Section III. und für den Rest der Summe 15% in Silbermünze und

##################################################################

Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1885 erschienenen Buchausgabe

erstellt. Satzzeichen wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche

und inkonsistente Schreibweisen wurden beibehalten, sofern diese den

Sinn des Textes nicht beeinflussen (z. B. ‚Sydney/Sidney/Sydnei‘ oder

‚habeus corpus‘ statt ‚habeas corpus‘). Hiervon ausgenommen sind

Eigennamen, bei denen sich eine über den gesamten Text vorherrschende

Schreibweise erkennen lässt, sowie offensichtliche Druckfehler.

Variationen in der Schreibweise polynesischer und englischer Begriffe

wurden beibehalten; insbesondere die Akzentuierung sowie die Verwendung

von Bindestrichen kann bei ersteren innerhalb des Textes stark

variieren.

Inkonsistenzen bei den großen Umlauten (Ä, Ö und Ü) bzw. deren

Umschreibungen (Ae, Oe und Ue) wurden nicht harmonisiert. Überträge bei

Tabellen, die sich über Seitengrenzen hinweg erstrecken (S. 351-362),

wurden entfernt. Im Original wurde die Zwischensumme durch ‚Latus‘, der

Übertrag auf der neuen Seite durch ‚Transport‘ angegeben. Buchformate

in den Anzeigen wurden harmonisiert zu ‚8°.‘ bzw. ‚12°.‘

Die folgenden Stellen wurden korrigiert bzw. bedürfen des Kommentars:

S. VII: ‚iron bound coaste‘ → ‚iron bound coast‘; ‚Mossman‘ →

‚Mossmann‘; ‚Gruve-Rench‘ → ‚Gruve-Ranch‘

S. XI: ‚Pitoreske Sicht‘ → ‚Pittoreske Sicht‘

S. XII: ‚Choren‘ → ‚Charen‘

S. XV: ‚Nacsfolgerin‘ → ‚Nachfolgerin‘

S. XVI: ‚Ferderungen‘ → ‚Forderungen‘

S. XVII: Seitenzahl: ‚414‘ → ‚214‘

S. XXI: ‚Militärkörperchaften‘ → ‚Militärkörperschaften‘;

‚Instruktioen‘ → ‚Instruktionen‚; ‚Representanten‘ →

‚Repräsentanten‘

S. XII: ‚Charakteristk‘ → ‚Charakteristik‘

S. 2: ‚sicht‘ → ‚sich‘

S. 3: doppeltes ‚der‘; eines entfernt; ‚Jnsel‘ → ‚Insel‘; ‚Latt.

21°-16°-56° und der Long. 157° 48° 51°‘ → ‚Latt. 21° 16′ 56″ und

der Long. 157° 48′ 51″‘

S. 5: ‚Aucland‘ → ‚Auckland‘

S. 7: ‚Strasssen‘ → ‚Strassen‘

S. 1: ‚Belagererer‘ → ‚Belagerer‘

S. 18: ‚augenblichlich‘ → ‚augenblicklich‘

S. 21: ‚ch wiieder‘ → ‚ich wieder‘

S. 32: ‚Arena‘ könnte ‚Area‘ heißen, wurde aber so belassen

S. 33: ‚10 Meile‘ → ‚10 Meilen‘

S. 36: ‚Herrn Titkomb‘ → ‚Herrn Titcomb‘; ‚Herr Chr. Titcomb‘ →

‚Herr Chs. Titcomb‘

S. 37: ‚dnrch‘ → ‚durch‘

S. 39: ‚der Charakter der von Kolóa‘ → ‚der Charakter von Kolóa‘

S. 41: ‚in sanften Bogen‘ → ‚in sanftem Bogen‘

S. 46: ‚Nesselgewäschsen‘ → ‚Nesselgewächsen‘

S. 48: ‚nnd‘ → ‚und‘

S. 49: doppeltes ‚von‘; eines entfernt

S. 50: ‚Sträuche‘ → ‚Sträucher‘

S. 55: ‚selbstsüchtige europäische‘ → ‚selbstsüchtiger europäischer‘

S. 60: ‚grogressiy‘ → ‚progressiv‘

S. 61: ‚Districktsschulen‘ → ‚Distriktsschulen‘

S. 62: ‚riesele‘ → ‚rieseln‘

S. 68: ‚des Lava-Seees‘ → ‚des Lava-Sees‘; ‚174 meter‘ → ‚174 Meter‘

S. 71: ‚Auströmungen‘ → ‚Ausströmungen‘

S. 74: ‚engliche Meilen‘ → ‚englische Meilen‘

S. 88: ‚ofmals‘ → ‚oftmals‘

S. 102: ‚bearbeitetem‘ → ‚bearbeiteten‘

S. 105: ‚religiösen Gebrauche‘ → ‚religiösen Gebräuche‘

S. 113: ‚die Frau‘ → ‚die Frauen‘

S. 115: ‚heist‘ → ‚heisst‘

S. 125: ‚cirsa‘ → ‚circa‘; ‚strüppig‘ → ‚struppig‘

S. 129: ‚westmalaysche‘ → ‚westmalayische‘

S. 133: ‚phospheroscirend‘ → ‚phosphorescirend‘

S. 134: ‚Tungi‘ → ‚Fungi‘

S. 147: ‚vertheilhaft‘ → ‚vortheilhaft‘

S. 168: ‚Geissel‘ → ‚Geisel‘

S. 172: ‚König Kahakíli‘ → ‚König Kahikíli‘

S. 177: ‚Gewandheit‘ → ‚Gewandtheit‘

S. 185: ‚mit Aufmerksamkeit zulauschen‘ → ‚mit Aufmerksamkeit zu

lauschen‘

S. 187: ‚Paster‘ → ‚Pastor‘

S. 188: ‚verbeiten‘ → ‚verbreiten‘

S. 204: ‚Süpreme court‘ → ‚Supreme court‘

S. 214: das Symbol für ‚Pfund‘ wurde durch das Symbol ‚℔.‘

dargestellt.

S. 218: ‚landen hiess‘; könnte auch heißen: ‚landen liess‘

S. 228: ‚gswählten‘ → ‚gewählten‘

S. 250: ‚Repäsentanten‘ → ‚Repräsentanten‘

S. 260: ‚Finanzbudjets‘ → ‚Finanzbudgets‘

S. 261: ‚ans‘ → ‚aus‘

S. 262: ‚accreditite‘ → ‚accreditirte‘

S. 263: ‚Protestand‘ → ‚Protestant‘

S. 264: ‚bei der Verein. Staaten‘ → ‚bei den Verein. Staaten‘

S. 266: ‚namentlieh‘ → ‚namentlich‘

S. 273: ‚Steamchip‘ → ‚Steamship‘; ‚veraussehend‘ → ‚voraussehend‘

S. 274: ‚ernante‘ → ‚ernannte‘

S. 277: ‚Honolulu-Riflles‘ → ‘Honolulu-Rifles‚

S. 279: ‘Honolulu-Reifles‚ → ‘Honolulu-Rifles‚

S. 290: ‘the membres‚ → ‘the members‚

S. 300: ‘Section 1420 → ‚Section 1421‘

S. 304: ‚Miethhauser‘ → ‚Miethhäuser‘; ‚zwizchen‘ → ‚zwischen‘

S. 312: ‚eingericht‘ → ‚eingereicht‘

S. 314: ‚verschieden Häfen‘ → ‚verschiedenen Häfen‘; ‚jählich‘ →

‚jährlich‘

S. 324: ‚Section I‘ → ‚Section 1‘

S. 332: ‚Versicherungscompagie‘ → ‚Versicherungscompagnie‘

S. 338: ‚lincensirte‘ → ‚licensirte‘; ‚spirituoser‘ → ‚spirituöser‘

S. 343: ‚an diesm‘ → ‚an diesem‘; ‚Daner‘ → ‚Dauer‘

S. 349: ‚Flüsigkeiten‘ → ‚Flüssigkeiten‘

S. 351: ‚Obergerichts‘ → ‚Obergerichtes‘ (vereinheitlicht)

S. 363: ‚Privy-Concil‘ → ‚Privy-Council‘

Verschiedene Schriftschnitte werden in diesem Text durch die folgenden

Sonderzeichen dargestellt:

kursiv: _Unterstriche_

fett: +Pluszeichen+

gesperrt: ~Tilden~

Tiefgestellte Zeichen werden durch geschweifte Klammern mit

vorangestelltem Unterstrich symbolisiert: _{tiefgestellt}.

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Die

Sandwich-Inseln

oder das

Inselreich von Hawaii.

Von

Graf Reinhold Anrep-Elmpt.

[Illustration]

Leipzig.

Verlag von Wilhelm Friedrich,

K. Hofbuchhändler.

1885.

Alle Rechte, besonders das der Uebersetzung, vorbehalten.

Vorwort.

„Du musst unbedingt die Eindrücke Deiner Reisen veröffentlichen!“ so

lautete der Wunsch zahlreicher Freunde, den ich zu erfüllen versprochen

hatte, ohne zu bedenken, dass das Wollen leichter als das Können ist.

Als ich zur Erfüllung meines Versprechens schritt, ja da erschien --

abgesehen von den vielen Schwierigkeiten, denen der Schriftsteller

gewöhnlich begegnet -- sofort die der Wahl des Objektes zum Beginnen.

Womit beginnen? das war die Frage. Soll es Amerika, soll es Australien

oder Asien sein -- deren Länderstrecken ich kreuz und quer, täglich

treu ein Tagebuch führend durchwandert, oder mehrfach durchreist bin --

womit ich die Beschreibungen meiner Reisen um die Welt eröffnen soll?

Mein Entschluss schwankte hin und her, bis ich auf den Gedanken kam,

mit dem kleinsten selbstständigen Reiche des Stillen Oceans den Anfang

zu machen, um zugleich durch diese Wahl beweisen zu können, dass oft im

Kleinen Grosses und wo man wenig erwartet, mehr als man vermuthet zu

finden ist.

Ich griff deshalb zu meinen Reise-Tagebüchern der Sandwichinseln, d. h.

des Inselreichs von Hawaii, des interessanten Stillen Ocean.

Die Wahl dieses kleinen Reiches und seiner in ihrer Reife noch

jugendlichen Nation als Beginn meiner Reisebeschreibungen, gibt mir den

Muth die Hoffnung auszudrücken, dass gleichwie in der Kleinheit meines

Objektes des Inselreiches von Hawaii sich Grosses zeigt, vielleicht

auch in meiner kleinen Arbeit etwas Nützliches für das Grosse zu

finden sein wird und dass, gleichwie das in seiner fabelhaft raschen

Entwicklung interessante kleine Reich seiner Jugend wegen Nachsicht

verdient, auch dieser meiner kleinen Arbeit gütige Nachsicht und

einiges Interesse vom Leser gewährt werden wird.

Inhalts-Verzeichniss.

I. Theil:

3 Monate 8 Tage im Inselreiche. Reisebeschreibung.

I. Abtheilung.

Von San Francisko (Californien) nach Honolulu (Inselreich

Hawaii).

Seite

Den 13. Mai 1878. -- Ab San Francisko. -- Eindrücke. -- 1

Rückblick auf die Metropole. -- Im Stillen Ocean. -- 2

Vom 18. bis 21. Mai. -- Sicht von Oahú. -- 3

Sicht von Honolulu. -- Der Hafen. -- 3

Halt vor der Werft. -- Tabelle der Reise. -- 4

II. Abtheilung.

Ankunft in Honolulu. -- Eindrücke.

Landung. -- Wohnung. -- 5

Umriss des Inselreiches. -- 5

Abnorme Sterblichkeit. -- Ursache derselben. -- Tabelle der

Einwohner. -- 6

Erster Eindruck. -- Wanderung durch die Stadt. -- 7

Hauptstrassen. -- 7

Gärten. -- Die Kirchen Honolulus. -- 8

Sehenswerthe Gebäude. -- Palais des Königs. -- 9

Die Kaserne. -- Das Gefängniss auf dem Riff. -- 10

Das „Oahú-College“. -- 11

Principien der Anstalt. -- 12

Gemeinschaftliche Erziehung. -- Amerikanisches Schulprincip. -- 12

Oeffentliche Prüfung der Schule. -- Die Gärten der Anstalt. -- 13

Entwicklung des Schulwesens. -- Das „Joláni-College“. -- 14

Asyl für Geisteskranke. -- 15

Das Reformatorium. -- Zweimonatlicher Aufenthalt. -- 15

Vorbereitungen zur Reise nach Kauai. -- 16

III. Abtheilung.

Ausflug von Honolulu nach Kauai.

Der Schooner „Marianne“. -- 16

Sicht von Kauai. -- Hafen Navillivilli. -- W. Lowel. -- Guter

Kaffee. -- Die Terrafirma. -- Eindrücke. -- 17

Von Navillivilli nach Kolóa. -- Eindrücke. -- Brücke des

Niúmalú. -- 18

Stille der Natur. -- Auf der Höhe des Passes. -- Dreiers

Plantage. -- Kolóa. -- 19

Schlechte Weide. -- Der Ort Kolóa. -- 20

Plantage Kolóa. -- Rückweg. -- Lowel’s Häuslichkeit. -- 20

Lehúa-Plantage. -- Ein Abend unter Hawaii’ern. -- Wie die

lieben Leute speisen. -- 21

Frisches Pferd zum Weiterritt. -- Ab durch die Insel. -- 22

Mündung des Wailúa. -- Das Dorf Wailúa. -- Die Heimath der

Deborah. -- Der Wailúa-Sturz. -- Ueppige Vegetation. --

Dorf Kapaá. -- 23

Sicht im Ritt. -- Viehgut des Mr. Krull. -- Ursache der Grasarmuth.

-- Ort Moloá. -- 24

Irrthum durch Stille und Schädel. -- Nacht in Pelaá. -- Herr

Bertelmann. -- 25

Weiterritt. -- Die Gegend. -- Von Moloá bis Kiloéa. -- Nach

Hanalei. -- Eindrücke. -- 26

Von der Höhe. -- Princeville-Plantage. -- Ein steiler Zickzack.

-- Ueppige Lage der Plantage. -- 27

Eindrücke. -- Vor dem Hause. -- Herr Conrad nebst Frau. --

Wanderung durch das Thal. -- 28

Bei Hackfield. -- Idyllische Behausung. -- Eindrücke. -- Die

schmierige Pfeife. -- Die Hawaii’er Frauen. -- 29

Rückkehr zur Plantage. -- Lebensweise. -- Die Chinesen. -- 30

Importirter Hass. -- Der Europäer in der Plantage. -- Gemischte

Sprösslinge. -- Früh zur Ruh. -- 31

Rentabilität der Zuckerrohrplantage. -- Ein Exempel der

Rentabilität. -- 32

Den 9. Juli im Sattel. -- Prachtscenerien. -- Das Waioli-Thal. --

Ritt durch die Brandung. -- In Naué. -- Mr. Robinson und

sein Haus. -- 33

Ritt zu den Grotten von Haëna. -- Eindrücke der Grotten. -- 34

Rascher Ritt. -- Hunger zwingt zur Eile. -- Mr. Titcomb

und kein Nachtlager. -- 35

Bei Bertelmann. -- Vielseitige Unterhaltung. -- Herr Titcomb

und seine Charakteristik. -- Seidenraupenzucht. -- 36

Beispiel wirkt. -- Die Heiligkeit des Sonntags liebt die

Seidenraupe nicht. -- Ruin Titcombs. -- 37

Sein Aufschwung. -- Die Insel verliert eine Industrie. -- Im

Sattel bis Lehúa. -- Parforceritt nach Kolóa. -- Auf dem

Dampfer „Kilauéa“. -- 38

Eindrücke der Insel. -- Die „iron bound coast“. -- Lage der

Insel Kauai. -- 39

Ankunft in Honolulu. -- 40

IV. Abtheilung.

Ausflug von Honolulu zur Insel Maui und Ritt durch dieselbe.

Auf dem Dampfer „Likelike“. -- 40

Eindruck des Hafens von Honolulu. -- 41

Lahaïna. -- Die Malaéa-Bai. -- Gerüttelt, geschüttelt bis Wailúku.

-- Die Landenge Kóla. -- 42

Ost-Maui. -- West-Maui. -- Das „Jáo-Thal“. -- Die Schlacht

der Vernichtung. -- Die „Brewer“-Plantage. -- 43

Der Ort Wailúku. -- Eindruck der Bevölkerung. -- 44

Die „Waikapú“-Plantage. -- Eindrücke. -- Wanderung durch das

„Wailúku“-Thal. -- 45

Pompöse Schlussgebirge des Thales. -- Zurück nach Wailúku. -- 46

Die „Waihae“-Plantage. -- Der Fischmarkt. -- Der stille Sonntag.

-- Die römisch-katholische Kirche. -- 47

Wahrheit oder Schein. -- Der Schein und die Wahrheit. --

Die „Poi“-Manufaktur. -- Bahn von Kahúluï. -- 48

Ritt nach Ost-Maui. -- Eine öde Fläche. -- Mossmann’s Plantage. -- 49

Die „Gruve-Ranch“. -- Eine freundliche Aufnahme. -- Der Ort

Makawaó. -- „Sanich-Set“. -- 50

Ueberraschende Anlagen. -- Coralls und ihre Pforten. -- 51

Die „Hayku“-Plantage. -- Meine Rechnung. -- Die Fahrt nach

Kahúluï. -- 52

V. Abtheilung.

Von Maui nach Hawaii.

Auf dem Dampfer „Kilauéa“. -- Die Insel Kahooláwe. -- Folgen

der Entwaldung. -- 53

Vor Honoaúla. -- Die Felseninsel. -- Molokíni. -- Die

„Hoúlapalákuá“-Plantage. -- Hawaii in Sicht. -- Stürmischer Canal.

-- Bai von Kawaihae. -- Distrikt Kohála. -- Ort Kawaihae. -- 54

Von Kawaihae bis Waiméa. -- Distrikt Waiméa. -- Der Tempel

von Puúapá. -- Irrthümliche Behauptung der Europäer. -- 55

Kein Kannibalismus. -- Vor Kohála. -- Vor Laupahoehoe. --

Pracht der Wasserfälle. -- Halt vor Hakaálaú. -- Die Küste. -- 56

Vor Hilo. -- Beschwerliche Landung. -- 57

VI. Abtheilung.

Die Insel Hawaii.

Der Bäckermeister Wilhelm. -- Ein umfangreiches Dorf. -- 57

Hilo, wie es ist. -- Die Regenbogen-Cascade. -- 58

Lieblicher Blick. -- Wanderung durch die Stadt. -- Die

Hochschule. -- 59

Eindruck der Schule. -- Schulzwang. -- Schulwesen. -- Trennung

der Kirche von der Schule. -- 60

Keine Staatsregierung. -- Distrikts- und Normalschulen. -- Privat-

und Kirchenschulen. -- Wirkung des hiesigen Schulwesens. --

Miethe eines Pferdes. -- 61

Hilo und sein Klima. -- 61

Hilos Wasser und Feuchtigkeit. -- Ueppiges Gedeihen. -- Warum

die Produkte theuer. -- 62

4. August im Sattel. -- Ein störrisches Pferd. -- 62

Joe Puni tröstet. -- Weg und Gegend. -- Die Vegetation. -- 63

Die hiesige Flora im Vergleich zu der Indiens und Ceylons. --

Die Fama der Flora ist vorbei. -- Ursache des Schwindens

der Flora. -- 64

Die Hauptbedingungen der Pflanzenwelt der Tropen. -- 65

Die Natur bleibt Herrscherin der Schöpfung. -- Ort Olaá. --

Die Sicht. -- Kaauá und sein Grashaus. -- Ein dampfendes

Prachtmahl. -- 66

Von Olaá zum Kilauéa. -- Die Sicht -- Erstes Rollen. -- 66

3 Meilen vor dem Krater. -- Das Kraterhaus. -- 67

Dampf und Schwefelgeruch. -- Kamin- und Kraterfeuer. -- Zum

Krater. -- Vor dem Feuerbecken. -- 68

Eindrücke. -- Farbe der Masse. -- Das Loch der Péle. -- Der

Rückweg. -- 69

Der Mauna-Lóa und seine Nebenkrater in Charakterzügen. -- 70

Ab vom Kraterhaus. -- Meine Rechnung. -- Eine wüste Gegend.

-- Nebel. -- 72

Vor Kapapála. -- Verpestete Luft. -- Ueber Kaiwa nach Pahálla.

-- Gastfreundschaft. -- 73

Die „Pahálla“-Plantage. -- Praktische Cisternen. -- Folgen der

Dürre. -- Unternehmungsgeist des Besitzers. -- 74

Ab nach Waiohíno. -- Hartes Fell der Pferde. -- Der Mensch

das gequälte Thier. -- Mein Weg. -- Hafenort Púnaluú. --

Quellen am Ufer. -- 74

Verheerung durch Eruption. -- Ein mattes Pferd. -- 75

Die Mühle von Waiohíno. -- Lage der Stadt. -- Keimkraft. -- 76

Im Hause echter Kanaken. -- Wanderung durch Waiohíno. -- 77

Durch die Zuckerrohrfelder. -- Praktischer Transport des Rohres

von den Feldern. -- 78

Ritt nach Kaálualú. -- Schlechter Transport meiner Sachen. --

Zum Dampfer. -- 78

VII. Abtheilung.

Von Hawaii nach Honolulu.

Heftig schwankend ab von Kaálualú. -- Halt vor Hóopúlo. -- 78

Sicht der Küste. -- Vor Kauilií. -- 79

Ort Kapaá. -- Vor Hookéna. -- Es wird „Ava“ geladen. --

Die Fischerbevölkerung. -- Ein wohlhabender Ort. -- 80

Halt vor Kaawalóa in der „Kéalakékuá“-Bai. -- Denkmal Cooks. -- 80

Vor Kailúa. -- Distrikt Kóna. -- Vor Wainanálií. -- Halt vor

Kawaihae. -- Sicht des Húalálií. -- Lieblicher Hain. --

Sturm vor Máhukóna. -- Der Mumúkohú hebt Steine. -- 81

Oede Umgebung. -- Der „Hawaii-Maui“-Kanal. -- 81

Lahaïna. -- Die Normalschule. -- Die Abendschulen und

Privatschulen. -- 82

Die Insel Lanaï. -- Die Nadeln von Honopú. -- Die Verwüstung

Lanaïs. -- 83

Die Insel Molokai. -- 84

Fruchtbarkeit des Bodens. -- Ansiedelung für Aussätzige. -- 85

Lage der Ansiedelung. -- 85

Die Insel Nihau. -- 85

Ankunft in Honolulu. -- 86

Ich hätte poltern sollen. -- Die Fregatte „Kreiser“. --

Sehnsucht. -- 86

VIII. Abtheilung.

Tendenz der Europäer. -- Charakterzüge der Hawaiier. --

Gebräuche und Sitten derselben.

Eine nützliche Bekanntschaft. -- Trübe Gedanken. --

Anglo-sächsischer Einfluss. -- 87

Die Vernichtung. -- Civilisatorischer Einmarsch unter dem

Deckmantel der Religion. -- 88

Um rasch Proselyten zu machen. -- Hass und Zwietracht. --

Folgen der Verzweiflung. -- 88

Gerechte Verzweiflung als Rebellion. -- Pulver gegen

Schleuderstein. -- 89

Action, Besetzung, Colonisation und Scheidewasser. -- Die Plagen

der Ureingeborenen. -- 89

Keine Gerechtigkeit und Nächstenliebe. -- Import der Verachtung.

-- Civilisationstaufe des Urbodens. -- 90

Schlimme Folgen gewisser Colonisationssysteme. -- 90

Günstigere Folgen anderer Systeme. -- 91

Gewisse Colonisatoren und die Menschen-Vernichtung. -- 91

Philanthropische Vereine als Deckmäntel. -- 92

Die Schlussfolgen der anglo-sächsischen Colonisation. -- Der

Colonisator müsste bedenken -- --. -- Erobern und Berauben. -- 92

Politisches Handeln und gewandter Betrug. -- 93

Eifersucht der Staaten und Nationen. -- Der Staat und das

eigenmächtige Attentat. -- 93

Der Eroberer und das Eroberte. -- Toleranz ist besser als

Zwang. -- 94

Legitime Mittel gegen Unterworfene. -- Das Inselreich Hawaii

berücksichtigt unter den Colonien. -- 95

Cooks Zahl der Bevölkerung. -- Abnorme Sterblichkeit von 1779

bis 1872 tabellarisch. -- Was kann diese Sterblichkeit

hemmen? -- 95

Ursachen der Sterblichkeit. -- Vergiftung des Blutes. -- 96

Der Aussatz und der Aberglaube. -- Der Aussatz und die neue

Zeit. -- 96

Aerzte sind erforderlich. -- Frühzeitiges Sterben der Kinder. --

Sorglosigkeit der Mütter. -- Jugendlicher Beischlaf. -- Polyandrie.

-- Foeticidium und Geschlechtskrankheiten. -- Das Reiten. -- 97

Gutmüthigkeit und Indifferenz. -- Das „tabú“ und die Kinder. --

Die Mutter und das Kind. -- 98

Aversion der Frauen gegen Kindererzeugung. -- Entwicklung der

Kinder. -- 98

Widerspruch im Charakter. -- Vom Barbarismus in 58 Jahren

zur Civilisation. -- Das Volk von heute athmet frei. -- 99

Wirkung einer unübertriebenen Civilisation. -- Der Hawaiier

und der Wechsel seines Temperaments. -- 99

Der Hawaiier hat keinen Ausdruck für das Gefühl. -- Nationale

Spiele. -- 100

Nationale Tänze und Lieder. -- 101

Charakter der Spiele. -- Charakter der Tänze. -- Musikalische

Instrumente. -- 101

Schmuck der Tänzerinnen. -- Federmantel Kamehámehás I. --

Waffen der Kanáken. -- 102

Ihre Ackergeräthe und Werkzeuge alter Zeiten. -- 102

Charakter der Kanáken. -- Veränderung desselben. -- 102

Misstrauen gegen Fremde. -- Beispiel der Europäer. -- 103

Charakter der Kanáken. -- Das Wort „tabú“. -- 103

Die Wirkung des „tabú“. -- 104

Die Mythologie der Hawaiier. -- Ihr Begriff der Seele. -- 105

Das „Wakéa“ und der „Milú“. -- Die Götter der Unterwelt. -- 105

Die Priester und die „Kiéo“. -- Das Todtengebet. -- 105

Die Jahreszeiten und Monate. -- 106

Unterschied zwischen dem „kaú“ und dem „hooílo“. -- Ihre

Astronomie. -- 106

Die alten Sitten unsichtbar, jedoch vorhanden. -- 106

Die Hawaiier ohne Schleier. -- 107

Die Kunst der Verstellung. -- 107

Bemeisterung der Gefühle. -- Die Grashütten. -- Haltbarkeit

der Dächer. -- Das Innere der Hütten. -- Die Matten. -- 108

Frische der Hütten. -- Frauen speisen abgesondert. -- 108

Zubereitung eines Schweines. -- Ihre liebste Nahrung -- Der

„taro“. -- 109

Zubereitung des „poi“. -- 109

Kleidung der Frauen. -- Ihr Kopfputz. -- Kleidung zu Pferde. -- 110

Malerische Reiterinnen. -- Die „selápa“. -- Das Alphabet der

Kanáken. -- 111

Eine 53jährige Entwicklung. -- 111

Das Schulwesen im Inselreich. -- 112

Die Mädchen im elterlichen Hause. -- Charakteristik der

Frauen. -- 112

Die Frauen waren nicht den Männern untergeordnet. -- 113

Warum speisten die Frauen abgesondert? -- Wechsel im Temperament

der Frauen. -- Ihre Leidenschaft in der Liebe. -- 113

Ihre Liebe für Blumen. -- Ihr dolce far niente. -- 114

IX. Abtheilung.

Mein Entschluss. -- Recapitulation. -- Meine Eindrücke.

Mein Entschluss. -- Reisevorbereitungen. -- 114

Die Einfahrt in den Hafen den 11. August -- Die Gebirgsketten

der Insel Oahú. -- 115

Die Diamantspitze. -- Der Pluto von Hawaii. -- 115

Eine idyllische Ebene. -- Waikíki. -- Der Kaula. -- Die Einfahrt

in den Hafen. -- In der Rhede. -- Honolulu im

Morgenschlaf. -- 116

Die Glocke der Frühmesse. -- Ueber die Stadt hinweg. -- Die

Gebirgsketten. -- 117

Die „Ewa“-Fläche. -- Das Gefängniss. -- Reisfelder. -- 118

Eine öde Fläche. -- Das üppige „Núuanú“-Thal. -- Die

„Núuanú-Pali“-Strasse. -- Freudige Züge. -- 118

Des Teufels „Punch-Bowl“. -- 119

Sicht vom Teufelsgipfel. -- 119

Die Kratervertiefung. -- Nebenkrater als Teiche. -- 119

Auf der Höhe des Kegels. -- Die Umgebung des Kegels. -- 119

Das „halfway“-Haus. -- Schluss des Thales. -- Der „Pali“-Pass.

-- Der Abgrund von 1794. -- 120

Der Zickzackweg. -- Die nördliche Ebene von Oahú. -- 120

Das Dorf Kailua. -- Chinesische Reisplantagen. -- Gute Jagd. -- 121

Das Thal Waimanalóa. -- Die Fläche von Kapaá. -- 122

Der Ort Káneohé nebst Umgebung. -- 122

Der „Hoeii“-Distrikt und Waikáno. -- Dem Strande entlang. -- 123

Das „Waiahoeé“-Thal. -- Das Dorf Kualóa. -- 123

Kauá. -- Hauúla. -- Laïe. -- Die Ansiedelung der Mormonen. -- 124

Die Gemeinde der Mormonen. -- Eine echte Strandgegend. -- 124

Von Kahukú bis Waïalúa. -- Der Ort Waïalúa. -- Der Weg

über Waïanae. -- 125

Der Weg durch das „Waïalúa“-Thal. -- Pittoreske Sicht --

Die Vegetation des Gebirges. -- 125

Waïpio am Schluss des Thales. -- Die „Perl-Lochs“. -- Keine

Austern mehr. -- 126

Eine öde Fläche. -- Puúlóa. -- 126

Vor Honolulu. -- Ursprung und Bildung der Inseln. -- 127

Das Gebirge und der Untergrund. -- Die Reihen Vulkane. --

Der Humus. -- 128

Sandansammlungen. -- Die Laven. -- Die Asche. -- 128

Die Fauna der Inseln. -- Säugethiere. -- 128

Vögel. -- 129

Reptilien. -- Lurche. -- Fische. -- Insekten. --

Tausendfüsser. -- 130

Spinnenthiere. -- Krustenthiere. -- 132

Räderthiere. -- Würmer. -- 132

Weichthiere. -- 132

Strahlthiere. -- 133

Moosthiere. -- Darmlose Thiere. -- Urthierchen. -- 133

Die Flora. -- 133

Cryptogamen. -- Algen. -- Pilze. -- Flechten. -- Charen. -- 134

Laubmoose. -- Lebermoose. -- Farnen. -- 135

Schachtelhalme. -- Natterzungengewächse. -- Wurzelfrüchtler.

-- Bärlappen. -- Phanerogamen. -- Cicadeen. --

Nadelholzgewächse. -- 135

Monocotyledonen. -- Kolbenblüthige. -- „Kalo“. -- Thyphaceen.

-- Pandanen. -- 136

Palmen. -- Kokospalmen. -- Spelzenblüthige. -- Die „papaia“.

-- Die Weideflächen, wie sie waren und wie sie sind. -- 136

Ursache des Schwindens der Gräser. -- Der „ki“. -- 137

Der „úhi“ und „úbi“. -- Die „ensis argentia“. -- 137

Bananen. -- Banane als Heilmittel. -- Arowroot -- Dicotyledonen.

-- Apetalae. -- Sandelbäume. -- 138

„Awa“ als Getränk. -- „Awa“ als Heilmittel. -- „Awa“ als

„betle“. -- Piper cubeba. -- Der „kahuiláo-kaláni“ oder

„nioi“ als Gift. -- 138

Der „nioi“ vernichtet durch Kamehámehá III. -- Der Brotbaum.

-- Der „makokó“. -- Der „mii-mákole“. -- 139

Dicotyledonen-Sympetalae. -- Spanischer Pfeffer als

Heilmittel. -- 140

Der „kowáli“. -- Der „pohuéhué“. -- Die Batate. -- 140

Der „williwilli“. -- Teak. -- 141

Dicotyledonen. -- Polypetalae. -- Der „púnalíma“. -- Kürbisse. 141

Eucalyptus. -- Der Hawaiier Bergapfel. -- Der „kóa“. -- Der

„rus coraria“. -- Sumach. -- 142

Der Mango. -- Der „hau“. -- Geranium und Balsaminen. -- 143

Der „kukuï“. -- Ranunculaceen. -- Physiognomien der Inseln. -- 143

Die Insel Hawaii. -- 144

Erhebungen derselben. -- Ihre Gipfel mit Schnee. -- Form des

Gebirges. -- Das Ufer der Insel. -- 144

Umgebung der Ufer. -- Eindruck der Insel Hawaii. -- 144

Die Insel Maui. -- Ost-Maui. -- West-Maui. -- 145

Maui im Vergleich zu Hawaii. -- Charakter von West-Maui. -- 145

Die Insel Kauai und ihr Charakter. -- 146

Die Insel Kauai als die üppigste. -- Charakter der Insel Oahú.

Geringe Veränderungen derselben. -- Oahú’s Gebirge. -- 146

Oahú’s Flora. -- Charakter der Insel Molokai. -- Allgemeiner

Eindruck der bewohnten Inseln. -- 147

Die üppigste Insel. -- Welche könnte die ertragreichste sein?

-- Früherer Erwerbszweig der Inseln. -- 147

Walfischfahrerstationen. -- Regelmässiges Treiben derselben. -- 148

Der Verdienst der Inseln. -- Abnahme der Walfischfahrer und

deren Ursache. -- 148

Als Ersatz die Moralität. -- Wiederbelebung der Fischerei und

des Ackerbaues. -- 148

Die rationelle Landwirtschaft schwer möglich. -- Zu zahlreiche

Heerden. -- Devastation der Waldungen. -- 149

Günstiges Klima. -- Günstiger Boden für Zuckerrohr. -- 149

Erforderliche Einschränkung des Dampfbetriebs. -- 150

Wasser nimmt ab. -- Das Zuckerrohr ist lukrativ; doch soll der

Wald geschont werden. -- 150

Arbeitskräfte mangeln. -- Der Kanake liebt keine fesselnde

Arbeit. -- Günstigste Einwanderer. -- 150

Der Kaffeeanbau vorteilhaft. -- Die Seidenraupenzucht

anzurathen. -- 151

Obstbaumzucht, verbunden mit Seidenraupenzucht. -- Einmachen

der Früchte. -- Schonung der Waldungen. -- 152

Maulbeer-, Obst-, Kaffeebäume geben Schatten. -- Schwierigkeit,

Capitalien aufzutreiben. -- Hohe Prozente. -- 152

Was erfordern die Inseln zur Entwickelung ihres Wohlstandes? -- 153

Erhaltung der Naturkräfte. -- Schonung der Vögel. -- 153

Der Kaffeebaum. -- Die Seidenraupenzucht. -- Der Sandelbaum. -- 154

Vermehrung der Arbeitskräfte. -- Protektion der Einheimischen.

-- Fremde Machthabung ist der Nation schädlich. -- 154

Fremde Machthaber folgen dem Princip des Aussaugens. -- Ursache

dieses Princips. -- 155

Sonderbarer Ausspruch. -- Die Selbstentwicklung der Hawaiier. -- 156

Gefahr ihrer Selbstständigkeit. -- 157

II. Theil:

Entdeckung der Sandwich- oder Hawaii-Inselgruppe

und chronologische Entwicklungsgeschichte des

Königsreichs von Hawaii.

I. Abtheilung.

Entdeckung der Sandwich- oder Hawaii-Inselgruppe.

Seite

1542 der spanische Seefahrer Gaëtano. -- 1567 Besuch Mendonas.

-- Die Insel schon früher bekannt gewesen. -- Sage

von 1527. -- Sinalóa und die Moluken. -- 161

Sturm an der Küste Hawaiis. -- Die Ihú. -- Mendonas geogr.

Feststellung. -- 162

1567, Mendona benennt die Inseln. -- Capitän Cook. -- 1777,

die Middleton’sche Karte der Inseln. -- 162

Ursprung der Eingeborenen. -- Möglichkeit ihrer Wanderung

aus Asien. -- 163

Sie sind Westmalayen. -- Ihre Aehnlichkeit mit denen von

Sinalóa. -- 164

Die Maori Westmalayen. -- 1778 Cooks Besuch. -- 165

Die Urbevölkerung freundlich. -- 166

Cook vor Waiméa. -- Cook vor Nihau. -- Kamehámehá besucht

ihn. -- 166

Cook in der Bai Kealákekuá. -- Seine Vergötterung. -- 166

Eine Volkssage. -- Cook als Gott Leno. -- 167

Cook verlässt die Bai. -- 168

Freude des Volkes. -- Cook landet wieder. -- Cooks List

überlistet. -- Ein Häuptling erschlagen. -- Rache. -- 168

Cook stöhnt -- Cook tödtet und wird getödtet. -- 169

Vergeltung seines Todes. -- Flucht der Eingeborenen mit der

Leiche. -- Wiedergabe seiner Knochen. -- 169

1786 Laperouse vor Maui. -- 1779 bis 1792.-- Kiwaló gegen

Kamehámehá. -- Tod Kiwalós. --Kamehámehá als Sieger. -- 170

Kamehámehá in Maui. -- Die „Jao“-Schlacht. -- 171

Schlacht auf Hawaii. -- Der Aschenregen. -- Keuá ermordet. --

Kamehámehá wird Herr von Maui und Hawaii. -- 171

1790, die ersten Schiffe Amerikas. -- Neue Freunde Kamehámehás.

-- Ein Gemetzel. -- Vorbereitungen des Krieges. -- Seeschlacht

vor Hilo. -- Die Schlacht von Nuuanú. -- 172

Der Sturz in den Abgrund. -- Kamehámehá wird Herr von Maui,

Oahú und Hawaii. -- Kriegsvorbereitungen gegen Kauai. -- 172

1792 Vancouvers Besuch. -- 1794, Entdeckung des Hafens von

Honolulu. -- Frieden bis 1804. -- Vancouver und der König. -- 173

1801, Eruption des Hualalaï. -- Die „Peleleu“-Flotte. -- Der

König siedelt nach Waikiki. -- Seine Schaaren. -- 173

Kamehámehá I. und Kaumualii von Kauai. -- 174

Kaumualii besucht Kamehámehá I. -- 174

Ihre Unterredung. -- Ihre Vereinbarung. -- 175

Gründung der Einheit des Reiches. -- Ausbruch der Pocken. -- 176

II. Abtheilung.

Die Gründung des Königreichs von Hawaii unter Kamehámehá I.

-- Kamehámehá II. während seiner Minderjährigkeit. --

Die Regentschaft.

Charakteristik Kamehámehás I. -- Seine zweite Frau. -- 177

Ereignisse während seines Lebens bis 1804. -- 177

Sein erstes Handeln als alleiniger Herrscher. -- Sein Wunsch

um Missionäre. -- Seine Regierung. -- 178

Der König als Kaufmann. -- Seine Schonung der Sandelbäume.

-- Geburt seines Sohnes. -- Festung Honolulu erbaut. -- 179

Die Religion des Königreichs. -- 1819, Tod Kamehámehás I. --

Das „tabu“. -- 179

Das Heidenthum fühlt sein Ende. -- Kamehámehá II. als

minderjährig. --Die Kaahúmanú. -- Krönung des Königs. -- 180

Ceremonie der Krönung. -- Charakter Kamehámehás II. -- 181

Leichtsinn und Indifferentismus des Königs. -- Bruch des tabu

1819. -- Schreck der Priester. -- 182

III. Abtheilung.

Bruch der Priester mit dem König. -- Sturz des Heidenthums.

-- Das Christenthum fasst Wurzel. -- Kamehámehá II. und die

Regentschaft. -- Tod des Königs. -- Kamehámehá III. unmündig.

-- Tod der Kaahúmanú. -- Ihre Nachfolgerin. --

Rebellion der Priester. -- Schlacht bei Kuamoó. -- 183

Vernichtung des Heidenthums. -- 183

Der König unwillkürliche Ursache derselben. -- 1820, die ersten

Missionäre. -- 184

Verbot ihrer Niederlassung. -- Der Grund des Verbotes. --

Aufhebung des Verbotes. -- Die ersten Missionäre in Honolulu. -- 184

1822, erste Druckerei. -- 1823, Eruption des Kilauéa. -- Die

Kaahúmanú und die Missionäre. -- 185

Ihre Zurückhaltung den Missionären gegenüber. -- Der König

reist nach England. -- 1824, Tod des Königs. -- 185

Die Königin-Mutter lässt sich taufen. -- Aufstand in Kauai. -- --

George wird geschlagen. -- Strenge des Gouverneurs. -- 186

Kamehámehá III. -- Die Regentin. -- 1825, Ankunft der Leiche

des Königs. -- Die Kaahúmanú lässt sich taufen. -- 187

Die Taufe der Kaahúmanú bekehrt das Volk. -- Die erste Kirche

in Honolulu. -- Entwicklung des Christenthums im

Inselreiche. -- 187

Die Regierung, das Volk und die Missionäre. -- Die Missionäre

bedrängt durch die weisse Bevölkerung. -- 188

Ihre Tendenz gegen Spirituosen. -- 188

Schiffsmannschaften gegen die Landesgesetze. -- 189

Die Regentin tritt energisch für die Missionäre auf. -- 191

Energische Antwort der Kaahúmanú. -- Die 2. Compagnie

Missionäre. -- 191

Die Proklamation von 1829. -- Protest der weissen Bevölkerung. -- 192

Die Vereinigten Staaten beglückwünschen die Regentin. --

Einschärfung der Gesetze. -- Schulen und Missionäre. -- 192

1832, Tod der Kaahúmanú. -- Ihre Nachfolgerin. -- Vulkanische

Eruptionen. -- Depravation des Königs. -- 193

Gefährlicher Umschwung des Volksgeistes. -- 193

IV. Abtheilung.

Volljährigkeit des Königs Kamehámehá III. -- Die „Kuina-nui“

Kinau und ihre Regierung. -- Kamehámehá III. giebt eine

Constitution. -- Seine Regierungszeit. -- Sein Tod. --

1833, Kamehámehá III. volljährig. -- Die Kinau regiert. --

Zunahme der Missionäre. -- 194

1834, erste Zeitschrift in nationaler Sprache. -- Die Missionäre.

-- Der König verändert sich. -- Eine wichtige Proklamation. -- 194

Einfluss der Kinau auf den König. -- Verfolgung der

römisch-katholischen Kirche. -- Die ersten Glieder ihrer Gemeinde.

-- Die ersten Geistlichen derselben landend. -- Boki schützt die

Väter. -- Er verlässt die Inseln. -- 195

Die amerikanischen Missionäre. -- Der römisch-katholische Glaube.

Bedrängte Lage der römisch-katholischen Gemeinde. -- 196

Zähigkeit derselben. -- Abführung ihrer Geistlichen nach

Californien. -- Kriegsschiffe aus Chili. -- 196

Die römisch-katholische Gemeinde von ihnen geschützt. --

Scheinbare Toleranz. -- Energischer Schritt Kamehámehás III. -- 197

1836, erneuerte Verfolgung der Gemeinde. -- Des Königs

Vermählung. -- Missionäre. -- Protest der „Clementine“. -- 198

Ihr Capitän schützt die katholische Gemeinde. -- Provisorische

Erlaubnis der Geistlichen zum Bleiben. -- Verbot neu angekommener

zum Landen. -- 199

Umtriebe der Vulkane. -- Phänomen der Ebbe und Fluth. --

Ihre verwüstende Wirkung. -- 199

1837, des Königs Proklamation gegen den katholischen Glauben. -- 200

Geburt der Lydia Kamehámehá. -- Capitän Laplaces Auftritt

für die römisch-katholische Gemeinde. -- Seine Forderung. -- 201

Der König fügt sich derselben. -- Definitive Toleranz des

katholischen Glaubens. -- Der Grundstein zur römisch-

katholischen Kathedrale. -- 202

Kamehámehá III. froh über dieses Ergebniss. -- Er giebt eine

Constitution. -- Hauptpunkte derselben. -- 203

Die Minister des Königs. -- Eruption des Kilauéa. -- Erste

Hinrichtung eines Häuptlings. -- 204

Einfluss amerikanischer Missionäre. -- Ihre geistliche Stellung

wird eine politische. -- 205

Ihr verdienter Ruf. -- Beginn ihrer politischen Wirksamkeit. --

Die Annexion und die Missionäre. -- Befürchtung des Königs. -- 206

1842, erster Schritt wegen Protektorats der Vereinigten Staaten.

-- Haalilio als Abgesandter nach Amerika und Europa. -- 207

1843, Anerkennung der Selbstständigkeit des Inselreiches. --

Der Vorfall Charltons. -- Lord Paulets Ankunft. -- 207

Seine Forderungen. -- Der König muss sich fügen. -- 208

Bestimmungen Lord Paulets. -- Uebertriebene Forderung. -- 209

Der König cedirt sein Reich mit Protest. -- Die Proklamation. -- 210

Proklamation Lord Paulets. -- 210

Die provisorische Regierungs-Commission. -- Protest Kearneys. -- 211

Der König in Lahaïna. -- Er stellt sich nicht auf Befehl. --

Admiral Thomas restituirt das Reich. -- 211

Die Rede des Königs. -- Das nationale Motto. -- Rede des Admiral

Thomas. -- 212

Lord Paulets Eigenmächtigkeit nützlich dem Inselreich. -- 1843,

Eruption des Mauna-loa. -- 213

Die Missionäre rastlos. -- Erster Export von Seide. -- 213

Tod Haalilios. -- Tod des Kekauluohi. -- Einweihung der

römisch-katholischen Kathedrale. -- 214

1846, Rückgabe der 20,000 Dollar Garantie. -- Commission zur

Regelung der Besitztitel. -- 214

Die Streitfrage Charltons vor der Commission. -- 215

Die öffentliche Meinung gegen Charlton. -- Schiedsgerichtliche

Entscheidung der englischen Regierung. -- 216

Die 12. Compagnie Missionäre. -- Ihr Streben um die Session

des Reiches. -- Epidemische Masern. -- Das Goldfieber. --

Consul Dillon verklagt die Regierung. -- 217

Admiral Tromelin besetzt die Festung. -- Abzug desselben. --

Die Yacht des Königs verschwindet. -- 218

Wirkung dieses Falles auf den König. -- 1849, erster

Fleisch-Export. -- Aufschwung des Handels. -- 219

Des Königs Schritte bei den Vereinigten Staaten. -- Die

Commission von 1850. -- Revision der Constitution. -- 220

Der König denkt an seine Krönung. -- Mangel an Staatsmitteln.

-- Die Grosssöhne Kamehámehás I. -- 221

Gründung der Agrikulturgesellschaft. -- Die verbesserte

Constitution von 1852. -- 221

Eruption des Kilauéa. -- 1853, die asiatischen Pocken. -- 222

Die Vereinigten Staaten-Kriegsdampfer vor Honolulu. -- Wirken

der Missionäre. -- 1854, Tod Kamehámehás III. -- 223

V. Abtheilung.

Kamehámehá IV. -- Seine Regierung bis zu seinem Tode. --

Kamehámehá V. -- Seine Regierung bis zur Constitution von 1864.

1854, Kamehámehá IV. -- Seine ersten Handlungen. -- 224

Beisetzung des verstorbenen Königs. -- 224

Neuwahl der Minister. -- Charakteristik derselben. -- 225

Der König anullirt die Sessionsschritte seiner Vorgänger. --

Seine Gesandtschaft nach Europa. -- 225

Feuersbrunst in Honolulu. -- Vermählung des Königs. -- Die

Königin Emma. -- 226

Proposition eines Handelsvertrages mit den Vereinigten Staaten.

-- Abschlägige Antwort derselben. -- Die Commission zur

Ausarbeitung des Civilcodex. -- 227

Bau des Gefängnisses. -- Ministerwechsel. -- Geburt des

Thronfolgers. -- 228

Comité zur Prüfung des Civilcodex. -- Erste Reiscultur. -- 228

Der Civilcodex. -- 229

Sammlung gerichtlicher Berichte. -- Der Handelsvertrag mit

Frankreich. -- 229

Ein Adreferendum und dessen Folgen. -- Eruption des Maunaloa. -- 230

Das Gaswerk von Honolulu. -- Mr. Tiffany verschwindet. -- 231

Verhängnissvoller Tag des Königs. -- Kamehámehá IV. will

abdanken. -- Seine Gesandtschaft nach England. -- 232

Religiöse Motive des Königs. -- Prinz Lott in Missionen nach

Amerika. -- 233

Lydia Kamakaehá heirathet. -- Tod Armstrongs. -- Annexion

einiger Inseln. -- 233

Tod des Thronfolgers. -- Tod des Königs 1863. -- 1863,

Kamehámehá V. -- Seine ersten Handlungen. -- Sein Charakter. -- 234

Enttäuschung der amerikanischen Partei. -- Trauerbezeigung

für den verstorbenen König. -- 235

Kamehámehá V. und sein Wille. -- Wahl seiner Minister. -- 235

Erstes Werk der Regierung. -- 236

Verfassung bietet Hindernisse. -- Revision der Constitution. -- 237

Beisetzung des verstorbenen Königs. -- 1864, Proklamation des

Königs. -- Der Befehl der Minister. -- 237

Bildung einer Opposition. -- Das Wühlen unter dem Volke. -- 238

Des Königs Entschluss. -- Der König besucht die Inseln. --

Die legislative Versammlung von 1864. -- Das Scrutinium. -- 239

Die Debatten. -- Sieg der Opposition. -- 239

Das Veto des Königs. -- Seine Proklamation einer neuen

Constitution. -- 240

Die Opposition geschlagen. -- Ovation des Volkes für den

König. -- 240

VI. Abtheilung.

Die neue Constitution von 1864. -- Fortsetzung der Regierung

Kamehámehá’s V. bis zu seinem Tode.

Das Wühlen der Opposition. -- Die Treue des Volkes. -- Der

König verliest die Constitution. -- 241

Der König und die hohen Beamten leisten derselben ihren Eid. -- 242

Die Constitution. -- Die Rechte des Menschen. -- Recht des

habeas corpus. -- 242

Die Strafen. -- Das Arretiren. -- Nur eine Strafe für ein

Vergehen. -- Das „Gegensichselbstzeugen“. -- Eigenschaften

eines Richters und Geschworenen. -- 243

Zwangdienst. -- Recht der Haussuchung. -- Für wen soll der König

regieren? -- Rechte der Glieder der menschlichen Gesellschaft. -- 244

Recht der Feststellung von Steuern, Abgaben, Subsidien,

Gelderhebungen. -- 245

Das Gesetz soll nicht rückwirkend sein. -- Das Militär und die

Gesetze. -- Rechte der Wähler. -- Das Obergericht. -- Die

Regierung des Reiches. -- 245

Die Confirmirung der Krone. -- 246

Pflicht der Glieder der königlichen Familie. -- Eid des

Königs. -- 246

Rechte des Thrones. -- Der König als Oberbefehlshaber. --

Recht der Begnadigung. -- Recht, die legislative Versammlung

zu berufen. -- Des Königs Recht Verträge abzuschliessen. -- 247

Die Prärogative des Königs. -- Die Heiligkeit des Königs. --

Minderjährigkeit eines Thronerben. -- Des Königs

Stellvertreter. -- 248

Souveränetät des Königs. -- Recht der Verleihungen. -- Das

Kriegsrecht. -- Die nationale Standarte. -- Des Königs

Eigenthum. -- 249

Der König unter keiner Gerichtsbarkeit. -- Das Staatsconcilium.

-- Das Königl. Cabinet. -- Die Glieder des Cabinets. -- 249

Das Finanzbudget. -- Die legislative Gewalt. -- Die Versammlung

der Legislatur. -- Pflichten der Glieder derselben. --

Das Recht zur Verbesserung der Constitution. -- 250

Das Gesetz und die Billigung des Königs. -- Gewalt der

legislativen Versammlung über ihre Mitglieder. -- Die Wahl ihrer

Beamten. -- Die Macht der legislativen Versammlung. -- 251

Das Journal der legislativen Versammlung. -- Die Glieder der

legislativen Versammlung und der Arrest. -- 252

Entschädigung der Repräsentativen. -- Der König wählt den

Adel. -- Der Gerichtshof der Noblen. -- 252

Die Repräsentativen des Volkes. -- Qualification derselben. -- 253

Qualification der Wähler. -- Eigenthumsqualification

derselben. -- 254

Die richterliche Gewalt. -- Das Obergericht. -- 254

Vertheilung der richterlichen Gewalt. -- Competenz derselben.

-- Stellung des Oberrichters. -- 255

Decision des Oberrichters. -- Verpflichtung desselben. -- Die

Ernennung der Richter. -- 255

Ueber das Urtheil eines Richters. -- Qualification zu

Ehrenposten. -- 256

Ein Verbot für die Beamten. -- Bewilligungen der Legislatur.

-- Stil der Verfügungen. -- Der Titel für Urkunden. -- 256

Die bisherigen und die neuen Gesetze. -- 257

Das Inkrafttreten der Constitution von 1864. -- Das Recht zu

Amendements. -- 257

Eifer der Regierung. -- Die legislative Versammlung von 1864.

-- Rede des Königs. -- 258

Der König wird beglückwünscht. -- Debatte über das

Alkoholgesetz. -- 259

Das Finanzbudget. -- Schluss der Versammlung. -- Das Comité

für Einwanderung. -- 260

Unternehmungen und Landwirtschaft heben sich. -- Der Hafen

von Honolulu. -- Die Glieder des Comités für Emigranten. -- 261

Königin-Wittwe Emmas Reise nach England. -- Tod Mr. Wyllies.

-- Sein Nachfolger. -- Ministerwechsel. -- Eröffnung der

legislativen Versammlung von 1866. -- 261

Tod der Thronfolgerin. -- Vorlagen der legislativen Versammlung.

-- Der Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten. -- 262

Bestimmungen der legislativen Versammlung. -- Der Abgesandte

nach Washington. -- Rückkehr der Königin-Wittwe Emma. -- 262

Das Kriegsschiff der Vereinigten Staaten. -- Unheimliche

Verzögerung seines Abganges. -- Der Handelsvertrag scheint zu

gelingen. -- Ausarbeitung eines Projektes zu demselben. -- 263

Die Vereinigten Staaten und der Handelsvertrag. -- Die

anglikanische Kathedrale. -- 1867, Tod des Oberrichters. -- Die

„Laka-Wana“ vor Honolulu. -- Capitän Reynold. -- 264

Die Regierung fordert Erklärung von den Vereinigten Staaten.

-- Englands und Frankreichs Kriegsschiffe vor Honolulu. --

Zurückberufung der „Laka-Wana“. -- 264

Extraordinäre legislative Versammlung 1867. -- 265

Der Handelsvertrag in Washington und acta. -- Die Rede des

Königs vereitelt. -- Eruption des Mauna-loa. -- 268

Verwüstungen in Hilo. -- Des Königs Rückkehr nach Honolulu.

-- Unterstützung der Verunglückten. -- 268

Der Gesammtschaden der Eruption. -- Subventionen für Dampfer.

-- Ministerwechsel. -- 268

Tod des Kékuanaóa. -- 1869, der fanatische Kaóna. -- 269

Kaóna in der Irrenanstalt. -- Rebellion des Kaóna. -- 269

Gefangennahme des Kaóna. -- Herzog von Edinburg in Honolulu.

-- 12 Tage Festlichkeiten. -- 270

Abreise des Herzogs. -- Ministerwechsel. -- Wachsende Opposition.

-- Einigkeit der Regierungsorgane schwindet. -- 271

Legislative Versammlung von 1870. -- Der Dampfer „Waga-Waga“. -- 272

Eröffnung einer regelmässigen Dampferverbindung. --

Ministerwechsel. -- 272

Legislative Versammlung von 1872. -- Tod des Königs. -- Neuwahl

eines Königs. -- Das Ballotement. -- 273

Lúnalílo als König. -- Seine Ministerwahl. -- 273

Eine Wahl der Opposition. -- Schritte der Vereinigten Staaten

wegen Abtretung eines Hafens. -- 274

Der Vorschlag und die Opposition. -- Der König und der

Vorschlag. -- 275

Das Land befreit von der Gefahr. -- 1874, Tod des Königs. --

Sein Grab. -- 276

VII. Abtheilung.

König Kalakaua und sein Wirken.

1874, Kalakaua als König gewählt. -- Die neue Dynastie. -- 276

Die Nachkommen Kamehámehás I. -- Regierungsantritt Kalakauas.

-- Der Aufstand. -- 277

Die Gegenwart von vier Kriegsschiffen hemmt den Aufstand. --

Ministerwahl. -- Charakteristik der Minister und höheren

Beamten. -- 277

Auflösung einiger Militärkörperschaften. -- Creirung neuer. --

Die legislative Versammlung von 1876. -- 279

Die Rede des Königs. -- Bewilligungen der legislativen

Versammlung. -- 279

Die 4 juridischen Bezirke. -- Die Hawaiier Artillerie. -- Geburt

der Princess Victoria. -- Die „Hawaiian Guard“. -- Der

Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten. -- 280

Des Königs Reise nach Amerika ermöglichte denselben. -- Wortlaut

des Vertrages. -- 281

Die Valuta ausländischer Gold- und Silbermünzen im

Inselreiche. -- 284

Das Stempelgesetz des Inselreiches. -- 287

Regelung des Postwesens. -- Taxe für Lohnwagen. -- Das

Museum. -- Die Arbeitsdauer. -- 291

Keine Arbeit an Feiertagen. -- Commission zur Entwickelung

des Reiches. -- 1877, Resultat ihrer Arbeit. -- 292

Kurzgefasster Wortlaut der Arbeiter-Commission. -- 293

Oberrichter-Wechsel. -- 297

Generalrechtsanwalt-Wechsel. -- Die muthmassliche

Thronfolgerin. -- 298

Die legislative Versammlung von 1878. -- Gesetz über die

Arbeitszeit. -- 298

Einige Veränderungen des Civilcodex die Arbeiter betreffend. -- 298

Commission für sanitäre Instruktionen. -- Beschluss, Kamehámehá

I. ein Denkmal zu errichten. -- 301

1879, Grundsteinlegung des neuen Joláni-Palais. -- Sanitäre

Instruktionen werden veröffentlicht. -- 302

Die legislative Versammlung von 1880. -- Die Arbeiter betreffende

Gesetze. -- 302

Gesetze für Wohnungen der Arbeiter. -- 303

Die Arbeiterverträge Betreffendes. -- 304

Ministerwechsel. -- Die deutsche Krankenkasse. -- Der deutsche

Club. -- Die Krönungsfrage. -- 305

Das Gesetz der Krönung. -- 306

Bemerkungen einiger Glieder der Versammlung gegen die

Krönung. -- 306

W. M. Gipson’s Erklärung über den Begriff von Krönung und

das sogenannte „poni“. -- Die Regalien. -- Vertagung der

Krönung. -- 307

1881, Reise des Königs um die Welt. -- Die legislative

Versammlung von 1882. -- Die Minister von 1882. -- 307

Die legislative Versammlung von 1882 eine gesetzgebende. --

Creirung neuer Aus- und Einfahrtshäfen. -- 308

Compensation der Repräsentanten des Volks. -- 309

Gesetz gegen Brandlegung. -- Competenz der Richter für

kleine Vergehen. -- 309

Die Polizeirichter Betreffendes. -- Bewilligung der Königin-

Wittwe Emma. -- 310

Länder der Krone und die Forderungen C. Spreckels. -- 310

Die Tanzhäuser. -- 311

Die Pässe Betreffendes. -- 312

Die Naturalisation der Ausländer. -- 313

Beförderung der Agrikultur. -- 313

Hospitalgebühren der Passagiere. -- 314

Sitzungsbehörden. -- 314

Stadt Honolulu und feuerfeste Gebäude. -- 315

Gage der Geschworenen. -- Die Auktionäre Betreffendes. -- 316

Licenz der Milchhäuser. -- 317

Autorisation einer nationalen Anleihe. -- 319

Niederdrückung der Krankheiten unter den Thieren. -- 320

Schutz der Mädchen-Pensionen. -- 323

Regelung der Licenz für ausländische Handlungsreisende. --

Internationale Steuergesetze. -- Kopfsteuer. -- 325

Schulsteuer. -- Steuer für Thiere. -- 326

Wegesteuer. -- 327

Eigenthumssteuer. -- 327

Schätzung und Collekte der Steuern. -- 328

Der Appellhof für Steuern. -- 333

Collekte der Steuern. -- 335

Strafen für Steuern betreffende Vergehen. -- 336

Regelung des Verkaufes spirituöser Flüssigkeiten. -- 337

Feststellung der Bewilligungen für das Biennium von 1882 bis

1884. -- 350

Imports- und Exportsangabe einiger Jahre von 1848 bis incl.

1882. -- 363

1883, formelle Krönung des Königs. -- Das neue „Jolani“-

Palais. -- 364

Enthüllung des Standbildes Kamehámehás I. -- Tod der Letzten

der Dynastie Kamehámehás I. -- Die Regierungszeit des

Königs Kalakaua. -- 365

Charakteristik des Königs Kalakaua. -- 365

Charakteristik der Regierung des Königs Kalakaua. -- 366

Schluss. -- 367

I. Theil.

Sandwich-Inseln.

~Motto:~

„Natura non facit saltus.“

(C. von Linné.)

I. Abtheilung.

Von San Francisco (Californien) nach Honolulu (Inselreich Hawaii).

Es war einer der in San Francisco bekanntlich stets schönen sonnigen

Tage des Mai -- den 13. 1878 --, als mich ein kleiner Lootsendampfer

aufnahm, und mich zur weit vom Ufer geankerten „City of Sydney“ führte.

Hinter uns blieb die terra firma der gewaltigen Metropole des an Gold

und anderen edlen Metallen so reichen Californien mit ihren schönen

Häusern, strotzenden Waarenlagern, reichen Verkaufslokalen, luxuriösen

Hotels etc.

Hinter uns blieb der gewaltige Wirrwarr einer in Spekulationen und

giganten Unternehmungen rastlos hin und her wogenden Menschenmenge

verschiedenartigster Nationalitäten, des zu einer Weltstadt sich

fühlbar und sichtbar rasch ausbildenden, erst seit 1850 entstandenen

San Francisco.

Vor uns in herrlicher Beleuchtung lag die schöne von Bergen umgebene

weite Bai, Berge, die, wenngleich öde, so doch im Farbenreichthum einen

höchst schmucken Anblick und einen allgemein bewunderten Rahmen der so

gefällig geformten Bai liefern.

Auf der „City of Sydney“ angelangt, löste ich mein Billet für die

Strecke von 2094 Seemeilen bis Honolulu erst auf dem Schiffe. Die

Kabine kostete 75, das Zwischendeck 30 $.

Die „City of Sydney“ gehört der „Pacific-Mael-Steamship-Comp.“, hat

3500 Tonnen deklarirten Raumgehalt oder ihre Maschine 650 Pferdekraft

und ist durchweg als ein vollendet schönes Schiff in bester Ordnung.

Bald hatte ich mich häuslich in meiner geräumigen Kabine eingerichtet,

und um 1 Uhr bewegte sich unter der Leitung eines Piloten langsam

drehend und dröhnend unser Riesendampfer, und nach kurzem Gange heftig

schwankend durchzog er die sich so auffallend stauende Enge der „Golden

gate“ und ihr heftig brandendes und brausendes Wogenspiel.

Noch ein Rückblick auf die imposante Sieben-Sandhügelstadt, das

Eldorado der abenteuerlichsten Geld-Spekulanten, dem Brutnest des

verwegenen „Raudi“, des Humbug und der faulen Glücksritter, jedoch auch

den geselligen Wohnort zahlreicher achtungswerther, mir liebgewordener

Persönlichkeiten.

Bald schwand die Sicht des Landes, und vor und um uns blieb nur die

unabsehbare Sicht einer sich kräuselnden Wasserfläche, der gigante

„Stille Ocean“, durch dessen weit sich ausdehnende Wogen unser

Schiff in S. 61 W.-Richtung seinen Weg mit seinem hohen Kiel stolz

durchschnitt.

Heftiger, zugleich frostigkalter NO. machte, dass ein warmer

Ueberzieher nicht zuviel war.

Bis zum 18. Mai bei ruhiger Fahrt ohne erwähnenswerthe Zufälle, blieb

die Witterung ziemlich gleichmässig dieselbe, d. h. im Schutze des

Windes warm, der Wind frostig kalt. Den 18. nahm die Wärme allmählig

zu, die Farbe des Wassers wurde dunkler im Blau, klar und tief

durchsichtig. Der Wind gab plötzlich nach, als wir nämlich die Strömung

der „Nord-Pacificschen-Trift“ verlassen hatten. Den 19. war es trüb und

frisch. In der vergangenen Nacht um 12 begegnete uns der Post-Dampfer

aus Honolulu. Zahlreiche fliegende Fische unterbrachen die Monotonie.

Die schwarzen Seevögel, die uns treu von San Francisco gefolgt,

schienen uns nicht verlassen zu wollen.

Am 19. mussten wir gegen Quittung 2 Dollar für das Jedem zur

Disposition stehende „Hospital der Königin Emma“ zahlen -- eine Steuer,

die jedem Ankommenden im Königreich Hawaii auferlegt wird, der mehr

denn 30 Tage im Königreiche verweilt, und dem, der weniger denn 30 Tage

im Königreiche sich aufhält, wieder zurückgezahlt wird.

Gegen Abend kamen wir wieder in die Strömung, daher sofort unruhigere

See und heftiges Rollen des Schiffes; der NNO. war uns günstig und

gestattete volle Segel, da unsere Richtung stets in S. 61. W. hielt.

Den 20. recht frischer NNO. bei heissen Sonnenstrahlen. Wir durchzogen

den Wendekreis des Krebses um 1 Uhr. --

Den 21. Mai um 6 in der Früh waren wir in Sicht der felsigen, öden,

von schwarzen, durch die heftige Brandung bunt ausgehöhlten Riffen

umgebenen Küste und der öden, wilden, vulkanischen Gebirge der Insel

Oahú.

Um 1/2-9 bei scharfer Wendung nach N. umzogen wir die pompöse Felsmasse

des hell glitzernden sogenannten „Diamond-Head“ und bogen in den durch

die Inseln „Molokai und Oahú“ gebildeten „Oahú“-Kanal. Hier ändert sich

vollständig die Sicht: die Ufer sind bebaut und im üppigsten Grün,

das vulkanische Gebirge ist gleichsam wie grün getüncht, und bald

lag rechts vor uns der Badeort der Bewohner Honolulus, das liebliche

Waikiki mit seinem reizenden Kokospalmen-Hain. Unzählige Vögel und

spielende Fische zeigten sich.

Bald erhoben sich Kirchthürme aus einem Thale und Masten der Schiffe,

und endlich um 10 Uhr lag vor uns Honolulus -- wenngleich kleiner, so

doch ruhiger und stets durch kühle Brise -- frischer Hafen, der immer

sicher, mit Ausnahme der Zeit, wo hin und wieder vom Dezember bis März

der wüthende Südsturm, der „Kóna“ herrscht.

Die Grenzen des reizenden Hafens bilden breite Korallen-Bänke, die,

von zwei Seiten ausgehend, ihn kranzförmig umfassen. Der Eingang ist

550 Fuss breit und ist durch eine geankerte Bake bezeichnet, die

genau unter der Latt. 21° 16′ 56″ und der Long. 157° 48′ 51″ westlich

von Greenwich liegt. In den Hafen können -- Dank seiner Tiefe von

13-18 engl. Klafter -- die grössten Schiffe einkehren. Rechts von der

einen Korallenbank, 3/4 Meilen von der Bake entfernt, steht der seit

1869 den 2. August beständig 8 Seemeilen weit leuchtende Thurm, der

klein, schmuck gestrichen, aus Holz auf Bollwerk in wild brandender,

schäumender Wogenumgebung der Bänke erbaut ist.

Bald hielten wir vor dem Werft der „Pacific-Dampfer-Compagnie“, und

nach Beendigung des mühsamen Manövers des Anziehens des Schiffes an

die Brücke kamen wir um 11 Uhr an Land, nach einer in 8 Tagen weniger

3 Stunden zurückgelegten Reise von 2094 Seemeilen, d. h. wir hatten

durchschnittlich 11,_{089} Knoten die Stunde gemacht.

Uebersicht über den Lauf der Reise:

Uhr Nördlich der Länge Täglich Tägliche

der Breite westlich gemacht Richtung

täglich von Greenwich Seemeilen

0 ′ ″ 0 ′ ″

1 Mai 13 Grad 37 48 10 Grad 122 Die Golden-Gate S. 61 W.

12 „ 14 36 06 00 126 36 230 S. 61 W.

12 „ 15 33 58 00 131 29 272 S. 62 W.

12 „ 16 31 36 00 136 13 277 S. 59 W.

12 „ 17 29 27 00 140 37 262 S. 60-1/2 W.

12 „ 18 27 23 00 145 20 268 S. 62 W.

12 „ 19 25 14 00 149 45 271 S. 61-1/2 W.

12 „ 20 22 57 00 154 11 279 S. 61 W.

10} 21 16 56 157 48 51 235 Die Bake

} „ 21

11} 21 18 23 157 48 45 Centrum der Stadt

II. Abtheilung.

Ankunft in Honolulu. -- Eindrücke.

Gleichwie vor Aden und wie im Allgemeinen vor allen tropischen und

subtropischen Häfen, so auch hier bei unserer Ankunft lieferten uns

nach Geld in die Tiefe tauchende Buben in Mitte zahlreicher Haifische

ihre Kunstproduktion mit auffallender Behendigkeit. --

Nach einer höchst liebenswürdigen Untersuchung des Zollamtes fand ich

ein gutes Unterkommen bei dem Bäckermeister Singer, einem Deutschen, an

der Ecke der „Queen-“ und „Richard“-Strasse für 2 Dollar die Woche: ein

gutes, geräumiges, höchst sauberes Zimmer.

Somit war ich in der reizend gelegenen, sauber gehaltenen kleinen

Hauptstadt und dem Handels-Empyrium des Insel-Königreiches von

Hawaii, dessen Umfang circa 8000 engl. Quadratmeilen beträgt und aus

17 Inseln besteht, von denen 8 Inseln und zwar Hawaii, Maui, Lanaï,

Kahooláwe, Molokai, Oahú, Kauai, Niihau beständig, die 9 andern

Inseln Molokíni, Lehúa, Kaula, die Vogel-Inseln, die Palmira-Inseln,

die seit 1862 annectirten Guano-Inseln Kaláma, Layson, Lisansky,

Cornwallis wenig oder nur temporär bewohnt sind. Sämmtliche Inseln

sind vulkanischen Ursprungs und tragen in klimatischer Beziehung den

reinen polinesisch-subtropischen Charakter. Die geographische Lage

des Inselreiches ist zwischen den 18° 50′ und dem 22° 30′ n. B. und

zwischen den geographischen Längen 154° 30′ und 161° westlich von

Greenwich zu finden. Der Eingang in den Hafen von Honolulu ist von

San Francisco 2094 Seemeilen, von Sydney via Auckland 4368 und von

Hongkong 4487 Seemeilen entfernt. Das Inselreich von Hawaii bildet

augenblicklich das Empyrium der Inseln des Stillen-Ocean.

Die Grösse der Inseln, d. h. der bewohnten des Königreiches, die

höchsten Höhen und die Bevölkerung derselben zeigt folgende Tabelle:

engl. maximum. Zahl der

□ Meilen: Höhe: Bevölkerung:

Insel Hawaii 5000 13,935 17,034

„ Maui 600 10,200 12,109

„ Oahú 520 3,800 20,236

„ Kauai 520 4,800 5,634

„ Molokai 170 2,800 2,581

„ Lanai 110 1,600 214

„ Niihau 80 800 177

„ Kahooláwe 60 400 --

1878 in Summa 7060 -- 57,985

1779 sollen die Inseln circa 300.000 Einwohner gezählt haben. 1866

ergab der Census nur 64.131 Einwohner, von denen 58,765 Ureingeborne

und 5366 Fremde waren. Da 1779 unter der muthmasslich durch Cook

angenommenen Zahl von 300,000 wenig oder gar keine Fremde waren,

so muss von derselben die 1866 sich ergebende Zahl von 58,765

Ureingebornen zum Vergleich in Abrechnung gebracht werden, wonach

im Verlauf von 87 Jahren die Abnahme der Bevölkerung sich auf die

abnorme Zahl von 241,235 Seelen stellt. Diese Abnormität der Abnahme

der Bevölkerung lässt sich nur entweder durch die höchst glaubliche

Irrthümlichkeit der Angabe von 1779 oder aber durch die als blutig sich

bewiesenen Kriege des Kamehámehá I., durch die Pestilenz von 1804, die

Epidemie der Masern von 1848, die Epidemie der Pocken von 1856, durch

die Folgen des Importes von Alkohol, sowie durch dem Volke fremdartige

Gewohnheiten, Kleidungsmoden und namentlich ansteckende Kleidungsstoffe

europäischen Imports, durch die Aussatz-, diverse Fieber- und

Seuchenkrankheiten erklären. Ein treues Bild dieser abnormen Abnahme

der Bevölkerung soll folgende Zusammenstellung verschiedener Census

ergeben:

Kanaken Chinesen Amerikaner,

Europäer etc.

-- 1779 muthmasslich 300,000 -- --

-- 1823 laut Census 142,000 -- --

-- 1832 dto. 130,000 -- --

-- 1836 dto. 108,000 -- --

-- 1850 dto. 84,165 -- --

-- 1853 dto. 73,137 -- --

-- 1860 dto. 66,984 -- 2716

-- 1866 dto. 58,765 1317 5366

-- 1872 dto. 49,044 1938 4119

-- 1878 dto. 43,088 5916 4561

-- 1882 dto. 36,756 13,000 10,477

~Die Stadt Honolulu hat Einwohner gehabt:~

-- 1820 waren laut Census 7000.

-- 1860 dto. 14310.

-- 1866 dto. 13521.

-- 1878 dto. 14114.

