Tafel 7

Männer mit Buchrollen.

Relief eines römisch-christlichen Sarges.

(Leyden, Rijks-Museum.)]

Heine ist ein superlativischer Dichter. Aber er hat seine

hochgegriffene Erfindung in diesem Falle der Antike entlehnt und hat

sich selbst dabei beiläufig mit den Göttern des Altertums verwechselt.

Die Göttin Ceres ist es, die bei dem römischen Dichter Claudian im

„Raub der Proserpina“ die höchste, Wälder überragende Zypresse aus dem

Boden reißt und in den Schlund des Ätna taucht, um sie als flammende

Fackel zu brauchen; denn sie sucht nach ihrer verlorenen Tochter. Daß

der Himmel aber ein entrolltes Buch ist, das steht schon im Jesaias

und in der Johannes-Offenbarung zu lesen, und Euripides (~fr.~ 506

~N.~) setzt den Fall, daß gar Gott Zeus selbst weithin in die Fläche

des Himmels die Sünden der Sterblichen schriebe[200]. Gott Zeus,

der sich reckt und in das Gewölbe der unendlichen Sphären wie in eine

aufgerollte Rolle die Sünden schreibt! Erhaben ist der Gedanke, und er

ist alt. Welcher Künstler aber vermöchte das darzustellen? Michelangelo

hat es versäumt. Kein Apelles und kein Genie des Altertums, ein

Michelangelo wäre dazu imstande gewesen.

Verlagswesen im Altertum.

Es gibt Laien und auch Gelehrte, die meinen, daß unser Buchhandel und

Verlagswesen etwas wesentlich Modernes ist, das etwa erst in den Zeiten

Gutenbergs oder Luthers und Huttens sich ausgebildet habe; und in der

Tat weiß das Mittelalter mit seinen schwerfälligen Pergamentkodizes vom

Verlagswesen nichts, und den Buchhandel hat es nur spärlich entwickelt.

Aber nicht aus dem Mittelalter, aus dem klassischen Altertum stammt

unsere Kultur. Die Griechen und Römer, die uns so viel anderes vorweg

nahmen, Theater und Konzerte und Volksbäder, dazu das höhere Schulwesen

bis zur Universität mit ihren Studentenverbindungen und Kneipkomment,

auch den ganzen Sport bis zum Fußballspiel, dieselben Griechen und

Römer haben auch schon den Buchhändler und Sortimenter gekannt, der das

Publikum mit dem modernsten Lesestoff versorgte und den Verfassern ihre

Manuskripte abnahm, um sie herauszugeben.

[Randnotiz: Diktat. Bücherpreise. Erhielt der Autor Honorar?]

Schriftsetzer und Druckmaschine waren allerdings den Alten unbekannt.

Es wurde alles mit der Hand geschrieben. Aber wenn Caesar sein ~Bellum

Gallicum~, Horaz seine Satiren oder Ovid seine „Kunst zu lieben“

herausgab, so wurden doch gleich 500 Exemplare, ja vielleicht das

Doppelte, das Dreifache in den Handel gegeben. Das pikante Ovidgedicht

wurde von der flotten Damenwelt, das Caesarwerk von den Politikern,

die Horazsachen von den Ästheten und Witzbolden verschlungen. Wie aber

stellte man so viele Exemplare her? Durch Diktat. Ein „Diktator“ mag

sonst etwas Übles sein; in der Literatur war er unentbehrlich. Der

Diktierende sprach lautstimmig den Text; etwa hundert Schreiber --

rühriges, kluges Arbeiterpersonal -- hockten in Reihen an der Erde

und schrieben nach. Die Hände flogen; die Feder kratzte nie; denn das

Schreiben war ein Malen. Hübsch ausgestattet kamen die Buchrollen dann

in den Verkaufsladen. Der Buchhändler hatte alle Borte und Kisten voll

davon. An die Außenpfosten seiner Budike nagelte er das Neueste, um

die Straßenbummler anzulocken, und er nahm gewaltig hohe Preise. Die

Literatur war damals ein gewaltiger Luxus. Eine Rolle von 40 Seiten

stellte sich nach modernem Geldwert auf etwa 16 Mark. Wer also den

ganzen Livius kaufen wollte, hatte über 1500 Mark zu zahlen. Das Geld

kassierte der Verleger oder zunächst der Sortimenter ein; denn die

Verlagsartikel wurden aus Rom oder Alexandria in alle anderen Städte

verschickt und dort von Sortimentern vertrieben.

Und was bekam der Autor selbst? Wurde etwa wirklich, wie man geglaubt

hat, kein Honorar gezahlt? Lebten die Schriftsteller von der Luft?

Begnügte sich der Poet im Geist mit den Musen auf dem Helikon zu

schwärmen, indes der Buchhändler mit seinen oft epochemachenden Versen

einen gedeihlichen Handel trieb? Und vor allem die anderen Literaten

-- soll Sallust, der doch sonst auf seinen Vorteil bedacht war, seinen

herrlichen „Jugurthinischen Krieg“ ruhig und selbstlos den Händlern

in die Hand gedrückt haben, daß sie damit ihr Geschäft machten? Die

Sache wäre zu töricht; im Märchen wäre so etwas möglich, nicht unter

ausgewachsenen Menschen der Wirklichkeit. Der Römer bestand doch sonst

auf Recht und Eigentum, und der Grieche auch.

In der Tat: so spärlich auch unsere Nachrichten über diese Dinge sind

und sein müssen, so läßt sich doch das Gegenteil leicht erweisen[201].

Die Sache wird schon deutlich, wenn uns Seneca sagt: „Wir sprechen

von Büchern Ciceros; der Buchhändler Dorus aber nennt sie trotzdem

sein Eigentum, und beides ist richtig; dem einen gehören sie, sofern

er sie schrieb, dem anderen, sofern er sie sich käuflich erwarb.“ Der

Buchhändler zahlte also auf alle Fälle, in diesem Fall mutmaßlich an

Ciceros Erben; er kaufte; ohne das verfügte er über die Werke nicht,

konnte sie also auch nicht verkaufen.

[Randnotiz: Theaterstücke hoch bezahlt. Selbstverlag der reichen

Autoren.]

Und der Autor oder seine Erben hatten demnach wirklich Vorteil und

Gewinn. Achten wir zuerst auf die Theaterstücke. In Rom tanzt der

allbeliebte Solotänzer Paris; er stellt im Tanz mythologische Szenen

dar, wie den König Pentheus, der von seiner Mutter Agaue in der Raserei

umgebracht wird. Der Tänzer braucht dazu Musik, auch einen begleitenden

Chorgesang, und dazu ist wieder ein Textbuch nötig; dies Textbuch

lieferte ihm Statius, und Paris bezahlte dem Statius seine Textbücher

so glänzend, daß Statius damit groß dastand und nebenher auch noch

Epen schreiben konnte, die ihm nichts einbrachten. Vom alten Dichter

Plautus gingen an die hundert Lustspiele um; manche davon rührten gar

nicht einmal von ihm selbst her. Man sagte aber, Plautus habe so viel

geschrieben, um reich zu werden; denn er verkaufte seine Stücke und war

auf die Einnahme versessen; ob die Stücke nachher auch gefielen oder

nicht, war ihm ziemlich gleichgültig. An den Götterfesten wurde Theater

gespielt; der Staatsbeamte, der Aedil, der das Fest ausstattete,

brauchte dazu jedesmal ein neugeschriebenes Stück, und er kaufte es vom

Dichter. In anderen Fällen war auch der Chef der Schauspieltruppe der

Käufer. Gewaltig hohe Summen, die die Dichter Terenz und Varius für

ihre Dramen einkassierten, werden uns wirklich genannt. Tantiemen bei

Wiederaufführungen gab es nicht[202]; das erklärt sich aus dem Gesagten.

