Peking-Paris
im Automobil.
Eine Wettfahrt durch Asien und Europa in sechzig Tagen.
Von
Luigi Barzini.
Mit einer Einleitung
von
Fürst Scipione Borghese.
Mit 168 Abbildungen und einer Karte.
[Illustration]
Leipzig:
F. A. Brockhaus.
1908.
Inhaltsverzeichnis.
Seite
_Einleitung._ Von _Fürst Scipione Borghese_ 1-18
_Erstes Kapitel._ Von Paris nach Peking 19-38
_Zweites Kapitel._ Die Abfahrt 39-61
_Drittes Kapitel._ Zur Großen Mauer 62-88
_Viertes Kapitel._ Auf dem Gebirge 89-122
_Fünftes Kapitel._ An der Schwelle der Mongolei 123-144
_Sechstes Kapitel._ Durch die mongolische Steppe 145-174
_Siebentes Kapitel._ In der Wüste Gobi 175-198
_Achtes Kapitel._ Die Stadt der Wüste 199-225
_Neuntes Kapitel._ Urga 226-250
_Zehntes Kapitel._ Auf dem Wege nach Kiachta 251-276
_Elftes Kapitel._ Transbaikalien 277-303
_Zwölftes Kapitel._ An den Ufern des Baikalsees 304-330
_Dreizehntes Kapitel._ Der Einsturz der Brücke 331-356
_Vierzehntes Kapitel._ Im Gouvernement Irkutsk 357-380
_Fünfzehntes Kapitel._ Im Jenisseibecken 381-402
_Sechzehntes Kapitel._ Das gelehrte Tomsk 403-422
_Siebzehntes Kapitel._ In der Steppe 423-443
_Achtzehntes Kapitel._ Der Ural 444-458
_Neunzehntes Kapitel._ Von der Kama zur Wolga 459-477
_Zwanzigstes Kapitel._ Von der Wolga zur Moskwa 478-501
_Einundzwanzigstes Kapitel._ Aus Rußland heraus 502-514
_Zweiundzwanzigstes Kapitel._ Das Ziel rückt näher 515-530
_Dreiundzwanzigstes Kapitel._ Paris 531-544
_Anhang_ I. Die Familie Borghese 545-546
_Anhang_ II. Das Automobil 547-553
_Register_ 554-558
_Isola di Garda_, im September 1907.
Lieber Barzini!
Es hat sich also doch jemand gefunden, der nach allem -- trotz unserer
zweimonatigen Anstrengungen, trotz der Felsen, Flüsse, Wüsten und
Wälder, Sümpfe und Bankette, die wir hinter uns haben -- der nach
alledem behauptet, daß unsere Reise nur das _eine_ bewiesen habe, daß
man im Automobil _nicht_ von Peking nach Paris fahren könne!
Der Satz hat in seiner Aufrichtigkeit etwas Barbarisches an sich.
Aber, gestehen wir es nur zu, er ist buchstäblich richtig, und gerade
wir haben bewiesen, daß es heutzutage bei ausschließlicher Benutzung
des Motors eines Automobils unmöglich ist, in ununterbrochener Fahrt
und in die weichen Kissen des Fahrzeugs gelehnt sich von Peking nach
Paris zu begeben. Es würde daher vom finanziellen Standpunkte aus
nicht zu empfehlen sein, auf Grund unserer Erfahrung eine regelmäßige
Automobillinie einzurichten, um die kleinen, höchst eleganten
chinesischen Chansonetten von der Hauptstadt des Himmlischen Reiches
nach dem Moulin Rouge in Paris zu befördern, ohne ihre winzigen Füßchen
nur im geringsten zu ermüden.
Aber hat die Fahrt Peking-Paris, abgesehen von diesem wesentlichsten
Punkte, keine positiven Ergebnisse geliefert?
Ich kehre im Geiste nach Kiachta zurück, in das schmucklose Heim des
Millionärs, wo die Herrin des Hauses mit ihrem breiten, gutmütigen
Lächeln aus der Küche in den Speisesaal trat und auf die Tafel
lange Reihen Flaschen edeln Weines und riesige Platten stellte, auf
denen tranchierte Hammel und Kälber lagen und sich wahre Berge von
Mehlspeisen und Reis erhoben; wo Falia, die kleine Burjatin, ihr
frisches, ein wenig scheues, einer Steppenblume gleichendes junges
Gesichtchen zeigte; wo die alten und neuen Freunde ohne Einladung
und ohne Höflichkeitsphrasen kamen und gingen und in ungezwungener
Weise ihren Anteil an der Gastfreundschaft und den Tafelfreuden
entgegennahmen.
Und ich erinnere mich der Gespräche an der reichbesetzten Tafel,
die alle darauf hinausliefen, den praktischen Nutzen unserer
Durchquerung der Wüste Gobi zu erörtern -- wir hatten die siebzehn
Tage der schnellsten Karawanen auf vier vermindert --, sowie der
eingehenden technischen Fragen über die Möglichkeit, sich dieses
raschen Beförderungsmittels zu bedienen, um wenigstens einen Teil der
Teetransporte, die jetzt bis Wladiwostok ausschließlich das Meer und
von dort die transsibirische Eisenbahn benutzen, bis zu diesem Punkte
der Grenze zu leiten.