-- 1882 dto. 17000. --

Der erste Eindruck der Insel Oahú bei Umfahrung ihrer Küste und

bei Sicht der grünen Umgebung der Stadt Honolulu ist der einer

wilden, öden, vulkanisch durchwühlten Masse, auf der mit Hilfe der

günstigen klimatischen Verhältnisse und humusreichen Grundlage --

mit Ausnahme einzelner zerstreut gelegener feuchter Schluchten, wo

die Natur den Keim zur üppigsten Vegetation der verschiedenartigsten

Farn, Tamarinden, Kaffeestauden, Thekstauden, Thysträucher u. s. w.

selbstständig legt, -- die rege Hand des Menschen stellenweise eine

üppige, künstliche Vegetation entwickelt hat.

Angelangt, durch Bad und Nahrung erfrischt, war mein Erstes eine

gründliche Durchwanderung der Stadt, deren meist parallel laufende

Strassen mit ihren von Gärten und auffallend mannigfaltigen

Blumenreichthum umgebenen Häusern, reichhaltigen Waarenlagern und

Schauläden einen saubern, höchst angenehmen Eindruck hervorrufen.

Die Strassen sind meist mit Lava, die prachtvolle, von der Stadt aus

schattige „Nuuanú“-Strasse theilweise mit Korallensteinen belegt. Beide

Arten sind recht wasserdicht und angenehm zum Gehen, jedoch höchst

staubig.

Zu den Hauptgeschäftsstrassen gehören nächst der „Nuuanú“-Strasse

die sehr breite „Kingsstreet“, in welcher meist die Handwerker sich

niedergelassen und deren nördliches Ende eine solide Brücke über

den „Nuuanú“-Bach, der das Thal schlängelnd durchzieht, bildet und

die „Fort-street“, die nur kurzweilig aus Schauläden, sonst nur

Privathäusern besteht.

Die Grosshändler haben ihre reichhaltigen Magazine an den Werften

und zwar resp. in der „Queen-street“ und „Port-street.“ Als höchst

liebliche und national-charakteristische, schattige Strassen sind

die „Hotel-street“ und die „Beretania-street“, deren nördliches Ende

ebenfalls eine Brücke über den „Nuuanú“-Bach bildet, zu benennen. In

diesen breiten Strassen ist die Verschiedenartigkeit der Bäume in

den Gärten und Alleen eine bemerkenswerthe. Hauptsächlich figuriren

der reichtragende Mango-Baum mit seinen aromatisch feinschmeckenden

Früchten, diverse stämmige Akazien und Mimosen. Die Palmen und Bananen

sind meist in etwas leidendem Zustande, fast krüppelig zu nennen,

dessen Ursache ich im ätzenden Staube der Lava, die die Strassen deckt,

zu finden glaube.

Die Flora der Gärten ist im Allgemeinen in Honolulu eine reichhaltige

und auffallend üppige, jedoch der Unterhalt der Gärten -- mit Ausnahme

der des Banquiers Sir Bichop in der „Kings-street“, des tropischen des

Palais der Königin-Wittwe Emma in der „Nuuanú“-street und theilweise

der des königlichen Palastes -- ein scheinbar unordentlicher, meist

verstaubter, dürrer und im Allgemeinen -- mit Ausnahme des Gartens des

Sir Bichop -- eigentlich geschmackloser zu nennen.

An schmucken Kirchen fehlt es nicht. Sie sind an Zahl und

Verschiedenheit der Konfessionen reich. Die hervorragendsten derselben

sind: Die 1840 erbaute römisch-katholische Kathedrale in der

„Fort-street“ und die ihr gegenüber liegende sog. „congregationelle“

Kirche, die beide einen recht schmucken Eindruck machen. -- Von

den speziellen Kirchen der Ureingeborenen sind zu bemerken: die

„Kau-ma-ka-pili“-Kirche, die eine congregationelle am westlichen Ende

der „Beretaria“-Strasse gelegen und deren Pastor, der Rev. Kauéa, ein

Ureingeborner ist. Die Kirche wurde von den amerikanischen Missionären

1838 erbaut (congregationell ist eine amerikanische Benennung

für „altpuritanisch“). Dann folgt die ebenfalls congregationelle

„Kawaiahae“-Kirche an der Ecke der „King-“ und „Punch-bowl-street,“

die 1825 erbaut, die älteste Kirche in Honolulu ist und in deren

Hofraum das schmucke Mausoleum des Königs Lunalílo steht. Der Pastor

der Kirche ist der Rev. W. Frear. Dann folgt die anglikanische oder

reformirt-katholische Kirche, die sog. „St. Andrews“-Kathedrale, die im

„Emma-Square“ gelegen und deren Grundstein 1867 durch König Kamehámehá

V. gelegt worden ist. Dann wäre noch zu bemerken die aus Holz erbaute

Kirche „the Seaman’s-Bethel,“ die 1833 an der Ecke der „King-“ und

„Bethel-street“ unter der Leitung des Missionärs John Diel von der

„American-Seaman’s-Friend-Society“ erbaut wurde. Nach dem Tode Diels

1841 wurde der im Lande höchst geachtete Rev. Dr. S. Damon als Pastor

ernannt. 1843 rief er unter seiner Redaction die für die moralische

Entwicklung der Nation höchst wirksame, monatlich erscheinende

Zeitschrift „the Friend“ ins Leben.

An schönen Gebäuden, obgleich dieselben im Allgemeinen sehr wohnlich

sind, ist vollständiger Mangel. Es sind nur wenige Häuser halbwegs

hervorragender Architektur vorhanden. -- Unter den hervorragendsten

wären zu nennen: das Parlamentsgebäude („Alioláni“-Halle) in der

„Kings-street,“ in der die Versammlungen der Legislatur abgehalten

werden und in welcher ferner die Regierung alle Branchen ihrer

Amtslokale eingerichtet hat und in der auch das noch jugendliche Museum

und die reichhaltige Bibliothek des Staates sich befinden. Dann käme

das am Werft gelegene steinerne, kasernenartige Gebäude des Zollamtes;

das zweistöckige inhaltsvolle Geschäftslocal der Firma „Hacfield &

Co.,“ ein höchst geschmackloses, aber geschäftsvolles Gebäude; die Bank

gegenüber der Post, wohl das hübscheste Gebäude der Stadt; die Post,

sehr praktisch eingerichtet, aber als Gebäude unschön; das Hospital

der Königin Emma, welches reizend in der Mitte einer umfangreichen

Parkanlage am Fusse eines Hügels, des sog. „Punsch-Bowl-Hill,“ gelegen,

und 1860 von Kamehámehá IV. erbaut und nach seiner Frau, der Königin

Emma benannt worden war und nach der Bank unter die schönsten Gebäude

zu zählen ist. Das „Joláni“-Palais des Königs, in der „Kings-street,“

der „Alioláni“-Halle gegenüber, besteht aus mehreren einstöckigen, an

breiten Veranden reichen, mit Schindeln oder Schilf gedeckten luftigen

Häusern, die in einem grossen, recht schattig gehaltenem Garten

liegen, aus Korallenstein erbaut und äusserlich recht unansehnlich

sind. Das eine Gebäude enthält die Staats-Empfangsräume. Die Wände

der Eingangshalle desselben sind gefüllt mit stattlichen Ölporträts

verschiedener Herrscher Europas, die meist Geschenke derselben

sind. -- Der Empfangssaal ist stattlich eingerichtet und reich an

Vergoldungen; die eine Wand desselben ziert ein vortreffliches Porträt

des Königs Kamehámehá IV. Diesem Raume angrenzend befindet sich der

Saal der Bibliothek, die eine sehr reichhaltige ist; die Wände zieren

Porträts verschiedener Könige des Inselreiches und der „Kuina-nui“

Kaahúmanú. Die Krönungshalle ist ein schmucker Saal, dessen Wände mit

gediegenen Gemälden, Kupferstichen und Stahlstichen gefüllt sind.

Neben dieser Halle, die zugleich auch für Galagelage benutzt wird, ist

das Buffetzimmer, in welchem eine reichhaltige Schau von Porzellan-,

Fayence- und Krystall-Gegenständen sich befinden, die Geschenke

verschiedener Monarchen der Welt sind. Die übrigen Räumlichkeiten sind

reich möblirt und mit Gemälden geziert. Der Ballsaal befindet sich in

einem abgesondertem Gebäude, ebenso die höchst wohnlich und elegant

eingerichteten Privatzimmer der königlichen Familie. Das letztgenannte

Gebäude der königlichen Wohnzimmer liegt unmittelbar am Haupteingang

des Palais. Das ganze Areal des die Häuser umgebenden Gartens ist von

einer 8 Fuss hohen Steinmauer umgeben (Korallenstein), durch die an

jeder Windseite sehr primitive Pforten nebst zwei Seitenthüren, die

stets unter Wache eines patrouillirenden Postens sich befinden, führen.

Westlich von diesem Häusercomplex soll das neue Palais erbaut werden,

welches bei 140′ Länge und 120′ Breite 4 Stock hoch werden soll.

Die 4 Ecken desselben werden Thürme bilden und das Zentrum des fast

viereckigen Gebäudes bei 80′ Höhe ein Gewölbe fassen. Zum Bau dieses

Gebäudes hat die legislative Versammlung 65,000 Dollar bewilligt. --

In der unmittelbaren Nähe des Palastes liegt die 200 Mann fassende

Kaserne, ein kleines, rothes, höchst originelles, nicht geschmackloses

Gebäude.

Sehr sehenswerth ist das auf der Landzunge Lelcó gelegene, aus weissem

Korallenstein erbaute Gefängniss. Frei liegend, umgeben von schattigen

Bäumen, unter dem directen Einflusse der gesunden Luft der See und der

Winde, prangt dieses 1857 im italienischen Stile erbaute Gebäude als

Zierde der Stadt. Die Disziplin, so auch die Gesundheitsmassregeln

der Anstalt sollen, wie es die zur Arbeit oft erscheinenden Inwohner

ihrem Aussehen nach beweisen, eine bemerkenswerthe sein. Man gelangt

zum Gefängniss, die südliche Richtung der „Kings-street“, bis zur

schmucken Brücke über den „Nu-u-anú“-Bach einschlagend, und die Stadt

alsdann verlassend, der „Ewa“-Landstrasse folgend, bei diversen

Schildkrötenteichen vorbei, erblickt man das links frei auf der

Landzunge liegende stattliche Gebäude. In seiner Nähe auf Riffen

erbaut, liegt die Quarantaine, die bisher nur zur Accommodation der

Einwanderer benutzt worden ist.

Sehr sehenswerth ist die in der Umgegend von Honolulu, circa 1-1/2

Meilen von der Stadt gelegene Schule von Púnahu, die im Mai 1853 unter

dem Namen „Oahú-College“ im vergrösserten Massstabe eröffnet worden

ist. Bis 1853 war die Schule seit ihrer Gründung unter Kamehámehá

III. 1842 nur für die Erziehung der Kinder protestantischer und

zwar amerikanischer Missionäre benutzt worden. Allmählig nahm der

Zudrang anderer Kinder derart zu, dass die Anstalt zum, wie schon

bemerkt, „Oahú-College“ vergrössert werden musste, und ist dieselbe

augenblicklich die bedeutendste Erziehungsanstalt des Reiches. Die

Anstalt empfängt ohne Ausnahme Externe und Interne. Die Zöglinge sind

Knaben und Mädchen zusammen; der Unterricht ist ein höchst gründlicher.

Das Gebäude ohne architektonischen Stil und Zierde liegt circa 1/2

Meile vom Meere entfernt, enthält die Wohnungen des Directors und

der Directrice, desgleichen die der in der Anstalt lebenden Lehrer

und Lehrerinnen, so auch die Klassen und den Speisesaal. Diesem

Zentralgebäude angeschlossen sind zwei Flügel, der rechte für Mädchen,

der linke für Knaben. Der Raum zwischen den beiden Flügeln ist durch

zierliche Anpflanzungen ohne jegliche trennende Umzäunung ausgefüllt.

Jeder Zögling hat sein Zimmer für sich allein, welches klein, aber

auffallend sauber gehalten ist. Der Unterricht in der Anstalt ist ein

gemeinschaftlicher für Mädchen und Knaben, desgleichen der Speisesaal

und der Tummelplatz.

Dieses stete Beisammensein und Untersichleben beider Geschlechter

-- wo ja Zöglinge im Alter von 12 bis 20 Jahren sich befinden -- ist

für uns Europäer unbegreiflich. Doch sobald man den Charakter der

Kanaken kennen gelernt und nachdem man den Ausspruch authentischer

Persönlichkeiten über die Sittlichkeit der Anstalt und die Resultate

dieser gemeinschaftlichen Erziehung gehört hat, gewinnt man bald die

Überzeugung, dass bis jetzt bei den Kanaken dieses dem Europäer fast

unsittlich erscheinende Prinzip statt schlecht sich gut bewährt hat.

Trotz der dem Kanaken eigenthümlich sinnlichen Tendenz ist oder

soll seit Errichtung der Anstalt kein Fall von Seduction oder

leichtfertiger, sinnlicher Handlung vorgekommen sein. Erzogen unter

dem Prinzip der amerikanisch-protestantischen Kirche, d. h. in

dem der persönlichen moralischen Verantwortung -- einem Prinzip,

welches, wenn es richtig gehandhabt wird, im Zögling eine ernste

moralische Willenskraft erweckt. Diese von Jugend auf erweckte Kraft

der Überwindung des Sichselbstbemeistern ist meiner Ansicht nach die

Ursache zu der jeden Fremden in Erstaunen setzenden Gabe der Männer und

Frauen dieser Nation, jedem Fremden Respect einzuflössen. Obgleich frei

in Rede und Bewegung, obgleich in Folge traditioneller Gewohnheiten,

klimatischen Zwanges und national-körperlicher Erfordernisse sehr

leicht bekleidet, steht demungeachtet dem muthigen europäischen

Frauen-Belagerer, dem europäisch Eingebildeten, dem nach europäischem

Begriffe sog. Unwiderstehlichen kein weites Feld ihnen gegenüber offen,

um über die Grenzen des Anstandes zu schreiten. Dieses ist das Resultat

einer gut überwachten, gemeinschaftlichen Erziehung unter den Kanaken,

während bei uns eine solche bei bester Überwachung nie und nimmer ein

gleiches Resultat liefern würde.

Durch diese gemeinschaftliche Erziehung lernen die Geschlechter

genau untereinander sich kennen, lernen ihre gegenseitigen Fehler,

Gewohnheiten und Eigenthümlichkeiten erkennen, und es entstehen oft

jugendliche Inclinationen, Anhänglichkeiten reiner Natur, die sie

sehr oft, später reifend, zusammenbringen, was hier leicht, da die

Kinder völlig frei in der Wahl ihres Herzens, ihrer Gefühle und ihres

Willens sind. Von unglücklichen Ehen, wie bei uns so oft, ist mir

noch kein authentisch bewiesener Fall hier zu Ohren gekommen. Eine

Eigenthümlichkeit des Landes ist, dass bei Heirathen die Eltern nicht

wie bei uns eine Aussteuer den Töchtern geben.

Das amerikanische Prinzip der Erziehung ist im Reiche das herrschende.

Die Mädchen machen gleich den Knaben denselben und den vollen Cursus

durch. Ausser den Wissenschaften, als: Geschichte, Geographie,

Mathematik, Naturwissenschaft u. s. w. wird auch Musik, Gesang und

Zeichnen betrieben. Den Mädchen werden Handarbeiten gelehrt, werden

theoretische Anweisungen zum Haushalte gegeben, sowie auch praktische,

indem abwechselnd für je 14 Tage Mädchen der Anstalt unter der Leitung

der Directrice den Haushalt der Anstalt in allen Branchen versehen,

sogar die für die Anstalt erforderlichen Markteinkäufe bewerkstelligen.

Jeder Zögling ist angehalten, sein Zimmer selbst zu reinigen und zu

betten.

Jährlich findet eine öffentliche Prüfung statt; zu der alle Eltern

und Verwandte der Zöglinge erscheinen. Die Prüfung dauert drei Tage,

während denen sämmtliche Eingeladenen auf das glanzvollste bewirthet

werden. Die Prüfung findet von 10 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends vor

einem zahlreichen Auditorium statt, was die Unbefangenheit und

Selbstständigkeit der Zöglinge überaus entwickelt. -- Höchst anmuthig

ist das mit Blumenkränzen und verschiedenen Verzierungen festlich

geschmückte Versammlungslokal, desgleichen das mit Blumenkränzen

geschmückte Auditorium, wie es überhaupt dieses sinnreiche, der Poesie

so zugängliche Volk prächtig versteht, mit der ihr zur Disposition

stehenden, so mannigfaltigen und rastlos blühenden Flora des Landes

sich und ihre Umgebung zierlich und geschmackvoll zu schmücken.

Die Pflege der Gärten, die Zucht und Pflege der Blumen etc.

bewerkstelligen die Jünglinge. Manche bedeutende Erdarbeiten;

Wasserleitungen der Anstalt, sind von denselben gemacht worden und

das im progressiv sich vergrössernden Massstabe, da jährlich das zur

Cultur bestimmte Areal vergrössert und mit acclimatisirten Gewächsen

bepflanzt wird, die in spätern Jahren durch ihr gedeihliches Wachsen

die Freude ihrer jugendlichen Erzeuger und Gründer bilden und

angenehme Erinnerungen ihrer Thatkraft hinterlassen. Kurz gesagt,

mein Auge traf das Modell einer Erziehungsanstalt, in der mir

namentlich der wohlaussehende, vergnügte, sittlich-zufriedene Ausdruck

der Zöglinge auffiel, aus welchem die günstigen Resultate dieser

theoretisch-praktischen Erziehung klar hervortraten.

Auch muss ich zur Ehre des Landes und seiner Regierung hervorheben,

dass beide ihr Möglichstes thun, um die Schulen des Landes zu heben,

was ihnen denn auch mit Dank gelingt, da dieses Bestreben mit

erstaunlich unbeschränkten Bewilligungen der legislativen Versammlung

unterstützt wird. -- Die Tendenz der Überanstrengung der Jugend

existirt hier im Lande noch nicht, da die gesunde Überzeugung hier noch

herrscht, dass für die Zukunft des Landes eine unnöthige Gelehrsamkeit

von keinem Nutzen sei. Die bestehende Tendenz ist: der Jugend einen

religiösen Sinn und die erforderlichen Kenntnisse eines civilisirten,

in der Civilisation allmählig fortschreitenden Bürgers beizubringen

-- eine Tendenz, aus der sicher eine gesunde kernige und vernünftige

Nation sich zum Wohle des Landes entwickeln wird, wenn nicht der

Eindrang schädlicher europäischer Beeinflussungen diesen gesunden Keim

erstickt.

Nach der Anstalt von Punahou wäre noch zu erwähnen das in der

„Nuuanú-street“, circa 3/4 Meilen ausserhalb der Stadt gelegene, 1872

eröffnete „Joláni-College,“ welches unter der speziellen Leitung des

Bischofs der anglikanischen resp. der episkopalen Kirche steht. Die

Anstalt ist in 2 Departements getheilt, das elementare und gymnasiale.

Die Anstalt ist eine durchweg disciplinirte. Die Schlafsäle nehmen

einen ganzen Stock ohne Abtheilungen ein, sind daher vollständig

ventilirt und gesund. Die 4 Acker umfassende Umgebung der Anstalt, da

sie hoch gelegen, bietet eine prachtvolle Sicht über die Stadt und den

Hafen und bildet eine Parkanlage, die gegenwärtig noch jung, jedoch

mit der Zeit eine der schattigsten und lieblichsten von Honolulu werden

wird.

An der „Ewa“-Landstrasse, an der nördlichen Seite derselben, von

der „King-street“ kommend, liegt das „Asyl für Geisteskranke“ im

Stadttheile Kapaláma, hoch, in luftiger, gesunder Lage. Die Anstalt

besteht aus mehreren einstöckigen Steinhäusern für die Kranken und dem

Gebäude des Superintendenten Mr. Wright.

In der Nähe dieses Asyles, circa 3/4 Meilen von der Stadt, ist das 1864

gegründete „Industrielle Reformatorium,“ eine Verbesserungsanstalt für

Knaben und Mädchen. Die Lage ist gesund. Das Areal der Anstalt bilden 6

Acker, von denen die Hälfte mit Bananen und andern Gewächsen bepflanzt

und von den Zöglingen gepflegt werden; die andere Hälfte nehmen die

Gebäude und die Tummelplätze der Jugend ein. Das Zentralgebäude ist

zweistöckig. Im Grundstock befinden sich die Schulräume und der

Speisesaal und den zweiten Stock bildet ein ungetheilter, daher

luftiger und gesunder Schlafsaal. Das Gebäude ist von 72 Fuss

Länge und 36 Fuss Breite. Die Nebengebäude dienen zur Wohnung dem

Superintendenten der Anstalt, Mr. Hill, und den Assistenten, Lehrern

und Lehrerinnen, desgleichen zu Küchen und Wirthschaftsräumlichkeiten.

Ausser den benannten 6 Ackern gehören der Anstalt noch 15 Acker

Land, die die Jugend mit Reis und „tarro“ bebaut. Die Zöglinge haben

täglich 4 Stunden zur Mahlzeit und Recreation frei, den Rest der Zeit

verbringen sie entweder in der Schule oder mit Feldarbeiten. Durch

ihre Arbeit und den Erlös der Produkte bezahlt sich reichlich ihr

Unterhalt. Ausserdem giebt der Staat der Anstalt eine Subvention, die

für sämmtliche Verbesserungsanstalten des Königreiches in Summa für

die biennale Periode circa 10,000 Dollar betragen soll. Zur Entlassung

der Zöglinge aus der Anstalt wird gefordert, dass dieselben ein gutes

Sittenzeugniss erhalten, zu rechnen und in der Hawaii’schen und

englischen Sprache zu lesen und zu schreiben verstehen.

Bis den 2. Juli, d. h. während fast zwei Monaten, tummelte ich

geschäftlich und gesellig durch die Strassen der Stadt, durch die

Umgegend von Honolulu, durch das lebhafte „Nuuanú“-Thal längs den

romantisch schlängelnden, das Thal durchziehenden Bächen „Panóa“

und „Nuuanú“, oder durchwanderte die Insel Oahú. Ich lernte die

Bevölkerung und Stadt und Land in ihrer anziehenden Gemüthlichkeit,

ihrem eigenthümlichen Wesen und die Freundlichkeit, den Charakter Sr.

Majestät des Königs Kalakaua kennen und liebgewinnen.

Meine weiteren Erörterungen über Honolulu und über meine Wanderung

durch die Insel Oahú behalte ich mir für später vor und zwar nachdem

ich die andern Inseln besucht und vielseitiger das Land und sein Volk

kennen gelernt haben werde.

Meine Absicht war nämlich diese gewesen: ich wollte mit dem

kleinen Schooner „Marianne“ den folgenden Tag zur Insel Kauai, die

in NO.-Richtung circa 100 Seemeilen von Honolulu entfernt ist,

abgehen. Ich richtete zum Zweck einer Excursion durch die Insel mein

Sattelgepäck in möglichst kleinem Massstab ein.

III. Abtheilung.

Ausflug von Honolulu nach Kauai.

Bei recht windigem Abend wars am 2. Juli, als ich um 1/2-4 den kleinen,

höchst sauber blau und weiss gestrichenen Schooner „Marianne“ betrat.

Um 4 spannten sich dessen verhältnissmässig gewaltigen Segel, und bald

hatten wir, einem Pfeile gleich, den kleinen, ruhigen Hafen durchzogen

und befanden uns in der recht unruhigen See des „Oahú“-Kanals. Trotz

der glänzenden Beleuchtung der Küste, einer erfrischenden Luft und

köstlicher Sicht zwangen die entsetzlichen Bewegungen des kleinen

Schooners mit seinem kaum 2 Fuss hohen Geländer alle Passagiere, so

auch mich zum Sichausstrecken und Stillliegenbleiben.

Den folgenden Morgen um 6 lag vor uns Navillivilli, der erste und

bedeutendste Hafen der Insel Kauai.

Der durch Korallenbänke gebildete Hafen ist wildschön, zugleich aber

auch wild-unruhig. Ein durch die gewaltige Wogen oft hoch gehobenes

Boot holte die hier Absteigenden, sowie die Briefsäcke vom Schooner ab,

wonach die „Marianne“ hin und her schwankend unter vollen Segeln oft

sich hochbäumend ihren Weg weiter nach Kolóa nahm. --

In Folge der unbeschreiblich stürmischen Nacht betrat ich mit sehr

unsicheren Füssen das Land. Es schien der ganze Boden unter denselben

zu schwanken und hin und her wie närrisch taumelnd betrat ich das Haus

des Schreiners und Grundbesitzers William Lowel, wo nach gutem Kaffee

und einem herzstärkenden Frühstücke bald wieder der Boden unter meinen

Füssen fester wurde, die mich umgebenden Wände zu schwanken aufhörten

und ich mich wieder factisch auf terra firma fühlte.

Hierauf gab Lowel mir ein Pferd nach Kolóa und zurück für den

Miethpreis von 2-1/2 Dollar. Die Strecke soll 12 englische

Meilen betragen und mich über die zwei Meilen von hier entfernte

Zuckerplantage Lehúa führen.

Der Ort Navillivilli ist klein, besteht nur aus 6 Häusern und einigen

Hütten, die zerstreut auf einem hügeligen Terrain liegen. Die Umgebung

des Ortes ist wüst, sandig und zugleich reich an kleinen, seichten

Lagunen, in welchen üppiger „tárro“ gebaut wird. Das Ganze bildet eine

nach der See offne 200′ über dem Meeresspiegel liegende Kesselschlucht,

welche von der Landseite kranzförmig von Bergen umgeben ist.

Dank den zahlreichen Lagunen und der nur von drei Seiten umschlossenen

Lage ist Navillivilli, -- obgleich an concentrirter Hitze und daher

auch an Mosquitos auffallend reich, -- ein wahres Treibhaus der Natur

zu benennen. In Folge der frischen Winde einer beständigen Brise der

offenen Seeseite ist der Ort höchst erträglich und sehr gesund.

Mein Pferd war gesattelt und ich bald im Ritt ohne Begleiter.

Von Navillivilli führt ein ziemlich unsichtbarer, oft versumpfter

Weg erst über Stauungen der Lagunen, dann bergauf bis zum Ort

Niú-malú, der nur aus einem Gefängniss und dem ursprünglichen Hause

des Gouverneurs der Insel Kauai besteht (der Gouverneur Mr. Busch

residirt augenblicklich in Kolóa). Niú-malú verlassend, liegt rechts

vom Wege hübsch angelegt und weit ausgebreitet die Zuckerplantage

Lehúa mit ihren zahlreichen Gebäuden. Sie soll nächst Kolóa die

älteste Plantage des Reiches sein. Von „Niú-malú“ an wird der Weg ein

guter und ist circa eine Meile vom rechts liegenden öden, dürren,

vulkanisch-durchwürfelten Basaltgebirge entfernt. Dieser Gebirgskette

folgend durchzieht der Weg die üppigen Ländereien des Sir Albert

Wilcox, die der Arowrod-Plantage des Herrn Müller und die der reichen

Zuckerplantage von Lehúa und endlich an der schattigen, idyllisch

isolirt liegenden Behausung des im Königreiche allbekannten tüchtigen

Verwalters der Lehúa-Plantage, Herrn Isenbergs, vorbei. Hier beginnt

der Weg allmählich schlechter und bedeutend wilder zu werden. Durch

gegenwärtig auffallend dürre -- sonst, wie man mir gesagt, üppige

-- Weideländereien, bald Hügel auf, bald ab, bergauf, bergab, stets

in Sicht sehr mageren Viehes schlechter Art, auffallend zerfetzt

aussehender Schafheerden führt der allmählich fast weglos werdende Weg

bis zur „Niú-malú“-Schlucht. In der Schlucht des Flusses Niú-malú, die

charakteristisch ist durch ihre krüppeligen, wenngleich an Früchten

reichen Baumgruppen, die hier in spärlichen, wild verworrenen Massen

„Wald“ genannt werden sollen, während sie nur höchstens halbwegs einem

Urbusche zu vergleichen sind, sind die ihr Fell nachschleppenden Schafe

auffallend bemerkenswerth. Das Terrain ist ausserordentlich durchwühlt.

Die Brücke über den Niú-malú in der Tiefe der Schlucht soll 6 englische

Meilen von Lehúa, demnach der halbe Weg bis Kolóa sein. Von der Brücke

aus mit scharfen Curven beginnt die für die geringe Höhe auffallend

steile Besteigung des Passes, jedoch mit beständigem Hinauf und Hinab,

bis man endlich die stark windige Maximal-Höhe von 600′ über dem

Meeresspiegel erreicht.

Die allgemeine Stille der Natur -- während der Mittagszeit namentlich

-- ist hier eine auffallende. Kein Vogel, kein lebendes Geschöpf ist

weder sichtbar, noch hörbar, in Folge der gegenwärtig herrschenden

Dürre schweigt sogar der Laut der Grille. Nur das unaufhörliche

Klappern der langen Blätter der Pandanen, das beständige Sausen des

Windes, hin und wieder das ruckweise, entfernte Brausen der brandenden

Woge des Oceans und das sonderbare Getöse der wirbelnden, rothen,

gewaltigen Lava-Staubwolken begleiten fast unheimlich den auf dieser

Strecke meist einsam, rasch dahin eilenden Reiter in der sonst

lautlosen Natur.

Selten nur begegnet man auf dieser höchst unwirthlichen Strecke einem

Menschen und nur selten einer Behausung oder Grashütte der Eingebornen.

Von der Höhe des Passes entfaltet sich plötzlich die Sicht des

gewaltigen Oceans und ein recht hübscher Rundblick über das bunte

Felsengewirr der Insel im mannigfaltigsten Farbenspiel.

Niedersteigend bis zu einer Höhe von 228′ über dem Meeresspiegel

bei zunehmend sich besserndem Wege erreicht man die rechts vom Wege

liegenden Häuser der auffallend lautlosen Zuckerrohr-Plantage des

Herrn Dreier, die im üppigsten Grün fruchtreicher, schattiger Bäume

verschiedenster Art lieblich und gesund gelegen ist. Gleich darauf

folgen, rechts und links am Wege zerstreut liegend, die zahlreichen,

vollständig schattenlosen Gebäude der Plantage Kolóa, die auf gleicher

Höhe mit Dreier’s Plantage, d. h. 228′ über dem Meeresspiegel, liegt.

Hier entfaltet sich ein köstlicher Blick auf das glitzernde Wogenspiel

des heftig brandenden Oceans und auf den Ort Kolóa nebst seiner

sonderbaren Umgebung. --

Zur Nacht wurde ich gastlich von A. Haneberg, dessen Bruder ich auf

der „City of Sydney“ kennen gelernt und der hier angestellt ist, nach

echt deutscher Art und Weise empfangen und aufgenommen, was mir höchst

angenehm war, da hier kein Gasthaus vorhanden ist.

Den 4. Juli erwachte ich frisch und gekräftigt; leider aber war es

meinem, vom Ritte Tags vorher recht ermatteten, an und für sich

schwachen Pferde schlechter ergangen. Eine fast graslose Weide hatte

das arme Thier sichtlich matt und missmuthig gestimmt. Ich fand das

arme Geschöpf starr niederblickend mit halb geschlossenen Augen und

langhängenden Lippen, dem besten Zeichen des Hungers.

Meine Absicht, zwei Tage hier zu bleiben, gab ich dieser armseligen

Weide wegen auf und entschloss mich, noch denselben Tag um 2 Uhr wieder

aufzubrechen und nach Navillivilli zurückzureiten, um mir daselbst ein

kräftigeres Pferd, zum Weiterritt durch die Insel zu verschaffen.

Das Städtchen Kolóa ist weitläufig angelegt und circa 2 englische

Meilen vom Ufer entfernt, welches Ufer, keinen Hafen, sondern den

Strand der off’nen See mit einer sehr heftigen Brandung bildend,

die Landung sehr erschwert. An diesem Ufer liegt die Werfte und

die verschiedenen Häuser und Speicher des Zollamtes. Das Haus des

Gouverneurs liegt isolirt, 1/2 Meile vom Ufer entfernt und ist in

keiner Weise bemerkenswerth.

Die Kolóa-Zuckerrohrplantage wurde im Jahre 1840 durch die

amerikanische Firma Ladd & Co. und das mit ausserordentlichen

Concessionen der Regierung angelegt. Verschiedene Eventualitäten

zwangen die Compagnie 1844 das Land zu verkaufen, wodurch es in die

Hände des Dr. R. W. Wood kam. Unter seinen Händen erhielt die Plantage

ihren systematischen Aufschwung. Später kam dieselbe wieder in andere

Hände. Es ist die älteste Plantage des Inselreiches.

Weder der Ort noch die Zuckerrohrplantage weisen auf System und

Ordnung, obgleich, wie man mir sagt, der Ertrag derselben ein bedeutend

günstiger sein soll.

Um 2 verliess ich Kolóa und ritt mit meinem ermatteten Pferde denselben

Weg bis Lehúa zurück. In Lehúa machte ich einen kurzweiligen Besuch

dem liebenswürdigen Kaufmann Schulz, dem ich wärmstens empfohlen

worden war. Zur Nachtszeit ritt ich nach Navillivilli hinab, wo mich

ein gutes Bett und zum Abendbrot gekochte „tarro“-Wurzel, gebackener

„poi“, roher Fisch, Fleisch und Thee erwarteten. W. Lowell, bei dem

ich wieder abstieg, ist schottischer Herkunft, seine Frau eine feiste,

echte Kanakin. Sein hölzernes Haus ist von ihm selbst erbaut. Im Innern

desselben zeigt sich die den Eingeborenen charakteristische Unordnung.

An Zahl der Möbel reich -- was sonst in den Häusern der Eingeborenen

nicht der Fall ist -- zeigen dieselben, gleich wie Alles im Hause, ein

auffallendes Durcheinander, was im Allgemeinen in allen Häusern der

sehr lieben Leute des Landes zu finden ist.

Den 5. Juni kurz nach Sonnenaufgang wanderte ich zur „Lehúa“-Plantage.

Die Plantage, die Zuckerrohrmühle, die Siederei und Raffinerie umfassen

ein Terrain von 10,000 engl. Acker, und gehören einer Compagnie, deren

Hauptverwalter Paul Isenberg ist und dessen Tüchtigkeit im Lande in

vielen Beziehungen einen bedeutenden Ruf hat.

Die Plantage macht in allen ihren Zweigen den Eindruck einer

geregelten Verwaltung, sie trägt den Stempel der Gediegenheit und

Vollkommenheit -- das vollständige Gegentheil der von Kolóa. Wo man

hinblickt, trifft das Auge tief bearbeitete Felder und namentlich eine

auffallende Gleichmässigkeit und Ueppigkeit im Zuckerrohr, dessen

Qualität eine vorzügliche ist. Nachdem ich die überaus vollständigen

Fabrikeinrichtungen der Mühle, der Siederei und Raffinerien, die

ausserordentlich beachtenswerthen Maschinerien neuester Construction

besichtigt hatte, kehrte ich zur Nachtszeit zu W. Lowell zurück.

Den Abend verbrachte ich in Gesellschaft meiner liebenswürdigen

Wirthsleute, des Sherifs und vieler Eingeborenen. Das Abendessen wurde

auf nationale Art eingenommen, d. h. es wurde auf einer reinen Matte

des Fussbodens gedeckt. Das Gedeck besteht aus einer riesigen, recht

saubern Schüssel, die nämlich aus einem ausgehöhlten Riesen-Kürbis

besteht, in welchem der wohlschmeckende, säuerliche „poi“ sich

befindet. Um diese Hauptspeise stehen diverse flache Schalen mit

Fleisch, gekochter „tarro“-Wurzel und rohem Fisch. Die Gesellschaft

lagert im Kreise um das Gedeck und Jeder fährt mit einem, oder

zwei, drei auch vier Fingern, je nach seinem Hunger in die sogen.

„poi“-Schüssel; mit einer kleinen Drehung derselben umwickelt er

die Finger mit dem „poi“ und bringt sie alsdann in seinen zierlich

geöffneten Mund. Dann folgt Lecken der Finger mit schnalzender

Begleitung; hin und wieder wird etwas vom Fleisch, etwas vom Fisch,

etwas vom „tarro“ gerissen und genascht. Alsdann kehren die Finger

wieder in den kleistrigen „poi“ u. s. w.

Während des Essens wird viel laut geredet, gelacht und gescherzt und

das, je gesättigter, desto lauter und in rascherem Tempo.

Zum Schluss folgt gewöhnlich ein Schluck Wasser, hin und wieder auch

Thee oder Kaffee. Dem folgt das gründliche Waschen der Hände, das

Erheben von den Sitzen mit gewaltigem Magenaufstossen zum Zeichen der

Verdauung. Alles geschieht in heiterster Art und Weise und mit endlosen

charakteristischen Höflichkeitsverbeugungen.

Für den Ritt durch die Insel gab Lowell mir dieses Mal ein gutes Pferd.

Den 6. Juli um 5 Uhr nach einem kräftigen Frühstück war ich mit

leichtem Gepäck im Sattel, und frisch ging es im kurzen Galopp bergauf

nach Lehúa. Nach kurzem Abstecher bei Herrn Schulz ging’s weiter, bald

Trab, bald Galopp, bergauf, bergab durch die üppigen Zuckerplantagen

Lehúas, bei festem, gutem Wege, dann durch den „Honomaúluú-Fluss“ an

der neuen „Lehúa“-Zuckermühle vorbei, dem schäumenden Strande zu. Dann

folgt links ödes und wild durchworfenes Gebirge, rechts bald nah, bald

fern der wogende Ocean.

Intensive Sonnenstrahlen, Schauer, Spritzregen und Regenbogen waren

in beständigem Wechsel und trotz Regen wirbelte unaufhörlicher Staub.

Die Vegetation war spärlich und höchst bemerkenswerth die Stille der

Natur, bis wir 7 engl. Meilen von Lehúa den Wailúa, den an Tiefe

bedeutendsten Fluss der Insel, erreichten. In der Nähe seiner Mündung

und breitesten Stelle derselben setzte uns für 5 cent. pro Pferd ein

gutes Floss über.

Das an der Mündung des Flusses in recht sumpfiger Umgebung liegende

kleine Dorf Wailúa mit seinen sehr interessanten Grashäusern war

in alter Zeit der Sitz der Königin Kapúle, des lieblichen Weibes

des letzten Königs der Insel, des traditionell bekannten, in meinem

geschichtlichen Theil erwähnten Kaúmuálii, der im Kampfe gegen

Kamehámehá I. gefallen war. Die Königin Kapúle ist die in unserer

Theaterwelt bekannte „Deborah“. --

Von Wailúa links in das schmale Thal einkehrend, dem Fluss aufwärts

folgend, trifft man den schönen, ca. 200 Fuss hohen Sturz desselben,

den im Lande besungenen Wailúa-Sturz, dessen Umgebung -- gleich der

der ganzen Länge des Flusses mit Ausnahme seiner Mündung -- eine

an Vegetation üppige zu nennen ist. Umringt von wilden Bananen,

Kaffeestauden mit ihren dunkelgrünen Blättern, Citronen- und

Orangenbäumen in vollster Frucht und Blüthe, dichten Gruppen des „hau“

(Hybisius tiliaceus), des „Kukúi“ (Aleorites triloba), Tamarinden,

Pandanen, hochwüchsiger Typhaceen mit ihren kriechenden Wurzelstöcken,

mannigfaltigster Form u. s. w. bietet kurz gesagt, eine Ueppigkeit und

Vielseitigkeit der Vegetation, die ihres gleichen sucht.

Vom Wasserfall zurückgekehrt, drei Meilen dem Strande entlang reitend,

erreichten wir das Dorf Kapaá, eine neue, in vollster Bearbeitung

begriffene Privatplantage des Königs Kalakaua, die unter der

umsichtigen Leitung des Herrn Lilikaláni steht und, da sie, wie gesagt,

neu angelegt, keiner andern Bemerkung bedarf als nur der, dass das zur

Bewässerung sehr geeignete Terrain und der humusreiche Boden derselben

unzweifelhaft günstiges Resultat erzielen wird, was übrigens schon das

stellenweise sichtliche Zuckerrohr in seiner Kraft und Ueppigkeit der

Farbe beweist.

Nach einer eiligen Kräftigung im chinesischen Restaurant und einem

kurzweiligen Besuche bei der liebenswürdigen Mrs. King, deren Mann

leider nicht zu Hause war, ritt ich, da Lowell hier blieb, allein

weiter.

Die folgenden 9 Meilen führte mich mein Weg links in das Gebirge,

beständig bergauf, bergab, mit hin und wieder bedeutenden Steigungen

und unter oftmaligem Durchreiten reissender Gewässer, bis ich das

Viehgut des Mr. E. Krull erreichte. -- Die auffallend dürre Zeit der

letzten Jahre hatte Futtermangel erzeugt. Die öden dürren Weidestrecken

boten nur spärlich Nahrung dem Vieh, so dass der Anblick der Heerden

ein deprimirender war. Freilich war nach dem verflossenen, besonders

trocken gewesenen Jahre im Allgemeinen kein richtiges Urtheil über die

Ertragfähigkeit der Weiden zu fällen, doch gewinnt man die vollste

Ueberzeugung, dass durch übertriebene Entholzung der Gegend die

herrschende Dürre -- wenn auch nicht durch dieselbe entstanden, --

so doch unzweifelhaft befördert worden ist und dass auch in Jahren

häufigerer Niederschläge der Graswuchs nur theilweise und zwar nur

stellenweise üppig sein kann, im Allgemeinen aber das Gras, gleich wie

alle andern Gewächse der freien Natur -- abgesehen von der unsinnigen

Entholzung des Landes -- den Charakter vulkanischer Länder trägt, d. h.

der des krüppligen, niedrigen Wuchses auf den Hügeln und Höhen, den der

vollständigen und üppigen Vegetation in den verhältnissmässig kurzen,

schmalen, aber tiefen und feuchten Lagen der Gegend.

Daher bin ich der festen Ueberzeugung, dass hier, im Kleinen betrieben,

die Viehzucht günstig dem Lande, im Grossen jedoch dieselbe im höchsten

Grade schädlich und gefährlich werden kann.

Von E. Krull’s Besitzung bei -- nach zurückgelegten vier Meilen --

zunehmender Steigung lag rechts am Ufer des Oceans, tief unter mir der

kleine Ort Moloá mit schmuckem, blendend weissem Kirchlein. Ueber die

tiefe Schlucht hinweg, mir gegenüber, lag ein Schlachthaus, in dessen

unmittelbarer Nähe zu meinem grossen Erstaunen und meiner Freude einmal

wieder ein recht üppiger und gut erhaltener Wald zu sehen war.

Ein Schwindel erregender, schmaler, höchst beschwerlicher Pfad

führte mich mit bedeutendem Umritt zum Schlachthaus. Das Bild der

Verlassenheit, die leblose Stille desselben in Mitte unzähliger Schädel

und Knochen machten mich glauben, dass ich meine Richtung verfehlt

hatte. Somit ritt ich zum Dorfe hinab, einen halsbrecherischen,

unbeschreiblich steilen Pfad, was mein wackeres Pferd mit erstaunlicher

Gewandtheit bewerkstelligte. Zu meinem Schrecken fand ich auch das

sumpfig liegende kleine Dorf in lebloser Stille, und nach Menschen

suchend, nahm ich durch Sumpf und Gräben meinen Weg und fand endlich

eine redende Seele, aber leider eine mir unverständliche. Durch Zeichen

und Gebärden gelang es mir, den Weg nach Pelaá, Herrn Bertelmann’s

Besitzung, zu erfahren und durch diese Nachricht die überraschende

Kunde zu erlangen, dass das leblose Schlachthaus von der wahrscheinlich

ebenfalls leblosen Besitzung des Herrn Bertelmann 100 Schritt entfernt

liegt und nur durch einen Ausläufer des dichten Waldes von derselben

getrennt sei.

Eine neue, breite und gute Fahrstrasse, obgleich etwas steil, führte

mich im Zickzack wieder auf die Höhe von 228 Fuss, zum Schlachthaus,

und um 4 Uhr erreichte ich das liebliche, im duftigen Walde gesund

gelegene Haus des Herrn Bertelmann, den ich leider nicht zu Hause

traf. Seine liebenswürdige Frau jedoch empfing mich und forderte

mich gastlich auf, die Nacht in ihrem Hause zu bleiben. Bald kehrte

auch Herr Bertelmann heim und zwar in Begleitung des katholischen

Geistlichen aus Moloá, dem Pater Sylvester, einem Belgier. Wir

unterhielten uns höchst gemüthlich bis 11 in die Nacht hinein, und Herr

Bertelmann fand meine früher ausgesprochene Ansicht über den Betrieb

der Viehzucht im Kleinen oder Grossen, nicht nur für diese Insel,

sondern für das ganze Inselreich für richtig. Bei schönem Mondlicht und

der hier so auffallenden Stille, sogar der nächtlichen Natur, kehrte

der geistreiche Pater in sein Thal zurück, und ich begab mich in das

mir angewiesene, nach dem ermüdenden Ritte höchst willkommene Bett.

Nach einer köstlich vollbrachten Nacht erwachte ich den 7. Juli

Morgens, einem Sonntag. Nach dem Frühstück liess ich satteln und ritt

um 10 Uhr, nachdem mich Bertelmann aufgefordert, ihn nach meiner

Rückkehr zu besuchen, in scharfem Tempo ab.

Mein Weg führte mich durch krüppeliges Gehölz eines höchst verworrenen

Waldes Kilauéa, der grossen Plantage des Herrn Titcomb zu, die 228

Fuss über dem Meeresspiegel liegt. Die Umgebung des Weges, der fast

beständig sich bergauf bergab hinzieht, besteht aus vollständig

grasloser Weide, auf der jammervoll magere Viehheerden zu sehen sind.

Wie sehr die Dürren der letzten Jahre gewirkt, beweisen die Verluste

Bertelmann’s, der in diesem Jahre durchschnittlich 27 Stück Grossvieh

wöchentlich verlor. Die Zahl seines damaligen Verlustes betrug 320

Stück, und zu bemerken ist, dass es im gleiche Massstabe allen übrigen

hiesigen Viehzüchtern erging.

Von Moloá bis Kiloéa ist ungeachtet der dürren Weidestrecken die Gegend

wild-pittoresk. Rechts in der Entfernung ist die Sicht des rauschenden

Oceans; links krüppelige, meist niedrige, an mannigfaltigsten Früchten

reiche Bäume des Waldes; in den Tiefen des Gebirges zahlreiche,

absonderlich geformte, kahle Höhen, üppige Schluchten, Kesselthäler,

Engthäler und zahlreiche Wasserfälle, die glitzernd gleich einem

Silberband von der Höhe niederziehend etwas Leben den dürren, öden,

steilen Abhängen geben und das Gebirge charakterisiren.

Ich liess -- da Sonntag -- die Plantage rechts in der weitsichtigen

Fläche liegen, ohne daselbst einen Besuch zu machen und ritt der 6

Meilen entfernten Plantage des Hanaléi-Thales zu. Es folgt links

die romantische Sicht des an Wasserfällen und Wald ziemlich reichen

Kahiliwaí-Thales. Der Wald besteht nur aus niedrigem „kauhála“ und hin

und wieder aus demselben hervorragend dem „hau“, „kukuï“, als auch

hin und wieder Sandelbäumen, die jedoch meist krüppelig und selten

erscheinen.

Nachdem ich 4 Meilen zurückgelegt und eine verhältnissmässig günstige

Grasfläche traf, so liess ich mein Pferd, da es vergangene Nacht wenig

Futter gehabt, zwei Stunden grasen und streckte mich selbst in das

nichts weniger als weiche Gras.

Als ich wieder aufbrach, entfaltete sich bald vor mir der Ocean; links

tauchten üppige Zuckerrohrfelder aus dem Thale hervor und wie ich die

höchste Höhe des Hochplateaus erreichte, lag unmittelbar vor mir das

Haus des Mr. Hackfield und unter mir in einer Thalschlucht die reizende

Bai von Hanalei, in welche sich der tiefe, durch das „Hanalei“-Thal

und dessen üppige Zuckerrohrfelder lieblich sich schlängelnde und in

der Nähe seiner Mündung stark austretende „Hanalei“-Fluss ergiesst.

Unmittelbar an der Mündung, d. h. auf dem durch die überschwemmende

Mündung gebildeten Delta liegt das kleine unzusammenhängende Dorf

Hanalei. -- Im Thale selbst, glatt an der Bergwand, auf deren

Plateau ich mich befinde, liegen romantisch die Gebäude der reichen

„Princewille“-Plantage im üppigsten Grün schattiger Bäume.

Diese Plantage ist von R. C. Wyllie gegründet worden und ist Dank

ihrer günstigen Lage, ihrem Wasserreichthum und auffallender Weise

durch häufigeren Regen die vortrefflichste und ertragreichste

des Inselreiches. Einen Uebelstand derselben bilden die häufigen

Ueberschwemmungen des reissenden Hanalei.

Von Lehúa bis Hanalei war der höchste Punkt des Weges 450′ über dem

Meeresspiegel.

Nachdem ich kurzweilig die schöne Sicht genossen, kehrte ich um

und ritt der glücklich gefundenen Stelle einen höchst praktischen,

jedoch steilen, schmalen Zickzack-Weg zur Plantage hinab, die circa

52′ über dem Niveau des Thales, umgeben von schönen und schattigen

Bäumen, liegt. Magnolien -- unter denen auch die Magnolia grandiflora

-- reichtragende Orangen-, Pomeranzen-, Citronen-, Pfirsich-,

Aprikosen-, Oliven-, Mandeln-, gewaltige Mango-Bäume, Reben mit den

verschiedenfarbigsten Trauben, Ananas, stämmige und sich schlingende

Rosen, Erdbeeren, eine reiche Mannigfaltigkeit zierlicher Blumen,

hochwüchsige Rohrpflanzen und Blattstauden zieren im üppigsten

Durcheinander duftend die Umgebung des Wohnhauses. Vom Wohnhause aus

entfaltet sich höchst praktisch für die Verwaltung der Plantage die

volle Sicht des ganzen Thales, welches mit Ausnahme der Seeseite von

vulkanisch wild zerworfenen, meist öden und dürren, jedoch an Färbung

reichem, waldlosen Gebirge umschlossen ist.

Das Thal ist ein überaus üppiges und schönes, in welchem sich

gemüthlich leben lässt und wo ein nach Ruhe sich Sehnender ein

idyllisches und, wenn er will, zugleich thätiges und dem Lande Nutzen

bringendes Heim sich gründen kann. Leider ist dieses Thal klein

und untheilbar und glaube ich, dass kein zweites ihm ähnliches im

Inselreiche zu finden ist. Viele Jahre hat der jetzt verstorbene Mr.

Wyllie gebraucht und vieles Geld verbraucht, um dieses sein Kleinod zu

seiner jetzigen Gestalt und seinem jetzigen Werthe zu erheben.

Um 3 Uhr hielt ich vor der Pforte des Hauses, wo eine zahlreiche

Gesellschaft versammelt war. Ich band mein Pferd an den Zaun, trat ein,

stellte mich vor und erhielt sofort von Herrn Konrad, Oberinspektor der

Plantage, ein Zimmer und die Einladung, einige Tage bei ihm zu bleiben.

Während ich mich säuberte, erhielt ich den Besuch des Oberzuckerkochers

Herrn C. Killing, den ich aus Honolulu her kannte und der die weitere

Versorgung meines Pferdes freundlichst übernahm.

Die Frau Konrad ist eine gebildete, liebenswürdige Kanakin, er ist ein

Deutscher sowie auch seine Beamten meist Deutsche, daher verbrachte

ich einen höchst gemüthlichen Abend auf der Veranda bei erfrischendem

Getränk im hellen Mondlicht und erquickender Brise. Hin und wieder fiel

ein kurzweiliger Strichregen, der hier so üblich sein soll, dass die

Bewohner der Plantage denselben kaum mehr bemerken.

Den folgenden Tag, den 8. Juli, wanderte ich frühzeitig hinaus und

folgte dem sich schlängelnden Fluss durch die üppigen Zuckerrohrfelder,

besuchte den 3 Meilen von der Plantage entfernt wohnenden Missionär Mr.

Johnson, dessen Kirche und Haus am Flusse, umgeben von einem Garten,

gelegen. Ich fand nur die Damen zu Hause und wurde aufgefordert,

wiederzukommen. Als ich zur Plantage zurückkehrte, nahm ich meinen Weg

über das Schlachthaus derselben, wo ich Herrn Bertelmann in vollster

Beschäftigung Ochsen zu schlachten, fand -- eine Thätigkeit, die die

ganze Gegend seiner zu diesem Geschäfte kunstvollen Hand übergeben

hatte.

Den Abend besuchte ich den 3 Meilen von der Plantage auf dem Plateau

wohnhaften Mr. Hackfield. Es war dasselbe Haus, dessen ich auf meinem

Herritte erwähnte und mir vom Plateau aus nahe erschien; dasselbe war

jedoch durch eine tiefe Schlucht von mir getrennt und es erforderte

einen bedeutenden Umweg, um das Haus zu erreichen.

Die Behausung liegt, wie gesagt, auf einem Berge mit prachtvoller

Sicht auf den Ocean und das üppige Thal. Sie ist umgeben von alten,

höchst schattigen Bäumen. Das Wohnhaus ist gross, einstöckig, aus Holz

erbaut, mit Schindeln gedeckt, sehr geräumig, aber niedrig. Die Räume

des Hauses sind ohne Möbel, nur ein grosser Schaukelstuhl war zu sehen.

Der Boden der Räume ist reichhaltig mit doppelten, auch dreifachen

Matten belegt. Die Matten sind zierlich in bunten Mustern aus den

Fasern der Pandane geflochten. Auf diesen Matten wird geschlafen,

gespeist, geliebt, geschnattert, geklatscht, gelacht und auf dem Bauche

liegend die höchst saftige Pfeife geraucht. Die meisten Frauen und

Männer rauchen hier im Lande. Gewöhnlich geht die Pfeife im Kreise

von Mund zu Mund. Diese Pfeife ist gewöhnlich kurz und klein und oft

auffallend saftig glänzend und schmierig. Der gerauchte Tabak ist meist

einheimischer, der aromatisch, kräftig und wohlschmeckend ist.

Bei meinem Erscheinen wurde mir erst der Schaukelstuhl als Ehrensitz

angeboten, den ich aber bald mit dem auf der Matte tauschte, da die

stark im Hause vertretenen Frauen auf derselben sich niedergelassen

und mir das Niederreden von der Höhe ungemüthlich und unpassend

vorkam. Die Kleidung dieser Frauen wie allgemein im Lande bestand aus

einer in langer Schleppe ausartenden Kapotte aus farbigem Zeuge und

ohne Taille, d. h. von den Schultern breit niederfallend und hoch

bis an den Hals ragend. Der Hals war zierlich geschmückt mit aus

duftigen natürlichen Blumen kunstvoll und farbenreich verfertigten

Ketten, die auffallend kunstvoll, stark und dabei zierlich gearbeitet

sind. Die Verfertigung dieser Ketten bildet den Erwerb zahlreicher

Frauen dieses Landes. Auf dem an Haaren reichen Haupte, die meist

lose hängend getragen werden, haben sie im Freien stets, oft auch

im Zimmer, unter dem Kinn befestigt, einen flachen, sehr breiten,

einheimisch verfertigten Rohrhut, der ebenfalls mit natürlichen

oder auch in Folge des zunehmenden Importes mit künstlichen Blumen

in grellsten Farben, oft überladen geschmückt ist. Trotz dieser

Ueberfüllung steht aber die grelle Farbenpracht derselben vortrefflich

dem etwas dunklen Teint der Gesichter mit ihren grossen so glanzvollen

und so treuen, lieblich-weiblichen Augen der Kanakinnen. Das Auge

ist unwiderstreitlich die höchste Zierde ihres meist prachtvollen

Körperbaues, solange ihn nicht die hier herrschende Fettsucht

verunstaltet hat, und bildet den schönsten Theil ihrer mongolenartigen

Kopfbildung. -- Der so offenherzige Ausdruck ihres fast sprechenden

Auges, glaube ich, ist die Ursache der so auffallend vielfältigen Ehen

mit Europäern!

Meine Rückkehr nahm ich bergab durch das von der untergehenden Sonne

glänzend beleuchtete Thal, einem im Baue begriffenen neuen Wege folgend

und traf erst mit Beginn der Dunkelheit in der Plantage ein, wo man

mich mit dem Abendessen erwartete.

Die Lebensweise ist hier, wie auf allen Plantagen des Reiches, eine

höchst unruhige, d. h. Keiner hat Zeit. Von Sonnenaufgang bis zum

Sonnenuntergang herrscht rastloses Treiben zu Pferde und zwar oft

grundlos übertrieben, da eigentlich nicht viel zu thun ist.

Circa 200 Chinesen sind hier zur Arbeit angestellt und werden von den

Europäern fast sklavenartig behandelt. Auch regt sich besonders hier

eine merkliche Unzufriedenheit unter jenen gegen die Europäer, die

gegen die arbeitsame, in das Land durch Versprechungen gelockte Nation

oft grenzenlos ungerecht, gehässig und brutal sich benehmen.

Bemerkenswerth ist die aus Kalifornien hierher gebrachte grundlose

Gehässigkeit, deren Ursache nur in der Eifersucht liegt. Sie sehen,

dass der Chinese thätig, gewandt, ausdauernd und vernünftig, --

wenngleich mehr Zeit gebrauchend -- jede Arbeit gleich gut und für den

halben Preis zu liefern im Stande ist, dass derselbe treu in seinen

nationalen Gewohnheiten, nüchtern und einfach im Aberglauben seiner

Tradition unter ihnen weiterlebt und trotz der auf ihn ausgeübten

Unterdrückung und gesellschaftlichen Verachtung, reich wird: und das

ist es, was sie ihm nicht verzeihen können.

Es ist nicht zu leugnen, dass alle Elemente dieser Plantage einer

pflichttreuen, rastlosen Thätigkeit sich rühmen können, zugleich aber

auch die ausgeartetste Rohheit und Bildungslosigkeit beweisen. Ein

jedes Glied derselben, d. h. vom Europäer gesprochen, ist hier im

richtigsten Sinne des Wortes ein kleiner Despot, der aber zugleich als

Mann der Freiheit des Sozialismus sich rühmt. Die meisten derselben

sind an einheimische Frauen verheirathet, daher ist ihre Häuslichkeit

höchst gemischten Charakters, d. h. so zu sagen Bier oder Porter zum

einheimischen „poi“ gepaart. Die Sprösslinge dieser Paarung werden

meist unter dem wirksamen Einflusse der Mutter und den mystischen

Legenden und Ueberlieferungen des Landes einheimisch-national erzogen.

Die etwas thierisch sinnliche Tendenz der Nation, ihre eigenthümlichen

traditionellen Gewohnheiten und Gebräuche als z. B. in der Kleidung,

der Art des Speisens, der des Wohnens, ihren Liebesbezeugungen u. s. w.

üben einen derartigen Reiz auf die Jugend und auf die Ausbildung ihres

Charakters, dass man oft gerade unter diesen die schroffsten Nationalen

trifft.

Um 8 Uhr ist gewöhnlich die Zeit, wo alles sich hier zur Ruhe begiebt;

somit zog auch ich mich -- da ich andern Tages früh wieder aufbrechen

wollte -- von meinem liebenswürdigen Wirthe auf das herzlichste mich

verabschiedend auf mein Zimmer zurück.

Was die Rentabilität der Zuckerplantagen des Inselreiches anbelangt,

so meinte der in dieser Branche höchst unterrichtete Herr Konrad, dass

eine bedeutende zu erzielen wäre, wenn man im Stande ist, mit eigenem

und zwar genügendem Kapital zu beginnen. Auf Schuld, meinte er jedoch,

so glanzvoll sich auch die Berechnungen herausstellen würden, sei jedes

solches Unternehmen zu widerrathen, da, abgesehen davon, dass hier

40-50 Procent für aufzunehmendes Kapital gefordert werden, Kapitalien

überhaupt schwer im Lande zu beschaffen sind. Wenn man aber mit eigenem

und genügendem Kapital, ohne Schulden zu machen, beginnt, so würde

folgendes Resultat sich herausstellen:

A. ~Vorausgesetzt~, dass eine Arena von 500 amer. Acker

pro Acker 100 Dollar gekauft und

baar bezahlt worden = 50,000 Dollar.

Das Inventar, Maschinen,

Baulichkeiten etc. = 50,000 „

-----------------

reiner Kapitalwerth = 100,000 Dollar.

B. ~Vorausgesetzt~ a) Kapitalwerth 100,000 Doll.

à 12% jährlich, beträgt

eine jährliche Auslage

von 12,000 Dollar

b) jährliche Amortisations-

Summe 10,000 „

c) Arbeiterlohn, Transporte,

Reparaturen etc. 50,000 „

----------------

incl. der Amortisation pro anno 72,000 Dollar Ausgabe.

C. ~Vorausgesetzt~ 1) Vom Acker die Minimal-Ernte

von 1-1/2 Tonnen Zucker à 5 cent

pro amer. Pfund, macht für 500

Acker (die Tonne à 3200 amer.

Pfund) jährlich eine Brutto-

Einnahme von 82,500 Dollar

Die sub B genannte Ausgabe ab 72,000 „

-----------------

pro anno Netto-Gewinn 10,500 Dollar.

2) Vom Acker die gewöhnliche Ernte

von 2 Tonnen Zucker à 5 cent

pro amer. Pfund macht für 500

Acker (die Tonne à 3200 amer.

Pfund) jährlich eine Brutto-

Einnahme von 110,000 Dollar

Die sub B benannte Ausgabe ab 72,000 „

-----------------

pro anno Netto-Gewinn 38,000 Dollar.

NB. Zu bemerken ist, dass jährlich eine Amortisation von 10,000

Dollar abgeht, demnach jährlich die Einnahme progressiv steigt. --

Die Tilgung des Kapitals findet in 10 Jahren statt. --

Den 9. Juli um 5 Uhr in der Frühe war ich im Sattel. Mein Pferd in

Folge der grasreichen Weide munter und muthig. Ein Floss setzte uns

über den Hanalei. Dann folgte ich dem Flusse abwärts in dem bei den

hiesigen Pferden so eigenthümlichen, sehr bequemen Pass-Galopp, an

der Behausung Johnson’s vorbei, dann bergauf, bergab bei prachtvoll

sich entfaltenden Gebirgsscenerien durch üppige Schluchten, zahlreiche

reissende Bäche und zahlreiche Wasserfälle. Stellenweise in Sicht des

von der Sonne glänzend beleuchteten Oceans erreichte ich das tief

in das Gebirge ziehende, an Vegetation üppige Waióli-Thal, welches

die grosse Reisplantage des reichen Chinesen „Afong“ mit gediegenen

chinesischen Bewässerungseinrichtungen einnimmt und die vollste

Beachtung verdient.

Das Thal quer durchritten, führte mich ein sehr schmaler Geröllweg oft

so nahe an den Ocean, dass die heftig schäumende Brandung desselben mir

das Gesicht netzte und ich oft links hart der steilen Felswand entlang

durch die Brandung hindurch reiten musste, bis ich Naue, die Behausung

des Herrn Robinson, 10 Meilen von Honalei erreichte (gerechnet werden

10 Meilen, sicher aber sind es 12, da ich bei ziemlich scharfem Ritte

fast 2 Stunden gebraucht hatte).

In vielen Zeiten des Jahres, namentlich wenn der heftige Südsturm,

der „Kona“, herrscht, soll Herr Robinson nicht zu erreichen und ihm

jegliche Verbindung mit der Insel genommen sein, da er von einer

steilen Felswand vollständig umschlossen ist.

In einer kleinen grasreichen Fläche liegt sein Haus, welches

mittelgross, in echt nationalem Stile erbaut ist. Die Wände desselben

bestehen aus einem doppelten, sehr festen Grasgeflecht, desgleichen

auch das Dach. Diese Grasbedeckung vereitelt jede durchdringende

Wirkung der Sonnenstrahlen und des Regens und ist von einer

ausserordentlichen Dauerhaftigkeit. Das Haus hat keine Oberlage und

ist in drei überaus kühle Räume durch Matten getheilt. Diese Räume

haben keine Möbel; an deren Stelle bedecken den Boden saubere, in

buntesten Mustern geflochtene Matten, die in mehreren Ueberlagen eine

höchst bequeme Ruhestätte bieten und auf welchen zahlreiche Kissen zur

Bequemlichkeit und viele leere und gefüllte Flaschen mit Branntwein

(„Gin“ und „Whisky“) und Hopfenbier zerstreut umher liegen.

Bei meiner Ankunft wurde ich vom Besitzer und seiner etwas

dunkelfarbigen, doch höchst liebenswürdigen Frau freundlichst

aufgenommen und sofort mit gutem „Whisky“, sehr bitterm Hopfenbier und

Zwieback bewirthet.

Nach kurzweiliger Stärkung und Rast bestieg ich mein Pferd und ritt

einen unbeschreiblich beschwerlichen Weg zu den Grotten von Haéna, die

an der nordöstlichen Spitze der Insel gelegen.

Der Grotten sind drei: Sie liegen am Fusse eines circa 2500 Fuss hohen

Abhanges mit einem einzigen Eingang, der 12 Fuss breit. Stalaktitartige

Säulen ziehen sich von circa 20 Fuss Höhe bis fast zum Boden, gleich

als ob sie die natürliche Form der Kuppel tragen würden.

Die erste Grotte ist circa 200 Fuss im Quadrat. Von dieser Grotte

aus führt rechts eine offene Spalte in die zweite und zwar grössere

Grotte, die man nur in einem kleinen „Káno“ besuchen kann. Diese

zweite Grotte ist das sogenannte Bassin der „Wa-i-aka-a-lúa“ (Wasser

der Schrecken). Mit einiger Mühe könnte man zu Fuss die Umfassung

des Bassins umklettern, doch ist dieses nicht rathsam, da die Steine

glatt und das Wasser eine Tiefe von 100 Fuss haben soll. Demungeachtet

versuchte ich es dennoch, kam aber eiligst von meinem Vorhaben zurück,

da mir die Glätte und ein ganz sonderbares Gefühl von Lebendigkeit

der Steine höchst zuwider wurde. Die Farbe des Wassers ist auffallend

klar und durchsichtig. Beim Hineinwerfen eines kleinen Steines ist

es stark, ohne jegliches Hineinwerfen schwach phosphorescirend. Von

dieser Grotte begiebt man sich -- und das ist nur im „Káno“ möglich

-- bei verhältnissmässig angenehmer Atmosphäre, durch eine vulkanisch

geformte Arche in die dritte Grotte, die die grösste ist. Hier ist

das Wasser unermesslich tief und weniger klar. In demselben zeigen

sich unheimlich hin und her langsam auf und ab sich bewegende,

schwefelfarbige Gewächse. Die gigante Kuppel, die die hohe Decke der

Grotte bildet, giebt einen für den geringsten Laut überraschenden

Widerhall, da jeder Laut sich bedeutend stärker und intensiver

wiederholt. Dieser See heisst Wa-i-akána-lóa (Wasser der grossen

Verzweiflung).

Diese Grotten, die unmittelbar am See gelegen, sind unzweifelhaft die

Endpunkte uralter Lava oder vulkanischer Wassergänge, wie es ihrer

so viele neuerer Bildung im Inselreiche giebt, mit dem Unterschiede

nur, dass diese alter Bildung sind und durch langen Ruhestand zu

stalaktitartigen Ausbildungen Zeit gehabt haben.

Von hier nahm ich, wo es mein Weg nur irgend wie ermöglichte, im

raschesten Tempo meinen Weg nach Hanalei zurück. Recht hungrig hielt

ich vor der Thüre des Missionärs Johnson, in der Hoffnung, eine

materielle Stärkung bei ihm zu erhalten, da es hier keine Gasthäuser

oder Restaurationen giebt und ich den ganzen Tag, mit Ausnahme einiger

Zwiebacke, die ich bei Robinson erhalten, nichts genossen hatte.

Ich fand leider den ehrwürdigen Seelsorger nicht. Seine beiden Töchter

empfingen mich auf das Herzlichste. Nach kurzer Unterhaltung und

ohne jegliche Erfrischung brach ich auf, an der Plantage vorbei, den

Zick-Zack-Weg bergauf und im festen Galopp über Berg und Thal erreichte

ich die Plantage Kilauéa, wo ich -- da es schon 5 Uhr Abends war und

ich demnach fast 12 Stunden mit wenigen Unterbrechungen im Sattel

gewesen und mein Pferd, das nur kurzweilig bei Robinson gegrast hatte,

von der Parforcetour von mindestens 40 guten englischen Meilen ermattet

war -- um Einkehr bitten wollte. Zufällig traf ich den rothäugigen,

kleinen, kräftigen Mr. Chs. Titcomb auf dem Felde und trug ihm sofort

mein Anliegen vor. Zu meinem grossen Erstaunen schlug er mir meine

Bitte kurz und bündig ab und rieth mir, zur Nacht nach Moloá zu seinem

Schwiegersohn Bertelmann zu reiten. Da zufälliger Weise derselbe im

hiesigen Schlachthause sein sollte, so ritt ich dahin und wurde nach

herzlicher Begrüssung nach Moloá zur Nacht eingeladen, wo ich um 7 Uhr

eintraf und wo zu meiner Verwunderung Bertelmann, der mit besserem und

frischerem Pferde geritten war, mich schon längst erwartete.

Den Abend plauderten wir noch lange über die günstigen Verhältnisse

des Landes, die zunehmende Sterblichkeit des Viehes, das alljährliche

Abnehmen des Grases, die abnorme Sterblichkeit der Eingeborenen,

über Herrn Titcomb, über Frau Bertelmann’s rheumatische Leiden,

über Deutschlands Einigkeit, die allgemeine stete Uneinigkeit, über

chinesische Kulis und die der Südsee-Inseln, über Himmel, Sterne

und Kometen, über die Verwüstung der Waldungen, über vulkanische

Eruptionen, über Schlachtmesser, über die Liebe und über Schleifsteine

-- kurz gesagt: an Vielseitigkeit der Gedanken fehlte es nicht, auch

nicht an Humor, obgleich wir beide viel harte Sorgen und Schläge des

Schicksals im Leben getragen hatten und noch zu tragen haben.

Herr Chs. Titcomb, der so unerwartet und so gegen die hiesige

Üblichkeit mir ein Obdach versagt hatte, ist jedoch eine so merkwürdige

Persönlichkeit und charakterisirt derartig die in dem Inselreiche sich

niedergelassenen Europäer, dass es von Interesse ist, diesen Mann und

seine thätige Laufbahn im Lande zu beschreiben.

Mr. Chs. Titcomb ist Engländer von Geburt, Engländer im Charakter und

Engländer in seinem ganzen Wesen, d. h. im Allgemeinen kalt, barsch

und unfreundlich; geschäftlich kurz, bündig und klar; in seinem

Wirkungskreise tüchtig und energisch.

Als er in das Land kam, richtete er mit wenig Mitteln im Kleinen eine

Seidenraupenzucht im Thale von Hanalei ein. Die Maulbeerbaum-Anlage

derselben kam vortrefflich fort. Auf sichere und reiche Erträge

rechnend, verschrieb er aus China und Japan die besten Puppen. Im

Besitze gut ventilirter grosser Räumlichkeiten und von Allem, was zur

Beförderung des Unternehmens erforderlich war, schien es unzweifelhaft,

dass sein Unternehmen gleichwie es im Kleinen gewesen, auch im Grossen

günstige Resultate aufweisen würde. Es fehlte ihm jedoch die richtige

Arbeitskraft, d. h. in derselben das Verständniss, die Ehrlichkeit und

der Fleiss. Die Indolenz der Kanaken brachte ihn fast aus der Fassung;

er gab den Gebrauch der Männer auf, benutzte nur Frauen, und es ging

besser: er erzielte Cocons vorzüglicher Qualität.

Das Beispiel wirkte und bald legten sich diese bei ihm arbeitenden

Frauen, bald auch andere bei sich zu Hause im Kleinen auf die ihnen

sehr zusprechende Raupenzucht mit auffallendem Gelingen, sodass der

sichere Glaube erwachte, dass durch diese Industrie bald dem ganzen

Lande eine glänzende Zukunft eröffnet werden würde, da die klimatischen

Verhältnisse, der fruchtbare Boden unzweifelhaft, wie es Titcomb

bewiesen, die Entwicklung dieser Industrie begünstigen.

Die Seidenraupe erfordert bekanntlich eine ununterbrochen pünktliche,

sorgfältige Pflege und Aufsicht, und gleich jedem lebenden Wesen

keine sonntägliche Ausnahme in der Ernährung. Die sonntäglich sich

wohlnährenden Herren Missionäre waren jedoch anderer Ansicht; sie

erzwangen durch ihren damaligen bedeutenden Einfluss von der Regierung

ein Gesetz, durch welches jede Arbeit am Sonntag gegen harte Strafe

verboten wurde. Dieses soll, wie man sagt, eine kleine Rache gegen den

nicht genügend kirchlich gestimmten Titcomb gewesen sein.

Natürlich konnte Titcomb diesem Gesetze keine vollständige Folge

leisten; er zahlte die erhobenen Strafen ohne Widersetzung, blieb aber

nothgedrungen dabei, an Sonntagen seinen sich bedeutend vermehrenden

Raupen das erforderliche Futter reichen zu lassen bis endlich die

erzürnten Missionäre -- da sie die Fruchtlosigkeit ihrer Rache gegen

Titcomb sahen -- auf den Gedanken kamen, den Frauen das Erscheinen zur

Fütterung der Raupen am Sonntag auf ihr Seelenheil hin von der Kanzel

aus zu verbieten. Die abergläubischen Leute glaubten der Drohung und in

Folge ihres Ausbleibens kamen eine Unmasse Raupen um.

Titcomb war ruinirt, es blieben ihm jedoch treu die Eigenschaften

seiner Nationalität: der Stolz, der Muth, die Hartnäckigkeit und die

Ausdauer.

Mit erneuerter Energie legte er sich auf den hier so leichten und dabei

rentablen Kaffeeanbau, eine Pflanze, bei der die sonntägliche Ruhe und

Rast ohne Schaden beobachtet werden konnte. Durch Umsicht und rastlosen

Fleiss gelang es ihm, in Verbindung mit einer damals günstigen

Viehzucht ein wohlhabender Mann zu werden, und ist er augenblicklich im

Begriff aus Kiloéa eine rentable Zuckerplantage zu creiren.

