Laß uns mit Geduld und mit Zuversicht dieser Stunde entgegenharren!‘

Er verschloß den Brief und steckte ihn zu sich, um ihn am folgenden

Tage Brandelaar zu übergeben. Dann wartete er auf das Wiedererscheinen

Pénurots, der ihm versprochen hatte, bis Mitternacht zurück zu sein.

Aber obwohl Heideck noch fast eine Stunde über diese Zeit in der

Weinstube verblieb, wartete er doch vergebens. Die Aeußerungen, die

der natürliche Sohn des Herrn Amelungen über die Beschaffenheit der

an diesem Abend von ihm aufgesuchten Gesellschaft getan, machten den

Major um das Schicksal Pénurots besorgt, und ehe er in sein Quartier

zurückkehrte, ging er zur städtischen Polizei, um zu ersuchen, daß man

in den weniger gut beleumundeten Matrosenkneipen der Hafengegend nach

Herrn Camille Pénurot forsche, von dessen Persönlichkeit er eine genaue

Beschreibung gab.

Auch am nächsten Morgen war noch keine Nachricht von ihm da, und

jetzt zweifelte Heideck kaum noch daran, daß die Angelegenheit einen

für Pénurot unglücklichen Ausgang genommen habe. Aber er durfte sich

in diesem Augenblick nicht mit Nachforschungen nach dem Verbleib des

jungen Mannes aufhalten.

Von dem Oberstleutnant erfuhr er, daß Brandelaar, dessen Schiff in der

Tat vor Terneuzen lag, mit seinen Leuten noch in der Nacht verhaftet,

verhört und wieder entlassen worden war, ganz wie es zwischen den

beiden Offizieren verabredet wurde.

Nun fuhr Heideck ebenfalls nach Terneuzen, um Brandelaar das auf seinem

Bureau zusammengestellte Auskunftsmaterial für den Admiral Hollway

nebst den für ihn so wichtigen privaten Informationen zu überbringen.

Zuletzt, als er ihm auf die versprochene Belohnung eine Anzahlung von

tausend Francs geleistet, händigte er ihm mit genauen Anweisungen für

die Art der Bestellung auch den Brief an Edith ein. Und der Schiffer,

dessen Diensteifer für die deutsche Sache jetzt ohne Zweifel ehrlich

war, versprach wiederholt, alles gewissenhaft und nach bestem Vermögen

zu besorgen.

Als Heideck am Nachmittag nach Antwerpen zurückkehrte, fand er auf

seinem Bureau die polizeiliche Benachrichtigung, daß man Camille

Pénurots Leiche mit mehreren Messerstichen in Hals und Brust in einem

der Hafenbassins gefunden habe. Die Nachforschungen nach den Tätern

seien sofort aufgenommen worden. Bis jetzt aber fehle von ihnen noch

jede Spur.

[Illustration]

Der Weltkrieg, Deutsche Träume: Roman · 第 35 / 49 题