ÜBER DAS AUSSTERBEN DER NATURVÖLKER
VON
DR. GEORG GERLAND,
LEHRER AM KLOSTER U. L. FR. ZU MAGDEBURG.
LEIPZIG,
VERLAG VON FRIEDRICH FLEISCHER.
1868.
SEINER EXCELLENZ
DEM HERRN GEHEIMEN RATH
H.C. VON DER GABELENTZ.
Vorwort.
Die Frage nach dem Aussterben der Naturvölker ist bis jetzt nur
gelegentlich und nicht mit der Ausführlichkeit behandelt, welche die
Wichtigkeit der Sache wohl verlangen kann. Am genauesten ist Waitz auf
sie eingegangen in seiner Anthropologie der Naturvölker Bd. 1, 158-186;
aber da auch er sie nur anhangsweise bespricht und in dem Zusammenhang
seines Werkes nicht mehr als nur die Hauptgesichtspunkte angeben konnte
und wollte; da er ferner manches nur andeutet oder ganz übergeht, was
von grosser Wichtigkeit ist, so erscheint es durchaus nicht überflüssig,
die Gründe für dies »räthselhafte« Hinschwinden selbständig und
möglichst genau von neuem zu erörtern. Namentlich die psychologische
Seite des Gegenstandes hat man bisher über die Gebühr vernachlässigt;
sie wird deshalb in den folgenden Blättern besonders betont werden
müssen.
Das Material zur Beantwortung der Frage, die uns beschäftigen soll,
findet sich zerstreut in einer grossen Menge von Reisebeschreibungen,
ethnographischen und anthropologischen Werken. Da es mir aber darauf
ankam, einmal--denn nur strengste Empirie kann uns bei unserer Frage
fördern--meine Sätze durch getreue Quellenangabe zu stützen, und
andererseits, dass die angeführten Citate nicht allzuschwer zugänglich
seien, um nachgeschlagen werden zu können, so habe ich mich, wo es
möglich war, auf Werke gestützt, die weiter verbreitet sind, und den
Quellennachweis nur da weggelassen, wo das Gesagte in allen Reisewerken
sich gleichmässig findet. Dass ich das schon erwähnte ausgezeichnete
Werk meines nur allzufrüh verstorbenen Lehrers Waitz, die Anthropologie
der Naturvölker, sehr reichlich benutzt habe, wird man nicht tadeln; man
findet dort die oft sehr schwer zugänglichen Quellen in kritischer
Auswahl beisammen--und wozu werden solche grundlegenden Werke
geschrieben, wenn man nicht auf ihnen weiterbaut?
Ich stelle hier der Uebersicht und des bequemeren Citirens wegen die
Werke zusammen, welche ich als Belege benutzt habe, ohne die mit
anzuführen, welche nicht öfters citirt sind. Einige, welche ich gern
gehabt hätte, sind mir unzugänglich geblieben.
Angas, Savage life in Australia and N. Zealand. London 1847.
Australia felix. Berlin 1849.
Azara, Reise nach Südamerika in den Jahren 1781-1801 (Magazin der merkw.
neuen Reisen. Bd. 31. Berlin 1810).
Bartram, Reisen durch Karolina, Georgien und Florida 1773. (eb. 10.
Band). Berlin 1793.
Beechey, Narrative of a voyage to the Pacific (1825-28). London 1831.
Behm, Geographisches Jahrbuch. 1. Theil 1866. Gotha 1866.
Bennett, Narr. of a whaling round the globe 1833-36. London 1840.
v. Bibra, Schilderung der Insel Vandiemensland bearbeitet v. Röding.
Hamburg 1823.
Bougainville, Reise um die Welt 1766-69. Leipzig 1772.
Bratring, Die Reisen der Spanier nach der Südsee. Berlin 1842.
Breton Excursions in N.S. Wales, W. Australia and V. Diemensland. London
1833.
Browne, N. Zealand and its aborigines. London 1845.
Carus, Ueber ungleiche Befähigung der verschiedenen Menschheits-Stämme.
Leipzig 1849.
v. Chamisso, Bemerkungen und Ansichten auf einer Entdeckungsreise
(1815-18). Weimar 1821.
Cheyne, a description of islands in the Western Pacif. Ocean etc. London
1852.
Cook, 3te Entdeckungsreise in die Südsee und nach dem Nordpol. 2. Bd.
Berl. 1789.--id. b, 1ste Entdeckungsreise bei Schiller.
Darwin, Naturwissenschaftliche Reise, übersetzt von Dieffenbach,
Braunschw. 1844.
Dieffenbach, Travels in N. Zealand. London 1843.
Dillon, Narrative of a voyage in the South Sea. London 1839.
Dumont d'Urville, a, Voyage de l'Astrolabe. Paris 1830. id. b, Voy. au
Pole Sud. Paris 1841.
Ellis, Polynesian Researches. London 1831.
Erskine, Journal of a cruise among the Islands of the Western Pacific.
London 1853.
Finsch, N. Guinea und seine Bewohner. Bremen 1865.
Freycinet, Voyage autour du monde (1817-20). Paris 1827.
P. Mathias G***, Lettres sur les îles Marquises. Pasis 1843.
Gill, Gems from the Coral Islands. London 1855.
le Gobien, Histoire des Isles Marianes. Paris 1701.
Grey, Journals of two expedit. in NW and W. Australia (1837-39). London
1841.
Gulick, Micronesia, Nautical Magazin 1862.
Hale, Ethnographie and Philol. (Unit. States exploring expedition).
Philadelphia 1846.
Hearne, Reise von der Hudsonsbay bis zum Eismeere (1769-1772). Magaz. v.
Reisebeschreibungen. 14. Bd. Berlin 1797.
v. Hochstetter, Neuseeland. Stuttgart 1863.
Howitt, Impressions of Australia felix. London 1845. id. a, Abenteuer in
Australien. Berlin 1856.
A. v. Humboldt, a) Versuch über den politischen Zustand des Königreichs
Neuspanien. Tübingen 1809.
b) Reise in die Aequinoktialgegenden des neuen Continentes,
deutsch v. Hauff. Stuttgart 1861.
c) Ansichten der Natur. 3. Aufl. Stuttgart u. Augsburg 1859.
Jarves, History of the Haw. or Sandw. Islands. London 1843.
v. Kittlitz, Denkwürdigkeiten auf einer Reise nach d. russ. Amerika,
Mikronesien u. Kamtschatka (1826 etc.). Gotha 1858.
v. Kotzebue, Entdeckungsreise in die Südsee und nach der Behringsstrasse
(1815-18). Weimar 1821.
Krusenstern, Reise um die Welt (1803-6). Berlin 1811.
v. Langsdorff, Bemerkungen auf seiner Reise um die Welt (1803-7).
Frankfurt 1812.
La Pérouse, Entdeckungsreise 1785. Magazin von Reisebeschr. Band 16. 17.
Berlin 1799 f.
v. Lessep, Reise durch Kamtschatka und Sibirien, Magaz. v. Reisebeschr.
4. Berlin 1791.
Lichtenstein, Reise in Südafrika (1803-6). Berlin 1812.
