Ein Seeländer 94 K.-Schiff = 28:24-Pfdr.; 30:18-Pfdr.; 6:12-Pfdr.;
22:8-Pfdr.; 8:6-Pfdr. Ein Maas 90 K.-Schiff = 12:36-Pfdr.; 18:24-Pfdr.;
30:18-Pfdr.; 24:6-Pfdr.; 4:4-Pfdr. Ein Maas 84 K.-Schiff = 28:24-Pfdr.;
28:18-Pfdr.; 22:6-Pfdr.; 6:4-Pfdr. Ein -- 74 K.-Schiff = 14:24-Pfdr.;
12:18-Pfdr.; 26:12-Pfdr.; 10:6-Pfdr.; 10:4-Pfdr.
36-Pfdr. scheinen nur die Schiffe der Maas gehabt zu haben, bei
Amsterdam wahrscheinlich nicht, bei den anderen Admiralitäten sicher
nicht; bei letzteren führten die 80 Kanonen-Schiffe an Stelle der
24-Pfdr. nur 18-Pfdr.
Im Jahre 1695 wurden auch in Holland die neuaufgekommenen seefähigen
Mörserboote gebaut (10 oder 12).
Holland hat in diesem Kriege auch noch stets zu der
englisch-holländischen Hauptflotte sein vertragsmäßiges Kontingent
gestellt (etwa 30 Linienschiffe = 3/8:5/8) und dazu traten stets ein
Geschwader vor Dünkirchen, Kreuzer im Kanal und Nordsee (alles
Linienschiffe von 40-50 Kanonen, einige von 50-60 Kanonen) sowie 30-35
Convoi-Begleitschiffe (20-50 Kanonen, meist 30-40 Kanonen).
1690 fehlten bei der Hauptflotte in der Schlacht bei Beachyhead etwa 10
Linienschiffe -- sie waren, wie auch in England, nicht fertig und
traten erst später hinzu --, es waren aber 10 im Mittelmeer. 1692: bei
La Hogue waren 29 Linienschiffe, darunter 8 über 80 Kanonen. 1693: 29
Linienschiffe bei der Flotte, 9 über 80 Kanonen; 6 im Mittelmeer; 14
vor Dünkirchen usw. 1694: Gesamt 49, 11 über 80 Kanonen; 1695: 43;
1696: 40 Linienschiffe. Also waren meistens 45-50 Linienschiffe über 50
Kanonen im Jahre im Dienst.
Es muß schließlich erwähnt werden, daß in diesem Kriege zwar wiederum in
einzelnen Jahren Verzögerungen bei der Ausrüstung der Schiffe eintraten
(Geldmangel bei den Admiralitäten), daß aber über die Ausführung nicht
geklagt wird wie zu Ende des vorigen Krieges; wenn die verbündete Flotte
durch mangelhaften Zustand der Schiffe gelähmt wurde, scheint es stets an
den englischen gelegen zu haben; auch waren die Holländer in der
Innehaltung des Termins für die Aufstellung der Jahresflotte pünktlicher.
Was das =Personal= anbetrifft, so verfügte die holländische Marine über
tüchtige Admirale aus der Schule Ruyters, wie z. B. Almonde, Callenburgh,
Evertsen (der »Jüngste«); sie traten nicht so hervor, da die Holländer
dem Vertrage gemäß stets unter englischem Oberbefehl fochten. In der
inneren Organisation waren durch Oraniens Einfluß verschiedene
Einrichtungen verbessert und erweitert, die den Geist des Personals heben
sollten: Vermehrung der Kapitäne und Offiziere auf Halbsold, um immer
unabhängiger von Aushilfskräften zu werden; überetatsmäßige Kommandierung
dieser an Bord, um sie in Übung zu erhalten; Instruktionen für
Dienstbetrieb und Disziplin, für Verpflegung und Gesundheitspflege. Die
Bemannungsfrage war wieder schwierig: der Krieg war nicht so volkstümlich
wie der gegen England; Seefahrt und Fischerei wurden im allgemeinen nicht
eingestellt, man wollte die Einkünfte daraus nicht verlieren und
fürchtete bei der langen Dauer des Krieges, der Handel würde in andere
Hände übergehen; die Freibeuterei lockte mehr durch freieres Leben und
größeren Gewinn; der Zudrang aus Schweden und Dänemark fiel aus, da auch
hier infolge eines drohenden Zusammenstoßes größere Flotten in Dienst
gehalten wurden, Fremde kamen nur noch zahlreich von Bremen und Hamburg.
Ähnliche Maßnahmen wie früher wurden ergriffen: Zeitweises Verbot der
Schiffahrt, wenn die Flotte in Dienst gestellt wurde, oder Verpflichtung
der Rhedereien, Leute zu stellen. Der Versuch, ein festes Matrosenkorps
zu gründen (1688 etwa 7000 Mann), scheiterte an der Abneigung der
seemännischen Bevölkerung, doch gelang es meist, schon im Winter, wenn
die Schiffahrt daniederlag -- und die Matrosen der Kauffahrer oder der
vorjährigen Flotte ihr Erspartes nach Seemannsart bald verjubelt hatten
--, eine Reserve von etwa 9000 Mann für das nächste Frühjahr anzuwerben.
So wurde der Bedarf, 16-18000 Mann in einigen Jahren 20000, stets
gedeckt, man findet keine Klagen hierüber und das holländische Personal
errang in diesem Kriege mehrfach das Lob Oraniens.
Das in den beiden letzten Kriegen vorhandene Seesoldatenkorps war
wieder aufgelöst, obgleich es sich so gut bewährt hatte. Da die
Seeoffiziere besonders den Verlust des gut geschulten Gewehrfeuers
bedauerten, sicherte sich die Admiralität von Amsterdam einige
Kompagnien der Landtruppen dieser Provinz zur Einschiffung.
So kann man wohl nicht sagen, daß die holländische Marine schon unter
Oranien vernachlässigt sei, um so weniger, wenn man die doch schon
beginnende Erschöpfung des Landes in Betracht zieht. Auch wenn der König
in England war, verhandelte er eifrig -- auch mündlich -- mit den
Vertrauten, die jetzt die Seele des Seewesens in Holland waren: Der
Ratspensionär von Holland, Heinsius (vor ihm Fagel, der unmittelbare
Nachfolger de Witts), und der Sekretär der Admiralität Amsterdam, de
Wildt; dieser war Vertreter des Statthalters im Seewesen, ein
Generalleutnantadmiral wurde nach Tromps Tode nicht wieder ernannt.
Daß die Ansicht (sogar durch holländische Schriftsteller) später
ausgesprochen ist, Oranien habe die Marine verfallen lassen, erklärt de
Jonge mit folgenden Umständen: Mit Ruyters Tode habe Brand, dem die
besten Überlieferungen der früheren Kriege zu danken (»Leben Ruyters«),
aufgehört zu schreiben, Archive usw. seien früher schwer zugänglich
gewesen und so hätten genaue Angaben über den Umfang der
Indienststellungen und über die Leistungen der Marine gefehlt. Große
Ereignisse und Erfolge seien in diesem Kriege selten gewesen; England
sei mehr hervorgetreten, da es die größere Zahl der Schiffe und die
Oberbefehlshaber gestellt habe.
Wenn Oranien damit einverstanden war, daß Holland so eine zweite Rolle
spielte, so braucht man darin allerdings noch keine böse Absicht zu
erkennen. Es ist nicht auffallend, daß die Republik mehr zu dem
Landkriege, der ihre Grenzen berührte, herangezogen wurde als England;
hiermit aber war die jetzt einflußreiche Partei, die aristokratische,
wohl sehr einverstanden; wir wissen, daß sie stets das Landheer vor der
Marine begünstigte.
