Es ist bemerkenswert, daß in allen Quellen die englischen Schiffe
gleichstark armiert angegeben werden: zu 100, 90, 80, 70 usw. Kanonen;
also scheinbar sehr gleichmäßig.
4) Nicht in der Linie; vielleicht nur bei den Holländern einige über
40 Kanonen.
5) Die eingeklammerten Zahlen nach de Jonge; die Hauptzahlen nach
Troude.
[241] Nach de Jonge, Teil III, Beilage XV; Clowes, Teil II; Troude,
Teil I; Bonfils, Teil I; Delarbre. Mit Ausnahme de Jonges geben
diese Quellen die Namen der Schiffe und der Kommandanten.
=Die Flaggoffiziere=:
=Verbündete= I. Division II. Division III. Division
Vorhut: V.-Adm. Callenburgh Lt.-Adm. v. Almonde V.-Adm.
v. d. Putte
(1. Kontreadm.) (1. Kontreadm.) (1. Kontreadm.)
Mitte: V.-Adm. Sir R. Delaval =Adm. Russell= K.-Adm.
Sir C. Shovel
Nachhut: V.-Adm. Rooke Adm. Sir J. Ashby K.-Adm. Carteret
=Franzosen=
Vorhut: Chef d'Esc. de Nesmond Lt.-Gen. d'Amfreville Chef d'Esc.
de Relingue
Mitte: Lt.-Gen. de Villette V.-Adm. =Tourville= "
de Langeron
Nachhut: Chef d'Esc. de Coëtlogon Lt.-Gen. de Gabaret "
Pannetier
Die Verbündeten waren also mindestens doppelt so stark als die Franzosen.
Sie waren erstaunt über den Angriff; viele Offiziere, namentlich
holländische, sollen in dem Augenblick der Ansicht gewesen sein,
Tourville müsse begründete Überzeugung haben, daß ein Teil der englischen
Schiffe zu ihm übergehen würde. Nach Bonfils fragte Almonde bei Delaval
an, ob er sich auf die Engländer verlassen könne; dieser antwortete: »Ich
weiß nicht, worauf sich der Verdacht gründet, kann aber für mich
einstehen.«
Es ist von älteren und neueren Autoren viel darüber geschrieben =weshalb
Tourville= unter solchen Umständen =den Kampf suchte=, den er doch bei
seiner Luvstellung vermeiden konnte. Alle Auslassungen hierüber abwägend,
muß ich mich der Ansicht anschließen, die immer die meistverbreitete
gewesen ist: Tourville hat blindlings nach der ersten, der einzigen ihm
zugegangenen, Instruktion gehandelt, und zwar nach folgendem Satze in
dieser[242]: »En cas qu'il (der Admiral) les (die Feinde) rencontre à la
Hogue (auf dem Wege, den Transport abzuholen), Sa Majesté veut, qu'il les
combatte en quelque nombre qu'ils soient, qu'il les poursuive jusque dans
leurs ports usw.«
[242] Delarbre »Tourville«, Seite 197.
Er wurde darin bestärkt dadurch, daß er die Zahl der Feinde
unterschätzte, daß er glaubte, nur auf die englische oder nur auf die
holländische Flotte gestoßen zu sein -- er konnte die Stärke bis dicht
vor dem Zusammenstoß nicht feststellen, da es neblig war -- und daß er
mit der Unzuverlässigkeit eines Teils der Engländer rechnete. Von allen
Veränderungen in der Lage der Dinge hatte er ja keine Nachricht; dagegen
zog er aber auch nicht in Erwägung, daß der ihm gegebene Befehl mit 70,
ja selbst ohne das Mittelmeergeschwader doch mit nahe an 60 französischen
Linienschiffen gerechnet hatte. Er fürchtete vielleicht auch, daß ein
Ausweichen niederdrückend für den Geist auf der eigenen, aufmunternd für
den auf der anderen Seite sein würde. Als sicher aber kann man annehmen,
daß seine eigene Gemütsverfassung eine große Rolle bei dem Entschlusse
gespielt hat: Sein vorsichtiges Verhalten 1690 und 1691 war von leitender
Stelle herb beurteilt. Als er in diesem Jahre Bedenken in Hinsicht auf
seine Instruktion geäußert hatte, da die Zeit unbenutzt verfloß und seine
Flotte so schwach blieb, ergingen ähnliche kränkende Antworten; so
schrieb Pontchartrin[243] z. B.: »Es ist Ihre Pflicht zu gehorchen,
nicht die Befehle zu diskutieren, sonst wird man einen gehorsameren und
»weniger behutsamen(!)« Mann finden.« Er wußte, daß man dem König nahe
gelegt hatte, ihm (Tourville) fehle der Mut -- man denke an den
eigenhändigen Zusatz des Königs unter der Instruktion --; so glaubte er,
es seiner Ehre schuldig zu sein, dem Befehle dem Wortlaute gemäß und ohne
weitere Überlegung nachzukommen. Persönlich mutig war er, doch hatte ja
schon Seignelay von ihm gesagt, er wage nicht, große Verantwortung zu
übernehmen (Poltron de tête); eine solche Verantwortung war hier, von dem
Buchstaben des Befehls abzuweichen.
[243] Chab.-Arnault, Seite 94.
Im Mahan, Teil I, Seite 184 steht -- allerdings nur in einer Anmerkung
--, daß nach einem neueren französischen Schriftsteller de Crisenoy die
Instruktion, wenn auch für gewisse Verhältnisse bindend, Tourville doch
nicht gezwungen hätte, unter solchen Umständen wie am 29. Mai zu
fechten (Clowes deutet Ähnliches an). Meines Wissens ist die Schrift
Crisenoys nicht neuer als die Biographie Tourvilles von Delarbre, und
dieser gibt nur die früher im Auszuge gebrachte Instruktion, nach der
ein Ausweichen allein »unter bestimmten Umständen nach erfolgreicher
Landung« erlaubt war.
In Betreff eines anderen Punktes scheint Crisenoy recht zu haben. Die
meisten bisherigen Schilderungen sagen nämlich, vor der Schlacht habe
Tourville seine Admirale zusammengerufen und gefragt, ob man fechten
dürfe. Als alle dieses verneinten, habe er die Order des Königs gezeigt
und nun hätten alle mit »Vive le roi« (die Szene wird sehr dramatisch
geschildert) dem Entschlusse Tourvilles zugestimmt. Crisenoy verweist
diesen ganzen Kriegsrat in das Gebiet der Fabel und auch Delarbre sagt
nach den Memoiren Bonrepaus': Tourville griff an wie ein Rasender,
»ohne einen Kriegsrat zu versammeln, wie es doch bei solchen
Gelegenheiten der Brauch ist.«
In der $Schilderung der Schlacht bei Kap Barfleur, 29. Mai 1692$, weichen
die Quellen sehr voneinander ab. Englische geben meist nur den Anfang,
später einige Momente; sie sagen, ein Festlegen des Verlaufes sonst sei
schon zu jenen Zeiten des diesigen Wetters, zuweilen völligen Nebels
wegen nicht möglich gewesen; es wird dies seine Richtigkeit haben. Die
genaueste Schilderung fand ich im Delarbre (nach »Sue«); ich gebe
diese,[244] da sich die Angaben der anderen im allgemeinen damit wohl in
Übereinstimmung bringen lassen. Sues Schilderung mag gefärbt sein, aber
auch aus den übrigen ist zu ersehen, daß sich die Franzosen ausgezeichnet
geschlagen haben und von allen ihren Führern gut geleitet sind; sie
hätten sich sonst auch nicht so aus ihrer verzweifelten Lage ziehen
können, wie sie es taten.
[244] Zusätze nach anderen Quellen gebe ich in [--], besonders nach
Clowes und de Jonge, weitere Hauptquellen sind Bonfils; Troude.
Kurz in Mahan, Teil I.
[Russell lag die Nacht vom 28. auf 29. Mai über Backbord-Bug, Kurs
Südsüdost, nach der französischen Küste zu; Wind Südwest, nebelig. Um 3
Uhr früh hörte man Schüsse der Vorposten im Westen, bald meldeten zwei
das Nahen des Feindes.] Mit Sonnenaufgang sichteten sich die Gegner auf
etwa 21 Seemeilen. Tourville konnte die Zahl der Feinde nicht genau
feststellen, setzte seinen Kurs mit raumen Winde fort und entschloß
sich, auch als er den Feind zählen konnte, doch zum Angriff. Russell
erwartete ihn beigedreht. Da es flau war, ging die Annäherung nur
langsam vor sich; beide Gegner benutzten die Zeit zum Ausrichten, so
daß vor dem Zusammenstoß die Gefechtslinien recht gut formiert waren,
soweit es auf französischer Seite der Angriff und auf
englisch-holländischer Seite der flaue Wind gestatteten.
Der Angriff war im allgemeinen, wie üblich, Geschwader auf Geschwader
angesetzt, wurde aber nicht genau so durchgeführt. Tourville steuerte
direkt auf Russell zu und somit Mitte auf Mitte beider Gefechtslinien.
Die erste Division der Vorhut (Nesmond) aber segelte auf die vordersten
Schiffe der feindlichen Vorhut (Callenburgh) zu, um zu verhindern, daß
diese bei der bedeutend längeren Linie der Verbündeten ohne Gegner
blieben und imstande wären, die französische Spitze zu dublieren. [In
der Tat hatten die Holländer den Befehl, dieses sofort anzustreben.]
Dadurch entstand eine Lücke zwischen der I. Division (Nesmond) und der
II. (d'Amfreville), namentlich aber auch eine solche zwischen der III.
der Vorhut (Relingue) und der I. der Mitte (de Villette), und es war
die Gefahr vorhanden, daß die III. Division der Holländer (v. d. Putte)
bei näherem Herangehen ohne Gegner bleiben, durch diese Lücke
durchbrechen und die französische Vorhut von achtern oder die
französische Mitte von vorn dublieren würde; standen in den
Gesamtvorhuten doch nur 15 (14?) Schiffe der Franzosen, 26 der
Holländer gegenüber. D'Amfreville hielt sich deshalb sehr richtig mit
seiner II. und III. Division weiter ab, um einem solchen Manöver stets
von Luward her entgegentreten zu können. [Er erweiterte auch die
Abstände zwischen den einzelnen Schiffen, um seine Linie zu
verlängern.] Von der französischen Nachhut war die III. Division
(Pannetier) -- wie so oft bei dieser Art Angriff, der ja stets etwas
schräg angesetzt werden muß -- zurückgeblieben und konnte dies trotz
Segelpressen nicht mehr ausgleichen. Die I. (Coëtlogon) und II.
(Gabaret) ihrer Divisionen hielten sich aber aufgeschlossen hinter der
III. Division der Mitte; so kam es, daß der größere Teil der
englisch-holländischen Nachhut keine Gegner erhielt -- standen doch
auch in den Mitten nur 16 Franzosen 30 Engländern gegenüber.
[Illustration: Schlacht bei Kap Barfleur, 29. Mai 1692.]
Ungefähr um 10^{30} Uhr vormittags gingen die I. Division der Vorhut,
die Mitte und die I. und II. der Nachhut quer ab vom Feinde an den
Wind; kein Schuß war bisher gefallen, jetzt schoß ein Holländer, und
sofort entbrannte der allgemeine Kampf.
Die französische Vorhut löste ihre Aufgabe vollkommen, allerdings auch
durch die Windverhältnisse begünstigt. Sie hinderte sowohl das
Dublieren von vorn wie das Durchbrechen vor der Mitte. Ihre I. Division
hielt die feindliche Spitze im Schach; die übrigen Holländer versuchten
zwar näher an ihre sich hoch am Winde haltenden Gegner heranzukommen,
wurden aber durch die Flaute daran gehindert. [So kam nur ihre I.
Division in heftiges Feuer, die II. (Almonde) nur auf weitere
Entfernung, die III. (v. d. Putte) soll keinen Schuß abgegeben oder
erhalten haben.]
Tourville war mit seinen drei Divisionen der Mitte auf 3/4
Musketenschußweite (Pistolenschuß) herangegangen. [Die beiden ersten
Divisionen der Nachhut scheinen sich auch ähnlich wie d'Amfreville
richtigerweise etwas weiter abgehalten zu haben, um ein Dubliertwerden
von achtern zu erschweren.] Der Kampf der Mitten war der heftigste,
standen doch fast jedem Franzosen zwei Gegner gegenüber; Tourville
(»Soleil Royal« 104) focht mit Russell (»Britannia« 100) und dessen
Vorder- und Hintermann (je 100). Es scheint hier jetzt schon die Melee
teilweise eingetreten zu sein, da es ganz still wurde und die Gegner
durcheinander trieben. [Nach etwa zwei Stunden versucht »Soleil Royal«
sich durch Boote nach Westen abschleppen zu lassen, Russell folgt;
»Soleil Royal« findet Unterstützung durch Schiffe Coëtlogons.]
Um 2 Uhr nachmittags kam etwas Nordwestwind auf. Diesen benutzten die
nicht angegriffenen Schiffe der englischen Nachhut -- etwa 25 --, die
bisher infolge der Stille auch ihrerseits nicht imstande gewesen waren,
einzugreifen, um hinter der II. Division der französischen Nachhut
vorzubrechen. Sie gingen aber nicht zu Luward der kämpfenden Linie, um
die Franzosen von achtern zu dublieren, was ihnen möglich gewesen wäre,
sondern sie versuchten, an die noch immer zurückstehende Division
Pannetier heranzukommen. Es gelang nicht, da Pannetier geschickt
steuerte; er zog sie absichtlich hinter sich her, so daß diese 25
Schiffe bis 7 Uhr nachmittags weiter nutzlos blieben.
