»Nun wohl denn, es geht eine Sage, daß mit dem Manne von Wit

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Schach von Wuthenow

Von ~Theodor Fontane~ erschienen in gleichem Verlage:

~L'Adultera.~ Roman aus der Berliner Gesellschaft.

~Cécile.~ Roman.

~Graf Petöfy.~ Roman.

~Irrungen Wirrungen.~ Berliner Roman.

~Stine.~ Berliner Sitten-Roman.

~Kriegsgefangen.~ Erlebtes 1870.

~Aus den Tagen der Occupation.~ Eine Osterreise.

~Frau Jenny Treibel.~ Roman.

~Meine Kinderjahre.~ Autobiographischer Roman.

~Von vor und nach der Reise.~ Plaudereien und kleine Geschichten.

~Effi Briest.~ Roman.

~Die Poggenpuhls.~ Erzählung.

~Von Zwanzig bis Dreissig.~ Autobiographisches.

~Der Stechlin.~ Roman.

~Aus England und Schottland.~ Reisebilder.

Gesammelte Romane und Erzählungen.

Ausgabe in 12 Bänden mit dem Bilde des Dichters.

=Inhalt=: ~L'Adultera.~ Roman aus der Berliner Gesellschaft. --

Ellernklipp. Nach einem Harzer Kirchenbuch. -- ~Graf Petöfy.~ Roman. --

~Unterm Birnbaum.~ Erzählung. -- ~Schach von Wuthenow.~ Erzählung. --

~Grete Minde.~ Nach einer altmärkischen Chronik. -- ~Vor dem Sturm.~

Roman aus dem Winter 1812 auf 13. -- ~Irrungen Wirrungen.~ Berliner

Roman. -- ~Stine.~ Berliner Sitten-Roman. -- ~Kriegsgefangen.~ Erlebtes

1870.

Schach von Wuthenow

Erzählung

aus der Zeit des Regiments Gensdarmes

von

Theodor Fontane

Vierte Auflage.

Berlin W

F. Fontane & Co.

1901

Alle Rechte, vor allem das der Uebersetzung, vorbehalten.

Erstes Kapitel.

Im Salon der Frau von Carayon.

In dem Salon der in der Behrenstraße wohnenden Frau von Carayon und

ihrer Tochter Victoire waren an ihrem gewöhnlichen Empfangsabend einige

Freunde versammelt, aber freilich wenige nur, da die große Hitze des

Tages auch die treuesten Anhänger des Zirkels ins Freie gelockt hatte.

Von den Offizieren des Regiments Gensdarmes, die selten an einem dieser

Abende fehlten, war nur einer erschienen, ein Herr von Alvensleben, und

hatte neben der schönen Frau vom Hause Platz genommen unter

gleichzeitigem scherzhaftem Bedauern darüber, daß gerade =der= fehle,

dem dieser Platz in Wahrheit gebühre.

Beiden gegenüber, an der der Mitte des Zimmers zugekehrten Tischseite,

saßen zwei Herren in Civil, die, seit wenig Wochen erst heimisch in

diesem Kreise, sich nichtsdestoweniger bereits eine dominirende Stellung

innerhalb desselben errungen hatten. Am entschiedensten der um einige

Jahre jüngere von beiden, ein ehemaliger Stabskapitän, der, nach einem

abenteuernden Leben in England und den Unionsstaaten in die Heimat

zurückgekehrt, allgemein als das Haupt jener militärischen Frondeurs

angesehen wurde, die damals die politische Meinung der Hauptstadt

machten, beziehungsweise terrorisirten. Sein Name war von Bülow.

Nonchalance gehörte mit zur Genialität, und so focht er denn, beide Füße

weit vorgestreckt und die linke Hand in der Hosentasche, mit seiner

Rechten in der Luft umher, um durch lebhafte Gestikulationen seinem

Kathedervortrage Nachdruck zu geben. Er konnte, wie seine Freunde

sagten, nur sprechen um Vortrag zu halten, und -- er sprach eigentlich

immer. Der starke Herr neben ihm war der Verleger seiner Schriften, Herr

Daniel Sander, im Uebrigen aber sein vollkommener Widerpart, wenigstens

in allem was Erscheinung anging. Ein schwarzer Vollbart umrahmte sein

Gesicht, das ebensoviel Behagen wie Sarkasmus ausdrückte, während ihm

der in der Taille knapp anschließende Rock von niederländischem Tuche

sein Embonpoint zusammenschnürte. Was den Gegensatz vollendete, war die

feinste weiße Wäsche, worin Bülow keineswegs excellirte.

Das Gespräch, das eben geführt wurde, schien sich um die kurz vorher

beendete Haugwitzsche Mission zu drehen, die, nach Bülows Ansicht, nicht

nur ein wünschenswerthes Einvernehmen zwischen Preußen und Frankreich

wieder hergestellt, sondern uns auch den Besitz von Hannover noch als

»Morgengabe« mit eingetragen habe. Frau von Carayon aber bemängelte

diese »Morgengabe«, weil man nicht gut geben oder verschenken könne, was

man nicht habe, bei welchem Worte die bis dahin unbemerkt am Theetisch

beschäftigt gewesene Tochter Victoire der Mutter einen zärtlichen Blick

zuwarf, während Alvensleben der schönen Frau die Hand küßte.

»Ihrer Zustimmung, lieber Alvensleben,« nahm Frau von Carayon das Wort,

»war ich sicher. Aber sehen Sie, wie minos- und rhadamantusartig unser

Freund Bülow dasitzt. Er brütet mal wieder Sturm, Victoire, reiche Herrn

von Bülow von den Karlsbader Oblaten. Es ist, glaub' ich, das Einzige,

was er von Oesterreich gelten läßt. Inzwischen unterhält uns Herr Sander

von unsern Fortschritten in der neuen Provinz. Ich fürchte nur, daß sie

nicht groß sind.«

»Oder sagen wir lieber, gar nicht existiren,« erwiderte Sander. »Alles

was zum welfischen Löwen oder zum springenden Roß hält, will sich nicht

preußisch regieren lassen. Und ich verdenk es Keinem. Für die Polen

reichten wir allenfalls aus. Aber die Hannoveraner sind feine Leute.«

»Ja, das sind sie,« bestätigte Frau von Carayon, während sie gleich

danach hinzufügte: »Vielleicht auch etwas hochmüthig.«

»Etwas!« lachte Bülow. »O, meine Gnädigste, wer doch allzeit einer

ähnlichen Milde begegnete. Glauben Sie mir, ich kenne die Hannoveraner

seit lange, hab ihnen in meiner Altmärker-Eigenschaft so zu sagen von

Jugend auf über den Zaun gekuckt, und darf Ihnen danach versichern, daß

alles das, was mir England so zuwider macht, in diesem welfischen

Stammlande doppelt anzutreffen ist. Ich gönn' ihnen deshalb die

Zuchtruthe, die wir ihnen bringen. Unsere preußische Wirthschaft ist

erbärmlich, und Mirabeau hatte Recht, den gepriesenen Staat Friedrichs

des Großen mit einer Frucht zu vergleichen, die schon faul sei, bevor

sie noch reif geworden, aber faul oder nicht, =Eines= haben wir

wenigstens: ein Gefühl davon, daß die Welt in diesen letzten funfzehn

Jahren einen Schritt vorwärts gemacht hat, und daß sich die großen

Geschicke derselben nicht nothwendig zwischen Nuthe und Notte vollziehen

müssen. In Hannover aber glaubt man immer noch an eine Spezialaufgabe

Kalenbergs und der Lüneburger Haide. _Nomen est omen._ Es ist der Sitz

der Stagnation, eine Brutstätte der Vorurtheile. =Wir= wissen

wenigstens, daß wir nichts taugen, und in dieser Erkenntniß ist die

Möglichkeit der Besserung gegeben. Im Einzelnen bleiben wir hinter ihnen

zurück, zugegeben, aber im Ganzen sind wir ihnen voraus, und darin

steckt ein Anspruch und ein Recht, die wir geltend machen müssen. Daß

wir, trotz Sander, in Polen eigentlich gescheitert sind, beweist nichts;