Lutteroth, Geschichte der Insel Tahiti, deutsch v. Bruns. Berlin 1843,
Mariner, Tonga Islands. London 1818.
Meinicke, a) Das Festland v. Australien. Prenzlau 1837.
b) Die Südseevölker u. das Christenthum. Prenzlau 1844.
c) Australien in Wappäus Handbuch der Geographie und
Statistik. 7. Aufl. 2. Bd. 2. Nachtr. Leipzig 1866.
Melville, Vier Monate auf den Marquesas-Inseln. Leipzig 1847. Id. b,
the present state of Australia. London 1851.
Moerenhont, Voyage aux îles du grand Ocean. Paris 1837.
Nieuw Guinea, ethnogr. en natuurk. onderzocht in 1858 door een Nederl.
Ind. Commiss. Amst. 1862.
Nixon, The cruise of the Beacon. London 1857.
Novara, Reise der österr. Fregatte (1857-59). Wien 1861.
Ohmstedt, Incidents of a whaling voyage. N. York 1841.
Petermann, Mittheilungen u.s.w. a.d. Gesammtgebiet d. Geographie.
Pöppig, Artikel Indier bei Ersch u. Gruber. 2. S. B. 17. 1840.
Remy, Hist. de l'Arch. Hawaiien, texte et traduction. Paris et Leipzig
1862.
Salvado, Memorie storiche dell' Australia, part. della miss.
benedettina. Roma 1851.
Schomburgk, Reisen in Britisch-Guiana 1840-44. Leipzig 1848.
Sparmann, Reise nach d. Vorgebirge der guten Hoffn. 1772-76. Berlin
1784.
Stewart, Journal of a residence in the Sandwich isl. (1823-25). London
1828.
Taylor, The Ika a Maui or N. Zealand and its inhabitants. London 1855.
Thomson, The story of N. Zealand. London 1859.
Thunberg, Reisen in Afrika und Asien 1772-79 im Mag. d. Reis. 7. Bd.
Berlin 1792.
v. Tschudi, Reisen durch Südamerika. Leipzig 1866.
Turnbull, Reise um die Welt 1800-1804, Magaz. v. Reisebeschr. Bd. 27.
Berlin 1806.
Turner, Nineteen years in Polynesia. London 1861.
Tyermann and Bennet, Journal of voy. in the S. Sea islands. London 1831.
Vankouver, Reisen nach d. nördl. Theile der Südsee (1790-95). Magaz. v.
Reisebeschr. Bd. 18. 19. Berlin 1799 f.
Virgin, Erdumsegelung der Fregatte Eugenie (1831-33), übers. v. Etzel.
Berlin 1856.
Waitz, Anthropologie der Naturvölker. Leipzig 1859 f. id. b, Die
Indianer Nordamerikas. Leipzig 1865.
Williams, a Narrat. of Missionary enterprises in the South Sea Islands.
London 1837.
Williams and Calvert, Fiji and the Fijians ed. by Rowe. Lond. 1858.
Wilson, Missionsreise ins südl. stille Meer 1796-98, Magaz. von
Reisebeschr. Bd. 21. Berlin 1800.
Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, neue Folge.
Inhalt.
Vorwort. Quellen
§ 1. Einleitung. Umfang des Aussterbens
§ 2. Empfänglichkeit der Naturvölker für Miasmen. Krankheiten, welche
spontan bei der Zusammenkunft der Natur- und Kulturvölker entstehen
§ 3. Direkt eingeschleppte Krankheiten
§ 4. Behandlung der Kranken bei den Naturvölkern
§ 5. Geringe Sorgfalt der Naturvölker für ihr leibliches Wohl
§ 6. Charakter der Naturvölker
§ 7. Ausschweifungen der Naturvölker
§ 8. Unfruchtbarkeit. Künstlicher Abortus. Kindermord
§ 9. Krieg und Kannibalismus
§ 10. Menschenopfer
§ 11. Verfassung und Recht
§ 12. Natureinflüsse
§ 13. Aeussere Einflüsse der höheren Kultur auf die Naturvölker
§ 14. Psychische Einwirkungen der Kultur
§ 15. Schwierigkeit für die Naturvölker, die moderne Kultur sich
anzueignen
§ 16. Behandlung der Naturvölker durch die Weissen. Afrika. Amerika
§ 17. Fortsetzung. Der stille Ozean
§ 18. Geographische Vertheilung der einzelnen Gründe für das Aussterben
der Naturvölker. Vergleichung dieser Gründe in Bezug auf ihr Gewicht
§ 19. Vergleichung der Natur- und Kulturvölker in Bezug auf ihre
Lebenskraft
§ 20. Aussterbende und ausdauernde Naturvölker
§ 21. Die afrikanischen Neger
§ 22. Folgerungen aus der Art, wie die Naturvölker von den Kultur
behandelt sind
§ 23. Zukunft der Naturvölker; Mittel sie zu heben
§ 24. Werth der Naturvölker für die Menschheit und ihre Entwickelung.
Schluss
§1. Einleitung. Umfang des Aussterbens.
Die Erscheinung, dass eine Reihe von Völkern vor unseren Augen durch
langsameres oder rascheres Hinschwinden ihrem Untergang entgegengeht,
ist eine überaus wichtige. Dass sie für die Geschichtsforschung grosse
Bedeutung hat, leuchtet ohne weiteres ein; dass sie für die
Naturgeschichte des Menschen, die Anthropologie entscheidend ist,
ebenfalls. Und wenn es sich als wahr bestätigt, dass, wie man behauptet
hat, diese Völker aus einer Lebensunfähigkeit, welche ihrer Natur
anhaftet, dem Aufhören entgegengehen; so ist, da die nothwendige
Folgerung jener Behauptung dahin führt, dass man verschiedene Arten,
höhere und niedere im Geschlecht Mensch annimmt, die Beantwortung dieser
Frage auch für die Philosophie massgebend. Praktisch hat man sie von
jeher in den Staaten betont, wo Weisse mit Farbigen zusammenleben; wie
man eben die Theorie der geringeren Lebensfähigkeit nicht weisser Raçen
zuerst in diesen Staaten aufgestellt hat.
Und allerdings ist es auffallend, dass nur farbige Raçen dies
Hinschwinden zeigen und am meisten es da zeigen, wo sie mit der weissen
in Berührung gekommen sind; dass die Weissen, obwohl sie doch ihre
Heimat, das gewohnte Klima u.s.w. aufgegeben haben und in unmittelbarer
Berührung mit denen leben, welche in ihrem Vaterlande, scheinbar unter
den alten Lebensbedingungen, verkommen, gänzlich davon verschont zu sein
scheinen.