In der Schilderung tritt nun eine Pause ein. [Um 3 Uhr nachmittags
dichter Nebel und wieder still; allgemeine Unordnung, nur durch Zufall
treffen sich die durcheinander treibenden Schiffe; um 5 Uhr nachmittags
wird es klarer und etwas Wind aus Ost; man sieht die Franzosen westlich
steuern, teilweise durch Boote geschleppt. Russell gibt Signal zum
Folgen, kurze Zeit neuer Kampf.] Auch die Zeitangaben schwanken;
Delarbre fährt erst mit 7 Uhr nachmittags fort. Um diese Zeit
erscheinen einige der englischen Schiffe, die Pannetier gefolgt waren,
zu Luward der Franzosen und ankern hier. Tourville in großer Bedrängnis
wird wieder von Coëtlogon unterstützt, auch Gabaret kommt heran; also
völlige Melee der Mitten und der Nachhuten. Jetzt etwa setzte die Flut
ein; Tourville ließ ankern, wie es die zu Luward angekommenen Engländer
getan hatten. Auch die französische Vorhut ankerte; sie hatte bis dahin
ihre Stellung gegen die Holländer gehalten und hielt sie so weiter,
jedoch jetzt ohne Kampf. Die englischen Schiffe in Lee der Franzosen
(Russell usw.) ankerten zu spät, so daß sie außer Schußweite trieben.
Dennoch kam Tourville nochmals in arge Bedrängnis, als es um 8.^{30}
Uhr abends wieder aufklärte und der Kampf -- zu Anker und durcheinander
treibend -- nochmals bei Mondschein entbrannte. Auch Shovel war es
geglückt, mit einigen seiner Schiffe zu Luward zu kommen. Er schickte
fünf Brander gegen Tourville, die nur mit Mühe abgeschlagen wurden
(zwei durch Boote; einmal kappte Tourville). Sonst aber waren die zu
Luward stehenden Engländer jetzt im Nachteil, da der Feind in Lee nicht
mehr bedrängt wurde; aus Furcht, bei aufkommendem Winde gefährdet zu
sein, kappten sie und ließen sich durch die Feinde zur eigenen Flotte
treiben, wobei sie enfilierend arg beschossen wurden. Zwischen 9 und 10
Uhr abends wurde es wieder ganz dick und die Schacht war beendet.
[Englische und holländische Quellen erwähnen ein Ankern während des
Kampfes nicht; sie sagen, beide Flotten ankerten bei dem letzten Nebel
und die Schiffe zu Luward ließen sich dann durchtreiben; doch heben
alle französischen Berichte, die unmittelbar nach der Schlacht
aufgesetzt sind, gerade das Ankern hervor.]
In dem zehnstündigen Kampfe gegen die ungeheure Übermacht verloren die
Franzosen kein Schiff, keines war völlig außer Gefecht gesetzt; die
Verbündeten sollen, nach Aussage französischer Offiziere, zwei Schiffe
verloren haben, jedenfalls verbrauchten sie mehrere Brander ohne Erfolg.
Keiner der französischen Führer hat einen wesentlichen Fehler gemacht,
tüchtig haben sie sich gegenseitig unterstützt; die richtige Verwendung
der Vorhut hinderte ein Dublieren von vorn; auf seiten der Verbündeten
muß man doch wohl das Verfolgen Pannetiers als Fehler bezeichnen.
Clowes, also ein englisches Urteil, sagt: »Russell verdient Anerkennung
für das rechtzeitige Zusammenziehen der Flotte; in der Schlacht und in
der Verfolgung konnte er kaum weniger leisten. Er gewann einen
wichtigen aber keinen glorreichen Sieg. Tourville verlor nur wenig von
seinem Ruf; Russell gewann nicht mehr.«
Auch Ludwig erkannte Tourvilles Verdienst an, indem er sagte: »Ein
Glück, daß Tourville gerettet ist; Schiffe lassen sich wieder bauen.«
Er ernannte ihn zehn Monate nach der Schlacht zum Marschall; wohl ein
Beweis, daß der Admiral nach seinem Sinne gehandelt hatte.
Die Schlacht bleibt eine glorreiche Tat für Tourville und die
französische Marine, wenn auch ihre unmittelbaren Folgen verhängnisvoll
wurden.
$Die Vernichtung vieler Schiffe bei La Hogue und Cherbourg.$ Am 30. Mai 1
Uhr vormittags kam leichter Ostnordost auf. =Tourville= gab Befehl zum
Ankerlichten und die Schiffe sammelten sich bei dem nächsten
Geschwaderchef: bei Tourville 8, bei Villette 15, bei d'Amfreville 12. Um
7 Uhr nachmittags vereinigten sich die Admirale, nun also 35
Linienschiffe stark; von den fehlenden 9 waren 6 unter Nesmond nach La
Hogue und 3 unter Gabaret nach der Küste Englands gegangen; diese drei
erreichten wohlbehalten Brest.
=Russell= hatte mit Einsetzen der Ebbe gleichfalls Anker gelichtet und
allgemeine Verfolgung befohlen. Am 30. Mai blieben sich die Flotten in
Sicht -- ankerten während der Flut --, kamen aber nicht auf
Gefechtsdistanz, sondern blieben etwa 3 Seemeilen auseinander.
=Tourville= bemerkte jedoch, daß die Verbündeten nach und nach aufkamen,
er beschloß deshalb, von dem Rückzuge nach Brest zunächst abzusehen und
die bessere Kenntnis der Strom- und Küstenverhältnisse zu benutzen, um
sich dem Gegner zu entziehen. Er wollte =durch den Blanchard-Kanal= --
zwischen dem Festlande und den Inseln d'Aurigny (Aldernay) und Jersey --
unter die Küste der Normandie laufen und nahm an, daß die Verbündeten die
schwierige Passage scheuen würden, der starke Strom, der in diesem Kanal
läuft, würde ihm dann schnell einen großen Vorsprung gegeben haben. Aber
er beging einen großen Fehler dabei. Sein Flaggschiff »Soleil Royal«, das
er für seine Person verlassen hatte, und zwei andere große Schiffe waren
schwer beschädigt; sie hielten die Flotte auf und der Admiral wagte
nicht, die Verantwortung zu übernehmen, jene allein einen Zufluchtsort
aufsuchen zu lassen. Infolge des Wartens auf sie stimmten beim Einlaufen
in den Kanal (31. Mai, morgens) die Stromverhältnisse nicht mehr; zwar
gelang es 12 Schiffen noch mit der Ebbe den Kanal zu passieren, aber 13
-- unter ihnen der »l'Ambitieux«, auf dem sich Tourville jetzt befand --
waren genötigt, beim Einsetzen der Flut im Kanal zu ankern. Die Lotsen
wählten einen ungünstigen Platz; die Anker hielten nicht oder die Taue
brachen; da im Gefecht verschiedentlich gekappt war, besaßen manche
Schiffe nur noch ungenügendes Ankergeschirr. Der Admiral mußte mit den 13
Schiffen zurückgehen und beschloß nun, auf der Rhede von La Hogue, wo
einige Batterien aufgeworfen waren, möglichst dicht unter Land Schutz zu
suchen; auf dem Wege dahin schickte er jetzt die 3 beschädigten Schiffe
in den Hafen von Cherbourg, den sie auch erreichten. Er ankerte am 31.
abends auf der Rhede und fand hier 2 Schiffe de Nesmonds vor; die 4
anderen Schiffe dieses Admirals waren soeben kanalaufwärts gesegelt und
gelangten um Schottland herum glücklich nach Brest.
=Russell= war tatsächlich vor dem Blanchard-Kanal geblieben. Er sandte
nun Ashby mit der Nachhut und einigen Holländern westlich um die
Kanalinseln herum zur Verfolgung der Schiffe, denen die Durchfahrt
geglückt war, doch entkamen sie unbelästigt nach St. Malo; er selbst
folgte Tourville, schickte Delaval nach Cherbourg, und es gelang, die 12
Schiffe vor La Hogue (unter den Augen Jakobs) und die 3 in Cherbourg zu
vernichten.[245]
[245] In Delarbre »Tourville« findet man die genauen englischen,
holländischen und französischen Berichte.
=Delaval= griff am 31. die 3 Schiffe vor =Cherbourg=, damals noch ohne
Wellenbrecher und ohne Hafen, mit kleineren Linienschiffen und Brandern
an, wurde aber durch heftiges Feuer abgeschlagen. Am 1. Juni gelang es,
gedeckt durch Feuer der Linienschiffe mit Booten 2 Brander
heranzubringen; ein dritter wurde durch das feindliche Feuer zu früh
entzündet, doch steckten die begleitenden Boote auch das dritte Schiff
in Brand.
=Tourville= war auf der Rhede von =La Hogue= mit Jakob und den Führern
des Heeres in Verbindung getreten; man hatte beschlossen, die
Kriegsschiffe auf das äußerste zu verteidigen, sowie möglichst
Mannschaften, Material und Munition zu retten. Die Schiffe wurden bei
Flut mit Leinen von Land in der Nähe zweier Forts möglichst hoch auf
den Strand geholt und man begann mit Löschen von Material usw. Um sie
gegen Brander- und Bootsangriffe besser schützen zu können, wurden alle
ihre Boote sowie Fahrzeuge von Land mit Matrosen besetzt, am Lande
Batterien gebaut und die Truppen zusammengezogen. Aber die Zeit war nur
kurz, große Unordnung herrschte, einheitliche Leitung fehlte; nach
einem hochgestellten Augenzeugen soll Tourville den Kopf verloren
haben. Russell beauftragte =Rooke= mit dem Angriff. Am 2. Juni
versuchte dieser auch hier, mit leichteren Linienschiffen Brander an
eine Gruppe von 6 Schiffen heranzuführen; es mißlang, da das Wasser zu
flach war; auch ein Versuch, die Brander mit Booten heranzuschleppen,
blieb fruchtlos. Darauf wurden bei Eintritt der Nacht gegen 200 Boote
armiert, die feindlichen Boote zurückgeschlagen, die Schiffe geentert
und angezündet; in den Bootskampf auf seichtem Wasser sollen selbst
französische Reiter eingegriffen haben. Am 3. vormittags wurde,
wiederum mit Booten, die andere Gruppe von Schiffen unter dem zweiten
Fort vernichtet, auch einige Transporter fielen zum Opfer. Noch im
Jahre 1833 waren die Spanten der vernichteten Schiffe zu sehen; bei
niedrigem Wasser sind damals verschiedene Überreste geborgen und ins
Pariser Marinemuseum geschafft worden.
Der Verlust dieser 15 Linienschiffe, worunter viele der stärksten, war
aber kaum die wichtigste Folge der Schlacht: er wäre bei der großen Zahl
der vorhandenen Schiffe zu ertragen gewesen und wurde auch zum großen
Teil durch Neubau ersetzt. Der Eindruck, den die Niederlage auf die an
Ludwigs Erfolge gewöhnte öffentliche Meinung und auch an leitender Stelle
hervorbrachte, war bedeutsamer. Eine volkstümliche Waffe war die Marine
in Frankreich noch nicht geworden, und wir haben schon gehört, daß
Pontchartrin und andere nicht viel von ihr hielten. Jetzt drang die
Ansicht dieser Personen, den Krieg zur See nur gegen den feindlichen
Handel zu führen, mehr durch und der Marine wurde immer weniger Sorge
zugewendet; =die französische Flotte trat den feindlichen nicht mehr
entgegen=. Zunächst hören wir in diesem Jahre gar nichts mehr von ihr;
vielen Mannschaften wurde erlaubt, auf Freibeutern zu dienen, die
gesammelten Transporter wurden teilweise als solche verwendet und der
kleine Krieg blühte.
Aber auch die =Verbündeten= blieben untätig. Nach den letzten Vorfällen
ging das Gros ihrer Flotte zum Instandsetzen nach Wight. Ein kleineres
gemischtes Geschwader unter Ashby und Callenburgh kreuzte noch an der
Küste, um etwa versprengte Franzosen oder die nach St. Malo geretteten
auf ihrem Wege nach Brest abzufangen; es ging auch nach Havre, wo man die
Schiffe Nesmonds vermutete, fand diese jedoch -- wie wir wissen -- nicht
und wagte auch nicht, etwas gegen die Transporter dort zu unternehmen;
dann vereinigte es sich wieder mit dem Gros. Dieses lief am 28. Juni
wieder aus, teilte sich in zwei Teile, von denen der eine westlich im
Kanal gegen die St. Malo-Schiffe kreuzte, der andere östlich, um die
Verbindung zwischen England und Holland zu sichern.
Nach Colomb (Seite 268) waren die englischen Seeoffiziere der Ansicht,
ohne einen gleichzeitigen Landangriff nichts gegen die in St. Malo
geborgenen französischen Schiffe unternehmen zu können; es gelang
diesen, später unbewacht, nach Brest durchzukommen.
Die englisch-holländische Flotte beherrschte also den Kanal und es wurde
auch wieder der Plan einer Landung in Frankreich ins Auge gefaßt. Truppen
wurden bei Portsmouth versammelt und Anfang August mit der Einschiffung
auf der dort wieder vereinigten Flotte begonnen. Der Plan kam aber
nicht zur Ausführung: Befehle und Gegenbefehle von London,
Kriegsratsversammlungen der Armee und Marine verzögerten die Maßnahmen;
endlich erachtete man die Jahreszeit für die schweren Schiffe zu weit
vorgeschritten; holländische Quellen deuten wieder an, daß Russell an der
Verzögerung schuld gewesen sei. (Er habe zu denen gehört, die es durch
Entfaltung zu großen Eifers nicht ganz mit Jakob verderben wollten.) Das
Ergebnis war die Überführung einiger englischer Truppen nach Holland.
Gegen die immer zahlreicher auftretenden Freibeuter des Feindes hatte man
auch keine ernste Maßregeln ergreifen können, da man die Flotte --
schließlich unnütz -- stets zusammengehalten hatte.
Im September wurden die schweren Schiffe abgerüstet, andere kreuzten noch
im Kanal, bis endlich die Flotte auf die kleinen Wintergeschwader
vermindert wurde.
