In der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts wurde der Name ~Malines~

im allgemeinen für die verschiedenen flandrischen Spitzen gebraucht

und zirka von 1665 an knüpft sich der Name genauer an diese

Spitzengattung an, obwohl sie damals noch nicht das Aussehen unserer

heute bekannten ~Malines~ hatte. Es war auch nach dieser Zeit gegen

das XVIII. Jahrhundert, daß sich nach den Versuchen und dem Gebrauche

der verschiedenen ~fonds~, in ~Malines~ die den Spitzen dieses

Namens einzig eigentümliche Masche herauskristallisierte, welche den

sogenannten Droschelgrund oder Eisgrund bilden, jene reizende, klare

und dabei doch zarte sechsseitige Masche. An vier Seiten ist sie aus

doppelten Fäden gewunden, während sie an den zwei Seiten, an welchen

die zwei Fadenpaare zusammenlaufen, mehrfach geflochten ist.

Der Leinengrund (~toilé~) wird gleichzeitig mit dem Grund (~réseau~)

gearbeitet und der Fadenschlag läuft wie bei den ~Valenciennes~

vertikal und horizontal. Ein stärkerer Faden (~cordonet~) umgibt die

Contour und akzentuiert die Zeichnung des ~toilé~, welches schütterer,

wie bei den ~Valenciennes~, geschlagen wird. Es wird dadurch dieses

wolkige und flaumige Gepräge der Spitze hervorgerufen und steht im

reizenden Kontrast zu dem Grund der reinen und regelmäßigen Maschen.

Die ältesten ~Malines~ haben wie alle älteren Spitzen ein sehr

breites Dessin, so daß für den eigentlichen ~réseau~ nur wenig Raum

bleibt. Sie haben in der Zeichnung große Ähnlichkeit mit den alten

Brüsselerspitzen, die Technik der Ausführung ist grundverschieden und

bei näherem Betrachten wird sie leicht zu unterscheiden sein. Der Faden

des ~toilé~ der Brüsselerspitzen läuft stets parallel mit der Zeichnung

und paßt und schmiegt sich ihren Rundungen an.

Eine Zeitlang verwendete man in den ~Malines~ auch vielfach den »~fond

de neige~« und damals sahen sie den Trollkanten sehr ähnlich, doch

kam der ~fond de neige~ wieder ab und mit dem geübteren Gebrauch

des Droschelgrundes bildete sich auch die Zeichnung zu einem den

~Malines~ charakteristischen Stile aus. Es waren kleine Blumen, zarte

Ranken und Blätter, Rosen und Margueriten, häufig waren in den Blumen

~jours~ ausgespart, welche mit ~brides~ und anderen ~fonds~ gefüllt

waren, meistens bildete die Zeichnung eine ausgeprägte Bordure und der

~réseau~ war nur mit kleinen Blümchen, ~point d'ésprit~ und so weiter

geziert.

Daher nannte man sie ~Malines à brides~, ~Malines à fond de neige~,

~malines à points d'esprit~. In dieser letzten Entwicklung wurden sie

ungemein geschätzt und sie waren durch mehr als wie ein Jahrhundert

hohe Mode an den Höfen von England und Frankreich. Der feinste Faden,

der stets aus Leinen war, gab ihr diesen weichen, milchigen Schimmer,

der, wie ein Autor sagte, die Blondinen, welche damals an den Höfen

regierten, gut und vornehm kleidete.

Die Ausführung war sehr kostspielig; es erforderte sechs Jahre

Lehrzeit, um die Masche des Yisgrondes regelmäßig und zart ausführen zu

können. So waren es die Spitzen der Höchsten und Reichsten.

Während der ~régence~ unter Louis XV. und Marie Antoinette wurden sie

für Ruchen, Jabots, Krawatten und ~fichus~, für Hauben und Kopfputz

verwendet. Die Etikette schrieb sie für Sommerfestlichkeiten vor.

