»Ich will ihm Gnade widerfahren lassen,«

sagte sie milde, »weil er seinen Irrtum eingesehen

und ihn so poetisch widerrufen hat. Zeige er, was

er im Kasten hat.«

Da öffnete der Schneider den unteren Kasten,

und wie die Sonne hineinschien, blitzte und gleißte

es von Diamanten, Rubinen, Saphiren und

Opalen. Die Burggräfin sprang entzückt vom

Pferde.

»Das ist das Schönste, was ich gesehen habe,

das Allerherrlichste, das Allerwundervollste! Was

soll dieser Stein kosten?«

Sie griff mit zitternder Hand nach einem Diamanten,

der so groß war wie ein Gänseei.

»Gnädigste Burggräfin,« sagte der Jude; »den

Stein habe ich abgekauft dem Kaiser von Persien

selbst um die zehntausend Golddukaten. Er hatte

gehabt gerade Ausverkauf, sonst hätt' ich ja beileibe

den Stein nich gekriegt so spottbillig. Er

is unter Brüdern wert ä Königreich. Aber da

mer is mei Läben noch mehr wert als ä Königreich,

und da mer hat geschenkt die Frau Burggräfin

mei Läben, so schenk ich der Frau Burggräfin

den Stein.«

Das Gesicht der Burggräfin wurde glühend rot

wie die Sonnenscheibe. Aber dann machte sie

eine hoheitsvolle Miene und sagte:

»Braver Mann, Ihr meint's gut. Aber als

Burggräfin kann ich kein Geschenk von Euch annehmen;

ich kann Euch den Stein nur abkaufen.

Nehmt also diese fünf Gulden als Kaufpreis.«

»Auch recht,« sagte der Jude und steckte die

fünf Gulden ein.

»Und nun,« sagte die Gräfin, »kommt mit auf

die Burg. Wir wollen sehen, was Ihr sonst noch

Schönes im Kasten habt.«

Sie übergab dem Forstmann ihren Falken,

sagte, die Jagd sei für heute aus, und ritt langsam

den Burgweg hinan, während der Schneider zehn

Schritte weit hinter ihr herging. Als sie aber in

einen dunklen Torweg kamen, winkte die Gräfin

den Händler heran und raunte ihm mit hastiger

Stimme zu:

»Habt Ihr wirklich ein gutes Mittel gegen --

gegen --«

Hier blieb sie stecken.

»Gegen was?« fragte der Schneider und tat unbefangen.

»Gegen -- gegen Nasenröte!« brachte sie mühsam

heraus.

»Hier, Frau Burggräfin,« sagte der Jude wohlwollend

und drückte ihr ein Büchslein Salbe in

die Hand. »Ich verrat nix!« -- -- --

Auf der Burg wurde der Schneider von den

Damen mit aufgeregtem Gezwitscher, von den

Herren mit freundlichem Gebrumm und Gegrunz

aufgenommen. Alle wollten die prachtvollen

Steine sehen, jedes wollte wenigstens eines der

köstlichen Stücke, die der Jude um ein Spottgeld

abgab, für sich kaufen. Selbst der Burgherr kam

und erstand einen funkelnden Rubin, der so groß

wie ein Apfel war und einen prachtvollen Schmuck

für einen Degengriff abgeben mußte.

In dieser Burg lebte aber wie in allen Burgen

ein Alchimist. Dieser berühmte und gelehrte

Mann hatte versprochen, aus Kupfer Gold zu

machen und ein Lebenselixier zu brauen, das ewige

Jugend verlieh. Er hatte zwar sein Versprechen

noch niemals eingelöst, aber man konnte

nicht wissen, ob er es nicht am ersten besten

Tage tun werde. Er stand darum in hohem

Ansehen.

Der Alchimist zog sich nun in seine Hexenküche

zurück, kam nach einiger Zeit wieder und verkündete:

»Alles Geschmeide, das der Jude verkauft hat,

und alle seine Steine sind unecht und ohne Wert.«

Da schrien die Männer, da schrien die Frauen

vor Wut.