$Die Ereignisse der Jahre 1693-1697.$ Während der weiteren Kriegsjahre
führten =die Franzosen=, wie schon mehrfach erwähnt, den Krieg in der
Hauptsache nur gegen den feindlichen Handel, besonders in den nördlichen
Gewässern. Wenn auch zuweilen noch größere Flotten zusammengezogen wurden
-- im Jahre 1693 sogar noch eine solche von 70 Linienschiffen, aber auch
nur um einen großen Schlag gegen den feindlichen Handel in führen --, so
versuchten diese doch nicht mehr, dem Feinde die Seeherrschaft streitig
zu machen. Im Mittelmeer wurden wie bisher stets noch etwas stärkere
Geschwader im Dienst gehalten, um an den Küsten im Landkriege zu wirken;
im Atlantik waren die Streitkräfte meistens in kleineren Divisionen auf
die verschiedenen Häfen verteilt, um diese zu schützen und von ihnen aus
gegen die feindlichen Handelsfahrzeuge zu kreuzen. Der Kreuzerkrieg wurde
dabei durch die vom Staate in jeder Hinsicht unterstützte Freibeuterei
ungemein verstärkt; je weniger Pflege der Marine im Laufe der kommenden
Jahre zuteil wurde -- wegen Geldmangels, und wegen fehlenden Interesses
an maßgebender Stelle --, um so mehr entwickelte sich die Freibeuterei.
Die Tätigkeit der =englisch-holländischen Flotten= äußerte sich nach drei
Richtungen: Unternehmungen gegen französische Küstenstädte, um hierdurch
auf den Landkrieg einzuwirken; Unterstützung des Landkrieges in Spanien;
Schutz des eigenen Handels. Mit den Angriffen auf die Küstenstädte
beabsichtigte man in den meisten Fällen und hauptsächlich, den
Kreuzerkrieg des Gegners in seinen Stützpunkten anzugreifen. Um die
Gesamtrüstungen der Verbündeten in diesen Jahren richtig beurteilen zu
können, sei vorausgeschickt, daß neben den Hauptflotten, deren Tätigkeit
uns zunächst beschäftigt, stets ein starkes Geschwader -- bis zu 20
Linienschiffen -- gegen Dünkirchen aufgestellt war.
$Das Jahr 1693$ zeigt uns die =Kriegführung der Verbündeten= in einem
sehr trüben Lichte. Unentschlossenheit an leitender Stelle in England --
schon Ende 1692 bemerkbar --, der Zustand der Verwaltung in der Marine
hier und Uneinigkeit in der Führung der Flotte ließen es nicht nur zu
keinerlei Erfolg kommen, sondern führten sogar einen großen Verlust
herbei.
Im Oktober 1692 war von England und Holland =mit Spanien ein Vertrag=
abgeschlossen, wonach die schwachen spanischen Seestreitkräfte durch
englisch-holländische verstärkt werden sollten, um den Angriffen der
Franzosen auf die spanischen Küsten sowie der Bedrohung der Silberflotten
entgegenzutreten; England und Holland gedachten dadurch auch ihren
Mittelmeerhandel zu sichern und einer Vereinigung der Flotten von Brest
und Toulon stets vorzubeugen.
Nach dem Vertrage sollte Spanien 16 Linienschiffe und 25 Galeren
stellen, England und Holland je die gleiche Zahl Schlachtschiffe;
Spanien sollte in einem seiner Häfen Magazine einräumen, damit die
Verbündeten sich einen Stützpunkt schaffen könnten. Dieser Vertrag
blieb grundlegend für spätere während des ganzen Krieges, doch wurde
Spanien bald lau in der Erfüllung seiner Pflicht.
Das schwache Spanien kam zunächst seiner Pflicht nach, die Verbündeten
nicht. Zwar wurden schon im März Schiffe zu diesem Zwecke bestimmt -- 4
Holländer, 11 Engländer --, aber sie kamen nicht fort. Befehle wechselten
mit Gegenbefehlen. Erst sollte das Geschwader auf Kauffahrer warten, dann
hielt man es für nicht stark genug den Franzosen in Toulon gegenüber und
endlich wollten die Rhedereien ihm ihre Schiffe nicht anvertrauen.
Außer diesem Mittelmeergeschwader war die Indienststellung einer ebenso
großen Hauptflotte wie im Jahre 1692 beschlossen, weil man wußte, daß
auch die Franzosen stark rüsteten. Von Mitte April an sammelte sich
diese Flotte bei Wight und bestand bald aus 76 Linienschiffen (46
Engländer, 30 Holländer). Russell war seines Postens enthoben worden
(Differenzen wegen La Hogue), das Kommando führten 3 =Jointadmirals= --
Killigrew, Shovel, Delaval -- =auf einem Flaggschiff=, das holländische
Kontingent kommandierte =Almonde=; aus den angedeuteten Gründen lag die
Flotte wochenlang untätig und auch wohl teilweise unfertig auf der Rhede
von St. Helens.
In =Frankreich= hatte man tatsächlich stark gerüstet, und zwar dem neuen
Plane gemäß, den Kampf nur gegen den Handel zu führen, zu
einem besonderen Zwecke: dem Abfangen des jährlichen großen
englisch-holländischen Levanteconvois bei seiner Ausreise, der ja auch
1691 auf seiner Heimreise Tourville als Hauptangriffsobjekt bezeichnet
war. Wieder unter =Tourville= waren in Brest 71 Linienschiffe
zusammengezogen; in Toulon wurden etwa 20 Linienschiffe unter d'Estrées
gegen Spanien in Dienst gestellt.
Wie stets bisher, war man in Frankreich durch Spione und Parteigänger
Jakobs über alle Vorgänge in England gut unterrichtet. So erhielt man
auch jetzt rechtzeitig Nachricht, als die Abfahrt des Convois bevorstand,
und Tourville wurde sofort in See gesandt, obgleich die Flotte noch
unvollkommen ausgerüstet war, um ihn in der Straße von Gibraltar zu
erwarten. In England hatte man sich endlich entschlossen, den Convoi mit
dem für das Mittelmeer bestimmten Geschwader segeln zu lassen, da man
aber die Stärke der Franzosen in Brest kannte, wurde bestimmt, daß die
Hauptflotte bis in den Atlantik mitgehen solle; zu einem rechtzeitigen
Festhalten Tourvilles in Brest war sie nicht fertig geworden.
Am 9. Juni verließ alles Wight; der Convoi war an 400 Segel stark. Am 14.
Juni, etwa 36 Seemeilen südwestlich von Ouessant, wurden die für
Westindien und andere transatlantische Gewässer bestimmten Schiffe mit
den üblichen kleinen Bedeckungen entlassen, die Hauptflotte kehrte in den
Kanal zurück; =das Mittelmeergeschwader= unter =Admiral Rooke= (Holländer
unter van der Goes) setzte mit den Kauffahrern für Portugal, Spanien und
Mittelmeer die Reise fort.
Auf der Hauptflotte wußte man nichts von dem vierzehn Tage vorher
erfolgten Auslaufen Tourvilles. Dieser kaum zu verstehende Fehler wird
mit einer Nachlässigkeit im englischen Ministerium erklärt: »Nottingham
hatte vor Abgang der Flotte einen Brief erhalten, der Tourvilles
Auslaufen meldete; er sandte die der Nachricht angeschlossene Liste der
französischen Schiffe an die drei Admirale, der Brief selbst aber wurde
vergessen beizulegen.« Der Führung der Flotte ist aber doch wohl
vorzuwerfen, daß sie nicht erkunden ließ, ob Tourville noch in Brest sei.
Hätte man gewußt, daß die Franzosen in See waren, so würde doch die
Hauptflotte bis zum Mittelmeer mitgegangen sein; so wurde der $Angriff
Tourvilles auf den Smyrnaconvoi vor Lagos$ am 27. Juni 1693 ein großer
Erfolg.
=Rooke= entließ an der portugiesischen Küste die nach Lissabon
bestimmten Kauffahrer mit einigen Kriegsschiffen, die später wieder zu
ihm stoßen sollten; er war so nur 15 Linienschiffe über 50 Kanonen,
etwa 10 leichtere Schiffe, 4 Brander und 2 Mörserboote stark, der
Convoi zählte noch 130-140 Segel. Anstatt nun gleich in Portugal
Nachrichten einzuziehen, steuerte er zunächst von der Küste ab und
machte erst am 26. Juni Land bei St. Vincent. (Nur ein leichtes
Fahrzeug hatte er nach Lagos vorausgesandt; es kam nicht zurück, da es
unter der Küste bekalmt wurde.) Jetzt meldeten seine Vorposten einige
französische Schiffe im Süden -- es waren die Vorposten Tourvilles --;
da diese sich aber zurückzogen und der nördliche Wind günstig war,
wurde die Fahrt fortgesetzt. Mit Tagesgrauen am 27. bekam man 10
Linienschiffe und einige kleinere Segel in Sicht; auf einen Angriff
gingen auch diese zurück; ein kleines Fahrzeug wurde genommen und sagte
aus, Tourville sei allerdings unter der spanischen Küste, aber nur mit
15 Linienschiffen, einen Transport nach Toulon geleitend. Um 10 Uhr
vormittags aber sichtete man den Feind überall: voraus 18
Kriegsschiffe, zu Luward 16 (Gabaret) und weiter ab in Lee 40
(Tourville selbst), die ganze Flotte von Brest.
=Tourville= war am 27. Mai mit 71 Linienschiffen, 4 kleineren
Fahrzeugen und 35 Brandern in See und geradeswegs nach Lagos gegangen.
(Hier soll er nach Bericht des holländischen Gesandten in Lissabon
unter englischen und holländischen Flaggen gelegen haben.) Von hier
hatte er sofort zwei starke Geschwader der besten Segler -- eben die
genannten 18 und 16 Linienschiffe -- zum Kreuzen bei Kap St. Vincent
entsandt. Er =hatte den Befehl=: den Convoi abzufangen, aber ein
Gefecht zu vermeiden, wenn der Feind viel stärker wäre; an der
spanisch-portugiesischen Küste bis Anfang September zu bleiben, aber
auch Unternehmungen gegen die französische Küste entgegenzutreten (vgl.
seinen Auftrag 1691; der jetzige war wohl noch schwieriger). Als nun
Rooke am 27. in Sicht kam, hielt sich Tourville zunächst zurück, um
ausweichen zu können, falls es die Hauptflotte der Verbündeten wäre;
sobald er aber erfahren hatte, daß es der verhältnismäßig nur schwach
bedeckte Convoi war, gab er den Befehl zum Angriff, vor allem dem am
günstigsten stehenden Geschwader Gabaret.
=Rooke= war seit dem Sichten der feindlichen Vorposten am Morgen mit
dem Geschwader, in dessen Linie einige der stärksten Kauffahrer
eingestellt waren, vor dem Convoi gesegelt. Als er sah, daß bei der
Stärke des Feinden ein Widerstand unmöglich war, formierte er die
Gefechtslinie hoch am Winde mit einem Kurse nach See zu und gab an die
Schiffe des Convois den Befehl, sich auf eigene Faust namentlich unter
dem Schutze der Nacht zu bergen; den Schiffen unter Land wurde geraten,
spanische Häfen aufzusuchen, den weiter in See befindlichen gewährte
das Geschwader vorläufig eine Deckung. Das vorderste französische
Geschwader Gabaret, das aus den bestsegelnden Schiffen bestand, kam
gegen Abend (6 Uhr nachmittags) an Rooke heran. Zwei holländische
Schiffe opferten sich, indem sie das Gefecht aufnahmen, nach Land zu
wendeten und einen Teil der Feinde auf sich zogen; sie wurden nach
hartnäckigem Widerstande genommen; das übrige Geschwader entzog sich
während der Nacht dem Feinde. Am andern Morgen sah Rooke nur noch
wenige Gegner, die bald von der Verfolgung abstanden; er erreichte mit
dem Geschwader und etwa 50 Kauffahrern wohlbehalten Madeira.
Es wird =Gabaret= der Vorwurf gemacht, daß er das Geschwader
angegriffen und dazu sogar seine vordersten Schiffe zurückgerufen habe,
um erst die Gefechtslinie zu formieren, anstatt gleich an die
Verfolgung und Vernichtung der verstreuten Kauffahrer zu gehen oder
wenigstens durch die vordersten Schiffe das feindliche Geschwader
rechtzeitig festhalten zu lassen.
Einem zweiten Teile der französischen Flotte (wohl dem
18-Schiffe-Geschwader) gelang es während der Nacht die unter Land
segelnden Fahrzeuge des Convois zu umzingeln und am nächsten Tage zu
nehmen oder zu zerstören; viele wurden durch die eigene Besatzung auf
Strand gesetzt und versenkt oder verbrannt. An dieser Vernichtung
beteiligten sich wahrscheinlich auch Schiffe des erst später
herangekommenen Gros. So gingen gegen 70 (90?) englisch-holländische
Kauffahrer -- mit einem Werte von einer Million Lstrl. -- verloren;
einige wenige erreichten spanische Häfen. Der Verlust würde
voraussichtlich noch weit bedeutender gewesen sein, wenn Tourville
nicht -- allerdings seiner Instruktion entsprechend -- das Gros seiner
Flotte anfangs so vorsichtig zurückgehalten hätte.
=Die Hauptflotte der Verbündeten= war nach der Trennung von dem Convoi
einige Tage vor dem Kanal geblieben, um Tourville in Brest zu beobachten,
bis man über England von dessen Auslaufen Nachricht erhielt; nun ging sie
nach Torbay zurück (2. Juli dort), um »Vorräte zu ergänzen« und »Befehle
einzuholen« -- bezeichnend für die Art der Ausrüstung der (englischen)
Schiffe und für die Leitung. Der hier zusammentretende Kriegsrat sah wohl
ein, daß sofortiges Abgehen nach der spanischen Küste das richtigste sei,
um Tourville vor oder nach seinem Anschlage gegenüberzutreten, aber erst
am 21. Juli war man seeklar und konnte wegen Gegenwindes gar erst am 27.
endgültig unter Segel gehen, nachdem nunmehr auch die Sprengung des
Convois bekannt geworden war. Die Flotte kreuzte wiederum vor Brest, »die
Rückkehr Tourvilles erwartend,« dann mußte auch die Absicht aufgegeben
werden, weil die dorthin bestellten englischen Proviantschiffe
ausblieben. Die Flotte kehrte am 26. August nach Torbay, am 8. September
nach St. Helens zurück und wurde bald bis auf das Wintergeschwader -- in
diesem Jahre ziemlich stark, z. B. 18 holländische Linienschiffe, aber
wie üblich keine schweren -- aufgelegt.