Erinnern Sie sich noch der Begeisterung unseres Gastfreundes in
Irkutsk, der bis Nischne-Udinsk die Freude unserer Fahrt kostete,
als unsere Brust mit tiefen Atemzügen den balsamischen Hauch des
Fichtenduftes auf den guten, trockenen Straßen Sibiriens einsog? Ja, in
ihm ist sicherlich der Keim zur Automobilleidenschaft zurückgeblieben.
Und in der guten Jahreszeit sind die Möglichkeiten der Benutzung des
Automobils auf jenen sibirischen Straßen tatsächlich unbegrenzt.
In Krasnojarsk hatten wir lange Unterredungen mit zwei praktischen,
ernsten Engländern, Konzessionaren und Ingenieuren von Goldminen.
Für sie handelte es sich darum, eine raschere Verbindung zwischen
Krasnojarsk und Jenisseisk herzustellen, und unsere Maschine, die in
dem Hofe des Gasthauses „Metropole“ in tadelloser Beschaffenheit
stand, trotzdem sie mehr als 3000 Kilometer auf schrecklichen Straßen
zurückgelegt hatte, schien ihnen ein interessanter Gesprächsgegenstand
und eröffnete vor ihren Augen einen neuen, weiten Horizont unerwarteter
Lösungen.
[Illustration: Fürst Scipione Borghese.]
In Tomsk war es, im Hause des Gouverneurs. Dort unten im Süden,
im äußersten Zipfel seiner Provinz, die die Flächenausdehnung des
Deutschen Reiches besitzt, erhebt das Altaigebirge seine Alpengipfel
und bietet der menschlichen Betriebsamkeit seine an Mineralschätzen
reichen Täler und Berghänge dar. Und während mir der Gouverneur von den
Schicksalen einer englisch-russischen Gesellschaft erzählte, die die
Verbindung von Tomsk mit dem Eismeere zu verbessern beabsichtigte,
indem sie in der Sommerszeit den Ob mit großen Lastschiffen befahren
wollte, und während er mir den Nutzen, den Mittelsibirien davon haben
würde, den ganzen Vorteil, der der Industrie und dem Export des Landes
daraus erwachsen würde, auseinandersetzte, während alledem verfolgten
seine modern geschulten, in die Ferne gerichteten Augen den Traum,
Tomsk mit Barnaul und Biisk und den Hauptpunkten des Bergwerksbetriebes
des Altai durch schnelle Automobile zu verbinden! Und der Traum wurde
näher ins Auge gefaßt und kritisiert: kurz, seine Durchführbarkeit
wurde erörtert.
Weiter nach Westen zu, in Omsk, befanden wir uns mitten in der Steppe.
Dort ist die Regenzeit viel kürzer als im sibirischen Urwalde, der
Taiga; der Steppenboden erweist sich widerstandsfähiger gegen den
Regen, das Gelände ist fast vollständig eben.
Wir fanden hier die Wegeverhältnisse der nördlichen Mongolei wieder,
wo wir auf der Antilopenjagd unsere Maschine mit der allergrößten
Geschwindigkeit hatten dahinrasen lassen können. Und wir fanden hier
ein ungeahntes, wunderbares Gebiet der Tätigkeit und des Fortschritts.
Im Jahre 1906 hatte eine Ausfuhr von Butter im Werte von 40 Millionen
Rubel und in demselben Zeitraum eine Einfuhr von sechs Millionen Rubel
landwirtschaftlicher Maschinen stattgefunden. Die Betriebsamkeit der
intelligenten Russen, der fleißigen, klugen Sibirier, der arbeitsam
und geschickt gewordenen Kirgisen wurde geleitet und gefördert von
der weitsichtigen, unternehmenden finanziellen und kommerziellen
Tätigkeit von Dänen, Engländern, Norwegern und Deutschen. Es war eine
rührige Welt, die durch Viehzucht, Milchwirtschaft, Butterbereitung
Reichtümer erwirbt, indem sie zugleich die Weideplätze verbessert und
den Futterbau rationeller gestaltet.
Das Gebiet dieser alljährlich intensiver werdenden Ausnutzung erstreckt
sich über die ganze Steppenregion, wo die Kirgisenhorden, von ihrem
Rasseninstinkt getrieben, als Nomaden von einem Weideplatz zum andern
ziehen. Dieser Aufschwung breitet sich in Tausenden von Adern über
alle Dörfer aus, in denen die Einwanderer von heute und die Söhne der
alten Verbannten des europäischen Rußland sich zu neuen arbeitsamen und
gedeihenden Gemeinwesen zusammenschließen. Von Omsk bis Kurgan, bis zum
Balkaschsee und bis Semipalatinsk dehnt sich die unermeßliche Steppe
aus und steigert sich heute die Möglichkeit, morgen die Notwendigkeit
von Automobilverbindungen und von Transporten mit Hilfe des Automobils.
