihm als Aberglaube gilt, geschildert, und wir lesen
seine Schilderung mit Staunen. Es handelt sich an der einen Stelle, die
uns vorliegt, um das vornehmste Gotteshaus der altrömischen Trinität
Jupiter, Juno und Minerva: „Ich kam auf das Kapitol. Man muß sich
schämen über die Tollheit, die sich da öffentlich zeigt, und wozu
sich eine sinnlose Schwärmerei verpflichtet hält. Einer legt da dem
Gott das Hauptbuch (über die Verwaltung des Tempelvermögens) vor, ein
anderer meldet dem Jupiter, wieviel Uhr es ist; einer steht als Lictor
oder Platzmacher herum; wieder einer ist des Gottes Einsalber und tut
mit einer zwecklosen Armbewegung so, als salbte er ihn wirklich ein.
Auch an Personen, die der Juno und Minerva das Haar machen, fehlt es
nicht; aber sie stehen von den Götterbildern, ja sogar vom Tempel
selbst weit ab und bewegen nur so die Finger, als frisierten sie sie.
Andere halten den Spiegel dazu. Dann kommen welche, die (in eigener
Prozeßsache) die drei Götter zu einer Bürgschaftsleistung einladen,
ihnen ihre Anklageschrift bringen und ihren Fall vortragen. Auch
einen Schauspieldirektor von guter Schule, aber schon alt und verlebt,
sah ich da, der täglich auf dem Kapitol sein Rollenfach mimte, als
könnten die Götter an ihm, den kein Mensch sich mehr ansehen mochte,
noch Vergnügen haben. Und so sind da alle Sorten von Künstlern oder
Kunststückmachern vertreten, die ihre Zeit damit vergeuden, die
unsterblichen Götter zu ehren. Alle diese Leute tun nun gewiß, was
überflüssig ist, allein sie entehren sich doch nicht selber; aber auch
Weiber, die meinen, sie könnten mit Jupiter in Liebesverkehr treten,
hocken auf dem Kapitol, und nicht einmal der Anblick Junos schreckt
sie ab, die ja doch, wenn die Dichter recht haben, sehr leicht in Zorn
gerät.“
Jetzt wissen wir, wie es da zuging. Diese Schilderung Senecas gibt
uns endlich das, was Martial verschweigt: eine köstliche Ergänzung
zur Kenntnis des römischen Stadtvolks, besonders in seinen unteren
Schichten. Leider ist uns aus Senecas Schrift sonst fast nichts
erhalten; der Kirchenvater Augustin hat nur eben dies daraus
ausgezogen, weil es seiner christlichen Tendenz besonders zu Hilfe kam.
Wir würden gerne auch das Weitere und Gewichtigere lesen.
[Randnotiz: Juvenal gegen den Fanatismus. Satire der Kirchenväter.]
Auf Seneca aber endlich folgt +Juvenal+, der letzte und wuchtigste der
Satiriker. In machtvoller Breite rollen seine Predigten daher. Die
Gesellschaft sittlich zu heben, die Herzen zu reinigen, das war auch
Juvenals Zweck; was aber Seneca schon geschrieben hatte, brauchte er
nicht zu wiederholen. So wandte er denn seinen Zorn gegen ein anderes
drohendes Gespenst, den religiösen Fanatismus, der im Orient seit
langem sich regte. Nach Ägypten kehrte er seine Augen; da war unlängst
Ungeheuerliches geschehen, und er beschloß dies erschreckende Beispiel
in grausiger Schilderung aller Zukunft zur Warnung hinzustellen. Es ist
Juvenals 15. Gedicht.
Zwei ägyptische Nachbarstädte, Omboi und Tentyra, waren es. Beide haben
andere Götter, und sie hassen sich deshalb bis zur Raserei. Bei den
Ombiten ist gerade Festtag, und sie begehen ihn mit rauschendem und
berauschendem Gottesdienst. Da werden sie von den Leuten aus Tentyra
überfallen, eine Rauferei beginnt; sie zerschlagen sich erst nur die
Gesichter. Dann wird schon mit Steinen geworfen; dann greift man zum
Messer, bis die Angreifer fliehen; einer der Fliehenden aber wird
ergriffen und von der siegreichen Menge zerrissen und in unerhörtem
Kannibalismus verspeist. Alle sättigen sich an der Mahlzeit. Der
letzte, der nichts abbekam, leckt gierig noch das Blut von den Fingern
des Opfers. Gott, der Weltenschöpfer, sagt Juvenal, erhob den Menschen
über das Tier, indem er uns die Menschenliebe und den Trieb gab, daß
einer dem anderen helfe. Wo aber ist die Bestie, die ihresgleichen
frißt? Die religiöse Wut, der Haß gegen die Götter des Nachbarn bringt
das fertig.
Ob hier Juvenal übertrieben hat? Jedenfalls ist klar, welchen
Standpunkt er im Hader der Religionen einnahm, und um so wohltuender
berührt es uns, daß er in all seinen Dichtungen kein hämisches,
wegwerfendes Wort gegen das Christentum findet. Um das Jahr 130 konnten
dem Juvenal die stark angewachsenen Christengemeinden nicht unbemerkt
bleiben; denn das Evangelium scholl schon vernehmlich über die Gasse
in den Griechenquartieren Roms. Juvenal, dieser energische Ethiker
und Volkserzieher, lebte ganz in der stoischen Sittenlehre, die der
christlichen tatsächlich so nahe stand. Vielleicht dürfen wir annehmen,
daß er eben darum zu satirischen Angriffen gegen die neue Völkerlehre
keinen Trieb und keinen Anlaß fand.
Anders das Christentum selbst. Kaum war Juvenal verstummt, so erhob
das Christentum selbst seine Stimme zur Polemik, und die große
Satire der christlichen +Kirchenväter+ im Kampf mit den heidnischen
Göttern hob an. Denn auch dies war Satire. Den Ton bittersten Spottes
und grenzenloser Entrüstung entlehnten die Kirchenautoren dabei
von Juvenal, aber von vornherein sind sie viel siegesgewisser als
er. Denn ihre Aufgabe war leicht; sie konnten ja ihre Argumente
von den aufgeklärten Heiden selbst entnehmen, und sie nahmen sie
wirklich getreu aus Varro, Cicero und Seneca. Aber auch im römischen
Volkstheater waren die Götter ja, wie wir sahen, längst entheiligt
und zu lustigen Figuren gemacht. Auch dies bot den Christen die
willkommenste Hilfe. „Erröten müßt ihr über eure Götter,“ so hebt
einmal Tertullian an[435]. „Ich weiß nicht, soll ich lachen über eure
Torheit oder auf eure Blindheit schelten.“ Da haben wir also das
Lachen; es ist das Lachen des Satirikers. Und dann geht es weiter: Der
alte Gott Saturn soll Sohn des Himmels sein; Himmel heißt ~caelum~ auf
Latein; ~caelum~ aber ist ein Neutrum. Wie kann ein Neutrum Kinder
erzeugen? Saturn soll ferner schon eine Sichel besessen haben; eine
Sichel setzt das Schmieden voraus, aber der Schmiedegott Vulkan, der
das Schmieden erfand, war doch erst Saturns Enkel! Wie konnte also
Saturn schon eine Sichel haben? Weiter hat man den Herkules zum Gott
gemacht, weil er so viele wilde Tiere erschlug; warum aber nicht lieber
den Pompejus, der all die Piraten beseitigte? Denn die unzähligen
Piraten waren viel schlimmer als die paar wilden Tiere. Besonders
lachhaft sind die unzähligen kleinen Stadtgötter im Land; denn jedes
kleine Nest hat einen anderen; „ich lache über diese göttlichen
Magistrate, deren Ansehen nicht weiter als bis zu ihrer Stadtmauer
reicht. Und was soll man weiter zu Romulus sagen, der Rom gründete und
dabei seinen Bruder totschlug? Wenn alle Stadtgründer gleich Götter
werden sollen, dann kann es freilich viele geben!“[436]
Und so rollt die Polemik weiter. Nicht anders wie Tertullian redeten
hernach auch noch die Späteren, Arnobius, Lactanz, Augustin; und
wer sollte ihnen da widersprechen? Gepriesen sei die Zeit, wo das
Christentum nur mit solchen Waffen, mit den Waffen der klugen Rede,
focht und siegte! Es sollte die Zeit kommen, wo es zu anderen griff.
Juvenal hatte umsonst gewarnt. Die Zeit kam, wo der Fanatismus aufs
neue zum Schwert griff und das Blut floß. Es war der Fanatismus des
Christentums und seiner erstarkten Kirche.
Wozu daran erinnern? Die Religionskriege liegen ja gottlob weit hinter
uns. Der schöne Gedanke des Altertums, daß der Polytheismus nur eine
Vielnamigkeit Gottes, daß die vielen Götter der Erdenvölker also nur
viele Versuche sind, den Einen zu nennen, und die religiöse Duldung,
die in diesem freundlichen Gedanken wurzelt, hat allmählich auch unsere
Gegenwart erobert, und wir hoffen, daß sie einmal voll und ganz siegen
wird. Schlimmer steht es heut mit dem Rassenhaß, dem Völkerhaß, der
Entzweiung der Völker Europas. In dem Weltkrieg, der in den letzten
Schreckensjahren unseren Weltteil zerfleischte, schlugen nicht nur
die Waffen, die Vulkan geschmiedet, aufeinander; auch das Wort
kämpfte wieder, aber völlig entartet, und die gemeinste Schmähsucht
war losgelassen. Mit den niedrigsten, verlogensten Beschimpfungen
fielen die Völker, die unsere Vernichtung beschlossen hatten, über uns
Deutsche her, weil unser Volk den unerhörten Mut hatte, sich innerhalb
seiner Grenzen selbständig und kraftvoll auszuleben. Aller Witz der
Rede, aller Feinsinn, alle Grazie erstickte dabei in geschmacklosester
Karikatur und häßlich kreischender Verleumdung. Das verrät einen
sittlich kulturellen Tiefstand der Gegenwart, der Europa weit, weit
hinter das Zeitalter des Horaz und Juvenal zurückwirft und uns mit
völlig hoffnungsloser Trauer erfüllt. Denn die Völker, von denen ich
sprach, lebten ja schon damals; sie alle sind die gemeinsamen Erben
der Zivilisation von Rom und Hellas. Damals zwang die Römerherrschaft
die hochbegabten Nationen, die sie umfaßte, zur Eintracht, zum Fleiß
und dauernd glücklichem Dasein. Wird jetzt der geplante „Völkerbund“
wirklich alle Nationen friedlich umfassen? oder müssen wir wünschen,
daß wieder wie einst ein Zwingherr ersteht, der die Welt in seine
starke Hand und sichere Verwaltung nimmt? Beklagenswert die Welt, die
zu ihrem Glück, zur Wahrung ihrer Würde, gezwungen sein will. Denn
Glück ist nur in der Freiheit, und der wahre Beruf der Völker ist, in
freier Einigung die reine Menschheit in sich darzustellen.
Anmerkungen.
Die Römerin.
[1] Vielleicht ist das Wort ~roma~, ~ruma~ ursprünglich etruskisch und
hernach latinisiert worden; man hat es neuerdings als „Brust“ gedeutet;
alsdann war ~Roma~ aber vielleicht ursprünglich die Benennung für
einen Mann gewesen, also wirklich als Maskulinum gedacht und nur der
Form nach weiblich, sowie auch die Feminina ~Ahala~, ~Sura~, ~Pansa~,
~Bucca~ Körperteile bezeichnen und zugleich römische Männernamen sind,
und ~Romulus~ war, dies vorausgesetzt, von dem männlichen ~Roma~ nur
die Verkleinerung. Vgl. G. Herbig in der Berliner philol. Wochenschrift
1916, S. 1477.
[2] D. h. der ~genius urbis~ war eben der ~genius populi~, und
~populus~ ist maskulin. Die Aufschrift, die sich auf dem Kapitol
befand: ~genio urbis Romae sive mas sive femina~ (Servius zu Aen. 2,
351) kann nicht alt gewesen sein, da die ursprünglichere Bezeichnung
~genius populi Romani~ gewesen sein muß. Denn ~genius~ bedeutete
eigentlich den männlichen Zeugungstrieb (vgl. meinen Artikel „Genius“
in Roschers Mythologischem Lexikon). Jene Inschrift verrät das
Befremden, das Spätere dem ~genius~ eines weiblichen Wesens gegenüber
empfanden.
[3] Marquardt-Mau, Privatleben, S. 728, 8.
[4] Über die „Hut der Mutter“, ~matris tutela~, ~matris custodia~, vgl.
Rheinisches Museum 70, S. 269. So sehen wir den jungen Properz unter
der ~custodia matris~ stehen, aber auch den jungen Dichter Persius.
Horaz hat dagegen seine Mutter früh verloren; denn er erwähnt nur den
Einfluß des Vaters auf seine Kindheit. Vielleicht mag sich aus diesem
Umstand des Horaz eigentümliche Stellung zu den Frauen erklären; denn
er huldigt, anders als Properz, keiner Frau der vornehmen Gesellschaft,
er hat ihren Umgang augenscheinlich nicht gesucht. Nur an Männer sind
seine Briefe gerichtet. Die edle Frauenverehrung aber pflegt mit der
Verehrung der Mutter anzuheben.
[5] Die ~virtus~ gehört den ~viri~, die ~pudicitia~ den ~matronae~:
Livius 10, 23.
[6] Properz 2, 6, 25 und Plinius ~nat. hist.~ 17, 244.
[7] Domitius warf dem Crassus vor: „Hast du nicht geweint, als dir die
Muräne starb, die du im Fischbehälter aufzogst?“ Crassus antwortete:
„Hast du nicht etwa +nicht+ geweint, als du dich von deiner Frau
trenntest?“
[8] Das griechische Ideal der Ehe gibt uns Plutarch, ~Praecepta
coniug.~ 9: Der Mond strahlt nur dann, wenn er der Sonne nicht zu nahe
steht. Umgekehrt die Frau: sie strahlt am schönsten, wenn sie zusammen
mit ihrem Manne erscheint; ist er nicht da, so gleicht sie dem Neumond!
Diese Lehre gipfelt in dem Satz: die Frau soll der +Spiegel+ ihres
Mannes sein.