Der Schneider aber stand lächelnd da und sagte:

»Dieser Gelehrte ist ein Dummkopf. Meine

Steine und mein Gold sind echt. Und wenn ihr

mir nicht glaubt, so wartet, bis mein Herr, der

Prinz von Czernagora, kommt, der wird es euch

bezeugen.«

Kaum hatte der Jude den Namen des Prinzen

von Czernagora ausgesprochen, so wurde er auch

schon gepackt und flog ins Verließ. Die Goldgeschmeide

und die Steine aber wurden in den

Brunnen geworfen, wo sie liegen bis auf den

heutigen Tag.

Nur der Burggraf behielt seinen Rubin, und

die Burggräfin behielt das Büchslein mit der

Nasensalbe.

* * * * *

So saßen die drei armen Hascher gefangen beieinander

und waren in großer Betrübnis.

»Wenn ich mir's recht überlege,« sagte der

Schneider, »so haben wir eigentlich in unserem

Räuberberufe Pech gehabt.«

»Ein Hundeleben ist es,« knirschte der Hutmacher,

»und wenn dieser Wolfsklaue nicht ein

großer Schelm und Betrüger ist, so will ich mich

hängen lassen.«

»Gehängt werden wir so wie so!« meinte der

Schuster schwermütig.

Da kratzten sich alle drei am Halse, als ob sie

etwas jucke.

Gegen Mitternacht begann ein Glöcklein zu

läuten. Bang und schaurig gingen seine Klänge

durch die stillen Hallen und Gänge der Burg

und drangen bis ins Verließ. Da wußten die

drei armen Hascher, daß ihr letztes Stündlein gekommen

sei.

»Brüder,« sagte der Hutmacher, »wir müssen

Abschied nehmen vom Leben. Wir wollen uns

also in Liebe miteinander versöhnen und uns alles

verzeihen, was wir einander angetan haben, damit

auch Gott uns verzeihe.«

Sie fielen einander um den Hals, und ihre

Tränen rannen heiß und schwer.

Da kamen auch schon die Schergen und schleppten

sie hinauf in den Burghof. Dort stand unter

einer großen Linde der Richtertisch. Ein Totenkopf

lag darauf und ein Schwert. Der Burgherr

saß auf dem hohen Richterstuhl, und um ihn

herum im Halbkreis saßen sieben schwarz vermummte

Männer. Der Nachtwind rauschte in

dem Gezweig des großen Baumes, und die rotbrennenden

Fackeln flackerten und warfen blutige

Lichter über den Hof und das graue Gemäuer.

Der Burgherr erhob sich und sagte:

»Diese drei Schelme haben als Verräter und

Betrüger in meine Burg eindringen wollen; sie

sind gekommen als die Abgesandten meines Todfeindes,

des Prinzen von Czernagora. Was

dünkt euch, ihr ehrenwerten Richter, daß mit

ihnen geschehen soll?«

»Sie sollen des Todes sterben!« sagten die

Richter.

Da schlug der Burgherr mit dem Richtschwert

dreimal auf den Tisch und bestätigte das Urteil:

»Sie sollen des Todes sterben!«

Darauf wurden die drei armen Hascher aus

der Burg hinausgeführt in die dunkle Nacht.

Das Glöcklein läutete, und eine Trommel schlug

die dumpfe, einförmige Todesmusik. Bis zum

Galgenberge ging es, da ragten drei Richtgerüste

gegen den Nachthimmel auf. Die drei Räuber

wurden gehängt, und der ganze Troß von der

Burg kehrte augenblicklich um.

Nun zappelten die drei armen Hascher. Der

kalte Angstschweiß rann von ihren Stirnen, und

ihre Züge verzerrten sich. Noch läutete das

Glöcklein. Ein Schwarm schwarzer Raben

flatterte zu Häupten der Gehängten, und drei

Eulen saßen am Boden, die glühten sie an mit

unheimlich funkelnden Augen.

Plötzlich brach ein Roß aus dem Gebüsch.

Wolfsklaue saß darauf. Er stieß ein höhnisches,

teuflisches Gelächter aus, blökte den dreien die

Zunge heraus und jagte davon.

Dann kam ein Zug von Männern. Der Müller

mit seinen Knechten war es, den die Räuber einmal

hatten überfallen wollen. Die Männer

lachten verächtlich und zogen vorbei.

Der Polenkönig kam geritten mit siebzehn

Kammerdienern und achtundfünfzig Soldaten,

und er trug die Krone und den Mantel und hatte

die himbeersamtne und bernsteingelbe Hose an.