Die Zeichnung folgte der Mode, für Ruchen brauchte man barbenartige

Spitzen, die an beiden Seiten mit ~picots~ versehen waren, und diese

~borduren~ wurden noch kampaniert, das heißt mit schmalen leichten

Spitzen (~mignonettes~) besetzt, was ihnen, zu Ruchen gelegt, ein

ungemein duftiges Aussehen gab.

Maria Antoinette lancierte die Mode der leichten Stoffe, Linon,

indischer Mouseline, gestickter Batist wurden für Kleider und ~fichus~

verwendet und mit ihnen triumphierten zum letzten Male die ~Malines~.

In England waren sie schon früher aus der Mode gekommen und da die

Stadt ~Malines~ ihr Absatzgebiet besonders in England hatte, verfiel

dieser Industriezweig in ihr am ersten. Die französische Revolution

vernichtete sie gänzlich und heute gibt es in ~Malines~ gar keine

Spitzen dieser Art und an anderen Orten hat sie gleichfalls ganz

aufgehört zu existieren. Turnhout mit achthundert Arbeitern fabriziert

hauptsächlich nur schmale billige Ware.

Napoleon war ein eifriger Bewunderer der ~Malines~ und er wollte diese

niedergegangene Industrie wieder beleben, aber es gelang ihm nicht;

es war kein Nachwuchs an Arbeiterinnen herangebildet worden, sie

verstanden nicht mehr, den Droschelgrund zu formen. Wenige alte Frauen

vegetieren noch, die sich mit Anfertigung der Malines beschäftigen.

Und so leben die ~Malines~ meist nur mehr in alten Familiensammlungen

weiter und nur hie und da sieht man auf einer Ausstellung noch ein

schönes Stück moderner Erzeugung.

~Points de Lille.~

Eine Art Mittelstellung zwischen den ~Valenciennes~ und den ~Malines~

nehmen die Lillespitzen ein. In ~Lille~ wurde schon sehr früh

geklöppelt, gegen 1600 wurden schwarze und weiße Spitzen erzeugt,

dann imitierte man die ~Valenciennes~, welche 16 000 Arbeiterinnen

beschäftigt haben. Mit der großen Vogue der ~Malines~ und dem starken

Bedarf derselben änderten die ~Lille~spitzen ihre Art allmählich und

anstatt der ~Valenciennes~ imitierte man die ~Malines~. Die ~Lille~

sind die vulgären ~Malines~, sozusagen eine billige Volksausgabe. Sie

sehen in ihrer Zeichnung und der allgemeinen Wirkung ihren vornehmen

Schwestern oft zum Verwechseln ähnlich, doch es genügt, sie näher zu

betrachten, um zu bemerken, daß ihnen der den ~Malines~ eigene Charme

fehlt; sie sind steifer und ungraziöser, doch ist ihre Ausführung eine

ungemein billigere. Das ~toilé~ ist häufig sehr schmal, oft nur gleich

so breit, wie der offene grobe Faden, der es umgibt. Die Spitzen haben

meistens einen geraden Rand (doch nicht ausnahmslos). Es gibt zwei

deutlich getrennte Arten ~Lilles~, die eine, welche für Holland, die

andere, die für Frankreich bestimmt sind; gemeinsam sind ihnen die oben

erwähnten Merkmale und der stets aus einem ~fond clair~ bestehende

Grund, das heißt es wird eine aus zwei Fäden mit Hilfe von Stecknadeln

gewundene Masche hergestellt, und zwar ist diese für Frankreich stets

sechseckig, für Holland häufiger viereckig, außerdem gilt für beide,

daß die Maschen stets senkrecht zum Rande der Spitzen stehen, während

bei den Malines parallel zu diesem.

Die ~Lilles~, welche für den Handel nach Frankreich bestimmt sind,

imitieren die ~Malines~ am stärksten; sie haben sehr ähnliche Muster,

oft sind ~jours~ mit ovalen Medaillons mit verschiedenen ~fonds~

gefüllt in der Zeichnung der Bordüren, dann gibt es auch solche, die

mehr den ~Valenciennes~ ähnlich sind, oder solche, deren Dessin sich

um traubenartige Löcher oder Kreise bildet. Es gibt auch sehr feine,

zarte ~Lilles~, in welchen das Cordonet durch das ~toilé~ läuft,

anstatt es einzufassen. Häufig werden die Lilles als ~Malines~ verkauft

und der Käufer soll genau zusehen, daß er diese Spitzen nicht stark

überzahlt.

