Braunglasierte Kachel im bayr. Gewerbemuseum.]

[Illustration: Fig. 30.

Grünglasierte Kachel A. 1591, Ende des 16. Jahrhunderts im german.

Museum.]

Aus der gleichen Werkstatt ist noch der prächtige Ofen im Saale des

Merkel’schen Hauses (Karlsstraße) hervorgegangen (Fig. 27), dessen

Kacheln in den gleichen Nischen die Planetengötter nach der gleichen

Flötner’schen Plakettenserie zeigen[90] und zwar wie vorhin Sol, dann

Saturn, Luna, Jupiter, Mars, Merkur (Saturn und Jupiter zweimal).

Die Pressung ist nicht ganz so scharf wie bei dem vorgenannten Ofen.

Gemeinsam mit letzterem ist noch diesem Ofen die achtmal wiederholte

Frieskachel mit dem Triton und der Nereide, sowie die unteren

Gesimsglieder. Die schöne Füllung der Pilaster am Feuerraum zeigt

wiederum die charakteristischen Motive der Flötner’schen Ornamentik

(Fig. 28); hier finden wir auch die uns von dem Ofen im Wohnzimmer der

Königin und dem Schrank bekannte Vase mit dem Ährenbouquet und Anderes

wieder. -- Die Karyatiden des Aufsatzes, den Hermen des vorigen Ofens

nahe verwandt, vor allem aber die Behandlung der Gesimse und ihre

Verkröpfung machen die Annahme wahrscheinlich, daß der Ofen in dieser

Form dem Ende des 16. Jahrhunderts seine Entstehung verdankt, also

gleichzeitig ist mit der herrlichen Täfelung des Saales, die durch

ihre Komposition und Einzelausführung eine der besten in Nürnberg

genannt werden muß. Der Saal in seiner vollständigen Ausstattung mit

Decke, Wandtäfelung, Gemälden und Ofen trefflich erhalten, wurde

offenbar zugleich mit dem gänzlichen Umbau des Hauses eingerichtet,

welcher um diese Zeit stattgefunden haben muß, wie die Façade und

die interessante Hofarchitektur beweisen. Die Model der beiden Öfen

aber (mit den genannten Ausnahmen) müssen wir, der Reinheit ihrer

Dekoration halber, in die noch kein fremdes Element eingedrungen ist,

noch der ersten Hälfte des Jahrhunderts, etwa um 1540, zuschreiben.

Die grüne Glasur dieser hervorragend schönen Stücke ist sehr hell und

gleichmäßig; sie sind darin, wie in der Feinheit ihrer Ornamente

dem Hirsvogelofen ebenbürtig, während an Eleganz des Aufbaues ihm

derjenige im Merkelhause entschieden überlegen ist. Da die Autorschaft

Hirsvogel’s an dem Burgofen bis jetzt nur Hypothese, andererseits diese

beiden Exemplare sicher, und wie es scheint auch der Ofen im Wohnzimmer

der Königin auf Flötner’sche Inspiration zurückgehen, so müssen wir ihm

auch auf die Hafner seiner Zeit einen mindestens gleich großen Einfluß

zuschreiben wie Hirsvogel.

[Illustration: Fig. 31.

Grünglasierte Kachel aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. im german.

Museum.]

Diesem Nürnberger Renaissancestyl und besonders dem des Flötner nahe

steht der schöne Ofen im Rathause zu Ochsenfurt[91], der in seiner

maßvollen Verwendung des Dekorativen und fein profilierter Gesimse, im

Allgemeinen nur aus gleichmäßigen Schüsselkacheln bestehend, einen

sehr befriedigenden Eindruck macht. Ecksäulchen aus drei gedrehten

Bändern, unten ein Fries von oblongen Kacheln, in denen eine Vase

von zwei Männern gehalten wird, deren Körper in Blätter und feines

Rankenwerk übergeht, ähnlich den vorgenannten Öfen; kämpfende Putten,

die den Aufsatz krönen -- das ist der ganze Schmuck. -- Im gleichen

Geiste edelster Renaissance sind noch eine Reihe Schüsselkacheln

im German. Mus. (A. 601, 602, 1588, 1589) gehalten, in deren Ecken

gut modellierte Tritonen, Nereiden etc. angebracht sind. Von der

künstlerischen Höhe und dem Geschmack der damaligen Hafnerei zeugt

ferner das schöne Stück der Temperantia im Besitze des Bayrischen

Gewerbemuseums (Fig. 29). Die graziöse Bewegung, die eleganten, wenn

auch überschlanken Proportionen, die gute Modellierung und der flotte

Faltenwurf heben dies Stück über viele andere hinaus. Das Motiv ist der

Temperantia (B. 136) des Hans Sebald Beham entlehnt, welche wir später

noch einmal als Vorlage zu erwähnen haben. In diesem Falle möchte ich

aber fast glauben, daß zwischen der Kachel und dem Stich noch eine

nach letzterem gearbeitete Plakette gestanden hat. Zu dieser Annahme

veranlaßt mich der veränderte Kopftypus, das Fehlen der Flügel, die

aus dem Derben des Beham ins Schlanke übersetzten Proportionen, die

viel heftigere Bewegung, die gänzlich verschiedenen, durchaus nicht

knittrigen Falten und das ebenfalls verschiedene Beiwerk, wenn wir das

Alles nicht auf Rechnung des Modelleurs der Kachelform setzen wollen,

der dann künstlerisch recht selbstständig gewesen sein muß.

[Illustration: Fig. 32.

Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1900 · 第 36 / 80 题