Bald saßen etwa ein Dutzend Herren in dem gewölbten, sauber und
behaglich hergerichteten Kellerraum des Rathhauses um die klobigen
Tische und labten sich aus den stattlichen Pokalen, die der wohlweise
Rath der Stadt für solche feierlichen Gelegenheiten nach und nach
angeschafft hatte, ein Jeder an dem Weine, der ihm am besten mundete.
Zunächst drehte sich die Unterhaltung um die mitangehörten und
gesehenen Aufführungen, die meist belobt wurden, vor allen der
entzückende Tanz der Zigeunerin, die mit ihrer reizvollen Erscheinung
auch vor den Augen der ritterlichen Herren Gnade gefunden hatte.
Auch des Gesanges Seppele's von Ottrott wurde rühmend gedacht, und
Burkhard sagte: »Das ist ein wahrer Teufelskerl mit Singen und steckt
außerdem voller Schnurren und Schwänke. Hätte der Mensch nur nicht die
vermaledeite lose Zunge, die ihm so oft Händel auf den Hals zieht! Beim
Pfeifergericht ist schon wieder eine Klage gegen ihn eingelaufen, und
ich will nur wünschen, daß die Sache einen leidlich guten Ausgang für
ihn nimmt, denn ich kann den Seppele nicht entbehren und lasse mir
gern etwas von ihm vorsingen, wenn ich gerade bei Laune bin.«
»Was wohl nicht allzu häufig vorkommt,« warf Jost von Müllenheim ein,
daß Alle lachten.
»Dann verhilft er mir mit seinen Späßen dazu,« erwiederte Burkhard.
»Er ist nämlich unser Ofenheizer und Kaminfeger, aber im Sommer lasse
ich ihm die Freiheit, mit seiner Laute in den Dörfern und Schenken
herumzuziehen, denn ich halte große Stücke auf den lustigen Schelm.«
»Ein angenehmer Posten, im Sommer Strichvogel durch die Schenken,
im Winter gut gepflegter Hofnarr,« meinte Rudolf von Andlau am
Nebentische. »Sage mal, Du Häuptling aller Kesselflicker, ist der
Farkas nicht auch Dein Unterthan?«
»Zur Hälfte,« entgegnete Burkhard, »denn er gehört sowohl zur Pfeifer-
wie zur Kesslerbruderschaft, und wenn mir Schmasman seine Hälfte
abtreten und der Zigeuner mit seiner herzenfängerischen Fiedel zu mir
ziehen wollte, so hätte ich nichts dagegen.«
»Und mit seiner herzenfängerischen Tochter! nicht wahr? ja, das glauben
wir Dir altem Sünder,« riefen sie ihm rechts und links zu.
»Schandmäuler seid ihr,« lachte Burkhard und leerte seinen noch halb
gefüllten großen Pokal mit einem Zuge.
Nun kamen die Herren auf den Gegenstand zu sprechen, den sie
nie erschöpfend genug behandeln konnten, auf den Werth und die
Eigenschaften ihrer und aller ihnen im weitesten Umkreis bekannten
Pferde. Wilhelm von Rappoltstein wandte sich mit der Bemerkung an den
Grafen Oswald: »Ihr habt Euch, wie ich heute gesehen, tüchtige Gäule
mit hergebracht, ihr Herren von Thierstein.«
»Ich habe mit Absicht etwas schwere genommen,« erwiederte Oswald, »denn
eure Reitwege hier sind nicht die besten.«
»Laßt sie ausbessern, wenn sie Euch nicht gefallen,« knurrte Burkhard.
»Die feingeschenkelten Zelter, auf denen Eure Damen so sicher und
anmuthig in den Sätteln saßen, hatten den rechten Feldschritt und gute
Folge auf der Hinterhand,« sagte Kaspar von Rappoltstein.
»Freut mich, daß Ihr das beachtet habt, Herr Graf!« lächelte Oswald
geschmeichelt. »Unsere Frauen verstehen sich darauf und haben sich
ihre Pferde selber beim Roßkamm ausgewählt. Die Stute meiner Tochter
ist ein ausdauernder Renner, wird aber hier in den Bergen leider wenig
Gelegenheit haben, das zu zeigen.«
»Dann hättet Ihr doch im Flachland bleiben sollen, um sie austraben zu
lassen,« warf Burkhard wieder dazwischen.