Die zweite Gattung der holländischen Exportartikel wird als »Dutche«

von den Arbeiterinnen benannt. Diese sind sehr volkstümliche ziemlich

derbe Spitzen, mit hübschen großzügigen Rankenwerkzeichnungen und ihre

Bestimmung ist meistens, für die holländische Nationalhaube verwendet

zu werden.

Oft ist die Zeichnung so komponiert, daß sie einen Haubenflügel

ausfüllt. Ihr ~réseau~ ist mit ~points d'esprits~ geziert, und in

der ganzen Art liegt etwas Traditionelles, welches kaum von der Mode

beeinflußt wird. Wer erinnert sich nicht gerne an jenen reizenden

und kleidsamen Kopfputz, der die runden frischen Gesichter der

Holländerinnen mit den blendend weißen Flügeln malerisch umgibt? Als

Ersatz für die aus ~Lille~spitzen verfertigten Hauben wird auch häufig

der billigere gestickte Tüll verwendet.

Wie überhaupt in Frankreich mit dem XIX. Jahrhundert das Klöppeln

vielfach abkam, war es wie in ~Valenciennes~ auch in ~Lille~, daß

diese Industrie ganz nach Belgien übersiedelte, wo sie heute noch

einen recht blühenden Zweig der Spitzenindustrie ausmacht und zwar

meistens an jenen Orten, wo einstens oder noch jetzt ~Malines~ oder

~points de France~ oder Valenciennes verfertigt wurden oder werden. Ein

Hauptzentrum ist ~Turnhout~ im nördlichen Belgien.

~Binches.~

~Binches~ sind den ~vieux points de flandre~ nahe verwandt, sie haben

wie diese keinen eigentlichen ~réseau~, sondern jenen verschwommenen,

aufgelösten Maschengrund, der den alten belgischen Spitzen ihr Gepräge

gibt. Es sind in ihrer Einfachheit reizende, phantastische Spitzen;

es ist als ob ein dichter Schneefall, durch die Klöppelmalerei

wiedergegeben würde, große, kleine und ganz kleine Flocken haben sich

sachte um eine Ranke wie eine Eisblume festgesetzt, denn so natürlich

und scheinbar kunstlos sieht der ~point de neige~ aus; die Zeichnung

paßt sich dieser Zartheit an, wie ein Netz aus Fäden von gesponnenem

Zucker, wie der Schatten eines gefiederten Baumes, der an einer weißen

Wand hin- und hergleitet; wie ein Spinngewebe zwischen Zweigen in der

Luft gespannt sieht sie sich an, es sind Elfenspitzen. Der Faden ist

von außerordentlicher Feinheit.

Flach, ohne Cordonet, mit einem sehr losen Leinwandgrund, nur mit

~point de neige~ und hie und da einer ganz kleinen Maschengruppe

ähnlich den ~fond chant~ als ~jour~ verwendet, wirken sie durchaus

nicht monoton; zart und duftig gehören sie dennoch in die Familie der

haltbarsten, der geflochtenen Spitzen; wo nur irgendwo vier Fäden

zusammenlaufen, vereinigen sie sich zu einem losen Zöpfchen.

Meistens haben sie einen geraden Rand, der nur durch die ~picots~

abgeschlossen ist, die Zeichnung ist auch größtenteils wie für ein

~entre-deux~ komponiert. Das ~toilé~ bildet nicht den Rand. Obwohl die

größte Mode der ~Binches~ knapp vor die französische Revolution fiel,

sind ihre Muster doch die der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts

geblieben. Was heute an ~Binches~ gemacht und so genannt wird, verdient

kaum den Namen, sie sind schwer und in derber Ausführung und sehen eher

den ~point de Flandres~ ähnlich. ~Point de neige~, wie sie auch genannt

wurden, gehören leider, wie so vieles Schöne, der Vergangenheit an.