Der Insel war freilich durch diesen kleinlichen Neid der Missionäre

und einer gewissen Kurzsichtigkeit der Regierung das Aufblühen einer

ihr gewinnreichen Industrie -- die wahrscheinlich sich über das ganze

Inselreich verbreitet hätte -- im Keime erstickt worden. Doch glaube

ich fest, dass noch einmal die Seidenraupenzucht im Inselreiche wieder

eingeführt werden wird, da der Boden und die klimatischen Verhältnisse

desselben das günstige Gedeihen des Maulbeerbaumes fördern, und die

Nation für die Seidenraupenzucht ihrem Charakter nach höchst geeignet

ist.

Den 10. Juli um 8 Uhr Morgens verliess ich die lieben Bertelmann’s und

eilte im nationalen „Pass-Galopp“, ohne mich auf dem Wege aufzuhalten,

zurück nach Lehúa, wo ich um 11 eintraf.

Der Dampfer „Kilauéa“ sollte am selbigen Tage um 4 Uhr von Kolóa nach

Honolulu abgehen, und da ich die Gelegenheit benutzen wollte, mein

Pferd aber 26 engl. Meilen in 3 Stunden gemacht hatte und ermüdet war,

so ritt ich noch zwei Meilen hinab, nach Navillivilli, zahlte Lowell

für meinen Ritt durch die Insel 13 Dollar und erhielt ein frisches,

sehr rasches Pferd für die 12 engl. Meilen weite Strecke nach Kolóa,

die ich dann auch im gestreckten Galopp in einer Stunde zurücklegte.

Um 1 Uhr verliess ich Navillivilli, um 2 war ich am Hafen von Kolóa,

um 4 auf der Kiloéa, und um 5 steuerten wir in die sehr wilde See.

In der Insel Kauai -- dank dem über die verhärtete Lavamasse dick

gelagerten Humus, dank dem im Verhältniss zu den anderen Inseln

grösseren Reichthum an Bächen und Flüssen und an günstig gelegenen

Thälern, deren Fruchtbarkeit eine wuchernde ist, dank dem hier früheren

Erlöschen gewaltiger Krater, wodurch dem Boden eine längere Ruhe zur

Bildung der hier so üppigen subtropischen Vegetation geboten war, --

ist die Flora und namentlich die Mannigfaltigkeit der Blüthen derselben

eine bemerkenswerthe.

Der erste Eindruck der Insel bei der Landung ist, wie schon früher

erwähnt, der einer wilden, wüsten, vulkanischen, unwirthlichen. Es

umgiebt dieselbe eine steile, von alten Lavaausflüssen oder heftiger

Brandung ausgehöhlte Felsenküste, die in ihrer Farbe düster, in ihrer

Form scharf durchlöchert und rauh, oder aber gerundet ist, wo der

Einfluss der Woge gewirkt. Die Umgebung dieser Küste bilden zahlreiche

schwarze Riffe, die finster drohend aus dem hier stets unruhigen

Ocean meist konisch hervorragen. Unzählige kleine seichte Buchten,

Einschnitte, Landvorsprünge, die, entblösst von jeglicher Vegetation,

dürr und kahl sind, bilden das starre Ufer, welches der Engländer so

charakteristisch „the iron bound coast“ benennt.

Ein gleiches Bild entfaltet der ganze Kreis der Küste der Insel;

hauptsächlich jedoch ist es der Charakter von Kolóa. Hier ist die

Landung nicht nur beschwerlich, sondern oft unmöglich, da entweder das

Wasser zu seicht, wenn der Wind vom Lande weht, oder aber zu unruhig,

wenn der Wind vom Ocean, der „Kona“, herrscht. Es soll oft vorkommen,

dass Schiffe kurz vor Kolóa gezwungen sind, ohne zu landen nach

Honolulu zurückzukehren, um eine günstigere Zeit zu erwarten.

Die Insel Kauai bildet das nordöstliche Ende des Hawai-Archipels. Die

Entfernung von Honolulu wird auf 110 Meilen gerechnet. Die heftige

Strömung des Kanals ist die Ursache, dass Segelschiffe 28 Stunden zur

Ueberfahrt gebrauchen, und sollen Fälle gewesen sein, wo letztere 7-8

Tage erfordert hat.

Nach einem sehr guten Mittag und einer Unterhaltung mit dem Kapitain,

einem auffallend dunkelfarbigen Europäer, über den saubern, netten

Dampfer, über die zahlreiche, höchst seekranke Gesellschaft, die meist

aus Kanaken, ihren Weibern und Kindern bestand, zog ich mich bei recht

stürmischer See in meine saubere Koie zurück, mit der Absicht, erst in

Honolulu zu erwachen.

Den 11. Juli um 6 Uhr Morgens lag vor uns die Küste von Oahú, die wir

auf Schussweite umfuhren. Sie ist ähnlich der von Kauai. Bald nach 6

die Sicht der glanzvollen Felsmasse des „Diamond-Head“, gleich darauf

die Honolulu’s und ihrer Bai, und nach 13stündiger Fahrt hielten wir

vor der Werfte des Dampfers.

Meine vor 11 Tagen verlassene Behausung fand ich in bester Ordnung und

viele Briefe vor. --

Nachdem ich mich 11 Tage in Honolulu erholt hatte, richtete ich

wiederum mein Sattelgepäck, da ich folgenden Tags aufbrechen wollte, um

die Inseln Maui und Hawaii zu besuchen. --

IV. Abtheilung.

Ausflug von Honolulu zur Insel Maui und Ritt durch dieselbe.

Den 23. Juli um 1/2-5 Abends begleiteten mich einige Freunde zu dem

von Passagieren überfüllten Regierungsdampfer, der „Likelike“, der

eigentlich eher ein grosser, ziemlich unsauberer Dampfkasten zu nennen

ist, der Alters wegen stets in Reparatur und ich glaube, nie wieder

in Stand gesetzt werden kann und ähnlich einem Greise ist, bei dem

die Wunden nicht mehr heilen wollen. Um 5 praecise ging der Dampfer

bei heftigem Winde, prachtvoller Beleuchtung der Insel und der Bai,

schwankend ab. Bei jedesmaliger Einfahrt in die Bai oder Ausfahrt

aus derselben fesselte meine vollste Aufmerksamkeit die sonderbar

contrastirende Konstellation derselben und ihres pompösen Hintergrundes.

Es verknüpft in dem sich hier entfaltenden Bilde die Natur gleichsam

zu einer eigenthümlichen Zeichnung, die die Resultate der regen

Thatkraft des Menschen mit drei deutlichen Produkten des vulkanischen

Grundelementes verbindet. Rechts am Ufer und quer der Länge nach durch

die ganze Insel in sanftem Bogen zieht sich ein Gebirge schroffer,

starrer, vulkanischer Felsmassen mit ihren charakteristischen

Aushöhlungen und napfartigen Vertiefungen alterloschner Krater.

Unmittelbar diesem Gebirge angrenzend zeigt sich die auf vulkanischem

Humus üppig entstandene Vegetation von Honolulu und die des Thales

von Nuúanú. Rechts von letzterem, längs einer starren, auffallend

glänzenden Felswand, bis dicht an den Ocean sich ziehend, erblickt

man die schlanken Stämme der den Strand und das Brackwasser liebenden

Cocus-Palmen, des lieblichen Haines von Waikiki mit dem so auffallenden

Abglanze der Sonne auf das frische Grün ihrer majestätisch gerichteten

Blätter und ihrer blendend weissen, weit in die Ferne glänzenden

Blüthenscheiden. Links von dem „Nuúanú“-Thale entfaltet sich eine

schattenlose, öde, von vulkanischem Lava- und Felsengeröll bedeckte

Ebene, die wild und unwirthlich bis an und in den brandenden und

schäumenden Ocean sich zieht. Nur hin und wieder ist diese Ebene und

zwar spärlich mit verkrüppeltem Gebüsch, Kräutern, Distelarten und

rauhen Gräsern bewachsen. In dieser unwirthlichen Ebene erscheint

gleich einer Oase eine neu angelegte chinesische Reisplantage im

üppigsten Grün als deutlicher Beweis, dass die Strecke mit ausdauerndem

Fleiss cultivirt werden kann.

Es ist demnach gleichsam das treue Bild der unmittelbaren Verknüpfung

von 3 Formationen des vulkanischen Grundelementes: der geognostischen,

der vegetabilischen und der des Ueberganges von einem zum andern. Das

Produkt der ersten trägt das Gepräge der unveränderlichen Starrheit,

das der zweiten das Gepräge der mächtigen Naturkräfte des organischen

Lebens und das der dritten endlich das Gepräge der Erweckung aus der

Starrheit zum wandelbaren organischen Leben durch die Kraft der Natur

und den Fleiss des Menschen. Kurz gesagt, vor uns liegt hier in kleinem

Raum zu einer Kette oder richtiger gesagt, zu einem Ringe mit der Tiefe

des gewaltigen Oceans geschlossen ein klares Bild der vulkanischen

Entwicklungskraft, d. h. der Entwicklung des vulkanischen Urelementes

in seiner starren Produktion und der der mächtigen organischen

Naturkraft mit Beihülfe des menschlichen Fleisses aus und auf einer

vulkanischen Grundlage, ein Bild der Produktion, des Entstehens des

grünenden organischen Lebens.

Nach einer recht stürmischen Fahrt hielten wir um zwei Uhr in der

Nacht vor dem lieblich gelegenen, von den Bergen eng umschlossenen

Hauptstädtchen der Insel Maui, dem saubern Lahaïna, und um 5 Uhr

landeten wir in der zugigen, unruhigen „Maalaéa“-Bai. Gelandet,

bestiegen wir einen offnen uralten Rüttelkasten, mit 2 Pferden

bespannt, den man Wagen nennen sollte, und auf fast spurlosem Wege

über Steingeröll, bald hügelauf, bald hügelab, durch Gräben, über

Wälle, gerüttelt und geschüttelt, jedoch in überraschend kurzer Zeit

erreichten wir das 5 englische Meilen von der Bai entfernte Städtchen

Waìlúku.

In der „Masonic-Hall“ fand ich, Dank meinem Reisebegleiter Mr. Bryant,

einem Freimaurer, in seinem Zimmer ziemlich gute Unterkunft. Mr.

Bryant, ein richtiger englischer Gentleman war aus Europa hierher mit

dem Vorhaben gekommen, sich anzukaufen, und mit Zuckerplantagen sein

Glück zu versuchen. Den nächsten Tag beschloss ich mit ihm einige

derselben zu besuchen.

Die Strecke vom Hafen bis Waìlúka ist die stürmische Sandfläche oder

dünenreiche Landenge Kóla -- eine schmale hügelige Fläche, die Ost-Maui

von West-Maui trennt und deren Lavageröllunterlage und dünenartige

Lavabildung der Oberfläche das treue Bild der Vereinigung von 2

vulkanischen Inseln durch gewaltige Lavaausströmungen gibt.

Die jetzt durch die Fläche von Kóla vereinigte Doppelinsel Maui

bestand früher aus 2 Inseln: 1) Der östlichen und grösseren mit ihrem

gewaltigen, breit bis an das Ufer auslaufenden 10,300 Fuss hohen,

öden, starren aber auffallend glänzenden Vulkan „Hale-a-Kála,“ dessen

Uferkante oder allmählich steigende an Schluchten reiche Sohle von

Zuckerrohr und Kaffeeplantagen fast rundherum besetzt ist, 2) der

westlichen, kleineren, sehr wild gebirgigen und an Zahl der Krater

reichen Insel, an deren westlicher Seite Lahaïna, der Sitz des

Gouverneurs von Maui und seiner Regierungsorgane liegt und wo der

romantische, in der hiesigen Geschichte berühmte „Wailuku“-Pass die

Stadt Wailuku resp. durch die Landenge von Kóla, Ost-Maui mit Lahaina

über Land verbindet und, wie man sagt, einen höchst beschwerlichen

jedoch interessanten, an Vegetation üppigen Weg bietet. Zu diesem

Pass führt der Weg durch das enge „Wailuku“-Thal, welches ein wilder

Gebirgsbach, der ursprüngliche Jao, jetzt Wailúku genannt, mit starken

Windungen seiner Bahn reissend durchzieht und der einen dem Lande

unvergesslichen geschichtlichen Ruf hat, da 1780 Kamehámehá I., der

Grosse, in diesem Engthal das tapfere Heer des Königs Kahekili von

Maui in einer blutigen Schlacht vernichtete. Seitdem wurde dem Flusse

der Name „Wai-lúku“ gegeben, d. h. „Wasser der Vernichtung.“ Seinem

Hauptniedersturze wurde der Name „Keh-poni-wai“ d. h. „Dämmung des

Wassers“ gegeben, weil hier die Ansammlung von Leichen während der

Schlacht die Strömung hemmte. Die Schlacht wurde „luku“, d. h. die

der Vernichtung benannt. Die Plantage, zu der Wailúku gehört, ist

die sogenannte „Brewer“-Plantage, deren Verwalter der liebenswürdige

Mr. Baylay ist. Die reich tragenden Felder derselben umgeben den

Ort. Die Zuckermühle, sämmtliche Gebäude der Plantage, bilden den

hauptsächlichsten Theil des recht freundlich mit Gärten und Alleen

versehenen zu einer Stadt angelegten Fleckens.

Den folgenden Tag, nachdem ich mich durch ein vorzügliches Douche-Bad

erfrischt, im chinesischen in der Nähe der Mühle am Jao in der

Hauptstrasse gelegenen Restaurant gefrühstückt hatte, besuchte ich

die Plantage und wanderte später, nach Besichtigung der Fabrik, die

ausserordentlich vollständig eingerichtet ist, durch die ausgedehnten

Felder derselben. Ich fand lange nicht die Ueppigkeit der Plantagen der

Insel Kauai; demungeachtet soll aber, wie man mir sagt, das hiesige

Rohr sehr ertragreich und saftigerer Qualität als das der Insel Kauai

sein.

Die Lage des Ortes ist eine schöne. Von einer Seite, d. h. links erhebt

sich romantisch das vulkanisch wildzerrissene Gebirge von West-Maui,

welches wie die meisten Gebirge des Inselreiches durch die zahlreich

hervorragenden, scharfen Spitzen, tiefen Engschluchten, scharfen

Einschnitte oder Spalten, die gefüllt mit üppigster Vegetation sind,

charakteristisch ist. --

Das Gebirge ist meist in einen dunstartigen Nebel gehüllt, während

die Küste und die Niederungen stets sonnig erscheinen und selten

Niederschläge oder Nebel haben, d. h. es scheint, sozusagen, als ob das

Gebirge die Feuchtigkeit der Atmosphäre an sich ziehen würde.

Von der entgegengesetzten Seite, rechts über die beständig rothen

Staub wirbelnde Enge von Kóla hinweg, erhebt sich der mit seinen

dunkelgrünen Zuckerrohr- und Kaffee-Plantagen, kleinen idyllischen

Hainen, sowie üppig bepflanzten Abhängen ganz Ost-Maui einnehmende

gewaltige „Háleakála“. Derselbe im beständigen Sonnenschein, in der

Höhe vollständig waldlos, durch seine intensiven Schattenflecken seiner

stets glänzend schimmernden Spitze wird der „Palast der Sonne“ genannt.

Die beiden andern Richtungen liefern das Bild der gelungenen Resultate

menschlichen Fleisses und der Kraft der zeugenden Natur.

Der Eindruck der Bevölkerung des Ortes ist ein eigenthümlicher durch

die Mannigfaltigkeit der Nationalitäten, namentlich der Chinesen, die

hier zahlreich vertreten sind, und der Südsee-Insulaner, die höchst

geeignet für das Land man progressiv in das Inselreich einzubringen

gedenkt. Man ist hier oft im Zweifel, ob man noch im Königreiche

Hawaii sich befindet, da namentlich die Hauptstrasse des Ortes von

Chinesen derart überfüllt ist, dass die Laute ihrer dem Europäer

unverständlichen und daher unharmonisch erscheinenden Sprache die

anderen übertönen. Dieser im Allgemeinen dem Europäer antipathischen

Nation verdankt man jedoch die Möglichkeit, hier verhältnissmässig gut

zu speisen, wenn erforderlich auch Unterkommen und zwar für sehr humane

Preise zu finden.

Den folgenden Tag ritt ich zur grossen „Waikapú“-Plantage der Mr.

Cornwell & Co., die auf dem Wege zur „Malaéa“-Bay überaus malerisch

liegt. Rechts hat dieselbe eine überaus prachtvolle Sicht auf den

glänzenden Hallea-kála und den ebenfalls glänzenden Ocean, links

auf die üppigen Zuckerrohrfelder, durch die der Weg nach Wailúku

über ein stark hügeliges Terrain führt. Den Hintergrund der Plantage

bilden die zahlreichen Wohn- und Fabrikgebäude derselben und, diesen

wiederum anschliessend, als Hintergrund das das Centrum West-Mauis

durchziehende, schwachgrünliche, bunt durchworfene, an intensiven

Schattirungen reiche Gebirge.

Das Wohnhaus des Mr. Cornwell liegt auf einer Central-Anhöhe, die die

hügelige Plantage im Umkreise beherrscht und die von einer schattigen,

an Diversität der Pflanzen und duftender Blüthen reichen Gartenanlage

umgeben ist. Das Ganze trägt im Innern gleichwie im Aeussern den

Ausdruck eines bedeutenden Wohlstandes, Anstandes und gediegenen

Geschmackes.

Ich fand nur die Damen zu Hause, die mich mit britischernster

Steifheit, jedoch mit der ihrer Nation angeborenen Liebenswürdigkeit

auf der kühlen Veranda des Hauses empfingen.

Um 1 Uhr war ich zu Mittag wieder in Wailúku. Nach beendeter Mahlzeit

bei dem Chinesen, wo die unverheiratheten Beamten der Plantage täglich

speisen und unter denen angenehme Männer zu finden waren, unternahm ich

einen Gang in das „Wailúku“- oder richtiger „Jáo“-Thal, dem reissenden

Bach aufwärts folgend, dem „Wailúku“-Passe zu.

Anfangs münden zahlreiche Entwässerungsgräben der hochliegenden

Zuckerrohrfelder in den Bach, und zahlreiche Ausflüsse desselben

ziehen sich in die Bewässerungsgräben der tiefer liegenden Felder.

Je höher, desto mehr nimmt das wilde Geröll des Bachbettes zu und um

desto rauschender und plätschernder wird der an scharfen Biegungen und

Stürzen so reiche Jáo.

Das romantische, schmale Thal ist charakteristisch in der auffallenden

Stille der Natur. Es zeigen sich wenig Vögel, wenig Thiere, im

Allgemeinen wenig Zeichen wandelbaren Lebens!

Nur hin und wieder huscht eilig, gleichsam aus Versehen, ein bunter

Vogel kreischend durch das Gebüsch. Ein unaufhörliches Geräusch bilden

jedoch in dieser sonst stillen Natur der bald rieselnde, bald stürzende

Bach, das unaufhörliche Tosen der ruckweisen Brandung des unsichtbaren

Oceans, und das unaufhörliche Rasseln der Blätter der Pandanen.

Das Engthal ist schmal, stellenweise einer Spalte gleich und durchweg

schön zu nennen. Die meist steilen Böschungen desselben, an die sich

die üppigste Vegetation strotzend hinaufzieht, ist bemerkenswerth. Die

Vegetation, die nur hin und wieder quasi hochstämmig ist, besteht aus

dichtem, üppig hohen, immer grünem Gebüsch, giganten Nesselgewächsen,

Mimosen, prachtvollen Cannaceen, Farren in auffallender

Mannigfaltigkeit, Pandanen, Bananen, Thyphaceen, und in den zahlreichen

quelligen Stellen hohem Schilfgrase u. s. w.

Das Thal ist ziemlich besetzt von kleinen, niedrigen, oft recht

zierlichen Häusern und zahlreichen Grashütten der Eingebornen,

die meist in den feuchtesten Stellen gelegen, von kleinen

„tarro“-Anpflanzungen umringt sind, und deren Einwohner, namentlich

deren Kinder scheu bei meiner Sicht flüchteten, scheuer als das liebe

Vieh, welches stellenweise weidend sich im Gebüsch des Thales zeigt.

Dieses Vieh ist meist mager und höchst verwildert.

Je höher, desto üppiger wird im dichtesten Gewebe mannigfaltigster

Schlingpflanzen -- namentlich der Orchideen -- die hohe Strauch- und

Farren-Vegetation und wilder, steiler und zerrissener das Gebirge,

jedoch ist der Pfad trotz einigen recht quelligen Stellen und an Steile

merklich zunehmend, verhältnissmässig bequem.

Nachdem ich circa 6 engl. Meilen gemacht, verengte sich das Thal

plötzlich, und ein schroffer Vordergrund zeigte sich mit dem von einer

Höhe von circa 500 Fuss glänzend niederstürzenden Bache.

Diesen Vordergrund bilden die romantisch schönen, sehr wild zerrissenen

Schlussgebirge des Thales, an dessen Abhang die früher erwähnte

„Schlacht der Vernichtung“ stattgefunden haben soll und die für die

Hiesigen den beschwerlichen Uebergang nach Lahaïna bilden, wenn sie

nicht den fahrbaren, weiteren Weg um das Gebirge, der westlichen Küste

entlang, vorziehen. Um 5 war ich wieder in Wailúku, wo mir nach einer

dreistündigen Gebirgstour der „Cörry“ und Thee bei meinem chinesischen

Versorger vortrefflich mundete. Den folgenden Tag machte ich mit

Sir Bryant eine Ausfahrt zu mehreren Plantagen, die sich alle eines

lebhaften Betriebes und Zeichen der Ueppigkeit rühmen dürfen.

Die „Waïhae“-Plantage der Gebrüder Makeé wollte er kaufen, da er, wie

er mir sagte, eine bedeutende Forderung auf dieser Plantage liegen

habe. Diese Plantage ist in allen Beziehungen eine gelungene zu nennen.

Sie zeigt nach allen Richtungen hin einen üppigen Stand des Rohres,

kostspielige Einrichtungen und ausnahmsweise einen gewissen Sinn ihrer

Besitzer zur Erhaltung oder Wiedererzeugung des Waldes durch Haine, die

zierlich gepflanzt hin und wieder zu sehen sind.

Den Abend hatte ich das bunte Treiben eines hiesigen Fischmarktes,

der alle Sonnabende in Wailúku abgehalten wird und an Qualität und

Quantität seiner Meeresprodukte, an Verschiedenheit der ihn besuchenden

Nationalitäten und den Farben- und Blumenschmuck der zu demselben

erscheinenden Kanaken höchst bemerkenswerth war, genossen.

Den folgenden Tag -- ein stiller englischer Sonntag -- benützte ich, um

die circa eine Meile entfernte, römisch-katholische St. Antony-Kirche

zu besuchen, die hübsch geschmückt und lieblich am Meere liegt. Ausser

den höchst liebenswürdigen geistlichen Herren, dem höchst anmuthigen

Gottesdienst, zu dem namentlich die glockenhellen Stimmen der festlich

gekleideten einheimischen Kinder viel beitrugen, ist der Gang hin

und zurück mit günstiger Sicht auf das Städtchen, auf das Gebirge,

die üppigen Plantagen, den Ocean und den stets klaren, leuchtenden

Háleakála ein höchst anmuthiger und interessanter.

Die Kirche ist klein, aber schmuck gebaut und gut erhalten. Sie

ist umgeben von den der Kirche gehörenden Schulgebäuden, den

Priester-Lokalitäten und dem duftigen Schatten alter Bäume. Das Ganze

trägt den ausdrücklichen Stempel der Ruhe. Die sich versammelnde recht

zahlreiche Gemeinde zeigt den Ausdruck der Zufriedenheit und Einigkeit.

Ob dieser Eindruck durch die Wahrheit oder nur durch hyppokritischen

Schein hervorgerufen, lasse ich dahingestellt sein, da in einem Lande,

wo die englische Scheinheiligkeit dominirt, die Gewissheit, dass diese

Zeichen der Religiosität aus dem Grunde der Seele kommen, schwer zu

ermitteln ist.

Still wie die Hawaiische Natur, ist auch die von den Engländern

importirte heilige Stille des Hawaiischen Sonntags. Kein geselliger

öffentlicher Verkehr findet statt, selten ein heiteres Gespräch, so

lange man unter den Augen der Oeffentlichkeit steht. Zwischen 4 Wände

geschlossen, da ändert sich das Wesen vieler „Stillen“ bedeutend, denn,

wie gesagt, „Scheinheiligkeit“ ist und bleibt die Standarte, um die

sich Britanniens Macht und Einfluss sammelt und unter der sie alles

fremde Element zu bannen strebt.

Höchst interessant ist in Wailúku die „poi“-Manufactur des J. B.

Kanána. Er gebraucht zur Bearbeitung desselben 24 Mann. Die Zermalmung

des „tarro“ wird durch ein Göpelwerk mit zwei Pferden betrieben. Die

„tarro“-Wurzel wird hierzu erst gekocht, alsdann von der Haut befreit

und in der Quetschmühle zu einem Teig verarbeitet. In diesem Zustande

wird er per Pfund à 2 cents zum Verkaufe versendet.

Es soll eine Bahn von Kahúlui, d. h. vom Hafen der „Malaea“-Bai über

Wailúku und die Ebene von Kóla nach Hawakopúku gebaut werden, um den

Transport der Produkte der Plantagen von Ost-Maui zu erleichtern. Von

Kahúlui findet eine regelmässige, direkte Segelschiffverbindung mit

San-Francisco durch die sog. „Spreckels & Co.-Line“ statt.

Den Abend accordirte ich ein Pferd für 5 Dollar, zum Ritt durch

West-Maui, und ordnete mein Gepäck, um den folgenden Tag frühzeitig

aufbrechen zu können.

Den 29. Juli erwachte ich mit aufgehender Sonne und war um 7 Uhr

im Sattel. Mein Weg führte an der katholischen Kirche vorbei, dem

Strande entlang zur Landenge von Kóla, wo mich ein heftiger, Sand- und

Lavastaub aufwirbelnder Sturm und zugleich ein feiner Spritzregen bei

hellem Sonnenschein empfing.

Die höchst unwirthliche Fläche der Landenge besteht aus Lavageröll,

hoch sich thürmenden, durch die verwitterte Lava farbig

gemusterten Dünen, dürrer Weide, Lagunen, glatten Lavaflächen und

Alkali-Ablagerungen; sie ist, kurz gesagt, eine wüste Strecke mit

nur wenigen Ansiedlungen, in deren Nähe jedoch im Schutze des Windes

und kleinen Ansammlungen von Süsswasser sich eine üppige Vegetation

gebildet hat. Die Landenge verlassend, gab der Wind sofort nach und

begann die allmähliche Steigung des Haleakála.

Es entwickelt sich allmählich zunehmend die freundliche Sicht fleissig

bearbeiteter Felder der Zuckerrohrplantage und der Ländereien des Mr.

Claus Spreckel.

Bei zunehmender Vegetation zahlreicher, abseits vom Wege liegender

Ansiedelungen der Kanaken erreichte ich an Plantagen-Beihöfen vorbei

kommend auf einer Höhe von 1476′ um 12 Uhr Mittags die Ländereien

Mossmann’s und bald das Wohnhaus und die Mühle desselben.

Dieselbe soll die höchst gelegene Plantage Maui’s sein. Sie liegt auf

dem Wege zur Besteigung des Haleakála, circa 30 gute englische Meilen

von Wailuku -- exclusive der oftmaligen Umwege, die ich in Ermangelung

der Ortskenntniss gemacht hatte -- entfernt. Auch hier fand ich nur

die liebenswürdige Frau zu Hause, die eine Eingeborne ist.

Nach kurzweiligem Aufenthalt und einer Erfrischung, die mir die

freundliche Hausfrau reichte, ritt ich bald abwärts, bald steigend

weiter.

Der ziemlich gute Weg zog sich abwechselnd schnurgerade oder

schlängelnd durch die üppigen Zuckerrohrfelder der Plantage Mossmann’s

und der des Mr. Spencer, bis ich um 5 Makawaó oder die Plantage des

Mr. Sharret & Co., die sogenannte „Gruve-Ranch“, circa 18 Meilen von

Mossmann’s Plantage auf einer Höhe von 985′ erreichte.

Ich bat um Obdach für die Nacht und wurde freundlichst empfangen.

Das einstöckige, saubere hölzerne Haus nebst einigen kleinen

Nebenhäusern liegt in einer neuen Gartenanlage, welcher jedoch viele

alte Bäume und Sträucher einen schattigen, freundlichen Eindruck

geben. Die Plantage ist neu und erst im hoffnungsvollen Werden. Die

sichtbaren höchst praktischen Vorbereitungen und Einrichtungen einer

rationellen Wirthschaft sprechen für günstige Resultate, das sichtbare

Zuckerrohr für die Tragfähigkeit des Bodens und die zahlreichen

rieselnden Bächlein, Gräben und zahlreiche nasse Stellen der Umgebung

für genügende Feuchtigkeit.

Da Mr. Sharret nicht zu Hause war, zog ich mich nach einem englisch

schweigsamen Thee in mein Zimmer, welches mir im Nebenhause angewiesen

war, zur wohlverdienten Ruhe zurück. Der Flecken Makawáo mit circa 400

Einwohnern liegt unweit der Plantage. Der Ort besteht nur aus kleinen,

unansehnlichen, entfernt von einander liegenden Gebäuden, die von

schattigen Bäumen umgeben und von lieblichem Eindrucke sind.

Den folgenden Morgen um 8 Uhr war ich wieder im Sattel, nachdem die

gastfreundschaftliche Familie mich herzlichst aufgefordert hatte, sie

wieder zu besuchen.

Ein guter Weg, bald durch bewaldete Schluchten, bald in Sicht

natürlicher oder künstlicher Bewässerungen, führte mich nach Paliúle

oder zur „Sanisch-Set“-Plantage des Mr. Boldwin, die im üppigsten Grün

theilweise natürlicher, theilweise bepflanzter Waldungen liegt.

Das Haus derselben, circa 875′ über dem Meeresspiegel, ist idyllisch

gelegen, umringt von schattigen Gartenanlagen und Blumen. Das Ganze

spricht für Verständniss und Kunstsinn und trägt den Charakter des

Wohlstandes, der Ordnung und einer vernünftigen Sparsamkeit. In den

Anlagen spürt man jedoch bedeutende Kapitalauslagen, denn der Besitzer

hat es verstanden, mit Willenskraft, Ausdauer und Geschmack der

künstlichen Production den Charakter einer Naturproduction zu geben,

über die der Beschauer erstaunt, da die geschaffene Vegetation, die

obendrein theilweise eine dem Lande fremdartige, eine auffallend üppige

ist.

Da im richtigen Sinne des Wortes keine menschliche Seele zu Hause

war, so trabte ich weiter bis zu der im Umbau begriffenen Mühle und

den umfangreichen Gebäuden der Plantage, die auf einer 656′ über dem

Meeresspiegel liegenden Fläche in Mitte der üppigen Zuckerrohrfelder

schattenlos liegen.

Viele Menschen der Plantage waren unweit der Mühle bei der Arbeit

eines im Bau begriffenen Dammes beschäftigt, als ich durch die üppigen

Zuckerrohrfelder ritt. Ich kam an zahlreichen „Coralls“ vorbei, in

deren Umzäunung gutes Vieh und kräftige Pferde weideten. Einige dieser

umzäunten Viehweiden musste ich durchreiten und daher die praktische

Einrichtung ihrer Pforten benutzen, die nämlich der Reiter ohne vom

Sattel zu steigen oder sich zu bücken, öffnen und schliessen kann.

Das System derselben besteht in einer losen Rollenvorrichtung, die

entweder in der Lage der Haspel oder Winde und verbunden mit Riemen-,

Schnur- oder galvanisirten Drahtscheiben ist, oder aber hin und wieder

auf dem System einer horizontalen, selbstspannenden Hebelzieh- und

Schliessvorrichtung beruht. -- Die Umzäunungen der Coralls bilden circa

4′ über den Boden ragende, solide Pfosten, die stark in den Grund

gerammt sind, und durch die in 3 oder 4 Reihen galvanisirter Draht

stramm gespannt ist. --

Gegen 12 Uhr erreichte ich Hawakopúku oder auch Haikú I. genannt, eine

auf einem recht hügeligen Terrain 328′ über dem Meeresspiegel liegende

Plantage.

Von hier aus circa 100′ bergab, dann wieder circa 100′ bergauf, einem

höchst steilen Pfade folgend, erreichte ich die grössere, ebenfalls

328′ hoch gelegene Plantage Haikú II., die umgeben von lichtem Walde

und deren Verwalter und Mitbesitzer Mr. C. H. Alexander ist.

Da ich wiederum Niemanden zu Hause traf, musste ich den beschwerlichen

Weg nach Hawakopúku zurücklegen und schlug von dort aus meine Richtung

über den winzigen Hafenort der kleinen „Makuaó“-Bai ein und folgte

dem Strande entlang, soweit die Lagunen und sumpfigen Stellen es mir

gestatteten, um die Landenge von Kóla zu erreichen, über die ich denn

auch bei glänzendem Sonnenuntergang und herrlicher Beleuchtung des

Haleakála und, bei verhältnissmässig schwachem Zugwinde um 1/2-5 nach

vollbrachtem Tagesritt von mindestens 49 englischen Meilen Wailúku

erreichte.

Da ich die Absicht hatte, die folgende Nacht um 2 Uhr Wailúku zu

verlassen und mit dem Dampfer, der am andern Tage Kahúlui verlässt,

nach Hawaii zu gehen, so forderte ich meine Rechnung, um mich bis zum

Abgange des Wagens zur „Malaéa“-Bai zur Ruhe zu strecken.

Meine Ausgaben laut Rechnung betrugen:

Das Zimmer für 7 Tage Dollar 3.--

Speisen bei dem Chinesen „ 3.75

Der Wagen zur Bai hin und zurück. „ 1.--

Mein Ritt von 32 Stunden „ 5.--

Benutzung eines Wagens „ 10.--

für sieben Tage Auslagen Summa „ 22.75

Um 2 Uhr bei vollständig finsterer Nacht war der Rüttelkasten, der

sog. Wagen vor der Thüre, und fort ging es im gestreckten Galopp über

Steine, Geröll und Gräben, bald hügelab, bald hügelauf, und nach einer

halsbrecherischen Fahrt erreichten wir um 1/2-3 Kahúlui, wo eine warme

Tasse Kaffee nach dem unbeschreiblichen Gerüttel des Wagens wohlthuend

wirkte. Bis 7 Uhr streckte ich mich -- in den Plaid eingehüllt -- in

der Wartehütte auf einer harten Bank bis zur Ankunft des Dampfers

verharrend.

V. Abtheilung.

Von Maui nach Hawaii.

Den 31. Juli um 7 Uhr traf der Dampfer „Kilauéa“ ein; um 8 waren wir

auf Deck und gleich darauf ging er ab.

Bald zeigte sich rechts die Sicht der wüsten Felseninsel Kahóoláwe,

links die hier steileren Ufer des bis in den Ocean sich hineinziehenden

Haleakála, dessen Höhe durch seinen breiten Auslauf namentlich von hier

aus viel geringer erscheint.

Die Insel Kahóoláwe hat einen Umfang von 84 engl. Quadratmeilen,

liegt lang gestreckt, mit einer Maximal-Höhe von 400′. Die Insel soll

vor Zeiten fruchtbar und bevölkert gewesen sein. Noch 1876 hatte der

Oberrichter E. H. Allen auf der Insel 16000 Schafe. Augenblicklich soll

dortselbst kein Schaf mehr vorhanden sein oder nur wenige derselben

und zwar verwilderte an der Westküste der Insel, die noch stellenweise

nahrhafte Gräser bietet. Mit Ausnahme dieser Westküste charakterisiren

die Insel augenblicklich eine unbeschreibliche öde, dürre Sicht und

beständig sich erhebende Staubwolken, die wirbelnd den Rest des Humus

der Insel allmählich in den Ocean bringen. Die Insel spricht für die

Mahnung, dass, wer im übertrieben grossen Massstabe Schafzucht treiben

will, zugleich an die Cultivirung des Landes und an die erforderliche

Bewässerung desselben denken muss.

Um 9 Uhr Halt vor dem Hafen Hónaáúla, der der kleinen wilden

Felseninsel Molokíni gegenüber gelegen ist. Den kleinen

Ort charakterisirt eine dürre, öde Gegend. Er ist von der

„Hoúlapalákuá“-Plantage des Kapitain J. Makee umgeben. Die sichtbaren

Felder der Plantage zeigen keine Ueppigkeit, obgleich der Ruf derselben

sie als ertragreich schildert.

Um 10 Uhr dampften wir weiter, und kaum, dass wir die spitzen Ausläufer

der kleinen Bai umfahren hatten, so zeichnete sich vor uns in der Ferne

die gewaltige dunkle Masse der erloschnen Schlammhügel des 14,140′

hohen Mauna-Kéa der Insel Hawaii, dessen Gipfel in dichte Wolken

gehüllt war. Zur gleichen Zeit, gleichwie durch Zauberspruch, fasste

plötzlich unser Schiff die heftige Strömung des Maui-Hawaii-Kanales mit

gewaltiger Hast. Die gewaltige Unruhe des Oceans währte bis 3 Uhr, als

wir in Sicht der nördlichsten Spitze der Insel Hawaii und zugleich aus

der wirksamen Strömung des Kanales traten und bald darauf in der Bai

von Kawaihae vor dem Hafenort gleichen Namens um 4 Uhr hielten. --

Vor uns lag scheinbar öd und dürre der Distrikt Kohála, dessen

wilder, starrer Küstenstrich den Ruf eines fischreichen hat, was die

zahlreichen, gleich einem perpetuum mobile hin und her schwankenden

Reihen der Fischerboote und -Barken klar beweisen. Die Boote bestehen

meist aus ausgehöhlten Baumstämmen, an deren einen Seite, da sie sehr

schmal, eine Flügeleinrichtung zur Erhaltung der Balance angebracht

ist, die ähnlich der der Boote der Malaien und Singalesen ist. Der Mast

oder die Maste dieser schmalen Boote (Kanos) sind mit verhältnissmässig

sehr grossen dreieckigen Segeln versehen, deren Handhabung gleichwie

die der Boote als eine leichte erscheint und eine verhältnissmässig

sichere sein muss, da, wie man mir sagt, sehr selten Unglücksfälle

vorkommen sollen.

Der Ort Kawaihae ist ungeachtet seiner auffallend dürren

Lavageröllumgebung ein ungemein lieblicher. An seinem nördlichen Ende

erhebt sich ein kleiner, blendend weiss gestrichener Leuchtthurm; in

südlicher Richtung desselben liegen in einer Reihe ein paar Dutzend

ebenfalls weiss gestrichner kleiner Häuser mit rothen Dächern, in deren

Mitte sich schattige Bäume einer gefälligen Gartenanlage zeigen und

vereinigt mit einer dem Strande entlang sich ziehenden Allee einen

heitern, freundlichen Eindruck dem saubern kleinen Orte geben.

Von Kawaihae aus findet die Verbindung mit der unter der Agentur der

Mr. Castle und Cook stehenden grossen Zuckerplantage Kohála und dem

Viehzucht treibenden gebirgigen Distrikte von Waiméa statt.

Der Distrikt von Waiméa, der früher als reiches, üppiges Grasland einen

bedeutenden Ruf im Inselreiche gehabt hatte, ist jetzt leider durch

falsche Behandlung der Waldung oder besser gesagt, durch vernunftlose

Ausnutzung selbstsüchtiger europäischer Eindringlinge, die nur an ihren

eigenen Vortheil dachten, vollständig verwüstet worden.

Kawaihae war am Anfange dieses Jahrhunderts noch ein wichtiger

Wallfahrtsort des Heidenthums. Circa 1 Meile vom Hafen entfernt liegt

nämlich der Heiïau oder Tempel von Puuapa, der laut der Sage in 3 Tagen

erbaut worden ist. Die Steine zum Bau mussten von einem circa 12 engl.

Meilen entfernten Bruch von der Bevölkerung angetragen werden. Der

Mörtel zum Bau soll, wie man sagt, mit menschlichem Blute zubereitet

worden sein. Der Tempel hat eine Länge von 350′ zu 150′ Breite und die

Mauern sind 20′ hoch bei einer Basis von 50′ Breite und 8′ Breite in

der Höhe. In der einen Ecke des Tempels, frei liegend ohne jegliche

Bedachung, ruht ein grosser, dunkler, glatter Stein, auf welchem

die Menschen den Göttern geopfert wurden. In den Ruinen des Tempels

findet man noch heutigen Tages zahlreiche Sammlungen zusammengelegter,

sorgfältig eingewickelter Knochen, in deren unmittelbarer Nähe kleinere

Steinplatten sich befinden, auf denen das von den Knochen abfallende

Fleisch sorgfältig bis auf das Kleinste verbrannt wurde.

Die Behauptung vieler Europäer, dass bei diesen Opfern die Priester,

denen das Amt der Opfervollziehung durch einen „tabú“, d. h. eine

heilige Amtserklärung, übergeben war, sich nachträglich vom Fleische

der Opfer nährten, ist in facto erdichtet, wie ich es auf das

Bestimmteste aus dem Munde jetzt noch lebender Augenzeugen gehört

habe. Diese behaupten auch namentlich, dass laut ihren ältesten

Ueberlieferungen der Kannibalismus unter ihren Vorfahren, die sich

am liebsten von Vegetabilien nährten, nie bestanden habe und dass im

Tempel die Opfer dieses so grausamen Aberglaubens mit raschem Tode und

ehrfurchtsvoller Achtung gleichsam wie Heilige behandelt worden sind.

Um 1/2-6 verliessen wir Kawaihae, um, unsern Weg in nördlicher Richtung

zurücknehmend, die nördliche Spitze der Insel bei Upoloá zu umfahren

und wieder in die heftige wilde Strömung des „Maui-Hawaii“-Kanales zu

gelangen.

Um 1/2-7 Halt vor Kohála und nach einer Stunde Aufenthalt ging’s bei

zunehmend unruhiger See wieder weiter.

Um 1/2-2 in der Nacht hielten wir vor dem imposanten Palisadenufer

Laupa-hoe-hoe, vor der grossen und reichen Zuckerplantage des Mr.

Campbell und in Sicht eines von der steilen Küste wild niederstürzenden

vom Monde beleuchteten Wasserfalles. Unmittelbar am Ufer erheben

sich malerisch die Ruinen des vom König Lilío dem Gotte der Fischer

errichteten Tempels. Er war nämlich vom einfachen Fischer zum König der

Insel erhoben worden.

Am folgenden Tag, den 1. August, um 10 Uhr verliessen wir die

höchst lebhafte Küste von Laupa-hoe-hoe -- und folgten einer

pallisadenartigen, sehr steilen, mit üppigem Gebüsch bewachsenen,

grünen Küste, von deren steiler Höhe zahlreiche Wasserfälle glitzernd

in den Ocean sich stürzen und die so mannigfaltig in ihrem Charakter

sind, dass sich für einen Maler keine günstigere Stelle zum Studium der

Wasserfälle findet.

Um 11 Uhr Halt vor Hakaalaú, von wo aus die Küste an Steile abnimmt

und bis Hilo allmählich flacher wird, jedoch an Vegetation und

charakteristischen Schattirungen bis zum prachtvollsten Ausdruck

zunimmt.

Um 2 Uhr hielten wir vor Hilo, dessen hübscher Hafen seiner heftigen

Brandung und hoher Woge wegen ein wilder zu nennen ist.

Mit bedeutender Anstrengung gelang es dem Boote, welches uns vom

Dampfer abholte, an der kleinen eisernen Werfte zu landen. Die wilde

Woge hob dasselbe wiederholt bis zur Brücke, es wurde jedoch rasch

wieder und zwar durch die Woge, uns vollständig überspülend, in den

Ocean zurückgetrieben. Mit nur grosser Mühe gelang es uns endlich, uns

fest an die Leiter klammernd, kletternd zu landen.

Die Reise von der „Malaéa“-Bai bis Hilo kostete 8 Dollar, -- für eine

Strecke von 149 Seemeilen über Kaiwaihae; die direkte Strecke, ohne

Kaiwaihae zu berühren, ist nur 120 Seemeilen weit.

VI. Abtheilung.

Die Insel Hawaii.

Da ich im Hôtel kein Zimmer fand, so brachte ich mich und meine sieben

Sachen bei dem Bäckermeister Herrn Wilhelm in einem kleinen und saubern

Zimmer unter.

Das Haus des Bäckermeisters liegt unmittelbar am Hafen in der Nähe der

Werft. Er und seine Familie, als auch das Wesen seiner Haushaltung ist

echt deutsch.

Das kleine Hilo, die Hauptstadt der Insel Hawaii, der Sitz des

Gouverneurs und seiner Regierungsorgane, ist ein liebliches, ziemlich

umfangreiches Dorf, dessen kleine, saubere, meist weit auseinander

gelegene, mit wenigen Ausnahmen von Gärten umgebene Häuser einen

freundlichen, geselligen und ländlichen Anblick bieten.

Unter den Häusern findet man einige recht stattliche, die auf blühenden

Wohlstand und Geschmack deuten.

Hauptsächlich jedoch fällt die auffallend strotzende Ueppigkeit der

Vegetation auf, die das hügelige, fast bergige Terrain der Stadt und

die einem Hufeisen ähnlich geformte Bai umgiebt.

Ein recht schöner, ernster Bau ist der der römisch-katholischen

Kathedrale, die während dem gewaltigen Ausbruch des Mauna-Lóa 1869

stark mitgenommen wurde und an der noch Spuren der Verwüstung

deutlich zu bemerken sind. Dieselbe ist überraschend gut restaurirt,

was besonders auffallend ist, da sie, wie man mir sagt, nahe dem

Zusammensturze gewesen war und nur durch die zahlreiche sehr

wohlhabende Gemeinde durch eine sofortige und gründliche Reparatur

erhalten worden ist.

Wie ich mich überzeugt habe, war zur Zeit meines Dortseins die Zahl

der römisch-katholischen Gemeinden im Inselreiche gleich der der

Protestantischen.

Den darauf folgenden Tag wanderte ich zur 3 Meilen entfernten

„Regenbogen-Cascade“. Der Weg führt über und durch wild durcheinander

geworfenes Lavageröll, über tiefe Spalten oder glatte und feste

Lavastrecken. Die Stelle der Cascade selbst ist ein längst erloschener

Krater. Die eine Seite desselben bildet ein 600 Fuss tiefes Becken;

von der andern Seite stürzt fast senkrecht ein Bach, ohne jeglichen

Widerstand zu finden, daher glatt und ununterbrochen gleich einem

Silberbande vibrirend und glänzend in eine von langjährigem Sturze

gebildete Vertiefung oder möglicher Weise in eine durch den Sturz

durchbrochene Grotte, die laut Sage zur Heidenzeit von einem Unhold

bewohnt war, welcher jegliches lebende Wesen, welches sich der Grotte

näherte, vernichtete.

Durch diese Grotte ergiesst sich unsichtbar das Wasser in das früher

erwähnte Bassin, aus welchem es durch die zahlreichen vulkanischen,

unterirdischen Gänge allmählich seinen Ausfluss findet.

Wenn nun die Sonnenstrahlen gegen die glitzernde Fläche des

spiegelglatt niederstürzenden Wasserfalles sich brechen, entfaltet sich

ein wundersames Regenbogenspiel, welches der sogenannten Cascade den

wohlverdienten Namen gegeben hat.

Es ist in allen Beziehungen eine lohnende Mühe, den Ausflug zu machen

und zwar unbedingt besser zu Fuss als zu Pferde, da die Spalten und

der höchst unebene Weg, den man, so gut es geht, erst suchen muss, dem

Reiter viel ermüdender und beschwerlicher als dem Fussgänger wird.

Höchst lieblich ist bei der Rückkehr der Blick auf die Stadt, auf die

Bai und die sie üppig umgebende Vegetation. Namentlich erhöht den Reiz

desselben der ausserordentliche Contrast zu dem starren Gewühl der

ausgedehnten wüsten Lavastrecken.

Den folgenden Tag, den 2. August, wanderte ich durch die saubere

Stadt, deren meist einstöckige, hölzerne, mit Brettern verkleidete

Häuser, die meist seit 1869 nach dem verwüstenden Ausbruche des

Mauna-Lóa neu erbaut oder renovirt und im zierlichsten Anstrich meist

von pflanzenreichen Gärten umgeben sind, zerstreut liegend den Ort

bilden. Ausserhalb desselben in regelrechte, parallellaufende Strassen

eingetheilt, schmücken Villen mit zierlichen Gartenanlagen die Umgebung.

Wandernd erreichte ich die bemerkenswerthe Hochschule des Mr. Lymon,

die 1836 gestiftet und zu ihrer Unterhaltung eine biennale Subvention

von 900 Doll. vom Staate erhält.

Das praktisch eingerichtete Gebäude liegt ausserhalb der Stadt in einer

luftigen, schattigen, gesunden Umgebung. Ich wohnte dem Unterrichte bei

und muss gestehen, dass die Fähigkeiten, die Intelligenz der Jugend,

und namentlich das sittsame, bescheidene, nette Benehmen derselben mein

Erstaunen erregten und mir eine angenehme Rückerinnerung hinterliessen.

Besonders auffällig war mir das Betragen der Zöglinge im Vergleiche

mit dem unserer Schuljugend der gegenwärtigen Zeit, wo das

Selbstbewusstsein der Jugend zu einer undisziplinirten Unbändigkeit

ausartet und ein Uebel ist, welches von Jahr zu Jahr progressiv

zunimmt, da wir in einer Zeit leben, wo das allgemeine Streben nach

Schrankenlosigkeit als herrschendes Element zu dem Resultate zu führen

scheint, dass jede Achtung für Alter, Gesetz und Ordnung allmählig

schwinden muss, wenn nicht ein Riegel der Ausartung dieses Uebels

vorgeschoben wird.

Von Herzen wünsche ich, dass der hier herrschende gesunde Geist der

Jugend einen steten Einfluss auf die kommende Generation ausübe, um die

Bewahrung desselben der Zukunft des Landes zu sichern.

Das System des quasi freien Unterrichtes im Inselreiche ist ein

reines Zwangssystem. Die Eltern sind verpflichtet, ihren Kindern

das Lesen, Schreiben und Rechnen lehren zu lassen, dieselben zu

ernähren, zu kleiden und zu erhalten. Jeder Distrikt hat mindestens

eine gemeinschaftliche Schule für Knaben und Mädchen. Der Unterhalt

derselben wird zur Hälfte von der Bevölkerung und dem Staate getragen.

Die erforderlichen Lehrer und Lehrerinnen derselben werden von der

lokalen Schulkommission erwählt. Diese Kommission besteht aus dem

lokalen Friedensrichter, einem vom hohen Rathe in Honolulu ernannten,

und einem zweiten von den Eltern der Schulkinder gewählten Inwohner

des betreffenden Distriktes und wird präsidirt vom Oberintendanten der

öffentlichen Aufklärung oder seines Stellvertreters.

Die Pflichten dieser Commission bestehen in der Ueberwachung und

Leitung der Schulen, der Zöglinge und der schulpflichtigen Kinder des

Distriktes. Alle Bestimmungen der Commission müssen dem hohen Rathe in

Honolulu zur Bestätigung vorgelegt werden.

Die Trennung der Kirche von der Schule ist obligatorisch. Der

Unterricht in der Religion ist vollständig den Eltern überlassen und

zum Unterrichten in derselben wird den betreffenden Seelsorgern das

Lokal der Schule von 3-4 Uhr täglich zur Disposition gestellt. Die

allgemeine Schulzeit ist von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr festgestellt.

Die meisten Geistlichen ziehen es vor, in ihrer Kirche oder in einem

derselben angrenzenden Bethause den religiösen Unterricht zu ertheilen.

Der Staat -- ohne prononcirte Staatsreligion -- trägt keine Last für

irgend welche Confession. Die Kirchen und zahlreichen Kirchenschulen

werden daher von der betreffenden konfessionellen Gemeinde oder von der

Kirche selbst unterhalten.

Die Distriktsschulen sind primäre, aus denen die Zöglinge zu ihrer

weitern Ausbildung in die sekundären und alsdann in die Normalschulen

(Hochschulen) treten können. Hochschulen gibt es 3: eine in Honolulu,

eine in Lahaïna und eine in Hilo.

Der Eintritt in Privat- und Kirchenschulen statt in die

Distriktsschulen ist gestattet, so lange erstere das Lesen, Schreiben

und Rechnen lehren.

Die Folgen eines normalen, nicht übertriebenen Systemes sind hier

auffallend günstige gewesen, da man gegenwärtig factisch unter

der ganzen Bevölkerung -- mit Ausnahme der übrigens selten hier

zu findenden Idioten -- keinen Mann oder Frau trifft, die nicht

lesen, schreiben und rechnen können. Besonders auffallend ist dieses

Resultat, wenn man bedenkt, dass erst von 1820, den 4. April, dem Tage

der Landung der ersten Missionäre im Inselreiche, der Beginn einer

öffentlichen Aufklärung im Lande zu rechnen ist und dass ältere Leute

sich im Alter sichtlich einer Aufklärung unterworfen haben müssen, um

das erwähnte Resultat zu erreichen.

Hochgelehrte findet man natürlich unter denen, die die hiesigen

Hochschulen verlassen, keine, aber um desto mehr Wohlunterrichtete mit

normalem, gesunden Verstande, was die kernig gesunde Entwicklung des

Landes beweist.

Auf meinem Rückwege accordirte ich den Preis für ein gutes Pferd,

und als Führer hatte ich den „Joe Puni“ für einen Ritt zum Vulkan

Kilanéa und von dort zum Mr. Waelsch, circa 46 engl. Meilen, für 35

Dollar mit der Absicht, den folgenden Tag in der Früh aufzubrechen

und in der Hoffnung, dass die gestrigen Strichregen und die fast

wolkenbruchartigen der letzten Nacht den Weg nicht zu schlecht gemacht

haben werden.

Bei höchst wild brausender, die Werfte überwogender See langte ich zu

meiner, diesem Prachtschauspiele nahe liegenden Behausung. Die Luft war

trotz der heissen Sonne des Tages eine erquickende. Es weht nämlich

hier stets eine erfrischende Brise, weshalb die Nächte immer kühl,

einen erquickenden Schlaf gönnen und hier alle lebenden Wesen frisch,

wohl und munter aussehen. Kurz gesagt, Hilo ist in allen Beziehungen

ein anziehender Ort, in welchem ein jeder Naturfreund, der keine

Ansprüche auf Luxus macht, sich ein gesundes und verjüngendes Leben

verschaffen kann.

Wasserreichthum umgibt den Ort; wohin man blickt rieseln Rinnen,

oder es fliessen die Gewässer kleiner Gräben und Bäche, umgeben von

strotzender, fruchtbarer Vegetation.

Die Feuchtigkeit der Gegend mit Ausnahme der der Lavastrecken, ist eine

so bedeutende, dass sogar die recht hoch gelegenen Zuckerrohrplantagen

um Hilo meist ohne Bewässerungen üppig gedeihen. Sogar die

Sumpfpflanze, der „Tárro“, erfordert zu seinem vollständigen Gedeihen

hier keine beständige Bewässerung.

Die verhältnissmässige Theuerung der Lebensmittel im Allgemeinen, der

merkwürdige Mangel an Fischen für ein am Ufer des Oceans in Mitte einer

so üppigen Vegetation und einem so fruchtbaren Boden gelegenen Orte wie

Hilo, ist mehr denn auffallend. Ich schreibe die Ursache der Indolenz

und theilweise der Trägheit der hiesigen, dem dolce far niente gern

ergebenen Nation zu, deren grösste Liebhaberei es ist, entweder im zum

Halbdunkel verhängten Zimmer auf reiner Matte des Fussbodens sich auf

den Bauch zu strecken, oder „poi“ zu essen, im Fingerlecken, Orangen

und Mangos zu saugen oder zu schlafen, oder aber darin besteht, hoch zu

Pferde, mit Blumen geschmückt als famos kühne Reiter und Reiterinnen

die wild zerrissene aus tiefen Spalten bestehende Lavaumgebung im

eiligsten Tempo ihrer kernigen Ponys zu durchziehen.

Sonntag den 4. August war ich um 5 Uhr auf; Pferd und Führer waren

bereit. Ich bezahlte Herrn Wilhelm meine Rechnung für drei Tage mit nur

3 Dollar 50 Cents und ritt nach kräftigem, famosen Frühstück ab.

Ein eigensinniges Pferd und ein Halt bei dem Führer gestatteten uns

erst um 1/2-8 Hilo zu verlassen.

Obgleich ich meinem Führer als Hauptbedingung gestellt hatte, dass er

mir ein gutes, starkes Pferd und einen guten Sattel liefern müsse,

so hatte ich leider während des kurzen Rittes durch die Stadt die

bedeutende Mangelhaftigkeit des Sattels, der sehr eng und schwülstig

war, erkannt. Mein fast uneingerittenes Pferd suchte mit aller Macht,

mit gebogenem Rücken seinen Kopf zwischen die Beine zu bringen, um mit

gehörigem Bocken sich von meiner Last zu befreien. Einige gehörige

Hiebe mit kräftiger Gerte zwischen die Ohren brachten den Gaul freilich

vorwärts, der jedoch dann bald rechts, bald links ausschlagend, sich

auf die Seite werfend, sich rüttelnd und schüttelnd, endlich im

gestreckten Karriere durch die Strassen rannte. Es erinnerte mich

dieser Ritt lebhaft an meine Büffeljagd unter den Apachen am Rio grande

in Texas.

Obgleich ich ein fester Reiter, brachte mich doch der rundgebogene

Rücken, das ausserordentlich bewegliche Kreuz des störrischen Pferdes,

als auch der erbärmliche Sattel über einen Zoll hoch aus demselben,

und mir wurde die Aussicht, auf diesem Dromedar in Pferdegestalt den

weiten Ritt machen zu müssen, nicht angenehm. Die Versicherung aber des

Joë Puni, dass es sein bestes Pferd sei und es später ordentlich gehen

würde, erwies sich sehr bald als gerechtfertigt.

Um 1/2-8 wie gesagt, verliessen wir Hilo. Es folgte eine Stunde lang,

circa 4 Meilen, eine weite wellenförmig steigende, wüste, theilweise

mit struppigem Grase und Farrenkräutern bewachsene Lavageröllfläche.

Der Weg war sumpfig und eigentlich kaum ein Weg zu nennen. Er zog

sich bald über höchst glatte grossartige Lavalagen, oft über tiefe

Spalten derselben oder über Strecken verhärteter treppenartig geformter

Lavastrecken, und war daher nur im Schritt zu reiten möglich.

Alsdann folgte eine Stunde lang circa 6 Meilen Wald, d. h.

hochwüchsiges, verworrenes Buschland mit nur hin und wieder

erscheinenden hochstämmigen Bäumen, die mit grauen, dürren, schroffig

flachen und oft stachligen, gleich Krystallen in einander gewirkten,

oft tief niederhängenden Flechtenformen stark belegt waren. Der

Boden selbst und die herumliegenden Blöcke und Gesteine sind mit

gelblich-grünen, dicht gedrängten, sanft geschwollenen Formen diverser

Moose belegt. Das ganze verworrene Gedränge des Busches besteht

hauptsächlich aus einem üppigen Gemisch des zitternden Laubes der

mannigfaltigsten zierlich-zarten, vielfach zerschlitzten, schirmartig

ausgebreiteten Blattformen der verschiedensten Kraut-, Zwerg-,

Strauch- und Baum-Farren, aus den ewig rasselnden Pandanen mit ihren

hohen, glänzend grünen, zweischneidigen, steifen, eigenartig in sich

gewalzten oder schraubenartig gedrehten, schlanken Blättern, aus dem

hartholzigen Tek-Strauch mit seinen glänzenden, rothen Blüthen, hin

und wieder aus Palmen, jedoch in unausgebildeten Formen, hochstämmigen

Pisang- oder Bananen-Pflanzen mit dem üppigen, saftigen Grün ihrer

gewaltigen Blätter, ferner aus Liliengewächsen mit ihrer dem Schilfe

ähnlichen Tracht der Blätter, aus Schilfformen verschiedenster Art

und tropisch edlen, hohen, baumartigen Wuchses, Thy-Sträuchern

mit ihren hochwüchsigen, grasartigen Blättern u. s. w. Das ganze

Gemenge ist durchschlungen von mannigfaltigen Schlingpflanzen, deren

hochstrebende Wurzeltriebe kaum von ihren Zweigen zu unterscheiden

sind und die namentlich dazu beitragen, dem sich hier entfaltenden

Bilde den Charakter der tropischen oder subtropischen Verworrenheit

der Buschvegetation zu geben. Dieselbe ist jedoch lange nicht der

der Pracht und Vielseitigkeit der ostindischen und der von Ceylon

zu vergleichen, da die schönste Vegetation des hiesigen Busches der

schwächsten Vegetation des Djungles von Ceylon gleichzustellen ist.

Die Fama der althawaiischen Flora ist vorbei, die Flora der Jetztzeit

des Inselreiches bietet nur stellenweise Reichthum, Ueppigkeit und

Fülle, wie z. B. hier, jedoch ein wirklich ausgebildetes Modell

einer Pflanzenformation ist faktisch nicht mehr zu finden. Es liegt,

so zu sagen, auf dieser Vegetation, sogar an den üppigsten Stellen

derselben, der Stempel entweder der zerstörenden Macht des vulkanischen

Elementes oder aber noch deutlicher, der des Elementes einer

willkürlich eingedrungenen, eigennützigen, verwüstenden, dem Lande

fremdartigen Cultur, die wie an so vielen Stellen der Welt, wo dieselbe

civilisatorisch während Jahrhunderten eingedrungen, stets, gleichsam

die geschaffene Verwüstung fliehend, verwüstetes Land hinterliess, so

lange noch irgendwo in der Welt ein Strich jungfräulicher Natur zum

Verwüsten ihnen noch üppig entgegenschien.

Denn wodurch entstehen die verwüstenden Folgen der eindringenden

Cultur, namentlich in den Tropen und Subtropen? Meiner Ansicht nach

hauptsächlich durch die Verminderung und allmähliche Vernichtung

der Feuchtigkeit in Folge der masslosen Entholzung und unnatürlich

übertriebenen Entwässerung der Gegend zur Einführung materiell

vortheilhaft erscheinender, systematischer Culturpflanzungen, deren

niedriger Wuchs und meist lichter Stand den Boden dem aussaugenden,

daher dem allmählich austrocknenden Einflusse der Sonnenstrahlen

aussetzt, wodurch natürlich die Urfeuchtigkeit des Bodens rascher

verbraucht wird, und die Ausdünstungen desselben und dem zufolge

natürlich auch die Feuchtigkeit der Atmosphäre und ihre von der Natur

geregelten Niederschläge sich allmählich mehr und mehr verringern.

Da nun bekanntlich die Hauptbedingungen zu einer vollkommenen,

formenreichen, üppigen tropischen oder subtropischen Pflanzenwelt die

Feuchtigkeit und die Wärme sind, und zu deren Mannigfaltigkeit die

Auflösung der bei genügender Feuchtigkeit leicht auflöslichen, jährlich

sich progressiv ansammelnden unorganischen Stoffe des tropischen und

subtropischen Grundbodens die Entwickelungsursache bildet, so lässt

sich hiermit deutlich die Ursache des Zuerstsichverkrüppeln und

dann das allmähliche Schwinden der Vegetation durch den Mangel an

Grundfeuchtigkeit und das Sichnichtauflösen der unorganischen Stoffe

des Bodens erklären.

Es entfaltet sich hierdurch der deutliche Beweis, dass die fieberhaft

geschäftig wirkende Thätigkeit des rastlos als Herr der Natur sich

dünkenden eitlen Menschen trotz seiner kühnen Weisheit nicht im Stande

ist, die Gesetze der Natur auch nur in ihren kleinsten Wirkungen zu

ändern, und dass die Natur vernichtend, erhaltend oder erzeugend stets

der tyrannische Herr der Schöpfung und der Geschöpfe, daher auch des

Menschen von Ewigkeit zu Ewigkeit war, ist und bleibt und dass erst

dann die Cultur ihren wahren Begriff zum Vortheil der Natur, ohne

Verwüstungen zu hinterlassen, entfalten wird, wenn der unbändige Träger

derselben, „der Mensch“, sich von den Banden des Egoismus und der

Willkür befreit haben wird!

Dann folgt 1-1/2 Stunden circa 6 Meilen steigend ein wilder Geröllweg

in wüster Farrenumgebung, unter denen einzelne schlanke, meist jedoch

krüpplige Stämme des „hau“, Teek-Bäume, Akazien, Mimosen, hin und

wieder auch Sandelbäume sich erheben.

Diese Strecke zieht sich bis zum sogenannten „Half-way“-Haus des Kaaua,

1177 Fuss über dem Meeresspiegel und 16 Meilen von Hilo entfernt

liegend hin. Bei letzterem traf ich um 11 Uhr bei einer Temperatur von

80 Grad Fahrenheit ein. Der Ort selbst heisst Olaá und besteht aus

einigen Grashäusern und einer kleinen weiss gestrichenen Kirche ohne

Thurm.

Von Hilo bis Olaá hat man die Sicht des Mauna-Kéa rückwärts und rechts

die des Mauna-Lóa, in Wolken gehüllt und ohne jede Spur von Dampf.

Kaauá’s Grashaus ist sauber und rein gehalten und ausnahmsweise mit

Möbeln versehen.

Bald wurde mir ein dampfendes Huhn, „tarro“, Kaffee und frisches

Quellwasser vorgesetzt.

Um 1 Uhr war ich wieder in meinem höchst unbequemen Sattel, und

vorwärts ging es bald im Trabe, bald im Galopp über Farrnflächen

und verhärtete Lava -- eine höchst beschwerliche Strecke. Namentlich

ist dieselbe lästig für die Pferde, da einige Stellen derselben dem

Glatteis gleichen.

Die Steigung im Allgemeinen ist kaum merklich; man würde, so zu sagen,

ohne sich zu besinnen wetten, dass man auf einer horizontalen Fläche

reitet, wenn nicht hin und wieder der Ocean, der stellenweise in Sicht,

jedes Mal tiefer liegend erscheinen würde.

Nicht die geringste Spur von Dampf oder leuchtender Atmosphäre ist zu

sehen, noch Schwefelgeruch zu spüren, so dass man unwillkürlich glaubt,

entweder eine falsche Richtung eingeschlagen zu haben oder noch weit

entfernt vom Kilauéa-Becken zu sein.

Vor uns liegt der in Wolken gehüllte Gipfel des Maúna-Lóa, rechts die

volle Sicht des breiten Maúna-Kéa.

Um 1/2-5 begann ein merkwürdiges Rauschen, Zischen und unaufhörliches,

unterirdisches Rollen. Je mehr wir vorwärts schritten, desto intensiver

wurde das Zischen, welches ähnlich dem eines Bleigusses in Wasser ist,

und desto häufiger spürte man das gewaltige Erdröhnen der Erde und

die Luft begann nach Schwefel oder richtiger gesagt nach Glüheisen zu

duften.

Circa 3 engl. Meilen vor dem Kraterhause bildet sich aus dem fast

spurlosen Wege ein gut erhaltener. Dieser Weg führt uns wieder durch

einen üppig hochwüchsigen Wald, durch zahlreiche auffallend dampfende

Stellen, welche aus dem üppigen Grase und der hier so mannigfaltigen

Farrn-Vegetation hervorqualmen und die uns unser Ziel sichtbar zu

erkennen geben.

Um 1/2-6 endlich hielten wir nach zurückgelegten guten 18 engl. Meilen

von Olaá ab, auf einer Höhe von circa 4407 Fuss über dem Meeresspiegel,

vor dem überraschend stattlichen Kraterhause bei einer Temperatur von

61 Grad Fahrenheit im Schatten und Windschutze.

Das Haus besteht in seiner Front einerseits aus vier Gastzimmern und

einem Gesellschaftszimmer („Parlor-Room“) mit Ausgängen auf eine breite

Veranda und vollster Sicht auf den Vulkan d. h. das „Kilauéa“-Becken.

Vier Gastzimmer und das Speisezimmer haben ihren Ausgang und Sicht nach

hinten. Die andere Seite des Hauses bilden die Wohnzimmer, die Küche

etc., des Verwalters.

Es ist ein grosses einstöckiges Gebäude, dessen Wände und das Dach aus

Schindeln bestehen.

Der Krater war diesen Tag höchst aufgeregt, und die grasreiche Umgegend

dampfte stark. Obgleich der Wind von unserer Seite, d. h. gegen den

Krater wehte -- was, wie man mir sagt, ein gewöhnlicher Fall ist -- war

demungeachtet ein starker Schwefelgeruch zu spüren.

Nach einem guten Abendessen bei lustigem Feuer im Kamine des

Gesellschaftszimmers, verbrachte ich den Abend bei prachtvoll speiendem

Feuerspiel und lautem Brausen und Zischen der wüthenden „Péle“, der

althawaiischen Göttin des Kilauea-Kraters.

Den folgenden Morgen, den 5. August, erwachte ich nach überaus

lebhaften Träumen über Feuermeere und sternfunkelnden Himmel um 6 Uhr,

und um 1/2-7 zog ich nach kräftigem Frühstück mit meinem Führer dem

Krater zu.

Nach einer schroffen Niedersteigung langten wir um 3/4-7 an der Kante

des Lava-Sees an, welche 1150 Meter über dem Meeresspiegel, demnach 174

Meter tiefer als das Kraterhaus liegt.

Von hier ging es sofort springend über Spalten und Risse, über sich

rührende Schollen und fliessende Lavaströmungen.

Die erst heisse Unterlage wurde allmählich glühend, so dass mein Stab

zu brennen anfing und eine silberne Münze, die ich niederlegte, in

unglaublicher Geschwindigkeit geschmolzen war.

Nach zurückgelegten 4 englischen Meilen einer glühenden Fläche

erreichten wir in einer Stunde, d. h. um 3/4-8 die 1200 Meter über dem

Meeresspiegel liegende schwülstige Kante des wogenden Feuerbeckens.

Unter uns -- nicht tiefer als 25′ -- tobte sichtlich die unheimliche

Glühmasse, die, bald hoch sich hebend, ihre Umfassung vernichtend

beleckte, bald wüthend mit einstürzenden Theilen derselben in sich

selbst versank, um von Neuem aus sich selbst sofort wieder gewaltig

sich zu erheben.

Aus dieser unaufhörlich auf und nieder wogenden Tiefe entfaltet sich

eine derartige Hitze, dass man nur kurzweilig hineinblicken kann, um

die Farbe der glühenden Masse mit ihren sonderlichen Schattirungen

genauer zu betrachten.

Die Farbe derselben ist gleich der einer schäumenden Mischung von

Blut und Milch, in der hin und wieder sich dunkelbläuliche, in den

verschiedensten Farben schimmernde Durchzüge zeigen, die die Masse

gleich Adern langsam durchziehen und allmählich gleichwie auseinander

gehend, sich mit ihr vermischen.

Das beständige Donnern, Dröhnen, Schmatzen, Zischen, Lechzen, Stöhnen

und Keuchen der Tiefe, das oftmalige Erdröhnen, das höchstgewaltige

Erdbeben unserer Unterlage und dem folgend, das hastige Hinausspeien --

so dass oft Tropfen der Glühmasse zu unseren Füssen niederfielen, die

bald darauf als erkaltete Lava in den eigenthümlichsten Formen von uns

gesammelt werden konnten -- namentlich aber das oftmalige plötzliche

Einstürzen unserer unmittelbaren Grundumgebung erweckten unwillkürlich

ein grausiges Gefühl der Unsicherheit, aber auch zugleich dasjenige des

Erstaunens in uns.

Unwillkürlich fühlt man sich geneigt, bei dem Anblick dieses ernsten

Schauspieles der Natur gleich den Hawaii-Kanaken auszurufen: „Lúcu lúa

Péle a lohá,“ d. h.: „Vernichtendes Loch Péle, sei gegrüsst!“

Um 8 verliessen wir das mir unvergessliche Schauspiel und trotz

verkohltem Stabe, verkohlten Sohlen und gesengtem Haare gereute mich

der Gang nicht, der obgleich heiss und theilweise gefahrvoll, jedoch

unbeschwerlich und vom grössten Interesse war. Nirgends in der Welt ist

es möglich, unter den gleichen klimatischen Verhältnissen, so leichtem

Erreichen und in so unmittelbarer Nähe das glühende Centralelement in

seiner gewaltigsten Action beobachten zu können.

Um 1/2-10 war ich wieder unter dem Schutze der stets frischen,

luftigen Veranda, um mich mit Sodawasser und Brandy zu erquicken und

einige Gedanken der Erinnerung in das Fremdenbuch einzutragen.

Die Sicht des vor einem liegenden, tobenden Lavasees, seiner weit

im Umkreise dampfenden Umgebung -- dampfend aus dem See, aus dem

üppigen hohen Grase und aus der so mannigfaltigen Farrn-Vegetation der

links nach Hilo zu dicht bewaldeten Gegend -- rechts die Sicht der

unwirthlichen Abhänge des Maúna-Lóa mit seinen die gewaltige Macht des

verwüstenden vulkanischen Elementes klar beweisenden, wilddurchworfenen

oder schichtenweise gestapelten, oder in Flächen glatt gelagerten

Lavagebilden, die weit ausgebreitet und allmählich steigend in

unabsehbare Ferne sich entfalten: dies Alles begeistert und erhebt

unwillkürlich die Stimmung des Menschen zur Bewunderung der gewaltigen

Constellationen der Kräfte der Natur im Schaffen, Vernichten und im

Wiederschaffen durch das Vernichten.

Der Maúna-Lóa liegt im Centrum des südlichen Theiles der Insel Hawaii,

erhebt sich bis 13,430′ über den Meeresspiegel und ist mit seinen

zahlreichen Kratern der einzige noch thätige Vulkan der Insel. Seinen

Gipfel bildet ein Krater, dessen Umkreis 24 engl. Meilen beträgt

und dessen innere Böschungen eine Tiefe von 1270′ ergeben sollen.

Dieser Central-Krater ist beständig activ, jedoch soll derselbe laut

urältester Tradition nie über seine Oeffnung ausgetreten sein. Nur

starke Gase entsteigen ihm beständig und hin und wieder Aschenauswürfe.