[9] Erst im 2. Jahrhundert n. Chr. tauchen Römerinnen, die in eine
Hündin verliebt sind, auf, bei Juvenal VI, 654 und Lucian ~de merc.
conductis~ 34 (letztere Stelle wurde mir von ~Dr.~ Hasenclever,
Würzburg, nachgewiesen), früher findet sich nichts dergleichen. Es war
dies also eine Mode der Spätzeit. Wohl treffen wir dagegen Männer, auch
junge Männer an als zärtliche Liebhaber ihrer Hunde; ich erinnere an
das Hündchen Issa bei Martial (s. S. 223). Das reizende Grabgedicht auf
die Hündin Myia (~Carmina epigraphica~ 1512) stammt freilich von einer
Frau, aber aus Gallien, nicht aus Rom. Aus Rom stammt die marmorne
Grabschrift auf die Jagdhündin Margerita (ebenda 1175), von der dort
ausgesagt wird, daß sie oft im Schoß ihres Herrn oder ihrer Herrin
von der Jagd ausruhte. Hier ist die Herrin also einmal mit erwähnt.
Die Katze fehlte in den Häusern; sie wurde vom mäusefangenden Wiesel
(~mustela~) vertreten; aber auch zum Wiesel sehen wir die Römerinnen
nie in einem näheren Verhältnis.
[10] Seneca ~de benef.~ 1, 9. Die Frau, die außer ihrem Ehemann
nur einen Liebhaber hat, steht noch gut da; man sagt von ihr, daß
sie in Doppelehe lebt, und dies eine ~adulterium~ wird als ein
zweites ~matrimonium~ gerechnet; s. Martial VI, 10 und „Römische
Charakterköpfe“ 3. Aufl., S. 235.
[11] Gellius 1, 23.
[12] ~mulierum conventus, senatus matronalis, Script. hist. Augustae
Heliogab.~ 4, 3.
[13] Cicero nennt die Clodia geradezu ~meretrix~.
[14] Helvius Cinna hatte schon unter des großen Julius Caesar
Begünstigung geradezu die Einführung der Polygamie vorgeschlagen
(Sueton, Caes. 52); die Kaiserin Messalina führte dies durch; weiter
nichts.
[15] ~Ovid ars~ 3, 189.
[16] Horaz ~sat.~ 1, 10, 91.
[17] s. Rheinisches Museum 70, S. 270.
[18] Vgl. W. Schrötter, Ovid und die Troubadours.
[19] Seneca ~epist.~ 95, 21.
[20] Zur Frauensatire Juvenals vgl. Rhein. Museum 70, S. 527 ff.
[21] ~Domum servavit, lanam fecit~ (~Carmina epigraph.~ 52) ist
typisch. Charakteristische Monumente sind die Grabschrift auf Turia
(Dessau n. 8393) und das neuerdings gefundene der Potestas (Kroll im
Philologus 73, S. 274 f.); sie geben eine ausführliche Schilderung.
Ich nehme hier die Gelegenheit wahr, eine schwierige Stelle in dem
Lobgedicht auf Potestas (das um das Jahr 300 n. Chr. entstanden ist) zu
erklären. Die Körperschönheit, Brust und Beinwerk der Frau, werden da
sehr drastisch gelobt; dann heißt es im v. 22, daß die Frau eine glatte
Haut hatte, ja, daß sie sich alle Haare zu entfernen pflegte:
~anxia non mansit, sed corpore pulchra benigno
levia membra tulit; pilus illi quaesitus ubique.~
Hier hat das ~anxia~ die sonderbarsten und künstlichsten Erklärungen
hervorgerufen; der Zusammenhang der Sätze zeigt aber unzweifelhaft,
daß dies Wort „behaart“ bedeuten muß. Es kann nichts anderes sein
als ein Vulgarismus des Spätlateins und ein barbarisch entstelltes
griechisches Lehnwort; nämlich ἄξοος, das von ξέω gebildet worden ist
(nach der Analogie von ἄπνοος, εὔρροος) im Sinne von ἄξεστος, „der
ungeschorene“ (vgl. Callimachus Frgm. 105), und hier ebenso auf die
Rauheit der Haare Bezug hat, wie das ξεστός bei Oppian von den Haaren
des Elephanten steht. Sie ist ~non anxia~, heißt also soviel wie:
sie ist ~toto corpore expolita~, wie wir in der Vita des Heliogabal
5,5 lesen. Der Vulgarismus aber zeigt sich in dem Wort ~anxia~ statt
~axoa~ dreifältig, im Eintreten des ~i~, im Eindringen des Nasals,
in der Bildung einer Femininform vom komponierten griechischen
Adjektiv. Das ἄξοος wurde offenbar mit dem geläufigen Adjektiv ἄξιος
zusammengeworfen. Dann ist das Wort weiter an das echt lateinische Wort
~anxius~ völlig angeglichen, und eben der Anklang an dies geläufige
lateinische Wort hat die Nasalierung begünstigt. Das Eindringen des
unechten Nasals aber ist dasselbe wie in ~thensaurus~, ~coniunx~, und
die Gegenbildungen dazu sind Schreibungen wie ~Quictilis~, ~provicia~
u. a., die man auf Inschriften findet. Insbesondere ist ~bronchus~
als Nebenform von ~brocchus~, ~brochus~ zu vergleichen; auch καχάζω,
καγχάζω, ~Pimplêus~ und ~Piplêus~ (Catull 105, 1). Nicht glücklich ist
die Stelle von Mesk in der Berliner Phil. Wochenschrift 1915, S. 62
behandelt worden.
[22] Auch an der Priscilla weiß Statius (Silven V 1, 57) im Grunde nur
dies zu rühmen und daß sie Tag und Nacht für das Wohl des Gatten zu den
Göttern gebetet hat (v. 72).
[23] Arrias Wort an den Gatten: „o Pätus, der Tod schmerzt nicht.“
Antike Gastmähler.
[24] Schiller sagte doch bekanntlich nur: „Satt zu essen muß der
Mensch haben, wenn sich die bessere Natur in ihm regen soll.“ Vgl.
Säkularausgabe Bd. XIII, S. XXXII.
[25] Über Tafelfreuden, Kochbücher u. a. des 16.-18. Jahrhunderts findet
man einen hübschen Aufsatz in Reclams Universum, Jahrgang 34, Heft 12
(1917).
[26] S. Das antike Buchwesen, S. 434.
[27] Etwa: „Singe mir, Muse, Diners mit vielerlei Gängen und viele!“
Aber der Anklang an den homerischen Vers ist damit nur teilweise
wiedergegeben.
[28] Ich sehe von solchen Tabernen ab, die üblen Zwecken dienten.
[29] Außer in gewissen leichtlebigen Geselligkeiten, von denen hier
nicht die Rede ist.
[30] Vom Kaiser Elagabal hören wir, daß er für jeden Gang ein neues
Tischtuch (~mantele~) auflegen ließ, und zwar waren auf dem Tuch die
Speisen abgebildet (~picta~), die es gab (~Script. historiae Augustae
c.~ 27).
[31] In dem Gedicht Anthol. Pal. 10, 43 heißt es: „Sechs Stunden
am Tag sind für die Arbeit, die siebente bis zur zehnten sind für
das Sichausleben“; in feiner Witzform wird das vorgetragen. Die
griechischen Buchstaben für die Zahlen 7, 8, 9, 10 sind nämlich ΖΗΘΙ,
und ζῆθι bedeutet: „genieße das Leben.“
[32] Wir erfahren, daß diese Vorhänge wirklich Gegenstände der
Betrachtung waren; s. Valerius Maximus 9, 1, 5.
[33] Martial 12, 87 und sonst.
[34] Die Gäste küssen den Tisch, um Gespenster oder ein böses Omen
abzuwehren; Petron, ~c.~ 64.
[35] Deshalb war ein Fisch teurer als ein Rind; Plutarch, Sympos. 663
~B~.
[36] Unser Wort „Suppe“, italienisch ~zuppa~, heißt eigentlich das
Eintauchen von Brot in eine Flüssigkeit; vgl. R. Kleinpaul in der
Kölnischen Zeitung 1911, Nr. 453, drittes Blatt: „Das Alter der Suppe.“
[37] Friedländer erklärt die Stelle des Petron, ~c.~ 65: ~gallinae
altiles circumlatae sunt et ova anserina pilleata quae ut comessemus,
ambitiosissime (a) nobis Trimalchio petiit dicens exossatas esse
gallinas~ nicht richtig; ~quae~ weist nicht nur auf ~ova~, sondern
zugleich auf ~gallinae~ zurück: „Trimalchio drängte uns, daß wir von
beiden essen sollten, indem er anmerkte, die Masthühner seien übrigens
ohne Knochen.“
[38] Vgl. Martial 13, 92.
[39] Plinius, ~Nat. hist.~ 28, 260; Martial 5, 29; Lampridius Alex.
~c.~ 38.
[40] Es lag allerdings für die Volksetymologie nahe, ~lepus~ und
~lepos~ in ähnliche Beziehung zu setzen wie ~decus~ und ~decor~,
~(h)onus~ und ~honos~.
[41] Vgl. Martial 3, 82, 8.
[42] Seneca ~ad Helviam~ 10.
[43] Vgl. Martial 5, 79.
[44] Vgl. Martial 9, 35.
[45] Vgl. Martial 5, 78, 26.
[46] Vgl. Martial 3, 50.
[47] Diese Umrechnungen sind nicht genau zu nehmen, da der Wert des
Geldes starken Schwankungen unterworfen war. Bei Derus werden 6
Millionen, bei Nero 4 Millionen Sesterz angegeben.
[48] Varro, ~De re rust.~ 3, 7.
[49] Man vergleiche dazu Sergius Orata; ~orata~ ist der Goldfisch.
[50] Hierfür wie für manches andere sei auf Victor Hehn, Kulturpflanzen
und Haustiere (6. Auflage, S. 433 ff.) verwiesen.
[51] Dies führt Martial 7, 27 aus.
[52] Plutarch, ~De esu carnium~, ~p.~ 997 ~A~.
[53] Friedländer, Petron S. 282. Auf einem Relief von St. Germain sieht
man eine Tischrunde, ein Sigma dargestellt; in der Mitte steht ein
ganzer Eberkopf serviert: s. Robert, Sarkophagreliefs Bd. III, Tfl. 88,
N. 272.
[54] Wohl aber war das Trinkgeschirr oft aus Glas und die
Glasfabrikation hoch entwickelt.
[55] Ein Feldherr, der im Jahr 58 n. Chr. in Germanien Krieg führte,
hatte 12000 Pfund Silbergeschirr in seinem Hauptquartier (Plinius ~nat.
hist.~ 33, 143).
[56] ~Digitis ustis~, Martial 5, 78, 6.
[57] In der Casa del Centauro zu Pompeji wurden dreizehn silberne
Löffel ausgegraben, sechs kleinere und sieben größere. Eine Abbildung
der kleineren findet man bei Overbeck-Mau, Pompeji, 4. Auflage, S. 444.
[58] Petron ~c.~ 66.
[59] Martial 7, 22, 17.
[60] Vgl. W. Helbig, Führer durch die Sammlungen der klassischen
Altertümer in Rom, Nr. 715.
[61] Die Gelage enden der Regel nach nie spät; nur der Berufssäufer
trinkt bis zum Morgen; es schien schon ungeheuerlich, daß Nero ~epulas~
bis ~noctem protrahebat~ (~Suet. Nero~ 27).
[62] Hierüber meine Kulturgeschichte, 3. Aufl., S. 49 f.
Auf der römischen Heerstraße.
[63] Für die nachfolgende Studie kam mir das Buch von Wolfgang Riepl zur
Hilfe: „Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht
auf die Römer“ (Leipzig 1913); es ist von mir besprochen in der
Historischen Zeitschrift, Bd. 113, S. 571 ff.
[64] Vgl. Herodot V, 105.
[65] Philostrat II, S. 378, 12 ~ed.~ Kayser.
[66] Über Iris vgl. Neue Jahrbücher XIX (1907), S. 707 f.
[67] Plinius handelt in seiner Naturgeschichte VII, 84 über namhafte
Schnelläufer und ihre Leistungen; aber er weiß da als Beispiele nur
Griechen zu nennen, und indem er schließlich auch nach einem römischen
Namen sucht, findet er keinen einzigen außer Tiberius, der Tag und
Nacht zu seinem erkrankten Bruder Drusus nach Germanien eilte, aber im
Wagen! Das ist bezeichnend.
[68] Livius 26, 35.
[69] Livius 34, 1, 5 und 2, 12.
[70] Juvenal 11, 2.
[71] Varro ~de lingua lat.~ 6, 27.
[72] Sueton, Vespasian ~c.~ 8.
[73] Von den ~viae vicinales~ sind die Kommunalstraßen, ~viae
communes~, und von diesen wieder die ~viae publicae~ verschieden; an
den Vicinalwegen steht angeschrieben, wer den Weg in Ordnung zu halten
hat; s. Agrimensoren ~ed.~ Thulin I, S. 110.
[74] Livius 22, 7.
[75] Livius 21, 9.
[76] Livius 21, 20.
[77] Cicero ~pro Balbo~ 34; Lucrez 3, 1032.
[78] d. h. 20 Millien; Vegetius ~de re mil.~ 1, 9.
[79] Riepl, S. 129. Ich entnehme dem Buch Riepls einige weitere
Angaben. Caesar soll einmal am Tag 75 ~km~ zurückgelegt haben (S.
132); der mazedonische König Philipp III. gar 90 ~km~ (S. 134). Mit
welcher Vorsicht solche Angaben aufzunehmen sind, habe ich im Rhein.
Museum Bd. 70, S. 253 f. gezeigt: Hannibal sollte nach der Schlacht bei
Cannä in fünf Tagen mit seiner Reiterei in Rom sein und Rom einnehmen
können; Riepl bemüht sich ernstlich, dafür die tägliche Kilometerzahl
auszurechnen. Ich habe aber nachgewiesen, daß die Fünfzahl im Altertum
nur eine ungefähre Summe ist, die nichts weiter als „in kurzer Zeit“
bedeutet. Die Beispiele, die ich für diesen Sprachgebrauch dort
beibrachte, könnte ich jetzt noch vermehren, und so wird es dann
auch wohl mit der Angabe nicht besser stehen, daß Ämilius Paulus in
5 Tagen von Delphi zu seinem Heer nach Mazedonien eilte (Riepl, S.
151). Zur Vergleichung seien noch einige Marschleistungen der neueren
Zeit hierhergesetzt, deren Kenntnis ich der Güte des Generalleutnants
August Beß, Exzellenz, verdanke. Man rechnet heute als +höchste+
Marschleistung in 24 Stunden für Kavallerie und reitende Artillerie
80 ~km~, für Kavalleriepatrouillen 120 ~km~, für Infanterie 50 ~km~.
Die Leistungen werden aber oft beeinträchtigt durch den Einfluß der
Jahreszeit und Witterung, der Wege und der Größe des Truppenverbandes
selbst. Friedrich der Große und Prinz Heinrich haben nicht selten 30
bis 40 ~km~ an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen von ihren Truppen
verlangt, obwohl sie damals noch in steter Schlachtbereitschaft
marschierten. Einzelleistungen: auf der Verfolgung nach Jena im Jahre
1806 hat die Avantgarde des Korps Lannes auf tiefsandigen Wegen
100 ~km~ in 50 Stunden zurückgelegt, also 48 ~km~ in 24 Stunden.