De Jonge hebt dann ausdrücklich hervor: Was in Marinesachen geleistet,
sei nur Oranien zu verdanken, er habe stets auf noch mehr hingestrebt;
wenn dieses nicht erreicht sei, so seien andere Gründe schuld gewesen.
(Es sind die uns bekannten: Parteiwesen, Uneinigkeit der Provinzen,
Vielköpfigkeit der Regierung; eine äußerste Anstrengung war nur zu
erreichen, wenn der Republik das Feuer auf den Nägeln brannte.) Der
Verfall der Marine sei erst nach Oraniens Tode eingetreten.
Wir haben die Entwicklung der $französischen Marine$[230] bis zum Beginn
des dritten englisch-holländischen Krieges verfolgt und gesehen, wie
Colbert in wenigen Jahren die Seestreitkräfte Frankreichs auf fast
gleiche Höhe mit denen Englands oder Hollands brachte, wenigstens was das
Material anbetrifft. In derselben Weise arbeitete er weiter.
[230] Hauptquellen: Chab.-Arnault; Bonfils, Teil I und II; Delarbre:
»Tourville«.
Für das Jahr 1681 wird der =Schiffsbestand= auf 70 Linienschiffe über 50
Kanonen und auf 170 Segel insgesamt angegeben; unter Colbert wurden die
verbesserten Mörserboote gebaut, die dann auch die anderen Marinen
einführten. Mit du Quesne wirkte er für die Ausbildung und
Disziplinierung des =Personals=, besonders der Offiziere; der Krieg mit
Holland im Mittelmeer (1674-78), der Kampf mit den Barbaresken später
gaben Gelegenheit zum Sammeln von Erfahrungen, und seit dem Frieden von
Nymwegen wurden stets große Übungsgeschwader im Dienst gehalten; in
Kriegs- und Friedenszeiten waren nichtbeschäftigte Offiziere, auch
Kommandanten, überetatsmäßig an Bord kommandiert. Wie früher Artillerie-
und Navigationsschulen, so wurde 1680 eine Schiffbauschule gegründet; mit
Bau der Mörserboote errichtete man besondere Bombardierkompagnien. So
schritt die Entwicklung der Marine unter Colbert stetig fort, trotzdem
daß er in seinen letzten Jahren schon mit Finanzschwierigkeiten im Lande
zu kämpfen hatte; wenn wir sahen, daß schon 1678 die Ausrüstung der
Flotte zu wünschen übrig ließ, so scheint dies mehr an Reibungen zwischen
den Verwaltungs- und Kommandobehörden gelegen zu haben, denn die
französischen Quellen heben ausdrücklich hervor, daß Colbert noch
leistungsfähige Werften und wohlgefüllte Magazine hinterlassen habe.
Nach Colberts Tode aber (1683) ging mit dem Verfall seiner anderen
Schöpfungen auch die Marine bald zurück. Ludwig hatte kein Interesse für
das Seewesen; er wünschte zwar eine Kriegsmarine für seine Kriege, aber
er konnte oder wollte nicht einsehen, daß die Kriegsmarine wenig Zweck
und keine Lebensfähigkeit habe, wenn Industrie, Handel und friedliche
Schiffahrt zugrunde gingen. Es kam hinzu, daß die Nachfolger Colberts als
Marineminister wie Ludwig dachten oder gar die Flotte selbst als Waffe
gering achteten.
Der Marquis =de Seignelay= (1683-1690; Sohn Colberts und schon seit 1672
unter seinem Vater im Marineministerium tätig) strebte zwar auch noch
eine Vergrößerung der Marine an, aber nicht im Interesse des Handels
sondern wie Ludwig, »um mit ihr als Waffe seinen Ehrgeiz zu befriedigen«;
wir sahen ihn schon vor Genua selbst an Bord auftreten. Colbert hatte
versucht, der seemännischen Bevölkerung für ihren Dienst Vorteile
zuzuwenden -- Halbsold, Witwen- und Waisenpensionen usw. --, unter
Seignelay fielen diese weg, er nutzte die Menschen nur aus.
Der =Schiffsbestand= war hoch; 1690 sehen wir in der Schlacht bei Beachy
Head: 12 Schiffe von 80 bis über 100 Kanonen, 48 von 60-80 Kanonen und 17
von 50-60 Kanonen. Aber die Werften und Arsenale waren schon um 1688
nicht mehr voll und pünktlich leistungsfähig (Unordnung und Verschwendung
riß ein), und um die Schiffe zu bemannen, mußte wieder zum Pressen
gegriffen werden (vergl. Seite 182). Dies wurde selbst in Friedenszeiten
mit solcher Härte durchgeführt, daß Empörungen vorkamen; das System der
Rekrutierung bestand nur noch auf dem Papier. Zur teilweisen Abhilfe des
Mannschaftsmangels gründete Seignelay 80 ständige Freikompagnien von
Soldaten, je 100 Mann unter Führung eines Seeoffiziers, die als Ersatz
für Matrosen gute Dienste leisteten. Nur eins wird ihm nachgerühmt, »daß
er durch Sammlung und Vervollständigung der Reglements seines Vaters ein
Mittel hinterließ, mit dem sich viel später -- unter Choiseul 1760 -- die
Marine aus dem von ihm durch Vergeudung des vorgefundenen Materials und
Personals vorbereiteten Niedergang wieder erheben konnte.« Er starb, erst
39 Jahre alt, am 6. September 1690.
Chabaud-Arnault sagt von Seignelay: Seignelay besaß einen festen
Willen, große Intelligenz und Arbeitskraft, aber unleidlichen Stolz,
Härte und Vergnügungssucht. Colbert war selten zufrieden, tadelte
stets, aber strafte ungern; Seignelay tadelte beleidigend und strafte
hart. Eins war gut bei ihm: er wußte die Disziplin, namentlich im
höheren Offizierkorps, aufrecht zu erhalten, die einzuführen Colbert
und du Quesne so viele Mühe gemacht hatte.
In den Krieg 1688 trat nach Vorstehendem die französische Marine also
noch als eine mächtige ein. Sie besaß genügendes und gutes
Schiffsmaterial wie Personal, insbesondere waren die Flaggoffiziere und
Kommandanten in Führung der Geschwader und Schiffe auf der Höhe. Die
Marine war den Feinden gewachsen, wenn nicht überlegen, aber ihr Rückgang
war schon im Entstehen.
Admiral von Frankreich war dem Namen nach bis 1683 =Vermandois= (Sohn
der Lavallière). Als dieser, 16 Jahre alt, starb, folgte der
fünfjährige =Comte de Toulouse= (Sohn der Montespan). Dieser sprach
vorläufig also auch noch nicht mit, sollte aber später ein ganz
tüchtiger Seeoffizier werden.
Was Ludwig von seiner Seemacht hielt, geht daraus hervor, daß er
ähnlich wie England verlangte, alle Nationen (ausschließlich England)
sollten auf See die Lilienflagge salutieren; 1688 zwang Tourville, von
der Barbareskenküste zurückkehrend, ein spanisches Geschwader mit
Waffengewalt hierzu.
Auf Seignelay folgte =Louis de Pontchartrin= 1690-1699 und unter ihm
schritt der Verfall der Marine fort.
Chabaud-Arnault sagt: Auf einen Minister jung, kriegerisch,
ruhmsüchtig, zwar verschwenderisch aber doch wohl bekannt mit der
Organisation der Verwaltung und der Flotte folgte ein älterer Mann (47
Jahre) kalt, berechnend, sparsam, friedlich gesinnt und völlig dem
Kriegswesen, insbesondere dem Seewesen, fremd. Obgleich wohlwollend und
gutem Rate zugänglich, wurde er durch die Umstände gezwungen, mehrfach
und ungerecht gegen die tüchtigsten Führer aufzutreten und bei der
Verwendung der für die Marine bestimmten Mittel teils unangebrachte
Knauserei, teils zwecklose Verschwendung zu zeigen.