der Staat strengte sich nicht an und hielt seine Steuereinnehmer gerade

für gut genug, um die Kultur nach Osten zu tragen. In soweit mit Recht,

als selbst ein Steuereinnehmer die Ordnung vertritt, wenn auch freilich

von der unangenehmen Seite.«

Victoire, die von dem Augenblick an, wo Polen mit ins Gespräch gezogen

worden war, ihren Platz am Theetisch aufgegeben hatte, drohte jetzt zu

dem Sprecher hinüber und sagte: »Sie müssen wissen, Herr von Bülow, daß

ich die Polen liebe, sogar _de tout mon coeur_.« Und dabei beugte sie

sich aus dem Schatten in den Lichtschein der Lampe vor, in dessen Helle

man jetzt deutlich erkennen konnte, daß ihr feines Profil einst dem der

Mutter geglichen haben mochte, durch zahlreiche Blatternarben aber um

seine frühere Schönheit gekommen war.

Jeder mußt' es sehen, und der Einzige, der es =nicht= sah, oder, wenn er

es sah, als absolut gleichgültig betrachtete, war Bülow. Er wiederholte

nur: »o ja, die Polen. Es sind die besten Mazurkatänzer, und darum

lieben Sie sie.«

»Nicht doch. Ich liebe sie, weil sie ritterlich und unglücklich sind.«

»Auch das. Es läßt sich dergleichen sagen. Und um dies ihr Unglück

könnte man sie beinah beneiden, denn es trägt ihnen die Sympathien aller

Damenherzen ein. In Fraueneroberungen haben sie, von alter Zeit her, die

glänzendste Kriegsgeschichte.«

»Und wer rettete ....«

»Sie kennen meine ketzerischen Ansichten über Rettungen. Und nun gar

Wien! Es wurde gerettet. Allerdings. Aber wozu? Meine Phantasie schwelgt

ordentlich in der Vorstellung, eine Favoritsultanin in der Krypta der

Kapuziner stehen zu sehen. Vielleicht da, wo jetzt Maria Theresia steht.

Etwas vom Islam ist bei diesen Hahndel- und Fasahndelmännern immer zu

Hause gewesen, und Europa hätt' ein bischen mehr von Serail- oder

Haremwirthschaft ohne großen Schaden ertragen ....«

Ein eintretender Diener meldete den Rittmeister von Schach, und ein

Schimmer freudiger Ueberraschung überflog beide Damen, als der

Angemeldete gleich darnach eintrat. Er küßte der Frau von Carayon die

Hand, verneigte sich gegen Victoire, und begrüßte dann Alvensleben mit

Herzlichkeit, Bülow und Sander aber mit Zurückhaltung.

»Ich fürchte, Herrn von Bülow unterbrochen zu haben ....«

»Ein allerdings unvermeidlicher Fall,« antwortete Sander und rückte

seinen Stuhl zur Seite. Man lachte, Bülow selbst stimmte mit ein, und

nur an Schachs mehr als gewöhnlicher Zurückhaltung ließ sich erkennen,

daß er entweder unter dem Eindruck eines ihm persönlich unangenehmen

Ereignisses oder aber einer politisch unerfreulichen Nachricht in den

Salon eingetreten sein müsse.

»Was bringen Sie, lieber Schach? Sie sind präokkupirt. Sind neue

Stürme ....«

»Nicht =das=, gnädigste Frau, nicht das. Ich komme von der Gräfin

Haugwitz, bei der ich um so häufiger verweile, je mehr ich mich von dem

Grafen und seiner Politik zurückziehe. Die Gräfin weiß es und billigt

mein Benehmen. Eben begannen wir ein Gespräch, als sich draußen vor dem

Palais eine Volksmasse zu sammeln begann, erst Hunderte, dann Tausende.

Dabei wuchs der Lärm und zuletzt ward ein Stein geworfen und flog an dem

Tisch vorbei, daran wir saßen. Ein Haar breit und die Gräfin wurde

getroffen. Wovon sie aber =wirklich= getroffen wurde, das waren die

Worte, die Verwünschungen, die heraufklangen. Endlich erschien der Graf

selbst. Er war vollkommen gefaßt und verleugnete keinen Augenblick den

Kavalier. Es währte jedoch lang', eh' die Straße gesäubert werden

konnte. Sind wir bereits dahin gekommen? Emeute, Krawall. Und das im

Lande Preußen, unter den Augen Seiner Majestät.«

»Und speziell =uns= wird man für diese Geschehnisse verantwortlich

machen,« unterbrach Alvensleben, »speziell =uns= von den Gensdarmes. Man

weiß, daß wir diese Liebedienerei gegen Frankreich mißbilligen, von der

wir schließlich nichts haben als gestohlene Provinzen. Alle Welt weiß,

wie wir dazu stehen, auch bei Hofe weiß man's, und man wird nicht

säumen, =uns= diese Zusammenrottung in die Schuh zu schieben.«

»Ein Anblick für Götter,« sagte Sander. »Das Regiment Gensdarmes unter

Anklage von Hochverrath und Krawall.«

»Und nicht mit Unrecht,« fuhr Bülow in jetzt wirklicher Erregung

dazwischen. »Nicht mit Unrecht, sag' ich. Und das witzeln Sie nicht

fort, Sander. Warum führen die Herren, die jeden Tag klüger sein wollen,

als der König und seine Minister, warum führen sie diese Sprache? Warum

politisiren sie? Ob eine Truppe politisiren darf, stehe dahin, aber

=wenn= sie politisirt, so politisire sie wenigstens richtig. Endlich

sind wir jetzt auf dem rechten Weg, endlich stehen wir da, wo wir von

Anfang an hätten stehen sollen, endlich hat Seine Majestät den

Vorstellungen der Vernunft Gehör gegeben und was geschieht? Unsere

Herren Offiziere, deren drittes Wort der König und ihre Loyalität ist,

und denen doch immer nur wohl wird, wenn es nach Rußland und Juchten und

recht wenig nach Freiheit riecht, unsere Herren Offiziere, sag' ich,

gefallen sich plötzlich in einer ebenso naiven wie gefährlichen

Oppositionslust, und fordern durch ihr keckes Thun und ihre noch

keckeren Worte den Zorn des kaum besänftigten Imperators heraus.

