geb. 7. August 1907, verschwand 23. Mai 1923.
Der Schüler des Bismarckgymnasiums Roland Huch, einziger Sohn der
Eheleute Apotheker Huch, Arnswaldtstraße 32, 15½ Jahre alt, dunkelblond,
groß, kräftig, trotz eben durchgemachter schwerer Rippenfellentzündung
froh und frisch, hatte einen großen Schwarm für Marine und wollte
durchaus zur See. Eines Abends, als die Eltern im Konzert in der
Stadthalle waren, packte der Junge seine besten Sachen in einen
Fibrekoffer, nahm sich Geld, verabschiedete sich von Alwin Richter,
seinem liebsten Freunde: „Du Alwin, grüße die Eltern. Ich verreise.“ Die
entsetzten Eltern eilen, als sie hören, daß der Sohn fort ist, sofort
zur Bahnhofswache. Der Vorstand der Kriminalwache, Kommissar von Lonski,
schnauzt sie an: „Ich kann doch nicht wegen eines fortgelaufenen Jungen
den ganzen Apparat in Bewegung setzen.“ Dieses Mal handelt es sich um
eine gute Familie. Das Gericht gestattet, was sonst (gemäß § 263) streng
gemieden wird, die Polizei zur Vernehmung herein zu ziehen. Es kam
heraus, daß nicht nur der Polizeiapparat versagt hatte, nein, der
unglückliche Vater hatte auch nicht an die Bahnpolizei in Bremen und
Hamburg telephonieren können. Er hatte um einen Beamten gebeten, um mit
dessen Hilfe in den Slums der Altstadt nachzuforschen. Da war er aber
beschieden worden: „Das ist nicht unser Ressort.“ Ja, die
Vermißtenmeldung ist nicht einmal weitergegeben worden. – Dieses Mal
verkaufte Haarmann das Zeug des Knaben durch die Wegehenkel an eine
dunkle Mutter Bormann, die es weiter verkaufte an Alex, den Bademeister
in Schraders Schwimmanstalt. Der brachte die Sachen ein Jahr später
wieder zum Vorschein (sogar die Knöpfe trugen noch die Firma von
Schneider Brüggemann) – die einzige Hinterlassenschaft des jungen
Roland, der sich in den großen Wald der Welt hinaussehnte und einem Wolf
in den Rachen lief.