Friedrich seufzte unwillkürlich: „Und glaubst du, daß das genügt?“

„Ja!“ sagte David. „Ich hab’ gehört, wenn man gelernt hat, is man stark

und frei. Gott wird mir helfen, daß ich lernen kann. Dann werd’ ich mit

meine Eltern und Mirjam nach Erez Israel gehn.“

„Nach Palästina?“ fragte Friedrich erstaunt. „Was willst du dort?“

„Das is unser Land. Dort können wir glücklich werden!“

Der arme Judenjunge sah gar nicht lächerlich aus, als er sein

Zukunftsprogramm energisch in zwei Worten angab. Friedrich mußte an die

läppischen Humoristen Grün und Blau denken, die über den Zionismus ihre

schalen Witze rissen. David fügte noch hinzu:

„Und wenn ich etwas hab’, werd’ ich Ihnen zahlen.“

„Ich habe ja das Geld nicht dir gegeben, sondern deinem Vater,“ meinte

Friedrich lächelnd.

„Was man mei’ Taten giebt, hat man mir gegeben. Ich werd’ es zahlen —

Gutes und Schlechtes.“ David sagte es energisch und ballte seine kleine

Faust gegen die Hausmeisterwohnung, vor der sie jetzt angelangt waren.

Friedrich legte seine Hand auf das Haupt des Jungen:

„Möge dir der Gott unserer Väter beistehen!“

Und er wunderte sich selbst über seine Worte, nachdem er sie

gesprochen. Seit den Tagen der Kindheit, da er mit seinem Vater zum

Tempel gegangen war, hatte Friedrich vom „Gott unserer Väter“ nichts

mehr gewußt. Diese merkwürdige Begegnung aber weckte das Alte,

Vergessene in ihm auf, und sekundenlang überflog ihn ein Heimweh nach

dem starken Glauben der Jugendzeit, in der er mit dem Gotte der Väter

noch in Gebeten verkehrte.

Der Hausmeister schlurrte heran. Friedrich sagte ihm:

„Von jetzt ab werden Sie diese armen Leute in Ruhe lassen — sonst haben

Sie es mit mir zu thun! Verstanden?“

Da diese Worte von einem neuerlichen Trinkgelde begleitet waren,

begnügte sich der Grobe, ein „Küss’ d’ Hand, Euer Gnaden!“ zu murmeln.

Friedrich gab dem kleinen David die Hand und trat auf die einsame Lände

hinaus.

Altneuland · 第 14 / 77 题