Unter Diebitsch wurde 1831 von Wysoko nach Pyski an einem Tag 7
Meilen, 50 ~km~ marschiert. 1864 zog das dritte preußische Korps von
Christiansfeld bis Warnitz-Apenrade in 12 Stunden 6½ Meilen (bis 45
~km~); 1870 am 16. und 17. Dezember das neunte Korps bei starkem Regen
und sehr schlechtem Wetter von Blois nach Orleans, etwa 70 ~km~ in 33
bis 36 Stunden (einschließlich Nachtruhe).
[80] Riepl, S. 149.
[81] Philostrat II, ~p.~ 43, 27 ~ed.~ Kayser.
[82] Noch Claudian schrieb ein Gedicht ~De mulabus Gallicis~.
[83] Gellius 15, 4.
[84] Anders als im letzten Weltkriege. Ich möchte die Worte hierher
setzen, die Exzellenz Gröner Anfang März 1917 in Düsseldorf im Verein
der Eisenhüttenleute gesprochen hat: „Heute müssen die Heere auf Räder
von Eisen gestellt werden, und so rollen sie dem Feinde entgegen, von
einem Kriegsschauplatz zum anderen, und die Eisenindustrie liefert dem
Heere nicht nur die Beine, sondern vor allem auch die stahlgepanzerte
Faust.“
[85] Die Sache scheint befremdlich (vgl. H. Delbrück, Preußische
Jahrbücher Bd. 167, S. 211 Anmerkung); für Trajan aber haben wir
das Zeugnis der Trajanssäule und Plinius Panegyr. 14; für Alexander
Severus die Vita 48, 4; für Caesar Sueton Caes. 57; für Marius Plutarch
Mar. 13. Weniger beweisend ist das περιϊών bei Plutarch im Leben des
Antonius c. 47 und Lukull als πεζός Plut. Lukull 28. Dagegen sehen
wir den Agricola zu Pferde (Tacitus Agr. 35), ebenso Sulla (Plut.
Sulla 21), ebenso Maximin (~Script. historiae Aug. Maximin~ 12); vgl.
auch Livius 22, 3, 11 u. 49, 3. Genauer schreibt Claudian ~De IV.
consul. Honorii~ 349 dem Imperator vor: ~nunc eques in medias equitum
te consere turmas, nunc pedes assistas pediti~; d. h. schließt der
Oberfeldherr sich der Infanterie an, so soll er zu Fuß gehen, mit der
Kavallerie reiten.
[86] ~Expedire~ heißt eigentlich den Fuß befreien, wie ~impedire~
den Fuß hemmen, ~compedire~ die Füße mit Fesseln zusammen schließen.
Jenes bestand darin, daß man das schleppende Kleid hoch gürtete; der
Kriegsmann geht ~cinctus~, d. h. er gürtet das Kleid. Wichtig zum
Verständnis ist, daß der alte Plautus Amph. 308 schreibt: ~cingitur:
expedit se~: „er gürtet sich, er will freien Fußes losfahren.“ Das
wird hernach im übertragenen Sinn gebraucht, und Livius schreibt 38,
21: ~expedire se ad pugnam~, d. i.: „alles Gepäck beiseite werfen,
um kämpfen zu können.“ Deshalb heißt „Expedition“ in der alten
Heeressprache dasjenige militärische Unternehmen, bei dem ein Wagentroß
nicht mitgeführt wird; so wiederum bei Livius: ~cum promptissimis
iuvenum praedatum atque in expeditiones ire~. Wer ~promptus~ ist, ist
~expeditus~. Vgl. auch Hirtius, ~Bellum Gallicum VIII~, 34, wo es die
~expediti~ sind, die nächtliche „Expeditionen“ unternehmen.
[87] Seneca, Epistel 87 und 123, 7. Gute Abbildungen bespannter Wagen
sind selten; um so wertvoller das neugefundene griechische Marmorrelief
aus älterer Zeit: Archäol. Jahrbuch 1918, Anzeiger S. 15, Abb. 13.
[88] Statius Silven 3, 5, 75.
[89] Seneca Ep. 77.
[90] Juvenal 14, 265 ff.
[91] Tacitus Ann. 2, 53 und 61.
[92] Horaz, Ep. 1, 11, 11.
[93] ~iter solum per avia nemorosa~, Mosella Vers 5.
[94] Auf „Gehen“ weisen alle Wörter, die da Ausonius braucht:
~transieram~ V. 1, ~ingrediens~ V. 5, ~per avia~ V. 5, ~praetereo~ V.
7. Ich verstehe nicht, wie Hosius S. 26 seiner Ausgabe ansetzen kann,
Ausonius sei dort auf der Römerstraße mit der Reichspost gereist.
[95] ὁδοιπόρος ist der Reisende nur, sofern er zu Fuß geht (vgl. z. B.
Plutarch Antonius c. 62). Nach der Überlieferung lautet der Titel des
Gedichtbuches des Persius freilich nur „~opericon librum unum~“ (Sueton
~p. 75 R.~). Äußerlich näher läge es, dies in „ὀπωρικῶν ~librum unum~“
zu verbessern. Dies wären Lieder zur Obsternte. Indes ist ὀπωρικός ein
Wort, das sich kaum belegen läßt, und ich halte deshalb an dem im Text
Gegebenen fest. Vgl. übrigens ~hodoeporium genus (?) cantilenae~; G.
Esau, ~Glossae ad rem librariam pertinentes~, Marburg 1914, S. 109.
[96] ~viam vorare~, Catull 35, 7. Man hat hierfür an den modernen
„Kilometerfresser“ erinnert.
[97] Rhein. Museum Bd. 69, S. 390.
[98] Apostelgeschichte 20, 13: πεζεύειν.
[99] Digesten II, 11, 1; Riepl, S. 145.
[100] Apostelgesch. 28, 11, vgl. übrigens E. Aßmann in Baumeisters
Denkmälern, S. 1623.
[101] Vgl. Rhein. Mus. 65, S. 474; meine Katalekton-Ausgabe, S. 123.
[102] G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, 2. Aufl. S. 277.
[103] Vgl. Cicero ~pro Roscio Amerino~ 18.
[104] Horaz, Ep. I, 11, 11.
[105] Cicero ~pro Cluentio~ 163: ~Ambivius homo multorum hospes, copo de
via Latina.~
[106] Marquardt-Mau, Privatleben, S. 472. Ein As sind etwa 4 Pfennige.
[107] Das Bett ist offenbar bei dem Posten „Mädchen“ mit eingerechnet.
[108] ~naves tabellariae, naves cursoriae.~
[109] Ein anderer herrlicher Schiffstyp waren die ~myoparones~ der
kleinasiatischen Piraten, deren sich z. B. Mithridates bediente, um an
Sertorius in Spanien rasche Nachricht zu bringen: vgl. Cicero Verrinen
1, 86 f.
[110] Sueton, Octavian 49.
[111] Riepl, S. 221.
[112] Riepl, S. 263.
[113] S. 181.
[114] Tacitus Historien 2, 54.
[115] Plutarch Galba 7.
[116] Vgl. das ~ambulare per Britannos~, Vita Kap. 16. Einmal hören wir,
daß Hadrians Wagen zerbricht; er reist dann zu Fuß und überholt den
gleichzeitig laufenden Militärboten: Vita 2, 6.
[117] Vita Kap. 23.
[118] Ein gewisser Oppius hatte das damals zeitweilig in Händen.
[119] Riepl, S. 142.
[120] Den regen Betrieb veranschaulicht uns auch Cicero ~ad Atticum~ 2,
12: Cicero reist eben über Land und hat auf der uns bekannten Station
Tres Tabernae schon frühmorgens einen Brief an Atticus abgehen lassen.
Als er nach Forum Appi kommt, ist es immer noch Vormittag; da schreibt
er abermals an ihn und erzählt nun: „eben war ich in Tres Tabernae
angelangt, da läuft Curio (ein guter Bekannter), der aus Rom kommt, mir
entgegen, und gleich kommt da auch dein Diener mit den Briefen von dir
an. Erst höre ich den Curio erzählen; politische Neuigkeiten: „weißt
du’s noch nicht? Publius will Tribun werden.“ „Und was macht Caesar?“
und so fort. Ich umarme ihn, entlasse ihn und reiße sofort deine Briefe
auf; sie melden dasselbe.“ Diesen Brief kann Cicero nun aber nicht
gleich an Atticus abgehen lassen; ein Bote fehlt, und er wird erst am
folgenden Tag abgeschickt (Riepl, S. 259).
[121] Riepl, S. 280 f.
[122] Riepl, S. 309.
[123] Cassius Dio 63, 114.
[124] Cicero ~ad fam. VIII~, 1.
[125] Die ~acta diurna~ hießen auch ~acta urbana~, weil nämlich nur
Dinge der Hauptstadt darin standen, sie hießen auch ~acta publica~,
sofern sie unter Aufsicht des Staates redigiert wurden.
[126] In des Tacitus Zeit wurden die Senatsakten freilich nicht mehr
vollständig, sondern nur in Auswahl publiziert, aber ihm, als Senator,
standen die vollständigen Verhandlungsberichte ohne Frage zur Verfügung.
[127] Auffällig ist auch, daß diese Akta nie mit Buchzählung zitiert
werden, welche doch, falls eine Unzahl von Buchrollen, die die
Jahrgänge enthielten, sich ansammelte, unerläßlich war. Daß wir sie
nie als Jahrgänge, d. h. nach dem Jahr ihres Erscheinens zitiert
finden, erklärt sich schon daraus, daß das Altertum eine Jahreszählung
überhaupt nicht hatte.
[128] Philostrat, Apollonius von Tyana VII, 16.
[129] Vegetius ~de re militari V~, 9.
[130] Cicero ~ad Att. XI~, 16, 4.
[131] Cicero ~ad fam. X~, 31 u. 33.
[132] Bei Plutarch (Caesar 37) wird es dem Caesar zum Vorwurf gemacht,
daß er beim Wintersturm über das Meer setzt, was selbst ein Gott nicht
könne; vgl. auch Plut. Antonius 7; Lucan V, 504 ff.
[133] Im Winter bringen auch dem Vespasian, der in Alexandrien ist,
seine Verehrer aus Rom persönlich die Nachricht, daß Vitellius tot ist:
Tacitus ~hist. III~, 48: dies ist ein Merkmal dafür, wie wichtig es
damals war, sich des neuen Kaisers Gunst sofort zu sichern.
[134] Bei Cassius Dio 51, 45 wird noch ein ähnlicher Fall erzählt, wo
Antonius im Winter über das, was Oktavian treibt, völlig ohne Nachricht
bleibt. Übrigens stand es um das Jahr 400 n. Chr. ähnlich zwischen
den getrennten Reichen des Arkadius und Honorius; von Constantinopel
kommen nur verspätete und unzuverlässige Nachrichten nach Rom. Vgl.
den Historiker Eunapius ~fr.~ 74 (meine Claudian-Ausgabe S. XXXIV,
Anmerkung).
[135] Unter „London“ 28. April berichteten unsere deutschen Zeitungen
folgende Mitteilungen. Daily Telegraph meldet: Die Nachricht von dem
Aufruhr in Dublin wurde gestern früh hier durch Reisende aus Irland
herübergebracht. Sie sprach sich vormittags in der Stadt herum.
Daily Chronicle: Die Mitteilungen des Staatssekretärs für Irland im
Parlament waren für das Haus eine vollständige Überraschung. Basel, 28.
April: Der Überfahrtsverkehr von England nach Irland ist eingestellt.
London, 27. April: Im Unterhaus sagte Birrell, er wisse nicht, ob
die Postverbindung mit Irland funktioniere; zwei Dampferlinien seien
unterbrochen. London, 28. April: Im englischen Oberhaus fällt die
Äußerung, die Aufständischen haben das Kabel durchschnitten. Dann wird
noch gemeldet, daß sie in Dublin das Hauptpostamt und zwei Bahnhöfe
besetzten und alle Drähte durchschnitten.
[136] Juvenal 7, 97.
Die Laus im Altertum.
[137] Der Verfasser ist ~Dr.~ Ernst Schultze.
[138] In den umfassenden Werken über griechische und römische Altertümer
und Sittengeschichte der Alten, die wir besitzen, von C. F. Hermann und
seinen Fortsetzern, von Marquardt-Mau, von Blümner und Friedländer habe
ich mich umsonst nach Auskunft über diesen Gegenstand umgesehen. Diese
Werke notieren leider immer nur das, was die Alten besaßen, nicht, was
ihnen fehlte; und oftmals ist das letztere noch charakteristischer
für die Kultur als das erstere. Gleichwohl hoffe ich, daß mir in der
nachfolgenden Zusammenstellung an Nachweisen über die Laus nichts
Wesentliches entgangen ist.
[139] Diese vielen ~phth~ in der Transkription griechischer Wörter, wie
~phtheir~, ~Phthiriasis~, ~Naphtha~, ~Diphthong~, ~Diphtheritis~,
~Ophthalmologie~ u. a., sind überaus lästig für jeden Leser; seit
der Renaissancezeit sind diese Schreibungen leider eingebürgert und
schwerlich zu beseitigen. Die richtige lateinische Umschrift ist
vielmehr ~ptheir~, ~Naptha~, ~Dipthong~ usf.
[140] Plutos 537.
[141] φθειροκομίδης bei Hesych.
[142] Beim Komiker Aristophon ~fr.~ 12 und 13 (Kock). Chr. Jensen machte
mich auf diese Stelle aufmerksam. Wenn es dort im ~fr.~ 13 heißt:
φθεῖρας δὲ καὶ τρίβωνα τήν τ’ ἀλουσίαν οὐδεὶς ἄν ὑπομείνειε τῶν
νεωτέρων, so ist es verfehlt, an dem τῶν νεωτέρων zu rühren. Das ergibt
sich schon aus dem, was ich dargelegt. Für die jüngere Generation waren
solche Leute damals unerträglich geworden. Auch darf das ~fr.~ 12 mit
~fr.~ 13 nicht zu einer Texteinheit zusammengefaßt werden.
[143] Wolken 145.
[144] Thesmoph. 1180.
[145] Wespen 372.
[146] Frösche 115.
[147] Thesmoph. 218 ff.
[148] Friede 740.
[149] Vgl. z. B. Arist. Ritter 1060.
[150] Ritter 51.
[151] Ich erinnere an Kaiser Julian, der in seiner humoristischen
Schrift „Misopogon“ wirklich von den Läusen in seinem Barte redet.
[152] Arist. Ekklesiaz. 63.