»Ich sprach nicht zu Euch, Herr von Rathsamhausen,« wies ihn Oswald
zurecht.
»Aber ich mußte schon zum zweiten Male hören, daß es Euch hier auf
unseren Wegen und in unseren Bergen wenig zu behagen scheint.«
»Wenn Einem nur die Gesellschaft behagt, die man in diesen Bergen
findet,« gab ihm Oswald anzüglich zurück.
»Das muß freilich auf Gegenseitigkeit beruhen, was leider nicht immer
zutrifft, Herr Landvogt!« höhnte Burkhard.
»Damit habt Ihr Recht, Herr!« lachte Oswald gezwungen.
Um das unerquickliche Zwiegespräch abzubrechen nahm Schmasman das Wort,
es an Oswald richtend: »Darf ich fragen, Herr Graf, was Ihr mit Eurem
Hof in Straßburg zu thun gedenkt? Wollt Ihr das Lehen dem Bischof
zurückerstatten? oder wollt Ihr den Hof in Afterlehen geben?«
»Vorläufig gedenken wir ihn selber zu behalten,« erwiederte Graf
Oswald, »für den Fall, daß es uns wünschenswerth erscheinen sollte,
noch einen Wohnsitz in Straßburg zu haben.«
»Sehr fürsorglich gedacht! denn ein solcher Fall könnte unvermuthet
eintreten,« murmelte Burkhard, was aber Oswald nicht verstand oder
nicht verstehen wollte, denn er fuhr ruhig fort: »Auf der Hohkönigsburg
schneit man gewiß leicht ein und kann dann den ganzen Winter nicht
herunter.«
»Herunter schon, aber ob dann wieder hinauf --?« kam es von Burkhard.
Graf Wilhelm von Rappoltstein winkte ihm Schweigen zu.
»Was willst Du, Wilhelm?« fuhr Burkhard auf. »Soll man hier nicht mehr
seine Meinung sagen dürfen? Warte nur! über ein Kleines werde ich sie
noch deutlicher aussprechen, und Niemand soll mich daran hindern.« Und
er stieß den wieder geleerten Becher hart auf den Tisch.
»Wir bleiben Alle im Winter auf unseren Burgen,« sagte Rudolf von
Andlau.
»Das mögt Ihr halten, wie Ihr wollt, Herr von Andlau,« sprach Oswald
hochmüthig. »Ihr seid hier wohl daran gewöhnt, einsam zu hausen wie der
Dachs in seinem Bau; ich füge mich keinem Zwange.«
»Na, na!« machte Burkhard.
Die beständigen Einreden ihres hitzigen Ottrotter Freundes auf Alles,
was Oswald vorbrachte, fingen an, den übrigen Herren bedenklich zu
werden, wenn sie auch dem Thiersteiner für sein anmaßliches Auftreten
an der Kapelle so ein paar kleine, gelegentliche Seitenhiebe gönnten;
aber Burkhard ging etwas scharf damit vor. Er war ein trinkfester
Mann, der Wein konnte ihm unmöglich schon zu Kopfe gestiegen sein. Was
bezweckte er denn mit seinen Sticheleien? Prickelte ihn nur das Gelüst,
sich an dem Grafen zu reiben und ihm klar zu machen, daß man nicht
gesonnen sei, sich von ihm einschüchtern und beherrschen zu lassen?
Oder suchte er absichtlich und ernstlich Händel mit ihm und wollte
ihn mit seinen Angriffen herausfordern? Die dem Störenfried zunächst
Sitzenden bemühten sich, ihn von diesem Höhnen und Hetzen abzubringen
und seine Aufmerksamkeit durch Fragen und Gespräche auf andere Dinge
zu lenken; aber er hörte und horchte mehr auf das, was Oswald sagte,
und ließ nicht ab, dazu seine spöttischen und bissigen Glossen zu
machen.