Seine Eruptionen entfaltet er in gewaltigster Art aus den zahlreichen

tiefer liegenden Nebenkratern seiner Abhänge, unter denen der

bemerkenswertheste der vorhin beschriebene Kilauéa ist, der am

südlichen Abhange des Maúna-Lóa gelegen und in seiner Art einzig in der

Welt dasteht.

Der „Kilauéa“-Krater oder richtiger die „Kilauéa“-Lava-Krater haben

einen Umfang von 3,867,500 □ M. oder 3,_{8675} □ Kilometer halbwegs

verhärteter Oberfläche, durch oder über welche zahlreiche offene

Lavaströmungen schlängelnd sich wälzen. Diese ganze Oberfläche

befindet sich meist in einem elastischen, wellenförmigen sich

Heben und Senken, starke Spalten und hin und wieder bewegliche,

schollenartige Theile bildend, denen qualmend erstickende Gase

entsteigen.

Dieser Lavasee ist umgeben von einem fest zusammenhängenden wallartigen

Kranz, dessen steiler Abhang höchst unregelmässig in seiner Höhe

ist. Im N. N. O. erhebt sich derselbe bis circa 644′ über das Niveau

des Sees oder 4104′ über den Meeresspiegel, in S. S. W. bis circa

1000′ über den See oder 4470′ über den Meeresspiegel. Das Gebilde

des Kranzes besteht aus Lavageröll oder aus saigeren und frischen

Schlacken-Gebilden.

Im Lavasee befinden sich 6 Krateröffnungen, von welchen die grösste

~die~ ist, an deren Oeffnung wir die Möglichkeit fanden, auf

verhältnissmässig sicherer Unterlage einen Blick in die Tiefe des

vulkanischen Elementes zu werfen. Diese Oeffnung ist umgeben von

einem 150′ hohen Wall, den sogenannten Hále-maú-maú, (d. h. die

Palastgründe). Von diesem Wall wurden die gereinigten Knochen der

verstorbenen Könige und hohen Häuptlinge als Opfer der Göttin Péle in

den Abgrund des siedenden Kraterschlundes geworfen. Diese Krateröffnung

hat einen Umfang von 250,830 □ M., während die anderen 5 einen Umfang

von 4180 bis 4167 □ M. oder in Summa einen Umfang von 22,365 □ M.

haben, wonach der 3,867,500 □ M. umfassende ovale See -- der eine

durchschnittliche Länge von 2275 M. und eine durchschnittliche Breite

von 1700 M. hat -- circa aus 1/12 beweglicher und strömender Masse,

1/12 Krateröffnungen nebst ihrer festen, unmittelbaren Umgebung und

10/12 aus meist verhärteter, oft auf und nieder sich hebender, mit

vielen Rissen versehener Masse besteht.

Der grosse Kranz des Lavasees hat zahlreiche unterirdische Ausgänge.

Die Ausgänge sind reich an grottenartigen Lavaausbildungen, die

hin und wieder durch stattgefundene Versenkungen sichtbar sind und

durch welche die Ausströmungen in tiefere Gänge stattfinden. Aus

letzteren haben sich gebildet und bilden sich noch jetzt zahlreiche

vertikale Ausgänge in der entfernteren Umgebung des Lavasees,

welche zum Auslassen der gewaltig sich entwickelnden Gase dienen und

in denen man, gleich wie in den oberen Theilen der Kraterschlünde

bemerkenswerthe kubisch krystallisirte Gebilde von Schwefelarsenik- und

Alkalisulphat-Inkrustationen findet.

Der Kilauéa-Krater, Dank seinen zahlreichen Ausgängen, soll laut der

Tradition urältester Zeit nur einmal sein Niveau überschritten haben,

indem er namentlich seinen Wall in südlicher Richtung durchbrechend,

den Distrikt Puna verwüstete, bei Puhú-Kuhúluú die jetzt noch

bestehenden von Hilo 25 Meilen entfernten Schwefelquellen und bei

Kalohiá und Kopéla die sonderbar konischen Sandhügel bildete und sich

in das Meer wälzte. Seitdem haben Eruptionen des Kilauéa in den Jahren

1823, 1840, 1859 und 1868 stattgefunden.

Meine Absicht war, denselben Tag um 12 aufzubrechen, meinen Weg über

den südlichen Abhang des Maúna-Lóa zu nehmen und zur Nacht die Ranch

des Kapitän Walsh zu erreichen.

Meine Rechnung betrug:

für vier Mahlzeiten und Zimmer. 5 Dollar

Gerste für das Pferd 1 „

Führer zum Krater 1 „

-----------

Summa 7 Dollar.

Genau um 12 nach vortrefflichem „Lunch“, das heisst Gabelfrühstück

war ich im Sattel, und vorwärts ging es steigend, der hohen Kante

des Lavasees entlang und über meist hohl tönende Lavaplatten der

unterirdischen Grotten und Gänge, deren zahlreiche Spalten und

Oeffnungen gewaltiger Schwefelqualm entsprang. Links in Sicht des

eifrig unruhigen Kraters, dem wir uns allmählich näherten und dem wir

-- bald bedeutend höher -- oft prachtvoll in die Tiefe seines Schlundes

blicken konnten, führte der unwirthliche Weg.

Die Sicht des Kraters verlassend, schlugen wir eine vollständig

spurlose Richtung ein. Unser Ritt war bald abwärts, bald steigend,

bald über hohl tönende Lavaplatten oder durch wild durchwürfeltes

Lavageröll, über Spalten und Risse, durch Versenkungen und

eingestürzte Grotten, kurz gesagt, durch eine weglose, wüste, für Pferd

und Reiter höchst ermüdende Strecke. Man vernahm beständiges Donnern,

Rollen und Erdröhnen der Unterlage, und es zeigte sich gewaltiger

Schwefelqualm und fast unerträglicher Lavastaub, den der fast beständig

wirbelnde Wind im eiligen Hin und Her über die wüste Umgebung trieb.

Vor uns rechts erhob sich die Spitze des vom dichten Nebel umhüllten

Maúna-Lóa. Der Nebel nahm mir jede Möglichkeit, weiter hinaufzureiten,

da er bald uns dicht zu umhüllen begann.

Mit Ausgleiten, Stöhnen und Stolpern der Pferde ging es unter

oftmaligem Gebrauch der Sporen mühsam über die feuchten Platten,

Steine und Blöcke 8 sehr lang erscheinende englische Meilen. Dieser

wüsten Strecke folgte ein waldiges Terrain, d. h. eine vor langer Zeit

durch Lavaausströmungen niedergebrannte, stellenweise nur versengte

Waldstrecke, aus deren Stuppen sich üppiges Gestrüpp gebildet hatte.

Der sogenannte Weg wird etwas ebener und wegartiger, so dass wir

stellenweis traben und den hier üblichen Passgalopp versuchen konnten.

Wir erreichten, nach vom Kraterhause zurückgelegten 20 englischen

Meilen, um 5 Uhr Kapapála, die 700 M. über dem Meeresspiegel liegende

Ranch des Herrn Walsh, welche ein Herr Wabs verwaltet.

Unzähliges todtes Vieh oder Gerippe desselben bedeckten die Umgebung

und verpesteten die Luft.

Angelangt, erbat ich mir, da die Sonne nahe ihrem Untergang, ein

Nachtlager, welches mir jedoch abgeschlagen wurde, und war ich

demzufolge gezwungen, meinen Führer durch einen Zuschlag von 4 Dollar

zu überreden, mich über den Ort Kaiwa bis zur 6 Meilen von hier

entfernten Plantage Pohalla zu führen, die wir denn auch im festen

Galopp um 6 Uhr noch bei vollster Helle des westlichen Horizontes

erreichten.

Der liebenswürdige Besitzer der grossen Plantage Kapitän W. Welfong,

empfing mich gastfreundschaftlich und verschaffte mir sofort für den

folgenden Tag ein Pferd für 10 Dollar bis zum 18 englische Meilen

entfernten Orte Waiohino.

Ich entliess meinen Führer nebst Pferde, nach von Hilo zurückgelegten

60 englischen Meilen, mit 39 Dollar und einem Händedruck.

Den Abend verbrachte ich im confortablen „parlor-room“ nach

vortrefflichem Abendessen in angenehmer Unterhaltung mit den höchst

distinguirten Damen des Hauses bei musikalischen Vorträgen.

Den folgenden Morgen, den 6. August, erwachte ich gestärkt um 5

Uhr und nach einem vorzüglichen „breakfast“ d. h. Frühstück führte

mich Kapitain W. Welfong durch die Wirthschaftseinrichtungen seiner

Plantage, die neu, und im vollsten Entstehen sich befand.

Sehr praktische Cisternen und Fleischereien sind in grossen

Lavahöhlungen theilweise schon eingerichtet, theilweise im Bau

begriffen. Sie sind in jeder Beziehung eine auffallend günstige Nutzung

derselben.

Die Dürren der letzten Jahre hatten auch hier deprimirend gewirkt.

Alles war dürr und todt, doch scheint der unternehmende rastlose

Geist des Seemanns Sir Welfong den Muth zu erhalten, denn ungebeugt,

voll Lebensfrische, ungeachtet der Alles vernichtenden Dürre, der

verheerenden Seuche unter dem Vieh geht er tapfer in seinen giganten

Unternehmungen vorwärts, voll Hoffnung auf bessere Zeiten und die

günstigen Resultate seiner enormen Auslagen. Eine Wasserleitung z.

B., die er angelegt, hatte ihn 11,000 Dollar gekostet; er war gerade

im Begriff eine andere, noch kostspieligere anzulegen. Mir erscheint

es jedoch sehr fraglich, ob diese kostspieligen Wasserleitungen zur

Bewässerung der umfangreichen Felder der Zuckerrohrplantage genügend

sein werden, da der vulkanische, durchweg unterminirte Boden --

namentlich in dieser Gegend -- die Grundfeuchtigkeit so auffallend

rasch mit Beihilfe der hier fast beständig herrschenden trockenen Winde

verbraucht.

Eine Eisenbahn, die die erste des Königsreichs sein sollte, war von

hier zum Transport der Produkte der Plantage zur Bai von Panáluú in

Arbeit und auf 25,000 Dollar veranschlagt. Ich zweifle jedoch, dass

dieselbe für diesen Preis beendet und sich überhaupt rentiren wird,

da im Allgemeinen auf der Insel Hawaii, insbesondere in der Umgebung

dieser Plantage sehr wenig Holz noch vorhanden ist und die vorhandenen

Waldungen geschont werden müssen, wenn nicht die Insel vollständig

entholzt werden soll und ferner weil die Kohle, die hier im Lande erst

importirt werden muss, zu kostspielig wird.

Um 9 war ich im Sattel und trabte ohne Führer auf einem kleinen grauen,

sehr ermatteten Pferde dem 28 Meilen entfernten Waiohina zu. Meine

riesigen Sporen und eine gute Gerte mussten mir helfen, das Ziel zu

erreichen. Ganz auffallend hart scheint das Fell der hiesigen Pferde zu

sein. Man muss, um nur halbwegs sie in Bewegung zu erhalten, mit Gewalt

und zwar beständig spornen, was trotz der gebrauchten Gewalt das Thier

oftmals kaum spürt und mit der Zeit den Reiter sehr ermüdet. Ich möchte

gerne eines der fanatischen Mitglieder unserer Thierschutzvereine,

deren Princip ich vollständig, jedoch ohne zu übertreiben, beistimme,

auf dem Buckel eines solchen Pferdes und dem gleichsam mit Aepfeln

gepolsterten Sattel sehen und dessen Aeusserung vernehmen! Was würde

der sagen? „Oh! ich armes gequältes Thier, das ~ich~ bin!“ würde

er sicherlich ausrufen und seine Geduld mit Gaul und Sattel nähme bald

ein schrecklich Ende.

Mein Weg führte meist wieder über Lavageröll-Flächen, bald auf, bald

niedersteigend, bei lästig sengenden Sonnenstrahlen, dürrer Umgebung

und -- so weit das Auge blickt -- fast vegetationsloser Sicht.

Vor mir in weiter Ferne entfaltete sich der Ocean mit zwei Schoonern

unter vollen Segeln. Die Atmosphäre war dunstig und in einer dem

Inselreiche eigenthümlichen, sichtbar vibrirenden Bewegung.

Um 11 nach zurückgelegten 10 Meilen hielt ich im chinesischen

Kaffeesalon des Ortes Púnalún, der unmittelbar am Ocean gelegen ist.

In der Nähe dieses Ortes befindet sich ein kleiner See, der circa 500

Schritt vom Ufer entfernt, reich an Springquellen ist und -- ungeachtet

der Nähe des Oceans -- auffallend klares, vortreffliches Wasser

enthält. Die Scheidung zwischen Ocean und See bildet eine niedrige

Lava-Düne.

Púnalún war nach der 1869 stattgefundenen Eruption durch das vulkanisch

steigende Meer vollständig zerstört, wurde darauf theilweise wieder neu

erbaut und liegt nunmehr theilweise noch im Bau begriffen in einer seit

1869 trostlos verwüsteten Umgebung.

Um 1/2-12 ritt ich weiter, stets bei dürrer, vegetationsloser Sicht,

stellenweise durch oder über gigantisch, unbeschreiblich wild durch

einander geworfenes Lavageröll der 1869 stattgefundenen Eruption

bis Hanoápuu, einer ebenfalls 1869 verwüsteten Ortschaft. Von hier

bei beständig ansteigendem weglosen Terrain, ermüdet durch das

unausgesetzte Spornen meines matten Pferdes, erschlafft durch die

glühenden Strahlen der Sonne und den unerträglichen Staub der Lava

erreichte ich um 4 Uhr endlich Waiohino als -- halber Mohr.

Eine halbe Meile vor Waiohino passirte ich die Plantage gleichen

Namens, wo ich einen Makakau aufsuchte, der mein Pferd in Empfang

nehmen sollte. --

Die Mühle der Plantage liegt 250 M. und die Kirche des Ortes als

höchster Standpunkt desselben 350 Met. über dem Spiegel des Oceans.

In Waiohíno angelangt, suchte ich einen gewissen Herrn Meneke, der ein

Deutscher ist, hier ein Handlungsgeschäft hat und dem ich empfohlen

worden war, auf. Dank seiner Vermittlung fand ich, da hier kein

Gasthaus vorhanden, ein Zimmer, und wurde von ihm aufgefordert, weil

Waiohíno keine Restauration hatte, während meines hiesigen Aufenthaltes

bei ihm zu speisen.

Von der Plantage bis Waiohíno, schon kurz vor Beginn derselben, beginnt

die Gegend an Vegetation reicher und -- näher zur Stadt -- sogar eine

üppige zu werden.

Die Lage Waiohínos und ihrer unmittelbaren Umgebung ist -- obgleich

auf einer Höhe von 350 Met., eine tiefe zu nennen. Die Stadt Dank dem

sie umgebenden Gebirgskranze, gleichsam wie in denselben vertieft,

ist überaus reich an Grundfeuchtigkeit und im Schutze der Alles

verdörrenden Winde, wodurch ihr humusreicher Boden eine auffallend

üppige Vegetation entwickelt, die man der eines tropisch-botanischen

Gartens vergleichen kann.

Das Keimen und Wachsen der Pflanzen zeigen hier eine ganz

eigenthümliche Kraft, die ich nirgends in der Welt gefunden habe, so z.

B. 2-1/2jährige Bäume aus der Saat erzogen ergeben oft Stämmchen von 6

Zoll im Durchmesser; ein frischer Stab in die Erde gesteckt, wurzelt

und keimt; der Kohl steht perennirend baumartig mit Zweigen und daher

mit mehreren Kopfbildungen und wird stets ertragreich viele Jahre alt

u. s. w. Die Zuckerrohrfelder ziehen sich meist hoch bis an das Gebirge

hinauf, werden zwar nicht bewässert, doch stehen sie demungeachtet

üppig.

Meine Wohnung in dem Hause echter Kanaken war im Ganzen genommen eine

leidliche. Das von schattigen Bäumen umgebene, etwas düstere Haus

war verhältnissmässig gut erhalten. Mein Zimmer war geräumig, aber

leider die Behausung diverser Familien des Wanzengeschlechtes und

die der verschiedenartigsten sich emsig herumtreibenden, in Alles

hineindringenden Ameisen, sowie der Wandelraum zahlreicher kleiner

Eidechsen, die die von Alter und Staub dunkel gewordenen Wände

belebten. Meine Wirthsleute waren herzlich liebe Frauen und zugleich

recht hübsche Erscheinungen, die sich die grösste Mühe gaben, mir den

Aufenthalt so bequem als möglich zu machen, und offenherzig den Wunsch

aussprachen, mich recht lange zu beherbergen.

Den 7. August um 5 Uhr in der Früh durchwanderte ich die kleine

recht hübsche Stadt mit ihren circa 800 Einwohnern, die gleich ihrer

Plantage wenig Bemerkenswerthes hat, es sei denn ihre hügelige Lage,

die auffallende Ueppigkeit der Vegetation, die günstige, völlig sichere

Lage gegen die Wirkungen der vulkanischen Eruption, der Stillstand

der hiesigen Geschäfte und das im Allgemeinen im ganzen Inselreiche

herrschende dolce far niente der Bevölkerung.

Den Abend wanderte ich mit dem ungezogenen oder richtiger verzogenen

sechsjährigen Meneke jun. durch das üppige Zuckerrohr der Schluchten

und Abhänge des Gebirges bei oft prachtvollem Blicke auf den glänzenden

Ocean.

Das Zuckerrohr war im Verhältniss zur herrschenden Dürre des

Jahres auffallend üppig und lieferte den deutlichsten Beweis einer

reichhaltigen Bodenfeuchtigkeit.

Das auffallend kräftige Zuckerrohr wird hier von den Bergen hinab, wie

es eben stattfand, durch eine Rinnenwasserleitung mit auffallender

Geschwindigkeit von den entferntesten Feldern zur Mühle geschwemmt.

Den 8. August verbrachte ich den Morgen unter den Kanaken und um

9 durchritt ich die Plantage, die ein Muster der Ordnung und der

Ueppigkeit des Rohres war.

Den 9. August, nachdem ich den vorhergehenden Tag meine Zimmerrechnung

mit 3 Dollar für 3 Nächte bezahlt, mir ein Pferd für 1-1/2 Dollar,

um die 7 Meilen bis zum Hafenort Kaálualú zu machen, bestellt hatte,

verabschiedete ich mich von der liebenswürdigen Familie Meneke und ritt

um 7 Uhr ab. Mein Sattelgepäck hatte ich leider einer sehr unsichern

Fürsorge, nämlich dem Treiber eines zweiräderigen Ochsenkarrens in

der Hoffnung anvertraut, dass das Versprechen einer guten Belohnung

den indolenten Führer der 2 störrischen, weissen Ochsen des höchst

morschen Karrens bewegen würde, meine Sachen auf dem schlechten Wege

vor Beschädigung und namentlich vor Erdrückung zu hüten, eine Hoffnung,

die sich leider nicht erfüllte.

Ueber Lavaplatten, durch Lavageröll, bald auf, bald ab, bald im

Schritt, bald im Trab, bald im Galopp erreichte ich um 1/2-9 den

trostlos öde gelegenen Hafenort Kaálualú in Sicht des schon angelangten

Dampfers, der „Likelíke“, und, nachdem ich einem gewissen Kiaaïna mein

Pferd übergeben hatte, eilte ich mit meinem sehr zerdrückten Gepäck zum

Schiff. --

VII. Abtheilung.

Von Hawaii nach Honolulu.

Um 11 Uhr ging der Dampfer heftig schwankend ab und bald schwand die

Sicht des winzigen Kaálualú mit seinen drei Häusern, höchst zerfallener

Werft und seiner öden Umgebung. Um 1/2-3 hielten wir vor dem kleinen

Hafenort Hoopúlo, desgleichen umgeben von wüstem Lavageröll und, soweit

das Auge reicht, kaum bemerkbarer Vegetation. Nur unmittelbar um die

4 Häuser und die zahlreichen Grashütten herum, die den kleinen Ort

bilden, sowie am Landungsplatze erhebt sich, gleichwie aus der Wüste,

ein lieblicher Kokospalmen-Hain, in dessen Schatten zahlreiche Kanaken

malerisch in ihren rothen Hemden, die Frauen in bunten Jacken und

Röcken gruppirt sich zeigten.

Hoopúlo bildet die südlichste Spitze der Insel und liegt im Distrikt

Kâu, welcher durch die Eruption von 1868 verwüstet worden ist.

Um 4 verliessen wir den trotz wüstem Lavageröll doch durch den

Kokospalmen-Hain malerischen Ort. Bald ändert sich die Sicht der

Küste. Eine zarte grüne Übertünchung derselben nimmt allmählich zu.

Auf den vom Ufer aus sich erhöhenden Anhöhen sieht man seltener die so

schrecklich wüsten Spuren der Lavaausströmungen und am schmalen Saume

der Küste auf kleinen Anhöhen derselben zeigen sich öfters Ortschaften,

Kirchen und Häuser, die, meist weiss gestrichen, mit zierlich rothen

Dächern ein anmuthiges Bild entwerfen.

Von Wald, so weit das Auge schauen kann, ist keine Spur, nur hin und

wieder und zwar sehr selten zeigt sich krüppeliger, niedriger, lichter

Busch an den höchsten Höhen.

Um 1/2-6 Halt vor der imposant steilen Felsenküste Kâuílií. Das Wasser

ist hier bis zum Ufer unergründlich tief und die auffallend heftige

Brandung erschwert das Landen. In unmittelbarer Nähe des Kaps gleichen

Namens liegt der Ort Kapáa, der aus nur sehr wenigen kleinen Häusern

besteht und in einer unbeschreiblich sterilen Umgebung liegt.

In der steilen Felsenküste zeichnen sich deutlich die finsteren

Schattirungen zahlreicher Höhlen früherer Lavaausflüsse ab.

Um 3/4-6 bewegte sich unser Dampfer und wir zogen langsam der steilen,

schwarzen, an gewaltigen Rissen reichen Küste entlang.

Um 6-1/2 Uhr langten wir vor Hoókéna an, das flach aber reizend

gelegen und von üppigen Kokospalmen und niedrigem Walde umgeben

ist. Auf den die kleine Fläche umgebenden Höhen liegen malerisch

zerstreut zahlreiche kleine Häuser in Mitte bedeutender „tarro“- und

Bataten-Pflanzungen. Wir luden hier Pfeffer ein, den sogenannten „ava“

und hatten daher einen längeren Aufenthalt.

Zahlreiche kleine Kanos dieses, wie man sagt, wohlhabenden Fischerortes

umringen uns mit ihren auffallend gewandten Ruderern, die namentlich an

dieser Küste den Ruf geniessen, rudernd oder segelnd der wildesten See

zu widerstehen. Sie brachten uns zum Verkaufe Fische, Wassermelonen,

Ananas, Kokosnüsse und diverse Cactus-Früchte. Die Qualität der Früchte

war wässerig und nicht aromatisch.

Den Ort ziert eine unmittelbar am Ufer erbaute, schmucke, blendendweiss

gestrichene römisch-katholische Kirche. --

Um 1/2-7 war die Ladung beendet, und wir verliessen den hübschen Ort,

der als der wohlhabendste aller kleinen Orte, die ich bisher auf der

Insel Hawaii gesehen, wenigstens dem Scheine nach ist.

Um 1/4-8 Halt vor Kaáwalóa in der „Kéalakékua“-Bai. Es war leider

dunkel, daher nur in deutlicher Sicht der schmucke leuchtende Thurm,

der in Nähe der Stelle erbaut, wo Kapitän Cook den 14. Februar 1779

gefallen war.

Die Stelle ist durch ein Monument bezeichnet worden. Das Denkmal bildet

ein aus Stein gemauerter Obelisk, dessen Oberfläche mit Cementmörtel

beworfen und polirt ist. Die Höhe desselben beträgt 28′, die Basis

hat einen Umfang von 9 □′. Die Umgebung des Obelisken, 20 □-Yard

umfassend, ist durch 4 Kanonenläufe markirt, die mit Ketten verbunden

sind und in deren Raum eine Akazie und einige Kokospalmen wuchern.

Die Inschrift des Monumentes lautet übersetzt: „Zum Gedenken an den

grossen Weltumsegler, Kapitain der königl. Marine James Cook, der die

Inseln den 18. Januar a. D. 1778 entdeckte und an dieser Stelle den 14.

Februar a. D. 1779 gefallen ist.“ Dieses Monument ist ihm von einigen

seiner Landsleute im November 1874 errichtet worden.

Um 8 Uhr gings weiter bis Kailúa, im Distrikte Kóna gelegen, mit circa

200 Einwohnern; bis 1820 war es Residenz der Könige. Die Umgebung des

Ortes und zwar der grösste Theil des Küstenstriches ist im Besitz

Ihrer Hoheit der Ruth Keelíkolani, der Schwester der Könige Kamehámehá

IV. und V. Hier wurde unter König Kámehámehá III. 1854 die erste

Kaffeeplantage angelegt.

Nach Kailúa hielten wir in der Nacht vor Wâinanalií und um 1/2-6

Morgens den 10. August machten wir Halt vor Kowaihae in prachtvoller

Sicht des Kap Kiahóli mit seinen steilen Ufern und der glänzenden Sicht

des Huálalaï, der dritten Gebirgserhebung der Insel Hawaii.

Den lieblichen Ort mit seinen Kokosnuss-Hainen habe ich den 9. Juli

schon beschrieben, daher ich die weitere Erörterung desselben übergehe.

Kaum, dass wir um 9 den lieblichen kleinen Hafen verlassen hatten,

erhob sich plötzlich ein heftiger Wind, der bald zum Sturm ausartete,

und die See wurde wild.

Um 1/2-10 bei zunehmend unruhiger See machten wir Halt vor Mahukóna,

dem letzten Haltepunkt der Insel Hawaii und einem zu den bedeutendsten

Hafenorten des Inselreiches sich ausbildenden Ort.

Dieser Sturm ist der sogenannte „mumúkohú“, der „Wind von den Bergen“,

wegen dessen Vehemenz Kawaihae einen besonderen Ruf hat, da er

daselbst, wie man sagt, Steine heben soll. Während dieses Sturmes ist

die Landung hier höchst beschwerlich.

Die Umgebung von Mahukóna bildet ein wild durcheinander geworfenes

Lavageröll und ist daher wüst und vollständig vegetationslos.

Um 10 bei zunehmender Vehemenz des Sturmes durchzogen wir den

Hawaii-Mauí-Kanal der bergigen Küste der Insel Maui zu, und um 2 Uhr

hielten wir wieder im südlichsten Hafen derselben, dem schon erwähnten

Máhakéna mit seinem auffallenden Cactusflor.

Um 3 verliessen wir den unwirthlichen Ort bei wahrhaft wüthendem

Sturm und erreichten um 4 bei beständiger Sicht des trotz Sturm stets

glänzenden Haléakála die „Maalaéa“-Bai bei imposant unruhig wogender

See und pompös wirbelndem Sandsturme der Landenge von Kóla.

Um 5 nach empfangener Post verliessen wir die Bai und folgten der,

wenngleich wüsten, jedoch höchst imposanten Gebirgsküste von West-Maui

bis Lahaïna, wo wir um 1/2-7 eintrafen.

Lahaïna, wie schon früher erwähnt, liegt lang gestreckt auf einem

flachen Vorsprung des hier schmalen Saumes der Küste am Fusse

des wildzerrissenen Gebirges klein und schmal in Mitte üppiger

Baumpflanzungen, einen höchst malerischen Eindruck hervorrufend.

Ihre Umgebung bilden die Zuckerrohrfelder der sogenannten

„Pioneer“-Plantage des Mr. H. Torton, dessen schmucker Wohnsitz in

Mitte der Stadt gelegen ist.

Der Hafen ist ein ruhiger und sicherer und nächst Honolulu der

zweitgrösste.

Zur Zeit Kamehámehá III. war Lahaïna zeitweilig die Residenz des

Königs. Die Stadt zählt 10.000 Einwohner. Es befindet sich hier die im

Jahre 1831 eröffnete Normalschule, das sog. „Lahaïna“-Seminar, dessen

Cursus ein dreijähriger ist und in dem junge Leute sich auf Kosten des

Staates zu Lehrern ausbilden können. Die Anstalt nach gut bestandenem

Lehrerexamen verlassend, treten die jungen Leute sofort als Lehrer in

Funktion. Desgleichen die, die ebenfalls auf Kosten des Staates in der

Anstalt zum Seewesen, zu öffentlichen Arbeiten, zum Minenwesen etc. ihr

Examen absolvirt haben. Ein Spezialdiplom über das bestandene Examen,

über die Fähigkeit und die Aufführung wird den Entlassenen alsdann

ausgestellt.

Ausser dieser rein auf Kosten des Staates erhaltenen, vortrefflich

geleiteten Schule sind -- gleichwie auf allen Inseln so auch hier --

sogenannte Abendschulen etablirt, in welchen gegen eine sehr geringe

Beisteuer der Eltern die Kinder, die über die primäre Erziehung

schreiten wollen, die Möglichkeit finden, sich Kenntnisse zu erwerben,

um sich zum Eintritte in die Hochschule vorzubereiten.

Ausserdem giebt es sehr viele Privatschulen auf den Inseln, die mit

Hülfe verhältnissmässig verschiedener Subsidien des Staates sich

etablirt haben.

Lahaïna gegenüber liegt die wüste, steile Felseninsel Lanaï. Diese

Insel ist eine heilige. Der Glaube bestand in früherer Zeit, dass auf

dieser Insel der erste Gott der Hawaii-Kanaken entstanden sei. Es

sollen circa 16 „heiaus“ in Ruinen auf der Insel zu sehen sein, die mit

ihren „kua-hás“, d. h. dunkeln Opfersteinen recht viel Interesse bieten.

Diese Insel war es, auf der Kamehámehá I. seine Ruhestunden des Jahres

mit Fischen, Jagen und Kraftübungen verbrachte und zwar namentlich in

der Umgebung des „heiau“ von Kauúnalú, seines Lieblingstempels.

Sehr sehenswerth sind die am südlichen Ufer der Insel gelegenen,

sogenannten Nadeln von Honopú. Sie sind gleichsam von Menschenhand

geschaffen, säulenartige Riffe, die aus dem Wasser ragen, 80-120′ über

den Spiegel des Oceans sich erheben und eine Basis von je circa 40 □′

aufweisen.

Die Bevölkerung der Insel ergiebt gegenwärtig nur die Zahl von 214

Seelen, während zur Zeit Vancouvers Besuch dieselbe eine Bevölkerung

von 6000 Seelen besass, die sich mit Anbau von „tarro“, oder auch

„kálo“ genannt, zur Genüge ernähren konnten; die jetzige Bevölkerung

von 214 Seelen kann sich jedoch auf der augenblicklich dürren Insel

kaum erhalten.

Die einzige Vegetation der Insel soll die von Farren, Schachtelhalm

und Moos sein. Der Hauptbetrieb der Insel liegt in der Fischerei. Die

Maximalhöhe derselben beträgt 1600′. --

Um 1/2-8 lichteten wir die Anker und langsam umwendend mit weitem

Bogen verliessen wir den lieblichen, vor dem heftigen Sturme des

„Maui-Molokai“-Kanales vollständig geschützten Hafen und zogen wieder

quer über den stürmischen Kanal. Rechts zeichnet sich in der Ferne

die Insel Molokai, die ich nicht besuchen wollte, daher ich dieselbe

laut authentischer Mittheilungen eines mit mir reisenden, höchst

intelligenten Häuptlings oberflächlich wie folgt schildere:

Die Entfernung der Insel Molokai von Honolulu bis Kaúnakakaï, einem

Hafen an der südlichen Küste der Insel, beträgt circa 45 Seemeilen, und

die Entfernung von Pukoô, einem andern Hafen der Südküste der Insel,

bis Lahaïna beträgt 15 Seemeilen oder von Honolulu ab 60 Seemeilen.

Die Hauptbeschäftigung der Einwohner der Insel liegt im „tarro“-Anbau

und Fischfange. Die Bevölkerung wird auf 2581 Seelen geschätzt. Die

Vegetation derselben soll stellenweise, namentlich in den Thälern, wie

z. B. in dem von Haláwa, welches von einem steilen Gebirge umgeben ist,

reich an Wasserfällen und -- obgleich waldlos -- eine üppige sein.

Der Boden der Insel soll durchweg ein fruchtbarer und zu jeder Cultur

fähiger sein, was die ertragreiche Zuckerplantage Kalaaé des Herrn H.

W. Mayer beweist.

Wenn nur zur Bewässerung des Landes genügendes Wasser wäre, würde die

Insel genügenden Raum für mehrere Zuckerplantagen bieten, leider aber

nimmt in Folge der Vernichtung der Waldung und daher dürrer werdenden

Bodens, der natürlich mehr Feuchtigkeit verbraucht, das Wasser von Jahr

zu Jahr noch mehr ab.

Der grösste Theil der Insel gehört gegenwärtig der Schwester

der verstorbenen Könige Kamehámehá IV. und V., der Prinzessin

Ruth-Keelikoláni. Der Besitz bildet nämlich die ganze westliche Seite

der Insel. Es soll auf derselben ein Bestand von 14000 Schafen und

circa 3000 Stück Hornvieh sich befinden. Die Gegend charakterisiren

Wachteln und Fasanen, die Kamehámehá V. importirt und die sich

auffallend vermehren. --

Die Ansiedlungen der Aussätzigen des Inselreiches befinden sich am

nördlichen Ufer in Kalaú-papá. Dieser nördliche Theil ist nämlich nur

von der See aus zu betreten, da die Landseite von steilen, circa 2000′

hohen, fest zusammenhängenden Abhängen umgeben ist, über die nur ein

schmaler, höchst beschwerlicher Steig führen soll.

Eine Stelle dieses Ufers bildet ein von den benannten Abhängen

umgebenes Thal, und diese Stelle ist es, wo die erwähnten Ansiedlungen

erbaut worden sind und von welcher keiner der mit dieser schrecklichen

Krankheit behafteten Krüppel entfliehen kann.

Dieser unglücklichen Bewohner dieser Ansiedlungen sind gegenwärtig 806

an der Zahl, unter denen sich auch Europäer befinden. Sie beschäftigen

sich mit Ackerbau, so lange ihre Kräfte und ihr allmählig verwesender

Zustand es ihnen gestattet. Die Aufsicht über diese Ansiedlungen

hat ein Dr. Emersohn, der mit wahrer christlicher Liebe und

Selbstaufopferung sich der Unglücklichen oft mit glänzenden Resultaten

annimmt.

Da ich die Insel Molokai, ohne sie besucht zu haben, hiermit

beschrieben, so will ich auch die Insel Nihau, die der Insel Kauai

gegenüberliegt und die ich ebenfalls nicht besucht habe, in Kürze

schildern.

Die kleine Insel mit nur 177 Einwohnern, mit einer Maximal-Höhe ihres

Terrains von 800′, gehört einem Mr. F. Sinclair. Früher war dieselbe

verhältnissmässig stark bevölkert, vegetationsreich und höchst

ertragfähig. Augenblicklich ist der Betrieb derselben die Schafzucht

und zwar ein übertriebener, daher der Insel dasselbe Loos bevorsteht,

welchem Kahooláwe vollständig und Lanaï, nahezu zur Wüste werdend,

verfallen sind.

Traurig ist es, dass auch hier der Besitzer es aus purer Geldgier so

ganz vergisst, dass das beste Mittel zur Verwüstung einer an Wasser

armen Gegend nicht nur eine übertriebene Schafzucht wie hier, sondern

die Schafzucht im Allgemeinen ist, wenn der Besitzer nicht zugleich

an eine rationelle Cultur des Bodens, das Schaffen der erforderlichen

Feuchtigkeit und Beschattung des Bodens denkt.

Die finstere Nacht, das unaufhörliche Schwanken und Erdröhnen der alten

Likelíke, das krankhafte Schnaufen und Pusten ihrer defecten Maschine,

das Poltern ihrer Räder, die hermetisch geschlossenen Fenster machten

den Schlaf in der Kabine unmöglich, und ich streckte mich ermattet im

Salon auf eine Bank, die schmal und hart mir auch nur halbwegs einen

kurzen Schlaf gönnte.

Den 11. August um 5 Uhr waren wir glücklich bei herrlichem

Sonnenaufgang, schöner Beleuchtung der Insel Oahú im Hafen und bald vor

der Werfte von Honolúlu.

Angelangt, eilte ich nach Hause, fand aber Alles noch bei A. Singer

geschlossen und benutzte daher die Zeit, um in H. J. Nolte’s, an der

Ecke der „Nuuanú“- und „Queenstreet“ gelegenen geräumigen Kaffee- und

Billard-Salons, welche glücklicherweise schon geöffnet waren, mich mit

einem verhältnissmässig guten Kaffee zu laben, was eine unbeschreiblich

grosse Wohlthat nach der schlaflosen Nacht war.

Zeitschriften, die mir während der ganzen Zeit gefehlt hatten, nahmen

mich bis 8 Uhr angenehm in Anspruch, wonach ich heimkehrte und mein

Zimmer in bester Ordnung vorfand.

Meine Hauswirthin, liebenswürdig wie immer, machte mir strenge

Vorwürfe, den Morgen nicht Einlasses wegen gepoltert zu haben, doch

waren, glaube ich, die lieben Leute mir im Innersten dankbar, denn

man braucht hier im Lande namentlich eine ungestörte nächtliche Ruhe,

besonders meine so thätigen Wirthsleute, die ausser der die nächtliche

Arbeit erfordernden Bäckerei im Hause, noch ein kleines Handelsgeschäft

in der Maunakéa-Strasse haben und im höchsten Grade fleissig sind.

Im Hafen liegt die russische Fregatte, der „Kreiser“ unter Kommando des

Kapitains Nasimoff, den ich in San Francisco, als ich nach Honolúlú

abreiste, zuletzt und auf meiner letzten Reise um die Welt in Jokohama

(Japan) getroffen hatte. Er sollte nach Japan wieder abgehen, daher

wanderte ich zum Ufer, um die Abfahrt des schmucken heimathlichen

Schiffes zu sehen, welches ein reges Gefühl der Sehnsucht in mir

erweckte, mit ihm nach Japan zu ziehen, einem Lande, welches ich auf

meiner letzten Reise zu flüchtig besucht hatte und gern genauer kennen

lernen wollte.

VIII. Abtheilung.

Tendenz der Europäer. -- Charakterzüge der Hawaiier. -- Gebräuche und

Sitten derselben.

Wie schon früher erwähnt, machte ich auf dem Schiffe die Bekanntschaft

eines sehr gebildeten, adeligen Kanaken resp. eines Häuptlings, der mir

ausserordentlich interessante Mittheilungen über die Vergangenheit und

Gegenwart des Inselreiches, über die Sitten und Gebräuche seines Volkes

machte und die ich mit meinen persönlichen Eindrücken vereinigt hier

ausnützen will.

Die von dem edlen Manne mir gemachten Mittheilungen erweckten in

vielen Beziehungen trübe Gedanken über den Charakter der weissen Race

und bestätigten meine, auf meinen weiten Reisen um die Welt sich

entwickelnde Ueberzeugung, dass hier ebenfalls -- wo das Land weder

erobert, noch annectirt, sondern nur durch das hinterlistig dem Lande

aufgedrungene Protektorat der nordamerikanischen Staaten indirekt

unter dem Einflusse des anglo-sächsischen Systemes sich befindet --

die Abnahme der Urbevölkerung begünstigt und das Ueberwuchern des

ausländischen, meist habsüchtigen Elementes hervorgerufen wird. Hier

zeigt sich gleich wie überall, wo ich die Folgen der fieberhaft

aufgeregten, so gewaltig wirkenden Kraft der weissen Race in den weiten

Landstrichen fremder oder richtiger gesagt fremdfarbiger Nationalitäten

-- der Tropen namentlich -- beobachtet hatte, stets als Resultat „die

Vernichtung“ als die natürliche Folge eines der Urbevölkerung nur

Nachtheil bringenden, selbstsüchtigen hyppokritischen Systemes.

Der sogenannte civilisatorische Einmarsch der weissen Race in die

Gebiete sogenannter Barbaren fand gewöhnlich und findet gewöhnlich noch

unter dem Deckmantel der christlichen Religion statt, d. h. Missionäre

verschiedener Confessionen bilden den Vormarsch. Unter dem christlichen

Banner der Liebe, der Gerechtigkeit, der Treue, der Eintracht, des

Glaubens und der Hoffnung als Grundbasis der christlichen Religion

ziehen sie ein, doch nehmen sie leider zu oft hinüber den fanatischen,

so giftigen Hass verschiedener Confessionen und der so zahlreichen

protestantischen Sekten gegen einander mit und erwecken durch diesen

Hass, da er im Widerspruche zu ihrer Lehre der Nächstenliebe steht,

erst das Misstrauen und dann allmählig die Verachtung der vorgefundenen

Urbevölkerung. Um rascher Proselyten zu machen und um einen Vorsprung

in den Resultaten gegenüber den andern Confessionen und Sekten zu

erlangen, mischen sie oft -- um die Leute rascher zu verlocken und

den Uebergang ihnen leichter und fassbarer zu machen -- Prinzipien

der vorgefundenen religiösen oder religionsartigen Gebräuche der

Urbevölkerung mit den Prinzipien der resp. christlichen Confession oder

Sekte. Oft entwickelt sich zwischen den verschiedenen Confessionen

und Sekten, den oftmals durch Versprechungen oder durch irdische

Vortheile zur Bekehrung Verlockten und den standhaft ihren Traditionen

treu Gebliebenen Hass und Zwietracht, und hieraus entsteht wiederum

in der Masse der Bekehrten eine rein geistig-religiöse abergläubische

Ueberspannung oder aber meistens eine vollständige Demoralisation

anstatt Christenthum.

Wenn nun der noch unbekehrt gebliebene Kern einer solchen, von den

Missionären bearbeiteten Nation aus Liebe zu ihrem Vaterland oder

zu ihrer Freiheit, oder aus Verzweiflung sich mit Gewalt von dem

unruhigen Treiben des sie aus allen ihren traditionellen, ererbten

Gewohnheiten, Gebräuchen und früheren inneren Zufriedenheit und Ruhe

reissenden Einflusses zu befreien sich entschlossen und die Ursache

dieses Einflusses durch die Verjagung der Missionäre aus ihrem Lande

oder durch Ermordung derselben zu beseitigen gesucht hatte -- ja

dann erhob sich und erhebt sich noch in derartigen Fällen suppressio

veri der mächtige Grossstaat, zu dem die betreffenden verjagten oder

ermordeten Missionäre gehörten, um die alsdann ~als „Rebellen“

Bezeichneten~ zu züchtigen und Genugthuung von dem geistig

geknechteten, gewöhnlich naiv arglosen Volke zu fordern. Mit Feuer,

Pulver, Blei, des Dampfes mächtiger Kraft und allen den so gewaltig

vorgeschrittenen Erfindungen der Massenmord-Instrumente unserer stets

Frieden predigenden Civilisation beginnen sie einen Vernichtungskampf

gegen die meist nur mit Keulen, Pfeilen, Speeren und Schleudersteinen

Bewaffneten und treiben verheerend, plündernd, mordend die unglückliche

schwache Bevölkerung in das Innere des Landes.

Dem folgt durch die glorreichen Sieger zur Sicherstellung dieser

Action ironisch die Besatzung des Küstenlandes, bis Ruhe wieder

unter den sogenannten Rebellen entsteht. Dieser Sicherstellung folgt

jedoch gewöhnlich eine eigenmächtige Annexion, dieser wiederum zur

Verbreitung der Civilisation die Kolonisation, und gleichwie das

Scheidewasser frisst sich die monopolisirende Besatzung des anfangs

begrenzten Areales allmählig tiefer in das Innere des Landes, indem sie

die Ureingeborenen erbarmungslos gleich Vogelfreien mehr und mehr in

die unwirthlichsten Strecken des Binnenlandes treibt und sie der oft

haarsträubendsten Hartherzigkeit der eingeführten oder eingezogenen

Colonisten preisgiebt. Diese bestehen meist aus Verbrechern, aus

unmoralischen Abenteurern, selbstsüchtigen, gewissenslosen Spekulanten,

fanatisch exaltirten Menschenbeglückern oder Reformatoren und einer

Schaar nirgends zufriedener Geisteskinder, die nichts zu verlieren,

sondern nur zu gewinnen haben und die ohne viele Mühe rasch reich

werden wollen.

Gerechtigkeit und Nächstenliebe findet der Ureingeborene „nicht“, statt

dessen aber „Verachtung und Hass“ bei den habsüchtigen Eingedrungenen,

und die Verzweiflung, Muthlosigkeit und endlich die Depravation folgen

den Entbehrungen des unglücklichen, verzweifelnden Volkes und wirken

natürlich gewaltig auf das abnorme Aussterben und Schwinden desselben.

Hierzu kommt noch, und zwar gewaltig wirkend, die Einführung

fremdartiger Sitten, Gebräuche und Laster der meist leidenschaftlichen

Einwanderer, nebst der dem Lande und seiner rechtmässigen Bevölkerung

fremdartigen Cultur der Eindringlinge.

Das jungfräuliche, noch im Urzustande befindliche Land wird sofort

mit und durch Dampf in fieberhafter Uebereilung zum Nutzen des Landes

der gewissenlosen Abenteurer und habsüchtigen Spekulanten ohne

Rücksicht auf Vortheil und Nutzen des Landes und seiner „rechtmässigen

Bevölkerung“ durchzogen, durchwühlt, ausgesogen und in facto radikal

verdorben, was die Veränderung der klimatischen Verhältnisse der

meisten Colonien zur Genüge beweisen.

Dieses ist die Methode und dieses die Folge des Colonisationssystems

namentlich der anglo-sächsischen Race, wie es die vereinigten Staaten

von Nord-Amerika, ein Theil Westindiens, Neuseeland, Australien,

Tasmanien und sogar in gewisser Beziehung das früher so reiche

Ost-Indien beweisen, wo die Urbevölkerung, wie z. B. in Tasmanien

vollständig bis auf den letzten Mann ausgerottet, in Australien und

in den Vereinigten Staaten nahezu vernichtet und in Westindien und

Neuseeland im Schwinden begriffen ist. In Ostindien, da es keine

Colonie ist, hat in Folge der Uebervölkerung das anglo-sächsische

System nicht dieselbe Wirkung erzeugen können; es zeigt sich aber

demungeachtet die Wirkung im allgemeinen Verarmen der Bevölkerung,

in der planlosen Devastation des Landes und der Veränderung der

Ertragfähigkeit des Bodens. Sehr verschieden hiervon zeigen sich die

Folgen der Colonisation der Spanier, Holländer, Portugiesen, Russen und

sogar Franzosen, wo die Urbevölkerung anstatt vernichtet, erhalten

worden ist; anstatt auszusterben, hat die Zahl derselben zugenommen. --

Da der Fortschritt der Eindringlinge ein mehr allmählich progressiver

im eroberten Lande war und die Interessen der Urbevölkerung durch

ein engeres Beisammenleben mit denjenigen der Eroberer oder

Colonisatoren mehr und mehr verschmolzen, hatten sich die Eingeborenen

verhältnissmässig rasch civilisirt.

Dieses günstige Resultat -- ob mit oder ohne Willen der Colonisatoren

-- zeigt sich trotz allen daselbst vorgekommenen und noch beständig

vorkommenden Guerilla-Kriegen und -Grausamkeiten deutlich in der

Zunahme der Urbevölkerung sowohl als auch der Mischlinge in Central-

und Süd-Amerika, im spanischen, portugiesischen und französischen

Westindien, sowie in den kleinen Colonien genannter Nationen in

Ostindien, Algier und in St. Mauritius, letzteres, als es noch

französisch war. So spöttisch auch die in ihrem Colonisationstalente

bisher dem Scheine nach einen so erhabenen Ruf geniessende

anglosächsische Race über die so langsamen Resultate der Kolonisatoren

anderer Racen und das Unverständniss derselben critisirt, so haben

letztere jedoch oft, bewusst oder unbewusst, das wichtigste Resultat

der Kolonisation erreicht, indem dieselben nämlich während der so

langen Zeit ihrer Dominion der resp. Landstriche die Urbevölkerung,

d. h. „den Menschen“ anstatt vernichtet, gehoben und das Land anstatt

devastirt, und zwar ohne dessen Charakter zu verändern, einem wenn auch

langsamen, so doch natürlichen Fortschritte entgegengeführt haben.

Freilich haben diese Nationen weniger materiellen Gewinn aus dem Lande

gezogen, sie haben aber den unberechenbaren Gewinn erlangt -- bewusst

oder unbewusst -- den Menschen zu erhalten.

Nicht dasselbe hat die über Alles erhaben sich dünkende anglosächsische

Race erreicht; sie hat im Gegentheil unter scheinbarem Glanze ihrer

auf Glasfundament erbauten Metropolen und Städte ihrer Kolonien

die Urbevölkerung theilweise vollständig vernichtet, theilweise

dem Aussterben überlassen, das Land derselben zum Entstehen der

Scheinpaläste der Metropolen davastirt, ausgesogen und verwüstet, so

zu sagen, die charakteristische, natürliche Lebenskraft demselben

für ~ihren~ momentanen Ruf oder Vortheil genommen; sie hat es

vollständig übersehen, dass das wichtigste Resultat einer Dominion die

„Erhaltung“ ist, d. h. die Erhaltung des Menschen vor Allem und die

Erhaltung der dem Lande zu seinem kraftvollen Bestehen erforderlichen

natürlichen, der Zone charakteristischen Vegetation.

Trotz den in Britannien so zahlreichen, an und für sich sehr löblichen,

philanthropischen Vereinen „Peace Society“, „Aborigines-Protection

Society“, „Antislavery Society“, „Antivivisection Society“ u. s. w.,

die meist grossen Lärm schlagen, gute Geschäfte machen, gemüthliche

Zusammenkünfte „[meetings]“ halten, jedoch entsetzlich wenig für

die ~Hauptsache~ ausrichten und oft als Deckmantel von den

Anti-Protectionisten zu ihren dunklen Thaten benutzt werden, liegt

das Hauptprincip dieser Kolonisatoren im habsüchtigen, raschen

Gelderwerb mit dem bei ihnen zur Ueberzeugung gewordenen Gefühle,

dass alle Regionen der Welt zu ihrer Disposition stehen, und dass

nach vollendetem Verwüsten, Aussaugen, Ermatten der einen Region

eine frische sich wiederfinden muss, um das Werk der Vernichtung mit

Hülfe des auf der verlassenen Region erworbenen Reichthums wieder

fortzusetzen.

Dieses Prinzip ist die Ursache, die sie unwillkürlich zwingt, Alles zu

beseitigen, was in irgend welcher Weise sich hemmend ihren Gelüsten

entgegenstellt, Alles dem eroberten Lande zu rauben, und unter dem

Scheinglanze eines vergänglichen, nur momentanen Wohlstandes die

Vernichtung des Landes und seiner Urnation zu vollziehen.

Der Kolonisator im Allgemeinen müsste bedenken:

1) Dass „Erobern“ und „gewaltsam Berauben“ eigentlich im richtigen

Sinne genommen, ein und dasselbe bedeutet; Dass der Eroberer,

gleichwie der gewaltsame Mensch gewöhnlich verhasst ist und dass

-- obgleich es freilich wahr ist, dass kein Staat einen grossen

Reichthum oder namhaften Vortheil ohne Ungerechtigkeit auszuüben,

erwerben kann -- es oft fraglich bleibt, ob der auf Kosten Anderer

errungene grosse Reichthum oder Vortheil dem resp. Staate ein

wirklich nützlicher wird und ob der Vortheil dem Staate oder der

erobernden Nation für den durch diese Eroberung entstandenen Hass

ein genügendes Aequivalent bietet? Laut der Ueberlieferungen der

Geschichte über derartige Fälle glaube ich nicht an ein Aequivalent

für solche Eroberungen.

2) Dass „politisches Handeln“ und „gewandter Betrug“ im richtigsten

Sinne genommen eigentlich ein und dasselbe bedeutet und dass beide

ein nie und nimmer zu beseitigendes Misstrauen erwecken.

Gleichwie bei dem achtbaren Manne unter seinen Mitbürgern eine

geachtete, allgemeines Vertrauen einflössende Stellung das

Haupterforderniss ist: so bedingt ein Staat oder eine ganze Nation

unter Staaten oder Nationen zur Entwicklung einer Thätigkeit für

das allgemeine Wohl die Erhaltung der Menschen!

Freilich giebt es leider keinen Staat oder Nation mehr, wo

nicht Eifersucht gegen andere Staaten oder Nationen bestände;

doch darf das Allgemeine dieses Uebels in keiner Weise eine

Entschuldigung werden, da bekanntlich so oft die Folgen dieser

Eifersucht sich durch Störung und Hemmung der dem Lande zu seiner

natürlichen Entwicklung so erforderlichen commerziellen Geschäfte

und Unternehmungen, sowie durch kostspielige Armirungen und

beunruhigende Zeiten als gründlich schädlich erwiesen haben und

trotz aller glanzvollen Hallucinationen einer gewissen Klasse

Menschen sich auch ferner noch als schädlich stets erweisen werden.

3) Dass ein weiser Staat resp. eine weise Nation sich nie ein

eigenmächtiges Attentat -- weder im Grossen noch im Kleinen --

auf das Eigenthum oder die legale Freiheit Anderer erlauben

darf und dass, im Falle ein Staat oder eine Nation es thut oder

durch Verhältnisse dazu gezwungen wird, vom erobernden Theil die

vorgefundenen Sitten, Gebräuche und Religion der Eingeborenen

geachtet und beachtet werden, gemäss letzterer das eroberte Land

regieren und dasselbe allmählig, wenn es erforderlich erscheint,

auf natürlichem Wege entwickeln und reformiren soll.

Der Eroberer braucht ja nicht das Knie vor dem Gotte oder den Göttern

des Landes zu beugen; er soll aber die vollste Toleranz und die

gebührende Achtung den vorgefundenen Religionen und Gebräuchen des

Landes -- und wenn dieselben ihm noch so falsch und abergläubisch

erscheinen -- erweisen; er möge den Gebräuchen der Eingeborenen eine

gleiche Achtung gönnen als wie er solche für die seinigen fordert.

Die Toleranz und Achtung ihrer Religionen und Gebräuche wird dem

Eingebornen die Unterjochung leichter ertragen helfen, ihm seine

moralische Kraft erhalten; den Eindringling als Einwanderer oder

Kolonist wird dieselbe rascher naturalisiren und namentlich den

gegenseitigen Hass, die gegenseitige Verachtung rascher im Keime

ersticken. Hass und Verachtung, die so oft die Unterjochten bis in

das Tiefste ihrer heiligsten Gefühle verletzten, haben dieselben zu

Rebellionen und wahren Menschenschlächtereien gereizt, was durch so

viele Fälle der Geschichte erwiesen und sich so lange noch erweisen

wird, als Egoismus, blinde Hartherzigkeit, Eigendünkel und Missachtung

der vorgefundenen Gebräuche und Sitten und namentlich die religiöse

Intoleranz die Eroberer, resp. die dominirenden Nationen leitet.

Die legitimen Mittel, um gewaltsam Unterworfenen gerecht zu werden

und dieselben an sich zu ziehen, liegen in der toleranten Milde und

Gerechtigkeit, im unverletzlichen Einhalten einmal geschlossener

Verträge und gegebener Versprechungen, in einer gemässigten Gewinnsucht

der Eindringlinge und in dem energischen Streben des dominirenden

Staates (resp. der dominirenden Nation), das eroberte oder annectirte

Land vor Devastation und die unterjochten resp. rechtmässigen Besitzer

vor Unterschätzung und Missachtung von Seiten der Eindringlinge zu

hüten.

Da das Königreich von Hawaii glücklicher Weise von colonisatorischem

Joche und von einer Annexion -- freilich, wie es mein geschichtlicher

Theil des Inselreiches erweist, mit vielen Schwierigkeiten --

sich soweit befreit hat, dass es seine eigene Regierung, seine

Selbstständigkeit und sogar die Möglichkeit der Abschüttelung des

fremden Einflusses errungen hat, leidet es in dieser Beziehung

nur durch den indirekten Einfluss des amerikanischen Protektorats

resp. indirekt durch die aussaugende Tendenz des anglosächsischen

Kolonisations-Prinzips und sein eigennütziges, dem Lande schädliches

Hantiren des Kapitalisten und Kapitales.

Das Vorgehende berücksichtigend fühlte ich mich -- und zwar als Warnung

zugleich -- veranlasst, das eigentlich nur die Kolonien Betreffende

auch hier zu erwähnen.

Zur Zeit des Capitän Cook 1779 soll von ihm, wie schon früher erwähnt,

die Zahl der damaligen Bevölkerung der Inselgruppe von 300,000-400,000

geschätzt worden sein. Diese Zahl soll aller Wahrscheinlichkeit nach

eine irrthümliche gewesen sein, da bekanntlich die Inseln von Cook

nicht bereist worden sind und daher er die Bevölkerung nur nach den

sich an den Ufern Ansammelnden taxiren konnte, jenen Ansammlungen, die

erstens durch die Neugierde seiner Landung wegen und zweitens durch

die im Allgemeinen stärker bewohnte Küste hervorgerufen waren. Mein

liebenswürdiger Mitpassagier auf der „Likelike“ glaubte für 1779 die

Zahl der gesammten Bevölkerung auf ein Maximum von 250,000 feststellen

zu dürfen. Demnach wäre, da der Census von 1872 die Bevölkerung

der Eingeborenen, die Mischlinge eingeschlossen, auf nur 51,531

feststellte, seit 1779 ein Deficit von 248,000 Seelen, wenn wir auf die

Angabe pro 1779 auf 300,000 Seelen fussen.

Es ist glaublich und zu hoffen, dass die Abnahme sich allmählig

vermindern oder ganz heben wird, da die Regierung seit 1823 die

nöthigen Massregeln zu treffen sucht, die vielfältigen Ursachen der

abnormen Sterblichkeit zu beseitigen.

Besonders günstig wirken die Errichtung von Hospitälern, das Reinhalten

der Strassen und Häuser, die Berufung tüchtiger europäischer Aerzte

in das Land, die Ausbildung einheimischer Aerzte an europäischen

Universitäten und das Verdrängen der bisher so schädlich wirkenden

Kahúnas, d. h. der Zauberärzte.

Die Hauptursache dieser abnormen Sterblichkeit, abgesehen von den

verheerenden Kriegen Kamehámehás I., sind zu finden:

1. „In der venerischen Vergiftung des Blutes, Gift, das ihnen die

unsittlichen europäischen Walfischfahrer beigebracht und, da keine

andere ärztliche Hilfe als nur die der mystischen „Kahunas“ ihnen

damals zu Gebote stand, nicht beseitigt wurde und daher ins Blut

übergegangen war und ein erbliches Übel entwickelt hat, wie es der so

ansteckende Hawaii’sche Aussatz genügend beweist, der oft plötzlich bei

Vielen scheinbar ohne Ursache erscheint.

Auf der Insel Molokai, wohin alle von dieser Krankheit

Befallenen sofort exportirt werden, kann man diese schreckliche

national-chronische Seuche genügend beobachten.

Bis vor Kurzem war und ist noch bis auf die Jetztzeit im Volke die

Überzeugung der Unheilbarkeit dieser Seuche derart eingewurzelt,

dass eine von derselben behaftete Person, ohne Hülfe zu suchen, ohne

selbst viel zu klagen, mit stoischer Ruhe die endliche Erlösung von

der allmähligen Verwesung seines Körpers erwartet und nur durch Zwang

sich einer Behandlung unterwirft. Das Auffallendste ist aber, dass

Nichtbehaftete keine Scheu vor den Kranken zeigen. Sie wohnen mit

ihnen, berühren dieselben und speisen mit ihnen aus einem und demselben

Topfe mit vollster Überzeugung, dass sie dem Übel nicht entrinnen

können, wenn sie demselben zu verfallen bestimmt sind. Dieses ist die

Folge eines Aberglaubens, der aller Wahrscheinlichkeit nach ihnen durch

die „Kahunas“ zur Bemäntelung ihrer Unfähigkeit, eine heilende Hilfe zu

verschaffen, beigebracht und mit der Zeit traditionell geworden ist.

In neuerer Zeit haben sich hin und wieder durch ärztliche Behandlung --

wenn auch nicht Heilungen, so doch -- Vernarbungen der Wunden gezeigt,

und es beginnt in Folge dessen obiger Aberglaube zu schwinden, und es

steigert sich sichtbar der Muth, die Hoffnung und das Selbstvertrauen

der armen Leute.

Die grösste Schwierigkeit zur vollständigen Beseitigung des Übels

liegt darin tüchtige Ärzte zu finden, die sich selbst aufopfernd aus

Liebe zur Wissenschaft und aus Nächstenliebe constant der Behandlung

und Pflege der Unglücklichen in ihrem Exile auf der kleinen Insel

widmen wollen; denn nur durch eine richtige, constante und sorgfältige

Behandlung ist ein radikales Mittel zur Heilung und Vorbeugung gegen

das Übel bei Gesunden zu finden.

2. Im frühzeitigen Sterben der Kinder durch auffallende, bis jetzt noch

bemerkbare, fast unglaubliche Fahrlässigkeit der Mütter.

Die Ernährung der Kinder an der Brust als auch nach deren Entwöhnung

ist eine sorglose, unregelmässige und schädliche. Je nach der

Bequemlichkeit der Mutter wird dem Kinde bald die Brust, bald Kuhmilch

und zwar oft im ungesundesten, säuerlichsten Zustande verabfolgt. Die

Gleichgültigkeit der Mutter geht oft so weit, dass sie nicht einmal zur

richtigen Zeit dem Kinde die Milch verabfolgt, sondern wie es gerade

sich trifft.

Oft füttert sie das Kind statt mit Milch mit „poi“ oder andern schwer

verdaulichen Stoffen oder überlässt die Pflege desselben Anverwandten,

die sich dabei gewöhnlich nicht viel sorgsamer benehmen; demzufolge

natürlich beginnt das Kind zu kränkeln, die Mutter erschrickt über die

Folgen der unregelmässigen Ernährung, gibt dem Kinde die Brust mit

oft säuerlich verstockter Milch, wodurch das Kind radikal zu Grunde

gerichtet wird.

3. In dem zu jugendlichen Beischlafe der Geschlechter.

4. In der sehr verbreiteten Sitte der Polyandrie, gegen die die jetzige

Regierung streng auftritt.

5. In der Sucht nach Sorglosigkeit, durch das im Lande sehr verbreitete

Foeticidium.

6. Durch die im Blute der Mutter sich vererbten venerischen Gifte

entstandenen foetalen Krankheiten.

7. Im zu jugendlich begonnenen und zu übertriebenen Reiten des

weiblichen Geschlechtes, namentlich, da dieselben am liebsten in

männlicher Positur zu Pferde sitzen und ein hastiges Tempo lieben,

wodurch sich die Frucht leicht verliert. Es sollen Fälle aufzuweisen

sein, wo Frauen das Reiten als Mittel zur Vernichtung derselben benutzt

haben, um keine Kinder zu gebären.“

Gegen diese benannten Ursachen schreitet die jetzige Regierung

consequent vor, und es ist mit Sicherheit zu erwarten, dass in kurzer

Zeit dieselben wenn auch nicht vollständig gehoben, so doch bedeutend

vermindert sein werden.

Sonderbar ist es, wie sammt der auffallenden Gutmüthigkeit und

der Intelligenz der Hawaii-Kanaken diese Race so bemerkenswerth

wenig Anhänglichkeit für ihre Kinder zeigte. Es lässt sich diese

Indifferenz nur durch die uralte Sitte dieser Race, die Kinder zu

abergläubisch-religiösen Zwecken zu benutzen oder benutzen zu lassen,

erklären, indem die armen Wesen jeden Augenblick gewärtig sein mussten,

als Opfer des Aberglaubens, des schrecklichen „tabú“, je nach der

Willkür der Häuptlinge und Priester den Göttern geopfert zu werden.

Durch diesen erbarmungs- und schutzlosen Stand der Kinder verlor

natürlich die Mutter allmählig das Gefühl des Besitzrechtes und

demzufolge auch das natürliche Pflichtgefühl der Fürsorge und der

mütterlichen Liebe. Das Kind wurde ihnen ein Element der Sorge und

Last, ein Object des Kummers, ein Gegenstand, der je nach Willkür gegen

ein fragliches Aequivalent der Vergütung im Jenseits zu jeder Zeit als

Opfer für die Götter genommen werden konnte.

Hieraus wird die Aversion der Frauen gegen die Kindererzeugung, die

Gefühllosigkeit oder besser gesagt Gleichgültigkeit der Mütter gegen

ihre Kinder und die Depravation der Frauen begreiflich.

Ohne physische Fürsorge, ohne moralische Belehrung und Leitung, ohne

gefühlvolle Umgebung im Elternhause wuchs das Kind in eine unbestimmte,

hoffnungslose Zukunft, quasi von Tag zu Tag vegetirend hinein. Seine

Freuden lagen nur und zwar in ausschweifendster Art in der Befriedigung

seiner physischen Gelüste, in leidenschaftlichen Spielen und Tänzen,

wie es bei vernachlässigten, hoffnungslosen, vogelfreien, geknechteten

und namentlich abergläubischen Wesen im Allgemeinen der Fall ist. Daher

zeigte sich allen Besuchern der Inseln in früherer Zeit der Charakter

der Nation, dessen Keim ein überaus guter war, als schüchtern,

niederträchtig, falsch und lügnerisch, was sich klar durch die Nation

der Jetztzeit, die glanzvollen Resultate ihrer kurzen Entwicklung von

1825 bis jetzt so gründlich bewiesen hat.

Befreit vom Zwange ihres Aberglaubens, geleitet durch eine, den

Eigenthümlichkeiten der Nation weise angepasste, constitutionelle

Regierungsverfassung, hat es diese Nation und haben es ihre tüchtigen

Leiter verstanden, im Verlaufe von nur 58 Jahren sich aus dem Joche

des gewaltigsten Barbarismus des Heidenthums durch sich selbst auf die

bewunderungswürdige Stufe politischer und moralischer Prinzipien der

hervorragendsten christlichen Staaten der Civilisation zu erheben.

Das Volk des Inselreiches von heute athmet frei unter dem Schutze

weiser Gesetze und blickt mit stolzer Hoffnung für sich und seine

Kinder in die Zukunft. Es werden nicht mehr den Müttern ihre Kinder

zu mythischen Zwecken entzogen; die Mühe der Pflege, die Erziehung

derselben wird den Eltern nicht mehr nutzlos; die Kinder gehören ihnen,

und sie erziehen sich durch dieselben feste Stützen ihres Alters.

Die Wirkung dieser Ueberzeugung zeigt sich schon jetzt im Familienleben

der Hawaii-Kanaken von heute durch mehr Liebe, mehr Anhänglichkeit,

regeres Interesse und festere Bande der Familienglieder, und wird diese

Wirkung in der neueren Generation unzweifelhaft noch mehr zunehmen, da

bei derselben der moralische Druck der alten mythischen Gebräuche ihrer

Nation ihnen nur traditionell als Legende, nicht aber als eine erlebte

Wirklichkeit bekannt sein wird.

Noch findet man deutlich im Charakter der Nation, abgesehen von dem

bei ihnen so auffallend raschen Wechsel vom Kummer zur Freude und

viceversa, in beiden Fällen eine seltsame Tendenz zur Melancholie.

In früheren Zeiten soll der Charakter derselben noch auffälliger im

raschen Wechsel der Gemüthsstimmung gewesen sein. Der Ausdruck von

Freude oder Sorge hielt nur kurzweilig an. Thränen folgte helles

Lachen, dem Lachen Thränen, fast eins in das andere verschmelzend und

beiden Fällen folgend eine grenzenlose Apathie. Alle ihre Sorgen und

Freuden waren ja meist nur materiellen oder wollüstigen Ursprungs und

ein sprechender Beweis für den früher herrschenden Mangel geistiger

Eindrücke ist der Umstand, dass die Kanaken in ihrer Sprache keine

Worte zum Ausdrucke des Gefühles hatten, während sie einen unendlichen

Reichthum wollüstiger und materieller Ausdrücke besassen.

Diese Eigenthümlichkeit ihres Charakters hatte sich auch auf ihre

Lieder, auf den Charakter ihres Gesanges, auf ihre Spiele, Tänze und

Belustigungen übertragen.

Unter den nationalen Spielen waren die hervorragendsten folgende: Der

„moko-moko“, ähnlich dem Boxen, in welchem sie eine ausserordentliche

Gewandtheit besassen; das „úlu-mai-ka“ oder Kugel- und Ball-Spiel;

das „heé-nalú“ bestand darin, auf einer schmalen Planke reitend sich

durch die brandende Woge in die offene See treiben zu lassen und mit

der zurückkehrenden Woge das Ufer wieder zu erreichen -- eine höchst

beschwerliche, durch sie höchst gewandt ausgeführte Balance-Übung; das

„holua“, d. h. das Niederrutschen von steiler Felsenhöhe auf einem

Brett; das „pahú“, d. h. das Treffen einer am ebenen Boden bezeichneten

Stelle mit dem Wurfspiess, dem sogenannten „pahú“; das „Konáne“, eine

Art Dame-Spiel; das „pu-héne-héne,“ das Verbergen eines Steines und

Suchen desselben; das „loú-loú“, wo zwei Männer ohne Beihilfe der

andern Hand, Finger in Finger ihre Kraft versuchen; das „hónu-hónu“

besteht im Schwimmen mit gebundenen Füssen, -- ein Spiel, in welchem

sie rein fischartige Bewegungen hervorbringen und auffallend sicher und

gewandt sind; das „úma“, Kraftprobe mit dem Arme; das „lili-ko-ualí“,

das Sichschwingen an einem Tau; das „lele-ka-uá“, d. h. der Sprung vom

steilen Abhang in den tiefen Ozean; das „kúla-kúla-ei“, das Ringen und

Balgen beim Schwimmen in offener See; das „pápu-héna“; das „úme“ und

„kúlu“ sind wollüstige Spiele, die nur zur Nachtzeit gespielt werden.

Unter den „húla’s“, d. h. den Tänzen hatten sie die verschiedensten

Arten, die stets mit „mele’s“, d. h. von Liedern und der Trommel

begleitet sind. Sie sind jetzt gleichwie die nächtlichen Spiele

verboten, jedoch nicht unterdrückt, sodass man sie im Innern des

Landes, namentlich aber in Honolulu sich vortanzen und vorsingen lassen

kann. Sie sind beide höchst bemerkenswerther Art.

Der „hula“ wird nur von den Frauen produzirt und stets, wie schon

gesagt, mit „mele’s“, d. h. mit Liedern begleitet.

In zahlreichem Gefolge der Könige und Häuptlinge befanden sich früher

stets professionelle Tänzerinnen und Sängerinnen. Ihre Musik bestand

aus einer Art Pauke und Trommel, die aus Kürbissen verfertigt und deren

Öffnungen mit einer stramm gezogenen Haut überspannt waren; die kleinen

Trommeln bestehen aus fein gearbeiteten Kokusnüssen, deren Öffnung

ebenfalls, jedoch mit einer feinern Haut, stramm überzogen ist. Der

Tanz wird im genauesten Tempo ausgeführt und besteht in bald wilden,

raschen, bald in langsamen, sehr graziösen Bewegungen des Körpers, die

oft in völlig apathische übergehen.

Gleich dem Charakter der Race zeigen sich auch in ihren Tänzen die

Bewegungen in Constrasten und das Temperament derselben in Extremen.

Die Tänzerinnen sind stets mit Blumenkränzen von Jasmin, Orangen,

Tuberosen, Geranien und Immergrün-Blättern, oder mit rothgelben

Schwanzfedern des „mamo“, die goldschimmernd sind, geschmückt. Von

diesen rothgelben Schwanzfedern, deren der Vogel nur 2 besitzen soll,

ist der berühmte Thronmantel des Königs Kamehámehá I. verfertigt, der

im Halbzirkel eine Länge von 5′ nebst einer Schleppe von 11′ hat und

eine überraschend kunstvolle, eigenthümliche Arbeit repräsentirt, da

er aus 5000 solchen Federn besteht, die mit den Fasern der Rinde des

„Olóna“ kunstvoll an einander befestigt, ein überraschend festes Ganzes

bilden.

Die Waffen der Kanaken bestanden aus Speeren („pahú“), langen Dolchen,

Keulen und Spiessen. Alle diese Waffen waren aus einem harten,

eisenartigfesten, ebenholzartigem Holze, das im Inselreiche nicht mehr

vorhanden, auffallend vollendet, eben, glatt und glänzend verfertigt,

und zwar war dasselbe so hart, dass man mit einem scharfen Messer

keinen Einschnitt in das Holz machen kann.

Eine grosse Gewandtheit besassen die Eingebornen im Schleudern der

Steine mit der Schlinge, die aus dem Bast der Kokusnüsse verfertigt

wird. Dies ist eine Waffe, die sie oft als Spiel, um ihre vollendete

Gewandtheit in der Handhabung derselben zu üben, benutzen.

Die Ackergeräthe und Werkzeuge der Kanaken waren aus jenem harten Holze

oder aus Stein, Muscheln, Knochen und Gräten künstlich verfertigte,

mit denen sie die Steine und das Holz zu den Bauten ihrer Häuser

und Hütten sowie den Boden bearbeiteten, ihr Holz fällten und ihre

höchst eigenthümlichen sogar in der wildesten See ~sichern~

„~Kános~“ bauten. Diese „Kános“ bestanden aus einem ausgehöhlten,

von aussen und innen gefällig bearbeiteten Baumstamm und deren saubere

Vollendung ist eine erstaunliche. Kamehámehá I. besass zu seinen

Eroberungskriegen eine Flotte solcher, die sog. „péle-leú“, deren

Kanoos eine Länge von circa 60′ hatten.

Im Charakter des Kanaken ist mir namentlich aufgefallen das Gemisch von

Veneration, Achtung und Selbstgefühl.

Wie oft habe ich die Leute im Umgang mit dem freilich auffallend

leutseligen Könige Kalakaua betrachtet! Einem schweigsamen Grusse

folgte Schweigen, das Auge stets träumerisch, nie starr, fast sprechend

in die des Königs gerichtet. Befragt, war die Antwort stets kurz,

bündig und auffallend klar, ohne Niederschlagen der Augen, ohne

Geberden. Der Gruss als Bewegung betrachtet, war langsam, respektvoll,

gediegen. Jeder duzt den König. Gleich dem Grusse hat auch die Rede

keine Spur von knechtischem Anschein.

