Er brauchte es nicht, aber er besaß es und, wo man auch die Totalität

seines Werkes anfaßte, war er auch in den Details ein Könner und sandte die

Wissenschaftler, die ihn attackirten, ebenso wie den geschwollenen St.

Beuve, die ihn mit Albernheiten angriffen, mit überlegenen Witzen der

Sachlichkeit nach Hause. Daß bei der Sitzung der wissenschaftlichen

Gesellschaft dieser Romanschriftsteller der einzige war, der Hippokrates

gelesen, ist für den Glanz seiner Romane, die nicht wie die von France mit

dem dekorativen Fries des Wissens behängt sind, so gleichgültig wie nur

etwas, aber es zeigt den Geist, der hinter den Werken stand.

Flaubert ist nie nach außen hin gescheit, aber er verstand es, das Wissen

um die Dinge der Welt und die Kreise ihrer Kulturen in seine Bücher so

hineinzuformen, daß es unbemerkt darin stand als Teil eines Menschen oder

einer Entwickelung, dergestalt, daß ihre Vollkommenheit so groß war, daß

sie das Milieu ihres Geistes nicht in Reden, sondern im Wesen hatten. So

goß sich schon in den Voraussetzungen wundervoll straff die Struktur der

Bücher, für die Marmor als Wort zu wenig und Stahl nicht süß genug für die

Kraft ist.

Denn was Hanswurste und Alberne das Artistische an ihm nennen, ist ja nur

das Überragende, und daß er eben verstand, alles zu wissen und nichts davon

spüren zu lassen, daß er hinter alles zurücktrat und alles laufen ließ,

aber dennoch eine Gewalt des Sinnbilds und eine Größe der Persönlichkeit

hinter das Geschaffene stellte, die furchtbar in ihrer Intensität und

bezaubernd in ihrer Schönheit sind.

Dies alles wird erkämpft, bedroht stets von den Massen der Wochen und

Jahre, die vor ihm stehen, und deren Schatten die Werke an die Wand werfen.

Stets wußte er, daß ein Buch vier Jahre von Qualen, ein Kapitel Monate von

Schmerzen kosten werde, daß er Nächte hindurch wie ein Toller, während die

Fischer ihre Boote nach seinem hellen Zimmer richteten, nach dem Ausdruck

in seiner präzisesten Schönheit, nach dem Satz von der vollendetsten und

gespanntesten Melodie suchen werde, und daß die Last der Jahre und der

ungeheuren Schlachten durch den Wall der Wissenschaften und die Barrikaden

der Zeit hindurch ihn fast erdrücken werden.

Dennoch wurde sein Menschliches nicht hart, sein Herz nicht Stein.

Maupassant, sein Schüler, den er wie einen Sohn liebt, widmet ihm seine

Gedichte so: »Gustave Flaubert, dem berühmten und väterlichen Freunde, dem

meine ganze zärtliche Anhänglichkeit gehört, dem untadeligen Meister, den

ich vor allen anderen bewundere.« Und in der Tat, Flaubert hat den

Maupassant nicht nur gelehrt, in großem Stil und in wundervoll

dichterischer Luft zu schreiben, sondern er war auch der Meister, der ihn

anwies, im Menschlichen nicht zu versagen und in dem Zeitalter der

Politiker, Schurken und kleinen Wänste ein Kerl zu sein.

Flaubert hat wohl die Masse grenzenlos verachtet, weil er aus der Dummheit

heraus den Urfeind für das menschliche Geschlecht kommen sah. Dem einzelnen

Menschen stand er mit Wohlwollen, manchem mit burschikoser Güte gegenüber.

Seine Freundschaft war unumstößlich von Garantie. Die besten Männer seiner

Zeit liebten ihn. Er wußte, daß Freundschaft nicht ein gesellschaftlicher

Akt ist, sondern zu beweisen sei. Zu den Premieren der Freunde fährt er

nicht aus Prestige, sondern um seine Hände und seine Bravos in ihren Dienst

zu stellen. Eine Reise Flauberts aber war ein Losreißen von seiner Arbeit

und ein Opfer von Bedeutung schon durch dies. Seine Briefe zeigen ein immer

großes Herz.

