am 12. die _Skirophorien_, von den Frauen der Athena zu Ehren
gefeiert;
am 14. das Zeusfest der _Dipolia_.
*§ 54. Dramatische Aufführungen.*
Das Bühnenspiel ist aus dem Dienst des Gottes Dionysos hervorgegangen und
blieb stets ein Teil seiner Feste, so daß es, wenigstens im 5.
Jahrhundert, nur an diesen aufgeführt wurde. Wie bei vielen andern
Gottesdiensten (Mysterien in Eleusis s. § 52) bestand die Feier eben
darin, daß die _Beteiligten die Schicksale des Gottes und seiner
Begleiter, welche sie im Lied besangen, zugleich miterlebten_. Eine Gruppe
hat sich, um die Rolle der Satyrn, der Begleiter des Gottes, zu spielen,
in Bocksfelle gehüllt und singt – daher Tragödie, _τραγῳδία_ = Gesang der
Böcke, _τράγοι_ –, rings um den Altar des Gottes tanzend, von den Freuden
und Leiden desselben; diesen selbst stellt der Vorsänger des Chores dar.
Wie der Gott eine lebensfrohe und eine düstere Seite aufweist, so zeigt
auch sein Dienst bald wilde Ausgelassenheit in der _Komödie_, bald
schauerlichen Ernst in der _Tragödie_. Bald werden auch die Mythen anderer
Gottheiten hereingezogen, und das Schauspiel wahrt seinen dionysischen
Charakter nur dadurch, daß auf die tragische Darstellung stets ein
_Satyrspiel_ folgt. Um 500 haben die Bühnenspiele schon eine bestimmte
Ordnung. Die Tragödien werden vornehmlich an den großen oder _städtischen
Dionysien_ im März, die Komödien an den _Lenaien_ im Januar aufgeführt
(s. § 53). Die Leitung des letzteren, älteren Festes steht dem König, die
des ersteren dem Archon zu. Außerdem gelangen noch an den _ländlichen
Dionysien_ in einzelnen Gauen (unter der Leitung des betreffenden
Demarchen) Dramen zur Aufführung.
Die Feier hat die Form eines _Wettkampfes (Agon) zwischen drei
Aufführungen_. Es werden im tragischen Agon an drei Spieltagen je drei
Stücke (eine Trilogie) nebst einem Satyrspiel vorgeführt. Eine Zeitlang
wurden diese drei Stücke nach einem wohl von Äschylos eingeführten Brauche
so komponiert, daß sie ihrem Inhalt nach zusammenhingen und ein Ganzes
bildeten (vgl. die Schillersche Wallensteintrilogie); eine solche Trilogie
besitzen wir noch aus dem Altertum in der 458 aufgeführten äschyleischen
„Orestie“, welche aus den drei Stücken: Agamemnon, Choephoren und
Eumeniden besteht; allein schon Sophokles ging von dieser Kompositionsart
ab und reichte Stücke ein, die in keinem inhaltlichen Zusammenhang
miteinander standen.
Die Stellung, Ausstattung und Einübung des Chores liegt dem _Choregos_
(vgl. § 45, 1) ob; derselbe hat für die Komödie 24, für die Tragödie
anfangs (bis Äschylos) 12, seit Sophokles 15 Chormitglieder (Choreuten) zu
stellen. Im Jahr 411 wurde der Aufwand eines Choregos für die Tragödie auf
3000 Drachmen berechnet. Der Lohn desselben war eben sein Sieg im
Wettkampf, welchen er mit dem _Dichter_ teilte. Dieser, „Lehrer“
(Didaskalos) genannt, war Textdichter, Komponist der gesungenen Partien,
Regisseur und ursprünglich, wie Äschylos, selbst Schauspieler. Die
Dichter, welche um Zulassung ihres Stücks zur Aufführung bitten („um einen
Chor bitten“ _χορὸν αἰτοῦσι_), werden vom Festleiter auf die Würdigkeit
ihrer Person und Stücke geprüft, die Ordnung im Agon wird durchs Los
bestimmt.
Die _Schauspieler_, ursprünglich nur Gehilfen des Dichterschauspielers,
werden seit Sophokles selbständiger. Die ersten Darsteller (Protagonistai)
erklären sich beim Festleiter bereit, die Rollen mit ihren Gehilfen, den
Deuteragonisten und Tritagonisten, zu übernehmen. Dieser wählt auf Grund
eines künstlerischen Wettkampfes zwischen den Bewerbern aus und weist
dieselben den Dichtern zu. Dichter wie Schauspieler erhalten ein
bestimmtes Honorar. Mit der Ausdehnung der Bühnenspiele wuchs auch die
Zahl und das Ansehen der Schauspieler. Dieselben taten sich mit Rhapsoden,
Flöten- und Zitherspielern in wohlorganisierte Vereine (_σύνοδοι_)
zusammen, welche sich „dionysische Künstler“ (_οἱ περὶ τὸν Διόνυσον
τεχνῖται_) nannten.
Die _Kampfrichter_ wurden vor dem Spiel ausgelost; ihr Urteil bezog sich
gleichermaßen auf die Dichtung, Ausstattung und Darstellung. Der _Eintritt
in das Theater_ war ursprünglich frei, kostete aber später 2 Obolen,
welche Perikles dem Volk durch das Schaugeld (_θεωρικόν_ s. § 28)
ersetzte. Freien Eintritt hatten nur die Inhaber von _Ehrensitzen_,
welche, wie wir noch heute sehen, vorzugsweise die unterste Reihe
einnahmen. Diese waren für Priester und Archonten bestimmt, wurden indes
auch für besondere Verdienste, z. B. an Feldherren oder auswärtige Fürsten
verliehen. Mit regster Anteilnahme folgten die Athener drei Tage lang
hintereinander, vom frühen Morgen bis zum Abend auf den Marmorbänken
sitzend, den Aufführungen; laut waren die Kundgebungen des Beifalls oder
Tadels, gründlich und allgemein das Verständnis für Bühnenkunst. Als es
mit der tragischen Kunst im 4. Jahrhundert abwärts ging, beschloß das
Volk, daß vor den neuen Stücken der lebenden Tragiker stets eine Tragödie
eines verstorbenen Dichters, „eine alte“, aufgeführt werde, und ließ
daher, um den Text vor Willkürlichkeiten der Schauspieler zu sichern,
unter der Finanzverwaltung Lykurgs (338 bis 326) ein staatliches
Normalexemplar der Stücke der drei großen tragischen Heroen anfertigen.
„Es ist nur _ein_ Athen gewesen,“ sagt Lessing, „es wird nur _ein_ Athen
bleiben.“
*§ 55. Das Theater.*
Das griechische Theater der ältesten Zeit hatte zwei Hauptteile, die
_Orchestra_, den Tanzplatz des Chors, welcher den in Wechselrede ihm
antwortenden Schauspieler (_ὑποκριτής_ von _ὑποκρίνομαι = ἀποκρίνομαι_)
umkreiste, und den _Zuschauerraum_ (s. S. 127).
Die _Orchestra_, ein geebneter, mit Sand bestreuter Platz (daher Konistra
d. h. Staubplatz genannt), war ursprünglich kreisrund (vgl. Schiller:
„umwandelnd des Theaters Rund“) und behielt diese Form lange Zeit; wir
finden sie z. B. noch bei dem von Polyklet, einem Zeitgenossen des
Pheidias, erbauten Theater von Epidauros, dem schönsten und besterhaltenen
des alten Griechenland (s. Abbildung Titelbild). Später wurde die
Orchestra um ein Kreissegment verkleinert. In der Mitte derselben stand
der Altar des Dionysos, die _Thymele_ (_θυμέλη_).
Als dritten Hauptteil weisen die ausgegrabenen Theaterruinen ein
_Bühnengebäude_ auf, das aus einem zurückliegenden Hauptbau und zwei
vorspringenden Seitenflügeln (_παρασκήνια_) besteht. Der von Hinterbau und
Seitenflügeln eingeschlossene Raum, der jedoch nur eine geringe Tiefe
besitzt (z. B. in Epidauros nur 2,41 Meter), diente nach der bisherigen
Annahme in der Zeit des entwickelten Dramas als Spielraum für die
Schauspieler, als _Logeion_ d. h. Sprechplatz, auch _Proskenion_ genannt.
Diese Sprechbühne mit gedieltem Fußboden sollte nach Vitruvs Anweisung 10
bis 12 Fuß über die Orchestra erhöht sein, womit die Maße der bis jetzt
untersuchten griechischen Theater übereinstimmen. Da aber bei einer so
starken Erhöhung der in der Orchestra stehende Chor nur schwer mit den
Schauspielern in Wechselrede treten konnte, wie dies doch das griechische
Drama verlangt, so half man sich bis jetzt mit der _Annahme_, daß über der
Hälfte der Orchestra oder Konistra jedesmal _ein hölzernes Gerüst für den
Chor_ aufgeschlagen worden sei, das Orchestra im eigentlichen Sinn (im
Gegensatz zur Konistra) oder, nach anderer Ansicht, Thymele geheißen habe.
Bei dieser Annahme bleibt das Bedenken bestehen, ob denn die Schauspieler
auf jenem schmalen als Logeion oder Proskenion bezeichneten Raume
überhaupt spielen konnten; man hat deshalb neuerdings vermutet, daß nicht
für den Chor, sondern _für die Schauspieler_ jedesmal _ein hölzernes
Gerüst_ als Spielplatz errichtet worden sei, während der Chor zu ebener
Erde sich bewegt habe.