Es liegt, so zu sagen, im Betragen des Kanaken ein Gemisch von

gebender und fordernder Achtung, von Verehrung und Unabhängigkeit und

trotz seines respektvollen, schweigsamen Benehmens liegt in seinen

sprechenden Augen das Bewusstsein: ich habe Augen zum Sehen und Gehirn

zum Denken!

Leider soll, wie authentische Persönlichkeiten des Landes mir

vielseitig bemerkt haben, schon jetzt eine bedeutende Veränderung im

Charakter dieser freimüthigen Race durch den ansteckenden Einfluss

der in das Land eindringenden, europäischen, so vielseitig krankhaft

übertriebenen Civilisation zu spüren sein.

Schon das Misstrauen allein gegen eine fremde durch die Macht ihrer

nationalen Stellung sie dominiren wollende Race, erweckt bei ihnen

nothgedrungen die Verstellung und verscheucht die ihnen angeborene

Offenherzigkeit, demzufolge sich auch schon die, dieser Race bisher

angeborene Gastfreundschaft bemerkbar zu verlieren scheint. Früher war

jeder willkommen und, so lange er wollte willkommen geheissen, während

jetzt schon oft unter ihnen das Gefühl des „Belästigtsein’s“ und das

„wird er zahlen?“ als ein -- dankbares Resultat des egoistischen

Beispieles der Geldgier unserer übertriebenen europäischen Civilisation

zu bemerken ist.

In allen ihren Schöpfungen und Erfindungen zeigt sich ein hoher

Grad von Intelligenz und Ausdauer. In ihren Gesprächen spürt man

Vaterlandsliebe, Nächstenliebe, Offenheit, Misstrauen, List, gewandte

Verstellung und wollüstige Leidenschaft. Aus ihrer Poesie und ihrem

sehr melodischen Gesange fühlt man Seele, Verständniss, Melancholie und

ausgesprochene Leidenschaft. In ihren Tänzen und ihrer Musik zeigt sich

abwechselnd Ernst, Melancholie, Apathie, Leidenschaft, Wollust und eine

auffallende Präzision.

Dieses beweist, dass der Charakter der Nation von Natur ein

gefühlvoller gewesen ist und dass sich in demselben nur durch sociale

Verhältnisse -- durch das Joch des mythischen Aberglaubens des „tabú“,

und aus Furcht oder Hilflosigkeit -- sich der grenzenlose, fast

unglaubliche Mangel an Gefühl entwickelt hat, den man bei den Eltern,

namentlich den Müttern gegen ihre Kinder findet und der allmählig zur

nationalen Gewohnheit geworden ist.

Das Wort „tabú“ bezeichnet die mythische Verfügung der Götter durch

die Priester, welche Personen, Gegenstände, Speisen, Orte, Thiere,

Grundsätze, Opfer, Gedanken, Zeit, Unternehmungen etc. zu einer

privilegirten, unantastbaren, unverletzlichen, über Alles erhabenen,

göttlichen Heiligkeit zu erheben Macht hat. So sind z. B. der König,

die Häuptlinge und die Priester als „tabunirt“ erklärt, daher auch

Alles, was dieselben bei Andern berühren, unberührbar wurde und sofort

vernichtet werden musste. Trat der König in ein Haus seines Volkes, so

durfte keiner mehr nach ihm hineintreten, es musste vernichtet werden.

Orte, Gegenstände, Thiere, Speisen, sobald der „tabú“ über dieselben

verhängt war, durfte Keiner mehr betreten, berühren oder geniessen.

Der Grundsatz, dass die Männer nicht mit ihren Frauen beisammen essen

durften, war seit undenklicher Zeit als „tabú“ erklärt und wird noch

bis zur jetzigen Zeit trotz des vollständig eingeführten Christenthums

im Lande noch hin und wieder beachtet.

Sobald ein König oder Häuptling starb, wurde ein „tabu“ (oder auch

„tapú“) über die Dauer einer bestimmten Zeit ausgesprochen, durch

welches das Land für eine bestimmte Zeit als gesetzlos erklärt wurde.

Während dieser Zeit durfte sich das Volk allen Thaten, Lastern und

Vergehen ergeben.

Über Kinder, Erwachsene und über Gegenstände wurde oft das „tabú“

verfügt, um dieselben als Geheiligte zu opfern.

Jedes Vergehen oder Streben gegen den „tabú“ wurde ohne Möglichkeit

einer Begnadigung mit dem Tode bestraft, und hat dieser schreckliche

Aberglaube vielen Tausenden das Leben gekostet.

Die traditionelle Mythologie der Hawaii-Kanaken bestand aus einem

Urgotte oder dem Ursprunge des Weltalls, dem sog. „wakéa“, den vier

Hauptgöttern: Kú, Lóna, Káne, Kanalóa und einer unbestimmten Anzahl

Untergötter und Heiligen, die sie sich in den Wolken und über den

Wolken-Gebilden dachten.

Ihr Begriff der Seele war der: dass sich selbige nach dem Tode

zeitweilig in der Umgebung der Leiche aufhält, die dunklen und

einsamen Orte sucht und von dort aus ihre irdischen Feinde mit den

sonderlichsten Unarten so lange belästigt, bis sie in den Ursprung des

Weltalls des „wakéa“ oder des paradisischen Ursprungs der Hawaii’schen

Race einkehrt, wo sie, im Falle, dass sie während ihres irdischen

Lebens die ihnen vorgeschriebenen religiösen Gebräuche, Ceremonien

und Opfer pünktlich und treu befolgt hat, mit ihren Knochen wieder

vereinigt in Freude und Bequemlichkeit für ewig bleibt, während sie im

entgegengesetzten Falle aus dem „wakéa“ ausgeschieden und gezwungen

wird, von der Höhe sich in den Ort der Qualen, dem sog. „milú“ für ewig

zu versenken.

Die gefürchtetste Göttin der Unterwelt des „milú“ war die „Péle“,

die Göttin des Kraters „Kilauéa“, der man zur Beruhigung ihrer Wuth

Schweine und andere Produkte des Landes als Opfer in ihren Schlund

warf, und kein Wanderer wagte es früher, ohne eine Gabe sich der

Krateröffnung zu nähern. Auch jetzt noch zeigt der Hawaiier eine ganz

besondere Ehrfurcht bei seinem Erscheinen vor derselben. Ausser der

„Péle“ waren noch „Káilií“, der Gott des Krieges, „Kamohálií“, der Gott

der Schwefeldämpfe der Umgebung des Kilauéa, „Keuakepó,“ der Gott des

Regens und Feuers, „Kánokékili,“ der Gott des Donners, „Mókualií,“ der

Gott der Schiffe. Alle diese Götter bewohnten die Vulkane und waren die

Plagegeister der Menschen und der ihnen durch die Ausstossung aus dem

„Wakéa“ in „milu“ verfallenen Seelen.

Ausser den allmächtigen Priestern, deren Amt ein heiliges und erbliches

war, gab es sogenannte „Kiéo’s“, -- Zauberer und Beschwörer, die die

Gewalt besassen, mit den Göttern zu verkehren und von denselben durch

das „anaána“, das sog. Todtengebet, den Tod eines Menschen, den

sie beseitigt haben wollten, zu erlangen, was natürlich sie durch

Vergiftung erreichten, zu welchem Zwecke die zahlreich im Inselreiche

vertretene Strychninpflanze diente. Der Glaube an die gewaltige Macht

der „Kiéos“ ist im Volke derartig eingewurzelt, dass er ungeachtet des

Christenthumes, noch nicht hat vollständig beseitigt werden können.

Das Jahr theilen die Hawaiier in zwei Theile, nämlich den „Kaú“,

Sommer, und „Hooilo“, Winter. Die Monate des Kaú sind: „eikiki“, der

Mai, „kaaóna“, der Juni, „hinaieleelé“, der Juli, „kámahoemuá“, der

August „kamahoehópe“, der September und „ikuá“, der Oktober. -- Die

Monate des „hooilo“ sind: „welehú“, der November, „makalii“, der

Dezember, „kaélo“, der Januar, „kaulúa“, der Februar, „nana“, der März

und „wélo“, der April.

Während der Monate des „Kaú“, d. h. des Sommers, ist es freilich

wärmer als in den Monaten des „Hooilo“; es herrscht jedoch während des

„Kaú“ eine die Temperatur abkühlende Seebrise, die während der Monate

des „Hooilo“ nicht herrscht, wodurch sich hier die so erstaunliche

Gleichheit der Temperatur beider Jahreszeiten und deren gleichmässiger

Einfluss auf die Vegetation erklären lässt.

Die Bäume sowie die anderen Pflanzen sind immer grün und im

ununterbrochenen Wechsel des Blüthenreichthums und ununterbrochener

Fruchtbildung. Die Sonne ist stets gleichmässig warm und die Temperatur

variirt nur zwischen 70° und 80° Fahrenheit. Nie giebt es einen

ununterbrochenen Regentag. Die häufigsten Regen herrschen im Dezember

und Januar.

Die Urastronomie der Eingeborenen soll sich auf fünf Hauptsterne

(Planeten) basirt haben, die als Basis ihrer Richtung zu ihren oft sehr

weiten Oceanreisen auf ihren kleinen „Kános“ dienten, und sollen die

Eingeborenen dieselben mit unfehlbarer Sicherheit benützt haben und

noch benützen. --

Von allen den alten Sitten und Gebräuchen der Eingeborenen bleiben --

jedoch nur scheinbar -- wenige Spuren zurück, daher sie dem Fremden

fast unsichtbar geworden, in den Familienkreisen aber noch vielfältig

zu finden und zu bemerken sind, wenn der Fremde es vermag, den Leuten

Vertrauen einzuflössen. Gelingt dieses und haben die Leute die

Überzeugung gewonnen, dass der „haoli“ (d. h. der Fremde) sie nicht

verspottet und ihnen ein Freund sein will, was in der Jetztzeit nicht

sehr leicht zu erreichen ist, so zeigen sie sich und zwar alsdann

vollständig, wie sie wirklich sind.

Wie von einem Schleier enthüllt, entfaltet sich dann ein ganz anderes

Bild als dasjenige ihres gewöhnlichen, öffentlichen Erscheinens unter

Fremden. Es wird, sozusagen, aus ihnen eine andere Nation als die,

unter der man bis dahin zu leben geglaubt hat, und ich muss gestehen,

dass ich sie in ihrem natürlichen Zustande trotz ihres Aberglaubens

vorziehe, in welchem sie rein kindlich-offenherzig werden, als

demjenigen, wenn sie im öffentlichen Leben vor dem Fremden ein ganz

sonderbares Gemisch von Misstrauen, süsser Höflichkeit, Ergebenheit,

Neugierde, Zurückhaltung und Stolz zeigen.

Ein Hauptzug ihres öffentlichen Charakters ist die grosse Gewandtheit,

sich zu verstellen. Keine Bewegung, kein Wort, kein Hauch ist alsdann

bei ihnen glaubwürdig. Wenn sie sich verstellen wollen oder es zu

müssen glauben, so ist nicht die geringste Veränderung in ihren Zügen

zu bemerken, wenn Eindrücke der Freude oder des Kummers sie erregen.

Wenn sie sich jedoch nicht verstellen wollen oder glauben offenherzig

sein zu dürfen, ja dann tragen ihre Züge einen so sprechenden Ausdruck

ihrer vollsten Empfindungen, dass man kaum ihrer Worte bedarf,

um sie zu verstehen. Sie sind, so zu sagen, alsdann das Modell

eines gefühlvollen, intelligenten Menschen, da sie durch angeerbte

Gewohnheiten oder durch irgend ein mächtiges „Muss“ erlernt haben,

ihre Gefühle in jeder Lage des Lebens sofort zu bemeistern -- eine

Fähigkeit, die sich sichtlich in den so auffallend geordneten Sitzungen

ihres Parlamentes und ihrer Behörden beweisen, wo das Bemeistern ihrer

Gefühle und Erregungen eklatante Fälle liefert.

Was öffentlich noch theilweise das Gepräge der alten Zeit trägt, sind

die sonderbaren Grashütten der Armen und die Grashäuser der Reichen,

die übrigens bedeutend abzunehmen beginnen, um an ihrer Stelle

zierlich weiss gestrichenen Häusern mit rothen Dächern Platz zu machen.

Diese Grashütten und Häuser sind entweder aus Rasenstücken aufgeführt

oder bestehen aus dickem, festen Grasgeflecht. In beiden Fällen sind

dieselben ohne Decke mit einem dicken Grasdach versehen. An Stelle der

Fenster sind Luken, die -- gleich wie die Thüren -- aus einem festen

Grasgeflecht, welches in einen hiezu verfertigtem Rahmen gespannt

wird, bestehen. Das zum Geflechte der Wände, Dächer, Thüren und

Luken gebrauchte Gras ist ein Sumpfgras. Ein Dach aus demselben, d.

h. doppelt geflochten, hält 25-30 Jahre. Oft brauchen sie hiezu die

Blätter der „Thy“-Staude (einer Thyphacee) deren Haltbarkeit für die

Dächer nur 6 Monate währt; zu den Wänden gebraucht ist selbige jedoch

eine überaus dauerhafte.

Im Innern sind solche Hütten und Häuser meist rein gehalten, und

bestehen dieselben aus einem grossen Raum, der durch Matten oder

„Thy“-Blättergeflecht in 2 oder 3 Abtheilungen getheilt ist, von denen

die eine als Gesellschaftsgemach und die andern als Schlafgemächer

benutzt werden.

Möbel gab es früher nicht, und gibt es jetzt noch in denselben

nur wenige. Verhältnissmässig saubere, stets in farbigen Mustern

geflochtene Matten, aus den Fasern des Pandanus littoralis geflochten

bedecken den Fussboden, den nur die Erde bildet, oft in doppelt und

dreifachen Schichten und dienen als Tisch, als Stuhl und als Lager.

Zahlreiche Kissen, und zusammengerollte Matten liegen auf dem Boden

zerstreut zur Bequemlichkeit der sitzenden, kauernden oder liegenden

Gesellschaft.

Die Hütten und Häuser sind auffallend frisch; die heissesten

Sonnenstrahlen haben keine durchwärmende Wirkung auf das Geflecht,

daher das Innere der Gemächer, die stets im Halbdunkel erhalten werden

immer kühl erscheint.

Die Frauen hatten in Folge der schon früher erwähnten heiligen Satzung

des „tabú“ ein abgesondertes Haus zum Speisen, jetzt jedoch, wo das

Christenthum in das Volk gedrungen ist, schwindet auch dieser Gebrauch

des alten Aberglaubens, und die Frauen speisen mit den Männern

zusammen oder mindestens unter einem Dache. Gekocht wird stets im

Freien. Sie essen am liebsten kalte Speisen und gekochte erkaltet. Sie

lieben Schweinefleisch, dessen Zubereitung eine höchst eigenthümliche

und wie folgt ist:

Das Schwein wird geschlachtet, geöffnet, die Gedärme werden

herausgenommen, das Innere wird sorgfältig gereinigt und wiederholt

mit frischem Wasser ausgewaschen, dann mit während dieser Zeit glühend

gemachten Steinen -- von Grösse einer Faust, -- gefüllt. Alsdann wird

das Schwein möglichst hermetisch mit Blättern der Bananen umwickelt, in

eine Grube glühender Steine gelegt und mit glühenden Steinen bedeckt.

Sobald die Steine erkaltet sind, ist auch das Werk vollbracht und das

Schwein auf das Beste gebraten und gebacken. Überraschend saftig und

wohlschmeckend wird ein Thier auf diese Art zubereitet. In gleicher

Weise behandeln sie Geflügel, Fische u. s. w.

Ihre tägliche und liebste Nahrung ist jedoch der sogenannte „poi“,

der wie schon früher erwähnt, aus der „tarro“-Wurzel zubereitet wird.

Der „tarro“ oder „kálo“, wie ihn die Hawaii-er nennen ist der „Arum

esculentum“, gehört der Familie der Aurideen an, einer Art des in

Ostindien, Ägypten etc. als mehlstoffhaltiges Nahrungsmittel verwandten

Arum Colocasia, welche Wurzel nicht zu verwechseln ist mit der

Zehrwurzel, der Arum maculatum, die braunroth gefleckt und giftig ist,

während Arum esculentum und colocasia ohne Flecken sind und von ihrem

theilweise giftigen, stark ätzenden, flüchtigen Stoffen durch Kochen,

Rösten oder Gähren vollständig befreit und für den Genuss unschädlich

gemacht werden.

Die Zubereitung dieser den Tropen so wichtigen Wurzel ist diese:

Entweder wird sie in Fett und mit Gewürz als Gemüse, oder an Stelle

des Brodes gekocht oder geröstet (der Geschmack ist alsdann sehr

ähnlich dem der Kartoffel); oder es wird die Wurzel wie folgend zum

„poi“ bearbeitet: „Die Wurzeln werden sorgfältig mit kräftigem Schnitt

von ihren Keimknospen und Wurzelsprossen befreit, alsdann tüchtig

ausgewaschen und in einem dazu bestimmten, sauber gehaltenen hölzernen

Behälter bei abwechselndem Begiessen mit Wasser zerstampft, bis

die hellgraue Masse einen kleisterartigen Brei bildet. Dieser Brei

wird demnächst in grosse, reine Kürbisschaalen, d. h. Calabassen,

gefüllt und fest mit Brettern belegt, mit Steinen beschwert und

darauf der Gährung überlassen. Nach stattgefundener Gährung ist der

Brei geniessbar und zwar je älter, desto wohlschmeckender. Er hat

einen säuerlichen, etwas faden Geschmack, ist gesund, nahrhaft und

sehr erfrischend, was die blühende Gesichtsfarbe und die meist sehr

wohlbeleibten Gestalten der Bevölkerung genügend beweisen.

Gleichwie die Eingeborenen alle Nahrungsmittel mit den Händen geniessen

und zerkleinern, so gebrauchen sie auch die Finger zum „poi“.

Da ich ihre Art und Weise des Speisens schon in meiner Beschreibung der

Insel Kauai erwähnt habe, übergehe ich hiermit deren Wiederholung mit

der Bemerkung, dass die Ursache der auffallend rastlosen Gesprächigkeit

während ihrer Mahlzeiten auf dem Aberglauben beruhte, dass die bösen

Geister, dem muntern Gespräche lauschend die Verdauung der Speisenden

nicht stören.

Die Kleidung der Männer besteht gegenwärtig aus einem Gemisch

amerikanisch-europäischer Kleidungsstücke leichter Stoffe in den

verschiedensten Farben, als z. B. Alpacca, Seide, Wolle, Baumwolle

etc., während die der Frauen im alltäglichen Gebrauche eine mehr

nationale in ihrem Schnitt geblieben und aus den verschiedensten

amerikanischen, europäischen oder einheimischen und zwar farbigen oder

weissen Stoffen verfertigt sind und aus einem tunikartigen Gewande mit

langer Schleppe ähnlich der Morgenkapotte der Spanierinnen besteht.

Die Haare der Race sind schwarz, lockig und in ihrer Fülle gescheitelt

und gewöhnlich mit natürlichen Blumen oder mit Diademen aus bunter

Wolle, in der die steinharten, goldgelben, kleinen Früchte der Pandanen

gleich Perlen gruppirt sind, geziert.

Zu Pferde, auf welchen sie meist wie Männer im Sattel oder auf einer

Decke sitzen, tragen sie über einem Blusengewande ein um die Hüften

befestigtes, langes, breites, meist farbiges Stück Zeug, welches

von vorne in Falten gezogen, mit den Füssen in den Steigbügeln des

Sattels oder der Decke festgehalten und nach hintenzu faltenreich

in zwei sehr langen Streifen dem Spiele des Windes überlassen wird

und bei dem stets sehr kühnen und raschen Tempo der vortrefflichen

Reiterinnen sich höchst malerisch macht. Ihr Haupt ist beim Reiten

mit männlichem Hut nebst Feder oder einem Blumenschmucke bekleidet.

Gewöhnlich sind die Reiterinnen gleichwie die Reiter mit Guirlanden

frischer Blumen geziert, und auch die Pferde haben meist irgend welche

Blumen am Kopfe oder am Schweif. Hin und wieder tragen die Frauen beim

Reiten über dem Kleide die sehr kleidsame „selapa“, die ähnlich der

südamerikanisch-spanischen Poncha ist und aus einem viereckigem Stück

Zeug mit einem Zentralloch zum Durchschlüpfen des Kopfes, aber ohne

Ärmel besteht.

Die Sprache der Hawaiier bestand aus 12 articulirten Lauten: „a, e,

i, o, u, h, k, l, m, n, p, w,“ was den Missionären und der Presse

anfänglich grosse Schwierigkeiten machte, die jedoch durch die

Intelligenz und Auffassungsgabe der Nation rasch beseitigt wurden.

Die Resultate der so kurzen Reformzeit von 53 Jahren haben nämlich

bewiesen, dass das Schreiben und Lesen der Hawaii-Sprache leichter

als irgend einer anderen Sprache ist, denn wie wäre es sonst möglich

gewesen, dass eine Nation, die kein Alphabet noch kannte, in so

kurzer Zeit sich zu der Stufe der Bildung aufgeschwungen, dass es

augenblicklich nicht nur schwer fallen würde, einen Hawaii-Kanaken zu

finden, der nicht lesen, schreiben und rechnen kann, sondern auch das

Land eine nationale Presse besitzt, die in grösstem Wortreichthum der

modernen Civilisation die Artikel der ausländischen Presse dem Publikum

in der Landessprache wiedergiebt.

Höchst bemerkenswerth ist, wie schon gesagt, der Fall, dass in der

ganzen Bevölkerung kaum Einer zu finden ist, der nicht lesen und

schreiben kann. Die neue Generation hat freilich Schule genossen,

demnach ist ihr allmählig durch Lehrer die Kunst, ihre Gedanken

niederzuschreiben und von Anderen geschriebenen Gedanken zu lesen

beigebracht worden, aber anders ist es mit den noch Lebenden älterer

Generation, die im vorgeschrittenen Alter ohne Schule es verstanden

haben, diese Kenntnisse sich anzueignen; denn, wie gesagt, unter den

ältesten Leuten, die sich noch der Zeit des Heidenthums erinnern,

findet man nur selten eine Ausnahme hiervon.

Das Schulwesen im Inselreiche blüht sichtbar und liefert auffallende

Beweise der nationalen Fähigkeit und geistigen Lebendigkeit.

Das amerikanische System der Erziehung bildet die Grundlage des

Schulwesens. Wie bereits gesagt, hat sich hier das Princip, Knaben

und Mädchen „zusammen“ zu erziehen, aufs Beste bewährt, d. h. für die

~nationalen~ Kinder nur, während es für Kinder ~fremder~

Nationalitäten der weissen Race auch hier als nachtheilig sich gezeigt

hat.

Im elterlichen Hause werden die nationalen Mädchen im Allgemeinen nicht

verzärtelt -- „noch“ nicht! --, wie es leider bei uns und besonders

in Amerika stattfindet, wo dieselben, für ein über Alles bevorzugtes

Geschlecht betrachtet, eingebildet oder zu einer Modepuppe -- dies

namentlich bei uns -- erzogen werden. Hier besitzen jene daher noch die

mädchenhafte Naivetät und Frische, während bei uns das junge Mädchen

dieselben oft im kürzesten Rocke schon verloren und als grosse Dame der

Intrigue auftritt. Die Mädchen von Hawaii besitzen in Folge ihrer von

Jugend auf genossenen Selbstständigkeit eine Art weiblichen Instinktes

vor den Gefahren, welchen unsere meist verwöhnte oder verzogene Jugend

so leicht in die Arme läuft.

Die Charakteristik der Frauen und Mädchen ist der der Männer sehr

ähnlich und folgende: Sie sind von starkem, der Korpulenz sich

hinneigendem, kräftigem Körperbau mit meist edlen Gesichtsformen

und graziösen Bewegungen, kühne Reiterinnen, unermüdliche und gute

Tänzerinnen, zuvorkommend und sehr natürlich in Bewegung und Rede,

gutmüthig und geneigt für wohlthuende Zwecke, aufgeweckt und frei

in ihrer Unterhaltung. Sie besitzen eine auffallende Gabe, mit

kühner Gewandtheit ihrer Umgebung Respekt einzuflössen, besitzen

ein auffallendes Selbstbewusstsein, das dadurch entstanden, dass das

hiesige weibliche Geschlecht dem männlichen moralisch weder über-

noch untergeordnet, daher gleich berechtigt war. Dies wird namentlich

dadurch erhellt, dass seit uralter Zeit es üblich gewesen, dass die

Könige des Landes als „kuïna-nuis“, d. h. Premiers meist Frauen

ernannten, die die Hauptleitung der Regierung in Händen hatten.

Obgleich dies im Widerspruche zum früher erwähnten „tabú“ steht, in

Folge dessen die Frauen mit den Männern nicht unter einem Dache speisen

durften, so ist dies dadurch zu erklären, dass diese „tabunirte“ Sitte

sich nicht auf die Missachtung des weiblichen Geschlechtes, sondern auf

die Verschiedenheit der Schutzgötter der Geschlechter sich stützte, und

zwar in der Voraussicht, dass dieselben während des Speisens möglicher

Weise in Streit gerathen und die ruhige Verdauung der Speisenden

hindern könnten.

Das weibliche Geschlecht ist trotz ihrer respekteinflössenden

Eigenschaft leidenschaftlich und wie schon früher erwähnt in Extremen

von Freude zu Kummer wechselnd, daher auch wechselnd im Temperament,

in den Gefühlen der Freundschaft und Feindschaft, des Interesses und

der Gleichgültigkeit, daher höchst unsicher in der Bekanntschaft.

Es besitzt trotz seines so freien, natürlichen Auftretens und des

leidenschaftlichen Wechsels ihres Temperamentes sowie die Männer

eine bedeutende Gabe der Verstellung: mit keinem Zuge, keiner

Bewegung verrathen sie ihre innersten Gedanken und Gefühle bis zu

dem Augenblick, wo sie sich von diesem Gedanken befreien wollen, wo

alsdann eine Ausströmung ihrer lange bemeisterten Gedanken und Gefühle

unter bald leidenschaftlichem Lachen bald leidenschaftlichem Weinen

stattfindet, sodass man dieselbe faktisch nur mit dem Auslassen der

Luft aus einem Luftkissen vergleichen kann, wo nämlich sodann in beiden

Fällen der Schluss eine vollständige Erschlaffung ist.

Wenn sie sich der Liebe für einen Mann oder für irgend etwas hingeben,

so geschieht dieses mit völligster Eifersucht, jeden Augenblick mit

Leidenschaft bereit, dem Gegenstand ihrer Liebe sich zu opfern oder

sich zu rächen.

Sie besitzen im höchsten Grade die Liebe für Blumen, grelle Farben,

Schmuck, zugleich für Poesie, Musik, und scheuen keine Ausgaben, keine

Mühe, um den Genuss derselben sich zu verschaffen.

Sie sind, im Allgemeinen genommen, häuslich und in der Häuslichkeit

thätig und geschickt, zugleich aber auch südländisch unordentlich und

lieben, während der Verrichtung ihrer Beschäftigungen sich hin und

wieder Zeit zum vollständigen dolce far niente zu geben, wo sie dann am

liebsten, auf der Matte hingestreckt, rauchend, in Gedanken vertieft,

oder mit den neben ihnen Ausgestreckten im Halbdunkel die Zeit mit

Plaudern oder Klatschen verbringen.

Diese Gewohnheit der Herzerleichterung resp. der Klatscherei ist

unter der hiesigen Frauenwelt im höchsten Grade verbreitet und bildet

gegenüber den ausserordentlichen Eigenschaften den grössten Fehler

ihres Charakters.

IX. Abtheilung.

Mein Entschluss, -- Rekapitulation meiner Eindrücke.

Mein Entschluss war, den 13. August nach Neuseeland, resp. dem 3806

Seemeilen von Honolulu entfernten Aukland mit dem prachtvollen Dampfer

der „Pacific-Postdampfer-Compagnie“, der „Zelandia“, abzugehen, um

später von Aukland aus nach Australien, resp. die 1057 Seemeilen nach

Sydnei zu machen. --

Nachdem ich demnach die erforderlichsten Vorbereitungen zu meiner

Abreise getroffen und den herrlichen Tag zum nochmaligen Durchwandern

der Umgebung Honolulu’s und des „Núuanú“-Thales benutzt hatte, kehrte

ich heim, um mein Tagebuch über das Inselreich Hawaii mit einer

Beschreibung meiner letzten Einfahrt in den Hafen, einiger Ausflüge,

die ich auf der Insel „Oahú“ gemacht hatte, und einem allgemeinen

Ueberblick des Inselreiches zu schliessen.

Den 11. August um 5 Uhr Morgens fand meine letzte Einfahrt in den Hafen

von Honolulu, von der Insel Hawaii kommend, statt.

Aus der Entfernung bei prachtvollem Sonnenaufgang zeichnete sich dem

Auge schon vor der Einfahrt in den Hafen das lieblich contrastirende

dunkle Grün, in welchem die Stadt, sozusagen, versunken, das blasse

Grün, vereinigt mit dem goldnen Schimmer des Sandes der die Stadt nach

Süd-West begrenzenden Ebene, das hell und dunkel erscheinende Grün, die

an Schattirungen, an Schluchten und Abhängen und an gefälligen Formen

so reichen, zwei Gebirgsketten der Insel.

Die eine dieser Ketten und zwar die längste, durchzieht die Insel Oahú

in ihrer ganzen Länge gegen Norden und heisst die Núaná.

Die andere, die sog. „Waíanae“-Kette zieht sich im Süden der nördlichen

parallel und dies kurz durch den westlichen Theil der Insel.

Rechts, als südlicher, schmaler Ausläufer in den Ocean oder als

südliches Ende der erstgenannten Kette erhebt sich die gewaltige

Felsmasse, der „Diamont-head“, dessen scharfe kantige Basaltspitze,

durch die aufgehende Sonne hell beleuchtet, in tausendfachen

diamantähnlichen Strahlungen gleich einem Diadem blitzend erscheint.

Der Ursprung dieser Felsmasse ist ein rein vulkanischer und die

Erscheinung derselben das treue Bild eines nach unterirdischem Wirken

und schon seit längerer Zeit von dem Hawaii’schen Pluto „Kumahalii“ in

Ruhestand versetzten Vasallen der Unterwelt, dem zur Ehre gleichsam bis

zur nächsten Umwälzung der stolze Ehrenposten einer Wache oder eines

Signalisten am Eingange des Hafens anvertraut worden ist.

Am Fusse dieser glänzenden Masse, dem Strande bis Honolulu entlang,

zieht sich eine, nördlich durch die Gebirgskette begrenzte, hin und

wieder durch kleine Anhöhen gefällich unterbrochene, sandige schmale

Fläche, die mit zierlichen Hainen schlanker Kokospalmen, üppig

beschatteten Landhäusern und Dörfern besetzt ist und die sogenannten

Gestade des lieblichen „Waikíki“ bildet.

Links zeichnet sich in der Ferne die schon früher erwähnte Gebirgskette

Waianáe mit ihrem prachtvoll schattirten, längst schon erloschenen

Vulkan „Kaula“.

Unmittelbar vor uns öffnete sich ein schmaler Durchgang zwischen zwei,

durch das brandende und wirbelnde Spiel der Wogen drohend erscheinenden

aber ungefährlichen Sandbänken, welcher Durchgang den Eingang in den

kleinen, jedem Schiffe durch seinen tiefen und günstigen Ankergrund

sicheren Hafen von Honolulu bildet.

Zahlreiche Dampfer lagen vor Anker in der Rhede, an dem Werft oder am

Quai. Es sind Amerikaner, Engländer, Franzosen, Deutsche und Russen,

deren nationale Farben sich entfalten. Ausserdem liegen daselbst

einige Segelschiffe unter Deutscher Flagge, die zwei Hawaii-Dampfer,

die „Likelíke“, der „Kilauéa“ und zahlreiche kleine wie auch grosse

Schooner, kleine Fahrzeuge, die den Handels- und Passagier-Verkehr

der Inseln bewerkstelligen. Ausser den benannten liegen auch zwei

düstere Walfischfänger-Schiffe vor Anker mit ihren charakteristischen

Ausrüstungen und ihren ausgenutzten, fetten Seitenwänden, die den

sprechendsten Beweis der gewaltigen Kraft und Schwere der erlegten

Thiere zeigen.

Ueber den Hafen hinweg lag, wie schon erwähnt, die wie im dunklen

Grün versunkene, theilweise noch im festen Schlafe sich befindende

gemüthliche Residenz und Hauptstadt des Inselreiches von Hawaii, das

schattige, liebliche Honolulu.

Dicht am Quai oder dicht an dem Ufer der Bucht befinden sich die

massiven Magazine und Speicher des Zollamtes, die gewaltigen

Handelsgebäude der Firma „Hackfield & Co.“, die Schuppen und verdeckten

Einrichtungen der Officien und Bureaus der Werfte verschiedener

Dampfschiff-Compagnien, Kohlenlager, Holzstapelplätze, Bretter- und

Balkenlager, Schober u. s. w.

Ueber diesen Wirrwarr einer etwas eingeengten Einrichtung des Handels

einer Handelsstadt hinweg erblickte man die meist einstöckigen, von

schattigen Bäumen umgebenen Häuser der Stadt, aus deren Mitte sich

einzelne Kirchthürme erheben.

Die römisch-katholische Kirche läutete gerade mit hellem Klang zur

Frühmesse und belebte das ganze Bild, welches durch Lage, Beleuchtung

oder üppige Vegetation ein reizendes zu nennen ist.

Weiter vor uns, über die Stadt, über Palmen, Cedern, Mango’s,

Cypressen, Akazien, Orangen u. s. w. hinweg trifft das Auge die früher

erwähnte Gebirgskette, die nördlich die Insel zum Vortheil von Honolulu

in zwei unregelmässige Theile theilt.

Es zeigt sich diese Kette entweder in dunklem oder stellenweise hellem

Grün eines üppigen Graswuchses oder in goldglänzendem Schimmer der von

Gras oder Vegetation entblössten Stellen, die steil und an Geröll reich

sind.

Diese Gebirgskette ist es, die Honolulu die ihr so unvergleichliche

klimatische Gleichmässigkeit in der Temperatur giebt, da es den

südlichen grösseren Theil der Insel vor den vom Norden kommenden

Passatwinden schützt.

Diese Gebirgskette ist reich an Thälern und Schluchten, unter denen das

lieblichste das schattige „Nuúanú“-Thal ist. Dieses Thal ist 6 Meilen

lang und bietet durch die in demselben gelegenen, schmucken Villen,

durch das königliche Mausoleum, sowie durch die Sommerresidenz des

Königs in schöner Parkanlage und endlich durch seine üppige Vegetation

einen unvergesslichen Reiz.

Links von der Einfahrt sind sandige Landzungen, die unter beständiger

Wirkung der Ebbe und Fluth theils glatt, theils gleichsam mit Strichen

überzogene Flächen mit sumpfigen Wasseransammlungen bilden, in denen

die sogenannten Reservoires der grossen Seeschildkröten sich befinden.

In unmittelbarer Nähe dieser Reservoires erhebt sich das schmucke

Gefängniss, gleichwie aus dem Wasser auftauchend, in isolirter,

erhöhter Lage auf einem Felsen.

Tiefer in das Land hinein liegen zerstreut Landhäuser, Villen und

Hütten im üppigsten Grün eines schwülstigen Terrains.

Weiter links sind Reisfelder der Chinesen und „tarro“-Pflanzungen

der Einheimischen unter einer künstlichen Bewässerung. Denen folgt,

zwischen der Küste und dem Gebirge gelegen, eine unwirthlich öde,

wellenförmige Ebene mit nur spärlicher Vegetation der Dracenen,

krüppeligem Gestrüpp, Cacteen und Disteln, und wilddurchworfenen

Felsen-, Stein-, und Lava-Geröll. Diese starre, stets staubwirbelnde

Ebene zieht sich fast ununterbrochen bis zur Bergkette von Waianae.

Das „Nuúanú“-Thal zieht sich, wie schon erwähnt, nördlich von der

Stadt, allmählig steigend, in das Gebirge hinein. Durch dieses Thal

führt ein guter, breiter Weg durch eine schattige Allee, an zahlreichen

Villen und Landhäusern vorbei, rechts unweit der Stadt in Sicht des von

Kamehámehá V. seinem Bruder, Kamehámehá IV., in idyllischer Lage am

„Nuúanú“-Bache geschmackvoll erbauten Mausoleums. Dieser Weg führt ins

Gebirge und ist den Bewohnern der Stadt ein höchst beliebter.

Von der sog. „Nuúanú“-Strasse kommend, bildet dieser Durchgang durch

das Thal einen höchst anmuthigen Spazierweg zu Fuss, zu Pferde oder

zu Wagen. In den Nachmittagsstunden ist er von Fussgängern, Reitern

und Fahrenden täglich besucht. Die Reiter und Reiterinnen sind meist

in Gruppen und liefern, mit Kränzen geschmückt, ein echt national

malerisches Bild. Die Wagen, die man erblickt, sind ziemlich primitiver

und leichter Construktion, nur selten trifft man Galagespann, dagegen

aber stets muntere heitere Züge der Insassen als einen sprechenden

Beweis des Genusses, den ihnen diese Unterhaltung macht und wie wohl

sie sich dabei fühlen.

Oestlich vor dem Eingang in das Thal liegt ein einzelner, gleichwie

von menschlicher Hand symmetrisch gebildeter Bergkegel, der in seiner

Form sehr ähnlich den giganten Grabhügeln der „Inka’s“ im Grossen ist.

Dieser Hügel wird genannt „des Teufels Punschbowle“. Dieser Name wurde

in neuerer Zeit aus religiösen Gründen in „Punch-Bowl-hill“ umgewandelt.

Vom Gipfel dieses Hügels, den eine schon vor längerer Zeit sich

gefüllte Versenkung des erloschenen Kraters „Núaná“ bildet, entfaltet

sich eine herrliche Rundsicht über Stadt und Thal, den südlichen

Theil der Insel und den Ocean, und wird derselbe oft zu Ausflügen und

Picknicks benutzt.

Verwitterte Lavaniederströmungen zeichnen sich noch deutlich an

den Böschungen des Kegels ab. Die Umgebung der jetzt gefüllten

Kratervertiefung bildet ein schwülstiger, versteinerter Lavakranz. Die

gegenwärtige Vertiefung beträgt nur 21′ und ist einem Mörser in der

Form ähnlich.

Unmittelbar am Fusse des Kraters befinden sich noch zwei andere

Vertiefungen früherer Nebenkrater, die mit Wasser gefüllt, kleine

fischreiche Teiche bilden, die der Landschaft einen lieblichen und

eigenthümlichen Anstrich geben, da die Insel keine Seen hat.

Auf der Höhe dieses Kegels, unmittelbar an der Kratervertiefung erhebt

sich eine Flaggenstange, vor der in Reih’ und Glied eine Batterie

diverser Geschütze verschiedensten Kalibers und verschiedenartigster

Nationalität, mit ihren Läufen auf die Stadt und den Hafen gerichtet,

stehen. Wenn die Brauchbarkeit derselben eine bessere wäre, so wäre die

Lage derselben eine ausserordentliche zur Vertheidigung des Hafens und

würden einen ernsteren Eindruck machen, während der jetzige Zustand

der Batterie zufolge der grellen Verschiedenheit ihrer Geschütze einen

lächerlichen macht.

Die Umgebung des Kegels, namentlich in südlicher Richtung der

Diamantfelsenspitze zu, besteht -- als Gegensatz zum üppigen

Nuúanú-Thale und den lieblichen Gestaden von Waikiki -- aus einer

Ebene, die theilweise sandig theilweise mit altverwitterter Lava oder

mit Gneiss-, Granit-, Kalkstein, Muschelstein und versteinertem

Lava-Geröll überdeckt ist und auf der nur hin und wieder krüppeliges

Gestrüpp, Dracenen, Cactusse, Disteln und das sogen. „pili“-Gras

stellenweise wächst und eine höchst geeignete Strecke für ein

Schlachtfeld bietet. Es werden auch auf derselben die Pferderennen, die

kleinen Manöver der Hawaii’schen Armee und hin und wieder auch die der

ausländischen Kriegsschiffe abgehalten.

Nach zurückgelegten 4 Meilen von der Stadt mit oftmaligen prachtvollen

Rückblicken auf Honolulu erreicht man das sogen. „Half-Way“-Haus des

Mr. Arčia, eines liebenswürdigen, höchst unterrichteten, alten Herrn,

der hier eine Temperenz-Restauration mit guter Küche hält.

Nach weiteren zurückgelegten 2 Meilen von Mr. Arčia aus oder in Summa

zurückgelegten 6 engl. Meilen durch das Thal, stets steigend, verengt

sich dasselbe auffallend plötzlich zu einer engen Schlucht und die

Vegetation nimmt mit allmählig steiler werdenden Seitenwänden ab, bis

dieselben in kahle Felswände vulkanischen Charakters übergehen.

Hier beginnt das Geröll von Gneiss, porösem Granit, Basalt, Kalk-,

Korallen- und Muschelstein im wildesten Durcheinander zuzunehmen, bis

die Schlucht auf einer Höhe von 1200′ überraschend plötzlich aufhört.

Hier entfaltet sich ein schöner freier Blick rückwärts über den

südlichen Theil der Insel und vorwärts über die sichelförmige Ebene des

nördlichen Theiles derselben und nach rechts und links über den dürren,

wildzerissenen Kamm des Gebirges.

Unmittelbar vor Einem liegt ein tiefer Abgrund, der die fürchterliche

Stelle bildet, wo 1794 Kamehámehá I., der Grosse, seine verbündeten

Feinde, den König Kuakili von Oahú, und Kaéo, König der Insel Kauai,

fechtend eingedrängt und dieselben gezwungen hatte, sich mit ihren

Schaaren in den 1200′ tiefen Abgrund zu stürzen, wo sämmtliche den

Tod ohne Ausnahme fanden und in Folge dessen Kamehámehá I., Besitzer

der Insel Oahú wurde. Noch sieht man Unmassen von Knochen der

Verunglückten am Fusse des Abgrundes.

Von dieser Höhe, dem sogen. „Pali“-Pass, führte früher nur ein

gefährlicher, schmaler, höchst beschwerlicher Steig zur nördlichen

Seite der Insel hinab, jetzt jedoch ist eine von Sträflingen

meisterhaft im Zickzack in den Felsen eingehauene, jedoch schmale

Niedersteigung für Reiter vorhanden, die bei hellem Tage mit sicherem

Pferde ungefährlich zu passiren ist, denn es sollen sogar am Tage

leichte Einspänner den Weg gewagt haben -- ein Wagniss, welches

unzweifelhaft gefährlich und nicht anzurathen ist.

Den meist schwindelerregenden, oft recht glatten Zickzackweg

hinabsteigend, bei vollster Sicht über die nördliche Seite der Insel

und auf den glänzenden Ocean, gelangt man zur Ebene, und, über dieselbe

circa 8 engl. Meilen schreitend, erreicht man den Hafenort Káneohé.

Die Ebene ist reich an Feuchtigkeit und es charakterisirt dieselbe eine

sichtliche Üppigkeit des Graswuchses, in Folge dessen in Vergleich

zum südlichen Theile der Insel hier schöneres, fetteres Rindvieh und

namentlich schmucke Ziegen zu treffen sind. Das überaus wuchernde,

stachlige „pili“-Gras macht vollständig die Schafzucht unmöglich,

indem das Verschlucken dieses Grases den Schafen einen gefährlichen

Husten und durch das Eindringen desselben in die Wolle eine gefährliche

Entzündung der Haut verursacht.

Wenn man vom „Pali“-Pass niedersteigend anstatt gerade aus auf

„Káneohé“ rechts geht, so erreicht man in südöstlicher Richtung im

Distrikt Waimonalóa, das Dorf Kailua, drei engl. Meilen vom Pali

entfernt.

Kailua besteht aus nur wenigen Hütten und einer Schule. Der grösste

Theil des Distriktes ist Eigenthum des Oberrichters Mr. Harris. 5

Reisplantagen gaben dem Distrikt ein üppiges Aussehen. Es sind die

Plantagen der Chinesen Lu-Sang, Ah-Ho, Wong-Long und Ah-Su. Zahlreiche

wilde Enten, Gänse und Fasanen sind sichtbar. Letztere, die importirt,

sollen sich bedeutend vermehrt und durch die ganze Insel sich schon

verbreitet haben.

Den östlichen Theil des Distriktes bildet das Thal von Waimanalóa,

dessen Ausgang die dünenreichen Ufer des Oceans begrenzen.

Das Thal ist fruchtbar und bildet das rentable Revier der

„Waimanalóa“-Zuckercompagnie, die hier einen Landungsplatz hat, von dem

aus wöchentlich viceversa eine Verbindung mit Honolulu stattfindet.

Links vom früher erwähnten Dorfe Kailúa liegen die Reisplantagen und

Fischteiche von Kawainui, und links von den Reisplantagen des Ah-Ho und

Lu-Sang und an der an wilden Enten, Gänsen, Tauchern, Wasserhühnern

reichen Lagune von Kawainui liegt die höchst flache Strecke von Kapaá,

die durchweg mit Reis und „tarro“ bebaut ist.

Auf der ganzen Strecke, wo nicht Zuckerrohr, Reis oder „tarro“ gebaut

ist, befindet das Land sich unter verhältnissmässig üppigem Graswuchs,

jedoch mit überwucherndem „pili“-Grase, krüppligem Gestrüpp, Cacteen,

Disteln, für den Weidegebrauch verdorben.

Dieser Strecke angrenzend, dem „Pali“-Passe gegenüber, liegt das

früher erwähnte Kaneohé, ein kleiner Ort mit nur einigen Hütten, 2

chinesischen Kaufläden und 2 chinesischen Restaurationen, wo man

gute Unterkunft haben kann. In der Nähe derselben befindet sich eine

protestantische Missionsanstalt nebst Schule und Kirche und, circa 2

Meilen entfernt, die römisch-katholische Missionsanstalt ebenfalls mit

Kirche und Schule, umgeben von einer geordneten, hübschen Gartenanlage.

Den Ort bildet die Zuckerplantage des Mr. Harris mit Landungsplatz für

Schooner und zahlreichen mit Steinwällen umgebenen Fischteichen.

Von Káneohé, d. h. links von der Zuckerplantage des Mr. Harris liegen

in nordwestlicher Richtung zwei kleinere Zuckerplantagen und drei

Reisplantagen, in welchen circa ein paar Dutzend kleine, von Kanaken

oder Chinesen bewohnte Farmen zerstreut liegen und die der Landschaft

einen bunten, höchst lebendigen Anstrich geben.

Auch hier, gleichwie früher besitzt das Terrain, wo kein Reis oder

Zucker angebaut ist, eine üppig grüne, jedoch ebenfalls durch

wucherndes „pili“-Gras und anderes Unkraut verdorbene Weide. --

Weiter nordwestlich zieht sich der sog. „Hoeii“-Distrikt, in welchem

die grosse, reiche Zuckerplantage des Mr. Mc. Keague, am Ufer links vom

Gebirge umgeben, liegt.

Dieser Plantage angrenzend folgt die üppige, fleissig bearbeitete

Reisplantage des Chinesen Ah-Kau. Dann folgt ein fester Strandweg bis

zu den Fischereigründen des Mr. C. Stewart. Dann folgt ein Weg über ein

niedriges, jedoch höchst zersplittertes Gebirge in westlicher Richtung

in das Thal Kaálaúloó, in welchem ausser 2 üppigen Reisplantagen auch

die Zuckerplantagen der Mrs. Steves & Co. und die des Mr. Jakson mit

bemerkenswerthen Fabrikseinrichtungen sich befinden. Die Wohnhäuser

der letzteren namentlich liegen erhöht mit prachtvoller Sicht auf den

Ocean und theilweise lieblich von den Bergen umgeben, die sich von

1500′-1800′ erheben und mit üppigem immer-grünem Gebüsch und auffallend

mannigfaltigen Farnen bedeckt ist. Die Grasflächen sind üppig dem

Anscheine nach, jedoch überwuchert vom „pili“-Gras. Dieses Thal soll 6

engl. Meilen lang und 1-1/2 engl. Meilen breit sein.

Das Thal und die Zuckerplantage Jakson’s verlassend, führt dem sich

schlängelndem Strande rechts entlang, dem Gebirge links entlang, ein

fester, jedoch öder Weg in das „Waiáhóle“-Thal zum kleinen Dorfe

gleichen Namens mit einer grossen Reismühle. Das Thal ist gefüllt

mit zahlreichen kleinen Reis- und Tarro-Plantagen im buntestem

Durcheinander.

Dann folgen Reisplantagen auf Reisplantagen bis zum Dorfe Waikáne, wo

eine römisch-katholische und eine protestantische Missionskirche nebst

den denselben gehörenden Gebäulichkeiten und circa ein Dutzend Hütten

sich befinden. Diesem Dorfe folgt das Dorf Kúalóa, welches Besitz des

königlichen Hofmarschalls C. H. Judd ist. Die Entfernung bis Honolulu

soll 18 engl. Meilen sein. Der Betrieb des Besitzes besteht in Vieh-

und Pferdezucht. Die Weide ist auffallend gut und die beste, die ich

im Inselreiche getroffen. Ob die Ursache dieser bessern Weide in der

Pflege derselben oder in der Bodenbeschaffenheit liegt, habe ich nicht

ermitteln können. Das schöne Vieh, so auch die weidenden Pferde machen

hier einen günstigen Eindruck.

Von Kúalóa 4 Meilen entfernt, liegt die Viehzucht treibende Subfarm des

Mr. Judd Kauá, wo das Vieh von „Durhamer“- und die Pferde von reiner

„Kentucky“-Race sind. Der Stand der Viehherde soll 500 Stück und die

der Pferde 100 betragen.

Von Kauá folgt man dem hier recht steilen, üppig bewaldeten Gebirge,

unmittelbar der Küste entlang durch die kleinen Dörfer Kaána, Makéo, an

zahlreichen kleinen Reis- und „tarro“-Plantagen vorbei, links in Sicht

eines Wasserfalles und eines höchst pittoresk gelegenen Kirchleins bis

zum Dorfe Hauúla.

Von Hauúla, dem allmählig an Höhe und Vegetation abnehmenden Gebirge

folgend, erreicht man Laïe, die Hauptansiedlung der Mormonen im

Inselreiche, die ein Areal von 6000 Acker umfasst.

Im Jahre 1847 erschienen hier die ersten Mormonen auf ihrer Durchreise

nach Californien. Einer der Apostel der Mormonen P. A. Cánnon

übersetzte das Mormonen-Buch in die Hawaii’sche Sprache. Die Gemeinde

des Inselreiches soll gegenwärtig 960 Seelen zählen. Sie steht unter

einem Bischof. Ihr moralischer Einfluss auf den Hawaii’schen Charakter

soll kein ungünstiger gewesen sein, da bei den Gliedern der Gemeinde

die den Hawaiier charakterisirende Indolenz schwinden und dass

Selbstbewusstsein zunehmen soll. Das nördlich gelegene Land der Mission

ist unter die Glieder der Gemeinde parzellirt und befindet sich unter

üppigem Reis- und „tarro“-Anbau. Der südlich gelegene Theil befindet

sich unter Zuckerrohr und ist derjenige, wo die Gebäulichkeiten und

die Mühle gelegen sind. Im Allgemeinen macht die Niederlassung einen

geordneten, wohlhabenden Eindruck.

Laïe verlassend, folgt man in nördlicher Richtung, der nördlichsten

Spitze der Insel zu und zwar durch die Ländereien von Kahukú, dem

Besitz J. Campbels, einer echten Strandgegend mit gewaltigem Getöse

der Wogen und der Sicht mannigfaltigster Seevögel. Das Gebirge links

schwindet allmählig zu einem hochhügeligen Terrain, das eine ziemlich

gute Viehweide ist. Von Kahukú schlägt man in westlicher Richtung

die sogenannte Strasse von Waialúa, der südöstlichen Küste der Insel

entlang, bis zum Orte gleichen Namens ein. Die Strecke ist eine wilde,

öde zu nennen, die nur hin und wieder durch die verhältnissmässig

üppigen Thalschluchten, die sich links in das sich wieder erhebende

Gebirge ziehen, unterbrochen ist. Diese Thalschluchten sind grasreich

und scheinbar durch Quellen reichlich bewässert. Der Ort Wailúa hat

ausser seinen ziemlich zahlreichen Häusern 3 Kirchen, 3 Schulen und

ein episkopales Seminar für Mädchen. Von hier führt ein gerader Weg in

südöstlicher Richtung nach Honolulu durch das Thal von Waialúa, welches

die beiden Gebirgszüge der Insel bilden und das ich auch einschlug.

Die Strecke soll 25 englische Meilen betragen. Ein anderer Weg, der

circa 45 Meilen bis Honolulu gerechnet wird, umzieht den nordwestlichen

Ausläufer der „Waianae“-Gebirgskette bis zur westlichsten Spitze der

Insel, dem Kap Keana und folgt alsdann längs der südwestlichen Küste

der Insel entlang über die Orte Waianáe und Waïpio zur „Ewa“-Fläche.

Die Strecke von Waialúa durch das breite Thal gleichen Namens ist eine

ebene, meist weglose, recht wilde Weidestrecke zu nennen und ist fast

vollständig unbebaut.

Die Sicht der Gebirge von beiden Seiten ist pittoresk, namentlich

die der „Waiánae“-Kette rechts, die auffallend üppig bewachsen ist

und aus deren sehr gedrängter Masse der circa 4060′ hohe Kaála unter

strotzender Vegetation sich erhebt.

Die Vegetation dieser Gebirgsmasse bildet stellenweise ein üppiges

Durcheinander von Mimosen, Orangen, Kaffeestauden, „Thy“-Gewächsen,

wilden Bananen, Pandanen, Farnen, hohem Schilf, struppigem, hohem

Gras, krüppeligen Sandelbäumen u. s. w., durchflochten mit den

verschiedensten Schlingpflanzen und Wurzeltrieben, und giebt selbiges

dem Bilde den echten Charakter einer subtropischen Vegetation. Dieses

ist aber, wie gesagt, nur stellenweise und kurzweilig, da auch hier

die gewinnsüchtige Hand des Menschen verwüstend gehaust hat.

Die Viehheerden, die zahlreich in Sicht, kommen einem nach dem

schönen Vieh des Mr. Judd kümmerlich vor. Viele Ziegen und zwar

wohlgenährte, erscheinen hier und da. Höchst auffallend ist auch hier

die Stille der Natur. Die Vögel und Thiere des Waldes scheinen sich zur

wasserreicheren Küste des Gebirges zu verziehen.

Bei Waïpio, wo der früher erwähnte Strandweg sich mit dem des Thales

vereinigt und den Schluss des Thales bildet, liegen die Ländereien des

Mr. John J-i, dem Sprössling einer alten Häuptlingsfamilie.

Rechts vom Wege sind die sogenannten „Perl-Lochs“; es sind Lagunen,

die eigentlich eine seichte Korallen-Bucht des Oceans bilden,

sehr fischreich sind und, wie man sagt, in früherer Zeit in ihren

Vertiefungen reichhaltige Austernbänke gehabt haben sollen, was sich

klar durch die zahlreichen Muscheln derselben an den Bänken beweist.

Die Auster soll ganz plötzlich von den Inseln des Reiches verschwunden

sein und an Stelle deren sich eine giftige Auster gezeigt haben. Die

Ursache ihres Verschwindens muss aller Wahrscheinlichkeit nach eine

vulkanische gewesen sein.

Das Gras der Umgebung wird allmählig auffallend saftloser und

härter, -- die saftigen feinen Gräser schwinden und „Pili“-Gras,

Cactus-Gewächse, Disteln und Dracenen herrschen auf der Fläche.

Von hier beginnt allmählig zunehmend das Felsen-, Stein- und Lavageröll

der „Ewa“-Fläche, die übrigens nichts weniger als unfruchtbar ist, da

genügende Alluviale- und Schlamm-Anschwemmungen vorhanden sind und

auf der bei genügender Süsswasserbewässerung, die ihr leider fehlt,

die üppigste Vegetation entwickelt werden könnte, während für den

Augenblick sie nur eine wilde, todte Umgebung entfaltet, in der nur hin

und wieder in den kleinen Niederungen der Fläche üppiger „tarro“, Reis

und Fischteiche sich zeigen.

Sechseinhalb Meilen vor Honolulu liegt „Puúloa“, die mit Viehzucht

und einer Reisplantage verbundenen Salzdestillationswerke des Mr. J.

Dowcett, der hier ein Areal von circa 25,000 Acker besitzt.

Kurz vor Honolulu liegt links das Asyl für Geisteskranke und die

Verbesserungsschule, rechts das Gefängniss, die Quarantaine, die

Schildkrötenteiche und der glänzende Ocean, und vor mir lag, durch die

glänzend untergehende Sonne herrlich beleuchtet, das an schattigen

Gärten so reiche Honolulu, gleich einer Gartenstadt, und die Brücke

des „Panóa“-Baches überschreitend, durchzog ich die geschäftsvolle

„Kings-street“ bei abendlicher Lebhaftigkeit ihrer Bevölkerung und war

bald in meiner Behausung, Ecke der „Queen- und Richard-street.“

Ich will zum Schlusse meines Tagebuches einen Ueberblick meiner

Eindrücke über die Constellation und den Charakter der Inseln im

Allgemeinen wie im Einzelnen, sowie über die Fauna und Flora derselben

wiederzugeben versuchen.

In ihrem Ursprung und ihrer Bildung sind sämmtliche Inseln dieses

Archipels sich gleich, da sie bekanntlich alle durch die von

Westen nach Osten, beide Continentalmassen durchschneidenden

Centralvulkane der Südsee, resp. durch ihre Vertheilungen gleichwie die

Gesellschaftsinseln und viele andern Inseln der Südsee aus der Tiefe

gehoben und gebildet und allmählig durch Hebungen, durch Rücktritt der

See, durch die Auswürfe nachträglicher Eruptionen ihrer Vulkane, durch

gewaltige Ausströmungen der Lava in den Ocean und durch Anschwemmung

verwitterter Lava und Gesteine ihrer Centralgebirge erweitert worden

sind.

Das Gebirge resp. der Untergrund der Insel besteht aus schwarzem Basalt

oder Trachyt, Dollerit, Melaphyr und Laven. Ihre Gipfel, d. h. wo nicht

noch thätige Krater vorhanden, sind leicht vertieft. Die erloschenen

Krater sind in ihrer Form napfförmig.

Höchst charakteristisch sind namentlich auf der Insel Hawaii die

kleinen Reihenvulkane im nordwestlichen Theile der Insel: die

„Koála“-Berge, und im südöstlichen Theile die Reihengebilde bei Kapéla

und Kalahía, Letztere sind prismatische.

Der eisenhaltige mit Jod, Brom, Schwefel, saurem Natron, Gips

und Kalk geschwängerte Humus der Inseln besteht aus Kieselerde,

Thonerde, Alkalien, Kalkerde, aufgelösten alluvialen oder organischen

Anschwemmungen, aufgelösten Vegetabilien und aus Sand, welcher durch

gewaltige Herbeispülung des Grundes der Untiefe des Ocean’s durch die

Woge, als angehäufte Sandmassen der Umgebung der Ufer oft in Dünen sich

zeigt und durch Luft oder durch die Seewinde getrocknet, sich durch

Stürme weiter in das Land und über dasselbe allmählig vertheilt hat.

Auch die Korallenbänke, die sich nur am südlichen Ufer der Inseln

befinden und die Riffe, sind oft mit solchen Sandanhäufungen umgeben

oder überzogen, Sandbänke bildend.

Unter den Laven der Vulkane, die blasenförmige Lücken bilden,

findet man meist basaltische resp. feinkörnig krystallische und

gleichmässig gemischte, sowie auch erdige resp. äusserst feinkörnige,

kleine, krystallinische Theile bildend, obgleich dieselben oft ein

porphyrartiges Aussehen haben.

Die Asche, gleichwie der Sand der Vulkane, sind fein zu grauem Mehl

oder Kies zertheilte Lava oder Krystalle von Feldspath, Titaneisen,

Magneteisen, Olivin, Achat u. s. w.

Die Fauna der Inseln ist im Allgemeinen die gleiche und ist nicht nur

in ihrer Mannigfaltigkeit, sondern im Grossen und Ganzen eine arme zu

nennen, und ich will, wie folgt, einen kurzen Ueberblick geben.

1) ~Säugethiere~: Mammalia. Von Säugethieren gibt

es einheimische keine, es sei denn, der Walfisch und die

Delphinenarten des Oceanes. Die im Inselreiche gegenwärtig

vorhandenen Säugethiere sind importirte, die theilweise in früherer

Zeit importirt und verwildert sind, wie das Schwein und der Ochse,

die man auf den Hochplateaus der Insel Hawaii irrthümlicher Weise

als Büffel und Eber jagt sowie ferner in neuerer Zeit importirte

Rehe und Hirsche, die sich wie man sagt, ausserordentlich vermehren

sollen, denen ich aber bei meinen Ausflügen auf den Inseln nicht

begegnet bin. Die Schweine müssen aller Wahrscheinlichkeit in

urältester Zeit, vielleicht zur Zeit der Einwanderung der jetzigen

Race der Bevölkerung, die eine westmalayische ist, importirt worden

sein. Da die Hawaiier, als das erste Rindvieh und andere ihnen

unbekannte Säugethiere importirt wurden, stets dieselben mit dem

Namen „Schweine“ bezeichneten, wie z. B., als Vancouver in das Land

das erste Rindvieh als Geschenk dem Könige Kamehá-mehá I. brachte,

benannten sie dasselbe als „puaá-pepei-aúhaó“, d. h. „Schweine mit

grossen Hörnern“.

Einen Widerspruch zu meinem Ausdrucke „keine Säugethiere“ bilden die

Fledermäuse, die sich als einziges einheimisches Säugethier manigfaltig

und zahlreich zeigen.

Die im Inselreiche sich stark vermehrenden Mäuse und Ratten sind

unzweifelhaft durch die Schiffe der Walfischfahrer oder andern

importirt worden, da dieselben im Innern der Insel nur selten zu

treffen sind.

2) ~Vögel~ (aves).

a. ~Raubvögel~ (aves rapaces) sind als Seeadler, Fischadler

und Habichte zu finden. Nachtraubvögel sollen nicht vorhanden sein.

b. ~Singvögel~ (aves oscines) sind verhältnissmässig wenige

vorhanden und das nur Zugvögel, z. B. Lanius colurio, der

Neuntödter, und Lanius minor, der kleine Würger, Wiedehöpfe u.

s. w. Der Paradiesvogel soll früher einheimisch gewesen sein,

Paradisea apoda.

c. ~Klettervögel~ (Scansores. --) Ebenfalls sind nur einige

Zugvögel derselben vorhanden, z. B. der von Jahr zu Jahr seltener

werdende Trogu.

d. ~Schreivögel~ (Clamatores), ebenfalls nur Zugvögel, z. B.

der rabenähnliche Coracias, der Buceros rhinoceros und andere.

e. ~Tauben~ (Columbae) sind sehr zahlreich vertreten und doch

auch nur als Zugvögel, z. B. die Wandertaube, Columba migratoria,

die Turteltaube, Columba turtur, verschiedene Kronentauben u. A.

f. ~Hühnervögel~ (Galinacei) sind auch nur Zugvögel z. B.

die Wanderwachtel, Coturnix, das Fusshuhn, Megapodium. Die sich

stark vermehrenden Fasanen verschiedener Arten, namentlich der

chinesische Silberfasan und andere echte Hühnervögel sind zur Zeit

des Königs Kamehá-mehá III. importirt worden.

g. ~Laufvögel~ (Cursores) gibt es nicht.

h. ~Sumpfvögel~ (Grallatores) sind wenige vorhanden und

zwar nur Zugvögel, z. B. Regenpfeiferarten, Schnepfenarten und

Fischreiher.

i. ~Wasservögel~ (Natatores). Ausser den an den Ufern des

Oceans sichtbaren Tauchern, Alken, Möven, Albatros, Seeschwalben,

trifft man in den Sümpfen der Hochebenen Schwäne, Gänse, Enten,

von letztern sind mehrere wahrscheinlich, Dank den klimatischen

Verhältnissen, ständige.

3) ~Reptilien~ (Reptilia). Mit Ausnahme der Seeschlangen,

Hydrophis, verschiedener Schildkröten des Meeres, unter denen auch

die Chelonia imbricata, die Riesenschildkröte sich zeigt und auf

dem Lande einiger Eidechsenarten gibt es keine Reptilien.

4) ~Lurchen~ (Amphibiae) sind verhältnissmässig nicht stark

vertreten. Man findet jedoch den Grasfrosch, Rana esculenta, den

dunkelbraun gefärbten Rana temporaria und die Unken. Den gefleckten

Salamander habe ich nur einmal und das auf der Insel Kauai

getroffen, ein Beweis, dass er vorhanden sein muss.

5) ~Fische~ (Pisces) sind höchst manigfaltig in ihren Arten im

Meere. Im Süsswasser gibt es nur importirte, die sich überraschend

vermehren.

6) ~Insecten~ (Insecta).

a. ~Käfer~ (Coleoptera) sind als einheimische nicht

manigfaltig. Seit dem Eindringen der Kultur der Europäer und

dem Importe von Vieh nehmen sie an Manigfaltigkeit zu, z. B.

Schwimmkäfer, Keulenhörner als: Aaskäfer, Todtengräber etc.;

Schnellkäfer, Weichkäfer, Schattenkäfer, z. B. der Mehlkäfer;

Rüsselkäfer, die sehr zahlreich mit dem Reis und Zuckerrohr

eingeführt werden; Blattkäfer, die sehr zahlreiche und wie es

scheint, „indigenae“ sind; Zwergkäfer sind zahlreich in den Moosen

und Flechten und sind „indigenae“ zu betrachten.

b. ~Hautflügler~ (Hymenoptera) sollen früher nicht vorhanden

gewesen sein und erst durch die Cultur der Europäer, Amerikaner

und Chinesen importirt, sich stark vermehren, z. B. verschiedene

Blattwespen, Schlupfwespen u. s. w., sowie die verschiedensten

Ameisenarten. Die Biene wird mit Macht importirt, da sie im Lande

nicht einheimisch, in demselben jedoch ausserordentlich günstig

fortkommt.

c. ~Schmetterlinge~ -- (Lepidoptera) sind nicht manigfaltig,

theilweise jedoch scheinbar einheimisch. Sie nehmen gleichwie die

vorhergehenden Insecten durch zufälligen Import der Larven oder

Puppen bedeutend zu.

d. ~Zweiflügler~ -- (Diptera) sollen früher nicht vorhanden

gewesen und erst durch Europäer, Amerikaner und Chinesen eingeführt

worden sein, z. B. verschiedene Mückenarten, die Sandfliege und

andere Fliegen nehmen an Manigfaltigkeit und Zahl im Inselreiche

erschreckend zu.

e. ~Netzflügler~ -- (Neuroptera), die gleichwie die letzteren

früher nicht vorhanden, nehmen jetzt bedeutend zu, z. B. die

Florfliege -- Chlorops und Kameelhalsfliegen etc.

f. ~Geradflügler~ -- (Orthoptera) sind verhältnissmässig nicht

manigfaltig, nehmen aber ebenfalls zu und das namentlich in Folge

der zunehmenden Dürre des Landes, z. B. Feldgrillen, Heimchen,

Heuschrecken, Zirpen.

g. ~Halbflügler~ -- (Rhynchofera) sind sehr zahlreich

und manigfaltig, als: Baumwanzen, Blattwanzen, Schildwanzen,

Bettwanzen, Ohrwürmer.

h. ~Flügellose~ (Aphoniptera) -- als: Flöhe, Läuse in Form

von Pflanzen- und Thier-Parasiten. Das aus Amerika mit Zucker

importirte, höchst lästige, sog. Silberfischchen, Lepisma

sacharina, ist zahlreich vorhanden.

7) ~Tausendfüssler~ (Miriapoden) sollen früher im Lande

vollständig unbekannt gewesen und erst durch Europäer, Amerikaner

und Asiaten eingeführt worden sein und sie vermehren sich sichtbar

als Tausendfüssler und Skolopender.

8) ~Spinnenthiere~, (Arachnoiden) findet man als eigentliche

Spinnen (Araneiden), und Milben in grosser Manigfaltigkeit und

scheinen theilweise einheimisch gewesen zu sein, sich jedoch in

ihrer Manigfaltigkeit in Folge des Fremdenverkehres bedeutend

vermehrt zu haben. Scorpione, sowie auch die Tarantel waren früher

vollständig im Lande unbekannt gewesen und sind rein importirte,

sich ausserordentlich vermehrende Qualen des Landes geworden.

9) ~Krustenthiere~ (Crustacea). Von den Krebsen findet man nur

Krabben. Unter den Stachelfüssern kommt der Limulus polyphemus und

unter den Rankenfüssern die an den Riffen festsitzenden Meereicheln

verschiedener Arten vor.

10) ~Räderthiere~, (Rotatoria) kommen wahrscheinlich im

Süsswasser der Inseln vor.

11) ~Würmer~ (Vermes) sind in den verschiedensten Arten im

Ocean und auf dem Lande zu finden, z. B. unter den Ringelwürmern

die Seeraupe, Aphrodite, der Meerskolopender, Syllio, der

Röhrenwurm, Serpula, im Ocean und Regenwürmer auf dem Lande u.

s. w. Eingeweidewürmer sind natürlich vorhanden. Die Trichinen

und Bandwürmer waren früher unbekannt und sind als importirte

angesehen, sind aber wahrscheinlich unbemerkt vorhanden gewesen.

12) ~Weichthiere~, (Moluska) unter denen von den Kopffüssern,

Cephalopoden, Octopusse, Loligusse, Nautilusse. Schnecken sind

zahlreich im Ocean, nur wenige auf dem Lande, letztere nehmen

jedoch ebenfalls durch den Import verschiedener Pflanzen an

Manigfaltigkeit zu, z. B. die nackte Wegschnecke, Arion, Limax und

Boulimus-Arten; Kammkiemer-Arten sind im Ocean höchst manigfaltig

vertreten, unter denen namentlich hervorzuheben sind: Die

Fasianella bulimoides, Solarium perspectivum, Nerita polita, Cyprea

tigris, Conus generalis, Strombus gigas, Cassis- und Murex-Arten.

Kielfüsser (Hetéropoda) sind zahlreich im Ocean vorhanden, als

namentlich in grossen Massen der Clio borealea als bekanntes

Futter der Walfische.

13) ~Strahlthiere~, (Radiata). Unter den Muschelthieren

sind namentlich die Austern hervorzuheben, die früher im

Inselreich sehr zahlreich gewesen, was die zahllosen Gehäuse

derselben an den Korallenbänken beweisen. Augenblicklich sind im

Inselreiche keine lebenden vorhanden. Das plötzliche Verschwinden

derselben lässt sich nur in Folge vulkanischer Einwirkungen

erklären. Das Merkwürdige bei der Sache ist nur, dass an Stelle

derselben ein austernartiges und zwar ein höchst giftiges Thier

sich eingefunden hat, welches ebenfalls an den Korallenbänken

haftend, die Eigenschaft hat, jede durch dasselbe erzeugte Wunde

lebensgefährlich zu machen. Das Gift desselben ist bisher noch

nicht untersucht worden. Die Eingebornen benennen die Muschel

„Kaunóa“. -- Ausserdem sollen Maleus-Arten, Pinna-Arten z. B.

Pinna (squamosa), verschiedene Theredo und Solen, als Armfüsser,

z. B. Liegula terebrátula, und auch andere vorhanden sein. Die

Mantelthiere sind sehr zahlreich und meist phosphorescirend. Unter

den Sternwürmern, unter denen z. B. der Holothuria tubulosa, sind

verschiedene Arten zu finden, und unter den Stachelhäutern, z. B.

der Oreaster reticulatus und Pentacrinus caput Medusae.

14) ~Moosthiere~, (Bryozóa) scheinen nicht vorhanden zu sein.

15) ~Darmlose Thiere~, (Coelentherata), findet man als

Quallen, z. B. Acalepha medusa und Physóphora; als Polypen,

die überaus zahlreich vertreten, die Mecandrina daedalea, oder

Labyrinth-Koralle, die Horn-Koralle Gorgonia, die Korkkoralle

Tubipora musica. --

16) ~Urthierchen~, (Protozoa), sind natürlich im Ocean, wie

im Süsswasser zu finden, namentlich Schwämme, Spongien, an den

Korallenbänken und am Grunde des Oceanes.

Die ~Flora~ des Inselreiches von Hawaii besteht, seit der

ursprünglich die Gruppe der Inseln dicht bewaldende Sandelbaum

vollständig geschwunden ist, aus verschiedenen stämmigen Akazien

und Mimosen, baum- und strauchartigen Euphorbien, Mirtaceen, aus

üppigen Balsamgewächsen, baumartigen Nesselgewächsen, Coronarien und

Rosifloren, aus Cicadeen und den manigfaltigsten Farren und zwar bis

zum Baumfarn, untermischt mit Pandonen, Pfeffergewächsen, Dracenen und

verschiedensten Kryptogamen.

Die Grasflächen, die früher von üppigen Bäumen des Waldes beschattet

waren, bestanden vorherrschend aus Cyperaceen, unter deren Schatten

wiederum die saftigsten feinen Gräser vorhanden waren. Gegenwärtig,

in Folge der Entwaldungen und hierdurch zunehmend eintretenden Dürren

verhärten sich die Cyperaceen, schwinden die feinen Gräser, an deren

Stelle Disteln, Cacteen, Coronarien, krautartige Farren, Schachtelhalme

und verschiedenes Unkraut traten.

Die Kokospalme zeigt sich an den Ufern der Inseln, stellenweise Haine

bildend, scheint mir jedoch eine importirte Pflanze zu sein, da man

dieselbe nur in Nähe der Dörfer in Hainen und nie vereinzelt im

Inselreiche trifft. Sehr wahrscheinlich ist es, dass dieselbe mit dem

jetzigen Stamme der Bevölkerung der Inseln eingewandert ist.

Auf den Ackerfeldern findet man meist nur „tarro“, Reis und Zuckerrohr

gebaut.

Die Ueppigkeit der Flora, wo dieselbe vorhanden, ist eine auffallend

reichhaltige, doch zeigt dieselbe durchweg den verwüstenden Einfluss

entweder des vulkanischen Elementes oder der menschlichen Hand.

