Endres Hernneissen maller

In dem vorstehenden Brief sehen wir Herneisen tapfer und allem

Anscheine nach mit vollem Recht seine Interessen wahren. Die beiden

nächsten Schreiben enthalten das Gesuch, ihm weitere 200 fl. zu

gewähren. Das vierte an den Rath gerichtete ist nicht von der eigenen

Hand des Malers, sondern wohl von einem berufsmäßigen Schreiber für den

Rath mundiert und etwas redigiert:

Ernvest fürsichtig erbar vnd weiss gebietende, günstig Lieb herrn.

es ist mir Endres Herrneisen Malern als E. E. vnd Hrn. Burgern

der Schöne Prunnen verdingt vnd verlihen worden zu Malen Im Namen

Eines ganzen Ernvesten fürsichtigen Erbaren und weissen Raths

durch die Auch Ernvesten Herrn Julius Geuder vnd Herrn Jheronimus

Holzschuher Alss Bauherrn vmb vnd für dreyzehenhundert gülden.

solchen prunnen Aber wie der zu Malen vnd zu vergulden sein solle

Ist von mir ein vissirung Auff Pappier vnd nachmahls an den Prunnen

selbsten zwey Bilder gemacht vnd allerdings verguldet, wie sie

alle sollen gemalt werden. Darauf ich dann nach meiner gemachten

Vissirung fortgefaren vnd im Namen Gottes angefangen. Dieweil

ich aber im werck gewesen, So hab ich doch müssen erfaren vnd

von dem herrn Baumaister berichten lassen, das dass golt etwas

zu wenig vnd vnscheinlich sein würde, hab also on alle widerredt

dem herrn willfarn vnd mich nicht Tauren lassen vnd denselbigen

mit goldt dermassen gezieret, das daran nichts vergessen, man

wolte in dann gannz verguldet haben, das ich dann vn von Nötten

(sic) geachtet. Dieweilen ich aber bei gueter zeit gesehen das

Ich mit solcher Summe der fl. 1300, wie ich den gern gewildt[47],

nit könte auskommen, So hab ich es vnvermeidlicher Not halben

nit vnderlassen können vnd Obbemelten beiden herrn Angezeigt

mich bei einem Ernvesten fürsichtigen Ernbaren vnd weisen Rath

zu defedirn[48] vnd meine clag anzumelden, wie das es mir schwer

fallen würde, da mich Ein E. Rath der Uebergemachten Schulden

halben würde stecken oder Unenthebt lassen. Und dieweil dan Nun

das verding fast ganz vnd Jetzt der Zeit an dem Gitter Arbeitt, so

were mein vnderdenstlich Bitten an E. E. vnd Hr. die wöllen mich

auss solcher als veber die dreyzehnhundert gulden fernern Costen

entheben, welches sich dann an die Zweihundert gülden hernach

erstrecken thuet ohne mein Besoldung auf meinen Leib. Ich hoffe

auch E. E. vnd Hr. werden als Hochverstendige weise herrn an meiner

Vissirung die E. E. vnd Hr. beihanden haben Wol sehen vnd Spüren,

was ich über solches von goldt vnd Vleiss gethan habe. Auch mich

gantz vnd gar nicht gesaumbt und were mir vnmüglich gewesen den so

baldt zu verfertigen, wo Gott der Herr nit bey mir hilflich sich

erzeigt hette, den Ich dann von hertzen darum gebetten vnd darumb

Jetzt dancke Im zu Lob vnd meiner Obrigkeit zu grossem Wolgefallen.

will mich also in E. E. vnd Hr. gnedigen willen befelhen und mich

des vebrigen vncosten halben zu entheben getrösten; will mir E. E.

vnd Hr. für meins Leibs besoldung vnd vleiss etwas gewen, so bin

Ich zufrieden. Wonitt behab ich mich doch Obligirt das Ich nichts

begere wenn ich nur des vncostens enthebt bleibe. Will es alles

dem Lieben Gott vnd meiner lieben Obrigkeit befelhen. Was aber

das Gitter belangt hab ich auff dass Negst Vleissig überschlagen

vnd kan vnder Vierhundert gulden, wie es ist angefangen nicht

gemacht werden. Das hab ich E. E. vnd Hr. vmb mehrer Nachrichten

willen, In vnderthenigkeit nit sollen verhalten, denen ich mich

vnderthenigklich bevelhende

E. E. vnd Hr. E. w. Undertheniger gehorsammer

Burger Endres Herneisen

Maler.

