Tafel 5

Lesender Mann.

Von einem Marmorrelief.

(Paris, Münzkabinette.)]

Jetzt endlich hatten die Griechen also ein Buch gewonnen, das sich in

der Tat leicht hundertfach vervielfältigen ließ. Der Großbetrieb

konnte einsetzen: Abschriften der besseren Werke in beliebiger Anzahl,

Buchverkauf, Buchhandel.

Und so beginnt eben jetzt, im 6. Jahrhundert, wirklich die griechische

Prosaschriftstellerei, die schlechthin das Buch voraussetzt, da

Prosa sich nicht nach Art eines epischen Gedichtes auswendig lernen

läßt. Aber auch die griechische Dichtkunst veränderte nun sogleich

ihr Wesen und bereicherte sich wunderbar; denn auf einmal entsteht

jetzt die große Lyrik, und es entsteht die Tragödie, Oratorium und

Oper; d. h. auch die Musik kann sich jetzt plötzlich auf das reichste

entwickeln. Das Wesen der griechischen Musik erkennen wir an den

Versmaßen. Kunstvolle Versmaße werden jetzt möglich, eine Rhythmik mit

mannigfachem Wechsel der Taktarten, die ohne sorgliche Niederschrift

des Textes und auch der Musiknoten nicht denkbar war. Ich nenne nur

den großen +Stesichoros+, der jetzt -- um das Jahr 600 beginnend[188]

-- auf Sizilien seine gewaltigen, ausgedehnten, halbdramatischen,

oratorienartigen Chordichtungen schreibt, und +Äschylus+, der in

Athen bald danach die Tragödie schafft. Auch diese Offenbarung des

griechischen Kunstgenies, die Tragödie, war erst jetzt möglich. Weiter

aber: auch der +Homertext+ wurde nunmehr in der Form, wie wir ihn

haben, endlich zum erstenmal in Buchform redigiert und gesichert, und

auch dies ist, wie jetzt unbedingt feststeht, in Athen geschehen[189].

Es ist dies das erste unvergängliche Verdienst, das sich Athen um die

Weltliteratur erworben hat.

Und nun taucht auch +Herodot+, der Vater der Geschichte, vor uns

auf. Herodot und andere seinesgleichen schreiben jetzt in Prosa die

Sagengeschichte und Staatengeschichte ihres Landes, +Anaxagoras+ und

andere Philosophen vor ihm ihre kühnen und ewig denkwürdigen Entwürfe

über Sein und Werden und die Natur und Entstehung des Alls. Der

wundervoll treibende Griechengeist hatte jetzt einen Boden gewonnen,

auf dem er blühen und wuchern konnte, so wie, wo sich frische Erdkrume

bildet, sogleich eine Vegetation entsteht. Plato, Demokrit, Aristoteles

erhoben ihre breiten Wipfel. Das Buch erzeugte die Literatur.

Und wie geschmeidig war dies Buch! Federleicht lag es in der Hand.

Fliegende Blätter hatte man, und wer deren viele zusammenklebte,

erhielt eine Fläche von beliebiger Länge, die er beschrieb und leicht

zusammenrollte. Denn das Buch war nur Rolle. Heftung kannte man nicht.

[Randnotiz: Buchhandel der Griechen. Herstellung des Papyrus.]

Und wie fest und klar stand die tief dunkle Schrift auf dem hellen

Grunde! Das Papier war weiß, aber nicht blank und warf keine Reflexe:

eine Wohltat für das Auge. Das Schreiben war jetzt auch kein Gravieren

und Ritzen mehr; es war Farbenauftrag. Mit der weichen Feder malte

man die Buchstaben. Und das ging rasch. Massenkopien gab es gleich.