Und dann nach Tjumen und Jekaterinburg, unter jener bescheidenen,
arbeitswilligen Bevölkerung, in jenem unerschöpflichen Bergwerksgebiete
des Ural, wo jeder Hektar Land einen Schatz verborgener Reichtümer
darstellt und wo der Stein die Straße weniger problematisch macht. Und
weiter, weiter, bis an die deutsche Grenze: überall hinterließ die
Fahrt unseres Automobils, das den härtesten Prüfungen widerstanden
hatte, das unversehrt mechanische Torturen überdauert hatte, bei denen
die kräftigen Tarantasse und die leichten Telegas in Trümmer gegangen
wären -- überall hinterließ unsere Fahrt eine Furche und vielleicht
einen Samen sicherer zukünftiger Zivilisation, rascheren Fortschritts,
weil unsere Maschine überall das Bild einer möglichen regelmäßigen
Verbindung hervorrief, mittels deren das Blut der Völker lebenerweckend
die Erdteile durchkreisen kann.
Aber jenseits der russischen Grenze, im westlichen Europa? Hier
durcheilte das Automobil die deutschen und jene wunderbaren
französischen Straßen, hier ist die Automobilbenutzung nicht mehr
ein Traum der Zukunft, sondern ein Problem der Gegenwart. Hier, im
westlichen Europa, wuchs der Erfolg unserer Mühen ins Riesenhafte;
er trat in den Erörterungen der Techniker, in der Begeisterung der
Bevölkerung zutage.
Das ist verständlich. Hier erschien allen Leuten unser Unternehmen
von größerer Bedeutung, sein Nutzen unmittelbarer. Es handelte sich
nicht darum, irgendwelchen lokalen Nutzen zu stiften, das Interesse
einer begrenzten Anzahl von Industriellen und Kaufleuten zu fördern,
es handelte sich vielmehr um eine neue, entscheidende Stärkung einer
vorwiegend europäischen, jungen, aber lebensfähigen und rührigen
Industrie, in der eine enorme Menge von Kapital, Wissenschaft und
Intelligenz und von geschickter und geschulter Arbeit angelegt ist. --
Wenn ein Staat seine Artillerie erneuern will, so veranstaltet er,
nachdem die technischen Probleme studiert, die eingereichten Projekte
geprüft, die ersten Anhaltspunkte gewonnen sind, Kraftproben bis zur
äußersten Grenze der Leistungsfähigkeit. Die Metalle werden auf die
Maximalgrenze ihrer Widerstandskraft geprüft, sie werden auf Zug, auf
Drehung, auf Druck untersucht, sie werden nach jeder Richtung hin
weit über das Maß des Notwendigen in Anspruch genommen. Wenn dann
der Feuerschlund mit aller ballistischen Genauigkeit gegossen ist,
so veranstaltet man Probeschießen, bei denen die Ladungen übermäßig
gesteigert, die Explosivstoffe gewechselt werden, und man ist nicht
zufrieden, wenn das Geschütz nicht Anstrengungen widersteht, die
viel gewaltsamer und dauernder sind als die, die es in der Praxis
auszuhalten bestimmt ist.
Der „Raid“ Peking-Paris war eine solche äußerste Kraftprobe der
_Automobilfabrikation_ und als solche interessierte er das Publikum.
Unsere Personen und der Name der Fabrik standen in zweiter Linie; unser
Fahrzeug repräsentierte die Automobilfabrikation im allgemeinen.
Die zivilisierte Welt wohnte dieser Kraftprobe bei, der umfassendsten,
vollständigsten und überzeugendsten, der das neue Werkzeug bis dahin
unterworfen worden war, einer Kraftprobe, die zu dem Zwecke unternommen
wurde, einen weiteren, entscheidenderen Schritt nach vorwärts auf dem
Wege der Abschaffung menschlicher oder tierischer Triebkraft zu tun.
Diese Abschaffung ist eines der Kennzeichen sozialen Fortschritts.
Als ich die Herausforderung des Pariser „Matin“ annahm, hatte ich
folgendes Ziel vor Augen: _zu zeigen, daß ein gut gebautes, mit Umsicht
und Sorgfalt geleitetes Automobil imstande ist, auf langen Reisen durch
Gelände mit oder ohne Straßen die Zugtiere tatsächlich zu ersetzen_.
Was tut es, wenn das Automobil wenige Meter weit von Menschenarmen
gezogen wird; was verschlägt es, wenn man es von Zeit zu Zeit mit Hilfe
von Seilen und Hebeln aus dem Sumpfe oder aus dem Sande herausholen
oder es auf eine Fähre oder einen Kahn laden muß, um Wasserläufe
zu überschreiten, die man nicht durchwaten kann? Sind diese kurzen
Hemmnisse, die wenige Stunden Verspätung bedeuten, vorüber, so ist
die Maschine wieder zu ihrer gewohnten Kraftentfaltung befähigt, die
kein Zugtier so lange und so ununterbrochen aushalten könnte, die sie
aber ohne nennenswerte Beschädigung in zuverlässiger, andauernder
Arbeitsleistung übersteht.