Im Gegensatz zu diesen Vorstellungen will _die neueste Forschung_
einerseits durch genaue Untersuchung der monumentalen Überreste (Dörpfeld
u. a.), andererseits durch scharfe Beobachtung der in den erhaltenen
Dramen über Standort der Schauspieler und des Chors sich findenden
Andeutungen den Nachweis führen, daß _im griechischen Theater bis zur
römischen Zeit keine erhöhte Sprechbühne existiert habe_, daß also in der
ganzen klassischen Zeit Schauspieler und Chor räumlich nicht voneinander
geschieden gewesen, sondern beide gemeinsam in der Orchestra aufgetreten
seien. So erkläre sich u. a. auch die Einführung des hohen Schuhs, des
_Kothurns_, „der den Schauspielern als ein bewegliches Gerüst unter die
Füße gegeben wurde, das ihnen Bewegungsfreiheit gestattete und sie über
den sie umgebenden Chor heraushob“.
[Illustration: Grundriß des Theaters von Epidauros.]
Die _Entwickelung des Bühnengebäudes_ sucht man sich in folgender Weise
zurechtzulegen: Für den Schauspieler diente ursprünglich als
Aufenthaltsort vor dem Auftreten, sowie als Umkleideraum die _Skene_, ein
Zelt oder eine Bude. Diese verdeckte man im Lauf der Zeit durch eine
davorgestellte _Dekorationswand_ (_Proskenion_, d. h. das, was vor der
Skene sich befindet), welche mit einer oder mehreren Türen für die auf-
und abtretenden Schauspieler versehen war und die Außenseite eines Hauses,
in der Tragödie gewöhnlich eines Palastes, darstellte. Diese
Dekorationswand gab zugleich der Orchestra einen auch aus akustischen
Gründen wünschenswerten Hintergrund und baulichen Abschluß. Weiterhin
wurde die _Skene zu einem massiven Gebäude_ ausgestaltet und die zunächst
davorgesetzte bewegliche und temporäre Dekorationswand durch eine feste,
mit Reliefs verzierte und durch Säulen oder Pfeiler gegliederte Steinwand
ersetzt. So habe das ganze Bühnengebäude als Proskenion, d. h. als
Hintergrund für die in der Orchestra stattfindenden Aufführungen gedient.
Eigene erhöhte Sprechbühnen für die Schauspieler dagegen habe man erst in
römischer Zeit gebaut, und erst durch Umbauten, die in dieser Zeit
vorgenommen worden seien, hätten auch ältere griechische Theater solche
erhalten.
Für die _Zuschauer_ schlug man in der ältesten Zeit _Holzgerüste_
(_ἴκρια_) auf, welche jedesmal nach den Aufführungen wieder abgebrochen
wurden. Als man zum Bau fester Theater überging, angeblich infolge
wiederholten Zusammenbrechens solcher Gerüste, benutzte man die
natürlichen Verhältnisse des Erdbodens und wählte _eingebuchtete Anhöhen_,
welche einen natürlichen Zuschauerhalbring darboten. Die konzentrisch „in
weiter stets geschweiften Bogen“ aufsteigenden Sitzreihen wurden entweder
aus dem lebendigen Felsen herausgehauen oder durch Steinplattenbelag
hergestellt.
Die Anlage des Zuschauerraumes wie des griechischen Theaters überhaupt zur
Zeit des entwickelten Theaterbaus veranschaulicht uns am deutlichsten der
Grundriß des _Theaters von Epidauros_ (s. Abbildung S. 127 und Titelbild).
Hier ist der Zuschauerhalbring in halber Höhe durch einen 1,9 m breiten
Umgang (Diazoma) in eine untere Abteilung von 32 und eine obere von 20
prächtigen Sitzreihen aus hellschimmerndem Kalkstein getrennt; dazu kommen
3 Reihen Ehrensitze, eine am Rande der Orchestra, 2 zu den beiden Seiten
des Diazoma. Schmale Treppen, deren Stufen halb so hoch wie die Sitzstufen
sind, teilen die untere Abteilung in 13, die obere in 25 keilförmige
Ausschnitte (Kerkides), welche nach dort aufgestellten Bildsäulen benannt
waren. Nach hinten war der Zuschauerraum durch einen 2 m breiten oberen
Umgang und eine Gürtungsmauer abgeschlossen, welche an den beiden
Endkeilen des Halbringes umbog und in 2 Seitenmauern zur Orchestra
herabstieg. Die _Orchestra_ selbst ist eine von einem Plattenring
umschlossene Kreisfläche, welche von der untersten Sitzstufe durch einen
0,2 m niederer gelegenen Umgang getrennt ist, der, wie zwei Abzugslöcher
zeigen, auch als Wasserablauf diente. Genau in der Mitte der Orchestra ist
ein runder Stein von 0,7 m Durchmesser eingelassen, der wohl den Rundaltar
des Dionysos trug. Zwischen Zuschauerraum und Bühne führen 2 über 5 m
breite Eingänge (Parodoi) zur Orchestra, durch welche sich das Publikum
auf seine Plätze begab und der Chor einzog. Das _Bühnengebäude_ besteht in
dem zurückliegenden Hauptbau, aus welchem sich drei Türen nach dem 3–4 m
über die Orchestra erhöhten sogenannten Logeion oder Proskenion öffnen.
Dieses ist beiderseitig von Flügelbauten (Paraskenia) umgeben, aus welchem
je eine Rampe zu den Orchestraeingängen hinabführt. Trotz seiner großen
Ausdehnung ist das griechische Theater sehr gehörsam. Bei meinem Besuche
in Epidauros trug ich (Maisch), in der Orchestra stehend, das
Sophokleische Chorlied „Vieles Gewaltige lebt“ mit halblauter Stimme vor,
und doch vernahm mein Begleiter, der auf der obersten Reihe sitzend etwa
70 m von mir entfernt war, jedes Wort deutlich. Dabei ist zu beachten, daß
die für die Schallverteilung besonders wichtige Gürtungsmauer und hintere
Bühnenwand heutzutage fehlen.
Mit dem Theater hatte das „_Odeion_“, das „Gesangshaus“, den allgemeinen
Grundriß gemein. Dasselbe unterschied sich nur durch geringere Ausdehnung
und steileres Ansteigen der Sitzstufen, wodurch eine _Überdachung_ des
ganzen Raumes ermöglicht wurde. Als das schönste Odeion galt das von
Perikles erbaute; das besterhaltene ist dasjenige, welches Herodes Attikus
(zwischen 160 und 170 n. Chr.) am Südwestfuß der Akropolis aus Marmor und
Zedernholz erbaut hat, dessen gewaltige Ruine in den Kämpfen der Türken
und Griechen als Festung diente und noch heute unser Staunen erregt.
An beweglichen _Dekorationen_ besaß das griechische Theater außer großen
gemalten, vor der Rückwand aufgespannten _Szenerien_ seitlich angebrachte
dreiseitige, um einen Zapfen drehbare Holzprismen, die _Periaktoi_, die
auf jeder Seite eine verschiedene Dekoration hatten und etwa unseren
heutigen Kulissen entsprechen. Götter und Heroen erscheinen entweder auf
einem Balkon an der Skenenwand, der _Götterbühne_ (Theologeion), oder
kommen durch die Luft auf der „_Maschine_“ (_θεὸς ἀπὸ μηχανῆς_, _deus ex
machina_) angeschwebt, um die verwickelte Handlung durch einen Machtspruch
zu lösen. Vorgänge, welche sich im Innern der Wohnung abspielen, zeigt das
_Ekkyklema_, wohl ein Gerüst auf Rollen. Die Geister der Verstorbenen
stiegen auf der _Charonischen Stiege_ empor; als solche diente vielleicht
der unterirdische, aus dem Bühnengebäude in die Orchestra führende Gang,
der neuerdings z. B. in Eretria und Sikyon aufgedeckt wurde. Auch hatte
man _Blitz- und Donnermaschinen_ (_κεραυνοσκοπεῖα, βροντεῖα_) u. a. m.
Entsprechend dem religiösen Herkommen und dem Bedürfnis des weiten Raumes
trugen die Schauspieler Charaktermasken (_προσωπεῖα, πρόσωπα_), Stiefel
(_κόθορνος, ἐμβάτης_) mit hoher Korksohle und einen wattierten Leib
(_σωμάτιον_). Ganz richtig sagt Schiller: „Es steigt das Riesenmaß der
Leiber hoch über Menschliches hinaus.“ Mußte hierbei auf das Mienenspiel
verzichtet werden, so wurden dafür die Maskentypen bis ins einzelne
ausgearbeitet. Dabei konnte es nicht auffällig erscheinen, wenn die
Frauenrollen von Männern gegeben wurden. In der Tragödie, wo Könige und
Götter aus alter Zeit auftraten, wurde die altertümliche Tracht
(vgl. § 58) mit dem feierlichen orientalischen Prunk beibehalten, während
für die Komödie, welche die gegenwärtige Zeit behandelte, die gewöhnliche
Volkstracht gewählt wurde.
