XII. _Skirophorion_ (Juni):

am 12. die _Skirophorien_, von den Frauen der Athena zu Ehren

gefeiert;

am 14. das Zeusfest der _Dipolia_.

*§ 54. Dramatische Aufführungen.*

Das Bühnenspiel ist aus dem Dienst des Gottes Dionysos hervorgegangen und

blieb stets ein Teil seiner Feste, so daß es, wenigstens im 5.

Jahrhundert, nur an diesen aufgeführt wurde. Wie bei vielen andern

Gottesdiensten (Mysterien in Eleusis s. § 52) bestand die Feier eben

darin, daß die _Beteiligten die Schicksale des Gottes und seiner

Begleiter, welche sie im Lied besangen, zugleich miterlebten_. Eine Gruppe

hat sich, um die Rolle der Satyrn, der Begleiter des Gottes, zu spielen,

in Bocksfelle gehüllt und singt – daher Tragödie, _τραγῳδία_ = Gesang der

Böcke, _τράγοι_ –, rings um den Altar des Gottes tanzend, von den Freuden

und Leiden desselben; diesen selbst stellt der Vorsänger des Chores dar.

Wie der Gott eine lebensfrohe und eine düstere Seite aufweist, so zeigt

auch sein Dienst bald wilde Ausgelassenheit in der _Komödie_, bald

schauerlichen Ernst in der _Tragödie_. Bald werden auch die Mythen anderer

Gottheiten hereingezogen, und das Schauspiel wahrt seinen dionysischen

Charakter nur dadurch, daß auf die tragische Darstellung stets ein

_Satyrspiel_ folgt. Um 500 haben die Bühnenspiele schon eine bestimmte

Ordnung. Die Tragödien werden vornehmlich an den großen oder _städtischen

Dionysien_ im März, die Komödien an den _Lenaien_ im Januar aufgeführt

(s. § 53). Die Leitung des letzteren, älteren Festes steht dem König, die

des ersteren dem Archon zu. Außerdem gelangen noch an den _ländlichen

Dionysien_ in einzelnen Gauen (unter der Leitung des betreffenden

Demarchen) Dramen zur Aufführung.

Die Feier hat die Form eines _Wettkampfes (Agon) zwischen drei

Aufführungen_. Es werden im tragischen Agon an drei Spieltagen je drei

Stücke (eine Trilogie) nebst einem Satyrspiel vorgeführt. Eine Zeitlang

wurden diese drei Stücke nach einem wohl von Äschylos eingeführten Brauche

so komponiert, daß sie ihrem Inhalt nach zusammenhingen und ein Ganzes

bildeten (vgl. die Schillersche Wallensteintrilogie); eine solche Trilogie

besitzen wir noch aus dem Altertum in der 458 aufgeführten äschyleischen

„Orestie“, welche aus den drei Stücken: Agamemnon, Choephoren und

Eumeniden besteht; allein schon Sophokles ging von dieser Kompositionsart

ab und reichte Stücke ein, die in keinem inhaltlichen Zusammenhang

miteinander standen.

Die Stellung, Ausstattung und Einübung des Chores liegt dem _Choregos_

(vgl. § 45, 1) ob; derselbe hat für die Komödie 24, für die Tragödie

anfangs (bis Äschylos) 12, seit Sophokles 15 Chormitglieder (Choreuten) zu

stellen. Im Jahr 411 wurde der Aufwand eines Choregos für die Tragödie auf

3000 Drachmen berechnet. Der Lohn desselben war eben sein Sieg im

Wettkampf, welchen er mit dem _Dichter_ teilte. Dieser, „Lehrer“

(Didaskalos) genannt, war Textdichter, Komponist der gesungenen Partien,

Regisseur und ursprünglich, wie Äschylos, selbst Schauspieler. Die

Dichter, welche um Zulassung ihres Stücks zur Aufführung bitten („um einen

Chor bitten“ _χορὸν αἰτοῦσι_), werden vom Festleiter auf die Würdigkeit

ihrer Person und Stücke geprüft, die Ordnung im Agon wird durchs Los

bestimmt.

Die _Schauspieler_, ursprünglich nur Gehilfen des Dichterschauspielers,

werden seit Sophokles selbständiger. Die ersten Darsteller (Protagonistai)

erklären sich beim Festleiter bereit, die Rollen mit ihren Gehilfen, den

Deuteragonisten und Tritagonisten, zu übernehmen. Dieser wählt auf Grund

eines künstlerischen Wettkampfes zwischen den Bewerbern aus und weist

dieselben den Dichtern zu. Dichter wie Schauspieler erhalten ein

bestimmtes Honorar. Mit der Ausdehnung der Bühnenspiele wuchs auch die

Zahl und das Ansehen der Schauspieler. Dieselben taten sich mit Rhapsoden,

Flöten- und Zitherspielern in wohlorganisierte Vereine (_σύνοδοι_)

zusammen, welche sich „dionysische Künstler“ (_οἱ περὶ τὸν Διόνυσον

τεχνῖται_) nannten.

Die _Kampfrichter_ wurden vor dem Spiel ausgelost; ihr Urteil bezog sich

gleichermaßen auf die Dichtung, Ausstattung und Darstellung. Der _Eintritt

in das Theater_ war ursprünglich frei, kostete aber später 2 Obolen,

welche Perikles dem Volk durch das Schaugeld (_θεωρικόν_ s. § 28)

ersetzte. Freien Eintritt hatten nur die Inhaber von _Ehrensitzen_,

welche, wie wir noch heute sehen, vorzugsweise die unterste Reihe

einnahmen. Diese waren für Priester und Archonten bestimmt, wurden indes

auch für besondere Verdienste, z. B. an Feldherren oder auswärtige Fürsten

verliehen. Mit regster Anteilnahme folgten die Athener drei Tage lang

hintereinander, vom frühen Morgen bis zum Abend auf den Marmorbänken

sitzend, den Aufführungen; laut waren die Kundgebungen des Beifalls oder

Tadels, gründlich und allgemein das Verständnis für Bühnenkunst. Als es

mit der tragischen Kunst im 4. Jahrhundert abwärts ging, beschloß das

Volk, daß vor den neuen Stücken der lebenden Tragiker stets eine Tragödie

eines verstorbenen Dichters, „eine alte“, aufgeführt werde, und ließ

daher, um den Text vor Willkürlichkeiten der Schauspieler zu sichern,

unter der Finanzverwaltung Lykurgs (338 bis 326) ein staatliches

Normalexemplar der Stücke der drei großen tragischen Heroen anfertigen.

„Es ist nur _ein_ Athen gewesen,“ sagt Lessing, „es wird nur _ein_ Athen

bleiben.“

*§ 55. Das Theater.*

Das griechische Theater der ältesten Zeit hatte zwei Hauptteile, die

_Orchestra_, den Tanzplatz des Chors, welcher den in Wechselrede ihm

antwortenden Schauspieler (_ὑποκριτής_ von _ὑποκρίνομαι = ἀποκρίνομαι_)

umkreiste, und den _Zuschauerraum_ (s. S. 127).

Die _Orchestra_, ein geebneter, mit Sand bestreuter Platz (daher Konistra

d. h. Staubplatz genannt), war ursprünglich kreisrund (vgl. Schiller:

„umwandelnd des Theaters Rund“) und behielt diese Form lange Zeit; wir

finden sie z. B. noch bei dem von Polyklet, einem Zeitgenossen des

Pheidias, erbauten Theater von Epidauros, dem schönsten und besterhaltenen

des alten Griechenland (s. Abbildung Titelbild). Später wurde die

Orchestra um ein Kreissegment verkleinert. In der Mitte derselben stand

der Altar des Dionysos, die _Thymele_ (_θυμέλη_).

Als dritten Hauptteil weisen die ausgegrabenen Theaterruinen ein

_Bühnengebäude_ auf, das aus einem zurückliegenden Hauptbau und zwei

vorspringenden Seitenflügeln (_παρασκήνια_) besteht. Der von Hinterbau und

Seitenflügeln eingeschlossene Raum, der jedoch nur eine geringe Tiefe

besitzt (z. B. in Epidauros nur 2,41 Meter), diente nach der bisherigen

Annahme in der Zeit des entwickelten Dramas als Spielraum für die

Schauspieler, als _Logeion_ d. h. Sprechplatz, auch _Proskenion_ genannt.

Diese Sprechbühne mit gedieltem Fußboden sollte nach Vitruvs Anweisung 10

bis 12 Fuß über die Orchestra erhöht sein, womit die Maße der bis jetzt

untersuchten griechischen Theater übereinstimmen. Da aber bei einer so

starken Erhöhung der in der Orchestra stehende Chor nur schwer mit den

Schauspielern in Wechselrede treten konnte, wie dies doch das griechische

Drama verlangt, so half man sich bis jetzt mit der _Annahme_, daß über der

Hälfte der Orchestra oder Konistra jedesmal _ein hölzernes Gerüst für den

Chor_ aufgeschlagen worden sei, das Orchestra im eigentlichen Sinn (im

Gegensatz zur Konistra) oder, nach anderer Ansicht, Thymele geheißen habe.

Bei dieser Annahme bleibt das Bedenken bestehen, ob denn die Schauspieler

auf jenem schmalen als Logeion oder Proskenion bezeichneten Raume

überhaupt spielen konnten; man hat deshalb neuerdings vermutet, daß nicht

für den Chor, sondern _für die Schauspieler_ jedesmal _ein hölzernes

Gerüst_ als Spielplatz errichtet worden sei, während der Chor zu ebener

Erde sich bewegt habe.