Dergleichen verpflanzt sich dann leicht auf die Gasse. Die Herren vom

Regiment Gensdarmes werden freilich den Stein nicht selber heben, der

schließlich bis an den Theetisch der Gräfin fliegt, aber sie sind doch

die moralischen Urheber dieses Krawalles, =sie= haben die Stimmung dazu

gemacht.«

»Nein, diese Stimmung war da.«

»Gut. Vielleicht war sie da. Aber =wenn= sie da war, so galt es, sie zu

bekämpfen, nicht aber sie zu nähren. Nähren wir sie, so beschleunigen

wir unsern Untergang. Der Kaiser wartet nur auf eine Gelegenheit, wir

sind mit vielen Posten in sein Schuldbuch eingetragen, und zählt er erst

die Summe, so sind wir verloren.«

»Glaub's nicht,« antwortete Schach. »Ich vermag Ihnen nicht zu folgen,

Herr von Bülow.«

»Was ich beklage.«

»Ich desto weniger. Es trifft sich bequem für Sie, daß Sie mich und

meine Kameraden über Landes- und Königstreue belehren und aufklären

dürfen, denn die Grundsätze, zu denen Sie sich bekennen, sind momentan

obenauf. Wir stehen jetzt nach Ihrem Wunsch und allerhöchstem Willen am

Tische Frankreichs und lesen die Brosamen auf, die von des Kaisers

Tische fallen. Aber auf wie lange? Der Staat Friedrichs des Großen muß

sich wieder auf sich selbst besinnen.«

»So er's nur thäte,« replizirte Bülow. »Aber das versäumt er eben. Ist

dies Schwanken, dies immer noch halbe Stehen zu Rußland und Oesterreich,

das uns dem Empereur entfremdet, ist das Fridericianische Politik? Ich

frage Sie?«

»Sie mißverstehen mich.«

»So bitt ich, mich aus dem Mißverständniß zu reißen.«

»Was ich wenigstens versuchen will .... Uebrigens =wollen= Sie mich

mißverstehen, Herr von Bülow. Ich bekämpfe nicht das französische

Bündniß, weil es ein Bündniß ist, auch nicht =deshalb=, weil es nach Art

aller Bündnisse darauf aus ist, unsere Kraft zu diesem oder jenem Zweck

zu doubliren. O, nein; wie könnt' ich? Allianzen sind Mittel, deren

=jede= Politik bedarf; auch der große König hat sich dieser Mittel

bedient und innerhalb dieser Mittel beständig =gewechselt=. Aber =nicht=

gewechselt hat er in seinem Endzweck. Dieser war unverrückt: ein starkes

und selbstständiges Preußen. Und nun frag' ich Sie, Herr von Bülow, ist

=das=, was uns Graf Haugwitz heimgebracht hat, und was sich Ihrer

Zustimmung so sehr erfreut, ist =das= ein starkes und selbstständiges

Preußen? Sie haben =mich= gefragt, nun frag ich =Sie=.«

Zweites Kapitel.

»Die Weihe der Kraft.«

Bülow, dessen Züge den Ausdruck einer äußersten Ueberheblichkeit

anzunehmen begannen, wollte repliziren, aber Frau von Carayon unterbrach

und sagte: »Lernen wir etwas aus der Politik unserer Tage: wo nicht

Friede sein kann, da sei wenigstens Waffenstillstand. Auch hier .... Und

nun rathen Sie, lieber Alvensleben, wer heute hier war, uns seinen

Besuch zu machen? Eine Berühmtheit. Und von der Rahel Lewin uns

zugewiesen.«

»Also der Prinz,« sagte Alvensleben.

»O nein, berühmter oder doch wenigstens tagesberühmter. Der Prinz ist

eine etablirte Celebrität, und Celebritäten, die zehn Jahre gedauert

haben, sind keine mehr .... Ich will Ihnen übrigens zu Hilfe kommen, es

geht ins Litterarische hinüber, und so möcht' ich denn auch annehmen,

daß uns Herr Sander das Räthsel lösen wird.«

»Ich will es wenigstens versuchen, gnädigste Frau, wobei mir Ihr

Zutrauen vielleicht eine gewisse Weihekraft, oder sagen wirs lieber rund

heraus, eine gewisse 'Weihe der Kraft' verleihen wird.«

»O vorzüglich. Ja, Zacharias Werner war hier. Leider waren wir aus, und

so sind wir denn um den uns zugedachten Besuch gekommen. Ich hab es sehr

bedauert.«

»Sie sollten sich umgekehrt beglückwünschen, einer Enttäuschung

entgangen zu sein,« nahm Bülow das Wort. »Es ist selten, daß die Dichter

der Vorstellung entsprechen, die wir uns von ihnen machen. Wir erwarten

einen Olympier, einen Nektar- und Ambrosiamann, und sehen statt dessen

einen Gourmand einen Putenbraten verzehren; wir erwarten Mittheilungen

aus seiner geheimsten Zwiesprach mit den Göttern und hören ihn von

seinem letzten Orden erzählen oder wohl gar die allergnädigsten Worte

citiren, die Serenissimus über das jüngste Kind seiner Muse geäußert

hat. Vielleicht auch Serenissima, was immer das denkbar Albernste

bedeutet.«

»Aber doch schließlich nichts Alberneres, als das Urtheil solcher, die

den Vorzug haben, in einem Stall oder einer Scheune geboren zu sein,«

sagte Schach spitz.