Während wir nun dies Hinschwinden hauptsächlich bei den kulturlosen
Raçen, bei den Naturvölkern, d.h. bei den Völkern finden, welche dem
Naturzustande des Menschengeschlechtes noch verhältnissmässig nahe
stehen (Waitz 1, 346), oder bei welchen, um mit Steinthal zu reden, noch
keine bedeutende Entwickelung der logischen Fähigkeiten stattgefunden
hat: so sehen wir es doch ebenfalls auch da, wo farbige Raçen sich zur
Kultur und sogar zu einer gewissen Höhe der Kultur emporgeschwungen
haben, in Polynesien, in Mexiko, in Peru, und man hat daher geschlossen,
einmal dass diese Kultur doch nur Halbkultur und wenig bedeutend gewesen
sei, denn wäre sie wahr und ganz gewesen, so würde sie grössere Kraft
verliehen haben: oder aber, dass bestimmte Raçen, auch wenn sie sich
wirklich über das Niveau der gewöhnlichen »Wilden« erhoben hätten,
dennoch einem frühen Tode entgegengingen, weil sie nun eben von der
Natur zum Aussterben bestimmt seien, weil es ihnen eben, in Folge ihrer
Raçeneigenthümlichkeit, an Lebensfähigkeit fehle, welche keine Kultur
ersetzen könne: vielmehr decke jede Art von Kultur diesen Mangel nur um
so mitleidsloser auf. Allerdings gibt es auch farbige Raçen und
Naturvölker, bei welchen an ein Aussterben nicht zu denken ist; und
andererseits sind auch Theile von Kulturvölkern, indogermanische,
semitische Stämme verschwunden und ausgestorben. Allein bei letzteren
redet man nicht von einer geringeren Lebensfähigkeit, einmal wegen der
Verwandtschaft dieser Stämme mit den anerkannt lebensfähigsten Völkern
der Welt; andererseits auch wegen der Art ihres Verschwindens. Denn der
Grund, warum sie aufgehört haben zu existiren, liegt klar auf der Hand;
theils sind sie durch Krieg vernichtet, wie so viele Völker, welche mit
dem alten Rom kämpften, theils sind sie mit anderen Kulturvölkern, die
sie rings umgaben, verschmolzen, wie die Gothen, die Vandalen, theils
trat beides zugleich ein: die höhere Kulturstufe, welche sie besiegte,
nahm die besiegten Reste in sich auf, wie die alten Preussen, die Wenden
und so viele slavische Völkerschaften durch und in Deutschland, die
Iberer, die Kelten durch und in das römische Wesen verschwanden. So war
auch zweifelsohne das Loos der Völker, welche vor der Einwanderung der
Indogermanen Europa inne hatten. Anders aber ist das Hinschwinden der
Naturvölker: wo sie mit höherer Kultur zusammenkommen, auch da, wo diese
letztere sich friedlich gegen sie verhält, sehen wir sie von Krankheiten
ergriffen werden, ihr physisches und psychisches Vermögen versiechen,
und ihre Zahl, oft ausserordentlich rasch, sich vermindern. Allerdings
sind auch einzelne Naturvölker aufgerieben oder doch stark vermindert
durch ganz äusserliche und leicht begreifliche Gründe: so namentlich
viele malaiische Stämme, welche durch nachrückende verwandte Völker ins
Gebirge zurückgedrängt und dabei gewiss ebenso so stark vermindert
worden sind, als durch ihr gleiches Schicksal die Basken in Europa,
während sie in ihren Bergen sich in ziemlich gleichbleibender Anzahl
halten; so die Bewohner der Warekauri-(Chatam-) Inseln bei Neu-Seeland,
die Moreore. welche 1832-35 noch 1500 etwa betrugen, durch die
Neu-Seeländer aber, die in jenen Jahren einen Zug nach den
Warekauriinseln unternahmen, fast ganz ausgerottet sind, so dass ihre
Zahl jetzt nur noch 200 beträgt: und auch diese nehmen, durch
Assimilation an die eingewanderten Maoris rasch ab (Travers bei Peterm.
1866, 62). Auch müssen wir hier die schwarze Urbevölkerung
Vorderindiens, die dekhanischen und Vindhyavölker erwähnen, weil auch
sie nach Lassen (ind. Alterthumskunde 1, 390) allmählich abnehmen.
Früher waren sie weiter ausgebreitet und einzelne Reste von ihnen
scheinen sich (Lassen a.a.O. 387 ff.) in Himalaya, in Belutschistan,
Tübet und sonst erhalten zu haben. Sie wurden durch die nachrückenden
arischen Inder und gewiss nicht friedlich in die Gebirge zurückgedrängt
(Lassen 366), wo sie nun theils im barbarischen Zustande weiter lebten,
theils aber, und so namentlich die südlicheren Dekhanvölker, in die
indische Kultur übergingen (Lassen 364. 371). Ein ähnliches Schicksal
hatten verschiedene amerikanische Stämme, die von anderen mächtigeren
Indianervölkern theils aufgerieben, theils sich einverleibt wurden; auch
wird von einzelnen Hottentottenvölkern eine ähnliche Vermischung mit
Kafferstämmen erwähnt (Waitz 2, 318).
Doch scheinen auch manche Völker vermindert oder gar verschwunden, ohne
es in Wirklichkeit zu sein. Ein solcher Schein ist hervorgerufen, wie
Waitz 1, 159-160 zeigt, theils durch Umänderung von Namen, wo man nun
fälschlich annahm, weil der Name nicht mehr existire, so sei auch das
Volk erloschen, oder durch Irrthümer der Reisenden, indem sie manche
Namen zu weit ausdehnen, andere aber auf völligem Missverständniss
beruhen, oder durch falsche Schätzung der Volkszahl, wie man sie oft
sehr übertrieben, namentlich bei älteren Reisenden, z.B. für Polynesien
bei Cook, findet u. dergl.
Ehe wir nun aber die Gründe für jenes weniger leicht zu erklärende
Hinschwinden der Naturvölker aufsuchen, müssen wir den Umfang desselben
betrachten, wobei wir ausser Europa alle Welttheile zu berücksichtigen
haben.
In Asien sterben aus oder sind schon ausgestorben die Kamtschadalen und
so rasch ging ihre Verminderung vor sich, das Langsdorff (1803-4,
Krusensterns Begleiter) Ortschaften, welche die Cooksche Expedition und
La Perouse noch wohl bevölkert sahen, völlig menschenleer fand. Wenn La
Perouse 1787 auf der Halbinsel im ganzen noch 4000 Bewohner fand
(2,166), so sind die russischen Einwanderer in dieser Zahl, bei der
trotzdem auf mehrere Quadratmeilen kaum ein Mensch kommt, schon
einbegriffen. Denn Cooks Reisebegleiter (1780) fanden, nach den
Mittheilungen eines dort ansässigen Offiziers in Kamtschatka nur noch
3000 Einwohner, wobei die Kurilen schon mitgerechnet sind; sie erzählen
selbst, wie sich die Eingeborenen immer mehr mit den einwandernden
Russen verbinden und ihre Zahl dadurch immer mehr abnimmt (Cook 3. R. 4,
175). La Perouses Reisegefährte Lessep (41) behauptet, dass nur noch ein
Viertel der eigentlichen Kamtschadalen übrig sei; und er war noch nicht
ein volles Jahrhundert nach der ersten Unternehmung der Russen (1696)
gegen Kamtschatka dort. Dasselbe Schicksal haben ausser den Jakuten und
Jukagiren in Sibirien Waitz, (1, 164) auch die Aleuten auf den
Fuchsinseln und die ihnen verwandten Stämme auf den nächsten Küsten von
Amerika, die wir hier gleich erwähnen, weil auch sie wie die
Kamtschadalen unter demselben Drucke Russlands stehen. Langsdorff fand
auf den Fuchsinseln nur gegen 300 Männer, während er für 1796 1300 und
für 1783-87 gar 3000 und mehr angibt. Das Steigen der Zahlen, welches
wir im Anfang dieses Jahrhunderts finden, ist keineswegs tröstlich. Denn
wenn Chamisso (177, zweite Note) nach aktenmässigen Mittheilungen für
1806 die Aleuten der Fuchsinseln auf 1334 Männer und 570 Frauen, 1817
dagegen auf 462 Männer und 584 Frauen angibt, so versieht er erstlich
diese allerdings auffallenden Zahlen selbst mit einem Fragezeichen; und
zweitens, wenn sie auch richtig sind, Langsdorff sich geirrt und die
Volkszahl sich nicht durch russische Einwanderer vermehrt hat: das
Sinken der Bevölkerung von 1806-1817 ist gewiss eben so arg als wie wir
es bei Langsdorff geschildert finden. Der offizielle Bericht von 1860
bei Peterm. 1863, 70 gibt 4645 Bewohner der Fuchsinseln an: allein hier
sind jedenfalls die Russen, welche jetzt auf den Inseln ansässig sind,
mitgezählt, obwohl die Mischlinge, 1896 Seelen, noch besonders angegeben
werden und diese Vermehrung, welche sich auf Kamtschatka gleichmässig
findet, ist nur eine scheinbare.
