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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1922 so weit
wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;
fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.
Für Zitate innerhalb wörtlicher Rede wurden der besseren
Übersichtlickeit halber einfache Anführungszeichen verwendet. Die
Namen der Handelnden werden in der Regel in gesperrter Schrift
dargestellt, überwiegend in Zusammenhang mit der wörtlichen Rede,
allerdings wird dies nicht einheitlich so gehandhabt.
Der Übersichtlichkeit halber wurde das Inhaltsverzeichnis vom
Bearbeiter an den Anfang des Texts verschoben.
Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; besondere
Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden
Sonderzeichen gekennzeichnet:
fett: =Gleichheitszeichen=
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Antiqua: ~Tilden~
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[Illustration: Johann Bunyan.]
Pilgerreise
zur seligen Ewigkeit
von =Johann Bunyan=.
Nebst kurzer Lebensbeschreibung
des Verfassers.
[Illustration]
Mit 15 Originalzeichnungen von H. Barmführ.
[Illustration]
Verlag der St.-Johannis-Druckerei,
Dinglingen (Baden).
St.-Johannis-Druckerei, Dinglingen (Baden).
1922.
Inhalt.
I. Teil.
Seite
Aus Bunyans Leben 5
1. Der Weg zur engen Pforte 25
2. Der Weg zum Frieden 43
3. Der Berg der Beschwerde 60
4. Das Tal der Demut und der Todesschatten 79
5. Ein treuer Gefährte und ein frömmelnder Schwätzer 90
6. Der Markt der Eitelkeit und die Treue bis in den Tod 109
7. Ein neuer Begleiter und die Gefahren an der Silbergrube 122
8. Nach großer Freude eine schwere Verirrung 134
9. Bei den Hirten auf den lieblichen Bergen 144
10. Die Geschichte von Kleinglaube 149
11. Durch einen falschen Apostel betört. Über den bezauberten
Grund 159
12. Durch die Fluten der letzten Trübsal und Eingang in
die himmlische Stadt 181
II. Teil.
1. Christin schickt sich zur Pilgerreise an 193
2. Wer da anklopft, dem wird aufgetan 206
3. In Anfechtung und im Hause des Auslegers 215
4. Belehrungen und Erfahrungen unter dem Geleit eines
treuen Führers 231
5. Der Aufenthalt im Palast Prachtvoll 242
6. Im Tal der Demut und der Todesschatten 259
7. Redlich, ein treuer Mitpilger 271
8. In der Herberge des Gajus und auf dem Eitelkeitsmarkt 284
9. Die Zerstörung der Zweifelsburg und auf den lieblichen
Bergen 303
10. Über den bezauberten Grund und der Abruf aus dieser
Welt 319
[Illustration]
[Illustration]
Aus Bunyans Leben.
Das Jahr 1628, in dem Johann Bunyan geboren wurde, war ein sehr
bewegtes. Während auf dem Festland katholische und protestantische
Fürsten und Völker einander bekämpften, begann in England eine
Bewegung der strengprotestantischen und republikanischen Partei
gegen das Staatskirchentum, das noch viel Katholisches beibehalten
hatte, und gegen die königliche Willkürherrschaft. Die Wellen dieser
kirchlichen und politischen Stürme werden wir im folgenden auch in
Bunyans Lebensschifflein schlagen sehen. Die Revolution und ihre Folgen
spiegeln sich gewissermaßen in den Stürmen seines innern und äußern
Lebens wider.
Johann Bunyan war der Sohn sehr armer Eltern. Sein Vater, Thomas
Bunyan, war ein herumziehender Kesselflicker und Pfannenschmied,
bewohnte jedoch in dem Dörfchen Elstow, unweit der Stadt Bedford im
Herzen von England, eine armselige Hütte. Die Mutter hieß Margarete
geb. Bentley und stammte ebenfalls aus Elstow. Von seinen Brüdern ist
uns nichts Näheres aufbehalten. Eine sorgfältige Erziehung hat Johann
nicht genossen; doch erkennt es der Sohn dankbar an, daß seine Eltern
ihn nach Bedford zur Schule schickten, damit er lesen und schreiben
lernte, um später dem Vater in seinem Handwerk behilflich zu sein.
Im übrigen wuchs er auf in der Ausgelassenheit und Roheit einer
zuchtlosen Jugend, wobei das in der Schule Gelernte bald vergessen
wurde. In dieser Zeit scheint er nicht nur der Verführte, sondern der
Rädelsführer seiner Altersgenossen in allen tollen Streichen, wie
Beraubung der Obstgärten und Wilddieberei, gewesen zu sein, die ihm
öffentliche Strafe zuzogen. Er selbst schildert sein damaliges Leben
mit folgenden Worten: „Was mein natürliches Leben angeht, so war es in
jener Zeit, da ich ohne Gott in der Welt lebte, in der Tat nach dem
Lauf dieser Welt und nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat
in den Kindern des Unglaubens. Es war meine Freude, vom Teufel gefangen
zu sein zu seinem Willen. Ich war voll aller Ungerechtigkeit, welche
auch so kräftig wirkte, beides, in meinem Herzen und Leben, daß ich
von Kind auf nur wenige meinesgleichen im Fluchen, Schwören, Lügen und
Lästern des heiligen Namens Gottes hatte.“
Doch auch in dieser Zeit der größten Entfernung von Gott waren
religiöse Gefühle in ihm nicht ganz erstorben, und seine Sünden
bereiteten ihm je und je Gewissensbisse. Schon in seinem zehnten
Lebensjahr wurde er von schreckhaften Träumen und von dem Gedanken an
die Qualen der Hölle beängstigt. Diese Bilder beunruhigten ihn oft
mitten in seinen Spielen und unter seinen Kameraden so sehr, daß er
ganz niedergeschlagen war. Zu einer Sinnesänderung kam es indessen
nicht, im Gegenteil suchte er diese Eindrücke zu betäuben und sich nur
noch mehr seinen Lustbarkeiten hinzugeben. -- Wie er sich in dieser
Zeit zum Worte Gottes verhielt, sagt er selbst: „In diesen Tagen waren
mir die Gedanken an geistliche Dinge sehr verdrießlich. Ich konnte es
selbst nicht leiden noch ertragen, daß andre sie hegten. Sah ich Leute
in christlichen Büchern lesen, so fühlte ich mich in ihrer Gesellschaft
wie in einem Gefängnis.“
An Bewahrungen, die ihn aus seinem Schlummer hätten aufwecken sollen,
ließ es Gott auch nicht fehlen. Zweimal war er dem Ertrinken nahe, das
eine Mal im Ousefluß bei Bedford, das andre Mal in einer Meeresbucht.
In seiner Tollkühnheit schlug er eines Tages eine Otter, die über
den Weg glitt; da sie nun betäubt war, riß er ihr mit dem Stock den
Rachen auf und brach ihr mit bloßer Hand die Giftzähne aus, ohne eine
Verletzung davonzutragen. Diese Barmherzigkeit Gottes machte damals
zwar wenig Eindruck auf ihn, weckte jedoch in ihm das Gefühl, daß er
nicht völlig von Gott dahingegeben sei.