Pontchartrin hatte ganz andere Ansichten über die Verwendung der Marine
als seine beiden Vorgänger; zum Heben des eigenen Handels konnte er bei
den herrschenden Verhältnissen nichts tun, von einer Kriegführung zur See
in großem Maßstabe hielt er nichts -- vielleicht unter Louvois' Einfluß
stehend --; er glaubte die Marine am besten zum Angriff auf den
feindlichen Handel zu verwerten und dadurch die öffentlichen und privaten
Kassen zu bereichern. Anfang 1691 schlugen Louvois und Pontchartrin gar
dem Könige vor: »Die Marine, die so teuer käme und doch nur die Küsten
schütze, durch 25000 Mann Infanterie und 4000 Reiter zu diesem Zwecke zu
ersetzen!«[231]
[231] Delarbre »Tourville«, Seite 194.
Die Schiffszahl wurde zwar, um Ludwigs Wünschen zu genügen, noch
erhalten, auch wurden zunächst noch große Flotten in Dienst gestellt. Der
=Bestand= wird für 1692 auf 120 Linienschiffe über 40 Kanonen angegeben.
In diesem Jahre verlor Frankreich bei La Hogue 15 Linienschiffe. Oft ist
gesagt, hier sei die französische Marine vernichtet! Der Verlust wäre
doch wohl zu verschmerzen gewesen, auch waren andere Schiffe im Bau;
schon 1693 finden wir 70 Linienschiffe im Atlantik und gegen 17 im
Mittelmeer im Dienst, weitere waren noch auf den Werften und für 1696,
also gegen Ende des Krieges, wird der Bestand sogar auf 135 Linienschiffe
über 40 Kanonen und auf 20 Fahrzeuge von 24-36 Kanonen angegeben; es ist
dies der höchste Stand, der erreicht worden ist. Von einer Vernichtung
bei La Hogue kann man also nicht sprechen, aber nach dieser Schlacht
brach die Ansicht Pontchartrins immer mehr durch; die große Flotte 1693
wurde nur zu einem Schlage gegen den feindlichen Handel (Angriff auf den
Smyrna-Convoi) verwendet, und von da an stellte man jährlich nur noch
verschiedene kleinere Divisionen auf. Die große Schiffszahl stand bald
sozusagen nur noch auf dem Papier; auch wurden die Schiffe
vernachlässigt, da Werften und Arsenale sich immer weniger leistungsfähig
zeigten. Unter einem in den Seesachen gänzlich unerfahrenen Minister trat
zu der schon unter Seignelay eingerissenen Verschwendung in der
Verwaltung auch wieder Nachlässigkeit und selbst Untreue wie vor Colberts
Zeiten; auch nahm der Hader zwischen den Verwaltungs- und
Kommandobehörden zu. Ebenso ging =das Personal= nach und nach zurück. Der
reine Kreuzerkrieg mit kleinen Divisionen und einzelnen Schiffen,
besonders wenn er mit Königlichen Schiffen, Offizieren und Mannschaften
geführt wurde, die an Private vermietet waren (vgl. später
»Kreuzerkrieg«), mußte schädigend auf Disziplin und Geist einwirken; bei
vielen wurde doch wohl mehr Lust nach Beute als Ehre und Vaterlandsliebe
die Triebfeder. Im Offizierkorps gingen ferner Übung und Erfahrung in
Exerzitien und Taktik verloren -- nur eine kleine Elite bewahrte das
Interesse daran und damit die Überlieferung für die späteren Zeiten
Choiseuls. Zwar warf Pontchartrin als gleichzeitiger Generalkontrolleur
der Finanzen noch ein großes Budget für die Marine aus, aber die
schlechte Verwaltung verschlang noch mehr und die zunehmende Zerrüttung
der Geldwirtschaft im Lande machte es oft unmöglich, die nötigen Mittel
zu beschaffen. Da konnten denn auch unter ihm der seemännischen
Bevölkerung die von Colbert eingeführten Vergünstigungen nicht zu teil
werden, selbst die Löhnungszahlung wurde wieder unregelmäßig; die Folge
war, daß der Dienst immer unbeliebter wurde, das Pressen immer härter
durchgeführt werden mußte; die Fahnenflucht wurde eine Plage, die mit den
schärfsten Mitteln nicht zu steuern war.
Der Verlauf des Seekrieges.
$Wilhelm von Oraniens Übergang nach England[232] 1688.$ Es ist erwähnt,
daß Oranien frühzeitig dafür sorgte, im gegebenen Augenblick über die
erforderlichen Kräfte zur Besitzergreifung des englischen Thrones
verfügen zu können. An die Generalstaaten konnte er sich nicht wenden,
weil die Angelegenheit möglichst geheim gehalten werden mußte und die
Nation vorläufig nicht geneigt war, sich durch Unterstützung seiner Pläne
mit Frankreich zu verfeinden. Er gewann aber einflußreiche Vertraute in
dem Ratspensionär von Holland, Fagel, in den drei Bürgermeistern von
Amsterdam, in Mitgliedern der Admiralitäten usw. Mit ihrer Hilfe gingen
schon Ende 1687 Beschlüsse durch, im nächsten Jahre eine stärkere Flotte
in Dienst zu stellen als in den letzten Jahren, sowie Gelder zu
bewilligen, um die Festungen in Stand zu setzen. Die stärkere
Indienststellung wurde für den Handelsschutz, besonders gegen Piraten der
Raubstaaten, die sich wieder bis in den Kanal zeigten, verlangt; zu
diesem Zweck war ein Beschluß der Generalstaaten nicht nötig, solange es
die Admiralitäten aus ihren eigenen Mitteln bestreiten konnten. Die
Gelder für die Festungen verwandte Oranien zum Mieten von Truppen bei
fremden Fürsten und zum Heuern von Transportern. Die Vertrauten, die
Einfluß in den Admiralitäten besaßen, sorgten ferner dafür, daß auch die
nicht in Dienst zu stellenden Schiffe bereit gehalten wurden und daß man
im Laufe des Sommers 1688, nachdem der Prinz im Juli die Adresse aus
England erhalten hatte, die bewilligte Flotte nach und nach noch weiter
verstärkte.
[232] Nach de Jonge, Teil III, und Clowes, Teil II, worin die
Ereignisse für die betreffende Nation genannt; in ersterem auch
besonders über die Vorbereitungen, z. B. Geheimhaltung und
Beschaffung der Mittel, sowie in Beilage I, Aufzählung der
holländischen Schiffe für die Expedition, genaue Angabe der
Truppen, Instruktionen für Herbert und Evertsen.
=Mitte Oktober= 1688 lag in Hellevoetsluis eine Flotte von 13 Schiffen zu
60-68 Kanonen, von 7 zu 50-56, 11 zu 40-48, 16 zu 32-36, 10 Brandern und
in verschiedenen benachbarten Häfen waren gegen 340 Transporter zur
Überführung der Truppen sowie 60-70 kleine Fahrzeuge für die Landung
selbst bereit. Die Befehlshaber -- Leutnantadmiral Cornelis Evertsen und
Vizeadmiral Almonde -- erfuhren erst jetzt den wahren Zweck der Flotte
sowie, daß der nach Holland geflüchtete englische Admiral Herbert (später
Earl of Torrington) als Leutnantadmiralgeneral mit dem Tage der Abfahrt
den Oberbefehl übernehmen solle, wie es auch am 27. Oktober geschah. Die
Order für die Flotte war: Die Überfahrt der Transporter und die Landung
zu decken und dann Diversionen an der Westküste Englands und in
Schottland zugunsten Oraniens zu machen.