Um einen ~Ueberblick~ derselben zu geben, will ich die Haupttypen

der Flora des Inselreiches und die charakteristischsten Pflanzen

derselben, wie folgt, zu schildern suchen:

I. ~Cryptogamen~.

1) Algen, (Algae) sind überaus zahlreich vertreten.

2) Pilze, (Tungi) sollen weniger vertreten sein, in neuerer Zeit

sich jedoch bedeutend vermehren.

3) Flechten, (Lichenes) sind in den verschiedensten Typen vorhanden.

4) Charen (Chareen), desgleichen.

5) Lebermoose, (Hepoticeen) desgleichen.

6) Laubmoose, (Musci frondosi) in manigfaltigster Art.

7) Farren, (Felices), sind im Inselreiche sehr reich vertreten

und ich glaube behaupten zu dürfen, dass es schwer halten würde,

von dem kleinsten Krautfarn bis zum prachtvollen Baumfarn eine

existirende Art derselben im Lande nicht zu finden. Die Farren

bilden den Hauptcharakter der hiesigen Vegetation und vertreten

in ihrer Ueppigkeit die Palmenvegetation, die hier im Lande nur

wenig vertreten ist. Pterus esculenta, ein Krautfarn, wird im Lande

seines mehlhaltigen Stengels wegen genossen und „púlu“ genannt.

8) Schachtelhalme, (Equisetaceen) sind zahlreich und mannigfaltig

im Inselreich vertreten und wuchern in den Weideflächen, in den

Waldungen und auf der Heide.

9) Natternzungengewächse, (Ophioglosseae) sind ebenfalls zahlreich

vertreten.

10) Wurzelfrüchtler, (Rhizogarpeen), kommen an den Bächen der Insel

vor und das namentlich Marzilia-Arten, von denen einige von den

Eingebornen als Speise benutzt werden.

11) Bärlappen, (Lycopodiaceen) sind zahlreich vertreten.

II. ~Phanerogamen~.

A. ~Nacktsamige~, (Angiospermen.)

12) Cycadeen vertreten im Inselreiche mit den Farren die Stelle der

Palmen.

13) Nadelhölzer, (Acerosae), sind nur als importirte vorhanden,

als z. B. Coniferen; fraglich bleibt es jedoch, ob nicht Gnetaceen

einheimischer Art vorhanden sind.

B. ~Bedecktsamige~ (Gymnospermen).

14) Monocotyledonen -- Einsamenlappige.

a. Fluriales }

b. Helobiae } sind wahrscheinlich vorhanden, jedoch

c. Hydrocharides } mir unbewusst. --

d. Kolbenblüthige, Spadiciflorae, sind hier manigfaltig vertreten,

als: Calaceen; Aroideen, z. B. der „tarro“ oder „Kálo“ genannt,

(Arum esculentum), dessen Wurzel von den Eingeborenen als

Hauptnahrungsmittel benützt wird; Thyphaceen als hochwüchsige

Sträucher und als Schilf. Das Schilf und die Blätter werden zur

Bedachung der Hütten und als Flechtwerk für Wände derselben

benutzt. -- Pandanen, z. B. der Pandanus verus, dessen Blüthen

gemischt mit den Blättern des „Nioi“, (einer Atrocarpeae) von

einheimischen Aerzten, den „Kahuna’s“ als Mittel gegen Fieber

mit Erfolg gebraucht wurden, und der Pandanus littoralis, aus

dessen Saugwurzeln der feste Bast zum Flechten der hiesigen Matten

gewonnen wird.

e. Palmen, (Principes) sind nur selten zu finden und das nur

krüppelig. Die Kokospalme, die hin und wieder Haine bildend, an der

Küste zu finden, ist wie schon früher erwähnt eine in urältester

Zeit importirte Pflanze gleich wie die areca-cleracea.

f. Spelzenblüthige, (Glumaceae) -- sind als Gräser, (Gramineen)

weniger vertreten und mehr krautartig vorhanden. Desto

manigfaltiger sind aber die Cyperaceen, unter denen z. B. die

„papaia“, eine carex, deren Wurzel oder Erdmandel, zerrieben und

gemischt mit den zerriebenen Blättern des „Kowali“ (die ipomea

pescaprae) und mit Salz vermengt, als Umschlag ein gutes Mittel

gegen Verrenkungen ist; das „pili“-Gras, welches ein wucherndes

Unkraut der Gegenden des ganzen Inselreiches ist, von den Pferden

und dem Rindvieh hin und wieder gleichwie als Heilmittel aufgesucht

und mit Begierde gefressen wird, ist aber durch seine stacheligen

Samenkapseln den Schafen sehr gefährlich, da dieselben entweder bei

ihnen eine Entzündung des Halses oder der Haut erzeugen.

Die Weideflächen waren einstmals mit Gräsern, Cyperaceen und

nahrhaften Kräutern anderer Ordnungen und Familien reichhaltig

bewachsen und obgleich sie nie, -- wie es im Allgemeinen in allen

tropischen und subtropischen Ländern der Fall ist -- Wiesen

bildeten, wie bei uns, so hatten sie aber den Ruf einer grossen

Ueppigkeit und Nahrhaftigkeit. Seit der Entholzung des Landes

schwinden die saftigen Kräuter, unter deren Schatten feinere Gräser

die sengenden Sonnenstrahlen ertragen konnten, und daher schwinden

auch die letzteren und es treten an ihre Stelle saure, harte Gräser

oder graslose Flächen. Abgesehen von der Entholzung des Landes

haben hierzu namentlich die übermässig zahlreichen Viehheerden

beigetragen, als auch der Trieb einiger eingewanderter Unternehmer,

an Stelle der natürlichen Weide der Tropen Wiesen unserer Art

zu creiren, deren Bestand durch die Sonnenstrahlen der Tropen

unmöglich gemacht wird.

g. ~Kronenblüthige~, (Coronariae) sind manigfaltig vertreten,

als: Binsengewächse in den Weideflächen; Spargelgewächse, z.

B. Dracena draco, als Baum, der „Ki“ (Dracena terminalis),

dessen Stengel, Blätter und Wurzeln, die aufgeweicht zur Heilung

gebrochener, verletzter, geschwollener Glieder des Körpers als

Umschläge von den „Kahunas“ gebraucht wurden; und manigfaltige

Aloineen.

h. Die ~Yemspflanzen~ (Dioscoreae), sehr manigfaltig

vertreten, so z. B. der „uhi“, Dioscorea pentaphylla, die als

sedatives Mittel von den „Kahuna“ gebraucht wurde; es wurden

nämlich die Wurzeln zerstampft und 1/4 Liter Wasser zu 1/4

Pfund dieser Masse für den Gebrauch gemengt und es ist höchst

bemerkenswerth, dass dieses Mittel von den Malaien in vollständig

gleicher Art zubereitet und als „ubi“ benannt, gebraucht wird; die

Dioscorea patata wird als Nahrungsmittel benutzt.

i. ~Schwertlilien~, (Ensatae), sind sehr manigfaltig vertreten

als Agaven, Ananasgewächse u. s. w. -- Sehr verbreitet, namentlich

in den Weideflächen der Hochebenen ist die Ensis argentea, deren

Blätter in der Form der Aloe ähnlich, mit grauweisser, oft ganz

weisser Farbe und einem leicht-sammtartigen Hauche belegt sind,

und aus der Mittelaxe der dicht gedrängten Blätter erhebt sich

der Blüthenstiel, der ähnlich dem des wilden Zuckerrohres in einen

Büschel endigt, der entweder ausgebreitet oder fahnenartig und

dessen Farbe weissgrau, silberglänzend ist.

k. ~Gewürzschilfe~, (Scytamineae) z. B. der Pisang oder Banane

in verschiedener Art, deren Früchte bekanntlich genossen werden;

die faulen Stämme derselben jedoch wurden hier von dem „Kahuna“, d.

h. dem Arzte der Eingebornen, als Heilmittel für veraltete Wunden

benutzt, indem die aufgeweichte Masse derselben als Compresse

gebraucht wurde; dann der wilde Arrowrot als Sectamine Musacae und

Cannacae.

l. ~Orchideen~, Gynandrae, sind vorhanden.

-- (2) 15. Dicotyledonen (Zweisamenlappige.)

(A) Parigonblüthige -- Apetalae.

a. Serpentariae } Das Vorhandensein derselben

b. Aquaticae } ist mir unbewusst. --

c. ~Mittensamige~, (Centrospermeae), z. B. Sandelholzgewächse,

die in früherer Zeit das gelbe und weisse Sandelholz lieferten und

den Haupthandel des Inselreiches bildeten und den grössten Theil

der Inseln bewaldeten, sind augenblicklich vollständig ausgerottet

bis auf einzelne krüppelige Stämme, die hie und da sich noch

vereinzelt zeigen; ausserdem gibt es noch einige Arten Loranthaceen.

d. Pfefferartige, (Piperitae), finden sich in zahlreichen Arten

z. B. der „ava“, (piper methysticum), der ähnlich dem piper

betlé ist und aus welchem die Hawaiier ein berauschendes, höchst

schädliches Getränk bereiten; sie kauen nämlich in Gesellschaft

den „ava“ und speien das Gekaute in ein hiezu bestimmtes Geschirr,

wonach die gekaute Masse, einer Gährung überlassen, destillirt und

als Getränk benutzt wird. Die zerstampften Blätter desselben mit

der zerstampften „areka“-Nuss und gemahlenen verkalkten Korallen

gemischt, wird gleich dem betle der Malaien zum Kauen gebraucht,

ähnlich wie unsere Seeleute den Tabak benutzen. Die Rinde und

die Wurzeln derselben werden, -- d. h. als Extract, -- gegen

Hautkrankheiten von dem „Kahuna“ gebraucht. -- Der piper cubeba

wird vom „kahuna“ gegen Krankheiten der Geschlechtsorgane gebraucht.

e. Nesselgewächse, (Urticaceae) z. B. der „Kahui-láo-kaláni“ oder

„nioi“ genannt, eine Artocarpee und ist ähnlich dem „Upas-pahu“

von Java (der Antiaris toxicaria) und gleich wie letzteres ein

starkes Gift, welches von den „Kahunas“ zum „anaána“, d. h. dem

sog. Todtengebete zur Vernichtung eines Menschen benutzt wurde.

Der Glaube herrschte nämlich, dass der Gott Kolaípahoá im Baume

sich aufhalte und das Gift bereite. Der Baum ist nur noch selten im

Inselreich zu finden, da er, wie man sagt, zur Zeit Kamehámehá’s

III. auf Befehl hat ausgerottet werden müssen. -- Der Artocarpus

incisa, d. h. der Brotbaum, dessen Frucht bekanntlich geniessbar,

ist verhältnissmässig im Inselreiche nicht zahlreich zu finden.

-- Der Maulbeerbaum wird als „Morus alba“ und als „Morus nigra“

gefunden, soll jedoch importirt sein.

f. ~Kätzchenträger~ (Amentaceae) z. B. Plantanengewächse und

Weidengewächse sind zahlreich zu finden.

g. ~Schneller~, (Tricocceae), z. B. Rizinusstauden und der

„makokó“, (Euphorbia multiformis), dessen milchigen Saft der

„Kahuna“ mit ausserordentlichem Erfolge gegen Geschwülste oder

Entzündungen brauchte.

h. ~Lorberen~ (Thymeleen), findet man als: Seidelbastgewächse

(Daphnoideen), Proteaceen und Lorbergewächse (Laurineen).

i. Muskatnussartige, (Miristiceen) scheinen nicht vorhanden zu sein.

k. ~Spinatkräuter~, (Oleraceen), z.B. der „mii-makole“ (Rumex

acetosa) und „aweóweó“ (Chenopodium Sandwichium), das ähnlich dem

Chenopodium ambrosioides (Mexiko), wurde von dem „Kahuna“ gegen

Hämorrhoiden, bei Verwundungen gebraucht. Die geweichten Blätter

derselben stillen das Blut. Als Thee wirken sie purgirend. Der

Stand der Pflanze ist namentlich am Strande. -- Der Rhabarber,

(Rheum palmatum und compactum) -- und viele andere Arten von

Spinatkräutern sind vorhanden.

(B) Verwachsenblätterige Dikotyledonen -- (Sympetalae.)

a. Grasnelken, (Plumbagines) sollen vorhanden sein.

b. ~Priemelblüthige~, (Petalanthae) sind vorhanden, z. B. Maba

ebenus, die Primula officinalis und andere.

c. Haiden, (Bicornes) sollen vorhanden sein.

d. ~Röhrenblumige~, (Tubiflorae) z. B. der Tabak, (Nicotiana

tabaccum) in vortrefflichen Sorten einheimischer und importirter

Arten. -- Capsicum annum, der spanische Pfeffer, wurde vom „Kahuna“

zur Blutstillung gebraucht, indem die Blätter und Wurzeln desselben

mit Eucalyptus-Blättern zusammen aufgeweicht, als Compressen

dienen. Der „~Kowali~“ (Ipomea pescaprae) dessen lange Stengel

als sehr festes Bindematerial von den Hawaiiern gebraucht werden.

Den Dampf von der erhitzten Pflanze brauchte der „Kahuna“ als

Heilmittel gegen das Fieber und zur Heilung von Wunden resp. als

Dampfbad. -- Der „pohuéhué“ (Ipomea purga), dessen Extract aus den

Wurzeln, als günstiger Gebrauch gegen Augenentzündungen benutzt

wurde; dessen geweichte und dann gekochte Blätter verwandte der

„Kahuna“ als Umschläge und auch innerlich bei Frauenkrankheiten,

namentlich der prolapsis uteris. Die beiden letztgenannten

Windengewächse brauchte der „Kahuna“ als purgirendes Mittel, indem

er die Blätter und Wurzeln derselben zerstossen dem Kranken eingab.

Zu bemerken ist, dass dieses Mittel, so auch die vorhergehenden die

Indianer Mexiko’s in vollständig gleicher Weise gebrauchen. -- Die

Convolvulus batatae wird als Batate oder süsse Kartoffel genossen.

-- Die Convolvulus scamonia ziert reichhaltig und schön blühend die

Gegend und den Strand.

e. ~Drehblütige~, (Contortae), z. B. Strychningewächse als

Baum und Strauch, deren Gift der „Kahuna“ als Heilmittel und

zu Vergiftungen brauchte. -- Jasmingewächse existiren als Baum

und Strauch ungemein zahlreich. Der „Williwilli“ (Erithraea

monosperma), dessen zerstossene Rinde gemischt mit zerstossenen

Wurzeln des „Kowali“ (Ipomea pescaprae) der „Kahuna“ gegen die

Geburtswehen der Frauen und als purgirendes Mittel gebrauchte.

f. ~Maskirtblumige~ (Personatae) sind mir unbewusst.

g. ~Nüsschentragende~, (Nuciliferae), z. B. der Teak

(tectonia), als Baum selten, als Strauch zahlreich vorhanden. --

h. ~Geissblattartige~, (Caprifoliae), sehr manigfaltig als

Bisamkräuter in den Weideflächen. Rubiaceen, als Kaffeebaum, Krapp-

und Labkräuter sind höchst manigfaltig.

i. Glockenblüthige, (Campanulinae), sind als Kräuter und Sträucher

vorhanden. --

k. ~Haufblüthige~ -- (Aggregatae) als Baldriangewächse

(Valeriana), Kardengewächse, und Compositen, unter denen namentlich

die Disteln von Jahr zu Jahr zunehmen. -- Auch findet man die

Arnica montana auf den Höhen und ziemlich häufig die Micamia guaco,

Artischocken, Sonnenblumen u. s. w.

(C) Getrenntblättrige Dikotyledonen -- (Polypetalae).

1. ~Reihe~: Calyciflorae -- Kelchblüthige.

a. ~Scheibenblumige~ -- Discanthae, sind mir unbewusst.

b. ~Hornfrüchtige~, Corniculatae, z. B. der „punalima“ (sedum

fallax), der Mauerpfeffer, den der „Kahúna“ als purgirendes Mittel

gebraucht. Auch kommen verschiedene Saxifrageen vor.

c. ~Kürbisfrüchtige~ -- Peponiferae, als: Melonen, namentlich

aber Kürbisse verschiedenster Art, deren Schaalen die Eingebornen

zu Speisegeschirren, zu den erdenklichsten Haushaltungsgeschirren

und zu ihren musikalischen Instrumenten benutzen. -- Auch die

rankende Passionsblume ist vorhanden.

d. ~Kaktuspflanzen~, Opunticae, sehr manigfaltig und von Jahr

zu Jahr mit der zunehmenden Dürre sich vervielfältigend.

e. ~Kelchblüthige~, Calicanthae, z.B. der Pfeifenstrauch

(Philadelphus coronarius) und Lawsona alba und die Alkanna-Wurzel

u. A.

f. ~Myrthenblumige~, Myrthiflorae, sind sehr manigfaltig

vertreten; unter den Myrtaceen auch der Eucalyptus, von denen,

namentlich vom Eucalyptus globulus der „Kahuna“ die Blätter

gemischt mit denen des Capsicum annuum (spanischer Pfeffer) gegen

Fieberkrankheiten benutzte.

g. ~Rosenblüthige~ -- Rosiflorae -- sind vorhanden als z.

B. u. a.: der Hawaii-Bergapfel, der eine Rosacea ist und dessen

Frucht der Mispel ähnlich, höchst saftig und wohlschmeckend ist,

verschiedene Crataegus- und Sorbus-Arten.

h. ~Hülsenfrüchte~ -- Leguminosae sind zahlreich vertreten

als Bäume, Sträucher und Kräuter in den Wäldern wie auch unter

den Pflanzen des Weidelandes. Unter den Mimosen-Gewächsen sind

namentlich 5 Arten des sog. „Koa“ (Akazien), die die Hauptflora

des Inselreiches bilden, zu bemerken, unter denen z. B. die

ebenholzartige Acazia falcata mit beständigem Wechsel ihrer

Blüthenfarbe das hauptsächlichste und festeste Nutzholz liefert.

Ausserdem findet man verschiedenste Mimosen und Cassia-Arten.

i. ~Faulbaumartige~ -- Frangulaceae -- sind mir unbewusst.

k. ~Balsamgewächse~, Therebinthineae; unter denen ist

zahlreich der Rus coriaria vertreten, von welchem der bekannte

Gerbestoff, der „Summach“ gewonnen werden könnte, jedoch bisher

im Inselreiche noch nicht als Handelsartikel benutzt wird; der

Mangobaum (Mangifera indica). -- Ausserdem sind verschiedene

Burseraceen und Butaceen zu bemerken.

2. Reihe: Bodenblüthige, (Talamiflorae).

a. ~Nelkenartige~, Cariophyllineae, sind ebenfalls vorhanden,

unter denen z. B. das Sandkraut (arenaria elimus).

b. ~Säulenfrüchtige~ -- Columniferae -- unter denen namentlich

der „hau“ (Hybiscus tiliaceus) als strauchartiges Malvengewächs

mit weichem Holze zu nennen ist, welches wuchernd im Inselreiche

gefunden wird. Die Eingebornen benutzen die Fasern der Rinde zu

Angelschnüren und Bindematerial.

c. ~Wandfrüchtige~ -- Parietales -- sollen nicht vorhanden

sein.

d. ~Guttigpflanzen~, Guttiferae, verschiedenartig vorhanden,

namentlich in Tamarindengewächsen.

e. ~Orangen~ -- Hesperides -- sind vorhanden.

f. ~Ahornpflanzen~, (Acera) findet man als Sapindaceen

(Lianen).

g. ~Milchkräuter~, Polygalineae. Ob vorhanden ist mir

unbewusst.

h. ~Storchschnabelblüthige~ -- Gruinalis -- sind vorhanden und

zwar in Geranium und in Balsaminen-Gewächsen.

i. ~Mohnpflanzen~, Rhocadeae, sind zahlreich, z. B. der

„Kukui“ (Alliaria triloba), den der „Kahuna“ als Heilmittel gegen

alte Wunden gebrauchte, indem er die zerstampften kleinen Nüsse der

Pflanze mit den pulverisirten Blättern derselben vermischt, mit

Speichel zu einen Teig geknetet und auf Blätter gestrichen, auf die

Wunde legte.

k. ~Wasserrosen~, Hydropeltineen, sollen nicht vorhanden sein.

l. ~Vielfrüchtige~ -- Polycarpicae -- sind namentlich als

Ranunculaceen, die die Weideflächen oftmals überwuchern, zu treffen.

Im Charakter ihrer Physiognomie zeigen die Inseln eine gewissermassen

bedeutsame Verschiedenheit, daher will ich es versuchen, jede Insel für

sich in ihrer Physiognomie möglichst kurz zu schildern.

Die Insel Hawaii auch Ouaï genannt, hat als die grösste der Inseln dem

Königreich und der Nation den Namen gegeben oder hat vice versa deshalb

den Namen der Nation erhalten.

Die Insel ist durchgängig gebirgig. Das System des Gebirges bilden

drei gewaltige Erhebungen, die des „Mauna-lóa“, des „Mauna-kéa“

und „Huálalai“, die mit weit ausgedehnten, im stumpfen Winkel sich

neigenden, stellenweise gewaltig zerrissenen und mit Lavageröll

bedeckten Hochebenen verbunden sind.

Die äussersten Gipfel der Gebirgskämme sind nur selten und zwar

kurzweilig unter Schnee. Besonders eigenthümlich ist der dunkel

schattirt, richtiger gesagt, dunkelgefleckte Schatten, den diese Gipfel

auf den Ocean werfen.

An Kratern ist das Gebirge reich, an Formen steil, wild zerrissen

und oft bis in den wild brandenden schäumenden Ocean sich als steile

Abhänge oder Abgründe ziehend. Diese jähen Abhänge und Abgründe

charakterisiren finstere Grotten, die durch gewaltige Ausströmungen

der Laven ältester, älterer und neuerer Zeit in den Ocean entstanden

und sehr verschieden in ihrem Colorit und in ihren meist dunklen

Schattirungen sind.

Das Ufer der Insel ist meist steil, schroff und tief. -- Die Umgebungen

desselben, reich an Riffen, Korallenbänken, Lavabänken, tiefen

Einschnitten oder weit in den Ocean sich ziehenden flachen Landzungen,

macht einen wild zerrissenen, echt plutonischen Eindruck, der noch

erhöht wird durch den charakteristischen, metallischen Glanz der grauen

Farbe der starren Ufer, der Hochfläche des Ufersaumes und der ganzen

Umgebung.

Die Insel Hawaii macht den Eindruck, dass dieselbe primitiv nur aus

den 3 damals aus dem Ocean hervorragenden Vulkanen, dem „Mauna-loa“,

„Mauna-kea“, und „Hualalaí“ bestand und dass dieselben durch frühere

oftmalige Eruptionen, durch unterirdisches Sicherheben und Füllen mit

den Erdgüssen der Lavamassen sich über dem Wasserspiegel vereinigt, und

durch allmäligen Zuwachs die jetzige Form der Insel gebildet haben,

wie es sichtlich durch die Wirkung der neueren Eruptionen, durch die

-- wenn auch langsamen -- Vergrösserungen der Insel stattfindet und

zwar nicht nur durch überseeische Lavazuströmungen, sondern auch durch

unterseeische Zuströmungen und durch unterseeische Erhebung des Bodens.

Die Insel Maui ist von der Insel Hawaii durch einen 10 engl. Meilen

breiten Kanal getrennt, den eine heftige Strömung und ein beständig

stürmischer Luftzug charakterisirt. --

Die Insel besteht aus zwei Theilen, Ost-Maui und West-Maui. Beide

Theile sind sich im Allgemeinen ähnlich, in der Formation jedoch

verschieden.

In Ost-Maui haben sich durch die längere Ruhe der einstmals gewaltig

wirksamen Vulkane ebenfalls Hochebenen, jedoch -- im grellen Contrast

zu Hawaii -- sanft gegen den Ocean sich niederziehend gebildet, die

mit fruchtbarstem Humus belegt, der Gegend einen üppigen Graswuchs,

stellenweise eine niedrige Waldvegetation gestatten und zur Cultur sehr

geeignet sind.

Ost-Maui bildet den grössern Theil der Doppelinsel und ist mit dem

westlichen, kleinern Theile durch eine schmale Landzunge verbunden.

West-Maui erinnert im Kleinen in Bildung, Form und Charakter an die

Insel Hawaii. Gleichwie letztere ist sie durchwühlt, zerrissen und, so

zu sagen, gedrängt gehoben. Auch bei ihr im Kleinen findet man wie in

Hawaii 3 ähnlich gelegene vulkanische Erhebungen, deren einstmalige

Wirkung auf ihre Constellation allen Anzeichen nach wie die der Insel

Hawaii gewesen sein muss.

West-Maui ist wild zerrissen, an Schluchten reich, in den Thälern und

Schluchten üppig an Vegetation, ist aber trotz ihres Reichthums an

Quellen, Bächen und fruchtbarem Boden durch die Zerrissenheit ihres

Terrains und die zahlreichen Engschluchten ihrer Landschaft zu einer

rationellen Cultur nicht durchweg geeignet, während Ost-Maui Dank

ihrer sanft sich neigenden Landschaft mit ihrem meist fruchtbaren

Boden, -- wenn auch an Wald arm, daher schattenlos und den Strahlen

der Sonne ausgesetzt und obgleich verhältnissmässig arm an Quellen und

Bächen -- zu einer rationellen Cultur höchst geeignet ist. Es erfordert

aber zu den umfangreichen, künstlichen Bewässerungen und künstlichen

Schattenerzeugungen bedeutende Betriebskapitalien.

Die Insel „Kauai“ hat nur einen Central-Vulkan, der durch seine

einstmaligen Eruptionen -- ähnlich wie in Ost-Maui der Haleakála --

sanft sich neigende Ebenen gebildet hat. Die Wirkung der Eruptionen

muss aber eine gewaltigere oder enger umschlossene gewesen sein als in

Ost-Maui, da die sanft sich neigenden Ebenen, stellenweise gewaltsam

durchrissen, durchwühlt, mehr den Charakter von West-Maui annehmen.

Gleich dem zeigt sich auch der Charakter ihrer Vegetation. Der grösste

Theil der Insel trägt nämlich einerseits und zwar im noch üppigeren

Masse, die Reichhaltigkeit der Vegetation von West-Maui anderseits,

-- die Nachtheile ausgenommen, -- den Charakter der Vegetation

von Ost-Maui, da Kauai durchgehends reich an Quellen und weniger

schattenlos ist. Ihre üppigere Vegetation verdankt die Insel dem

längeren Ruhestande ihrer Vulkane, die, wie man sagt, lange vor denen

Maui’s erloschen sind.

Die Insel Oahú zeigt am wenigsten Folgen gewaltiger vulkanischer

Umwälzungen und weniger Veränderungen ihrer Urform durch

vulkanische Eruptionen. Die stattgefundenen und noch stattfindenden

Erweiterungen verdankt die Insel mehr dem Bau der Coralle und den

Alluvialanschwemmungen.

Die Ursache, dass die an Kratern reiche Insel weniger gewaltsam

verändert worden ist, scheint mir gerade in diesem Reichthume der

Krater zu liegen, da dieselben -- zahlreich und niedrig, -- ihre Kraft

weniger auseinander sprengend ausgeübt und daher nur eine Veränderung

durch die Ablagerung ihrer ergossenen Lava hervorgerufen haben.

Gebirgszüge der Insel sind 2: der nördliche, der sog. Nuaná,

dessen südliches Ende die sogenannte Diamantspitze bildet und der

südliche, der sog. Wainéa, der parallel dem ersteren den südöstlichen

Theil der Insel durchzieht. Beide Züge sind reich an erloschenen

Kratervertiefungen.

Die einheimische Flora der Insel Oahú ist verhältnissmässig zu der

der andern Inseln eine ärmere zu nennen. Sterile Flächen nehmen einen

grossen Theil der Insel ein. Demungeachtet ist Oahú durchgängig zu

einer rationellen Cultur, da die Insel reich an Feuchtigkeit, sehr

geeignet. --

Aehnlich Oahú ist der Charakter der Insel Molokai. Die übrigen Inseln

mit Ausnahme der von Nihau und theilweise der von Lanai, bilden

gegenwärtig wasserlose Felsmassen, die vegetationslos, culturunfähig

und nur zeitweilig von Fischern bewohnt sind. --

Im Allgemeinen hinterlassen die bewohnten Inseln des Königreiches den

Eindruck, dass -- Dank ihrem Boden und ihren günstigen klimatischen

Verhältnissen und ihrer gleichmässigen Temperatur -- auf denselben jede

Pflanze und zwar die Pflanze jeder Zone vortheilhaft gedeihen muss.

Die üppigste der Inseln ist unstreitig Kauai, und dieser folgen der

Ueppigkeit nach Maui, Hawaii, Oahú, Molokai und dann die andern.

Die Insel Hawaii könnte die ertragreichste dieser Inseln sein, wenn

nicht die weit ausgedehnten, mit Lava bedeckten Strecken nahezu die

Hälfte ihres Areales einnehmen, und die Cultivirung derselben entweder

unmöglich, zu schwer oder zu kostspielig sich herausstellen würde.

Ausser dieser Ursache wirkt bedeutend lähmend auf die Entwicklung

der Insel die beständige Erwartung neuer Ausbrüche ihrer Vulkane,

wodurch natürlich die Muthlosigkeit der Einwohner erhöht und der

Unternehmungsgeist derselben gehemmt wird.

Noch im Jahre 1856 war der Haupterwerbszweig der Inseln der

regelmässige Besuch der hier zur Winterszeit zahlreich stationirenden

Schiffe der Walfischfänger, die zu ihrem Hauptstapelplatz, seit über

einem Jahrhundert, die Inselgruppe gewählt hatten.

Es sollen nämlich, wie man sagt, bisweilen in den Häfen der

verschiedenen Inseln bis 500 und vor Honolulu seit der Entdeckung

des Hafens oft bis 170 solcher Schiffe gelegen haben, die hier

ihre Provision bezogen und ein, wenn auch demoralisirtes, so doch

freigebiges Leben führten.

Im Frühjahr, von der Südsee kommend, würden die Schiffe hier

ausgebessert, gereinigt und zum Sommerzug in den Norden gegen

die Walfische der japanesischen und arktischen Gewässer und der

Beringsstrasse gerüstet und die erforderliche Hülfsmannschaft unter den

als Seeleute gewandten Eingebornen recrutirt.

Dieses regelmässige und lange dauernde Treiben einer Horde

unternehmender, meist übermüthig freigebiger Abenteurer brachte regen

Handel und Wandel den Inseln, gab der Bevölkerung -- freilich auf

Kosten ihrer Moralität -- einen guten Verdienst und die ihr beliebte

Möglichkeit ihre Gewandtheit in der See gegen eine verhältnissmässig

gute Besoldung als Hülfsmannschaft zu verwerthen.

Von 1865 an begann merklich die Zahl dieser Schiffe abzunehmen. Die

Ursache war die, dass einerseits die Walfische damals mehr nach

Norden sich zurückzuziehen begannen, wodurch den Walfischfängern die

nördlichen Häfen der westlichen Staaten der Vereinigten Staaten von

Amerika als Stationen sich günstiger ergaben und anderseits ihnen

der Reiz der bisher so freien, moralisch ungebundenen Lebensweise

im Inselreiche, durch das Christenthum, durch die alljährlich

zunehmende Civilisation des Landes, die Einführung geregelter Gesetze,

Verpflichtungen etc. etc. genommen wurde.

Im Inselreich ist zur heutigen Stunde fast vollständig diese den Inseln

ergiebige Quelle versiegt und unerwartet rasch tauchte dem Lande die

ernste Frage auf, durch welches Aequivalent dieser fühlbare Verlust

ersetzt werden könnte.

Es erblühte freilich ein unwillkürlicher Ersatz im bald fühlbaren

Umschwung zum Bessern der stark gesunkenen Moralität der Nation und

diesem zur Folge eine allmälig zunehmende Hemmung der bis dahin

abnormen Sterblichkeit der Nation.

Abgesehen von diesem geistigen Ersatz hatte das Ausbleiben der

Walfischfahrer dem Inselreich noch den materiellen gebracht, dass die

Bevölkerung, die bis dahin das abenteuerliche, freie Seeleben der

Walfischfahrer der Landwirthschaft und der Häuslichkeit vorzogen, daher

letztere vernachlässigten, sich jetzt mehr diesen Beschäftigungen

hinzugeben und allmälig wieder auch die sehr vernachlässigte

Fischerei zu heben begann. Die günstigsten Resultate zeigten sich

bald in dem sich mehr und mehr aufschwingenden „tárro“-, Kaffeeanbau,

Reisfelderanlagen -- deren Aufschwung das Land den Chinesen, die fast

die einzigen Anbauer derselben sind, verdankt -- und Viehbetrieb.

Eine rationelle Landwirthschaft wird noch Zeit erfordern, um

ein nutzbares Stadium im Lande zu erreichen, da die Natur der

Kanaken zu einer systematischen Entwicklung derselben zu indolent

ist. Die Viehzucht hätte -- Dank den nahrhaften Gräsern und dem

verhältnissmässig grossen Reichthum an gesundem Wasser -- eine dankbare

werden können, wenn nicht die Heerden schon jetzt zu übertrieben

zahlreich geworden wären und wenn nicht die Devastation der Waldungen

schon jetzt die Qualität und die Ertragfähigkeit der Grasflächen durch

die denselben gefährlich gewordene Schattenlosigkeit und die von Jahr

zu Jahr zunehmenden Dürren vermindert hätten.

Ein Aequivalent diesem schwer wieder gut zu machenden Uebel würde

freilich der von Jahr zu Jahr zunehmende Anbau des Zuckerrohres bieten,

wenn nicht derselbe -- mit Ausnahme nur weniger nativer Grundbesitzer

-- ausschliesslich in den Händen einen raschen Erwerb suchender

ausländischer Compagnien sich befände, wodurch der Bevölkerung die

direkte Betheiligung an demselben vollständig genommen und daher auch

der Nutzen desselben theilweise verloren geht.

Abgesehen davon, dass das hiesige Klima, der hiesige Boden und die

Lage der Landschaft günstig dem Anbau des Zuckerrohres ist, so tritt

noch der günstige Umstand hinzu, dass das Zuckerrohr keinen Schatten

braucht, daher die Waldvernichtung und das Schwinden der Vegetation

seinem günstigen Gedeihen nicht im Wege steht, seinem Betriebe aber

doch. Denn gleich wie gerade der Zuckerrohr-Anbau theilweise die

Ursache der übermässigen Entwaldung gewesen, so erfordert der Betrieb

einer rationellen Zuckerrohrplantage die Arbeit durch Dampf, dieser

zu seiner Entwicklung das erforderliche Brennmaterial, und dieses

erweckt wiederum den unaufhaltsamen Trieb zur weiteren Entwaldung. Die

Entwaldungen rufen zunehmende Dürren hervor, die mit der Zeit -- und

das progressiv -- das Land seiner natürlichen Feuchtigkeit berauben

und den Wasserreichthum desselben vermindern, wodurch die Frage

entsteht, wie es mit den dem Zuckerrohr erforderlichen künstlichen

Bewässerungen sein wird, wenn der Fall eintritt, dass nicht mehr das

genügende Wasser zu diesem Zwecke zu schaffen sein wird. Den Unglauben

an die Möglichkeit eines solchen Falles verwerfen die ernsten Zeichen

der jetzigen Zeit schon, da stellenweise, namentlich auf der Insel

Hawaii, sich ein derartiger Mangel an Feuchtigkeit gezeigt hat,

indem der an und für sich poröse vulkanische Boden die Feuchtigkeit

rascher verbraucht, daher auch mit den jährlich zunehmenden Dürren die

Feuchtigkeit der so kostspieligen künstlichen Bewässerungen rascher

absorbirt wird.

Höchst lucrativ wäre der Zuckerrohr-Anbau, wenn derselbe nicht so viel

Brennmaterial erfordern würde, da das Holz, wenn die noch bestehenden

Waldungen geschont werden sollen, bald nicht mehr genügend vorhanden

sein wird und die importirte Steinkohle sich kostspielig erweist.

Ein gewichtiger Uebelstand zu diesem Anbau liegt im Mangel der

erforderlichen Arbeitskraft. Die Zuckerrohrfelder gebrauchen Arbeiter

in Massen und daher billige. Sie gebrauchen Arbeiter, die die Fähigkeit

besitzen, im dumpfen, feuchten, heissen Rohrdickicht auszuharren und

die nüchtern, fleissig und standhaft sind.

Der Kanake liebt nicht, sich zur Arbeit zu verdingen, liebt keine ihn

fesselnde Arbeit und liefert daher nur selten zu dieser Arbeit fähige

Individuen.

Es sind Versuche -- und das günstige -- mit Südseeinsulanern gemacht

worden, die verwandt mit dem Stamm der Hawaiier, sogar eine gute

Kreuzung erzeugen und eine günstige Einwanderung für das Inselreich

sein würden, wenn nicht das continentale Australien dieselben in

sein Land verlockten, wodurch ein Mangel derselben sich schon jetzt

fühlbar macht. Es wäre der Chinese der richtigste Mann zu diesem

Zweck, doch leider, solange das europäische Element seinen Einfluss

im Inselreiche ausübt, wird hemmend einer gründlichen Einwanderung

derselben entgegengewirkt werden, da die Furcht jener, dass diese in

allen Beziehungen brauchbare, intelligente, nüchterne und arbeitsame

Race einen Einfluss im Inselreiche erringen würde, höchst rege ist.

Der Kaffeeanbau gedeiht im Lande, und die Kaffeestaude wird auf

den Inseln sogar wildwachsend gefunden. Die Cultivirung derselben,

namentlich auf den Inseln Maui und Hawaii, würde ein rentables

Unternehmen sein, wie es sich 1845 erwiesen, wo ein Export von 248

Pfund sich herausstellte. Es müsste die Pflanze jedoch nur als Baum

gezogen werden, um dem Lande Schatten zu geben, da in Plantagen

gezogen, dieselbe zur Anlage die Devastation des Waldes erfordert und

nach 60 Jahren ein wüstes Land hinterlässt, wie es sich in Ceylon so

fühlbar schon erwiesen hat.

Meiner Ansicht nach, einer Ansicht, die ich durch Aeusserungen

verständiger Männer, die das Land kannten, gewonnen habe, wäre ein

bedeutender Erwerbszweig durch eine ausgebreitete Seidenraupenzucht dem

Lande eröffnet.

Die klimatischen Verhältnisse sagen dem Maulbeerbaum, so auch der

Raupe zu. Der Charakter der Nation -- der der Frauen gleichwie der der

Männer -- eignet sich zu dieser, wenngleich mühsamen, so doch physisch

leichten Zucht.

Schon im Jahre 1840 wurden glückliche Versuche auf der Insel Kauai

gemacht, die damals allem Anscheine nach die Seidenraupenzucht

über die Insel Kauai rasch verbreitet hätten, wenn nicht durch den

blinden Fanatismus gewisser, damals einflussreicher Missionäre -- die

Entheiligung des Sabbathes befürchtend -- die den Raupen erforderliche

Fürsorge an den Sonntagen verboten worden wäre, wodurch das glänzend

sich gestaltende Unternehmen des Mr. Titcomb vereitelt wurde.

Um diesen lucrativen Erwerbszweig über das ganze Inselreich zu

verbreiten, wäre verhältnissmässig wenig Kapital erforderlich, es wäre

nur erforderlich eine bindende Garantie des Staates gegen Fälle, wie

die des Jahres 1840 und die Fähigkeit und die Ausdauer eines Mannes wie

Mr. Titcomb.

In Verbindung mit der Seidenraupenzucht wäre die der Obstbaumzucht

zu empfehlen, da alle Obstarten jeder Zone im Lande günstig gedeihen

und demselben Schatten geben. Da die Versendung des Obstes durch

die gewaltige Entfernung des Inselreiches von den Continenten

möglicherweise Schwierigkeiten hervorrufen könnte, so wäre das

Einmachen oder Verzuckern derselben, zu welchem die Zuckerraffinerien

des Landes ihre Produktion vortheilhaft verwerthen könnten, zu

empfehlen.

Die beiden letztgenannten Culturen haben Folgendes für sich: dass

sie zu ihrem Betriebe die Devastation der Waldungen nicht erfordern,

dass sie Schatten erzeugen, dass sie keine bedeutende Arbeitskraft

gebrauchen, dass sie im Kleinen gleichwie im Grossen vortheilhaft

betrieben und leicht zur nationalen Ueblichkeit werden können, da ein

Jeder, Arm oder Reich, im Stande sein wird, sie zu betreiben, und

dem abgesehen würden dieselben allmälig auch die Indolenz der Nation

ersticken und in derselben den produktiven Geist erwecken.

Ein grosser Uebelstand, der im Allgemeinen jedes Unternehmen im

Inselreiche erschwert oder kostspielig macht, ist, abgesehen von

der isolirten Lage und der weiten Entfernung des Inselreiches von

den Continenten, wodurch die Beschaffung und die Reparatur der zum

Betriebe gewisser Unternehmungen erforderlichen Einrichtungen und

Gegenstände nicht nur einen bedeutenden Zeitaufwand erfordern,

sondern auch bedeutend kostspieliger sich stellen, die herrschende

Schwierigkeit, im Lande Capitalien aufzutreiben oder -- im Falle dieses

mit Schwierigkeiten gelingt -- im hohen Zinsfuss desselben, der für die

sicherste Hypothek mindestens 12% beträgt. Wer also mit aufgenommenem

Kapital im Inselreiche ein Unternehmen beginnt, verfällt denselben

Schwierigkeiten und dazu noch der der hohen Prozente.

Diese Uebelstände, da sie durch die Lage der Inseln hervorgerufen

worden sind, werden nie vollständig beseitigt werden können, und es

wäre dem Lande zu seiner Blüthe, seiner Erhaltung und seinem nationalen

Wohlstande laut meiner Ansicht Folgendes erforderlich:

1) ihm eine, seiner Nation sympathische und zugleich lucrative

Beschäftigung zu finden und dass namentlich eine, die die nationale

Moralität zu heben vermag,

2) das Land in klimatischer Berücksichtigung vor fernerer

Entholzung zu schützen,

3) die Viehzucht im Inselreiche gesetzlich zu beschränken, d. h.

auf einen geringeren Massstab zu stellen, damit der Graswuchs des

verhältnissmässig kleinen Areales nicht durch dieselbe in seiner

Produktivität leidet,

4) die Einwanderung nützlicher, sich leicht und gerne

naturalisirender Elemente, wie z. B. die der Chinesen zu

unterstützen, die ob einflussreich oder nicht einflussreich

werdend, in beiden Fällen dem Lande in jeder Beziehung mehr

Vortheil als Nachtheil bringen werden, wie es die Insel Java

genügend beweist. Man muss natürlich das Land zur Erhaltung des

nationalen Charakters, des nationalen Typus vor der chinesischen,

gleichwie vor jeder fremdnationalen Monopolisirung schützen.

5) Ein nur langsam progressiver Fortschritt und das namentlich

in den Einrichtungen mit Dampfbetrieb, die soviel als möglich

vermieden werden müssten.

6) Erhaltung der Naturkräfte des Landes und wo dieselben durch

Uebereilung oder durch die Erwerbswuth gewisser Unternehmer

geschädigt worden, dieselben sofort zu ersetzen und zwar namentlich

durch die Erhaltung der noch bestehenden und die Wiederpflanzung

der vernichteten Waldstrecken unter dem Schutze eines geregelten

Forstgesetzes.

7) Erhaltung und Vermehrung der augenblicklich sichtlich

schwindenden Insecten fressenden Vogel durch ein Schonungsgesetz.

8) Man vermehre den Anbau des Kaffeebaumes, des Cinnamóm und des

Cinchóna als auch anderer nützlicher Busch- und Straucharten, die

an und für sich nützlich sind, dem Boden Schatten geben, demselben

die Feuchtigkeit erhalten und daher den Graswuchs befördern,

vermeide deshalb den Anbau des Kaffeebaumes als Plantage.

9) Einführung der Seidenraupenzucht resp. des Maulbeerbaumes

und der Obstbaumzucht. Man legatisire ein durch jährlichen

Staatszuschuss sich vergrösserndes Capital zur Unterstützung und

Prämirung dieser Anbauten.

10) Man versuche durch Saat oder Pflanzungen des Sandelbaumes die

weiten öden Strecken der Inseln wieder nutzbar zu machen.

11) Man suche durch Südseeinsulaner und namentlich einwandernde

Chinesen, die sich bekanntlich leicht naturalisiren und mit dem

nationalen Stamme amalgamiren, die Bevölkerung der Inseln und

dadurch die Arbeitskraft derselben soweit zu vermehren, dass

man weniger die Dampfkraft in Anspruch zu nehmen braucht, die

laut meiner festen Ueberzeugung ein unheilbares Gift dem kleinen

Inselreiche werden muss, da unsere Zeit der masslosen Erwerbssucht

keine Schranken kennt.

12) Man suche dem einheimischen und naturalisirten Einwohner die

Unternehmungen im Lande zu erleichtern und suche dem fremden durch

Steuern solche zu erschweren, um ein Gleichgewicht, womöglich ein

Uebergewicht zu Gunsten der ersteren zu entwickeln. Denn keine

bleibende, reelle Wohlfahrt lässt sich in einem Lande erwarten,

wo ein den Interessen des Landes fremd-nationales Element, das

nur seines eigenen Vortheiles bedacht, die Machthabung erlangt

und sozusagen die Nation des Landes verdrängt, durch welche

Dominion das Land alsdann nur leidet. Wo ein fremdes Element

die Machthabung im Lande hat, da wird, wenn auch eine Blüthe

des Landes sich zeigt, es nur eine Scheinblüthe sein, die oft

erschreckend plötzlich schwindet, sobald das machthabende fremde

Element nach jahrelangem Aussaugen und Devastiren des Landes sich

quasi gesättigt fühlt oder für sich keinen genügenden Vortheil

mehr zu finden glaubt: ein Resultat, welches sich leider in so

vielen Ländern schon gezeigt, wo ein solches machthabendes und

monopolisirendes, fremdes Element gewirkt hat; namentlich in den

Ländern, die unter dem philantropischen Joche oder dem Protektorate

der anglo-sächsischen Race sich befinden, zeigt sich dieses

Resultat in erschreckender Weise. Bei dieser Race, sobald sie die

Macht errungen, wird eine sich der Corruption hingebende Tendenz

auffallend entwickelt, der zur Folge Oppressionen und von Tag zu

Tag zunehmend egoistische Missbräuche ihrer Gewalt mit auffallend

gewandt erdachten Entschuldigungsgründen entstehen. Diese Tendenz

und die Folgen derselben bilden freilich einen grellen Contrast

gegen die möglicherweise auch nur scheinbare, jedoch bestehende

philantropische, stets von Gerechtigkeit und Freiheit sprechende

und gemäss dieses Principes constituirte Handlungsweise der

regierenden Elemente ihres Mutterlandes, Englands. Dieser Contrast

lässt sich, wenn er ein wirklicher und nicht ein scheinbarer blos

ist, folgendermassen erklären:

1) Durch die grosse Entfernung vom Mutterlande. In der Ferne

ist der Auswanderer weniger der Furcht ausgesetzt, vor seinen

Mitbürgern im Mutterlande zu erröthen, ist demnach in seinen Thaten

ungebundner, despotischer, jähzorniger und ungerechter.

2) Durch das tropische heisse Klima. Der Körper verliert daselbst

leichter seine Rüstigkeit und Frische. Demzufolge verliert auch

die Seele an Kraft und Frische. Hierdurch schwindet allmälig die

nationale Ausdauer, die Humanität und so auch die Gerechtigkeit.

3) Durch die Eigenthümlichkeiten der Länder unter den Tropen,

wo die Natur und die Gebräuche sogar den Eingebornen, freilich

in seiner Art, zur Weichlichkeit verleiten, und daher auch den

Fremdling als Inwohner in seiner Art verweichlichen. Denn es

entsteht bei demselben eine gewisse Erschlaffung des Geistes und

des Körpers, eine gewisse Gleichgiltigkeit, Fahrlässigkeit und

demzufolge oft unwillkürliche Ungerechtigkeit.

4) Dadurch, dass in einem Lande, wo der Fremde auf Kosten seiner

Gesundheit und einer ihm unsympathischen Lebensweise, entfernt

von seiner Heimath, nur hingewandert, um möglichst rasch reich zu

werden oder durch pompöse Thaten und weltschallenden Ruf in Rang

und Amt rasch einen Glanzpunkt zu erlangen, im Individuum die

Erwerbssucht, das Selbstgefühl und der Ehrgeiz derart überhand

nehmen, dass sein ganzes Streben nur nach Geld, Ruhm und auf

das liebe Ich gerichtet ist, wodurch Humanität und daher auch

Gerechtigkeit so leicht bei ihnen vollständig schwindet.

Ich habe unter dieser Nation principielle Aussprüche gehört, die

erschreckende waren und die ihre Handlungen und Tendenzen in das klare

Licht stellten, so z. B.:

„Es möge die verdammte Gegend, es möge das verdammte Volk des Landes,

wo er sich gegenwärtig befindet, untergehen, es mögen ihre verdammten

Mitbürger, ihre heimathlichen oder ausländischen Compagnons, es möge

Alles untergehen, so lange sie nur dadurch reich werden oder einen Ruf

erlangen können. Alle Gegenden der Erde sind ihnen zu diesem Zwecke

gleich. Jungfräuliche Regionen gibt es für sie in der Welt noch viele,

die sie, nachdem sie die eine ausgenutzt und verwüstet haben, von Neuem

aussaugen und devastiren können.“

Wie soll bei einem solchen Principe -- und das einem sehr

ausgebreiteten -- eine Weltmacht habende Nation einem Lande und dessen

einheimischem Volke auch nur den geringsten Nutzen bringen? Es kann

ein solches Princip nur die Vernichtung der Kräfte des Landes und die

sittliche Verderbniss des nationalen Volkes hervorrufen!

Wie schon früher erwähnt, hat die intelligente Nation der

Hawaii-Kanaken es verstanden, im Verlauf von 53 Jahren aus dem

grellsten Barbarismus unter der Leitung einer constitutionellen

Regierung sich zur Stufe eines gebildeten Staates emporzuschwingen und

dies obendrein mit gewaltigen Hemmnissen, die sich ihrer natürlichen

Entwicklung entgegenstellten. Diese Hemmnisse lagen in dem wenn

auch nicht direkten, so doch indirekten Bestreben Englands, der

Vereinigten Staaten und Frankreichs, das Inselreich zu annektiren

oder, richtiger gesagt, lagen und liegen noch in der begründeten

Befürchtung des Landes, dass benannte Staaten den günstigen Augenblick

erwarten, um die Inseln zu annektiren, wie es meine hier nachfolgende

Entwicklungsgeschichte des Inselreiches klar beweisen wird und mich

berechtigt, als Motto derselben „Homo hominis lupus“ zu wählen.

Zu schwach, um mit Energie und Gewalt gegen diese, ihre

Selbstständigkeit und ihre Entwicklung bedrohenden Tendenz aufzutreten,

oft abhängig von ihrem, der Wankelmüthigkeit oder den verlockenden

Versprechungen und Zureden hinneigenden Könige, drückt die Nation

moralisch, gleich wie ein Alp, der Gedanke an eine plötzliche

speculative Annexion des Landes oder der des Gefühles, das Loos der

Fitgi-, und Tahiti-Inseln und in Bälde auch das von Madagascar theilen

zu müssen.

Dieses Loos wie bei allen bisher annektirten Ländern der

anglosächsischen Race, die die Verachtung der Eindringlinge gegen die

Eingebornen stets zeigt, hat die Ausrottung derselben fast ausnahmslos

zur Folge gehabt. Diese Ausrottung entstand und entsteht noch durch

die Demoralisirung der Eingebornen in Folge der verachteten secundären

Stellung, die sie nach der Annexion sofort einzunehmen gezwungen

wurden und noch werden, sowie durch das Verdrängen der Nation, durch

die progressive Massenzuströmung meist abenteuerlicher, erwerbgieriger

Einwanderer der sie fühlbar und wirksam verachtenden weissen Race

und endlich durch die Einführung nordischer Gewohnheiten, Gebräuche

und Laster, namentlich durch den Import des dem Anglosachsen zum

Lebensbedürfniss gewordenen Alkohols. Durch dieses den Geist des

Menschen monopolisirende Gift hatten die Nordamerikaner das wirksamste

Mittel gefunden, um radikal die Indianer zu vernichten, und hat

dasselbe auch in den Sandwichinseln oder den Inseln von Hawaii, die

noch nicht annektirt, jedoch unter dem Einflusse des anglosächsischen

Elementes resp. der vereinigten Staaten sich befinden, schon seine

tödtliche Wirkung gezeigt und würde jene noch verwüstender zeigen,

wenn nicht die weise Regierung des Inselreiches durch ein, durch die

weisse Bevölkerung des Landes stark bekämpftes Gesetz das Ausschänken

und Verkaufen von Alkohol an Eingeborene, so auch das Trinken desselben

im Volke gegen Strafe verboten hätte. Denn bekanntlich ist der Kannake

gutmüthig von Natur, wird aber durch den Alkohol im Rausche leicht

einem wilden Thiere gleich.

II. Theil.

Entdeckung der Sandwich- oder Hawaii-Inselgruppe

und

chronologische Entwickelungs-Geschichte des Königreiches von Hawaii.

~Motto~

„Homo hominis lupus.“

I. Abtheilung.

Entdeckung der Sandwich- oder Hawaii-Inselgruppe.

Der spanische Seefahrer Gaëtano war es, der 1542 die Inseln entdeckte,

1567 der spanische Seefahrer Mendona, der 1542 die Reise mit Gaëtano

gemacht hatte, der die genaue geographische Lage der Insel Kauai und

approximativ die der andern Inseln feststellte.

Die Inseln sollen jedoch schon früher spanischen Handelsschiffen

bekannt gewesen sein, da einer Sage der Kanaken gemäss ein Küstenstrich

der Insel Ouai d. h. Hawaii von den Nachkommen einstmalig gestrandeter

Spanier resp. Mexikaner jetzt noch bewohnt sein soll.

Nämlich laut der Sage sollen ungefähr um das Jahr 1527 zur Zeit des

Königs Kealiókalóa vor Hawaii zwei Schiffbrüche stattgefunden haben.

Der eine in der Nähe der jetzigen Kéalakéakuá-Bai und der andere an

der Kauá-Küste der Insel Hawaii in der Nähe des jetzigen Púnaá. Eine

mexikanische Ueberlieferung spricht von drei Schiffen, die gegen Ende

des Jahres 1526 Cortez, der Eroberer von Mexiko unter dem Commando

des Alváro Saavédra Cerón aus Ziguetlan, einem Hafen von Sinaloa zur

Inselgruppe der Molucken, die zwischen dem vierten Grad nördlicher und

vierten Grad südlicher Breite und zwischen den Längengraden 128 und

134 westlich von Greenwich gelegen, abgeschickt haben soll. Unter dem

genauen Breiten- und Längengrade der Insel Hawaii soll die Schiffe

ein gewaltiger Sturm getroffen haben, der die bis dahin beisammen

sich haltenden drei Schiffe auseinander trieb und von denen nur eines

die Moluckische Inselgruppe erreichte, während die zwei anderen laut

der mexikanischen Ueberlieferung weiterhin kein Lebenszeichen mehr

gegeben haben sollen. Hierdurch ist es sehr wahrscheinlich, dass der

Sturm und der Schiffbruch in der Nähe der Inseln stattgefunden hat.

Die Nachkommen der Bewohner der erwähnten Küstenstriche sind in ihrem

feineren Körperbau, in der Farbe ihrer Haare, in der Sprache, in ihren

Gewohnheiten und Gebräuchen unverkennbar spanischer resp. mexikanischer

Herkunft und deutlich -- obgleich durch Ehen vermischt -- noch

gegenwärtig von den Eingeborenen zu unterscheiden. Sie werden von den

Kanaken mit dem Namen Ihú benannt und leben bis jetzt im Umkreise der

Küstenstriche Kaú und Kauá.

Die von Mendona 1567 festgestellte geograpische Lage der Inseln war die

der jetzigen des Inselreiches. Seine Namen für dieselben waren 1) die

grösste derselben „La Mesa“ für Hawaii; es bedeutet das „Tafelland“

-- höchst charakteristisch für die Lage der Insel und die Umgebung

ihrer drei vulkanischen Erhebungen. 2) Die „La Disgraciada“ für Maui,

bedeutet die „Unglückliche“. 3) Die „Los Mónjas“ für Oahú, Molokai und

Lanaï, bedeutet die „3 Mönche“, 4) die „Los Vicinas“ für Kauai und

Nihau, bedeutet „die Nachbarn“ und sind von Mendona in ihrer genauen

jetzigen Lage angegeben worden, während die vorgehenden Inseln eine

Differenz nach Osten ausweisen.

Capitän Cook, der lange Zeit als der Entdecker der Inselgruppe

bezeichnet wurde, fand dieselben erst im Jahre 1778, demnach 211 Jahre

nach Gaëtano, und nachdem schon 1777 nicht nur die Existenz, sondern

sogar die Lage der Inseln im Middleton’schen geographischen Werke

approximativ auf dessen Karte verzeichnet war. Demnach musste Cook

unzweifelhaft nicht nur die Existenz, sondern auch die approximative

Lage der Inseln bekannt gewesen sein. Ausserdem wird traditionell

im Lande behauptet, dass lange vor Cook’s Erscheinen nicht nur die

erwähnten gestrandeten, sondern auch zahlreiche andere Schiffe den

Inseln, namentlich der Insel Hawaii in Sicht gewesen sind und dass

öfters Boote mit weissen Menschen gelandet seien, die oft geblieben und

deren Nachkommen sich mit den Eingeborenen allmälig vermischt haben.

Als Beweis für Wahrheit dieser Tradition spricht schon der Umstand,

dass, als Cook die Insel besuchte, den Eingeborenen der Gebrauch

des Eisens, so auch andere Erfindungen der damaligen europäischen

Civilisation bekannt waren.

Der Ursprung der Eingeborenen der Inseln der sogenannten Kanaken ist

nach neueren Forschungen eine der jetzigen japanesischen Race oder der

Bewohner der westlichen Küste Amerikas gleiche, d. h. eine toltekische.

Die Gründe zu dieser Hypothese sind, wenn man die toltekische Race als

eine westmalaische annimmt, folgende:

1) Dass die Strömungen des Oceanes und die herrschenden Winde desselben

genau ihre Hauptrichtungen von Japan zur Westküste von Amerika und

vice-versa ihren Lauf über die Sandwichinseln nehmen. Die von Japan

auslaufende „Kuro-Síwo“ oder Nordpacific’sche Strömung geht, in einem

nördlichen Bogen zwischen dem 24. und 50. Grade nördl. Breite, der

Kette der Aleuten sich vorbeiziehend zu der westlichen Küste von

Nord-Amerika. Diese vom 44. bis 20. Grad nördl. Breite längs umziehend,

biegt sie alsdann nach Westen, um fast ununterbrochen, dem Wendekreis

des Krebses entlang sich ziehend, zwischen dem 10. und 20. Grad nördl.

Breite als die sogenannte Nordäquatorialströmung ihren Lauf über die

Sandwichinseln und endlich die Philipinen zu nehmen. Von den Philipinen

aus theilt sie sich in zwei Hauptströmungen, von welchen die eine

nördlich wieder in die Kuro-Siwo-Strömung resp. in die Japanesische

See und der andere Theil, sich südlich richtend, in zwei Theile sich

spaltet. Von diesen verzieht sich der eine als Gegenströmung in die

Wechselströmungen der Torres-Strasse, der andere zieht sich kurz

vor den Molucken fast parallel zur „Nord-Aequatorialströmung“, die

Carolinen umwaschend, als die „Aequatorial-Gegenströmung“ zwischen

dem 4. und 10. Grad nördl. Breite wieder zurück nach Amerika und zwar

zur Küste des Isthmus von Panama, um daselbst, der Küste von Panama

längs ziehend, sich mit der von der südlichen Halbkugel kommenden

kalten „Peruanischen Süd-Antarktischen Strömung“ zu vereinigen,

und, mit dieser vereinigt, die breite „Süd-Aequatorial-Strömung“ zu

bilden, die ihren Lauf zwischen dem Wendekreis des Steinbocks und dem

Aequator nimmt, die polinesischen Inselgruppen umzieht und alsdann

sich als Gegenströmung der Torres-Strasse, oder als Strömung der

Ost-Australischen Küste oder als Strömung der Ostküste von Neuseeland

sich vertheilt, um sich in das Südpolarmeer zu verziehen.

Wie sehr die gewaltige „Nordäquatorialströmung“ das Inselreich von

Hawaii beherrscht, zeigt sich in den jährlichen Anschwemmungen von

Treibholz aus Oregon und Californien an die Küsten der Inseln.

Durch diese Strömungen ist der Glaube an die Möglichkeit einer

Tolteken-(Nahóa) resp. einer West-Malaischen Wanderung nach Amerika,

die „Kuro-Siwo-Strömung“ und die günstig herrschenden Winde benutzend,

gerechtfertigt; desgleichen der Glaube an die Möglichkeit, dass von den

Nahóa- oder Tolteken-Auswanderern eine Rückkehr in ihre Heimath von der

Westküste Amerikas mit der „Nord-Aequatorial-Strömung“ und wiederum

günstig herrschenden Winden, unternommen werden konnte und dass ein

Theil derselben möglicherweise durch irgend welchen Zufall auf die

klimatisch begünstigten Inseln der Gruppe von Hawaii gestrandet oder

gelandet, geblieben und einheimisch geworden ist.

2) Diese Möglichkeit wird noch mehr glaubwürdig durch den Umstand,

dass der amerikanische Stamm der westlichen Küste von Amerika in

vielen Beziehungen den Tolteken ähnlich und dieselbe Aehnlichkeit

auch in der Race der Kanaken der Sandwichinseln zu finden ist. Diese

Aehnlichkeit ist nicht nur in den physiologischen und psychologischen

Charakterzügen der Stämme der westlichen Ufer Amerikas und der Kanaken

von Hawaii mit den Tolteken zu finden, sondern auch in den religiösen

Sagen, Aberglaube, Gebräuchen, Federarbeiten, Waffen, Kleidungen,

Hausgeräthen, musikalischen Instrumenten, traditionellen Sprichwörtern,

Gewohnheiten und Ueblichkeiten. Auch in der Sprache findet man

eine Analogie in der Struktur und viele gleichlautende Worte. Sehr

auffallend ist aber der dafür sprechende Umstand, dass die Flora der

Inseln und namentlich auch die armselige Fauna derselben, soweit es

die Hausthiere anbelangt, eine gewisse Analogie zu der von Sinaloa

(Mexiko) aufweisen, daher eine einstmalige Importation der nützlichen

Flora und Fauna sehr glaublich wird, besonders da im Inselreiche fast

ausschliesslich nur eine nutzbare Flora und eine nützliche Fauna zu

finden ist.

Es möge sein, dass bei einer einstmaligen Landung und Ansiedelung

der Tolteken oder eines resp. West-Malaischen Stammes eine

Urbevölkerung vorhanden gewesen ist, deren Stamm -- wollen wir sagen

-- beispielsweise der „Polinesische“ genannt werden soll, so bleibt

es aber unzweifelhaft laut der sub 2 benannten Aehnlichkeiten, dass

die damals civilisirte Tolteken- oder West-Malaische Race einen

gewaltigen Einfluss auf die Urbevölkerung der Westküste von Amerika,

die Inseln von Hawaii und viele Inseln des Polinesischen Archipels und

sogar auf die Urväter der Maóri von Neuseeland, deren Sprache mit der

der Hawaiier, gleichwie der von Tahiti, nur im Dialekt verschieden,

gehabt und in der Nachkommenschaft progressiv den Charakter ihrer Race

übertragen haben muss, demnach die Race -- wenn auch nicht rein, so

doch -- sehr anverwandt mit der der Tolteken sein kann.

Da von der Zeit der Entdeckung der Inseln von Gaëtano 1542, der Landung

Mendonas 1567, nur wenige Ueberlieferungen vorhanden sind, so beginne

ich vom 18. Januar 1778, dem Tage, wo Capitän James Cook, von den

Weihnachtsinseln kommend, zum ersten Mal die Inseln von Hawaii betrat,

mit der Schilderung der Entdeckung derselben. Sein erster Besuch war,

ohne zu landen, die Insel Oahú, dann Kauai, dann Nihau und endlich

wieder an der Küste von Kauai vor dem jetzigen Waiméa, wo er zu landen

sich entschloss.

Zahlreiche Kano’s umringten seine Schiffe, die „Resolution“ und die

„Discovery“, während er der Küste entlang segelte. Friede, Milde,

grosse Neugierde zeigte der Ausdruck der Eingeborenen, die anfänglich

schüchtern, allmälig jedoch mit mehr Vertrauen sich den Schiffen

näherten, um Fische, Cocosnüsse und Bataten (süsse Kartoffeln) gegen

Nägel und Eisengegenstände im Allgemeinen einzutauschen. Unbewaffnet,

freundlich und eine intelligente Neugierde zeigend, erweckten sie

sofort die vollste Aufmerksamkeit und bald auch das Vertrauen des

Capitän Cook. Er landete, wie gesagt, vor Waiméa und wurde sofort

von den zahlreich versammelten Eingeborenen und deren Priestern mit

anbetungsvoller Achtung und mit Geschenken empfangen.

Nachdem er im Waiméa-Flusse seinen Bedarf an Wasser eingenommen

hatte, segelte er wieder zur Insel Nihau, wo er in der, nach seinem

Namen benannten Cooks-Bai ankerte. Er handelte von den ebenfalls sehr

achtungsvoll und freundlich sich zeigenden Eingeborenen der Insel

Seeenten und Fische gegen Eisengegenstände ein. Nach kurzem Aufenthalte

segelte er zur N.-W.-Küste der Insel Maui, wo er während eines kurzen

Aufenthaltes, ohne zu landen, an Bord den Besuch des Häuptlings

Kaméhamehá, dem späteren Eroberer sämmtlicher Inseln der Gruppe und

erstem Könige des Inselreichs, empfing.

Von Maui segelte er zur Küste von Hawaii, ankerte in der Bai

Kéalákékua. Die Eingeborenen dieser, der grössten Insel der Gruppe, mit

ihren Alii’s (Häuptlinge) und ihren Priestern empfingen ihn mit allen

Zeichen der Vergötterung. Als er landete, warfen sich die Priester und

das Volk zu Boden, murmelten Gebete und verehrten ihn mit allen Zeichen

ihres heidnischen Cultus, bekleideten ihn mit einer rothen Toga und

opferten ihm Schweine und Früchte.

Während 18 Tagen seines Aufenthaltes weigerten sich zum grossen

Erstaunen Cook’s die Eingeborenen, irgend welche Entschädigung,

Zahlung oder Geschenke für die gelieferten Victualien der

ausgesuchtesten Produkte der Gegend, als auch für die Lieferung des

süssen Wassers aus weiter Entfernung anzunehmen.

Folgende mir erzählte Sage giebt eine Erklärung zu dieser so auffallend

göttlichen Verehrung des englischen Capitäns.

Der religiöse Aberglaube des Volkes erhob ihre Häuptlinge nach ihrem

Tode zur Verehrung eines Halbgottes oder -- richtiger gesagt -- eines

Heiligen. So war es auch mit einem sehr beliebten Könige der Insel

Hawaii, dem Lóno, gewesen. König Lóno lebte nämlich mit seiner laut der

Sage „göttlich-schönen“ Frau Kaíkiláne, in Kéalákékua, sich gegenseitig

innig liebend. In einem Augenblick unüberwindlicher Eifersucht

tödtete er sie. Gewissensbisse folterten ihn, und er suchte seine

tief bereute That und seinen Schmerz durch Trauer-Tanz, Trauer-Gesang

und zahlreiche Opfer zur Ehre der Verstorbenen zu sühnen, doch fand

er keine Ruhe. -- Er fasste endlich den kühnen Entschluss, in einem

eigens hierzu verfertigten Kano mit grossen Segeln sich in das Meer zu

begeben. Sein Volk, das ihn über Alles lieb hatte, flehte ihn an zu

bleiben, doch umsonst -- er blieb bei seinem Vorhaben, versprechend,

auf einer schwimmenden Insel zur Zeit ihrer Kinder und Kindeskinder

wiederzukommen und rief ihnen zu: „Weinet nicht, sondern, wenn ihr

mich liebt, so freut euch, tanzt und singt, bis ich eurem Blick

verschwunden!“ -- Und er ward nimmer wiedergesehen.

Die Ankunft Cook’s auf seinem grossen Schiffe, einer schwimmenden

Insel gleich, und ziemlich zur besagten Zeit des Wiedererscheinens des

Königs Lono zutreffend, erweckte bei dem Volke die Muthmassung der

Erfüllung des königlichen Versprechens, und es glaubte im Schiffe die

schwimmende Insel und in Cook ihren göttlich wiedererscheinenden König

Lono zu erblicken. Diese Sage ist gleich wie die vielen anderen der

Hawaiier von Mund zu Mund, von Eltern auf Kind überliefert und wird in

melodischem Gesange eines Liedes von dem höchst musikalischen Volk

gerne Dem, der es darum befragt, wiedergegeben und ist voll Melancholie

und Gefühl.

Den vierten Februar 1779 verliess Cook die Bai von Kéalákékua und

stach wieder in See. Die Eingeborenen, nachdem sie während 18 Tagen

bedeutende Opfer ohne jegliche Entschädigung dem Capitän resp. den

Schiffen gebracht, schienen sich ebenso sehr über die Abfahrt der

„schwimmenden Insel“ zu freuen als sie sich über die Ankunft derselben

gefreut hatten.

Nach einem Tage jedoch in Folge eines defecten Mastes, erschien Cook

wieder in der Bai und ankerte vor der Stelle des Dorfes von Kaáwalóa,

um eine gründliche Reparatur seiner Schiffe vorzunehmen. Zu seinem

nicht geringen Erstaunen war dieses Mal der Empfang ein kalter,

fast zurückweisender, und zwang letzterer ihn, Vorsichtsmassregeln

zu treffen, um sich vor feindlich gesinnten Angriffen zu sichern.

Dem ungeachtet kamen täglich -- und das progressiv -- Diebstähle

vor, und er glaubte, Retributionen fordern zu müssen, was jedoch

unberücksichtigt blieb.

Den 14. Februar forderte er den König Kalániópuú auf, ihn an Bord

seines Schiffes zu begleiten, um ihm dasselbe zeigen zu können; er

hatte aber die hinterlistige Absicht, ihn an Bord als Geisel oder

Pfand zu behalten, bis ihm die geforderten Retributionen für begangene

Diebstähle geliefert worden wären. Der greise König war aber klug,

bedankte sich, da er zu alt und zu schwach sei. Während dieses

Zwiegesprächs kam plötzlich die Nachricht, dass ein Häuptling der Insel

bei seiner Einfahrt in die Bai den Eingang derselben von den zur Wache

kreisenden Booten Cooks gesperrt gefunden und bei dem Erzwingen des

Durchganges von der Mannschaft der Boote erschlagen worden sei.

Die Umgebung des Königs und das Volk war über diese Nachricht empört

und forderten Genugthuung. Der noch nicht völlig erloschene Glaube

der Heiligkeit Cooks hielt sie von der Handgreiflichkeit ab, bis

ein Häuptling, der Bruder des Getödteten, mit einem Speer bewaffnet

gegen Cook trat und als Bruder Vergeltung forderte. Hieraus entstand

beiderseits ein heftiger Geberdenwechsel, bei welchem Cook die

Unvorsichtigkeit beging, den Häuptling zu erschiessen. Diesem Akte

folgte ein allgemeiner Aufruhr; von allen Seiten flogen Steine; ein

Stein traf Cook. Dieser erschoss den Mann, der den Stein geschleudert

und versuchte zugleich, der Uebermasse weichend, mit gezogenem Schwerte

seine Boote zu erreichen. Ein Häuptling sperrte ihm den Rückweg ab und

fasste ihn; es folgte ein heftiges Balgen, bei welchem die Ueberkraft

des Gegners dem Capitän Cook ein gewaltiges Stöhnen entlockte. Dieses

Stöhnen wurde das Signal zu seiner Ermordung. Das Volk sah in demselben

das Zeichen der menschlichen Schwäche, den Widerspruch zur göttlichen

Kraft und tödtete ihn und seine Begleiter mit den „pahóas“ (Speere).

Die Mannschaft, als sie ihren Capitän fallen sah, feuerte vom Schiffe

aus und tödtete Viele. Die Eingeborenen flohen in das Innere der Insel,

den Körper Cooks und die seiner Begleiter mitnehmend. Die Leichen

der Begleiter wurden den Göttern geopfert, die des Capitäns wurde in

Stücke getheilt, und die Theile nach verschiedenen Stellen der Insel

geschickt, woselbst die Knochen sorgsam vom Fleische gereinigt und

demnächst vom Könige als Reliquien aufbewahrt werden sollten; das

Fleisch wurde verbrannt. Die Eingeborenen glaubten, hiermit Sieger zu

sein und wurden von diesem Augenblicke an gegen das Schiff und die

Mannschaft höchst gleichgiltig oder arrogant in ihren Geberden. Capitän

Clarke, der Nachfolger Cooks, beschloss, um die Ermordung Cooks zu

rächen, den Ort zu bombardiren. Nachdem er das Dorf vernichtet, landete

er eine Zahl bewaffneter Matrosen, die viele Eingeborene tödteten.

Hierauf bat der greise König um Frieden, den Clarke mit der Bedingung

gewährte, dass ihm die Knochen Cooks sofort wiedererstattet würden. Den

21. Februar waren ziemlich alle Knochen wieder beisammen, wurden in

einen Sarg gelegt und mit den auf der See gebräuchlichen Ceremonien in

die Tiefe der Bai Kéalákékua versenkt.

Erst den 15. März 1779 segelte Capitän Clarke wieder ab, und viele

Jahre verstrichen, ohne dass ein Schiff die Insel besuchte.

1786 war es Laperouse -- bald darauf liess er sein Leben auf einer der

Navigator-Inseln --, der vor Maui ankerte und landete. Seitdem ist die

Insel oft besucht worden, da sich auf derselben ein reger Handel mit

dem jetzt fast vollständig im Inselreiche ausgerotteten Sandelholz

entwickelte.

Von 1779, d. h. der Ermordung Cooks, bis 1792 waren die Inseln Maui und

Hawaii mit einander im steten Kriege gewesen.

1780 starb König Kalániópuú von Kau, einem wüsten, von oftmaligen

vulkanischen Eruptionen heimgesuchten Landstriche der Insel Hawaii.