Im Gegensatz zu diesen Vorstellungen will _die neueste Forschung_

einerseits durch genaue Untersuchung der monumentalen Überreste (Dörpfeld

u. a.), andererseits durch scharfe Beobachtung der in den erhaltenen

Dramen über Standort der Schauspieler und des Chors sich findenden

Andeutungen den Nachweis führen, daß _im griechischen Theater bis zur

römischen Zeit keine erhöhte Sprechbühne existiert habe_, daß also in der

ganzen klassischen Zeit Schauspieler und Chor räumlich nicht voneinander

geschieden gewesen, sondern beide gemeinsam in der Orchestra aufgetreten

seien. So erkläre sich u. a. auch die Einführung des hohen Schuhs, des

_Kothurns_, „der den Schauspielern als ein bewegliches Gerüst unter die

Füße gegeben wurde, das ihnen Bewegungsfreiheit gestattete und sie über

den sie umgebenden Chor heraushob“.

[Illustration: Grundriß des Theaters von Epidauros.]

Die _Entwickelung des Bühnengebäudes_ sucht man sich in folgender Weise

zurechtzulegen: Für den Schauspieler diente ursprünglich als

Aufenthaltsort vor dem Auftreten, sowie als Umkleideraum die _Skene_, ein

Zelt oder eine Bude. Diese verdeckte man im Lauf der Zeit durch eine

davorgestellte _Dekorationswand_ (_Proskenion_, d. h. das, was vor der

Skene sich befindet), welche mit einer oder mehreren Türen für die auf-

und abtretenden Schauspieler versehen war und die Außenseite eines Hauses,

in der Tragödie gewöhnlich eines Palastes, darstellte. Diese

Dekorationswand gab zugleich der Orchestra einen auch aus akustischen

Gründen wünschenswerten Hintergrund und baulichen Abschluß. Weiterhin

wurde die _Skene zu einem massiven Gebäude_ ausgestaltet und die zunächst

davorgesetzte bewegliche und temporäre Dekorationswand durch eine feste,

mit Reliefs verzierte und durch Säulen oder Pfeiler gegliederte Steinwand

ersetzt. So habe das ganze Bühnengebäude als Proskenion, d. h. als

Hintergrund für die in der Orchestra stattfindenden Aufführungen gedient.

Eigene erhöhte Sprechbühnen für die Schauspieler dagegen habe man erst in

römischer Zeit gebaut, und erst durch Umbauten, die in dieser Zeit

vorgenommen worden seien, hätten auch ältere griechische Theater solche

erhalten.

Für die _Zuschauer_ schlug man in der ältesten Zeit _Holzgerüste_

(_ἴκρια_) auf, welche jedesmal nach den Aufführungen wieder abgebrochen

wurden. Als man zum Bau fester Theater überging, angeblich infolge

wiederholten Zusammenbrechens solcher Gerüste, benutzte man die

natürlichen Verhältnisse des Erdbodens und wählte _eingebuchtete Anhöhen_,

welche einen natürlichen Zuschauerhalbring darboten. Die konzentrisch „in

weiter stets geschweiften Bogen“ aufsteigenden Sitzreihen wurden entweder

aus dem lebendigen Felsen herausgehauen oder durch Steinplattenbelag

hergestellt.

Die Anlage des Zuschauerraumes wie des griechischen Theaters überhaupt zur

Zeit des entwickelten Theaterbaus veranschaulicht uns am deutlichsten der

Grundriß des _Theaters von Epidauros_ (s. Abbildung S. 127 und Titelbild).

Hier ist der Zuschauerhalbring in halber Höhe durch einen 1,9 m breiten

Umgang (Diazoma) in eine untere Abteilung von 32 und eine obere von 20

prächtigen Sitzreihen aus hellschimmerndem Kalkstein getrennt; dazu kommen

3 Reihen Ehrensitze, eine am Rande der Orchestra, 2 zu den beiden Seiten

des Diazoma. Schmale Treppen, deren Stufen halb so hoch wie die Sitzstufen

sind, teilen die untere Abteilung in 13, die obere in 25 keilförmige

Ausschnitte (Kerkides), welche nach dort aufgestellten Bildsäulen benannt

waren. Nach hinten war der Zuschauerraum durch einen 2 m breiten oberen

Umgang und eine Gürtungsmauer abgeschlossen, welche an den beiden

Endkeilen des Halbringes umbog und in 2 Seitenmauern zur Orchestra

herabstieg. Die _Orchestra_ selbst ist eine von einem Plattenring

umschlossene Kreisfläche, welche von der untersten Sitzstufe durch einen

0,2 m niederer gelegenen Umgang getrennt ist, der, wie zwei Abzugslöcher

zeigen, auch als Wasserablauf diente. Genau in der Mitte der Orchestra ist

ein runder Stein von 0,7 m Durchmesser eingelassen, der wohl den Rundaltar

des Dionysos trug. Zwischen Zuschauerraum und Bühne führen 2 über 5 m

breite Eingänge (Parodoi) zur Orchestra, durch welche sich das Publikum

auf seine Plätze begab und der Chor einzog. Das _Bühnengebäude_ besteht in

dem zurückliegenden Hauptbau, aus welchem sich drei Türen nach dem 3–4 m

über die Orchestra erhöhten sogenannten Logeion oder Proskenion öffnen.

Dieses ist beiderseitig von Flügelbauten (Paraskenia) umgeben, aus welchem

je eine Rampe zu den Orchestraeingängen hinabführt. Trotz seiner großen

Ausdehnung ist das griechische Theater sehr gehörsam. Bei meinem Besuche

in Epidauros trug ich (Maisch), in der Orchestra stehend, das

Sophokleische Chorlied „Vieles Gewaltige lebt“ mit halblauter Stimme vor,

und doch vernahm mein Begleiter, der auf der obersten Reihe sitzend etwa

70 m von mir entfernt war, jedes Wort deutlich. Dabei ist zu beachten, daß

die für die Schallverteilung besonders wichtige Gürtungsmauer und hintere

Bühnenwand heutzutage fehlen.

Mit dem Theater hatte das „_Odeion_“, das „Gesangshaus“, den allgemeinen

Grundriß gemein. Dasselbe unterschied sich nur durch geringere Ausdehnung

und steileres Ansteigen der Sitzstufen, wodurch eine _Überdachung_ des

ganzen Raumes ermöglicht wurde. Als das schönste Odeion galt das von

Perikles erbaute; das besterhaltene ist dasjenige, welches Herodes Attikus

(zwischen 160 und 170 n. Chr.) am Südwestfuß der Akropolis aus Marmor und

Zedernholz erbaut hat, dessen gewaltige Ruine in den Kämpfen der Türken

und Griechen als Festung diente und noch heute unser Staunen erregt.

An beweglichen _Dekorationen_ besaß das griechische Theater außer großen

gemalten, vor der Rückwand aufgespannten _Szenerien_ seitlich angebrachte

dreiseitige, um einen Zapfen drehbare Holzprismen, die _Periaktoi_, die

auf jeder Seite eine verschiedene Dekoration hatten und etwa unseren

heutigen Kulissen entsprechen. Götter und Heroen erscheinen entweder auf

einem Balkon an der Skenenwand, der _Götterbühne_ (Theologeion), oder

kommen durch die Luft auf der „_Maschine_“ (_θεὸς ἀπὸ μηχανῆς_, _deus ex

machina_) angeschwebt, um die verwickelte Handlung durch einen Machtspruch

zu lösen. Vorgänge, welche sich im Innern der Wohnung abspielen, zeigt das

_Ekkyklema_, wohl ein Gerüst auf Rollen. Die Geister der Verstorbenen

stiegen auf der _Charonischen Stiege_ empor; als solche diente vielleicht

der unterirdische, aus dem Bühnengebäude in die Orchestra führende Gang,

der neuerdings z. B. in Eretria und Sikyon aufgedeckt wurde. Auch hatte

man _Blitz- und Donnermaschinen_ (_κεραυνοσκοπεῖα, βροντεῖα_) u. a. m.

Entsprechend dem religiösen Herkommen und dem Bedürfnis des weiten Raumes

trugen die Schauspieler Charaktermasken (_προσωπεῖα, πρόσωπα_), Stiefel

(_κόθορνος, ἐμβάτης_) mit hoher Korksohle und einen wattierten Leib

(_σωμάτιον_). Ganz richtig sagt Schiller: „Es steigt das Riesenmaß der

Leiber hoch über Menschliches hinaus.“ Mußte hierbei auf das Mienenspiel

verzichtet werden, so wurden dafür die Maskentypen bis ins einzelne

ausgearbeitet. Dabei konnte es nicht auffällig erscheinen, wenn die

Frauenrollen von Männern gegeben wurden. In der Tragödie, wo Könige und

Götter aus alter Zeit auftraten, wurde die altertümliche Tracht

(vgl. § 58) mit dem feierlichen orientalischen Prunk beibehalten, während

für die Komödie, welche die gegenwärtige Zeit behandelte, die gewöhnliche

Volkstracht gewählt wurde.