In der Stadt ~Binches~ wurden sie schon seit langem durch die

Allerwelts-Brüsslerapplikations verdrängt. Die besseren Arbeiterinnen

wanderten zur Zeit der Krisis nach Flandern aus und nahmen das

Geheimnis ihrer Technik mit.

In ~Binches~ aber soll am Karnevalstag des ~Gilles~ mit einer mächtigen

Ruche aus ~dentelles de Binche~ spazieren gehen, der letzte Rest einer

verschwundenen Pracht. ~Sic transit gloria mundi.~

~Point de Paris.~

Ursprünglich wurden in der Umgebung von Paris ganz gewöhnliche

Klöppelspitzen gemacht, ~lisette~, ~mignonette~ und gewöhnliche

Guipuren. Gleichzeitig mit der Gründung der Industrie in ~Reims~,

~Sedan~, ~Alençon~ etc. wurde von ~Colbert~ auch eine Fabrik im

~Château de Madrid~ bei Paris eingerichtet und nun gestalteten sich

die Spitzen aus. Als im XVIII. Jahrhundert die große Nachfrage in

~Malines~ war, und gerne von Minderbemittelten ähnliche aber billigere

Spitzen gekauft wurden, kamen die ~Lilles~ und ~points de Paris~

auf und es wurden diese Spitzen, wie sie noch jetzt gemacht werden,

erzeugt. Die ~points de Paris~ tragen zu sehr den flämischen Typus,

sind nebstbei Epigonenspitzen, als daß man sie aus dieser Gruppe

ausschalten könnte. Ihr ~fond chant~ oder ~fond de Paris~, derselbe wie

die ~Chantilly~spitzen, scheint zwar absolut französisch zu sein, ist

es aber nicht so sehr, als man meinen könnte, denn der ~fond double~,

wie er auch meistens genannt wird, wurde von jeher an dem urflämischen

Pottenkant verwendet. Es ist ein sogenannter Spellegrund, ein ~Réseau~,

das mit Hilfe von Stecknadeln angefertigt wird, und zwar aus zwei

diagonalen und einem horizontalen, sich kreuzenden Fadenpaare. Es

sind Spitzen, die sich niemals durch allzugroßen Ideenreichtum in der

Zeichnung hervortun. Meistens werden sie auch ziemlich gewöhnlich und

in grober Ausführung gemacht. Ihr ~toilé~ ist wie das der ~Malines~ und

~Lille~ von einem Cordonette umgeben und oft haben sie ~jours in points

de Lille~.

Meistens sind die ~points de Paris~ gröber wie ~point de Lille~. Diese

Spitzen sind schon seit langem, wie die meisten Klöppelspitzen, von

Frankreich ganz nach Belgien übersiedelt, sie werden in ~Turnhout~ und

~Cerfontaine~ und anderen Orten fabriziert. Man macht ~points de Paris~

außer in weißen Leinenfaden auch in schwarzer Seide.

Holländische Spitzen. Pottenkant.

Pottenkant sind originelle ganz volkstümliche Spitzen. Es ist ein ganz

merkwürdiger Vorwurf: immer und immer wieder Blumentöpfe oder Vasen mit

Blumen. Da sie aber häufig sehr graziös sind und in ihrer Art einzig

dastehen, und auch technisch durchaus nicht in einer anderen Gruppe

aufgehen, so muß man ihnen einen besonderen Platz anweisen. Sie sind

so holländisch mit ihren stilisierten Tulpen und Nelken und anderen

Blumen, manchmal mit Wurzeln im Topf, manchmal geschnitten in Vasen,

daß man sie eher jenseits der Schelde als bloß diesseits in Antwerpen

suchen würde. Sie haben ein ~fond double~, wie ~point de Paris~, in dem

klar und bürgerlich korrekt der kleine Topf mit seinen Zweigen sitzt.

Ein Cordonet umgibt die Zeichnung, der Rand ist meistens ganz gerade,

oft wie für einen Einsatz (~entre deux~) gearbeitet; sie sind selten

mehr, wie ein paar Finger breit.