Mit ungefähr 17 Jahren ließ er sich als Soldat anwerben und diente, wie
es scheint, in der Parlamentsarmee, die im Kampfe stand gegen Karl I.
aus dem Geschlecht der Stuart. Bei der Belagerung von Leicester durfte
er wieder offensichtlich die schützende Hand Gottes über sich erfahren.
Er sollte nämlich eines Tages an einer gefahrvollen Stelle Schildwache
stehen, da bat ihn ein Kamerad dringend, an seiner Statt den Posten
beziehen zu dürfen, und kurz nach der Ablösung wurde dieser von einer
Kugel getötet. Aber auch diese wunderbare Erhaltung seines Lebens ließ
den jungen Bunyan damals noch gleichgültig und kalt.
Bald darauf trat er aus dem Heeresdienst aus und kehrte in seine
Heimat zurück, ohne im geringsten sein Leben zu ändern. Vielmehr
vernachlässigte er seinen Beruf und kam nach und nach in drückende
Armut. Um diese Zeit, er war nun etwa 20 Jahre alt, verheiratete er
sich auf den Rat seiner Freunde, welche meinten, daß diese Veränderung
eine günstige Wirkung auf seinen bisherigen Lebenswandel ausüben
würde. Seine Frau war ein armes Waisenmädchen, so arm, daß sie ihm an
irdischem Gut nichts weiter ins Haus brachte als eine Schüssel und
einen Löffel. Doch besaß sie auch noch zwei Bücher: „Des gemeinen
Mannes Fußpfad zum Himmel“ und „Die Übung in der Gottseligkeit“, welche
ihr gottseliger Vater ihr bei seinem Tode hinterlassen hatte. In diesen
beiden Büchern pflegte er dann und wann mit ihr zu lesen und fand darin
manches, was ihm wohlgefiel. Seine Frau erzählte ihm auch oft von ihrem
frommen Vater und wie er das Laster sowohl in seinem Hause als unter
seinen Nachbarn getadelt und andre davor gewarnt habe und wie heilig
und rechtschaffen er in Worten und Werken gewesen sei.
Diese Bücher und die Ermahnungen seiner Frau wirkten doch so weit auf
sein Herz, daß er sich bemühte, wenigstens die äußern Gebräuche der
Religion zu beobachten. Daher ging er Sonntags zweimal in die Kirche
und konnte auch ganz andächtig singen und beten, wie es die andern
taten. Kaum war aber der Gottesdienst vorbei, so nahmen ihn die Spiele
auf dem Rasenplatz wieder völlig in Anspruch. Unter den lustigen
Gesellen war er bei Tanz und Spiel wie immer der erste.
Nachdrücklicher schlug an sein Gewissen eine Predigt über die
Sonntagsfeier und Sonntagsentheiligung. Es kam ihm vor, als ob der
Geistliche gerade gegen +ihn+ gepredigt hätte. Noch nie hatte er so
deutlich gefühlt, was Sündenschuld ist; er ging aus der Predigt nach
Hause mit einer schweren Last auf dem Gemüt. Doch auch dieser Eindruck
ging bald vorüber und wurde von seinem alten Leichtsinn verdrängt. Noch
am selben Tag wurde er aus demselben aufgeschreckt, denn eine Stimme
vom Himmel schien ihm zuzurufen: „Willst du deine Sünden verlassen und
in den Himmel oder deine Sünden behalten und in die Hölle fahren?“
Hierüber außerordentlich erstaunt, blickte er zum Himmel empor, und es
war ihm, wie er selbst berichtet, als ob der Herr Jesus sehr unwillig
auf ihn herniederschaute. Aber Bunyan verschloß seine Augen dem Licht,
und nachdem er zu dem Schluß gekommen war, für ihn sei die Gnadenzeit
vorbei, entschloß er sich, das Glück dieser Welt und die Lust der Sünde
in vollen Zügen weiter zu genießen.
So finden wir ihn denn etwa einen Monat später fluchend und schwörend
an dem Fenster einer Nachbarin. Diese Frau, die selbst in einem
schlechten Ruf stand, wies ihn ernstlich darüber zurecht und sagte,
er fluche so fürchterlich, daß sie zittere, ihn anzuhören; er sei
der gottloseste Flucher, den sie in ihrem Leben gesehen habe, und
er werde noch die ganze Jugend des Dorfes verderben. -- Was viele
Predigten nicht vermocht hätten, das bewirkte die Strafrede dieser
Frau. Tief beschämt schlug er die Augen nieder; er wünschte wieder ein
kleines Kind zu werden, daß sein Vater ihn reden lehren könnte, ohne
zu fluchen. Von dieser Zeit an hörte er auf zu fluchen. Bald darauf
wurde er mit einem frommen Mann bekannt, der ihn auf die Heilige
Schrift hinwies. Bunyan fing nun an, die Bibel zu lesen, in welcher ihn
hauptsächlich das Geschichtliche anzog, während z. B. die apostolischen
Briefe für sein Verständnis noch ein Buch waren mit sieben Siegeln.
So begann er denn wirklich, sein Leben zu bessern und nach den Geboten
Gottes zu leben, und es tat ihm leid, wenn er es nicht getan. Selbst
das Tanzen, von jeher sein Lieblingsvergnügen, vermochte er nach und
nach aufzugeben. Auf diese Weise beruhigte er sich und glaubte Gott zu
gefallen. Die Veränderung in Bunyans Leben fiel auch den Nachbarn auf.
Sie hielten ihn für einen wahrhaft frommen Menschen. Dieses Urteil der
Leute schmeichelte ihm, und er war stolz auf seine Frömmigkeit.
[Illustration: Bunyan nähert sich den Frauen, um zuzuhören.]
Während Bunyan in diesem selbstzufriedenen und selbstgerechten Sinn
dahinlebte, führte ihn eines Tages sein Beruf nach Bedford; da sah er
in einer der Straßen dieser Stadt drei oder vier Frauen, welche sich
über göttliche Dinge unterhielten. Er, der gern über religiöse Dinge
schwatzte, aber wohl auch von einem unbewußten Bedürfnis getrieben,
näherte sich diesen Frauen, um zuzuhören. Sie sprachen von dem Werk
Gottes in ihren Herzen, von der neuen Geburt und wie sie von ihrem
natürlichen Elend überzeugt worden seien. Sie erzählten einander,
wie der Herr ihre Seelen heimgesucht, mit welchen Trostesworten
und Verheißungen Er sie erfrischt habe. Sie sagten auch, welche
Anfechtungen des Teufels sie erfahren und wie sie unter seinen
Anläufen erhalten geblieben seien. Sie sprachen von dem noch immer in
ihrem Herzen steckenden Kleinglauben und sündlichen Wesen, von dem
Hang zur Eigengerechtigkeit, welche sie als unzulänglich und unrein
verwarfen. -- Dies waren nun freilich für unsern Bunyan unbekannte
Dinge. Aber ein Stachel davon blieb in seinem Herzen zurück. Es ward
ihm bewußt, daß ihm bei aller seiner vermeintlichen und gutgemeinten
Frömmigkeit die Notwendigkeit, von neuem geboren zu werden, nie
eingefallen war und daß er weder von dem Troste Gottes noch von der
Betrüglichkeit seines eigenen Herzens etwas wußte. Er ging wieder an
sein Geschäft. Die Worte jener Frauen gingen ihm so sehr zu Herzen,
weil sie ihn nicht nur davon überzeugten, daß ihm die Merkmale eines
wahrhaft frommen Menschen fehlten, sondern weil er erkannte, wie
glückselig der Zustand desjenigen sein müsse, der diese Merkmale
habe. Es ward ihm daher Bedürfnis, seine Schritte wieder dorthin zu
lenken, und je mehr er dies tat, desto klarer wurde er sich über
seinen wirklichen Seelenzustand. Mit einer wahren Begierde las er nun
die Bibel. Besonders waren es die Briefe des Apostels Paulus, die
Gegenstand seines eifrigsten Forschens wurden. Das vornehmste Ziel,
nach dem er strebte, war das Heil seiner Seele. Darauf war sein Sinn
so ernstlich gerichtet, daß weder Vergnügungen noch Vorteile noch
Überredungen oder Drohungen ihn wieder davon abzuziehen vermochten.