Um so berechtigter war die Höhe der Summen.

Denn das so verkaufte Lustspiel gehörte alsdann eben dem Dichter nicht

mehr. Sollte ein Stück wie der ~Miles gloriosus~ oder die Adelphen nach

seinen Bühnenerfolgen nun aber auch als Lesedrama und in Buchausgabe

in den Handel kommen, so mußte der Buchhändler -- sagen wir sachgemäß

der Verleger -- das Manuskript vom Aedilen oder vom Schauspieldirektor,

der es jetzt rechtlich besaß, nicht aber vom Dichter kaufen, der sein

Eigentumsrecht abgegeben hatte.

Es ist auch heute so: Theatersachen bringen am meisten ein. Man denke

an „Alt-Heidelberg“ und ähnliches. War auch nur +eine+ Operette ein

Schlager, so können Komponist und Dichter gleich ihre Dachstube

verlassen und sich in bester Gegend eine Villa bauen. Wer dagegen etwa

Moltkes oder Mörikes Briefe herausgibt, wer ein Buch über das antike

Buchwesen schreibt oder gar mit seinen ersten lyrischen Versuchen

hervorkommt, ist bei uns in seinen Erwartungen und Ansprüchen sehr

bescheiden. Und so war es auch im Altertum. Trotzdem hat ein Mann

wie Cicero ganz gute Schriftstellereinnahmen gehabt, zwar nicht mit

seinen philosophischen Versuchen, den Tusculanen u. a., wohl aber mit

seinen berühmten Reden, die tatsächlich jedesmal ein Ereignis für Rom

waren und wie Pamphlete wirkten. Man bedenke, daß es damals noch keine

Zeitungen gab, die heutzutage die Parlamentsreden in jedes Haus tragen.

Um sich die Sache klar zu machen, sei Apollinaris Sidonius benutzt.

Dies war einer der reichsten, vornehmsten Herren in der Römerwelt

des 5. Jahrhunderts n. Chr., der zeitweilig sogar mit dem Kaiserhof

in nächster Verbindung stand. In seiner vielköpfigen Dienerschaft

oder Klientel hat der Mann auch einen eigenen Buchhändler, und dieser

Buchhändler muß nun helfen, als Sidonius seine eleganten Schriften

herausgeben will; aber er überläßt diesem nun nicht etwa das Geschäft

selbst mit den anfänglichen Geschäftsunkosten und dem hernach erzielten

Gewinn, sondern er zahlt ihm nur jährlich ein Fixum, und dafür muß der

Angestellte den Vertrieb besorgen, was eben voraussetzt, daß er den

Gewinn an den Herrn selbst abzuliefern hat; denn anderenfalls hätte

das Fixum keinen Sinn. Dieser Angestellte heißt deshalb „besoldeter

Buchverkäufer“ (~mercennarius bibliopola~). Vielleicht hatte dieser

Mann in verschiedenen Städten eigene Verkaufsbuden, wo er die Sachen

vertrieb; er konnte sie auch gegen Zahlung an verschiedene andere

seinesgleichen, d. i. also an Sortimenter, verschicken und weitergeben.

[Randnotiz: Der Verleger Atticus. Witzliteratur. Vertrieb d. erhab.

Dichtwerke.]

Dies Verfahren ist Selbstverlag, und es ist das Verfahren, das alle

großen und wohlmögenden Herren, die sich mit Schriftstellerei abgaben,

eingehalten haben müssen, z. B. der große Rechtsgelehrte Ulpian, der

in Rom Gardepräfekt und der mächtigste Mann neben dem Kaiser war. Die

Fülle seiner juristischen Schriften, die nur in Fachkreisen Verständnis

fanden, kann Ulpian nur in dieser Weise selbst vertrieben haben; nicht

anders aber auch Cicero. Jedoch wurde die Sache dem Cicero, der für

einen viel größeren Leserkreis arbeitete, bald unbequem, und sein

ausgezeichnet geschäftskundiger Freund Atticus kam ihm zum Glück zur

Hilfe. Der vornehme Geldmann Atticus ist der großartigste Verleger des

Altertums, den wir kennen. Er hielt sich ein besonders zahlreiches

Abschreiberpersonal und gab mit dessen Hilfe in trefflicher Ausstattung

berufsmäßig griechische und römische Autoren in Fülle heraus. Da sehen

wir nun, wie Cicero ihm seine neuen Arbeiten, die gleichsam noch

warm und kaum gar vom Ofen kommen, zuschickt, und wie dann in den

Abschriften, die Atticus herstellt, doch gelegentlich ein Fehler sich

einstellt und rasch etliche Schreiber heran müssen, um, ehe es zu spät

ist, den Schaden aus allen Exemplaren zu beseitigen; denn in dem Werk,

wenn es einmal heraus ist, läßt sich nichts mehr korrigieren: ~nescit

vox missa reverti~. Als Atticus im Jahre 46 v. Chr. auch Ciceros Rede

pro Ligario vertrieben hat -- offenbar riß sich sogleich alles darum

--, da ruft der Verfasser voll Entzücken: „Du hast meine Rede mit

so großartigem Erfolge verkauft: hinfort sollst du von allem, was

ich schreibe, den Vertrieb haben,“ woraus folgt, daß Atticus vor dem

genannten Jahre keineswegs alle Sachen Ciceros verlegte. Vor allem aber

sehen wir, daß Cicero sich an dem Verkauf freut; er hatte persönlich

Gewinn davon.

Aber wir hören mehr. Nichts wird so gern gekauft wie die Witzliteratur,

die sich bei den Alten vor allem in der „Satire“ auslebte. Die Satire

war das humoristische Feuilleton der Alten. Vom Satiriker Menipp

hören wir nun zufällig einmal ausdrücklich, daß er seine prickelnden

Schriften mit großem Geldgewinn abgesetzt hat. Wie? wird nicht gesagt.

Uns genügt zu wissen, daß auch er als Verfasser eine Einnahme, und dazu

eine gute, erzielt hat.

Aber auch von den Spottdichtern, die nur kurze Gedichte und Epigramme

zum besten gaben und dabei wie die „Wespen“ stachen, erfahren wir

dasselbe. Über einen solchen wird einmal, weil er zu viel Geld

verdient, mit Entrüstung hergefallen, und da heißt es von ihm: „Du

verkaufst deine Witzverse (Jamben) wie der Kaufmann sein Öl; was hast

du für Verdienste um unser Gemeinwohl, daß du mit deinem Schimpfen so

viel Geld machst?“ Es ist also auch hier so: der Schriftsteller hat

seinen guten Vorteil.

