schwenkten linksab nach Neckarsteinach, der eine voll hoher Genugtuung
über das Erreichte, der andere voll freudiger Hoffnung auf kommende
Zeit. Engelhard zog mit Sidonien und Richilden nach Zwingenberg,
und Hans und Juliane ritten nach ihrem stolzen Schlosse, der
talüberschauenden, waldumrauschten Minneburg.
In tiefer Dämmerung langten sie dort an. Oben im Palasgemach traten sie
in den Erker, und Hans umschlang sein Weib und sprach: »Geliebte meiner
Jugend, endlich bist du mein!«
»Juliane Landschad von Steinach!« jubelte sie und warf sich
freudebebend an ihres Gatten Brust.
»Hans,« sprach sie dann, »ich will kein Geheimnis vor dir haben. Weißt
du, was uns zusammengeführt hat? -- das Recht der Hagestolze.«
»Kommst du wieder mit diesem stachligen Rätselwort!« rief er lachend.
»Willst du mir nicht endlich sagen, was dahinter steckt?«
»Ja, Liebster! jetzt aus meinem Munde sollst du alles erfahren,«
erwiderte sie. »Komm, setze dich, wo du schon manchmal gesessen hast.«
Und nun erklärte sie ihm den Wortlaut und die Bedeutung dieses
seltsamen Rechtes, erzählte ihm von dem Plane, den daraufhin seine
Brüder und Freunde gegen sie beide geschmiedet hätten, und wie sie nach
erhaltener Kunde davon ihn im Verdacht der Mitschuld gehabt und gehaßt
hätte, -- »gehaßt,« lächelte sie, »ach! und zugleich so grenzenlos
geliebt, wie ich es mir selber nicht eingestehen mochte!«
Hans hatte sie mit steigender Verwunderung angehört. Nun sprach er
grollend: »Ein Meisterstreich von Keckheit und Hinterlist meiner Brüder
und Freunde! Wehe ihnen, hätt' ich davon Wind bekommen!«
»Nein, Hans!« erwiderte sie, »wir sind ihnen Dank schuldig. Ohne
Bliggers kühnen Griff in unser Schicksal wärst du vielleicht nie wieder
durch das Tor der Minneburg geritten.«
»Juliane!« rief er, »hätt' ich dich nicht geliebt, -- mit ihrem
Recht der Hagestolze hätten sie mich nun und nimmermehr zum Heiraten
gebracht!«
Liebeglühend sanken sie sich in die Arme, und vom dunkelnden Himmel
herab leuchteten dem seligen Paare glückverheißende Sterne.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Auf dem Buchcover wurde der Titel aus der Titelseite ergänzt, das
bearbeitete Cover steht unter der Public-Domain-Lizenz.
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die Abbildungen
wurden dem zugehörigen Absatz zugeordnet und die Seitenreferenzen
entfernt.
Korrekturen:
S. 24: den → dem
hatte nur {dem} Namen nach, aber nicht
S. 146: mußt → muß
so {muß} ich dir wohl oder übel mehr vertrauen
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