=Tromp= war nach Ruyters Tode Leutnantgeneraladmiral geworden. Wenn ihm
nicht der Oberbefehl über die immer mehr anwachsende Flotte übergeben
wurde, so hatte dies gleichfalls seinen Grund darin, daß man kein
Aufsehen erregen wollte; es war ja kein Krieg -- auch soll er nicht
mehr gut mit Oranien gestanden haben. Der englische Oberbefehlshaber
war lediglich aus politischen Gründen gewählt worden; bis zum Tage der
Abfahrt befehligte Herbert nur ein Geschwader.
Ende Oktober war alles bereit; die Truppen wurden eiligst und heimlich
zusammengezogen und eingeschifft (11090 Mann und 4092 Pferde); Oranien
ging am 27. mit Leutnantadmiral Scheppers und Marschall Schomberg auf die
ganz neue Fregatte »den Briel« (30 Kanonen). Bezeichnend für den
politisch-religiös gemischten Charakter der Expedition ist, daß, wie
Wilhelms Oberbefehlshaber am Lande, eben der frühere französische
Marschall Schomberg, so auch ein großer Teil der Armeeoffiziere
Hugenotten waren.
Erst unmittelbar vorher hatte Oranien den Generalstaaten seine Pläne
eröffnet und nun auch ihre Zustimmung gefunden. Bis dahin soll diesen
und auch England gegenüber alles geheim gehalten sein, was jedoch kaum
glaublich ist; weiß man doch, daß der französische Gesandte schon
länger darüber an Ludwig berichtet hatte; der englische Gesandte soll
allerdings sehr »harmlos« gewesen sein.
Die Flotte setzte bei Südwestwind den Kurs nach Norden, weil die Ostküste
Englands (Humber?) zur Landung in Aussicht genommen war, aber schon in
der nächsten Nacht zersprengte sie ein schwerer Südweststurm; man mußte
zum Wiedersammeln nach Hellevoetsluis zurückkehren. Große Freude war in
England und Frankreich, wo übertriebene Berichte über Verluste einliefen;
der französische Gesandte im Haag schrieb: »Enfin la flotte du Prince
d'Orange est au diable«; diese Gerüchte wurden von holländischen
Zeitungen absichtlich genährt, um die Feinde einzuschläfern. Tatsächlich
hatte wohl ein schrecklicher Zustand auf den überfüllten Schiffen
geherrscht, die Beschädigungen aber waren nur gering und Verluste fast
gar nicht zu beklagen; 500? oder 900? Pferde sollen über Bord geworfen
sein. Schnell wurde allem abgeholfen.
=Am= 10. =und= 11. =November= ging man wiederum in See mit demselben
Ziele; wegen schweren östlichen Windes aber wurde bald beschlossen, in
den Kanal zu steuern und bei Torbay und Dartmouth zu landen. Am 13.
wurden die Hoofden passiert, die Nachzügler gesammelt und dann mit
Trompetenschall und Geschützsalut längs der englischen Küste kanalabwärts
gesteuert; voran die Transporter von 4 Fregatten gedeckt, die Flotte zum
Schutz gegen die englische hinterher. »Den Briel« führte im Großtopp eine
Flagge mit der Inschrift: »Für den protestantischen Gottesdienst und
Englands Freiheit«; darunter Oraniens Devise: »Je maintiendrai«. Der
Prinz hatte beabsichtigt, schon am 14. November, seinem 38. Geburtstage,
zu landen; die ihn begleitenden Engländer beredeten ihn zur Wahl des 15.,
des Jahrestages der Pulververschwörung. In der Nacht vom 14. auf 15.
überlief die Flotte Dartmouth infolge Unachtsamkeit der englischen Lotsen
(die Engländer sagen, Fehler der holländischen Navigateure). Dies konnte
bei dem steifen Ostwinde sehr nachteilig werden, weil man fürchten mußte,
an anderen Landungspunkten mehr westlich Widerstand von englischen See-
und Landstreitkräften zu finden. Der Zufall kam zu Hilfe; der Wind sprang
auf Süd um, man erreichte Torbay und konnte noch am 15. den größten Teil
der Truppen ausschiffen; Oranien wurde am Lande mit Jubel begrüßt. Am 16.
wurde der Rest gelandet, nach einem Feldgottesdienst der Marsch auf
Exeter angetreten und diese Stadt noch am Abend besetzt. Gleich nach
beendeter Ausschiffung der Truppen kam Sturm auf, so daß die Landung der
Geschütze und des Kriegsmaterials verhindert wurde.
=Wo waren die Engländer=? Jakob II. hatte eine ansehnliche Flotte im
Dienst. Diese hatte den Sommer über unter dem katholischen Admiral
Strickland vor Dover gelegen mit Vorposten im Kanal und vor der Themse;
später aber war sie unter dem protestantischen Admiral Earl of Dartmouth
in die Themse zurückgezogen; die holländische Expedition hatte sie beim
Steuern in den Kanal fast in Sicht passiert. Der Wind soll an diesem
Tage ein Ankerlichten verhindert haben; erst am 15. konnte sie dem Feinde
folgen, wurde dann aber, gegen den Sturm aufkreuzend, festgehalten, bis
es zu spät war. Es ist wohl anzunehmen, daß weder vom König strikte
Befehle eingegangen, weil dieser der Marine nicht mehr traute (auf den
Werften usw. hatten schon ungünstige Kundgebungen stattgefunden), noch in
der Flotte ernstliche Absichten, einzugreifen, vorhanden waren. Bald nach
den geschilderten Ereignissen wurden infolge eines Kriegsrates die
katholischen Kommandanten an Land gesetzt und eine Adresse an Oranien
gesandt; Mitte Dezember stellte sich die Flotte diesem völlig zur
Verfügung.
Oranien marschierte auf London; Truppen, die bei Salisbury standen,
gingen zu ihm über. =Jakob= verkündigte eine Amnestie und versprach,
allen Beschwerden abzuhelfen; zu spät, alles verließ ihn, er mußte nach
Frankreich fliehen. Am 18. Dezember zog =Oranien= in London ein und wurde
am 18. Februar 1689 =als König anerkannt=.
Die holländische Flotte kehrte in zwei Abteilungen im Januar und März
1689 nach Holland zurück.
$Jakobs II. Einfall in Irland und die Operationen 1689.$ Ludwig XIV.
hatte nach Oraniens Übergang an Holland den Krieg erklärt, aber nicht an
England, weil er Oranien nur als einen Eindringling betrachtete, der
keineswegs das ganze englische Volk hinter sich habe, jedoch war er
bereit, Jakob in seinem Versuche, sein Königreich wiederzugewinnen, zu
unterstützen. Tatsächlich besaß Jakob in England noch viele Anhänger; die
besten Aussichten hatte er aber in den schottischen Hochlanden und vor
allein in Irland; von hier aus wollte er versuchen, seine verlorene Macht
wiederzugewinnen. Es wäre nun die beste Gelegenheit gewesen, den Fehler
von 1688 -- daß man Oranien überhaupt hinübergelassen hatte -- wieder gut
zu machen, indem man die Überlegenheit der französischen Flotte jetzt
noch voll ausnutzte, zunächst den Seekrieg gegen England und Holland
führte und damit eine große Invasion in Irland, Schottland oder gar
England selbst ermöglichte; dies geschah aber nicht.
=Im März= 1689 brachte ein kleineres französisches Geschwader -- Chef
d'Escadre de Gabaret -- =Jakob= mit 8000 Mann =in Cork= an Land (22. bis
24. März). Er wurde mit Jubel begrüßt, zog in Dublin ein, nur in
einzelnen Städten hielten sich die englischen Besatzungen; gleichzeitig
erhoben sich unter Viscount Dundee die Hochländer in Schottland. Jakob
verstand es aber nicht, seine Sache richtig zu führen -- er lebte mehr
der Entgegennahme von Huldigungen usw. -- und wurde auch in der Folge
nicht richtig von der französischen Flotte unterstützt, sonst hätte er
mit Hilfe Irlands und Schottlands Wilhelms III. Stellung sehr erschüttern
können. Sein Einfall war ohne jeden Widerstand seitens der
englisch-holländischen Seestreitkräfte ausgeführt, da diese nicht fertig
waren.