Schlimmer wurde die Sache noch, als Graf Oswald auf eine Bemerkung
Fleckensteins, welche die Herren an Burkhards Tische nicht verstanden
hatten, hochfahrend antwortete: »Das fehlte mir noch! nein, das muß
anders werden, dafür laß _mich_ sorgen, Friedrich! es muß überhaupt
hier Manches anders werden, es haben sich hier allerhand lächerliche
Gewohnheiten und Mißbräuche eingeschlichen, die ich nicht länger dulden
werde.«
Da rief ihm Burkhard trotzig zu: »Was wollt Ihr nicht dulden,
groß--mächtiger Herr Landvogt? Bei Änderungen landesüblicher Sitten
und Bräuche werden wir wohl auch noch ein Wörtlein mitzureden haben.
Was sagte doch heute der Prior in seiner Predigt, die ja für Euch ganz
besonders erbaulich und belehrend gewesen sein muß? Er ermahnte zu
Duldsamkeit, Bescheidenheit und Demuth, Keiner solle sich vornehmer
dünken und überheben, Keiner sich vordrängen und einem Andern den ihm
gebührenden Platz streitig machen. Habt Ihr das schon wieder vergessen?«
Graf Oswald, der seinen Grimm kaum bezwingen konnte, entgegnete darauf:
»Herr von Rathsamhausen, mir ist erzählt worden, der Kaiser, der einen
Ahnherrn von Euch einst mit Schloß Lützelburg belehnte und ihn damit
aus Schulden und Dürftigkeit herausriß, hätte ihm dabei gesagt, er
möge nun auf diesem Lehen recht rathsam hausen. Danach führt Ihr Euren
Namen, macht ihm aber geringe Ehre, wenn Ihr mit Euren Worten so wenig
rathsam haushaltet.«
»Was? wollt Ihr mir den Mund verbieten?« brauste Burkhard auf. Aber
in diesem Augenblicke flüsterte ihm ein Aufwärter etwas ins Ohr.
»Endlich!« sagte er, stand auf und ging mit einem schadenfrohen
Grinsen, das nichts Gutes weissagte, hinaus.
Ein beklommenes Schweigen trat ein; man hörte im ganzen Kreise nichts,
als daß dieser und jener der Herren von seinem Weine trank, den Pokal
mit leisem Klirren niedersetzte und sich aus seiner Kanne wieder
einschenkte. Daß sich Burkhard wegbegeben hätte, um seinem Gegner das
Feld zu räumen, glaubte keiner von ihnen.
Sie sollten nicht lange zu warten haben, bis es sich aufklärte, wozu
er herausgerufen war. Bald kam er zurück, mit einer höchst seltsamen
Kopfbedeckung ausstaffiert, die ihm, ohne Zweifel auf seinen im Voraus
ertheilten Befehl, soeben überbracht sein mußte, denn er pflegte sie
zuweilen zu fröhlichen Gelagen von Hause mitzunehmen. Es war ein
ziemlich hoher Filzhut, der ringsum mit Eulenfedern besetzt war und
vorn das natürliche Gesicht einer Eule mit Schnabel und Augen zeigte.
Er wurde deßhalb auch »die Eule« genannt und war ein altes Erbstück und
Familienheiligthum des Rathsamhausen'schen Geschlechts. Die wenigen
Anwesenden, denen das Ding noch neu war, blickten verwundert dazu auf
und konnten nicht errathen, was die Mummerei bedeuten sollte; den
Anderen aber, die wußten, welche Bewandtniß es damit hatte, ward schwül
zu Muthe.
Burkhard hatte, während er sich wieder auf seinen Platz begab,
immer noch das hinterhaltige Lächeln auf den Lippen, mit dem er
hinausgegangen war. Schmasman bat ihn mit besorgter Miene: »Burkhard,
thu mir den Gefallen und nimm den Filz von Deinem Haupte; die Eule
starrt mich mit ihren funkelnden Glasaugen gar zu rauflustig an.«
»Ist ganz zahm, Bruder!« lachte der so abenteuerlich Bedeckte boshaft;
»nur aufgeblasene, aufgeplusterte Spatzen zaust und rupft sie gern.«
Die Eingeweihten, die mit Sicherheit voraussahen, was nun kommen würde,
machten keinen Versuch, den Eigensinnigen von seinem geplanten Vorhaben
zurückzuhalten; wenn dies Schmasman nicht vermochte, so fand ihr
Widerspruch dagegen vollends kein Gehör.