Nicht ganz so unterthänig lautet das andere Schreiben desselben

Betreffs, welches Herrneisen gleichzeitig oder kurz vorher an den

Anschicker der Peunt, den technischen Leiter des städtischen Bauamts

F. Fuerst hatte gelangen lassen. Dasselbe bringt die Thatsache, daß

Herneisen sich in seiner Calculation verrechnet, in humoristischer

Weise auch durch die links seitlich angebrachte und auch hier

wiedergegebene Zeichnung[49] zum Ausdruck, dass er sich als in den

Brunnen gefallen darstellt und den Adressaten durch die Beischrift

»helfft auff« auffordert, ihn in seinen Nöthen zu unterstützen. Der

Brief lautet:

Ernvester, wolweiser gunstiger Herr Bauherr F. Fuerst ist

wohlwissentt, welcher gestalt mir der schone Brunnen verlihen vnd

angedingt, wie zu sehen in vbergebener vissirung vnd schrifften.

auch was ich mich gegen den E. E. w. herrn Jullius Geuder, auch

meinem günstigen herrn Beklagt & folgesezen (?)[50] Bei andern

herrn Eltern im schonen Brunnen. diweil den nun dise verdingte

arweitt zum Endtt laufft, welch ich myt meinem hochsten vleiss vnd

vermugen gemachett habe, das ich verhoff ein Ernvester weiser Rath

werden in[51] solche arweit neben gethanen vleiss in der zeitt

gefallen lassen, vnd wess ich noch dann zu vnterthänigsten gefallen

vnd willen thone kondt, mich hiemitt erbotten haben. diweil mir

aber die suma zu schwer wirtt vnd ich dieselbige vberschlagen, wil

mir zu vill vber dise verdingte dreizehnhundert gulden fallen,

alls das ich E. Ernvest will gebetten haben mich Bei einem E. E.

weisen Rath oder Bey herrn Jullius geuder anmeldten, wie ich in dem

fortfaren verzagt sey vnd oft besorge ich müsse vber dise schuld,

so vber mein verding von Bihlein[52] als Zetteln hinvnd wider[53]

zusammen flossen[54], mit meiner armutt noch langen[55]; dazu ich

mich vil Bessers zu meinem E. E. weissen rath versehe vnd umb wider

antwort vndertänig gebeten haben, vnd mich E. E. vest bevollen.

was das gitter belangt, ist alle augenBlick zeitt wie mitt

demselben sol abgehandelt werden, damit wir nitt vergebens Zeit

verliren

so dann der Casten auch nitt gar vergüllt werden; er würdt sonst

von wegen dess steigens zu den gitter wider verwüstet.

Ich wollte auch nach diser sa(c)hen gern gen würtzberg und

mergatham reisen; der goldtschlager wil gelt haben 140 fl.

Ich muss auch einen Zettel auf der Beindt[56] haben das öll

betreffendt

E. E. vntherteniger Diner

Endres Hernneisen

Maler

[Illustration: Abb. 4. Federzeichnung im Herneisen’schen Brief Nr. 5.]

Die im vierten Brief erwähnte Forderung von 400 fl. für das Gitter, mit

dem sich der Maler für den entgangenen Verdienst am Brunnen vielleicht

etwas schadlos halten wollte, scheint dem Rath wieder zu hoch gewesen

zu sein; im letzten Briefe, in dem wieder der Adressat nicht genannt

ist, als welchen wir aber ziemlich sicher wieder den »Bauherrn«

Hieronymus Holzschuher vermuthen dürfen, erwidert Herneisen auf

desfallsige Vorstellungen in geschickter und eindringlicher Weise[57]:

Ervester weiser gunstiger Herr. eur gegen mir gethanes Beschweren

des gegetters[58] alss der fl. 400 belanget, so hab ich mich vber

gesetzt vnd dem selbigen vleissig nach gerechnet, wie es hernach

E. Ehrnvest verzeichnet, was die negste Manir ist, allso zu machen

wie ich es angefangen hab vnd damit meine Herrn Ein Ervester

wolweiser Rath wahrhafftig bericht haben vnd mir darauss khomen.

ma(c)ht erstlich das goldt auff eintheil des Gitters deren achte

sein der Feldter.

auff ein feldt geth 5½ Buch fein goldt. nun seindt der felter

achte; das Buch an fein goldt umb fl. 4 gerechnet, thut zusamen

an geltt fl. 176, ehr mehr. so setz ich für mein zeug alls

farben vnd steinöll, müh vnd vncosten, wie dan an allen enndten

gebreuchlich auch sovil, thuett fl. 352[59] vnnd neher kan man es

nicht haben, sonderlich dieweil ich die höchsten farben als lack

dan der Niderlander Nicolei ein Maler macht, dan ich den bei Ihme

bishero kaufft hab, vnd das Lot kost 1½ fl., wie mir in dan der

wandereisen geholt hat. es ist ein klein ding umb 1 Lot vnd das

habe ich E. Ernvest nitt sollen verhalten. Befelh mich in E. E. vnd

Herlikeit wolmeinung

E. E. W. D. Endres Herrneisen Maler.

Damit schließt der interessante Briefwechsel, der Herrneisen zwar nicht

als hochgebildeten, aber immerhin schriftgewandten Mann zeigt.

Die Wiederherstellung des schönen Brunnens im Jahre 1587 wurde in

Nürnberg als Ereignis ersten Ranges gefeiert und nicht wenig auch

die mit derselben betrauten Meister. In gleichzeitigen Nürnberger

Dichtwerken bekommen wir davon schlagende Beweise.

Zunächst ist das in einer Chronik befindliche (Handschrift im German.

