Franzosen: 1) 9 10 10 2 2 8 (9?)

Holländer: 2) -- 3 10 4 6 4 --

-----+-----

|

Spanier: 3) -- 1 3 5 1 9

1) Französische Galeren sind nicht dabei gewesen, wie einige Quellen

sagen; sie kamen erst später als Bedeckung des großen Transportes

nach Messina.

2) Die Holländer sind dieselben wie bei Stromboli, also meistens

50-Kanonen-Schiffe.

3) Nach französischen Angaben waren die Spanier noch schwächer

armiert, als hier in den Klassen einrangiert; jedenfalls führten sie

sehr schwache Kaliber -- nur sechs 32-Pfünder in Summa --, waren

sehr schwach bemannt und ungenügend mit Munition etc. versehen. den

Haen berichtete z. B., daß sie keine Reservesegel an Bord gehabt,

daß die Offiziere Teile der Munition, des Proviants und Materials

verkauft hätten.

[212] Nach de Jonge, Teil II, Beilage XII, nahezu übereinstimmend mit

den anderen Hauptquellen; A. Jal gibt in »du Quesne«, Teil II,

Namen der französischen und spanischen Schiffe und Kommandanten,

für letztere die Armierung nach offiziellen spanischen Angaben.

[213] Schilderung der Schlacht nach de Jonge, Teil II; »Leben Ruyters«;

Jal: »du Quesne«; Bon fils. Diese Quellen weichen etwas

voneinander ab, aber kaum wesentlich für die Beurteilung der

Schlacht.

Auf seiten der Verbündeten bildeten die Holländer Vor- und Nachhut unter

=Ruyter= und den Haen, die Spanier die Mitte (von den Holländern ihnen

»aus Ehrerbietung für den König« überlassen) unter =de la Cerda=; die

Galeren standen unter de Bayona. Bei den Franzosen befanden sich als

Flaggoffiziere: Vorhut Generalleutnant d'Alméras; Mitte =du Quesne=;

Nachhut de Gabaret; hinzutraten als Divisionsführer die Chefs d'Escadre

de Valbelle, de Tourville, de Preuilly.

Am 22. April morgens sichteten sich die Gegner; die Franzosen standen

etwa 18 Seemeilen nördlich von Agosta bei flauem Nordwestwinde zu Luward;

du Quesne bildete die Gefechtslinie und steuerte heran, Ruyter hielt

zunächst von der Küste ab. Gegen Mittag wurde es still, dann kam leichter

Südwind auf; jetzt stand Ruyter zu Luward und näherte sich seinerseits

zum Gefecht. Bei der Flaute gebrauchte er längere Zeit, um Mitte und

Nachhut zur Bildung der Gefechtslinie heran kommen zu lassen; um 3 Uhr

Nachmittags hielt er dann zum Angriff ab.

$Der Verlauf der Schlacht.$ =Ruyter= führte sein Geschwader auf die

Vorhut des Feindes. Sein Stoß (4 Uhr) war sehr erfolgreich. Bald fällt

d'Alméras, 2 Kommandanten werden schwer verwundet und einige Schiffe

zeitweise außer Gefecht gesetzt; das französische Geschwader gerät

infolgedessen in Unordnung. Ruyter soll beabsichtigt haben, die

feindliche Vorhut zu durchbrechen und von ihrer Mitte abzuschneiden;

dies gelang nicht und hätte auch nicht dazu geführt, die feindliche

Mitte mit Übermacht anzugreifen. Die Spanier nämlich folgten nicht eng

aufgeschlossen der Vorhut, hielten nicht zum Nahkampf ab, sondern

führten ein Feuergefecht auf weite Entfernung. So kam auch =den Haen=,

der seinerseits auf die Spanier aufgeschlossen fuhr, zunächst nicht ins

Gefecht. Aufgebracht hierüber und ungeduldig setzte er sich an die

Spitze seines Geschwaders (gegen 5 Uhr) und suchte den Nahkampf,

gleichzeitig mit dem Bestreben, sich an Ruyter anzuschließen; um dieses

Manöver zu unterstützen, braßte Ruyter back.[214] Auch auf

französischer Seite strebte =du Quesne=, von den Spaniern nicht

angegriffen, nach vorn seiner bedrängten Vorhut zu; so hatte Ruyter das

Feuer der an ihm vorüberziehenden feindlichen Mitte auszuhalten. Der

zweite und Hauptmoment der Schlacht scheint dann ein Kampf zwischen den

beiden holländischen Geschwadern und der französischen Mitte und

Nachhut gewesen zu sein; längere Zeit lagen sich Ruyter, unterstützt

von einem Schiff unter Graf Styrum, und du Quesne, unterstützt von

Tourville und Preuilly, gegenüber.

[214] Backbrassen heißt, das Schiff durch Stellen der Segel eines

Mastes gegen den Wind zum Stillstand bringen.

»Eine halbe Stunde etwa, nachdem der Kampf heftig geworden war,« also

dicht vor oder dicht nach dem Backbrassen, =fiel Ruyter=; ihm war der

linke Fuß und der rechte Unterschenkel zerschmettert, die erste

Verwundung in seinem Leben. Sein Flaggkapitän, =Callenburgh=, führte

das Geschwader mit Umsicht weiter, aber auch der Admiral gab noch

Anordnungen, wie er auch später noch den Bericht über die Schlacht

aufsetzte.

Die Dunkelheit trennte die Gegner; wie gewöhnlich behaupten beide, der

Feind habe abgebrochen. Die spanischen Galeren schleppten während des

Gefechts beschädigte Schiffe der Vorhut mit Mut und Tapferkeit aus dem

Feuer; von den Hochseeschiffen der Mitte haben sich einige

flämisch-spanische bei dem Kampfe Ruyters mit der feindlichen Mitte

wacker beteiligt, nachdem Callenburgh den spanischen Admiral dringend

um Herankommen ersucht hatte. Das laue Verhalten der Spanier im

allgemeinen wurde von den Holländern hart verurteilt, jedoch später

etwas mit der Schwäche und dem schlechten Zustande ihrer Schiffe

entschuldigt; aber selbst der Vizekönig berichtete dem Könige, daß

seine Flotte nicht ihre Schuldigkeit getan habe -- im damaligen Spanien

eine seltene und gewagte Aufrichtigkeit.

=Die Schlacht muß man als »unentschieden« bezeichnen=; beide Gegner

wollen das Schlachtfeld behauptet haben, was zutrifft. Die verbündete

Flotte blieb die Nacht in der Nähe, beigedreht und ausbessernd, und ging

am andern Morgen nach Syrakus, teilweise im Schlepp der Galeren. Die

Franzosen sah man von den Toppen aus unter kleinen Segeln ebenfalls

ausbessernd; beide Parteien waren eben nicht imstande, etwas zu

unternehmen. Du Quesne zeigte sich zwar einige Tage später vor Syrakus,

ging dann aber nach Messina (Ankunft 1. Mai).

Man muß wohl fragen, was Ruyter bewogen hat, bei der eigenen Schwäche und

der Stärke des Gegners diese Operation gegen Messina zu unternehmen.

Hoffte er auf einen erfolgreichen Landangriff, wollte er dabei die

französische Flotte nur beschäftigen und rechnete er hierbei dann wieder

auf einen großen Nutzen der Galeren? Vertraute er später bei einem Kampfe

in offener See auf seine und der Seinigen größere Seemannschaft; dieses

vielleicht gerade nach den Erfahrungen bei Stromboli? Man sagt, er habe

gewünscht, bei einer Seeschlacht die spanischen Schiffe zwischen die

holländischen zu verteilen; jedenfalls befahl er später noch, die

holländischen Geschwader nie wieder zu trennen.

$Ruyters Tod.$ Die Verwundung gab anfangs noch Hoffnung auf Heilung.

Bald aber verschlimmerte sich der Zustand, er konnte den Bericht über

die Schlacht nicht mehr unterschreiben und starb am 29. April abends.

Er war 69 Jahre alt, hatte 58 Jahre zur See gedient, über 40 Gefechte

mitgemacht -- darunter 15 große -- und in 7 Schlachten kommandiert.

Zunächst in Syrakus begraben, wurde die Leiche Ende 1676 von der

heimkehrenden Flotte nach der Heimat übergeführt und am 16. März 1677

in Amsterdam mit großer Feierlichkeit beigesetzt (Denkmal in der »Neuen

Kirche«). Auch außerhalb Hollands wurden Ruyters Verdienste anerkannt;

alle Verbündeten sandten Beileidschreiben an die Regierung und an die

Witwe.[215] Der König von Spanien hatte ihn nach der Schlacht von

Stromboli zum Herzog ernannt und ihm eine jährliche Pension ausgesetzt;

beides ging auf den Sohn über, der Titel wurde auf dessen Wunsch in

Baron geändert. Selbst Ludwig XIV. gab den Befestigungen Befehl, das

Schiff mit der Leiche zu salutieren, falls es nahe genug passiere und

angekündigt sei.

[215] Wörtlich im »Leben Ruyters«, darunter auch die Schreiben des

Großen Kurfürsten.