»Ich muß Ihnen zu meinem Bedauern, mein sehr verehrter Herr von Schach,

auch auf =diesem= Gebiete widersprechen. Der Unterschied, den Sie

bezweifeln, ist wenigstens nach =meinen= Erfahrungen thatsächlich

vorhanden, und zwar, wie Sie mir zu wiederholen gestatten wollen, zu

=Nicht=-Gunsten von Serenissimus. In der Welt der kleinen Leute steht

das Urtheil an und für sich nicht höher, aber die verlegene

Bescheidenheit, darin sich's kleidet und das stotternde

Schlechte-Gewissen, womit es zu Tage tritt, haben allemal etwas

Versöhnendes. Und nun spricht der Fürst! Er ist der Gesetzgeber seines

Landes in all und jedem, in Großem und Kleinem, also natürlich auch in

Aestheticis. Wer über Leben und Tod entscheidet, sollte der nicht auch

über ein Gedichtchen entscheiden können? Ah, bah! Er mag sprechen was er

will, es sind immer Tafeln direkt vom Sinai. Ich habe solche zehn Gebote

mehr als einmal verkünden hören und weiß seitdem was es heißt: _regarder

dans le Néant_.«

»Und doch stimm' ich der Mama bei,« bemerkte Victoire, der daran lag das

Gespräch auf seinen Anfang, auf das Stück und seinen Dichter also

zurückzuführen. »Es wäre mir wirklich eine Freude gewesen, den

'tagesberühmten Herrn', wie Mama ihn einschränkend genannt hat, kennen

zu lernen. Sie vergessen, Herr von Bülow, daß wir =Frauen= sind, und daß

wir als solche ein Recht haben, neugierig zu sein. An einer Berühmtheit

wenig Gefallen zu finden, ist schließlich immer noch besser, als sie gar

nicht gesehen zu haben.«

»Und wir werden ihn in der That nicht mehr sehen, in aller Bestimmtheit

nicht,« fügte Frau von Carayon hinzu. »Er verläßt Berlin in den nächsten

Tagen schon und war überhaupt nur hier, um den ersten Proben seines

Stückes beizuwohnen.«

»Was also heißt,« warf Alvensleben ein, »daß an der Aufführung selbst

nicht länger mehr zu zweifeln ist.«

»Ich glaube, nein. Man hat den Hof dafür zu gewinnen oder wenigstens

alle beigebrachten Bedenken niederzuschlagen gewußt.«

»Was ich unbegreiflich finde,« fuhr Alvensleben fort. »Ich habe das

Stück gelesen. Er will Luther verherrlichen, und der Pferdefuß des

Jesuitismus guckt überall unter dem schwarzen Doktormantel hervor. Am

räthselhaftesten aber ist es mir, daß sich Iffland dafür interessirt,

Iffland, ein Freimaurer.«

»Woraus ich einfach schließen möchte, daß er die Hauptrolle hat,«

erwiderte Sander. »Unsere Prinzipien dauern gerade so lange, bis sie mit

unsern Leidenschaften oder Eitelkeiten in Konflikt gerathen und ziehen

dann jedesmal den kürzeren. Er wird den Luther spielen wollen. Und das

entscheidet.«

»Ich bekenne, daß es mir widerstrebt,« sagte Victoire, »die Gestalt

Luthers auf der Bühne zu sehen. Oder geh' ich darin zu weit?«

Es war Alvensleben, an den sich die Frage gerichtet hatte. »Zu weit? O,

meine theuerste Victoire, gewiß nicht. Sie sprechen mir ganz aus dem

Herzen. Es sind meine frühesten Erinnerungen, daß ich in unserer

Dorfkirche saß, und mein alter Vater neben mir, der alle

Gesangbuchsverse mitsang. Und links neben dem Altar da hing unser Martin

Luther in ganzer Figur, die Bibel im Arm, die Rechte darauf gelegt, ein

lebensvolles Bild, und sah zu mir herüber. Ich darf sagen, daß dies

ernste Mannesgesicht an manchem Sonntage besser und eindringlicher zu

mir gepredigt hat als unser alter Kluckhuhn, der zwar dieselben hohen

Backenknochen und dieselben weißen Päffchen hatte wie der Reformator,

aber auch weiter nichts. Und diesen Gottesmann, nach dem wir uns nennen

und unterscheiden, und zu dem ich nie anders als in Ehrfurcht und

Andacht aufgeschaut habe, den will ich nicht aus den Koulissen oder aus

einer Hinterthür treten sehen. Auch nicht, wenn Iffland ihn giebt, den

ich übrigens schätze, nicht blos als Künstler, sondern auch als Mann von

Grundsätzen und guter preußischer Gesinnung.«

»_Pectus facit oratorem_«, versicherte Sander, und Victoire jubelte.

Bülow aber, der nicht gern neue Götter neben sich duldete, warf sich in

seinen Stuhl zurück und sagte, während er sein Kinn und seinen Spitzbart

strich: »Es wird Sie nicht überraschen, mich im Dissens zu finden.«

»O, gewiß nicht,« lachte Sander.

»Nur dagegen möcht' ich mich verwahren, als ob ich durch einen solchen

Dissens irgendwie den Anwalt dieses pfäffischen Zacharias Werner zu

machen gedächte, der mir in seinen mystisch-romantischen Tendenzen

einfach zuwider ist. Ich bin Niemandes Anwalt ....«

»Auch nicht Luthers?« fragte Schach ironisch.

»Auch nicht Luthers!«

»Ein Glück, daß er dessen entbehren kann ....«

»Aber auf wie lange?« fuhr Bülow sich aufrichtend fort. »Glauben Sie

mir, Herr von Schach, auch =er= ist in der Decadence, wie so viel

anderes mit ihm, und über ein Kleines wird keine Generalanwaltschaft der

Welt ihn halten können.«

»Ich habe Napoleon von einer 'Episode Preußen' sprechen hören,«

erwiderte Schach. »Wollen uns die Herren Neuerer, und Herr von Bülow an

ihrer Spitze, vielleicht auch mit einer 'Episode Luther' beglücken?«

»Es ist so. Sie treffen es. Uebrigens sind nicht =wir= es, die dies

Episodenthum schaffen wollen. Dergleichen schafft nicht der Einzelne,

die Geschichte schafft es. Und dabei wird sich ein wunderbarer

Zusammenhang zwischen der Episode Preußen und der Episode Luther

herausstellen. Es heißt auch da wieder: 'Sage mir, mit wem Du umgehst,

und ich will Dir sagen, wer Du bist.' Ich bekenne, daß ich die Tage

Preußens gezählt glaube, und 'wenn der Mantel fällt, muß der Herzog

nach.' Ich überlass' es Ihnen, die Rollen dabei zu vertheilen. Die

Zusammenhänge zwischen Staat und Kirche werden nicht genugsam gewürdigt;

jeder Staat ist in gewissem Sinne zugleich auch ein =Kirchenstaat=; er

schließt eine Ehe mit der Kirche, und soll diese Ehe glücklich sein, so

müssen beide zu einander passen. In Preußen passen sie zu einander. Und

warum? Weil beide gleich dürftig angelegt, gleich eng gerathen sind. Es

sind Kleinexistenzen, beide bestimmt in etwas Größerem auf- oder

unterzugehen. Und zwar bald. _Hannibal ante portas._«

»Ich glaubte Sie dahin verstanden zu haben,« erwiderte Schach, »daß uns

Graf Haugwitz nicht den Untergang, wohl aber die Rettung und den Frieden

gebracht habe.«

»Das hat er. Aber er kann unser Geschick nicht wenden, wenigstens auf

die Dauer nicht. Dies Geschick heißt Einverleibung in das Universelle.

Der nationale wie der konfessionelle Standpunkt sind hinschwindende

Dinge, vor allem aber ist es der preußische Standpunkt und sein _alter

ego_ der lutherische. Beide sind künstliche Größen. Ich frage, was

bedeuten sie? welche Missionen erfüllen sie? Sie ziehen Wechsel

aufeinander, sie sind sich gegenseitig Zweck und Aufgabe, das ist alles.

Und das soll eine Weltrolle sein! Was hat Preußen der Welt geleistet?

Was find' ich, wenn ich nachrechne? Die Großen Blauen König Friedrich

Wilhelms I., den eisernen Ladestock, den Zopf, und jene wundervolle

Moral, die den Satz erfunden hat, 'ich hab' ihn an die Krippe gebunden,

warum hat er nicht gefressen?'«

»Gut, gut. Aber Luther ....«

»Nun wohl denn, es geht eine Sage, daß mit dem Manne von Wittenberg die

Freiheit in die Welt gekommen sei, und beschränkte Historiker haben es

dem norddeutschen Volke so lange versichert, bis man's geglaubt hat.