Und „Peking-Paris“ hat mir recht gegeben.
Mein Wagen, die „Itala“, hat, ohne daß ich zu außergewöhnlichen
Mitteln greifen mußte, die lange Fahrt bestanden auf Straßen,
die fast durchgehends schlecht, häufig sehr schlecht waren, und
unter klimatischen und Temperaturverhältnissen, unter denen der
gesamte Mechanismus der härtesten Probe ausgesetzt war: der Rahmen
von den Stößen und Rucken hin und her gerüttelt; der Motor auf
steilen Aufstiegen, wo die Räder im Sande oder auf vom Regen
schlüpfrig gewordenen lehmigen Stellen schleiften, überhitzt bei
vielstündiger, sehr langsamer Fortbewegung unter hoher Außentemperatur
und auf schwierigem Gelände; die Vergasung anormal infolge der
Thermometerschwankungen von zehn und zwanzig Grad, in einem Klima,
das von tagelanger Trockenheit zu täglich wiederkehrendem Regen und
Feuchtigkeit übergeht; die Kuppelungen und das Getriebe fortwährenden
Stößen ausgesetzt und die Reibung jeden Augenblick aufgehoben und
wiederhergestellt!
Kurz, alle Teile -- ich spreche nicht von den Rädern und Federn,
die der Anstrengung unterlegen sind -- wurden einer Kraftprobe
ausgesetzt, wie sie nie zuvor stattgefunden hatte. Und bei den etwa
16000 Kilometern, die wir durchfahren haben und von denen 12000 ohne
chaussierte Straßen waren, beträgt die Länge der Strecken, die das
Automobil nicht lediglich durch seinen Motor bewegt zurückgelegt hat,
noch nicht 200 Kilometer!
Ich erkläre mich von dem praktisch erzielten Erfolge befriedigt, auch
wenn es sich erwiesen hat, daß man heute noch nicht in _einem_ Zuge und
ohne von der Maschine zu steigen von Peking nach Paris fahren kann! --
Aber den Erfolg verdanken wir einigen Faktoren, auf die ich jetzt zu
sprechen kommen will.
Ich schweige von der Maschine. Der tatsächliche Ausgang hat sie als
vorzüglich erwiesen, aber sie war, um es kurz zu bezeichnen, nur das
Werkzeug des Erfolges, nur der Meißel, mit dem ein Künstler eine
Statue aushaut, die er nach seinem Schönheitsideal schaffen will.
Die intelligente Hand, die den Meißel führt, ist für das Kunstwerk
wichtiger, und diese war auch bei der umsichtigen Vorbereitung unserer
Fahrt tätig.
Die Auswahl der Maschine wurde nach bestimmten Gesichtspunkten
getroffen. Man weiß, daß Stärke und Leichtigkeit relative Begriffe sind
und daß eine Maschine von 2000 Kilogramm und 40 Pferdekräften leichter
und brauchbarer sein kann als eine von etwas geringerem Gewicht
und viel geringerer Stärke. Wir waren auch bei der Aufstellung der
Berechnungen sehr vorsichtig. Eine große Menge von Ersatzteilen nahmen
wir mit, die ordnungsgemäß im hinteren Kasten der Maschine verpackt
wurden; es wurde aber glücklicherweise fast nie nötig, aus ihm etwas
herauszunehmen. Die Ergänzungsvorräte an Verbrauchsgegenständen wurden
in reichlicher Menge und nach einem sorgfältig durchdachten Plan auf
die zu durchfahrende Strecke verteilt.
Die kurze Zeit vom 15. Februar 1907, dem Tage der endgültigen Annahme
der Aufforderung, bis zum 10. Juni 1907, der für die Abfahrt von Peking
festgesetzt worden war, gestattete keine brieflichen Unterhandlungen.
Es wurde alles mündlich und telegraphisch bestellt.
[Illustration: Die „Itala“ mit Fürst Scipione Borghese und Chauffeur
Ettore Guizzardi.]
Von Schanghai kamen nach Peking das für die Fahrt durch China und die
Mongolei erforderliche Benzin und Öl; von Petersburg aus beabsichtigte
die Firma Nobel, in Sibirien und Rußland die für die Fahrt durch das
unermeßliche Reich nötigen Mengen bereitzustellen.
Langsame Kamelkarawanen -- wie viele von ihnen überholten wir, während
sie im Lichte des grauenden Morgens oder in der langen Abenddämmerung
schläfrig dahinschritten, oder während sie haltmachten und die Männer,
in ihren arabeskengeschmückten Zelten ausgestreckt, die Stunden der
sengenden Tageshitze über sich hinziehen ließen! -- schafften von
Peking an den einsamen Brunnen von Udde, in die heilige Stadt Urga
das für die technische Eroberung der Wüste Gobi Erforderliche, und
die Eroberung wurde dadurch leicht. Andererseits erreichten uns mit
der transsibirischen Bahn die zur Durchführung und Sicherung der
Fahrt nötigen Vorräte in den großen Städten und kleinen Flecken längs
des alten sibirischen „Trakt“, der Straße, die, bevor unsere freie
Maschine, von der die Flagge eines freien Volkes im Winde flatterte,
sie befuhr, so viele Scharen armer, leidender und doch stolzer Wesen
hatte vorüberziehen sehen, die verbannt worden waren, die ihr edles,
nach Freiheit und Gerechtigkeit dürstendes Herz weitweg vom Vaterlande
in die Ferne tragen mußten!