Zuletzt kam ein alter Mann. Er hinkte, hatte

ein närrisch kleines Hütlein auf dem weißhaarigen

Kopf und zwei Buckel auf seinem Rücken. Er

blickte die drei Gehängten an und sagte:

»Ehe ihr sterbt, will ich euch noch einmal

danken dafür, daß ihr mich so schön ausstaffieret

habt. Sehet die Stiefel, den Rock und den Hut,

die ihr mir für gutes Geld gemacht habt!«

[Illustration]

Da hoben die drei armen Hascher in ihrer

schweren Todesnot mit der letzten Kraft bittend

die Hände zu ihm hin. Er aber sagte:

»Würdet ihr brave und geschickte Handwerker

werden, wenn ich euch von da oben herunterhelfen

würde?«

Sie nickten, und es war schrecklich anzusehen,

wie eifrig sie nickten.

Da besann sich der alte Mann noch ein wenig,

dann zog er sich ächzend die Stiefel aus, legte

umständlich den Rock ab und nahm langsam den

Hut vom Kopf. Die drei Gehängten sahen ihm

mit stieren, angsterfüllten Augen zu.

Endlich kletterte der Alte an dem Galgen hoch,

löste die drei Ärmsten und ließ sie schwer ins

Gras hinunterfallen. Dort lagen sie lange, halb

bewußtlos und schwer röchelnd. Der Alte flößte

ihnen ein wenig Wein ein, und als sie sich erholt

hatten, gebot er ihnen, mitzukommen. Mit

schwankenden Schritten und leise weinend gingen

sie hinter ihm her. Sie wanderten lange und

kamen ums Morgengrauen an einen Scheideweg.

Drei Straßen führten dort hinaus ins Land. Da

machte der Alte halt und sprach in großem Ernst:

»Ein neuer Lebensweg liegt nun vor einem

jeden von euch. Wenn ihr auf diesen drei Straßen

wandert, so wird jeder zu einem tüchtigen Handwerksmeister

kommen. Bei diesem mag er in die

Lehre treten. Er mag sich ja nimmer einbilden,

je ein Meister gewesen zu sein, sondern demütig

und treu ein Lehrling sein, der auch dann nicht

murrt, wenn es einmal mehr Püffe und harte

Worte gibt als gute Kost und faule Zeit. Drei

Jahre beträgt die Lehrzeit. Haltet ihr sie aus,

so ist euch geholfen; lauft ihr fort oder seid faul

und frech, so werdet ihr, ehe die Sonne dreimal

untergegangen ist, wieder am Galgen hängen.

Geht in Frieden!«

Da wanderten die drei ein jeder seinen Weg,

und der Alte stand da und sah ihnen nach, bis

die Sonne aufging und sein ehrwürdiges Haupt

verklärte.

* * * * *

Drei Jahre waren vergangen. Vor der Stadt

Hirschberg lag ein kleiner Platz, darauf mündeten

drei Wege. Von Osten her kam ein Mann, der

trug sieben Paar Stiefel und Schuhe über der

Achsel; von Süden her kam einer, der hatte auf

einem Karren eine ganze Menge Kleider geladen;

von Westen kam singend einer dahergeeilt, der

führte in Beuteln und Schachteln sieben Hüte

mit sich.

Und als sie alle drei auf den kleinen Platz

kamen, blieben sie erst erschrocken stehen, fielen

sich dann um den Hals und fingen an zu lachen

und zu weinen vor lauter Freude.

»Hutmacher!« »Schneider!« »Schuster!«

»Freund!« »Bruder!« »Kamerad!« so ging es

in hellem Jubel durcheinander. --

»Nun, wie ist es euch inzwischen ergangen?«

fragte endlich einer.

Da machten sie alle betroffene Gesichter und

kratzten sich hinter den Ohren. Sie erzählten sich

weiter nichts; es dachte sich jeder schon von selbst,

wie es dem anderen ergangen war.

Aber gelernt hatten sie etwas, und die letzten

Waren, die sie gefertigt hatten, durften sie nun als

ihr Eigentum auf dem Markt von Hirschberg

verkaufen, um einen Grund zu legen für ein

neues Geschäft.