Die Untätigkeit der Flotte, insbesondere das Schicksal des Convois,
legte die englische Nation (Haus der Gemeinen) den drei
Oberbefehlshabern zur Last; in einer Untersuchung wurden sie aber
freigesprochen, die Hauptschuld traf auch wohl die Leitung von London
und die Verwaltung. Jointadmirale ernannte man aber nicht wieder, oder
doch nur einmal unter ganz anderen Umständen (einen Oberbefehlshaber
für die See- und einen für die Landoperationen einer Expedition).
=Tourville= war nach der Vernichtung des Convois =ins Mittelmeer=
eingelaufen und hatte sich am 18. Juli vor Malaga mit dem
Toulon-Geschwader vereinigt. Er mußte annehmen, im Atlantik jetzt der
weit stärkeren Hauptflotte des Feindes zu begegnen; er bedurfte der
Ausrüstung, da er ja Brest sehr eilig verlassen hatte, auch war so die
französische Seeherrschaft im Mittelmeer unbedingt gesichert. Die
spanische Küste entlang laufend, gelang es ihm noch, in Gibraltar (durch
Brander) und in Malaga (durch armierte Boote) einige englische und
holländische Schiffe zu zerstören. Dann aber blieb die ganze, jetzt 94
Linienschiffe (190 Segel) starke Flotte untätig in Toulon liegen; Mitte
September kehrte der Admiral mit den Atlantik-Schiffen ungehindert nach
Brest zurück.
Von dem Jahre 1693 ist nur noch das $Bombardement von St. Malo$ zu
erwähnen. Von dieser Stadt aus wurde die Freibeuterei jetzt ebenso
erfolgreich betrieben wie von Dünkirchen. Ende November erschien hier ein
englisches Geschwader von Linienschiffen IV. Klasse, kleineren
Fahrzeugen, Brandern und Mörserbooten; ein besonders konstruierter
Brander war beigegeben.
Dieser Brander -- =Machine oder Infernal= genannt; in England durch
einen holländischen Ingenieur Meesters konstruiert -- war ein altes
Hafenfahrzeug von 350 tons mit ausgemauertem Boden, gefüllt mit losem
Pulver und solchem in Fässern, darüber eine dicke Schicht von Pech,
Harz, Werg und dgl. Alles war so gestaut, daß eine Entzündung schnell
um sich greifen mußte; auf der deckenden Schicht lagen Brandgeschosse,
Kugeln und Ketten.
Stadt und Hafen von St. Malo waren gedeckt durch einige Forts auf
kleinen Inseln. Das Geschwader ankerte am 26. November bei Cap Fréhel,
sandte schon nachmittags einige Mörserboote gegen das äußerste Fort,
vertrieb die Franzosen hier und errichtete eine Batterie. Am 27. wurden
dann die übrigen Befestigungen von hier aus und durch die Mörserboote
beschossen; der Erfolg war jedoch gering infolge schlechter Munition
(vgl. Seite 174), das Feuer wurde kräftig erwidert, die Mörserboote und
die sie deckenden Schiffe mußten zurückgehen. In der Nacht vom 30.
November bis 1. Dezember wurde der Infernal losgelassen. Bei glatter
See und auflandigem Winde kam er bis auf 50 Schritt an die Stadtmauer
heran, wurde nun aber durch eine Windveränderung auf einen Felsen
geworfen und leck gestoßen; entzündet, zerstörte er dennoch gegen 300
Häuser.
Es ist dies der erste Fall der Unternehmungen gegen französische Städte.
Da sie keinen Einfluß auf den Krieg hatten und nur die friedlichen
Einwohner schädigten, werden sie -- auch von englischen Autoren -- als
nutzlos und barbarisch bezeichnet. Man muß doch aber wohl die von den
englischen Quellen angeführte Entschuldigung gelten lassen, daß Ludwig
XIV. durch das Bombardement von Genua 1684 das Beispiel zu solchen
Unternehmungen gegeben habe, auch daran denken, daß man in ihnen ein
wirksames Mittel gegen die sonst nicht niederzuhaltende Freibeuterei zu
finden hoffte.
Wenn wir im Jahre 1693 noch einmal eine große französische Flotte sehen
und infolgedessen auch ein Zusammenhalten der Streitkräfte Englands und
Hollands, so treten jetzt von $1694$ an die Verhältnisse in der
Kriegführung, wie sie vorhin angedeutet sind, völlig ein. =Die Franzosen=
stellten im Atlantik etwa 50 Linienschiffe in Dienst, von denen einige
ins Mittelmeer gesandt, die anderen in kleinen Divisionen auf die Häfen
am Kanal und Atlantik verteilt wurden. Im Mittelmeer verfügte Tourville
so über eine Flotte von etwa 20 Linienschiffen und die Galeren; er griff
von Anfang Mai an in den spanischen Landkrieg ein -- Eroberung von
Palamos; Belagerung von Barcelona --, in dem bekanntlich Ludwig in diesem
Jahre wieder kräftig und, eben durch Unterstützung der Flotte, anfangs
auch erfolgreich vorging. Die Divisionen in den nördlichen Gewässern
sollten nur zum Schutz der Küste und zum Kreuzerkriege dienen; jetzt
begann Frankreich, den feindlichen Handel ganz besonders heftig mit
kleinen Divisionen von Kriegsschiffen oder von Freibeutern anzugreifen.
Die =Verbündeten= hatten auch für dieses Jahr stark gerüstet und waren
jetzt in der Lage, ihre Streitkräfte für die verschiedenen Aufgaben zu
teilen und den Spaniern die vertragsmäßige Hilfe zu bringen. Kurz seien
$die Operationen des Jahres 1694$[246] aufgeführt.
[246] Die (ungefähren) Angaben über die Anzahl der Linienschiffe bei
diesen sind aus de Jonge, Teil III, entnommen.
Am 6. Januar ging ein gemeinsames =Geschwader= von 25 Linienschiffen
unter Vizeadmiral =Wheeler= (die Holländer unter Callenburgh) mit einem
Convoi =nach dem Mittelmeer=. Es hatte den Befehl, die Levantefahrer
des Convois bis Malta zu führen, dann von Cadiz aus die Silberflotten
zu sichern und später zurückkehrende Levantefahrer heimzugeleiten. Am
28. Februar verlor dieses Geschwader in einem schweren Sturm nahe bei
Gibraltar 4 Linienschiffe, darunter das Flaggschiff mit dem Admiral;
unter Callenburgh kehrte es nach Cadiz zurück, weil es ein
Zusammentreffen mit der Toulonflotte fürchtete, und war nicht einmal
imstande, die von Brest abgegangenen französischen Schiffe (am 14. Mai
bei Gibraltar) an ihrer Vereinigung mit Tourville zu hindern.
Die =Hauptflotte der Verbündeten= unter =Russell= (Holländer unter
=Almonde=) begann sich im April zu sammeln. Im Mai wurde der Versuch
gemacht, die von Brest nach Toulon bestimmten Schiffe festzuhalten; man
kam zu spät, vernichtete aber einen feindlichen Convoi. Im Juni waren
gegen 80 Linienschiffe bei St Helens vereinigt; es wurden jetzt (15.
Juni) zwei Flotten formiert. =Russell selbst= ging mit 44
Linienschiffen =zum Mittelmeer=, vereinigte sich am 11. Juli mit dem
dort befindlichen Geschwader und war jetzt, da auch 10 Spanier
hinzustießen, 75 Linienschiffe und 15 Brander stark. Er ging nach
Barcelona, traf hier am 8. August ein und hob die Belagerung auf;
Tourville hatte sich schon bei seiner Annäherung auf Toulon
zurückgezogen. Die Flotte blieb dann bis Mitte Oktober an der Ostküste
Spaniens und zeigte sich auch an der französischen. Zwar wurde nichts
gegen die Küstenstädte Kataloniens, die in französischen Händen waren,
unternommen, weil sich die spanische Landmacht unzureichend erwies,
aber man hielt doch Tourville in Toulon fest, hinderte das Zurückgehen
der Brest-Schiffe für den Winter und sicherte den Handel im Mittelmeer.
Die Flotte überwinterte in Cadiz, um im nächsten Jahre früh bereit zu
sein.
=Dies ist bemerkenswert.= Es geschah zum ersten Male; man kann von hier
an die dauernde Stationierung einer englischen Flotte im Mittelmeer
rechnen. Es war so neu, daß es anfänglich den Widerpruch Russells (und
auch wohl anderer Offiziere) hervorrief; anderseits sah England den
Fehler ein, den es mit der Aufgabe von Tanger gemacht hatte, und sorgte
nun bald für Gewinnung eines Stützpunktes im Mittelmeer (zunächst Port
Mahon).
=Der zweite Teil der Hauptflotte= -- 36 Linienschiffe (16 Holländer)
mit Fregatten, Brandern und einer größeren Zahl von Mörserbooten --
wurde unter Admiral =Lord Berkeley= of Stratton zu Unternehmungen
=gegen die französische Küste=[247] bestimmt. Insbesondere
beabsichtigte man =Brest= anzugreifen, zu welchem Zweck 6000-7000 Mann
unter General Talmash eingeschifft wurden. Diese sollten die Forts
nehmen, die die Einfahrt verteidigten, damit die Schiffe auf die
Binnenrhede einlaufen könnten. Aber die Franzosen waren vorbereitet;
die Unternehmung war durch hochgestellte Personen in England, die sich
für alle Fälle bei Jakob gut stellen wollten, verraten. =Vauban= selbst
hatte die Verstärkung der Befestigungen geleitet; insbesondere waren am
Strande der Außenrheden (Bucht von Camaret und von Bertheaume)
zahlreiche neue Batterien aufgeworfen, von denen die Verbündeten nichts
wußten, und Truppen in Verschanzungen aufgestellt worden. Am 17. Juni
ankerte Berkeley in der Camaret-Bucht -- südlich vom Goulet de Brest,
der Einfahrt zur Binnenrhede -- außerhalb Schußweite und nach einer
Erkundung wurde auf Talmash' Drängen die Landung in dieser Bucht
beschlossen. Am 18. wurde sie, gedeckt durch das Feuer von 3
Linienschiffen und 6 Fregatten, mit Bravour ausgeführt, aber
zurückgeschlagen. Von den Gelandeten (1200? 600? Mann) kamen nur wenige
(100?) zurück, weil die Boote trocken gefallen[248] waren, Talmash
selbst wurde schwer verwundet. Auch die deckenden Schiffe litten, ein
Holländer geriet auf Strand und ging verloren. Da die Mörserboote wegen
der Außenforts nicht nahe genug herangehen konnten, um die Stadt oder
die Binnenrhede mit Erfolg zu beschießen, segelte die Flotte nach St.
Helens zurück (25. Juni dort).
[247] Die Bombardements der französischen Küstenstädte in diesen Jahren
etwas genauer in Bonfils, Teil I, und in de Jonge, Teil III.
[248] D. h. sie lagen nach Zurückweichen des Wasser bei Ebbe auf dem
Strande.
Es kam jetzt der Befehl, andere Städte zu bombardieren oder mit
Infernals anzugreifen. (Es sei erwähnt, daß in den Jahren 1694/95 gegen
30 solcher Fahrzeuge erbaut wurden, aber schon 1695 gab man diese Waffe
wieder auf.) Die Truppen wurden ausgeschifft, von Landungen also
abgesehen. Am 18. Juli erschien =Berkeley vor Dieppe=, warf am 23. aus
den Mörserbooten gegen 1100 Bomben und Brandgeschosse in die Stadt,
wodurch diese auf lange Jahre hinaus fast ganz zerstört wurde; der
Angriff mit einem Infernal mißlang, weil dieser wegen einer Sperre zu
weit abblieb. Am 26. wurde =Havre= bombardiert. Der Erfolg war hier
aber unbedeutend, da Seegang ein gutes Zielen unmöglich machte; dagegen
flog ein Mörserboot im feindlichen Feuer auf. Die Flotte ging dann nach
England zurück und die großen Schiffe wurden aufgelegt.
Im September wurde nochmals ein =Geschwader unter Shovel gegen
Dünkirchen= gesandt. Die Seeoffiziere erachteten zwar die Jahreszeit
für nicht mehr dazu geeignet, gerade gegen diese Stadt zu operieren;
sie erhielten aber Befehl zum Angriff, weil von hier aus in letzter
Zeit die Freibeuter bedeutende Erfolge erzielt hatten und über
Dünkirchen große Kornladungen (durch Jean Bart) aus der Ostsee nach
Frankreich eingeführt waren. Das Geschwader war sehr stark (18
Linienschiffe), besonders an Infernals (17) und vereinigte sich noch
mit der ständig gegen Dünkirchen aufgestellten Flottille; Es wurde
nichts erreicht. Die Franzosen waren wieder von dem Plane unterrichtet
und hatten die in den letzten Jahren verstärkten Befestigungen gut im
Stande gehalten. Mehrere Forts deckten die Stadt und 2 Forts auf den
langen Molen den Hafeneingang, der außerdem gesperrt war. Zwar wurde
durch Ausloten des wenig bekannten Wassers trotz heftigen Feuers (am
22. September) festgestellt, daß ein Beschießen der Stadt von der
Westseite möglich sei, aber die Mörserboote waren noch nicht
eingetroffen. Man schickte vorläufig 2 Infernals gegen die Molenforts;
der eine wurde vom Feinde in Brand geschossen, der andere durch Boote
abgeschleppt. Ehe die Mörserboote zum Geschwader stießen, wurde dieses
durch ungünstiges Wetter zum Verlassen der Rhede gezwungen. Am 26.
September beschoß man noch =Calais=, ebenfalls erfolglos, weil Wind und
Seegang die Mörserboote zwang, unter Segel zu operieren. Am 29. traf
das Geschwader in den Downs ein; die Unternehmungen fanden für 1694 ihr
Ende.
Aus vorstehendem ist zu ersehen, wie bedeutend die Rüstungen der
Verbündeten[249] für dieses Jahr gewesen waren, und daß sie als
unmittelbaren Erfolg nur die Zerstörung von Dieppe, den Entsatz von
Barcelona und die Sicherung ihres Handels im Mittelmeer zu verzeichnen
hatten; ihre Seeherrschaft im Kanal und in der Nordsee war keineswegs
eine unbestrittene gewesen, wie wir bei Betrachtung des Kreuzerkrieges
sehen werden.