Der Athlet mit dem Gesicht eines gallischen Kriegers barg, gemischt mit

Verstand, ein rührendes Gefühl des Taktes. Welche Anschmiegsamkeit bewies

der Unerbittliche den ihm wesensfremden Büchern der fadenfein

aristokratisch schwächlichen Goncourts gegenüber, wie schrie er derbe

Komplimente über sein freundschaftlich gerührtes Herz.

Das machte aber, weil er larg war und seine Achtung vor dem künstlerischen

Willen mit seiner herzlichen Gesinnung zu vereinen vermochte. Er, der so

Vieles und so Hohes erstrebte und so sehr wie keiner um die Mühen wußte,

hatte, wie jedes Genie, Respekt.

Er war nicht einseitig und eine zu volle und geprüfte Natur, als daß er

sich nicht der Bedeutung, wie sie auch immer sei und ihm begegnete, beugte.

Alles Glühende, alles Erhabene lockte ihn. Er liebt Byron und Rousseau,

Montaigne und Hugo, Voltaire und Baudelaire. Jeder Adel zog ihn an. Aber

wie wußte er seine Natur zu zähmen, wo die Achtung seine Empfindlichkeit zu

übertreffen hatte. Wie stieß Zola ihn ab, aber wie erkannte er demütig sein

Genie an. Wie lächerlich fand er La Biche, doch wie respektierte er das

Handwerk selbst bei den Scharlatanen.

Er war souverän genug, anzuerkennen, und groß genug, Tadel zu verwinden.

Alles Niedere parierte er mit seinem Lächeln. Seine Ritterlichkeit war die

feste Achse seines Wesens. Als eine Zeitschrift Renan, den er verehrte,

angriff, zog er seine Mitarbeiterschaft an dem Journal zurück, dem er nah

verbunden war, denn es war ihm unerträglich, Bedeutung selbst von Freunden

geschmäht zu werden. Er identifizierte sich mit dem Genie, aber er

versäumte nicht, es mit Noblesse zu tun. Ja er, der die Menschen verachtete

und es auf sich genommen hatte, die ihn zerfleischende Bestie der Kunst

allein zu lieben, konnte, wenn es sein mußte, die Rücksichten der Kunst

zurücksetzen für seine Freunde, und als er für den bedrängten Maupassant

einen Aufsatz in den »Gaulois« schrieb, den er nicht mehr überlesen konnte,

hat er gezeigt, daß auch im Menschlichen zu opfern sein kühnes Herz im

Stande sei.

Auch verstand er das Leben genug, um zu wissen, daß Literatur zu machen und

Kunst zu lieben nicht genüge, wenn es aus blassen Herzen komme und er, der

nichts verachtete als das Gemeine und alles anerkannte außer dem Unedlen,

stand genug fest auf dem Boden dieser Erde, um zu verlangen, daß die

Dichter so von allen Spannungen zur Höhe durchlaufen seien, daß sie alles

beherrschen müßten: den Fischfang und den Seiltanz wie das Gefühl für die

Schönheit.

Sein großes Herz ist ohne Echo geblieben wie das aller überragenden. Er

wurde ausgenutzt und verlassen, schenkte und erhielt nichts. Der

instinktive Haß der Öffentlichkeit, der Presse, der Schreiber gegen das

verhüllt Gewaltige bewies ihm Schädigung, nie eine Förderung. Doch er wußte

darüber sein grimmiges Lächeln zu lächeln. Er hatte eine Geliebte, die ihn

nicht verließ, und er hatte ja sein Dasein selbst gestaffelt und gewählt.

Er kannte seine Tragik.