Eine angesehene Verlagsanstalt in der Zeit des Kaisers Augustus waren

die „Gebrüder Sosii“; sie waren die Verleger der Oden des Horaz, und

damit erhebt sich die wichtige Frage, die noch übrig bleibt: konnten

auch solche Dichter, die nicht für die Bühne, sondern nur für das

lesende Publikum schrieben, und die dabei sich auf den erhabenen Stil

beschränkten, auf das gleiche rechnen? konnten sie von ihrer Kunst

leben? Hier liegt die Sache in der Tat anders, und wer dem sorglich

nachgeht, erhält einen interessanten Einblick in die eigenartigen

gesellschaftlichen Verhältnisse der Antike; es wäre verfehlt, diese

Verhältnisse nach den unsrigen zu beurteilen.

Der Betrieb der Gebrüder Sosii war genau so, wie wir es nach allem, was

ich vorausschickte, erwarten müssen; denn über sie wird uns wörtlich

mitgeteilt: „Sie erwarben sich gute Werke durch Kauf und hatten dann

beim Verkauf großen Gewinn, indem sie Vorräte von ihnen herstellten.“

Also auch sie „kauften“ die Manuskripte, ehe sie verkauften. Das

versteht sich von selbst. Gleichwohl war die Sachlage für die Dichter

doch höchst ungünstig, und insofern können wir unsere Gegenwart

zunächst noch ganz wohl zum Vergleich heranziehen. Denn auch heute

kann, wer ein Epos oder gar lyrische Gedichte macht, froh sein, wenn

er sein Werk überhaupt gedruckt sieht; er zahlt womöglich noch etwas

zu und jauchzt auch dann noch, wenn er das erste fertige Exemplar in

die Hand bekommt. So sagt denn auch Seneca von den Dichtern erhabenen

Stils: „Sie dichten nicht um Gewinn, sondern sind zufrieden, wenn sie

nur Dank ernten.“ Sie sind also von vornherein bescheiden; es fragt

sich aber immerhin, worin der „Dank“ bestand, auf den sie rechnen.

[Randnotiz: Horaz. Widmung ist Eigentumsübertragung.]

Horaz hat in seinem ganzen Leben nicht mehr als zehn kleine Bücher

fertig gebracht, die heute zusammen nur ein einziges schmächtiges

Bändchen von etwa 250 Druckseiten ergeben. Wie hätte er davon dreißig

Jahre lang (in den Jahren 40-8 v. Chr.) leben können, wenn die Gebrüder

Sosii ihm auch wirklich für jedes der zehn Büchlein ein gewisses

Sümmchen ausgezahlt hätten? An den ersten fünf seiner Bücher schrieb

der Dichter zehn volle Jahre lang, von 41-31 v. Chr.; für jedes

derselben hätte er vom Verleger also eine Einnahme, die für volle zwei

Jahre reichte, ausgezahlt erhalten müssen: was undenkbar ist.

So steht es denn auch sonst. Die Dichter sind die Sorgenkinder der

Muse; denn das Talent pflegt arm zu sein. „Ihr lest meine hübschen

Produkte,“ scherzt der arme Martial, „aber mein Geldsack weiß nichts

davon“ (~nescit sacculus ista meus~). Ein reicher Nabob und Konsular

wie Silius Italicus, der mochte immerhin sein langweiliges Epos über

Scipio aus eigenem Vermögen mit Hilfe des Selbstverlags ins Publikum

bringen; der arme Dichter dagegen geht so vor, daß er sein Werk einem

vornehmen Manne +widmet+. Der Vornehme legte auf solche Widmung den

höchsten Wert; denn von Dichtern rühmend genannt zu werden, galt für

mehr als alle Verewigung durch Inschriften[203]; und er setzt also, um

sich erkenntlich zu zeigen, seinen Ehrgeiz darein, den Dichter, an

dessen Talent er glaubt, nun auch materiell sicher zu stellen; er

schafft ihm sorgenfreie Muße; denn nur in solcher freien Muße läßt sich

Bedeutendes schaffen. Er geht dann gelegentlich auch weiter und stellt

dem Dichter selbst seine großen Aufgaben, wie sie dem Zeitbedürfnis

entsprechen[204]. So hat sich Mäcenas durch seinen Klienten Horaz, wie

jeder weiß, seinen unvergänglichen Namen erworben.

Wie aber war alsdann das Verfahren der Herausgabe der Gedichte? wie

stand Horaz geschäftlich zu seinem Verleger? Die Antwort lautet: er

hatte gar keine Beziehung zu ihm; sein reicher Gönner trat ganz für ihn

ein.

Hier gilt es vom Wesen der „Widmung“ zu handeln. Heutzutage ist das

Widmen nichts als ein Ausdruck „hochachtungsvollster Verehrung“; der

Jüngling schreibt vor seine Liebesverse „meiner angebeteten Klotilde“,

der Doktorand bringt seine lateinisch geschriebene Doktorschrift

seinen Eltern dar, die gar kein Latein verstehen. Was hatte Anton

Springer davon, wenn er sein Buch über mittelalterliche Baukunst dem

Herrn Boisserée, was Mommsen, wenn er seine Römische Geschichte seinem

Kollegen Moritz Haupt widmete? Er erntete dafür ganz gewiß nichts

weiter als ein Wort wärmsten Dankes, der Jüngling von seiner Geliebten

vielleicht überdies einige Zärtlichkeiten. Das ist alles.

Dies Dedizieren haben wir zwar von den Alten gelernt; im Altertum hatte

es aber einen ganz anderen Zweck, eine andere und höchst praktische

Bedeutung. Es gab zwei Arten von Widmungen. Der alte Cato richtete

seine Lehrschriften an seinen Sohn; derartiges geschah oft, und da

liegt der bloße Lehrzweck zutage. Cato war Senator, Konsul, war

Zensor in Rom und brauchte sich durch seine Schriften keine Gönner zu

erwerben. Wer aber zu den wirtschaftlich Schwachen zählt, wendet sich

mit seiner Gabe an die Größen der Börse, an fürstliche Personen, an

die Könige und Kaiser selbst, und das „Dedizieren“ (~dedicare~) ist

alsdann ein Schenken (~donare~) in eigentlichstem Wortsinn gewesen; als

Schenkung wird es uns ausdrücklich bezeichnet; d. h. es war völlige

Eigentumsübertragung, ganz ebenso wie das Verkaufen, und der Empfänger

der Widmung ist fortan Eigentümer des Originalmanuskriptes mit allen

Folgen, die das in sich schließt, ganz so, wie wenn heute ein Student

dem anderen einen Spazierstock oder ein schönes Bierglas „dediziert“;

er hat alsdann an der Sache gar kein Recht mehr, und der Empfänger kann

hinfort damit machen, was er will.

[Randnotiz: Die Gönner besorgen den Verlag. Fürsorge der röm. Kaiser.]

Der Dichter hat also an seiner Dichtung alle Rechte preisgegeben, und

wollte nun ein Buchhändler das Werk vertreiben und in Verlag nehmen,

so mußte er es zwar selbstverständlicherweise käuflich erwerben, aber

nicht vom Dichter, sondern von dem vornehmen Manne, dem es jetzt

gehörte. Die Sache liegt just so wie bei den Lustspielen des Plautus.