[249] De Jonge, Teil III führt in Beilage XVII 49 Linienschiffe,
darunter 9 über 90 Kanonen, im Kanal, Mittelmeer und gegen
Dünkirchen allein für Holland auf.
$Die Operationen des Jahres 1695$ waren derselben Art. =Russell im
Mittelmeer= war von gleicher Stärke wie im Vorjahre, weil man die
Schiffe, die zu Ausbesserungen heim mußten, sofort durch andere ersetzte.
Die Flotte blieb in Cadiz, bis einige Mörserboote und 3000 Soldaten
(General Stewart) eintrafen; bis dahin hielt sie nur die Straße von
Gibraltar besetzt, um den Verkehr zwischen Brest und Toulon zu hindern.
Am 9. Mai ging sie die spanische Küste hinauf, hielt sich einige Zeit vor
Toulon und erschien dann =vor Palamos=; man beabsichtigte, im Verein mit
spanischen Truppen diese Stadt zu nehmen. Die Soldaten und auch eine
Anzahl Seeleute wurden gelandet (16. August) und die Stadt von den
Mörserbooten beschossen. Es gelang, ein kleines französisches Heer, das
in der Nähe stand, zu vertreiben; die Stadt würde auch gefallen sein,
wenn die spanischen Truppen stärker gewesen wären und die Verbündeten
ausgehalten hätten. Aber bald (27. August) ging Russell wieder nach
Toulon, weil er von gefangenen französischen Fischern gehört hatte, daß
die französische Flotte auslaufen wolle. Sofort kehrten die Franzosen am
Lande zurück und der spanische General mußte die Belagerung aufgeben. Die
Nachricht war (absichtlich) falsch gewesen, die französische Flotte war
keineswegs seeklar. Bis Ende September kreuzte Russell bei Sardinien und
den Balearen; das ganze Ergebnis war also wieder, daß der Handel
geschützt und die Franzosen in Toulon festgehalten wurden.
Am 27. September traf die Flotte in Cadiz ein und fand von England und
Holland den Befehl vor, heimzukehren. Etwa 20 Linienschiffe blieben unter
=Rooke=, der mit einigen neuen Schiffen herausgekommen war, als
=Winterflotte in Cadiz=.
Auch im =Kanal= war wiederum eine große Flotte unter =Berkeley=
zusammengezogen worden -- daneben die übliche Flottille gegen Dünkirchen
und zum Schutz des Nordseehandels --, etwa ebenso stark, wie im Vorjahre
bei der Trennung dort. Es ist aber bemerkenswert, daß jetzt die meisten
Schiffe über 80 Kanonen fehlten, weil man erkannt hatte, daß diese bei
den Unternehmungen gegen die Küste nutzlos waren; die Holländer stellten
gar keine solcher schweren Schiffe in Dienst, dafür aber in diesem Jahre
auch Mörserboote (6). -- Wieder hatte man =Angriffe auf Küstenstädte= ins
Auge gefaßt, aber wie am Lande und im Mittelmeer kann man auch hier
sehen, daß die Kriegführung lauer wurde. Erst Ende Juni war die Flotte
operationsfähig; es wurde aber nicht mehr geleistet als im Jahre 1694;
die französischen Häfen waren natürlich in immer besseren
Verteidigungszustand gesetzt.
Am 14. und 15. Juli ward =St. Malo= von der ganzen Flotte angegriffen.
Es gelang zwar, einen Brander an eines der beiden auf Felsen gelegenen
Hauptforts so nahe heranzuführen, daß dieses infolge des Rauches
längere Zeit nicht feuern konnte, aber niederzukämpfen waren die
massiven Befestigungen nicht, obgleich die Mörserboote ziemlich nahe
herangingen; nachdem etwa 900 Bomben geworfen und einige Häuser der
Stadt in Flammen aufgegangen waren, wurde abgebrochen. Am 18. Juli
beschossen einige Schiffe die offene Stadt =Granville=, die teilweise
verbrannte. Nach einem Aufenthalt in St. Helens und den Downs, um
Munition zu ergänzen und Infernals -- eine größere Zahl unter dem
Kommando des Erfinders Meesters -- heranzuziehen, erschien, verzögert
durch Gegenwind, die Flotte am 11. August vor =Dünkirchen=. Da dieser
Angriff gut vorbereitet war und energisch durchgeführt wurde, sei etwas
näher darauf eingegangen.
Wieder hatten die Franzosen Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Bei
Erwähnung des Unternehmens der Verbündeten 1694 wurde gesagt, daß die
Wasserverhältnisse westlich von der Einfahrt für einen Angreifer zum
Bombardement der Stadt und des Hafens die günstigsten sind; deshalb war
schon früher westlich von der Stadt ein starkes Fort erbaut worden.
Dieses war jetzt verstärkt durch eine neue Batterie am Strande und
durch Stationierung von 9 schweren Kanonenschaluppen längs des Strandes
zwischen dem Fort auf der Westmole (in ihm kommandierte Jean Bart) und
dienen Befestigungen. Eine gleiche Zahl Schaluppen legte man in die
Hafeneinfahrt, um sie zu sperren und um Branderangriffe auf die beiden
hölzernen Molenforts abzuweisen; die ganze Stellung war endlich durch
Verankerung von abgetakelten, schwer armierten Schiffen, deren Feuer
sich mit dem der Forts kreuzte, verstärkt.
Die Verbündeten konnten ihre schwereren Schiffe des Tiefgangs wegen
nicht verwerten; das Gros der Flotte ankerte deshalb bei Gravelines und
detachierte (11. August) 18 Mörserfahrzeuge, viele armierte Boote und
einige Brander unter dem Schutz von 16 Fregatten sowie anderen
kleineren Segeln. Die Mörserboote legten sich -- zuerst etwas zu weit,
dann aber näher -- in Halbmondform um die Molenforts sowie das große
Westfort und bombardierten von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags; der
Erfolg war gering, der Feind antwortete kräftig und Seegang
beeinträchtigte das Schießen. Inzwischen wurde ein Angriff von 4
Infernals vorbereitet, von dem man sich gerade den Holzforts gegenüber
großen Erfolg versprach. Ein neuer Gedanke des Erfinders sollte hierbei
verwertet werden, nämlich den Angriff durch Vorausschicken von
=Rauchschiffen= (eine Art Brander, die angezündet hauptsächlich Rauch
erzeugten) zu maskieren; diese sollten einerseits das Feuer des Feindes
auf sich ablenken, anderseits eben die Infernals verbergen. Auch diese
Gruppe wurde durch einige Fregatten gedeckt, die voraussegelten und
zuerst das Feuer auf sich zogen. Aber durch irgend welche Umstände
verzögert, blieben Rauchschiffe und Infernals zu weit achteraus; die
Fregatten mußten zurück und auch die armierten Boote, die gegen die
feindlichen Schaluppen zwischen den Forts vorgegangen, wurden
abgeschlagen. Als endlich der Angriff der Infernals erfolgte, hatte er
das ganze Feuer auszuhalten; die Fahrzeuge wurden zu früh entzündet,
verlassen und dann von französischen Booten aus gefahrdrohender Nähe
geschleppt. Um 5 Uhr nachmittags gab Berkeley Befehl zum Rückzug. Da
der Wind auflandig war und die Ebbe noch nicht eingesetzt hatte, wurde
es den Mörserbooten und den deckenden Schiffen schwer, sich aus dem
Feuer zu ziehen, sie litten sehr; mehrere kamen auf Strand und konnten
erst bei der nächsten Flut wieder abgebracht werden, eine holländische
Fregatte wurde genommen. Man hatte nichts erreicht, obgleich 1200
Bomben und 2000 Kugeln verschossen waren. (Dieser Vorfall gab Anlaß zu
einer Abhandlung über die Schwierigkeit einer Beschießung von See aus
im Vergleich zu einer solchen vom Lande: Man müsse sie ohne jede
Deckung ausführen; sei abhängig von Wind und Strom; könne seine
Stellung nicht so genau wählen; der Geschützstand sei zu bewegt.) Das
Unternehmen wurde aufgegeben; man erachtete die Westseite für zu stark,
weil man mit den schweren Schiffen nicht nahe genug kommen konnte,
gegen die weniger starke Ostseite wagten die Lotsen nicht einmal
kleinere Fahrzeuge heranzuführen.
Ein hierauf beschlossener =Angriff auf Calais= wurde durch ungünstige
Wetterverhältnisse und dadurch verzögert, daß die Infernals nicht zur
Stelle waren; man sagt, Meesters habe sich absichtlich mit ihnen
ferngehalten, weil man ihm allein die Schuld des Mißerfolges gegen
Dünkirchen zugeschoben hatte. Es wurde jetzt ein Versuch mit einem
improvisierten Brander, gedeckt durch schwere Schiffsboote, gegen ein
Fort gemacht, aber abgeschlagen; auch eine Beschießung durch
Mörserboote hatte nur geringen Erfolg. Am 28. ging die Flotte nach
England zurück und die Holländer trennten sich von ihr, weil Berkeley
das Kommando an einen jüngeren Flaggoffizier abgab, unter dem Almonde
nicht dienen wollte. Sie kreuzten noch einige Zeit im Kanal, dann
wurden die Wintergeschwader gebildet.
=Im Jahre 1696= gaben die Verbündeten die Operationen =im Mittelmeer=
auf. Anstatt das dort belassene Wintergeschwader wieder zu einer
mächtigen Flotte zu verstärken, erhielt es den Befehl zur Heimkehr. Man
scheint es müde geworden zu sein, Spanien zu unterstützen, weil dieses
seinerseits den Krieg nur lau führte; es hatte nach dem ersten Jahre nie
wieder zur Verstärkung der Seestreitkräfte beigetragen und trat auch am
Lande stets ungenügend auf. Man glaubte auch wohl bei der eigenen
fortschreitenden Erschöpfung alles, was man aufstellen konnte, in den
nördlichen Gewässern nötiger zu haben; das Geschwader unverstärkt im
Mittelmeer zu lassen, erschien nicht ratsam, weil Frankreich in Toulon
stark rüstete. So verließ Rooke Anfang April Cadiz -- infolge stürmischer
Witterung etwa 14 Tage verzögert -- und führte einen Convoi von 130
Levantefahrern heim. Es war unter diesen Umständen auch hohe Zeit, denn
schon im März war Château Renault mit 47 Kriegsschiffen von Toulon in See
gegangen und auch nur durch Sturm aufgehalten worden.
Als man im Winter den Beschluß faßte, das Mittelmeer aufzugeben, war
allerdings im Kanal eine gewisse Gefahr aufgetaucht: Frankreich zog in
Calais Truppen und in Dünkirchen Transporter zusammen. In den
Niederlanden wurde zunächst ein Angriff auf Seeland von See her
gefürchtet und in Eile dagegen gerüstet, so gut es der Winter erlaubte;
da alle schweren Schiffe auflagen und ausgebessert wurden, stellte man
hauptsächlich Schiffe der Kompagnie, Freibeuter und Fahrzeuge sonst nur
zum Convoieren bestimmt, in Dienst und zog Truppen an der Küste zusammen.
Bald aber erfuhr man, daß es dem =Versuch einer überraschenden Landung in
England= gelte. Noch einmal wollte Ludwig für Jakob eintreten; die
Gelegenheit schien günstig, da die Königin Maria von England gestorben
war und die Jakobiten sich aufs neue rührten. =Jean Bart= mit den in
Dünkirchen vorhandenen Kriegsschiffen und =de Nesmond= mit einer Division
von Brest sollten etwa 20000 Mann auf 300 Transportern hinüberführen;
Jakob selbst begab sich nach Calais. Nun brachten die Holländer unter dem
Schutz der eben in Dienst gestellten Schiffe einige tausend Mann in die
Themse (im März) und die Engländer schickten gleichzeitig die
Winterseestreitkräfte beider Länder, nach Möglichkeit noch verstärkt, in
den Kanal. =Russell= erschien mit diesen an der französischen Küste bei
Gravelines; er ging zwar bald zurück, ließ aber am 13. April durch ein
Geschwader unter Shovel =Calais= beschießen, wohin sich die Transporter
schon begeben hatten. Die Beschießung hatte zwar wenig Erfolg, aber
Ludwig gab doch seinen Plan auf, weil er ein überraschendes Auftreten
ausgeschlossen sah. Die Vorbereitungen waren nicht schnell und
rechtzeitig genug fertig geworden; französische Quellen sagen: Jakob,
leicht erkrankt, sei schuld an der Verzögerung gewesen. Jakobs Schicksal
war hiermit endgültig entschieden.
Infolge dieses Vorganges trat auch die =Sommerflotte der Verbündeten= in
diesem Jahre früher zusammen als in den Vorjahren, schon im April gingen
die ersten Holländer nach England. Diese Flotte wird die übliche Stärke
gehabt haben; das holländische Kontingent betrug 37 Linienschiffe,
darunter 8 über 90 Kanonen.
Anfang Mai ging =Rooke=, der den Oberbefehl übernommen hatte, mit den zur
Zeit fertigen Schiffen kanalabwärts, um der in Brest erwarteten
Toulonflotte entgegenzutreten; er kam zu spät, sie traf am 15. in Brest
ein. (Ebensowenig gelang es einer Flottille, die unter Bembow Dünkirchen
bewachte, zu hindern, daß Jean Bart mit seiner Division am 17. Mai
auslief, wovon später.)
Die Flotte lag dann vom 3. Juni an untätig vor Torbay -- die Holländer
sagen, »Befehle aus London erwartend«; sie klagen, daß auf diese Weise in
den letzten Jahren öfters die Operationen aufgehalten seien --, erst nach
drei Wochen ging sie, nun unter =Berkeley= nach Brest, um den Feind
herauszulocken. Ihr Erscheinen zwang die Division de Nesmond, die zum
Kreuzerkrieg an die spanische Küste gehen wollte, zurückzulaufen. Man
erfuhr dann, daß ein großer Teil der aus Toulon gekommenen Schiffe
abrüste, daß also der Gegner nichts Größeres beabsichtige. =Die
verbündete Flotte= wandte sich deshalb =wieder gegen die Küsten=. Mit den
Operationen gegen die Städte am Kanal hatte man nichts erreicht, so
sollte nun versucht werden, den Gegner an der Westküste mehr zu
schädigen; der Erfolg war noch geringer.