Aber was hat er denn in Wahrheit in die Welt gebracht? Unduldsamkeit und

Hexenprozesse, Nüchternheit und Langeweile. Das ist kein Kitt für

Jahrtausende. Jener Weltmonarchie, der nur noch die letzte Spitze fehlt,

wird auch eine Weltkirche folgen, denn wie die kleinen Dinge sich finden

und im Zusammenhange stehen, so die großen noch viel mehr. Ich werde mir

den Bühnen-Luther nicht ansehen, weil er mir in dieses Herren Zacharias

Werner Verzerrung einfach ein Ding ist, das mich ärgert; aber ihn nicht

ansehen, weil es Anstoß gebe, weil es =Entheiligung= sei, das ist mehr

als ich fassen kann.«

»Und =wir=, lieber Bülow,« unterbrach Frau von Carayon, »wir werden ihn

uns ansehen, =trotzdem= es uns Anstoß giebt. Victoire hat Recht, und

wenn bei Iffland die Eitelkeit stärker sein darf als das Prinzip, so bei

=uns= die Neugier. Ich hoffe, Herr von Schach und Sie, lieber

Alvensleben, werden uns begleiten. Uebrigens sind ein paar der

eingelegten Lieder nicht übel. Wir erhielten sie gestern. Victoire, Du

könntest uns das ein' oder andere davon singen.«

»Ich habe sie kaum durchgespielt.«

»O, dann bitt' ich um so mehr,« bemerkte Schach. »Alle Salonvirtuosität

ist mir verhaßt. Aber was ich in der Kunst liebe, das ist ein solches

poetisches Suchen und Tappen.«

Bülow lächelte vor sich hin und schien sagen zu wollen: »Ein jeder nach

seinen Mitteln.«

Schach aber führte Victoiren an das Klavier, und diese sang, während er

begleitete.

Die Blüthe, sie schläft so leis und lind

Wohl in der Wiege von Schnee;

Einlullt sie der Winter »Schlaf ein geschwind

Du blühendes Kind«

Und das Kind es weint und verschläft sein Weh

Und hernieder steigen aus duftiger Höh

Die Schwestern und lieben und blühn

Eine kleine Pause trat ein, und Frau von Carayon fragte: »Nun, Herr

Sander, wie besteht es vor Ihrer Kritik?« »Es muß sehr schön sein,«

antwortete dieser. »Ich versteh es nicht. Aber hören wir weiter. Die

Blüthe, die vorläufig noch schläft, wird doch wohl mal erwachen.«

Und kommt der Mai dann wieder so lind,

Dann bricht er die Wiege von Schnee,

Er schüttelt die Blüthe »Wach auf geschwind

Du welkendes Kind.«

Und es hebt das Aeuglein, es thut ihm weh

Und steigt hinauf in die leuchtende Höh

Wo strahlend die Brüderlein blühn.

Ein lebhafter Beifall blieb nicht aus. Aber er galt ausschließlich

Victoiren und der Komposition, und als schließlich auch der Text an die

Reihe kam, bekannte sich Alles zu Sanders ketzerischen Ansichten.

Nur Bülow schwieg. Er hatte, wie die meisten mit Staatenuntergang

beschäftigten Frondeurs, auch seine schwachen Seiten, und eine davon war

durch das Lied getroffen worden. An dem halbumwölkten Himmel draußen

funkelten ein paar Sterne, die Mondsichel stand dazwischen, und er

wiederholte, während er durch die Scheiben der hohen Balkonthür

hinaufblickte: »wo strahlend die Brüderlein blühn.«

Wider Wissen und Willen, war er ein Kind seiner Zeit, und romantisirte.

Noch ein zweites und drittes Lied wurde gesungen, aber das Urtheil blieb

dasselbe. Dann trennte man sich zu nicht allzu später Stunde.

Drittes Kapitel.

Bei Sala Tarone.

Die Thurmuhren auf dem Gensdarmenmarkt schlugen elf, als die Gäste der

Frau von Carayon auf die Behrenstraße hinaustraten und nach links

einbiegend auf die Linden zuschritten. Der Mond hatte sich verschleiert,

und die Regenfeuchte, die bereits in der Luft lag und auf Wetterumschlag

deutete, that allen wohl. An der Ecke der Linden empfahl sich Schach,

allerhand Dienstliches vorschützend, während Alvensleben, Bülow und

Sander übereinkamen, noch eine Stunde zu plaudern.

»Aber wo?« fragte Bülow, der im Ganzen nicht wählerisch war, aber doch

einen Abscheu gegen Lokale hatte, darin ihm »Aufpasser und Kellner die

Kehle zuschnürten.«

»Aber wo?« wiederholte Sander. »Sieh, das Gute liegt so nah,« und wies

dabei auf einen Eckladen, über dem in mäßig großen Buchstaben zu lesen

stand: Italiener-, Wein- und Delikatessen-Handlung von Sala Tarone. Da

schon geschlossen war, klopfte man an die Hausthür, an deren einer Seite

sich ein Einschnitt mit einer Klappe befand. Und wirklich, gleich darauf

öffnete sich's von innen, ein Kopf erschien am Kuckloch, und als

Alvenslebens Uniform über den Charakter der etwas späten Gäste beruhigt

hatte, drehte sich innen der Schlüssel im Schloß, und alle drei traten

ein. Aber der Luftzug, der ging, löschte den Blaker aus, den der Küfer

in Händen hielt, und nur eine ganz im Hintergrunde, dicht über der

Hofthür schweelende Laterne, gab gerade noch Licht genug, um das

Gefährliche der Passage kenntlich zu machen.

»Ich bitte Sie, Bülow, was sagen Sie zu diesem Defilé,« brummte Sander,

sich immer dünner machend, und wirklich hieß es auf der Hut sein, denn

in Front der zu beiden Seiten liegenden Oel- und Weinfässer, standen

Zitronen- und Apfelsinenkisten, deren Deckel nach vorn hin aufgeklappt

waren. »Achtung,« sagte der Küfer. »Is hier allens voll Pinnen und

Nägel. Habe mir gestern erst einen eingetreten.«

»Also auch spanische Reiter .... O, Bülow! In solche Lage bringt einen

ein militärischer Verlag.«

Dieser Sandersche Schmerzensschrei stellte die Heiterkeit wieder her,

und unter Tappen und Tasten war man endlich bis in die Nähe der Hofthür

gekommen, wo, nach rechts hin, einige der Fässer weniger dicht

nebeneinander lagen. Hier zwängte man sich denn auch durch, und gelangte

mit Hülfe von vier oder fünf steilen Stufen in eine mäßig große

Hinterstube, die gelb gestrichen und halb verblakt und nach Art aller

»Frühstücksstuben« um Mitternacht am vollsten war. Ueberall, an

niedrigen Panelen hin, standen lange, längst eingesessene Ledersophas,

mit kleinen und großen Tischen davor, und nur =eine= Stelle war da, wo

dieses Mobiliar fehlte. Hier stand vielmehr ein mit Kästen und Realen

überbautes Pult, vor welchem einer der Repräsentanten der Firma tagaus

tagein auf einem Drehschemel ritt, und seine Befehle (gewöhnlich nur ein

Wort) in einen unmittelbar neben dem Pult befindlichen Keller

hinunterrief, dessen Fallthür immer offen stand.