Museum 4419, f. 353 ff.) Lobgedicht auf den schönen Brunnen, von dem

bekannten Spruchsprecher Hans Weber zu erwähnen. Die hauptsächlichsten

auf unsern Maler bezüglichen Verse lauten:

Ich sprach zum alten da vor allen

Ich hab gehört man wurt Inn mahlen

Lassen alta wol Inn der Stat

dass er ein gewaltig ansehen hat

Der alt der sprach Ja das Ist wahr

man wirdt Inn mahlen gannz vnd gar

dan uss Ist auch vonn würtzburg her

komen ein berumpter mahler

den haben die herrn genummen an

der wirdt den Prunnen malen than

mit den worten schied er Von mir

da Stundt Ich vor des Prunnenthür

Ich namb mirs vberss Hertz vnnd ginng

Hineinn der Mahler mich Empfienng

Er fragt mich wass wer mein beger

da Sagt Ich Im dasselbig gar

Ich gehe herein auff guet vertrauen

wil auch den schönnen Prunnen schauen

welchenn man lobt Inn der Stat

vnnd auch den schönnen Namen hat

der mahler der namb an dem Endt

gar baldt ein Steblein inn sein hendt

Sprach mein freundt er Ist schönn zu Preissen

vnd thuet mir alle ding fein weissen.

Es folgt dann die sehr ausführliche Beschreibung des Brunnens,

insbesondere die Beschreibung der Figuren, von der Direktor Frommann im

Anzeiger f. K. d. D. V. S. 1854, Sp. 162 f. einen Teil veröffentlicht

hat.

Ein anderer Lobspruch auf den schönen Brunnen, ebenfalls 1587 von

Friedrich Beer verfaßt und dichterisch auf der gleich niedrigen Stufe

stehend, wie der Weber’sche, beschäftigt sich ebenfalls eingehend mit

unserem Maler[60]:

Den Brunn hat ein Maler gezirt

Mit gold und farben definirt

Von oben biss unten anns endt

Kein fleiss gespart mit seiner hendt,

Die bildt geziert als ob sie lebten

Und lebendig am brunnen schwebten,

Hat auch geziert das gitter frey

Mit schönen farben mancherley

Mit silber und mit rottem Gold,

Wer den kaum sieht, der ist ihm hold

Der Maler, der sich so thet fleisen,

Nennt sich ~Andreas Herreysen~,

Das hab ich an Sanct Lucas funden

Wie der sitz an dem brunnen unten.

Ob die in dem letzten Brief angedeutete Reise nach Mergentheim, die er

mit derjenigen nach Würzburg verbinden will, mit einem Auftrag dort

zusammenhängt, konnte ich aus der Literatur nicht ermitteln. 1572

war das neue Schloß des deutschen Ordens zu bauen angefangen worden;

vielleicht daß er hier wieder in dekorativen Aufgaben Beschäftigung

gefunden.

Wichtiger für ihn und für Kunst- und Kulturgeschichte, ist seine

Beteiligung an der Ausstattung eines der hervorragendsten Denkmale der

deutschen Renaissance, des neuen Lusthauses zu Stuttgart, das Herzog

Ludwig von Württemberg vom Jahre 1585 ab erbauen ließ. Die Akten über

den Bau desselben sind glücklicher Weise vollständig erhalten, und

durch das liebenswürdige Entgegenkommen des kgl. Württembergischen

Hauptarchivs zu Stuttgart, war es mir ermöglicht, die die Ausmalung

betreffenden Teile hier in Nürnberg benutzen und denselben die

nachfolgenden Notizen entnehmen zu können.

Nach den vorliegenden, einer Klagschrift Herneisens über den

Stuttgarter Hofmaler, beigelegten Originalbriefen desselben, an den

Nürnberger Meister, scheint dieser irgendwie durch seine Württemberger

Verwandtschaft von dem Plan, das neue Lusthaus auszumalen, Kunde

gehabt zu haben, denn er läßt vor Neujahr durch seinen Vetter

Johann Lederlein, Formschneider zu Tübingen, diesem ein Geschenk

überreichen. Steiner dankt in seinem ersten Brief vom 7. Januar 1590;

erinnert an den ersten Aufenthalt Herneisens in Stuttgart im Jahre

1575, gelegentlich der ersten Hochzeit des Herzogs Ludwig, wo die

einheimischen Maler mit der Dekoration für das Turnier nicht fertig

werden konnten und daher Herneisen nach Stuttgart durch einen eigenen

Boten hergeholt wurde. Es geht aus dem Brief des weiteren hervor, dass

Herneisens Gattin Anna (die zweite wohl, da in der Folge des Öfteren

von kleinen Kindern die Rede ist), aus Württemberg stammte. Er weist

auf die bevorstehende Ausmalung des Lusthaussaales hin, die wohl zwei

Sommer in Anspruch nehmen werde. Es werde für Herneisen, wenn er Lust

habe, ein gut Stück Geldes zu verdienen sein. Im zweiten Brief vom

31. Januar, nachdem Herneisen erwidert, sich näher nach der Sache

erkundigt und im Allgemeinen seine Bereitwilligkeit, nach Stuttgart zu

kommen, zu erkennen gegeben hat, gibt er ihm den Inhalt der Malereien

(Jagden) an, fragt ihn nach seinen monatlichen Ansprüchen, außer den

vom Hof gelieferten Malutensilien, Essen und Trinken, und bietet ihm

nebst seiner Frau eine Stube und Kammer in seinem Hause an. Sobald der

Zeitpunkt des Verdinges gekommen sein werde, werde er ihn nochmals

benachrichtigen, falls er ihm weitere zusagende Antwort zukommen

lasse. Der Frau Anna Herneisen schickt er gleichzeitig ein Angedenken.