~Blonden.~

Man kann spanische und französische Blonden unterscheiden, die zwei

sehr verschiedene Gattungen unter diesem Namen vereinen; die ersten

gehören zur spanischen Nationaltracht.

Sehr liebenswürdige und anmutige Spitzen ohne höheren künstlerischen

Wert sind die Blonden, ihre glänzend weißen Seidenflecken geben

ihnen einen weichen Schimmer, der sie ganz unähnlich den anderen

Spitzengattungen aus Zwirn macht, sie sind sehr auffallend und doch

nicht so kostbar, daß sie von jeher der Modelaune unterworfen waren.

Maria Antoinette liebte sie sehr und sie waren bis zum Sturze des

Königtums beliebt, dann verschwanden sie und tauchten mehrmals wieder

im XIX. Jahrhundert auf. Kaiserin Eugenie als Spanierin bevorzugte

sie auch eine Zeitlang und sie wurden in den sechziger Jahren in ganz

Europa sehr viel getragen.

Sie bieten in ihrer Ausführungsart vielerlei Abwechslung, große Blumen

mit zarten ~chantilly~artigem ~réseau~ lassen den Seidenglanz sehr

zur Geltung kommen. Die feinen, schleierartigen, deren Dessin nur mit

feinen Faden wie hineingestickt ist, können kaum als ihre Schwester

erkannt werden. Sehr hübsch sind auch die mit silbernen oder goldenen

Fäden durchzogenen. Der ~réseau~ ist meistens wie das der Lille,

manchmal aus ~fond chant~ gebildet.

Die Blonden waren von jeher in Spanien sehr geschätzt, jede Spanierin

besaß wenigstens eine Mantille aus Blonden und dort in ihrer Heimat

waren sie nicht den Moden unterworfen.

Man erzählt sich von ihrem Ursprung, -- fast jede Spitzengattung hat

ihre Legende, -- daß sie von einer trauernden Mutter, von den blonden

Haaren ihres geliebten Kindes, das sechzehnjährig gestorben war,

verfertigt worden waren. Dieser Schleier sah so reizend aus, daß

bald andere Frauen versuchten, dieses Gewebe in feinen Seidenfäden

nachzuahmen.

In Spanien werden sie in Barcelona zwar erzeugt, doch decken sie

keineswegs den Bedarf Spaniens und dessen Kolonien und sind nicht

so schön und gediegen, wie die in ~Caen~, ~Bayeux~, und ~Chantilly~

verfertigten. In Belgien werden sie in ~Grammont~ und ~Turnhout~

fabriziert. Im allgemeinen nimmt die Fabrikation mit dem allmählichen

Verschwinden der spanischen Nationaltracht ab. Die Kolonien halten in

der Beziehung mit dem Mutterlande Schritt. Im XVII. Jahrhundert hießen

sie ~bisette~, beide Namen ~blonde~ und ~bisette~ erinnern daran, daß

man sie anfangs aus ungebleichtem Seidengespinst klöppelte, aber sie

wurden sehr häufig auch schwarz verfertigt und sind sehr hübsch und

wirkungsvoll. Die Blonden mit breiten Seidenflecken, die spanischen,

sind cremeweiß, während die sogenannten französischen blauweiß sind und

dadurch leicht einen grauen und verstaubten Eindruck machen.

Brüsselerspitzen. ~Point de bruxelles~ oder Brabanter.

Das absolut Charakteristische für alle Klöppelspitzen, welche diesen

Namen führen, ist, daß bei ihnen zum Unterschiede von den fortlaufend

gearbeiteten flämischen Klöppelspitzen ihre Blumen oder der ornamentale

Leinenschlag in einzelnen Stücken am Klöppelpolster ausgeführt wird

und dann erst sie mit ~brides~ oder ~réseau~grund zu einem Ganzen

vereinigt werden. Man erkennt sie daher stets daran, daß die Fäden

des ~toilé~ nicht wie Webfäden laufen, sondern daß der lange Faden,

wie die Ringe eines Baumstammes, mehr oder minder parallel zu einem

Mittelpunkte läuft, ferner daß dieses ~toilé~ nicht von einem festen

Rand abgegrenzt wird, sondern immer wie mit einem ~à jour~-Band

umgeben ist, an dem dann später entweder die ~brides~ oder der ~réseau~

angeschlagen werden.