*Das Kriegswesen.*

*§ 56. Das Landheer.*

Jeder Bürger muß im Heere dienen, die Klassen I bis III (s. § 25) als

Reiter bzw. Schwerbewaffnete, Klasse IV als Leichtbewaffnete oder

Schiffsoldaten. Die Dienstpflicht dauert vom 18. bis 60. Jahre; frei vom

Kriegsdienste sind nur Beamte, Ratsherren und Zollpächter. Nach der

Aufnahme in die Gemeindebürgerliste (§§ 27. 32) schwuren die jungen

Athener in dem Tempel der Aglauros den _Fahnen-_ und _Bürgereid_: „Ich

will die Waffen nicht schänden, den Nebenmann im Kampf nicht im Stich

lassen, für die Heiligtümer kämpfen und das Vaterland nicht gemindert,

sondern größer und mächtiger, als ich es überkommen, hinterlassen; ich

will den Befehlen der Vorgesetzten und den Gesetzen gehorchen, nicht

dulden, wenn einer die Gesetze aufhebt oder ihnen nicht gehorcht, sondern

sie verteidigen und die vaterländischen Heiligtümer ehren.“ Die Jünglinge

eines Kreises lebten fortan gemeinsam unter der Aufsicht eines

„Zuchtmeisters“ (_σωφρονιστής_), und wurden durch Turnlehrer

(_παιδοτρίβαι_) und Waffenlehrer in Gymnastik und Waffenführung

ausgebildet. Der Zuchtmeister erhält von der Gemeinde täglich eine

Drachme, die Jünglinge 4 Obolen, wofür jener die Bedürfnisse des

gemeinsamen Mittagsmahles einkauft. Nach Verfluß eines Jahres werden die

Jünglinge im Theater dem Volke vorgestellt, wobei sie ihre Fertigkeit im

Turnen und Exerzieren dartun, und erhalten hierauf von der Stadt Schild

und Speer, um fortan ein Jahr lang in den festen Plätzen des Landes (Akte,

Munychia, Phyle, Sunion, Eleusis u. a.) als Peripoloi (_περίπολοι_)

Wachdienste zu tun.

Die _Aushebung_ erfolgte auf Grund von Stammrollen, welche nach den

Gemeindebürgerlisten (§§ 27. 32) angefertigt waren. Jede Stammrolle

enthält das vollständige Verzeichnis der in einem bestimmten Jahre in die

Bürgerlisten Eingeschriebenen und am Kopf den Namen des in diesem Jahre

amtierenden ersten Archon, welcher Eponymos hieß. Im ganzen gab es 42

dienstpflichtige Jahrgänge mit den Namen von ebenso vielen Archonten. Bei

einer _Mobilmachung_ wird entweder ein _allgemeines Aufgebot_ der gesamten

Kriegsmacht (_πανδημεί, πανστρατιᾷ_) erlassen, oder nur ein Teil derselben

_nach der Stammrolle_ (_ἐκ καταλόγου_) eingezogen. Im letzten Fall wird

bekanntgemacht, von welchem Archon bis zu welchem die Mannschaft

auszumarschieren habe; und zwar können die betreffenden Jahrgänge ganz

(_στρατεῖαι ἐν τοῖς ἐπωνύμοις_) oder nur teilweise (_στρ. ἐν μέρεσι_)

mobilisiert werden.

[Illustration: Duris-Schale.]

_Jeder der 10 Kreise stellt ein Regiment_ (_τάξις_) unter einem

selbstgewählten Obersten(8), Taxiarchos. Jedes Regiment gliedert sich in

eine Anzahl _Kompagnien_ (_λόχοι_), welche von den Angehörigen eines oder

mehrerer Demen gebildet und von _Hauptleuten_ (_λοχαγοί_) kommandiert

werden. Im Jahr 431 konnte Athen etwa 18 000 Hopliten aufbieten.

Die _taktischen Manöver_ der attischen Hopliten unterschieden sich nicht

wesentlich von denen der Spartaner (s. § 19).

Der Stolz der Athener war ihre _Reiterei_, wie z. B. deren besonders

liebevolle Darstellung auf dem großen Parthenonfries (§ 70) lehrt;

übrigens hat sich dieselbe mehr bei Festparaden (besonders an den

Panathenäen) als in Schlachten hervorgetan, und der Reiterdienst galt für

sehr ungefährlich. Die Klassen I–II dienten als Reiter; dieselben wurden

von einer Zehnerkommission (_καταλογεῖς_) ausgehoben, mit einem

Equipierungsgeld (_κατάστασις_) versehen und alljährlich vom Rat

wiederholt auf die Tauglichkeit ihrer Person und Pferde geprüft. Die

Reiterei gliederte sich in 10 Schwadronen (_φυλαί_) zu 100 Pferden mit

einem Rittmeister (_φύλαρχος_) an der Spitze; den Oberbefehl führten zwei

Reitergenerale (_ἵππαρχοι_).

Der Kriegsdiensteifer und die Mannszucht im Bürgerheer ließen im

4. Jahrhundert viel zu wünschen übrig; wir hören von Prozessen wegen

eigenmächtigen Ausbleibens (_ἀστρατείας_), Fahnenflucht (_λειποταξίου_),

Feigheit (_δειλίας_), welche die Feldherrn vor das Volksgericht zu bringen

hatten. Den Reiterobersten rät Xenophon, mehr durch Überredung als durch

Befehl auf die Reiter zu wirken. Doch hüte man sich, hieraus auf die

Abnahme der kriegerischen Tüchtigkeit der Hellenen zu schließen; die Züge

eines Kyros und Alexander bewiesen das Gegenteil. Überdies erfolgte

zugleich mit dem _Aufkommen des Söldnerwesens_ eine durchgreifende

Neuordnung des Heerdienstes, welche Iphikrates in Athen einführte

(392 v. Chr.).

Das einzige griechische Heer, das wir genauer kennen, ist das aus

_Xenophons Anabasis_ bekannte griechische _Söldnerheer des jüngeren

Kyros_, dessen größere Hälfte aus dem Peloponnes stammt und durchaus

spartanische (vgl. § 19) Kriegsordnung zeigt. Den Kern bilden die

_Schwerbewaffneten_ (Hopliten) mit Helm (_κράνος_), Brustharnisch

(_θώραξ_) oder Lederkoller (_σπολάς_), Beinschienen (_κνημῖδες_), schwerem

Schild (_ἀσπίς_), Stoßlanze (_δόρυ_) und Schwert (_ξίφος_). Ihnen stehen

am nächsten die _Peltasten_ mit leichtem Schild (_πέλτη_), Wurfspießen

(_ἀκόντια_) und Schwert. Zu den _Leichtbewaffneten_ (_ψιλοί, γυμνῆτης_),

die nur Angriffswaffen für die Ferne führen, gehören: Bogenschützen

(_τοξόται_), meist Kreter, Schleuderer (_σφενδονῆται_) und Speerschützen

(_ἀκοντισταί_).

*§ 57. Die Flotte.*

Die Stärke Athens war seine _Flotte_. Zwischen den Höhen von Akte und

Munychia liegen tiefeingebuchtet die windgeschützten, wohlverschlossenen

Häfen Munychia, Zea und der tiefe, geräumige _Peiraieus_, welcher noch

heute einer großen Flotte, selbst den größten Kriegsschiffen, sichere

Unterkunft bietet. Der innere Teil der Peiraieusbucht, das _Emporion_, war

für die Handelsflotte bestimmt, während der südwestliche Teil derselben,

der _Kantharoshafen_, ebenso wie die Buchten Zea und Munychia

ausschließlich zur Aufnahme der Kriegsmarine diente. Seit Themistokles,

Kimon und Perikles die ganze Halbinsel mit einer gewaltigen, noch in ihren

heutigen Überresten staunenerregenden Befestigung umschlossen und mit

Athen durch die „langen Mauern“ (_σκέλη_) verbunden hatten, welche 404

teilweise zerstört, aber von Konon 392 wiederhergestellt wurden, besaß

Athen im Peiraieus den stärksten Kriegshafen der alten Welt, dem nur der

von Syrakus im 4. Jahrh. v. Chr. annähernd gleichkam. Am Ufer der 3 Häfen

Athens lagen die _Werften_ (_νεώρια_) mit ihren _Schiffsbauplätzen_

(_ναυπῆγια_), den _Schiffshäusern_ (_νεώσοικοι_), in welchen die

Schiffskörper samt dem sog. hölzernen Gerät (Masten, Rahen, Ruder usw.)

gegen Sonne und Regen geschützt im Trocknen aufbewahrt wurden, und den

_Zeughäusern_ (_σκευοθῆκαι_), die zur Unterbringung des hängenden Geräts

(Segel, Taue) dienten.

Während man in der älteren Zeit lange niedrige Schiffe mit nur 1

Ruderreihe (_μονήρης_) hatte, die nach der Gesamtzahl der Ruder als

_Triakontoroi_, _Pentekontoroi_ usw. bezeichnet wurden, baute man später

Fahrzeuge mit 2 oder 3 Ruderreihen: Dieren und _Trieren_. Aus letzteren

bestanden seit den Perserkriegen ausschließlich die _Kriegsflotten_. Die

_athenische_ war bei Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs 300–400

_Trieren_ stark.