Sein Sohn Kiwaló wollte seinem Vater im Orte Kailúa die einem

gestorbenen Häuptlinge üblichen Ehrenbezeigungen erweisen.

Der Ort Kailúa nämlich gehörte zum Landstrich des Häuptlings Kamehámehá

und war zu diesem Zweck für alle Häuptlinge von Hawaii von jeher

bestimmt.

Kiwaló zog mit einer Schaar Krieger auf grossen Kano’s zu den Gestaden

von Kailúa, der Aufforderung Kamehámehá’s: mit geringerer Begleitung zu

erscheinen, trotzend, wodurch sich die Schlacht von Mókuahé entspann,

die mörderisch mehrere Tage währte und den Tod von Kiwaló und die

Besitznahme seines Landstriches durch Kamehámehá zur Folge hatte.

Kamehámehá musste aber diesen Landstrich erst Fuss für Fuss erobern,

und kostete ihn dies viele tausende von Menschen, da ihm der Landstrich

durch Kéoná von Púna, dem muthmasslichen Nachfolger des gefallnen

Kiwaló, streitig gemacht wurde, und erst 1790 gelang es Kamehámehá, den

tapfern Kéoná gefangen zu nehmen und zugleich auch den Distrikt von

Puna zu erobern. Hierauf ordnete der Sieger rasch seine Schaaren zur

Eroberung der übrigen Theile der Insel Hawaii, um sich an dem Häuptling

Kahikíli resp. Könige der Inseln Maui und Oahú, dessen natürlicher Sohn

Kamehámehá muthmasslich gewesen sein soll, zu rächen, weil jener Kiwaló

unterstützt hatte.

Er liess den Häuptling Kiána als Stellvertreter in den eroberten

Landstrichen und die Abwesenheit Kahikilis -- der zur Zeit auf der

Insel Oahú sich befand -- benutzend, überfiel er die Insel Maui.

Kalánikúpuli, der Sohn des Kahikíli lieferte ihm eine Schlacht im

„Jáo“-Thale, die sogenannte Wailúku-Schlacht, die Kamehámehá -- mit

einem im Volke zur Schreckenssage gewordenen Verluste an Menschen --

als Sieger zum Besitzer der Insel Maui machte.

Während dieser Zeit hatte Kéoná von Puna auf der Insel Hawaii die

Abwesenheit des gefürchteten Kamehámehá’s benutzen wollen, um den

Distrikt Kau wieder zu erobern. Kiána sammelte Kamehámehá’s auf der

Insel Hawaii nachgebliebene Krieger und zog gegen Kéoná. Der Sieg

war zweifelhaft, bis ein Erdbeben und bedeutender Schwefel- und

Aschenauswurf des Kilauéa 1789 die Krieger des Kéoná factisch zu

ersticken drohte und ein Drittel der gesammten Zahl seiner Schaaren

vernichtete und ihn zum Rückzug zwang.

Während dieser Zeit war Kamehámehá siegreich von der Insel Maui

zurückkehrend, und, zurückgekehrt, verfolgte er sofort mit seinen

muthigen, siegesbewussten Schaaren den tapfern Keoná, der nach

hartnäckigem Widerstande in den Bergen endlich sich ergeben musste

und durch einen Häuptling und Freund Kamehámehá’s, den Dichter

des prophetischen Liedes Káuikaláni -- in welchem er die Zukunft

Kamehámehá’s als alleinigen Herrschers des Inselreiches im Voraus

besingt --, den im Volksmunde bekannten Keaúlumóku, getödtet wurde. Mit

dem Tode des Keoná wurde Kamehámehá Herr der ganzen Insel Hawaii.

Zur Zeit seines Sieges auf Maui 1790 besuchte die Inseln das erste

amerikanische Schiff, die „Eleanor“, unter Commando des Capitän

Metcalf, zu dessen Mannschaft die beiden in der Entwicklungsgeschichte

des Königreiches bekannt gewordenen Männer Isak Davis und John Jung

sich befanden. Das Schiff hatte seine Boote ans Land geschickt; eines

derselben war, während die Leute im Lande beschäftigt waren, abhanden

gekommen, woraus sich mit den Eingeborenen ein heftiger Kampf

entspann, bei welchem Viele getödtet wurden. Die Mannschaft verliess,

der Uebermacht weichend, eiligst die Gestade, die zwei genannten

Männer, da sie noch nicht anwesend waren, zurücklassend. Der König

liess sie vor sich führen; sie erweckten seine Sympathie, wurden von

ihm freundlichst aufgenommen, angestellt und später Häuptlinge und

Freunde des Königs.

Die gewaltigen Vorbereitungen Kamehámehás entschlossen 1791 den König

Kahikíli von Oahú -- dem die Insel Maui schon genommen war --, sowie

den König Kaéo von Kauai, ihre Kanoflotten zu vereinigen, um einen

energischen Angriff gegen Kamehámehá zu wagen.

Die Verbündeten erschienen vor Hílo resp. der Insel Hawaii, wurden

jedoch sofort von Kamehámehá geschlagen, bis Oahú verfolgt und in der

blutigen Schlacht im Thale von Nuúanú, wo der nicht im Kampfe gefallene

Theil der Schaaren des Kaéo von Kauai und des Kahikíli von Oahú bis auf

den letzten Mann in den Abgrund gestürzt wurden. Kalánikúpuli, der Sohn

Kahikílis, blieb in der Schlacht.

Dieser Sieg machte Kamehámehá zum Besitzer der Insel Oahú und der

ganzen Doppelinsel Maui und es beginnt von diesem Augenblicke an die

gewandte Organisationsthätigkeit des Königs Kamehámehás I.

Zur Vollständigkeit des Inselreiches fehlte ihm nur noch der Besitz der

Inseln Kauai und Nihau, deren Eroberung durch die grössere Entfernung

derselben, die sehr reissenden Strömungen des Oceanes, durch die

Tapferkeit ihrer Bevölkerung und Führer schwieriger erschien. Nach

der Schlacht von Nuúanú 1791 --, wo -- wie schon gesagt -- Alle, die

die blutige Schlacht überlebt hatten, inclusive die Könige Kaéo und

Kahikíli, den Tod durch den Sturz von der steilen Höhe von 1200 Fuss

in den Abgrund fanden, war Kamehámehá König von Oahú, Maui, Hawaii,

Lanaï und Mólokai geworden, und er bereitete sich hierauf mit aller

Anstrengung zur Vervollständigung seiner Kanoflotte vor, um die heftige

Strömung leichter überwältigen zu können und durch eine bessere

Armirung derselben den tapfern König von Kauai und Nihau leichter zu

besiegen.

Im Jahre 1792 im März machte Vancouver seinen ersten, 1793 im März

seinen zweiten Besuch den Inseln und zwar namentlich vor Lahaïna, der

Insel Maui, ankernd. 1795 machte er seinen dritten und letzten Besuch

derselben vor Waikíki, der Insel Oahú, ankernd. Den 6. Dezember 1794

wurde durch die Capitäne der amerikanischen Schiffe „Prince Leboo“ und

des „Jackhall“ die Einfahrt in den Hafen von Honolulu entdeckt, und

glücklich fuhren beide ein und ankerten in demselben.

Bis 1804 verbrachte Kamehámehá im Frieden, seine Kanoflotte, die

sogenannte Péleleú, seine Krieger und die Regierung der eroberten

Inseln mit auffallender Gewandtheit und Weisheit organisirend und sich

zur Eroberung der Insel Kauai vorbereitend.

Während der Besuche der Inseln fand Vancouver die freundlichste

Gesinnung des Königs, und als Erwiderung derselben überreichte er ihm

als Geschenk Vieh aus Californien, das erste Rindvieh des Inselreichs,

aus dem allmälig die Heerden desselben entstanden sind.

Während seines letzten Besuches trachtete der König kurz vor Erneuerung

seiner Kriege gegen Kauai und Nihau, von Vancouver Munition und

Waffen zu erhalten, was ihm jedoch nicht gelang. Vancouver gab dem

hervorragend begabten Könige höchst praktische Rathschläge für seine

Eroberungspläne und die weitere Entwickelung seines Landes.

1801 fand auf der Insel Hawaii eine gewaltige Eruption des Húalalaï,

den nördlichen Theil von Kóna verwüstend, statt, und Kamehámehá

verlegte in Folge dessen seine Residenz von Kailúa, seinem

Lieblingsorte nach Waikíki der Insel Oahú, in unmittelbarer Nähe des

jetzigen Honolulu, bei welcher Gelegenheit das erste Probemanöver der

„Péleleú“-Flotte gemacht wurde.

1802 machte diese Flotte den Weg von Kawaihae auf der Insel Hawaii bis

Lahaïna auf der Insel Maui, 1803 von Lahaïna nach Honolulu, bereit zum

Abgang nach Kauai. 1804 hatte Kamehámehá eine Schaar von 7000 Mann

regulärer Krieger in Waikíki formirt, 27 Schaluppen mit Kanonen armirt,

500 Kriegskanos bemannt und sogar ein Kriegsschiff mit 20 Kanonen

ausgerüstet und erwartete den günstigen Wind, um nach Kauai zu segeln.

Der Nachfolger des Königs Kaéo, der im „Nuúanú“-Thale seinen Tod im

Abgrund gefunden hatte, war dessen muthiger Sohn Káumuálií.

Die mehrere Jahre dauernden Vorbereitungen Kamehámehás bemerkend, war

Káumuálií seinerseits nicht müssig geblieben.

Er hatte seine tapfersten Streitkräfte gesammelt und die Ueberzeugung

gewonnen, dass sein Volk bis auf den letzten Mann entschlossen sei, für

die Selbstständigkeit der Inseln Kauai und Nihau bis auf das Aeusserste

zu kämpfen, und den Entschluss gefasst hatte, im Falle es besiegt

würde, die Inseln zu verlassen, um eine andere zu suchen, wo es sich,

geschützt vor der Eroberungssucht Kamehámehás, niederlassen könnte.

Zugleich war er aber nicht blind gegen die grosse Gefahr, der sein Volk

durch diesen Krieg entgegenging, denn er kannte den unbeugsamen Willen

Kamehámeás, als auch die bedeutende Uebermacht seiner Streitkräfte.

Hiervon abgesehen, hatte er eine gewisse Sympathie für den Charakter

und die Geistesgrösse des gewaltigen Eroberers.

Kamehámehá seinerseits kannte die Tapferkeit der Kauaier und ihre

Fähigkeit, einen einmal gefassten Entschluss auszuführen; er war daher

überzeugt, nur mit grosser Schwierigkeit sie unterjochen zu können.

Auch er hatte Achtung und Sympathie für den tapfern Káumuálií. Diese

Sympathie und die Berücksichtigung der Schwierigkeit des bevorstehenden

Kampfes bewogen ihn, erst auf freundschaftlichem Wege es zu versuchen,

seinen Zweck zu erreichen. Er liess hierzu den König von Kauai und

Nihau zu einer Unterredung nach Oahú einladen.

Káumuálií, auf die Ehrlichkeit Kamehámehás fest vertrauend, nahm die

Einladung zum grossen Leidwesen seines um sein Leben besorgten Volkes

an, und, nachdem er Alles gleichwie vor seinem Tode geregelt und

angeordnet hatte, verliess er Kauai.

Vor Kamehámehá erscheinend, war sein Erstes, ihn um die Ursache seiner

kriegerischen Vorbereitungen zu befragen; er machte ihm Vorwürfe für

die ungerechten Absichten, die er gegen ihn und die Selbstständigkeit

seines Volkes zeige, die er so energisch zu verwirklichen suchte und

schloss mit den muthigen Worten: „O Kamehámehá, wisse, dass, wenn

ich todt, mein Volk noch lebt, welches meinen Tod mit verdoppelter

Hartnäckigkeit rächen wird. An Muth fehlt’s meinem Volke nicht! Wisse

aber auch, dass, wenn Du mich laut Deinem mir gegebenen Versprechen

frei von hier gehen lässt, ich an der Spitze meines tapferen Volkes mit

unverwandtem Muthe Dich bekämpfen werde!“

In dieser Sprache erkannte Kamehámehá einen Mann, wie er sich denselben

früher dachte, von festem Entschluss und voll Muth und antwortete: „Du

bist frei, Káumuálií, heimzukehren. Du bist frei, zu handeln, wie gut

Dir scheint. Du bist mein Gast, und ich danke für Dein mir geschenktes

Vertrauen!“

Hierauf erzählte er ihm, wie er in seiner Jugend, gedrängt von

allen Seiten, als schwacher Häuptling zur Selbsterhaltung sich hat

vertheidigen müssen und dadurch in Kriegsübung und Kriegslust gerathen

ist, dass die Götter ihm sichtlich beigestanden und er durch dieselben

stets siegreich gewesen, dass er -- Dank den Göttern -- die Gruppe der

Inseln mit Ausnahme der Inseln Kauai und Nihau besitze und die beiden

noch fehlenden Inseln auch besitzen muss, und dass er, Káumuálií,

an seiner Stelle dasselbe für das Wohl der gesammten Nation thun

würde, da eine Nation, in kleinen Theilen zersplittert, der Willkür

ihrer Häuptlinge ausgesetzt, nie aus dem Kleinen sich herausarbeiten,

nie eine Nation werden kann und stets im Kleinen klein bleibt. Wenn

er, Kamehámehá, die Inseln Kauai und Nihau nicht erobert, so würden

es seine Nachfolger thun; es müssten die Inseln stets in unruhiger

Erwartung des Kommenden, in beständiger Sorge leben, denn Kauai und

Nihau können nie und nimmer trotz der bekannten Tapferkeit ihres Volkes

und dessen Führer gegen die vereinigten Kräfte der anderen Inseln sich

halten.

Er, Kamehámehá, habe jedoch eine besondere Achtung und Hinneigung zu

ihm, dem tapfern Káumuálií, und will daher die Eroberung seiner Inseln

aufgeben und ihn als König der Inseln Kauai und Nihau anerkennen, wenn

er ihm dagegen verspricht, ihn, Kamehámehá nebst Nachfolger, als seine

Nachfolger anzuerkennen.

Káumuálií, in der Aeusserung Kamehámehás einen festen bestimmten

Entschluss wahrnehmend, zugleich auch der nationalen Anschauungsweise

Kamehámehás beistimmend und im Allgemeinen eine grosse Zuneigung

für den Stifter des nationalen Reiches hegend, ging nicht nur auf

den Vorschlag Kamehámehás ein, sondern, um die Einheit des Reiches

zu begründen, erklärte er sich sofort als Vasall des Königs des

vereinigten Inselreiches von Hawaii, Kamehémehá’s I.

Von diesem Augenblicke an wurde Káumuálií des Königs vertrautester

Freund. Durch diesen Akt hatten die zwei weise denkenden Könige dem

Lande ein neues Blutbad erspart und tausenden Menschen das Leben

erhalten. Letzteres wurde doppelt wichtig, da im selbigen Jahre, d. h.

1804 eine pestartige Seuche, die ahú-laú-o-kua, verheerend unter der

Bevölkerung des Inselreiches wüthete.

Vom Zeitpunkte dieses Aktes an lässt sich die einheitliche Gründung

des Inselreiches von Hawaii rechnen und von diesem Zeitpunkte an auch

die so auffallend rasch sich entfaltende Entwicklungsgeschichte des

Königreiches beginnen.

Den chronologischen Umriss dieser Entwicklungsgeschichte will ich kurz

und bündig aus den besten authentischen Quellen, die mir zu Gebote

standen, zu schildern versuchen und mit der Charakteristik des Königs

Kamehámehá’s I., des Grossen, des Gründers des Inselreiches beginnen.

II. Abtheilung.

Die Gründung des Königreichs von Hawaii unter Kamehámehá I. --

Kamehámehá II. während seiner Minderjährigkeit. -- Die Regentschaft.

Kamehámehá I., der Grosse benannt, ist geboren 1736 als Häuptling in

Kokoïki im Distrikte Kohála der Insel Hawaii.

Von der Stellung eines untergeordneten Häuptlings hat er es verstanden,

durch Energie, Ausdauer und Gewandtheit sich zum Herrscher der ganzen

Inselgruppe zu erheben. Er verstand es, sich selbst zu beherrschen,

daher auch über Andere zu herrschen. Durch Grossmuth gegen seine Feinde

und Anverwandte derselben fand er das Mittel, sich oft dieselben zu

Freunden zu machen. Sein ganzes Wesen war genial. Seine Eigenschaften

waren die eines Organisators, als z. B. Entschlossenheit, rascher

Begriff, ausserordentliche Beurtheilungskraft, Menschenkenntniss,

Gerechtigkeit und eine besondere Hinneigung zu Allem, was gross, genial

und edel ist, wie es die Aussprüche Vancouvers und Kotzebues genügend

bestätigen.

Dem Aberglauben war er in seiner Art gleichwie die meisten politisch

genialen Männer der Geschichte ergeben, indem er an die Zeichen einer

seine Thaten leitenden übernatürlichen Kraft, zu deren Ausführung er

berufen war, fest glaubte.

1775 wurde die siebenjährige, in der Entwickelungsgeschichte des

Inselreiches berühmt gewordene Kaahúmanú sein zweites Weib. --

1778 machte er Capitän Cook, der vor Maui lag, einen 24stündigen

Besuch an Bord, wo er die erste Gelegenheit hatte, die neueren

Erfindungen Europas kennen zu lernen und von welcher Zeit an er seine

Eroberungspläne zu entwickeln begann. -- 1782 eroberte er den grössten

Theil der Insel Hawaii durch die Schlacht von Mókuahae. -- 1790 wurde

Keouá von Puna gefangen und getödtet und er alleiniger Herrscher

der Insel Hawaii. -- 1791, durch die Seeschlacht von Hilo und die

Thalschlacht von Nuuanú wurde er alleiniger Herrscher der Inseln Maui,

Oahú, Lanai und Molokai. -- 1792 fand der erste Besuch Vancouvers, 1793

der zweite und 1795 der letzte Besuch desselben statt, durch dessen

Geschenke die Viehzucht auf dem Inselreiche sich zu entwickeln begann.

-- 1797 wurde ihm von seinem ersten Weibe Keopuoláni, der Tochter des

Königs Kalániopuú von Maui, sein Sohn Liholího geboren. -- 1801 war

die „Pelelehú“-Flotte beendet; 1803 sollte dieselbe bereits nach Kauai

abgehen und lag vor Oahú. -- 1804 fand der Vergleich mit dem König

Káumuálii von Kauai und Nihau statt, durch welchen er als Nachfolger

desselben ernannt und Herrscher des vereinigten Inselreiches wurde. --

Nachdem er Herrscher des Inselreichs geworden, bestand seine erste

Handlung in der Ernennung tüchtiger Gouverneure für jede Insel. Die

Gouverneure wurden mit grossen Apanagen ausgestattet, damit dieselben,

zufrieden gestellt, mit mehr Lust und Ausdauer die Anordnungen des

Königs ins Leben rufen sollten. Er regelte das Recht der Fischerei und

der Waldnutzung des Landes. Er nahm die Herstellung und Einrichtung

des Hafens von Honolulu und dessen Befestigung vor. Er suchte mit

ausländischen Ländern in Handelsverbindung zu treten, ausländische

Kaufleute zur Niederlassung im Archipel anzulocken; er legte eine

minime Steuer auf den Import, um die Produktion des Landes zu

entwickeln und um eine reelle Einnahme des Staates zu gründen. Er

forderte die englische Regierung auf, ihm Missionäre zu schicken, um

die Grundsätze der christlichen Religion kennen zu lernen, über die er

bis dahin nur einen unklaren Begriff hatte, indem die beiden höchst

moralischen, strebsamen und intelligenten Jung und Davis, seine treuen

Rathgeber und Factotums, in der Religion wenig bewandert waren, daher

ihm dieselben kein klares Bild über die Grundsätze der christlichen

Religion geben konnten.

Seine Regierung war eine weise; er ermunterte und erleichterte

den Besuch fremder Schiffe, belebte -- und das selbst thätig als

Handelsmann -- den Handel des Sandelholzes, baute mit Hilfe seiner

beiden Freunde Jung und Davis und ausländischer Arbeitsleute Schiffe,

sodass er bald im Stande war, solche mit Sandelholz beladen nach China

zu senden, um von dort Rum, Stoffe und andere Waaren zurückzubringen,

die er alsdann im Lande gegen harte Dollar zu verkaufen verstand und

auf diese Weise in kürzester Zeit zu Staatsmitteln gelangte.

Als das Sandelholz, welches zu der Zeit viel einbrachte, im Inselreiche

abzunehmen begann, befahl Kamehámehá, die jungen Bäume stehen zu

lassen, und als die Häuptlinge ihn fragten, weshalb er dies thue, da er

alt und doch bald sterben müsse und sie es nicht begreifen können, für

wen er die Bäume erhalten wolle, antwortete er ihnen entrüstet: „Ich

habe Söhne, und diesen gehören die jungen Bäume gleichwie ~mir~

die ~alten~!“ Hätten seine Nachfolger ihm gleich gedacht,

so hätten augenblicklich die Inseln noch diese jetzt vollständig

geschwundene ertragreiche Quelle der Einnahmen.

1814 im März wurde ihm ebenfalls von seiner ersten Frau sein zweiter

Sohn Kaúikeaulí geboren.

1817 beendete er die Festungswerke von Honolulu, die 1816 begonnen und

von seinem Feldherrn und Oberhäuptling Kalánimokú erbaut worden waren.

Die Religion des Königreichs war der Götzendienst, und Kamehámehá

I. genoss den Ruf eines Frommen, indem er pünktlich die Formen und

Ceremonien der Religion einhielt. Sein ausgesprochener Wunsch wurde

von der englischen Regierung zu spät erfüllt, um Christ zu werden.

Anstatt ~eines~ Missionärs wurden ~viele~ geschickt, jedoch

erst 1820 nach dem Tode des grossen Königs, der wie durch ein Vorgefühl

getrieben, das liebliche Waikiki verlassen hatte, um nach seinem

Lieblingsort Kailua im Districte Nord-Kona 1819 überzusiedeln, wo er in

seinem 83. Lebensjahre den 8. Mai starb.

Mehrere Wochen wurden demzufolge als „tabú“ erklärt, während welcher

Zeit die schrankenloseste Willkür nach uralter Sitte dem Volke gewährt

wurde. Zahlreiche Opfer an Menschen und Thieren wurden den Göttern

gebracht. Alle Achtungsbezeugungen, die das Heidenthum erdenken konnte,

wurden dem Verstorbenen erwiesen. Sein Körper wurde nach religiösem

Gebrauche den Priestern mit heidnisch heulendem Ceremoniel übergeben,

die die Knochen sorgfältig reinigten, und, nachdem sie das Fleisch

verbrannt, dieselben in kostbare Stoffe hüllten und an einer bisher

unbekannten Stelle, wahrscheinlich im glühenden Schlünde der Péle, d.

h. im Krater des Kiloéa bewahrten.

Wochenlang füllte die Berge und Thäler der Insel heidnischer

Trauergesang. Es schien als ob das finstere Heidenthum, gleichwie

seinen baldigen Untergang -- durch das von Milde und Liebe in seinen

ursprünglichen Grundsätzen leuchtende Christenthum verdrängt -- ahnend,

zur Bestattung des Gründers seines nationalen Reiches, welcher der

eigentliche Urheber der baldigen Vernichtung des Heidenthums gewesen,

den Pomp und die abergläubischen Ueblichkeiten desselben gleichsam wie

zum letzten Male mit grösstem Glanze und Vollständigkeit aufbieten

wollte.

Kamehámehá I. hatte seinen Sohn Líholího als seinen Nachfolger und

seine zweite Frau, die Kaáhúmanú, als Regentin, d. h. als „Kuína-nui“

ernannt.

Nach dem Tode Kamehámehá’s I. zog sich Líholího als Kamehámehá II. nach

Kawaihae auf die Insel Hawaii zurück, um nach herkömmlicher Sitte die

„tabunirten“ Wochen vom bisherigen Wohnort des Verstorbenen entfernt

zuzubringen. Mit ihm zogen seine Frau Kamamalú, die eine Tochter seines

Vaters aus anderer Ehe war, und zwei Concubinen.

Kamehámehá II. war der erste König des Inselreichs, der sich

gewissermassen krönen liess. Es wurde nämlich eine Ceremonie

vollzogen, die ein Gemisch der alten Sitte der sogenannten „poni“ (der

Salbung und Bekränzung der Häuptlinge) und der ~europäischen~

Krönungsceremonie war.

Zwei Tage, nachdem die „tabunirte“ Zeit der Trauer vorüber war, liess

er die Häuptlinge seines verstorbenen Vaters und die Einwohner des

Districts Kóna auf der Insel Hawaii sich versammeln, und als alle

versammelt waren, trat er aus dem „heiau“, d. h. dem Tempel, roth

gekleidet, umhüllt mit dem berühmten Federmantel seines Vaters und dem

„pulúuluú“, d. h. dem „tabú“-Stabe, in der Hand, auf dem Haupte einen

Hut, den ihm der König von England gesandt -- zu beiden Seiten ein

Häuptling schreitend, von denen der eine der Träger der königlichen

Insignie, des „Kahíli“, der andere mit den Speibecken, welcher den

Hauptwürdenträger des Staates vorstellt. Hierauf trat die „kuína-nui“,

die verwittwete Königin Kaahumanú mit den Worten ihm entgegen:

„Behalte, Líholího, die Häuptlinge und Männer Deines grossen Vaters,

seine Kanonen und sein Land, doch Du und ich, wenn es Dir so gefällig

ist, wollen zusammen den Staat im Sinne Deines Vaters regieren!“

Kamehámehá II. war geistig begabt, gefühlvoll, doch leichtsinnig,

wankelmüthig und jung. Er überliess die Regierung des Landes Anderen

und ergab sich den schrankenlosesten Ausschweifungen und der Buhlerei.

Ihm war jeder Zwang zuwider, daher auch der Einfluss der Priester

und die Pflichten des „tabú“. Sein religiöses Wesen schwankte

zwischen dem Einhalten der traditionellen Ueblichkeiten und dem

Verwerfen der religiösen Gebräuche; er wünschte bald die Einführung

des Christenthumes, weil dasselbe den Menschen vom Aberglauben des

Heidenthumes befreien sollte, bald befürchtete er wiederum die

Einführung desselben der moralischen Verpflichtungen wegen. Am liebsten

hätte er sich von jeder Religion losgesagt, wenn er nicht mit seinem

hervorragenden Verstande eingesehen hätte, dass eine Nation ohne

Religion nur die Vernichtung des Wohlstandes ihres Landes herbeiführen

kann. In diesem Kampfe zwischen Sollen und Nichtsollen befand er sich

bis zur „tabunirten“ Nacht der „Kukahi“, den 6. October 1819, wo er den

„tabú“ dadurch brach, dass er zu seinen Weibern eintrat und mit ihnen

speiste.

Es soll dieser sein Entschluss mit der Einwilligung der geistreichen,

im Sinne Kamehámehá’s I. regierenden „kuina-nui“, der Kaáhumanú,

stattgefunden haben, um dem, den Fortschritt der Nation hemmenden

Einfluss der Priester ein Ende machen zu können.

Dieser wichtige Akt des Königs kam dem Lande und namentlich den

Priestern höchst unerwartet; letztere sahen in demselben eine ernste

Gefahr für das Bestehen ihrer bisherigen unbeschränkten Macht, da die

Wirkung des königlichen Beispieles auf die Nation eine unzweifelhaft

~gegen~ sie gerichtete werden würde.

III. Abtheilung.

Bruch der Priester mit dem König. -- Sturz des Heidenthums. - -Das

Christenthum fasst Wurzel. -- Kamehámehá II. und die Regentschaft.

-- Tod des Königs. -- Kamehámehá III. unmündig. -- Tod der

Regentin. -- Ihre Nachfolgerin.

In Folge des vorhin erwähnten Aktes des Königs sammelten die Priester

sofort ihre Anhänger, um die Zeit zu benutzen, wo der König nach

Brechung des „tabú“ sich Orgien hingegeben, um denselben zu beseitigen

und an seine Stelle den fest an den traditionellen Glauben haltenden

Vetter des Königs Kekuaókaláni zu erwählen.

Kekuaókaláni stellte sich in Hawaii mit seiner excentrischen, jedoch

höchst tapferen Frau, der Manóno, an die Spitze einer beträchtlichen,

durch die Priester begeisterten Schaar.

An die Spitze der königlichen, mehr regulären Krieger war Kalánimóku,

ein alter Krieger und Genosse Kamehámehá’s I., ernannt worden.

In der Schlacht bei Kuámoó auf Hawaii 1820 im Januar siegte Kalánimóku;

und Kekuaókaláni nebst seiner muthig kämpfenden Frau blieben unter den

Todten.

Die Folge dieses Sieges war eine für das Heidenthum vernichtende; da

die Nation fest auf die Hülfe der Götter in diesem für sie so wichtigen

Ereignisse rechnete und keine Hülfe wahrnahm und schon längere Zeit

sich dem Zweifel und dem Unglauben hinzugeben neigte, loderte plötzlich

ihr Aerger gegen die bisher als unfehlbar geglaubten Götter in hellster

Flamme auf. Es wurden nicht nur mit verzweifelter Verachtung, und als

Lüge angesehen, alle Zeichen und Tempel ihres Götzendienstes -- und

das ohne Befehl des Königs -- vernichtet, sondern auch die Zauberer

und Priester verfolgt und in den Bergen, wohin sie mit den Insurgenten

geflohen waren, sammt dem Oberpriester, dem bis dahin als göttlich

gehaltenen „Kuáwa“, zumeist ermordet. Und ~ein~ Tag hatte genügt,

um das Volk zu bewegen, in glühendem Hasse und mit begeistertem Eifer

das, was seine Urväter seit undenklicher Zeit und was es noch vor einem

Tage als unantastbar heilig gehalten, zu vernichten. Dieser Tag des

Januar 1820 wurde demnach der Tag der Befreiung des Inselreichs von

dem Joche des finstern Heidenthums und der Tag des Aufganges und des

Einzuges des leuchtenden Christenthumes in dasselbe.

Der König Kamehámehá II. war durch einen Akt, der nur durch seine

Wollust und seine religiöse Indifferenz hervorgerufen wurde, die

unwillkürliche Ursache dieses wichtigen Ereignisses geworden. Es

verdankt die Nation dieses Ereigniss eigentlich ihrer regierenden

Gewalt, der energischen, willenskräftigen Kaáhúmanú, welche, die

Nothwendigkeit dieses Ereignisses einsehend, es indirekt hervorgerufen

hatte.

1820 den 4. April landeten aus Amerika kommend die ersten

congregationellen Missionäre und zwar ein Jahr nach dem Tode

Kamehámehá’s I., drei Monate nach der Vernichtung der Götzen in

Kawaihae auf der Insel Hawaii. Bei ihrer Landung hauchte ihnen

sozusagen die Luft des Inselreiches im Namen der Nation zu: „Unsere

Inseln sind im Frieden, das System der Gräuel des „tabú“ ist

gebrochen, die Götter und die Lüge sind vernichtet, die Tempel

derselben zerstört! Kommt! bringt uns die Moral, lehrt uns Gott und

die Wahrheit kennen und helft uns den Tempel der wahren Liebe, der

Nächstenliebe, erbauen!“

Diesen Missionären wurde das Recht zu landen gestattet, jedoch die

Erlaubniss zu bleiben und sich niederzulassen nicht gegeben, da

Kamehámehá II. resp. die Kaáhumanú befürchtete, dass, da Kamehámehá

I. die englische Regierung gebeten hatte, Missionäre zu senden, die

benannte Regierung es übeldeuten könnte, wenn man amerikanischen

Missionären den Voreinlass gestattete. Sie hiess jedoch umgehend die

Häuptlinge sich versammeln und hielt Rath. Mr. Jung, der treue Freund

und Begleiter Kamehámehá’s I., als Amerikaner, setzte der Versammlung

auseinander, dass die Grundlage der Religion Amerikas und die Englands

als christliche ein und dieselbe sei und beruhigte die Zweifel

derselben soweit, dass der König resp. seine Regierung die Erlaubniss

zum Sichniederlassen der Missionäre den 18. April 1820 formell gewährte.

Im selbigen Jahre kehrte der erste Walfischfahrer in den erst von

Kamehámehá I. eröffneten Hafen von Honolulu ein, und bald wurde

derselbe die beliebteste Station dieser Schiffe, dem sie auch vor allen

bis dahin benutzten Häfen der Inseln den Vorzug gaben.

Den 18. April landeten die ersten amerikanischen Missionäre, die

ebenfalls Congregationalisten waren, in Honolulu. 1821 wurde das erste

christliche Bethaus daselbst eröffnet. Bis 1822 ging es ziemlich

langsam mit dem Fortschritt der Missionäre. Der Hauptgrund dessen lag

nicht nur in der Indolenz und der Indifferenz der Nation, sondern mehr

in der Erwartung derselben, dass das Haupt ihrer Regierung und ihre

Häuptlinge ihnen mit gutem Beispiel vorangehen würden.

Den 7. Januar 1822 wurde die erste nationale Druckerei in Honolulu

eröffnet, und es erschienen die ersten gedruckten heiligen Bücher der

Missionäre in Hawaii’scher Sprache. Der König zog eigenhändig die

erste und der Oberhäuptling Keoúmóku die zweite Platte des ersten

Druckversuches ab.

Im Jahre 1823 den 25. April überfluthete ein Lavaauswurf des

Kilauéa-Beckens eine Strecke von 12 Meilen bis zum Ocean verwüstend.

Den 27. April 1823 landete die zweite Compagnie amerikanischer

Missionäre in Honolulu, und mit ihr begann die Wirkung der Missionäre

im Lande eine rege zu werden.

Trotz des friedlichen Entgegenkommens der Kaáhumanú den in das Land

ziehenden Missionären gegenüber, ungeachtet ihrem ausdrücklichen

Wunsche, dass das Volk und dessen Häuptlinge den Missionären Achtung

erweisen, deren öffentlichen Reden mit Aufmerksamkeit zu lauschen

und das Lesen und Schreiben erlernen sollten, war sie selbst

merkwürdigerweise den Missionären nicht zugänglich und verkehrte mit

ihnen gar nicht, fand aber die Möglichkeit, ihre öffentlichen Reden

kennen zu lernen und folgte ihrem Schalten und Walten unbemerkbar mit

grösster Aufmerksamkeit.

Der Grund dieser Zurückhaltung lag, glaube ich, in dem Wunsche der

Regentin, sich und dem Volke ohne Ueberstürzung Zeit zu reiflicher

Ueberlegung zu geben. Sie selbst wollte erst den Unterschied

verschiedener christlicher Religionen genauer kennen lernen, um erst

nach dem Erlangen einer Ueberzeugung mit eigenem Beispiele und alsdann

mit der ganzen Kraft ihres gewaltigen Einflusses zu Gunsten des

Christenthumes zu wirken.

Den 27. November 1823 verliess der König nebst seiner Frau, der Königin

Kamámalú, begleitet von seinem Bruder Boki nebst Frau, den Häuptlingen

Lilihá und Kékoanása, das Inselreich, um auf dem zu diesem Zweck

gemietheten Walfischfahrerschiffe, dem „Aigle“, -- unter Commando des

Capitäns Starbuck -- das Cap Horn umfahrend, der Einladung des Königs

Wilhelm IV. zu folgen und nach England zu segeln.

Es war das erste Mal, dass ein König das Inselreich verliess.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Rio de Janeiro (Brasilien) landete der

König nebst Begleitung im Mai 1824 in London, wo er vom König auf das

Gastfreundschaftlichste aufgenommen wurde.

Der schroffe Wechsel des Klimas und der Lebensweise wirkten tödtlich

auf den König und die Königin. Er starb den 8. und sie den 13. Juli

1824. Ihre Leichen brachten Boki nebst Begleiter auf der englischen

Fregatte „Blonde“ unter Commando des Capitän Lord Byron nach Honolulu,

wo sie den 4. Mai 1825 eintrafen. Zur Zeit, als der König in London

starb, liess sich seine und seines Nachfolgers Mutter, die erste Frau

Kamehámehá’s I., Kéopúoláni, taufen.

Im August desselbigen Jahres, d. i. 1824 benutzte George Kaúmuálií,

Sohn des verstorbenen Königs von Kauai, der, wie schon früher

erwähnt, als seinen Nachfolger Kamehámehá I. ernannt hatte, die

Abwesenheit des Königs in London, um zu versuchen, der Insel sich

wieder zu bemächtigen. Er war nämlich nach dem Tode seines Vaters

als privilegirter Gouverneur von Kauai mit dem vollsten Vertrauen

des Königs ernannt worden. Dieses Vertrauen vergalt er, unterstützt

von der seiner Dynastie treuen Bevölkerung, mit dem Aufstand. Die

Vorbereitungen der Kauaier hatten schon im Mai die Regentin bewogen,

einen neuen Gouverneur in dem Oahú-Häuptling Kahalaía zu ernennen.

Den 8. August stürmte George mit seinen Schaaren Waiméa, den Sitz

des Gouverneurs, trotz seiner 2 Kanonen und der Feuergewehre seiner

Mannschaft resultatlos, indem die Kugeln meist über die Feinde

wirkungslos hinwegflogen. Der Gouverneur von Maui, Hóapíli, ein Vetter

der Regentin, kam zu Hülfe, stürmte die Verschanzungen der Kauaier, und

nach einer kurzen Schlacht zwang er George nebst seinen Schaaren zu

fliehen, und, sie verfolgend, schenkte er ihnen nach alter Sitte keinen

Pardon. Viele Tage hindurch wurden ohne Ausnahme Alt und Jung, Weib und

Kind niedergemetzelt. George entkam, in die Berge sich flüchtend, und

ergab sich erst später, als er in Rücksicht auf seinen verstorbenen

Vater begnadigt worden war.

An Stelle des Kohalaía, dafür, dass er saumselig in seiner

Verwaltung gewesen und nicht zur rechten Zeit die Vorbereitungen der

Aufständischen gehemmt hatte, wurde Kaíkioéwa, ebenfalls ein Vetter

der Regentin, als Gouverneur der Insel Kauai ernannt, dessen erstes

Werk darin bestand, die noch am Leben gebliebenen Aufständischen in die

anderen Inseln zu versetzen.

Nach dem Tode des Königs wurde sein minderjähriger Bruder Kauikeadúli

als Kamehámehá III. proklamirt. Die Káahúmanú setzte ihre Regierung als

Regentin für den minderjährigen König fort.

Bald nach Rückkehr Bokis mit den Leichen des Königs und der Königin aus

England, bekannte sich die Regentin zum christlichen Glauben und wurde

in Honolulu congregationalistisch getauft.

Dieser Akt wirkte auf die Verbreitung des Christenthumes im Inselreiche

rascher als die Arbeit eines Jahrhunderts der Missionäre gewirkt

hätte. In Schaaren stellten sich die Leute zur Taufe und zum Glauben

an den „akuá-oiaio“ (den wahren Gott). Schulen wurden errichtet,

die erstaunlich rasch der Bevölkerung, Alt und Jung, das Lesen und

Schreiben beibrachten. Denn zum Verwundern ist es, dass gegenwärtig es

kaum noch Einen im Inselreiche giebt, der nicht zu lesen, schreiben und

zu rechnen versteht.

Im selbigen Jahre wurde die Presbyterianer Kaiwahae-Kirche, an der

jetzigen Ecke der „King“- und „Punch-bowl“-Strasse gelegen, eröffnet,

der der höchst thätige und für die Verbreitung seines Glaubens als

wahrer Christ wirksame Pastor H. Bingham vorstand.

Von diesem Augenblicke an unterstützten die Regentin, als auch die

Häuptlinge die Missionäre, beförderten mit glänzenden Resultaten die

Befestigung des christlichen Glaubens im Inselreiche durch Gründung

christlicher Schulen und Kirchen, und man kann annehmen, dass vom

Januar 1820, d. h. seit der Niederlage der Priester, und der Schaaren

des Kekuáoókaláni in der Schlacht von Kuámoó das Bestreben der damals

noch heidnischen Regierung und der Wille des damals noch heidnischen

Volkes zum progressiven Fortschritte der Missionäre vereint zu wirken

begonnen haben.

Weder die Regierung, noch das Volk haben je den Missionären einen

Widerstand entgegengestellt. Sie haben im Gegentheil dieselben stets

ermuthigt, ihre allein seligmachende Lehre der Vergebung, der Milde,

der brüderlichen Nächstenliebe im Lande zu verbreiten, indem die

Majorität der Bevölkerung ihren Versammlungen andächtig beiwohnte.

Eine Schwierigkeit nur und einen bedeutenden Widerstand fanden die

Missionäre in der brutal ungebildeten Opposition der im Inselreich

damals lebenden oder sich zeitweilig aufhaltenden weissen Bevölkerung,

die sich Christen nannten und unter denen die rohen Walfischfänger

namentlich ihre wirksamsten Gegner waren. Die Missionäre, um einen

gesunden christlichen Glauben einzuführen, mussten mit aller Macht

dahin streben, auch die moralische Tendenz desselben so rein wie

möglich zu importiren und nach Möglichkeit es zu verhüten suchen,

dass die dem christlichen Glauben so widersprechenden Gewohnheiten

und eingeschlichenen Ueblichkeiten der weissen Race mit dem reinen

Glauben eingeschmuggelt werden: Gewohnheiten und Ueblichkeiten, die

den christlichen Glauben bekanntlich so bedeutend unter den stolzen

selbstbewussten Trägern des christlichen Banners „der weissen Race“

gelockert haben. Unter diesen Gewohnheiten und Ueblichkeiten spielt

die wichtigste Rolle im sichtlichen Verfall unserer Moralität der

Alkohol, der soweit die gegenwärtige Generation dämonisch gefesselt

hat, dass wir sozusagen einer Seuche verfallen sind, der sogenannten

„Alkohol-Pest“, was keiner, der in der Welt gelebt, beobachtet und

gefühlt hat, bestreiten kann.

Das Einschmuggeln dieses Giftes befürchtend, bewogen die Missionäre

die Regierung, die Einfuhr von Spirituosen zu erschweren und, wenn

möglich, zu verbieten, da der Genuss derselben durch das Beispiel der

Walfischfänger sich fühlbar unter den Eingeborenen verbreitet hatte.

Desgleichen lag ihr Bestreben darin, die Regierung zu bewegen, die

durch die Walfischfänger in das Land gebrachte Sitte der Prostitution,

die im Lande zur vollständig öffentlichen schamlosen Gewohnheit

geworden war, zu verbieten.

Wie sehr die Walfischfahrer sich gegen die Tendenzen der Missionäre,

die sie unter dem Volke lächerlich zu machen suchten, sträubten, liegt

in folgenden schamlosen Beispielen:

1825 im Oktober lag z. B. vor Lahaïna (Insel Maui) der britische

Walfischsegler „Daniel“ vor Anker; entrüstet über die von der

Regierung der Inseln unerwartet günstig aufgenommenen Vorschläge der

Missionäre, sammelte sich dessen Mannschaft, um mit bewaffneter Hand

die Missionäre zu zwingen, ihren Einfluss auf die Regierung in Hinsicht

auf die Moralität aufzugeben und versuchte mit Gewalt, ihre Gelüste zu

befriedigen. In stark angetrunkenem Zustande forderten sie drohend die

Häuptlinge und das Volk auf, den Missionären kein Gehör zu schenken und

nach früherer gemüthlicher Sitte den Frauen und Töchtern des Landes den

Zutritt auf ihre Schiffe zu gestatten; die Regierung hatte nämlich in

Folge der Vorstellung seitens der Missionäre ein strenges Verbot gegen

diese Unsitte erlassen und zur Bekräftigung desselben als Grundlage

des Reichsgesetzes die zehn Gebote proklamirt, und es gelang ihr nur

durch Energie, den Ausbruch von Gewaltthaten der rohen Bande gegen die

Missionäre abzuhalten.

Aehnliche Fälle fanden unter britischen, amerikanischen Schiffen,

namentlich Walfischfahrern derselben, noch öfters statt, der

gewaltigste jener Fälle ist der von 1826 im Januar, wo das den

Vereinigten Staaten gehörige Walfischfängerschiff „Delphin“ im Hafen

von Honolulu vor Anker lag. Die angetrunkene Mannschaft desselben

landete nämlich bewaffnet, belagerte im vollsten Sinne des Wortes die

Wohnung der Missionäre, forderte brutal die augenblickliche Annullirung

der Gesetze und die Wiedererstattung der alten Gewohnheiten an das

Volk. Da die Missionäre die lärmende Bande nicht beschwichtigen

konnten, so sagten sie ihnen, dass es nicht von ihnen, sondern von

der Regierung abhänge, ihren Forderungen Folge zu leisten, worauf die

Bande kühn unter Anführung ihres Capitänlieutenants John Percival

vor dem Haus des kranken Gouverneurs der Insel, Kalanimokú, erschien

und dasselbe belagernd ihre Forderung stellte. Nach einem scharfen

Handgemenge wich sie jedoch der allmählich zunehmenden Uebermacht des

Volkes, nachdem sie die Fenster und Thüren des Hauses zertrümmert und

die sie zu beruhigen suchenden Missionäre brutal behandelt hatte.

1827 lag vor Lahaina (Insel Maui) das britische Handelsschiff „John

Palmer“. Die Mannschaft brachte sich -- scheinbar mit Gewalt -- Frauen

auf das Schiff. Hoapíli, der energische, mannhafte Gouverneur der

Insel, der Held der Schlacht in Kauai gegen den Prätendenten George,

liess umgehend auf Grund des Gesetzes von 1825 den Capitän des Schiffes

höflichst auffordern, sofort die Frauen wieder ans Land zu befördern,

erhielt jedoch hierauf eine spöttische höchst unmoralische Antwort.

Hoapíli war nicht der Mann, dem Furcht eingeflösst werden konnte, er

benutzte den Augenblick, wo der Capitän ans Land gekommen war, um

denselben arretiren und sein Boot confisciren zu lassen. Der Capitän,

scheinbar unterthänigst, erbat sich die Erlaubniss -- die ihm natürlich

gestattet wurde --, einige Anordnungen seinem Schiffe geben zu dürfen.

Diese Anordnung bestand im Befehl, dass, im Fall er nicht innerhalb

einer Stunde wieder an Bord erscheine, die Mannschaft die Stadt zu

beschiessen habe, was denn dieselbe auch nach Ablauf einer Stunde

pünktlich erfüllte, ohne jedoch dem Orte einen erheblichen Schaden

zu verursachen. Der Capitän wurde endlich unter dem Versprechen, die

Frauen sofort ans Land zu schicken, entlassen. Kaum an Bord, lichtete

er die Anker und segelte mit den Frauen nach Oahú resp. dem Hafen von

Honolulu.

Die oftmaligen Wiederholungen solcher Excesse wirkten missstimmend auf

die ausländische Bevölkerung der Inseln, namentlich der von Honolulu.

Die Schiffsbesitzer und einige Handlungshäuser waren meist entrüstet

über das sogenannte moralische Gesetz der Dummheit, welches ihre

Seeleute vollständig unwillig machte, und wurden beängstigt durch die

Zeitungs-Artikel der Vereinigten Staaten, die die Handlungsweise

der betreffenden Schiffe auf das Strengste rügten. Sie traten mit

Heftigkeit und fast drohend auf und forderten von der Regierung die

sofortige Annullirung der proklamirten Gesetze, die ihrem Geschäfte nur

nachtheilig seien, und forderten die Bestrafung gewisser Missionäre für

ihre das Volk unnütz aufregende Demonstration und falsche Denunciation

im Auslande. Ihr Auftreten war ein derart gebietendes und drohendes,

dass viele Häuptlinge der Ruhe wegen oder -- eingeschüchtert -- geneigt

waren, den Forderungen nachzugeben oder zu Gunsten derselben auf die

Regierung zu wirken.

Die Regentin war bis dahin verhältnissmässig sehr zurückhaltend und

scheinbar inaktiv gewesen. Die Geneigtheit einiger Häuptlinge, den

barbarischen Forderungen eines Theiles der europäischen Bewohner

Honolulus nachzugeben, bewog sie, den Reichsrath sofort zu berufen,

um die Sache reiflich zu besprechen, einen definitiven Beschluss zu

fassen und wirksame Massregeln zu treffen, damit diesen unheilvollen,

eigenmächtigen Auftritten ein für alle Mal eine gesetzliche Schranke

statuirt würde, die die Wiederholung derselben unmöglich machte.

Einstimmig wurde -- Dank dem unerschütterlichen Willen der Regentin

-- definitiv beschlossen, die Missionäre und die neuen Gesetze der

Moralität unveränderlich zu schützen. Dieser Entschluss des Conciliums

wurde gedruckt und proklamirt. Den folgenden Tag erschienen formell

in vollster Uniform der englische Consul Mr. Buckle, der Capitän des

schon früher, 1825, erwähnten Schiffes „Daniel“, einige ausländische

Kaufleute und zwei Häuptlinge bei der Regentin und forderten die

Bestrafung des Missionärs Richard. Die Antwort der Regentin war fest

und bestimmt verneinend, und sie schloss mit der Erklärung, dass die

Wirkung der Ansichten der Ausländer und Eingeborenen über diese ihre

festverneinende Antwort und den Entschluss, die Missionäre und die

moralischen Gesetze in Schutz zu nehmen, gleich der der wilden See

gegen den festen Felsen sein würde.

1828 den 30. März landete die 3. Compagnie der amerikanischen

Missionäre und wurde von der Regierung auf das Freundlichste

bewillkommt.

1829 wurde eine Proklamation im Namen des Königs durch die Regentin

erlassen, in welcher die seit 1825 bestehenden Gesetze des Inselreiches

der Art erklärt wurden dass dieselben eine ausnahmslose Wirkung

auch auf die Fremden und Nichteingeborenen des Landes in vollster

Kraft haben sollten. Diese Gesetze enthielten die erforderlichen

Massregeln gegen Vergehen als: Mord, Diebstahl, Verkauf von spirituösen

Flüssigkeiten und Substanzen, Entweihung des Sonntags, Hazardspiel,

Ehebruch, Polygamie, Polyandrie u. s. w.

Gegen diese Proklamation protestirten sofort viele Bewohner der Insel

fremder Nationalität, die sich nicht unter die Hawaii’sche Jurisdiction

stellen wollten. Doch mussten sich dieselben trotz ihres Protestes, der

vollständig unberücksichtigt geblieben war, in Folge des unbeugsamen

Willens der Regentin Káahúmanú den Gesetzen fügen. Den 19. Oktober

1829 traf noch obendrein ein officielles Schreiben vom Präsidenten

der Vereinigten Staaten von Amerika an die Regierung ein, welches den

König resp. die „Kuína-nui“ Káahumanú für die reellen, so eingreifenden

Reformen und die Einführung des christlichen Glaubens, der im Lande

sich so überraschend erfolgreich verbreitet beglückwünschte und ferner

die Hoffnung ausdrückte, dass die Fremden im Königreiche -- und dass

namentlich die amerikanischen Bürger in demselben -- gleichwie die

Eingeborenen den herrschenden Gesetzen des Landes unterworfen werden

würden.

Von 1829 bis 1838 waren keine neuen Gesetze creirt worden, die

bestehenden jedoch wurden den Eingeborenen und den fremden

Nationalitäten des Landes eingeschärft und allmählig zur Gewohnheit,

was dadurch erleichtert war, dass die Regierung eine absolute

Monarchie, d. h. des Königs Wort Gesetz war.

1831 den 7. Juni landete die 4. Compagnie amerikanischer Missionäre,

und in demselben Jahre im September wurde die erste Hochschule des

Inselreiches in Lahaïna eröffnet.

Von 1831 bis 1832 wurde das Fort Lahaïna erbaut.

Den 17. Mai 1832 landete die 5. Compagnie amerikanischer Missionäre und

bald darauf den 5. Juni 1832 starb die energische „Kuína-nui“ Káahúmanú

als eine ihrem Lande unvergessliche Regentin, der die Nation das erste

Stadium ihrer Entwickelung verdankt.

Als ihre Nachfolgerin, d. h. als „Kuína-nui“ wurde die Tochter

Kamehámehás I., die Kinau, unter dem Namen Káahúmanú II. erwählt. Sie

war seit 1827 im October an den Oberhäuptling Kékuánaóa vermählt.

Im Juni desselben Jahres fand eine gewaltige Eruption des Kilauéa und

zugleich des „Mauna-lóa“-Gipfelkraters statt.

Nach dem Tode der Káahúmanú I., sich seiner Volljährigkeit nähernd,

erlöst von der strengen moralischen Aufsicht und Leitung der

Verstorbenen, ergab sich der jugendliche König der Depravation und

namentlich dem Trunke. Beeinflusst von einer nichts weniger als

moralischen europäischen Umgebung, die meist gegen die neu eingeführten

Gesetze des Reiches gestimmt war und den Zweck verfolgte, durch die

Depravation des Königs auch das Land allmälig wieder in die früheren

ungebundenen Verhältnisse desselben zu versetzen, näherte er sich

immer mehr und mehr der Anschauungsweise der Feinde der öffentlichen

Ordnung und ermuthigte dadurch die Hoffnungen seiner Umgebung. Diese

Hoffnungen schienen sich auch schon wirklich erfüllen zu wollen. Das

Beispiel des Königs zeigte allmälig einen gewaltigen Umschwung in dem

noch frisch umgewandelten Geiste des Volkes. Schwelgerei und Akte der

Demoralisation fanden wieder statt ungeachtet der ernsten Mahnungen

und Bemühungen der Missionäre, es zu verhüten. Es schien als ob die

jahrelangen Bemühungen der Káahúmanú I. und ihre weisen Einrichtungen

verschwinden sollten.

IV. Abtheilung.

Volljährigkeit des Königs Kamehámehás III. -- Die „Kuina-nui“ Kinau

und ihre Regierung. -- Kamehámehá III. giebt eine Constitution. --

Seine Regierungszeit. -- Sein Tod.

1833 im März übernahm Kamehámehá III. als Volljähriger die Regierung

und die Kinau blieb als „Kuína-nui“ d. h. als Premier und leitete als

solche anfänglich allein die Regierung, da der König fast beständig in

Orgien sich befand und wenig oder gar nicht sich um jene kümmerte.

In selbigem Jahre erschien die 6. Compagnie amerikanischer Missionäre,

und 1834 den 2. Januar wurde das weibliche Seminar von denselben in

Wailúka auf der Insel Maui und zugleich die zweite Hochschule in Hilo

(Insel Hawaii) in Gegenwart der Kinau eröffnet.

1834 den 14. Februar erschien das erste Blatt, in Hawaii’scher Sprache

gedruckt, die Zeitschriften: „Lama-Hawaii“ in Lahaïna (auf der Insel

Maui) und „Kúnau-Hawaii“ in Honolulu.

1835 den 6. Juni landete die 7. Compagnie der amerikanischen Missionäre.

Die grenzenlos zunehmenden Ausschweifungen des Königs hatten zur Folge

die geringere Wirksamkeit der Gesetze und den allgemeinen Glauben an

die vollständige Vernichtung der glänzenden Resultate der Kaahúmanú I.

1836 jedoch zum grossen Erstaunen Vieler änderte sich das Wesen

des Königs unerwartet plötzlich. Ueber die ernsten schon merklich

in der Bevölkerung fühlbaren Folgen seines unmoralischen Beispiels

erschreckend, erliess er den Befehl, dass die Gesetze von 1829

ausnahmslos gegen Jedermann in strengste Kraft wieder treten sollten,

und bemühte sich selbst von diesem Augenblicke an, einen dem früheren

vollständig entgegengesetzten Lebenswandel einzuschlagen. Leider hat

der Trunk eine fest haftende Eigenschaft, die nicht leicht dem Willen

nach beseitigt werden kann. Begabt, gutmüthig, von grundehrlichem

Charakter sah der König die Gefahr ein, fühlte aber auch die Schwäche

der menschlichen Natur, suchte daher durch Handlungen und Thätigkeit

seine Leidenschaft zu ersticken.

Dieses Gefühl des Königs benutzte die hochbegabte, jedoch fanatisch

protestantische Kinau, um ihn zu bewegen, die Verfolgung des allmälig

sich mehr und mehr verbreitenden römisch-katholischen Glaubens wieder

zu beginnen.

Schon im Jahre 1819, im August, als die französische Corvette

„l’Uranie“ vor Kawaihae und später vor Honolulu ankerte, bekehrten sich

heimlich zum katholischen Glauben die Brüder des Königs, Kalánimokú und

Bóki, und wurden mit einigen ihrer Anhänger durch den Abbé de Quellin,

den Geistlichen der Corvette, auf dem Schiffe getauft.

1827 trafen die ersten katholischen Missionäre in Honolulu ein; es

waren die Väter Augustin Bachelet als apostolischer Präfect der

Sandwichinseln und Short nebst diversen Kirchendienern. Die Landung

wurde ihnen durch den Protest der protestantischen Missionäre von

der Regierung verweigert. Das Schiff ging ab; die geistlichen Herren

jedoch blieben auf der Insel. Die Káahúmanú I. war damals auf der Insel

Hawaii. Durch Bókis Einfluss wurde den Vätern das Predigen ermöglicht,

und es gelang ihnen auffallend rasch, eine kleine Gemeinde zu bilden.

Leider verliess 1828 im Dezember Boki Honolulu, um auf den Südseeinseln

Sandelholz zu suchen, mit welchem er seine erschöpfte finanzielle Lage

durch ein rentables Geschäft mit China zu verbessern hoffte. Mit zwei

Briggs ging er ab und ist nie wiedergekehrt. Sein Verschwinden that der

katholischen Sache einen erheblichen Schaden, da die Gemeinde in ihm

ihre einzige kräftige und einflussreiche Stütze verlor.

Die protestantischen Missionäre waren während dieser Zeit nicht

müssig gegen die ihnen erwachsende Gefahr geblieben, indem sie die

Káahúmanú. I. nach Hawaii über den Vorfall benachrichtigten und sie auf

die entstehende Gefahr für das Bestehen der protestantischen Kirche

aufmerksam machten.

Mit ihrer Rückkehr nach Honolulu, die die Missionäre bedeutend

antrieben, änderte sich plötzlich die Lage der katholischen Gemeinde

auf der Insel Oahú. Sie erkannte sofort die bedeutende Wirkung der

Priester auf das Volk und -- beeinflusst durch die protestantischen

Missionäre und auf das Zureden der sehr protestantischen Kinau --

entschloss sie sich die Priester aus dem Lande zu verweisen und

die Gemeinde zur Annahme des Protestantismus, wenn es erforderlich

würde, zu zwingen, da zwei Religionen im kleinen Reiche ihr zuviel

erschien. Sie verbot den durch ihre Menschenfreundlichkeit, durch

ihre Pflichttreue allgemein geachteten Priestern das Predigen, befahl

ihnen, ihre Capellen sofort zu schliessen und bedrohte mit strengster

Strafe die Gläubigen, wenn sie ihrem Glauben treu bleiben würden.

Die Ausführung dieser Drohungen wurde noch durch die in dieser Sache

hauptsächlich wirkende Kinau verschärft; keine Nachgiebigkeit, keine

Entschuldigung fand statt. Mit oft grausamer Strenge wurde der Wille

der Regierung, wenn gleich mit geringem Erfolge unausgesetzt bis 1831

ausgeführt.

Die Ursache des Misserfolges der protestantischen Tendenz der Regierung

in dieser Sache lag in den katholischen Geistlichen, die das Land nicht

verliessen, mit aufopfernder Geduld, Selbstverleugnung und Liebe die

Verfolgten trösteten und sie zum Festhalten an ihrem Glauben soweit

ermunterten, dass die Gemeinde trotz der Verfolgung -- wenn nicht

öffentlich, so doch heimlich -- statt abzunehmen an Zahl wuchs.

Die Kinau, dieses spürend, überredete die Regierung, ein Schiff auf

Kosten des Staates zu miethen und die katholischen Missionäre höflichst

nach Californien abzuführen, um dadurch endlich die zähe Gewalt ihres

Einflusses zu beseitigen. Die Brigg „Wawerley“ unter Commando des

Kapitän W. Summner war accordirt worden, und steuerte im Jahre 1831

mit den Missionären nach Californien.

Zu derselben Zeit und das zum Glück der von ihren Seelsorgern

getrennten Gemeinde trafen zwei Schiffe aus Chili ein, deren

Commandore, katholischen Glaubens, sofort nach ihrer Ankunft für die

hartgedrängte und verfolgte Gemeinde bei der Regierung des Landes

energische Fürsprache einlegten und dieselbe auf die Möglichkeit

einer Intervention katholischer Grossstaaten aufmerksam machten und

namentlich ihr zu beweisen verstanden, dass der römisch-katholische

ebenfalls ein und zwar der älteste christliche Glaube sei; dass 1819

schon sich durch den Abbé de Quellin eine katholische Gemeinde im Lande

gebildet habe, zu deren Seelsorge in Folge der Schritte des Abbé in

Rom vom Papst die nach Californien abgeschickten katholischen Priester

gesandt worden waren. Dank ihrer gewandten Fürsprache gelang es ihnen,

die Verfolgung aufzuheben.

Infolge dieser Schritte der chilenischen Commandore bestand eine

scheinbare Toleranz des römisch-katholischen Glaubens auch während

der Regierungszeit der Kinau bis 1836. Im Innern jedoch und das von

den protestantischen Missionären zunehmend beeinflusst, wartete sie

nur auf einen günstigen Augenblick und eine fassbare Ursache, um ihre

fanatische Idee der Verfolgung und Ausrottung des katholischen Glaubens

für die Bildung einer einheitlichen protestantischen Kirche des Landes

zu realisiren.

Als nun 1836 König Kamehámehá III., erschreckt über den Einfluss,

den das Beispiel seines ausschweifenden Lebens auf das Volk gehabt,

erschreckt über die durch jenes entstandene Missachtung der Gesetze,

den Befehl ertheilte, die bestehenden Gesetze ohne Ausnahme in ihre

vollste Wirkung wieder treten zu lassen, und er sich selbst und seine

Leidenschaften durch Thätigkeit und rege Handlungen zu bemeistern

suchte, unterwarf er sich vollständig dem Willen der energischen jedoch

religiös tendenziösen Kinau.

Diesen Augenblick benutzte hastig die kluge Regentin, um ihren Plan

einer einheitlichen Kirche des Reiches endlich durchzusetzen. Sie

bewog den König, hierzu seine vollste Thätigkeit zu entfalten.

1836 wurde demnach die Verfolgung der katholischen Gemeinde mit

verdoppelter Energie wieder begonnen; doch merkwürdigerweise

brachte die Vorsehung der Verfolgung wieder Schwierigkeiten und der

unglücklichen, jedoch seit 1831 gewachsenen Gemeinde eine Hülfe zur

Standhaftigkeit, durch die den 30. September des Jahres stattfindende

Wiederlandung in Honolulu des Paters Robert Walsh, aus Valparaiso

kommend. Die Kinau erliess sofort den Befehl, ihn nicht landen und,

wenn er es gethan, wieder an Bord des Schiffes führen zu lassen. Der

englische Consul jedoch nahm sich seiner als Britten an und stellte ihn

unter brittischen Schutz. Der Pater Walsh blieb in Honolulu, jedoch mit

dem ausdrücklichen Verbote zu predigen.

1837 den 4. Februar vermählte sich der König mit der Kaláma, was eine

überaus günstige Wendung in der Lebensweise des Königs hervorrief

und ihm die Bemeisterung seiner Leidenschaften, namentlich die

Entfernung seiner ihn so schädlich beeinflussenden Junggesellenumgebung

erleichterte.

Im selbigen Jahre den 9. April landete die 8. Compagnie amerikanischer

Missionäre und fast zur selbigen Zeit d. h. den 17. April landeten

zur grossen Freude der katholischen Gemeinde die 1831 auf der Brigg

„Wawerley“ verschickten Geistlichen Bachelet und Short wieder in

Honolulu. Sofort wurde ihnen natürlich von der Regentin der Befehl

ertheilt, wieder an Bord ihres Schiffes sich zu begeben und das

Land, da sie 1831 schon aus demselben ausgewiesen waren, für immer

zu verlassen. Diese weigerten sich und wurden demnach mit Gewalt auf

die Brigg „Clementine“ gebracht, der der Befehl ertheilt wurde, das

Inselreich ~sofort~ zu verlassen. Der Besitzer der Brigg, Capitän

Dudoit weigerte sich seinerseits, da er noch Ladung zu empfangen hätte,

sofort abzusegeln und auf den wiederholten Befehl es zu thun liess

er die Flagge seiner Brigg nieder und überliess sein Fahrzeug -- der

Gewalt weichend -- der Regierung von Hawaii mit Protest und Stellung

einer Forderung von 50,000 Dollar als Schadenersatz für die quasi

gewaltsame Abnahme des Schiffes. Die Sache blieb fraglich bis zum 10.

Juli des Jahres, der Zeit, wo die französische Fregatte „Venus“ des

Capitän Du-Petit-Tours im Hafen von Honolulu erschien.

Der Capitän, mit echt französischem Eifer, nahm sofort seinen

Landsmann, den Capitän der „Clementine“, die katholischen Geistlichen

und im Allgemeinen die Sache der katholischen Gemeinde des Inselreiches

in Schutz. Seiner energischen Fürsprache gelang es, die Befreiung der

„Clementine“, und die Erlaubniss für die Priester zu erhalten, bis zu

einer nächsten Schiffsgelegenheit zu landen. Mit diesem Resultate war

er für den Augenblick zufrieden, wollte aber der katholischen Gemeinde

effectivere Hülfe durch die französische Regierung nachträglich

verschaffen.

Den zweiten November landeten zum grossen Entsetzen der Kinau in

Honolulu der katholische Bischof von Nicopolis, M. Maigret, und der

Pater Murphy, ebenfalls aus Valparaiso kommend. Ihnen wurde zu landen

nicht gestattet, und sie kauften sich d. h. Maigret und Bachelet

eine Brigg und segelten, die Väter Short und Murphy mitnehmend, den

23. November zu den Südseeinseln, auf welcher Reise Bachelet starb.

Der Pater Walsh blieb allein im Inselreich zurück und das nur, weil

er brittischer Unterthan war. Wären die anderen auch brittische

Unterthanen gewesen, so wäre ihnen das Bleiben ebenfalls ermöglicht

worden, da der Hauptagitator und Intrigant gegen die katholische

Gemeinde und ihre Priester ein gewisser Mr. Bingham, ein fanatischer

Engländer, war.

Während dieser religiösen Streitigkeiten der Regierung hatte auch die

vulkanische Unterwelt des Inselreiches keine Ruhe; den 7. November

nämlich wiederholte sich das Phänomen des Mai 1819 durch eine noch

bedeutend gewaltigere, sich mehrfach wiederholende Ebbe und Fluth.

Dieses Phänomen zeigte sich in folgender Art:

Um 6 Uhr Morgens zog sich plötzlich das Wasser in Honolulu bis 8 Fuss

unter sein Niveau, die Umgebung der Insel und sämmtliche Riffe trocken

legend; die Fische am Grunde waren todt. Bald stieg das Wasser lärmend

wieder und hatte in 24 Minuten die normale Höhe der Fluth erreicht,

um nach kurzweiligem Stillstand sich wieder bis auf 6 Fuss unter sein

normales Niveau zurückzuziehen. Es wiederholten sich diese abnorme Ebbe

und Fluth in Intervallen von 28 Minuten bis zum 8. November um 12 Uhr.

Auf der Insel Maui zeigte sich dasselbe Phänomen und das zur gleichen

Zeit wie in Honolulu auf der Leeseite der Insel, während auf der

Luvseite derselben der Ocean sich auf circa 20 Klafter zurückzog, um

darauf rasch in Form eines gewaltigen Walles zurückzukehren und Alles,

was ihm in den Weg kam, vernichtend mit sich fortschwemmend.

Auf der Insel Hawaii in Hílo fand dasselbe statt. Der grösste Theil des

Hafens war plötzlich trocken gelegt und bedeckt mit todten Fischen.

Eine Unmasse Neugieriger eilte zum Hafen das sonderbare Schauspiel

anzusehen, als plötzlich -- gleichwie in Maui, doch noch gewaltiger --

ein Wasserwall lärmend und zwar mit einer Geschwindigkeit von 6 bis 8

Meilen die Stunde und 20 Fuss über das normale Niveau sich erhebend

zurückkehrte und, das Land überfluthend, alle Menschen, alles Vieh, die

Häuser und Gärten und Alles, was sich in seinem Lauf vorfand, in seinen

wälzenden gewaltigen Strudel vernichtend erst in das Land und dann mit

sich wieder zurück in den Ocean zog. Ein Erdbeben war weder vor noch

nach diesem Phänomen zu spüren; es wurden nur heftigere Bewegungen des

Kilauéa-Kraterbeckens, stärkere Dampfqualme, neue Spaltenbildungen

und plötzliches Schwinden der Glühfeuer desselben wahrgenommen.

Dieses Phänomen hatte dem Inselreich bedeutend viel Menschenleben und

Eigenthum gekostet und ist unter die gewaltigsten Naturerscheinungen

des vulkanischen Inselreiches zu stellen.

Den 8. November hatten sich, wie gesagt, die vulkanischen Umtriebe

wieder beruhigt, die religiösen der Regierung von Hawaii jedoch

nicht. Den 18. December 1837 nämlich wurde der Wille des Königs

veröffentlicht, durch welchen auf Grund dessen, dass das Königreich zu

klein, um zwei Religionen zu haben, das Lehren, so auch das Bestehen

des katholischen Glaubens ein für allemal gesetzlich verboten wurde und

Jeder, der sich vom Tage dieser Veröffentlichung ab gegen dies Verbot

-- ob Ausländer oder Inländer -- vergehe, der gesetzlichen Strafe

verfällt. Die Norm der Strafe für jedes einzelne Vergehen dieser Art

wurde pro Person auf 100 Dollar und für jeden landenden katholischen

Geistlichen oder Missionär auf 10,000 Dollar unter Confiscation des

Schiffes, welches den betreffenden Geistlichen in das Königreich

gebracht, festgestellt.

Zum Glück für die wieder bedrängte katholische Gemeinde und für die

endliche Ruhe des Landes starb 1838 den 5. April die Kinau oder

Káahúmanú II., und ihr folgte als „Kuína-nui“ oder als „Premier“

Kékaulúohí, um das Steuer des jungen Staates in einer für das Land

politisch bald sehr verwickelten Zeit zu übernehmen.

Den 2. September 1838 wurde Lydia Kámakaehá, Schwester des

gegenwärtigen Königs, Kalakaua I., geboren.

Den 10. Juli 1839 in Folge der Schritte des Capitäns Du-Petit-Tours

und in Folge späterer Nachrichten über die bedrängte Lage der

katholischen Gemeinde des Königreiches von Hawaii erschien die

Corvette „l’Artemise“ unter Commando des Capitän Laplace vor Honolulu.

Der Capitän überreichte seine Legitimationen und forderte im Namen

der französischen Regierung über die Gründe der Ausstossung der

katholischen Priester eine Erklärung, und nachdem er dieselbe erhalten,

verlangte er vom Könige eine sofortige Proklamation der religiösen

Toleranz im Königreiche, die sofortige Befreiung der nur ihres Glaubens

wegen gefangen gehaltenen Glieder der katholischen Gemeinde, die

sofortige Einräumung gleicher Rechte derselben mit der protestantischen

und zum Aufbau einer katholischen Kirche in Honolulu einen dazu

geeigneten Platz. Zur Sicherstellung der Erfüllung dieser Forderungen

sollte die Regierung bei dem Capitän resp. der französischen Regierung

den Betrag von 20,000 Dollar deponiren. Diese Forderungen waren als

Ultimatum gestellt mit dem Hinweis, dass der Nichterfüllung derselben

eine sofortige Beschiessung der Stadt und die Besitznahme der Insel

erfolgen würde.

Es blieb natürlich dem Könige nichts Anderes übrig als die nicht

übertriebenen, jedoch energisch gestellten Forderungen anzunehmen. Der

Gouverneur der Insel, Kékuanaóa, überbrachte dem Capitän Laplace die

geforderte Caution von 20,000 Dollar, und der König unterzeichnete

einen laut der Forderungen der französischen Regierung gestellten

Vertrag, durch welchen der römisch-katholischen Kirche für ewige Zeiten

die freie Ausübung ihres Cultus genehmigt wurde. Zu bemerken ist hier,

dass gegenwärtig die Zahl der römisch-katholischen Bevölkerung gleich

der der protestantischen im Inselreiche ist.

Im Januar 1840 starb ein wahrer Verfechter des Guten, der Gouverneur

von Maui, Hoapíli. Zu gleicher Zeit wurde die adelige Schule in

Honolulu unter Leitung eines Mr. Cooke eröffnet. Im Mai 1840 landete

wieder der Bischof Maigret nebst zwei Priestern auf der „Clementine“

und legte den Grundstein zu der aus Korallensteinen erbauten Kathedrale

in Honolulu. Zur Messe und namentlich zu seinen Predigten strömte das

Volk und trat in Massen zum katholischen Glauben über.

Den 10. Mai 1840 erschien die erste gedruckte Ausgabe der Bibel in

Hawaiier Sprache.

Im August des Jahres, missmuthig über die Erfolge der katholischen

Kirche, verliess der Hauptagitator gegen dieselbe und die rechte Hand

der verstorbenen Kinau, Mr. Bingham, nebst Familie für immer das

Inselreich, um sich in den Vereinigten Staaten niederzulassen, was den

protestantischen Missionären zu grossem Verlust und den katholischen zu

grossem Vortheil gereichte.

Kámehámehá III., gefesselt durch den Einfluss der Missionäre,

war eigentlich glücklich, durch einen unübertriebenen Zwang der

französischen Regierung von dem Verfolgen der römisch-katholischen

Kirche befreit worden zu sein. Von Herzen gut, liebevoll, gerecht und

liberal hasste er diese grundlose Verfolgung und hatte nie die Ansicht

der verstorbenen Kinau getheilt und hatte sich, wie schon gesagt, nur

durch den Trieb nach Handlungen und überhaupt Beschäftigung, um seine

Leidenschaften zu bekämpfen, der antikatholischen Tendenz hingegeben.

Nach der Beseitigung dieser jahrelangen Calamität des Landes ging

er mit doppeltem Eifer an die Effectuirung eines von ihm jahrelang

überdachten Planes, nämlich: dem Lande auf Grundlage der Bibel eine

constitutionelle Verfassung zu geben.