[153] Der Komiker Eubulos, ~fr.~ 32 K. Man vergleiche dazu Celsus VI, 6,
15 von der Läusekrankheit (worüber unten): wer an ihr leidet, dem muß
der Kopf bis auf die Haut geschoren werden (~caput ad cutem tondendum~).
[154] Athenaeus ~p.~ 586 ~A.~
[155] Plato im Sophisten, ~p.~ 227 ~B~.
[156] Diog. Laert. VI, 39-47.
[157] Im „Culex“.
[158] Vgl. dazu auch die σαπρά bei Aristophanes Thesmoph. 1025.
[169] Martial I, 37.
[160] Auch in dem üblen Martialgedicht XII, 59 steht nichts von ihr.
Erst barbarische „Textverbesserer“ der Neuzeit haben in dies Gedicht
die Läuse gebracht. Vgl. Rheinisches Museum 71, S. 274.
[161] Sueton Domit. 3.
[162] Catull ~c.~ 23; danach Martial XI, 32.
[163] Novius 107.
[164] Festus, ~pag.~ 210: ~pedibus obsitum~.
[165] Titinius 177.
[166] Plautus Curc. 500.
[167] Lucilius ~v.~ 882 ~ed. Marx~; Marx hat die Stelle nicht richtig
verstanden.
[168] Vidularia, ~fr.~ XIX: ~ubi quamque pedem viderat, subfurabatur
omnis~: „wo immer er eine Laus sah, pflegte er sie gleich alle zu
entfernen.“
[169] Appian, ~Bell. civil. I~, 101.
[170] Hinzugefügt sei endlich noch Plutarch, ~Quomodo adulator eqs.
pg.~ 49 ~C~, der sagt: wie die Läuse den toten Menschen, so verlassen
die Schmarotzer den reichen Mann, der verarmt. Vielleicht aber hat
auch noch das Rätsel in der ~Anthologia Palatina XIV~, 19 auf die Laus
Bezug; s. Ohlert, Rätsel und Gesellschaftsspiele (1886), S. 143.
[171] Auch Pheretime, die Königin, stirbt so; vgl. Herodot IV, 205.
[172] Pausanias X, 10, 6 ff.
[173] Herodot II, 37.
[174] Von den Adyrmachiden: Herodot IV, 168.
[175] Strabo IX, ~p.~ 492, 497 u. 499; auch bei Ptolemäus. In des
Plinius Zeit hieß dies Volk Salae oder Saltiae; vgl. Plinius, ~nat.
hist. VI~, 14.
[176] Das Waschen oder Baden bei den alten Germanen hebt schon Tacitus
~Germ.~ 22 hervor; vgl. Plutarch ~Mar.~ 19.
Der Mensch mit dem Buch.
[177] Die Homerfrage ist von mir genauer erörtert in meinem Buch „Kritik
und Hermeneutik nebst Abriß des antiken Buchwesens“, München 1913, S.
89 f. und 247 f.
[178] Man hat den Umstand, daß Homer kein Buch erwähnt, gedankenlos
genug, damit wegzudeuten versucht, daß Homer archaisiere und es
deshalb, weil es den alten Helden nicht anstehe, unterdrückt habe.
Warum erwähnt Homer denn doch die Schreibtafel? Es ist, wie auf der
Hand liegt, zweierlei zu unterscheiden. Gewisse Dinge, wie vor allem
die von Aristophanes so begünstigten ~turpia naturalia~, verschweigt
Homer, weil sie dem Heldenstil nicht anstehen, andere Dinge deshalb,
weil er sie +noch nicht kennt+. Er redet noch nicht von Münzen, von
Götterbildern, noch nicht von der Jahreszeit des Herbstes und so
manchem anderen, was erst die spätere Kultur und Gedankenentwicklung
brachte. Auch Hühner kennt Homer noch nicht, die erst später aus Asien
zu den Griechen kamen. Mit Überzeugung stellen wir hierzu auch das
Buch, das, sobald es aufkam, ein Stolz des Griechen war; denn, wie
die Bildwerke uns zeigen, traten die Dichter und Sänger stets mit der
Buchrolle in der Hand vor ihr Publikum. Es war nicht nur Hilfsmittel,
es war Abzeichen ihres Berufs. -- Die Schrift auf der Schreibtafel
des Bellerophon war übrigens gewiß nicht die phönizisch-griechische,
sondern die ältere Zeichenschrift, also die „ägäische“, worüber Evans,
~Cretan pictographs~, London 1895. Vgl. Petersdorff, Germanen und
Griechen (1902), S. 49 f.
[179] Eine andere Überlieferung besagt, daß Homer blind geboren war und
daß ὅμηροι bei den Doriern die Blinden hießen; vgl. die Scholien zu
Lucian, ~ed.~ Jacobitz IV, S. 191.
[180] Vgl. hierüber Gregorovius, Wanderjahre in Italien Bd. 3,
(1881), S. 299. Auch in Bosnien treten übrigens Blinde noch heut als
Volkssänger auf, wennschon sie keine Gilde bilden; s. Sitzungsber. d.
Wiener Akad. Bd. 173 (1914), 3. Abh., S. 16.
[181] Diese Möglichkeit hielt mir Rudolph Wagner im Korrespondenzblatt
für die höheren Schulen Württembergs 21 (1914), S. 456 entgegen.
[182] Es sind 27803 Hexameter, die auf 466 Tafeln stehen konnten, wenn
jede Tafel 60 Verse aufnahm.
[183] Zum folgenden vergleiche Kritik und Hermeneutik S. 249 ff.
[184] Vgl. a. a. O. S. 277.
[185] Über die Hesiodfrage a. a. O. S. 220 ff.
[186] Vgl. hierzu: „Die Buchrolle in der Kunst“, Leipzig 1907, S. 10 ff.
[187] Man setzt das Leben des Stesichoros schätzungsweise in die Jahre
640-555; früher als das Jahr 600 aber braucht keins seiner Werke
entstanden zu sein.
[188] Hierüber vergleiche Rud. Herzog: „Die Umschrift der älteren
griechischen Literatur in das jonische Alphabet,“ Leipzig 1912; Kritik
und Hermeneutik S. 133 und 379. Weitere Bestätigung brachten J.
Wackernagels Sprachliche Untersuchungen zu Homer, Göttingen 1916.
[189] Vgl. zum Vorstehenden Kritik und Hermeneutik S. 307; Das antike
Buchwesen (Berlin 1882) S. 433 ff., Die Buchrolle in der Kunst S. 212 f.
[190] Die Schilderung ist nach Achilles Tatios ~p.~ 121 ~ed.~ Hercher
gegeben. Vergleiche übrigens Kritik und Hermeneutik S. 203 ff.; Die
Buchrolle in der Kunst S. 6 f.
[191] Vgl. Kritik und Hermeneutik S. 278 f. und 351 f.
[192] a. a. O. S. 295.
[193] Vgl. über die Ausstattung der Bücher a. a. O. S. 327 ff.; über die
Bilderbücher S. 305; über die Einrichtung der Bibliotheken S. 335 ff.
Genaueres, Die Buchrolle in der Kunst S. 282 ff., 228 ff.
[194] Was ich hier vortrage, ist in dem Buch „Die Buchrolle in der
Kunst“ ausführlich dargelegt.
[195] Das erste geheftete Literaturbuch ist nachweislich im Jahre 84
oder 85 n. Chr. hergestellt worden; auch in den nächsten 100 Jahren
blieb es eine Seltenheit; s. Kritik und Hermeneutik S. 345 ff.
[196] Vgl. die Abbildungen „Die Buchrolle in der Kunst“ S. 142-168 und
195.
[197] Vgl. hierzu Neue Jahrbücher Bd. 19 (1907), S. 714 ff.
[198] Vgl. „Buchrolle“ S. 325.
[199] Vgl. auch Claudian Stilicho II, 476; bei Prudentius ~Peristeph. I
init.~ schreibt so Christus.
Verlagswesen im Altertum.
[200] Nachweise für das Folgende findet man großenteils in dem Buch
„Kritik und Hermeneutik“ S. 315-327; Ergänzendes im Rheinischen Museum
72, S. 311 ff.
[201] Der Eunuch des Terenz macht eine Ausnahme; s. Donat. I, S. 266
~ed.~ W.: ~ut rursus esset vendita et ageretur iterum pro nova~.
[202] Dies betont Horaz mit Nachdruck in der Ode IV, 8.
[203] Durch solche Aufgabenstellung sind Vergils Georgica und Aeneis
entstanden.
Woher stammen die Amoretten?
[204] ~De Amorum in arte antiqua simulacris et de pueris minutis apud
antiquos in deliciis habitis commentariolus Catullianus alter.~
~Marpurgi~ 1892 (Elwertscher Verlag). Ich verweise im nachfolgenden
kurz auf diese Schrift mit lateinischen Seitenzahlen. Nochmals habe
ich den Gegenstand in der Deutschen Rundschau, Bd. 74, S. 370 ff.
behandelt, ein Aufsatz, der im Vorliegenden wiederholt wird.
[205] Der Verfasser des Artikels „Eros“ in Pauly-Wissowas
Realenzyklopädie scheint meine einschlägigen Arbeiten nicht gekannt zu
haben.
[206] Vgl. E. Knoll, Über das Attribut der Beflügelung, München 1888;
vorher J. Langbehn, Flügelgestalten, 1880. Paradox hierüber Victor
Hehn, Reisebilder aus Italien und Frankreich (1894), S. 72, in
Anknüpfung an Rafaels Vision des Ezechiel; mit diesem Gemälde Rafaels
kann vielmehr das pompejanische Bild des fliegenden Zephyros mit
Chloris (in Neapel) verglichen werden.
[207] Die Nikeflügel wurden mit den Erosflügeln identifiziert von
Aristophon im Pythagoristen ~(fragm. comic. II~, ~p.~ 280, Kock).
[208] Vgl. ~De Am.~ ~p.~ XLII. Bei Alexis (Kock a. a. O., S. 305) steht
als Ansicht der „Sophisten“: nicht der Eros selbst könne fliegen,
sondern die Liebenden; aus Irrtum malten die Maler ihn selbst mit
Flügeln.
[209] Vgl. Roscher, Mytholog. Lexikon III, S. 1410 und 1462.
[210] Die Analogien, die Usener „Götternamen“ S. 298, heranzog, sind
nicht zutreffend. Er verkannte, daß die Amoretten gar keine Götter,
kein Gegenstand der Religion waren; denn sie hatten keinen Kultus.
Sie sind lediglich ein Spiel der dichtenden Phantasie, und solchem
Phantasie-Spiel kann man nicht auf gleichsam grammatischem Wege mit
Analogien, wie Usener sie bringt, beikommen. Wer Poesie erklären will,
muß in das volle Menschenleben greifen; denn alle Dichtung ist Reflex
des Lebens, und das Leben ist kompliziert. Ein paar Zeilen genügen
nicht, um die Sache zu erledigen.
[211] Alexis im Phaidros bei Kock, Bd. II, 386.
[212] Man vergleiche den Ausspruch des Ptolemäus bei Athenäus S. 536
~E~.
[213] Vgl. ~De Am.~ ~p.~ X.
[214] Vgl. ~p.~ XXXVII.
[215] Vgl. zum Folgenden ~p.~ X ff.
[216] Vgl. Seneca ~de tranquill. animi~ 17, 4.
[217] ~Eurip. fr.~ 856 Nauck, aus Aelian ~var. hist.~ 12, 15. Schon die
Anführung des Herkules verrät, daß dies stoisch-zynische Ausführungen
waren.
[218] Vgl. hierzu Aelian a. a. O.; Athenäus B. XII, S. 518 f., die auf
gleiche Quelle (Favorinus?) zurückgehen.
[219] Prudentius in der ~Psychomachia, praef. v.~ 30.
[220] Ähnlich Kinder in der Rennbahn bei Cassius Dio 72, 13.
[221] Vgl. ~p.~ XXXV ff. „Wein und Kinder reden die Wahrheit“ war ein
griechisches Sprichwort (Philol. Suppl. Bd. VI, 1891, S. 249).
[222] Catull ~c.~ 55; zur richtigen Lesung des Textes dieses vielfach
mißverstandenen Gedichts vgl. Philologus LXIII, S. 447 f.
[223] Vgl. ~p.~ XIII ff.
[224] Vgl. ~p.~ XVIII.
[225] Vgl. zum Folgenden ~p.~ XIX ff.; nackte Putten, Terrakotten von
Zypern, s. Mitteilungen des Deutschen archäologischen Instituts in
Athen, Bd. VI, S. 249.
[226] Vgl. auch das alte Werk ~Delle Antichità di Ercolano~, ~tom.~ VI
(1771), ~p.~ 183-195.
[227] Helbig, Campan. Wandgemälde, Nr. 1390; vgl. auch daselbst in den
Friesbildern unter Nr. 1401 ~b~ die Szene mit liegendem nacktem Kind
und den zwei nachdenklichen Frauen. Delicien auf Vasenbildern z. B. bei
Benndorf, Griechisch-sicilische Vasenbilder (1869), Tafel 36, Nr. 1 und
5; Kinderköpfe auf wertvollen Steinen z. B. bei Arneth, Monumente des
Wiener Münz- und Antikenkabinetts (Kameen), Tafel 21, Nr. 3 und 9. Wozu
hier von Amoren reden? Man sage nicht mehr aus, als man sieht.
[228] Man vergleiche auch den Knaben mit der Fuchsgans, in den
Jahresheften des österreich. archäol. Instituts VI (1903), S. 226 ff.
[229] Im Hera-Heiligtum zu Olympia, wo auch der Hermes des Praxiteles
stand, war unter vielen Einzelstatuen die bronzene Aphrodite des Kleon
von Sikyon aufgestellt, „vor ihr“ aber die Statuette eines „nackten,
kleinen Kindes vergoldet“, ein Werk des genannten Boethos. Es war dies
klärlich kein Eros, sonst hätte ihn Pausanias, der die Nachricht gibt
(V, 17, 4), Eros benannt; sondern ein Kind ohne Flügel; es war ferner
klärlich ein Werk ohne Erfindungszusammenhang mit der Venus, vor der es
aufgestellt war. Boethos hat, soweit wir wissen, nur flügellose Kinder
gearbeitet. Dies sei erinnert im Hinblick auf Dümmler (Mitteilungen des
archäologischen Instituts in Athen, Bd. X, S. 27 ff.).
[230] Vgl. Mitteilungen des Deutschen Instituts in Athen, Bd. VI, Tafel
13.
[231] Vgl. ~p.~ XXX.
[232] Beispiele des dritten Jahrhunderts in Terrakotten, dazu die
Marmorstatue von Beirut, s. Dümmler a. a. O.