Interessant ist in dem sehr herzlich und fast übermäßig gottselig

gehaltenen Brief eine Randbemerkung, die darauf schließen lässt, daß

Herneisen nicht blos Maler, sondern auch Bilderhändler gewesen sei:

»Lieber meister Endres, so ier was seltzams von gemeldtt her schigen

veldt so duedts. So ichs Eich kan verkauffen vnd geld leschen (lösen)

wils dan von hertzen gern, mein Gn. ft vnd her hett gern was seltzams;

wil Eich gern dienen.«

Der vermutlich dritte Brief ist nicht datiert; möglicher Weise ist er

Anfang März 1590 geschrieben. Es geht daraus hervor, daß Herneisen

Gemälde (Tücher), also offenbar auf Leinwand, angeboten; Steiner

fordert ihn auf, diese nach Stuttgart zu schicken; besonders aber

Porträts von Kaisern, Königen, Fürsten und andern Herren; im Fall

er solche verkaufen könne, solle er ihm ein Verzeichnis derselben

schicken und die Preise angeben. Er sucht »axelbilder das hebbt bis

an die brust, den Kopff rechte grossen«. Die letzteren sollten erst

von Herneisen gemalt werden, bei den erstgenannten scheint es sich

um Handelsobjekte zu handeln. Er fährt dann fort »veldt (wollet) ier

mich wissen lassen ob ier zu nürmberg bei den kunstliebhabern kont

etwann Condervet endleen (entlehnen) (vnd?) abmalen, mich wissen

lassen, dan ich ein buch zu stand bring aller Kaiser, Küng, Cur vnd

fürsten, was ich khan bekummen, es sein altt oder new, welsch oder

ditsch.« Aus diesen Sätzen, die wie die ganzen greulich unkorrekt

und kaum entzifferbar geschriebenen Briefe etwas unklar sind, geht

nicht hervor, ob es sich um Vorlagen für ein Buch mit Porträts von

Fürstlichkeiten oder einer Sammlung für die herzogliche Kunstkammer

handelt. Des weiteren erhält Herneisen wiederholt die befriedigendsten

Versicherungen über seine Bezahlung; auch erbietet sich Steiner, ihm

Geld für die Reise vorzuschießen. Wenn er etwas früher komme als

die Malerei selbst beginne, so schade es nichts, es seien allerlei

Vorbereitungen, Naturaufnahmen u. s. w. zu treffen.

Der vierte Brief vom 20. März, aus dem wir entnehmen, daß Herneisen

sein Kommen zugesagt und drei Gemälde (Tücher) eingesandt hat, welche

der Herzog an einen seiner Diener verschenkt, ist etwas kleinmütiger.

Steiner weist darauf hin, daß er einen gefährlichen Konkurrenten bei

Hofe habe, vielleicht Wendel Dietterlin: »dan sunst ein maller vor

honden der vill sein ein haspell machen, der vil sich mitt gewaltt

Eindrängen. Mein G. F. Red (Räte) sind wunderberlich, wie ier dan

wissend an den fürsten höffen gets also zu, aber wen ier Kumptt

vellendt mier sehen wie der sach zu don ist. ich hab Eich sunst von

hertzen gern allein die vil es so wankhelmiettig zugett veiss (weiß)

einer veder hinder noch für.« Er klagt weiter, daß die Räte des

Herzogs, weil der Bau des Lusthauses so viel gekostet, an der Ausmalung

nun möglichst sparen wollten. Er fordert ihn neuerdings auf, Porträts,

Brustbilder, in einem gewissen Maßstab zu fertigen, und ersucht ihn um

ein Verzeichnis der auf dem Nürnberger Rathhaus befindlichen Bildnisse.

Im fünften Brief vom 1. Mai 1590 fordert Steiner Herneisen dringlich

auf, falls er noch Willens sei zu kommen, sich baldigst auf die Reise

zu machen. Für das Reisegeld schickt er ihm 10 fl. auf Rechnung der

bestellten Porträts. Über die Porträtsammlung des Herzogs gibt er

nochmals Aufschluß: »weltt gerne das ier ettliche bechumen khindt, dan

mein G. F. vnd her mecht ain büchlein von Elfarben allerley conterevedt

aller pottenditatten (sic!) dittscher vnd welscher Natzion so viel zu

bechumen sendt. ich schreib allen Talben (allenthalben) wo ich etwas

weiss ierer F. G. etwas zu bechumen.«

Der letzte Brief ist unmittelbar vor Herneisens Abreise, am 21. Mai

geschrieben. Er warnt den Nürnberger Maler, zu viel Personen und

Hausrat mitzubringen, ehe die Verdingung wirklich abgeschlossen. Für

die drei oben genannten Gemälde und zwei Visierungen erhält Herneisen

ausserdem 17 fl. zugesandt.