Die _Triere_, ein leichtgebautes, 40–50 m langes (daher _νῆες μακραί_) und

etwa 5 m breites Fahrzeug mit niedrigem Bord und geringem Tiefgang, hatte

in geringem Abstand schräg übereinander 3 Ruderreihen. Ein

eisenbeschlagener _Sporn_ oder _Schnabel_ (_ἔμβολον_) am Vorderteil

(_πρῷρα_) diente dazu, dem feindlichen Schiffe beim Anrennen ein Leck

beizubringen. Außer dem _Großmast_ in der Mitte des Schiffes, der vor dem

Gefecht regelmäßig umgelegt wurde, stand im Vorderschiff noch der kleine

_Vormast_; jeder trug an einer Rahe, d. i. an einer horizontal am Mast

befestigten Stange, ein viereckiges Segel (_ἱστίον_). Am Hinterteil

(_πρύμνα_) des Schiffes befanden sich die beiden großen Steuerruder

(_πηδάλια_). Seit 330 kamen in der attischen Marine auch _Tetreren_, seit

325 auch _Penteren_ (mit 4 und 5 Reihen) vor. Der Neubau von Trieren wurde

unter der _Oberaufsicht des Rates und der 10 Werftaufseher_ (_ἐπιμεληταὶ

τῶν νεωρίων_) ausgeführt. Bei einer Seeunternehmung lieferte der Staat den

Schiffsrumpf und die Geräte, sowie Sold und Verpflegungsgeld für die

Mannschaft; der _Trierarch_ (§ 45) hatte das Schiff segelfertig zu machen,

zu bemannen, ein Jahr lang zu unterhalten und nach den Befehlen des

Admirals (eines Strategos) zu führen, und nach Ablauf seiner Zeit in gutem

Stand an seinen Nachfolger zu übergeben.

Die _Bemannung_ (_πλήρωμα_) einer Triere zählte etwa 200 Köpfe: Steuermann

(_κυβερνήτης_), Proreus, der das Kommando auf dem Vorderdeck führte,

Keleustes mit drei Pentekontarchen, welche die Ruderer kommandierten, die

Matrosen für das Takelwerk, die Seesoldaten (_ἐπιβάται_, durchschnittlich

nur etwa 10), etwa 170 Ruderer (_ναῦται_). Die Ruderer der 3 Reihen hießen

(von unten nach oben): _Thalamiten_, _Zygiten_ und _Thraniten_; die

letzten hatten mit den längsten Rudern die schwerste Arbeit und waren

dementsprechend höher besoldet. Bei gewöhnlicher Fahrt wurde nur etwa vom

dritten Teil derselben, doch in allen 3 Reihen zugleich gerudert unter

Flötenspiel und gleichmäßigen Rufen, während die andern auf ihren Plätzen

ausruhten. Die ganze Mannschaft stand unter dem Kommando des Trierarchen.

Als Ruderer wurden ärmere Bürger, Metöken, Sklaven und angeworbene

Ausländer verwendet; nur auf den beiden schnellsegelnden

Ordonnanzschiffen, der _Paralos_ und _Salamina_, die allein von den

athenischen Kriegsschiffen ständig im Dienst waren, bestand die ganze

Mannschaft aus attischen Bürgern. Die Fahrgeschwindigkeit der Triere war

verhältnismäßig bedeutend, aber stets von Wind und Wetter abhängig. Wie

die heutigen „Hellenen“, waren die alten Griechen tüchtige Seeleute, aber

– wie alle alten Völker – „Schönwetterpiloten“. Im Winter ruhte die

Seefahrt, die Schiffe lagen abgetakelt in den Schiffshäusern.

Die _Seeschlacht_ (_ναυμαχία_) glich in der älteren Zeit ganz einer

Landschlacht, indem man von den Verdecken der ruhig nebeneinander

liegenden Schiffe kämpfte. Später wurde das Hauptgewicht auf geschicktes

Manövrieren der Schiffe gelegt: man suchte möglichst viele feindliche

Fahrzeuge kampfunfähig zu machen. Dies geschah entweder vermittelst des

_Durchfahrens_ (_διέκπλους_), indem man die gegnerische Aufstellung

durchbrach und die Ruder des feindlichen Fahrzeugs in raschem Vorbeifahren

abstreifte oder den Sporn in seine Flanke bohrte, oder vermittelst des

_Umfahrens_ (_περίπλους_), indem man dem feindlichen Schiffe von der Seite

oder von hinten einen Spornstoß beibrachte.

*C. Häusliches Leben.*

*§ 58. Das Haus*

_a) der Homerischen Zeit._

Dieses ist für uns spurlos vom Erdboden verschwunden; keine Ruine, kein

Grundriß hat sich erhalten, auch der klare Plan des neuerdings

aufgedeckten Königspalastes auf der Oberburg von Tiryns (s. Plan S. 179)

kann nicht ohne weiteres als Ersatz für das einfacher und bescheidener

angelegte homerische Herrscherhaus dienen. Der Grundriß desselben ist aus

dem _ländlichen Gehöfte_ erwachsen. Noch sind die Spuren nicht ganz

verwischt: der heimkehrende Odysseus findet im Hof seinen getreuen Hund

auf dem Dunghaufen liegend. Ein stark in die Länge gezogenes Viereck ist

mit einer Mauer umfriedigt. Der vordere größere Teil ist der _Hof_

(_αὐλή_); wir treten in ihn durch ein zweiflügeliges _Hoftor_, zu dessen

beiden Seiten sich eine _Halle_ (_αἴθουσα αὐλῆς_) hinzieht: der Hof

enthält in der Mitte einen Altar des hausbeschützenden Zeus (_ἑρκεῖος_),

zu beiden Seiten Schuppen für Wagen und Geräte, für die Dienerschaft und

das Vieh, einen Ziehbrunnen oder eine Zisterne für Trinkwasser. Ist, wie

bei Odysseus, die Landwirtschaft nach den Gehöften auf dem Lande

hinausverlegt, so laufen an den Wänden ringsum Schattendächer(9), während

der freie Mittelraum zum Tummelplatz eingerichtet ist, worauf die Freier

sogar den Diskos- und Speerwurf üben können. Haben wir den Hof in der

Längsachse durchschritten, so stehen wir vor dem Eingang in das

_Wohngebäude_ (_δῶμα, δόμος_), treten in eine durch Vorsprünge der

Steinmauern und zwei Säulen gebildete _Vorhalle_ (_αἴθουσα δώματος,

πρόθυρον, πρόδομος_), von hier durch eine zweiflügelige Türe über eine

mächtige Schwelle in den weiten „schattigen“ _Männersaal_ (_μέγαρον_).

Hohe Säulen tragen das Dach, welches nur in der Mitte eine Öffnung für das

Licht und den vom Herd (_ἐσχάρη_) aufsteigenden Rauch zeigt. An den

Männersaal schließt sich der kleinere _Frauensaal_, in dem die Hausfrau,

von ihren Mägden umgeben, mit weiblichen Arbeiten sich beschäftigt,

weiterhin das _eheliche Schlafgemach_, die _Waffen-_ und die

_Schatzkammer_ und das _Badezimmer_. Eine Treppe führt zu einem über dem

Frauengemach gelegenen _Oberstock_ (_ὑπερῷον_), wohin sich Penelope oft

aus dem lärmenden Treiben des Erdgeschosses zurückzieht.

_b) Das Haus der klassischen und der hellenistischen Zeit._

Die Beschränktheit des Baugrundes in dichtbevölkerten und ummauerten

Städten wie Athen veranlaßte bei der Anlegung des Privathauses eine

Zusammendrängung der oft sehr kleinen Wohnräume und weiteren Ausbau des

Oberstocks. Als während des Dekeleischen Krieges die Bevölkerung Attikas

in der Hauptstadt zusammengedrängt war, vermißten die reicheren

Landbewohner ihre bequemer eingerichteten Landhäuser aufs schmerzlichste.

Der bei Homer vor dem Wohngebäude gelegene Hof erscheint _in den

Mittelpunkt der ganzen Hausanlage gerückt_; er dient keinerlei

landwirtschaftlichen Zwecken mehr, sondern ausschließlich als Wohn- und

Aufenthaltsraum bei schönem Wetter. Wir treten von der Straße durch das

Tor in den _Hausflur_ (_θυρωρεῖον_), zu dessen beiden Seiten Remisen und

Ställe sich befinden; in Wohnungen von Handwerkern und Krämern liegen hier

Buden, welche gegen die Straße offen stehen. Daran schließt sich der

_Hof_, der in den vornehmen Häusern von Säulenhallen umgeben ist und um

den sich Arbeitsräume, Vorratskammern, Schlaf- und Gastzimmer gruppieren.

Haben wir den Hof durchschritten, so gelangen wir durch eine dem Eingang

gegenüber gelegene _Vorhalle_ (_προστῷον_) oder ein _Vorgemach_ (_παστάς_)

in den _Männersaal_, welcher als Gesellschaftszimmer diente. Die

_Frauenwohnung_ (_γυναικωνῖτις_) mit den Arbeits- und Schlafräumen für die

Mägde liegt in wohlhabenden Häusern dahinter zu ebener Erde, in ärmeren im

Obergeschoß. Hinter dem Hause ist oft ein _Garten_.

Solange die Athener fast den ganzen Tag im Rathaus, auf dem Markt, in den

Palästen, im Theater oder Gerichtshof verbrachten – Kleobold in den

„Wespen“ will im Drang des Richterberufes schon um Mitternacht aufbrechen

– und das Haus mehr als Obdach für die Ruhezeit und als Aufenthaltsort für

die Frau, Kinder und Sklaven diente, wurde auf dessen Ausbau wenig

verwandt. Als Material dienten für die Fundamente Bruchsteine, für die

Mauern ungebrannte Lehmziegel und Holzsparrenwerk; daraus erklärt es sich

auch, daß sich von dem griechischen Wohnhaus nur ganz spärliche Reste

erhalten haben. Seitdem aber im 4. Jahrhundert das Interesse der

Gebildeten am öffentlichen Leben nachließ, begann man die häusliche

Wohnung bequemer einzurichten und reicher auszustatten. So klagt

Demosthenes in patriotischer Entrüstung, daß heute Privathäuser reichere

Pracht zeigen, als öffentliche Gebäude, während die Wohnungen eines

Miltiades und Themistokles ganz einfach gewesen seien.