Damit war der Poet allen Verlagssorgen enthoben; sein Werk war ihm

entzogen; aber er rechnete auf den „Dank“ seines Gönners, der ihn

fortan wirtschaftlich sicherstellte und für ihn sorgte durch jährliche

Unterstützung. Das nannte man ~salarium~. Er wurde gefüttert wie eine

gezähmte und eingefangene Nachtigall. So erklärt sich die eigentümliche

Erscheinung, daß es der Empfänger der Widmung ist, der entscheidet,

ob das Werk überhaupt in den Handel kommen soll oder im Kasten

bleibt (wohl viele Werke sind uns so entgangen); ja, er ist es, der

Verbesserungen im Text anordnet und endlich auch für eine anständige

oder pomphafte Ausstattung sorgt. Der Dichter aber hat sich damit eine

Sinekure verschafft. So sitzt Horaz bei Tivoli auf dem Land, verpachtet

den größeren Teil seines Gütchens, speist als echt frugaler Epikureer

seine „Oliven, Cichorien und Malven“ und meißelt dabei aus dem spröden,

dunklen Marmor der lateinischen Sprache seine Oden, nur etwa jeden

Monat eine.

In dieser Weise hat die Poesie fast hundert Jahre lang in Rom geblüht.

Daher sagt Martial: So lange es Mäcene gibt, gibt es auch Vergile! Dann

aber gingen die Protektoren ein. Das Angebot an Versen wurde zu groß,

und man hatte allmählich von Orest und Thyest genug gehört. Seitdem

die hohen Herren den Hunger nach Dichtkunst verloren, verhungerte

schließlich die Dichtkunst selbst. Juvenal singt in seiner siebenten

Satire ihr krächzendes Grablied. Die Poeten darbten jetzt bei ihrer

Öllampe unterm Dach im fünften Stock, und erst etwa zwei Jahrhunderte

später ist die Poesie in der lieben „Mosella“ des Ausonius an unserer

Mosel zu einer bescheidenen Nachblüte neu entstanden.

Die Verdienste der römischen Kaiser um die Wissenschaft sind noch

gar nicht genug gewürdigt worden. Ich rede hier nicht von den vielen

Schulbüchern, die hübsch gemeinverständlich abgefaßt wurden; die

brauchten zu ihrer Verbreitung keiner höheren Fürsorge; denn sie

konnten von vornherein auf reichen Absatz rechnen. Die Lehrer trieben

mit ihren Lehrschriften regelmäßigen Handel; die Schüler mußten

sie kaufen, und so sieht sich denn auch gelegentlich der Verfasser

eines solchen Buches gedrängt zu versichern, daß er es „nicht um

des Gewinnes willen“ schreibe. Solche Bücher waren also „lukrativ“.

Dagegen hatten es die Gelehrten mit ihren streng wissenschaftlichen

Arbeiten, die dazu meistens noch sehr umfangreich waren, oft schwer,

ans Tageslicht zu treten. Heute ehrt es unsere Verleger, wenn sie

Werke so schweren Kalibers wirklich drucken und auflegen; sie bringen

damit oft ein rühmliches Opfer. In jenen Zeiten aber haben nicht

selten die Kaiser selbst geholfen; dafür war das Hofamt „für gelehrte

Dinge“ (~a studiis~) da. Ich erinnere nur an Kaiser Mark Aurel, dessen

Zeitgenosse, der Philologe Herodian, ein epochemachendes Werk über

die Betonung der Silben im Griechischen und über die Akzentschreibung

schrieb, das ganze 21 Buchrollen füllte. Dem Mark Aurel widmete er die

Rollen, und wir wissen jetzt, was das bedeutete; der Kaiser, der die

Widmung annahm, veranlaßte ihre „Edition“, ihre Vervielfältigung und

Verbreitung, so wie bald danach auch der Sohn Mark Aurels, der Kaiser

Commodus, für das gelehrte Lexikon des Pollux die Fürsorge übernahm. Es

nützte freilich in beiden Fällen wenig; die Werke waren mit Stoff allzu

überladen; das gelehrte Dickicht schien zu undurchdringlich; man machte

Auszüge daraus, und nur diese Auszüge liegen uns heute noch vor, aber

sie sind uns immer noch eine reichliche Quelle der Belehrung.

Die Kaiser waren die eigentlichen Besitzer der öffentlichen

Bibliotheken Roms, die Bibliothekare waren ihre Angestellten, und

man konnte sicher sein, daß sie in den Schränken dieser großen

kaiserlichen Büchereien selbst, die jedem zur Benutzung offen standen,

gute Abschriften niederlegen ließen, und das war das wichtigste.

Vespasian und Titus eroberten Jerusalem; der Jude Josephus erlebte

als Freiheitskämpfer die Katastrophe mit; er wurde aber von den

Römern gefangen und huldigte jetzt den Kaisern, die ihn für seine

Gesinnungslosigkeit ehrten, ihm die Freiheit schenkten, Gehalt zahlten,

ja, in Rom im kaiserlichen Palast wohnen ließen. Es ist begreiflich,

daß Josephus, als er nun seine jüdische Geschichte schrieb, damit das

Interesse dieser beiden Kaiser gewann, das sich auch auf das beste

bewährt hat. Wir sind glücklich, die Bücher des Josephus noch heute zu

lesen.

[Randnotiz: Soziale Stellung des unbemittelten Autors.]

Auf die sozialen Verhältnisse aber fällt aus dem, was ich hier

besprochen habe, ein grelles Schlaglicht. Es handelt sich um das Genie

ohne Geld. Der unbemittelte Schriftsteller, wie anders als heute

stand er damals in der Gesellschaft! Es war die Zeit der Mäcene. Der

Dichter lebte allerdings im Grunde ein höchst bequemes Leben; er

brauchte durchaus nicht sehr produktiv zu sein; niemand zwang, niemand

hetzte ihn. Aber er war zeitlebens abhängig von der Gunst und Laune

der Großen. Heute wissen wir zum Glück von Patronen und Klienten

nichts mehr; unsere Schriftstellerei ist frei, und jeder Autor wählt

sich selbst seinen Verlag. Gewiß. Aber man wird vielleicht bemerken,

daß sich unsere buchhändlerischen Verhältnisse doch neuerdings den

antiken mehr und mehr analog entwickeln. Unsere großen modernen

Verlagsanstalten wachsen an Macht und stehen im Literaturleben der

Gegenwart vielfach schon wie die Patrone da; sie kreieren Autoren,

begünstigen sie und stellen ihnen ihre Aufgaben und haben vor allem

auch wie die Patrone des Altertums die Entscheidung in der Hand, die

gegebenenfalls die Veröffentlichung eines Werkes für lange Zeit oder

für immer verhindert. Dazu kommt der Geldpunkt. Gemurrt wird wohl heute

genug; es wäre nicht erwünscht, wenn es dazu käme, daß wir uns nach den

Verhältnissen der Zeiten des Augustus und Nero zurücksehnen müßten.