Buchunternehmer hielten sich ein Sklavenpersonal, das die Kopien

nach Diktat schnell genug lieferte; denn leicht konnten so nach

Diktat 50 Exemplare auf einmal, 1000 in einer Woche hergestellt

werden. Und man kaufte sich jetzt also die Platodialoge oder die

Euripidesstücke, nahm sie auf die Seereise mit und las sie auf dem

Schiffsdeck. Der Buchhandel und Versand ging von Athen überall hin,

nach Sparta, Kleinasien, zu den Städten des Schwarzen Meeres. Dabei

verwahrte man die Rollen in hübschen Kapseln aus Holz. Auch in der

Schule hatte jetzt schon jeder Knabe sein Lernbuch, und der Gebildete

konnte sich darin nicht genug tun; er kaufte sich schon lesehungrig

alle möglichen Autoren, Homer, Epicharm, Tragödien, Schriften über

Baukunst, Kochbücher u. a. zusammen, und vereinzelt entstehen schon

wohlgeordnete kleine Büchereien. Sie sind vorläufig nur Privatbesitz.

Mit der ersten Bibliothek aber war auch der erste Überblick über den

Bestand der griechischen Literatur gegeben; das Griechentum wurde sich

seines geistigen Besitzes bewußt; eine Literaturgeschichte konnte

entstehen[190].

So ging die Entwicklung zunächst durch drei Jahrhunderte, vom 6. bis

zum 4. Jahrhundert v. Chr.

Im Nildelta, und zwar in den breiten und schlammigen Seitenarmen

des Nil, da wuchs und gedieh das Papyrusschilf in ganzen Wäldern.

Inselartig standen diese Wälder in den seichten Wasserflächen. Sie

wuchsen jedoch nicht etwa wild; vielmehr wurde das Schilf sorglich

gepflanzt, gehegt und jeder Ausfall ersetzt; ein Riesenvermögen

steckte für die Besitzer in diesen Wasserpflanzungen. Es waren hohe

Schäfte mit graziös gefiederten Wipfeln und Blätterbüscheln, die im

Seewind rauschen und leicht sich wiegen; der Schaft mehr als armstark.

Fußpfade, die so schmal waren, daß nur ein Mann hindurch konnte, und

auf denen der Heger sich bewegen und die Ernte eingebracht werden

konnte, führten durch die Dickichte hindurch[191].

Jahrtausendelang hat dort im Altertum diese wichtige Kultur bestanden.

Wie anders jetzt! Seitdem die Pflege fehlt, ist der Papyrus dort im Nil

völlig verschwunden.

Für die Fabrikation war die Stadt Saïs, die Residenz des Königs

Psammetich, der Hauptsitz, und eine ganze Reihe von Sorten der

Charta wurden hergestellt, die sich nach der Qualität, nach Größe,

Färbung, Feinheit und Dauerhaftigkeit unterschieden. Denn für wichtige

Aktenstücke der Staatsverwaltung und für schöne Gedichtbücher brauchte

man bessere Qualitäten, als der Kaufmann sie in seinem Laden zum

Rechnungschreiben nötig hatte.

Anschauung von dieser „Charta“ kann heute jeder haben, der einmal

unsere größeren Museen und Universitätsbibliotheken besucht, wo Proben

davon in Glas und Rahmen ausgestellt werden. Die Fabrikation aber war

schwierig und erforderte viel Zeit und ein beträchtliches Personal.

Denn das feste Mark des Schilfs wurde auf das mühsamste in möglichst

lange und möglichst dünne Streifen zerlegt und diese Streifen dann

glatt zusammengeklebt, indem man sie netzförmig übereinanderlegte.

Leicht lösten sich aber die Fasern wieder, und wiederholte Pressung

und erneutes Kleben, endlich ein sorgliches Trocknen der Ware war

immer nötig. Damit war aber zunächst nur ein Einzelblatt von etwa

34 × 20 ~cm~ Größe gewonnen, und aufs neue mußten die Kleber mit ihrem

feinen Leim daher, um aus je 20 Blättern die Buchfahnen, die in den

Handel kamen, zusammenzufügen. Auf die Fahne setzte man die Schrift

in Spalten nach Art der Spalten unserer Zeitungen. Reichten für das

beabsichtigte Buch 20 Blätter nicht aus, so klebte man wieder etliche

Fahnen aneinander, je nach Bedürfnis.