Gerade in dieser Zeit des Suchens nach Licht und Wahrheit geriet er
in eine große Gefahr dadurch, daß er mit den Angehörigen einer Sekte,
Ranters genannt, in Berührung kam, welche über alles Gesetz und Gebot
hinaus zu sein meinten und die Freiheit des Fleisches predigten. Aber
Gott erhielt ihn in Seiner Furcht und ließ ihn solche verführerischen
Grundsätze nicht annehmen.
Trotz seines ernstlichen Suchens und Betens gingen noch etwa zwei
Jahre darüber hin, bis er endlich zum Frieden kam. Doch es würde zu
weit führen, über all die Kämpfe und Versuchungen ausführlich zu
berichten, die er zu bestehen hatte. Es stiegen Befürchtungen in bezug
auf die Gnadenwahl in ihm auf, oder daß der Tag des Heils für ihn
schon vorbei sein könnte. Verkehrte Auffassung gewisser Bibelstellen
und gotteslästerliche Eingebung des bösen Feindes quälten und
verwirrten ihn so sehr, daß er sich zeitweise wie in einem Zustand der
Verzweiflung befand.
Auch jetzt wieder waren es jene edlen Frauen, die sich seiner
liebreich annahmen und ihn mit ihrem Seelsorger Johann Gifford, dem
Baptistenprediger in Bedford, in Verbindung brachten. Gifford war
selbst einen ähnlichen Weg von Sünden und Verirrungen und schmerzlichen
Kämpfen geführt worden und hatte endlich den Frieden gefunden. Um
so mehr war er der Mann, der Bunyan verstehen und ihm als Ratgeber
dienen konnte. Was er nebst Gott diesem treuen Zeugen zu danken hatte,
das zeigt er uns in seiner „Pilgerreise“, wo er dem christlichen
Wandersmann den „Evangelisten“ als Ratgeber und Leiter beigesellt hat.
Noch ein andres Mittel diente zu seiner Aufrichtung: Bunyan hatte
ein Verlangen, die Erfahrung irgendeines gottseligen Mannes der
Vergangenheit zu lesen. Nun fügte es Gott, daß ihm nach einiger Zeit
ein Buch von Martin Luther in die Hände kam; es war seine „Erklärung
des Briefes an die Galater“. Bunyan fand in diesem Buch seine eigene
Lage und Erfahrung so ausführlich und gründlich behandelt, als ob
dasselbe aus seinem Herzen geschrieben worden wäre. Er fand, daß
Luther da sehr ernstlich von den Versuchungen und ihrer Entstehung,
von Anfechtungen zur Hoffnungslosigkeit, zur Lästerung usw. handle und
zeige, wie sowohl das Gesetz Moses als auch der Teufel, der Tod und die
Hölle die Hand dabei im Spiel hätten. Dieses Buch dünkte ihn nächst der
Heiligen Schrift das passendste für ein angefochtenes Menschenkind zu
sein.
Bei alledem war er von seinen schweren Anfechtungen noch nicht frei,
und wenn er auch eine Zeitlang den Frieden Gottes in seinem Herzen
empfand, so glich doch dieses bald darauf wieder einem bewegten Meer.
Aber zuletzt ging alles vorüber, und die Sonne der Gerechtigkeit ging
in seiner Seele auf. Jetzt fielen die Fesseln in Wirklichkeit von
seinen Füßen; er war von seiner Trübsal und von seinen Ketten erlöst;
seine Versuchungen verloren sich ebenfalls. Nun ging er frohlockend
seinen Weg, indem er sich der Gnade und Liebe Gottes erfreute.
Bald darauf schloß er sich der Baptistengemeinde in Bedford an. Das war
etwa ums Jahr 1653, als er ungefähr 25 Jahre alt war. Um diese Zeit
besserte sich auch Bunyans äußeres Fortkommen; er war nicht mehr in
Gefahr, für einen Zigeuner gehalten zu werden, sondern stand bald in
großer Achtung bei seinen Mitbürgern. Seinen Wohnsitz hatte er noch in
seinem mit Stroh bedeckten Häuschen in Elstow, wo ihm Gott zwei Kinder
beschert hatte: Marie, seine blinde Tochter, die er zärtlich liebte,
und Elisabeth, die eine im Jahr 1650, die andre im Jahr 1654. In Johann
Gifford besaß er einen geistesverwandten und einsichtsvollen Lehrer,
und das war gut, denn seine Seelenkämpfe hatten noch nicht ihr volles
Ende erreicht. Geistliche und leibliche Anfechtungen stürmten immer
wieder auf ihn ein. Indessen behielt die Glaubenszuversicht endlich die
Oberhand.
Der Gemeinde kam es bald zum Bewußtsein, daß Bunyan Gaben besitze,
durch die er seinen Mitmenschen zum Segen werden könnte, und sie
ernannte ihn zu ihrem Diakon oder Armenpfleger. Nicht lange nachher
wurde er von der Gemeinde zum Prediger oder Evangelisten bestimmt. Mit
der Übernahme dieses Amtes (1655) vollzog sich auch seine Übersiedlung
nach Bedford.
Wie gering aber Bunyan damals von sich selbst hielt, sagte er mit
folgenden Worten: „Ich konnte im Anfang gar nicht glauben, daß
es möglich sei, daß Gott durch mich zu dem Herzen eines Menschen
reden werde.“ -- In den ersten Zeiten seines Predigtamts sprach er
hauptsächlich von dem Verderben und dem Fluch der Sünde. Dies konnte
er um so besser, als damals noch vielfach die Schrecken des Gesetzes
und seine Sündenschuld schwer auf seinem Gewissen ruhten. Er bekennt
selbst: „Ich kann mit Wahrheit und ohne Verstellung sagen, daß wenn
ich hinging zu predigen, so ging ich voll Schuldgefühl und Schrecken,
selbst bis zur Kanzeltür, und da erst wurde mir die Last abgenommen,
so daß ich so lange im Gemüt frei war, bis ich mein Amt ausgerichtet
hatte.“ -- So fuhr er etwa zwei Jahre lang fort. Danach wurde er mit
dauerndem Trost und Frieden erfüllt. Darum predigte er nun nicht
mehr so sehr von den Schrecken der Sünde und des Gesetzes, sondern
suchte Jesus Christus in dem Reichtum Seiner erlösenden Wirksamkeit
und in Seinen Segnungen zu schildern; denn „ich predigte immer, was
ich erfahren hatte“. Später ward er besonders von dem Geheimnis der
Vereinigung mit Christus überzeugt, darum erklärte er seinen Zuhörern
auch diesen Teil der evangelischen Wahrheit.