=England und Holland= hatten allerdings schon im Beginn des Jahres
einen =Vertrag= über Ausrüstung einer gemeinsamen Flotte von 80
Linienschiffen, 24 Fregatten, 12 Brandern geschlossen; 50 Schiffe waren
für den Kanal, 30 für das Mittelmeer bestimmt. Wie schon im Jahre 1668
(Tripelallianz, Seite 308) wurde dabei auch jetzt und auch später immer
das Verhältnis auf 5/8 (England) und 3/8 (Holland) festgesetzt; England
sollte 50 Linienschiffe, 15 Fregatten, 8 Brander stellen, Holland 30
Linienschiffe, 9 Fregatten und 4 Brander. Wie 1668 so war auch jetzt
als Grund des schwächeren Kontingents Hollands angenommen, daß dieser
Staat mehr durch den Landkrieg in Anspruch genommen werden würde, und
dementsprechend wurden die aufzustellenden Armeen auf 100000 Holländer
gegen 40000 Engländer normiert. Man braucht darin also, wie schon
erwähnt, noch keinen Beweis des Rückganges der holländischen Marine zu
sehen, aber es kennzeichnet doch wohl schon ein Zurücktreten der
Seemacht Hollands hinter die Englands, und ganz besonders tun dies die
sonstigen Bestimmungen des Vertrages. Nach diesen nämlich sollten nicht
nur die Hauptflotte der Verbündeten, sondern auch alle selbständigen
Geschwader oder sonstige detachierte Kräfte stets unter dem Oberbefehl
eines englischen Offiziers stehen; ja, bei gemeinschaftlichem Kriegsrat
hatten die englischen Flaggoffiziere und Kommandanten am »oberen Ende«
des Tisches zu sitzen (diese Bestimmungen entschuldigt de Jonge mit der
»damaligen höheren Auffassung« der Würde des Königtums).
Aber erst nach und nach sammelten sich die Schiffe der beiden Staaten.
Die ersten Holländer trafen im Juni bei Wight ein. Die Schiffe, die
1688 im Dienst gewesen, waren erst im Januar und März zurückgekehrt und
bedurften der Überholung; die kleineren Admiralitäten hatten überhaupt
nicht genügend Kriegsschiffe und mußten Kauffahrer umbauen; den
größeren mangelte Geld, bis die ostindische Kompagnie aushalf. In
England hatten wohl die noch unsicheren inneren Verhältnisse eine
rechtzeitige Indienststellung verhindert.
Erst als Jakobs Landung bekannt geworden, erhielt =Admiral Herbert= in
Portsmouth den Befehl, mit den segelfertigen englischen Schiffen =nach
Irland= zu gehen. Er erschien Mitte April vor Cork mit nur 12
Linienschiffen, hörte hier, daß das französische Geschwader bereits
zurückgesegelt sei, kreuzte dann im Kanaleingang an der französischen
Küste und hielt endlich wieder nach Cork hinüber, da er durch
Aufklärungsschiffe erfahren hatte, daß eine neue französische Flotte
unterwegs sei; am 9. Mai kam auch für kurze Zeit eine größere Zahl von
Schiffen in Sicht.
Es war dies eine =zweite französische Expedition=, die am 6. Mai wiederum
mit Truppen (5000?, 6000?, 7000? Mann, Munition und Kriegsmaterial) Brest
verlassen hatte. Diese ihrerseits erfuhr am 9. vor Cork, daß Herbert in
der Nahe sei; da man bei dem herrschenden Ostwinde auf den Ankerplatz
hätte aufkreuzen müssen, steuerte der Chef Generalleutnant
=Château-Renault= nach West und ankerte am 10. Mai 2 Uhr nachm. in der
=Bantrybay=. Herbert war am 9., den Feind suchend, auch nach Westen
gesegelt und sichtete die Franzosen am Abend des 10. in genannter Bucht.
Château-Renault hatte sofort mit dem Ausschiffen begonnen, und als um 6
Uhr abends seine Vorposten das Herankommen der Engländer meldeten, waren
fast alle Truppen schon am Lande. Er warf den Rest, der sich noch auf den
Linienschiffen befand, auf die Transporter, lichtete Anker und hielt sich
mit kleinen Schlägen gefechtsbereit im Eingang der Bucht, um das weitere
Landen des Kriegsmaterials von den Transportern und Brandern zu decken.
Die Nacht verbot auf beiden Seiten weitere Operationen; am 11. kam es zum
Gefecht. =Stärke der Gegner=:
Engländer = 3 Schiffe zu 70 Kanonen; 5: 60-68; 5: 50-54; 5: 46-48;
1: 36; 1 Brander; 2 Mörserboote.
Franzosen = 4: 60-66; 12: 50-60; 8: 40-48; 2 Fregatten, 10 Brander.
Das $Gefecht vor Bantrybay$[233] 11. Mai 1689: Herbert beginnt morgens
in die Bucht hinein aufzukreuzen. Als er aber die Stärke des Feindes
genau erkennt, hält er es für ungeeignet, in der Leestellung und im
beschränkten Wasser zu fechten. Er hält unter kleinen Segeln wieder in
See, dabei bestrebt, seine noch nicht tadellose Linie zu verbessern und
die Luvstellung zu gewinnen; das erste gelingt, das zweite jedoch nicht
infolge Gegenmanöver der vordersten Franzosen. Château-Renault hatte
bis 11 Uhr gewartet und ging dann erst an den Feind heran; auch seine
Linie scheint nicht besonders gut gewesen zu sein infolge des
Manövrierens in der Bucht.
[233] Nach Clowes, Teil II, Bonfils, Teil I, Troude, Teil I; sie
stimmen nicht ganz überein, selbst nicht die französischen
Quellen unter sich. Doch ist dies von wenig Belang, da das
Gefecht ohne taktisches Interesse.
Um 11-1/2 Uhr vorm. begann das Gefecht. Es wurde auf französischer
Seite nur von der Mitte mit Nachdruck geführt, während Vorhut -- Chef
d'Escadre de Gabaret -- und Nachhut -- Chef d'E. de Forant -- sich lau
zeigten. (Französische Quellen sagen wegen Eifersucht der Unterführer
gegen den Geschwaderchef -- alte Seeleute gegen einen Protegierten;
nach Troude berichtete Château-Renault, Gabaret habe die Befehle zum
Angriff nicht sofort befolgt, so daß er selbst mit der Mitte die Spitze
habe nehmen müssen, und Forant sei nicht im Kielwasser geblieben; beide
hatten Entschuldigungen für ihr Benehmen. Chabaud-Arnault sagt:
»Gabaret und Forant gaben an, Renault habe das Gefecht schlecht
geleitet, die nötigen Orders nicht zu geeigneter Zeit gegeben, dann war
es aber Pflicht der Offiziere mit mehr Erfahrung, ihren Chef zu
unterstützen. Herbert dagegen verstand es nicht, aus dem Fehler der
Franzosen Nutzen zu ziehen«.) Herbert versuchte nun, den Feind von der
Küste abzulocken; Ch. Renault jedoch brach um 5-1/2 Uhr nachm. 21 sm.
von der Küste das Gefecht ab, um seine Transporter nicht allein zu
lassen. Das Gefecht war ziemlich scharf gewesen: ein französisches
Schiff (54 Kanonen) war durch eine Explosion angehäufter Kartuschen
fast ganz zerstört, auch die Engländer verloren ein Schiff sowie 100
Tote und 300 Verwundete. Für diese war es von großem Vorteil gewesen,
daß die französischen Brander nicht zur Stelle waren, da sie noch
Munition für die gelandeten Truppen löschten.