[Randnotiz: Papierpreise. Umfang und Ausstattung der Rollen.

Buchteilung.]

Schon aus dieser Art der Herstellung erklärt sich, daß das Papier im

Altertum sehr teuer gewesen ist[192]; und je mehr die Nachfrage zunahm,

je teurer mußte es werden. Denn bald sollte für die ganze damalige

gebildete Welt, für Griechenland, Syrien, Mazedonien, Italien, Spanien,

Südfrankreich das kleine Nildelta allein das Papier liefern. Ja, die

Fabrikanten im Delta bildeten einen Trust und trieben obendarein die

Preise gemeinsam künstlich höher, wie Strabo uns meldet. Ungeheure

Werte steckten also in den großen Büchereien des Altertums, wie sie die

römische Kaiserzeit besaß. Die Literatur war auch im Hinblick auf das

Papier, auf dem sie stand, eine Kostbarkeit.

In Großstädten wie Rom lagerte das Papier, die unbeschriebenen Rollen,

auf Vorrat in großen Speichern, die der Staat beaufsichtigte. War die

Papyrusernte am Nil schlecht ausgefallen, so trat in der Welt Papiernot

ein, die fast so schlimm war wie die Hungersnot, die drohte, wenn das

Korn nicht aus Ägypten kam, und die Behörde mußte alsdann eingreifen

und den Verkauf regulieren. Auf dem Lande war oft gar kein Papier

zu haben. Auch wir wissen seit dem jüngst erlebten Kriege davon zu

erzählen, wie die Regierung alle Vorräte der Waren an sich nimmt, um

der größten Not zu steuern.

In Rollen zu lesen, denken wir uns heute sehr unbequem, und anfangs

herrschten auch wirklich noch große Mißstände im Bücherwesen der

Griechen. Erträglich war die Sache, wenn es sich um Rollen von etwa 20

Seiten handelt. Herodot aber wird heute auf 600 Seiten abgedruckt, und

für solch umfangreiche Werke ergaben sich damals Rollen von 50, 70 oder

100 Meter Länge. Als solche endlose Konvolute haben wir uns die ersten

Ausgaben des Herodot, des Thukydides zu denken; so hatte noch Alexander

der Große Ilias und Odyssee in Händen. Eine einschneidende Reform war

darum nötig. Kallimachos war es, der den berühmten Ausspruch tat: „ein

großes Buch ein großes Übel.“ Seitdem, d. i. seit dem 3. Jahrhundert

v. Chr., wurde es Sitte, die größeren Bücher zu zerschneiden (davon

kommt der Ausdruck ~Tomus~, „der Schnitt“), d. h. die Buchteilung in

der Schriftstellerei wurde Sitte; sie wurde erzwungen[193]. In 12 Rollen

ließ darum Vergil seine Äneide, in 3 Rollen ließ Cicero sein Werk „vom

Redner“ erscheinen; und die Kunst des Disponierens steigerte sich dabei

wunderbar. Man lernte fortan seinen Stoff jedesmal so einzuteilen,

daß womöglich in jeder kleineren Rolle ein in sich abgeschlossener

„Abschnitt“ des Werkes stand, der für sich allein gelesen, genossen

werden konnte.

Aus diesem sehr äußerlichen Grunde erklärt sich die sonst so

befremdliche Durchführung der Buchteilungen in den alten Autoren.

[Randnotiz: Bibliothek. Bildliche Darstellung: Schreibende.]

Besonders die Dichter las man in möglichst dünnen Rollen; ein Odenbuch

des Horaz stand auf einer Papierfahne von nur 20 Seiten, kaum mehr. Das

ist auch heute noch so; man denke an Mirza-Schaffy und Frauen-Liebe

und Leben; auch wir wollen für unsere zärtlichen Dichter keine großen

Formate. Wollte man überdies noch Effekt machen, so stattete man das

Röllchen hübsch prunkvoll aus, schob es in einen farbigen Mantel (so

wie wir unsere Tischservietten) und steckte noch ein vergoldetes

Stäbchen mitten hinein. Besonders reizvoll und glanzvoll müssen die

Bilderbücher gewesen sein; wer die Rolle auseinandernahm, sah eine

Folge farbiger Bilder, Porträts, Kampfszenen aus den Römerkriegen

u. a. Vor allem hing nun noch aus den Rollen immer ein festes,

pergamentenes Zettelchen heraus, das man gern purpurn färbte und auf

dem der Titel zu finden war. Dieser Zettel selbst hieß der „Titel“.