Bekannt ist das Aussterben der Ureinwohner Amerikas, deren Zahl man in
Nordamerika für die Zeit der Entdeckung etwa auf 16 Millionen, jetzt
kaum noch 2 Millionen schätzt (Waitz b, 16). 1864 betrug die Zahl der
Indianer in den Vereinigten Staaten etwa 275,000; 1860 zählte man noch
294,431; 1841 aber, auf kleinerem Gebiete 342,058 Seelen, so dass sich
also hier in 23 Jahren ein Verlust von nahezu 70,000 Menschen
herausstellt (eb. 18). Noch geringere Zahlen gibt Behm (105 ff.) an,
nämlich 268,000 unabhängige Indianer für die Vereinigten Staaten,
155,000 für britisch Nordamerika. Und während d'Orbigny (1838) für den
von ihm bereisten grösseren Theil von Südamerika 1,685,127 Indianer
zählte (Waitz b, 16). so stellt Behm auch hier geringere Zahlen auf:
Brasilien hat nach ihm (a.a.O.) 500,000 unabhängige Indianer, die drei
Guyanas 9770, Venezuela 52,400, Neu-Granada 126,000, Ekuador 200,000,
Peru 400,000, Bolivia 245,000, Chile 10,000, die Staaten der
argentinischen Republik 40,000, Patagonien und Feuerland 30,000, also
zusammen 1,613,170 und zwar für ganz Südamerika. So viel aber betrug
allein die Bevölkerung von Chile zur Zeit der Entdeckung (Pöppig 385
Anmerkung) nach einer der kleinsten Annahmen. Mittelamerika hatte um
1800 zwei und eine halbe Million unvermischter Ureinwohner und diese
Zahl war im Wachsen (Humboldt a 1, 107); aber zur Zeit der Entdeckung
betrug die Volkszahl in Tenuchtitlan, der alten Hauptstadt von Mexiko
und dem ihm nahe gelegenen Tezkuko allein nach mittleren Angaben fast
eine Million und das Land war dicht bedeckt mit grossen und volkreichen
Städten. Behm nimmt als jetzige unabhängige Urbevölkerung nur 6000 an
(a.a.O.), eine Zahl, welche gegen Humboldts Angaben ausserordentlich
gering ist: allein Behm schätzt hier nur die Indianer ab, »welche sich
den Behörden vollständig entziehen«, während Humboldt auch die
Eingeborenen mitbegreift, welche sich am europäischen Leben so gut wie
die spanischen Mexikaner betheiligen. Behm (114) schätzt diese auf
4,800,000. Natürlich geht dies Aussterben auch jetzt noch weiter, wofür
v. Tschudi 2, 216 ein Beispiel gibt: die Malalies, ein araukanischer
Stamm, 1787 noch über 500 Individuen stark, schmolzen in jener Zeit
durch Kriege auf 26 Seelen zusammen. Obwohl sie nun 70 Jahre lang
ansässig sind und ungefährdet gelebt haben, ist ihre Zahl doch nicht
höher als auf einige über dreissig gestiegen.
In Afrika sind es die Hottentotten zunächst, welche in den Kreis unserer
Betrachtung hineingehören. Während sie früher sich weit hin in das
Innere von Südafrika ausdehnten und in eine zahlreiche Menge von
einzelnen Stämmen zerfielen, finden wir sie jetzt auf sehr viel
kleinerem Gebiete und aufgerieben bis auf 3 Stämme, die Korana, Namaqua
und Griqua (Waitz 2, 317 ff.), deren Zahl fortwährend im Fallen ist.
Auch die Kaffern müssen hier erwähnt werden, denn im brittisch Kafraria
hat sich 1857 die Bevölkerung um mehr als die Hälfte vermindert: sie
betrug am Anfang des Jahres 104,721 Seelen und am Ende desselben nur
noch 52,186 (Peterm. 1859 S. 79 nach dem Population Return v. John
Maclean Chief Commissioner): nach Behm jedoch (100) 1861 74,648
Eingeborene.
Es bleibt uns nun noch Australien und Ozeanien zu betrachten übrig, wo
an vielen Orten die Bevölkerung rasch hinschwindet, so namentlich in
Neuholland. Doch ist es gerade für dies Land schwer, ja ganz unmöglich,
Zahlen aufzustellen, weil die Stämme fortwährend hin- und herziehen und
daher alle Zahlangaben sehr wenig zuverlässig sind (Grey 2, 246). Die,
welche Meinicke a 177 aufstellt, beweisen dies zur Genüge, und selbst
die bei Behm (72) sind nicht sicherer. Nur von Südaustralien, Queensland
und Viktoria hat er bestimmte Zählungsergebnisse und so ist seine
Gesammtziffer 55.000 nur eine sehr ungefähre. Alle Quellen aber
berichten einstimmig, dass die Bevölkerung wenigstens der Küsten
reissend abnimmt; dass Stämme, welche früher nach Hunderten zählten,
jetzt vielfach bis auf ebenso viel Zehner zusammengeschmolzen sind. Die
Bevölkerung Tasmaniens betrug 1843 noch 54 Individuen, 1854 noch 16
(Nixon 18) und ist jetzt wohl ganz ausgestorben.
Wenn auch nicht so reissend, so vermindern sich doch auch die Melanesier
an verschiedenen Gegenden ihres Gebietes: so nach Reina (Zeitschr. 4.,
360), die Völker der kleinen Inseln in der Nähe von Neuguinea: so nach
D'Urville 5, 213 die Bewohner von Vanikoro, nach Turner 494 die
Eingeborenen der neuen Hebriden, wie z.B. die Bevölkerung von Anneitum
1860, welche Turner auf 3513 Seelen schätzt, 1100 Menschen durch eine
Masernepidemie verlor (Muray bei Behm 77) und die von Erromango 1842
durch eine gefährliche Dysenterie um ein Drittel vermindert wurde
(Turner a.a.O.); und so finden sich noch verschiedene Angaben zerstreut.