Sein Ruf als Prediger erscholl bald in die umliegenden Ortschaften, so
daß von allen Seiten Hunderte herbeiströmten, um ihn zu hören. Nebenbei
setzte er sein Handwerk als Kesselflicker mit großem Fleiß fort und
war zu diesem Zweck nicht selten auf der Wanderschaft begriffen. Dabei
predigte er, wo ihm Gelegenheit geboten wurde: in Wäldern, Scheunen
oder auf Rasenplätzen, zuweilen auch in einer Kirche. Was für eine
Macht von seiner Predigt ausging, zeigt uns folgendes Beispiel: Eines
Tages sollte er in einer Dorfkirche bei Cambridge predigen. Unter
Cromwells Protektorat durften auch die Baptisten die öffentlichen
Kirchen benützen. Eine große Schar Zuhörer hatte sich schon auf dem
Kirchhof versammelt. Da ritt eben ein Student vorüber. Er sieht die
Menschenmenge und fragt, was es da gebe. Man teilt ihm mit, die Leute
wollten einen gewissen Bunyan, einen Kesselflicker, predigen hören.
Das ist dem Studenten interessant. Er steigt vom Pferd, gibt einem
Knaben sechs Kreuzer, daß er ihm das Pferd halte, und sagt, er müsse
des Kesselflickers Gewäsche auch hören, das gebe ja einen köstlichen
Spaß. Er geht in die Kirche. Aber das Wort Gottes aus dem Munde des
Kesselflickers ergriff den jungen Studenten so, daß er von da an jede
Gelegenheit benützte, Bunyan zu hören, und später ein gesegneter
Prediger des Evangeliums wurde.
[Illustration: Ernennung zum Prediger.]
Fünf Jahre lang hatte Bunyan als Laienprediger gewirkt. Unter der
Herrschaft Oliver Cromwells und seines Sohnes Richard hatte es für ihn
als Baptist keine Gefahr, zu predigen, wenn er auch die Feindschaft
mancher Geistlichen reichlich zu fühlen bekam, die mit bitterm Neid
verächtlich auf den neuen eifrigen Prediger herabsahen und es
ihrerseits an Verleumdungen der schwärzesten Art nicht fehlen ließen.
In diese Zeit fällt auch der Anfang seiner schriftstellerischen
Tätigkeit. Durch sein erstes Büchlein, das er schrieb: „Beleuchtung
einiger evangelischen Wahrheiten“ geriet er jedoch in lange
Streitigkeiten mit den Quäkern, die sich auch in Bedford angesiedelt
hatten.
Am 29. Mai 1660 zog Karl II., der sich nach der Enthauptung seines
Vaters, des unglücklichen Karl I., nach Frankreich geflüchtet hatte,
wieder als König in London ein. Noch während seiner Verbannung zu
Breda in Holland hatte er eine Proklamation an das englische Volk
erlassen, worin er versprach, daß „die schwachen und zarten Gewissen
volle Freiheit in der Religionsübung haben sollten und daß man
niemand beunruhigen oder zur Rede stellen werde wegen seiner von
der Staatskirche abweichenden Religionsmeinungen, sofern dieselben
nicht den Reichsfrieden stören“. Aber die Hoffnungen von religiöser
Freiheit, welche manche auf die Wiederherstellung der Monarchie gesetzt
haben mochten, gingen nicht in Erfüllung. Die alten Strafgesetze
gegen alle, die sich nicht zur bischöflichen Kirche hielten, traten
wieder in Kraft, ja, sie wurden sogar noch verschärft und durch neue
vermehrt. So konnten die Versammlungen der Baptisten nur noch im
geheimen stattfinden, und zwar oft in den Stunden der Nacht und an
abgelegenen Orten. Auch Johann Bunyan setzte mit großer Treue seine
gesegnete Tätigkeit fort. Einmal soll er, um nicht entdeckt zu werden,
als Fuhrmann verkleidet in weißem Kittel mit der Peitsche in der Hand
nach einem Dorf gefahren sein, um in einer abgelegenen Scheune das
Evangelium zu verkündigen. Eine Zeitlang entgingen Bunyan und seine
Freunde dem wachsamen Auge der Polizei.
[Illustration: Gefängnis zu Bedford.]
Anfang Oktober 1660 erließ die in Bedford versammelte Behörde den
Befehl, daß beim öffentlichen Gottesdienst die Liturgie der Kirche
Englands gelesen werden müsse. Bunyan, als ihr nicht angehörig, dachte
nicht daran, daß dieser Erlaß auch ihn angehe; es lag ihm fern,
demselben Folge zu leisten. Da fand sich ein Verräter, der ihn bei
der Regierung anzeigte. Es war am 12. November, da war er ersucht
worden, in dem benachbarten Dorfe Samsell zu predigen, und er war im
Begriff, über das Wort zu sprechen: Glaubst du an den Sohn Gottes?
(Joh. 9, 35.) Ein benachbarter Friedensrichter hatte aber schon von
der Versammlung gehört, welche da abgehalten werden sollte. Bunyans
Freunde, welche es vernommen, rieten ihm, die Zeit zu benützen und zu
entfliehen. Bunyan aber dachte: „Wenn ich fliehe, was werden meine
glaubensschwachen Brüder sagen? Werden sie nicht gleicherweise die
Flucht ergreifen? Werden sie nicht sagen, ich habe ihnen bloße Worte
ohne Werke gepredigt?“ -- So war er denn entschlossen zu bleiben und
sein Amt auszurichten. Kaum aber hatte der Gottesdienst begonnen,
so traten die Gerichtsdiener herein mit dem Haftbefehl. Auf seine
Bitte durfte Bunyan noch einige Worte an die Gemeinde richten, und
dann wurde er ins Gefängnis nach Bedford abgeführt. Im Januar 1661
fanden die vierteljährlichen Sitzungen des Gerichtshofes statt. Die
Anklageakten, welche hierauf gegen Bunyan verfaßt und ihm vorgelesen
wurden, lauteten also: „Daß Johann Bunyan aus Bedford, Landmann,
seit einiger Zeit teuflischer- und verderblicherweise sich vom
öffentlichen Gottesdienst ferngehalten und dagegen ein gesetzwidriger
Versammlungshalter sei, zur großen Zertrennung und Zerstörung der guten
Untertanen dieses Königreichs, entgegen dem Gesetz unsers souveränen
Herrn und Königs“ usw. Das Verhör bewegte sich um die Verpflichtung zum
Besuch des staatskirchlichen Gottesdienstes, um die englische Liturgie
und um Bunyans Befugnis zum Predigen. Der Angeklagte gab zu, daß er
Versammlungen gehalten habe, um zu beten und zu ermahnen, weigerte
sich jedoch entschieden, das Versprechen abzulegen, daß er, wenn in
Freiheit gesetzt, nicht mehr predigen wolle. Der Richter drang mit
allerlei Vorstellungen in ihn, um ihn dazu zu bewegen, aber umsonst.