Denn er war mit großem Anspruch an das Leben und zahlreichen Gelüsten

geboren. Aber die verdammte Literatur, für die er sich völlig entschieden,

hatte sie alle in seinen Bauch zurückgetrieben. Auch kannte er die Arbeit

nicht nur als Wollust, sondern er kannte sie bis in ihre verbrecherischsten

Tiefen: die Schützengräbenkämpfe um die Kunst . . . und kannte fürwahr die

unfruchtbare Last der Tage und Wochen, wo er Kunst beschwor, und wo nichts

kam, zu gut, als daß er Enttäuschung im Menschlichen (was doch gering war

gegen den Zustand, wo Kunst ihn verließ) nicht leicht und rasch ertragen

hätte.

Dennoch war er ein Lebenskünstler wie wenige. Wie die Solidität seiner

dichterischen Gesichte war seine Kenntnis der Menschen fest fundiert. Denn

durchschaute er sie nicht, wäre seine Unerbittlichkeit nicht so groß.

Er weiß alle Schlechtigkeit, man hat sie, jede, an ihm erprobt. Er weiß

alle Sünden, denn alle Versuchungen sind an ihn herangetreten. Und die Welt

und die Frauen, die er verlassen hat, und die Schritte der Dromedare in

purpurnen Abendhimmeln und die großen Räusche italienischer Buchten und der

Segel des Nils sind nicht ohne Größe wahrhaftig an das ihnen verschlossene

Haus in Croisset getreten . . . und alle Versuchungen der Welt hat wahrlich

nicht nur sein »Heiliger Antonius« durchlebt.

Er kennt die Kompromisse, die das Leben ausstreckt, und er ist alt genug

geworden, zu sehen, wie seine Generation und die Menschen seines Alters

sich gehalten haben und er erschrickt. Er gibt nur einen Rat, hart zu sein

und dem Edlen nur zu leben, das heißt, unerbittlich nach Kunst zu streben

und alles zu verachten, was nicht dahin zielt.

Doch ist er Weltmann genug, die Höflichkeit in das Gebiet der Liebe und

nicht in das der Strenge hinüberzuziehen, und er verehrt und liebt seine

Freundin, eine bonapartische Prinzessin, obwohl er weiß, daß ihre Äußerung

über Geistiges nicht mehr wiegt wie die eines sechsjährigen Kindes, aber er

weiß ebenso der Bemühung ihres Salons um Kunst und der Würde ihrer Abkunft

den Respekt zu geben, der gehört.

Er weiß auch, daß die Literatur der sicherste Maßstab für die Menschen ist,

doch ist ihm auch nicht fremd, daß die Wirklichkeit sich nie dem Ideal

beugt, aber daß sie dieses vielmehr bestätigt.

Wer seine Zeit so verachtete, daß er aus seinen modernen Romanen stets

wieder in die Glut der antiken stürzte, wer sich erst überwinden mußte,

auch das Zeitgemäße zu Würde zu gestalten, kann für Politik, die sein

Jahrhundert verdarb, nichts anderes wie Abscheu haben. Er stand wie alle

Geistigen zwischen den Lagern. Er hatte Sympathie für die Tradition, soweit

sie adlig war, aber er haßte die Reaktion. Doch war sein Blut zu

aristokratisch, als daß er die Demokratie in einer Republik aufgeplusterter

Mittelmäßigkeiten geliebt hätte. Er hatte soziales Gefühl, aber er war kein

Sozialist, ja er haßte diese Masse, die anrückte, wie jedes Publikum.

Er war wie sein großer Vorfahr Cicero und wie Plato für die Herrschaft

einer Majorität, die nicht Nummer und Masse ist, sondern durch Generationen

aufgeklärt ist, aus der Geschichte gelernt hat und eine legitime

Aristokratie abstellt.

Da er aber weiß, daß dies der Brennpunkt aller Dinge ist, und daß hier die

Dummheit unbesiegbar scheint und jene Tragik beginnt, die unser Dasein in

Krieg und Frieden auseinander reißt, wendet er sich mit der Gebärde der

Verachtung ab. Er entscheidet sich für die Kunst, der er treu dient wie

keiner, und in deren Sphäre er diese Gegensätze, ohne respektlos sich

hineinzumischen, in großen Gestaltungen seiner Hand schicksalshaft und mit

monumentaler Geballtheit sich abrollen lassen kann.