Burkhard wandte sich nun, den Blick fest auf Oswald gerichtet, an
die Gesellschaft und begann: »Dieser uralte Federhut, ihr Herren,
besitzt Zauberkraft und verleiht mir, wenn ich ihn auf dem Kopfe
trage, die unschätzbare Gabe, die Wahrheit, die volle, untrügliche,
unwiderlegliche Wahrheit zu sagen, aber auch die Wahrheit zu hören, sie
durch alle Verhüllungen, Entstellungen und Lügen hindurch zu erkennen.
Also, Herr Graf Oswald von Thierstein, Ihr sprachet vorhin von
angeblichen lächerlichen Gewohnheiten und Mißbräuchen hier zu Lande,
die Ihr abstellen wolltet. Da will ich Euch denn in Wahrheit verkünden,
daß es Euch nun und nimmer gelingen soll, an den althergebrachten,
tief eingewurzelten Sitten und Bräuchen unseres Volkes auch nur
zu rütteln, geschweige denn sie zu verdrängen und abzuschaffen.
Bei jedem Schritt auf diesem gefährlichen Wege werdet Ihr mich und
alle die vielen mit mir Gleichdenkenden als unüberwindliche Gegner
antreffen. Und solltet Ihr es wagen, unsere ritterlichen Standesrechte,
Vollmachten, Freiheiten und Privilegien anzutasten, so werdet Ihr Euch
jämmerlich die Finger dabei verbrennen. Wenn Ihr dazu ins Land gekommen
seid, so habt Ihr Euch in einen thörichten und verhängnißvollen Irrthum
verrannt, aus dem Euch der gesammte eingeborene Adel in einer Weise
heimleuchten wird, daß Ihr nicht lange mehr durch das Löwenthor dort
oben aus- und eingehen werdet.«
Graf Oswald erhob sich und sprach mit zornbebender Stimme: »Nach dem,
was ich soeben aus Eurem dreisten Munde gehört habe, möchte ich an
die Wunderkraft der alten Vogelscheuche, die Ihr Euch närrischerweise
auf Euren Querkopf gestülpt habt, beinahe glauben, denn Ihr habt
die Wahrheit ganz unverschleiert ans Licht gebracht, d. h. Ihr habt
mir Eure geheimsten Gedanken verrathen. Ich bin Euch hier ein Dorn
im Auge und ein Pfahl im Fleische; Ihr möchtet mich gern so bald
wie möglich wieder lossein, um nach wie vor, unbehindert von einem
über Euch gesetzten Wächter der Ordnung, in schrankenloser Willkür
schalten und walten zu können. Nun spitzet unter dem Eulenpopanz die
Ohren für meine Erklärung! Ich bin als kaiserlicher Landvogt mit
kaiserlicher Vollmacht hierhergekommen, um jedem Unwesen zu steuern,
allen Übergriffen mit Strenge zu begegnen und Euren unbotmäßigen Trotz
zu biegen oder zu brechen. Das will ich und werde Euch beweisen, daß
ich es kann. Ich habe mir die Hohkönigsburg stark und fest genug
aufgebaut, --«
»Mit Straßburger Gelde!« rief Burkhard höhnend dazwischen.
»-- um in Sicherheit und Ruhe abwarten zu können, ob Ihr Euch meinen
Anordnungen fügen werdet oder nicht, und werde danach meine Maßregeln
gegen Euch treffen. Ich sehe wohl, daß Ihr Alle unter einer Decke
steckt, um das Joch abzuschütteln, das Ihr zu tragen noch nicht gewöhnt
seid, das Ihr aber zu tragen bald genug lernen werdet.«
»Da haben wir's! Ihr sagt es selbst,« frohlockte Burkhard. »So hat
meine Eule die Wahrheit und auch Eure innersten Meinungen und Absichten
aus Euch herausgeholt. Unsere Deckung aber,« fuhr er in drohendem Tone
fort, »sind unsere verbrieften Rechte und, wenn's sein muß, Wehr und
Waffen. Und was das Joch betrifft, -- wagt es Herr Landvogt, es uns
auflegen zu wollen! Ihr werdet unbeugsam steife Nacken finden. Beim
ersten Versuche werfe ich Euch den Handschuh vor die Füße.«
»Wir auch! wir auch! so ist's recht!« riefen Einige aus dem Kreise, die
während Oswalds Rede schon mehrmals laut gemurrt hatten.