So zogen die drei fröhlich in Hirschberg ein und

schlugen ihre Verkaufsplätze dicht nebeneinander

auf. Sie waren voll der besten Hoffnung. Plötzlich

aber erbleichten sie. Der Müller, den sie einmal

hatten ausrauben wollen, kam auf sie zu und

neben ihm ging der Ratspolizist.

»Es ist aus,« sagte der Schuster.

»Ja!« hauchte der Schneider.

Helden waren sie immer noch nicht geworden.

Der Müller aber kam ganz freundlich näher,

kaufte einen Anzug, ein paar Stiefel und einen

Hut, bezahlte alles reichlich und pries laut die

Ware. Der Ratspolizist nickte und sagte: ja, die

drei seien berühmte Kaufleute aus Breslau, die

kenne er schon lange. Der gutmütige Mann war

leider inzwischen noch kurzsichtiger geworden.

Wie nun den dreien das Geld in der Tasche

klang und der Müller ruhig von dannen ging,

wurden sie wieder vergnügt, und es stand ihnen

bald ein neues Glück bevor. Der Bürgermeister

ging über den Markt, schimpfte, daß die Handwerker

nichts Rechtes mehr leisteten und man kaum

einen vernünftigen Stiefel oder Rock bekommen

könne, und stieß plötzlich auf die drei, die ihm

bescheiden ihre Waren anboten.

O, was machte da die Stadtobrigkeit für erstaunte

und glückliche Augen!

Ja, rief der Bürgermeister, das sei noch echte

Handwerkskunst. So etwas gäbe es weder zu

Augsburg, zu Venedig, zu Nürnberg oder zu

Lübeck, so etwas gäbe es nur in Hirschberg!

Und er kaufte Anzug, Stiefel und Hut und bezahlte

die Hälfte des Preises, während er die

andere schuldig blieb.

Nun zog ein Rittersmann auf edlem Roß langsam

über den Markt. Die drei Handwerker erkannten

mit Schrecken, daß es jener starke Reiter

war, den sie einmal überfallen, der ihnen aber

den Speck abgenommen und ihnen die Haut gegerbt

hatte. Der Ritter kam heran und summte

leise vor sich hin:

»Es ist so schön der Morgen

Im frohen Sonnenlicht,

Kein Kummer und keine Sorgen

Drücken mein Herze nicht!«

Da glaubten sich die drei schon sicher erkannt;

aber der Ritter machte seinen Einkauf, bezahlte

gut und ritt davon, indem er laut sagte:

»Solch treffliches Handwerk soll man sich in

der Welt suchen.«

Nun aber begann ein Sturm auf die Verkaufsstände

der drei. Jeder wollte bei ihnen einen

Anzug, ein paar Stiefel, einen Hut kaufen.

Da entstand ein Tumult auf der anderen Seite

des Marktes. Der König von Polen zog in die

Stadt ein. Er hatte siebzehn Kammerdiener und

achtundfünfzig Soldaten bei sich. Aber er sah

etwas schäbig aus. Die Krone und die Edelsteine

hatte er aus Geldnot versetzen müssen, und die

himbeersamtne und bernsteingelbe Hose war im

Laufe der Jahre ein wenig fadenscheinig geworden.

Trotzdem wurde er mit großer Ehrerbietung

bewillkommnet. Er hörte aber kaum

auf die Begrüßungsworte des Bürgermeisters

und beachtete nicht die Bücklinge des Ratsdieners,

welcher ihn für den Grafen Schaffgotsch hielt,

sondern steuerte auf den Verkaufsstand der drei

Freunde zu und wählte einen Federhut, einen

Seidenmantel und ein Paar hirschlederne Stiefel.

Er bezahlte zwar nicht, aber er stellte einen langen

Schuldschein aus.

Nun schien das Glück der drei Handwerker gemacht

zu sein. Aber noch einmal faßte sie ein

tödlicher Schrecken. Der Burgherr, der sie einmal

hatte hängen lassen, kam mit einem Troß

reisiger Knechte daher. Da duckten sich die drei

armen Hascher tief über ihre Tische, und jeder

von ihnen preßte beide Hände vor die Kehle.

