25. _Friedrich Abeling_,

geboren 14. März 1913, verschwand am 26. Mai 1924.

Ein zehnjähriges Kind, 1,10 m groß, volles niedliches Gesicht, Haare

nach Pony-Art geschnitten, Ebenbild seiner dreizehnjährigen Schwester

Alix, Sohn des Schlossers Wilhelm Mayhöfer und seiner Frau Therese,

verwitwete Abeling, in der Rautenstraße, ein ruhiger und ordentlicher

Junge, hatte am 25. Mai 1924 die Schule versäumt und war dafür bestraft

worden. Am 26. Mai bat er die Mutter um 20 Pfennig. Der Lehrer wolle mit

der Klasse einen Ausflug machen. Die Angabe erwies sich als unwahr. Er

hatte bei seinem Fortgehen nichts an, als einen grauen Sweater mit

grüner Borde. Er blieb vermißt. Am 17. Juni spielten Kinder in der

Rautenstraße. Da trat an die 12jährige Anni Stümpel ein Mann heran mit

der Frage: „Kennst du Alice Abeling?“ „Es ist _die_ dort,“ sagte das

gefragte Kind, worauf der Mann an die kleine Alice herantrat mit den

Worten: „Guten Tag, Alice, ich komme von deiner Mutter und habe eine

Karte dagelassen. Deine Mutter wird dir das schon erklären. Ich bin ein

Freund von deinem Vater. Ich wollte dich nur mal sehen.“ Er gab ihr die

Hand und entfernte sich. – Eine Karte ist in der Wohnung der Eheleute

Mayhöfer nicht abgegeben worden. Die beiden Mädchen haben als denjenigen

Mann, der sie angesprochen hat, mit voller Bestimmtheit Haarmann

wiedererkannt. Sie geben nur an, daß Haarmann einen schwarzen

Schnurrbart trug, während er in Wirklichkeit einen blonden hat. Es

konnte aber festgestellt werden, daß Haarmann in der Tat einen kleinen

schwarzen Schnurrbart besaß, den er sich anklebte, wenn er sexuelle

Streifzüge unternahm. Am 25. Juni wurde am Lustgarten des Leineschlosses

ein Kinderschädel angespült, doch konnte nicht mit Sicherheit der des

verschwundenen Abeling darin erkannt werden. Dagegen fand man seinen

grauen Sweater mit grüner Borde. Er lag seit Ende Mai auf der

Nähmaschine der Engel, wurde dann von Grans mitgenommen, der ihn an

seine Mutter für seinen kleinen Stiefbruder Alfred verschenkt hat. Die

Stubennachbarin des Haarmann, Frau Lindner, erinnert sich, daß gegen

Ende Mai ein kleiner Knabe, den sie dem Bilde nach als den kleinen

Abeling wiedererkennt, nach Rote Reihe 2 gekommen ist und nach Haarmann

gefragt hat. Sie habe dem Kinde, das ihr leid tat, gesagt: „Kind, geh

man nach Haus, der Onkel will nichts Gescheites von dir.“ Der Knabe

bekam einen roten Kopf und ging fort. Es ist anzunehmen, daß Haarmann

den aus Furcht vor Strafe sich umhertreibenden Knaben angesprochen und

durch Versprechungen von Geschenken in seine Wohnung gelockt hat. Die

Alice Abeling kannte er wohl von den Schilderungen ihres Bruders und hat

sie aus Neugierde aufgesucht. Es ist das ein psychologisch merkwürdiger

Umstand, aber ein Beweis dafür, daß die beständige Beteuerung, daß er

sich an die Gesichter seiner Opfer nicht entsinnen könne, durchaus

unwahr ist.

Haarmann. Die Geschichte eines Werwolfs · 第 29 / 34 题