Als Herneisen in Stuttgart eintraf, waren die Vorverhandlungen zwischen

dem Herzog, seinen Räten, dem Bauintendanten Dr. Georg Badner und dem

Hofmaler Hans Steiner zum Abschluß gediehen, nachdem sie schon im Jahre

1587 zuerst aufgenommen worden waren.

Die ursprüngliche Absicht für die Bemalung der Decke war, eine

Kosmographie Württembergs zu geben. Des Herzogs als leidenschaftlichen

Jägers lebhafter Wunsch, in dieser Kosmographie auch die verschiedenen

von ihm in den Wäldern seines Landes gepflegten Jagdarten mit

einverwoben zu sehen, hätte natürlich ein künstlerisches Unding

ergeben. Man verfiel deshalb nach jahrelangen Versuchen und nachdem

auswärtige (französische?) Kräfte zurückgetreten waren, auf den Ausweg,

zwölf Landschaften, die zwölf Forste Württembergs mit Jagddarstellungen

zu geben. Die 201 Werkschuh lange und in der Gewölbfläche ungefähr

90 Werkschuh breite Decke des großen Saales wurde daher in drei

Längsstreifen geteilt, von denen die äußeren je sechs der erwähnten

Landschafts- und Jagdbilder enthielten, der innere Streifen aber

religiöse Darstellungen aus der Offenbarung Johannis enthielt. Der

mittlere Streifen, der offenbar auf Betreiben des geistlichen Ratgebers

des frommen Herzogs Ludwig, Dr. Osiander, eingefügt wurde, erhielt

Wendel Dietterlin von Straßburg zugetheilt[61]. Für die Bemalung der

wahrhaft riesigen Flächen wurden außer Dietterlin und dem Hofmaler

Hans Steiner, der den ersten Hauptentwurf und die Einteilung besorgt

hatte, folgende Maler herbeigezogen: Andreas Herneisen, Hans Karg

von Augsburg, Hans Dorn von Stuttgart, Jacob Zieberle (Zäberl) von

Tübingen, Peter Riedlinger von Eßlingen (kurz nach Beginn der Arbeit

verstorben), Gabriel Dachs (Stuttgart?), Hans Melchior Offstein von

Göppingen und Philipp Grether von Stuttgart. Der Hofmaler, Hans

Dorn und Herneisen waren insofern bevorzugt, als sie von Anfang an

~zwei~ Stücke (»Förste«) zugeteilt bekamen; die übrigen nur einen;

später erhielt Herneisen noch einen Teil am Uracher Forst zu malen.

Seine Landschaften waren der Stuttgarter und der Heidenheimer Forst.

Es ist interessant, aus den Akten über das Verfahren der Maler das

Nötige zu erfahren. Zuerst mußte eine Farbenskizze (gemalte Tafel) in

kleinerem Maßstabe dem Herzog zur Genehmigung vorgelegt werden. Da

die Mehrzahl der Maler des Waidwerks unkundig waren, was ihnen, wie

wiederum aus den Akten hervorgeht, einigermaßen zum Vorwurf gemacht

wurde, mußten sie den vorfallenden herzoglichen Jagden beiwohnen, um

dort Studien nach der Natur zu machen. Ebenso mußten sie die Landschaft

aufnehmen und die Porträts des Jagd-, Forst- und Hofpersonals

anfertigen, um sie dann auf das eigentliche Gemälde zu übertragen.

Von den einzelnen Abteilungen waren vier 40 Werkschuh, acht 30

Werkschuh breit und sämtliche 30 Werkschuh hoch. Da natürlich diese

riesigen Flächen in einem Stück auf Leinwand zu malen ein Ding der

Unmöglichkeit gewesen wäre, wurden die Abteilungen in 5 resp. 4

»Tücher« zerlegt und erst beim Aufschlagen an der Decke zusammengefügt.

Für jedes derartige Tuch erhielten die Maler außer Lieferung sämtlicher

Malutensilien gleichmäßig 100 fl., 2 Schäffel Dinkel und ½ Eimer Wein

nebst 8 fl. jährlichen Hauszins; eine, wenn man den mehr dekorativen

Charakter der in einer sehr beträchtlichen Höhe (die Gewölbehöhe des

Saales betrug 50 Werkschuh) angebrachten Malereien berücksichtigt, wohl

recht zulängliche Bezahlung.

Sehr merkwürdig ist auch die Ordnung, auf welche die vereinigten Maler

während ihrer Arbeiten am Lusthaus verpflichtet wurden. Mit Rücksicht

auf ihre Ausdehnung muß leider auf Mitteilung des kulturgeschichtlich

wichtigen Stückes verzichtet werden. Die Inspektion der Arbeit, wie

die Verteilung der Materialien lag dem Hofmaler Steiner ob; bei

vorfallenden Streitigkeiten hatte eine aus Steiner, Dietterlein und

Herneisen bestehende Kommission zu entscheiden.

Die Arbeiten begannen im Juli 1590, nachdem die Skizzen vorgelegt waren

und noch mancherlei Verhandlungen über die Höhe der zu verabreichenden

Naturalverpflegung und den Mietzins gepflogen worden waren. In solchen

Dingen scheint unser guter Herneisen geschickt, aber auch etwas

vordringlich gewesen zu sein, wenn man die große Zahl seiner Schreiben

an den Fürsten und die Rentkammerräte in Betracht zieht.