Diese Ausführungsart hat selbstverständlich Vor- und Nachteile.

Vorzüge sind, daß man dadurch beliebig große Stücke nicht nur in der

Länge, sondern auch in der Breite anfertigen kann, was bei in Einem

gearbeiteten Spitzen völlig ausgeschlossen ist, da die Zahl der Klöppel

in das Unendliche anwachsen würde.

Praktischen Vorteil hat diese getrennte Ausführung auch noch dadurch,

daß man die Herstellung der einzelnen Motive mehreren Arbeiterinnen zu

gleicher Zeit überlassen kann, und daß diese, was ihr Können anbelangt,

viel ungebildeter sein dürfen, wie die Klöpplerinnen der fortlaufenden

Spitzen. Natürlich erfordert das Zusammensetzen der Spitzen zu einem

Ganzen wieder sehr geschmackvolle und geübte Arbeiterinnen.

Der Nachteil der getrennten Arbeit besteht darin, daß diese Spitzen

durch das Zusammensetzen durchschnittlich nicht so dauerhaft sind,

wie andere, ebenso feine, in Einem gearbeitete Spitzen; und daß das

individuelle Gepräge verloren geht. Diese Art der Brüsseler Spitzen

haben ähnliches technisches Verfahren wie die sogenannten mailändischen

Klöppelspitzen und sind wie diese alt.

Die ältesten Brüsselerspitzen wurden ohne ~réseau~ gemacht. Sie sind

auf einem runden Klöppelpolster hergestellt, der sich auf einer Achse

dreht, so daß die Arbeit jeweilig in den Kurven zu der Person gewendet

werden kann. Die Zeichnung ist breit und voll, große Rosen und Blumen

liegen dicht nebeneinander angeordnet und sind mit ~brides picotés~

vereint, die ~jours~ werden mit ~points d'esprits~ oder quadratisch

gelegten, feinen Stäbchen gefüllt. Einige feine Relief-Fäden, die

nicht die Zeichnung umranden, sondern nur hie und da verwendet werden,

akzentuieren die Blumen wie mit aufgesetzten Lichtern, sie sehen wie

ein ganz feiner Saum aus. Man beachte, daß bei den ~Malines~ diese

Umrandungen bloß aus einem stärkeren Faden gebildet sind und auch die

modernen Brüsseler Applikations ihre Reliefverzierungen bloß aus einem

Faden aufgesetzt haben.

Aus diesen ältesten Brüsseler Spitzen entwickelten sich dann sukzessive

die ~duchesses~ in ihrer heutigen Gestalt, sowie die Brüsseler

Applikations und die ~Bruges~ und vor allem die ~points d'Angleterre~.

Das ~toilé~ jeder Blume wird einzeln gemacht und hat wie alle Gattungen

dieser Art den ~à jour~-Rand des ~toilés~ an dem der spätere ~fond~

angeschlagen wird.

~Duchesses~ sind die meist verbreiteten modernen Luxusspitzen.

Die Zeichnung ist häufig ganz modernen Stils, sie sehen reich und

kostbar aus, die ~brides~ und ~jours~ sind sehr oft mit der Nadel

hineingesetzt. Das ~toilé~ ist fein und eine gewisse Eleganz läßt sich

ihr nicht absprechen. Aufgesetzte Reliefe, Blüten und Blätter, viele

Variationen von Klöppelschlägen, geben ihnen ein kostbares Aussehen.

Wer wirklich ein geschultes Auge für Spitzen hat, wird zwar stets die

Spitzen anderer Ausführung vorziehen; so lange sie gediegen gearbeitet

sind, schöne Zeichnung haben und nicht die leider allzuhäufig

anzutreffende Marktware bilden, ist jedoch gegen die Duchesses nichts

zu sagen.