„Nun denn,“ sagte der Richter, „so höre dein Urteil: Du mußt wieder
zurück in dein Gefängnis und dort noch weitere drei Monate liegen;
und dann, wenn du dich weigerst, in die Kirche (d. i. die bischöfliche
Staatskirche) zu gehen und dem Gottesdienst derselben beizuwohnen,
wie auch dein Predigen zu lassen, so steht dir Landesverweisung in
Aussicht; und solltest du dich dann ohne besondere Erlaubnis des Königs
im Lande wieder sehen lassen, so geht’s dir an den Hals.“ Bunyan
antwortete: „Ich habe nichts weiter zu sagen; wenn ich heute aus dem
Gefängnis käme, so würde ich morgen wieder das Evangelium predigen mit
Gottes Hilfe.“
Nach Ablauf der drei Monate war Bunyan nun sehr gespannt, zu erfahren,
was aus ihm werden würde. Er hatte schon die Predigt vorbereitet,
die er bei seiner Hinrichtung vor versammeltem Volk zu halten
gedachte. Es kam jedoch nicht so weit. Ebensowenig wagte man es, ihn
in die Verbannung zu schicken; aber zwölf Jahre hindurch wurde er
gefangengehalten. Das Gefängnis stand auf der Brücke, welche über
den Fluß bei Bedford führte. Es war eine unwirtliche Behausung,
ein Ort, welchen Bunyan selbst zu Anfang seiner „Pilgerreise des
Christen“ eine „Höhle“ nennt. Aber eben dieses Gefängnis ward durch
Bunyan ein Haus der Ermahnung und des Trostes. Außer ihm waren noch
viele andre um ihres Bekenntnisses willen hier eingekerkert, und er
versäumte es nicht, sie zu unterweisen und mit ihnen zu beten. Außer
den Mitgefangenen kamen noch viele aus der ganzen Umgegend herbei,
um ihn zu besuchen und sich von ihm in ihren Zweifeln und mancherlei
Gewissensfragen geistlichen Rat zu holen. -- Mochte auch seine Haft
keine strenge sein, so drückte ihn doch die Trennung von seiner zweiten
Gattin und seinen vier Kindern besonders schwer. Seine erste Frau
war nach schwerer Krankheit vor seiner Verhaftung gestorben. Nicht
imstande, durch sein Handwerk etwas zu verdienen, lernte er Litzen
häkeln, Schnüre und Schnürgeflechte verfertigen, die er an der Tür
seines Gefängnisses verkaufen durfte, wobei oft seine geliebte blinde
Tochter an seiner Seite stand.
Die Stille seiner Zelle benützte er auch, um sich vollends in Wort
und Geist der Heiligen Schrift zu vertiefen; von hier aus sind
seine wichtigsten Schriften hervorgegangen. Seine dichterischen
Gefängnisbetrachtungen, seine unter dem Titel: „Überschwengliche
Gnade“ verfaßte Lebensbeschreibung, sein Glaubensbekenntnis und
insonderheit „Die Pilgerreise des Christen“ haben diesen Ursprung.
Viele andre Bücher wurden von Bunyan während seiner Gefangenschaft
geschrieben, und alle seine schriftstellerischen Werke zusammen
umfassen nicht weniger als 60 größere und kleinere Bände. Auf diese
Weise konnte er als Gefangener eine viel weitere Wirksamkeit gewinnen,
als er vorher in seiner Freiheit durch sein Predigen hatte ausüben
können.
[Illustration: Bunyan als Schriftsteller im Gefängnis zu Bedford.]
Der Herr gab ihm auch solche Gunst in den Augen des Gefängniswärters,
daß dieser ihm eine Zeitlang viel Freiheit ließ. Er durfte bei seiner
Familie sein und zuweilen sogar in den umliegenden Dörfern und Wäldern
predigen. Man sagt, daß viele der Baptistengemeinden in der Umgegend
von Bedford ihre Entstehung seinen damaligen mitternächtlichen
Predigten verdanken. Im Jahr 1666 kam er, da er für kurze Zeit in
Freiheit gesetzt ward, bis nach London. Aber eines Tages wurde er,
eben im Begriff, eine Versammlung zu halten, als ein Gegner der
Staatskirche wiederum festgenommen und in strengere Haft zurückgeführt.
Diese Strenge aber ließ allmählich wieder nach, so daß er Monate
hindurch regelmäßig die Versammlungen seiner Brüder in Bedford besuchen
konnte, ja er wurde sogar im Oktober 1671, da er noch im Gefängnis
war, zum Prediger der Baptistenkirche in Bedford gewählt. Seine öftere
Abwesenheit kam indes zu den Ohren der ihn verfolgenden Geistlichen.
Von London wurde ein Beamter nach Bedford entsandt, der sich von der
Wahrheit jener Gerüchte überzeugen sollte. Mitten in der Nacht meldete
sich dieser beim Gefängniswärter, um seine Untersuchung vorzunehmen.