Daß Herneisen nicht mit Glücksgütern gesegnet war, beweist eine Eingabe

vom 21. Juli 1590, worin er zur Anschaffung von Haushaltungsvorräten

den Herzog um einen Vorschuß von 100 fl. auf den verdingten Lohn bittet.

Dr. Badner empfiehlt sein Gesuch, da er der weiten Entfernung halber

keinen Hausrat mitgebracht habe und diesen nun neu beschaffen müsse,

»auch für einen fertigen Maler gerühmt werde«. Am 1. August wird

für Herneisen, abgesehen von Dietterlein, der ungefähr im Lohne

gleichsteht, eine Erhöhung seiner Naturalbezüge über die übrigen hinaus

beantragt, nämlich 2 Schäffel Dinkel und 2 fl. Hauszins und ½ Eimer

Wein pro Tuch mehr und jährlich ein Sommerkleid. Das letztere wurde

gestrichen, das übrige zugebilligt. In der zweiten Hälfte Januars

bittet der Meister wegen des ersten ihm übergebenen Stückes, des

Stuttgarter Forstes mit ihm abzurechnen, da die drei hauptsächlichsten

Tücher fertig, die beiden anderen aber innerhalb des Monats vollendet

würden, er aber an Lichtmeß an dem von ihm erkauften Haus in Nürnberg

150 fl. abzubezahlen habe.

Nach einer Eingabe am 23. Juni 1591 war er damals auch mit dem

Heidenheimer Forst und damit seiner ganzen Arbeit ziemlich fertig. Er

bittet darin um Zuteilung auch noch des zu vergebenden Uracher Forstes,

erhält aber nur neben drei anderen Malern den vierten Teil desselben.

Nun gab es allerdings noch weitere Arbeiten, die Bemalung des Gesimses,

d. h. wohl des Frieses unter Decke, oder über den Fenstern in der Höhe

von fünf Schuh. Auch hier war es der Wunsch des Fürsten, sämtliche

Maler, die bei der Decke thätig gewesen waren, wieder zu verwenden. Im

Frühjahr 1592 wurde darüber verhandelt, um welchen Preis pro Quadratfuß

die Maler die Arbeit übernehmen wollten, wenn sie diesmal Farben,

Gold, Silber etc. selbst dazu lieferten. Die Maler verlangten für den

Geviertschuh einen halben Gulden, aber auf Betreiben des Hofmalers, der

unterdessen mit den übrigen in Dissidien gekommen war, beschloß man,

ihnen nur einen drittel Gulden zuzubilligen.

Das brachte im April 1592 einen Streit zwischen Herneisen und Wendel

Dietterlin einer- und dem Stuttgarter Hofmaler Hans Steiner anderseits

zum Ausbruch. Bei diesem beschuldigte Herneisen den Letzteren, neben

andern Durchstechereien, die ihn nicht persönlich betrafen, daß der

Hofmaler ihm dafür, daß er ihm außer den ursprünglich angedingten

Forsten auch den Steinberger Forst zu malen verhelfen werde, von ihm

den Lohn für ein »Tuch« d. h. 100 fl. nebst vier Scheffel Dinkel und

einen Eimer Wein als »Verehrung« verlangt habe, auch gleich eine dahin

lautende Verschreibung nebst Siegel dem Nürnberger habe aufdringen

wollen. Die 100 fl. habe Herneisen geben wollen, nicht aber die

Viktualien, woraus gegenseitige Feindschaft entstanden sei.

Es würde zu weit führen, auf den Streit, der auf das Künstlerleben

jener Zeit eigentümliche Streiflichter wirft und in den Akten in

ermüdender Breite wiedergegeben ist, bis auf den fehlenden Abschluß,

näher einzugehen.

Der Stuttgarter Hofmaler zeigt sich nach den aktenmäßigen Darlegungen

als ein recht trauriger Patron, der mit Heuchelei und Verdrehungen

nicht nur seine Kollegen verdächtigt, nachdem er mehr oder minder

erfolgreiche Erpressungsversuche gemacht, sondern auch seinen Herrn in

schmählicher Weise betrügt. Allein er scheint, obgleich der Referent in

der Sache, Dr. Georg Badner, der sich überhaupt stets als ein gütiger

und wohl wollender Vertreter der ihm unterstellten Malerkompagnie

darstellt, dem Herzog nahe legt, ihn aus den fürstlichen Diensten zu

entlassen, in dem allmächtigen Geheimrat des Herzogs, Melchior Jäger

von Gertringen, einen starken Rückhalt besessen zu haben; er verlor

seine Stelle nicht, wenn er auch nach den Akten in der Angelegenheit

des Lusthauses nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Wie gewöhnlich scheint Herneisen mit seiner Arbeit am Fries (Gesims)