Im Bibliothekszimmer standen Schränke oder an den Zimmerwänden zogen

sich „Nester“ hin; darin lagen die Rollen wie die Vögelchen beisammen,

bereit auszufliegen, allemal hübsch mit dem Kopf nach vorn, an dem der

Titel hing. Es war gewiß allerliebst, in solchem Bücherzimmer sich

aufzuhalten; alles, Bücher und Borte und Wände, bunt bemalt und in

Farben strahlend; dazu edler Statuenschmuck; auch gemalte Porträts der

Lieblingsdichter. Die Nester waren nur in bequemer Höhe angebracht,

auch die Schränke nur niedrig, zu 3 Borten. Man brauchte nicht auf

Leitern zu steigen, um seinen Plato oder Livius zu finden[194].

Wie nun der lesende Mensch mit dem Buch umging? Dem modernen Menschen

fehlt dafür jede Anschauung; aber die reiche antike Kunst kann sie

uns geben[195]. Hier ist der Ort, die Plastik und Malerei der Alten

heranzuziehen. Selten ist uns Gelegenheit gegeben, die Zweckmäßigkeit

und Sinngemäßheit der künstlerischen Motive, insbesondere in bezug auf

die Haltung der Hände, so festzustellen wie in diesem Falle.

Auch unsere modernen Künstler kommen bisweilen in die Notlage, einen

Menschen mit dem Buch darstellen zu müssen. Aber ihnen fehlt dafür

eine Tradition oder die Achtsamkeit, und sie irren sich oft seltsam.

Wer z. B. die schöne Goethe-Statue Schwanthalers in Frankfurt a. M.

betrachtet, wird mutmaßlich wenig darauf achtgeben, daß der Dichter

den Kranz in der Linken, das Buch aber in der Rechten hält. Warum sind

die Gegenstände auf die Hände nicht anders, nicht umgekehrt verteilt?

Eine müßige Frage! Wer hat Zeit, sich damit aufzuhalten? Der Künstler

macht das eben, wie es am besten aussieht. So machte man es aber im

Altertum nicht, und die moderne Kunst der Porträtstatue ist doch ein

Erbe aus dem griechischen Altertum. Wer das Buch in der Rechten hat,

will vorlesen; wer es in der Linken hält, hat vorgelesen. Goethe aber

kann seinen Kranz erst erworben haben, nachdem er sein Werk vortrug.

Die griechische Kunst hätte Kranz und Buch somit anders verteilt, und

so ist es tatsächlich geschehen auf einem Pompejanischen Wandgemälde

(Helbig, Campanische Wandgemälde, Nr. 1454).

Viele lieben es heute, sich mit dem Buch photographieren zu lassen, die

strebsame höhere Tochter, der Schulmann, Gelehrte und Diplomat „in

seinem Heim“, schließlich aber auch die Metzgersfrau und der Sergeant

und Ladenjüngling. Warum auch nicht? Wir alle haben heute Schulbildung,

und das Buch ist unser! Meistens wirkt dabei freilich die Verlegenheit

mit: die Hände müssen irgendwie beschäftigt sein, wenn sie nicht gerade

in Handschuhen stecken. So kann die Laune des Photographen den Kellner

zum Gelehrten machen und die Putzmacherin zur Dichterin.