In derselben Nacht befand sich Bunyan bei seiner Familie, war aber
so unruhig, daß er nicht schlafen konnte, und sagte deshalb zu
seiner Frau, er müsse sogleich zurückkehren. Er tat es auch, und der
Kerkermeister war sehr unzufrieden, daß er zu einer solch ungelegenen
Zeit zurückkam. Kurz darauf erschien der Beamte und fragte: „Sind alle
Gefangenen gut verwahrt?“ „Ja.“ „Ist Johann Bunyan in seiner Zelle?“
„Ja.“ „Ich wünsche ihn zu sehen.“ Er wurde gerufen, erschien, und alles
war recht. Nachdem der Beamte das Gefängnis verlassen hatte, sagte der
Wärter zu Bunyan: „Ihr möget ausgehen, wann es Euch beliebt, denn Ihr
wißt besser, wann Ihr zurückkommen müßt, als ich es Euch sagen kann.“
Endlich erließ Karl II. im Jahr 1672 die sogenannte +Indulgenzakte+,
welche den Dissenters Befreiung aus dem Gefängnis und für ihre
Privatversammlungen Duldung gewährte. Die nähern Umstände, denen
Bunyan seine Freiheit verdankte, sind erst in neuerer Zeit bekannt
geworden. In der Schlacht bei Worcester, in welcher das schottische
Heer durch Cromwell beinahe aufgerieben worden und Karl II., damals
noch Kronprätendent, in persönliche Lebensgefahr geraten war, hatte
derselbe nach vierzigtägiger Flucht endlich einen Mann gefunden, der
ihn auf den Schultern in ein Boot rettete; dies war ein Quäker. Zwanzig
Jahre später erschien dieser Quäker vor dem König, der ihn sogleich
wieder erkannte und ihm seine Verwunderung bezeugte, daß er niemals bei
ihm um eine Belohnung eingekommen sei. Der Quäker gedachte der Tausende
seiner Glaubensgenossen, die in den Gefängnissen schmachteten, und bat
für sie; doch nicht für sie allein, sondern auch für die andern, die
um ihres Gewissens willen verfolgt waren. Der Name Bunyan wurde mit
genannt. Karl II., welcher bei all seinen Fehlern doch ein dankbares
Herz hatte, ließ eine Verordnung ausgehen, durch welche die gefangenen
Dissenters, welche sich keiner politischen Vergehen schuldig gemacht
hatten, in Freiheit gesetzt wurden. Diese Verordnung trug das Datum vom
15. März 1672.
Als Bunyan das Gefängnis von Bedford verließ, war er 44 Jahre alt. Zum
ersten, was er nach seiner Befreiung tat, gehörte ein Gesuch an die
Behörde um ungehinderte Predigt und freie Versammlungsstätten in der
Grafschaft Bedford und den benachbarten Grafschaften. Seinen Bemühungen
verdankten 25 Prediger ihre Anstellung, 31 Versammlungsstätten ihre
ungestörte Benützung. Als Seelsorger ging er unermüdlich den einzelnen
nach und hielt hin und her Erbauungsstunden. Auch seine Feder war
bald wieder in voller Tätigkeit, und er schrieb Werke, durch die sein
Gedächtnis im Segen bleibt. Überhaupt suchte er das Reich Christi zu
fördern, soviel er nur vermochte, und von den Baptistengemeinden seiner
Gegend, deren Leiter er nun eigentlich war, erhielt er den Ehrennamen
„Bischof Bunyan“. Dieser Bischof hielt es nicht unter seiner Würde,
sein früheres Handwerk bis an sein Lebensende fortzuführen. Er blieb
auch in seiner bescheidenen Wohnung. Sein Studierzimmer war kaum größer
als seine Gefängniszelle. Ein Schuppen hinter dem Haus diente ihm als
Werkstatt.
Bunyans Ruf nahm immer zu. Auf seinen Wanderpredigten kam er auch
jährlich einmal nach London. Dort wurden seine Predigten so hoch
geschätzt, daß zu einer Morgenandacht um 7 Uhr sich einmal an einem
Werktag mitten im Winter mehr als 1200 Zuhörer einstellten. Ein
andermal, an einem Sonntag, hatten sich mehr als 3000 Personen
eingefunden; viele mußten wegen Platzmangel wieder umkehren. Unter
denen, die zu seinen Predigten herbeiströmten, fand man Hohe und
Niedrige, Gelehrte und Ungelehrte. Der berühmte Theologe ~Dr.~ Johann
Owen, der schon unter Cromwell in hohem Ansehen gestanden hatte, setzte
sich, sooft er Gelegenheit hatte, gern zu den Füßen des ungelehrten,
aber beredten Kesselflickers, um seinen glühenden, herzergreifenden
Ansprachen zu lauschen. Als König Karl II. dies hörte, fragte er den
gelehrten Doktor, wie doch ein Mann von seiner hohen Bildung und großen
Gelehrsamkeit sich herablassen könne, einen Kesselflicker predigen
zu hören. Darauf erwiderte Owen: „Königliche Majestät, wenn ich des
Kesselflickers Predigtgabe bekommen könnte, wollte ich gern all meine
Gelehrsamkeit dagegen eintauschen.“
Mehr als einmal wurde Bunyan gebeten, sich in der Weltstadt dauernd
niederzulassen. Doch weder die Aussicht auf ein größeres Arbeitsfeld
noch viel weniger auf ein höheres Einkommen konnten ihn bestimmen,
seine Bedforder Gemeinde zu verlassen.
Nach Jahr und Tag regten sich auch die alten Feinde wieder. Ja, sie
brachten es dahin, daß Bunyan noch einmal ins Gefängnis mußte; diesmal
jedoch nur auf sechs Monate. Durch Vermittlung angesehener Männer,
des ~Dr.~ Owen, des berühmten Kaplans Cromwell und des Bischofs von
Lincoln, wurde er befreit. Ob Bunyan den 1. Teil seiner „Pilgerreise“
während dieser oder der 12jährigen Gefangenschaft geschrieben hat, ist
ungewiß; in Druck kam er erst im Jahr 1678, während der 2. Teil sieben
Jahre später, zu Anfang des Jahres 1685, erschien.
Im Jahr 1682 hatte Bunyans Gemeinde zu Bedford wiederum viel Verfolgung
zu leiden. Eine Zeitlang wurde sie aus ihrem Versammlungshaus
vertrieben und mußte unter freiem Himmel zusammenkommen. In demselben
Jahr war es, daß er sein treffliches Büchlein: „Der heilige Krieg“
herausgab, worin er den Kampf des Christen gegen Sünde, Welt und Teufel
sinnbildlich darzustellen versucht. Als nach Karls II. Tod (3. Februar
1685) König Jakob II., welcher die protestantische Kirche Englands mit
Gewalt wieder katholisch machen wollte, den Thron bestieg, wurden die
Verfolgungen wieder besonders heftig. Bunyan entkam oft nur mit knapper
Not der äußersten Lebensgefahr. Er wurde von seinen Feinden überall
scharf bewacht; doch rettete ihn der Herr diesmal aus aller Gefahr, nur
daß ihm hie und da wilde Rotten ins Haus brachen und ihn seiner sauer
erworbenen Habe teilweise beraubten.
[Illustration: Bunyans Grabmal in London.]
Zu Anfang des Jahres 1688 wurde Bunyan von einer heftigen Krankheit
ergriffen, erholte sich aber wieder so weit, daß er noch ein besonderes
Liebeswerk auszurichten imstande war, das freilich sein letztes auf
Erden sein sollte. Einer seiner Freunde nämlich, der in der Stadt
Reading wohnte, hatte gedroht, seinen eigenen Sohn zu enterben, und
schon nahte sein Ende, ohne daß eine Versöhnung zwischen Vater und
Sohn zustande gekommen war. Der Sohn war darüber sehr bekümmert und bat
Bunyan, sich für ihn bei seinem Vater zu verwenden und eine Versöhnung
zu bewirken. Da unternahm der treue Knecht Gottes bereitwillig die
weite Reise nach Reading zu Pferd, und es gelang ihm, die Liebe
zwischen Vater und Sohn wieder herzustellen. Darauf ritt er nach London
zurück. Allein unterwegs wurde er von heftigem Regen befallen und
völlig durchnäßt. Ganz durchfroren und erstarrt von Nässe kam er in
dem Hause eines Freundes in London an. Hier predigte er zwar noch am
Sonntag, dem 19. August, aber schon am Dienstag wurde er von heftigem
Fieber ergriffen. Zehn Tage später, am 31. August 1688, durfte dieser
treue Zeuge seines Herrn nach einem vielbewegten Leben eingehen in
die Ruhe des Volkes Gottes. Seine letzten Worte waren: „Weinet nicht
über mich, sondern über euch selbst. Ich gehe zu dem Vater unsers
Herrn Jesus Christus, der mich, ob ich gleich ein großer Sünder bin,
durch die Mittlerschaft Seines geliebten Sohnes aufnehmen wird; dort
werden wir, hoffe ich, bald wieder zusammenkommen, um das neue Lied zu
singen und in alle Ewigkeit selig zu sein.“ Er stand im 60. Jahr seines
Lebens. Auch von ihm kann mit Recht gesagt werden: „Selig sind die
Toten, die in dem Herrn sterben; sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre
Werke folgen ihnen nach“ (Offenb. 14, 13).
