=Inventar der Bronzealterfunde aus Schleswig-Holstein.= Von Dr. ~W.
Splieth.~ ~Kiel~ und ~Leipzig~. Verlag von Lipsius u. Fischer. 1900. 89
SS. und 13 Tafeln.
Im Anschluß an die grundlegenden Arbeiten von O. Montelius und S.
Müller sucht der Verfasser für Schleswig-Holstein ein möglichst
vollständiges Inventar der Bronzealterfunde aufzustellen und diesen
Bestand in Perioden zu gliedern. Der Untersuchung sind die in
Schleswig-Holstein besonders zahlreich registrierten Gesamtfunde zu
Grunde gelegt und Einzelfunde nur soweit herangezogen, als sie zur
Vervollständigung des Inventars notwendig waren.
Das Fundmaterial ist in der Form von Tabellen vorgeführt. In der
Periodisierung folgt der Verfasser seinen Vorgängern darin, daß er
eine ältere und eine jüngere Bronzezeit annimmt; die erstere teilt er
in drei, die jüngere in zwei Perioden. Es werden die Typen, welche
den Formenkreis einer Periode ausmachen, charakterisiert und danach
die Tabelle der Funde der Periode gegeben. Den Tabellen folgen kurze
Ausführungen über die Bestattungsweise der Perioden. In 230 Abbildungen
werden die wichtigsten Typen der Funde vorgeführt.
Die sachlichen Ausführungen sind prägnant und zuverlässig und die
Tabellen bieten eine sehr vollkommene Übersicht über die in den
verschiedenen Sammlungen der Provinz aufbewahrten Bronzealterfunde.
Das Schriftchen bietet eine bequeme Grundlage für die relative
Altersbestimmung prähistorischer Bronzefunde und wird namentlich dem
gute Dienste leisten, welchem die größeren Arbeiten über nordische
Altertumskunde nicht zugänglich sind. B.
=Die deutsche Cicerone.= Von ~G. Ebe.~ Architektur I u. II.
Malerei. ~Leipzig~, Otto Spencer 1897, 1898. 8. 409, 376 u. 475 S.
Der Gedanke, der in den hier uns vorliegenden Bänden zunächst für
Architektur und Malerei zur Ausführung gebracht werden soll, eine
der modernen Kenntnis entsprechende Kunsttopographie Deutschlands
in gedrängter Form herauszugeben, wird in allen beteiligten Kreisen
lebhaftes Interesse erregen. Seitdem vor fast einem halben Säkulum
Jacob Burckhardts klassischer Cicerone, dessen Titel auch für das
vorliegende Werk wohl mit Rücksicht auf den berühmten Vorgänger
gewählt wurde, die italienischen Kunstschätze Deutschland und, man
darf behaupten, der ganzen gebildeten Welt erst eigentlich nahe
gebracht hat, mußte der Wunsch nach einem solchen Werke rege werden
und bleiben. Die Unentbehrlichkeit des Lotze’schen Werkes, das
trotz seiner relativen Vortrefflichkeit dem Bedürfnis nur teilweise
entsprach, bis heute ist der Beweis hiefür. Die in den letzten
Dezennien erschienenen zahlreichen speziellen Denkmälerinventare
der verschiedenen deutschen Gaue, die immer umfangreicher werdende
spezielle und allgemeine Literatur über deutsche Kunst, haben dem
Verfasser G. Ebe den Zeitpunkt als gekommen erscheinen lassen, wo ein
umfassendes kunsttopographisches Werk in gedrängter Form mit Nutzen
herauszugeben sei. Es wäre gewiß unbillig, dem geradezu staunenswerten
Fleiße der zur Aufstapelung und Sichtung einer derartigen ungeheuern
Zahl von Einzelnotizen gehört, die Anerkennung zu versagen oder die
Schwierigkeit der formalen Ausgestaltung eines solchen Sammelwerks
und der richtigen Auswahl des Materials zu verkennen. G. Ebe hat nun
die gesamte Kunstliteratur in der ausgiebigsten Weise in Kontribution
gesetzt; ein gewisses Bestreben, ja Alles, was die Deutschen an Kunst
von frühchristlicher Zeit bis zum Jahre 1890 geschaffen, aufzunehmen,
läßt sich unschwer erkennen. Autopsie war bei dieser Art der Auffassung
natürlich von Vornhinein in der Mehrzahl der Fälle ausgeschlossen. So
aber wirkt die Wiedergabe des ungleichartigen literarischen Materials
vielfach unerfreulich; es ist nicht zur Bildung eines selbständigen
Urteils, einer originellen Auffassung gekommen. Für den Fachmann gibt
das Werk zu wenig, dieser wird doch auf die speziellen Inventare und
die spezielle Literatur zurückkommen müssen; für den Laien gibt es
viel zu viel Material, zu wenig Aufklärung über die wichtigsten Phasen
der Entwicklung. Unter dem Aufstapeln möglichst vieler Denkmalsnotizen
hat naturgemäß auch die formale Ausgestaltung gelitten; das Buch liest
sich trocken und hart. Als Nachschlagebuch wird das Werk immerhin recht
gute Dienste leisten, wenn auch zur Abfassung einer wirklich guten,
zusammenfassenden deutschen Kunsttopographie nur eine Kraft ersten
Ranges, die den schwierigen Stoff zu sichten und zu meistern versteht,
berufen sein kann.
H. St.
=Kleinigkeiten.= Von ~Alban Scholz~. Erste Sammlung.
Von Anfang bis 1872. 3. Aufl. 1900. Freiburg i. B., Herder’sche
Verlagshandlung. 764 S. (geh. M. 6.--, geb. M. 7.40).
Der vorliegende Band der Kleinigkeiten ist ein beredtes Zeugnis
für die Vielgewandtheit und die allezeit gerüstete Feder des
bekannten katholischen Volksschriftstellers. Neben Vorworten zu
Büchern, Predigten, Aufsätzen religiöser Art, Blättern aus seinem
Wanderbuche, Erörterung allgemeinerer sittlicher Fragen, wobei scharfe
Beobachtungsgabe und gesundes Urteil vielfach zu Tage treten, sind
es besonders polemisch gefärbte Artikel, die einen breiten Raum
einnehmen. So gegen die Freimaurer (Mörtel für die Freimaurer (1862)
S. 377, Akazienzweig für die Freimaurer, S. 426), gegen Johannes
Ronge und seine Anhänger (der neue Kometstern mit seinem Schweif oder
Johannes Ronge und seine Briefträger S. 43 f.), gegen die Behandlung
der Katholiken in Baden (Badische Kirchengeschichte aus der letzten
Zeit (1854) S. 265). Und die Bewegungen in der katholischen wie in der
evangelischen Kirche seines engeren Heimatlandes erfahren mehrfach
scharfe Beleuchtungen. Fesselnd ist die flotte und frische, durch
schlagende Bilder und Vergleiche reich belebte, zuweilen humoristische
aber auch barocke Schreibweise, die das Interesse auch da wachhält, wo
man etwa sachlich nicht übereinstimmt.