Im Altertum sind die Verleger indes schwerlich zu großen Reichtümern

gelangt. Jener Atticus mit seinem Riesenverlag, von dem ich berichtete,

war augenscheinlich ein Idealist, aber er war zugleich Großkapitalist

und konnte das Risiko tragen. Warum war der Beruf der Verleger wenig

ergiebig? Kaum hatten sie ein Werk herausgebracht, so fiel das

Publikum rücksichtslos darüber her. Rechtsschutz gab es nicht; wer

nicht kaufen wollte, machte sich eigenhändig eine Abschrift, und dem

Bücherverkauf wurde dadurch die empfindlichste, ja eine ganz unerhörte

Konkurrenz gemacht. Es war eine Ausplünderung, viel ärger als der

Nachdruck, der noch in unserem 18. Jahrhundert die Verleger so gröblich

schädigte. Von dem ersten besten guten Bekannten borgte man sich ein

Buchhändlerexemplar und kopierte es nach Belieben. Das war billig; es

kostete nur etwas Zeit und Papier; aber man nahm meistens schlechtes

Papier dazu, die Rückseite von alten Aktenbogen und ähnlichen; wir

haben davon noch viele Proben erhalten. Tausendfach und ständig ist

das geschehen, und diese „Privatabschrift“ hat -- besonders in der

christlich gewordenen Welt -- den Verlag und Buchhandel des Altertums

schließlich geradezu ertötet. Vollends kam sie in den Schreibstuben

der Klöster zum Sieg. Die Mönche kauften grundsätzlich nicht vom

Buchhändler. Daß im Altertum ein Buch, es mochte noch so vortrefflich

sein, viele „Auflagen“ erlebte, war daher ausgeschlossen.

Woher stammen die Amoretten?

[Randnotiz: Modernes. Renaissance. Altertum.]

Von Amoretten soll im Nachstehenden die Rede sein, von jenen

geflügelten Putten, die, dem modernen Auge so geläufig, auf Gemälden

und Standbildersockeln wie an Häuserfassaden, auf Geschäftsreklamen

und Waschtisch-Stickereien von unseren Künstlern, Kunsthandwerkern

und Damen oft auf das gedankenloseste wiederholt werden, als ein

bequemer Hausrat für die erfindungsmüde Phantasie der Gegenwart, ein

immer erwünschtes Füllsel für alle leeren Ecken und Winkel; und,

wo immer wir sie sehen, erscheinen sie allezeit gefällig oder doch

niemals störend; denn es läßt sich leicht über sie hinwegsehen. Von

gewisser Originalität waren jene Greenaway-Bilderchen, mit denen uns

vor längerer Zeit die Erfindungsgabe englischer Frauenseelen beglückt

hat; sie waren gleichsam auf dem Boden und Plan des englischen

„Kindergartens“ erwachsen. Sie sind natürlich stets hübsch bekleidet.

Anders die Putten, und schon ihre Nacktheit kann dem Nichtwissenden

verraten, daß sie ein Anlehen aus freieren Zeiten sind. Wir verdanken

sie der lebensfrohen italienischen Renaissance, und schon zu den Füßen

der Sixtinischen Madonna, in den Glanzhimmeln des Correggio führen

sie ja ihr göttlich schönstes Kinderleben. Die kleine Flügelrasse war

seitdem nicht zu verderben; selbst das Klima des Rokoko bekam ihnen

leidlich; sie wurden sichtlich fetter, trugen jeden Thronhimmel, den

sie sollten, und überstanden jede Verrenkung. Ihre Ahnen indes, jene

Flügelknaben der großen italienischen Kunst, hatten gleichsam reineres

Venusblut, sie hatten voraus den Adel der Wahrheit und Schönheit, in

Süßigkeit und Zauber des Leibes und der Gebärde. Sie dienten jenen

Künstlern bald als +Engel+, bald als +Amorinen+, bald als +Genien+ zu

durchsichtiger Symbolik. Es ist jene Zeit, wo man auch den Sohn Gottes

im Schoße Marias für immer der stumpfen Bekleidung entledigte, die ihn

in der Kirchenbilderei des gotischen Mittelalters wie die Wolke die

Morgensonne zudeckte, um alle Virtuosität Raphaelischen Könnens an

diesem heiligsten Kinderleibe zu üben.

Also die Renaissance. Aber sie war nur Renaissance, sie war nur

wiedererstandenes Altertum. Jene köstlichen Putten haben als Ahnen noch

echtere griechische Venuskinder; die Renaissance ließ sie auferstehen

aus den Gräbern des Altertums, aus jenen antiken Marmorsärgen, die so

massenhaft mit dem Volk der Amoren geschmückt sind.

Wollen wir die Frage stellen nach der ersten Entstehung der Amoretten,

so gilt es bis in das griechische Altertum selbst zurückzugehen. Wie

konnten diesen Kindern die Flügel wachsen? und was bedeuteten sie dem

antiken Publikum? Hat, was man heute ziemlich gedankenlos als Gemeingut

hinnimmt, dereinst einen eigentümlichen Sinn gehabt? und wie weit hatte

das Cinquecento Recht, die griechischen Putten in dreifacher Verwendung

als +Amoren+, als +Engel+, als +Genien+ nachzubilden?

Was ich im Vorliegenden darbiete, ist von mir mit umständlicheren

Belegen und in leider der Ungnade verfallener Sprache anderen Orts

ausgeführt[205]; für den, der nachprüfen will, sei im Anhang mit

Seitennennung auf jene Ausführungen kurz verwiesen. Da auch in den

neuesten Arbeiten über diesen Gegenstand die richtige Auffassung noch

fehlt, lohnt es sich, sie noch einmal vorzutragen[206].

Der Leib des Menschen sehnt sich wohl nach dem Fliegenkönnen so, wie

die Seele des Menschen sich sehnt nach der Unsterblichkeit. Es ist

beides der Trieb nach Unendlichkeit, dort in das Räumliche hinaus,

hier hinaus in die Länge der Zeiten. Wie schön, das Ersehnte leibhaft

vorzustellen! Der Kinderkörper ist der leichteste; sein Bau kommt dem

des beneideten Vogels noch am nächsten, wenn wir achtgeben auf das

Verhältnis der Höhe zur Breite; ein Kind läßt sich schon am ehesten

harmlos schwebend denken. So erregt es ein seliges Gefühl wie erfüllte

Sehnsucht, der Anblick der schwebenden Eroten.

[Randnotiz: Geflügelte Götter. Eros in der älteren Kunst.]

Für den alten Ägypter war der Vogel gelegentlich selbst göttlich,

selbst Gottheit gewesen; er schuf den Gott Horos mit dem Sperberkopf;

der Fittich war ihm allgemein Abzeichen des Göttlichen. Anders der

Grieche. Der Grieche schuf Gott nach seinem Bilde und verschmähte jenes

Abzeichen durchaus, außer wo er phönizischen Einflüssen Raum gab[207].