In Mikronesien ist die Bevölkerung der Marianen, welche bei Ankunft der
Spanier 1668 mindestens 78,000 Einwohner gehabt haben, für die aber auch
100,000 durchaus nicht zu hoch gegriffen ist (Gulick 170) gänzlich
ausgestorben. Schon um 1720 hatten die Inseln (und zwar nur noch die
beiden südlichsten) nicht mehr als etwa 2000 Einwohner, und von diesen
waren sehr viele von den Philippinen her verpflanzte Tagalen. Ponapi
(Puynipet, Ostende der Karolinen) hatte nach Hale (82) 15.000 Bewohner,
welche Annahme vielleicht etwas, aber nicht viel zu hoch ist[A]; jetzt
hat sie (Gulick 358) noch 5000, Kusaie (Ualan) hatte 1852 12-1300, 1862
nur noch 700 Menschen (Gulick 245).
In Polynesien betrug auf Tahiti die Bevölkerung zu Cooks Zeiten (1770)
etwa 15-16,000 Seelen (G. Forster nach einer spanischen Beschreibung von
Tahiti a.d. Jahre 1778 ges. Werke 4,211, Bratring 104, welcher derselben
Quelle folgt oder wenigstens einer nahe verwandten). Dieselbe Zahl fand
Wilson noch im Jahre 1797; Turnbull (259) gibt nur 5000 an im Jahre
1803, Waldegrave bei Meinicke b, 113 6000 für 1830 und Ellis 1, 102 für
1820 etwa 10,000, welche Zahl Virgin auch für 1852 angibt (2, 41). Mögen
auch diese Zahlen unbestimmt und schwankend und Turnbulls Angaben
negativ übertrieben sein: so viel ist sehr klar, dass seit der
Entdeckung durch die Europäer die Entvölkerung dieser Insel, welche
indess nach den Aussagen der Eingebornen (Virgin 2, 41) schon früher
begonnen hatte, rasch fortgeschritten ist; bis unter die Hälfte der
früheren Kopfzahl sinken die Angaben. Auf den übrigen Societätsinseln
war das Verhältniss (Meinicke a. a. O.) ein ähnliches. Auch jetzt
scheint das Aussterben, obwohl langsamer, fortzugehen: der offizielle
französische Bericht für 1862 gibt für Tahiti 9086 Bewohner an (Behm
81).
Auf Laivavai, einer der Australinseln, betrug die Bevölkerung 1822
mindestens 1200, 1830 nur noch etwa 120 und 1834 kaum noch 100 Seelen
(Mörenhout 1, 143). Günstiger ist Meinickes Schätzung, welcher auf der
ganzen Gruppe Ende 1830 etwa 5000 Seelen, für 1840 nur noch 2000 annimmt
(a.a.O. 114). Rapa schätzte Vankouver 1795 auf 1500 Einwohner, Mörenhout
(1, 139) 1834 nur noch auf 300 und diese waren in stetem Abnehmen. Auch
die Herveygruppe, welcher Ellis 1, 102 10-11,000 Bewohner gibt, ist
jetzt viel minder zahlreich bewohnt, namentlich Rarotonga, welches durch
eine furchtbare Seuche im höchsten Grade gelitten hat (Williams 281).
Ganz ebenso schlimm ist es in Hawaii, wo nach Ohmstedt 262, die
Bevölkerung in den Jahren 1832-36 von 130,000 auf 102,000 Seelen, also
in 4 Jahren um 28,000 Seelen gesunken ist! Mag Ohmstedt nun auch Recht
haben, dass die Bevölkerungsziffer für 1836 zu gering ist, weil eine
Menge Geburten nicht angezeigt worden sind: so ist das Hinschwinden
trotzdem ganz ausserordentlich, zumal die Insel zu Cooks Zeiten, der
400,000 Einwohner angibt, wohl an 300,000 nach Jarves Berechnung (373)
hatte. Die Zahlen bei Meinicke (b, 115-16 nach der Sandwich Isl.
gazette) sind zwar nicht genau dieselben, das Verhältniss der Abnahme
aber bleibt, auch wenn wir ihnen folgen, unverändert. Nach Virgin 1, 267
hatte die Hawaiigruppe 1823 etwa 142,000 Seelen, 1832 noch 130,313, 1836
108,579 und 1850 betrug die Zahl nur noch 84,165! also in 78 Jahren hat
sich die Bevölkerung um ein Drittel gemindert und die Zahl der Geburten
verhielt sich zu den Todesfällen wie 1:3! Auch jetzt noch schreitet die
Verminderung fort: die Zahl der Eingeborenen betrug nach dem Census von
1860 nur 67,084 Seelen (Behm 85).
Auch auf dem Markesasarchipel, dessen Bevölkerung nach Meinicke (b, 115)
22,000 Menschen beträgt, ist ein Hinschwinden bemerkt: so verlor
Nukuhiva (Rodriguet in Revue de 2 mondes 1859 2, 638) von 1806-12 zwei
Drittel seiner Bevölkerung durch Hungersnoth. Auf Neu-Seeland beträgt
die Abnahme der Bevölkerung in den letzten 14 Jahren etwa 19-20 Percent;
1770 betrug sie etwa 100,000 und 1859 noch 56,000 (Hochstetter 474, nach
Fenton). Nach offiziellen Berichten im Athenäum (Zeitschr. 9, 325),
welche zu Hochstetters Angaben nicht ganz stimmen, war die Zahl der
Eingebornen 1858 87,766, und zwar, auffallend genug, 31,667 Männer und
56,099 Frauen. Dagegen treffen die offiziellen Berichte von 1861
(Meinicke c 557) mit Hochstetter überein: denn sie geben 55,336
Eingeborene an. Letzteres ist wohl das richtigere. Nach Fenton (Reise
der Novara 3, 178) verhielten sich bis gegen 1830 die Sterbefälle und
Geburten zur Gesammtbevölkerung wie 1: 33,04 und 1: 67,12.
Auf Samoa nimmt nach Erskine 104 die Bevölkerung, 37,000 Seelen,
gleichfalls ab, und zwar soll die Abnahme nach den Berichten der
Missionäre in 10 Jahren auf einer Insel von 4000 bis zu 3700 oder 3600
vorgeschritten sein (eb. 60).
Auch die Pageh auf Engano, ein den Polynesiern ähnlicher malaiischer
Stamm auf einer kleinen Insel südlich von Sumatra sterben aus nach
Wallands Urtheil, der auf der Insel eine äusserst geringe Kinderzahl
vorfand--nur fünf im Ganzen (Zeitschr. 16, 420).
§ 2. Empfänglichkeit der Naturvölker für Miasmen. Krankheiten, welche
spontan bei der Zusammenkunft der Natur- und Kulturvölker entstehen.