[233] So Claudian; vgl. meinen Index zu diesem Dichter unter ~Amor~;
so schon vor Claudian und zuerst Philostrat, der raffinierte Ausleger
von Gemälden, die nicht einmal wirklich vorhanden waren, sondern nach
vorhandenen Motiven so fingiert sind, daß die Beschreibung vollstes
Leben gewinne; unten Anmerkung 242.
[234] Vgl. ~p.~ XXXI und XXXVII.
[235] Vgl. ~p.~ XXXVIII.
[236] Vgl. zum weiteren ~p.~ XXXVIII ff.
[237] Auch das Kind Enorches war aus dem Ei zur Welt gekommen (siehe
das Scholion zu Lykophron v. 212). Ein höchst merkwürdiges Vasenbild
zeigt uns auf einem Altar ein großes Ei liegend, darin ein munteres
kleines Kind, ohne Flügel, das lebendig ans Tageslicht verlangt: eine
Frau steht davor und betrachtet es neugierig oder erwartungsvoll. Es
scheint mir nach allem Gesagten nicht nötig, mit E. Braun (in ~Annali
dell’ Istituto~ 1850, ~p.~ 214 ff.) die Erfindung dieses Bildes aus
einem bestimmten Mythus herzunehmen. Weiteres über das Ei der Leda bei
R. Kekulé, Bonner Festschrift für das römische Institut 1879.
[238] Die Beflügelung war hier nicht kühner als bei jenen
großgeflügelten Mädchengestalten bei Helbig a. a. O. Nr. 926-937, die
als „freie Produkte der Phantasie ohne Anspruch auf mythologische
Benamung lediglich künstlerische Motive zur Darstellung bringen.“
[239] Vgl. ~p.~ XXI f.
[240] Auch Phosphorus erscheint als „Amorette“ fliegend; vgl.
Wörmann, Landschaft in der alten Kunst, S. 241; auch S. 264. Auch
die Jahreszeiten sind so dargestellt: ebenda S. 258; auch Zephyr bei
Philostrat, Gemälde I, 9.
[241] Vgl. ~p.~ XXII; so auch Archäologische Zeitung 1848, Tafel XXIII,
Nr. 1; vgl. auch Tafel XXII, Nr. 4.
[242] Ein Muster allegorischer Auslegung gibt der antike Sophist
und kunstreiche Gemäldebeschreiber Philostrat in seiner berühmten
Schilderung des Erotenbildes; daß ganz vorzüglich diese
Philostratstelle auf die Amorettenerfindungen Rafaels, Dürers, Tizians
Einfluß geübt, suchte H. Grimm darzutun: Fünfzehn Essays, neue Folge
(1875), S. 102 ff. Jenes Bild mit seiner überfüllten Komposition,
das Philostrat beschreibt, hat sichtlich nur in seiner Einbildung
bestanden; er hat darin eine Fülle von Amorettenmotiven, die in
Wirklichkeit verstreut vorkamen, zusammengehäuft, und in dieser
Kombination zu einem Ganzen lag der Witz, lag der Reiz für den antiken
Leser. Hier bei Philostrat finden wir es zuerst ersonnen, daß die
Amoren (außer dem einen) nur Kinder von Nymphen sind; und sie sind so
viele, „weil die Begierden der Menschen so mannigfaltigem nachstreben“.
Zusammen von diesen Nymphen und diesen Eroten wird ein Götterbild der
Aphrodite verehrt; die Kleinen halten Apfelernte, um der Göttin Äpfel,
die Frucht, die ihr symbolisch eignet, darzubringen. Sie jagen einen
Hasen, um ihn ihr lebendig als Opfertier zu weihen; es ist das Tier der
Venus und der Fruchtbarkeit. Weiter aber: „Vier der allerschönsten!
Das eine Paar wirft sich Äpfel zu, das andere schießt mit dem Bogen
aufeinander; .... sie bieten die Brust den Pfeilen dar. Da will uns
der Maler etwas zu raten aufgeben. Ob wir es wohl herausbringen? Das
soll Liebe und Sehnsucht bedeuten. In denen dort, die mit den Äpfeln
spielen, regt sich das erste Verlangen. Der eine küßt einen Apfel
und wirft ihn dem anderen zu, und der ... wird ihn wieder küssen und
zurückwerfen. Die beiden Bogenschützen aber treiben mit den Pfeilen
die schon erwachte Liebe tief in ... die Herzen hinein. Und so sage
ich: jene dort spielen mit der Liebe zum Beginn, diese hier geben
ihr ewige Dauer.“ Man sieht, Philostrat hat mit Sorgfalt vor allem
solche Szenen in sein Gemälde gesammelt, die allegorisch deutbar
waren, wo die Eroten als Eroten „Sinn“ hatten. Bei anderem, wie bei
ihrem Ringkampf, verzichtet er hübsch auf solches Auslegen, und bei
den unten von mir zu besprechenden Genreszenen würde er erst recht
darauf verzichtet haben. Überhaupt war es augenscheinlich schon eine
Leistung, zu der ein Philostrat seine sophistischen Künste benötigte,
auch nur jenen erotischen Bezug des Apfelküssens, Bogenschießens und
Hasenjagens herauszugreifen und festzulegen. Es sind dies einige von
den wenigen Fällen, wo die geflügelten Spielkinder noch wirklich ihrem
Namen zu entsprechen schienen. Und man fragt schließlich verwundert:
wozu hießen sie eigentlich noch Eroten? was hatten Kinder von Nymphen
im Grunde noch mit Venus, mit der Liebe +wirkenden+ Macht zu tun? Man
sieht, die ganze Konstruktion Philostrats von den Nymphenkindern und
ihrem Kultus des Venusbildes ist nachträglich und willkürlich ersonnen.
Auch beachte man, daß diese Kinder bei ihm die Liebe der Menschen gar
nicht entzünden; sie lieben nur untereinander. Das konnten schließlich
auch die wirklichen ~Deliciae~ tun, und das Erotenspiel ist auch
hier beim Philostrat nur eine +Nachahmung+ des Menschenlebens, keine
+Beeinflussung+ desselben.
[243] Furtwängler bei Roscher, Mythol. Lex. I, S. 1368.
[244] Vgl. ~p.~ XXII, Anm. 3.
[245] Vgl. ~p.~ XXII und die Statuette daselbst Abbildung VI; Helbig,
Führer, 3. Aufl. Nr. 1556.
[246] Daß auch Ganymed zum kleinen Kinde verjüngt wurde, scheint von
den Gelehrten nicht genügend beobachtet zu sein; dies ist notwendig
überall der Fall, wo er als ~collusor~ mit Eros Astragalen spielt;
ebenso denkt ihn sich Lucian, vgl. ~p.~ XXXVII. Es ist also kein Anlaß,
die Marmorgruppe in der ~Galleria dei candelabri~ im Vatikan, die den
Ganymed als Kind vom Adler rauben läßt, um dieses Umstandes willen für
unantik zu halten; vgl. Helbig in ~Annali dell’ Istit.~ 1867, S. 351;
Overbeck, Griechische Kunstmythologie, Bd. I, S. 539, Anm. 217.
[247] Claudian, ~de III cons. Honor.~ ~v.~ 22.
[248] Vgl. ~p.~ XXVI über Clodius Albinus.
[249] Vgl. ~p.~ XXV ff.
[250] Für Athanasius vgl. Sozomenos II, 17; Sokrates I, 15. Wie in der
katholischen Schweiz Kinder im Ernst und doch scherzend die Messe
nachmachen, schildert H. Federer, Das Mätteli-Seppi, S. 501 ff.
[251] Bei Baumeister, Denkmäler, Nr. 1617.
[252] Z. B. bei Baumeister, Nr. 545.
[253] Vgl. ~p.~ XXXII f.
[254] Cassius Dio, Buch 48, Kap. 44.
[255] Properz II, 29; vgl. Kritik und Hermeneutik S. 123.
[256] Catull 68, 133 f. Auch im Acmegedicht des Catull, Nr. 45, läuft
das Spielkind als Amor um das Liebespaar herum und niest: vgl. Berl.
philol. Wochenschr. 1919, S. 575.
[257] Catull 68, 70.
[258] Nie nennt sonst ein Dichter seine Geliebte ~diva~. Vgl. Philologus
LXIII, S. 451 f.
[259] Wie wenig evident die bisher übliche Auslegung ist, bekennt
auch O. Jahn. Wie kam gerade ein gemeiner Handwerksmann dazu, einer
solchen Frau wirkliche Liebesgötter, also Liebe oder Liebreiz, zu
verkaufen? Insbesondere machte der hinter der Frau sich versteckende
Erot unlösbare Schwierigkeiten; der treffliche Gelehrte tröstete sich
damit, „daß einst auch pompejanische Beschauer bei diesen Vorstellungen
verschiedene Gedanken und Empfindungen gehabt haben werden“. Es
blieb dies also eine Rechnung mit mindestens einer Unbekannten. Eben
diese Schwierigkeiten räumt die oben gegebene Auslegung hinweg. O.
Roßbach erhebt in der Berl. philol. Wochenschr. 1918, S. 1208 gegen
meine Erklärung immer noch das Bedenken, daß die Frau als Göttin
charakterisiert sei. Aber wie oft haben sich Herrscher als Götter, hohe
Frauen als Göttinnen darstellen lassen! Auch erinnere ich nochmals an
die Lesbia als Diva bei Catull und an Kleopatra, die die sie umgebenden
Kinder als Eroten zurechtmachte, während sie gleichzeitig selbst die
Venus spielte; sie muß da doch auch die Stephane der Göttin getragen
haben. Man nenne also die Frau auf dem Bilde meinetwegen Kleopatra.
Aber es wird wohl mehr solche phantastische hochgestellte Frauen
gegeben haben. Jedenfalls ist sie eine Sterbliche, da es der Diener
ist, der ihr die Putten bringt.
[260] Man sehe z. B. bei Helbig die Nummern 1413, 1429-1431. Eros unter
Frauen auch Nr. 312.
[261] Vgl. z. B. Helbig, Nr. 1439; auch 303, 305? beim Hermaphroditen
1369.
[262] So erklärt sich z. B. der scheinbar zwecklose Eros in der Paris-
und Helenaszene Pompejis (bei Helbig Nr. 1310). Noch beiläufig zwei
lehrreiche Beispiele, Helbig Nr. 1140: Eros hebt neugierig das Gewand
des Priap empor und erstaunt über den Anblick; es sind hierfür sonst
flügellose Putten üblich; vgl. ~De Am.~ ~p.~ XXIV. +Tellus+ erscheint
mit zwei Flügelkindern bei Benndorf, Griechisch-sicilische Vasenbilder,
Tafel 57, Nr. 9; +diese Kinder+ sind aber ursprünglich +flügellos+,
vgl. ~De Am.~ ~p.~ XXIV und das Relief, Archäologische Zeitung X, Tafel
CXIX, Nr. 2, sowie Baumeister, Nr. 1449. Auch das Element Erde wird als
Matrone mit zwei Kindern dargestellt auf einem Florentinischen Relief
und sonst; s. Wörmann S. 257.
[263] Man vgl. hierzu den oben angeführten Aufsatz H. Grimms.
[264] Einige weitere Nachweise, die sich mir für den besprochenen
Gegenstand nachträglich darbieten, stelle ich noch an den Schluß des
Ganzen. Daß die ältere griechische Kunst noch nicht Kinder darstellte,
weiß auch Pausanias V, 11, 3. -- Schon in der jüngeren griechischen
Komödie, an die die alexandrinischen Dichter unmittelbar anschlossen,
kommen die frechen Spielkinder in den Häusern vor; s. besonders
Plautus Persa v. 204 ff.; 229; 807; 849; auch Pseudolus 767, 783.
Kinderkauf in der Komödie: Captivi 8, Rudens 39, Poenulus 86. --
Auch Tertullian erwähnt ~contra Marc. IV~, 23 den Kinderliebhaber,
~parvulorum dilector~. Über das Wort ~parvuli~ vgl. Archiv f. Lex.
VII, S. 79 und 95. -- Kinder, die man sich als ~conlusores~ hält,
zeigt uns auch Plautus, Capt. 19 f., 982 f., 1013. -- Daß Kinder den
Gladiatorenkampf im Spiel nachahmen, sagt uns Epiktet, Man. 29, 3; auch
findet man solche dargestellt bei A. Bougot, ~Une galérie antique~
(Paris 1891), S. 499, der sie aber sinnlos für Amoren erklärt. -- Ein
Haufe Spielkinder begegnet uns in Alexandria selbst im Tempeldienst
beschäftigt bei Dio von Prusa Or. 32, 13. -- Daß man die Kinder im
Amphitheater mit Hilfe von Maschinen in die Höhe fliegen ließ, deutet
vielleicht Juvenal IV, 122 an. -- Auch Plautus weiß, Trucul. 908, daß
Säuglinge wie Vögel groß gezogen werden. Vom schwatzenden Kindernest
spricht auch Juvenal V, 143; in den Sokratikerbriefen Nr. 21 lesen
wir von den νεοττοί des Sokrates; vgl. übrigens Theophrast Char. 2.
Ein Relief zeigt Romulus und Remus; in einer Grotte nährt da der
Picus Martius zwei Junge im Nest: Berl. philol. Wochenschr. 1918, S.
1066, aus dem Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde XX, Heft 2, S. 99.
-- Von dem süßen Schwatzen der kleinen Kinder gibt endlich Minucius
Felix Oct. 2 eine entzückte Beschreibung; dazu auch Artemidor in der
Traumdeutekunst 4, 19.
Seneca.
[265] René Waltz, ~Vie de Sénéque~, Paris 1909; vgl. Historische
Zeitschrift, herausgegeben von Meinecke, Bd. 104, S. 605.
[266] Diese hat Friedländer einmal zu geben versucht, Historische
Zeitschrift, Bd. 85, S. 193 ff.; aber er läßt die Hauptsache vermissen,
eine zusammenhängende Würdigung der Ethik Senecas, sowie den Nachweis
des Zusammenhangs seiner Schriftstellerei mit seinem Leben und
Lebenszielen.
[267] Er hatte auch außerhalb Italiens, in Ägypten, Grundbesitz: ~trans
mare possides~, ~De vita beata~ 17, 2. Über dort gefundene Quittungen
mit γῆ Σενέκα s. Gercke, Seneca-Studien, S. 302.
[268] S. J. Cunliffe, ~The influence of Seneca on Elizabethan tragedy~.
Vgl. auch Brandl in d. Sitzungsber. der Berl. Akademie, 14. Dez. 1917.
Übrigens ist hier auch Chaucer zu nennen; wenn es bei Chaucer heißt:
Wahr ist das Wort: Herrschaft und Freierschaft
Vertragen nimmermehr Genossenschaft,
so stammt dies aus Senecas Agamemnon. V. 260:
~nec regna socium ferre nec taedae sciunt~.
