Ihr habt nichts mehr? Das ist ein Spaß! --

(schmunzelnd)

Ich weiß es, ich weiß es, ihr habt noch was!

_Peterchen_

Es ist nicht wahr, guck's Körbchen an!

(beide strecken ihr Körbchen hin.)

_Mondmann_

(zieht schmunzelnd ein langes Messer)

Ei, ei, jetzt kommt ihr ja selber dran;

Geschlachtet und gebraten, fein,

Knusprig die weißen Gliederlein!

_Peterchen_

(zieht mutig sein kleines Holzschwert)

Geh' weg, du häßlicher, böser Mann!

_Mondmann_

(greift schmunzelnd nach Anneliese)

Erst kommt das zarte Schwesterchen dran!

(In diesem Augenblick wird es pechfinster. Ein greller Blitz zuckt, und

ein brüllender Donnerschlag folgt. Als es wieder hell wird, liegt der

Mondmann mehrere Schritte zurück auf dem Rücken und reibt sich alle

Glieder vor Schmerzen.)

_Mondmann_

(brüllend)

O weh, mein Bauch, o weh, mein Bein!

Verfluchte Pein, verfluchte Pein! --

Das war der Donnermann, ihr Kröten;

Ihr habt ihn wohl um Schutz gebeten?

(Er richtet sich auf.)

Verdammt, es soll euch Donnern und Blitzen

Trotzdem vor meinem Grimm nichts nützen!

(Er stürzt sich von neuem mit geschwungenem Messer auf die Kinder.

Peterchen hebt wieder mutig sein Schwert, und im gleichen Augenblick

schießt ein mächtiger Wasserstrahl aus der Erde, dem Mondmann gerade

ins Gesicht, sodaß er abermals rücklings hinschlägt.)

_Mondmann_

Prrrrrrrr! -- Was fangen die Wichte an?

Jetzt half ihnen gar der Wassermann!

(Er rappelt sich auf.)

Verfluchtes Gewürm, es soll euch nichts nützen,

Ihr sollt' doch an meinem Bratspieß schwitzen.

(Er stürzt sich zum dritten Male auf die Kinder; Peterchen hebt wieder

das Schwert, da wird es nachtfinster, und ein wilder Sturmstoß heult

heran. Als er vorüber ist, und es heller wird, liegt der Mondmann auf

dem Rücken, und über ihn ist ein Baum gestürzt, der ihn an der Erde

festklemmt.)

_Mondmann_

(brüllt)

Au -- au -- das ist der Sturmriese gewesen!

Verflucht! -- Doch kann er sie auch nicht erlösen!

Und wenn sie mit Wasser, Feuer und Wind

Hier gegen mich verbündet sind,

Ich lasse sie doch am Spieße zappeln --

O wartet nur, wartet, ich will mich schon rappeln!

(Er zappelt wütend, um loszukommen.)

_Peterchen_

Nun siehst du wohl, du böser Mann,

Daß alles dir nichts helfen kann!

Nun bist du gefangen und kannst nichts machen,

Und wir, wir nehmen das Beinchen und lachen!

(will das Beinchen holen.)

_Mondmann_

(windet sich wütend)

Ihr nehmt das Beinchen? Ihr nehmt es nicht!

Warte, du frecher Menschenwicht,

Warte, ich komme ja schon frei!

(Er rappelt sich frei, kommt auf die Beine, greift nach seiner Axt und

stürzt sich schäumend auf Peterchen.)

Jetzt schlag' ich dich mit der Axt entzwei;

Jetzt freß' ich dich wie ein Hühnerei;

Jetzt hau' ich euch zu Mus und Brei!

_Die Kinder_

(laut, mit aufgehobenen Händen)

Sternchen, Sternchen, kommt herbei!

(Im Nu stehen beide Sternchen, jedes neben seinem Kinde.)

_Mondmann_

(heranstürmend)

Was Sternchen, was soll die Pappelei!

(Jedes Sternchen hebt eine Hand und hält sie vor jedes Auge des

Rasenden.)

_Mondmann_

(stutzt und fährt sich an die Augen)

Nanu? -- Ich sehe nichts, bin ich blind?

Ich sehe nicht mehr, wo die Kröten sind!

(Er taumelt umher.)

Was habt ihr mit meinen Augen gemacht?

Rings um mich her ist finstere Nacht!

Wo ist meine Axt, mein Messer nur?

Hier war sie -- nein, hier -- nicht eine Spur!

Ich kann nichts finden, ich kann nichts sehn!

(Er taumelt immer weiter fort, bis er von der Szene verschwindet.)

Dort müssen sie sein! -- Dort müssen sie steh'n! --

Ich freß' euch mit Haut und Haaren, Gezücht,

Ihr entgeht mir nicht -- ihr entgeht mir nicht!

(Als die Stimme verhallt ist, fallen die Kinder den Sternchen jubelnd um

den Hals.)

_Die Kinder_

Liebe Sternchen, liebe Sternchen, wir danken schön!

Nun kann der böse Mann nichts sehn.

_Die Sternchen_

Macht schnell, macht schnell, verliert keine Zeit!

Lebt wohl, der Tag ist nicht mehr weit!

(Sie verschwinden.)

_Peterchen_

(sieht sich um)

Fort sind sie -- fort -- wir sind wieder allein! -- --

Komm, Anneliese, wir holen das Bein!

_Anneliese_

Du, Peterchen, mußt es herunterheben,

Und ich will es mit Spucke ankleben.

_Peterchen_

Ja, schnell ...

(läuft zu dem Baum und holt das Beinchen.)

Das war aber mal 'ne Not!

(Sie laufen mit dem Beinchen zum Maikäfer, der noch immer regungslos auf

dem Rücken liegt und sich tot stellt.)

_Anneliese_

Guck mal -- er ist vor Schreck ganz tot!

_Peterchen_

Kleb' ihm nur schnell das Beinchen an,

Dann wecken wir den Sumsemann!

_Anneliese_

(spuckt eifrig auf das obere Beinchenende, während sie das Folgende

sagt:)

Ja, Peterchen -- und -- du weißt es doch, --

Wo es hin muß -- da -- in welches Loch? --

_Peterchen_

(zeigt)

Hier, Anneliese -- hier muß es hin!

Und ordentlich drücken!

(Sie drücken beide.)

_Anneliese_

(pustet)

Nu ist es drin!

_Peterchen_

Jetzt sitzt es fest -- ganz ungeheuer!

(mit tiefem Aufatmen.)

Na, das war mal ein Abenteuer!

_Anneliese_

Nun weck' ihn auf!

_Peterchen_

(rüttelt ihn)

Herr Sumsemann,

Sehen Sie sich mal Ihr Beinchen an!

(Der Maikäfer schreckt auf, krabbelt und kommt auf die Beine.)

_Maikäfer_

Peterchens Mondfahrt: Ein Märchenspiel · 第 24 / 32 题