Aus Italien gelangten die Pneumatiks an die vorher bestimmten
Etappenorte, und in Omsk war ein Lager von Ersatzteilen beabsichtigt,
namentlich von Rädern und Federn, die in dieser Stadt, die ungefähr in
der Mitte der ganzen zu durchfahrenden Strecke liegt, voraussichtlich
ausgewechselt werden mußten.
Die erforderlichen Mengen Öl und Benzin waren folgendermaßen berechnet:
auf dem Wagen selbst wurden etwa 300 Kilo Benzin und 100 Kilo Öl
untergebracht, ein Quantum, das ungefähr für 1000 Kilometer Fahrt
ausreicht. In den Depots war immer so viel vorhanden, daß die volle
Ladung des Wagens nachgefüllt werden konnte. Diese Depots, die aus
Rücksicht auf den Transport in der Mongolei etwa 600 Kilometer
voneinander entfernt waren, wurden auf der russischen Strecke, wo
die durch Eisenbahn oder Flußschiffahrt erreichbaren Orte dichter
gesäet sind, in Entfernungen angelegt, die zwischen 250 und einem
Maximum von 500 Kilometern schwankten. Von Irkutsk an erwarteten mich
die Pneumatiks von Pirelli in der Entfernung von je 1000 oder 1500
Kilometern.
Wir hatten Glück! Kein einziges Mal hatten wir zuwenig Brennstoff oder
Öl; niemals fehlten uns Pneumatiks, von denen wir übrigens nur wenige
verbraucht haben.
Ein einziger Umstand entsprach nicht unseren Wünschen, und dies war
gut. Wir hatten so den Beweis in Händen, daß unsere Berechnungen
richtig waren.
Die Ersatzräder und Ersatzfedern erreichten infolge von
Schwierigkeiten, die die österreichische Zollverwaltung machte,
Omsk _nicht_; sie mußten in Moskau liegenbleiben. Wir aber zogen in
Kasan auf zerbrochenen Federn und auf einem Rade ein, das die Axt
eines geschickten russischen Muschik uns am Ufer der Kama an einem
Sonntagnachmittage ausgebessert hatte.
Auch für etwas anderes hätte besser gesorgt werden sollen: für die
Bequemlichkeit der Reisenden auf dem Wagen und für die Unterbringung
des Gepäcks.
Sie, lieber Barzini, der Sie mehr als alle darunter zu leiden hatten,
erinnern sich gewiß noch, daß wir bis zum Vorabend unserer Ankunft
in Paris jenem unförmlichen Haufen von Koffern und Säcken, der unser
Gepäck darstellte und auf der Werkzeugkiste befestigt war, von wo
er nur allzu häufig hinunterrutschte, keine richtige Form zu geben
vermochten.
Ettore mochte das Gepäck mit aller Sorgfalt, mit aller erdenklichen
Findigkeit festschnüren, ohne Stricke und Bindfaden zu schonen;
die Stöße des Wagens lockerten selbst die feinst ausgedachten
Verschlingungen, und der große Sack geriet bald darauf ins Schwanken
und öffnete sich. Und Ettore begann von neuem.
Wieviel Mühe hat sich der brave Junge in diesen 60 Tagen gegeben! Er
ist in Wahrheit jene intelligente Hand gewesen, die den Meißel führte!
Ohne sein beständiges Sorgen für den Motor und alle übrigen Teile der
Maschine, denen er Schlaf und Speise zum Opfer brachte, wären wir nicht
nach Paris gekommen, wären vielleicht heute noch nicht dort!
[Illustration: Luigi Barzini.]
Niemand, der es nicht selbst versucht hat, kann sich vorstellen,
welche Arbeit auf einer langen Reise wie der unseren der Mechaniker zu
leisten hat: vollständig auf sich selbst angewiesen, ohne die Hilfe von
Werkstätten, ohne die Bequemlichkeit einer Garage, in Ländern, in denen
jeder Begriff von Mechanik unbekannt ist, wo die Sprache fremd ist und
selbst das Denken von dem unseren so sehr abweicht.
