Mitte des 16. Jahrhunderts.]

In seiner äußeren Erscheinung steht dem Hirsvogelofen nahe der

grünglasierte, teilweise vergoldete Ofen mit buntglasierten

Einsatzkacheln des Aufsatzes (Taf. III) im Wohnzimmer der Königin, und

Friedrich hat nicht versäumt, ihn für seinen Helden zu beanspruchen.

Die Gründe, die er dafür geltend macht, sind indeß wenig stichhaltig:

so eine oberflächliche Verwandtschaft mit den Glasgemälden der

Rochuskapelle, die, wie wir sahen, kaum auf Augustin zurückzuführen

sind. Friedrich verfällt, wie noch oft, in den Fehler, der bei jeder

Arbeit auf dem Gebiet der deutschen Renaissance nahe liegt, von dem

wohl niemand, auch der Schreiber dieser Zeilen, sich ganz frei hält,

und der darin besteht, Ornamentmotive, die Gemeingut der deutschen

Renaissance oder einer gewissen Richtung derselben sind, als für den

gerade behandelten Künstler charakteristisch zu nehmen. Denn der

Austausch der Motive, gewissermaßen die Internationalität derselben ist

in dieser Zeit eine sehr große. -- Von dem sogenannten Hirsvogelofen

unterscheidet sich dies Stück durch die ungleichmäßigere Glasur, die

buntglasierten Einzelkacheln, die Vergoldung -- in ihrer heutigen rohen

Erscheinung sicher nicht ursprünglich --, die Kapitelle, die viel eher

auf Flötner hinweisen, und Anderes mehr.

Am nächsten verwandt ist der Ofen nicht nur durch den Triglyphenfries

mit Widderköpfen in den Metopen, sondern auch in der Ornamentik mit dem

obengenannten Schrank von 1541 im germanischen Museum. So finden wir

auf ihm die Vase mit dem Ährenbouquet wieder, die uns noch einmal auf

einem anderen Ofen begegnen wird. Die sehr beschädigten Kacheln des

Aufsatzes, in den üblichen Hafnerfarben glasiert, zeigen die ziemlich

plumpen Darstellungen des Jonas, wie ihn der Walfisch verschluckt, der

Taufe Christi und Abrahams Opfer, alles in weiter, roh behandelter

Landschaft. Weit besser sind die grünglasierten Kacheln des Feuerraums;

obwohl die Schärfe der Pressung zu wünschen übrig läßt, jedenfalls

aus einem vorzüglichen Model entstanden. Drei Personifikationen der

Stärke und anderer Tugenden auf Konsolen in einer Nischenarchitektur,

welche noch sehr an die Frührenaissance anklingt. Friedrich konnte

damit jene treffliche Kachel mit dem Bilde der Venus in Verbindung

bringen[84], welche durch die Schönheit dieses weiblichen Körpers

und dessen vorzügliche Modellierung mit Recht zu den besten Stücken

der alten Hafnerei gerechnet wird. Jetzt im k. k. österreichischen

Museum zu Wien, stammt die Kachel aus der Sammlung Seuter in Augsburg,

weshalb sie für dortiges Fabrikat unter dem Einfluß Holbeins gehalten

wurde. Sie ist aus demselben, nur leicht veränderten Model -- es fehlt

ein Stern zu Häupten der Venus und die Konsole ist etwas verschieden

gebildet -- entstanden, wie die vorgenannten. Das eingesetzte

Mittelbild stimmt ebenfalls im Styl überein und gehörte wohl zu

einer Parallelserie, der Ursprungsort der Kachel ist also zweifellos

Nürnberg; der Schärfe der Pressung nach darf sie gewissermaßen als

ein »erster Abdruck« gelten. Auch die Kacheln des Ofens lassen in der

Eleganz der Bewegung und der Schönheit des Faltenwurfes auf einen

tüchtigen Bildner schließen.

Ähnliche Einsatzbilder, wie die buntglasierten im Aufsatze dieses Ofens

zeigt derjenige im Schlafzimmer der Königin[85], ein zum Teil sehr roh

zusammengesetztes Stück von unreiner Glasur mit einzelnen Kacheln aus

der Zeit der besten Renaissance -- so der Fries, der noch in einem

ganz gleichen oder ähnlichen Exemplar[86] im Hamburger Museum und im

bayr. Nationalmuseum zu München (Nr. 315) erhalten ist -- und solchen

die etliche Jahrzehnte später aus rohen Modeln geformt wurden. Die

Hauptkachel gibt eine Nische, welche von großen plumpen Engeln, die

einen schweren Früchtenkranz halten, flankiert ist; diese Engel stehen

auf einem Postament, an dem Löwenköpfe mit Ringen angebracht sind.

In den von Muscheln abgeschlossenen Nischen finden wir wiederum die

Darstellung des Jonas, Opfer Abrahams, Taufe Christi, dazu noch Kain

und Abel. Ausnahmsweise sind dieselben nicht bunt glasiert, sondern nur

bunt bemalt. --

[Illustration: Fig. 24.

Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1900 · 第 32 / 80 题