Unsere drei Freunde hatten in einer dem Kellerloch schräg gegenüber

gelegenen Ecke Platz genommen, und Sander, der grad lange genug Verleger

war, um sich auf lukullische Feinheiten zu verstehen, überflog eben die

Wein- und Speisekarte. Diese war in russisch Leder gebunden, roch aber

nach Hummer. Es schien nicht, daß unser Lukull gefunden hatte, was ihm

gefiel; er schob also die Karte wieder fort und sagte: »Das Geringste,

was ich von einem solchen hundstäglichen April erwarten kann, sind

Maikräuter, _Asperula odorata Linnéi_. Denn ich hab auch Botanisches

verlegt. Von dem Vorhandensein frischer Apfelsinen haben wir uns draußen

mit Gefahr unseres Lebens überzeugt, und für den Mosel bürgt uns die

Firma.«

Der Herr am Pult rührte sich nicht, aber man sah deutlich, daß er mit

seinem Rücken zustimmte, Bülow und Alvensleben thaten desgleichen, und

Sander resolvirte kurz: »Also Maibowle.«

Das Wort war absichtlich laut und mit der Betonung einer Ordre

gesprochen worden, und im selben Augenblicke scholl es auch schon vom

Drehstuhl her in das Kellerloch hinunter »Fritz!« Ein zunächst nur mit

halber Figur aus der Versenkung auftauchender, dicker und kurzhalsiger

Junge, wurde, wie wenn auf eine Feder gedrückt worden wäre, sofort

sichtbar, übersprang diensteifrig, indem er die Hand aufsetzte, die

letzten zwei, drei Stufen und stand im Nu vor Sander, den er, allem

Anscheine nach, am besten kannte.

»Sagen Sie, Fritz, wie verhält sich die Firma Sala Tarone zur Maibowle?«

»Gut. Sehr gut.«

»Aber wir haben erst April, und so sehr ich im allgemeinen der Mann der

Surrogate bin, so hass' ich doch eins: die Toncabohne. Die Toncabohne

gehört in die Schnupftabacksdose, nicht in die Maibowle. Verstanden?«

»Zu dienen, Herr Sander.«

»Gut denn. Also Maikräuter. Und nicht lange ziehen lassen. Waldmeister

ist nicht Kamillenthee. Der Mosel, sagen wir ein Zeltlinger oder ein

Brauneberger, wird langsam über die Büschel gegossen; das genügt.

Apfelsinenschnitten als bloßes Ornament. Eine Scheibe zuviel macht

Kopfweh. Und nicht zu süß, und eine Cliquot extra. Extra, sag ich.

Besser ist besser.«

Damit war die Bestellung beendet und ehe zehn Minuten um waren, erschien

die Bowle, darauf nicht mehr als drei oder vier Waldmeisterblättchen

schwammen, nur gerade genug, den Beweis der Aechtheit zu führen.

»Sehen Sie, Fritz, das gefällt mir. Auf mancher Maibowle schwimmt es wie

Entengrütze. Und das ist schrecklich. Ich denke wir werden Freunde

bleiben. Und nun grüne Gläser.«

Alvensleben lachte. »Grüne?«

»Ja. Was sich dagegen sagen läßt, lieber Alvensleben, weiß ich und laß

es gelten. Es ist in der That eine Frage, die mich seit länger

beschäftigt, und die, neben anderen, in die Reihe jener Zwiespalte

gehört, die sich, wir mögen es anfangen wie wir wollen, durch unser

Leben hinziehen. Die Farbe des Weins geht verloren, aber die Farbe des

Frühlings wird gewonnen, und mit ihr das festliche Gesammtkolorit. Und

dies erscheint mir als der wichtigere Punkt. Unser Essen und Trinken, so

weit es nicht der gemeinen Lebensnothdurft dient, muß mehr und mehr zur

symbolischen Handlung werden, und ich begreife Zeiten des späteren

Mittelalters, in denen der Tafelaufsatz und die Fruchtschalen mehr

bedeuteten, als das Mahl selbst.«

»Wie gut Ihnen das kleidet, Sander,« lachte Bülow. »Und doch dank ich

Gott, Ihre Kapaunenrechnung nicht bezahlen zu müssen.«

»Die Sie schließlich =doch= bezahlen.«

»Ah, das =erste= Mal, daß ich einen dankbaren Verleger in Ihnen

entdecke. Stoßen wir an .... Aber alle Welt, da steigt ja der lange

Nostitz aus der Versenkung. Sehen Sie, Sander, er nimmt gar kein

Ende ....«

Wirklich, es war Nostitz, der, unter Benutzung eines geheimen Eingangs,

eben die Kellertreppe hinaufstolperte, Nostitz von den Gensdarmes, der

längste Lieutenant der Armee, der, trotzdem er aus dem Sächsischen

stammte, seiner sechs Fuß drei Zoll halber so ziemlich ohne Widerrede

beim Elite-Regiment Gensdarmes eingestellt und mit einem verbliebenen

kleinen Reste von Antagonismus mittlerweile längst fertig geworden war.

Ein tollkühner Reiter und ein noch tollkühnerer Kour- und

Schuldenmacher, war er seit lang ein Allerbeliebtester im Regiment, so

beliebt, daß ihn sich der »Prinz«, der kein anderer war als Prinz Louis,

bei Gelegenheit der vorjährigen Mobilisirung, zum Adjutanten erbeten

hatte.

Neugierig, woher er komme, stürmte man mit Fragen auf ihn ein, aber erst

als er sich in dem Ledersopha zurecht gerückt hatte, gab er Antwort auf

all das, was man ihn fragte. »Woher ich komme? Warum ich bei den

Carayons geschwänzt habe? Nun, weil ich in Französisch-Buchholz

nachsehen wollte, ob die Störche schon wieder da sind, ob der Kuckuck

schon wieder schreit, und ob die Schulmeisterstochter noch so lange

flachsblonde Flechten hat, wie voriges Jahr. Ein reizendes Kind. Ich

lasse mir immer die Kirche von ihr zeigen, und wir steigen dann in den

Thurm hinauf, weil ich eine Passion für alte Glockeninschriften habe.

Sie glauben gar nicht, was sich in solchem Thurme Alles entziffern läßt.

Ich zähle das zu meinen glücklichsten und lehrreichsten Stunden.«

»Und eine Blondine, sagten Sie. Dann freilich erklärt sich alles. Denn

neben einer Prinzessin Flachshaar kann unser Fräulein Victoire nicht

bestehn. Und nicht einmal die schöne Mama, die schön ist, aber doch am

Ende brünett. Und blond geht immer vor schwarz.«

»Ich möchte das nicht geradezu zum Axiom erheben,« fuhr Nostitz fort.

»Es hängt doch alles noch von Nebenumständen ab, die hier freilich

ebenfalls zu Gunsten meiner Freundin sprechen. Die schöne Mama, wie Sie

sie nennen, wird siebenunddreißig, bei welcher Addition ich

wahrscheinlich galant genug bin, ihr ihre vier Ehejahre =halb= statt

doppelt zu rechnen. Aber das ist Schachs Sache, der über kurz oder lang

in der Lage sein wird, ihren Taufschein um seine Geheimnisse zu

befragen.«

»Wie das?« fragte Bülow.