Doch war er durch den ewigen Verzicht, sich direkt zu äußern, mit Meinungen

bis zum Platzen gefüllt. Er hatte nur immer, statt zu erklären oder zu

loben oder zu verurteilen, in die Handlungen seiner Figuren alles karg

hineingestopft, und es wuchs glatt in das Ebenmaß ihrer Konturen. Er

schrieb für die Ewigkeit und die Dichtung und nahm daher nicht kritisch

Stellung, er malte keinen Jahrzehntgott, sondern nur unter Dauergesetzen.

Aber manchmal, wenn die Dummheit ihn zu ersticken drohte, entschloß er sich

wohl, im Alter, wenn er verdienstlich die großen Werke beiseite gelegt und

seine Mission erfüllt hätte, Kritik zu treiben und in den Tag hinein das

Schwert seiner Meinung zu tragen.

Er kam nicht dazu. Doch war er so unintellektuell, so unjüdisch gescheit,

daß, hätte er geschrieben, nicht der Clown St. Beuve, sondern Flaubert der

größte Kritiker seiner Zeit gewesen wäre. Seine Briefe, Muster an

kristallener Klarheit, geben die Geschichte seiner Zeit, die Kritik der

Literatur und das Urteil ihrer Menschen darin, kurzweilig und furchtbar,

derb und gewaltig und in jedem Sinn meisterlich.

Flaubert wußte genau, wo er stand, was das Schicksal von ihm wollte und

wohin er strebte. Das ist erstaunlich, mit welchem Anspruch auf

Meisterliches und welchem Wissen um die Furchtbarkeit seines Kampfes sowohl

wie auch um die vollendete Höhe seiner Mission er auftrat.

Erstaunlicher noch ist, wie die drei Längengrade, die seine Wallfahrt

gliedern: die Größe und das Leben und die Kunst, in einer unverwirrbaren

Symmetrie sich durch sein Dasein gelegt haben.

Worum verzweifelt die andern ringen, den _einen_ Ausgleich nur zwischen

Kunst und Leben sich zu erfinden, das vermochte er, indem er sein Leben

hingab, auch noch ohne Erschütterung mit dem Anspruch auf Größe zu

vereinen. Die Opfer, die auf dem einen Ufer niedergelegt wurden, haben auf

dem andern wundervolle Triumphe gebracht.

Er wußte die unzerreißbare Kette seiner Romane in dieses Dreieck

einzuspannen, und was er an Leben hineingab, wuchs ihm an Größe wieder in

das Herz zurück, ein beglückender Kreislauf. In ihm ward das repräsentative

Werk des Jahrhunderts geformt.

In diesem Sinne ist das bürgerliche Verenden in der »Bovary« nichts anderes

wie der herrische aufgebäumte Untergang in »Salambo« und die »Versuchungen

des Antonius« haben irgendwo die gleiche Welt wie das furchtbare Grau vor

»Bouvard et Pécuchet«.

Flaubert, der immer disponierte und, ein gewaltiger Taktiker der Arbeit,

die Laufgräben gegen die Kunst lanzierte, hatte auf einen Samstag das Ende

seines letzten Romanes und seine Abreise nach Paris festgesetzt. Er rief

noch nach einem Parfüm und starb an diesem Tage auf seinem Divan.

Maupassant telegraphierte in die Welt. Zola reiste durch halb Frankreich

und traf in der Droschke zwischen Croisset und Rouen auf der Landstraße den

Leichenzug, dem wenige Menschen folgten und den im Tod die Treuesten selbst

verließen, und der den größten Romanzier Europas ins Grab trug, das

wiederum zu klein geschaufelt war, um seinen Sarg fassen zu können, der

kopfüber in die Erde stürzte, daß selbst die Menschen, die das Furchtbarste

kannten, zu weinen anfingen über die tolle Kraft des Todes, dem auch die

erlesene Größe nichts anderes wog wie einen Witz.