*Das Kriegswesen.*
*§ 56. Das Landheer.*
Jeder Bürger muß im Heere dienen, die Klassen I bis III (s. § 25) als
Reiter bzw. Schwerbewaffnete, Klasse IV als Leichtbewaffnete oder
Schiffsoldaten. Die Dienstpflicht dauert vom 18. bis 60. Jahre; frei vom
Kriegsdienste sind nur Beamte, Ratsherren und Zollpächter. Nach der
Aufnahme in die Gemeindebürgerliste (§§ 27. 32) schwuren die jungen
Athener in dem Tempel der Aglauros den _Fahnen-_ und _Bürgereid_: „Ich
will die Waffen nicht schänden, den Nebenmann im Kampf nicht im Stich
lassen, für die Heiligtümer kämpfen und das Vaterland nicht gemindert,
sondern größer und mächtiger, als ich es überkommen, hinterlassen; ich
will den Befehlen der Vorgesetzten und den Gesetzen gehorchen, nicht
dulden, wenn einer die Gesetze aufhebt oder ihnen nicht gehorcht, sondern
sie verteidigen und die vaterländischen Heiligtümer ehren.“ Die Jünglinge
eines Kreises lebten fortan gemeinsam unter der Aufsicht eines
„Zuchtmeisters“ (_σωφρονιστής_), und wurden durch Turnlehrer
(_παιδοτρίβαι_) und Waffenlehrer in Gymnastik und Waffenführung
ausgebildet. Der Zuchtmeister erhält von der Gemeinde täglich eine
Drachme, die Jünglinge 4 Obolen, wofür jener die Bedürfnisse des
gemeinsamen Mittagsmahles einkauft. Nach Verfluß eines Jahres werden die
Jünglinge im Theater dem Volke vorgestellt, wobei sie ihre Fertigkeit im
Turnen und Exerzieren dartun, und erhalten hierauf von der Stadt Schild
und Speer, um fortan ein Jahr lang in den festen Plätzen des Landes (Akte,
Munychia, Phyle, Sunion, Eleusis u. a.) als Peripoloi (_περίπολοι_)
Wachdienste zu tun.
Die _Aushebung_ erfolgte auf Grund von Stammrollen, welche nach den
Gemeindebürgerlisten (§§ 27. 32) angefertigt waren. Jede Stammrolle
enthält das vollständige Verzeichnis der in einem bestimmten Jahre in die
Bürgerlisten Eingeschriebenen und am Kopf den Namen des in diesem Jahre
amtierenden ersten Archon, welcher Eponymos hieß. Im ganzen gab es 42
dienstpflichtige Jahrgänge mit den Namen von ebenso vielen Archonten. Bei
einer _Mobilmachung_ wird entweder ein _allgemeines Aufgebot_ der gesamten
Kriegsmacht (_πανδημεί, πανστρατιᾷ_) erlassen, oder nur ein Teil derselben
_nach der Stammrolle_ (_ἐκ καταλόγου_) eingezogen. Im letzten Fall wird
bekanntgemacht, von welchem Archon bis zu welchem die Mannschaft
auszumarschieren habe; und zwar können die betreffenden Jahrgänge ganz
(_στρατεῖαι ἐν τοῖς ἐπωνύμοις_) oder nur teilweise (_στρ. ἐν μέρεσι_)
mobilisiert werden.
[Illustration: Duris-Schale.]
_Jeder der 10 Kreise stellt ein Regiment_ (_τάξις_) unter einem
selbstgewählten Obersten(8), Taxiarchos. Jedes Regiment gliedert sich in
eine Anzahl _Kompagnien_ (_λόχοι_), welche von den Angehörigen eines oder
mehrerer Demen gebildet und von _Hauptleuten_ (_λοχαγοί_) kommandiert
werden. Im Jahr 431 konnte Athen etwa 18 000 Hopliten aufbieten.
Die _taktischen Manöver_ der attischen Hopliten unterschieden sich nicht
wesentlich von denen der Spartaner (s. § 19).
Der Stolz der Athener war ihre _Reiterei_, wie z. B. deren besonders
liebevolle Darstellung auf dem großen Parthenonfries (§ 70) lehrt;
übrigens hat sich dieselbe mehr bei Festparaden (besonders an den
Panathenäen) als in Schlachten hervorgetan, und der Reiterdienst galt für
sehr ungefährlich. Die Klassen I–II dienten als Reiter; dieselben wurden
von einer Zehnerkommission (_καταλογεῖς_) ausgehoben, mit einem
Equipierungsgeld (_κατάστασις_) versehen und alljährlich vom Rat
wiederholt auf die Tauglichkeit ihrer Person und Pferde geprüft. Die
Reiterei gliederte sich in 10 Schwadronen (_φυλαί_) zu 100 Pferden mit
einem Rittmeister (_φύλαρχος_) an der Spitze; den Oberbefehl führten zwei
Reitergenerale (_ἵππαρχοι_).
Der Kriegsdiensteifer und die Mannszucht im Bürgerheer ließen im
4. Jahrhundert viel zu wünschen übrig; wir hören von Prozessen wegen
eigenmächtigen Ausbleibens (_ἀστρατείας_), Fahnenflucht (_λειποταξίου_),
Feigheit (_δειλίας_), welche die Feldherrn vor das Volksgericht zu bringen
hatten. Den Reiterobersten rät Xenophon, mehr durch Überredung als durch
Befehl auf die Reiter zu wirken. Doch hüte man sich, hieraus auf die
Abnahme der kriegerischen Tüchtigkeit der Hellenen zu schließen; die Züge
eines Kyros und Alexander bewiesen das Gegenteil. Überdies erfolgte
zugleich mit dem _Aufkommen des Söldnerwesens_ eine durchgreifende
Neuordnung des Heerdienstes, welche Iphikrates in Athen einführte
(392 v. Chr.).
Das einzige griechische Heer, das wir genauer kennen, ist das aus
_Xenophons Anabasis_ bekannte griechische _Söldnerheer des jüngeren
Kyros_, dessen größere Hälfte aus dem Peloponnes stammt und durchaus
spartanische (vgl. § 19) Kriegsordnung zeigt. Den Kern bilden die
_Schwerbewaffneten_ (Hopliten) mit Helm (_κράνος_), Brustharnisch
(_θώραξ_) oder Lederkoller (_σπολάς_), Beinschienen (_κνημῖδες_), schwerem
Schild (_ἀσπίς_), Stoßlanze (_δόρυ_) und Schwert (_ξίφος_). Ihnen stehen
am nächsten die _Peltasten_ mit leichtem Schild (_πέλτη_), Wurfspießen
(_ἀκόντια_) und Schwert. Zu den _Leichtbewaffneten_ (_ψιλοί, γυμνῆτης_),
die nur Angriffswaffen für die Ferne führen, gehören: Bogenschützen
(_τοξόται_), meist Kreter, Schleuderer (_σφενδονῆται_) und Speerschützen
(_ἀκοντισταί_).
*§ 57. Die Flotte.*
Die Stärke Athens war seine _Flotte_. Zwischen den Höhen von Akte und
Munychia liegen tiefeingebuchtet die windgeschützten, wohlverschlossenen
Häfen Munychia, Zea und der tiefe, geräumige _Peiraieus_, welcher noch
heute einer großen Flotte, selbst den größten Kriegsschiffen, sichere
Unterkunft bietet. Der innere Teil der Peiraieusbucht, das _Emporion_, war
für die Handelsflotte bestimmt, während der südwestliche Teil derselben,
der _Kantharoshafen_, ebenso wie die Buchten Zea und Munychia
ausschließlich zur Aufnahme der Kriegsmarine diente. Seit Themistokles,
Kimon und Perikles die ganze Halbinsel mit einer gewaltigen, noch in ihren
heutigen Überresten staunenerregenden Befestigung umschlossen und mit
Athen durch die „langen Mauern“ (_σκέλη_) verbunden hatten, welche 404
teilweise zerstört, aber von Konon 392 wiederhergestellt wurden, besaß
Athen im Peiraieus den stärksten Kriegshafen der alten Welt, dem nur der
von Syrakus im 4. Jahrh. v. Chr. annähernd gleichkam. Am Ufer der 3 Häfen
Athens lagen die _Werften_ (_νεώρια_) mit ihren _Schiffsbauplätzen_
(_ναυπῆγια_), den _Schiffshäusern_ (_νεώσοικοι_), in welchen die
Schiffskörper samt dem sog. hölzernen Gerät (Masten, Rahen, Ruder usw.)
gegen Sonne und Regen geschützt im Trocknen aufbewahrt wurden, und den
_Zeughäusern_ (_σκευοθῆκαι_), die zur Unterbringung des hängenden Geräts
(Segel, Taue) dienten.
Während man in der älteren Zeit lange niedrige Schiffe mit nur 1
Ruderreihe (_μονήρης_) hatte, die nach der Gesamtzahl der Ruder als
_Triakontoroi_, _Pentekontoroi_ usw. bezeichnet wurden, baute man später
Fahrzeuge mit 2 oder 3 Ruderreihen: Dieren und _Trieren_. Aus letzteren
bestanden seit den Perserkriegen ausschließlich die _Kriegsflotten_. Die
_athenische_ war bei Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs 300–400
_Trieren_ stark.