Nach sechzehn, achtzehn Stunden Fahrt, während deren er mit
zusammengebissenen Zähnen, unter beständiger Nervenanspannung auf jeden
Laut des Motors, jedes Knirschen des Wagens gelauscht hat, bemüht,
dessen Existenz gegen die Schwierigkeiten des Geländes zu verteidigen;
zwei bis drei weitere Stunden unter dem Rahmen ausgestreckt, in der
Hitze der überanstrengten Maschine, bei dem übeln Geruche des Öls und
der verbrannten Fette nachzusehen, zu prüfen, zu registrieren, die
Verschlußstücke, die nachlassen, die Schrauben, die sich lockern,
anzuziehen, nicht zufrieden, die durch die Anstrengungen des Tages
verursachten kleinen Schäden und leichten Verschiebungen auszubessern,
sondern bestrebt, mit Scharfsinn und Findigkeit die möglichen „Pannen“
des morgenden Tages vorauszusehen und ihnen zuvorzukommen: dies ist die
regelmäßig wiederkehrende Arbeit Ettores nach wenigen Stunden der Ruhe,
die er dem harten Boden abringt, nach den Mahlzeiten, die er in Eile
verzehrt, die Füße auf den Tritt gestemmt, während die Maschine von
einer Seite der Straße zur andern schwankt. Und dazu kam für Ettore von
Zeit zu Zeit noch die Tätigkeit als Wagenlenker.
Entweder löste er mich am Lenkrad ab, um mir etwas Ruhe zu verschaffen,
oder die Schwierigkeiten der Straße machten es notwendig, daß ich ihm
bei der Fahrt über Stellen, die zu schwierig waren, um sie von der
Höhe des Wagens aus zu übersehen, zu Fuß die Richtung angab. Auch als
Wagenlenker war er unübertrefflich.
Erinnern Sie sich, lieber Barzini, wie oft ich beim Passieren von
Sumpfstrecken oder bei der Fahrt über die schmalen Streifen trockenen
Landes auf überschwemmten Straßen gezwungen war, nach Untersuchung des
Geländes Ettore durch Steine oder Zweige genau die Punkte anzugeben,
über die er die Räder führen sollte?
Und entsinnen Sie sich der wunderbaren Präzision und Raschheit, mit der
die Maschine mit dem Maximum der Geschwindigkeit, um ihr Gewicht nicht
zur Geltung zu bringen und nicht Gefahr zu laufen, stecken zu bleiben,
sich auf den Rand des Sumpfes schwang oder sich aus der Lache voll
schwarzen, zähen Morastes wieder herausarbeitete?
[Illustration: Ettore Guizzardi.]
Und trotzdem Ettore sich seines Wertes und seiner Fähigkeiten stark
bewußt ist -- oder vielleicht eben deswegen --, bewahrte er in
schwierigen Lagen, bei Strapazen, in Gefahren und bei schlechtem Wetter
(erinnern Sie sich der endlosen Tage voll Regen und Schmutz, die wir
durchgemacht haben?), bei den Triumphen und Verherrlichungen, die das
Unternehmen, an dem er so stark beteiligt war, veranlaßte, dieselbe
Seelenruhe, dieselbe Bescheidenheit, dieselbe unveränderlich gute Laune
und ausdauernde Arbeitsamkeit, sowie das unerschütterliche Vertrauen
auf den Erfolg. Und ich, der ich ihn schon seit zehn Jahren um mich
habe als meinen Gehilfen beim Automobilsport, der nicht immer leicht
und einfach ist; der ich in ihm einen bewährten, teuren Freund besitze,
ich muß ihn meiner wärmsten und herzlichsten Zuneigung, meiner tiefen,
dauernden Dankbarkeit versichern. Er ist ein schönes Beispiel eines
gebildeten, gewissenhaften Arbeiters.
Er hat nichts Dienerhaftes an sich; in ihm lebt die Überzeugung
von seinem eigenen Werte, das starke Gefühl der Verantwortlichkeit
für die Dienste, die er mit Intelligenz, mit Uneigennützigkeit
und der Anhänglichkeit eines Freundes dem widmet, der ihm volles
Vertrauen einzuflößen vermocht hat, und den er für fähig hält, seine
hervorragenden geistigen und seelischen Eigenschaften zu würdigen.
Seit zehn Jahren hat er mit mir eine Maschine nach der andern
bestiegen, hat in den Werkstätten gearbeitet, hat sich auf allen
Straßen Europas bewährt, wobei er an Klugheit, an kaltem, schweigsamem
Mute zunahm und als Ingenieur und Techniker Fortschritte machte. Und
jetzt hat er die Bestätigung seines Wertes in den Beifallsstürmen
gefunden, mit denen er, der Siegreiche, überall empfangen worden ist.
Er stammt aus der Romagna, und die ganze Kraft des Ungestüms und der
Zähigkeit seiner Rasse lebt in ihm, wirkend und schaffend.
Ein anderer zum Erfolg beitragender Faktor waren die Verhältnisse, die
wir überall antrafen. Wie soll ich die Bedeutung, den Einfluß richtig
abschätzen, den auf das Gelingen unseres Unternehmens das Wohlwollen
der Regierungen, das freundliche Entgegenkommen der Bevölkerungen, die
wenn auch nur moralische Unterstützung und Ermutigung gehabt haben,
welche uns von so vielen Unbekannten zuteil wurde, die uns für wenige
Augenblicke eng befreundet wurden und die wir dann für immer aus den
Augen verloren haben?