Die olympischen Götter schreiten vorgeneigt durch den Luftraum,

durchmessen die Himmelsstrecken mit leichtestem Sprung, aber sie

bedürfen des Flugapparates nicht; auch beim Hermes ist er lose Zutat

und mehr Merkmal als Werkzeug der Eile dieses Berufsboten. Die Flügel

sparte jene Kunst für ihre Windgottheiten, für ihre Siegesgöttin, die

Nike, auf, um an ihnen die stürmende Hast vorzüglich auszudrücken. Amor

aber -- griechisch Eros -- ist die Liebe. Die Liebe (Sappho bezeugt es)

ist dem Winde, dem Sturme gleich; man weiß nicht, von wannen sie kommt

und geht; sie ist überraschend beglückend, göttlich, aber ephemer, eine

Unsterblichkeit des Augenblicks, wie Nike, der geflügelte Sieg[208].

So ist Eros -- nach einigen ein Sohn des Zephyr -- stets geflügelt

gebildet worden.

Aber auch in anderem Sinne ist die Liebe flugbegabt. Jene Sehnsucht des

Sterblichen nach dem Unendlichen, nach dem Fliegenkönnen, in der Liebe

ist sie gleichsam erfüllt; denn sie ist ein Schweben des Liebenden

außer sich, d. h. im Unbegrenzten. Der Menschenseele selbst, die da

liebt, wachsen somit Schwingen; oder aber -- in anderer Auffassung --

die Liebe selbst in ihr ist ein Flügelwesen. Als man bei den Griechen

begann, über die Beflügelung Betrachtungen anzustellen, beim Plato im

Phädrus, wird uns eben dies gesagt. Nicht wesentlich weicht hiervon

ab, wenn es in einem Spruche aus der Komödie heißt: „Schnell wächst

Gefieder dem Eros, wenn er hofft, und schnell entfiedert ist er, wenn

ihm die Hoffnung schwand“[209].

Nicht also die Befiederung der Amoretten bedarf einer weiteren

Erörterung, wohl aber ihr kindliches Alter und ihre Vielheit,

desgleichen die Art ihrer Verwendung oder Beschäftigung.

Es gilt zum Verständnis die verschiedenen Zeitalter des Griechentums

zu sondern, die Wandelungen des Zeitgeistes in ihm zu beobachten. Das

Griechentum gleicht der Natur und dem warmen blühenden Jahre; nicht

jeder Monat brachte die gleiche Flora. Die Amoretten waren Spätlinge

des Jahres und entstanden, als der Geist und die Kunst schon herbstete.

[Randnotiz: Eroten in der älteren Kunst. Interesse am Kinde.]

Die eigentlich klassischen Zeiten eines Perikles und Plato wußten im

wesentlichen nur von einem Eros. Die Vorstellungen über ihn waren

erst allmählich innerhalb der Literatur und Kunst selbst ausgebildet

worden. Er war von den Einen im Interesse der Schöpfungsgeschichte

als Schöpfungsgeist oder Lebensprinzip des Weltalls, von anderen

minder abstrakt als Entzünder der Liebe innerhalb des Menschenlebens

aufgefaßt. In dem letzteren Sinne, der je mehr überwog, je breiteren

Raum die Liebespoesie gewann, festigte sich erst nach und nach die

Vorstellung vom Eros als dem Sohne der Aphrodite. Die Kunst aber gab

diesem einen Eros ganz vorwiegend die Gestalt des Halbjünglings oder

reiferen Knaben, in einem Alter zwischen 9 oder 10 bis zu 16 Jahren.

Und wir sehen diesen „jüngsten“ und „schönsten“ der Götter zunächst

nicht sich beschäftigen; er steht oder er fliegt daher, hält Symbole,

die auf Lenz und Liebe deuten, bis er endlich zum Bogenspanner

ausgebildet ist, der die Herzen verwundet mit dem Pfeil der Venus.

Es konnte nicht ferne liegen, von diesem Venussohn zu einer Mehrheit

gleichartiger Gestalten zu gelangen. Eros ist die Personifikation

eines Triebes. Man konnte der Liebe die Begierde „Himeros“ zum Bruder

geben, als dritten dazu die Sehnsucht, den „Pothos“, gesellen. So tat

es in der großen Kunst nur Skopas in der ersten Hälfte des vierten

Jahrhunderts v. Chr. Die Vasenmalerei und kleinere Kunst aber schlug

entweder dasselbe Verfahren ein (die Beischriften bezeugen es),

oder sie zeigte „Liebe“ und „Gegenliebe“ (Eros und Anteros), oder

sie verfiel endlich auch geradezu auf eine Anzahl von gleichartigen

ununterschiedenen Eroten, bis etwa zu sechsen an der Zahl auf einem

Stück. Es scheint dies zunächst ein ähnlicher Hergang, wie wenn man

den einen Gott Pan, den ziegengestaltigen, vermehrte und aus ihm einen

ganzen Tragödienchor seinesgleichen schuf[210]. Und doch liegt die Sache

anders[211].

Da Liebe immer nur als die Liebe +eines+ Menschenherzens zu verstehen

ist, so waren gewiß so viele Eroten denkbar, als da Herzen lieben. So

sprach auch die Euripideische Tragödie, die die Liebe zuerst zum großen

Gegenstande der Bühne machte, mehr als einmal im Plural von „Eroten“.

Sogar ein Pindar war vereinzelt darin vorgegangen. Allein jene

Vasenbilder geben uns diese Eroten noch allzu deutlich als abstrakt

symbolische Figuren; sie ordnen sie schematisch und nach äußerlicher

Entsprechung (besonders ist die Zweizahl bevorzugt), so daß oftmals der

Eindruck entsteht, das bloße Bedürfnis nach Symmetrie sei hier auf die

Erfindung von Einfluß oder entscheidend gewesen; und was wichtiger, sie

vereinigen diese Eroten noch nicht unter sich zu einer Handlung. Es

waren noch keine Amoretten.

Auch fehlte noch immer das eigentliche Kindesalter. Zwar konnte

es nicht fern liegen, sich Amor klein vorzustellen, und auf diese

Anschauung konnte hinleiten, was Sophokles von ihm sang: „Der du auf

weichen Wangen des Mägdleins lauernd gelagert bist.“ Es ist dies

nichts als der Person gewordene „Glanz der Liebe auf Purpurwangen“

(Phrynichus). Wo aber war damals der Künstler, der dies auch

nur annähernd in Stein oder Farbe wiederzugeben wagte und wagen

konnte? Auch weiß z. B. der Komiker Alexis in seiner eingehenden

Charakterzeichnung des Gottes noch nichts von seiner Kindlichkeit[212].

Die Erfindung der Amoretten wurde erst möglich, nachdem bei den

Künstlern das Interesse an +Darstellung von Kindern+ wach geworden, die

Fähigkeit, Kinder darzustellen, ausgebildet worden war, und wir stellen

schon hier den Satz auf: das Interesse am Kinde war die Erzeugerin;

nicht Aphrodite, sondern die Kinderliebe ist in Wirklichkeit die

Mutter der Amoretten gewesen. Als Kennzeichen für sie stellen wir

fest: erstlich das Kindesalter, zweitens ihre Vielheit, die zur

vorherrschenden Regel wird, endlich ihre Beschäftigung, die nur zum

Teil sich noch nach außen hin auf Götter- und Menschenherzen richtet,

sondern zumeist nur ein Spiel miteinander und ein Untersichsein ist.

Um dieser Beschäftigung willen war eben die Vielheit zweckmäßig und

Vorbedingung.

Die größte Zeit starken männlichen Zuges mußte erst vorüber sein.

