(Hierzu Tafel V.)
Das auf nebenstehender Tafel abgebildete Orgelgehäuse wurde im vorigen
Jahre von einem Händler in Augsburg erworben. Nach dessen Aussage
stammt es aus einem Schloß im bayerischen Schwaben, nähere Angaben über
die Herkunft hat er nicht gemacht, doch ist die Angabe glaubwürdig.
Es ist keine Orgel für eine Kirche, sondern für eine Privatkapelle;
die Tastatur umfaßt nur 3½ Oktaven, auch die Zahl der Register und
Stimmen war gering. Daß die Orgel in einem vornehmen Hause gestanden
hat, beweist die reiche und sorgfältige Gestaltung.
Die Orgel hat bis zur Gesimsoberkante eine Höhe von 3,25 m und im
unteren Teil eine Breite von 1,51 m. Der Aufbau hat die für Hausorgeln
übliche Form.
Die Komposition entfaltet sich von unten nach oben zu größerem
Reichtum und feinerer Durchbildung, doch ist schon der untere Teil
durch zierliche Behandlung ausgezeichnet. Die Ecken sind mit Lisenen
besetzt, auf deren Flächen profilierte Stäbe, an Scepter gemahnend,
aufgelegt sind. Das vordere Feld, zum Herausnehmen eingerichtet, hat
eine durchbrochene, spätgotische Maßwerksfüllung. Die Seitenflächen
des Kastens für die Blasbälge sind geschlossen und mit frei gebildeten
Arkaturen geziert. Auf diesem unteren Teil ruht der Aufsatz, der das
Werk enthielt und das Manual. Der Aufsatz gliedert sich der Höhe nach
in zwei Teile. Der untere enthält seitlich die Register (aus dem 18.
Jahrhundert), in der Mitte eine bewegliche Füllung, auf welche ein
fünfstimmiges Gloria, von zwei Putten gehalten, aufgemalt ist.
Der Aufbau für die Pfeifen ist dreiteilig. Die seitlichen Teile
sind höher geführt als der mittlere und tragen eine dekorativ
architektonische Bekrönung mit kleinen Blendarkaden und einem
Konsolengesimse. Der mittlere Teil ist breiter als die seitlichen,
durch Kandelabersäulen in drei Felder geteilt und im oberen Abschluß
konkav gerundet. Vor den Windladen, am oberen Ende der Pfeifen und
über der Rundung der mittleren Abteilung ist durchbrochen geschnitztes
Renaissanceornament angebracht. Seitlich treten flügelartige Ausbauten
von zierlicher architektonisch dekorativer Form vor. Auf ihren Flächen
Gemälde, rechts S. Cäcilia, links David.
[Illustration: Taf. V.