Die Flotte segelte nach =Belleisle=, wo Tromp vor 22 Jahren gelandet
war. Da jedoch hier die Befestigungen zu stark erschienen, begnügte man
sich damit, die =Inseln Houat und Haedik= zu verwüsten, und eine
Abteilung von 8 Linienschiffen mit sämtlichen Mörserbooten südlicher zu
senden. Dieses Detachement schoß am 15. Juli =St. Martin= auf der Insel
Ré und am 17. die kleine Stadt =Les Sables d'Olonne= auf dem Festlande
in Brand (2000 Bomben, die ganze Munition, verbraucht) und vereinigte
sich wieder mit der Flotte.
Am 30. Juli wurde die Rückfahrt nach Torbay angetreten, um Vorräte zu
ergänzen, und die Operationen hatten ein Ende. Vom holländischen
Kontingent wurden gleich verschiedene Divisionen abberufen -- zum
besseren Schutz des Handels in der Nordsee und zur Deckung der erwarteten
Ostindienfahrer -- und im September verminderte man die Streitkräfte
überhaupt auf eine gemeinsame Winterflotte. Diese übernahm in kleinen
Divisionen den Handelsschutz. Eine solche Division führte einen Convoi
nach dem Mittelmeer; die holländischen Schiffe dieser geleiteten im März
1697 wieder Kauffahrer heim; die englischen gingen unter Vizeadmiral
=Neville= nach Westindien, wo wir sie wieder treffen werden.
$Vom Jahre 1697$, in dem die Friedensverhandlungen begannen, sind keine
größeren Ereignisse in europäischen Gewässern mehr zu melden. Die
Sommerflotte unter Rooke wurde weit schwächer bemessen -- die Holländer
z. B. nur 22 Linienschiffe --; vereint oder in mehrere Teile geteilt,
hielt sie im Kanal und in der Biscaya die kleinen französischen
Divisionen, deren Zahl und Stärke immer geringer geworden war, im Schach.
$Spanien$ wurde weiter seinem Schicksal überlassen und, wie schon erwähnt
(Seite 415), dadurch zum Frieden gezwungen. Die französischen Truppen,
unterstützt durch ein Toulongeschwader unter d'Estrées, machten rasche
Fortschritte; =Barcelona= fiel jetzt. Von Einfluß war auch ein =Vorstoß
der Franzosen in Westindien gegen Cartagena=, dem seit alten Zeiten als
Sammelplatz der Reichtümer von Peru stets beliebten Angriffsobjekt der
Feinde Spaniens.
Im Januar 1697 verließ der Chef d'Escadre =de Pointis= mit 6
Linienschiffen, 5 Fregatten, einigen Mörserbooten und kleinen
Fahrzeugen sowie Transportern mit 6000 Mann Frankreich, um die
spanischen Kolonien und die Silberflotten zu bedrohen; in Westindien
durch 12 Flibustier verstärkt, erreichte er am 12. April Cartagena.
Nach regelrechter Belagerung zu Wasser und zu Lande wurden bis zum 30.
nacheinander die 3 schützenden Forts erstürmt und am 4. Mai ergab sich
die Stadt; sie mußte eine Kontribution von 10 Millionen zahlen, reiche
Beute fiel den Siegern in die Hände; die Befestigungen wurden
geschleift, da man den Platz nicht halten konnte und ihm überdies Hilfe
nahte.
Als man nämlich in England die Abfahrt de Pointis' erfahren hatte,
wurde der Vizeadmiral =Neville= mit den englischen Schiffen an der
spanischen Küste, in Madeira noch durch holländische der Kanalflotte
auf 27 Kriegsschiffe verstärkt, hinterher gesandt. Pointis erfuhr
Nevilles Eintreffen in Barbados, verließ deshalb Anfang Juni Cartagena
und wählte den Weg durch die Floridastraße anstatt durch die
Windward-Passage, um dem Feinde zu entgehen; er war nicht nur zu
schwach, sondern auch durch Prisen behindert, ferner waren seine
Schiffe überladen und Krankheit herrschte auf ihnen. Durch die Wahl des
Weges stieß er aber gerade auf den Feind, der von Jamaica nach
Cartagena unterwegs war. Fünf Tage lang verfolgte Neville die Franzosen
zeitweise auf Schußweite, es gelang aber nur, ihnen eine Prise wieder
abzunehmen. Pointis erreichte mit dem größeren Teile seines Geschwaders
über Neufundland, wo er zum Wassernehmen anlief und fast einem dortigen
englischen Geschwader in die Hände gefallen wäre, im August glücklich
Brest; hier traf er den Rest seiner Schiffe schon an, bei Ouessant
hatte er noch den Angriff einer englischen Division abzuschlagen
gehabt. Auch auf Nevilles Geschwader war eine Epidemie ausgebrochen,
die schwere Opfer (etwa 1/3 der Besatzungen) kostete: Die Engländer
verloren daran 2 Flaggoffiziere, 7 Kommandanten, 1500 Mann; die
Holländer 1 Admiral, 3 Kommandanten, 400 Mann. Die Spanier in Havanna
verweigerten aus Furcht vor Ansteckung das Auffüllen von Wasser und
Proviant, ja lehnten sogar die angebotene Begleitung der dort
bereitliegenden Silberflotte ab. Der Rest der Besatzungen konnte wegen
Entkräftung auf der Heimreise kaum die Schiffe bedienen.
Am 20. September 1697 wurde der =Frieden von Ryswijk= geschlossen, dessen
Bedingungen wir schon kennen (vergl. Seite 416.)
$Der kleine Krieg; der Kreuzerkrieg der Franzosen.$[250] Wie in den
früheren Kriegen so wurde auch in diesem die =Freibeuterei= von beiden
Parteien von Anfang an lebhaft betrieben. Auf seiten der Verbündeten
zeichneten sich hierin die Seeländer aus, die bekanntlich von alters her
diesem Gewerbe (der »freien Nahrung«) sehr zugetan waren; wie früher
bildeten sich hier, besonders in Vlissingen und Middelburg,
Gesellschaften zu diesem Zwecke. Von Frankreich aus machten die
Freibeuter der Städte Dünkirchen, St. Malo, Dieppe, Havre, Bayonne die
Meere unsicher.
[250] Hauptquellen: Chabaud-Arnault, Seite 99; Bonfils, Teil I, Seite
352, 357; Mahan, Teil I, Seite 188; de Jonge, Teil III, an
verschiedenen Stellen.
Die Franzosen waren dabei wohl stets im Vorteil. Einerseits war ihr
Handel weit geringer, anderseits stand ihnen dazu mehr Material zur
Verfügung; ihre Schiffahrt war schon vor dem Kriege (seit Colberts Tode)
zurückgegangen, es ist verständlich, daß die Rhederei die vorhandenen
Schiffe und Seeleute in dieser Weise zu verwenden suchte. Infolge ihrer
Lage schädigten besonders Dünkirchen und St. Malo den Feind; St. Malo
machte jetzt Dünkirchen fast den Rang streitig.
Da =Dünkirchen= den wichtigen Handel nach der Ostsee durch die Nordsee,
sowie den Fischfang in diesem Meere, in hohem Maße gefährdete, sahen
sich die Holländer von Anfang an genötigt, wie in früheren Kriegen eine
Flottille zur ständigen Beobachtung der gefährlichen Stadt aufzustellen.
Von 1691 an wurde diese stehende Flottille zu einem gemeinsamen
englisch-holländischen Geschwader, von Jahr zu Jahr verstärkt, weil die
Gefahr immer zunahm.
Die Holländer stellten als =Dünkirchen-Geschwader=:
1690 = 2 kleine Linienschiffe (50 Kanonen), 6 Fregatten.
1691-1693 = 5 " " 11 "
1694-1696 = 9-11 Linienschiffe (bis zu 60 und 70 Kanonen) und gegen 12
Fregatten. Von England trat seit 1691 stets etwa die gleiche Zahl,
besonders an Linienschiffen, hinzu.
Dieses Geschwader war nur dazu bestimmt, den Hafen zu blockieren und den
östlichen Eingang in den Kanal reinzuhalten, Abgang und Ankunft größerer
Convois im Osten zu decken, wie wir es von Geschwadern der Hauptflotte
oder von dieser selbst im Westen für Convois von und nach dem Atlantik
sowie Mittelmeer gesehen haben. Auf ihren weiteren Reisen wurden die
Convois in allen Meeren durch besondere Schiffe in kleinerer Zahl
begleitet; Holland hatte zu diesem Zweck jährlich gegen 30-40 sogenannte
=Convoijers= -- Fahrzeuge von 16-50 Kanonen; meist 24-40 -- im Dienst.
Wir wissen schon, daß in diesem Kriege der Handel nicht nur durch
Freibeuter, oder auch Kriegsschiffe, und durch vereinzelte Operationen
der Hauptstreitkräfte (Geschwader; selbst Flotten) gegen größere Convois
bei günstiger Gelegenheit neben anderen Aufgaben angegriffen wurde,
sondern daß =Frankreich= bald fast seine ganze Kriegführung zur See
darauf richtete. So wurde denn auch der eigentliche =Kreuzerkrieg= von
ihm zu Ende dieses Zeitabschnittes (auch im nächsten und letzten Kriege
-- dem Spanischen Erbfolgekriege -- bleiben die Franzosen dabei) in einem
Grade geführt, der weder vorher noch nachher erreicht ist; er ist deshalb
wohl geeignet zur Beurteilung des Wesens und des Wertes eines solchen
Krieges.
Was führte nun Frankreich auf diesen Weg? Es ist schon darauf hingewiesen
(Seite 424), daß der Marineminister Pontchartrin nicht viel von einer
Marine hielt, und es ist mehrfach angedeutet, daß Ludwig selbst die
Wichtigkeit der Erringung der Seeherrschaft nicht genügend erkannte. So
kam es, daß nach der Niederlage von La Hogue die Ansicht des Ministers,
den Krieg nur gegen den Handel der Verbündeten zu führen, bei der
entscheidenden Stelle immer mehr Anklang fand. (Im conseil d'Etat -- die
Vertrauensmänner des Königs --, der über alle wichtigen Sachen
entschied.)
Schon der Zug Tourvilles, die campagne au large, 1691 sollte in der
Hauptsache diesem Zweck dienen (der Versuch, den Smyrnaconvoi
abzufangen); 1692 nach La Hogue wurden die gesammelten Transporter zur
Freibeuterei benutzt, mit großem Erfolge, da die Verbündeten ihre Flotte
fälschlich zusammenhielten; die letzte große Flotte, die Frankreich 1693
aufstellte, war nur für einen Schlag gegen den feindlichen Handel
bestimmt (Tourvilles Vernichtung des Smyrnaconvois). Von Ende 1693 an
verschwinden die großen Flotten; es war dies allerdings nicht nur eine
Folge der neuen Ansicht über die geeignetste Art der Kriegführung,
sondern auch des Verfalls der Marine, hervorgerufen durch ihre mangelnde
Pflege sowie durch die Erschöpfung des Landes. Nun wurde =der Krieg gegen
den Handel= zum reinen Kreuzerkriege und =erhielt einen eigentümlichen
Charakter=, ähnlich dem englischen zur Zeit der Königin Elisabeth gegen
Spanien: er wurde teils von der Regierung, teils von Privaten, Hand in
Hand, geführt.
Wir wissen, daß die Franzosen von 1694 an in den Häfen des Kanals und
des Atlantik nur kleine Divisionen für den Küstenschutz aufstellten;
diese nahmen auch an dem Kreuzerkriege teil. Vor allem aber erreichte
die Freibeuterei einen großen Umfang. Die französische Schiffahrt hatte
nach und nach fast ganz aufgehört, weil das Land vom Meere fast völlig
abgeschnitten war und auch im Innern Handel und Wandel stockten. Die
Freibeuterei wurde so immer mehr die einzige Möglichkeit, Schiffe und
Seeleute zu verwerten. Jetzt traten noch die auf der Flotte
entbehrlichen Mannschaften hinzu, und die Regierung begünstigte den
Kreuzerkrieg in jeder Weise. Schiffe und Offiziere der Marine wurden
Firmen und Gesellschaften, die Freibeuterei betreiben wollten, zur
Verfügung gestellt, als Gegenleistung erhielt der König einen Anteil
vom Gewinn; Minister und andere hochgestellte Personen nahmen
Anteilscheine von solchen Unternehmungen, ja mußten es tun, um dem
Könige zu gefallen.
Meist kreuzten die Freibeuterkapitäne mit ihren Schiffen allein, da
Männer dieses Gewerbes ungern abhängig waren. Auf den Schiffen folgte
man einer eigentümlichen Sitte: Vor dem Auslaufen wurde über den
Operationsplan vom Kapitän, den Offizieren und den Mannschaften in
freimütiger Besprechung der Beschluß gefaßt; einmal unterwegs herrschte
strengste Disziplin. Häufig aber auch operierten diese Fahrzeuge in
kleinen Divisionen von 3-6 Schiffen unter besonders tüchtigen Männern,
wie Jean Bart, Forbin, Duguay-Trouin u. a., die in der Freibeuterei
groß geworden waren, später einen Rang in der königlichen Marine
erhalten hatten und auch zeitweise in dieser beschäftigt wurden; von
den eigentlichen Seeoffizieren, die königliche oder
Freibeuter-Divisionen führten, haben sich Coëtlogon, de Nesmond, Renau
(der Erfinder der Mörserboote), du Casse u. a. ausgezeichnet.
Diese Verwendung der königlichen Offiziere und Schiffe hatte zwar sehr
verderbliche Folgen für die Marine, wie schon erwähnt -- Rückgang der
Güte des Offizierkorps; Verlust vieler guter Schiffe --, verlieh aber
dem Freibeutertum einen Geist und eine Tatkraft, die ihm sonst kaum
innewohnen; man muß auch zugestehen, daß die Besatzungen unter den
erwähnten hervorragenden Führern wohl lieber fochten als plünderten.