Das Gefecht war kein voller Sieg der Franzosen, aber auch keine besondere
Leistung der Engländer, soviel schwächer waren diese nicht; dennoch wurde
aus politischen Gründen Herbert zum Earl of Torrington ernannt und an
zwei Kommandanten die Ritterwürde verliehen.
Auf beiden Seiten hatten viele Schiffe so gelitten, daß nichts weiter
unternommen wurde: Herbert segelte nach Plymouth; Renault, der eigentlich
nach beendeter Landung an der Küste bleiben und die englischen
Seestreitkräfte verjagen sollte, ging nach Brest zurück (16. Mai dort).
Er hatte zwar die erste Aufgabe trotz feindlichen Eingreifens in nur 10
Tagen gelöst, ein Verbleiben in den irischen Gewässern wäre aber von
großer Wichtigkeit gewesen. Herbert schickte nämlich bei seiner Abfahrt
ein =kleines Geschwader= in die =irische See=, nur zwei Schiffe (54 und
48 Kanonen) =unter Kapitän Rooke=, um dort einige kleinere Fahrzeuge an
sich zu ziehen und sich dann dem Landkriege zur Verfügung zu stellen.
Diese kleine Flottille leistete nun Wesentliches ohne Störung durch
französische Seestreitkräfte; sie unterbrach die Verbindung zwischen
Irland und Schottland für die Jakobiten und hielt eine solche zwischen
Irland und England für Wilhelm III. offen, auch griff sie in den Kampf um
Küstenplätze ein.
=Londonderry= -- im Norden Irlands am Lough Foyle -- wurde von den
Jakobiten belagert und hart bedrängt; General Kirke stand in England
mit Truppen zur Verstärkung; Rooke ankert am 10. Mai im Clyde (genauer
unter der Halbinsel Cantine) und bestellt hierher die Transporter
Kirkes vom Solway. Zunächst stoßen einige kleinere Fahrzeuge zu ihm,
dann kommt am 8. Juni der Transport, gedeckt durch drei
48-Kanonenschiffe und ein 36-Kanonenschiff. Rooke geht nun nach dem
Lough Foyle, trifft Mitte Juni dort ein; Kirke (früher Seesoldat)
versucht nach Londonderry hinaufzukommen, findet aber das Fahrwasser
durch Ketten und Sperren mit flankierenden Batterien gesperrt. Rooke
läuft in den Lough Swilly ein und belästigt von dort den Feind (läßt
nebenbei an der Küste auf kleinere französische Kriegsfahrzeuge
kreuzen); Kirke forciert infolge eines antreibenden Befehles vom
Marschall Schomberg am 28. Juni die Sperre mit einem Kriegsschiff und
zwei Transportern. Es gelingt, die Verstärkungen in die Stadt zu werfen
und die Jakobiten geben am 31. Juli die Belagerung auf.
=Rooke= kreuzt weiter zwischen der Nordspitze Irlands und der Insel Man
im Nordkanal und =führt= den Transport mit =Schombergs Hauptheer= zur
Niederwerfung Irlands nach Belfast Lough =über=. Nach und nach
verstärkt, teilt er seine Flottille und beherrscht auch die irische See
sowie den St. Georgskanal; am 18. September nimmt er sogar die
wichtigste Insel im Hafen von Cork; erst im Oktober geht er nach den
Downs, da seine Schiffe der Ausbesserung und Ausrüstung bedürfen.
Diese Erfolge der kleinen Flottille sind um so bemerkenswerter, als sonst
die =Beteiligung der Seestreitkräfte= beider Gegner im Kampfe um Irland
1689 =unbegreiflich gering= ist. Die Franzosen hätten das Hinübergehen
englischer Truppen hindern müssen, wahrscheinlich wäre dann im Sommer
1689 ganz Irland für Jakob gewonnen worden; die Verbündeten taten nach
Bantrybay wenig, um sich die Herrschaft im Kanal zu sichern. Die
Untätigkeit beider Gegner ist um so unverständlicher, als sie nach und
nach über nicht unbedeutende Flotten verfügten; diese müssen wohl nicht
recht kriegsbereit gewesen sein.
Zu =Herbert= stießen im Laufe des Juni bei Wight die Holländer, und die
vereinigte Flotte war nun 61 Kriegsschiffe (34-92 Kanonen) und 17 Brander
stark; die festgesetzte Stärke von allein 80 Linienschiffen war also bei
weitem nicht erreicht, und von einer Entsendung nach dem Mittelmeer mußte
abgesehen werden, dazu war man nicht stark genug. Die Flotte ging in See,
um die französische Küste zu beunruhigen und um ein in Brest von Toulon
erwartetes Geschwader -- 20 Linienschiffe unter Tourville; am 9. Juni
abgegangen -- abzufangen; sie kehrte bald nach Torbay zurück, »da sie
schlecht ausgerüstet war.« Unmittelbar darauf (31. Juli) traf =Tourville=
in Brest ein und übernahm den Oberbefehl über 70 Schiffe über 40 Kanonen.
Nach Delarbre waren die Verbündeten noch bei Cap Ouessant, als
Tourville herankam; in größerer Nähe Brest zu blockieren, erschien
ihnen zu gefährlich. Durch Aufklärung gut über den Feind unterrichtet,
hielt sich Tourville bei nördlichem Winde 5 Tage lang in der Nähe, aber
aus Sicht der Gegner, wartete, bis Südwestwind aufkam und lief dann in
Sicht des Feindes in die Bucht (Iroise) ein.
Im August liefen die Verbündeten nochmals aus und Tourville trat ihnen
bei den Scillys entgegen (Mitte des Monats); der Minister Seignelay
befand sich an Bord. Die Verbündeten standen zu Luward, vermieden aber
das »von den Franzosen gesuchte« Gefecht. Es kam nur zum Zusammenstoß je
eines vorgeschickten Linienschiffes in Sicht der Flotten.
Nach holländischen Angaben wollten sie sich wegen ihrer Minderzahl
durchaus defensiv verhalten; nach französischen Quellen schonten sie
sich, um einen erwarteten Smyrnaconvoi beider Nationen decken zu
können. Dieser Convoi lief auch später unbelästigt in den Kanal ein.
Beide Erklärungen stimmen also gut überein. Nach einer anderen
französischen Angabe endlich waren auch die Franzosen nicht geneigt, in
einer großen Schlacht zuviel aufs Spiel zu setzen.
Dann trennten sich die Gegner, gingen nach einigen Tagen in ihre Häfen
und rüsteten bis auf kleine Wintergeschwader ab.
$Das Jahr 1690. Die Schlacht bei Beachy Head$ (oder Béveziers). Für 1690
rüstete Frankreich gewaltig zur See mit der Absicht, die
englisch-holländischen Streitkräfte zu vernichten -- womöglich einzeln
vor ihrer Vereinigung; die Engländer überraschend in ihren Häfen --, die
Seeherrschaft völlig zu erringen und dann in England einzufallen. In
Rochefort wurden innerhalb dreier Monate 15 Galeren zur Unterstützung der
Segelflotte gebaut und Truppen an den Küsten zusammengezogen; es waren
zwar nur 8000 Mann, man rechnete aber mit Erhebung der Jakobiten in
England und hielt für diese Waffen zur Überführung bereit. In Brest lagen
über 60 Linienschiffe unter =Tourville=, eine Verstärkung aus Toulon
wurde erwartet; infolge Mangels an Personal und an Material in den
Arsenalen war aber die Flotte (70 Linienschiffe) nicht vor Ende Juni
fertig.
[Illustration: Tourville.]