Erst mußten die Phidias und Polyklet, Praxiteles und Lysipp, naiv

erhaben, ihrem Volke seine großen Stadtgötter hingestellt haben, das

Ideal steigernd und verwirklichend, eine steinerne Theologie; erst

mußte die Kunst die Behandlung des männlichen und des weiblichen

Körpers, des gewandeten und des ungewandeten, an den Göttern wie

an der Bildung sieggekrönter Sterblicher zu Ende geübt und bis zur

höchsten Vollkommenheit gebracht, mußte in ihr den letzten Reiz des

Neuen und Schönen erschöpft haben, bis sie sich endlich auch des

Kindes erinnerte, über das sie gleichsam hinweggesehen, und hier eine

Aufgabe übrig fand, um Anmut in Fülle auszuschütten, wo die Stärke und

Erhabenheit verbraucht war.

Es beginnt seit Alexander dem Großen die Ära der großen griechischen

Königreiche, die Greisenzeit des Griechentums, der Hellenismus. Das

Publikum überließ die Politik den Königen; es verlor den politischen

Ehrgeiz; es wurde weltbürgerlich, es wurde sentimental. Die Interessen

und Aufgaben gingen in das Kleine und Menschliche; man sah gern und

man schilderte gern Landschaft und Natur, die liebe Alltäglichkeit

und die alltägliche Liebe, schwärmte für Hirten und Fischersleute

und sehnte sich in Übersättigung und Empfindsamkeit zurück in die

unverderbte Einfalt des Lebens[213]. Man wurde groß im Kleinen; es war

wie die Nachlese desjenigen, der das Leben ausgeschöpft hat. Damals hub

auch die sentimentalische gerührte Freude am Kinde an. Erst aus der

sentimentalischen Liebe zu Kindern ist die Idee der Amoretten, erst

aus der Darstellung von Kindern ist die Darstellung von Amoretten

hervorgegangen. In jener Zeit, als Christus, vom Berge predigend,

das Wort sprach: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ und sie herzte

und küßte, war jene Kinderliebe allerorts in vollster Blüte, und das

Evangelium hat dafür einen edelsten, reinsten Ausdruck gefunden.

Wie nun der griechische Geist diese Kinder bildete? Er war alt

geworden, dieser Geist, aber von gereiftestem Schönheitssinn, und hat

tändelnd eine Fülle ewiger Grazie über diese Gebilde ergossen. Es sind

Kinder der Liebe, und sie sind mit dem Auge der Liebe gesehen.

Sei es noch einmal wiederholt: es ist für die Amoretten wesentlich,

außer dem Kindesalter, daß sie gern viele sind und daß sie auch bloß

unter sich ihr Spiel treiben, also selbst eine Szene bilden. Dieses

beides wird sich uns eben aus dem ersten und grundlegenden, der

kindlichen Natur selbst erklären. Wenn aber im Verfolg von Kindern

die Rede ist, so ist dabei ausschließlich an das Alter gedacht bis

höchstens zum sechsten Lebensjahr, an das Alter der Putten.

[Randnotiz: Kinderscharen in den Häusern seit der Alexanderzeit.

~Deliciae.~]

Der alexandrinische Zeitgeist, den wir nach der geistigen Hauptstadt

des griechischen Ostens so benennen, der Umbildner der menschlichen

Gesellschaft, hat sich zunächst in den drei letzten Jahrhunderten vor

Christi Geburt dargestellt. Doch sind die vielen Bücher, die damals

geschrieben wurden, leider bis auf einen ärmlichen Rest gründlich

vernichtet. Vornehmlich nur aus seinen Nachwirkungen erkennen wir

den alexandrinischen Geist; er tritt erst bei den Römern seit der

Zeit Ciceros in das helle Licht der Geschichte. Denn römisches Leben

ist fortan hellenistisches Leben. Wir sind befugt und gehalten,

aus der wundersamen Kinderliebe der augusteischen Zeiten auf die

gleich ausgebildete Liebhaberei in den Modellen der nächsten Vorzeit

zurückzuschließen.

Die Kinderliebe konnte so auf eigene, wie auf fremde Kinder gerichtet

sein. Auch blasierte Mütter gibt es und gab es genug, die ihre

Kleinen an andere zur Erziehung geben und sie sich nur als Spielzeug

in leeren Augenblicken auf den Arm reichen lassen aus flüchtiger

Lachlust und halber Neugierde; dies tadelt der ehrenfeste Plutarch.

Den gefallsüchtigen Hausfreund sehen wir schon beim Theophrast, wie

er den Gastgeber nach seinen Kleinen fragt, sie fabelhaft ähnlich

findet, sie küßt, mit ihnen betulich ist, ihr Ruf- und Laufspiel eifrig

mitspielt und sie auf seinem Schoß schlafen läßt. Von hier aus ist

bis zum Kindersport noch ein guter Schritt; aber er wurde eben damals

getan[214].

Zunächst ist ohne Frage schon folgende Gepflogenheit von großem

Einfluß gewesen. Es war die Sitte reicher Familien, für den kleinen

Sohn des Hauses eine Schar von Sklavenkindern gleichen Alters als

+Gespielen+ zu halten, die zum Apparat der ersten Erziehung ebenso

gehören wie die „Amme“. Dies sind die öfters zu nennenden „Gespielen“

oder ~conlusores~. Der kleine Sohn speist dann natürlich mit bei Tisch,

die Gespielen umlungern die Tafel, gern geduldet, und lassen sich

Naschsachen zustecken. Wir sehen solche Szene im Garten des Septimius

Severus, als er noch nicht Kaiser war[215]. Schon dies kann uns das Bild

der spielenden Puttenschwärme geben, wie wir sie in der Kunst zusehen

gewohnt sind.

Aber nicht dies ist, was ich als Sport bezeichnete. Man +hielt

sich+ überhaupt +Kinder zur Ergötzung+, womöglich viele. Ohne diese

großmächtige und uns Modernen so völlig fremdartige Art des Kinderluxus

scheint das Leben der Vornehmen Roms kaum zu denken. Ganz dasselbe

soll heute noch bei den reichen Türken im Gebrauch sein. Vorzüglich

Frauen, heißt es, waren die Liebhaber dieses Menschenspielzeugs, doch

auch zärtlich besaitete Männerseelen. Wir begegnen solchen lebendigen

Putten nicht nur im Kaiserhause, sondern auch bei vielen wohlhabenden

Privatleuten, endlich sogar zu öffentlichen Zwecken verwendet. Ihr

lateinischer Name ist ~deliciae~. Sie sind es vorzüglich, die die Kunst

als Amoretten nachahmend in ihrem Spiegel auffing, als Spielkinder der

Venus in ihre Sprache übersetzte[216].