* * * * *

Um aber auf die alten Brüsselerspitzen zurückzukommen, wurden diese

in höchster Vollendung oftmals mit einem ~brides fond~, ähnlich dem

~réseau rosacé~ der Nadelspitzen gemacht. Es ist das der stets in

neuen Variationen auftauchende ~fond de neige~ der alten ~Binches~,

~Valenciennes~ etc., der in den Formen von den Nadelspitzen und später

wieder vom Klöppel für die getrennt ausgeführten Brüsselerspitzen

nachgeahmt wurde, und dann ~point d'Angleterre à brides~ hieß, und

später einen sechseckigen Klöppel~réseau~ erhielt, der sehr ähnlich

dem der ~Malines~ ist und heute nicht mehr ausgeführt werden kann. Die

zwei Seiten des Hexagons, die geflochten sind, sind etwas länger, als

wie die der ~Malines~-Maschen; es sind dies die in alten Zeiten so viel

genannten ~points d'Angleterre à réseau~ und sie hatten den Vorteil

Spitzen zu sein, die den Anforderungen der damaligen Mode entsprechend

in Schürzen, breiten Volants und dergleichen größeren Stücken

angefertigt werden konnten, und die zu ~points d'Alençon~ in vielfachen

Wechselwirkungen standen; das Dessin ist ganz der Auffassung dieser

kostbaren französischen Spitzen nachgeahmt und es herrschte zwischen

beiden, so lange sie hergestellt wurden, eine heftige Rivalität. Über

~point d'Angleterre~ sind von allen Autoren so verschiedene Meinungen

ausgesprochen worden, daß es schwer ist, sich in dem Gewirre der

Behauptungen einen Weg zu bahnen.

* * * * *

Alte ~point d'Angleterre~ haben wunderschönen Brüsseler (oder Droschel)

~réseau~, die Masche ist fast ein längliches Viereck, es ähnelt

äußerlich dem ~Alençon~ oder ~Burano réseau~ zum Verwechseln, erst bei

scharfem Zusehen sieht man, daß der ~fond~ geklöppelt ist; auch ~brides

picoté~ als Zierde kommen in Anwendung, welche ganz den ~brides picoté~

der ~points d'Alençon~ gleichen; diese ~brides~ dienen nur als Beweis,

wie sehr sich der ~point d'Angleterre~ um die getreue Imitation des

~point d'Alençon~ bemühte.

Nimmt man Bücher zur Hand, so liest und findet man, daß bei den Autoren

vollkommen verschiedene Ansichten, Bezeichnungen und Schilderungen von

Spitzen dieses Namens gegeben werden.

Für die ~points d'Angleterre~ kann man absolut nur zwei Regeln

aufstellen: a) sie müssen durchwegs Handarbeit sein (also nicht

Brüsseler Applikation), b) sie dürfen in keiner anderen Kombination

als wie in einer späteren Louis XIV., früheren Louis XV., üblichen

Herstellungsart gemacht sein, also Motive feinster Brüsseler Arbeit

separat gemacht entweder mit dem ~fond brides~ oder ~brides rosacé~

(~point d'Angleterre à bride~), oder mit dem feinen Droschelgrund

(Brüsselerfond).

Ausnahmsweise kann man noch als ~point d'Angleterre~ Nadelmotive mit

Droschelfond bezeichnen; aber diese Art Spitzen sind heute sehr selten

geworden, so daß sie nicht oft in den Handel kommen und nur mehr in

wenigen Stücken vorkommen.

Diese Gruppe der Brüsseler Spitzen, inklusive die ~point d'Angleterre~,

würde man mit dem Charakteristikon der Spitzen mit gewollten ~fonds~,

sei es der ~brides~ oder des Droschelgrundes bezeichnen können, während

die anderen, die alten Brabanter, Duchesses, Bruges etc. alle nur

den Notfond haben, weil die Zeichnung technisch nicht der Stützen

entbehren kann. Bei ersteren ist der Fond eine Zierde, bei letzteren

ein notwendiges Übel.

Spitzen und ihre Charakteristik · 第 5 / 6 段