In der Tat entfaltet das _Prachthaus der hellenistischen Zeit_ den vollen

Prunk des durchgebildeten Tempelstiles. In dem _dreischiffigen Säulensaal_

der Männerwohnung, dem großen Empfangssaal für Gäste, ist der Boden mit

farbigen Marmorplatten oder kunstreichem Mosaik belegt; Türen, Pfeiler,

Säulen sind mit Bronzeblech überzogen, die Wände mit zierlicher

Freskomalerei geschmückt, alle Eingänge sowie die große Oberlichtöffnung

mit farbenprächtigen Teppichen behangen, der Plafond mit reichgeschnitztem

Getäfel ausgestattet. Rings um den großen Saal liegen kleinere Gelasse,

Studierzimmer, Bibliothek u. dergl. Durch einen offenen Gang bietet sich

eine Durchsicht in einen reichen Ziergarten von allerhand einheimischen

und ausländischen Pflanzen. Die _Frauen- und Familienwohnung_ gruppiert

sich um _einen eigenen Hof_ (_περίστυλος_), während der vordere Hof mehr

dem gesellschaftlichen Verkehre dient. Es ist, als ob in der weiten,

völlig selbständigen Anlage dieser Familienwohnungen die Verinnerlichung

des Familienlebens und die nahende Gleichstellung der Frau mit dem Manne

sich ankündigen wollte.

Die _Grundrißgestaltung_ des griechischen Wohnhauses ist ganz wesentlich

_durch_ das warme und trockene _Klima_ des Südens _bedingt_: während wir

möglichst viele geschlossene, helle Räume zu gewinnen suchen, legte der

Grieche den Hauptwert auf den geräumigen, offenen Säulenhof, welcher der

ganzen Wohnung Licht und Luft spendete. So lebte der Hellene auch im

Innern der Wohnung unter dem freien, warmen Himmel; gegen Sonnenglut und

Platzregen bot eine offene Säulenhalle genügenden Schutz.

*§ 59. Die Wohnungseinrichtung*

zeigt nicht jene Überfülle von Hausrat, welche wir heutzutage in unseren

engen Wohnräumen unterzubringen lieben; insbesondere waren alle Geräte,

welche, wie Truhen (_λάρνακες, χηλοί_) und Kästchen (_κιβώτια_), an Stelle

unserer bei den Griechen nicht gebräuchlichen Schränke, zur Aufbewahrung

von Kleidern u. dergl. dienten, nicht im großen Wohn- und Empfangssaal,

sondern in Nebengelassen untergebracht. Rings an den Wänden lief eine

niedere _Bank_, welche nach Art des orientalischen Diwans mit Polstern und

Teppichen belegt war. Seitdem die asiatische Sitte, beim Ausruhen wie bei

der Mahlzeit zu liegen statt zu sitzen, Eingang gefunden hatte, begegnet

uns in jedem Hause die _Kline_ (_κλίνη_), ein vierfüßiges Lagergestell mit

Gurten, Matratze und Kopfpolstern, welches als Speisesofa wie als Ruhebett

diente. Der hohe _Thronsessel_ (_θρόνος_) mit Rücken- und Armlehnen nebst

Fußbank (_θρῆνυς_), auf welchem bei Homer der Hausvater und werte Gäste

Platz nehmen, ist nur noch der altehrwürdige Sitz für Götter, Priester,

Richter und Beamte. Dem gewöhnlichen Gebrauche dient der _Lehnsessel_

(_κλισμός_) mit geschweifter Rücklehne und ebensolchen Füßen und besonders

der niedrige Stuhl ohne Lehne oder _Hocker_ (_δίφρος_). Vor dem Ruhebett

sehen wir auf Vasenbildern zumeist ein niederes, dreifüßiges _Eßtischchen_

(_τράπεζα_) mit Speisen und Getränken stehen. Bei Festgelagen werden

mehrere zwei- und dreilägerige Ruhebetten um einen Speisetisch

aufgestellt, wie wir dies beim römischen „_triclinium_“ (Dreisofa)

wiederfinden. Der Beleuchtung dienen bei Homer mit Kienspänen und Pech

gefüllte _Leuchtpfannen_ (_λαμπτῆρες_) und _Kienfackeln_, welch letztere

später nur zum nächtlichen Ausgang benützt werden; innerhalb des Hauses

werden kleine runde _Tonlämpchen für Öl_ (_λύχνος_) verwendet mit einem

Henkel, einer Öffnung zum Einfüllen des Öls und einer oder mehreren

Schnauzen für den Docht. Um das Licht zu steigern, werden mehrere solcher

Lämpchen an einem hohen Gestell aufgehängt.

Besondere Kunst wurde auf die _Tongefäße_ verwendet. In den reichen

Vasensammlungen zu Berlin und München sehen wir neben dem großen _Tonfaß_

(_πίθος_), welches einst dem Diogenes wie hundert anderen (in Athen

namentlich zur Zeit des Peloponnesischen Kriegs) als Wohnung diente, den

zweihenkeligen Krug, die _Amphora_ (_ἀμφορεύς = ἀμφιφορεύς_), den

_Wasserkrug_ (_ὑδρία_), der, weil auf dem Kopf getragen, den Schwerpunkt

weit oben hat, das schlanke, enghalsige _Salbenfläschchen_ (_λήκυθος_),

den weitbauchigen _Mischkessel_ (_κρατήρ_), in welchem der Wein mit Wasser

gemischt wurde, die tellerartige _Trinkschale_ (_φιάλη_), die Trinkschale

mit Fuß und Henkel (_κύλιξ_), den tassenförmigen _Trinkbecher_ mit zwei

hohen Henkeln (_κάνθαρος_), die Trink- und _Schöpftasse_ (_κύαθος_), das

_Trinkhorn_ (_ῥυτόν_) in den verschiedensten Formen von Tierköpfen. Fast

alle diese Gefäße sind mit Verzierungen und Bildern bemalt; nach der

Eigentümlichkeit dieser _Malereien_ unterscheiden wir vier _Stilarten_,

welche eine fortschreitende Entwicklung des künstlerischen Könnens sowohl

im Bau der Gefäße als in der Zeichnung und Farbe darstellen.

1. Im _urgriechischen Stil_ wird die Malerei einfarbig auf den rohen Ton

aufgetragen; dieselbe stellt entweder lineare Zeichnungen des Webstils

oder Haustiere und europäisches Jagdwild oder Szenen des täglichen Lebens

dar, alles schematisch steif in langen Reihen übereinander den Bauch des

Gefäßes umschließend. Hervorragende Muster dieses Stiles sind die

_Dipylonvasen_, welche beim Dipylon, dem großen Westtor Athens, gefunden

wurden.

2. Der _asiatisierende Stil_ verrät seine Herkunft durch Bilder von

orientalischen Tieren und Pflanzen, wie Löwen, Panthern, Antilopen,

Greifen, Sphinxen; Palmetten, Lotosknospen, Rosetten und Arabesken. Es

sind Erzeugnisse nicht einer jugendlichen, sondern einer betagten Kunst,

welche mit konventionell stilisierten Formen arbeitet.

Seitdem es gelungen war, durch Mischung einen Ton von leuchtendem Rot und

eine Malfarbe von tiefem Schwarz herzustellen, wird die hellenische

Vasenmalerei durch die zwei Grundfarben Rot und Schwarz beherrscht.

3. Im _schwarzfigurigen Stil_ wurde das Gefäß mit jener tiefschwarzen

Farbe überdeckt und nur für das Bild eine Fläche ausgespart, innerhalb

deren der rote Tongrund sichtbar wurde. Auf diesen wurden die allgemeinen

Umrisse der _Figuren_ mit einem spitzen Instrument eingeritzt, dann

mittels des Pinsels _mit_ demselben _Schwarz ausgefüllt_ und die so

entstandenen Schattenbilder im einzelnen durch feine, mit scharfem Griffel

eingeritzte Linien näher ausgeführt. Hierauf wurde das ganze Gefäß mit

einem zarten Firnis überzogen, welcher dem Rot und Schwarz einen

metallischen Glanz verlieh, und nochmals gebrannt, wodurch sich die

schwarze Lackfarbe mit dem Ton aufs innigste verband. Endlich wird mit

Deckfarben, wie Weiß (auf nackten Körperteilen von Frauen) und Rotbraun,

dem Verständnis nachgeholfen. An die Stelle der in langen Reihen eintönig

wiederholten Darstellungen tritt das _Hauptbild_, welches eine Szene aus

den alten Heldenliedern, Göttersagen oder dem täglichen Leben darstellt;

das reine Ornament, wie Blätterkranz und Palmettenband, wird an den Fuß,

Hals, Henkel und Deckel verwiesen, wo dasselbe den Aufbau des Gefäßes zu

verdeutlichen hat. Dem Reichtum und der Schönheit dieser Ornamente

gegenüber fällt die Unbeholfenheit in der Zeichnung der Körper, die

Übertreibung der Muskeln und Bewegungen und die harte Gewandbehandlung

unangenehm auf. Und doch zeigt die frische Beobachtung des Lebens ein

jugendliches Streben, welches von der Zukunft Schönes hoffen läßt. Die

häufigste Gefäßform dieses Stiles ist die _Amphora_, eine besondere Art

der letzteren die _panathenäische Preisvase_ (vgl. § 53), welche die

Sieger in den Wettkämpfen am Feste der Panathenäen mit Öl gefüllt

erhielten. Das vordere Bild zeigt Athena mit Helm, Schild und Speer,

zwischen zwei Säulen schreitend, das rückwärtige stellt den betreffenden

Wettkampf dar.