Die _Triere_, ein leichtgebautes, 40–50 m langes (daher _νῆες μακραί_) und
etwa 5 m breites Fahrzeug mit niedrigem Bord und geringem Tiefgang, hatte
in geringem Abstand schräg übereinander 3 Ruderreihen. Ein
eisenbeschlagener _Sporn_ oder _Schnabel_ (_ἔμβολον_) am Vorderteil
(_πρῷρα_) diente dazu, dem feindlichen Schiffe beim Anrennen ein Leck
beizubringen. Außer dem _Großmast_ in der Mitte des Schiffes, der vor dem
Gefecht regelmäßig umgelegt wurde, stand im Vorderschiff noch der kleine
_Vormast_; jeder trug an einer Rahe, d. i. an einer horizontal am Mast
befestigten Stange, ein viereckiges Segel (_ἱστίον_). Am Hinterteil
(_πρύμνα_) des Schiffes befanden sich die beiden großen Steuerruder
(_πηδάλια_). Seit 330 kamen in der attischen Marine auch _Tetreren_, seit
325 auch _Penteren_ (mit 4 und 5 Reihen) vor. Der Neubau von Trieren wurde
unter der _Oberaufsicht des Rates und der 10 Werftaufseher_ (_ἐπιμεληταὶ
τῶν νεωρίων_) ausgeführt. Bei einer Seeunternehmung lieferte der Staat den
Schiffsrumpf und die Geräte, sowie Sold und Verpflegungsgeld für die
Mannschaft; der _Trierarch_ (§ 45) hatte das Schiff segelfertig zu machen,
zu bemannen, ein Jahr lang zu unterhalten und nach den Befehlen des
Admirals (eines Strategos) zu führen, und nach Ablauf seiner Zeit in gutem
Stand an seinen Nachfolger zu übergeben.
Die _Bemannung_ (_πλήρωμα_) einer Triere zählte etwa 200 Köpfe: Steuermann
(_κυβερνήτης_), Proreus, der das Kommando auf dem Vorderdeck führte,
Keleustes mit drei Pentekontarchen, welche die Ruderer kommandierten, die
Matrosen für das Takelwerk, die Seesoldaten (_ἐπιβάται_, durchschnittlich
nur etwa 10), etwa 170 Ruderer (_ναῦται_). Die Ruderer der 3 Reihen hießen
(von unten nach oben): _Thalamiten_, _Zygiten_ und _Thraniten_; die
letzten hatten mit den längsten Rudern die schwerste Arbeit und waren
dementsprechend höher besoldet. Bei gewöhnlicher Fahrt wurde nur etwa vom
dritten Teil derselben, doch in allen 3 Reihen zugleich gerudert unter
Flötenspiel und gleichmäßigen Rufen, während die andern auf ihren Plätzen
ausruhten. Die ganze Mannschaft stand unter dem Kommando des Trierarchen.
Als Ruderer wurden ärmere Bürger, Metöken, Sklaven und angeworbene
Ausländer verwendet; nur auf den beiden schnellsegelnden
Ordonnanzschiffen, der _Paralos_ und _Salamina_, die allein von den
athenischen Kriegsschiffen ständig im Dienst waren, bestand die ganze
Mannschaft aus attischen Bürgern. Die Fahrgeschwindigkeit der Triere war
verhältnismäßig bedeutend, aber stets von Wind und Wetter abhängig. Wie
die heutigen „Hellenen“, waren die alten Griechen tüchtige Seeleute, aber
– wie alle alten Völker – „Schönwetterpiloten“. Im Winter ruhte die
Seefahrt, die Schiffe lagen abgetakelt in den Schiffshäusern.
Die _Seeschlacht_ (_ναυμαχία_) glich in der älteren Zeit ganz einer
Landschlacht, indem man von den Verdecken der ruhig nebeneinander
liegenden Schiffe kämpfte. Später wurde das Hauptgewicht auf geschicktes
Manövrieren der Schiffe gelegt: man suchte möglichst viele feindliche
Fahrzeuge kampfunfähig zu machen. Dies geschah entweder vermittelst des
_Durchfahrens_ (_διέκπλους_), indem man die gegnerische Aufstellung
durchbrach und die Ruder des feindlichen Fahrzeugs in raschem Vorbeifahren
abstreifte oder den Sporn in seine Flanke bohrte, oder vermittelst des
_Umfahrens_ (_περίπλους_), indem man dem feindlichen Schiffe von der Seite
oder von hinten einen Spornstoß beibrachte.
*C. Häusliches Leben.*
*§ 58. Das Haus*
_a) der Homerischen Zeit._
Dieses ist für uns spurlos vom Erdboden verschwunden; keine Ruine, kein
Grundriß hat sich erhalten, auch der klare Plan des neuerdings
aufgedeckten Königspalastes auf der Oberburg von Tiryns (s. Plan S. 179)
kann nicht ohne weiteres als Ersatz für das einfacher und bescheidener
angelegte homerische Herrscherhaus dienen. Der Grundriß desselben ist aus
dem _ländlichen Gehöfte_ erwachsen. Noch sind die Spuren nicht ganz
verwischt: der heimkehrende Odysseus findet im Hof seinen getreuen Hund
auf dem Dunghaufen liegend. Ein stark in die Länge gezogenes Viereck ist
mit einer Mauer umfriedigt. Der vordere größere Teil ist der _Hof_
(_αὐλή_); wir treten in ihn durch ein zweiflügeliges _Hoftor_, zu dessen
beiden Seiten sich eine _Halle_ (_αἴθουσα αὐλῆς_) hinzieht: der Hof
enthält in der Mitte einen Altar des hausbeschützenden Zeus (_ἑρκεῖος_),
zu beiden Seiten Schuppen für Wagen und Geräte, für die Dienerschaft und
das Vieh, einen Ziehbrunnen oder eine Zisterne für Trinkwasser. Ist, wie
bei Odysseus, die Landwirtschaft nach den Gehöften auf dem Lande
hinausverlegt, so laufen an den Wänden ringsum Schattendächer(9), während
der freie Mittelraum zum Tummelplatz eingerichtet ist, worauf die Freier
sogar den Diskos- und Speerwurf üben können. Haben wir den Hof in der
Längsachse durchschritten, so stehen wir vor dem Eingang in das
_Wohngebäude_ (_δῶμα, δόμος_), treten in eine durch Vorsprünge der
Steinmauern und zwei Säulen gebildete _Vorhalle_ (_αἴθουσα δώματος,
πρόθυρον, πρόδομος_), von hier durch eine zweiflügelige Türe über eine
mächtige Schwelle in den weiten „schattigen“ _Männersaal_ (_μέγαρον_).
Hohe Säulen tragen das Dach, welches nur in der Mitte eine Öffnung für das
Licht und den vom Herd (_ἐσχάρη_) aufsteigenden Rauch zeigt. An den
Männersaal schließt sich der kleinere _Frauensaal_, in dem die Hausfrau,
von ihren Mägden umgeben, mit weiblichen Arbeiten sich beschäftigt,
weiterhin das _eheliche Schlafgemach_, die _Waffen-_ und die
_Schatzkammer_ und das _Badezimmer_. Eine Treppe führt zu einem über dem
Frauengemach gelegenen _Oberstock_ (_ὑπερῷον_), wohin sich Penelope oft
aus dem lärmenden Treiben des Erdgeschosses zurückzieht.
_b) Das Haus der klassischen und der hellenistischen Zeit._
Die Beschränktheit des Baugrundes in dichtbevölkerten und ummauerten
Städten wie Athen veranlaßte bei der Anlegung des Privathauses eine
Zusammendrängung der oft sehr kleinen Wohnräume und weiteren Ausbau des
Oberstocks. Als während des Dekeleischen Krieges die Bevölkerung Attikas
in der Hauptstadt zusammengedrängt war, vermißten die reicheren
Landbewohner ihre bequemer eingerichteten Landhäuser aufs schmerzlichste.
Der bei Homer vor dem Wohngebäude gelegene Hof erscheint _in den
Mittelpunkt der ganzen Hausanlage gerückt_; er dient keinerlei
landwirtschaftlichen Zwecken mehr, sondern ausschließlich als Wohn- und
Aufenthaltsraum bei schönem Wetter. Wir treten von der Straße durch das
Tor in den _Hausflur_ (_θυρωρεῖον_), zu dessen beiden Seiten Remisen und
Ställe sich befinden; in Wohnungen von Handwerkern und Krämern liegen hier
Buden, welche gegen die Straße offen stehen. Daran schließt sich der
_Hof_, der in den vornehmen Häusern von Säulenhallen umgeben ist und um
den sich Arbeitsräume, Vorratskammern, Schlaf- und Gastzimmer gruppieren.
Haben wir den Hof durchschritten, so gelangen wir durch eine dem Eingang
gegenüber gelegene _Vorhalle_ (_προστῷον_) oder ein _Vorgemach_ (_παστάς_)
in den _Männersaal_, welcher als Gesellschaftszimmer diente. Die
_Frauenwohnung_ (_γυναικωνῖτις_) mit den Arbeits- und Schlafräumen für die
Mägde liegt in wohlhabenden Häusern dahinter zu ebener Erde, in ärmeren im
Obergeschoß. Hinter dem Hause ist oft ein _Garten_.
Solange die Athener fast den ganzen Tag im Rathaus, auf dem Markt, in den
Palästen, im Theater oder Gerichtshof verbrachten – Kleobold in den
„Wespen“ will im Drang des Richterberufes schon um Mitternacht aufbrechen
– und das Haus mehr als Obdach für die Ruhezeit und als Aufenthaltsort für
die Frau, Kinder und Sklaven diente, wurde auf dessen Ausbau wenig
verwandt. Als Material dienten für die Fundamente Bruchsteine, für die
Mauern ungebrannte Lehmziegel und Holzsparrenwerk; daraus erklärt es sich
auch, daß sich von dem griechischen Wohnhaus nur ganz spärliche Reste
erhalten haben. Seitdem aber im 4. Jahrhundert das Interesse der
Gebildeten am öffentlichen Leben nachließ, begann man die häusliche
Wohnung bequemer einzurichten und reicher auszustatten. So klagt
Demosthenes in patriotischer Entrüstung, daß heute Privathäuser reichere
Pracht zeigen, als öffentliche Gebäude, während die Wohnungen eines
Miltiades und Themistokles ganz einfach gewesen seien.