Vgl. R. Peiper in Fleckeisens Jahrbb. 97 (1868), S. 65.
[269] Seneca weiß sehr wohl, daß der Mensch, der sich isoliert, leichter
der Verfehlung entgeht: ~meliores erimus singuli~ (~De otio~ 1, 1);
aber die Bürgerpflicht und Menschenpflicht zwingt ihn, die Isolierung
zu vermeiden.
[270] Was Gegenstand der Philosophie sein soll, zählt Seneca ~De brev.
vitae~ 19 auf; da wird auch die ganze Physik mit einbegriffen, der sich
Seneca auch auf Korsika widmete; s. ~ad Helviam~ 20.
[271] Auf Grund der Aussagen von Augenzeugen; s. ~Natur. quaest. VI~,
31, 3 und sonst. Der Ätna soll ihm zu Ehren bestiegen werden: Epist.
79, 2.
[272] Ich betrachte es als selbstverständlich, daß zu dieser Expedition,
die Nero unternehmen ließ und die, wie es scheint, die Form eines
kriegerischen Vorstoßes annahm, die Anregung von Seneca kam, der der
Hauptvertreter der geographisch-physikalischen Interessen jener Zeit
war, selbst in Ägypten gelebt, ein Buch über Ägypten geschrieben hatte
(vgl. dazu ~Nat. quaest. VI~, 26) und dauernde Beziehungen zu dem
Nilland bewahrte; worüber unten.
[273] S. Medea 375. Andere wissenschaftliche Voraussagungen „~veniet
tempus“ eqs.~ s. ~Nat. quaest. VII~, 25, 4 f. u. 30, 5.
[274] Epist. 79, 11 f.
[275] Dies hebt E. Zeller mit Recht hervor.
[276] Dies tut leider auch Friedländer a. a. O. Daß Senecas
schriftstellerischer Erfolg weit mehr durch die Form als den Inhalt
bedingt war (derselbe S. 226), ist allerdings richtig; denn ausgedehnte
Sittlichkeitsvermahnungen pflegen die Menge durch ihren herben Inhalt
stets abzuschrecken, und nur die Art des Vortrags macht sie wirksam.
[277] Vgl. Zur römischen Kulturgeschichte, 3. Aufl., S. 146 f.
[278] Gegen die Tierhetzen u. ä. redet Seneca z. B. ausdrücklich ~De
brev. vitae~ 13, 6 f.; ~De clementia~ 1, 25, 1. Gleichwohl kannte er
natürlich die Kampfarten der Gladiatoren genau: ~De constantia~ 16, 2;
~De ira~ III, 43, 2.
[279] „Für Gott ist es der schönste Anblick, im Unglück Cato aufrecht
stehen zu sehen,“ ~De provid.~ 4.
[280] ~De provid.~ 4.
[281] Epist. 78, 16.
[282] Epist. 60, 4.
[283] ~Ad Marciam~ 23.
[284] ~De otio~ 1, 4: selbst unser Tod soll noch nützlich sein.
[285] ~Ad Marciam~ 20, 3.
[286] Epist. 77, 4: ~vita non est imperfecta, si honesta est~.
[287] ~Ad Marciam~ 26, 4. In Senecas Tragödie „~Troades~“ V. 392 ff.
leugnet der Chor eine Fortexistenz der Seele, die nach dem Tode wie
der Rauch verfliegt -- ~post mortem nihil est ipsaque mors nihil~ usf.
Dies erklärt sich jedoch aus dichterischen Rücksichten. Dem gestorbenen
Achill zu Ehren soll dort die Jungfrau Polyxena geschlachtet werden;
der Chor der Frauen will dagegen beweisen, daß dies Opfer sinnlos
ist; denn der Tote, Achill, hat davon keine Wahrnehmung. Daher also
die pessimistischen Ausführungen; Andeutungen der Hoffnung auf Glück
im Jenseits waren eben hier in diesem Zusammenhang unbrauchbar.
Zum Schluß aber hat doch derselbe Chor, v. 407, auf die Frage, wo
bleibt denn die Seele des Gestorbenen? die genaue Antwort: da, wo die
noch Ungeborenen sind. Damit ist, was Seneca persönlich glaubt, zum
wenigsten angedeutet, und das genügte. Denn dasselbe lehrt Seneca auch
in seiner Trostschrift an Marcia: Der Zustand der Ruhe nach unserem
Tode ist derselbe wie vor unserer Geburt (19, 5), d. h. die Seele war
präexistent und wird im Tode wieder, was sie war. So kann denn dort
auf Grund dieser Voraussetzung im ~c.~ 23 weiter ausgeführt werden,
daß, wer stirbt, ~ad superos~ geht (die Existenz der ~inferi~, einer
Unterwelt, wird, wie jenes Chorlied zeigt, geleugnet), und daß er damit
zu seinem Ursprung zurückkehrt, und im ~c.~ 24 u. 25 die Ausmalung der
jenseitigen Existenz noch weitergeführt werden.
[288] ~Medea~ 866.
[289] Vgl. ~Herc. fur.~ 139 f. u. 191 f.; auch ~Agam.~ 102 f. Der Arme
ist nur unglücklich, weil es Reiche gibt, mit denen er sich vergleicht:
~Troad.~ 1018 ff. Über das Unglück und die Arglist der Könige ~Agam.~
57 f.
[290] Dies schildert uns Lucian im ~Somnium~ ~cp.~ 26.
[291] Dieser Satz ist von mir eingehender in den Neuen Jahrbüchern
XXXVII (1911), S. 336 ff. begründet worden.
[292] In Riga, i. J. 1204; J. W. Creizenach, Geschichte des neueren
Dramas I, S. 70. Daselbst S. 94, auch 315 und sonst über Christi
Passion. Um die schwer gemarterten Heiligen darzustellen wurden
freilich Puppen verwendet: S. 265. In einem der Marienmirakel (S. 145)
wird auf der Bühne von einer Äbtissin ein Kind geboren, wobei die hlg.
Maria selbst bei den Wehen Beistand leistet. Das Kind ist da. Dann
untersucht die Hebamme auf der Bühne den Leib der Äbtissin und stellt
fest, daß sie nicht geboren hat.
[293] Um das Jahr 1300 tauchten sie aus der Vergessenheit auf. Der
englische Mönch Nikolaus Treveth schrieb sogleich zu ihnen einen
Kommentar, und die italienischen Dichter des 14. Jahrhunderts Lovato
und Mussato sind schon von ihnen beeinflußt: Creizenach, S. 436 f. Vgl.
auch P. Stachel: Seneca und das deutsche Renaissancedrama, Berlin 1907.
[294] Die Zweifel an der Echtheit des ~Hercules Oetaeus~ habe ich längst
fallen lassen. E. Ackermann ~De Senecae Hercule Oetaeo~ (Philologus
Suppl. Bd. X und Rheinisches Museum, Bd. LXVII) hat die Echtheit
dargetan und wird gegen Einwendungen anderer Recht behalten. Seneca
selbst referiert den Inhalt dieses Dramas ~De benefic.~ I, 13, 2 f., wo
das ~caelum tenuit~ voransteht.
[295] ~Herc. Oet.~ v. 1852. Daß so wie Maria eine Himmelfahrt hat, auch
Alkmene nach Elysium entrückt und ihr Grab leer gefunden wird, zeigt
Fr. Pfister, Wochenschrift f. klass. Phil. 1911, Nr. 3, S. 83.
[296] Kleanthes, der Stoiker, hieß der zweite Herakles (~Diog. La.~
7, 170); Zeno aber übertraf den Herakles sogar (~ib.~ 7, 30).
Eine stoisch-zynische Tragödie „Herakles“ gab es schon unter dem
Verfassernamen des Diogenes von Sinope.
[297] Das heutige Südspanien schildert uns M. Andersen Nexö,
„Sonnentage, Reisebilder aus Andalusien“, 1909. Die Schilderung ergibt,
daß im Altertum dort Bevölkerung und städtische Kultur einen anderen
Charakter trug und daß sie sich heute keineswegs günstiger zeigt als
damals.
[298] ~De brev. vitae~ 10, 1. Wenn seine Gegner ihm höhnend eine
~professoria lingua~ vorwerfen (Tacit. Ann. 13, 17), so wäre es
primitiv, daraus zu folgern, daß Seneca jemals wie Epiktet als
~professor~ oder Lehrer wirklich auftrat. Weil Seneca eben damals als
Moralschriftsteller weiter ausholte, warf man den Staatsmann höhnend
mit den ~Graeculi~ zusammen.
[299] ~Epist.~ 78, 3.
[300] Autobiographisches über seine Jugendzeit s. ~Epist.~ 108, 15. ~De
otio~ 7 steht die Unterscheidung der drei Lebensführungen, ~genera
vitae~: ~unum voluptati~, ~alterum contemplationi~, ~tertium actioni~
(~deditum~). Seine eigene Entwicklung als Mann der ~actio~ deutet er
~De tranquill. animi~ 4 an; auf seine gegenwärtige Stellung weist
er 10, 6 hin: ~multi quidem sunt quibus necessario haerendum sit in
fastigio suo~ usf. Weiteres ~De vita beata~ 17 f. Diesen Ausführungen
widerspricht die Schrift ~De brevitate vitae~, die gleich nach der
Rückkehr aus Corsica, aber noch, bevor Seneca Neros Lehrer wurde,
in Rom abgefaßt ist, keineswegs. Sie predigt in sehr schulmäßiger
Ausführung das philosophische ~otium~, weil Seneca selbst eben damals
noch ohne Stellung und Pflichten war. Das sollte sich bald ändern.
Übrigens ist er da noch ganz rezeptiv im Betrieb des stoischen
Studiums; er ist noch unselbständig und befragt nur die Weisen (15, 2
f.).
[301] Vgl. ~ad Helviam~ 5, 4: er gewann früh ~pecuniam~, ~honores~,
~gratiam~.
[302] ~De tranquill.~ 44, 3.
[303] Hierauf blickt er ~Epist.~ 49, 2 mit den Worten zurück: ~causas
agere coepi ... desii velle agere ... desii posse~.
[304] Da der sonderbare Claudius, ein Mensch ohne alle Willenskraft,
sich ganz und gar und bis zur Schwachsinnigkeit von Messalina gängeln
ließ, kann man es den Nichten des Claudius, Livilla und Agrippina,
nicht verdenken, daß sie gegen Messalina Front machten, ihr ihren
Einfluß nicht gönnten; und wenn in diesen Hader am Hof Seneca
verwickelt war, so stand er jedenfalls auf der Seite der Frauen, von
denen sich damals für den Staat noch irgend etwas hoffen ließ.
[305] ~Sestertium decies, Tacit. Ann.~ XI, 4.
[306] ~Plin. epist.~ III, 3, 7.
[307] Aber auch diese Schrift ~De ira~ hatte offenbar nicht
systematischen, sondern persönlichen und praktischen, programmatischen
Zweck. Die kleine Abhandlung ~De constantia~ betrachte ich als einen
Ableger von ~De ira~ Buch III; der sachliche Zusammenhang ist der
engste. Das Delatorenwesen ist damals mächtig (~De const.~ 9, 2);
alle Vornehmen und die hohen Beamten gelten als ~male sani~ (13, 2);
die verächtlichen Äußerungen über die Sklaven (13, 4) verraten einen
Standpunkt, den Seneca später überwunden hat. So ist auch noch ~De
brevitate vitae~ eine Vorstudie Senecas. Diesen Sachen hängt daher in
ihrer Abfassungsart noch der pedantisch schulmäßige Charakter an, der
später bei dem souveränen Staatsmann Seneca so viel mehr zurücktritt.
Was endlich die ~Consolatio ad Marciam~ betrifft, so wäre es
Verkennung, sie für eine philosophische Schulschrift oder auch nur für
eine Trostschrift zu halten, die nichts weiter will, als die Trauernde
aufzurichten. Wäre sie dies, so wäre ihre Veröffentlichung überflüssig
gewesen. Sie war vielmehr eine politische Gelegenheitsschrift in
der Form der ~Consolatio~, die auf Sejans Mißherrschaft tadelnd
zurückblickt, pietätvollen Sinn für die Caesars bekennen will (~c.~
15), besonders Augustus und Livia verherrlicht, welcher Kaiser Augustus
des Seneca staatsmännisches Ideal dauernd geblieben ist, und vor allem
das echte Römertum preist und damit eine tüchtige staatsbürgerliche
Gesinnung fordert: ~scire quid sit vir Romanus~ (auch im ~cap.~ 13
kommt er darauf zurück). Die politischen Zustände sind schlimm, ~iniqua
tempora~ (22, 8); ~sunt istic hostes cruenti, cives superbi~ usf.;
daher ist der Tod nützlich; er befreit aus dem Elend eines schlechten
Staatslebens (20, 2 f.): ein Manifest, aus dem damals jeder sollte
ersehen können, was von Seneca, wenn er entscheidenden Einfluß gewann,
zu erhoffen war.
[308] Schon ~Ad Marciam~ 20, 2 sagt er, daß jeder ~exul~ stets sein Auge
auf die ~patria~ gerichtet hält. Die Schriften ~ad Helviam~ und ~Ad
Polybium~ entstanden gleich in den Anfangsjahren der Verbannung, und
daß dies keine Lehrschriften sind, liegt auf der Hand. Mit Unrecht habe
ich als möglich zugestanden (Histor. Zeitschr. 104, S. 608), daß Seneca
auf Corsica ~De providentia~ und ~De constantia~ schrieb. ~Ad Helv.~ 20
schildert er selbst seine Beschäftigung im Exil: von Schriftstellerei
sagt er dort nichts, sondern redet nur von literarischen Studien, d. h.
Lektüre, besonders auf dem Gebiet der Physik. Auch daß er Tragödien auf
Corsica schrieb, ist schlechterdings unerwiesen (vgl. Neue Jahrbücher
XXVII, S. 353 ff.) Die Epigramme aber aus dem Exil sind unecht;
dies ergibt die Verstechnik, und der neuerdings mit vielem Fleiß
unternommene Versuch, aus phraseologischen Anklängen ihre Echtheit zu
erweisen, ist ein Schlag ins Wasser, da ein solches Beweismittel nichts
beweist. Es handelt sich darum, daß Seneca (wie Calpurnius) in seinen
Hexametern nie eine Verschleifung zuließ; das ist, so geringfügig
die Sache scheint, ein deutliches Erkennungszeichen, und es ist
interessant, in solchem Punkt einmal den Einfluß des Lehrers auf den
Schüler zu beobachten; denn auch in Kaiser Neros erhaltenen Hexametern
fehlt ganz ebenso jede Elision. Das sollte Zufall sein? Natürlich sind
auch Calpurnius und der Lobdichter auf Piso von dieser Theorie abhängig
gewesen. Die Epigramme aus Corsica zeigen dagegen die Elision (vgl.
