Gebrannter Thon. London, South Kensington Museum.]

Die leider modern überstrichene Thonstatuette eines nackten,

ungeflügelten Knaben, im Besitz von Herrn G. Dreyfuß zu Paris, nimmt

das Motiv des Brunnenputtos noch einmal in einer leichten Variation auf

(Abb. 15). Auf einer Halbkugel stehend, in eilender Bewegung, scheint

der Kleine eine Posaune in der erhobenen Rechten gehalten zu haben, in

die er mit vollen Backen bläst. Ein Blick auf ähnliche tubablasende

Putten Donatellos in Siena oder in Padua zeigt nicht nur den Abstand

der beiden Meister von einander, sondern erhärtet nochmals an einem

besonders einleuchtenden Beispiel die Unmöglichkeit, Verrocchio in ein

Schulverhältnis zu Donatello zu bringen.

[Illustration: Abb. 32. +Grabmal des Kardinals Niccolo Forteguerri.+

Pistoia, Kathedrale San Jacopo.

(Nach einer Originalphotographie von Gebrüder Alinari in Florenz.)]

Von den ~alcuni putti bellissimi~, die Vasari erwähnt, ist jede

Spur verloren gegangen. Vielleicht sind Repliken davon in den

großköpfigen, mit leicht übereinander geschlagenen Beinen halb

aufgerichtet liegenden nackten Kindern erhalten, von denen zwei das

Berliner Museum besitzt. Die Hand Verrocchios selbst wird niemand

in ihnen erkennen, für die Schule sind sie von Wichtigkeit. Selbst

Albrecht Dürer hat nicht verschmäht, diesen Verrocchiesken Putto ohne

Umstände für das Christkind auf der Madonna mit der Birne (Wien) zu

verwenden. Und weiterhin sind die rundlichen, pausbackigen Engel des

Barock und noch des Rokoko so unmittelbare Nachkommen jener Putten

Verrocchios, daß in der Hitze des Kunstmarktes die Jahrhunderte und die

Nationalitäten sich mitunter verwirren.

[Illustration: Abb. 33. Lorenzetti. +Porträtstatue des Kardinals

Niccolo Forteguerri.+

Verrocchio · 第 45 / 68 题