»Wie das?« wiederholte Nostitz. »Was doch die Gelehrten, und wenn es

gelehrte Militärs wären, für schlechte Beobachter sind. Ist Ihnen denn

das Verhältniß zwischen Beiden entgangen? Ein ziemlich vorgeschrittenes,

glaub' ich. _C'est le premier pas, qui coûte ...._«

»Sie drücken sich etwas dunkel aus, Nostitz.«

»Sonst nicht gerade mein Fehler.«

»Ich meinerseits glaube Sie zu verstehen,« unterbrach Alvensleben. »Aber

Sie täuschen sich, Nostitz, wenn Sie daraus auf eine Partie schließen.

Schach ist eine sehr eigenartige Natur, die, was man auch an ihr

aussetzen mag, wenigstens manche psychologische Probleme stellt. Ich

habe beispielsweise keinen Menschen kennen gelernt, bei dem alles so

ganz und gar auf das Aesthetische zurückzuführen wäre, womit es

vielleicht in einem gewissen Zusammenhange steht, daß er überspannte

Vorstellungen von Intaktheit und Ehe hat. Wenigstens von einer Ehe, wie

=er= sie zu schließen wünscht. Und so bin ich denn wie von meinem Leben

überzeugt, er wird niemals eine Wittwe heirathen, auch die schönste

nicht. Könnt' aber hierüber noch irgend ein Zweifel sein, so würd' ihn

=ein= Umstand beseitigen, und dieser eine Umstand heißt: »=Victoire=.«

»Wie das?«

»Wie schon so mancher Heirathsplan an einer unrepräsentablen Mutter

gescheitert ist, so würd' er hier an einer unrepräsentablen Tochter

scheitern. Er fühlt sich durch ihre mangelnde Schönheit geradezu genirt,

und erschrickt vor dem Gedanken, seine Normalität, wenn ich mich so

ausdrücken darf, mit ihrer Unnormalität in irgend welche Verbindung

gebracht zu sehen. Er ist krankhaft abhängig, abhängig bis zur Schwäche,

von dem Urtheile der Menschen, speziell seiner Standesgenossen, und

würde sich jederzeit außer Stande fühlen, irgend einer Prinzessin oder

auch nur einer hochgestellten Dame, Victoiren als seine Tochter

vorzustellen.«

»Möglich. Aber dergleichen läßt sich vermeiden.«

»Doch schwer. Sie zurückzusetzen, oder ganz einfach als Aschenbrödel zu

behandeln, das widerstreitet seinem feinen Sinn, dazu hat er das Herz zu

sehr auf dem rechten Fleck. Auch würde Frau von Carayon das einfach

nicht dulden. Denn so gewiß sie Schach liebt, so gewiß liebt sie

Victoire, ja, sie liebt diese noch um ein gut Theil =mehr=. Es ist ein

absolut ideales Verhältniß zwischen Mutter und Tochter, und gerade dies

Verhältniß ist es, was mir das Haus so werth gemacht hat und noch

macht.«

»Also begraben wir die Partie,« sagte Bülow. »Mir persönlich zu

besondrer Genugthuung und Freude, denn ich schwärme für diese Frau. Sie

hat den ganzen Zauber des Wahren und Natürlichen, und selbst ihre

Schwächen sind reizend und liebenswürdig. Und daneben dieser =Schach=!

Er mag seine Meriten haben, meinetwegen, aber mir ist er nichts als ein

Pedant und Wichtigthuer, und zugleich die Verkörperung jener preußischen

Beschränktheit, die nur drei Glaubensartikel hat: erstes Hauptstück »die

Welt ruht nicht sichrer auf den Schultern des Atlas, als der preußische

Staat auf den Schultern der preußischen Armee«, zweites Hauptstück »der

preußische Infanterieangriff ist unwiderstehlich«, und drittens und

letztens »eine Schlacht ist nie verloren, so lange das Regiment Garde du

Corps nicht angegriffen hat«. Oder natürlich auch das Regiment

Gensdarmes. Denn sie sind Geschwister, Zwillingsbrüder. Ich verabscheue

solche Redensarten, und der Tag ist nahe, wo die Welt die Hohlheit

solcher Rodomontaden erkennen wird.«

»Und doch unterschätzen Sie Schach. Er ist immerhin einer unserer

Besten.«

»Um so schlimmer.«

»Einer unsrer Besten, sag ich, und =wirklich= ein Guter. Er spielt nicht

blos den Ritterlichen, er =ist= es auch. Natürlich auf seine Weise.

Jedenfalls trägt er ein ehrliches Gesicht und keine Maske.«

»Alvensleben hat Recht,« bestätigte Nostitz. »Ich habe nicht viel für

ihn übrig, aber das ist wahr, alles an ihm ist echt, auch seine steife

Vornehmheit, so langweilig und so beleidigend ich sie finde. Und =darin=

unterscheidet er sich von uns. Er ist immer er selbst, gleichviel ob er

in den Salon tritt, oder vorm Spiegel steht, oder beim Zubettegehn sich

seine saffranfarbenen Nachthandschuh anzieht. Sander, der ihn nicht

liebt, soll entscheiden und das letzte Wort über ihn haben.«

»Es ist keine drei Tage,« hob dieser an, »daß ich in der Haude und

Spenerschen gelesen, der Kaiser von Brasilien habe den Heiligen Antonius

zum Obristlieutenant befördert und seinen Kriegsminister angewiesen,

besagtem Heiligen die Löhnung bis auf Weiteres gut zu schreiben. Welche

Gutschreibung mir einen noch größeren Eindruck gemacht hat, als die

Beförderung. Aber gleichviel. In Tagen derartiger Ernennungen und

Beförderungen wird es nicht auffallen, wenn ich die Gefühle dieser

Stunde, zugleich aber den von mir geforderten Entscheid und

Richterspruch, in die Worte zusammenfasse: Seine Majestät der

Rittmeister von Schach, er lebe hoch.«

»O, vorzüglich Sander,« sagte Bülow, »damit haben Sie's getroffen. Die

ganze Lächerlichkeit auf einen Schlag. Der kleine Mann in den großen

Stiefeln! Aber meinetwegen, er lebe!«

»Da haben wir denn zum Ueberfluß auch noch die Sprache von »Sr. Majestät

getreuster Opposition,« antwortete Sander und erhob sich. »Und nun

Fritz, die Rechnung. Erlauben die Herren, daß ich das Geschäftliche

arrangire.«

»In besten Händen,« sagte Nostitz.

Und fünf Minuten später traten alle wieder ins Freie. Der Staub wirbelte

vom Thor her die Linden herauf, augenscheinlich war ein starkes Gewitter

im Anzug, und die ersten großen Tropfen fielen bereits.

»_Hâtez-vous._«

Und Jeder folgte der Weisung und mühte sich, so rasch wie möglich und

auf nächstem Wege seine Wohnung zu erreichen.

Viertes Kapitel.

In Tempelhof.