Kaiser Augustus ist uns zunächst ein klassisches Beispiel. Ein

einsamer Mann auf dem Thron, war er kinderlieb wie wenige. Seine zarten

Enkel Gajus und Lucius kaufte er dem Agrippa ab und wollte nie ohne

sie sein, hatte sie bei Tisch auf seinem Lager, ließ sie auf Reisen

vor sich auffahren. Ein allerliebstes Kind der Verwandtschaft stellte

er, als es starb, als Amorette in seinem Zimmer auf und küßte das

Bild, so oft er es erblickte. Derselbe Augustus pflegte aber auch in

seinem Palast mit kleinen Kindern zu spielen, die er „von allen Seiten

sich kaufte“; er spielte mit ihnen Astragalen oder das Knöchelspiel,

Nüssewerfen u. a. Sein Lieblingsputto hieß Sarmentus; Sarmentus war

um ihn bei den Gastgelagen und bekam vom schweren besten Falerner zu

trinken.

Und schon bei der Hochzeit des Kaisers im Jahre 38 v. Chr. hatten

diese Kinder eine Rolle gespielt. Sie fand im Hause des Claudius Nero

statt, der hier selbst seine Gattin Livia an Octavian verheiratete.

Die Sache war anstößig. Beim Festmahl lag nun Octavian mit Livia auf

dem Speiselager vereint, jener Claudius alleine. Die ~deliciae~ aber

waren im Saal, und eines davon stellte sich tadelnd vor Livia und sagte

vorlaut die peinlichen Worte: „Herrin, was tust du dort? Dein Mann

liegt ja drüben,“ und wies auf ihn.

[Randnotiz: Die stoische Lehre begünstigt ihren Gebrauch. Belege.]

Auch war Octavian in seiner Liebhaberei nicht ohne Anleitung. Sein

Jugendlehrer war der stoische Philosoph Athenodorus von Tarsus

gewesen, der ihn auch weiterhin in Rom beeinflußte. Derselbe soll auch

des Tiberius Erzieher gewesen sein. Er verfaßte eine Schrift „über

ernsthafte und heitere Lebensführung“ und empfahl darin den Gebrauch

der Delicien durch Beibringung von Belegen aus früherer Zeit. War es

doch beliebt bei den Stoikern, vom Sokrates zu erzählen, wie es ihm

Freude war, mit solchen Kleinen zu spielen; denn es zieme sich, in

schuldlosem Scherz sich zu erholen[217]. Selbst Herkules, im Drama des

Euripides, so führte man an, habe ein Kindlein auf dem Arm geherzt und

die Worte gesprochen:

Ich tändle. Wechsel nach der Arbeit ist mir lieb[218].

Athenodorus aber berief sich vor allem noch auf Archytas von Tarent,

den Philosophen und Staatsmann der Platonischen Zeit, der bei aller

Größe des Geistes doch an den kleinen Kindern seiner zahlreichen

Sklavenschaft im Spiel hingebend sich erfreute; am meisten Spaß aber

hatte er an ihnen beim Trinkgelage. Man denke hier an den Sarmentus

des Augustus. Und endlich erzählte man in gleichem Zusammenhang von

Massinissa, dem Numidierkönig aus der Zeit des Hannibalkrieges, der

unter anderem die sämtlichen Kinder seiner Söhne (und es waren viele

Söhne!) und seiner Töchter bei sich aufzog; wenn sie aber drei Jahre

alt waren, ersetzte er sie durch neue. So berichtete von ihm Ptolemäus

Euergetes, der König Ägyptens[219]. Hierbei denke man an die Enkel Gajus

und Lucius, die Augustus zu sich nahm.

So hatte die stoische Weltlehre, die da gleiche Menschenwürde und

Menschenliebe predigte, auch die +Kinderliebe+ in ihr Programm

aufgenommen. Sie näherte sich darin dem Sinne der Bergpredigt. Die

häßlichen Auswüchse der so entstehenden Sitte konnte sie freilich

nicht mit verantworten. Ein einsamerer Kaiser noch war Tiberius. Auch

sein düster märchenhaftes Asyl auf Capri bevölkerten jene unschuldigen

Scharen; die Phantasie seiner Verleumder aber umgab die Kunde hiervon

mit Gerüchten von allerlei Schändlichkeit.

Im Hause Domitians treffen wir sie wieder. Die Unschuld wurde hier

Ursache an dem Tode des Schuldigen. Domitian schlief und hatte ein

Verzeichnis derer, die er dem Tode bestimmte, unter dem Kopfkissen; die

Kleinen waren im Zimmer. Eines zog neugierig die Schreibtafel hervor

und hielt sie nichtsahnend in seinen Händchen, als Domitia herzukam,

die Namen las und die Ermordung des Kaisers beschloß und einleitete.

Eine sehr ähnliche Szene kehrt unter Kaiser Commodus wieder; vor

allem sind die Verhältnisse immer die gleichen. Ein Kind pflegt

das bevorzugte, das dreisteste, der Favorit zu sein und wird durch

Eigennamen ausgezeichnet, den nun die Weltgeschichte überliefert.

Das Kaiserhaus machte aber durchaus nur die Mode der Zeiten mit.

Zahlreich sind sonstige Belege, wie sie der Zufall bietet. Grabsteine

solcher deliciae sind ausgegraben. Die Schriftsteller selbst,

vornehmlich die Vertreter der epigrammatischen Dichtung, ließen

sich herbei, sie in zärtlichem Scherz zu schildern oder rührsame

Grabesaufschriften zu geben für solch einen kleinen Verstorbenen:

„Kalläschros ist gestorben, der kleine Fant, um nun ein Spielzeug

zu sein im Haushalt der Proserpina.“ Ein Zweijähriges fiel von der

Leiter; der Herr lief herzu; „da streckte es nur noch einmal die

zarten Händchen und verschied.“ Oder der Dichter an seine verstorbenen

Eltern: „Mein kleines Erotion, das so zum Küssen ist, kaum sechs

Jahre alt, kommt schon zu euch in den Orkus; sorgt doch, daß es vor

dem Höllenhund sich nicht erschrecke; und so spiele es denn nun mit

euch alten Herrschaften und schwatze von mir. Die Erde aber möge ihm

leicht sein; denn es ist selber ihr nie schwer gewesen“ (Martial). Zu

diesen Spielzeugen gehörte auch der Camerius des Catull (~carm.~ 55)

in Ciceros Zeit, zu ihnen auch die Bissula des späten Ausonius, jene

Bissula, der die moderne Romanliteratur zu einer kurzen Auferstehung

hat verhelfen wollen. Auch Bissula war Putte (~pupa~), im deutschen

Kriege erbeutet; sie war in einer Schar derselben die kleine Favoritin

(~dominatur in deliciis~).

[Randnotiz: Deliciae „Spielkinder“. Ihre Schwatzlust. Camerius.]

In diesem Zusammenhang erklärt sich auch Folgendes. Wie Abraham den

Lot befreite, da heißt es im Bibeltext einfach: „und schlug sie (die

Feinde) und jagte sie .. und brachte alle Habe wieder, dazu auch Lot,

seinen Bruder, mit seiner Habe, auch die Weiber und das Volk.“ Der

Dichter Prudentius, um das Jahr 400 n. Chr., hält sich verpflichtet,

dies auszumalen und zählt nun als Bestandteil jener „Beute“ neben

Gefäßen, Pferden und Halsschmuck auch „die Kleinen“ auf, in deutlichem

Hinblick auf die ~deliciae~, die eben in der Habe des Reichen damals

nicht fehlen[220].

[Illustration:

Aus dem Leben der Antike · 第 26 / 59 题