Das Interesse, das wohl jeder Leser für den großen und sympathischen

Seehelden gewonnen hat, läßt es angebracht erscheinen, hier am Schluß

seiner Laufbahn noch einige Urteile über ihn hinzuzufügen. (Personalien

vgl. Seite 205.) =Mahan= sagt (Seemacht, Teil I, Seite 142): »In der

Schlacht bei Solebay bewies Ruyter einen Grad der Geschicklichkeit und

Tatkraft, wie man sie nach ihm bis zu den Zeiten Nelsons und Suffrens

zur See nicht wieder zu sehen bekam. Seine Schlachten 1672-1674 waren

keine »behutsame Unternehmungen«, wenn sie auch behutsam ins Werk

gesetzt wurden; sein Ziel war stets die vollste Niederwerfung des

Feindes, indem er taktische Geschicklichkeit mit ungestümem Draufgehn

vereinigte. Bei Solebay war er etwas schwächer als sein Feind, später

war er es immer in viel höherem Grade.« Derselbe Verfasser nach der

Schlacht bei Texel (Seite 152 abgekürzt): »Texel schließt die lange

Reihe der Kriege ab, in denen England und Holland um die Seeherrschaft

kämpften; die holländische Marine stand auf ihrem höchsten Punkt und

ihre größte Zierde, Ruyter, auf dem Gipfel seines Ruhmes, das Alter von

66 Jahren hatte ihm nichts von seinem kriegerischen Feuer geraubt; sein

Angriff war noch ebenso ungestüm wie vor acht Jahren, aber Erfahrung

hatte sein Urteil gereift, wie die größere Klarheit seiner Pläne und

sein scharfer militärischer Blick erkennen lassen. Er unternahm, um das

Vaterland zu retten, den Kampf gegen einen überlegenen Gegner mit einer

Marine, die ihm ihre Tüchtigkeit verdankte; er vollbrachte die Aufgabe

nicht durch Mut allein, sondern durch Mut, Voraussicht und

Geschicklichkeit. Der Angriff bei Texel war in den allgemeinen Zügen

derselbe wie bei Trafalgar: Vernachlässigung der Vorhut des Feindes,

Angriff mit ganzer Macht auf Mitte und Nachhut; sein Erfolg war

geringer als der Nelsons, da sein Gegner ihm in größerem Maße überlegen

war als diesem.« Ebendort: »Noch einmal wird uns dieser einfache und

heldenhafte Mann begegnen und, wenn auch unter traurig veränderten

Verhältnissen (Mittelmeer 1676), in seinem Wesen immer derselbe.« --

Dieser hohen Anerkennung seiner Fähigkeiten aus maßgebender Feder mögen

einige Angaben folgen, die =Ruyters Charakter= kennzeichnen. Der schon

früher angezogene Graf von =Guiche=, Kriegsfreiwilliger im zweiten

Kriege, schreibt nach der Viertageschlacht: »Ich sah ihn niemals anders

als ruhig und gleichmäßig; wenn der Sieg gesichert war, so sagte er

stets, der liebe Gott hätte ihn uns geschenkt. Als die Flotte in

Unordnung war und beim Anblick der Verluste schien ihn nur der Gedanke

an das Unglück seines Landes zu bewegen; aber stets unterwarf er sich

dem Willen Gottes. Es möge noch erwähnt sein, daß er etwas von der

Einfachheit unserer Patriarchen hatte. Einen Tag nach dem Siege traf

ich ihn, wie er sein Zimmer ausfegte und seine Küken fütterte.«

=Brand= (»Leben Ruyters«, Teil II, Seite 165) führt -- als er davon

gesprochen, daß sonst unverzagte Kriegsleute sich auch einmal weniger

tapfer zeigen könnten -- eine Erzählung Ruyters an, die er »aus des

Admirals eigenem Munde« habe. Kurz gefaßt ist sie folgende: Vor einem

größeren Treffen fühlte sich Ruyter gegen alle Gewohnheit kleinmütig

und zögerte, die letzten Befehle zu geben. Er begab sich deshalb allein

in seine Kajüte, fiel auf die Knie und bat Gott in kurzem, aber

andächtigem Gebet, ihn in dieser Stunde nicht zu verlassen, sondern ihm

zum Besten seines Vaterlandes beizustehen. Nach diesem Gebet verließ

ihn »alle Bangigkeit, und die gewöhnliche Ruhe und Freudigkeit seines

Geistes bekam wieder die Oberhand«. Er gab seine Befehle mit

standhaftem Mut und führte die Aktion glücklich durch, den Erfolg

nachher Gottes Beistand zuschreibend.

Ergreifend ist endlich die Schilderung seiner letzten Tage: wie er noch

während der Schlacht für seine Flotte betet, später die Schmerzen mit

Geduld erträgt und mit Ergebung dem Tode entgegensieht.

=Die verbündete Flotte= ging am 6. Mai südlich um Sicilien =nach

Palermo=; es spricht nicht für die französische Leitung, daß dies nicht

verhindert wurde, obgleich am 21. April sogar noch 25 Galeren in Messina

eingetroffen waren. Erst Ende Mai beschloß =Vivonne= in Person, den Feind

in Palermo anzugreifen -- nach französischen Quellen endlich angetrieben

durch Eifersucht auf du Quesnes Erfolge und auf die Nachricht, daß man in

Paris damit umginge, ihn durch einen schneidigeren Mann ablösen zu

lassen; er schiffte sich auf dem Flaggschiffe Tourvilles ein, um dessen

Rat zur Hand zu haben. Die ganze Flotte der Hochseeschiffe -- 29

Kriegsschiffe, 9 Brander -- sowie 25 Galeren liefen am 28. Mai aus; die

Nachricht hiervon traf am 30. in Palermo ein. Auf Antreiben =den Haens=,

auf den der Befehl über die Holländer übergegangen war, nahmen die

Verbündeten eine Verteidigungsstellung ein, die Holländer sofort, die

Spanier nach und nach bis zum 1. Juni: Die Schiffe -- 27 aller Größen --

wurden in der Bucht im Halbmond verankert, durch Warpanker mit den

Breitseiten nach See zu gehalten; den rechten Flügel bildeten nur

spanische Schiffe, die Mitte und den linken Flügel hauptsächlich

holländische, aber einige Spanier darunter; die Flügel lehnten sich an

Batterien auf der Mole und an kleinere Befestigungen, die Mitte wurde

durch das Hauptfort des Hafens verstärkt; die Galeren waren auf die

Flügel und zwischen den Schiffen verteilt, um Brander abzuwehren.

Die $Schlacht vor Palermo[216] am 2. Juni 1676$ sollte eine der größten

Erfolge dieser Waffe werden, die allerdings unter sehr günstigen

Umständen verwendet wurde.

[216] Quellen wie bei »Agosta«.

Die Verbündeten hatten beschlossen, vor Anker zu fechten, weil

verschiedene Schiffe infolge von Mangel an Material noch nicht wieder

seeklar waren; das holländische und das spanische Flaggschiff (jetzt

Admiral d'Ybarra) wechselten Masten. Ruyter würde wahrscheinlich mit

den segelfertigen Schiffen in See gegangen sein; noch vor Agosta hatte

er erklärt, unter keinen Umständen ein Gefecht vor Anker zu liefern,

selbst nicht den Feind in einer Bucht zu erwarten; die Folgen

bestätigten die Richtigkeit seiner Ansicht. Die Holländer hatten aber

wohl zu wenig Vertrauen auf die Spanier, waren selbst niedergedrückt

durch Ruyters Tod und rechneten mit einem kräftigen Rückhalt an den

Befestigungen.

Vivonne ließ am 1. Juni durch Tourville und Gabaret auf einem kleinen

Fahrzeuge, gedeckt durch die Galeren, die feindliche Stellung erkunden

und griff am Morgen des 2. an. Ein Geschwader von 9 Schiffen nebst 6

Brandern ging unter Preuilly gegen den rechten Flügel vor und legte

sich ebenfalls auf Spring[217] den Schiffen auf Kabellänge querab; die

Brander griffen durch Pulverrauch gedeckt an. So bedroht kappt der

spanische Vizeadmiral zuerst sein Kabel und treibt auf den Strand; die

meisten seiner Schiffe folgen dem Beispiel; 3 Schiffe verbrennen, 2

Galeren werden vernichtet. Das Gros der Franzosen ist inzwischen gegen

Mitte und linken Flügel ebenso vorgegangen. Es findet zwar kräftigeren

Widerstand, doch das Schicksal des rechten Flügels wirkt entmutigend,

um so mehr, da auch hier die Brander Erfolg haben: ein holländisches

Flaggschiff fängt Feuer, treibt und entzündet 2 andere Schiffe, alle 3

fliegen auf; das spanische Flaggschiff (bei der Mitte) schlägt zwar 2

Brander ab, 2 andere aber kommen heran, die ganze Besatzung springt

über Bord, d'Ybarra (und auch de la Cerda, als Freiwilliger weiter an

Bord verblieben) ertrinken dabei, das Schiff fliegt auf. So entsteht

auch hier Panik; 4 Holländer kappen und treiben an Land, die meisten

Spanier und alle Galeren flüchten in den inneren Hafen; auch Teile der

Stadt werden in Brand geschossen und eine Batterie wird aufgesprengt.

Nur wenige Schiffe unter den Haen (Mitte) und Callenburgh (linker

Flügel) kämpften tapfer weiter; den Haen fiel.

[217] Um ein Schiff vor Anker in jeder beliebigen Lage zum Winde

festlegen zu können, wird vom Heck aus eine Trosse außenbords

herum nach vorn genommen, auf die Ankerkette gesteckt und nach

Bedarf eingeholt.