Der Burgherr aber erkannte sie nicht. Er pries

ihre Ware, kaufte den ganzen Rest und sagte

zuletzt:

»Bares Geld habe ich nicht bei mir; aber ich

gebe euch diesen Rubin, der so groß ist wie ein

Apfel. Verkaufet den kostbaren Stein und teilt

euch in den Erlös.«

Dann ritt er von dannen. Die drei Handwerker

seufzten tief und erleichtert auf. Der

Schneider aber sagte leise:

»Brüder, den Stein kenne ich. Er ist leider

falsch. Aber es genügt uns, wenn uns das Leben

und die Freiheit bleibt.«

Wie erstaunten sie aber, als bald darauf ein

Frankfurter Jude zu ihnen kam, ihnen den Rubin

für einen hohen Preis abkaufte und auf des

Schneiders ehrliche Einwendung sagte: nur ein

Dummkopf könne den Rubin für unecht halten;

es sei der schönste Stein, den es je gegeben.

Glückselig saßen endlich die drei in der Herberge

und teilten friedlich miteinander den Gewinn

des Tages. Es war so viel, daß jeder von

ihnen ein Handwerksgeschäft gründen konnte, das

alle Sorge zeitlebens von ihnen nahm.

Wie sie noch so dasaßen, kam zur Tür der alte

Mann herein, der ihnen einst vom Galgen geholfen

und sie auf den neuen Weg geleitet hatte.

Er trug noch das winzige Hütlein, die schlechten

engen Stiefel und den buckligen Rock; aber er

war freundlich und sagte:

»Ich freue mich über euch. Nun folgt mir und

kommt mit.«

Da gingen sie verwundert hinter ihm her. Er

führte sie zur Stadt hinaus gegen die Berge hin

und ging plötzlich so schnell, daß sie ihm nicht zu

folgen vermochten. Aber sie sahen, daß er sich

auf einen Straßenstein setzte.

Als sie aber nun näher kamen, saß nicht der

alte Mann auf dem Straßenstein, sondern der

Burgherr. Der lächelte ihnen zu, schwang sich

auf ein Roß, das am Wegrande weidete, und

sprengte eine Strecke weit davon. Dann machte

er halt, drehte sich um und winkte ihnen mit der

Hand.

Wie nun die drei herbeieilten, saß nicht mehr

der Burgherr auf dem Roß; sondern der Ritter,

an dem sie zuerst ihre Räuberkunst probiert hatten.

Auch der Ritter sprengte schnell davon und verschwand

hinter der nahen Wegbiegung.

[Illustration]

Dort aber fanden ihn die drei nicht wieder,

sondern der Müller trat ihnen entgegen, reichte

ihnen die Hand und lachte.

Auch der Müller blieb nicht lange stehen,

sondern verschwand in einem Wäldchen, aus dem

gleich darauf auf einem prächtigen Araberrosse

Wolfsklaue hervorritt.

»Kennt ihr mich nun?« fragte er, und seine

Augen flammten schön und herrlich auf. Dann

ritt er mit Windeseile gegen die Berge hin, verschwand

im Wald und wurde wieder sichtbar, als

er langsam und in feierlicher Größe den Kamm

des Riesengebirges entlang ritt, der im roten

Schimmer der untergehenden Sonne lag.

Da erkannten ihn die drei; da wußten sie, wer

die Gestalten waren, die ihren seltsamen Lebenspfad

gekreuzt, da wußten sie, daß es der Berggeist

Rübezahl war, der gesunde Naturgeist, der alles

Schlechte vernichtet und allem Guten aufhilft.

Und so war es und so ist es noch heute und wird

es immer sein. Und darum muß auch zu allen

Zeiten vom Rübezahl erzählt werden.

Paul-Keller-Bücher

»Es gibt in Deutschland und Österreich kaum einen zweiten

Schriftsteller, der künstlerische Vornehmheit und die besondere Art

volkstümlicher Herzlichkeit in Ernst und Humor so bedeutsam zu verbinden

weiß, wie der Schlesier Paul Keller ...« (Kölnische Zeitung.)

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»Paul Keller ... einer der feinsinnigsten Poeten, die unser Vaterland

sein eigen nennt ...«

(Literarisches Echo, Berlin.)

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.

Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Die fünf Waldstädte: Ein Buch für Menschen, die jung sind · 第 9 / 9 段