Firmin. Es liegt alles bereit, wenn Sie davon Gebrauch machen wollen.
Selicour. Ob ich das will! O mit Freuden!--Das ist ja ein ganz
erwünschter Zufall!
Firmin. Aber die Papiere sind nicht in der besten Ordnung!
Selicour. O diese kleine Mühe übernehm' ich gern--noch heute Abend
soll der Minister das Memoire haben--Ich nenne Sie als Verfasser,
Sie sollen den Ruhm davon haben.
Firmin. Sie wissen, daß mir's darauf eben nicht ankommt! Wenn ich
nur Gutes stifte, gleichviel, unter welchem Namen.
Selicour. Würdiger, scharmanter Mann! Niemand läßt Ihrem
bescheidnen Verdienst mehr Gerechtigkeit widerfahren, als ich.--Sie
wollen mir also die Papiere--
Firmin. Ich kann sie gleich holen. Wenn Sie so lange verziehen
wollen.
Selicour. Ja, gehen Sie! Ich will hier warten.
Firmin. Da kommt mein Sohn--Er kann Ihnen unterdessen Gesellschaft
leisten--Aber sagen Sie ihm nichts davon--hören Sie! Ich bitte
mir's aus!
Selicour. So! Warum denn nicht?
Firmin. Aus Ursachen.
Selicour. Nun, wenn Sie so wollen! Es wird mir zwar sauer werden,
Ihre Gefälligkeit zu verschweigen.--(Wenn Firmin fort ist.) Der arme
Schelm! Er fürchtet wohl gar, sein Sohn werde ihn auszanken.
Fünfter Auftritt.
Karl. Selicour.
Karl (kommt, in einem Papier lesend, das er beim Anblick Selicours
schnell verbirgt). Schon wieder dieser Selicour--(Will gehen.)
Selicour. Bleiben Sie doch, mein junger Freund!--Warum fliehen Sie
so die Gesellschaft?
Karl. Verzeihung, Herr Selicour!--(Für sich.) Daß ich dem Schwätzer
in den Weg laufen mußte!
Selicour. Ich habe mich schon längst darnach gesehnt, Sie zu sehen,
mein Bester!--Was machen die Musen? Wie fließen uns die Verse?--
Der gute Herr Firmin hat allerlei dagegen, ich weiß aber, er hat
Unrecht.--Sie haben ein so entschiednes Talent!--Wenn die Welt Sie
nur erst kennte--aber das wird kommen! Noch heute früh sprach ich
von Ihnen--
Karl. Von mir?
Selicour. Mit der Mutter unsers Herrn Ministers--und man hat schon
ein gutes Vorurtheil für Sie, nach der Art, wie ich Ihrer erwähnte.
Karl. So! Bei welchem Anlaß war das?
Selicour. Sie macht die Kennerin--ich weiß nicht, wie sie dazu
kommt--Man schmeichelt ihr, ihres Sohnes wegen.--Wie? Wenn Sie ihr
auf eine geschickte feine Art den Hof machten--derentwegen wollte
ich Sie eben aufsuchen.--Sie verlangte ein paar Couplets von mir für
diesen Abend.--Nun habe ich zwar zu meiner Zeit auch meinen Vers
gemacht, wie ein Andrer, aber der Witz ist eingerostet in den
leidigen Geschäften! Wie wär's nun, wenn Sie statt meiner die
Verschen machten.--Sie vertrauten sie mir an--ich lese sie vor--
man ist davon bezaubert--man will von mir wissen--Ich--ich nenne
Sie! Ich ergreife diese Gelegenheit, Ihnen eine Lobrede zu halten.--
Alles ist voll von Ihrem Ruhm, und nicht lange, so ist der neue Poet
fertig, eben so berühmt durch seinen Witz, als seinen Degen!
Karl. Sie eröffnen mir eine glänzende Aussicht!
Selicour. Es steht ganz in Ihrer Gewalt, sie wirklich zu machen!
Karl (für sich). Er will mich beschwatzen! Es ist lauter Falschheit,
ich weiß es recht gut, daß er falsch ist--aber, wie schwach bin ich
gegen das Lob! Wider meinen Willen könnte er mich beschwatzen.--(Zu
Selicour.) Man verlangt also für diesen Abend--
Selicour. Eine Kleinigkeit! Ein Nichts! Ein Liedchen--wo sich auf
eine ungezwungene Art so ein feiner Zug zum Lobe des Ministers
anbringen ließe.--
Karl. Den Lobredner zu machen, ist meine Sache nicht! Die Würde der
Dichtkunst soll durch mich nicht so erniedrigt werden. Jedes Lob,
auch wenn es noch so verdient ist, ist Schmeichelei, wenn man es an
die Großen richtet.
Selicour. Der ganze Stolz eines echten Musensohns! Nichts von
Lobsprüchen also--aber so etwas von Liebe--Zärtlichkeit--
Empfindung--
Karl (sieht sein Papier an). Konnte ich denken, da ich sie
niederschrieb, daß ich so bald Gelegenheit haben würde?