Vivonne brach das Gefecht ab, als seine Brander sämtlich verbraucht

waren. Der Verlust der Verbündeten wäre wohl noch bedeutender gewesen,

wenn dem Feinde mehr Brander zu Gebote gestanden hätten; der Angriff

auf das spanische Flaggschiff war schlecht ausgeführt, er kostete

allein 4 Brander. Die Holländer schreiben die Hauptschuld an der

Katastrophe der mangelhaften Unterstützung seitens der Befestigungen

und der Galeren zu; diese hätten die Brander unschädlich machen können.

Die Franzosen haben das Manöver des Längsseitgehens und Ankerns trotz

heftigen Feuers unter Preuilly, Tourville mit dem Flaggschiff der

Flotte und du Quesne mit dem Spitzenschiff des Gros vorzüglich

ausgeführt.

=Die Verluste der Verbündeten waren ungeheuer.= Die Holländer verloren

2 Flaggoffiziere, 260 Tote und viele Verwundete, mindestens 3

Linienschiffe; die Spanier 4 Flaggoffiziere, 8 Kommandanten, 1700 Mann,

mindestens 4 Linienschiffe, 2 Galeren und verschiedene kleinere

Fahrzeuge. Der Verlust der Franzosen war unbedeutend, an Fahrzeugen nur

1 Schiff und die Brander.

Wiederum ist es auffallend, daß die Franzosen den Kampf nicht bis aufs

äußerste durchführten. Vivonne konnte mit seiner Artillerie auch nach

Verbrauch der Brander den Erfolg noch erhöhen; er konnte -- wie ihm

vorgeschlagen wurde -- an einem der nächsten Tage mit neuhergestellten

Brandern die Zerstörung fortsetzen. Statt dessen ging er nach Messina

zurück, und wiederum schreiben dies französische Angaben seiner

Lässigkeit (insouciance) zu; nach seiner Äußerung »hatte er genug getan«,

es zog ihn nach seiner Residenz zurück. Immerhin war mit dieser

Niederlage der Verbündeten die Kriegführung zur See um Sicilien zu Ende.

Die Franzosen beherrschten die See, eine ebenbürtige Flotte stand ihnen

nicht mehr gegenüber. Holland wollte, nach all den Opfern und von Spanien

nicht unterstützt, seine Schiffe nicht mehr einsetzen, die Spanier waren

weder imstande, ihre Seestreitkräfte zu verstärken, noch mit den

vorhandenen ohne die Holländer etwas zu unternehmen; sie verblieben in

dem möglichst verstärkten Palermo.

Auch für den =Landkrieg auf Sicilien= hätte diese Schlacht entscheidend

werden müssen. Die französische Flotte hatte ihre Hauptaufgabe erfüllt,

sie beherrschte die See und hinderte jede Unterstützung der spanischen

Armee auf der Insel, falls man überhaupt zu einer solchen imstande

gewesen. Frankreich brauchte nur genügend Truppen und einen tüchtigeren

General hinüberzusenden. Vivonne aber führte den Krieg in der

bisherigen Weise fort: vereinzelte Vorstöße, um die Lage Messinas zu

verbessern; Angriffe auf andere Küstenstädte, um dort Fuß zu fassen;

alles jedoch ohne Nachhalt, auch wenn vereinzelte Erfolge errungen

waren. Man darf ihm aber die Schuld nicht allein zuschieben. Er

verfügte zwar zunächst noch über eine starke Flotte, seine Landmacht

dagegen war gering und litt sehr unter Krankheiten. Allerdings erhielt

er von Zeit zu Zeit Nachschub, dieser war jedoch stets nur schwach und

minderwertig; seine Klagen hierüber -- selbst bei Frau von Montespan,

seiner Schwester -- blieben erfolglos. Der König und Louvois -- dieser

eifersüchtig auf Colbert -- betrachteten die Operationen in Sicilien

immer mehr nur als eine Diversion für ihren Krieg mit Spanien an den

Landesgrenzen; sie hatten ungeheure Kosten verursacht und als Erfolg

eigentlich nur einigen Ruhm für die junge Marine gebracht.

Als sich England 1678 Frankreichs Feinden zuneigte und mit Holland in

Verhandlungen über eine gemeinsam ins Mittelmeer zu entsendende Flotte

eintrat, zog man die Truppen aus Messina zurück und überließ die Stadt

den Spaniern.

$Die weiteren Ereignisse zur See$[218] seien nur kurz erwähnt. Nach dem

Kampfe bei Palermo befahl die holländische Regierung ihrer Flotte, nach

Neapel zu gehen, um hier auszurüsten und um einen neuen Admiral

(Kontreadmiral van Almonde, über Land kommend) zu erwarten. Der

interimistische Chef, Kapitän =Callenburgh=, führte den Befehl Anfang

August aus; er stieß dabei auf die mächtige französische Flotte unter du

Quesne, entzog sich aber ihr sehr geschickt.

[218] Genauer in de Jonge, Teil II, und »du Quesne«, Teil II.

Am 13. August sichtete Callenburgh nicht weit von Neapel den Feind, 24

Kriegsschiffe mit einem Convoi. Tagsüber manövrierte er, als ob er die

günstige Windstellung für ein Gefecht gewinnen und halten wolle. Nachts

aber änderte er nach und nach den Kurs nach Westen, kam so dem Feinde

aus Sicht, hielt sich noch einige Tage fern von der Küste und erreichte

dann wohlbehalten Neapel am 20. August.

Inzwischen begann Holland wieder Unterhandlungen mit Spanien über

Entsendung einer neuen Flotte. Da diese aber nicht vorwärts kamen und

auch die Gelder für die erste Expedition nicht gezahlt wurden, rief man

=Almonde= zurück. Dieser verließ am 4. Oktober Neapel, blieb einige Zeit

in Cadiz -- falls Spanien sich noch besinnen sollte --, mußte wegen Sturm

und Eis England anlaufen und kam endlich, Ende Januar 1677, in Holland

an.

Auf französischer Seite wurde =du Quesne= wenige Tage nach der Schlacht

von Palermo mit der ganzen Hochseeflotte nach Toulon gesandt, um Zufuhr

an Truppen, Kriegsmaterial und Proviant zu holen. Ende Juli kehrte er mit

24 Kriegsschiffen und einigen Transportern (6 Schiffe mit weiteren

Truppen folgten bald) zurück und traf, wie erwähnt, auf Callenburgh, ohne

daß es zum Zusammenstoß kam.

Wohl hatte er die Absicht, die Holländer anzugreifen. Als diese sich

ihm aber entzogen, sah er von weiterem Suchen ab; er mußte zunächst die

sehnlichst erwarteten Zufuhren abliefern, außerdem drohte der Flotte

durch den schlechten Gesundheitszustand der eingeschifften Truppen

Gefahr.

Von jetzt ab treten in dem Kriege keine größeren französischen Flotten

mehr auf; auffallenderweise werden keine Versuche gemacht, die Reste der

spanischen und holländischen Seestreitkräfte zu vernichten. Nur kleinere

Geschwader beteiligen sich an Unternehmungen gegen sicilianische Städte

-- z. B. 1676 Scaletta und Taormina genommen; 1676 und 1677 vergebliche

Versuche gegen Syrakus --, die Hauptaufgabe bleibt, die Zufuhren von

Frankreich nach Messina zu decken. In den Jahren 1677 und 1678 werden

auch wieder kleinere Geschwader zur Unterstützung des Landkrieges an der

spanischen Grenze verwendet. Größere Aktionen zur See kamen auch hier

nicht vor, selbst nicht als 1678 nochmals die Holländer hier erschienen,

wie wir gleich hören werden. Es hat den Anschein, als ob die französische

Flotte infolge von Reibungen zwischen den militärischen und den

administrativen Behörden in Toulon weniger leistungsfähig geworden war.

Im Februar 1678 ging ein größeres Geschwader nach Messina unter dem

Marschall de la Feuillade, der Vivonne ablösen sollte; man wollte diesem

die Demütigung ersparen, Sicilien zu räumen. Um Unruhen in der Stadt

vorzubeugen, ordnete der neue Vizekönig zunächst Maßregeln an, die auf

eine energischere Kriegführung hinzudeuten schienen. Als aber unter

diesem Vorwande alles zur Einschiffung bereit war, erklärte er auf einem

Gastmahle mit den Behörden plötzlich, daß sein König die Truppen

zurückzöge. Der Abzug aus den verschiedenen besetzten Plätzen begann

Mitte März, am 1. April verließen die letzten Franzosen die Insel.

$Die Räumung Siciliens$ war, wie wir wissen, beschlossen, da man das

Erscheinen einer englisch-holländischen Flotte im Mittelmeer befürchten

mußte; sie wurde beschleunigt, als man erfuhr, daß ein =holländisches

Geschwader= schon ausgerüstet werde. Dieses Geschwader hatte nur noch

wenig Gelegenheit zu nützen, doch führte seine Reise zu einem =letzten

Zusammenstoß mit den Franzosen=.