Als sie vorher auf dem kilometerlangen Weg durch die Sonne den Gallier mit

dem Schnurrbart eines Feldherrn durch seine Vaterstadt Rouen fuhren,

standen die Leute vor den Toren, um die Pariser Journalisten und Zola zu

sehen. Der Name Gustave Flaubert erinnerte sie nicht an sein Werk, sie

erinnerten sich vielmehr dabei seines Vaters, der Arzt in der Stadt gewesen

war.

Hier aber trugen sie unerkannt einen der besten Söhne des Jahrhunderts an

ihnen vorbei. Voltaire wußte es: »Das Leben ist ein kalter Scherz.«

Aber der Ruhm ist ewig und über alle Dummheit hinaus der Historie

angehörig, wenn man solch ein Kämpfer für die Ewigkeit war.

Kasimir Edschmid

im zeitgenössischen Urteil.

*

TIMES (LONDON):

Kasimir Edschmid ist einer der berühmtesten Prosaschriftsteller der

zeitgenössischen deutschen Literatur.

REVUE MONDIALE (PARIS):

Edschmid ist ein großer Künstler und gleichzeitig eine der eindringlichsten

Intelligenzen seines Landes, wie es seine Aufsätze und sein kritisches Werk

beweisen.

GOETEBORGSPOSTEN

(GÖTEBORG):

In der jungen Generation, die in Deutschland die Möglichkeit der Prosa

erneuert, nimmt Edschmid eine leitende Stellung ein.

L'ART LIBRE (BRUXELLES):

Im Anblick seines ersten Buches hielt man Edschmid für einen Novellisten.

In den »Achatnen Kugeln« beweist sich nunmehr eine bewunderungswürdige

Gestaltung des Romans, und durch seine literarischen Aufsätze hat er den

ersten Platz unter den Kritikern in Deutschland eingenommen.

HET GETIJ (AMSTERDAM):

»Die doppelköpfige Nymphe« ist die Urteilssammlung heftigster Prägung über

alles heutige deutsche Dichten und Schreiben, ebenso umsichtig wie

verantwortungsbewußt. Eine solche Überlegenheit, daß die Erbübel des

deutschen Sagens »Ungefährsein, Träumerei, Zufälligkeit« fast hinschwinden.

NIEUWE ROTTERDAMSCHE

COURANT (ROTTERDAM):

Ein Blick auf Kasimir Edschmids Werk zeigt mehr wie alles Theoretische über

die neue Richtung des Romans. Die Frage, was sie in Deutschland will, kann

im Weggehen über die zeitlichen Zusammenhänge und in dem Eindruck von einem

gewaltigen, durchdringenden Lebensgefühl durch den Roman »Die Achatnen

Kugeln« glatt beantwortet werden.

PESTER LLOYD (BUDAPEST):

Die »Achatnen Kugeln« eine mächtige Kurve durch Himmel und Hölle des

modernen Diesseits. Ein bis zur Utopie modernes Werk. Übernational nicht

infolge Milieus, auch nicht infolge politischen Bekenntnisses, sondern

infolge eines köstlichen Mischblutes; hispanisch des farbentrunkenen Auges

helldunkle Glut, gallisch der Linienführung federnde Eleganz, germanisch

der Gestaltung eiserne Konsequenz, angelsächsisch des athletischen Körpers

Zentraleinstellung, skandinavisch aller menschlichen Brandung helle

Keuschheit. Des Werkes prägnanteste geistgeschichtliche Definition: der

Gegenpol Dostojewskis.

RUDOLF FRANK

(FRANKFURTER NACHRICHTEN):

Schon nach den ersten Abschnitten der »Doppelköpfigen Nymphe« drängt es

Zeugnis abzulegen, daß hier ein Geist spricht, denkt, schildert und

scheidet, wie ihn deutsche Literatur nur selten, ganz selten unter ihren

zahlreichen Beurteilern fand. Seit Kerrs gesammelten Schriften kam kein

Werk, das deutscher Literatur mit so untrügerischem Instinkt, mit so

treffendem Verstand, mit so umfassendem, durchglühenden Gefühl und

bildnerischer Kraft entgegenblickte als Edschmids »Doppelköpfige Nymphe«.