Bei der Lebhaftigkeit Ihres Stils werden Sie imstande sein, bei der
Schilderung der Wechselfälle unserer Reise die Erinnerung an so viele
gute Menschen aufzufrischen, die sich um uns bemüht haben und denen
wir nicht im einzelnen danken können. Sie werden erzählen, wie wir von
den auswärtigen Vertretern unseres Staates, von der chinesischen und
russischen Regierung, von den Behörden aller Länder, durch die wir
kamen, unterstützt worden sind und wie sie alle für unser Unternehmen
ein außergewöhnliches, unerwartetes Verständnis entwickelten.
Sie werden gewiß die äußere Erscheinung der chinesischen Kulis
schildern: den bronzefarbenen Leib nackt bis zum Gürtel; das
leidenschaftslose Gesicht, aus dem Augen schauen, die dem Europäer
nichts über den Charakter verraten; Menschen, unempfindlich gegen
körperliche Anstrengung wie das Metall, aus dem sie geformt zu sein
scheinen.
Sie werden auch die rauhen, stolzen mongolischen Reiter darstellen.
Lange Gewänder _umwallen sie und strömen den scharfen Geruch ihrer
Herden und Zelte aus_. Sie werden die russischen Muschiks mit ihren
langen blonden Haaren schildern; ihre sanften Blicke sind träumerisch
auf den unermeßlichen Horizont ihres Landes mit den niedrigen Hügeln
und den weiten Ebenen gerichtet und noch weiter in eine Zukunft mit
weniger Elend und menschenwürdigerem Leben.
Diese im Äußern so verschiedenen Gruppen werden Sie beschreiben, wie
sie sich der Rettung unserer Maschine widmen, während sie über die
sonnverbrannten Felsen einherkeucht, während sie in den Wüsten der
Mongolei Ströme von Wasser und Dampf ausspeit, während sie in den
Sümpfen und Schluchten Sibiriens und Rußlands wie ein gescheitertes
Schiff auf der Seite liegt.
Die Begeisterung wird wieder aufleben, wenn Sie erzählen, wie wir
unterstützt worden sind durch die brüderliche Gesinnung unserer
Landsleute, die wir so fern vom Vaterlande antrafen, durch den
Beifall der Menschen, die in Massen die Werkstatt, das Wirtshaus, die
Schule verließen, um der Vorüberfahrt des Automobils zuzujubeln, des
Erzeugnisses und Symbols der Arbeit, in der sich die lebendige Kraft
aufstrebender Völker verkörpert.
All dies und noch mehr werden die gewiß glänzend geschriebenen Blätter
Ihres Buches erzählen.
Gerührt und dankbar möchte ich alle jene Frauen umarmen, die durch ihre
Teilnahme, ihre freundlichen Worte, ihr flüchtiges Lächeln so oft den
ermüdeten Gliedern Kraft, der verzagten Seele Mut, dem verzweifelnden
Sinn den Entschluß wiedergegeben haben.
Allen möchte ich danken: denen, die ich kenne, und denen, die mir
unbekannt geblieben sind.
Den guten Hausfrauen, die, im Besitze eines gastlichen Daches, für
einen Tag in uns die Empfindung des Familienlebens erweckten, indem
sie uns den Genuß eines guten Bettes und einer wohlbesetzten Tafel
verschafften: das köstliche Gefühl, das ein geordnetes, von weiblichem
Geist durchwehtes Hauswesen in dem hervorruft, der aus der Einsamkeit
des Nomadenlebens kommt.
Den Frauen der Muschiks will ich danken, die in den Gemeindehäusern
der von jedem zivilisierten Leben abgeschlossenen Dörfer, in den
mit kräftigen Axtschlägen aus den Stämmen der ungeheueren Wälder
gezimmerten „Isbas“, den Bauernhäusern, uns vom Abend bis zum
Morgengrauen alles anboten, was sie hatten. Sie verließen ihre
armselige Hütte, damit wir Unterkunft fänden; sie brachten uns die
Schüssel mit dampfender Suppe, den Krug mit der schmackhaften Milch
der sibirischen Steppe, den Laib Brot, schwarz wie die Erde, die es
hervorbringt.
Auch jenen andern danke ich, die, scheinbar erfüllt von Freude und
Heiterkeit, in den uns zu Ehren veranstalteten Festlichkeiten ferner
Städte für eine Nacht ihr Elend vergaßen, um in uns eine freundliche
Illusion hervorzurufen.
Ich danke auch jenen Damen, die sich in einer Stunde geistreicher
Unterhaltung vielleicht offener als sonst gaben, weil sie die Gewißheit
hatten, man würde sich nie mehr im Leben begegnen, und die unsere
Gedanken von den alltäglichen Beschäftigungen ablenkten und der Seele
etwas von der Spannkraft wiedergaben, die uns die beständige und
monotone körperliche Anstrengung zu rauben drohte.