Don Juan d'Austria hatte in Spanien an Stelle der Königin-Mutter die

Regierung für den unmündigen König übernommen; er bat im Jahre 1677

Holland wieder um Unterstützung unter den früheren Bedingungen und

zahlte auch einen Teil der rückständigen Gelder ab. Holland war aber

vorsichtig geworden, die Unterhandlungen zogen sich hin und die

Rüstungen wurden nur fortgesetzt, wenn die Geldraten eintrafen. So war

die Flotte -- 18 Kriegsschiffe, 6 Schnauven, 6 Brander -- erst im

Februar 1678 fertig und wurde dann noch teilweise durch Eis

festgehalten. Dennoch erhielt der Führer, Vizeadmiral =Cornelis

Evertsen= (genannt »der Jüngste« als der dritte dieses Namens, Sohn des

Leutnantadmiral Jan E.) Mitte Februar den Befehl, mit 9 Schiffen und 5

Brandern auszulaufen; der Rest sollte baldmöglichst folgen. Es geschah

wohl, um Frankreich zu zeigen, daß man Ernst mache, und um England

anzufeuern. Mit der Entsendung einer so kleinen Macht verscherzte man

die Gelegenheit, den Franzosen eine Schlappe zuzufügen, und setzte sie

selbst einer Gefahr aus. Evertsen, einige Zeit in England aufgehalten,

traf am 17. März, etwa 30 sm. westlich von Kap Ouessant auf den Chef

d'Escadre =Chateau-Renault= mit 6 schweren Linienschiffen. Auch dieses

Geschwader war von Brest nach Sicilien bestimmt, um bei der Räumung

mitzuwirken, und gleichfalls durch verzögerte Ausrüstung verspätet. Die

Franzosen griffen an. Infolge schweren Seeganges, der das Öffnen der

untersten Pforten verbot, blieb das etwa sechsstündige Gefecht ohne

große Folgen und ohne Entscheidung; die Nacht trennte die Gegner und

Evertsen erreichte Cadiz, wo er die in Holland zurückgelassenen Schiffe

schon antraf.

Die holländische Flotte traf erst am 26. März 1678 in Cadiz ein. Sie war

also für Sicilien nicht mehr nötig und kam auch zu spät, um gegen den

Abzug der Franzosen verwendet zu werden, wenn sie nicht sofort

weiterging. Aber wie zu Ruyters Zeit wurde sie durch mangelnde

Unterstützung, durch Befehle und Gegenbefehle von Madrid festgehalten.

Erst Ende Mai führte sie Truppen nach Barcelona, blieb dort etwa drei

Wochen an der Küste, ohne mit dem Feinde zusammenzustoßen, und wurde dann

nach Holland zurückgerufen, weil Spanien wiederum seinen Verpflichtungen

nicht nachkam.

=So endeten die holländischen Unternehmungen im Mittelmeer.= Sie hatten

große Summen gekostet, große Verluste -- besonders den Ruyters --

gebracht und fast keine Erfolge gehabt, wenn auch die verhältnismäßig

schwachen, zu schwachen Kräfte ihre Pflicht getan und die Ehre ihrer

Flagge hoch gehalten hatten. Die größere Schuld an dem Mißerfolge trifft

wohl die Spanier, und die Folgen des Zusammengehens mit ihnen fühlte

Holland noch lange nach: Spanien zahlte nur dürftig ab. Noch 1684 bestand

eine Forderung an diesen Staat von 6 Millionen Gulden, 1713 von 4

Millionen und die Zinsen von 30 Jahren; die Schulden der holländischen

Admiralitäten waren aufs neue vermehrt worden, was von größtem Nachteil

für das Seewesen der Republik wurde.

Ehe wir die Schilderung dieses französisch-holländischen Krieges

schließen, müssen über den $kleinen Krieg[219] gegen den Handel$ wenige

Worte gesagt werden. Holland gab bekanntlich in den Jahren 1672 und 1673

die Freibeuterei stets frei, sobald im Herbst die Operationen der Flotten

aufhörten. Die Freibeuterei richtete sich von 1674 natürlich gegen die

Franzosen und wurde wie immer hauptsächlich von den Seeländern betrieben;

vom Mittelmeer bis zum Kanal schwärmten ihre Fahrzeuge, oft in kleinen

Geschwadern. Sie haben auch dem Gegner großen Schaden getan; so wurden z.

B. allein im Jahre 1676 in spanischen Städten 71 von seeländischen

Freibeutern aufgebrachte französische Handelsschiffe verkauft. Aber auch

die Niederlande erlitten im kleinen Kriege schwere Verluste, weil ihr

Handel unverhältnismäßig größer war. Wenn man auch stets Geschwader am

Eingange des Mittelmeeres hielt, um die Levantefahrer zu sichern -- die

schon der Barbaresken wegen stets unter Bedeckung segeln mußten -- und

ferner die Handelsschiffe durch den Kanal begleiten ließ, so wurden doch

viele von ihnen durch Freibeuter der französischen Küste oder durch

kleine Kriegschiffsgeschwader von St. Malo und Brest abgefangen.

[219] Näheres de Jonge, Teil II, Seite 653 mit Schilderung kleiner

Gefechte zwischen Kriegs- und Freibeuter-Geschwadern beider

Seiten, besonders auch der Operationen gegen die Freibeuterei

Dünkirchens; auch Bonfils, Teil I, Seite 223, hier erstes

Auftreten Jean Barts.

Der größte Feind des niederländischen Handels wurde seit 1674 wieder

=Dünkirchen=, wie die Stadt es zu Anfang des Jahrhunderts gewesen war.

Sie hatte, wie wir wissen, seit jener Zeit mehrfach ihren Herren

gewechselt und war dadurch sehr heruntergekommen. England soll

absichtlich ihren Hafen haben verfallen lassen, so daß ihn nur kleine

Fahrzeuge benutzen konnten; Ludwig XIV. stellte wohlweislich, im Hinblick

auf die wichtige Lage, diesen Übelstand wieder ab. Solange der Krieg

zwischen England und Holland währte, konnten die Dünkirchener ihr

Lieblingsgewerbe noch nicht aufnehmen, die Holländer hatten meistens ihre

Schiffahrt eingestellt und auch zu starke Kriegsflotten in See; sobald

aber der holländische Handel nach dem Frieden von Westminster wieder

kräftig betrieben wurde, erschienen auch die Freibeuter der Stadt in

großer und immer größer werdender Zahl von schnellsegelnden Jachten und

Fregatten mit 2-24 Kanonen, oft in Geschwadern. Jetzt schon tat sich der

später berühmte =Jean Bart= hervor. Holland sah sich bald genötigt, wie

in den älteren Zeiten einen förmlichen Krieg gegen dieses Gemeinwesen zu

führen. Anfangs sandte man einige leichte Schiffe gegen die Freibeuter

aus, später war man gezwungen, ständige Geschwader aufzustellen, deren

Kern kleinere Linienschiffe bildeten. Der Krieg wurde wie vor 30 Jahren

geführt: Mit vorzüglichem Personal aller Nationen bemannt, holten die

Dünkirchener selbst Fahrzeuge aus den niederländischen Seegatten heraus,

griffen große Convois an, ja planten 1676 sogar, sich Briels oder

Hellevoetsluis' zu bemächtigen; die holländischen Geschwader mußten immer

stärker gemacht werden, um Dünkirchen zu blockieren, die eigenen Küsten

reinzuhalten, ihre Ostseefahrer durch die ganze Nordsee zu geleiten und

die Fischereigründe zu überwachen. Trotz alledem fügten die verwegenen

Gegner dem Handel schweren Schaden zu; trotz der Blockade liefen sie

nachts und im Sturm ein und aus.

$Rückblick auf die Kriegführung zur See von 1674-1678.$ In seiner

Geschichte des niederländischen Seewesens erhebt de Jonge Einwand gegen

den Vorwurf in den meisten Geschichtswerken, daß nach dem Frieden von

Westminster in dem holländischen Seewesen kein rechtes Leben mehr gewesen

und von seinen Seestreitkräften nicht viel mehr geleistet sei. Er

erinnert an alle die hier besprochenen Unternehmungen, zu denen noch die

Beteiligung am schwedisch-dänischen Kriege tritt. Er weist dann darauf

hin, welche Anstrengungen besonders von der Admiralität Amsterdam gemacht

seien, indem von dieser die ganze Flotte Ruyters im Mittelmeer und der

größte Teil der Schiffe gegen Schweden, gegen Dünkirchen, zum Schutz der

Convois sowie für die Expeditionen nach Westindien gestellt wäre; dieser

Admiralität seien solche Leistungen möglich gewesen, da man hier die

nötigen Mittel habe aufbringen können. Als Gründe hierfür führt de Jonge

an, daß die Provinzen von Holland stets die für das Seewesen bestimmten

Gelder zahlten. Dies kam nun den Admiralitäten von Amsterdam, Maas und

Norderquartier zu gute; so waren auch die beiden letzten imstande, sich

an den Rüstungen zu beteiligen, Amsterdam aber am meisten, weil sein

Handel bei weitem der einträglichste war. Der Zuschuß der Landprovinzen

fehlte allen Admiralitäten, und da die beiden anderen Seeprovinzen auch

schon seit Jahren unregelmäßig und ungenügend zahlten, so waren ihre

Admiralitäten, Seeland und Friesland, derart in Schulden geraten, daß

ihre Kontingente nach und nach ganz ausfielen; ihre immer schwächer

werdende Beteiligung haben wir schon im 2. und 3. englisch-holländischen

Kriege gesehen. Soweit de Jonge.

Alles dieses bestätigt doch aber nur, daß die Rüstungen zur See im

allgemeinen zurückgegangen sind, auch die Angaben über die

Indienststellungen beweisen dies: Schon 1674 zählten die Flotten Ruyters

und Tromps zusammen nur 45 Linienschiffe und Fregatten; für 1676 gibt die

Zusammenzählung der Kräfte im Mittelmeer, Ostsee, Westindien und gegen

Dünkirchen kaum eine größere Zahl. Im Kriege 1672-1674 aber waren Flotten

von 64-75 Schiffen aufgestellt.

