»So?« er starrte sie verblüfft an, »woher denn?«
»Von Euch selbst, wenn Ihr's mir auch nicht gesagt habt. Schon als sie
noch daran bauten, ärgerte Euch jeder Stein, mit dem sie Mauern und
Thürme erhöhten. Ihr solltet Euch so gierigen Neides schämen, Herr
Burkhard!«
Er stampfte mit dem Fuß. »Daß Dich das Wetter!« knirschte er. »Sagt das
Schmasman auch?«
»Nein, der denkt viel zu gut von Euch.«
»Seht Ihr? der kennt mich.«
»Nein, der kennt Euch leider nicht, aber ich, ich kenne Euch.«
»Und denkt schlecht von mir?«
»Ja! ganz schlecht, grundschlecht, nun wißt Ihr's. Empfehle mich Euer
Gnaden!« und fort war sie.
»Racker!« brummte Burkhard, »verflucht schlaue Kröte, und dabei so
hübsch, so niederträchtig hübsch!«
Die Gäste waren vollzählig versammelt bis auf Egenolf, nach dem schon
Dieser und Jener gefragt hatte. Junker Bruno von Rathsamhausen erhielt
auf seine Erkundigung nach dem Freunde von dessen Vater den Bescheid:
»Ich wundere mich ebenso wie Du über das lange Ausbleiben meines
Sohnes. Er war in den letzten Tagen ganz versessen auf die Jagd, und
ich fange allmählich an zu fürchten, daß ihm ein Unfall zugestoßen ist;
sonst müßte er schon hier sein.«
»Nein, Herr Graf!« sagte Bruno, »das fürchte ich nicht, dazu ist
Egenolf ein zu tüchtiger Waidmann.«
»Hast Recht, Bruno!« erwiederte Schmasman, »also warten wir's ab, bis
es ihm gefällt, sich einzustellen.«
Jetzt ertönte der Klang einer Glocke zum Zeichen, daß die Messe, die
der Abt von St. Pilt in der Schloßkapelle feiern wollte, ihren Anfang
nehmen sollte, und die Gesellschaft schickte sich an, sich in das
nahebei belegene Sanctuarium zu begeben. Da jedoch die Kapelle nicht
sämmtliche Anwesende aufnehmen konnte, blieben die jüngeren nebst
einigen älteren Herren, die sich aus der Feierlichkeit nicht viel
machten, in den Gemächern zurück, und bald hörten sie dort den Gesang
der Chorherren, dem sie schweigsam und mehr oder weniger andächtig
lauschten.