des Saales rasch fertig geworden zu sein; wenigstens rühmt er sich

dessen in mehreren späteren Eingaben. Der Herzog resp. Melchior Jäger

behandelten ihn übrigens, jedenfalls unter Einwirkung des Hofmalers,

möglichst schlecht. Obgleich im Verding nichts davon stand, wurde

nachträglich verlangt, daß im Friese die Bildnisse der Räte und Diener

des Fürsten angebracht werden sollten. Herneisen sollte die Vorbilder

liefern. Als Herneisen eine Entschädigung verlangt, wird die Sache

rückgängig gemacht; den Malern aber die Anfertigung nichts destoweniger

zugemutet. Als auch sie insgesamt dafür eine Bezahlung verlangen, wird

nach Anhören des Hofmalers u. s. w. die Sache an den bisher nicht

am Sims beteiligten Maler Philipp Gretter vergeben und beschlossen,

die fremden Maler baldmöglichst ziehen zu lassen. Zu einem sehr

ausgiebigen Schriftenwechsel zwischen Herneisen und dem Hof, gab noch

eine weitere Arbeit Anlaß. Der Herzog hatte den Maler beauftragt, einen

am Neujahrstag 1592 anläßlich eines Feuerwerks stattgehabten Zug, in

Öl auf Leinwand auf einer 15 × 22 Fuß haltenden Tafel zu malen. Dafür

verlangte Herneisen eine im Verhältnis gleichmäßige Zahlung wie für die

Deckengemälde im Lusthaus, nämlich 200 fl. und die dem entsprechende

Menge Dinkel und Wein. Da er an sechzig Porträts darauf anbringen

mußte, war die Summe vielleicht nicht übermäßig hoch. Es sollte sich

an Herneisen aber bitter rächen, daß er keinen Vertrag abgeschlossen,

denn der Herzog bewilligte ihm trotz oftmaliger Eingaben nicht mehr als

100 fl., obgleich die Kammerräte und Jörg Badner ihn befürworteten;

Melchior Jäger war dagegen. Man scheute sich von württembergischer

Seite auch nicht einmal, die Unwahrheit zu behaupten, man hätte so

viel »Contrefets« gar nicht gewollt, worauf der Maler die ihm amtlich

zugestellte Liste der zu porträtierenden Personen vorlegen konnte.

Im August scheint Herneisen, wohl privater Aufträge halber, sich von

Stuttgart entfernt zu haben, auf Befehl des Herzogs begibt er sich

wiederum dahin, bemerkt aber, daß er mit sämtlichen ihm verdingten

Arbeiten fertig sei.

In einer umfangreichen Eingabe ohne Datum, ungefähr im September,

bittet er um seine gnädige Entlassung durch eigenes Secret, da er schon

längere Zeit in Stuttgart ohne Arbeit liege. Er bittet um die Bezahlung

seiner rückständigen Auslagen, dann um eine Entschädigung dafür, daß

er in den Jagdstücken zuerst das Gefolge des Herzogs porträtiert und

dann die Vorlagen seinen Genossen überlassen habe, weiter ersucht er

um eine Erstattung der Reisekosten für ihn, seine Familie und sein

Gesinde, eine Verehrung, die er dem Rat seiner Vaterstadt vorweisen und

zu Ehren des Herzogs gebrauchen könne, und erinnert an den Abzug seiner

Rechnung für den Neujahrsaufzug. Seine durchaus kräftigen Worte, seien

teilweise, weil sie seine Lage und Stellung deutlich kennzeichnen, hier

mitgeteilt:

»So khann ich mir ainigen gedanckhen nicht schöpffen, Warumben E. Frl.

Gn. eben in disem stuckh mit dem Ich Zur Lötz vil grösser gnad Vnd

dankh zuverdienen Vnderthenig Verhofft, mich In so mörkhlichen schaden

steckhen, Vnnd mir halbe bezalung reichen zulassen gesynnt sein, Oder

womit Ich doch hier Innen E. Frstl. Gn. missfälliges (dass ich, da es

mir Angezaigt würde, zu änndern Vndthänig (sic) erbiedtig) gethan haben

solte, Dieweil aber mir Armen Hanndtwerkhsmann vil zu schädlich Vnnd

meinem Weib Vnnd kleinen Khindlin zu nachtheilig Vnnd Übel gehennd sein

will, Ein solliche grosse Summam, In lannger saurer, bestölten Arbaitt

wol Verdientes gellt, mir Abzichen, da doch hiebeuor E. Frstl. Gn. mich

Vnnd Anndere Jedesmahls Verrichter Arbaitt mit gnaden nach Pillich

dingen bezahlen lassen, So Pidt E. Frstl. Gn. Ich gantz Vnderthenig, sy

wöllen auch dises Puncten halbenn mir die gepür gnedig verordnen.« Er

schlägt schließlich die Prüfung seines Bildes durch auswärtige Maler

vor. Der Vorschlag der Rentkammer und Badners, ihm 10 fl. Reisegeld und

einen Becher im Werte von 26-30 fl., sowie Erstattung seiner Auslagen

zu gewähren und nochmals seine Bitte um Nachzahlung für den Aufzug in

Erwägung zu ziehen, fand natürlich den Beifall Jägers, der schon früher

vorgeschlagen, man solle das mehrerwähnte Gemälde, wenn Herneisen nicht

mit 100 fl. zufrieden sei, ihm ohne jede Entschädigung zurückstellen,

nicht. Er erhält, nach dem ihm noch die Farben für das Bild ersetzt

worden (21 fl.), am 22. Sept. ein Sommerkleid bewilligt, wobei Melchior

Jäger in Bewahrung seiner kleinlichen Gesinnung ihm den seidenen Besatz

und die Knöpfe streicht. So wird unser Meister wohl mit sehr gemischten

Gefühlen die schwäbische Hauptstadt mit Weib und Kindern verlassen und

in sein Heim am Geyersberg zu Nürnberg zurückgekehrt sein.