Der Hauptgrund für diese Herabsetzung war wohl die Erschöpfung des

Landes, sahen wir doch selbst Ruyter nach dem Frieden mit England für

eine Verminderung der Flotte sprechen. Es mögen aber doch auch die

Verhältnisse eingewirkt haben, die schon in den früheren Kriegen oft

dahin führten, daß die äußersten Anstrengungen nur gemacht wurden, wenn

das Feuer auf den Nägeln brannte. Sonst aber wurde es der Regierung --

den Generalstaaten und dem Prinzen von Oranien --, in einer Republik von

Kaufleuten, in der stets eine große friedliebende Partei vorhanden sein

wird, schwer, Beschlüsse durchzubringen, die die Entfaltung einer großen

Macht und damit die Durchführung größerer strategischer Pläne

ermöglichten; der Mangel an Zentralisation in der Marineverwaltung

erschwerte dies noch mehr, es hatten eben in allen Dingen zu viele

mitzusprechen.

Wenn sich Amsterdam am meisten an den Rüstungen beteiligte, so ist dies

nicht allein seinen reichlicheren Mitteln zuzuschreiben, sondern auch

dem Umstande, daß hier das größere Verständnis für die Wichtigkeit der

Kriegführung zur See vorhanden war. Es zeigte sich dies schon in den

früheren Kriegen, und auch jetzt in den Jahren 1674-1678 gehen die

Forderungen, zur See etwas zu unternehmen, stets von den Provinzen von

Holland aus; de Jonge sagt: »Hier war der Geist de Witts noch nicht

ganz verschwunden.«

Daß im übrigen die Republik erschöpft war, kann nicht wundernehmen. Die

Hälfte ihrer Provinzen war lange Zeit in Feindeshand gewesen, und doch

hatte sie den größten Teil der Kosten eines fast europäischen Krieges

getragen. Sie mußte mit ihrem Gelde auch die Armeen der Verbündeten

wesentlich unterstützen und viele stets geldbedürftige deutsche Fürsten

dem Bunde gegen Frankreich treu erhalten; daß dies überhaupt möglich war,

ist das Verdienst der Marine, die dem Lande immer wieder das Meer

freigemacht hat.

Kommen wir nun zu den =Leistungen der holländischen Marine=, so drängt

sich die Frage auf, ob diese nicht trotz der notgedrungen schwächer

gewordenen Kräfte hätten größer sein können. Bei allen Operationen wird,

auch von holländischer Seite, der Vorwurf erhoben, sie seien mit zu

schwachen Kräften unternommen; gleichzeitig wird geklagt, daß der Handel

so sehr durch französische Freibeuter geschädigt wäre. Würde es nicht

richtiger gewesen sein, die Kräfte nicht zu zersplittern?

Ruyters Zug nach Westindien konnte nicht bedeutend auf den Verlauf des

Krieges einwirken -- noch weniger die späteren kleinen Expeditionen --,

mit den hierfür verwendeten Kräften wäre wohl besser das Unternehmen

Tromps verstärkt und dem sich wieder regenden Dünkirchen, sowie der

feindlichen Freibeuterei überhaupt, rechtzeitig fest entgegengetreten.

Wenn sich auch dann herausgestellt hätte, daß Tromp nichts von Bedeutung

gegen die Küsten ausrichten konnte, hätte man der französischen Flotte im

Mittelmeer ernstlich zu Leibe gehen müssen. Dasselbe ist von den späteren

Jahren zu sagen, Ostsee und Mittelmeer zu gleicher Zeit war zu viel für

die vorhandenen Kräfte. Stets fehlte ein Plan zu einheitlicher Verwendung

der Seestreitkräfte, um ein wichtiges Ziel unbedingt zu erreichen; immer

folgte man mehr augenblicklichen Antrieben, die oft wohl von

interessierten Kreisen ausgingen. Die Zersplitterung führte nur zu

Teilerfolgen (Ostsee), die auch nicht einmal immer dem Einsatz

entsprachen (Tromp 1674), oder gar zu Verlusten (Mittelmeer, Westindien)

und daneben konnte man den Handel nicht genügend schützen, was doch

wichtig für die Fortsetzung des Krieges war.

Über =die Kriegführung der Franzosen= ist folgendes zu bemerken. Wohl war

es richtig, daß sie sich im Atlantik auf die Defensive beschränkten --

ausgenommen die Expeditionen nach Westindien, die mehr den Charakter der

Privatzüge älterer Zeiten hatten. Wenn sie gezeigt hätten, daß sie hier

den Seekrieg ernstlich zu führen beabsichtigten, so würde Holland ihnen

seine ganze Macht entgegengestellt haben, und dieser waren sie nicht

gewachsen. Im inneren Wert stand ihre Marine noch nicht auf der Höhe der

holländischen und auch an Schiffen konnten sie noch nicht dieselbe Zahl

aufstellen, weil das Personal fehlte; wir zählen in den Kriegsjahren

1674/78 kaum mehr als 40 Linienschiffe und Fregatten gleichzeitig im

Mittelmeer und Atlantik: nur sind mehr schwerere Schiffe darunter als in

den Jahren 1672/73. Im Mittelmeer aber war die französische Flotte

mächtig und stets ihren Gegnern an Stärke und Zahl der Schiffe überlegen,

so besonders bei dem Kampfe um Sicilien. Deshalb ist es befremdend, daß

man von dieser Übermacht keinen tatkräftigeren Gebrauch gemacht hat.

Bei der Schilderung der Ereignisse wurde hierauf mehrfach hingewiesen.

Schon bei Stromboli macht du Quesne keinen ernsten Versuch, Ruyter zum

zweiten Male entgegenzutreten, obgleich er unmittelbar nach der Schlacht

bedeutende Verstärkung erhielt; in noch höherem Maße erscheint es

auffallend, daß er im nächsten Jahre nicht alles daransetzt, den weit

schwächeren Callenburgh vor Neapel zu vernichten. Doch kann man in diesen

beiden Fällen wenigstens annehmen, er habe zunächst den wichtigen

Zufuhrtransport sicher nach Messina führen wollen. Aber auch sonst

vermißt man fast durchgehend eine energische Offensive, meist liegt die

französische Flotte ohne größere Aufgabe tatenlos vor der belagerten

Stadt. Als Ruyter an der italienischen Küste war, hätte sie gegen die

getrennten Gegner vorgehen können; die Spanier wenigstens wären ihnen

gewiß leicht zum Opfer gefallen. Nach Agosta machen die Franzosen eine

lange Pause, ehe sie den Schlag gegen Palermo führen, obgleich sie auch

nach dieser Schlacht wiederum durch ihre Galerenflotte verstärkt waren.

Der Sieg wird dann nicht völlig ausgenützt, und es wird später nicht

daran gedacht, die Reste der aufs neue getrennten feindlichen Flotten

gänzlich zu vernichten.

Du Quesne war ein tüchtiger Mann. War er es nur in der Schlacht --

Tourville äußert sich später bei der Expedition gegen Algier über du

Quesne derart, als ob dieser größere eigene Verantwortung gescheut habe;

ein Vorwurf übrigens, der gegen ihn selbst im nächsten großen Kriege auch

erhoben wurde -- oder konnte er den lauen Vivonne, der stets den

Oberbefehl auch über die Flotte führte, nicht zu energischen Taten

bewegen? Spielte Eifersucht Vivonnes auf du Quesne, Louvois' auf Colbert

hierbei mit? Wenn die französische Flotte endlich in den letzten

Kriegsjahren an der spanischen Küste so wenig hervortrat, so scheint

dies allerdings seinen Grund in ihrem weniger schlagfertigen Zustande

gehabt zu haben; daß es aber dahin gekommen war, macht ebenso wie ihr

Verhalten bei Sicilien den Eindruck, als ob man die neue Waffe doch noch

nicht zu schätzen verstanden habe.

Über =Spanien= ist nichts weiter zu sagen; der Krieg zeigt, in welchem

Zustande das ganze Reich und seine Marine im besonderen war.

$Der Frieden von Nymwegen$ schloß diesen Krieg ab. Seine Bedingungen

kennen wir bereits (Seite 363). Es ist aber gerade für unseren Standpunkt

wichtig, die =mittelbaren Folgen dieses Krieges= für Holland, Frankreich

und auch England zu betrachten.

Scheinbar war der Friedensschluß für =Holland= unerwartet günstig; es

verlor in Europa nichts, im Auslande nur wenige bedeutende Besitzungen.

Aber sein Schaden während dieser Kriegsjahre nach dem Frieden mit England

war doch sehr groß. In dieser Zeit ging ein großer Teil seines

europäischen Zwischenhandels in englische Hände über; die holländische

Schiffahrt war zu gefährdet und Frankreich begünstigte in jeder Weise die

Englands, um Holland zu schädigen und England neutral zu erhalten.

=England= machte dadurch als Seemacht einen Schritt weiter auf Kosten

Hollands; Holland begann, von der Stelle einer Seemacht ersten Ranges

abzutreten, und als im nächsten Kriege die beiden Nationen vereint

gekämpft hatten, sicherte sich England als der nun stärkere Verbündete

wiederum den größeren Gewinn zur See.