In der Tat entfaltet das _Prachthaus der hellenistischen Zeit_ den vollen
Prunk des durchgebildeten Tempelstiles. In dem _dreischiffigen Säulensaal_
der Männerwohnung, dem großen Empfangssaal für Gäste, ist der Boden mit
farbigen Marmorplatten oder kunstreichem Mosaik belegt; Türen, Pfeiler,
Säulen sind mit Bronzeblech überzogen, die Wände mit zierlicher
Freskomalerei geschmückt, alle Eingänge sowie die große Oberlichtöffnung
mit farbenprächtigen Teppichen behangen, der Plafond mit reichgeschnitztem
Getäfel ausgestattet. Rings um den großen Saal liegen kleinere Gelasse,
Studierzimmer, Bibliothek u. dergl. Durch einen offenen Gang bietet sich
eine Durchsicht in einen reichen Ziergarten von allerhand einheimischen
und ausländischen Pflanzen. Die _Frauen- und Familienwohnung_ gruppiert
sich um _einen eigenen Hof_ (_περίστυλος_), während der vordere Hof mehr
dem gesellschaftlichen Verkehre dient. Es ist, als ob in der weiten,
völlig selbständigen Anlage dieser Familienwohnungen die Verinnerlichung
des Familienlebens und die nahende Gleichstellung der Frau mit dem Manne
sich ankündigen wollte.
Die _Grundrißgestaltung_ des griechischen Wohnhauses ist ganz wesentlich
_durch_ das warme und trockene _Klima_ des Südens _bedingt_: während wir
möglichst viele geschlossene, helle Räume zu gewinnen suchen, legte der
Grieche den Hauptwert auf den geräumigen, offenen Säulenhof, welcher der
ganzen Wohnung Licht und Luft spendete. So lebte der Hellene auch im
Innern der Wohnung unter dem freien, warmen Himmel; gegen Sonnenglut und
Platzregen bot eine offene Säulenhalle genügenden Schutz.
*§ 59. Die Wohnungseinrichtung*
zeigt nicht jene Überfülle von Hausrat, welche wir heutzutage in unseren
engen Wohnräumen unterzubringen lieben; insbesondere waren alle Geräte,
welche, wie Truhen (_λάρνακες, χηλοί_) und Kästchen (_κιβώτια_), an Stelle
unserer bei den Griechen nicht gebräuchlichen Schränke, zur Aufbewahrung
von Kleidern u. dergl. dienten, nicht im großen Wohn- und Empfangssaal,
sondern in Nebengelassen untergebracht. Rings an den Wänden lief eine
niedere _Bank_, welche nach Art des orientalischen Diwans mit Polstern und
Teppichen belegt war. Seitdem die asiatische Sitte, beim Ausruhen wie bei
der Mahlzeit zu liegen statt zu sitzen, Eingang gefunden hatte, begegnet
uns in jedem Hause die _Kline_ (_κλίνη_), ein vierfüßiges Lagergestell mit
Gurten, Matratze und Kopfpolstern, welches als Speisesofa wie als Ruhebett
diente. Der hohe _Thronsessel_ (_θρόνος_) mit Rücken- und Armlehnen nebst
Fußbank (_θρῆνυς_), auf welchem bei Homer der Hausvater und werte Gäste
Platz nehmen, ist nur noch der altehrwürdige Sitz für Götter, Priester,
Richter und Beamte. Dem gewöhnlichen Gebrauche dient der _Lehnsessel_
(_κλισμός_) mit geschweifter Rücklehne und ebensolchen Füßen und besonders
der niedrige Stuhl ohne Lehne oder _Hocker_ (_δίφρος_). Vor dem Ruhebett
sehen wir auf Vasenbildern zumeist ein niederes, dreifüßiges _Eßtischchen_
(_τράπεζα_) mit Speisen und Getränken stehen. Bei Festgelagen werden
mehrere zwei- und dreilägerige Ruhebetten um einen Speisetisch
aufgestellt, wie wir dies beim römischen „_triclinium_“ (Dreisofa)
wiederfinden. Der Beleuchtung dienen bei Homer mit Kienspänen und Pech
gefüllte _Leuchtpfannen_ (_λαμπτῆρες_) und _Kienfackeln_, welch letztere
später nur zum nächtlichen Ausgang benützt werden; innerhalb des Hauses
werden kleine runde _Tonlämpchen für Öl_ (_λύχνος_) verwendet mit einem
Henkel, einer Öffnung zum Einfüllen des Öls und einer oder mehreren
Schnauzen für den Docht. Um das Licht zu steigern, werden mehrere solcher
Lämpchen an einem hohen Gestell aufgehängt.
Besondere Kunst wurde auf die _Tongefäße_ verwendet. In den reichen
Vasensammlungen zu Berlin und München sehen wir neben dem großen _Tonfaß_
(_πίθος_), welches einst dem Diogenes wie hundert anderen (in Athen
namentlich zur Zeit des Peloponnesischen Kriegs) als Wohnung diente, den
zweihenkeligen Krug, die _Amphora_ (_ἀμφορεύς = ἀμφιφορεύς_), den
_Wasserkrug_ (_ὑδρία_), der, weil auf dem Kopf getragen, den Schwerpunkt
weit oben hat, das schlanke, enghalsige _Salbenfläschchen_ (_λήκυθος_),
den weitbauchigen _Mischkessel_ (_κρατήρ_), in welchem der Wein mit Wasser
gemischt wurde, die tellerartige _Trinkschale_ (_φιάλη_), die Trinkschale
mit Fuß und Henkel (_κύλιξ_), den tassenförmigen _Trinkbecher_ mit zwei
hohen Henkeln (_κάνθαρος_), die Trink- und _Schöpftasse_ (_κύαθος_), das
_Trinkhorn_ (_ῥυτόν_) in den verschiedensten Formen von Tierköpfen. Fast
alle diese Gefäße sind mit Verzierungen und Bildern bemalt; nach der
Eigentümlichkeit dieser _Malereien_ unterscheiden wir vier _Stilarten_,
welche eine fortschreitende Entwicklung des künstlerischen Könnens sowohl
im Bau der Gefäße als in der Zeichnung und Farbe darstellen.
1. Im _urgriechischen Stil_ wird die Malerei einfarbig auf den rohen Ton
aufgetragen; dieselbe stellt entweder lineare Zeichnungen des Webstils
oder Haustiere und europäisches Jagdwild oder Szenen des täglichen Lebens
dar, alles schematisch steif in langen Reihen übereinander den Bauch des
Gefäßes umschließend. Hervorragende Muster dieses Stiles sind die
_Dipylonvasen_, welche beim Dipylon, dem großen Westtor Athens, gefunden
wurden.
2. Der _asiatisierende Stil_ verrät seine Herkunft durch Bilder von
orientalischen Tieren und Pflanzen, wie Löwen, Panthern, Antilopen,
Greifen, Sphinxen; Palmetten, Lotosknospen, Rosetten und Arabesken. Es
sind Erzeugnisse nicht einer jugendlichen, sondern einer betagten Kunst,
welche mit konventionell stilisierten Formen arbeitet.
Seitdem es gelungen war, durch Mischung einen Ton von leuchtendem Rot und
eine Malfarbe von tiefem Schwarz herzustellen, wird die hellenische
Vasenmalerei durch die zwei Grundfarben Rot und Schwarz beherrscht.
3. Im _schwarzfigurigen Stil_ wurde das Gefäß mit jener tiefschwarzen
Farbe überdeckt und nur für das Bild eine Fläche ausgespart, innerhalb
deren der rote Tongrund sichtbar wurde. Auf diesen wurden die allgemeinen
Umrisse der _Figuren_ mit einem spitzen Instrument eingeritzt, dann
mittels des Pinsels _mit_ demselben _Schwarz ausgefüllt_ und die so
entstandenen Schattenbilder im einzelnen durch feine, mit scharfem Griffel
eingeritzte Linien näher ausgeführt. Hierauf wurde das ganze Gefäß mit
einem zarten Firnis überzogen, welcher dem Rot und Schwarz einen
metallischen Glanz verlieh, und nochmals gebrannt, wodurch sich die
schwarze Lackfarbe mit dem Ton aufs innigste verband. Endlich wird mit
Deckfarben, wie Weiß (auf nackten Körperteilen von Frauen) und Rotbraun,
dem Verständnis nachgeholfen. An die Stelle der in langen Reihen eintönig
wiederholten Darstellungen tritt das _Hauptbild_, welches eine Szene aus
den alten Heldenliedern, Göttersagen oder dem täglichen Leben darstellt;
das reine Ornament, wie Blätterkranz und Palmettenband, wird an den Fuß,
Hals, Henkel und Deckel verwiesen, wo dasselbe den Aufbau des Gefäßes zu
verdeutlichen hat. Dem Reichtum und der Schönheit dieser Ornamente
gegenüber fällt die Unbeholfenheit in der Zeichnung der Körper, die
Übertreibung der Muskeln und Bewegungen und die harte Gewandbehandlung
unangenehm auf. Und doch zeigt die frische Beobachtung des Lebens ein
jugendliches Streben, welches von der Zukunft Schönes hoffen läßt. Die
häufigste Gefäßform dieses Stiles ist die _Amphora_, eine besondere Art
der letzteren die _panathenäische Preisvase_ (vgl. § 53), welche die
Sieger in den Wettkämpfen am Feste der Panathenäen mit Öl gefüllt
erhielten. Das vordere Bild zeigt Athena mit Helm, Schild und Speer,
zwischen zwei Säulen schreitend, das rückwärtige stellt den betreffenden
Wettkampf dar.