Schmasman aber erhob seine warnende Stimme: »Ruhig Freunde! Burkhard,
treib es nicht auf die äußerste Spitze! jeder Streit ist zu
schlichten, wenn auf beiden Seiten --«
»Herr Graf von Rappoltstein,« unterbrach ihn Oswald schroff, »ich bat
Euch noch nicht um Eure Vermittlung und bedarf ihrer nicht.«
»Schluck' es runter, Schmasman, und bedanke Dich bei Seiner Gnaden dem
Herrn Landvogt!« lachte Burkhard.
»Ich will wünschen, Herr Graf, daß Ihr sie nicht noch einmal in
Anspruch nehmen müßt,« erwiederte Schmasman kühl und stolz.
Oswald hörte nicht darauf, sondern wandte sich mit verstärkter
Heftigkeit an seinen entschiedensten Widersacher: »Und Ihr, Herr von
Rathsamhausen, was seid Ihr anders als ein Rebell gegen Kaiser und
Reich?«
»Nein! nur gegen Euch und Eure verrätherischen Anschläge,« rief
Burkhard wild. »Eure Gegenleistung, für die Ihr das Lehen der
Hohkönigsburg durch heimtückische Pfaffenränke erschlichen habt,
ist die von Euch übernommene schmachvolle Verpflichtung, dem Lande
die Freiheit zu rauben und es schändlicher, schamloser Pfaffenzucht
auszuliefern. Der alte, schwachsinnige Kaiser Friedrich weiß nichts von
diesen ehr- und gewissenlosen Machenschaften.«
Da sprang Oswald wie ein Rasender auf Burkhard los, schlug ihm die Eule
vom Haupte, daß sie unter den Tisch rollte, und schrie: »Hut ab, wenn
Ihr den geheiligten Namen des Kaisers in den Mund nehmt!«
Burkhards Hand packte den Griff des Dolches, aber schnell umschlang den
Wuthschnaubenden sein Bruder Philipp und hinderte ihn, den blanken
Stahl zu zücken. Ein allgemeiner Aufruhr und Tumult entstand; in einen
Knäuel zusammengedrängt bemühten sich Alle, die beiden Kampfbereiten zu
trennen. Friedrich von Fleckenstein bemächtigte sich des Grafen Oswald
und führte ihn mit beschwichtigenden Worten hinaus. Sein Bruder Wilhelm
folgte ihnen.
Burkhard, noch immer von drei der Zurückbleibenden festgehalten,
stöhnte: »Das soll ihm theuer zu stehen kommen! Jetzt laßt mich los,
ich laufe ihm nicht nach.«
Sie gaben ihn frei. Er reckte die Arme, drückte sich beide Fäuste auf
die Brust und sagte tief aufathmend: »Ha! das hat wohlgethan, daß ich
mich einmal frisch von der Leber weg aussprechen konnte. Nun noch eine
Kanne vom besten, ältesten Rangenwein!«
»Wir haben wohl Alle für heute genug, Burkhard,« meinte Schmasman.
»Nein, ich muß mir erst wieder Ruhe trinken,« erwiederte der noch sehr
Erregte. »Und dann müssen auch die Thiersteiner erst weg sein; ich mag
ihnen nicht mehr begegnen.«
Ungern willfahrten sie seinem Wunsch und setzten sich wieder. Der
Schenk brachte ein paar Kannen von dem begehrten Wein, die sie
schweigsam leerten, und dann verließen sie den Rathskeller in
verstörter und bedrückter Stimmung. An die Eule und ihren Verbleib
dachte keiner von ihnen, auch Burkhard nicht.