Aber auch =Frankreich= zog aus dem Kriege keineswegs nur Nutzen,

wenigstens nicht für sein Seewesen; durch ihn ward das Werk Colberts

gehemmt. Dieser wollte bekanntlich durch Begünstigung der Produktion und

durch Anregung des Seehandels mit Hilfe einer starken Handels- und

Kriegsmarine den Wohlstand des Landes heben. Bis zu diesem Kriege war

alles gut gegangen; man befand sich auf dem Wege, Holland und England mit

Erfolg Konkurrenz zu machen; die Einnahmen des Landes vermehrten sich

mächtig.

Ludwigs Politik gegen Holland stärkte aber, wie eben gesagt, den

Seehandel Englands schon während des Krieges. Die Friedensbedingungen

waren dann zwar sehr vorteilhaft für Landzuwachs und militärische

Machtstellung -- Frankreich stand jetzt an der ersten Stelle auf dem

Festlande --, sie waren es aber nicht für Industrie und Handel des

Landes, weil die Schutzzölle zugunsten Englands und Hollands herabgesetzt

wurden. Dies traf die Weiterentwicklung der Schiffahrt schwer und die

Kriegsmarine war, ohne Rückhalt an eine starke Handelsmarine, wie ein

Baum ohne Wurzeln. Zwar wuchs sie in den nächsten Jahren noch sehr und

wurde selbst für kurze Zeit der englischen überlegen; sie schwand aber in

dem nächsten großen Kriege schnell dahin. Das Scheitern des Planes

Colberts, Frankreich zu einer großen Handelsmacht zu machen, ist auch von

Einfluß gewesen auf den finanziellen Ruin des Landes im nächsten

Jahrhundert, der durch die weiteren kostspieligen Kriege Ludwigs

eingeleitet wurde.

$Der schwedisch-dänische$[220] (-holländisch-brandenburgische) $Krieg

1675-1679$.

Im zweiten Eroberungskriege Ludwigs XIV. trat =Schweden= auf die Seite

Frankreichs und griff 1675 Brandenburg an; =Dänemark= unterstützte diesen

Staat. Da es sich hierbei für Dänemark darum handelte, dem Großen

Kurfürsten bei der Eroberung Pommerns zu helfen, den Schweden die

rückwärtigen Verbindungen von dort abzuschneiden, vor allem aber auch die

im letzten Kriege mit Schweden verlorenen Provinzen (z. B. »Schonen«;

deshalb auch der »schonische Krieg« genannt) und die Vorherrschaft in der

Ostsee wiederzugewinnen, so spielte der Krieg zur See eine große Rolle.

[220] Die früheren Kriege Dänemarks und Schwedens und ihre Marinen vgl.

Seite 44, 109, 148, 239. Die Quellen dort auch hier gültig. Über

die Beteiligung der Holländer siehe de Jonge, Teil II, Seite 153,

und »Vie de Tromp«.

$Die dänische Marine$ war im letzten Kriege nicht imstande gewesen, ihr

Land vor Invasion zu schützen; Christian V. aber (1670-1699) brachte sie

hoch, ja er führte sie zu ihrem höchsten Glanze. Schon 1675 besaß

Dänemark an Kriegsschiffen: 2 zu 80-90 Kanonen; 11 zu 58-78; 7 zu 36-54;

6 zu 24-32; 4 zu 8-20. Dazu traten 46 Defensionsschiffe der großen

Rhedereien (darunter 20 zu 34 Kanonen). Infolge der engen politischen

Verbindung mit Holland, der Unterstützung durch seine Flotten, hatten

holländisches Wesen und holländische Seeleute in großem Maße Eingang in

die dänische Marine gefunden; in dem jetzt ausgebrochenen Kriege wurde

sogar 1676 =Cornelis Tromp= als Oberbefehlshaber berufen, nachdem der

bisherige -- der tüchtige Admiral Adolar, auch im holländischen Seedienst

erzogen -- gestorben war.

Nach de Jonge waren die neueren dänischen Schiffe nach holländischem

Muster und teilweise von holländischen Schiffbauern gebaut; fast alles

Kriegsmaterial ward aus den Niederlanden bezogen. In der dänischen

Flotte unter Niels Juel im Jahre 1677 waren der Vizeadmiral, der

Kontreadmiral und 17 Kommandanten (von 26) Holländer; 1676 hatte man

3000, 1677 gar über 5000 Seeleute in den Niederlanden angeworben. Kein

Wunder, wenn nun dieselbe Quelle, auf ältere gestützt, sagt: Es hätten

die Schweden in diesem Kriege eigentlich nur gegen Holländer gefochten;

es hätten die dänischen Seeleute von diesen gelernt -- auch Juel von

Tromp --; selbst die von den dänischen Schiffen allein erreichten

Erfolge seien den aus Holland stammenden Offizieren oder doch deren

Unterweisung zuzuschreiben.

Gegen diesen holländischen Einfluß, gefördert durch Admiral Adolar, trat

von jetzt an eine nationale Partei in der Marineleitung auf und drang

nach und nach durch. Sie bewirkte 1678 die Entfernung Tromps, ihr Haupt

=Niels Juel= übernahm die Oberleitung und sorgte für die Schaffung eines

tüchtigen nationalen Offizierkorps.

$Die schwedische Marine$ war 1675 der dänischen noch an Zahl und Größe

ihrer Schiffe überlegen, aber minderwertig im Personal. Unter der

vormundschaftlichen Regierung für Karl XI. (seit 1660) wurden die

Offiziersstellen, namentlich die höheren, vielfach nach Gunst an

Angehörige der regierenden Adelspartei vergeben, die nicht Seeleute, oft

nicht einmal Soldaten waren. Es sollte sich bald zeigen, daß die dänische

Flotte auch ohne Unterstützung durch die holländische, die dänischen

Führer auch ohne Tromp, den Schweden überlegen waren.

$Holland$ griff in den Krieg ein, »um seinem treuen Verbündeten, dem

Großen Kurfürsten, zu helfen«; es geschah aber auch wohl, damit Schweden

nicht wieder zu mächtig an der Ostsee werde. In allen früheren Kriegen

war es Hollands Bestreben gewesen, keine Macht zu hoch kommen zu lassen,

sei es Hansa, Dänemark oder Schweden. Gerade von Holland aus erging an

Dänemark die Anregung zum Kriege, Subsidien für die dänische Flotte

wurden zugesagt (wie auch von Spanien) und das Werben von Seeleuten in

den Niederlanden bereitwilligst gestattet. Endlich wurden auch in den

Jahren 1675, 1676 und 1677 Geschwader in die Ostsee gesandt, um mit den

Dänen gemeinsam zu operieren. Diese Geschwader waren jedoch nicht groß

und erreichten in keinem Jahre die Stärke, die ursprünglich beschlossen

war. Die Gründe hierfür -- sowohl für die nur gering bemessenen wie auch

für die dann nur teilweise durchgeführten Rüstungen -- waren dieselben,

die wir bei den anderen Unternehmungen nach 1674 kennen gelernt haben:

Geteilte Meinungen in den Provinzen über fernerliegende Unternehmungen;

Mangel an Geld bei einzelnen Admiralitäten. Die spanische Unterstützung

blieb natürlich auch hier aus.

So betrug die =Stärke der Geschwader= nur:

1675 Schiffe: 3 zu 70 K.; 2 zu 50-60; 2 zu 40;

1676 " 3 " 70 " ; 6 " 60-64; 6 " 40-44;

1677 " 1 " 76 " ; 5 " 60-70; 4 " 40-50;

1675 Schiffe: 6 kleinere; 2 Brander; Admiral Binckes

1676 " 6 " ; 3 " ; " C. Evertsen

1677 " 3 " ; 3 " ; " Scheppers.

Schließlich müssen wir auch noch die $Seestreitkräfte Brandenburgs$

erwähnen. 1675 erteilte der Große Kurfürst dem Holländer =Benjamin Raule=

(in Middelburg, Seeland) Kaperbriefe gegen Schweden. Dieser trat bald --

deshalb der Seeräuberei angeklagt und landesflüchtig -- als

Marinedirektor in brandenburgischen Dienst. Mit ihm schloß nun der

Kurfürst in den Kriegsjahren stets für einige Monate die Gestellung von

Kriegsschiffen ab. Es waren dies immer 3 Fregatten, in ihren Größen

zwischen 16-20 und 18-24 Kanonen schwankend, sowie einige (3-10) kleinere

Fahrzeuge zu 4-10 Kanonen. Im Jahre 1675 traten noch 3 Linienschiffe von

40-44 Kanonen für fünf Monate hinzu, die von der Admiralität Amsterdam

geheuert waren.

$Der Verlauf des Krieges$ brachte im Jahre $1675$ zur See nichts von

Bedeutung. Das holländische Geschwader traf Ende Juni in Kopenhagen ein,

aber erst am 23. August lief die vereinigte Flotte, die Dänen unter

Adolar, aus. Sie kreuzte meistens zwischen Bornholm und Rügen und fing

auch einige schwedische Zufuhrschiffe ab. Die schwedische Flotte zeigte

sich zunächst nicht. Sie ging erst am 19. Oktober in See -- 44

Kriegsschiffe, mit 9000 Mann Truppen für Pommern oder für einen Einfall

in Seeland --, kehrte aber bald um infolge stürmischen Wetters, in dem

einige Schiffe verloren gingen, und infolge einer erschreckend

zunehmenden Epidemie unter den Soldaten und Matrosen; der Untergang der

Schiffe und die Krankheit sollen 5000 Mann gekostet haben. Die Holländer

gingen dann in die Heimat zurück und begleiteten dabei eine große Zahl

ihrer Ostseefahrer.

=Zu Lande= wurden die Schweden aus der Mark vertrieben (Fehrbellin 28.