Übrigens hat Herneisen auch von Nürnberg aus versucht, zu seinem

Geld zu gelangen. Der Rat hatte ihn schon am 15. April 1591 mit

einer Erlaubnisurkunde, die Arbeiten in Stuttgart unaufgesagt seines

Bürgerrechts fortzuführen, ausgestattet und ihn weiter, wie auch aus

den Akten hervorgeht, dem Herzog empfohlen. Am 16. Dezember 1692

erfolgt ein weiterer Ratserlaß des Inhalts: »Auss Endresen Herneysens

Malers supplication und fürschrifft an Herrn Ludtwigen Hertzogen zu

Württemberg ec. ist verlassen dem Supplicanten antzuzeigen, das mein

herren nit sehen köndten, wie er vil erlangen vnd zu wegen bringen

möcht, wenn er inn dieser seiner Supplication den Melchior Jeger als

einen geheimbsten Carmmerrat, vnd dann den Hofmaler antziehen wollt,

wenn er aber ein solchs endern vnd auslassen wurd, so wolten Ime meine

Herren ein fürschrifft mitteylen.« Herneisen hatte offenbar Melchior

Jäger und Hans Steiner in seiner Eingabe an den Herzog angegriffen, was

zum mindesten für die Erreichung seines Zieles sehr unklug war.

Noch einmal kam er mit dem Rat in Konflikt wegen eines Gemäldes, das

er 1593 gemalt. Es wird eine »Tafel von allerley Calvinisten« genannt

und ihm vorgeworfen, daß er dasselbe zum Ärgernis der Bürgerschaft zum

Hause herausgehängt. »Der Rat ließ ihm solches untersagen; Herneisen

achtete aber nicht darauf und hing noch einmal eine solche Tafel

heraus. Nun wurde er vom Rate zur Rede gesetzt; der Maler entschuldigte

sich, er habe die Tafel bereits nach Würzburg, dahin sie gehöre,

geschickt; ein ehrbarer Rat möge es dabei bleiben lassen. Das geschah;

aber eine sträfliche Rede mit Warnung ließen ihm die Herren dennoch

sagen«[62].

In den Jahren 1597 erscheint Herneisen zum letzten Male in den

Ratsverlässen. Es handelt sich, wie es scheint, um einen Aus- oder

Anbau an seinem Haus am Geyersberg, den er anbringen wollte, wogegen

sich aber sein Nachbar Jonathan Schwingsherrlein sträubt und dessen

Ausführung auch trotz vielmaliger Eingaben der Rat nicht zugibt.

Nach dem von Direktor Bösch[63] jüngst in diesen Blättern

veröffentlichten Verzeichnis der Nürnberger Maler von 1596-1659 war

Andreas Herneisen von 1596-1600 Vorgeher des 1596 neugeschaffenen

Handwerks der Maler. Daß er als der erste dieses Ehrenamt bekleidete,

ist ein Beweis seiner Tüchtigkeit, wie der Achtung, mit der ihm seine

Nürnberger Berufsgenossen entgegenkamen. Nach derselben Quelle bildete

er nach 1596 noch vier Lehrlinge aus, nämlich Jeremias Putz, Hans

Albrecht Stahl aus Bamberg (1594-97), Lienhart Kilga (1603-8) und

Wilhelm Vogel (1606-10). Hieraus ergibt sich, daß Herneisen bis zum

Tode die Kunst betrieb. Auch erfahren wir, daß ein Sohn von ihm, der

erst in den 90er Jahren geboren sein kann, Namens Valtin (Valentin) den

Beruf des Vaters ergrift, allerdings erst nach dessen Tode. Derselbe

lernte 1610-1614 bei Wolf Eisenmann.

Es ist die letzte verbürgte Nachricht, die sich bisher über unsern

Maler auffinden ließ vor seinem Tod.

Denn die in der früheren Litteratur des Öfteren wiederholte Notiz, er

habe im Jahre 1613 den Hochaltar von St. Sebald gemalt, kann deshalb

nicht wahr sein, weil er zu dieser Zeit längst gestorben war.

Nach dem Eintrag im ~Totenbuch~ der Pfarrei St. Sebald[64] ist er

am 13. April 1610 verschieden.

Damit sei das Lebensbild des einfachen Nürnberger Meisters geschlossen.

Möglich immerhin, daß von seiner offenbar weitverbreiteten Thätigkeit

weitere, umfangreichere Werke sich erhalten haben, die mehr als das

Genannte dazu beitragen würden, seinen künstlerischen Charakter

festzustellen.

[Illustration]

Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1900 · 第 15 / 80 题