4. _Der rotfigurige Stil_ zeigt die attische Vasenmalerei auf ihrem

Höhepunkt. Dieser Stil, dessen früheste Muster der Zeit um 500 v. Chr.

angehören, geht erst neben dem schwarzfigurigen her, um ihn hernach völlig

zu verdrängen. Wurden bisher Bildflächen, so werden jetzt _Figuren von der

roten Farbe des Tons_ aus dem das Gefäß deckenden Schwarz ausgespart;

dieser hellrote Grund bot den freiesten Spielraum für die Innenzeichnung

dar, welche nun aus strenger Schönheit zur freiesten Anmut sich entfaltet.

Nur vereinzelt und dann sehr maßvoll werden Weiß, Dunkelrot, Braun oder

auch Blattgold als Deckfarben benutzt; eine eigentümliche Behandlung

dagegen zeigen die Salbgefäßchen, bei welchen die ganze zu bemalende

Fläche mit weißem Kreidegrund überzogen ist. Das Lieblingskind des

rotfigurigen Stiles ist die Trinkschale, deren runde Formen dem Zeichner

ebenso schwierige als lohnende Aufgaben stellten.

Seitdem das Hellenentum durch die Züge Alexanders und seiner Nachfolger

engere Verbindung mit dem Orient gewonnen und sich so zum _Hellenismus_

erweitert hat, dringt der orientalische Geschmack auch in das griechische

Haus ein. Zwar bleiben die Formen der Geräte im allgemeinen dieselben,

aber das Material wird kostbarer, die Arbeit raffinierter. Tische,

Platten, Kästchen werden mit feinen Holzarten, wie Zeder, Ebenholz, Thuja,

sogar Schildpatt und Elfenbein bekleidet; der schlichte Ton der Gefäße

wird durch Glas, Bronze, Silber und Gold verdrängt, deren Glanz durch

Kristalle und Edelsteine gesteigert wird. Die hochentwickelte attische

Vasenmalerei geht um 100 v. Chr. zu Ende.

*§ 60. Die Kleidung*

_a) der Homerischen Zeit._

Zum Schutz gegen Nässe, Kälte und Hitze bietet die Natur dem Menschen das

_Fell langhaariger Tiere_ dar, welches auch in der späteren griechischen

Zeit noch Landleute, Jäger und Gebirgsbewohner tragen. An der langen,

zähen Pflanzenfaser erlernt der Mensch das Spinnen und Weben. Als die

Hellenen in ihre spätere Heimat zogen, verstanden sie schon die Wolle von

Schafen und Ziegen in Fäden zu spinnen und diese mittels eines Gestelles

zu einem Tuchstück zu weben, welches als Gewand umgelegt wurde. Den Namen

für dieses _wollene Umschlagtuch (Chlaina)_ haben die Hellenen mit

Italikern (_laena_) und Kelten (_lena_) gemein. Auf den ältesten

Vasenbildern erscheint die Chlaina entweder nur als ein schmaler Überwurf,

der hauptsächlich den Rücken bedeckt und mit seinen Zipfeln über die

Schultern nach vorne herunterhängt, so daß Brust und Unterleib unbedeckt

bleiben (s. S. 147, Fig. 1), oder sie hüllt den größten Teil des Körpers

ein. Unter der Chlaina wurde in der älteren Zeit von den Männern noch ein

_Lendenschurz_ getragen.

[Illustration: Chiton mit Chlaina. Peplos mit Überschlag und Gürtel.

Himation. (Sophokles-Statue im Lateran.) Klass. Frauentracht. (Kore

vom Erechtheion.)

Die Tracht der homerischen und der klassischen Zeit]

In Kleinasien erhielten Äolier und Ionier frühe von einem semitischen Volk

ein neues Gewand aus neuem Stoffe, welches an die Stelle des alten

Lendenschurzes trat: den langen, genähten, _linnenen Leibrock_ mit kurzen

Ärmeln, und mit der Sache den Namen: griech. _Chiton_ = chald. kittan.

Noch in später Zeit gilt der lange, schneeweiße Chiton als

feierlich-altertümliche Gewandung, welche darum von Götterbildern,

Priestern und Dichtern getragen wird. Der homerische Held schlüpft beim

Aufstehen in einen kürzeren Chiton, bindet sich Sandalen unter die Füße

und wirft die wollene Chlaina um. Von Kleinasien verbreitet sich der

Chiton über ganz Hellas und wird zum alltäglich getragenen Unterkleid,

das, wo Linnen fehlt, auch aus Wolle hergestellt wird.

So besitzt schon die homerische Männertracht die beiden Hauptarten von

Kleidungsstücken, welche das ganze griechische Altertum hindurch

gebräuchlich bleiben: das auf dem bloßen Leib getragene _Unterkleid_,

welches hemdartig angezogen wird (_ἔνδυμα_), den _Chiton_, und das

mantelartig umgelegte (_ἐπίβλημα, περίβλημα_) _Obergewand_, das bei Homer

_Chlaina_, später _Himation_ heißt.

Schon Homer spricht von „lockenumwallten Achäern“ (_κάρη κομόωντες

Ἀχαιοί_) im Gegensatz zu den künstlichen Frisuren der Barbaren. Noch

später galt in Hellas frei wallendes Haar für die schönste Zierde des

Edeln, wie z. B. die Behandlung von Haar und Bart an der elischen

Zeusmünze (s. S. 99, 4) zeigt. Erst durch Alexander den Großen kommt die

Mode auf, den Bart zu rasieren, welche sich bis in die Zeit Hadrians

erhält.

Haben die Männer rasch die fremde Mode angenommen, so bewahren die

_Frauen_ um so treuer die alte Wollentracht, am längsten unter allen die

Dorierinnen. Herodot sagt: „Hellenische Frauentracht war im Altertum

allgemein diejenige, welche wir nun die _dorische_ nennen.“ Als Hera sich

schmückt, um Zeus zu berücken, tut sie dies mit _einem_ Gewand, dem

_Peplos_, einem _großen Wollentuch_, in welches durch die ganze Breite

oder nur an den Säumen mittels farbigen Einschlags Reihen von linearen

Verzierungen, Pflanzen- und Tierbildern eingewoben sind. Dieses etwa

220 cm lange und 180 cm breite Tuch wird, nachdem ¼ der ganzen Länge nach

außen umgeschlagen worden, unterhalb der freizulassenden Arme so um die

Gestalt gelegt, daß die beiden Längsenden an der einen Körperseite hinab

zusammenstoßen, welche somit nur mangelhaft gedeckt ist. Darauf werden

Vorder- und Rückseite auf den Schultern durch Spangen (_περόναι_)

verbunden und das Gewand ohne den frei herabfallenden Umschlag unter der

Brust durch einen Gürtel zusammengefaßt, wobei der Überschuß der Länge

unter dem Gürtel (_ζώνη_) herausgezogen als Bausch (_κόλπος_) über diesen

herabfällt. Gegen Sonnenglut schützte ein schalartiges, linnenes

_Kopftuch_ (_κρήδεμνον_), welches das Gesicht freilassend vom Kopf auf die

Brust herabfiel.

Alle diese Gewandstücke wurden für gewöhnlich von der Frau mit ihren

Sklavinnen im eigenen Hause hergestellt. Dabei bediente man sich bei

gröberen, wollenen Gespinsten des alten auf zwei Pfosten ruhenden

_Webgestelles_, von welchem die Kette _senkrecht_ herabhing; für feinere,

linnene Gespinste dagegen bedurfte man des wohl aus Ägypten überkommenen

vierfüßigen Webstuhles mit _wagrecht_ liegender Kette. Beide Arten von

Webstühlen sind noch heute in Griechenland wie in Kleinasien im Gebrauch.

Doch kannte schon das Altertum die _fabrikmäßige Herstellung_; so waren

die Gewebe von Milet, Kos, Amorgos, Tarent wegen ihrer durchsichtigen

Feinheit, der glänzenden Pracht ihrer Farben (Purpur und Pflanzensäfte),

der Schönheit und des Reichtums ihrer bunten Muster hochgeschätzt und

weithin verbreitet.

Neben dem Glanz der weißen Arme und der Kunst des Haarflechtens hebt Homer

bei schönen Frauen und Mädchen insbesondere den Reichtum und die kostbare

Arbeit der Gürtel, goldenen Diademe, Ohrgehänge, Halsketten, Armbänder und

Spangen hervor.

Den reichen Prunk der ionischen Tracht vergegenwärtigt uns ein Dichter von

Samos, Asios, welcher den Putz seiner Landsleute also schildert: „In

schöne Gewänder gehüllt, die Locken wohlgeordnet, zogen sie hinaus zum

heiligen Bezirke der Hera; die schneeweißen Leibröcke fielen bis auf die

breite Erde herab; das gestrählte Haar in goldenen Fesseln wehte im Winde;

goldener Schmuck, Zikaden gleichend, hob sich im Haare auf dem Scheitel,

kunstvolle Armbänder umschlossen die Arme, und dazu trugen sie den

kriegerischen Schild.“

_b) Die Tracht der klassischen Zeit._

Vergebens suchten in vielen Städten, wie in Athen, Korinth, Lokri,

Syrakus, Kleiderordnungen gegen solchen _Luxus_ anzukämpfen. Dagegen

vollzog sich anfangs des 5. Jahrhunderts in ganz Hellas eine tiefgreifende

Wandlung der Lebensführung. Die siegreichen Kämpfe gegen die Großmächte

Persien und Karthago hatten das hellenische Selbstgefühl mächtig gehoben.