Juni) und in Pommern von Brandenburg und Dänemark angegriffen. Der

Große Kurfürst nahm in diesem Jahre noch die Inseln Usedom und Wollin

sowie Peenemünde und Wolgast, teilweise unter Mitwirkung seiner kleinen

Flottille; die Dänen eroberten Wismar und Damgarten.

$Im Jahre 1676$ trafen die Holländer schon im Mai in Dänemark ein. Es

waren aber zunächst nur 9 Schiffe und 2 Brander der Provinzen Hollands

unter Kontreadmiral =Almonde=, das Kontingent Seelands war wieder einmal

noch nicht seeklar; mit ihnen kam =Tromp= als Passagier. Er wurde mit

großen Ehren[221] empfangen, übernahm den Oberbefehl über die dänische

Flotte und schiffte sich auf »Christian V.« (86 Kanonen) ein, dessen

erster und zweiter Kapitän Holländer waren; das Geschwader brachte auch

Matrosen für die dänischen Schiffe mit. Während Tromp vorläufig die

Ausrüstung weiterer Schiffe überwachte, stieß Almonde zu =Niels Juel=,

der schon am 29. April =Wisby= zur Übergabe gezwungen hatte. Die so

vereinigte Flotte zählte 10 Linienschiffe, 7 Fregatten, 4 Brander und

einige Jachten; sie begegnete am 4. Juni abends bei $Bornholm$ den

Schweden, diese 25 Linienschiffe, 10 Brander und Jachten stark unter den

Admiralen =Creutz= und =Ugla=. Am 4. wurden nur einige Schüsse auf

weitere Entfernung gewechselt, es scheint flau gewesen zu sein; $am 5.

Juni$ 6 Uhr früh kam es zu einem wirklichen Gefecht, das aber auch ohne

größere Folgen und ohne Entscheidung blieb.

[221] Schon jetzt erhielt er den Elefantenorden. Als er dafür aber an

Gebühren 2000 Taler zahlen mußte, soll er, sparsam veranlagt,

gesagt haben: »Maar duivel! het beestje komt mij een beetje duur

te staan.« (De Jonge.)

Die Schweden standen zu Luward, griffen aber nicht an, sondern

steuerten hoch am Winde. Die Holländer, die Vorhut der Verbündeten,

versuchten, nahe an den Feind heranzukommen; sie waren gezwungen, unter

seinem Feuer vorzulaufen, zu wenden und dann wieder an der feindlichen

Linie entlang zu segeln. Diesem Manöver sollen nun nur 2 Dänen, von

Holländern kommandiert, gefolgt sein; Niels Juel soll sich auf weiteren

Entfernungen gehalten haben: Das holländische Flaggschiff wurde sehr

beschädigt und Almonde sah sich genötigt, das Nahgefecht abzubrechen;

Juel zog sich gegen 10 Uhr vorm. zurück, Almonde will diesen Rückzug

gedeckt haben. Auch die Schweden drangen nicht auf Fortsetzung des

Kampfes. Dies ist die Schilderung nach Almondes Bericht; wie häufig

beschwert sich ein Verbündeter über den andern: Die dänische

Überlieferung rühmt Niels Juel, daß er den überlegenen Angriff mit

Erfolg abgewiesen habe, und erwähnt nichts von hervorragendem Auftreten

der Holländer. Neuere holländische Quellen geben zu, daß der dänische

Admiral den Befehl gehabt haben könne, gegen überlegene Kräfte und vor

Tromps Eintreffen nichts einzusetzen. Hierüber sagt aber schon Almonde

sehr richtig, dann hätte Juel schon am 4. das Gefecht vermeiden müssen;

es muß dann auch auffallend erscheinen, daß der dänische Admiral solche

Absicht dem holländischen nicht bekannt gegeben.

Die Schweden segelten nach dem Gefecht nördlich, die Verbündeten

westlich. Zu diesen stieß am 7. bei Falsterbo =Tromp=, der auf die

Nachricht von dem Gefecht sofort mit 4 schweren dänischen und 3

neuangekommenen holländischen Linienschiffen in See gegangen war. Tromp

sucht jetzt mit der so verstärkten Flotte den Feind, sichtet ihn am 9.

unter der schwedischen Küste und verfolgt ihn. In der Nacht aus Sicht

gekommen, wird er am 10. mittags durch die Fregatten wiedergefunden, am

11. vormittags endlich erreicht und zwischen Bornholm und Öland bei

günstigem Winde (Westnordwest) angegriffen.

In dieser $Schlacht bei Ertholm$ (Christiansö) $oder Öland$ wurde nicht

lange rangiert gefochten. Die Verbündeten griffen von Luward an; Tromp

selbst (»Christian V.« 86 Kanonen) engagierte das schwedische

Flottenflaggschiff »3 Kronen« (120 Kanonen; 800 Mann, wohl mit das

mächtigste Schiff damaliger Zeit). Dieses wollte nach Abgabe der ersten

Breitseite wenden, um die andere Lage zu feuern; die Luvgeschütze

wurden bei Bemannung der anderen Seite zu früh verlassen und nicht

festgesetzt, sie gingen über und das Schiff lag zum Kentern; die

brennenden Lunten fielen dabei zwischen aufgehäufte Kartuschen und das

Schiff flog auf. Der Unfall rief Schrecken und Unordnung in der Flotte

hervor, verschiedene Schiffe hielten ab. Der Vizeadmiral Ugla, einer

der wenigen Seeleute in höheren Stellen, leistete mit einigen Schiffen

kräftigen Widerstand, aber auch sein Schiff (86 Kanonen) flog in die

Luft. Es hatte im Kampfe mit Tromp so schwer gelitten, daß es die

Flagge strich. Als schon ein Boot unterwegs war, um es in Besitz zu

nehmen, wurde es durch einen holländischen Brander ohne Befehl in Brand

gesetzt (Tromp äußert sich empört über diesen Verstoß gegen

Kriegsbrauch). Nun erfolgte regellose Flucht der Schweden; jedes Schiff

trachtete nur danach, sich dem Kampfe zu entziehen und irgend einen

Hafen zu erreichen; dabei wurden 2 Linienschiffe und 2 kleinere

eingeholt und genommen. Die Verbündeten verfolgten 2 Tage, sie sahen 4

Schiffe an der Küste stranden; zwei davon gingen verloren, darunter das

dritte Flaggschiff. Die Holländer und Dänen hatten keine nennenswerten

Verluste und Beschädigungen.

Mit Verlust von 8 Linienschiffen, darunter die 3 Flaggschiffe der

Geschwader, wurden die Schweden in voller Auflösung und schwer beschädigt

in ihre Häfen gejagt; Tromp ging dann in die Kjögebucht, um weitere

Befehle einzuholen. Der Sieg wurde auch sofort strategisch ausgenutzt.

Die Schweden zeigten sich in diesem Jahre nicht mehr außerhalb der Häfen,

und so konnte eine schon vorbereitete =Landung in Schonen= ausgeführt

werden. Tromp ging mit einem Teil der Flotte nach Ystadt, warf 4000

Soldaten und Matrosen an Land und nahm die Stadt; dann landete der König

selbst unter dem Schutz von 11 Kriegsschiffen auf 600 Fahrzeugen 16000

Mann zwischen Helsingborg und Landskrona und eroberte auch diese Städte

sowie später Christianstadt leicht. Von See aus wurden durch die Flotte

noch Karlshamn und Christianopolis genommen.

Zur Zeit der Landung in Schonen war auch Evertsen mit dem Rest der

holländischen Hilfsflotte in Kopenhagen eingetroffen. Er war durch

Mannschaftsmangel (häufig in Seeland; infolge des

Freibeutereidienstes?) so lange aufgehalten, dann hatte er im Verein

mit dem Geschwader für Schutz der Fischerei in der Nordsee vergeblich

ein schwedisches Geschwader vor der Elbe und an der Küste Norwegens

gesucht. Er übernahm nun den Oberbefehl über die Holländer; Almonde

ging, wie uns bekannt, nach dem Mittelmeer, um hier den Oberbefehl zu

führen.

Hiermit fanden für 1676 die wichtigen Ereignisse zur See ein Ende.

Holländer und Dänen kreuzten noch bis zum Herbst an den pommerschen und

schwedischen Küsten, dann gingen jene heim und diese legten auf. Es trat

die übliche Winterruhe ein, die Holländer waren auch wohl der Ansicht,

Schweden für ihre Zwecke vorläufig genügend geschwächt zu haben.

=Im Landkriege= war jedoch das Glück den Dänen nicht beständig, ihr

Fortschritt in Schonen kam zum Stehen. Ein Versuch, sich Gothenburgs

und der dort liegenden Schiffe zu bemächtigen, schlug fehl;

Christianopolis, Karlshamn und Helsingborg gingen wieder verloren.

$Im Jahre 1677$ betrieb Schweden eifrigst mit französischem Gelde die

Rüstung seiner Flotte; Dänemark erbat und erhielt wiederum Unterstützung

von Holland. Tromp war in Person zu diesem Zweck und um weitere Leute

anzuwerben nach Holland gegangen; er selbst, seit Ruyters Tod zum

Generalleutnantadmiral befördert, erhielt ein weiteres Jahr Urlaub. Das

neue holländische Geschwader, mit Tromp und 1500 Matrosen für Dänemark an

Bord, traf am 11. Juli bei Kronenburg ein.

[Illustration: Niels Juel.]