4. _Der rotfigurige Stil_ zeigt die attische Vasenmalerei auf ihrem
Höhepunkt. Dieser Stil, dessen früheste Muster der Zeit um 500 v. Chr.
angehören, geht erst neben dem schwarzfigurigen her, um ihn hernach völlig
zu verdrängen. Wurden bisher Bildflächen, so werden jetzt _Figuren von der
roten Farbe des Tons_ aus dem das Gefäß deckenden Schwarz ausgespart;
dieser hellrote Grund bot den freiesten Spielraum für die Innenzeichnung
dar, welche nun aus strenger Schönheit zur freiesten Anmut sich entfaltet.
Nur vereinzelt und dann sehr maßvoll werden Weiß, Dunkelrot, Braun oder
auch Blattgold als Deckfarben benutzt; eine eigentümliche Behandlung
dagegen zeigen die Salbgefäßchen, bei welchen die ganze zu bemalende
Fläche mit weißem Kreidegrund überzogen ist. Das Lieblingskind des
rotfigurigen Stiles ist die Trinkschale, deren runde Formen dem Zeichner
ebenso schwierige als lohnende Aufgaben stellten.
Seitdem das Hellenentum durch die Züge Alexanders und seiner Nachfolger
engere Verbindung mit dem Orient gewonnen und sich so zum _Hellenismus_
erweitert hat, dringt der orientalische Geschmack auch in das griechische
Haus ein. Zwar bleiben die Formen der Geräte im allgemeinen dieselben,
aber das Material wird kostbarer, die Arbeit raffinierter. Tische,
Platten, Kästchen werden mit feinen Holzarten, wie Zeder, Ebenholz, Thuja,
sogar Schildpatt und Elfenbein bekleidet; der schlichte Ton der Gefäße
wird durch Glas, Bronze, Silber und Gold verdrängt, deren Glanz durch
Kristalle und Edelsteine gesteigert wird. Die hochentwickelte attische
Vasenmalerei geht um 100 v. Chr. zu Ende.
*§ 60. Die Kleidung*
_a) der Homerischen Zeit._
Zum Schutz gegen Nässe, Kälte und Hitze bietet die Natur dem Menschen das
_Fell langhaariger Tiere_ dar, welches auch in der späteren griechischen
Zeit noch Landleute, Jäger und Gebirgsbewohner tragen. An der langen,
zähen Pflanzenfaser erlernt der Mensch das Spinnen und Weben. Als die
Hellenen in ihre spätere Heimat zogen, verstanden sie schon die Wolle von
Schafen und Ziegen in Fäden zu spinnen und diese mittels eines Gestelles
zu einem Tuchstück zu weben, welches als Gewand umgelegt wurde. Den Namen
für dieses _wollene Umschlagtuch (Chlaina)_ haben die Hellenen mit
Italikern (_laena_) und Kelten (_lena_) gemein. Auf den ältesten
Vasenbildern erscheint die Chlaina entweder nur als ein schmaler Überwurf,
der hauptsächlich den Rücken bedeckt und mit seinen Zipfeln über die
Schultern nach vorne herunterhängt, so daß Brust und Unterleib unbedeckt
bleiben (s. S. 147, Fig. 1), oder sie hüllt den größten Teil des Körpers
ein. Unter der Chlaina wurde in der älteren Zeit von den Männern noch ein
_Lendenschurz_ getragen.
[Illustration: Chiton mit Chlaina. Peplos mit Überschlag und Gürtel.
Himation. (Sophokles-Statue im Lateran.) Klass. Frauentracht. (Kore
vom Erechtheion.)
Die Tracht der homerischen und der klassischen Zeit]
In Kleinasien erhielten Äolier und Ionier frühe von einem semitischen Volk
ein neues Gewand aus neuem Stoffe, welches an die Stelle des alten
Lendenschurzes trat: den langen, genähten, _linnenen Leibrock_ mit kurzen
Ärmeln, und mit der Sache den Namen: griech. _Chiton_ = chald. kittan.
Noch in später Zeit gilt der lange, schneeweiße Chiton als
feierlich-altertümliche Gewandung, welche darum von Götterbildern,
Priestern und Dichtern getragen wird. Der homerische Held schlüpft beim
Aufstehen in einen kürzeren Chiton, bindet sich Sandalen unter die Füße
und wirft die wollene Chlaina um. Von Kleinasien verbreitet sich der
Chiton über ganz Hellas und wird zum alltäglich getragenen Unterkleid,
das, wo Linnen fehlt, auch aus Wolle hergestellt wird.
So besitzt schon die homerische Männertracht die beiden Hauptarten von
Kleidungsstücken, welche das ganze griechische Altertum hindurch
gebräuchlich bleiben: das auf dem bloßen Leib getragene _Unterkleid_,
welches hemdartig angezogen wird (_ἔνδυμα_), den _Chiton_, und das
mantelartig umgelegte (_ἐπίβλημα, περίβλημα_) _Obergewand_, das bei Homer
_Chlaina_, später _Himation_ heißt.
Schon Homer spricht von „lockenumwallten Achäern“ (_κάρη κομόωντες
Ἀχαιοί_) im Gegensatz zu den künstlichen Frisuren der Barbaren. Noch
später galt in Hellas frei wallendes Haar für die schönste Zierde des
Edeln, wie z. B. die Behandlung von Haar und Bart an der elischen
Zeusmünze (s. S. 99, 4) zeigt. Erst durch Alexander den Großen kommt die
Mode auf, den Bart zu rasieren, welche sich bis in die Zeit Hadrians
erhält.
Haben die Männer rasch die fremde Mode angenommen, so bewahren die
_Frauen_ um so treuer die alte Wollentracht, am längsten unter allen die
Dorierinnen. Herodot sagt: „Hellenische Frauentracht war im Altertum
allgemein diejenige, welche wir nun die _dorische_ nennen.“ Als Hera sich
schmückt, um Zeus zu berücken, tut sie dies mit _einem_ Gewand, dem
_Peplos_, einem _großen Wollentuch_, in welches durch die ganze Breite
oder nur an den Säumen mittels farbigen Einschlags Reihen von linearen
Verzierungen, Pflanzen- und Tierbildern eingewoben sind. Dieses etwa
220 cm lange und 180 cm breite Tuch wird, nachdem ¼ der ganzen Länge nach
außen umgeschlagen worden, unterhalb der freizulassenden Arme so um die
Gestalt gelegt, daß die beiden Längsenden an der einen Körperseite hinab
zusammenstoßen, welche somit nur mangelhaft gedeckt ist. Darauf werden
Vorder- und Rückseite auf den Schultern durch Spangen (_περόναι_)
verbunden und das Gewand ohne den frei herabfallenden Umschlag unter der
Brust durch einen Gürtel zusammengefaßt, wobei der Überschuß der Länge
unter dem Gürtel (_ζώνη_) herausgezogen als Bausch (_κόλπος_) über diesen
herabfällt. Gegen Sonnenglut schützte ein schalartiges, linnenes
_Kopftuch_ (_κρήδεμνον_), welches das Gesicht freilassend vom Kopf auf die
Brust herabfiel.
Alle diese Gewandstücke wurden für gewöhnlich von der Frau mit ihren
Sklavinnen im eigenen Hause hergestellt. Dabei bediente man sich bei
gröberen, wollenen Gespinsten des alten auf zwei Pfosten ruhenden
_Webgestelles_, von welchem die Kette _senkrecht_ herabhing; für feinere,
linnene Gespinste dagegen bedurfte man des wohl aus Ägypten überkommenen
vierfüßigen Webstuhles mit _wagrecht_ liegender Kette. Beide Arten von
Webstühlen sind noch heute in Griechenland wie in Kleinasien im Gebrauch.
Doch kannte schon das Altertum die _fabrikmäßige Herstellung_; so waren
die Gewebe von Milet, Kos, Amorgos, Tarent wegen ihrer durchsichtigen
Feinheit, der glänzenden Pracht ihrer Farben (Purpur und Pflanzensäfte),
der Schönheit und des Reichtums ihrer bunten Muster hochgeschätzt und
weithin verbreitet.
Neben dem Glanz der weißen Arme und der Kunst des Haarflechtens hebt Homer
bei schönen Frauen und Mädchen insbesondere den Reichtum und die kostbare
Arbeit der Gürtel, goldenen Diademe, Ohrgehänge, Halsketten, Armbänder und
Spangen hervor.
Den reichen Prunk der ionischen Tracht vergegenwärtigt uns ein Dichter von
Samos, Asios, welcher den Putz seiner Landsleute also schildert: „In
schöne Gewänder gehüllt, die Locken wohlgeordnet, zogen sie hinaus zum
heiligen Bezirke der Hera; die schneeweißen Leibröcke fielen bis auf die
breite Erde herab; das gestrählte Haar in goldenen Fesseln wehte im Winde;
goldener Schmuck, Zikaden gleichend, hob sich im Haare auf dem Scheitel,
kunstvolle Armbänder umschlossen die Arme, und dazu trugen sie den
kriegerischen Schild.“
_b) Die Tracht der klassischen Zeit._
Vergebens suchten in vielen Städten, wie in Athen, Korinth, Lokri,
Syrakus, Kleiderordnungen gegen solchen _Luxus_ anzukämpfen. Dagegen
vollzog sich anfangs des 5. Jahrhunderts in ganz Hellas eine tiefgreifende
Wandlung der Lebensführung. Die siegreichen Kämpfe gegen die Großmächte
Persien und Karthago hatten das hellenische Selbstgefühl mächtig gehoben.
