Selicour. Was beliebt?
Narbonne. Ein Geschäft kann ich Ihnen wenigstens noch auftragen, das
zugleich Fähigkeit und Muth erfordert.
Selicour. Befehlen Sie!
Narbonne. Mein Vorgänger hat durch seine üble Verwaltung ein Heer
von Mißbräuchen einreißen lassen, die trotz aller unsrer Bemühungen
noch nicht abgestellt sind. Es wäre daher ein Memoire aufzusetzen,
worin man alle Gebrechen aufdeckte und der Regierung selbst ohne
Schonung die Wahrheit sagte.
Selicour. Erlauben aber Euer Excellenz--eine solche Schrift könnte
für ihren Verfasser, könnte für Sie selbst bedenkliche Folgen haben.
Narbonne. Das kümmert mich nicht--Keine Gefahr, keine persönliche
Rücksicht darf in Anschlag kommen, wo die Pflicht gebietet.
Selicour. Das ist würdig gedacht!
Narbonne. Sie sind der Mann zu diesem Werk--Ich brauche Ihnen
weiter nichts darüber zu sagen.--Sie kennen das Uebel so gut und
besser noch, als ich selbst.
Selicour. Und ich bin, hoffe ich, mit Ihnen darüber einerlei Meinung.
Narbonne. Ohne Zweifel. Dies Geschäft hat Eile. Ich verlasse Sie;
verlieren Sie keine Zeit, es ist gerade jetzt der günstige Augenblick
--ich möchte es wo möglich noch heute an die Behörde absenden.--Kurz
und bündig--es kann mit Wenigem viel gesagt werden! Leben Sie wohl!
Gehen Sie ja gleich an die Arbeit! (Er geht ab.)
Sechster Auftritt.
Selicour. Madame Belmont.
Mad. Belmont. Sind Sie allein, Herr Selicour? Ich wollte erwarten,
bis er weggegangen wäre--er darf nichts davon wissen.
Selicour. Wovon ist die Rede, Madame?
Mad. Belmont. Wir wollen heute Abend ein kleines Concert geben, und
meine Charlotte soll sich dabei hören lassen.
Selicour. Sie singt so schön!
Mad. Belmont. Sie geben sich auch zuweilen mit Versen ab? Nicht
wahr?
Selicour. Wer macht nicht einmal in seinem Leben Verse!
Mad. Belmont. Nun, so machen Sie uns ein Lied oder so etwas für
heute Abend!
Selicour. Eine Romanze meinen Sie?
Mad. Belmont. Gut, die Romanzen lieben wir besonders!