Selicour. Er ist der Verfasser.
Charlotte (zu ihrer Großmutter). Wie? Herr Firmin wäre der
Verfasser!
Mad. Belmont (laut).--Ja!--(heimlich.) Nenne den wahren Verfasser
ja nicht--
Charlotte. Warum nicht?
Mad. Belmont. Aus Ursachen. (Zu Selicour.) Wollen Sie Charlotten
nicht accompagnieren?
Selicour. Mit Vergnügen.
Firmin (ärgerlich zu seinem Sohn). Gewiß wieder eine übereilte
Arbeit--aber das muß einmal gedichtet sein--
Karl. Aber, lieber Vater, hören Sie doch erst, eh Sie richten!
Charlotte (singt).
An der Quelle saß der Knabe,
Blumen band er sich zum Kranz,
Und er sah sie, fortgerissen,
Treiben in der Wellen Tanz,--
"Und so fliehen meine Tage,
"Wie die Quelle, rastlos hin,
"Und so schwindet meine Jugend,
"Wie die Kränze schnell verblühn!"
Mad. Belmont (Selicour ansehend). Dieser Anfang verspricht schon
viel!
Selicour (auf Karl Firmin zeigend). Diesem Herrn da gehört das
Compliment.
Mad. Belmont. Gut! Gut! Ich verstehe!
Firmin. Der Gedanke ist alltäglich, gemein.
Karl. Aber er ist doch wahr.
Narbonne (auf der entgegengesetzten Seite mit dem Aufsatz beschäftigt).
Die Einleitung ist sehr gut und erweckt sogleich die Aufmerksamkeit.
Charlotte (singt wieder).
"Fraget nicht, warum ich traure
"In des Lebens Blüthenzeit;
"Alles freuet sich und hoffet,
"Wenn der Frühling sich erneut!
"Aber diese tausend Stimmen
"Der erwachenden Natur
"Wecken in dem tiefen Busen
"Mir den schweren Kummer nur!"
Mad. Belmont. Zum Entzücken!
Firmin. Nicht übel.
Selicour (zu Karl Firmin). Sie sehen, wie alles Sie bewundert.
Narbonne (lesend). Trefflich entwickelt und nachdrücklich
vorgetragen--Lesen Sie doch mit mir, Herr Firmin!
(Firmin tritt zum Minister und liest über seine linke Schulter.)
Mad. Belmont. Ganz göttlich!
Selicour (zu Narbonne tretend). Ich habe aber freilich dem Herrn
Firmin viel, sehr, sehr viel dabei zu danken. (Tritt wieder auf die
andere Seite zwischen Karl Firmin und Madame Belmont, doch ohne die
andere Gruppe aus den Augen zu verlieren.)
Charlotte (singt wieder).
"Was kann mir die Freude frommen,
"Die der schöne Lenz mir beut?
"Eine nur ist's, die ich suche,
"Sie ist nah und ewig weit.
"Sehnend breit ich meine Arme,
"Nach dem theuren Schattenbild;
"Ach, ich kann es nicht erreichen,
"Und das Herz bleibt ungestillt!
"Komm herab, du schöne Holde,
"Und verlaß dein stolzes Schloß!
"Blumen, die der Lenz geboren,
"Streu' ich dir in deinen Schooß.
"Horch, der Hain erschallt von Liedern
"Und die Quelle rieselt klar!
"Raum ist in der kleinsten Hütte
"Für ein glücklich liebend Paar."
Mad. Belmont. Wie rührend der Schluß ist!--Das liebe Kind ist ganz
davon bewegt worden.
Charlotte. Ja, es mag es gemacht haben, wer will, es ist aus einem
Herzen geflossen, das die Liebe kennt!
Selicour (verneigt sich gegen Charlotten). Dies ist ein
schmeichelhaftes Lob.