VON GUSTAV VON BEZOLD.

(Hierzu Tafel V.)

Das auf nebenstehender Tafel abgebildete Orgelgehäuse wurde im vorigen

Jahre von einem Händler in Augsburg erworben. Nach dessen Aussage

stammt es aus einem Schloß im bayerischen Schwaben, nähere Angaben über

die Herkunft hat er nicht gemacht, doch ist die Angabe glaubwürdig.

Es ist keine Orgel für eine Kirche, sondern für eine Privatkapelle;

die Tastatur umfaßt nur 3½ Oktaven, auch die Zahl der Register und

Stimmen war gering. Daß die Orgel in einem vornehmen Hause gestanden

hat, beweist die reiche und sorgfältige Gestaltung.

Die Orgel hat bis zur Gesimsoberkante eine Höhe von 3,25 m und im

unteren Teil eine Breite von 1,51 m. Der Aufbau hat die für Hausorgeln

übliche Form.

Die Komposition entfaltet sich von unten nach oben zu größerem

Reichtum und feinerer Durchbildung, doch ist schon der untere Teil

durch zierliche Behandlung ausgezeichnet. Die Ecken sind mit Lisenen

besetzt, auf deren Flächen profilierte Stäbe, an Scepter gemahnend,

aufgelegt sind. Das vordere Feld, zum Herausnehmen eingerichtet, hat

eine durchbrochene, spätgotische Maßwerksfüllung. Die Seitenflächen

des Kastens für die Blasbälge sind geschlossen und mit frei gebildeten

Arkaturen geziert. Auf diesem unteren Teil ruht der Aufsatz, der das

Werk enthielt und das Manual. Der Aufsatz gliedert sich der Höhe nach

in zwei Teile. Der untere enthält seitlich die Register (aus dem 18.

Jahrhundert), in der Mitte eine bewegliche Füllung, auf welche ein

fünfstimmiges Gloria, von zwei Putten gehalten, aufgemalt ist.

Der Aufbau für die Pfeifen ist dreiteilig. Die seitlichen Teile

sind höher geführt als der mittlere und tragen eine dekorativ

architektonische Bekrönung mit kleinen Blendarkaden und einem

Konsolengesimse. Der mittlere Teil ist breiter als die seitlichen,

durch Kandelabersäulen in drei Felder geteilt und im oberen Abschluß

konkav gerundet. Vor den Windladen, am oberen Ende der Pfeifen und

über der Rundung der mittleren Abteilung ist durchbrochen geschnitztes

Renaissanceornament angebracht. Seitlich treten flügelartige Ausbauten

von zierlicher architektonisch dekorativer Form vor. Auf ihren Flächen

Gemälde, rechts S. Cäcilia, links David.

[Illustration: Taf. V.

Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1900 · 第 60 / 80 题