Tourville (nach Chabaud-Arnault) geboren 1637; in der harten Schule der
Malteser-Ritter erzogen, besonders zum tüchtigen Seemann; 1666 Kapitän
in der französischen Marine, trat früh hervor; im Frieden mehrfach
Kommandant von Schulschiffen für Seeoffiziere; zeichnete sich aus im
Kriege 1674-1678 im Mittelmeer, später vor Algier und Genua. --
Kräftige, schöne Erscheinung und aristokratisches Auftreten; ehrenhaft,
vielleicht nicht ganz aufrichtig (siehe sein Benehmen gegen du Quesne);
gehorsam, scheute sich aber nicht, seine Ansicht auszusprechen;
persönlich mutig bis zur Tollkühnheit; klug und geschickt bei Entwerfen
von Operationen; ließ sich nicht beeinflussen beim Fassen von
Entschlüssen und scheute sich nicht vor Verantwortung; in allen Zweigen
des Dienstes erfahren, aber kein Organisator wie du Quesne.
Wir finden aber auch andere Urteile: Seignelay, dessen Befehle vom
grünen Tisch er nicht immer ausführte, sagte von ihm »brave de coeur,
mais poltron de tête«, wogegen Sue wohl richtiger sagt »brave de sa
personne et poltron pour ses matelôts«.
1689 wurde er Vizeadmiral der Levante und nach d'Estrées' sen. Abgang
als ältester Vizeadmiral Chef der großen Flotten, 1693 Marschall,
gestorben 1701. -- Biographie von Delarbre.
Die Verbündeten hatten die Indienststellung einer gleich starken Flotte
wie im Vorjahre (80 Linienschiffe) beschlossen; hier blieb man noch mehr
im Rückstande. Am 1. Juli lagen nur etwa 50 Linienschiffe -- darunter nur
erst 18 Holländer -- unter =Herbert= bei Wight; allerdings waren ein
größeres und ein kleineres Geschwader detachiert und einige Schiffe in
Plymouth bereit, zur Flotte zu stoßen. Weitere holländische Schiffe,
deren Ausrüstung wieder wegen Geldmangels nicht rechtzeitig fertig wurde,
kamen erst im Laufe des Juli nach und nach hinzu. Auch in England war die
Rüstung mit einer unverständlichen Lauheit betrieben worden, scheinbar
ein Fehler der Regierung. Admiral Herbert hatte während des ganzen
Winters vergeblich auf rechtzeitige Ausführung gedrungen; der
Premierminister =Nottingham= nahm in Unterschätzung der Franzosen die
Sache leicht (vgl. z. B. Colomb, Seite 110: Herberts Verteidigung in
seinem späteren Prozeß); auch in Holland scheint der Feind unterschätzt
worden zu sein.
Das =größere= der genannten =Geschwader= war =an der spanischen Küste=.
Schon bei der Abrüstung 1689 war es im Dienst behalten, 16 englische und
9 holländische Linienschiffe stark. Es sollte Anfang 1690 nach dem
Mittelmeer gehen, um einen großen gemeinsamen Convoi dahin zu geleiten
und dann die französischen Streitkräfte von Toulon dort festzuhalten.
Verschiedene Umstände -- Ausrüstung; Wetter; Erwarten der Braut des
Königs von Spanien (Maria Anna, Tochter des Kurfürsten von der Pfalz),
die nach Coruña gebracht werden sollte; Sammeln des Convois --, in der
Hauptsache aber scheinbar Unschlüssigkeit in England (die Holländer
klagen darüber), verzögerten die Abfahrt; erst Mitte März ging man mit
einem großen Convoi in See. An der spanischen Küste wurden Schiffe
abgezweigt, um die Prinzessin zu geleiten, andere zur weiteren Begleitung
der Kauffahrer; ein Sturm trennte die übrigen Schiffe und brachte
Verluste, so daß erst am 18. April etwa 15 Linienschiffe -- die Engländer
unter Admiral =Killigrew=, die Holländer unter =Almonde= -- zur Erfüllung
der Hauptaufgabe, Abfangen des Toulon-Kontingents, wieder vereint in
Cadiz lagen. Während man hier ausrüstete und ausbesserte, wurde am 19.
Mai die Ankunft des französischen Geschwaders -- 14 Segel, darunter 6(?)
Linienschiffe -- unter =Château-Renault= gemeldet. Killigrew ging am
nächsten Tage in See und sichtete die Franzosen am 22. Mai zwischen
Gibraltar und Ceuta. Château-Renault, der schwächer war und seine
Vereinigung mit der Flotte in Brest im Auge hatte, entzog sich
richtigerweise einem Gefecht; er konnte es, weil seine Schiffe bodenrein
waren, die der Gegner (besonders der Engländer) jedoch in schlechtem
Stande. Killigrew hatte den Befehl, ihm zu folgen, und tat dies auch,
aber nicht im Sinne der Order. Er kehrte zunächst nach Cadiz zurück,
besserte aus, sammelte einen Convoi von 150-200 Schiffen und segelte dann
am 19. Juni. Die Folge war, daß Renault seine Verstärkung wohlbehalten
und rechtzeitig zur Vereinigung nach Brest führen konnte, während
Killigrew erst am 23. Juli in Plymouth eintraf, als die Schlacht bei
Beachy Head geschlagen war.
Das =kleinere Geschwader=, 6 Kriegsschiffe unter Admiral =Shovel=, war
für die =irischen Gewässer= abgezweigt und sollte wie im Vorjahre sehr
nützlich werden. Es kam allerdings zu spät, oder war nicht stark genug,
um einen ersten Erfolg der Franzosen zu hindern. Im Anfang März schon
brachte der Chef d'Escadre d'=Amfreville= mit 30 Linienschiffen, die auch
zu diesem Zweck von 1689 im Dienst belassen waren, unbehindert einen
Transport von 7000 Mann sowie Kriegsmaterial nach Cork. Er ging dann aber
nach Frankreich zurück, und in der Zukunft zeigten sich keine Franzosen
mehr hier, um den Engländern die Verbindung mit Irland zu unterbrechen.
So wurde es =Wilhelm= III. möglich, unter Shovels Bedeckung auf 288
Fahrzeugen seine Armee im Juni von Chester nach Irland hinüberzuführen;
er landete am 24. Juni in =Carrikfergus=. Shovel wurde am 28. Juni zur
Hauptflotte entlassen, erreichte diese aber auch erst nach Beachy Head.
=Mahan= sagt zu vorstehenden Ereignissen: »Während des ganzen
Kriegsabschnittes, in dem es sich um den Besitz von Irland handelt, ist
nichts auffallender als die von beiden Seiten an den Tag gelegte
Sorglosigkeit in bezug auf die Verbindung des Gegners mit der Insel.
Besonders merkwürdig erscheint dies bei den Franzosen, die die
stärkeren Seestreitkräfte hatten und von denen man annehmen muß, daß
sie durch die Unzufriedenen in England genau über alle Vorgänge
unterrichtet waren. Es scheint, daß ein Geschwader von 25 Fregatten
nebst einigen Linienschiffen für den Dienst im St. Georgs-Kanal
bestimmt war; aber nur 10 Fregatten kamen nach Kingsale und auch dies
erst, als durch die Schlacht am Boyne alles für Jakob verloren war.«
Wir kommen auf diesen Umstand noch zurück.
Die Verzögerung des Seeklarwerdens hatte die Franzosen gehindert, ihrer
Absicht gemäß vor Vereinigung der Gegner aufzutreten; =Tourville= erhielt
nun =Befehl=, trotzdem auszulaufen und den Feind aufzusuchen. Ein großer
Schlag zur See versprach die größten Erfolge: Die Lage in England war
bedenklich. Irland war über ein Jahr in erfolgreichem Aufstande, und es
war den Franzosen geglückt, eine neue Truppenmacht auf die Insel zu
werfen; Wilhelm III. war mit dem größten und besten Teile seiner Truppen
dort; die Anhänger Jakobs traten in England, wo die Königin die Regierung
führte, mit ihren Kundgebungen mehr und mehr hervor. Die Vernichtung der
verbündeten Flotte und darauf ein Festhalten des Königs in Irland, sowie
eine Landung in England mußten voraussichtlich für Oraniens Stellung
verhängnisvoll werden. Die französische Flotte war hierzu der feindlichen
ungemein überlegen -- die stolzeste, die Frankreich je ins Gefecht
geführt hat.