Kritik und Hermeneutik, S. 235 f.)
[309] Wie leidenschaftlich die Geschwisterliebe bei den Alten und wie
tief gerade der Schmerz um den Verlust eines Bruders ging, habe ich
Kritik und Hermeneutik, S. 108 f. in Anlaß der Antigone und ihrer
vielbesprochenen Worte dargelegt.
[310] Dies habe ich in den Neuen Jahrbüchern XXVII, S. 596 ff. näher
ausgeführt.
[311] Man muß sich klar machen, daß sich an den Kaiser -- wie heute
etwa an den Papst -- direkte Ermahnungen nicht richten ließen; das
einzig mögliche Erziehungsverfahren war, dem Allmächtigen die guten
Eigenschaften zuzuschreiben, die man von ihm forderte; daher sagt
Seneca selbst ~Epist.~ 94, 39, daß die ~laudatio~ eine Gattung der
~monitio~ sei; eben dasselbe sagt uns auch schon Cicero ~ad fam. XV~,
21, 4; später Julian ~p.~ 254 ~B~ u. ~C~; Apollinaris Sidonius Epist.
VIII, 10; vgl. auch ~Cic. ad Quintum fratrem I~, 1, 7 und 18.
[312] Vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 348.
[313] Man kann gut sein, auch ohne physisch tapfer zu sein; dies sagt
Seneca nicht, aber es liegt dem Satz: ~L. Bibulus melior quam fortior
vir~ (~Ad Marciam~ 4, 2) zu Grunde.
[314] ~De ira~ II, 32.
[315] ~De constantia~ 12, 3; ~De ira~ I, 16.
[316] ~De ira~ II, 33; den Freimut gegen einen Sejan preist Seneca (~ad
Marciam~ 22, 4 f.), der gegen den Kaiser scheint ihm unmöglich.
[317] Das ~aeger nervis~ steht bei Tacitus 15, 45. Über sein Herzleiden
redet Seneca Epist. 26, 54, 58. Aber schon in der Schrift ~De
constantia~ (16, 4), also etwa 45jährig, schildert er sich selbst als
kahlköpfig, schwachsichtig, mit dünnen Hüften und auffälliger Statur;
denn man wird diese Schilderung doch wirklich auf ihn beziehen müssen.
Eine Büste Senecas (in Berlin) zeigt ihn uns kurzhalsig und kahlköpfig.
[318] ~Mens serena: De clementia~ 2, 5, 4.
[319] Nero hatte armenische Gesandte empfangen; Agrippina kam, als sie
das hörte, herbei und wollte den kaiserlichen ~Haut-pas~ ersteigen.
Ehe sie dies konnte, ging ihr Nero auf Senecas Wink entgegen und hielt
sie mit einer Begrüßung auf, und die Audienz wurde abgebrochen und
verschoben. Agrippina kam nicht wieder: Tacit. Ann. XIII, 5; Waltz S.
204.
[320] Agrippina hatte eigenmächtig, als wäre sie jetzt Kaiser, den
verstorbenen Kaiser Claudius zum Gott erhoben. Senecas Satire legt
die Sinnlosigkeit dieser Apotheose dar, indem sie nicht nur mit
gröblichem, aber siegreichem Witz über die geistige Impotenz des
Claudius herfällt, sondern vor allem dem Groll und der Empörung über
seine Schandtaten und Justizmorde Worte leiht. Agrippina selbst wird
in der Schrift totgeschwiegen; jeder Leser merkte, daß ihr Verfahren
das Ziel des Angriffs war. -- Der überlieferte Titel Apotheosis
ist natürlich richtig. Die Bezeichnung ~Apocolocyntosis~ beruht
auf falscher Kombination, die auch heute noch gilt, weil gefeierte
Gelehrte sie hingenommen haben. ~Apocolocyntosis~ heißt „Verwandlung
in einen Kürbis“. Daß der Mensch, wenn er gestorben ist, in Tiere oder
Pflanzen verwandelt wird, ist jedoch eine ausschließlich pythagoräische
Vorstellung, von der die vorliegende Satire nichts weiß und die
zu der unterweltlichen Szene, die sich an ihrem Schluß abspielt,
durchaus nicht paßt. Es ist also gedankenlos, anzusetzen, eine solche
„Verkürbsung“ sei an ihrem Schluß glatt weggefallen. Die Satire ist
vollständig.
[321] ~Patriae +tutor+~ und ~amicorum propugnator~, ~De vita beata~ 15,
4. Der Ausdruck ~tutor~ stammt hier aus Ciceros Schrift ~De republica~
II, 51. Seneca kannte diese Schrift genau.
[322] Schon ~ad Marciam~ äußert er diese Augustusverehrung
programmatisch; oben Anmerkung 307.
[323] Seneca sagt mit Genugtuung von sich selbst, daß keinem Bürger
durch ihn, trotz seiner Machtstellung, die Rechte verkümmert seien;
~nullius per me libertas deminuta (est)~, ~De vita beata~ 20, 5.
[324] Auf die ~accusandi rabies~, die unter Tiberius herrschte, blickt
Seneca jetzt, ~Benef.~ 3, 26, 1, als auf etwas Fernstehendes zurück.
[325] Schon ~ad Marciam~ 16, 2 steht: ~Bruto libertatem debemus~, d. h.
die alte durch Brutus erworbene Freiheit besteht noch; so besteht denn
auch die ~libera civitas~ unter Senecas eigener Staatsverwaltung, ~De
benef.~ 2, 12, 2; ~optimus civitatis status sub rege iusto~, ~ib.~ 2,
20, 2.
[326] Freilich keine Aufhebung der Kornverteilungen in Rom (~De benef.~
4, 28, 2), an die überhaupt nicht zu denken war.
[327] ~Admodum aequa~, ~Tacit.~ 13, 51. Daher war auch noch im Jahre 62
der Stand der Finanzen befriedigend, Tacit. 15, 18; Waltz S. 411.
[328] Diesen Sinn hat es, wenn der Kaiser, d. h. Seneca, im Jahre 55 den
Provinzialverwaltern verbietet, in den Provinzen Spiele zu geben, mit
denen sie das Publikum für sich günstig zu stimmen pflegten: Tacit. 13,
31.
[329] Vgl. Rhein. Mus. 65, S. 317 „Zur Phylenordnung Alexandrias“.
[330] Von dem Gros der ägyptischen Bevölkerung, den sogenannten
λαογραφούμενοι wurden die zahlreichen Anwohner griechischer und
römischer Abstammung, von denen besonders Alexandria erfüllt war,
gesondert. Daß die Namen der letzteren, der ἐπικεκριμένοι, in
besonderen Listen, τόμοι ἐπικρίσεων, geführt wurden, beginnt aber
wiederum im Jahr 54 auf 55; s. Paul M. Meyer, Das Heerwesen der
Ptolemäer und Römer in Ägypten, Leipzig 1900, S. 116-122.
[331] Er besuchte als jüngerer Mann in Ägypten seinen Oheim, C.
Galerius, der dort 16 Jahre lang an der Spitze der kaiserlichen
Verwaltung stand (Genaueres hierüber ~Revue de philol.~ 1909, S.
173-177); weiteres oben Anm. 267 und über Senecas Beziehungen zu
Ägypten und zu Claudius Balbillus im Jahre 55 Nipperdey zu Tacit. 13,
22. Auch noch in seinen letzten Lebensjahren hatte Seneca persönlich
geschäftliche Interessen in Alexandria: ~quis illic esset rerum
mearum status~, überlegt er, als er Handelsschiffe von dort einlaufen
sieht, Epist. 77, 3, wo ~res meae~ nicht auf Geldgeschäfte, sondern
auf Grundbesitz sich bezieht; denn Seneca hatte dort tatsächlich
Grundbesitz (s. oben); ~status~ aber heißt „Wohlstand“.
[332] θεοῦ διάκονος εἰς τὸ ἀγαθόν.
[333] Vgl. hierzu Rhein. Museum 69, S. 383.
[334] ~Thyest.~ 213. Aussprüche über Tyrannei finden sich ~Oed.~ 699
ff., 520 ff.; ~Phoen.~ 654 f.; ~Med.~ 195 f.; ~Phaedr.~ 490 f.; ~Agam.~
995 usf. Vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 350 f.
[335] Es scheint, daß das vierte Buch ~De beneficiis~ von Agrippinas
Ermordung noch nichts weiß, also früher fällt; denn die Stelle IV, 31,
2 blickt auf die Bluttaten Caligulas in einer Weise zurück, als biete
die Gegenwart nichts Ähnliches.
[336] Daß sich Seneca in ~De beneficiis~ an ein großes Publikum richtet,
zeigen solche Wendungen wie ~si quis existimat~ (I, 15, 1); ~nemo
haec ita interpretetur~ (I, 14, 2); die Anrede ~vos, vobis~ (IV, 13,
1). Er selbst ist ~praeceptor~, ~praecipit~, er gibt ~monitiones~
(I, 15); aber er redet dabei zu dem Durchschnittsmenschen, nicht zum
vollkommenen Weisen (II, 18, 4). In bezug auf die Sklavenfrage will
er den Übermut der menschlichen Gesellschaft zerstoßen, ~contundere
insolentiam hominum~ (III, 29, 1).
[337] Seneca sagt von sich, daß er die ~societas generis humani sancit~,
d. h. das soziale Wirken zum unverbrüchlichen Gesetz erhebt, ~De
benef.~ 1, 15, 2; über die ~societas~ auch 4, 18, 2 f.
[338] Gegen die griechische Behandlungsweise der Wohltätigkeitslehre,
z. B. die des Chrysipp, die mehr spitzfindig als praktisch, wendet
er sich ~Benef.~ I, 3 und 4. Chrysipp ist ~magnus vir, sed Graecus~.
Damit ist er für den Praktiker schon verworfen. Was sollen z. B., heißt
es, die albernen Redereien über die drei Grazien? Damit ist nichts
gewonnen. So weicht denn auch Ton und Ausführung in ~De beneficiis~
I-IV von Senecas älteren Schriften ~De ira~ und ~De constantia~, die
noch mehr den griechisch-sophistischen Geist zeigen, wesentlich ab. In
den Büchern V-VII ~De beneficiis~ gibt Seneca nur einen Anhang, und in
ihnen herrscht gelegentlich wieder mehr der sophistisch schulmäßige Ton.
[339] Römerbrief 13, 9: ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς ἑαυτόν, ἡ ἀγάπη τοῦ
πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται.
[340] Vgl. Zur römischen Kulturgeschichte S. 152 f. und betreffs der
Haltung der Sklaven S. 66.
[341] Josef Vilmain, Die Staatslehre des Thomas von Aquino, Leipzig
1910, S. 80 u. 97 ff.
[342] Nicht das größte; es gab Freigelassene, die noch reicher waren:
Tacit. 14, 55.
[343] Über den ~animus ad civilia erectus agendique cupidus~ s. ~De
tranquill.~ 2, 9. Wer keine führende Stellung einnehmen kann, soll
wenigstens durch Akklamation helfen, ~si a prima te reipublicae parte
fortuna submoverit, stes tamen et clamore iuves~, ebenda 4, 5, wo ~stes
tamen et clamore iuves~ offenbar aus einem Hexameter stammt, also Zitat
ist. Auch ~De otio~ beschäftigt er sich aufs neue mit diesen Fragen:
~imperfectum bonum est virtus sine actu~ usf. (6, 3). Daselbst 6, 4 das
~posteris prodesse~; und 6, 5: Chrysippus lebte im ~otium~; er hatte
nicht den Reichtum und die Machtstellung (ergänze: wie ich, um dasselbe
wie ich zu versuchen).
[344] Das ist das ~maiorem virtuti materiem subministrare~ (~De vita
beata~ 21, 4).
[345] Das Geld, das einem Natalis zufällt, ist wie in die Kloake
geworfen: Epist. 87, 16. „Der Reichtum ist mein Diener; andere sind
Knechte des Reichtums,“ ~De vita beata~ 22, 5.
[346] Gegen die ~nimia aestimatio sui~ redet Seneca ~De v. beata~ 8, 3.
[347] Cassius Dio 62, 2, wo das Wort ἄκουσιν darauf geht, daß
die britische Bevölkerung zum Teil der römischen Geldwirtschaft
widerstrebte; s. 62, 3: πενία ἀδέσποτος πλούτου δουλεύοντος προφέρει.
Schon die Regierung des Kaisers Claudius hatte große Geldsummen in
diese neue Provinz geworfen, aber sie gleichfalls wieder zurückgenommen
(ebenda). Das ist nicht „Geldwucher im Großen“, was Kaiser Claudius
trieb; dasselbe gilt von Seneca.
[348] Nicht der strengste Stoiker hätte das von Seneca verlangt; auch
Zeno hatte Geld auf Zinsen geliehen (~De benef.~ 4, 24, 1). Daß Seneca
etwa Wucher trieb, ist durch nichts angezeigt. An verächtlichen
Äußerungen gegen die ~feneratores~ fehlt es bei ihm nicht: ~De ira~
3, 33; ~De const.~ 6, 7; ~Benef.~ III, 15; so aber auch gegen die
Reichen, ~De provid.~ 6: die Reichen sind innerlich schmutzig; wie ihre
Stubenwände sind sie nur äußerlich dekoriert; der glänzende Stuck ist
dünn und fällt ab.
[349] ~Martial~ 12, 36; ~Juvenal~ 5, 109.
[350] ~De vita beata~ 23, 5. Auch Epist. 120, 8 tadelt er: ~multi
sunt qui non donant, sed proiciunt~. Genaueres über die Art seiner
Wohltätigkeit ~De v. beata~ 24.
[351] Seneca brachte also der Staatsraison zuliebe ein Gewissensopfer.
Wer das beurteilen will, muß seinen Grundsatz kennen, den er wie für
diesen Konfliktsfall vortrefflich so formuliert hat: ~facit~ (lies
~faciet~) ~sapiens etiam quae non probabit, +ut etiam ad maiora
transitum inveniat+, nec relinquet bonos mores, sed tempori aptabit
et quibus alii utuntur in gloriam aut voluptatem, utetur +agendae rei
causa+~. Dies stand in seinen ~Exhortationes~ (Lactanz ~Inst.~ III, 15,
14), die gewiß auch in Senecas Spätzeit fallen.
[352] Ja, nach weit verbreiteter Anschauung ist der Kaiser selber
Gott; der Kaiser Augustus ist der, ~qui dis genitus et deos geniturus
dicatur~, Seneca ~ad Marciam~ 15, 1.
