=Geschichtliches über das Franziskaner-Minoriten-Kloster in
Würzburg.= Von ~P. Benvenut Stengele~. Würzburg, Andreas Göbels
Verlagsbuchhandlung. 22 SS. 8º. 25 Pfg.
Das Schriftchen gibt in knappem Rahmen Auskunft über alle wichtigeren
Ereignisse in der Geschichte des Klosters von seiner Gründung im Jahre
1221 bis auf die neueste Zeit. Von allgemeinerem Interesse sind die
Mitteilungen über die Schwierigkeiten, welche dem Orden im Anfang
seiner Wirksamkeit seitens des Säcularklerus bereitet wurden und die
Nachrichten über den Bau und die Umgestaltungen des Klosters und der
Kirche. Leider wurde letztere, ein Bau Bischof Julius Echters, vor
etwa 20 Jahren in ziemlich unverständiger Weise in gotischem Stil
restauriert.
=Lorenz Fries, der fränkische Geschichtsschreiber und seine Chronik
vom Hochstift Würzburg.= Von ~Dr. Josef Kartels~. (Quellennachweis
bis Mitte des XIII. Jahrhunderts und Kritik.) Würzburg, Bonitas-Bauer
1899. 8º. (190 S.)
Wer, angezogen von dem überall zu Tage tretenden liebenswürdigen
Wesen des trefflichen fränkischen Chronisten M. Lorenz Fries, sich
versucht fühlt, dessen Lebensschicksalen nachzugehen und besonders
in die Werkstätte dieses Geistes zu schauen, der wird dies gerne
aufs neue an der Hand einer mit Fleiß und Hingebung geschriebenen
Würdigung des »Vaters der fränkischen Geschichte« thun. Einer Anregung
des verstorbenen Geheimrats von Wegele entsprang die uns vorliegende
Schrift -- ursprünglich Würzburger Dissertation.
Nach der Darlegung der näheren Umstände eines Deutschen
Humanistenlebens, erläutert ein erstes Kapitel Veranlassung und Zeit
der Abfassung, Umfang und Anlage der Chronik. Weiterhin wird es
dann zum erstenmal unternommen, die Quellen des Magisters für seine
fränkische Chronik im einzelnen zu würdigen und seine historische
Bedeutung ins rechte Licht zu setzen. (Eine kurze Zusammenstellung
hatten allerdings schon Heffner-Reuß in der kleinen Schrift »Lorenz
Fries, der Geschichtsschreiber Ostfrankens. Würzburg 1853« p. 7
ff. gegeben.) Die lange Folge der hier mit nicht zu verkennender
Sorgfalt ausgeführten älteren Geschichtswerke, läßt an Fries wieder
die unermüdliche Schaffensfreudigkeit und ausgebreitete Belesenheit
bewundern, die uns insbesondere bei den Ergebnissen seiner
archivalischen Thätigkeit in Staunen setzen. Die Quellennachweise
betreffen namentlich auch eine stattliche Reihe von Urkunden, die dem
Hofsekretär in den Kopialbänden der bischöflichen Kanzlei vorlagen.
Bei der strengeren Betrachtung der historischen Befähigung Friesens
sieht sich Kartels genötigt, dem zu überschwänglichen Lobe Ludewigs
entgegenzutreten und die einmal nicht wegzuleugnenden Mängel vom
Standpunkte unserer Auffassung von Kritik abzuwägen. Den Vorwurf von
Leichtgläubigkeit, Irrtümern, falschen Schlüssen, Ungenauigkeiten, kann
er Fries wiederholt nicht ersparen, wenn dieser auch sonst allzutollen
Phantasieen eines Trithemius u. a. aus dem Wege gehen mochte. Wird
so der kritische Wert nicht allzuhoch angeschlagen, so wird doch der
ihm mit am meisten verargte Fehler, nicht bis zur ersten Quelle
zurückzugehen und Originalurkunden hintanzusetzen, zu rechtfertigen
gesucht mit dem bemerkenswerten Einwand, daß Fries nur wenige
Urkunden auch wirklich im Original vorlagen. Daß Fries als Franke und
insbesondere als Diener seines Herrn, des Bischofs, schrieb, dem er
ja auch sein Werk widmete, läßt uns die Voreingenommenheit wenigstens
begreiflich erscheinen, mit der die Verteidigung des Gedankens
der herzoglichen Gewalt Würzburgs in die Hand genommen wird. Des
Chronisten sonstiger Freimut wird vom Verfasser mit Recht wiederholt in
entsprechendes Licht gesetzt.
Gegenüber solchen Schwächen finden aber die entscheidenden Vorzüge
unseres Magisters einen beredten Anwalt. Man freut und erfrischt sich
mit dem Verfasser an dem warmen Eintreten des Humanisten für Deutsche
Sprache und Deutsches Wesen und bedauert umsomehr den Verlust der
Friesischen Schrift »Von der Art, Eigenschaft und dem Gebrauche der
hochdeutschen Sprache«. Gewisse Glanzstellen in Stil und Ausarbeitung
werden beleuchtet, wie z. B. einzelne seine Charakteristiken, das
Zurückgreifen auf verschiedene ältere Lieder und Epigramme, die der
Chronist mit Geschick in seine Darstellung verflicht. Gedrängte
Übersichten geben uns ein anschauliches Bild, welch eine Fülle des
Materials für Wirtschafts-, Verfassungs- und Rechtsgeschichte, für
die Kunde der Würzburger alten Stadt- und Landestopographie, für
Kunst-, Kultur- und Sittengeschichte sich in dieser Bistumschronik
versteckt. Wieviel sich für die scientia amabilis unserer Tage, die
Volkskunde, an Nachweisen von alten Volksbräuchen u. dgl. aus diesen
Blättern gewinnen läßt, ist wenigstens angedeutet. Friesens Sinn
für den inneren Wert der Sagen, seine Erkenntnis der historischen
Bedeutsamkeit von Liedern und Inschriften, seine Vorliebe für das
kecker zeichnende Sprichwort, hätten vielleicht an anderer Stelle
ein klein wenig mehr Platz verdient. Die trefflich durchgeführten
Sittengemälde, die oft das Leben und Treiben des geistlichen Standes
zum Gegenstand haben, die Aufmerksamkeit, die Fries dem Judentum und
dem Sektenwesen in Franken, dem wechselnden Verhältnis von Bischof und
Stadt schenkt, findet sich andererseits entsprechend hervorgehoben.
Die Abneigung gegen die päpstliche Politik in Deutschland, der Fries
sehr unverhohlenen Ausdruck verleiht, setzt Kartels im wesentlichen auf
Rechnung von dessen glühender Begeisterung für fränkisch-deutsche Art.
Was des Chronisten persönliche religiöse Überzeugung anlangt, so glaubt
Verfasser ihn entschieden für den alten Glauben in Anspruch nehmen
zu können. Wenn zum Schlusse nochmals Fries das Lob des Fleißes und
der Arbeitskraft zuerteilt wird, so ist diesem damit gewiß nur Genüge
geschehen.
Wir scheiden von dem Buche mit dem aufrichtigen Wunsche, daß der
Verfasser Zeit und Lust finden möchte, die Nachweise der Quellen
für die fränkische Chronik über die bisher gesteckte Grenze hinaus
auszudehnen, womit er freilich eine Arbeit übernähme, deren Mühe
bei dem steten Anwachsen der von Fries für die folgenden Zeiträume
benutzten Materialien nicht gering erscheint.
~Heerwagen.~
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[Illustration]