In der antiken Porträtkunst war das anders, und zwar schon in der

ägyptischen. Da ist alles sinngemäß und zweckmäßig. Im alten Ägypten

unterschieden sich die Stände darnach, wer schreiben und wer nicht

schreiben kann. Das Buch adelt. Wer nicht lesen kann, ist der Esel,

wer lesen kann, der Eseltreiber: so dachte man. Man gestatte, daß ich

hier von „Buchhaltern“ rede, ich meine die Personen, die sich mit dem

Buch zeigen. Die „Buchhalter“ auf den ägyptischen Bildwerken sind da

die höheren Beamten. Mit eigensinniger Konsequenz und massenhaft sieht

man daher die Buchrolle oder das Schreibgerät in der festgeballten

Hand gerade nur der Vornehmen auf den Reliefs der großen Tempelwände,

der Gräber und Pylonen des Pharaonenlandes. Berühmt und wundervoll

realistisch auch so manche Schreiberstatue, wie die im Louvre: wohl nie

ist ein hoher Bureaubeamter und vortragender Rat so verherrlicht worden

wie da; sie zeigt ihn angespannt in seiner Tätigkeit. Freilich ist er

sehr dürftig bekleidet. Ein Schurz genügt.

Der freie Grieche dachte anders. Er hatte kein Königtum, ebensowenig

eine Bureaukratie, die in Staffeln bis zum Monarchen hinaufging und

sich auf das Buch gründete. Bei den Griechen wurden Buchabschriften

zumeist nur von der unfreien Dienerschaft angefertigt. Sah sich der

Freie gezwungen, selbst einen Text zu kopieren, so schämte er sich

dessen und hat sich nicht schreibend abbilden lassen. Die ganze

überreiche griechisch-römische Kunst vermeidet es, einen Menschen

darzustellen, der ein Buch schreibt. Denn das Schreiben in Rollen

war mühsam und erzeugte eine unedle Haltung. Die Hilfe des Tisches

wurde beim Lesen und Schreiben stets vermieden. Man schrieb auf

der Hand. Dazu kam, daß man mit dem flüssigen Farbstoff die Finger

sich beschmutzt hätte. Der Vornehmere schrieb daher auf Wachstafeln

(~codices~, ~codicilli~), in deren eingerahmte Wachsfläche er mit dem

dolchartig spitzen Metallstift die Buchstaben nur zu ritzen brauchte.

Das war saubere Arbeit; sie „fleckte“, aber sie befleckte nicht. Auf

Wachstafeln schrieb der Bankier seine Kontos und Quittungen, schrieb

der Liebhaber sein Billett an die Dame, die gleich in dieselbe Tafel

auch die Antwort ritzte, schrieb endlich der Dichter seine Entwürfe,

die dann sein Amanuensis kopieren durfte.

[Randnotiz: Bildliche Darstellung: Lesende.]

Also keine Schreiber, wohl aber Leser zeigt uns die alte klassische

bildende Kunst. Man las aber allemal nur in Rollen; denn nicht nur

in Ägypten beherrschte die Rolle das Bücherwesen durch Jahrtausende;

auch bei den Griechen und Römern ist sie von etwa 600 v. Chr. bis 400

n. Chr. so gut wie der alleinige Träger aller Lesebücher und wohl auch

Bilderbücher gewesen. Das ergibt wiederum ein Jahrtausend. Das Prinzip

des Heftens der Bücher ist zwar schon im Altertum, aber doch erst

merkwürdig spät aufgetaucht, und es fand alsdann im wesentlichen nur

für Pergamenthandschriften Anwendung, die den ärmeren Volksschichten

dienten[196]. In gehefteten Handschriften liest kein einziger Mensch auf

den unzähligen Bildwerken der Alten, die hierfür in Betracht kommen.

Die jüdische Synagoge hat die Rolle bekanntlich bis auf den heutigen

Tag beibehalten. Dabei dienen Stäbe dazu, die Rolle anzufassen; denn

die heiligen Schriften dürfen nicht mit der Hand berührt werden. Die

Griechen im Profanleben wußten von solcher Scheu natürlich nichts; die

Hände sind es, die mit dem Buch umgehen.

[Illustration:

Aus dem Leben der Antike · 第 23 / 59 题