So schreibt ein Dichter Literaturgeschichte. In fünfzig Jahren wird man

diesen Edschmid einen deutschen Klassiker nennen.

CARL STERNHEIM

(TRIBUNAL):

Ich habe Ihren Roman »Die Achatnen Kugeln« in einem Atem gelesen. Sie

stehen mir mit seiner Vollendung kameradschaftlich vielleicht von deutschen

Dichtern der Gegenwart am nächsten. Eine Elementarkraft deutscher Dichtung.

Nicht bravo -- aber Hosianna!! Ihre Sprache ist stellenweise zum Weinen

schön. Es gibt Sätze, wo ich kein Vergleich mehr bin. Aber Baudelaire ist

es. Ich bin glücklich, einem Mitschaffenden sagen zu können: Ich danke. Das

ist wunderschön. Indem ich Ihnen dazu, weil ich weiß, welch hohen Ehrgeiz

Sie haben, als Älterer die Hand drücke, bin ich sehr mitbeteiligt an der

siegreichen Durchdrückung Ihres Werkes gegen die zu erwartende Dummheit und

Faulheit deutscher Kritik.

RENÉ SCHICKELE

(FRANKFURTER ZEITUNG):

Reitet er nicht etwa gut, der Edschmid? Reitet er nicht schön? Hat er nicht

den Wind der ganzen, sich drehenden Welt im Gesicht? Voller Anmut selbst,

wenn er salopp sitzt. Seine Novelle gibt sein volles Maß, sein Wesen, Höhe

und Tiefe. Kritiken wie eine kann nur ein ganz starker Dichter schreiben.

Ich glaube nicht mehr an die Literatur. Aber ich glaube an Kasimir Edschmid

und sein Werk.

PAUL COLIN (PARIS):

Die »Doppelköpfige Nymphe« ist das Chef d'oeuvre der zeitgenössischen

deutschen literarischen Kritik.

HERMANN BAHR

(NEUES WIENER JOURNAL):

Ich nenne Kasimir Edschmid, der durch seinen hochgespannten, edlen Ehrgeiz,

die große, priesterliche Gebärde, die Strenge seines künstlerischen

Gewissens, sein reines Pflichtgefühl, den weiten Blick für alle Probleme

des Abendlandes und wohl auch durch seinen sorgsam verwalteten, klug

gebrauchten Einfluß eine fast diktatorische Macht über einen guten, ja

vielleicht den besten Teil der gebildeten Jugend hat.

ROBERT MUELLER

(FREMDENBLATT, WIEN):

Edschmid ist eines der stringentesten europäischen Talente.

Von

Kasimir Edschmid

erschienen:

BEI ERICH REISS

Über den Expressionismus in der Literatur

und die neue Dichtung

Kean, Schauspiel in fünf Akten nach

Dumas.

*

BEI KURT WOLFF

Die sechs Mündungen, Novellen / Das

rasende Leben, Novellen /

Timur, Novellen.

*

BEI PAUL CASSIRER

Die Fürstin, Novellen / Die doppelköpfige

Nymphe, Aufsätze über die Literatur und

die Gegenwart / Die Achatnen Kugeln,

Roman / Frauen, Novellen.

*

Bücher aus dem

Verlag Wolf Albrecht Adam

DIE SCHWARZEN BÜCHER:

1. Theodor Lessing: Dührings Haß /

2/3. Kasimir Edschmid: Hamsun /

Flaubert, Zwei Reden / 4/5. H. A. Korff:

Goethe und der Sinn seines Lebens;

Der Geist des westöstlichen Divans.

Zwei Vorträge.

*

ÜBERNOMMEN:

Aus dem Verlag Harry Wolff:

Walther Teich: Die Gefangenen, Ein

Spiel in 4 Bildern.

Aus dem

Verlag Der weiße Lotus, Frankfurt a/M.:

W. A. Adam: Weltsymphonie.

*

*

Druck

Th. Schäfer

Hannover

*

Hamsun / Flaubert: Zwei Reden · 第 3 / 3 段