Die Zeit der prunkliebenden Herrschaft der Vornehmen und Reichen ging
rasch zu Ende; der emporkommende Mittelstand verhalf der Einfachheit,
Gleichheit und Freiheit zum Siege. Die überladene, feierlich steife Pracht
des Orients verschwand aus dem täglichen Leben und ward nur den
Götterbildern gelassen, denen das Reichste zukommen sollte, was die Erde
bot. Das vornehme, knapp anliegende, im 6. Jahrhundert streng symmetrisch
gefältelte _Linnengewand_, welches den Träger in eine prächtige, aber
steife Hülle zwang, _wich dem kurzen wollenen Chiton_, der nun allgemein
gebräuchlich wurde. Ihr eigenartiges Gepräge aber erhielt die Tracht der
klassischen Zeit durch das _Obergewand_, dessen freier Umwurf und
natürlich-großes Faltenspiel die Persönlichkeit lebhaft hervortreten ließ.
„Machten bisher die Kleider die Leute, so machen jetzt die Leute die
Kleider.“ Die Tracht wird hellenisch. Das Obergewand, für welches der Name
_Himation_ üblich wird, ein länglich viereckiges Wollentuch, wird nicht
mehr bloß umgehängt, sondern ganz umgelegt: von der linken Schulter wird
es über den Rücken nach der rechten Seite gezogen entweder unter der
rechten Achsel hindurch, so daß der rechte Arm freibleibt, oder über die
rechte Schulter und den rechten Arm hinweg, so daß höchstens die rechte
Hand herausschaut. Der Rest des Tuches wird über die linke Schulter
geworfen. Hierbei wird auf die Erzielung eines schönen Faltenwurfs Wert
gelegt. In vollendeter Weise ist dies erreicht bei der herrlichen
Porträtstatue des Sophokles im Lateran (s. S. 147, Fig. 3). Handwerker,
Landleute und Schiffer tragen nur _ein_ Wollgewand, das, auf der linken
Schulter zusammengeheftet, die rechte Schulter und die Arme zu
ungehinderter Bewegung frei läßt, die _Exomis_ (_ἐξωμίς_). Außerdem kam
als Tracht der Reiter, die später vorzugsweise von den Epheben und auf
Reisen getragen wurde, die _Chlamys_ (_χλαμύς_) auf, ein oval
zugeschnittenes Wollenstück, welches auf der rechten Schulter oder vorn am
Halse mit einer Spange befestigt und, ähnlich wie die Chlaina der ältesten
Zeit (s. Fig. 1), so über den Rücken geworfen wurde, daß die langen Enden
von beiden Schultern nach vorne herabhingen. – Zu Hause trug man
gewöhnlich nur den Chiton (_γυμνός_); beim Ausgehen legte man das Himation
darüber.
Auch jetzt hielt die _Frauentracht_ zäher am Überkommenen fest. Zwar hatte
der _Linnenchiton_ längst Eingang gefunden – zuerst bei den Ionierinnen –,
aber wie ihn die Frauen später als die Männer angenommen hatten, so
behielten sie ihn nun auch, _neben dem_ aufkommenden _Wollenchiton_,
länger bei und trugen ihn auf verschiedene Art, gewöhnlich mit Bausch und
Überhang (wie bei dem homerischen Peplos). Ein schönes Beispiel dieser
edlen Frauentracht bietet die S. 147 Fig. 4 abgebildete Karyatide vom
Erechtheion (vgl. auch § 70). Dazu kommt noch ein großes _Umschlagtuch_
(_ἐπίπλημα, ἀμπεχόνιον_), das beim Ausgehen, ähnlich wie das
Männerhimation, umgelegt wird. Über weitere Kleidungsstücke der Damen sind
wir nur mangelhaft unterrichtet. Bei der weiblichen wie männlichen Tracht
erzeugte die wechselnde Mode eine reiche Mannigfaltigkeit des Schnitts wie
der Art des Tragens.
Während die _Farbe_ des Wollstoffs wie der Leinwand bei der Männerkleidung
gewöhnlich weiß und nur an den Festen bunt war, dunkle Farben aber nur von
den niederen Volksklassen und in der Trauer getragen wurden, erhielt sich
bei den Frauen die Vorliebe für reich gemusterte, bunte, besonders
safrangelbe Stoffe mit gestickten Säumen und Besatzstreifen, sowie für
reichen Goldschmuck im Haare, an Ohren, Hals und Armen.
Eine _Kopfbedeckung_ hatten die Griechen für gewöhnlich nicht; auf Reisen
trug man (wie der Götterbote Hermes) den breitkrempigen _Reisehut_
(_πέτασος_); Schiffer, Handwerker und Landleute (vgl. Odysseus, Charon,
Hephäst) trugen eine feßartige _Filz-_ oder _Ledermütze_ (_πῖλος_). Neben
den _Sandalen_, deren kunstvolles Riemenwerk wir am Fuße des Hermes zu
Olympia bewundern, finden wir den roten _Schnabelschuh_, die Fußbekleidung
der albanesischen Landbevölkerung im heutigen Hellas, und hohe _Stiefel_.
*§ 61. Die Familie.*
Bei Homer wird die Braut (_νύμφη_) durch reiche Geschenke (_ἔεδνα_) ihrem
Vater abgekauft; in Sparta entführte der Jüngling seine Erwählte (nach
vorausgegangener Verlobung) bei Nacht und brachte sie in seine Wohnung, um
hier mit derselben einige Zeit in verborgener Ehe zu leben. Beiderlei
Sitte, Brautkauf wie Brautraub, weist auf die ältesten Zeiten zurück. In
späterer Zeit wird in Athen die Heirat zumeist von den Eltern vermittelt;
die Väter schließen auch den _Heiratsvertrag_ (_ἐγγύησις_) ab, wobei die
Frage der Mitgift (_προίξ_) geschäftsmäßig behandelt wird. Am
_Hochzeitstage_ nehmen Bräutigam und Braut jedes in seiner Wohnung ein
Bad, wozu das Wasser aus einer besonders heiligen Quelle geschöpft wird,
und die Braut weiht eine Locke, sowie Gürtel und Spielzeug einer Göttin.
Der Bräutigam kommt mit seinen Eltern, Verwandten und Freunden ins Haus
der Braut, wo den Ehegöttern ein Opfer mit festlichem Schmaus dargebracht
wird. Nach Sonnenuntergang wird die noch immer tiefverschleierte Braut
unter Fackelschein und Absingung von Hochzeitsliedern (Hymenäen) zu Wagen,
zwischen dem Bräutigam (_νυμφίος_) und dem Brautführer (_παράνυμφος_)
sitzend, in das Haus des Bräutigams geführt. Dem Wagen folgt ihre Mutter
mit einer Fackel, womit sie am neuen Familienherd eine Flamme entzündet.
Am Hause des Bräutigams wird die Braut von dessen Mutter empfangen und,
nachdem sie eine Quitte, das Symbol des Kindersegens, verzehrt hat, zum
Brautgemach (_θάλαμος_) geleitet. Vor diesem stimmt der Chor der
Jungfrauen und Jünglinge unter Leierspiel und Tanz frohe Lieder
(Epithalamien) an. Am Morgen des nächsten Tages erhalten die Neuvermählten
reiche Geschenke von den Verwandten und die junge Frau wird in die
Phratrie des Mannes eingeführt.
Dem Odysseus, der sich nach Heimkehr sehnt, rät Nausikaa:
„Schnell durchwandle des Königes Saal, auf daß du der Mutter
Thronsitz erreichest; sie sitzt am Herde im Glanze des Feuers
Neben dem Throne des Vaters; – du fasse die Kniee der Mutter;
Denn wofern nur jene dir hold im Herzen gesinnt ist,
Hoffnung blüht dir alsdann, die Freunde und Heimat zu schauen.“
Hier spricht sich die altgriechische Sitte, _die Frau_ des Hauses hoch zu
ehren, aus, eine Sitte, welche sich in Sparta am längsten erhalten hat,
während zuerst in Ionien der orientalische Brauch Eingang fand, die Frau
in ein besonderes Gemach (_γυναικωνῖτις_) zu sperren, wo sie als erste
Sklavin die Aufsicht über Spinnen und Weben führt. Insbesondere aber wurde
das Familienleben dadurch geschädigt, daß der Mann in Athen fast den
ganzen Tag außerhalb des Hauses verbrachte, während die Frau, den
Interessen des Mannes gänzlich entzogen, auch an Bildung weit hinter
demselben zurückblieb. Mit dem Niedergang des politischen Lebens in
hellenistischer Zeit erstarkte das häusliche Leben von neuem. Das
weibliche Geschlecht gewinnt höhere Achtung; Plato verlangt sorgfältigere
Erziehung und tiefere Bildung für die Mädchen, und in vielen Städten
werden Mädchenschulen eingerichtet.
Reicher _Kindersegen_ galt als höchstes Glück und kräftigste Stütze des
Alters (vgl. Il. 17, 301):
„Also denn sank er dahin, und nimmer lohnt er den Eltern
Sorgliche Pflege der Kindheit.“
Mangel an männlicher Nachkommenschaft wurde schon deshalb schmerzlich
empfunden, weil dadurch die Erhaltung des Ahnenkults der Familie gefährdet
wurde; es wurde daher in diesem Fall meist ein Knabe aus fremder Familie
an Kindes Statt angenommen.