Indem wir uns nun anschicken, die Gründe für dies Hinschwinden
aufzusuchen, wollen wir zuerst vernehmen, wie man sich über die
Lebensunfähigkeit dieser Stämme geäussert hat. Pöppig (386) sagt von
Amerika: »Es ist eine unbezweifelte Thatsache, dass der kupferfarbene
Mensch die Verbreitung europäischer Civilisation nicht in seiner Nähe
verträgt, sondern in ihrer Atmosphäre ohne durch Trunk, epidemische
Krankheiten oder Kriege ergriffen zu werden, dennoch wie von einem
giftigen Hauche berührt ausstirbt. Die zahlreichen Versuche der
Regierungen haben Sitte und Bürgerthum unter jener Raçe nie einheimisch
machen können, denn ihr fehlt die nöthige Perfektibilität. Dieser Mangel
macht die durchdachten und menschenfreundlichen Pläne der Erziehung zu
nichte und rechtfertigt den Vergleich jener Menschheit mit jener eine
eigenthümliche Physiognomie tragenden, aber niederen Vegetation, die das
dem Meere entstiegene Land zuerst in Besitz nimmt, aber in dem Masse wie
höher ausgebildete und kräftigere Pflanzen sich entwickeln, sich
vermindert und zuletzt auf immer verschwindet. Wie sehr das menschliche
Gefühl sich gegen eine solche Annahme sträubt, so glauben wir doch in
den Amerikanern _einen von der Natur selbst dem Untergang geweihten_
Zweig unseres Geschlechtes zu sehen. In den leer gewordenen Raum tritt
eine _geistig vorzüglichere_, beweglichere, aus dem Osten stammende
grosse Familie. Wie diese ihrer Bestimmung zur allgemeinsten Verbreitung
gehorsam sich ausdehnt und die entlegensten Wildnisse sich unterwirft,
so legt die Urbevölkerung sich zum Todesschlafe nieder und verschwindet
selbst aus dem Gedächtnisse des neuen Volkes. In weniger als einem
Jahrhundert wird vielleicht die Forschung über die ersten Bewohner eines
ganzen Welttheils dem Gebiete der Archäologie überwiesen werden müssen,
und dann erst wird das Tragische und Räthselhafte ihres Schicksals
begriffen (?) und tief empfunden werden.«
So schrieb 1840 ein deutscher Gelehrter, der lange Reisen in Amerika
gemacht hatte. Auch Carus Phantastereien von Tag-, Nacht- und
Dämmerungsvölkern (17 ff.) gehören hierher; seine westlichen
Dämmerungsvölker, »sie, die wirklich dem Untergange zugewendet sind und
ihrem Verlöschen mehr und mehr entgegengehen«, sind die Amerikaner;
seine Nachtvölker, welche sich »über Afrika ausdehnen und hinab gegen
Süden über Australien (!), Van Diemensland und einen Theil von
Neuseeland (als Papus!!) erstrecken«, stehen noch tiefer in ihrer
geistigen Entwickelung und Fähigkeit. Ganz ähnlicher Ansicht über die
Neuholländer, wie Pöppig über die Amerikaner, scheint Meinicke zu sein,
nur dass er sich verhüllter ausdrückt; doch nennt er sie einen »dem
Untergang _geweihten_« Volksstamm (c 522) und spricht hier n. a 2, 215
von ihrer »gänzlichen Unbildsamkeit«. Viel direkter hat man von der
Unbildsamkeit, von dem nothwendigen Untergang, von der geringen
Lebensfähigkeit der tieferstehenden und mangelhaft organisirten Raçen in
Amerika (Waitz 3, 45) und den Kolonieen in Afrika, Neuholland und
Polynesien gesprochen; da man denn sich auch weiter kein Gewissen
machte, den Untergang, welchem diese Raçen nun doch einmal geweiht
seien, damit auf ihren Trümmern sich das bessere Leben höherstehender
Raçen entwickeln könne, mit allen Mitteln beschleunigen zu helfen.
Aber auch vorurtheilsfreie Forscher sehen in diesem Hinschwinden etwas
Räthselhaftes, so Waitz 1, 173, wenigstens in Beziehung auf Australien
und Polynesien, da hier eine Hauptursache der Entvölkerung, welche in
Amerika so wirksam war, der Druck durch die Weissen, in Polynesien ganz
wegfalle, in Australien wenigstens nicht weitgreifend gewirkt habe.
»Begreiflicher Weise, fährt er jedoch fort, ist das Aussterben eines
Volkes, das früher kräftig und gesund gewesen ist, nicht damit erklärt,
dass man ihm die Lebenskraft abspricht oder einen ursprünglichen Mangel
der Organisation zuschreibt, und es hat an sich schon etwas sehr
Unbefriedigendes für eine so seltene und abnorme Erscheinung einen
geheimnissvollen Zusammenhang anzunehmen, dem sie ihre Entstehung
verdanke; man wird vielmehr hier wie überall nach dem natürlichen
Zusammenhange der Sache zu suchen haben, wenn man sich auch schliesslich
zu dem Geständnisse genöthigt finden sollte, dass es bis jetzt nicht
gelingen will, denselben vollständig aufzuklären.«
Wir wollen sehen, ob wir zu diesem Geständniss genöthigt werden.
Auch Darwin (2, 213) sieht bei diesem Aussterben, für welches er viele
natürliche Gründe anführt, auch »noch irgend eine mehr räthselhafte
Wirksamkeit« thätig. »Die Menschenraçen, sagt er, scheinen auf dieselbe
Art aufeinander zu wirken, wie verschiedene Thierarten, von denen die
stärkere die schwächere vertilgt.« Er macht darauf aufmerksam, dass fast
bei jeder Berührung der Naturvölker und der Weissen, oft auch von
Stämmen ein- und desselben Volkes, welche in verschiedener Gegend
wohnen, seuchenartige Krankheiten entstehen, oft bei völliger Gesundheit
der Schiffsmannschaft und der von ihr besuchten Völkerschaft, »von denen
alsdann vorzugsweise die niedere von beiden Raçen oder die der
Eingeborenen, welche in ihrem Lande von Fremden aufgesucht werden, zu
leiden hat« (Waitz 1, 162). Und hierzu lassen sich die Beispiele
allerdings häufen. So sagt Humboldt (a 4, 392), dass in Panama und Calao
der Anfang grosser Epidemien des gelben Fiebers »am häufigsten durch
die Ankunft einiger Schiffe aus Chile bezeichnet werde«, obwohl doch
Chile selbst eines der gesündesten Länder der Welt sei und das gelbe
Fieber gar nicht kenne; aber die schädlichen Folgen der ausserordentlich
erhitzten und durch ein Gemisch von faulen Dünsten verdorbenen Luft, an
welche die Organe der Eingeborenen gewöhnt seien, wirkten mächtig auf
Individuen aus einer kälteren Region. Aehnlich verhält es sich mit dem
Ausbrechen des gelben Fiebers in Mittel- und Nordamerika, das
eingeschleppt zu haben so häufig die eine der genannten Gegenden
Besuchern aus der anderen vorwirft (Humboldt a.a.O. 384). Die »grausame
Epidemie« von 1794, wo Verakruz ungewöhnlich heftig vom gelben Fieber
heimgesucht war, fing an mit der Ankunft dreier Kriegsschiffe (eb. 423).
