Verlag von W. Vobach & Co.
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~Copyright 1904 by W. Vobach & Co.~
[Illustration]
In meiner Erinnerung taucht der britische Oberst auf, der mir in
Kalkutta sagte: Dreimal bin ich hierher nach Indien kommandiert worden.
Vor fünfundzwanzig Jahren als Leutnant: -- damals standen die Russen
fünfzehnhundert Meilen von der indischen Grenze entfernt. Dann als
Kapitän vor zehn Jahren: -- und damals standen die Russen nur noch
fünfhundert Meilen entfernt. Vor einem Jahre als Oberstleutnant: -- die
Russen stehen unmittelbar vor den Pässen, die nach Indien führen.
Die Weltkarte entfaltet sich vor meinen Blicken.
Alle Meere durchpflügt von den Kielen britischer Kriegsschiffe, alle
Küsten besetzt mit Kohlenstationen und Festungen der britischen
Weltmacht. Die Herrschaft über den Erdkreis ist bei England, und
England will sie behalten, es kann nicht dulden, daß der russische
Koloß Leben und Bewegung aus dem Meere trinkt.
„Ohne Englands Erlaubnis darf keine Kanone auf dem Meere abgefeuert
werden,“ sagte einst William Pitt, Englands größter Staatsmann.
Seit langen Jahren wächst England empor durch den Zwiespalt der
kontinentalen Mächte unter sich. Fast alle Kriege seit Jahrhunderten
sind zum Vorteil Englands geführt, fast alle von England angestiftet
worden. Nur als der Genius Bismarcks über Deutschland wachte, besann
der deutsche Michel sich auf seine Kraft und kriegte für sich selbst.
Soll es dahin kommen, daß Deutschland Luft und Licht und das tägliche
Brot nur noch der Gnade Englands verdankt? Oder lebt noch die alte
Kraft in Michels Armen?
Werden die drei Mächte, die im Vertrage von Schimonoseki nach dem Siege
Japans über China zusammenstanden, um Englands Pläne zu vereiteln,
werden Deutschland, Frankreich und Rußland noch länger müßig bleiben,
oder werden sie sich zu gemeinsamem Handeln die Hände reichen?
Im Geiste sehe ich die Heere und Flotten Deutschlands, Frankreichs
und Rußlands sich in Bewegung setzen gegen den allgemeinen Feind,
der mit Polypenarmen die Weltkugel umklammert. Befreiung aus seinen
erstickenden Schlingen bringt für ganz Europa der eherne Ansturm der
alliierten drei Mächte. Die Zukunft trägt den großen Krieg in ihrem
Schoße.
Es ist keine Geschichte aus der Vergangenheit, die ich in den folgenden
Blättern schildere. Es ist das Bild, wie es sich klar vor meiner Seele
entrollte, als mir der Inhalt der ersten Depesche des Statthalters
Alexejew an den Zaren bekannt wurde. Und gleichzeitig tauchte wie ein
Blitz in mir die Erinnerung an das Telegramm auf, das Kaiser Wilhelm
II. nach Jamesons Einfall an die Buren sandte, jenes Telegramm, das im
Herzen der ganzen deutschen Nation ein so nachhaltiges Echo gefunden
hat. Ich schaue in die Zukunft und erinnere mich der Pflichten und
Aufgaben unsers deutschen Volkes. Meine Träume, die Träume eines
Deutschen, zeigen mir den Krieg und Sieg der drei verbündeten großen
Nationen, Deutschland, Frankreich, Rußland, und eine neue Verteilung
des Besitzes der Erde als Endziel dieses gewaltigen Weltkrieges.
Der Verfasser.
[Illustration]