Der Handel der Engländer und Holländer litt außerordentlichen Schaden.
Verschiedene Autoren geben die Zahl der 1691-1697 von den Franzosen
genommenen Kauffahrer auf mehr als 4000 an; die Unternehmer gewannen
Reichtümer und auch in die erschöpfte französische Staatskasse flossen
bedeutende Summen. Zwar wollen auch die Gegner viele Schiffe aufgebracht
haben -- englische Quellen sprechen von über 2000 --, doch war der eigene
Verlust der größere und trug schließlich viel mit zum Friedensschluß bei.
Der kleine Krieg führte zu ungezählten Gefechten zwischen einzelnen
Schiffen und zwischen kleinen Divisionen, zu Angriffen und Verteidigungen
von Convois in allen Meeren, besonders von der Küste Spaniens bis in die
Nordsee. Die Geschichten der Marinen[251] erzählen manche davon; mit
besonderer Liebe, da sich gerade in ihnen seemännisches Geschick und Mut
zeigen; die französischen Freibeuter, vor allen Jean Bart, manövrierten
meist auf sofortiges Entern.
[251] Z. B. in den soeben angeführten Quellen; für die englische Marine
im Clowes, Teil II, Kap. »minor operations«.
Als Beispiel sollen hier nur =die Haupttaten Jean Barts=, des
berühmtesten Freibeuters dieses Krieges, gegeben werden: Als Sohn eines
Fischers 1650 in Dünkirchen geboren und selbst Fischer, diente Jean
Bart während des zweiten Krieges mit Auszeichnung in der holländischen
Marine, ging aber bei Ausbruch des dritten Krieges nach Frankreich,
obgleich ihm in Holland ein Schiff angeboten war. Er zog bald als
Freibeuter die Aufmerksamkeit Colberts auf sich, erhielt 1679 ein
Leutnantspatent in der königlichen Marine und wurde 1689 Kapitän. Als
solcher führte er ein Schiff bei Beachyhead; meist jedoch fuhr er auch
während dieser Jahre als Freibeuter, er wurde dabei 1689 nebst Trouin
von den Engländern gefangen, entfloh aber bald mit diesem.
Von 1692 an jedoch kommandierte er eine Division für den Kreuzerkrieg,
die »=Escadre du Nord=« oder »=de Dunkerque=« genannt. Bei seinem
ersten Auftreten in dieser Stellung gelang es ihm trotz des
englisch-holländischen Blockadegeschwaders auszulaufen, 3 feindliche
Kriegsschiffe und etwa 20 Kauffahrer zu nehmen, 80 Fischerfahrzeuge zu
vernichten und den Hafen wohlbehalten wieder zu erreichen. 1693 führte
er in dem Gefecht bei Lagos (Vernichtung des Smyrnaconvois) ein Schiff
mit Auszeichnung. Er übernahm dann wieder seine Division und leistete
1694 seinem Lande einen großen Dienst. Wegen Mißernten war Frankreich
in diesem Jahre auf Kornzufuhren aus der Ostsee angewiesen, 120
Fahrzeuge mit Getreide wurden von dort erwartet. Schon im Februar lief
Jean Bart aus und brachte einige 20 Segel glücklich ein, obgleich
englische und holländische Geschwader in der Nordsee waren. Im Juni
ging er mit 5 Schiffen (40-52 Kanonen) dem Rest entgegen, der durch
Eisverhältnisse aufgehalten war; er traf ihn in der Nordsee schon von 8
holländischen Kriegsschiffen (38-58 Kanonen) umringt, befreite ihn nach
heftigem Kampfe (280 gegen 390 Kanonen), in dem 3 Holländer genommen
wurden; darunter das Flaggschiff, nach de Jonge das erste holländische,
das in Feindeshand blieb (früher genommene sind stets gesunken). Für
diese Tat wurde er geadelt. 1695 zeichnete er sich bei der Verteidigung
seiner Vaterstadt als Kommandant des Westmolenforts aus. 1696 bricht er
wieder die Blockade mit 7 Segeln (300 Kanonen), um einen Convoi
rückkehrender holländischer Ostseefahrer abzufangen. Er trifft ihn
nördlich von Texel, nimmt sämtliche begleitende Kriegsschiffe (5 mit
200 Kanonen) und etwa 30 Kauffahrer. Er verbrennt diese, weil das
holländische Dünkirchengeschwader (14 Segel) erscheint, das gerade
einen ausgehenden Convoi Ostseefahrer geleitet, entzieht sich aber
selbst dem Angriff.
[Illustration: Jean Bart]
Im Jahre 1697 führte Jean Bart trotz feindlicher Geschwader den Prinzen
von Conti, Prätendenten für die Krone Polens, nach Danzig. Dies war
seine letzte Tat. Er starb, 52 Jahre alt, im April 1702, als der
Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges ihm neue Lorbeeren in Aussicht
stellte, aber er hinterließ tüchtige Schüler.
Seine Tätigkeit von Dünkirchen aus soll die üblichen drei bis vier
englisch-holländischen Convois im Jahre nach der Ostsee oft auf einen
beschränkt haben; kein Wunder, daß die Gegner ihr Geschwader vor dieser
Stadt immer mehr verstärkten und verschiedene Versuche machten, sie zu
zerstören.
Die ungeheueren Verluste, die die Verbündeten erlitten, beweisen, daß
ihre Marinen die Aufgabe, den Seehandel zu schützen, nicht gelöst haben.
Es führt uns dieser Umstand zu einer theoretischen $Betrachtung über das
Wesen des Kreuzerkrieges$.[252]
[252] Vgl. Mahan, Teil I, Seite 188 und Seite 126-132. Von Mahans
Auslassungen ist bereits früher (Seite 305) ein Auszug gegeben,
an den gewissermaßen hier angeschlossen wird.
Es gilt jetzt wohl allgemein als Grundsatz, daß der Kreuzerkrieg nur von
großem Einfluß sein kann, wenn er sich auf eine starke Flotte stützt.
Mahan sagt hierzu: »Um wirksam zu sein, muß der Kreuzerkrieg durch eine
Geschwaderkriegführung oder durch Abteilungen von Linienschiffen
unterstützt werden. Indem diese den Feind zwingen, seine Streitkräfte
zusammenzuhalten, geben sie den Kreuzern die Möglichkeit der
erfolgreichen Zerstörung des feindlichen Handels; ohne eine solche
Rückendeckung wird das Ergebnis die Wegnahme der Kreuzer sein.« Unser
Krieg scheint nun dagegen zu sprechen; der Handel der Verbündeten litt
nämlich am meisten, als nach La Hogue 1692 die französische Flotte vom
Meere verschwunden war -- wie man gemeiniglich sagt.
Angaben einiger Schriftsteller hierfür. Macaulay sagt: Während vieler
Monate im Jahre 1693 war der englische Handel nach dem Mittelmeer
beinahe gänzlich unterbrochen. Es war nicht möglich, nach der Straße
von Gibraltar zu gelangen, ohne von einem französischen Kreuzer
angegriffen zu werden; ein Schutz dagegen war aber nicht leicht zu
erhalten. -- Martin (Geschichte Frankreichs) sagt von den späteren
Jahren des Krieges bezüglich Englands: Der Zustand der Finanzen war
kläglich, die Seeversicherung betrug 30%; die Navigationsakte war
tatsächlich außer Kraft gesetzt und die englischen Schiffe waren
genötigt, unter schwedischer oder dänischer Flagge zu fahren. Campbell
(Live of the Admirals) sagt von dieser Zeit: In dem Jahre, in dem die
Franzosen Herren der See waren (also nach Beachyhead 1690), hatte unser
Handel weit weniger gelitten.
Bonfils endlich tut den obenerwähnten Ausspruch, daß statt drei bis
vier Convois jährlich nur einer nach der Ostsee abging.
Die Verhältnisse liegen aber bei näherer Betrachtung doch anders. Zwar
gab die französische Flotte tatsächlich die aktive Kriegführung auf, aber
die Verbündeten glaubten zu verschiedenen Zeiten doch noch mit ihr
rechnen zu müssen -- um so mehr, als der Eindruck des Sieges bei
Beachyhead und des tapfern Verhaltens der Franzosen bei La Hogue noch
einige Zeit bei ihnen nachwirkte --, oder wenn dies nicht der Fall war,
versäumten sie eben, die richtigen Maßregeln gegen den Kreuzerkrieg zu
ergreifen. Bis zu den allerletzten Jahren hielten sie ihre
Hauptstreitkräfte zusammen, anstatt sie zur Verfolgung der feindlichen
Kreuzer aufzulösen und die feindlichen Kreuzerhäfen schärfer zu
blockieren; nur gelegentlich (wenn Convois erwartet) detachierten sie
Teile.
Ein kurzer Rückblick möge dies veranschaulichen. 1692 nach La Hogue war
die französische Flotte wirklich brach gelegt. Die Seestreitkräfte der
Verbündeten wurden aber bis zum Winter bei Spithead zusammengehalten,
um Truppen für eine Landung in Frankreich aufzunehmen; die Franzosen
hingegen armierten mit den Leuten der Flotte und den gesammelten
Transportern eine außergewöhnliche Zahl von Freibeutern, so daß die
Kaperei gerade in diesem Jahre besonders stark betrieben werden konnte
und in den betroffenen englischen Kreisen die größte Entrüstung
hervorrief.
1693 wurde die Flotte der Verbündeten zusammengehalten, weil Frankreich
die seinige in Brest zusammenzog. Ungenügendes Unterrichtetsein, sowie
Mangel an Entschluß und Disposition an den leitenden Stellen,
schlechter Zustand des Materials führte dann doch den Verlust des
Smyrnaconvois durch die französische Flotte, die man im Schach halten
wollte, herbei; auch nachher geschah nichts zum Schutz des Handels.
1694 und 1695 war die eine Hälfte der Streitkräfte im Mittelmeer, die
andere blieb in den nördlichen Gewässern zu den fruchtlosen
Unternehmungen gegen die feindlichen Küsten vereint; wie viel besser
wäre sie gegen das Freibeuterwesen verwendet worden!
1696 vergingen das Frühjahr und der Sommer bis zum August mit dem
Bereithalten gegen eine Landung der Franzosen, mit dem vergeblichen
Versuch, die Vereinigung der Toulon- und Brestflotte zu hindern und
dann wieder mit den Unternehmungen gegen die atlantische Küste des
Gegners.
Erst im August 1696 und im Jahre 1697 wurden die Seestreitkräfte mehr
zur Bekämpfung des Kreuzerkrieges verwendet, und jetzt auch mit Erfolg.
Als dies endlich, vom Herbst 1696 an, mehr geschah, wurde die Tätigkeit
der französischen Freibeuter auch wesentlich eingeschränkt; viele wurden
weggefangen, die Kreuzerdivisionen in den Häfen festgehalten. -- Die
Ereignisse dieses Krieges entkräften also obigen Satz nicht. Im nächsten
Kriege, als die französische Marine völlig ohnmächtig war, wird sich die
geringe Wirksamkeit eines Kreuzerkrieges, der nicht auf Flotten gestützt
ist, noch deutlicher zeigen. Dabei muß man noch im Auge behalten, daß die
Lage der französischen Häfen ungemein günstig zur Bedrohung der
englisch-holländischen Handelswege war.
$Die Zusammenstöße in den Kolonien$[253] während dieses Krieges können
wir auch zu dem kleinen Kriege rechnen, weil sie ohne großen Erfolg und
Einfluß waren; es handelte sich neben dem Aufbringen von Kauffahrern fast
nur um Brandschatzungen feindlicher Niederlassungen, weil der
Angreifende, wenn er eine solche wirklich genommen hatte, doch nie lange
in ihrem Besitz blieb.
[253] Etwas genauer geschildert in Colomb, Kapitel XI, XII; in Bonfils,
Teil I; in Clowes, Teil II, »minor operations«. In Zimmermann
»Europäische Kolonien«, Band II und IV ist näher auf die Kriege
Englands und Frankreichs um Kanada usw. eingegangen.
In den =westindischen Gewässern= befanden sich stets einige Kriegsschiffe
beider Gegner, Kauffahrer wurden dort armiert oder Flibustier in Sold
genommen. England sandte fast in jedem Jahre ein kleines Geschwader, oft
mit Truppen, hinaus, Frankreich seltener. So hatten die Engländer
häufiger die Seeherrschaft und traten im ganzen genommen offensiver auf;
da aber die französischen Kolonien schon stärker bevölkert waren, konnten
sie meist Widerstand leisten und zeitweise, wenn ihre Streitkräfte
überwogen, bedrohten die Franzosen die feindlichen Niederlassungen. Die
französischen Kolonien waren auch reicher, führten den Krieg gegen den
Handel mit Flibustiern und hatten hierin wohl den größeren Erfolg,
besonders natürlich, wenn die Engländer nicht ausgesprochen die See
beherrschten.
Die Franzosen nahmen gleich zu Beginn des Krieges (1688) den Holländern
St. Eustache ab, verdrängten (1689) die Engländer aus dem
gemeinschaftlich besetzten St. Kitts und plünderten durch Flibustier
spanische Niederlassungen. Aber schon 1690 setzten sich die Engländer
wieder in den alleinigen Besitz von St. Kitts, eroberten Marie Galante,
landeten auf Guadeloupe und belagerten die Garnison in Basse-Terre. Beide
Inseln mußten sie 1691 wieder aufgeben, als ein größeres französisches
Geschwader auf der Station erschien. 1692 kam es zu einem Gefecht auf
offener See bei Désirade, in dem die Engländer einen Convoi gegen den
Angriff einer überlegenen Kraft deckten. 1693 machten die Engländer einen
vergeblichen Angriff auf Martinique; 1694 fielen die Franzosen in Jamaica
und 1695 die Engländer und Spanier in den französischen Teil Haitis ein.
Aber alle diese Expeditionen hatten eben keinen dauernden Erfolg.
Das größte Unternehmen Frankreichs -- der Zug de Pointis' gegen
Cartagena, 1697 -- haben wir als militärisch-seemännisch wie politisch
bemerkenswert näher berührt (Seite 466).