Die Zeit der prunkliebenden Herrschaft der Vornehmen und Reichen ging

rasch zu Ende; der emporkommende Mittelstand verhalf der Einfachheit,

Gleichheit und Freiheit zum Siege. Die überladene, feierlich steife Pracht

des Orients verschwand aus dem täglichen Leben und ward nur den

Götterbildern gelassen, denen das Reichste zukommen sollte, was die Erde

bot. Das vornehme, knapp anliegende, im 6. Jahrhundert streng symmetrisch

gefältelte _Linnengewand_, welches den Träger in eine prächtige, aber

steife Hülle zwang, _wich dem kurzen wollenen Chiton_, der nun allgemein

gebräuchlich wurde. Ihr eigenartiges Gepräge aber erhielt die Tracht der

klassischen Zeit durch das _Obergewand_, dessen freier Umwurf und

natürlich-großes Faltenspiel die Persönlichkeit lebhaft hervortreten ließ.

„Machten bisher die Kleider die Leute, so machen jetzt die Leute die

Kleider.“ Die Tracht wird hellenisch. Das Obergewand, für welches der Name

_Himation_ üblich wird, ein länglich viereckiges Wollentuch, wird nicht

mehr bloß umgehängt, sondern ganz umgelegt: von der linken Schulter wird

es über den Rücken nach der rechten Seite gezogen entweder unter der

rechten Achsel hindurch, so daß der rechte Arm freibleibt, oder über die

rechte Schulter und den rechten Arm hinweg, so daß höchstens die rechte

Hand herausschaut. Der Rest des Tuches wird über die linke Schulter

geworfen. Hierbei wird auf die Erzielung eines schönen Faltenwurfs Wert

gelegt. In vollendeter Weise ist dies erreicht bei der herrlichen

Porträtstatue des Sophokles im Lateran (s. S. 147, Fig. 3). Handwerker,

Landleute und Schiffer tragen nur _ein_ Wollgewand, das, auf der linken

Schulter zusammengeheftet, die rechte Schulter und die Arme zu

ungehinderter Bewegung frei läßt, die _Exomis_ (_ἐξωμίς_). Außerdem kam

als Tracht der Reiter, die später vorzugsweise von den Epheben und auf

Reisen getragen wurde, die _Chlamys_ (_χλαμύς_) auf, ein oval

zugeschnittenes Wollenstück, welches auf der rechten Schulter oder vorn am

Halse mit einer Spange befestigt und, ähnlich wie die Chlaina der ältesten

Zeit (s. Fig. 1), so über den Rücken geworfen wurde, daß die langen Enden

von beiden Schultern nach vorne herabhingen. – Zu Hause trug man

gewöhnlich nur den Chiton (_γυμνός_); beim Ausgehen legte man das Himation

darüber.

Auch jetzt hielt die _Frauentracht_ zäher am Überkommenen fest. Zwar hatte

der _Linnenchiton_ längst Eingang gefunden – zuerst bei den Ionierinnen –,

aber wie ihn die Frauen später als die Männer angenommen hatten, so

behielten sie ihn nun auch, _neben dem_ aufkommenden _Wollenchiton_,

länger bei und trugen ihn auf verschiedene Art, gewöhnlich mit Bausch und

Überhang (wie bei dem homerischen Peplos). Ein schönes Beispiel dieser

edlen Frauentracht bietet die S. 147 Fig. 4 abgebildete Karyatide vom

Erechtheion (vgl. auch § 70). Dazu kommt noch ein großes _Umschlagtuch_

(_ἐπίπλημα, ἀμπεχόνιον_), das beim Ausgehen, ähnlich wie das

Männerhimation, umgelegt wird. Über weitere Kleidungsstücke der Damen sind

wir nur mangelhaft unterrichtet. Bei der weiblichen wie männlichen Tracht

erzeugte die wechselnde Mode eine reiche Mannigfaltigkeit des Schnitts wie

der Art des Tragens.

Während die _Farbe_ des Wollstoffs wie der Leinwand bei der Männerkleidung

gewöhnlich weiß und nur an den Festen bunt war, dunkle Farben aber nur von

den niederen Volksklassen und in der Trauer getragen wurden, erhielt sich

bei den Frauen die Vorliebe für reich gemusterte, bunte, besonders

safrangelbe Stoffe mit gestickten Säumen und Besatzstreifen, sowie für

reichen Goldschmuck im Haare, an Ohren, Hals und Armen.

Eine _Kopfbedeckung_ hatten die Griechen für gewöhnlich nicht; auf Reisen

trug man (wie der Götterbote Hermes) den breitkrempigen _Reisehut_

(_πέτασος_); Schiffer, Handwerker und Landleute (vgl. Odysseus, Charon,

Hephäst) trugen eine feßartige _Filz-_ oder _Ledermütze_ (_πῖλος_). Neben

den _Sandalen_, deren kunstvolles Riemenwerk wir am Fuße des Hermes zu

Olympia bewundern, finden wir den roten _Schnabelschuh_, die Fußbekleidung

der albanesischen Landbevölkerung im heutigen Hellas, und hohe _Stiefel_.

*§ 61. Die Familie.*

Bei Homer wird die Braut (_νύμφη_) durch reiche Geschenke (_ἔεδνα_) ihrem

Vater abgekauft; in Sparta entführte der Jüngling seine Erwählte (nach

vorausgegangener Verlobung) bei Nacht und brachte sie in seine Wohnung, um

hier mit derselben einige Zeit in verborgener Ehe zu leben. Beiderlei

Sitte, Brautkauf wie Brautraub, weist auf die ältesten Zeiten zurück. In

späterer Zeit wird in Athen die Heirat zumeist von den Eltern vermittelt;

die Väter schließen auch den _Heiratsvertrag_ (_ἐγγύησις_) ab, wobei die

Frage der Mitgift (_προίξ_) geschäftsmäßig behandelt wird. Am

_Hochzeitstage_ nehmen Bräutigam und Braut jedes in seiner Wohnung ein

Bad, wozu das Wasser aus einer besonders heiligen Quelle geschöpft wird,

und die Braut weiht eine Locke, sowie Gürtel und Spielzeug einer Göttin.

Der Bräutigam kommt mit seinen Eltern, Verwandten und Freunden ins Haus

der Braut, wo den Ehegöttern ein Opfer mit festlichem Schmaus dargebracht

wird. Nach Sonnenuntergang wird die noch immer tiefverschleierte Braut

unter Fackelschein und Absingung von Hochzeitsliedern (Hymenäen) zu Wagen,

zwischen dem Bräutigam (_νυμφίος_) und dem Brautführer (_παράνυμφος_)

sitzend, in das Haus des Bräutigams geführt. Dem Wagen folgt ihre Mutter

mit einer Fackel, womit sie am neuen Familienherd eine Flamme entzündet.

Am Hause des Bräutigams wird die Braut von dessen Mutter empfangen und,

nachdem sie eine Quitte, das Symbol des Kindersegens, verzehrt hat, zum

Brautgemach (_θάλαμος_) geleitet. Vor diesem stimmt der Chor der

Jungfrauen und Jünglinge unter Leierspiel und Tanz frohe Lieder

(Epithalamien) an. Am Morgen des nächsten Tages erhalten die Neuvermählten

reiche Geschenke von den Verwandten und die junge Frau wird in die

Phratrie des Mannes eingeführt.

Dem Odysseus, der sich nach Heimkehr sehnt, rät Nausikaa:

„Schnell durchwandle des Königes Saal, auf daß du der Mutter

Thronsitz erreichest; sie sitzt am Herde im Glanze des Feuers

Neben dem Throne des Vaters; – du fasse die Kniee der Mutter;

Denn wofern nur jene dir hold im Herzen gesinnt ist,

Hoffnung blüht dir alsdann, die Freunde und Heimat zu schauen.“

Hier spricht sich die altgriechische Sitte, _die Frau_ des Hauses hoch zu

ehren, aus, eine Sitte, welche sich in Sparta am längsten erhalten hat,

während zuerst in Ionien der orientalische Brauch Eingang fand, die Frau

in ein besonderes Gemach (_γυναικωνῖτις_) zu sperren, wo sie als erste

Sklavin die Aufsicht über Spinnen und Weben führt. Insbesondere aber wurde

das Familienleben dadurch geschädigt, daß der Mann in Athen fast den

ganzen Tag außerhalb des Hauses verbrachte, während die Frau, den

Interessen des Mannes gänzlich entzogen, auch an Bildung weit hinter

demselben zurückblieb. Mit dem Niedergang des politischen Lebens in

hellenistischer Zeit erstarkte das häusliche Leben von neuem. Das

weibliche Geschlecht gewinnt höhere Achtung; Plato verlangt sorgfältigere

Erziehung und tiefere Bildung für die Mädchen, und in vielen Städten

werden Mädchenschulen eingerichtet.

Reicher _Kindersegen_ galt als höchstes Glück und kräftigste Stütze des

Alters (vgl. Il. 17, 301):

„Also denn sank er dahin, und nimmer lohnt er den Eltern

Sorgliche Pflege der Kindheit.“

Mangel an männlicher Nachkommenschaft wurde schon deshalb schmerzlich

empfunden, weil dadurch die Erhaltung des Ahnenkults der Familie gefährdet

wurde; es wurde daher in diesem Fall meist ein Knabe aus fremder Familie

an Kindes Statt angenommen.