Dank allen jenen, die uns beim Vorüberfahren zulächelten, uns eine
Kußhand oder Blumen zuwarfen, uns durch Gesten anfeuerten, ihnen allen,
einschließlich _unserer_ Frauen, die wir im Geiste auf der Schwelle
unseres Hauses, die Kinder im Arme, stehen sahen, voller Sehnsucht und
Liebe uns erwartend, und die auch in unserem vielbewegten Leben die
verborgene Kraft waren, die uns aufrecht erhielt und antrieb.
Dies sind die Faktoren, die unser Unternehmen zu einem glücklichen Ende
geführt haben!
Sie, der Sie der Dichter unter uns waren und jetzt im Begriff sind,
unser Geschichtschreiber zu werden, Sie wissen dies besser als ich. Und
Sie wissen auch, wie verschieden das Schicksal unserer Reise von dem so
vieler andern gewesen ist.
Ich denke bisweilen jener Männer, die in den Volksüberlieferungen
weiterleben müßten und die doch beinahe vergessen sind, der Reisenden,
die in unbekannten Ländern geographische Entdeckungen gemacht, die
lange Jahre hindurch täglich ihr Leben aufs Spiel gesetzt, die dem
Handel ihres Landes fruchtbare Zonen zur Ausnutzung gewonnen, der
heimischen Industrie weite Ausfuhrgebiete erschlossen haben. Und ich
gedenke ihrer -- die Namen brennen mir auf den Lippen -- und ihrer
Rückkehr in die Heimat.
Wenige Fachmänner empfangen sie, wenige Zeitungen sprechen von ihnen
und vielleicht nur, um ein herbes Urteil über sie zu fällen; Schweigen
umhüllt sie. Manchen hat diese Nichtbeachtung seitens des Publikums,
dieses bittere Schweigen der Menschheit, für die sie arbeiteten und
litten, getötet!
Uns, die wir so viel Kleineres vollbracht haben, erwartete allgemeiner
Beifall, erwartete die Genugtuung, einen Augenblick lang die
Begeisterung der großen Metropolen der Welt, der betriebsamen Städte,
der stillen Flecken in ganz Europa erregt zu haben!
Die Gründe dafür sind verwickelter Art. Es kommt dabei in Betracht die
Neuheit des benutzten Gefährtes, seine wachsende wirtschaftliche und
soziale Bedeutung; es kommt in Betracht die Länge des Weges, der in
so kurzer Zeit und inmitten von Schwierigkeiten zurückgelegt worden
war, die man zum ersten Male zu überwinden hatte; es kommt in Betracht
die glückliche Lösung der technischen Probleme und die faszinierende
Anziehungskraft jenes Landes Asien, aus dem wir vielleicht stammen und
das uns doch so fremd ist. Es kommen ferner in Betracht die beiden
Endpunkte der Reise.
Am Punkte der Abfahrt die geheimnisvolle Hauptstadt des rätselhaften
Reiches, aus dem das Geräusch des Lebens wegen der räumlichen
Entfernung und des Abstandes im Denken nur gedämpft zu uns
herüberklingt; am Endpunkt der lauteste Resonanzboden der Welt, Paris,
von wo jeder, auch der leiseste Hauch des Lebens sich verstärkt und in
tausendfachem Echo vervielfältigt über die ganze Erde verbreitet.
Das Geheimnis des „Warum“ liegt zum Teil darin, aber vor allem --
Sie selbst haben es, glaube ich, ausgesprochen -- liegt es in dem
Metalldraht, der uns auf dem ganzen Wege begleitete und der Tag
für Tag Nachrichten über uns an die Presse übermittelte, die sie
weiterverbreitete.
Der Telegraph und die Presse, sie sind die unmittelbare Ursache der
Volkstümlichkeit, deren sich unser Unternehmen zu erfreuen hatte.
Diese beiden sind es, die Ihre spannende Darstellung überallhin
verbreitet haben, die den eintönigen und für uns nur allzu häufig
höchst verdrießlichen Zwischenfällen der Reise Interesse verlieh. Bei
peinlichster Wahrheitsliebe gegenüber den Tatsachen haben Sie es doch
verstanden, sie durch die lebhafte Schilderung des Milieus in das
rechte Licht zu setzen, ihnen den gebührenden Platz im Gemälde des
Ganzen anzuweisen. Und das Publikum hat die Poesie gefühlt, die die
einzelnen Kapitel dieser unserer modernsten Odyssee erfüllt.
Niemand wird jedoch beim Lesen Ihres Buches ahnen, welchen Aufwand
an Willensstärke und moralischer Kraft es Sie gekostet hat. Ich, der
ich die Ehre und die Freude hatte, der Gefährte Ihrer zwei Monate
andauernden Kraftleistung zu sein, starker geistiger Anspannung
inmitten niederdrückender materieller Widerwärtigkeiten, ich allein
kann es bezeugen!
Und seit jenen zwei Monaten erfüllt mich ein Gefühl lebhafter
Bewunderung und tiefer Freundschaft für Sie, das der Zeit trotzen soll!
In Zuneigung und Hochachtung,
lieber Barzini,
Ihr