Seine sterbliche Hülle wurde auf dem Friedhof in Finsbury (dem
Bunhillkirchhof) beigesetzt, wo auch Watt, Owen und Wesley ruhen.
Ein würdiges Denkmal mit seinem Bildnis bezeichnet heute noch seine
Grabstätte, und durch die vor uns liegende „Pilgerreise“ redet er noch
zu uns, wiewohl er gestorben ist.
[Illustration]
Pilgerreise
zur seligen Ewigkeit.
[Illustration]
Erster Teil:
Der Pilger.
[Illustration]
[Illustration]
Erstes Kapitel.
Der Weg zur engen Pforte.
Als ich durch die Wüste dieser Welt wanderte, kam ich an einen Ort,
wo eine Höhle war[1]; ich legte mich daselbst zum Schlafen nieder und
hatte nun, als ich schlief, einen Traum. Siehe, ich sah an einem Ort
einen Mann stehen in einem unflätigen und zerrissenen Kleid[2], sein
Antlitz von seinem Hause abgewandt[3], mit einem Buch in der Hand und
einer großen Last auf seinem Rücken[4]. Ich sah zu und ward gewahr,
daß er das Buch öffnete und darin las, und während er las, weinte und
zitterte er, und da er sich nicht länger halten konnte, brach er in den
Angstschrei aus: „Was soll ich tun?“ (Apostelg. 2, 37; 9, 6.)
In diesem Zustand ging er nach Hause und suchte die Angst seines
Herzens solange als möglich vor seiner Familie zu verbergen. Aber er
konnte nicht lange schweigen, denn seine Unruhe zwang ihn, vor Frau
und Kindern sein Herz auszuschütten, indem er sagte: „Ach meine liebe
Frau und ihr, meine teuren Kinder, ich bin verloren, denn eine schwere
Bürde lastet auf mir! Überdies wurde mir auch für gewiß berichtet, daß
Feuer vom Himmel diese unsre Stadt[5] verzehren wird (2. Petr. 3, 7).
Dabei werden wir alle, ich, du, meine teure Frau, und ihr, meine süßen
Kindlein, elendiglich umkommen, wenn wir nicht beizeiten einen Weg zu
unsrer Rettung finden.“
Durch diese Rede wurden die Seinen sehr bestürzt, nicht weil sie
glaubten, daß das wahr sei, was er sagte, sondern weil sie dachten,
es seien ihm verrückte Gedanken in den Kopf gestiegen. Da gerade die
Nacht hereinbrach und sie hofften, der Schlaf werde ihn wieder zu sich
selber bringen, drängten sie ihn, sich zur Ruhe zu begeben. Allein die
Nacht war so unruhig für ihn wie der Tag; statt zu schlafen, brachte
er sie mit Seufzen und Weinen zu. Als ihn nun die Seinen am Morgen
fragten, wie es ihm gehe, antwortete er: „Ach, es wird nur ärger, immer
ärger!“ und fing aufs neue an, zu ihnen zu reden wie tags zuvor; aber
er fand kein Gehör. In der Meinung, seine Seelenangst durch barsches
und mürrisches Wesen vertreiben zu können, spotteten sie sein und
schalten ihn einen Toren; dann wieder bekümmerten sie sich gar nicht um
ihn. Er zog sich daher in sein Kämmerlein zurück, um für sie inbrünstig
zu beten und sein eigenes Elend zu beklagen. Er ging auch bisweilen
hinaus in die Felder und las oder betete dabei und verbrachte auf diese
Weise einige Tage. So sah ich ihn eines Tages im Feld umhergehen,
seiner Gewohnheit nach in seinem Buche lesend, während er in tiefer
Bekümmernis wie zuvor ausrief: „+Was soll ich tun, daß ich selig
werde?+“ (Apostelg. 16, 30.)
Ich sah auch, daß er bald hierhin, bald dorthin blickte, als wollte
er davonlaufen; er blieb jedoch stehen, ungewiß, wie mir schien,
welchen Weg er einschlagen solle. Ich sah dann, daß ein Mann namens
+Evangelist+ sich ihm näherte und ihn fragte, warum er denn so schreie.
„Ach Herr,“ antwortete er, „ich ersehe aus dem Buch in meiner Hand,
daß ich verurteilt bin zu sterben und danach vor Gericht zu erscheinen
(Hebr. 9, 27), und finde nun, daß ich weder zu dem ersten willig, noch
zu dem andern geschickt bin[6].“
Hierauf sprach der +Evangelist+: „Warum bist du denn nicht willig
zu sterben, da doch dieses Leben von so vielen Übeln und Plagen
begleitet ist?“ -- „Weil ich fürchte,“ antwortete der Mann, „die auf
meinem Rücken liegende Last werde mich noch tiefer hinabdrücken als
in das Grab, ja mich in die Hölle hinunterstoßen, und, Herr, wenn ich
nicht einmal geschickt bin, ins Gefängnis zu gehen, so werde ich noch
viel weniger geschickt sein, vor dem Richter zu erscheinen und die
Vollziehung der Strafe zu ertragen. Daran dachte ich und mußte deshalb
so sehr weinen und rufen.“
„Wenn es so mit dir steht,“ sagte der +Evangelist+, „warum bleibst du
denn hier stehen?“ -- „Ach,“ erwiderte er, „ich weiß ja nicht, wohin
ich mich wenden soll!“ Der +Evangelist+ gab ihm hierauf ein Blatt
Papier, auf welchem geschrieben stand: „+Entfliehe dem zukünftigen
Zorn!+“ (Matth. 3, 7) Der Mann las diese Worte, und den +Evangelisten+
ängstlich anblickend, fragte er: „Wohin soll ich denn fliehen?“ Der
+Evangelist+ wies mit dem Finger über ein sehr weites Feld hin und
sprach: „Siehst du dort jene kleine enge Pforte[7]?“ -- „Nein,“
antwortete der Mann. „Siehst du auch nicht jenes scheinende Licht[8]?“
fragte der andre. Er sagte: „Ich meine, ich sehe es.“ -- „Gut,“ fuhr
der +Evangelist+ fort, „behalte nun jenes Licht im Auge und gehe
geradeswegs darauf zu, so wirst du bald die Pforte finden. Wenn du dort
anklopfen wirst, wird man dir sagen, was du weiter zu tun hast.“
Ich sah nun, daß der Mann zu laufen anfing. Als er aber nahe an seinem
Hause vorbeikam und seine Frau und Kinder ihn sahen, riefen sie ihm
nach, er solle wieder umkehren; allein er hielt sich die Ohren zu und
lief weiter[9], indem er ausrief: „+Leben, Leben, ewiges Leben!+“ Er
sah auch nicht einmal hinter sich[10], sondern eilte geradezu durch die
Ebene hin.