Die Amme trägt das neugeborene Kind alsbald um den Herd, um es unter den

Schutz der Hausgötter zu stellen; am zehnten Tag wird ein Geburtsopfer mit

Familienschmaus gefeiert, wobei das Kind seinen Namen erhält, ein Knabe

meist den des Großvaters von väterlicher Seite. (Vgl. Enkel – _enikel_,

kleiner Großvater.)

*§ 62. Erziehung und Unterricht.*

Das Endziel hellenischer Jugenderziehung spricht der greise Phönix,

Achills Lehrer, aus:

„Darum sandte er mich, um getreu dich zu lehren das alles,

Daß du als Mann seist fertig im Raten und rüstig in Taten.“

Die schöne Kunst des spielenden Lernens war noch nicht erfunden; die

Erziehung baute auf den Grundsatz:

„Jegliche Tugend des Mannes, dem Schweiße nur ist sie erreichbar.“

Nachdem die Zeit der Kinderspiele vorüber war, wurde der Knabe dem

_Elementarlehrer_ (_γραμματιστής_) übergeben, bei welchem er Lesen und

Schreiben lernte. Doch nicht auf bequemen Schulbänken, sondern auf

gebogenem Knie, wie der Türke noch heute schreibt, zeichneten die Kleinen

ihre Buchstaben mit dem Griffel auf die wachsüberzogene Holztafel. Dazu

wurde Homer, Hesiod und Theognis gelesen, von welchen große Stücke

auswendig gelernt wurden, und das einfache Rechnen geübt. Beim

_Musiklehrer_ (_κιθαριστής_) lernte der Knabe Gesang, Flöten- und

Saitenspiel, wovon die Griechen hohen Gewinn für die Entwicklung des

Gemütslebens erwarteten. Indem der Junge hier die Lieder der alten Lyriker

singen und spielen lernte, wurde er in die Gesetze der Metrik, Rhythmik

und Prosodie (Aussprache) eingeführt. Im Laufe des 5. Jahrhunderts treten

hierzu die neuen Lehrfächer Zeichnen und Geometrie. Von der niederen

Elementarschule sondert sich der Unterricht beim _Literaturlehrer_

(_γραμματικός_) ab, welcher den Vortrag und die Erklärung der reichen

Literaturwerke umfaßt. Als Hilfsbücher für diesen Unterricht werden

Chrestomathien, Anthologien, mythologische Handbücher, chronologische

Tabellen und Wörterbücher bearbeitet. Mit der Schulung des Geistes hielt

die Bildung des Leibes gleichen Schritt. Den größten Teil des Tages

verbrachte der Junge in der _Ringschule_, Palästra, wo er unter Leitung

eines Turnlehrers (_παιδοτρίβης_) die einfachen gymnastischen Übungen –

Sprung, Lauf, Diskoswerfen, Speerschießen und Ringen (vgl. § 68) –

pflegte.

War aller Unterricht bis auf die Zeit Alexanders des Großen Privatsache

gewesen, so übernahm fortab der Staat die Sorge für das Unterrichtswesen

durch Anstellung besoldeter Lehrer. Wie wir zufällig durch eine Inschrift

erfahren, hatte die ionische Stadt _Teos_ eine Schulstiftung von 34 000

Drachmen. Die Schule, welche für Knaben und Mädchen bestimmt war, hatte

zwei Vorstände (_γυμνασίαρχος_ und _παιδονόμος_), drei Elementarlehrer

(_γραμματοδιδάσκαλοι_) mit 600, 550, 500 Drachmen Gehalt, entsprechend der

Abstufung der Klassen, zwei Turnlehrer, einen Musiklehrer, einen Lehrer

für Fechten, und einen für Speerwerfen und Bogenschießen. Am Ende des

Jahres fanden öffentliche Prüfungen (_ἀποδείξεις_) statt.

Seit 400 v. Chr. entwickelt sich, vom Schulunterricht völlig gesondert,

ein _höherer Unterricht_ für Jünglinge. Lehrer der Weisheit und Redekunst,

_Sophisten_ und _Rhetoren_, kamen aus Kleinasien und Sizilien nach Athen,

um durch ein prunkvolles Auftreten und das Versprechen, die wahre Bildung

und Mannestugend zu lehren, rasch alle vornehme Jugend an sich zu ziehen.

In Gymnasien, heiligen Hainen, wie Akademie, Lykeion, Kynosarges, hielten

sie ihre Vorträge und Redeübungen, wofür sie von ihren Schülern zum Teil

außerordentlich hohe Honorare verlangten. Aus diesen erst vorübergehenden

und unregelmäßigen Lehrvorträgen erwächst ein ständiger Unterricht; Redner

und Philosophen gründen unter fortwährender gegenseitiger Eifersucht

eigene Schulen, welche sich oft nach des Meisters Tod in neue Zweigschulen

spalten. Das Wort des Perikles, welcher Athen die Bildungsschule von

Hellas nannte, erhielt noch eine umfassendere Bedeutung: zur Zeit Ciceros

war Athen längst die _Hochschule der alten Welt_.

*§ 63. Bestattung und Grab.*

Die _Gräber_, welche sich in Griechenland aus _vorgriechischer Zeit_

erhalten haben, sind entweder mit Erde bedeckte _Kuppelgewölbe_, wie _vor_

der Burg von Mykenä (vgl. § 69 g. E.), bei Menidi in Attika und in

Orchomenos, oder _Felsengräber_ mit senkrechtem oder wagrechtem Schachte,

wie _auf_ der Burg von Mykenä und bei Sparta. In diesen Gräbern fanden

sich vollständige Skelette; erhaltene Fleischstücke unter den goldenen

Gesichtsmasken lassen auf Einbalsamierung der Leichen (mit Honig?)

schließen; neben den Toten lagen Waffen, Schmuckgegenstände und

Hausgeräte.

Wenn in den _Homerischen Gedichten_ manches an jene alte Bestattungsweise

erinnert, wie z. B. Thetis dem toten Patroklos Nektar und Ambrosia in die

Nase träufelt, so erkennen wir andererseits aus denselben, daß bei den

Ioniern und Äolern Kleinasiens die asiatische Sitte der Totenverbrennung

die herrschende geworden ist. Es ist eine der auffälligsten Erscheinungen

der Sittengeschichte, daß in der klassischen Zeit Athens zwei sich schroff

gegenüberstehende Gebräuche der Totenbestattung, Verbrennung im Feuer und

Bestattung zur Erde, nebeneinander in Übung waren.

Bestattung der Toten ist heilige Pflicht der Anverwandten, welche zum

mindesten in symbolischer Weise durch Bestreuen des Leichnams mit Staub

erfüllt werden muß (Antigone). Konnte eine Leiche nicht aufgefunden

werden, so wurde für dieselbe ein Leergrab (_κενοτάφιον_) erstellt.

Nachdem die Leiche von den Frauen des Hauses gewaschen, gesalbt, in

linnene Tücher gewickelt, und ihr ein Obol als Fährgeld für Charon in den

Mund gelegt worden war, wurde sie auf einem Ruhebette in der Wohnung einen

Tag lang ausgestellt (_πρόθεσις_). Vor das Haus wurde ein Wassergefäß

(_ἀρδάνιον_) voll reinen, aus einem anderen Hause geholten Wassers

gestellt, mit dem sich die durch Annäherung an den Leichnam im religiösen

Sinn befleckten Personen beim Verlassen des Hauses besprengten. Darauf

begann die mehrfach wiederholte Totenklage, welche auf griechischen Inseln

heute wie vor 2000 Jahren im Brauche ist. Rings um den Leichnam singen

Frauen das eintönige Klagelied, indem sie ihr Haar zerraufen und taktmäßig

an Kopf und Brüste schlagen. Vor Sonnenaufgang wurde der Leichnam offen,

wie noch heute in Athen, unter Musik und großer Begleitung vor ein

Stadttor hinausgetragen (_ἐκφορά_) und hier entweder zur Erde begraben

oder auf einem Holzstoß verbrannt. Waren die letzten Gluten des Feuers mit

Wein gelöscht, so wurden die Gebeine sorgfältig in eine Urne gesammelt und

beigesetzt.

Der aufgeschüttete Grabhügel (_τύμβος_) wird mit Eppich, Blumen und

Bändern, bei Vermöglichen mit einer Grabsäule (_στήλη_, oft mit Palmette

oder Sirene) geschmückt und von den Angehörigen hernach oft besucht.

Alljährlich wird dem Toten an seinem Geburtstage ein feierliches Opfer

dargebracht (_τὰ γενέσια_). Ein allgemeiner Totenfeiertag war der 30. des

Monats; das Hauptfest aller Seelen aber wurde in Athen an den Anthesterien

(s. § 53) begangen.

In den letzten vorchristlichen Jahrhunderten vollzieht sich unter dem

Einfluß der Philosophie und der eleusinischen Mysterien eine mächtige

Wandlung des Volksglaubens. Will Achill lieber der Niedrigste unter der

Sonne, als der Herrscher der Unterwelt sein, so bricht nun die Hoffnung

auf ein besseres Leben nach dem Tode siegreich durch. Betrachten wir die

schönen Grabreliefs auf dem Friedhof des alten Athen beim Dipylon, auf

welchen der Verstorbene von den Liebsten Abschied nimmt, so möchten wir

glauben, der bittere Trennungsschmerz sei durch eine schönere Hoffnung

verklärt.

Griechische Altertumskunde · 第 13 / 19 题