Ebenso schreiben die Einwohner Egyptens das Ausbrechen der Pest der
Ankunft griechischer Schiffe zu und umgekehrt die Bewohner Griechenlands
und Konstantinopels egyptischen (eb. 384), wobei keineswegs immer an
eine Einschleppung zu denken ist. Auf Rapa (Australinseln) traten
tödtliche Krankheiten nach dem Besuch von englischen Schiffen auf,
welche die Hälfte der Eingeborenen dahinrafften (Mörenh. 1, 139); auf
Tubuai (Australinseln) ward die Bevölkerung durch Krankheiten, welche
mit der Mission 1822 auftraten, auf die Zahl von 150 heruntergebracht
(eb. 2, 343). Raivavai, welches 1822 noch 1200 Einwohner hatte, besass
1830 etwa noch 120 durch gleiches Schicksal (eb. 1, 143). Williams
(283-84) spricht es als seine eigene Erfahrung aus, dass die meisten der
Seuchen, die er in der Südsee erlebte, durch Schiffe, deren Mannschaft
ganz gesund sei und nur auf ganz erlaubtem, gewöhnlichem Wege mit den
Eingeborenen verkehrte, veranlasst wurden. Das erste Zusammentreffen
zwischen Europäern und Eingeborenen, sagt er, ist fast immer mit dem
Fieber, mit Dysenterie u. dergl. bezeichnet; so starb auf Rapa die
Hälfte der Eingeborenen aus; so entstand die furchtbare Seuche auf
Rarotonga (Herveyinseln), die er 282 schildert. Ganz dasselbe sagt
Virgin 1, 268; »Auch nur kurze Besuche von Fahrzeugen haben auf den
Inselgruppen der Südsee Krankheiten von mehr oder minder verderblicher
Natur verursacht, die sich sogar erst längere Zeit nachher gezeigt
haben. Es hat sich dies auch sogar zugetragen, ungeachtet die Besatzung
der Schiffe vollkommen gesund war und die Krankheiten sind nicht stets
solche gewesen, welche möglicherweise durch eigentliche Ansteckung
mitgetheilt werden konnten oder welche in Europa zu denen gehören, deren
Beschaffenheit in der Regel mehr oder weniger tödtlich ist.« Von Tahiti
erzählt Bratring 145, dass 1775 bei der Anwesenheit der Spanier unter
Boenechea ein ansteckendes Katarrhalfieber ausbrach. Nach Cooks Besuch
litt die Insel unter Dysenterie (Mörenh. 2, 425) und die Tahitier selbst
schrieben schon um 1800 alle Krankheiten den Berührungen mit fremden
Schiffen zu (Turnbull 266). Beechey 1, 94-95 berichtet Aehnliches von
den Inseln Pitkairn. Bei regnichtem Wetter und bei gelegentlichen
Besuchen von Schiffen, sagt er, leiden die Eingeborenen (eine
Mischbevölkerung von Tahitiern und Engländern) stärker an Blutandrang
(plethora) und Schwären als sonst; sie glauben ganz fest, dass diese
Krankheiten durch den Verkehr mit ihren Gästen, mögen diese selbst auch
ganz gesund sein, herrühren. Das eine Schiff sollte ihnen Kopfschmerzen,
ein anderes Scharbock, das dritte Geschwüre u.s.w. gebracht haben, wie
sie denn auch von Beecheys Schiff, dessen Mannschaft ganz gesund war,
ähnliches erwarteten: ja sie fühlten schon Kopfweh und Schwindel.
Beechey erklärt diese Zufälle durch die Veränderung ihrer Lebensweise
während solcher Besuche, da sie gegen ihre sonstige Gewohnheit dann viel
Fleisch essen und reichlichere Kleidung tragen. Von Melanesien (Tanna)
erzählt Turner 91 nach den Aussagen der Eingeborenen, welche alle
Krankheiten, wie Fieber, Dysenterie, Husten u. dergl. »fremde Dinge«
nennen, ganz Gleiches. Auch in Celebes (Waitz 1, 163) herrschte diese
Meinung und ebenso auch bei den alten Marianern, welche nach jedem
fremden (europäischen) Schiff von einer Seuche heimgesucht zu werden
behaupteten; so brachte 1688 ein Schiff von Mexiko, welches mit
Verbrechern beladen an der Insel scheiterte, Rheuma, Fieber, Blutungen
(le Gobien 376), und die Eingeborenen sahen alle Krankheiten als durch
die Spanier eingeschleppt an (ebd. 140). Die Einwohner von St. Kilda
(westl. v. d. Hebriden bei Schottl.) sind der festen Ansicht, für die
sie eine lange Erfahrung haben, dass der Besuch eines Fremden ihnen
Schnupfen bringe (Macculloch bei Darwin 2, 214).
Nach dem medizinischen Theil der Novara Reise (1, 225) glauben die
Eingeborenen der Nikobaren, dass die Kokosnüsse von den Bäumen fielen,
sobald ein Missionär die Insel beträte. So mag denn auch diese
weitverbreitete Ansicht der Grund sein, weshalb in Ponapi, sobald ein
Schiff in Sicht kommt, das Volk flieht und der Priester aufs
Feierlichste die Götter um Hülfe anruft (Gulick 175), wenn wir es hier
nicht mit etwas Religiösem zu thun haben. Jedenfalls ist wohl zu
beachten, dass die Naturvölker vor der Bekanntschaft mit den Europäern
fast nichts von Krankheit wussten; weder die Marianer (le Gobien 140)
noch die übrigen Mikronesier (Chamisso) noch die Polynesier, von denen
freilich die Neu-Seeländer, obwohl der Gesundheitszustand auch ihrer
Insel im Allgemeinen trefflich war, von schweren Seuchen, die sie schon
vor Cook heimgesucht hätten, erzählten (Dieffenbach 2, 12-14), noch die
Neu-Holländer, Hottentotten und Amerikaner (Waitz 1, 140-41).
Für die Indianerstämme steigert sich die Wirkung solcher Epidemien noch
durch Folgendes, was v. Tschudi, einer der ausgezeichnetsten Kenner der
amerikanischen Völker, 2, 216 sagt: »Es ist eine höchst eigenthümliche
Erscheinung, dass Indianerstämme, die durch Krieg oder Epidemien
plötzlich sehr stark reducirt wurden, sich in der Regel nie wieder
erholen und nur noch als wenig zahlreiche Familien gewöhnlich Jahrzehnte
lang hinsiechen, bis sie endlich ganz aussterben. Bei ihnen tritt nicht
mehr die Vermehrungsprogression ein, wie sie vor dem vernichtenden
Schlage stattgefunden hatte, und bei anderen unter den nämlichen
physischen Bedingungen lebenden Völkern beobachtet wird. Meines Wissens
ist dieses Verhältniss noch nirgends erörtert worden. Ich habe es bei
einem genauen Studium der Geschichte der nord- und südamerikanischen
Indianer als Regel gefunden. Sehr verminderte Fruchtbarkeit des Weibes
ist die Hauptursache: auf welchen physiologischen Einwirkungen sie aber
beruht, ist wohl schwer zu ermitteln.« Waitz freilich (1, 163) bringt
Beispiele vom Gegentheil: die Creeks (nach Simpson), die Winibegs (nach
Schoolcraft), die Apachen (Kendall) u.s.w. haben sich nach schweren
Epidemien wieder erholt. Wir kommen hierauf zurück.