Die Amme trägt das neugeborene Kind alsbald um den Herd, um es unter den
Schutz der Hausgötter zu stellen; am zehnten Tag wird ein Geburtsopfer mit
Familienschmaus gefeiert, wobei das Kind seinen Namen erhält, ein Knabe
meist den des Großvaters von väterlicher Seite. (Vgl. Enkel – _enikel_,
kleiner Großvater.)
*§ 62. Erziehung und Unterricht.*
Das Endziel hellenischer Jugenderziehung spricht der greise Phönix,
Achills Lehrer, aus:
„Darum sandte er mich, um getreu dich zu lehren das alles,
Daß du als Mann seist fertig im Raten und rüstig in Taten.“
Die schöne Kunst des spielenden Lernens war noch nicht erfunden; die
Erziehung baute auf den Grundsatz:
„Jegliche Tugend des Mannes, dem Schweiße nur ist sie erreichbar.“
Nachdem die Zeit der Kinderspiele vorüber war, wurde der Knabe dem
_Elementarlehrer_ (_γραμματιστής_) übergeben, bei welchem er Lesen und
Schreiben lernte. Doch nicht auf bequemen Schulbänken, sondern auf
gebogenem Knie, wie der Türke noch heute schreibt, zeichneten die Kleinen
ihre Buchstaben mit dem Griffel auf die wachsüberzogene Holztafel. Dazu
wurde Homer, Hesiod und Theognis gelesen, von welchen große Stücke
auswendig gelernt wurden, und das einfache Rechnen geübt. Beim
_Musiklehrer_ (_κιθαριστής_) lernte der Knabe Gesang, Flöten- und
Saitenspiel, wovon die Griechen hohen Gewinn für die Entwicklung des
Gemütslebens erwarteten. Indem der Junge hier die Lieder der alten Lyriker
singen und spielen lernte, wurde er in die Gesetze der Metrik, Rhythmik
und Prosodie (Aussprache) eingeführt. Im Laufe des 5. Jahrhunderts treten
hierzu die neuen Lehrfächer Zeichnen und Geometrie. Von der niederen
Elementarschule sondert sich der Unterricht beim _Literaturlehrer_
(_γραμματικός_) ab, welcher den Vortrag und die Erklärung der reichen
Literaturwerke umfaßt. Als Hilfsbücher für diesen Unterricht werden
Chrestomathien, Anthologien, mythologische Handbücher, chronologische
Tabellen und Wörterbücher bearbeitet. Mit der Schulung des Geistes hielt
die Bildung des Leibes gleichen Schritt. Den größten Teil des Tages
verbrachte der Junge in der _Ringschule_, Palästra, wo er unter Leitung
eines Turnlehrers (_παιδοτρίβης_) die einfachen gymnastischen Übungen –
Sprung, Lauf, Diskoswerfen, Speerschießen und Ringen (vgl. § 68) –
pflegte.
War aller Unterricht bis auf die Zeit Alexanders des Großen Privatsache
gewesen, so übernahm fortab der Staat die Sorge für das Unterrichtswesen
durch Anstellung besoldeter Lehrer. Wie wir zufällig durch eine Inschrift
erfahren, hatte die ionische Stadt _Teos_ eine Schulstiftung von 34 000
Drachmen. Die Schule, welche für Knaben und Mädchen bestimmt war, hatte
zwei Vorstände (_γυμνασίαρχος_ und _παιδονόμος_), drei Elementarlehrer
(_γραμματοδιδάσκαλοι_) mit 600, 550, 500 Drachmen Gehalt, entsprechend der
Abstufung der Klassen, zwei Turnlehrer, einen Musiklehrer, einen Lehrer
für Fechten, und einen für Speerwerfen und Bogenschießen. Am Ende des
Jahres fanden öffentliche Prüfungen (_ἀποδείξεις_) statt.
Seit 400 v. Chr. entwickelt sich, vom Schulunterricht völlig gesondert,
ein _höherer Unterricht_ für Jünglinge. Lehrer der Weisheit und Redekunst,
_Sophisten_ und _Rhetoren_, kamen aus Kleinasien und Sizilien nach Athen,
um durch ein prunkvolles Auftreten und das Versprechen, die wahre Bildung
und Mannestugend zu lehren, rasch alle vornehme Jugend an sich zu ziehen.
In Gymnasien, heiligen Hainen, wie Akademie, Lykeion, Kynosarges, hielten
sie ihre Vorträge und Redeübungen, wofür sie von ihren Schülern zum Teil
außerordentlich hohe Honorare verlangten. Aus diesen erst vorübergehenden
und unregelmäßigen Lehrvorträgen erwächst ein ständiger Unterricht; Redner
und Philosophen gründen unter fortwährender gegenseitiger Eifersucht
eigene Schulen, welche sich oft nach des Meisters Tod in neue Zweigschulen
spalten. Das Wort des Perikles, welcher Athen die Bildungsschule von
Hellas nannte, erhielt noch eine umfassendere Bedeutung: zur Zeit Ciceros
war Athen längst die _Hochschule der alten Welt_.
*§ 63. Bestattung und Grab.*
Die _Gräber_, welche sich in Griechenland aus _vorgriechischer Zeit_
erhalten haben, sind entweder mit Erde bedeckte _Kuppelgewölbe_, wie _vor_
der Burg von Mykenä (vgl. § 69 g. E.), bei Menidi in Attika und in
Orchomenos, oder _Felsengräber_ mit senkrechtem oder wagrechtem Schachte,
wie _auf_ der Burg von Mykenä und bei Sparta. In diesen Gräbern fanden
sich vollständige Skelette; erhaltene Fleischstücke unter den goldenen
Gesichtsmasken lassen auf Einbalsamierung der Leichen (mit Honig?)
schließen; neben den Toten lagen Waffen, Schmuckgegenstände und
Hausgeräte.
Wenn in den _Homerischen Gedichten_ manches an jene alte Bestattungsweise
erinnert, wie z. B. Thetis dem toten Patroklos Nektar und Ambrosia in die
Nase träufelt, so erkennen wir andererseits aus denselben, daß bei den
Ioniern und Äolern Kleinasiens die asiatische Sitte der Totenverbrennung
die herrschende geworden ist. Es ist eine der auffälligsten Erscheinungen
der Sittengeschichte, daß in der klassischen Zeit Athens zwei sich schroff
gegenüberstehende Gebräuche der Totenbestattung, Verbrennung im Feuer und
Bestattung zur Erde, nebeneinander in Übung waren.
Bestattung der Toten ist heilige Pflicht der Anverwandten, welche zum
mindesten in symbolischer Weise durch Bestreuen des Leichnams mit Staub
erfüllt werden muß (Antigone). Konnte eine Leiche nicht aufgefunden
werden, so wurde für dieselbe ein Leergrab (_κενοτάφιον_) erstellt.
Nachdem die Leiche von den Frauen des Hauses gewaschen, gesalbt, in
linnene Tücher gewickelt, und ihr ein Obol als Fährgeld für Charon in den
Mund gelegt worden war, wurde sie auf einem Ruhebette in der Wohnung einen
Tag lang ausgestellt (_πρόθεσις_). Vor das Haus wurde ein Wassergefäß
(_ἀρδάνιον_) voll reinen, aus einem anderen Hause geholten Wassers
gestellt, mit dem sich die durch Annäherung an den Leichnam im religiösen
Sinn befleckten Personen beim Verlassen des Hauses besprengten. Darauf
begann die mehrfach wiederholte Totenklage, welche auf griechischen Inseln
heute wie vor 2000 Jahren im Brauche ist. Rings um den Leichnam singen
Frauen das eintönige Klagelied, indem sie ihr Haar zerraufen und taktmäßig
an Kopf und Brüste schlagen. Vor Sonnenaufgang wurde der Leichnam offen,
wie noch heute in Athen, unter Musik und großer Begleitung vor ein
Stadttor hinausgetragen (_ἐκφορά_) und hier entweder zur Erde begraben
oder auf einem Holzstoß verbrannt. Waren die letzten Gluten des Feuers mit
Wein gelöscht, so wurden die Gebeine sorgfältig in eine Urne gesammelt und
beigesetzt.
Der aufgeschüttete Grabhügel (_τύμβος_) wird mit Eppich, Blumen und
Bändern, bei Vermöglichen mit einer Grabsäule (_στήλη_, oft mit Palmette
oder Sirene) geschmückt und von den Angehörigen hernach oft besucht.
Alljährlich wird dem Toten an seinem Geburtstage ein feierliches Opfer
dargebracht (_τὰ γενέσια_). Ein allgemeiner Totenfeiertag war der 30. des
Monats; das Hauptfest aller Seelen aber wurde in Athen an den Anthesterien
(s. § 53) begangen.
In den letzten vorchristlichen Jahrhunderten vollzieht sich unter dem
Einfluß der Philosophie und der eleusinischen Mysterien eine mächtige
Wandlung des Volksglaubens. Will Achill lieber der Niedrigste unter der
Sonne, als der Herrscher der Unterwelt sein, so bricht nun die Hoffnung
auf ein besseres Leben nach dem Tode siegreich durch. Betrachten wir die
schönen Grabreliefs auf dem Friedhof des alten Athen beim Dipylon, auf
welchen der Verstorbene von den Liebsten Abschied nimmt, so möchten wir
glauben, der bittere Trennungsschmerz sei durch eine schönere Hoffnung
verklärt.