Am 23. Juni lief =Tourville= von Brest aus; starke Gegenwinde im Kanal
hielten ihn auf, auch waren die Galeren genötigt, unter der Küste der
Bretagne Schutz zu suchen. Am 3. Juli morgens sichteten seine
Aufklärungsschiffe die feindliche Flotte zu Anker bei St. Helens
(Wight). =Herbert= war so wenig kriegsbereit und unterrichtet, daß er
nicht einmal Vorposten im Westen hatte. Erst am 2. Juli hatte er
Nachricht erhalten, daß die Franzosen in See gegangen seien; jetzt waren
sie wenige Seemeilen von ihm.
Er sagte später aus: Da alle unsere Schiffe noch mit Ausrüsten (z. B.
auch mit Einschiffen eines Regimentes) beschäftigt waren, hatte ich die
Holländer mit dem Sicherheitsdienst betraut (wohl am 2. Juli); die von
diesen dazu befehligten Schiffe scheinen aber auch durch Ergänzen von
Bedürfnissen festgehalten zu sein. »Sicher ist, daß ich erst durch das
Sichten der feindlichen Vorposten von dem Erscheinen der französischen
Flotte Kenntnis erhielt. Auch ihre Stärke war mir unbekannt; daß
Château-Renault mit dem Toulon-Geschwader dabei war, zeigte mir erst
seine Flagge.« (Z. B. Colomb, Seite 113.)
Herbert lichtete sofort Anker, mußte aber bald wieder bei Dunose
(Südostspitze Wights) ankern, da der leichte Nordostwind ganz einschlief;
hier stießen am 4. Juli noch einige englische und holländische Schiffe zu
ihm, ebenso während der nächsten Tage. Am 5. Juli 9 Uhr vormittags
meldete eine Fregatte das Nahen des Feindes. Herbert ging Anker auf und
formierte bei leichtem südlichem Winde die Gefechtslinie über
Backbord-Bug; bald sichteten sich die Flotten. Als nun aber die Stärke
der Franzosen erkannt war, beschloß der Kriegsrat der Verbündeten, einem
Gefecht auszuweichen, um die Flotte für eine Defensive unversehrt zu
erhalten. Dementsprechend wurde an die Königin in London berichtet und
nach Osten gesteuert; die Franzosen folgten.
Herbert berichtete[234] (kurz gefaßt): Er habe zuerst beabsichtigt, ein
Gefecht anzunehmen, die Franzosen hätten jedoch nicht angegriffen,
obgleich sie zu Luward standen. (Vielleicht hielten sie zurück, weil
sie infolge des flauen Windes nicht in guter Ordnung waren, vielleicht
um auch erst die Stärke des Feindes kennen zu lernen; sie hatten
nämlich am 4. das Salutieren der zu Herbert gestoßenen Schiffe gehört.)
Als die Stärke des Gegners erkannt war, sei vorstehender Beschluß
gefaßt worden. Man habe dabei in Erwägung gezogen, daß man in einer
Schlacht die ganze Flotte und damit die Seeherrschaft aufs Spiel setze.
Es sei für richtiger erkannt worden, auszuweichen und bei günstiger
Gelegenheit zu versuchen, nach West zu steuern, um sich mit Killigrew,
Shovel sowie den Schiffen in Plymouth zu vereinigen und so dem Feinde
eher gewachsen zu sein, oder sich nach Osten, wenn nötig bis zur Themse
hinter die Gunfleet[235], zurückzuziehen, um von dort aus mit der
unversehrten Flotte den Feind im Schach zu halten und erst geeigneten
oder notwendigen Falles hervorzubrechen; auch hier könnten die
Streitkräfte im Westen über die Bänke trotz der Franzosen zur Flotte
stoßen.
[234] Diese und noch folgende Auszüge aus Berichten Herberts und
Befehlen von London vgl. z. B. Colomb, Seite 115.
[235] Gunfleet: Bänke östlich von der Themse von Foulness bis Harwich;
ein geeigneter, sicherer Ankerplatz für große Flotten.
Herbert weist jetzt noch einmal auf seine im Winter vergeblich
geäußerten Bedenken und Ermahnungen hin; er bittet um Verstärkungen und
entsprechende Orders an die Schiffe im Westen.
Flaue Winde hinderten an den nächsten Tagen ein Näherkommen der
verfolgenden Franzosen, um so mehr als die Engländer die
Stromverhältnisse besser kannten; beide Flotten mußten häufig ankern. Da
traf am 9. Juli abends ein =Befehl der Königin= ein, der Herbert =zum
Fechten= nötigte; in London war man über die Lage -- über die zu
wählende Strategie -- anderer Ansicht und man unterschätzte den Feind.
Nottingham schrieb: Die Franzosen hätten nach sicherer Nachricht nur 60
Linienschiffe, diese seien schlecht bemannt. Shovel und die Schiffe von
Plymouth seien bereits unterwegs; Killigrews Ankunft stände ganz nahe
bevor. Alle diese aber -- und mit ihnen Killigrews großer Convoi --
seien sehr in Gefahr, wenn sich die Flotte nach Osten zurückzöge; die
Franzosen würden dadurch ferner imstande sein, ganz oder teilweise nach
Schottland zu gehen, wo dann ein großer Aufstand erfolgen könne.
Die angeschlossene Order der Königin besagte, daß sie die Absicht, sich
bis zur Themse zurückzuziehen, durchaus mißbillige. Ein nach Westen
Gehen verbiete sie nicht, wenn es sich mit folgendem vereinigen ließe.
Vor allem sei nämlich die französische Flotte »nie« aus Sicht zu
lassen, damit sie nicht etwas gegen die Küsten oder gegen die Themse
unternehmen oder »überhaupt ohne Gefecht absegeln« könne (wohin? nach
Schottland oder nach Hause?), eher sei unter günstigen
Windverhältnissen (d. h. in der Luvstellung) zu schlagen. In welcher
Eile diese Befehle verfaßt wurden, zeigt die Tatsache, daß Nottingham
sich nicht einmal Zeit nahm, Konzepte oder Abschriften anzufertigen.
Herbert antwortete sofort: Die Ansicht in London über Stärke und
Bemannung des Feindes sei nach seiner Beobachtung und seinen
Nachrichten falsch. Er hielte die Schiffe im Westen und die Küsten für
nicht gefährdet; er beabsichtige ja gerade, alle Unternehmungen des
Feindes zu hindern (durch seine »fleet in being«; dieser jetzt so oft
gebrauchte Ausdruck stammt von Herbert); wenn er aber geschlagen würde,
dann sei alles bedroht; im übrigen werde die Flotte auf den Befehl hin
ihre Pflicht tun.
=Am 10. Juli= morgens bildete Herbert bei frischem Nordostwind etwa 10-12
sm. südlich von =Beachy Head= die Schlachtlinie über Backbord-Bug und
hielt dann auf die in Lee stehenden Franzosen ab, die ihn über denselben
Bug backgebraßt erwarteten.
=Stärke und Einteilung der Flotten=
100 K. 80-92 70-80 60-70 50-60 40-50 Brander
=Verbündete= 1) Vorhut 3) -- 2 4 8 7 1 4?
Mitte 1 4 10 4 2 1 4?
Nachhut 3) 1 2 7 1 2 -- 3?
-------------------------------------------------------
Gesamt 2 8 21 13 11 2 11? 2)