Schon vorher hatte =Niels Juel= mit seinen Dänen =große Erfolge=

errungen. Er verlegte einem schwedischen Geschwader von 17 Segeln,

worunter 8 Linienschiffe, das sich von Gothenburg durch den Belt nach

Osten begeben und mit der Hauptflotte vereinigen wollte, auf der Linie

=Warnemünde= -- =Gjedser= den Weg (11. Juni) und nahm in zweistündigem

Kampfe 5 Linienschiffe sowie 2 kleinere. Am 11. Juli erschien die

Hauptflotte der Schweden -- 37 Linienschiffe, 10 Fregatten, 2 Brander

unter =Admiral Horn= -- bei Falsterbo und griff bei günstigem Winde die

ihm in der $Kjögebucht$ entgegentretenden Dänen -- 25 Linienschiffe, 5

kleinere, 3 Brander unter Niels Juel -- an. Der Angriff dieser

überlegenen Macht wurde mit Tapferkeit ausgeführt, aber mit wenig

Ordnung; es zeigte sich dann die größere Kriegsfertigkeit der Dänen. Juel

hielt, obgleich man gerade besonders ihn angriff und er dreimal sein

Flaggschiff wechseln mußte, stets die Ordnung aufrecht, gewann den Wind,

schnitt einen Teil des Feindes ab und dublierte diesen. Die Schweden

wurden vollständig geschlagen -- mindestens 4 Linienschiffe wurden

genommen, 4 vernichtet -- und zogen sich größtenteils schwer beschädigt

fluchtartig in ihre Häfen zurück. Bastiansze =Scheppers=, der mit seinen

Holländern gerade den Sund heraufkam, erfuhr, daß 3 Schweden der

geschlagenen Flotte auf dem Wege nach Gothenburg in =Malmö= eingelaufen

seien. Er teilte sein Geschwader, besetzte das Fahrwasser bei Kronenburg

und bei den Drogden, der Rest suchte die genannten Schiffe. Man traf sie

noch in Malmö an, nahm eins und vernichtete die andern durch Brander.

Dieser große Seesieg war von bedeutendem Nutzen für den =Landkrieg=. Auch

1677 war das dänische Heer nicht erfolgreich. Ein Versuch nach dem Siege

bei Warnemünde, sich Malmös zu bemächtigen, mißlang, und am 24. Juli

griffen die Schweden die Hauptstellung vor Landskrona an. Nach blutiger

Schlacht, an der beide Könige teilnahmen, behaupteten sie das

Schlachtfeld; die Dänen mußten sich auf die Stadt zurückziehen. Die

völlige Niederlage der schwedischen Flotte erlaubte nun aber eine

Diversion mit der eigenen; diese erhielt den Befehl, die $schwedische

Küste$ im Rücken der feindlichen Armee zu beunruhigen und $zu

brandschatzen$, insbesondere $Kalmar anzugreifen$.

Der Stoß wurde gegen die Küste von Smaland und gegen die Insel Öland

geführt. Der größere Teil der dänischen Flotte unter Juel traf am 11.

August in diesen Gewässern ein, die Holländer folgten erst später und

ebenso Tromp mit dem Rest der Dänen. (Der Grund der Verzögerung lag

wohl in Reibungen, die gerade nach dem Erfolge der Dänen entstanden zu

sein scheinen: Scheppers wollte nicht unter dänischem Oberbefehl stehen

und Tromp begann zu fühlen, daß man ihm nicht mehr die bisherige

Hochachtung zollte.) Nun begann ein barbarisches Werk der Zerstörung,

das man nur mit dem alten Haß zwischen den Dänen und Schweden erklären

und in etwas damit entschuldigen kann, daß auch auf den genommenen

schwedischen Schiffen die Order vorgefunden war, »im Falle des Sieges

die dänischen Lande mit Feuer und Schwert zu verwüsten.«

Die dänische Flotte hatte schon vor Tromps Ankunft verschiedene Dörfer,

Schlösser und die kleine Stadt Münsteräs an der Küste Smalands

verbrannt. Nun versuchten die Dänen von Norden, die Holländer von Süden

in den Kalmarsund vorzudringen, um die dort liegenden Kriegsschiffe

(etwa 12) zu zerstören; es war jedoch nicht möglich, weil die Schweden

im Fahrwasser die Seezeichen entfernt und Schiffe versenkt hatten. Auch

ein Versuch, durch eine Landung von 2000 Mann sich der Stadt Kalmar zu

bemächtigen, schlug fehl, man konnte nur die Vorstadt verbrennen und

die Umgegend verwüsten. Endlich wurde (28. August) im Norden und Süden

auf Öland gelandet; ein Festsetzen, um von hier aus gegen Kalmar

vorzugehen, war jedoch wieder nicht möglich, da man die Feste der Insel

nicht zu nehmen vermochte. So verbrannte man sämtliche Häuser auf der

Insel, die Kirchen ausgenommen, trieb alles Vieh, an 2000 Kühe und

Schafe, weg und schiffte sich wieder ein.

Nach Verwüstung der Umgegend Kalmars und der Insel Öland wurde Tromp mit

einem Teil der dänischen Flotte und der gesamten holländischen nach

Kopenhagen zurückgerufen (Anfang September); =Niels Juel= verblieb an der

Küste Smalands. Er brandschatzte hier weiter in der Nähe Westerviks,

erzwang sich am 11. September mit kleineren Kriegsschiffen Eingang in den

befestigten Hafen und verbrannte den Ort sowie die dort liegenden Kriegs-

und Kauffahrteischiffe; dann lag er bis zum Winter zur Beobachtung des

Feindes bei Gothland.

Damit enden in diesem Kriege die wichtigeren Unternehmungen zur See, die

von seiten Dänemarks und Hollands gegen Schweden unmittelbar gerichtet

waren. Die schwedische Flotte verließ $1678$ ihre Häfen nicht. Sie hatte

genug mit der Ausbesserung der wenigen noch kampffähigen Schiffe zu tun;

die Nation hatte das Vertrauen auf ihre Marine verloren, es war nicht

möglich, brauchbaren Personalersatz zu erhalten. Auch als sie sich 1679

wieder zeigen wollte, wurde sie von Juel im Schach gehalten. =Dänemark

beherrschte= bis zum Schluß des Krieges =die Ostsee=, so daß Schweden

auch nicht imstande war, nach Pommern die so nötige Unterstützung zu

senden.

$Der Krieg In Pommern$ dagegen bringt in den Jahren 1677 und 1678 noch

einige erwähnenswerte Ereignisse. Die im September $1677$ von Smaland

zurückgezogenen dänisch-holländischen Seestreitkräfte wurden bestimmt,

$Rügen zu erobern$. Sie erschienen unter dem König und =Tromp= am 17.

September 1677 zwischen Wittow und Jasmund und landeten 4000 Mann; nur

etwas Kavallerie, bald durch das Feuer der Schiffe vertrieben, versuchte

vergeblich die Landung zu hindern. Verstärkungen trafen von Dänemark und

auch vom Großen Kurfürsten ein -- dieser belagerte seit Juli Stettin,

Tromp stellte sich ihm Ende September dort vor -- und so wurde die Insel

leicht erobert; die Schweden unter Graf =Königsmark= mußten sich auf

Stralsund zurückziehen. Von hier aus aber eroberten sie Ende 1677 die

Insel wieder, wobei die dänischen Truppen fast sämtlich gefangen genommen

wurden. Die dänischen Schiffe kreuzten im übrigen bis zum Winter vor der

pommerschen Küste; die Holländer gingen im Herbst, wiederum einen großen

Convoi geleitend, heim.

Die kleinen =brandenburgischen Flottillen= fanden 1676 und 1677

Verwendung zur Blockade der Häfen von Stralsund, Greifswald und Stettin.

Im Juni 1676 hatten sie das Glück, eine schwedische Fregatte und einen

Brander zu nehmen, die nach einem der Gefechte von ihrer Flotte

abgekommen waren; diese wurden als die ersten »kurfürstlichen« Schiffe in

Dienst gestellt.

Für das Jahr 1678 gelang es Dänemark nicht, die Unterstützung durch

eine holländische Flotte zu erhalten, nur neue Werbungen in den

Niederlanden wurden gestattet; Holland stand schon in

Friedensunterhandlungen mit Frankreich. Infolgedessen setzte nun die

nationale Partei der dänischen Marine die Abdankung Tromps durch.

Dieser war über den Undank sehr empört, trotzdem bewog er den größten

Teil der holländischen Offiziere und Mannschaften, die in dänischem

Dienste standen, zu bleiben; über die Entlassung ihres Admirals

gleichfalls entrüstet, hatten auch sie den Abschied verlangt; es war

fast zu Meuterei gekommen. Nach Holland zurückgekehrt, trat =Tromp=

nicht mehr auf, er zog sich bald ins Privatleben zurück. 1691 wurde er

zwar als Oberbefehlshaber der vereinigten englisch-holländischen Flotte

in Aussicht genommen, er war jedoch krank und starb am 29. Mai dieses

Jahres. Vor dem Verlassen der Ostsee sollte er aber das letzte größere

Unternehmen zur See hier noch mitmachen.

Im Januar $1678$ war Stettin nach langer Belagerung gefallen, die

Schweden verloren immer mehr Boden in Pommern und die Verbündeten planten

$aufs neue die Eroberung Rügens$; der =Große Kurfürst= hatte hierzu Tromp

zu sich berufen.

Seekriege und Seekriegswesen, Erster Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 38 / 58 题