Die Vase mit Blumen, der wir auf den großen Mittelkacheln des
Hirsvogels- und Bibliotheksofens zum ersten Male begegnet sind, ist
in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vielfach verwendet worden.
Auf der Kachel A. 1591 (Fig. 30) finden wir sie wieder, die Form
dem Stück der Bibliothek nahestehend, in einer Architektur, welche
von charakteristischem, hier recht großzügig behandeltem Rollwerk
umschlungen ist. Das Stück zeichnet sich durch seine dunklere, sehr
warme und gleichmäßige Glasur aus. Da man bei der ungewohnten Größe der
Kachel offenbar noch Besorgnis hegte, wird sie auf der Rückseite durch
zwei sich kreuzende Stege verstärkt, das Gleiche ist geschehen bei der
Kachel Fig. 31, deren Vase mehr an die des Hirsvogelofens anklingt.
Auch hier ist Rollwerk mit der Architektur der Nische verbunden. Die
in dem Entwurf schön gedachte Umrahmung ist durch die nachlässige
Ausführung sehr vergröbert worden; auch die fleckige Glasur wirkt
störend. Verwendet finden wir diese Kachel an dem Aufsatze eines nicht
hervorragenden Ofens unserer Sammlung (A. Röper-Bösch 15), bei dem
die beträchtliche Vertiefung der einen Schüsselkachel zu praktischen
Zwecken interessant ist. -- Das Vasenmotiv zeigen endlich noch einige
Ofenmodelle der gleichen Zeit, so das nebenstehend abgebildete
Stück (Fig. 32). Der Ausdruck Ofenmodelle dürfte wohl ungenau sein:
ich möchte kaum glauben, daß diese Stücke von Hafnern als Modelle
hergestellt wurden; sie dienten wohl von Anfang an zur Ausstattung von
Puppenhäusern, in welchen man in Nürnberg große Pracht entfaltete. Das
Germanische Museum besitzt allein fünf solcher, ob ihrer kompletten
und die Wohnungen getreu nachahmenden Einrichtung wichtiger Stücke; in
einem dieser Häuser entdecken wir auch die Miniaturausgabe eines Ofens,
der nur aus übereinander gereihten Vasenkacheln besteht. Ebenfalls
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstammt das bei Ortwein
abgebildete Ofenmodell unserer Sammlung[92].
[Illustration]