Der nächste Morgen sah Frau von Carayon und Tochter in demselben

Eckzimmer, in dem sie den Abend vorher ihre Freunde bei sich empfangen

hatten. Beide liebten das Zimmer, und gaben ihm auf Kosten aller andern

den Vorzug. Es hatte drei hohe Fenster, von denen die beiden unter

einander im rechten Winkel stehenden auf die Behren- und

Charlottenstraße sahen, während das dritte, thürartige, das ganze, breit

abgestumpfte Eck einnahm, und auf einen mit einem vergoldeten

Rokoko-Gitter eingefaßten Balkon hinausführte. Sobald es die Jahreszeit

erlaubte, stand diese Balkonthür offen, und gestattete, von beinah jeder

Stelle des Zimmers aus, einen Blick auf das benachbarte Straßentreiben,

das, der aristokratischen Gegend unerachtet, zu mancher Zeit ein

besonders belebtes war, am meisten um die Zeit der Frühjahrsparaden, wo

nicht blos die berühmten alten Infanterieregimenter der Berliner

Garnison, sondern, was für die Carayons wichtiger war, auch die

Regimenter der Garde du Corps und Gensdarmes unter dem Klang ihrer

silbernen Trompeten an dem Hause vorüberzogen. Bei solcher Gelegenheit

(wo sich dann selbstverständlich die Augen der Herrn Offiziers zu dem

Balkon hinaufrichteten) hatte das Eckzimmer erst seinen eigentlichen

Werth, und hätte gegen kein anderes vertauscht werden können.

Aber es war auch an stillen Tagen ein reizendes Zimmer, vornehm und

gemüthlich zugleich. Hier lag der türkische Teppich, der noch die

glänzenden, fast ein halbes Menschenalter zurückliegenden Petersburger

Tage des Hauses Carayon gesehen hatte, hier stand die malachitne

Stutzuhr, ein Geschenk der Kaiserin Katharina, und hier paradirte vor

allem auch der große, reich vergoldete Trumeau, der der schönen Frau

täglich aufs Neue versichern mußte, daß sie noch eine schöne Frau sei.

Victoire ließ zwar keine Gelegenheit vorübergehn, die Mutter über diesen

wichtigen Punkt zu beruhigen, aber Frau von Carayon war doch klug genug,

es sich jeden Morgen durch ihr von ihr selbst zu kontrolirendes

Spiegelbild neu bestätigen zu lassen. Ob ihr Blick in solchem Momente zu

dem Bilde des mit einem rothen Ordensband in ganzer Figur über dem Sopha

hängenden Herrn von Carayon hinüberglitt, oder ob sich ihr ein

stattlicheres Bild vor die Seele stellte, war für Niemanden zweifelhaft,

der die häuslichen Verhältnisse nur einigermaßen kannte. Denn Herr von

Carayon war ein kleiner, schwarzer Koloniefranzose gewesen, der außer

einigen in der Nähe von Bordeaux lebenden vornehmen Carayons und einer

ihn mit Stolz erfüllenden Zugehörigkeit zur Legation, nichts Erhebliches

in die Ehe mitgebracht hatte. Am wenigsten aber männliche Schönheit.

Es schlug elf, erst draußen, dann in dem Eckzimmer, in welchem beide

Damen an einem Tapisserierahmen beschäftigt waren. Die Balkonthür war

weit auf, denn trotz des Regens, der bis an den Morgen gedauert hatte,

stand die Sonne schon wieder hell am Himmel und erzeugte so ziemlich

dieselbe Schwüle, die schon den Tag vorher geherrscht hatte. Victoire

blickte von ihrer Arbeit auf und erkannte den Schach'schen kleinen

Groom, der mit Stulpenstiefeln und zwei Farben am Hut, von denen sie zu

sagen liebte, daß es die Schach'schen »Landesfarben« seien, die

Charlottenstraße heraufkam.

»O sieh nur,« sagte Victoire, »da kommt Schachs kleiner Ned. Und wie

wichtig er wieder thut! Aber er wird auch zu sehr verwöhnt, und immer

mehr eine Puppe. Was er nur bringen mag?«

Ihre Neugier sollte nicht lange unbefriedigt bleiben. Schon einen

Augenblick später hörten beide die Klingel gehn, und ein alter Diener in

Gamaschen, der noch die vornehmen Petersburger Tage miterlebt hatte,

trat ein, um auf einem silbernen Tellerchen ein Billet zu überreichen.

Victoire nahm es. Es war an Frau von Carayon adressirt.

»An =Dich= Mama.«

»Lies nur,« sagte diese.

»Nein, Du selbst; ich hab eine Scheu vor Geheimnissen.«

»Närrin,« lachte die Mutter und erbrach das Billet und las: »Meine

gnädigste Frau. Der Regen der vorigen Nacht hat nicht nur die Wege

gebessert, sondern auch die Luft. Alles in allem ein so schöner Tag, wie

sie der April uns Hyperboreern nur selten gewährt. Ich werde vier Uhr

mit meinem Wagen vor Ihrer Wohnung halten, um Sie und Fräulein Victoire

zu einer Spazierfahrt abzuholen. Ueber das Ziel erwarte ich Ihre

Befehle. Wissen Sie doch wie glücklich ich bin, Ihnen gehorchen zu

können. Bitte Bescheid durch den Ueberbringer. Er ist gerade firm genug

im Deutschen, um ein »ja« oder »nein« nicht zu verwechseln. Unter Gruß

und Empfehlungen an meine liebe Freundin Victoire (die zu größerer

Sicherheit vielleicht eine Zeile schreibt) Ihr Schach.«

»Nun, Victoire, was lassen wir sagen ...?«

»Aber Du kannst doch nicht ernsthaft fragen, Mama?«

»Nun denn also 'ja'.«

Victoire hatte sich mittlerweile bereits an den Schreibtisch gesetzt,

und ihre Feder kritzelte: »Herzlichst acceptirt, trotzdem die Ziele

vorläufig im Dunkeln bleiben. Aber ist der Entscheidungsmoment erst da,

so wird er uns auch das Richtige wählen lassen.«

Frau von Carayon las über Victoires Schulter fort. »Es klingt so

vieldeutig,« sagte sie.

»So will ich ein bloßes Ja schreiben, und Du kontrasignirst.«

»Nein; laß es nur.«

Und Victoire schloß das Blatt, und gab es dem draußen wartenden Groom.

Als sie vom Flur her in das Zimmer zurückkehrte, fand sie die Mama

nachdenklich. »Ich liebe solche Pikanterien nicht, und am wenigsten

solche Räthselsätze.«

»=Du= dürftest sie auch nicht schreiben. Aber ich? Ich darf alles. Und

nun höre mich. Es muß etwas geschehen, Mama. Die Leute reden so viel,

auch schon zu mir, und da Schach immer noch schweigt und Du nicht

sprechen =darfst=, so muß =ich= es thun statt Eurer und Euch

verheirathen. Alles in der Welt kehrt sich einmal um. Sonst verheirathen

Mütter ihre Tochter, hier liegt es anders, und ich verheirathe Dich. Er

liebt Dich und Du liebst ihn. In den Jahren seid ihr gleich, und ihr

werdet das schönste Paar sein, das seit Menschengedenken im

französischen Dom oder in der Dreifaltigkeitskirche getraut wurde. Du

siehst, ich lasse Dir wenigstens hinsichtlich der Prediger und der

Kirche die Wahl; mehr kann ich nicht thun in dieser Sache. Daß Du mich

mit in die Ehe bringst, ist nicht gut, aber auch nicht schlimm. Wo viel

Licht ist, ist viel Schatten.«

Schach von Wuthenow Erzählung aus der Zeit des Regiments Gensdarmes · 第 1 / 11 段