Man hat nun diese auffallende Erscheinung, dass Krankheiten durch
Berührung gesunder, aber aus verschiedener Gegend oder Raçe stammender
Menschen entstehen, zu erklären versucht. Darwin, der in Shropshire
gehört, dass gesunde Schafe, die aber auf Schiffen eingeführt wurden, in
einem Pferch zu anderen gebracht, diese krank machen, Darwin meint, dass
das Effluvium von Menschen--und wohl auch, nach dem letzten Beispiel,
von Thieren--die lange Zeit eingeschlossen gewesen seien, giftig auf
andere wirke, namentlich dann, wenn sie von verschiedenen Raçen wären
(2, 214); eine Ansicht, welche indess weder von medizinischer Seite noch
durch die Erfahrung bestätigt wird.
Will man sich aber mit Waitz dabei begnügen zu sagen, dass beim
Zusammentreffen verschiedener Raçen, selbst bei völliger Gesundheit
beider, sich bisweilen Krankheiten erzeugen, welche dann meist die
niedere Raçe ergreifen, so kommt einmal durch das Wort niedere Raçe
leicht etwas Missverständliches in den Ausdruck, und andererseits wird
nichts durch dies blosse Zusammenfassen der Erscheinung erklärt. Dazu
kommt, dass z.B. der Bericht Humboldts über das gelbe Fieber in Panama
und Callao sich ja auf gleiche Raçen bezieht und eben so doch auch die
Angabe Darwins von den Schafen. Und wenn man ferner die Geschichte der
kultivirten Völker betrachtet, so findet man eine ähnliche Erscheinung:
eine neu auftretende Krankheitsform wüthet viel allgemeiner und
verheerender, als eine fortwährend herrschende; so die Pest, der
schwarze Tod, die Pocken, die Cholera u.s.w., die dann oft nach und nach
verlöschen. Die Pocken aber hat man dadurch unschädlich gemacht, dass
man eine verwandte, aber unschädlichere Krankheitsform einimpft. Es
scheint also, als ob der menschliche Körper um so empfänglicher für ein
Miasma oder einen Krankheitsstoff ist, je ferner und freier von
demselben er früher war. Ist er aber, wie bei der Pockenimpfung
geschieht, durch ein Minimum des Giftes affizirt und dadurch anders
disponirt worden, so dass er sich nun allmählich an jenen feindlichen
Stoff gewöhnt, ihn der eignen Natur und die eigene Natur ihm
einigermassen assimilirt hat: so hat er dadurch Fähigkeit zum Widerstand
gegen die Krankheit gewonnen, da sie ja nun seiner Natur nicht mehr
absolut feindlich ist; daher denn solche Seuchen nach und nach
erlöschen, denn die Ueberlebenden werden nach und nach durch das
Einathmen der miasmatischen Luft körperlich selbst immer fester.
Keineswegs hilft aber eine solche Gewöhnung für alle Zeit, wie ja auch
die Pocken nach bestimmten Zeiträumen von neuem eingeimpft werden
müssen. Merkwürdig, aber für uns wichtig genug ist, was Humboldt a 1, 92
über diese Krankheit in Mexiko sagt: »die Pocken scheinen
ihre Verwüstungen nur alle 17 Jahre anzurichten. In den
Aequinoktial-Gegenden«--ob das aber nicht in allen Gegenden oder
wenigstens bei allen menschlichen Individuen auf gleiche Weise
gilt?--»haben sie, wie das schwarze Erbrechen und mehrere andere
Krankheiten, ihre festen Perioden, an denen sie sich regelmässig wieder
einfinden: und man möchte glauben, dass sich in diesen Ländern die
Anlage der Eingeborenen für gewisse Miasmen nur in sehr weit von
einander entfernten Perioden erneuert; indem die Pocken, deren Samen
sehr oft von europäischen Schiffen gebracht wird, nur in sehr
ansehnlichen Zwischenräumen epidemisch, aber auch dem Erwachsenen nur
desto gefährlicher werden.« Alles dies scheint sehr für unsere obige
Annahme zu sprechen. Der Europäer, der Civilisirte kommt nun fortwährend
mit unendlich mehr Krankheitsstoffen und Miasmen, in den meisten Fällen
ohne es selbst zu merken, in Berührung, als der im Naturzustande und der
freien Natur lebende Mensch. Und nicht nur durch eigene Gewöhnung von
Kindheit an, sondern auch durch Vererbung der Accommodation von Eltern
und Grosseltern her hat er eine viel grössere Widerstandsfähigkeit gegen
solche schädliche Einflüsse, als sie jemals früher Isolirte und
namentlich, wenn sie vielleicht schon erwachsen zuerst mit diesen
Einflüssen in Berührung kommen, sich erwerben können. Hiergegen spricht
nicht, wenn einzelne Individuen der Naturvölker gesund etwa in Europa
längere Zeit gelebt haben. Denn in den meisten Fällen ist da eine
Gewöhnung von Jugend auf eingetreten und jedenfalls sind alle solche
Fälle wissenschaftlich nur dann zu verwerthen, wenn man die Geschichte
des Besuchers, seine Natur, die Natur seines Volkes u.s.w. bis ins
Einzelne verfolgen kann. Uebrigens gibt es auch Beispiele genug, dass
solche Besuche unglücklich abliefen: Liholiho, der Sohn Tamehameha I.
und seine Gemahlin starben bei ihrem Aufenthalt in England, wo alle
Sorgfalt ihnen zu Theil wurde, an den Masern bei raschem Verlauf der
Krankheit; und der Prinz Libu, welchen Wilson gegen Ende des vorigen
Jahrhunderts von den Palau-Inseln mit nach England genommen hatte und
dort sehr sorgfältig pflegte, an einer ähnlichen Krankheit, kurz nach
seiner Ankunft (Keate die Pelewinseln, Schluss). Jetzt beweisen solche
Besuche um so weniger, als jetzt die meisten Völker Bekanntschaft mit
der weissen Raçe haben.
Nach alledem würde es kein Wunder, nichts Rätselhaftes sein, wenn die
Naturvölker gegen solche Miasmen, die auch von ganz Gesunden ganz
unbemerkt eingeschleppt werden können, um so empfänglicher und
empfindlicher sind, je weniger sie Schutz durch irgend welche Gewöhnung
haben; daher denn solche Krankheiten, welche scheinbar unerklärlich
entstehen, mit einer Heftigkeit wüthen, wie, vor Zeiten die Pest. So
erzählt Williams (280 ff.), dass bei jener Seuche auf Rarotonga von
mehreren tausend Einwohnern kaum ein einziger ganz davon befreit
blieb.--Die Krankheiten, welche am meisten so ganz spontan dem Schein
nach entstehen, sind Dysenterie, Influenza, Fieber, Blutungen,
Geschwüre, Husten und Hautkrankheiten. (Einige Belegstellen: Turner 91;
Dieffenbach 2, 12-14; le Gobien 376; Beechey 1, 94-95.)