20. und 21. Juni starkes Erbrechen.

29. Juni Dora Verschlimmerung, fortwährendes Erbrechen, so daß abends

der Arzt geholt werden mußte.“

Erst am 13. Juli hat der Arzt die Bleiweißvergiftung festgestellt.

Vors.: Warum haben Sie diese Aufzeichnungen gemacht?

Zeugin: Weil mir die Geschichte nicht gefallen hat.

Vors.: Wieso hat Ihnen die Sache nicht gefallen?

Zeugin: _Das hat mit dem Verstand nichts zu tun._ Ich habe oft einen

Instinkt gegen Personen. Der Verstand hat damit nichts zu tun.

Vors.: Nun, können Sie sich erinnern, daß Ihnen ihr Schwiegersohn neue

Lebensmittel gebracht hat?

Zeugin: Ja, er ist mit der Aktentasche in die Küche gekommen und hat

gesagt: „Da hast du neue Lebensmittel, nimm von diesen, ja nicht mehr

von den anderen.“

Vors.: Von der Vergangenheit der Angeklagten haben Sie damals noch

nichts gewußt?

Zeugin: Gar nichts. Erst als die zweite Anzeige erstattet wurde,

erzählte man mir ihre Geschichte.

Vors.: War die Ehe Stülpnagels glücklich?

Zeugin: Soweit ich beurteilen kann, ja. Meine Tochter ist literarisch

gebildet, eine gute Wirtschafterin, sehr fleißig.

Vors.: Aber ein gewisses Empfinden gegen die Verläßlichkeit Ihres

Schwiegersohnes hatten Sie einmal?

Zeugin: Einmal, es war im Sommer 1921, die anderen Familienmitglieder

waren auf Sommerurlaub, da kam Stülpnagel zu mir und verlangte, daß im

Zimmer der beiden Buben die V. wohnen solle. Das habe ich natürlich

energisch abgelehnt.

Vors.: Wie hat sich Ihr Schwiegersohn dazu verhalten?

Zeugin: Damals war er sehr wütend.

Vors.: Es liegt eine lieblose Äußerung vor, welche die V. einmal gemacht

hat. Wie kann man nur über eine Dame so sprechen, an deren Schmerzen man

selbst schuld ist? Eine arme Frau noch so zu verhöhnen.

Angekl.: Und eine andere arme Frau, die monatelang in Einzelhaft war,

auch so krank und ohne Pflege, die verhöhnen Sie, Herr Hofrat, wenn sie

in einer Aufwallung von Erbitterung auch nur ein Wort zu viel sagt. Ich

bin doch auch ein Mensch.

Nun reißt zwar nicht dem Richter, aber dem Publikum bei dieser plumpen

Äußerung die Geduld und man hört Rufe von den Tribünen: Sie ist selbst

schuld.

Die alte Frau Konegen wendet sich zur Angeklagten: Sie haben ja keinen

Begriff, was ich gelitten habe. Die Kinder, die Enkel, die ich

aufgezogen habe, sah ich sich in Schmerzen winden, auf dem Fußboden

liegen, die Wände emporkrallen. Fünfzehnmal in einer Nacht ist so ein

armes Kind hinausgegangen.

Der Fall Vukobrankovics · 第 8 / 14 题