Angekl. (feierlich): Meine Vorfahren sollen Könige von Mösien gewesen
sein. Dann serbische Woywoden. Einer der V. hat die Tochter des
damaligen serbischen Königs Lazar geehelicht und wollte König von
Serbien werden. Vor der Schlacht auf dem Amselfelde zu Ende des
vierzehnten Jahrhunderts soll er die Serben an die Türken verraten und
dafür das halbe Königreich Serbien zum Lohne erhalten haben. Die Sache
ist in einem serbischen Epos behandelt worden und darin ist auch von
einem Fluch die Rede:
Gott verdamme Vuk den Brankovicsen,
Nichts gedeihe ihm von seinen Händen,
Nicht der weiße Weizen auf den Feldern,
Nicht die saftige Rebe auf den Bergen,
Nicht die Kinder im verfluchten Hause.
Kaum war dieser Fluch gesprochen,
War das Herz der Milica gebrochen.
Sie fährt ‚mit tragischem Akzent‘ fort: Mein Vater war der letzte
männliche Nachkomme des Geschlechtes, er war sehr unglücklich.
Als der Vorsitzende weiter aus dem psychiatrischen Gutachten feststellt,
daß die Angeklagte für geistesgesund erklärt wurde, bemerkt sie
wegwerfend: Die Gerichtsärzte erklären nur einen Gestorbenen für krank.
(Heiterkeit im Auditorium.)
Vors.: In den Angaben des Anstaltsgeistlichen heißt es auch, daß Sie
keine Reue über die Tat gezeigt haben.
Angekl.: Der Anstaltsgeistliche kennt mich gar nicht, er hat mir nur ein
paarmal Bücher gebracht.
Vors.: Er hat als Geistlicher gesprochen und gesagt, daß Sie irreligiös
sind und nicht zur Beichte gehen ... Zu Ihrer Mutter sollen Sie sehr
lieblos gewesen sein.
Angekl.: Da verwechselt man Lieblosigkeit mit Zurückhaltung.
Vors.: Beobachten Sie selbst Dinge an sich, die Ihnen auffallen?
Angekl.: Ich habe manchmal das Empfinden, daß – mein Bewußtsein – wie
soll ich das sagen, parzelliert ist.
Vors.: Was heißt das? Die Psychiater werden das neue Wort sehr gerne
verwenden.
Angekl.: Was eine Parzelle ist, wird doch jeder wissen, (wie träumend)
wenn ich mich sehr aufrege und mich krank fühle, dann spalten sich Teile
meines Bewußtseins von mir ab.