[353] Kaiser Claudius war, nach Seneca, wie die Fortuna, die leicht
zur ~mala fortuna~ wird (~benef.~ 1, 15; 6). Straft der Kaiser einen
Unschuldigen, so muß man es hinnehmen: ~rex ... si innocentem (punit),
cede fortunae~ (~De ira~ 2, 30). Man kann sich nicht einmal gegen
die Geschenke eines tyrannischen Herrschers wehren: diesen Satz
veröffentlicht Seneca, ~benefic.~ 2, 18, 6, nachdem er selbst von Nero
wider seinen Willen mit Reichtümern überschüttet war.
[354] Es ist nicht wahr, daß Seneca ~De benef.~ 7, 20, 3 die Möglichkeit
der Ermordung Neros zugesteht; Seneca sagt dort nur: den wahnsinnig
gewordenen Tyrannen soll man beseitigen, und denkt dabei nicht an Nero,
der trotz seiner Exzesse durchaus nicht als geisteskrank galt, sondern
nur an Caligula zurück, der als wirklicher ~furiosus~, d. h. im Irrsinn
endete; dessen Beseitigung wird auch ~De brev. vitae~ 18, 6 gebilligt,
und beide angezogenen Stellen erklären sich gegenseitig.
[355] Wo Seneca in diesen Jahren den Nero erwähnt (in den Briefen tut er
es nie), zeigt er sich sehr zurückhaltend; s. ~Nat. quaest. VI~, 17 und
21. Eine Höflichkeit liegt darin, daß er einmal einen geschickten Vers
Neros mit Anerkennung zitiert (~ib.~ I, 5, 6). Wenn sich endlich ~ib.~
VI, 8, 3 eine lobende Äußerung, insbesondere über Neros ~veritatis
amor~, findet, so handelt es sich dort um die von Nero veranstaltete
Expedition nach den Nilquellen; Seneca quittiert für diese Unternehmung
mit Dank; denn es kann kein Zweifel sein, daß Nero mit ihr einer
Anregung Senecas selbst entsprochen hatte. So teilt Seneca denn auch
ihr Ergebnis mit. Vgl. oben Anm. 272.
[356] Nämlich zunächst bei Tacitus. Mutmaßlich ist aber schon in dem
Werk des C. Fannius über die ~exitus occisorum~ unter Nero, das
unfertig blieb, aber bis zu drei Büchern gedieh (~Plin. epist.~ 5,
5), auch Senecas Tod erzählt worden. Vielleicht ist die Schilderung
des Tacitus davon abhängig. Wir haben keineswegs nötig, nur an Fabius
Rusticus als Quelle zu denken. Vgl. W. Schmidt, ~De ultimis morientium
verbis~, Marburg 1914, S. 12.
[357] Noch 50 Jahre später waren sie so bekannt, daß Tacitus sie zu
zitieren für unnötig hält (Ann. 15, 63 u. 67). Hätte er es doch
trotzdem getan!
[358] Tacit. Ann. 14, 55.
[359] Es ist das goldene ~quinquennium~ Neros: Aurelius Victor 5, 2;
Epit. 5, 3; Waltz S. 243.
[360] Juvenal 8, 212.
[361] Vgl. Römische Charakterköpfe, 3. Aufl., S. 262 f. u. 267.
[362] Das „planvoll“, ~certus consilii~, das er fordert ~De brev. vitae~
3, 3, gilt wirklich von ihm. Vgl. Epist. 23 über die Freude: die Freude
kommt ins Herz durch ein gutes Gewissen, durch richtig Handeln, durch
ein planvolles Leben.
[363] Vielmehr bezog sich Seneca nachweislich auf die Ehegesetze des
Augustus; s. ~Fragm. 87 ed. Haase~. Auch die historischen Rückblicke
auf die ~pudicitia~ Altroms und die ehelichen Exzesse, die Seneca dort
gab, entsprachen ganz dem Begründungsverfahren des Augustus.
[364] Vgl. Römische Kulturgeschichte S. 141.
[365] ~Bonorum egestas: De tranquill.~ 7, 6.
[366] ~De benef.~ 7, 1, 7.
[367] ~De vita beata~ 15, 5.
[368] Einige Proben hat uns der Kirchenvater Augustin aus dieser
Schrift erhalten; einen Absatz daraus habe ich oben S. 231 f.
wiedergegeben.
[369] ~Religio deos colit, superstitio violat~, sagt Seneca ~De clem.~
2, 5, 1.
[370] Seneca ~De remediis~ 5, 4 lehrt: Kümmere dich nicht um dein
Begräbnis. Denn das Begräbniswesen ist gar nicht um der Toten willen,
sondern nur im Interesse der Lebenden eingeführt: ~non defunctorum
causa, sed vivorum inventa est sepultura~.
[371] ~De benef.~ 4, 7, 2.
[372] Man könnte ansetzen, daß sie etwas früher fällt und ungefähr aus
der Zeit der Apotheosissatire stammt, in der die gleiche sarkastische
Nichtachtung der Götter herrscht und gerade auch wie in der Schrift ~De
superstitione~ altrömische Götterschemen wie die ~Vica Pota~ vorgeführt
werden. Aber auch ~De tranquill.~ 26, 8 berührt Seneca noch dasselbe
Thema, besonders aber Epist. 95, 47, wo auch das ~speculum teneri
Iunoni~ und die Sätze stehen: ~deum colit qui novit; primus est deorum
cultus deos credere~.
Römischer Mummenschanz und die Verhöhnung Christi.
[373] Eine vorsichtige und vernünftige Behandlung der Frage gab J.
Geffken im Hermes, Bd. 41, S. 220 ff.
[374] Hermes 41, S. 223.
[375] Hierzu und zum Folgenden siehe meine Schrift „Elpides“ S. 61-65.
[376] Valerius Maximus 5, 1 ~ext.~ 1; Curtius Rufus 8, 4, 15.
[377] Epiktet, Dissertat. I, 25, 8.
[378] βασιλικῶς ἐνεσκεύαστο Lucian 70, 2, 10; vgl. in den ~Acta S.
Dasii~ bei ~Cumont~, ~analecta Bollandiana XVI~, S. 11 das βασιλικὸν
ἔνδυμα und κατὰ τὴν αὐτοῦ Κρόνου ὁμοιότητα. Bei keinem Gott war die
Bezeichnung, daß er „König“ ist, so ständig wie bei Saturnus-Kronos;
~Varro de re rustica III~, 1, 5: ~Saturnus rex~; mehr gibt Maximilian
Mauer bei Roscher, Mythol. Lexikon II, S. 1458.
[379] 70, 2, 12.
[380] βασιλέα μόνον ἐφ’ ἁπάντων γενέσθαι 70, 1, 4.
[381] Ebenda.
[382] So in den ~Acta S. Dasii~.
[383] Diese Harmlosigkeit betont Lucian 70, 2, 13.
[384] Siehe Bücheler zu Seneca ~Apotheosis~ ~c.~ 8.
[385] Ich sehe, daß auch G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, S.
207, diese Auffassung teilt.
[386] Siehe Geffken a. a. O. S. 222 f.
[387] H. Reich, Neue Jahrbücher 1904, S. 726, 1 versteht diesen Wortlaut
nicht richtig, da er γελοίων διδάσκαλοι grammatisch verbindet; γελοίων
hängt aber ohne Frage von ποιηταί ab: „Mimen- und Ulkdichter dienen als
Lehrer der Leute.“
[388] Reich a. a. O.
[389] Auch der Mimusrest des Oxyrhynchospapyrus ergibt dafür nichts.
[390] So Reich S. 279.
[391] Der Mimus ahmte realistisch, oft auch mit Humor und Ironie Typen
des Lebens nach, aber er höhnte nicht und stand dadurch im Gegensatz
zur alten Komödie eines Aristophanes: so Reich selbst, Der Mimus I, S.
327, nach Jacob Bernays.
[392] S. Seneca a. a. O. c. 1. Auch Kaiser Augustus betrachtete sein
Leben als einen Mimus; er fragte auf dem Sterbebett, ob er ihn gut
durchgeführt habe; „wenn das Stück gut war, klatschet Beifall,“ war
sein letztes Wort. Aber er denkt dabei nicht an den Königsmimus,
sondern allgemeiner an den ~mimus vitae~ (Sueton Aug. 99), von dem in
der Popularphilosophie jener Zeit oft die Rede ist.
[393] ~nec cor nec caput habet~, Seneca ~c.~ 8; ~dis iratis natus;
tria verba cito dicat et servum me ducat~ ~c.~ 11. Das Urteil, das
Seneca fällt, gilt nicht bloß von der Regierungszeit, sondern ebenso
vom früheren Leben des Claudius; mit gleichem Hohn hatte Tiberius auf
seine Bewerbung ums Konsulat weiter nichts geantwortet als: „anbei
40 Louisd’or für die Saturnalien und Sigillarien“ (Bücheler). Daher
endlich ließ Seneca den Claudius in einen Kürbis verwandelt werden; in
welchem Sinne, habe ich in der Schrift ~De Senecae apocolocyntosi et
apotheosi~ Marburg 1888/1889 ausgeführt.
[394] Diesen Umstand beachtete Mommsen nicht, als er bei Seneca a. a. O.
~c.~ 1, wo überliefert ist: ~obiit ille qui verum proverbium fecerat
aut regem aut fatuum nasci oportere~, zu lesen vorschlug: ~qui bis
verum proverbium fecerat~. Das Sprichwort gibt ein Entweder oder:
„entweder ein König oder ein Narr muß man von Geburt sein.“ Diesen Satz
hat Claudius wahr gemacht, da er nur eine der beiden Eventualitäten
erfüllte, da er Narr von Geburt, aber nicht auch König von Geburt
war. Er war kein Porphyrogennetos oder ~in purpura natus~. Daß er das
Sprichwort doppelt (~bis~) wahr gemacht, trifft also nicht zu.
[395] a. a. O. c. 8: ~si mehercules a Saturno petisset hoc beneficium,
cuius mensem toto anno celebravit Saturnalicius princeps~.
[396] S. ~Festus~ ~p.~ 322 ~M.~; Plutarch Romulus 25 und Aitia Romana
~c.~ 53.
[397] μετὰ χλευασμῷ sagt Plutarch.
[398] Plutarch: ἑπισκώπτων αὐτοῦ τὴν ἠλιθιότητα καὶ ἀβελτερίαν.
[399] Plutarch an beiden Stellen; dem widerspricht das Zeugnis des
Festus nicht.
[400] Auszüge des Cassius Dio 65, 20 f.
[401] Epiktet IV, 8, 30 u. 34. Die betreffenden Worte sind: εὐδὺς ἐπὶ
τὸ σκᾶπτρον, ἐπὶ τὰν βασιλείαν, sowie ὁ Κυνικὸς τοῦ σκήπτρου καὶ
διαδήματος ἠξιωμένος παρὰ τοῦ Διός.
Witzliteratur und Gesellschaft in Rom.
[402] Dies bezieht sich nicht nur auf des Tiberius Zerwürfnis mit seiner
eigenen Mutter (Sueton Tiberius 50 f.); Tiberius ist zugleich allen
Müttern in Rom verhaßt, deren Söhne er umbringen ließ.
[403] Nach v. Duhn, Pompeji (1906), S. 102 ff.
[404] Titinius v. 70 Ribb.
[405] Titinius v. 78.
[406] Titinius v. 112.
[407] Titinius v. 140.
[408] Atta v. 7 Ribb.
[409] Afranius v. 33 Ribb.
[410] Vgl. Philologus Bd. 63, S. 459.
[411] Catull C. 54; vgl. Das antike Buchwesen S. 404.
[412] Doppelt erstaunlich ist die Kunst dieses Vergilgedichtes, da
das Ganze fast Wort für Wort eine Travestie und die Umdichtung eines
Catullgedichtes von ganz anderem Inhalt ist.
[413] Epode 4.
[414] Epode 2.
[415] Das heißt: In den Strom wirft. Der Hebrus ist ein Strom im
winterlichen Thrazien, die heutige Maritza.
[416] ~Dominus deus~; vgl. Römische Charakterköpfe ^3 S. 282.
[417] Vgl. zu diesem Gedicht Donats Bemerkung zu Terenz Adelph. 540.
[418] Römische Kulturgeschichte S. 52. Man wolle indes darum nicht
glauben, daß die Medizin im Altertum auf einer niedrigen Stufe
stand. Im Gegenteil: bis zu welcher bewundernswerten Höhe die
wissenschaftliche Medizin sich damals entwickelt hat, ist weltbekannt.
Ich habe in meinem Roman „Menedem der Ungläubige“ davon beiläufig ein
Bild zu zeichnen versucht.
[419] Einige weitere Übersetzungen habe ich in meine Gedichte, die den
Titel „Artiges und Unartiges“ tragen, eingeschaltet.
[420] In ~Curetium~; in ~Hadrianum~.
[421] Man vergleiche hierzu die Erklärung des ~petaurista~ bei Festus
~p.~ 206 ~M.~
[422] Afranius v. 8 Ribb.
[423] ~Anthologia latina~ Nr. 303.
[424] Martial VI 62, vgl. VII, 95, 15.
[425] Martial X, 2, 13.
[426] Martial X 76. Die Sänftenträger werden z. B. VII, 53, 10; IX, 2,
11 und 22, 9 erwähnt.
[427] VII, 55, 7.
[428] XII, 57, 13.
[429] XI, 94.
[430] VII, 30.
[431] XI, 96; vgl. hierzu meine Schrift „Die Germanen“ (München 1917),
S. 107.
[432] In der Übersetzung dieses Gedichtes habe ich ausnahmsweise mir
erlaubt, die Schlußwendung etwas abzuändern, da sie sonst weniger
verständlich wäre.
[433] Vgl. Rhein. Museum Bd. 69, S. 387.
[434] ~ad nationes II~, 12 f.
[435] Ebenda 11, 8 f.
Namen- und Ortsverzeichnis.
Abraham a S. Clara 207.
Actium 65.
Ägypten 37. 66. 97. 104. 111. 135 f. 181. 231.
Aelian 96.
Aemilius Paulus 52.
Aesop 23.
Äschylus 105. 151.
Afranius 207. 226.
Afrika 37. 97.
Agrippa 142.
-- König 194.
Agrippina I: 2.
Agrippina II: 6. 177. 179 f. 184. 259.
Alexis 138.
Alarich 27.
Alexander d. Große 62. 108. 190. 202.
Alexandria 37. 123. 149. 194. 253, [265].
Alkman 103.
Alkmene 256, [296].
Amerika 169.
Amor 136.
Amoretten 134 ff.
Anaxagoras 105.
Antiochia 71. 95.
Apicius 24. 40. 46.
Apollinaris Sidonius 215.
Apollohymnus 101.
Apollonius v. Tyana 68.
Apostelgeschichte 69.
Archilochos 103.
Archytas 143.
Ariost 115.
Aristophanes 85 ff. 159.
Aristophon 245, [143].
Aristoteles 85. 105.
Arria 17 f.