Nun kamen auch die Nachbarn herbei, und als diese ihn so laufen sahen,
ließen die einen ihren Spott über ihn aus, andre drohten ihm, und
etliche schrien ihm nach, er solle wieder zurückkehren. Unter diesen
Leuten waren ihrer zwei, die entschlossen sich, ihm nachzulaufen und
ihn mit Gewalt zurückzuholen, der eine hieß +Störrig+, der andre
+Willig+. Der Mann war ihnen zwar schon eine gute Strecke voraus,
allein da sie sich einmal vorgenommen hatten, ihm nachzusetzen, führten
sie ihren Vorsatz auch aus und hatten ihn in kurzer Zeit eingeholt.
Da sprach der Mann: „Liebe Nachbarn, warum kommt ihr mir nach?“ Sie
erwiderten: „Dich zu bewegen, mit uns wieder umzukehren.“ Er aber
antwortete: „Das kann auf keinen Fall geschehen. Ihr wohnt in der
Stadt +Verderben+, die ja auch mein Geburtsort ist; ich weiß aber
gewiß, wenn ihr dort sterbet, es sei früher oder später, so werdet ihr
tiefer hinabsinken als in das Grab, in einen Ort, der mit Feuer und
Schwefel brennt. Darum besinnt euch nicht lang, liebe Nachbarn, und
geht mit mir!“
+Störrig.+ Was sagst du? Wir sollten mit dir gehen und allen unsern
Freunden und Vergnügungen den Rücken kehren?
„Ja,“ erwiderte +Christ+ -- denn so hieß er -- „deshalb, weil alles,
was ihr verlassen werdet, nicht wert ist, mit dem Geringsten verglichen
zu werden, was mir in Aussicht steht[11]. Wollt ihr nun mit mir gehen,
werdet ihr alles dessen gleicherweise auch teilhaftig werden; denn wo
ich hingehe, da ist kein Mangel, sondern volle Genüge[12]. Kommt, und
ihr werdet finden, daß ich wahr geredet habe.“
+Störrig.+ Was für Güter sind es denn eigentlich, die du suchst und um
derentwillen du die ganze Welt verlässest, sie zu erlangen?
+Christ.+ Ich suche ein unvergängliches und unbeflecktes und
unverwelkliches Erbe, das behalten wird im Himmel (1. Petr. 1,
4), welches denen ganz gewiß zufallen wird, die ernstlich danach
trachten[13]. Hier ist ein Buch; überzeugt euch selbst, wenn ihr wollt!
+Störrig.+ Ach, geh weg mit deinem Buch! Willst du mit uns zurück oder
nicht?
+Christ.+ Daran ist nicht zu denken, da ich nun einmal meine Hand an
den Pflug gelegt habe[14].
+Störrig.+ So komm denn, Nachbar +Willig+, und laß uns ohne ihn wieder
nach Hause gehen; es gibt eben eine Art verschrobener Köpfe, die, wenn
sie einmal einen tollen Gedanken gefaßt haben, sich damit weiser dünken
denn sieben, die da Sitten lehren (Spr. 26, 16).
+Willig.+ Behandle diese Sache nur nicht so geringschätzig, mein
Freund! Wenn dem so ist, wie der gute +Christ+ da sagt, so sind die
Güter, wonach er trachtet, besser als die, die wir besitzen. Ich bin
daher willens, mit meinem Nachbar zu ziehen.
[Illustration: „Siehst du dort jene kleine enge Pforte?“ (S. 27.)]
+Störrig.+ Was sagst du? Noch ein Narr mehr? Ich rate dir, wieder mit
mir umzukehren. Wer weiß, wohin dich dieser hirnkranke Mensch noch
führen wird! Kehr um, kehr um und sei gescheit!
+Christ.+ Nein, geselle dich nur zu mir, Nachbar +Willig+! All das
Gute, von dem ich euch sagte, werden wir dort antreffen und noch viel
Herrlicheres dazu. Glaubst du mir nicht, so lies doch selbst einmal in
diesem Buch, und siehe, die Wahrheit alles darin Gesagten[15] ist mit
dem Blute dessen bekräftigt, der es gemacht hat (Hebr. 9, 17-22).
+Willig.+ Wohlan, Nachbar +Störrig+, mein Entschluß steht also fest;
ich will mit diesem guten Mann gehen, und sein Los soll das meine sein.
Aber, mein lieber Freund +Christ+, weißt du auch sicher den Weg zu dem
Ort, auf dem wir hinzukommen trachten?
+Christ.+ Durch einen Mann, namens +Evangelist+, bin ich belehrt
worden, daß ich nach einer kleinen Pforte, die vor uns liegt, hineilen
soll. Dort werden wir weitere Anweisung über den Weg bekommen.
+Willig.+ Komm denn, mein lieber Nachbar, wir wollen gehen! -- So
gingen die beiden miteinander.
+Störrig.+ Und ich will wieder nach Hause gehen, denn mit solchen
verrückten Schwärmern will ich mich nicht aufhalten.
Ich sah dann in meinem Traum, nachdem +Störrig+ weggegangen war, daß
+Christ+ und +Willig+ über die Ebene hingingen. Dabei entspann sich
folgendes Gespräch unter ihnen:
+Christ.+ Nun, lieber Nachbar, wie steht’s mit dir? Ich bin froh, daß
du dich hast bewegen lassen, mit mir zu gehen. Hätte +Störrig+ die
Macht und den Schrecken der Dinge, die noch unsichtbar sind, auch so
gefühlt wie ich, er würde uns nicht so leichthin den Rücken gekehrt
haben.
+Willig.+ Hör, Nachbar +Christ+, da wir nun beide hier ganz allein
sind, so erzähle mir doch weiter, was für Güter es eigentlich sind, die
wir suchen, und wie wir derselben teilhaftig werden können.
+Christ.+ Es sind himmlische Güter, die kann man besser im Herzen
begreifen, als mit der Zunge davon reden; doch weil du ein so großes
Verlangen danach hast, sie kennenzulernen, so will ich dir davon aus
meinem Buch vorlesen.
+Willig.+ Glaubst du denn, daß die Worte, die in deinem Buch stehen,
auch gewißlich wahr sind?
+Christ.+ Ja gewiß, denn es kommt von dem, der nicht lügen kann[16].
+Willig.+ Nun, das ist gut. Was sind’s aber für Güter?
+Christ.+ Es ist ein ewigwährendes Königreich, in dem wir immerdar
wohnen sollen[17], und ein ewiges Leben, das wir ererben können[18].
+Willig.+ Das ist köstlich; und was noch mehr?
+Christ.+ Dort empfangen wir Kronen der Ehren[19] und Kleider[20],
darin wir leuchten wie die Sonne des Himmels[21].
+Willig.+ O wie herrlich! Und was noch mehr?
+Christ.+ Da wird kein Leid noch Geschrei noch Schmerz mehr sein, denn
der König dieses Ortes wird abwischen alle Tränen von unsern Augen
(Offenb. 21, 4).
+Willig.+ Und was werden wir allda für Gesellschaft finden?