=In Nordamerika= hatten schon vor dem Kriege Feindseligkeiten an den
Grenzen begonnen; hier waren zwar die englischen Kolonien den
französischen an Bevölkerung weit überlegen, aber Frankreich strebte sehr
nach Erweiterung seiner Macht und scheint vor und während des Krieges
stets die stärkeren regulären Landstreitkräfte -- allerdings auch nur
sehr geringe -- gehabt zu haben.
Schon 1686 nahmen sie einige englische Besitzungen an der Hudsonbai weg
und bekriegten englisch gesinnte Indianerstämme; es lag in der Absicht,
New York zu nehmen, um einen eisfreien Hafen für Kanada zu erhalten. 1689
sollte hierzu zu Wasser und zu Lande vorgegangen werden, aber die von
Frankreich erwarteten Schiffe kamen zu spät und mußten dann gleich
zurück, da sie infolge langer Überfahrt ihre Vorräte aufgebraucht hatten;
zu Lande unternahm man noch im Winter (Februar 1690) Einfälle an den
Grenzen, durch Indianerhorden mit großer Grausamkeit ausgeführt. Nun aber
rüsteten die englischen Kolonien mit aller Kraft. Ein englisches
Geschwader -- Admiral Phips mit 8 Linienschiffen -- traf ein und nahm im
April 1690 die festen Plätze von Akadia (Neuschottland); dann wurde ein
Angriff auf Quebec ins Werk gesetzt. Phips führte Mitte August die
Kriegsschiffe und 32 Transporter -- mit Milizen von Massachusetts, etwa
2000 Mann -- den Lorenzstrom hinauf, landete unweit Quebec -- ungünstiger
Winde auf See und schwieriger Navigation im Flußrevier wegen erst Mitte
Oktober -- und versuchte die Stadt zu nehmen; einige Schiffe beschossen
diese. Aber die Artillerie der Stadt war der der Schiffe gewachsen, die
Garnison dem durch Krankheit geschwächten Landungskorps überlegen; das
Unternehmen mußte mit bedeutendem Verlust aufgegeben werden. Ein
gleichzeitiger Vormarsch zu Lande von Albany auf Mont Real -- 3000
Milizen der Kolonien -- war auch infolge Uneinigkeit zwischen den
Kontingenten nicht vorwärts gekommen. -- Während der folgenden Jahre
beschränkte sich die Kriegführung auf Grenzstreifzüge; beide Parteien
wurden von Europa nicht unterstützt. Die Franzosen bemächtigten sich nach
und nach Akadiens wieder und besetzten weitere Plätze an der Hudsonbai
sowie in Neufundland. Ein zweiter Plan gegen New York und Boston 1696 kam
wieder nicht zur Ausführung, da das dafür bestimmte Geschwader -- 15
Kriegsschiffe unter de Nesmond -- abermals zu spät (1697) und von allem
entblößt eintraf. Im ganzen hatte aber doch Frankreich die meisten
Vorteile errungen; beim Frieden gab England die Hudsonbai und
Neuschottland auf und auch von Neufundland behielt Frankreich den festen
Platz Placentia sowie die Niederlassungen an der Westküste.
$Bemerkenswertes in diesem Kriege.$ -- $Über Strategie.$ In Hinsicht auf
das =Kriegsmaterial= ist bei diesem Kriege wenig zu sagen. Das
=Schlachtschiff= wächst weiter (vgl. Seite 353 u. 418); trotz der nur
kurzen Zeit seit dem letzten englisch-holländischen Kriege hat dieser
Prozeß wieder einen Schritt vorwärts gemacht: das 40-50 Kanonenschiff ist
ganz aus der Linie verschwunden, die 50-60 Kanonenschiffe erscheinen so
selten wie im vorigen Kriege die 40-50er; die Zahl der Schiffe über 80
Kanonen hat zwar auch zugenommen, aber die Hauptkraft der Flotten liegt
in den 60-70 Kanonenschiffen.
Es ist also der angedeutete (Seite 178/179) Abschluß des Abschnittes
fast erreicht. Dort wurde gesagt, daß man im nächsten Zeitabschnitt,
nach 1740, in England das 74 Kanonenschiff als das geeignetste
Schlachtschiff ansah. (So sehr, daß man, wenn das Auftreten der
Seemacht überhaupt bezeichnet werden sollte, nur von »unseren 74ern«
sprach, schon in diesem Kriege lag die Hauptkraft der Engländer in 70
Kanonenschiffen.
Von den Spezialwaffen sind =die Brander=, die im letzten Kriege, was die
Zahl anbetrifft, auf ihrem Höhepunkte waren, nicht mehr so stark bei den
Flotten vertreten; ihre Leistungen sind noch geringer geworden. Infolge
der vielen Unternehmungen gegen Küstenstädte treten die =Mörserboote=,
bisher nur von den Franzosen im Mittelmeer verwendet, auch bei den
Engländern und Holländern auf; ihre Wirkung läßt aber zu wünschen übrig.
Völlig versagten die von England gegen Küstenbefestigungen und
Hafenanlagen gebauten =Infernals=.
In bezug auf die =Taktik= bringen die wenigen großen Aktionen nichts
Neues. Sie zeigen eigentlich nur, inwieweit das Personal -- und zwar die
höheren Offiziere -- der verschiedenen Marinen seinen Aufgaben gewachsen
war. Bei der eingehenden Schilderung der Schlachten sind die vorzüglichen
Leistungen und die Fehler hervorgehoben.
Es genügt hier, darauf hinzuweisen, daß die Franzosen in diesem Kriege
auf der Höhe standen; sie wandten die Taktik, die sich nach und nach
entwickelt hatte, richtig an. Sie zeigen dies sowohl bei Stärke wie bei
Schwäche auf ihrer Seite: bei Beachy Head durch Ausnutzung der eigenen
Überlegenheit und der Fehler des Gegners; bei Barfleur, indem sie durch
geeignete Manöver und durch gegenseitige Unterstützung die Überlegenheit
des Feindes nach Möglichkeit aufhoben. Größere taktische Fehler machten
eigentlich nur der sonst so hervorragende Führer Tourville als Verfolger
in der ersten, als Verfolgter in der zweiten Aktion und de Nesmond bei
Lagos. Auch Holland gebot über tüchtige Admirale, Schüler Ruyters, doch
kamen sie nicht genügend zur Geltung; das einzige Mal, wo es der Fall
war, bewährten sie sich -- Evertsen bei Beachy Head.
Taktische Fehler in den Schlachten sind nur englischen Führern
vorzuwerfen: das Verhalten der Nachhut bei Barfleur, als sie sich von der
Hauptschlacht abziehen ließ, und Herberts schwache Beteiligung mit seiner
Mitte bei Beachy Head. Das Verhalten Herberts bei dieser Gelegenheit soll
jedoch weiter unten nochmals besprochen, werden, da es höchst
wahrscheinlich strategischen Erwägungen entsprang.
Wenden wir uns nun eingehender den =Betrachtungen über Strategie= zu. Es
ist eingangs dieses Kapitels gesagt, daß der Pfälzische Erbschaftskrieg
zwar in der Hauptsache ein Landkrieg war, daß aber doch die Kriegführung
zur See von großem Einfluß gewesen ist; es ist ferner darauf hingewiesen,
daß dieser Einfluß bei richtigerer Verwendung der Seestreitkräfte und bei
größerer Leistungsfähigkeit dieser -- beides auf beiden Seiten -- wohl
noch weit bedeutender hätte sein können. Nachstehender =Rückblick auf den
Verlauf des Krieges= soll diese Behauptungen bekräftigen.
Ludwig XIV. hatte es dahin gebracht, daß sämtliche Staaten des Festlandes
gegen ihn die Waffen zu erheben drohten; vertrauend auf seine Macht griff
er 1688 selbst Deutschland an. Er beging aber sofort einen großen Fehler
dadurch, daß er Wilhelm von Oranien -- die Seele des gegen ihn
gerichteten Bundes -- den Thron von England besteigen ließ. Infolgedessen
trat auch dieser Staat zu seinen Feinden, ja, England und Holland kamen
unter eine Leitung und diese beiden Seenationen waren seine
gefährlichsten Gegner, da sie mit ihrem Reichtum dem Gesamtbunde die
Mittel zum Kriege liefern mußten.
Ludwig hätte es hindern können, wenn er, anstatt hauptsächlich gegen
Deutschland vorzugehen, dessen schwache Kräfte vorläufig nur im Schach
gehalten und mit großer Macht, zu Lande wie auch gerade zu Wasser mit
seiner mächtigen Marine, Holland angegriffen hätte; Seignelay riet hierzu
auf das dringendste. Nach Oraniens Thronbesteigung ermöglichte und
unterstützte Ludwig die Erhebung Jakobs in Irland und der erste Fehler
hätte wieder gut gemacht werden können, wenn Ludwig noch jetzt seine
Hauptanstrengungen gegen die Seemächte richtete -- gegen Oraniens
Stellung in England und gegen die englisch-holländische Verbindung; noch
war er, selbst beiden Mächten vereint, zu Wasser überlegen.
Irland war der schwächste Punkt in Oraniens Stellung, hier war der
vertriebene König mit Begeisterung aufgenommen. Aber auch in England
hatte er viele Parteigänger, und Oranien wurde sogar von denen, die ihn
gerufen hatten, in seiner königlichen Macht durch eifersüchtige
Einschränkungen geschädigt. Ludwig hätte nun mit aller Energie die
Stuarts unterstützen und England selbst angreifen müssen -- Irland dem
Könige Jakob erhalten, in England einfallen --; dies war nur möglich
durch einen tatkräftig geführten Seekrieg. Mit der Wiederentthronung
Oraniens würde dem Bunde der Gegner die Spitze abgebrochen sein.
Wiederum vertrat Seignelay diese Ansicht, aber der Einfluß Louvois' --
eifersüchtig auf die Seestreitkräfte und scheinbar die Wirkung eines
Seekrieges sowie die Lage überhaupt verkennend -- überwog; Ludwig blieb
bei der Teilung seiner Kräfte. Die Folge war, daß Irland fiel, Oranien in
seiner Stellung gesichert und damit in den Stand gesetzt wurde, den Krieg
auf dem Festlande zu unterstützen, ja sogar persönlich zu leiten. Dieses
Beharren in dem großen politischen und strategischen Fehler bei Beginn
des Krieges ist wohl als entscheidend für den Ausgang anzusehen; alle
Erfolge auf dem Festlande konnten nicht hindern, daß sich der Kampf in
die Länge zog und erst wegen allgemeiner Erschöpfung endete. Die Gegner
hatten aber den Krieg nur mit den Mitteln der Seenationen durchführen
können und die Erschöpfung Frankreichs war nicht zum wenigsten durch den
stillen aber anhaltenden Druck der Seestreitkräfte Englands und Hollands
herbeigeführt; ihre Marinen waren, weil auf gesunderer Grundlage ruhend,
bald der französischen überlegen geworden.
Gehen wir nun zu der =Kriegführung zur See= im besonderen über. Wir
können sie in zwei Abschnitte teilen: in dem ersten ist die französische
Flotte die angreifende 1689-1692; in dem zweiten tritt die Flotte der
Verbündeten in die Offensive durch Angriffe auf die feindliche Küste und
durch Eingreifen in den spanischen Landkrieg, die französische beschränkt
sich auf die Defensive und auf den Kampf gegen den Handel 1694-1697; das
Jahr 1693 bildet gewissermaßen den Übergang zwischen beiden.
=Das Jahr= 1689 zeigt den besprochenen Fehler Ludwigs: Er greift zwar
Holland zu Lande an, tut aber zur See nichts gegen England und Holland,
obgleich deren Flotten anfangs nicht bereit sind; auch sein Eingreifen in
Irland ist nur schwächlich. Im März wird Jakob ungehindert mit Truppen
übergeführt und im Mai gelingt es, trotz des feindlichen Angriffs
(Bantrybay) Verstärkungen nachzusenden. Aber die mächtige französische
Flotte zeigt sich nicht rechtzeitig, und die Geschwader, die die
Überführungen bewerkstelligten, kehren stets sofort zurück; so gelingt es
einer ganz schwachen englischen Flottille (Rooke), im irischen Kanal die
Verbindung Jakobs mit seinen Anhängern in Schottland zu unterbrechen, die
Belagerung der Stadt Londonderry aufzuheben und den Marschall Schomberg
mit einer Angriffsarmee in Irland zu landen.
Im Juli verfügen die Verbündeten über 60 Kriegsschiffe. Sie zeigen sich
an der französischen Küste, hindern aber nicht, daß sich das französische
Mittelmeergeschwader mit den Kräften des Atlantik vereinigt; hierdurch
wird die französische Flotte gegen 70 Schiffe stark. Im August
erscheinen die Verbündeten wiederum vor Brest und Tourville tritt ihnen
entgegen. Es kommt aber zu keinem Zusammenstoß, die Verbündeten schützen
nur das Einlaufen eines Mittelmeerconvois. Die Kriegführung war also sehr
lau auf beiden Seiten.
=Die wahrscheinlichen Gründe hierfür=: England war durch den Einfall in
Irland überrascht, aber auch im weiteren Verlauf waren die Verbündeten
nicht fertig. In England mögen dies die noch unsicheren politischen
Verhältnisse hervorgerufen haben, in Holland die uns bekannten
Umstände, die stets das Auftreten lähmten, wenn dem Volke das Feuer
nicht auf den Nägeln brannte. So fühlte sich die Führung der Flotte
nicht sicher genug -- holländische Quellen sprechen dies unumwunden aus
-- und vermied ein ernstes Zusammentreffen.
In Frankreich war die Lauheit doch wohl ein Zeichen des geringen
Verständnisses der einflußreichsten Kreise für die Wichtigkeit der
Kriegführung zur See. Warum war die Flotte nicht rechtzeitig bereit?
Französische Quellen schieben es auf die schon eingerissene Unordnung
in der Organisation; aber dies ist doch nicht durchaus stichhaltig,
auch als sie fertig war, tat sie nichts. Man wollte nicht zuviel aufs
Spiel setzen (auch nach französischen Angaben).