Den 8. October 1840 wurde die Verfassung vom Könige unterschrieben,

besiegelt und proklamirt. Durch diesen Akt erschwerte Kámehámeha III.

bedeutend die Erfüllung der sich gewaltig regenden Gelüste einiger

Grossstaaten und einiger Fürsprecher im Lande, die Inseln zu annektiren.

Die Hauptpunkte der Constitution waren in das sogenannte „blaue Buch“

eingetragen, in welchem ausserdem sämmtliche „Penal-Gesetze“ über

Verbrechen im Allgemeinen und „Strafengesetze“ der Gerichtshöfe beider

Instanzen, „Gesetze der Geschworenengerichte“, die „Regulationen der

Landrechte“, „des Fischereirechtes“, „die Regulationen der Gesetze

über Vermögensverfügungen“, „Gesetze über Schuldencollekten“,

„Gesetze über Interessen, Gewichte, Maasse u. s. w.“, kurzgesagt die

Regulirung sämmtlicher in einem civilisirten Staate erforderlichen

Gesetze verzeichnet waren. Es fehlten nur die Handelsgesetze, deren

Ausarbeitung noch nicht beendet war.

Die Hauptpunkte der constitutionellen Verfassung bestanden in:

1) der Deklaration der Rechte des Volkes und seiner Häuptlinge,

2) der Deklaration über den dem Volke zukommenden Schutz,

3) der Auseinandersetzung der Verfassung,

4) der Auseinandersetzung der Principien der gegenwärtigen Dynastie,

5) der Definition der Stellung und der Rechte des Königs,

6) der Definition der Stellung und Rechte des Premiers (Kuína-nui),

7) der Definition der Stellung und Rechte der Gouverneure der

Inseln,

8) der Definition der Stellung und Rechte der Oberhäuptlinge

(alii), deren 14 an der Zahl 1840 waren, gegenwärtig keiner mehr am

Leben ist,

9) der Definition der Stellung und Rechte der repräsentativen

Körperschaft (Abgeordnetenhaus),

10) der Definition der Stellung und Rechte der legislativen

Körperschaft (legislative Versammlung),

11) der Definition der Stellung und Rechte der Steuerbeamten,

12) der Definition der Stellung und Rechte der Richter und

Gerichtshöfe,

13) der Definition der Stellung und Rechte des Oberrichters und des

Obergerichtshofes (Supreme court),

14) der Definition der Rechte zu Veränderungen der Constitution.

Zur Einführung der constitutionellen Verfassung betheiligten sich mit

selbstaufopfernder Mühe und gelungenem Resultate

a. als Finanzminister Dr. Judd, ein Amerikaner, bisheriger

Missionsarzt der amerikanischen Missionäre,

b. als Minister des Aeussern M. R. C. Wyllie, ein Schotte,

c. als Minister der Justiz und Oberrichter M. W. L. Lee, ein

Amerikaner,

d. als Minister des Innern M. J. Jung, der Freund Kámehámehás I.,

e. als Minister der Volksaufklärung M. Armstrong,

f. M. E. H. Allen als Nachfolger des Dr. Judd in den Finanzen.

Im selbigen Jahre fand wieder eine Eruption des Kilauéa-Kraterbeckens

statt, deren Lava einen Umfang von 20 Meilen in der Breite verwüstete

und sich bei Nanaúalé in den Ocean ergoss.

Den 8. October, wie gesagt, gab der König seinem Lande eine

constitutionelle Verfassung, und bald nach der Proklamation derselben

fand gleichsam zu ihrer Probe im Fort von Honolulu den 20. October die

erste gesetzliche öffentliche Hinrichtung und zwar eines Häuptlings mit

seinem Diener statt, dessen Name Kamanáwa war, der seine Frau mit Hülfe

seines Dieners vergiftet hatte. Es war durch diesen Fall dem Volke

der sichtliche Beweis gegeben, dass die neuen Gesetze keine Ausnahmen

zulassen und dass der Häuptling laut derselben dem niedrigsten Mann im

Volke als Verbrecher gleichgestellt ist.

Kámehámehá III. verdankt das Land durch die constitutionelle Verfassung

die so überraschend schnelle Entwickelung des Inselreichs zu einem

civilisirten Staat.

Leider blieb jedoch der König treu dem ihn dominirenden Einflusse der

amerikanischen Missionäre, die seine Wirksamkeit bedeutend lähmten

und dadurch die von ihm sehnlichst gewünschten rascheren Erfolge der

Constitution hemmten. Demungeachtet hatte die Constitution ~das~

sofort erzielt, dass die Eigenmächtigkeiten der Missionäre und sogar

die des Königs unmöglich gemacht wurden, indem die Regierung des

Landes, auf feste Gesetze gegründet, durch letztere einen gewaltigen

Schutz gegen die selbstsüchtigen Elemente des Landes fand.

Dieses hatte der durch und durch national gesinnte, trotz seiner

Leidenschaften edle, seines Landes liebevoll gedenkende König, indem er

seinen zu Einflüssen so geneigten Charakter und seine eigenen Schwächen

kannte, eingesehen und zum Wohle der Nation in Berücksichtigung dieses,

die festesten Schranken durch die constitutionelle Verfassung sich und

Anderen auferlegt.

Wie schon gesagt -- der Einfluss der Missionäre auf den König war

ein grosser. Als Amerikaner republikanisch gesinnt und als Patrioten

wirkten sie nachtheilig auf die so rasch aus dem heidnischen

Barbarismus zur Civilisation sich ausgebildete Nation. Ihre

ursprünglich nur geistliche Stellung hatten sie nämlich allmälig zu

einer rein politischen umgewandelt. Ihr Streben wurde mehr und mehr

auf den Vortheil der Vereinigten Staaten von Nordamerika und dadurch

weniger auf die Erhaltung der Selbstständigkeit der Nation und des

Inselreiches von Hawaii gerichtet.

Als sie in das Land kamen, erschienen sie der Nation als dem Lande

ergebene Wesen, die für das Wohl desselben und des Volkes mit

Selbstverleugnung in Liebe und Aufopferung sich hingeben wollten.

Diesen anfänglich und auch später -- was ihre moralisch-religiöse

Einwirkung auf das Volk betrifft -- verdienten Ruf, benutzten

sie leider als Deckmantel gegen ihre politischen rastlosen

Umtriebe. Ihre politische Wirksamkeit erhielt erst einen

vollständig öffentlichen Charakter seit dem Eintreffen der

Vereinigten-Staaten-Entdeckungsexpedition in Honolulu im September

1840 und seit dem Augenblick, wo in Folge der durch sie provocirten

Verfolgung der römisch-katholischen Geistlichen resp. des

römisch-katholischen Glaubens die französische Regierung energisch

gegen diese Verfolgung auftrat und scheinbar die Gelüste zeigte,

das Inselreich annektiren oder gleich Tahiti unter französisches

Protectorat stellen zu wollen.

Die Befürchtung daher, dass Frankreich die erste Gelegenheit benutzen

werde, diese Absicht zu erfüllen, oder dass England, um diesen Schritt

Frankreichs zu vereiteln, die Annexion oder das Protectorat sich

erzwingen werde, brachte regeres Leben und das öffentliche Auftreten in

die politische Wirksamkeit der Missionäre zu Gunsten der Vereinigten

Staaten hervor. Sie stellten dem Könige einerseits die Gefahr einer

eigennützigen Annexion Frankreichs oder Englands in den grellsten und

die Unmöglichkeit eines Widerstandes des kleinen Reiches ohne Hülfe

eines Grossstaates in den düstersten Farben vor, anderseits suchten sie

ihm die Liberalität, die Uneigennützigkeit und die stets freundlichen

Beziehungen der Vereinigten Staaten fassbar zu machen. Sie verstanden

gewandt den König zu überzeugen, dass nur durch ein Bündniss mit

den Vereinigten Staaten resp. ein Protectorat derselben ein fester

Schutz dem Inselreich gegen die die Entwicklung des Landes hemmenden

Gelüste Frankreichs und Englands geboten sei. Auf diese Weise bewogen

sie den König, ihrer Ansicht -- zum grossen Schrecken des Volkes --

beizustimmen und sich bereit zu erklären, die erforderlichen Schritte

zu diesem Zweck zu thun.

Den 21. Mai 1842 traf die 9. Compagnie der amerikanischen Missionäre

ein und wurde zur gleichen Zeit vom König das „Oahú-Collegium“ als

Schule für die Kinder der Missionäre in Punahú in der Nähe von

Honolulu eröffnet.

Wie ungern sich der König zu dem von den Missionären ihm

vorgeschlagenen Schritt, sein Reich unter das Protectorat der

Vereinigten Staaten zu stellen, entschloss, zeigte sich dadurch, dass

er den 8. Juli 1842 den Missionär Richards und seinen Adjutanten

Haalílio zu diesem Zwecke absandte, jedoch mit dem Befehl, keine

bindenden Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten einzugehen und vor

Allem erst England, Frankreich und Belgien zu besuchen, um von den drei

Staaten im Namen seiner Regierung eine schriftliche Anerkennung der

unantastbaren Selbstständigkeit des Königsreichs von Hawaii zu erwirken

und die benannten Staaten namentlich darauf aufmerksam zu machen,

dass das Inselreich durch seine ins Leben gerufene constitutionelle

Verfassung und seine Reformen die vollständigste Kraft in sich selbst

zu besitzen glaubt, unter civilisirten Staaten sich selbst zu regieren.

Den 21. September 1842 traf die 10. Compagnie der amerikanischen

Missionäre ein.

Auf Grundlage der vorhin erwähnten Aufträge des Königs verliessen die

Abgesandten Honolulu und erreichten das glänzende Resultat, dass die

Vereinigten Staaten, England, Frankreich und Belgien im Verlauf des

Jahres 1843 das Inselreich als selbstständiges Königreich anerkannten

und demselben ihren Schutz gegen jedes Gelüst irgend eines Staates,

dasselbe zu annektiren zusagten -- Zustimmungen, die im Verlaufe des

Jahres 1844 documentirt worden sind.

Während dieses glückliche Resultat in Amerika und Europa von den

Gesandten bearbeitet und endlich 1843 erreicht wurde, und bevor die

Nachricht davon in Honolulu bekannt geworden, sollte jedoch der

arme König und sein Volk eine sonderbare, den Resultaten seiner

Gesandtschaft widersprechende Zeit durchmachen.

Der brittische Gesandte nämlich in Honolulu, Mr. Charlton, verliess

gleich nach Abfahrt der Gesandtschaft ebenfalls Honolulu -- wie er

angab -- geschäftlich nach Südamerika reisend. In Valparaiso angelangt,

verklagte er die Regierung von Hawaii bei der dortigen brittischen

Marinebehörde, demzufolge die Fregatte „Carysfort“ unter Commando

des Lord George Paulet zur Regelung der Entschädigungsfrage des Mr.

Charlton nach Honolulu abgesandt wurde. Sie traf den 11. Februar 1843

in Honolulu ein. Der König war gerade infolge sogenannter asthmatischer

Zufälle zur Erholung auf der Insel Maui. Lord Paulet überreichte sofort

nach Ankunft seine Legitimation dem Gouverneur der Insel, Kekuánaóa,

nebst einem Schreiben an den König mit dem Befehl, dasselbe sofort dem

König zu senden und ihn anzuweisen, dass er sich umgehend in Honolulu

zu stellen habe, da er -- Lord Paulet -- nur mit dem Könige selbst

verhandeln wolle.

Den 16. Februar traf der König ein und Lord Paulet übersandte ihm

folgende Forderungen mit dem Hinweis, dass wenn bis 4 Uhr des folgenden

Tages er dieselben nicht bedingungslos angenommen haben würde, er

sofort die Stadt bombardiren und einnehmen lassen werde.

Die dem König gestellten Forderungen waren folgende:

1) die augenblickliche Aufhebung der Beschlagnahme von Mr.

Charltons Besitzungen,

2) die Rückgabe der dem Mr. Charlton von der Regierung streitig

gemachten Landstrecke,

3) den Bevollmächtigten des Mr. Charlton, Mr. Simpson, für alle

entstandenen und noch entstehenden Unkosten zu entschädigen,

4) die augenblickliche Anerkennung des Mr. Simpson als

Stellvertreter des brittischen Consuls,

5) Stellung einer Garantie in Geld darauf, dass fernerhin keine

brittischen Unterthanen mit Ausnahme der Verbrecher gefänglich

eingezogen werden dürfen,

6) Stellung einer Garantie in Geld für die gesetzliche Untersuchung

der Klage des Hauses H. Skinner & Co.,

7) die sofortige Zusammenberufung eines Geschworenengerichtes zur

Schlichtung sämmtlicher Streitfragen der brittischen Unterthanen

gegen die Regierung. Von den Geschworenen sollten die Hälfte vom

brittischen Consul gewählt sein.

Der König musste der Gewalt sein Recht opfern; er sandte den 18.

Februar den Premier Kekaúluohí zu Lord Paulet, ihn benachrichtigend,

dass, obgleich seine Regierung den 8. Juli des Jahres einen

ausserordentlichen Bevollmächtigten nach London gesandt um daselbst

die bestehenden Streitfragen der Regierung von Hawaii gegen einige

brittische Einwohner des Inselreiches auf friedlichem Wege zu

schlichten, und, obgleich einige der Forderungen Lord Paulets so

ernstlicher Natur für das kleine und arme Land sind, dass die

Bewilligung derselben das Land zu ruiniren drohe, er doch sein Recht

der Uebermacht weichen lassen muss und daher auf die Forderungen --

jedoch nur provisorisch -- eingehen will, indem er gegen dieselben

protestirt und das ausdrückliche Recht sich vorbehält, diesen seinen

Protest der Königin von England resp. der brittischen Regierung zur

Entscheidung vorlegen zu lassen.

Dieser Erklärung folgten gegenseitige „Salute!“ und zum 25. des

Monats wurde die Zusammenkunft zwischen dem König und Lord Paulet

festgesetzt, an welchem Tage letzterer die Summen der Garantien und der

Entschädigungen bestimmen wollte.

Diese Zusammenkunft fand auch wirklich am 25. statt und schloss mit der

das Volk überraschenden, jedoch vom König wohlbedachten Cedirung des

Inselreiches an England. Die Summen der Garantien und Entschädigungen

nämlich, die Lord Paulet feststellte, waren so abnorme, dass Kamehámehá

III. nicht nur die Ungerechtigkeit, sondern auch das bis aufs

Lächerliche übertriebene derselben begriff und daher kurz und klar Lord

Paulet erwiderte, dass das Land auf diese Forderungen nicht eingehen

könne, da es nicht die Mittel zur Erfüllung besitze und dass er in

Folge der plötzlichen Ueberrumpelung keinen andern Ausweg finde, als

provisorisch sein Königreich der Krone von England zu cediren.

Er erliess eine schon von ihm, da er das Kommende vorausgesehen

hatte, verfertigte Proklamation an das Volk, in der er die Ursache

seines Entschlusses erklärte und die Bevölkerung mit dem Hinweis

einer nur kurzweiligen Cession seiner Rechte tröstete, seine

gegenwärtige schwere Stellung schilderte und seine Ueberzeugung von der

Gerechtigkeit der Königin von England namentlich betonte.

Zu gleicher Zeit erliess Lord Paulet ebenfalls eine Proklamation an

das Volk, in der er die Fahne Brittanniens als im Lande machthabende

entfaltete und das Volk als von nun an englische Unterthanen

beglückwünschte. Der Inhalt der Proklamation war folgender:

1) dass die Leitung der Regierung des Inselreichs dem König,

seinen Häuptlingen und den bestehenden Regierungsorganen desselben

überlassen bleibt, soweit es die Interessen des Landes und der

eingeborenen Bevölkerung betrifft. Was jedoch die Ausländer und was

namentlich die brittischen Unterthanen im Inselreiche anbelangt,

so sollen deren Angelegenheiten der inappellablen Obrigkeit einer

Commission unterworfen werden; diese Commission soll bestehen aus:

dem König oder seinem Stellvertreter als Vorsitzer, Lord Paulet,

Mr. Dancan, Mr. Forbes, Mr. Macay und dem Lieutenant Frère.

2) die bestehenden Gesetze des Landes verbleiben in ihrer Kraft.

Die vom Könige oder den Häuptlingen fernerhin neuproklamirten

Gesetze treten wie bisher in Kraft, jedoch nur für die Eingeborenen.

3) die Revenüen des Staates werden wie bisher von Angestellten

des Königs collektirt, jedoch die Rechnungen derselben müssen der

Commission zur Durchsicht und Begutachtung vorgelegt werden.

4) die Schiffe des Inselreichs müssen, wann und wohin erforderlich

zum Dienste Ihrer Majestät der Königin von England gestellt werden.

5) kein Verkauf oder Tausch von Land oder Eigenthum darf vom 25.

Februar 1843 an bis zum Eintreffen der Entscheidung Englands wegen

der Cedirung des Inselreiches stattfinden.

6) alle bestehenden bona fide-Abmachungen des Königs oder des

Premiers sollen vom 25. Februar an als ungültig angesehen werden.

In die Commission ernannte der König als seinen Stellvertreter Dr. Judd.

Den 10. Mai des Jahres reichte Dr. Judd im Namen des Königs einen

Protest gegen die Eigenmächtigkeiten Lord Paulets der Commission ein,

und den 11. kündigte er seinen Austritt aus der Commission derselben

an. Dieses that er, um den König von jeder ferneren Verantwortung zu

befreien, in die die eigenmächtige Handlungsweise der Commission ihn

unwillkürlich hätte ziehen können.

Die Commission setzte dem ungeachtet ihr ruchloses Treiben schamlos

fort, bis endlich den 2. Juli das englische Schiff „Hazard“ unter

Commando des Capitän Bill aus Tahiti und die Verein.-Staat.-Fregatte

„Constitution“ unter Commando des Capitän Kearney, aus China kommend

vor Honolulu ankerten.

Kearney protestirte augenblicklich im Namen seiner Regierung erstens

gegen die Abtretung des Inselreichs an England und zweitens gegen die

lächerliche Handlungsweise der Commission, durch welche den Interessen

der amerikanischen Bürger des Inselreiches Schäden entstanden.

Zu dieser Zeit war der König in Lahaïna auf der Insel Maui, wohin er

sich seit der Abtretung des Königreichs zurückgezogen hatte, und Lord

Paulet befand sich geschäftlich in Hilo auf der Insel Hawaii.

Den 16. Mai erschien Lord Paulet in Honolulu und nach Empfang des

Protestes Kearney’s sandte er ein Schiff nach Lahaïna mit dem Befehl,

den König sofort nach Honolulu zu bringen.

Der König kam nicht, sandte statt dessen einen Protest an die

Commission gegen die ungesetzliche, dem Wortlaut des Cessionsvertrages

widersprechende Handlungsweise derselben und die Eigenmächtigkeiten

Lord Paulets.

Den 25. Juli traf der König in Honolulu ein und den 26. erschien das

brittische Linienschiff „Dublin“ unter Commando des Admirals Thomas aus

Valparaiso kommend.

Den 27. Juli fand eine Zusammenkunft des Admirals mit dem Könige

statt, den 28. eine längere Conferenz, während der der Admiral die

vollste Liebenswürdigkeit und Achtung dem Könige erwies und im Namen

der englischen Regierung erklärte, sofort dem Wunsche des Königs und

seines Volkes zu willfahren und die Flagge von Hawaii dem Königreich zu

restituiren.

Den 31. Juli 1843 nach circa fünfmonatlicher verworrener

Interimsregierung des Lord Paulet fand die formelle und öffentliche

Restituirung der Hawaii’schen Flagge und der Selbständigkeit des

Königreiches statt. Diese Feier wurde auf der sonnigen Fläche des

reizenden Waikíki in Gegenwart des Königs und des Admirals Thomas,

zahlreicher Ausländer mit ihren Damen, der Notabeln des Landes und des

jubelnden Volkes vollzogen.

Der König hielt mit freudestrahlendem Auge eine begeisterte Rede, in

welcher er seine Dankbarkeit für die gerechte und edle Handlungsweise

des Admirals, seine Freude über die Restituirung der nationalen

Selbstständigkeit des Landes, seinen Stolz über die glückliche Rettung

desselben aus der unerwartet plötzlich ihn überrumpelnden Eventualität

betonte und seinen Willen äusserte, alle seine Kräfte aufzubieten,

damit die Behörden des Landes die Gesetze gegen Jedermann gerecht und

unparteiisch handhaben sollten. Er schloss seine Rede mit den Worten:

„Uá mau ke éa o ka aina i ka póno!“ (d. h. das Leben des Landes sei

wiedergegründet im Gutthun!).

Dieser Ausspruch ist das nationale Motto des Königreichs und der 31.

Juli ein alljährlich öffentlich national gefeierter Festtag geworden.

Der Admiral Thomas in seiner Gegenrede dankte für die freundlichen

Erwähnungen des Königs, die er eigentlich nicht verdiene, da er nur die

Pflicht der Gerechtigkeit erfüllt habe; er versicherte den König und

das Volk der unveränderlichen Freundschaft der Königin von England,

deren sehnlichster Wunsch stets sein wird, dass Seine Majestät der

König Kámehámeha III. in seiner weisen Regierung stets als unabhängiger

Souverän betrachtet werde u. s. w.

Sonderbar war es, dass gerade zur Zeit, als Lord Paulet den 25. Februar

1843 das Königreich so plötzlich für die Krone Englands annektirte,

die Hawaii’sche Gesandschaft in London die besten Resultate ihrer

Mission zu erreichen schien, da den 3. Juli, wie schon gesagt, Belgien,

Frankreich, England und die Vereinigten Staaten von Amerika die

Unabhängigkeit des Königreichs anerkannt hatten.

Die ungerechte, eigenmächtige Handlungsweise des Lord Paulet wurde

jedoch dem Lande ein glücklicher Zufall, da dieser Akt dasselbe

aus der unsichern Lage einer vollständig unbestimmten politischen

Stellung gezogen und, ohne es zu beabsichtigen, das Land vor einer

faktischen Annektirung gerettet hatte. Denn wäre Paulet nicht so rasch

und energisch aufgetreten, hätte er die Sache nur bei einer Drohung

bewenden lassen und erst definitive Befehle aus England erwartet, so

hätte der über alle Maassen verblüffte und von den amerikanischen

Missionären und der amerikanischen Partei im Lande in seiner Noth

doppelt stark beeinflusste König sich leicht veranlasst gefühlt, sich

und sein Land sofort dem Schutze der Vereinigten Staaten zu übergeben,

wodurch eine Annektirung des Landes unzweifelhaft gefolgt wäre. Es

ist demnach sehr glaublich, dass die auffallende Handlungsweise Lord

Paulets in Berücksichtigung dieser Voraussicht stattgefunden hat.

Im Juli 1843 entlud sich ein starker, jedoch kurz andauernder Auswurf

des Mauna-Lóa, ohne beträchtliche Verwüstungen zu hinterlassen.

Ungeachtet dessen, dass den 28. November 1844 die Unabhängigkeit und

Selbstständigkeit des Inselreiches von Belgien, Frankreich, England

und den Vereinigten Staaten dokumentarisch anerkannt worden war, und

ungeachtet der glücklichen Wendung der sonderbaren Handlungsweise

des Lord Paulet durch den Admiral Thomas, hörten die Missionäre der

Vereinigten Staaten, deren Zahl durch die den 15. Juli des Jahres

eintreffende 11. Compagnie derselben zugenommen hatte, nicht auf, den

König für die Cession des Königreiches an die Vereinigten Staaten zu

beeinflussen. Sie suchten, um eine wirksamere Unterstützung hierin zu

erlangen, die Häuptlinge des Landes für ihren Zweck zu gewinnen.

In demselben Jahre fand der erste Export von Seide statt und zwar

197 ℔. bester Qualität -- ein Resultat, welches das Land der Energie

und Ausdauer des Mr. Tittcomb auf der Insel Kauai verdankte. Dieses

aufblühende Unternehmen, welches dem Lande eine glanzvolle Zukunft

versprach, wurde leider durch die Missionäre vernichtet, indem sie die

Fütterung der Raupen am Sonntage der Bevölkerung als Sonntagsentweihung

verboten.

Im April 1845 kehrte Mr. Richards, der Begleiter des Gesandten Haalílio

von der Mission mit den die Unabhängigkeit des Königreichs von Hawaii

anerkennenden Documenten der Staaten Belgien, Frankreich und England

zurück. Haalílio war auf der Rückreise im November 1844 gestorben.

Zu derselben Zeit starb der „Kuina-nui“ Kekaúlúohí, und an seiner

Stelle ernannte der König John Jung, der den nationalen Namen Keóniána

als Premier annahm.

Ebenfalls zu gleicher Zeit fand die Einweihung der römisch-katholischen

Kathedrale in Honolulu statt, deren Grundstein 1840 den 6. August

gelegt worden war. Zur ersten Messe, die der Bischof selbst celebrirte,

war die Kirche überfüllt, und demonstrativ beglückwünschte nach Schluss

derselben die Gemeinde den Bischof Maigret für die Vollendung dieses

schmucken Baues, ohne jegliche Subvention des Staates erhalten und die

Gemeinde mit Beisteuern gedrückt zu haben.

Im Jahre 1846 brachte der französische Admiral Hamelin die im Jahre

1839 den 10. Juli von der Regierung von Hawaii dem Capitän Laplace

eingehändigte Caution von 20,000 Dollar in einem zu damaliger Zeit

versiegelten und ungeöffneten Packet der Regierung wieder, mit dem

Dank der französischen Regierung für das treue Einhalten der damaligen

Vereinbarung und für den gerechten Schutz, den die römisch-katholische

Kirche im Inselreiche seitdem genossen hatte und der Versicherung ihrer

Freundschaft.

Den 11. Februar 1846 erwählte der König eine Commission zur

Regelung der Besitztitel des Reiches, -- eine Massregel, die unter

die wichtigsten und erfolgreichsten Thaten des gerechten, für das

Wohl seines Landes stets besorgten Königs zu stellen ist. Für das

selbstlose Wirken und Handeln, für das Streben, das Interesse des

Volkes wahrzunehmen und den Wohlstand des Landes zu heben, erhielt der

König den lohnenden Nachruf seines Volkes als Kamehámehá III., der Gute.

Die Arbeiten der erwähnten Commission -- Arbeiten, die 9 Jahre in

Anspruch nahmen -- bestanden in der systematischen Prüfung, definitiven

Feststellung und endlichen Bestätigung der Besitztitel, in der

Gewährung von Besitztiteln an Arme, in Austheilung von Besitzen und

Besitztiteln an Besitzlose, und in der Ausarbeitung von Entwürfen zur

Hebung des Grund und Bodens, mit einem Worte des Wohlstandes des Landes.

1847 verlor das Land durch den Tod zwei treue Mitarbeiter der

Commission in Mr. Richards und dem Gouverneur von Oahú Koakíni.

In selbigem Jahre kam die früher erwähnte Streitfrage Charltons vor

die Commission -- eine Streitfrage, die dem Lande den unvergesslichen

Trauertag des 25. Februar 1843 und den nationalen Befreiungstag des 31.

Juli 1843 hervorgerufen hatte. Die Commission, durch Beweise überzeugt,

dass Charlton im Unrecht, hatte ihm seine Besitztitel verweigert.

Diesem Urtheil zufolge reichte er eine neu bearbeitete Klageschrift

der Commission ein, in welcher er angab, von einem gewissen Kalaímokú

den werthvollen Landcomplex, auf welchem augenblicklich die „Núuanú-“,

die „Merchant-“, die „Káahúmanú-“ und die „Queen-“ Strasse der Stadt

Honolulu gelegen, käuflich erworben zu haben. Documentarische Beweise

lagen jedoch vor, dass dieser Landcomplex das Eigenthum der Káahúmanú

und ihrer Erben seit undenklicher Zeit gewesen und weder von ihr noch

von ihren rechtmässigen Erben verkauft worden war. Daher waren der

König, die Häuptlinge, die Richter und die Glieder der Commission

der Ueberzeugung, dass Kalaímokú kein Recht zum Verkaufe desselben

hatte und dass Charlton in jedem Fall ungesetzlich gehandelt, indem

er zwanzig Jahre den angeblichen Kauf geheim gehalten hätte, während

er deutlich sehen konnte, dass man den Besitz des Landstriches --

als das Eigenthum der Káahúmanú betrachtend -- durch Anlage von

Strassen und Häuserbau benutzte und dass im Allgemeinen bei Kauf oder

Verkauf eines Landstriches -- besonders eines so werthvollen, dem

öffentlichen Verkehr erforderlichen, -- eine sofortige Publikation zur

Sicherstellung des Kaufes oder Verkaufs stattfinden musste.

Also 20 Jahre hatte Charlton den erwähnten Kaufvertrag geheim gehalten,

und als er 1843 sein Besitzrecht geltend machte und dasselbe von der

Regierung nicht anerkannt wurde, war der vermeintliche Verkäufer

Kalaimokú, als auch sämmtliche auf dem Dokumente verzeichnete Zeugen

gestorben. Dieses so langjährige Geheimhalten des Kaufes bis zu der

Zeit, wo der Verkäufer und sämmtliche Zeugen des Aktes nicht mehr am

Leben waren, rief an und für sich ein gerechtes Misstrauen hervor, und

warf auf den ganzen Hergang der Sache ein sonderbares Licht. Abgesehen

hiervon lagen jedoch so viele faktische Beweise gegen das vermeintliche

Recht Charltons vor, dass die Commission und der König sein Recht nicht

anerkennen konnten und dass der König den 18. Februar 1843 nur in Folge

der drohenden Forderungen Lord Paulets und zwar nur provisorisch das

Dokument Charltons unterzeichnet hatte.

Als nun 1847 die Klage Charltons der Commission von Neuem vorgelegt,

dieselbe aber wieder zurückgewiesen wurde, und Charlton hierauf an

die englische Regierung zu appelliren drohte, so entschloss sich

der König zur Vereinfachung der Sache, in der Ueberzeugung, dass

überall, wo eine wahrhafte Gerechtigkeit existirt, Charlton mit seiner

illegalen Forderung zurückgewiesen werden müsse, die Entscheidung

dem schiedsrichterlichen Ausspruche der englischen Regierung

vorzulegen. Leider wie so oft in den brittischen Landen wirkten auch

hier die Nationalitätsberücksichtigung und das liebe Geld, indem die

Entscheidung Englands zum grossen Erstaunen und Leidwesen des Königs

zu Gunsten Charltons ausfiel. Er blieb Besitzer eines Landstriches,

welches heute der belebteste Theil der Residenz ist, und so wird durch

das Besitzrecht Charltons die Entwicklung der Stadt bedeutend gehemmt.

1848 traf die 12. Compagnie amerikanischer Missionäre ein und

verstärkte die immer mehr und mehr an Kraft zunehmende Tendenz ihrer

Mitglieder für die Cession des Inselreichs. In dieser Richtung fand ihr

Einfluss eine bedeutende Unterstützung durch die schiedsgerichtliche

Entscheidung Englands in Sachen Charltons, die im Könige das bis

dahin hohe Vertrauen für die Gerechtigkeit der englischen Regierung

verminderte und im Allgemeinen ihn entmuthigte. Diese Entmuthigung

wurde noch erhöht durch den Ausbruch einer bösartigen Epidemie der

Masern, der sogenannten „mai-pu-pu-úla“, die verheerend sich unter

der Bevölkerung verbreitete. Dieser Landplage folgte noch im selbigen

Jahre, 1848, im Inselreiche das importirte „Californische Goldfieber“;

in dessen Folge Massen der Bevölkerung, in der Hoffnung mit Schätzen

wieder heimzukehren, in die Goldfelder Californiens sich begaben und

von denen 1849 nur wenige -- und zwar enttäuscht -- zurückkehrten,

da die meisten durch den zu schroffen, klimatischen Wechsel, die

veränderte Lebensweise und durch Verführungen zur Depravation in der

Fremde umkamen. Diesen die Bevölkerung decimirenden, die Entwickelung

des Landes hemmenden Prüfungen folgte noch unmittelbar eine -- quasi

-- Wiederholung des Auftrittes Lord Paulets durch den französischen

Admiral Tromelin.

Das geschäftlich günstige Resultat, das Charlton durch seine Klage

gegen die Regierung erzielt, hatte natürlich andere Abenteurer

ermuthigt, ihr Glück auf gleichem Wege zu versuchen.

Der im Lande verhasste französische Consul Dillon reichte nämlich

bei der Ankunft des Admirals Tromelin mit der Corvette „Poursuvant“

demselben mehrere meist frivole Klagen gegen die Regierung von

Hawaii mit der Bitte um sofortigen Beistand und energische Hülfe

ein. Der Admiral hatte nichts Eiligeres zu thun, als ohne jegliche

Voruntersuchung dem Könige als Ultimatum die sofortige Erfüllung

sämmtlicher Forderungen des Consuls Dillon zu stellen. Der König

konnte, ohne ungerecht zu sein, hierauf nicht eingehen, wovon die Folge

war, dass der Admiral ohne Weiteres seine Mannschaft mit zwei Kanonen

landen hiess und mit Trommelwirbel und fliegender Fahne auf das Fort

marschirte. Er fand keine Opposition und die Pforten des Forts geöffnet

und hielt seinen Einzug. Erstaunt über die sonderbare Stille des Forts

machte er Halt. Er sah nur einen Mann, den er ansprach; es war der

Gouverneur der Insel Kékuanaóa. „Wo sind Ihre Soldaten?“ fragte ihn

der Admiral. „Nach Hause ins Land geschickt!“ antwortete Kékuanaóa.

„Wo sind Ihre Waffen?“ fragte weiter der Admiral. „Ein jeder Soldat

hat seine Waffen mitgenommen,“ entgegnete der Gouverneur. „Nun, dann

übergeben Sie mir die Festung!“ rief heftig Tromelin. „Sie haben

die Festung, Excellenz, und zu übergeben ist in derselben nichts!“

antwortete gelassen Kékuanaóa, grüsste höflichst und ging ab, die

muthigen Eroberer im Besitz des leeren von Korallensteinen erbauten

Forts lassend.

Nach einem einwöchentlichen Aufenthalt im Fort, bemerkend, dass ihm

in keiner Weise Widerstand geleistet und dass er als vollständig

nicht vorhanden behandelt werde, verliess der Admiral mit seiner

kampflustigen Mannschaft die Festung, nachdem die Calabassen des

Gouverneurs (die Speisegeschirre) von denselben in Stücke zerschossen,

die Wände der Festung zur Erinnerung an die muthige That mit

französischen Inschriften bekritzelt worden waren.

Vom Schiffe aus wurde die Stadt zur Ermunterung der Mannschaft mit dem

im Magazine des Forts noch vorgefundenen Pulver beschossen, und am

Schlepptau den Yachtschoner des Königs, den er in Baltimore 1846 für

11,500 Dollars gekauft hatte, mitnehmend, lichtete die „Poursuvant“ die

Anker und stach mit lärmenden Siegesrufen in die See. Der Yachtschoner

wurde nie wieder gesehen.

Dieser sonderbare Fall erinnert ungemein an die Ueberrumpelung von

Piraten, und wie oft mögen nicht unter dem Deckmantel philanthropischer

Gerechtigkeit gewinnsüchtige Nationen in den weiten Meeren ihres

Wirkungskreises solche Thaten wie die von Lord Paulet und des Admirals

Tromelin verübt haben, ohne dass ein Hahn der Gerechtigkeit dieselben

wahrheitsgetreu der öffentlichen Meinung ausgekräht hätte!

1849 wurde der deutsche Verein in Honolulu „the german club“ gegründet.

Im selben Jahre 1849 fand der erste Fleischexport des Landes mit 158

Fässern statt.

Bis 1849 waren der Handel und die Industrie des Landes sehr

unansehnlich. Seitdem jedoch das Gold die Bevölkerung Californiens

vermehrt hatte, und die Pacificbahn noch nicht den amerikanischen

Continent durchzog, so nahmen die Nachfragen Californiens nach Westen

zu, wodurch natürlich sich der Handel des Inselreiches bedeutend hob,

indem dasselbe solchen Nachfragen in vielen Beziehungen genügen konnte.

Was die commercielle Entwicklung des Inselreiches betrifft, so werden

meine am Schlusse beigefügten zusammengestellten Importe und Exporte

desselben von 1848 bis zur Gegenwart eine klare Uebersicht gewähren.

Dieses kurze Intermezzo einer -- quasi -- französischen Anexion

hatte -- obgleich kurzweilig und erfolglos -- so doch einen grossen

Eindruck auf den König gemacht, und den Missionären eine willkommene

Ursache gegeben, um den König zu überzeugen, dass auf die Länge

die Selbstständigkeit seines Reiches unhaltbar sei, wenn solche

eigenmächtige Handlungsweise Englands oder Frankreichs sich wiederholen

würde.

Der König, um das Land vor solchen Auftritten zu schützen, begann

ernstlich an die Nothwendigkeit zu denken, sich und sein Land dem

Schutze der Vereinigten Staaten von Amerika, die bisher dem Scheine

nach nur ihm und seinem Lande eine uneigennützige Freundschaft

bewiesen, zu unterwerfen und liess vorderhand die erforderlichen

Schritte bei der Regierung der Vereinigten Staaten nur vag thun, um

sozusagen die Basis zu einer solchen Vereinbarung erst zu entwerfen.

Vor allem wollte er, bevor er mit den Vereinigten Staaten eine

definitive Vereinbarung trifft, die Verhältnisse seines Landes

soweit regeln, dass für den Fall eines solchen Uebereinkommens das

Land in geordnetem Zustande sich befände. Zu diesem Zwecke berief

er eine ausserordentliche legislative Versammlung, die den 20. Juni

1850 eine Commission, die aus drei Gliedern bestand, zur Revision der

Constitution von 1840 ernannte. Ein Glied derselben wählte der König

und zwar den Finanzminister Dr. Judd, ein Glied die Nobeln und zwar

John J-i (einen Hawaii’er Häuptling), das dritte die Vertreter des

Volkes in W. L. Lee. Die Aufgabe der Commission bestand in der Revision

und in der Bearbeitung erforderlicher Zusätze der Constitution von 1840

und in der Beendigung der Arbeiten zur nächsten ordinären Sitzung der

legislativen Versammlung.

Dr. Judd war bei der Wahl abwesend, da er den 11. September 1849 die

vom König mit einer Mission, die letzten vorgefallenen Ereignisse

betreffend, an die Verein. Staaten, England und Frankreich abgesandten

Prinzen Alexander Liholího und seinen Bruder, Prinzen Lot, begleitet

hatte. Unter Anderem war Dr. Judd beauftragt, eine Krone für den König

zu bestellen. Kámehámeha III. wollte nämlich, um die Selbstständigkeit

seines Reiches voll darzustellen, auch sich als Haupt desselben auf

christlich civilisirte Weise gekrönt wissen, besonders da er als erster

christlicher König des Reiches der üblichen Salbung nicht unterworfen

gewesen. Schon gleich nach seiner Volljährigkeit hatte er die Absicht

gehabt, die Ceremonie zu vollziehen; der Mangel an Mitteln zwangen ihn

jedoch sein Vorhaben hinauszuschieben. Auch Dr. Judd war nur mit einem

geringen Credit zur Anschaffung der Krone versehen, konnte demnach

nur eine überaus einfache mitbringen; sie bestand in einer Kappe aus

feinem, rothem Sammt nebst Stirnband und Bogen aus feinem Golde --

höchst zierlich gearbeitet. Die Kosten der Krönung jedoch, obgleich

die Minister und die Repräsentativen des Volkes für dieselbe waren,

bestimmten dem ungeachtet den König, die Ceremonie bis zur Zeit seines

Nachfolgers zu vertagen.

Den 9. September 1850 traf die Gesandtschaft wieder in Honolulu ein

und Dr. Judd übernahm mit Eifer die Ausführung seiner Stellung in der

vorher erwähnten Commission.

Die Prinzen Liholího und Lot waren Grosssöhne Kámehámehás I.; ihre

Mutter war die „Kuína-nui“ Kinau, und ihr Vater war der langjährige

Gouverneur der Insel Oahú und Oberhäuptling Kekuánaóa. Kámehámehá

III., kinderlos, hatte Liholího, obgleich jüngsten der Brüder, als

Sohn und Nachfolger adoptirt; demungeachtet bestand ein überaus

inniges Verhältniss zwischen den Brüdern, die beide durchweg begabte,

hervorragende Persönlichkeiten waren.

Den 13. Januar 1851 wurde Miram Likelíke, die poetische, höchst begabte

Schwester des gegenwärtigen Königs Kalakaua I., geboren.

Die legislative Versammlung bewilligte der

„Hawaii-Agriculturgesellschaft“ ein jährliches Subsidium von 500 Dollar

für Prämien und zum Import von dem Lande erforderlichen Saamen, Saaten,

Pflanzen, Vögel und Bienen aus dem Auslande. Diese Gesellschaft war den

10. August 1850 unter dem Namen „Hawaiian-Agricultural-Society“ unter

dem Präsidium des W. Lee und 13 lebenslänglich erwählten Mitgliedern

gegründet.

1852 im Juni wurde die ordinäre Sitzung der legislativen Versammlung

eröffnet. Die zur Revision der Constitution ernannte Commission,

mit ihrer Arbeit fertig, unterbreitete die 78 Artikel derselben der

Versammlung, die nach längerem Berathen von ihr angenommen und vom

König sanctionirt wurde.

Das Stimmrecht hatte laut dieser verbesserten Constitution jeder

männliche Unterthan Sr. Majestät. Jeder Bürger des Königreiches wurde

verpflichtet, von seinem 20. Lebensjahre an eine gewisse Bürgertaxe

zu zahlen und hat alsdann das Recht, für die Wahl der Repräsentativen

seines Distriktes zu stimmen; er muss jedoch hierzu drei Monate vor der

Wahl im betreffenden Distrikte domicilirt haben, nicht irrsinnig oder

Idiot und keines Verbrechens überwiesen sein; es wäre denn, dass in dem

letzteren Falle der König eine solche Person in seiner Ehre und seinen

Rechten vollständig rehabilitirt und begnadigt hat.

In der 1852 höchst liberal verbesserten Verfassung bestand wie früher

die legislative Gewalt aus dem König, dem Hause der Nobili und dem

Hause der Repräsentativen, deren jeder Theil das Recht zur Verneinung

hatte. Die Stellung und die Rechte, die Kamehámehá I., dem „Kuina-nui“

resp. (dem Premier) eingeräumt hatte, wurden unverändert beibehalten.

Die exekutive Gewalt hatte der König, dem ein Staatsconseil, deren

Glieder er ernannte, zur Berathung beigegeben war und das Cabinet,

welches aus den Ministern, dem Staatsrecht-Anwalt (zugleich

Justizminister), und den Gouverneuren der Inseln bestand, die ex

officio auch Mitglieder des Conseils waren.

Die Jurisdiction des Landes resp. die gerichtliche Gewalt hatte

die „Supreme-Court“ (Obergericht), welches aus dem „Cheef-justice“

(Oberrichter) und zwei Richteradjunkten bestand, und vier

Kreisgerichten und einem Distriktsgerichte in jedem Distrikte.

Kamehámehá III., der seit den letzten Plagen des Landes leidender

geworden und zur Linderung seiner Leiden wieder mehr den Spirituosen

sich ergeben, begann wieder dem gewaltig wachsenden Einflusse

der Missionäre mehr Gehör zu schenken, indem er auf Grundlage

der verbesserten constitutionellen Verfassung unter Beibehaltung

seiner königlichen Rechte die erforderlichen Schritte that, um ein

vertragsmässiges Protectoratsrecht den Verein. Staaten über das

Inselreich einzuräumen.

Um diese Zeit fand wieder eine 24 Stunden dauernde heftige Eruption des

Kilauéa statt und nach zweitägigem Ruhestande desselben öffnete sich

15 Meilen südöstlich von besagtem Krater, der Stadt Hilo gegenüber,

auf einer Höhe von circa 10,000 Fuss ein neuer Krater, dessen Ausbruch

eine Fläche von circa 30 englischen Meilen, ohne das Meer zu erreichen,

überdeckte.

Das Jahr 1853 wurde ein verwüstendes für die Bevölkerung der

Inseln durch den Ausbruch der asiatischen Pocken, den sogenannten

„maipupulíli“. 1854 wurde die „Ladies Benevolent Society“, eine

überaus thätige Wohlthätigkeits-Association, gegründet.

1854 wurde durch den Befehl der Regierung das Fort von Lahaïna, da es

dem Lande von keinem Nutzen und nur kostspielig war, planirt.

Den 12. November des Jahres trafen zwei „Sloops“ der

Vereinigten Staaten, die „Mary“ und „Portsmouth“, als auch die

Vereinigten-Staaten-Kriegsdampfer „Mississippi“ und „Susquehanna“ vor

Honolulu ein. Der Hauptzweck ihres Erscheinens war eine projektirte

Abtretung des Inselreichs an die Vereinigten Staaten.

Von diesem Augenblicke an begann die Wirkung der Missionäre eine

ernstere Wendung für das Land zu nehmen. Der endliche Beschluss des

Königs wurde von der dagegen stimmenden Majorität der Bevölkerung mit

Kummer und Sorge von Tag zu Tag erwartet. Endlich war das Dokument

soweit fertig, dass es nur noch der Unterschrift des Königs bedurfte.

Sein asthmatischer und in letzter Zeit durch starke Getränke öfters

unzurechnungsfähiger Zustand war die Ursache, dass diese Unterschrift

von Tag zu Tag verschoben wurde, bis endlich den 15. December 1854

plötzlich zum grossen Aerger der Missionäre, ohne seine Unterschrift

gegeben zu haben, Kaúkeaúli oder Kámehámehá III., der Gute, im Alter

von 40 Jahren 2 Monaten starb. Er war geboren den 17. März 1814 auf

der Insel Hawaii in der Nähe von Keaúhoú in Nord-Kóna, war der Sohn

Kamehámehás I., seine Mutter war die Kéupúoláni, eine Tochter des

Königs Kiwaláo, der ein Sohn des zur Zeit der Ermordung Cooks in der

Insel Hawaii regierenden Königs Kalániópuú war. --

V. Abtheilung

Kamehámehá IV. und seine Regierung bis zu seinem Tode. --

Kamehámehá V. und seine Regierung bis zur neuen Constitution von

1864.

Kamehámehá III. folgte sein Neffe Alexander Liholího als Kamehámehá

IV. Er war geboren den 9. Februar 1834, erzogen in der „royal-scool“

unter der Leitung amerikanischer Missionäre, talentvoll und körperlich

kräftig, sein ganzes Wesen weise, gerecht und gut, jedoch einer sehr

lebhaften Einbildungskraft unterworfen; er besass eine ausserordentlich

rasche Auffassungsgabe, zugleich aber die Neigung zu plötzlichem

Wechsel seiner Ansichten.

Sein erstes und sofortiges Werk, als er 1854 den 15. December

zur Regierung gekommen, bestand darin, alle die die Cession des

Königreiches betreffenden Schritte seiner Vorgänger rückgängig zu

machen, und sein zweites zur gleichen Zeit war die Beschaffung

der erforderlichen Mittel zum Bau des königlichen Hospitales,

welches gegenwärtig unter dem Namen „Queens-Hospital“ als eine der

wohlthuendsten Institutionen des Landes bekannt ist. Zur Beschaffung

der Mittel hierzu machte er persöhnlich die ersten Collekten, durch

die Stadt von Haus zu Haus wandernd und hatte die Freude im Jahre 1859

schon den Eckstein zu jenem Bau legen zu können.

Die Minister reichten Kamehámehá IV. ihre Demission ein; er nahm

dieselbe an, jedoch mit der Aufforderung, dass sie in ihrer Stellung,

bis er der Constitution seinen Amtseid geleistet haben würde,

verbleiben. --

Den 10. Januar 1855 fand die Beisetzung des verstorbenen Königs, den

16. die Eröffnung seines Testamentes und die Proklamirung des Prinzen

Liholího als Kamehámehá IV. statt und zugleich forderte er die Minister

auf, ihre Demission zurückzunehmen und in ihrer Stellung zu verharren.

Die Minister seiner Regierung waren:

als Minister des Aeussern M. R. C. Wyllie,

als Finanzminister M. E. H. Allen,

als Minister des Innern M. J. Jung oder auch Keoniána genannt,

als Minister der Volksaufklärung M. Armstrong,

als Oberrichter M. W. L. Lee.

Die Charakteristik dieser an der Spitze der Regierung in der

wichtigsten Zeit der Entwicklungsgeschichte dieses Landes stehenden

Männer war folgende:

R. C. Wyllie, geboren 1798 zu Hazelbank (Schottland), hatte die

Medizin in Edinburg studirt, wurde jedoch Kaufmann und bereiste als

solcher Südamerika und Mexiko, ein bedeutendes Vermögen erwerbend; im

Jahre 1842 kam er auf seiner eigenen Yacht nach Honolulu, und höchst

eingenommen von Klima, Land und Volk des Inselreichs, verliess er

Honolulu 1844, um bald darauf zum Bleiben wieder zurückzukehren. Der

König Kamehámehá III. bot ihm den Posten als Minister des Aeussern an,

den er annahm und unter drei Königen bis zu seinem Sterbetage, den 19.

October 1865, zum Wohle des Landes bekleidet hat. Sein Ruf im Lande

ist ein unvergesslicher, seine gelungene Zuckerrohrplantage auf der

Insel Kauai ist ihm ein Monument seiner industriell einstmals wirkenden

Kraft und die Selbstständigkeit des Reiches, so auch die Akten des

Staatsarchivs der Ruhm seiner politischen und socialen Thätigkeit

geworden.

M. E. H. Allen, geboren als Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika

und zeitweiliges Mitglied des Congresses derselben, war zu der Zeit

naturalisirter Bürger des Inselreichs, 18 Jahre Oberrichter und

später Kanzler des Reichs gewesen. Seine Charakteristik war die eines

thätigen, gerechten und pflichttreuen Mannes.

Keoniána oder M. J. Jung war der Sohn John Jungs, des Freundes

Kamehámehás I. Seine Mutter war die Kaoanaéa, die Tochter der

Keliimaikii, einer Cousine des grossen Königs Kamehámehás I. Er war

geboren 1810 im Juli und starb den 18. Juli 1857, war ein durch und

durch nationalgesinnter Mann und strebte mit Eifer und Verständniss,

die Entwickelung des Landes zu fördern.

M. Armstrong war Bürger der Vereinigten Staaten Amerikas.

W. L. Lee als Bürger der Vereinigten Staaten Amerikas, 1821 in Oregon

geboren, kam nach Honolulu den 12. October 1846 und starb den 28. Mai

1857. Seinem Gerechtigkeitssinn und seinem klaren Verstande verdankt

das Land den günstigen Stand seiner Jurisdiktion, die er bis zu einer

allgemeinen Beachtung von Seiten der civilisirten Staaten gehoben hatte.

Nach Antritt seiner Regierung war, wie schon gesagt, der erste Akt

des Königs, die Schritte seines Vorgängers wegen einer Cedirung des

Reiches an die Vereinigten Staaten definitiv rückgängig zu machen.

Zu diesem Zwecke sandte er seinen Justizminister Lee nach Washington

mit dem Auftrage, von dort nach England und Frankreich zu gehen, die

durch seine Vorgänger gemachten, die Abtretung des Reiches an die

Vereinigten Staaten betreffenden Schritte zu annuliren und mit den drei

Mächten auf Grundlage der Dokumente von 1843 einen noch mehr bindenden

Garantie-Traktat abzuschliessen, in welchem die benannten Staaten

auf Grund der von ihnen 1843 und 44 unterzeichneten Vereinbarungen,

nicht nur die Unabhängigkeit, daher die vollste Selbstständigkeit, des

Königreiches von Hawaii und der Dynastie Kamehámehás I. anzuerkennen

sich verpflichten, sondern auch die Garantie dafür übernehmen sollten,

das Königreich vor jedwedem eigenmächtigen Vorfall wie dem des Lord

Paulet und namentlich dem des Admirals Tromelin zu schützen.

Der sachkundigen und klugen Befürwortung Lee’s gelang es -- wenn auch

mit Schwierigkeiten so doch vollständig -- den Auftrag zu erfüllen,

indem der Garantie-Traktat abgeschlossen wurde.

In demselben Jahre fand der erste Mehlexport (463 Barrels) nach

Californien statt.

Den 7. Juli wäre durch den Brand des Variété-Theaters in der

„King-street“ fast ganz Honolulu in Brand gerathen, wenn nicht die neu

organisirte Feuerwehr mit Beihülfe der Bevölkerung denselben erstickt

hätte. Der Verlust betrug 25,000 Dollar.

Den 2. Juni 1856 vermählte sich der König mit Emma Rook, einer Tochter

des Oberhäuptlings Naéa, dessen Frau die Fanny Jung, eine Tochter

John Jungs war. Die Frau John Jungs war Káoanaéa, die Tochter des

Keliimaiikai, eines Vetters Kámehámehás I. Der reiche Dr. Rook hatte

die erwähnte Emma als Adoptivtochter anerkannt und ihr seinen Namen und

sein ganzes Vermögen übertragen.

Es war und ist eine kluge, liebenswürdige, humane Frau, die die Liebe

und Achtung der ganzen Bevölkerung genoss und noch geniesst.

In demselben Jahre wurde der Finanzminister Allen als Bevollmächtigter

und ausserordentlicher Gesandter nach Washington gesandt, um mit den

Verein. Staaten einen gegenseitigen Handelsvertrag anzubahnen, durch

welchen dem Inselreich die stets freie Einfuhr in die Häfen der Verein.

Staaten gewisser Landesprodukte, namentlich des Zuckers, zugesichert

wird.

Die Südstaaten der Verein. Staaten Nordamerikas waren gegen dieses

Projekt, daher dasselbe mit dem Winke der Regierung, den Schritt

gelegentlich zu wiederholen, für den Augenblick zurückgewiesen wurde.

Bald nach der Rückkehr des Finanzministers Allen aus Washington

berief unerwartet plötzlich der König die legislative Versammlung zur

Codification und der gründlichen Revision und Vervollständigung der

bestehenden Gesetze des Reiches und zur vollständigen Umgestaltung des

Penalcodex von 1856.

Die legislative Versammlung wählte zu dieser schwierigen Arbeit eine

Commission, bestehend aus dem Prinzen Lot-Kámehámehá, einem Bruder des

Königs, dem Oberrichter L. Lee und dem Gehülfen desselben, Robertson.

Die Aufgabe der Commission bestand 1) in der Ausarbeitung auf Grundlage

der bestehenden Gesetze eines vollständigen Civilcodex, 2) in der

Verwerfung, Verbesserung, Ergänzung und Vervollständigung gewisser

Gesetze, 3) bis 1858 d. h. bis zu der nächsten ordinären legislativen

Versammlung die Arbeit zu vollenden.

Im Jahre 1857 liess der König die Festung von Honolulu planiren und

legte den Grundstein zu einem Gefängniss auf einer Korallenbank der

sogenannten Landzunge Lilío. Die Stelle der Festung bildet jetzt eine

Esplanade, die eine Zierde Honolulus geworden ist.

Den 28. Mai starb W. L. Lee, 36 Jahr alt. An seiner Stelle wurde der

bisherige Finanzminister Allen Minister der Justiz (Oberrichter)

und Glied der Commission. Zur selbigen Zeit starb David Maloo, der

Nationalhistoriker, und den 2. Juli 1857 starb der Minister des Innern

John Jung in seinem 47. Lebensjahre. An seiner Stelle wurde als Premier

oder Kuina-nui die Schwester des Königs, Victoria Kamamalú, und als

Minister des Innern der Bruder des Königs, Prinz Lot, ernannt.

Im selben Jahre den 20. August brachte die königl. Hawaii’sche

Agrikultur-Gesellschaft die ersten Bienen in das Land, die sich seitdem

vortrefflich akklimatisirt haben.

Den 20. Mai 1858 wurde dem König zu seiner und seines Landes Freude ein

Sohn geboren.

Im Juni des Jahres hatte die früher erwähnte Commission ihre Arbeit

vollendet und den Civil-Codex-Entwurf der legislativen Versammlung

vorgelegt, welche die Arbeit einem Special-Comité zur Prüfung übergab.

Dieses Special-Comité bestand aus 5 durch die Nobeln und 5 durch

die Repräsentativen des Volkes gewählten Gliedern, die unter die

Leitung des Mr. Armstrong und G. M. Robertson gestellt waren. Das

Special-Comité war beauftragt, die Prüfung der Arbeit im Dezember des

Jahres zu beginnen und zum Frühjahr 1859, d. h. zur Einberufung einer

ausserordentlichen legislativen Versammlung zu beenden.

In demselben Jahre wurde die erste systematische Reiskultur durch

Chinesen in der Nähe von Honolulu und auf der Insel Kauai begonnen, die

in gegenwärtiger Zeit eine auffallende Blüthe im Inselreiche erreicht

hat.

Den 2. Mai 1859 war das Comité mit seiner Arbeit fertig, der

Civil-Codex von der legislativen Versammlung angenommen und den 17.

Mai vom König unterschrieben. Die Arbeit wurde in hawaii’scher und

englischer Sprache gedruckt und veröffentlicht.

Das in Kraft getretene Civilgesetzbuch nebst einem Appendix, einem

Index und sämmtlichen Verträgen des Königreichs mit Frankreich, Belgien

und Grossbritannien vom 26. März 1846, mit Dänemark vom 19. October

1846, mit Hamburg vom 8. Januar 1848, mit den Verein. Staaten von

Amerika vom 19. August 1850, mit England vom 6. Mai 1852, mit Bremen

vom 27. März 1854, mit Schweden und Norwegen vom 5. April 1855, mit

Frankreich vom 8. September 1858 bildeten ein Volumen von 555 Seiten.

Im Jahre 1856 hatte die legislative Versammlung nämlich mit Zustimmung

des Königs dem Justizministerium einen Zuschlag von 500 Dollar zur

Sammlung sämmtlicher publicirter gerichtlicher Berichte seit dem

Bestehen der Gesetze und der Gerichtshöfe im Königreiche, sämmtlicher

Urtheilssprüche und im Allgemeinen der Akten der diversen lokalen

Gerichte des Reiches, die bis dahin in der Regierungszeitschrift

freilich publicirt, aber von den betreffenden Behörden nicht gebucht

worden waren, bewilligt.

Diese Arbeit wurde damals dem Oberrichter Lee und seinen Adjunkten

Robertson und John J-i übertragen.

Da ersterer leidend wurde, so verdankt das Land das sorgsam bearbeitete

voluminöse und höchst interessante Werk der rastlosen Thätigkeit der

beiden Adjunkten des Oberrichters und namentlich Mr. Robertson. Der

erste Band dieser Arbeit wurde 1857 beendet und enthielt 125 bis zum

Jahre 1857 vorgekommene Gerichtsfälle. Es ist diese Sammlung für die

das Rechtswesen studirende Jugend des Reiches eine überaus nützliche.

Seit 1857 wird dieselbe systematisch fortgesetzt und liefert einen

eclatanten Beweis der Fähigkeit der Nation, sich selbst zu regieren.

Im August 1858 erhielt der französische Consul in Honolulu, Mr.

Perrin, endlich den ratificirten Handelsvertrag Frankreichs mit dem

Inselreiche und den ausdrücklichen Befehl, denselben ohne Aufschub

abzuschliessen.

Der Minister des Aeussern Mr. Wyllie gab dem Consul die Antwort, dass

der König ohne den Rath des Conseils laut der Constitution keinen

definitiven Schritt in dieser Angelegenheit thun dürfe und dass er

glaube, dass das sehr amerikanisirte Minister-Conseil und namentlich

der Reporteur des Staates, Mr. G. M. Robertson, ~gegen~ die

Annahme desselben sein werden.

Das hierauf versammelte Conseil entschloss sich, den Vertrag, jedoch

nur mit bedeutenden Umänderungen, anzunehmen, auf die der Consul „ad

referendum“ einging. Der König, wenig voraussichtig und zu ehrlich,

unterschrieb den Vertrag, das „ad referendum“ übersehend, und 1859 traf

die Antwort Frankreichs ein, jedoch mit der Bemerkung, den Vertrag

ohne die proponirten Veränderungen als unterschrieben und dokumentirt,

demnach als definitiv angenommen, zu betrachten, wodurch das kleine

Königreich wieder einmal durch naive Ehrlichkeit in die ihm gestellte

Falle gegangen war.

Den 23. Januar 1859 begann der Mauna-Lóa wieder sein wildes Treiben.

Der westliche Abhang seines Kraters begann gewaltig zu dampfen und

gegen Nacht obengenannten Tages brachen vielfältige Lavaströmungen

aus demselben hervor. Bis 250 Fuss über den Gipfel des Kraters stieg

die Glühmasse. Die Lavaströmungen nahmen die Richtung nach Kona sich

wälzend. In 3 Tagen hatte die heftig sich bewegende Glühmasse schon

bei Wainanálii im Nord-Kona-Distrikt den Ocean erreicht und begann 40

englische Meilen als eine 20 bis 50 Fuss breite und bis 15 Fuss dicke

Glühmasse, Alles auf ihrem Wege vernichtend, zischend und brausend in

den Ocean sich zu ergiessen und ihren Weg circa 1/2 Meile in denselben

hinein, einen vollständigen Damm bildend, fortzusetzen. Dieser

gegenwärtig noch bestehende Damm ist eine Viertelmeile breit.

Die Glühmasse, als sie den Abhang entlang mit gewaltiger

Geschwindigkeit sich niederzog, hatte eine Breite von circa 1500

Klaftern und machte den Eindruck als ob der Berg mit dunkelgefärbtem

Blute übergossen wäre. Das Farbenspiel, die Bewegung und die Form der

Masse war eigenthümlich wechselnd, bald fliessend, bald wälzend, bald

glitschend, bald Kascaden bildend, bald spritzend und sprühend, bald

Niederfälle bildend, oftmals durch Unebenheiten des Terrains energisch

schwellend und dann wieder wogenartig -- gleich einer wilden Feuersee

-- mit hohem Wellenschlag sich weiter drängend, bald wieder eine

Spiegelglätte bildend, oft in Abgründen oder Grotten verschwindend,

um mit Gedonner und Gezisch sich gleich wieder zu erheben und alsdann

mit doppelter Wucht Alles verwüstend sich in sich und über sich --

gleichwie im tollen Jubel -- wälzend ihren Lauf fortzusetzen.

Bis zum 7. August -- volle 6 Monate und 15 Tage -- währte diese

Lavaströmung in den Ocean. Dieselbe war freilich nicht beständig gleich

stark, da schon im Juni Pferde über die Lavaschichten stellenweise

treten konnten, obgleich eine flache Zuströmung ununterbrochen

stattfand. Zum Glück war die Breite der gesammten Strömungen weniger

beträchtlich als sonst, daher geringere Verluste an Menschenleben und

Eigenthum zu verzeichnen waren.

Den 12. März 1859 bewilligte die Legislatur dem Minister des Innern

auf sein gestelltes Amendement, dem Mr. W. H. Tiffany, S. Wethered,

H. Macfarlan, J. Paty & Co. & Nachfolger das garantirte Privilegium

für 15 Jahre, unter dem Namen „Honolulu-Gas-Compagnie“ eine Gasleitung

durch die Stadt zu legen und zwar mit der Verpflichtung der Compagnie,

das Gas-~Werk~ zu errichten, die Röhren durch alle Strassen,

alle Theile und in alle Häuser der Stadt systematisch zu leiten.

Alle Maschinen, Apparate, Gasröhren, deren die Compagnie zu ihrem

Unternehmen bedurfte, sollten steuerfrei importirt werden dürfen.

Mit aller Macht und vollster Energie machte sich sofort der Leiter und

Verwalter der Compagnie Mr. Tiffany an das Werk. Von allen Seiten trat

die Bevölkerung dem Unternehmen mit bedeutenden Geldspenden und eigener

thätlicher Hülfe bereitwilligst entgegen. Die Röhren waren theilweise

bald gelegt, das Gaswerk vollendet und in Thätigkeit; einige Hotels und

einige Häuser waren schon beleuchtet als Tiffany, angeblich um an Ort

und Stelle die noch zur Vollendung fehlenden Maschinen und diversen

Gegenstände selbst zu besorgen, nach San Francisco abreiste und sammt

den mitgenommenen Geldern nie wieder zurückkehrte. Hierdurch erlitten

fast sämmtliche Bewohner Honolulus und die Betheiligten bedeutende

Verluste, und blieb das Unternehmen unvollendet und unbenutzt bis zur

jetzigen Stunde.

Den 2. August 1859 wurde die deutsche Unterstützungsgesellschaft „the

german Benevolent Society“ für deutsche Hilfsbedürftige im Inselreiche

gestiftet.

Der 11. August 1859 wurde ein verhängnissvoller Tag für den König.

Am 3. nämlich war derselbe mit der Königin und seiner Begleitung,

unter der auch sein Jugendfreund Nelson (ein Engländer) sich befand,

nach Lahaïna gefahren, um daselbst sich eine Zeit lang zu erholen.

Den 11. war er im Begriff nach Honolulu zurückzukehren, als er in

einem leidenschaftlichen Augenblick -- einerseits sagt man einer Frau

wegen, andererseits in angetrunkenem Zustande, andererseits wieder

aus Versehen -- auf seinen Freund Nelson schoss, der in Folge der

erhaltenen Wunde bald darauf starb. Was nun auch die Ursache gewesen

sein mag, Faktum bleibt es, dass der König, der dem Genusse der

Spirituosen zur Erleichterung seines asthmatischen Leidens ergeben

war, nunmehr durch den Tod seines Freundes den Genuss zur Leidenschaft

machte, ferner, dass er in seiner Verzweiflung zu Gunsten seines Sohnes

abdanken und in vollster Zurückgezogenheit leben wollte, und dass er in

der Folge eine auffallende Gewissensunruhe zeigte.

Den 30. August traf der König in Honolulu wieder ein und theilte

sofort seinen Entschluss abzudanken mit. Mit vieler Mühe gelang es

seinem Bruder, Prinz Lot und den Ministern, ihn davon abzuhalten.

Er proklamirte statt dessen seinen Sohn als Thronfolger, schickte

eine Gesandtschaft nach England mit der Bitte, eine Branche der

anglikanischen Kirche umgehend im Inselreiche zu stiften und -- wenn

möglich sofort -- einen Bischof und einen Prediger der anglikanischen

Kirche nach Honolulu zu senden. Seine der englischen Regierung

hierfür angegebenen Motive waren folgende: dass ihm die methodistisch

congregationelle Kirche zu gefühllos und kalt erscheine; dass er zur

römisch-katholischen Kirche, die gefühlvoller, nicht übertreten wolle,

da seine Frau, die Königin Emma, anglikanischer Confession und er daher

lieber mit ihr zu ~Einer~ Kirche gehören möchte; dass er die

Hoffnung hege, dass die auf die Seelenstimmung so wirksame Lithurgie

der anglikanischen Kirche seinem kranken Gemüthe wohlthun würde und

dass er endlich darauf rechne, dass die Einführung der anglikanischen

Kirche im Inselreiche ihn und sein Reich mehr dem Einflusse Englands

nähern werde, wodurch sein Land von dem gewaltig zunehmenden, ihn

endlich lästig werdenden -- quasi -- Zwangeinflusse der amerikanischen

Missionäre resp. der Verein. Staaten und ihrer fühlbar wachsenden

Partei im Reiche befreit werden würde.

Die Erwartung der anglikanischen Geistlichen, die Vollendung des

Hospitales der Königin Emma, die Erbauung eines neuen Zollhauses und

die Freude an seinem Kinde wirkten ermuthigend auf den gemüthskranken

König, und es erwuchs die Hoffnung, dass er sich allmälig wieder

erholen würde, um mit der früheren ihm eigenen Energie und dem regen

Interesse sein Land und sein Volk wieder zu regieren.

Den 5. Mai 1869 traf die nach den Verein. Staaten gehende japanesische

Gesandtschaft in Honolulu ein und zu gleicher Zeit mit derselben reiste

Prinz Lot nach Californien resp. Washington mit einer Mission und

namentlich auch des Vorfalls des Mr. Tiffany wegen.

Den 16. September 1862 heirathete Lydia Kamakaehá, die Schwester des

jetzigen Königs Kalakaua I., den J. O. Dominis, einen Schottländer. --

Den 23. September 1862 starb der gewesene Missionär und derzeitige

Minister der Volksaufklärung Dr. R. Armstrong. --

Im April 1862 hatte die Regierung die Palmyra-, Kaláma-, Leyson-,

Lisansky-und Cornwals-Inseln annektirt und als zum Königreich gehörende

proklamirt.

Den 27. August desselben Jahres hatte den König wieder ein schwerer

Schlag getroffen, der sein ganzes Wesen demoralisirte und seinen

krankhaften geistigen Zustand bedeutend verschlimmerte; es starb

nämlich der Thronfolger plötzlich im Alter von 4 Jahren 3 Monaten und

7 Tagen und wurde am 7. September 1862 beerdigt, mit ihm auch die

Lebenskraft des Königs.

Von diesem Augenblicke an sanken vollständig der wieder erwachte Muth

und die noch vorhandene Lebensfrische des Königs. Er sank sozusagen

geistig und körperlich derart, dass sogar die am 11. October endlich

angelangten anglikanischen Geistlichen keine Wirkung zur Besserung

seines Zustandes auszuüben vermochten, doch wurde ihm ihre Ankunft

ein Trost vor dem Tode, der den 30. November 1863 erfolgte. Er

starb im Alter von 29 Jahren 9 Monaten und 21 Tagen, und als sein

Nachfolger wurde der in Folge des Todes des Thronfolgers und in Folge

der Nachricht über die ernste Erkrankung des Königs aus Californien

eiligst zurückgekehrte Bruder desselben, Prinz Lot, als Kámehámehá V.

proklamirt.

Die Nachlässigkeit und Untüchtigkeit der Aerzte sollen Schuld an dem

Tode des Königs getragen haben; ein rascheres Einschreiten derselben

hätte die Erstickung verhindern können und wurde ihnen deshalb durch

Kámehámehá V. der bitterste Vorwurf gemacht.

Der erste Schritt Kámehámehá V. nach Antritt seiner Regierung

war ~der~, seine Schwägerin, die verwittwete Königin Emma,

aufzufordern, im Palais wohnhaft zu verbleiben und sie seiner steten

brüderlichen Liebe zu versichern. Sein zweiter Schritt war, den

Ministerrath einzuberufen, um sofort die Situation der Regierung zu

prüfen und festzustellen.

Kámehámehá V. war freidenkend in seinen Grundsätzen, zugleich aber auch

herrschsüchtig. Er vertrug keinen Widerspruch, gab jedoch seine Befehle

erst, nachdem er dieselben reiflich überlegt und geprüft hatte. Seine

politischen und persönlichen Sympathien waren vollständig denen seines

von ihm innig geliebten Bruders entgegengesetzte. Er war national

gesinnt, worin er die Gesinnung seines Bruders theilte. Im Sonstigen

aber war seine Tendenz eine mehr amerikanische, während die seines

Bruders eine ausgesprochen englische war, daher er schon während der

Regierungszeit desselben im schroffsten politischen Widerspruch zum

Minister des Aeussern, R. C. Wyllie, der in letzter Zeit auch Minister

des Innern war, stand, obgleich er, was ihn löblich charakterisirt,

die Tüchtigkeit und Treue des letzteren der Dynastie und dem Lande

gegenüber öffentlich stets anerkannte und im persönlichen Umgange

demselben stets Achtung und Anerkennung erwies.

Bei Antritt seiner Regierung hoffte natürlich die amerikanische Partei

sicher, dass er seinen allgemein bekannten Gefühlen umgehend freien

Lauf lassen und sofort den gegen sie gewaltig wirkenden Hebel, R. C.

Wyllie, beseitigen würde. Zu ihrem Entsetzen und grossem Erstaunen

beherrschte jedoch Kámehámehá V. sein Gefühl und liess sich nur durch

dasjenige der Vaterlandsliebe und des die Selbstständigkeit des Reiches

und dessen Entwickelung fördernden beherrschen.

Er besprach mit R. C. Wyllie die Neuwahlen, die Neuerungen, die er

vorzunehmen beabsichtige; er zeigte ihm sein vollstes Vertrauen und

sprach seine Ueberzeugung aus, dass Wyllie für das Wohl des Landes

gleichwie er, der König, es gethan, auch ~seine~ politischen

Principien zu beherrschen verstehen wird.

Während 4 Tagen war das Palais, der Garten und der Hofraum desselben,

vom Morgen bis zum Abend, des Nachts bei Fackelbeleuchtung, gefüllt

von Menschenmassen, die der ausgestellten königlichen Leiche ihre

liebevolle Achtung und Trauer mit herrlichen Blumenspenden unter

Weinen, Schluchzen und Heulen erwiesen.

Die Leiche war bis zur Vollendung des von Kámehámehá V. im Núnanú-Thale

im Bau begriffenen Familien-Mausoleums in einen dreifachen Sarg, von

denen der eine aus Eichenholz, der andere aus Kóaholz und der dritte

aus Blei bestand, gelegt und im Palais unter einem Baldachin auf einem

pompösen Katafalk bis zum 3. Januar 1864, dem Tage der Vollendung des

Mausoleums, zur Beschauung ausgestellt.

Kámehámehá V. begann seine Regierung mit vollster Kraft und den

deutlichsten Zeichen des Willens, eine für die Entwickelung des Landes

gründliche Thätigkeit zu entfalten.

Die Wahl seiner Minister widersprach, wie gesagt, vollständig den

Erwartungen der amerikanischen Partei, da der König dem tüchtigsten

Manne der bisherigen Regierung, R. C. Wyllie, die Bildung des

Ministeriums übertrug, welche wie folgend resultirte:

~als Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen~ R. C.

Wyllie, ein Schotte von Geburt,

~als Minister der Finanzen und Kanzler des Reiches~ M. E.

Allen, ein Amerikaner von Geburt,

~als Minister des Innern~ Mr. Hopkins, ein Engländer von

Geburt und Freund des verstorbenen und gegenwärtigen Königs,

~als Minister der Justiz~ M. Robertson, Amerikaner von Geburt,

~als „Atorny general“ (General-Rechtsanwalt)~ M. W. Harris,

ein Amerikaner von Geburt,

~als Minister des Postwesens und des öffentlichen Wegebaues~

C. Varigny, Franzose,

~als Präsident der öffentlichen Volksaufklärung und als

„Kuina-nui“~ der Vater des Königs, Kekuanaóa.

Trotz der nationalen Anomalie des gebildeten Cabinets hat sich dasselbe

in seinen Resultaten als ein sehr homogenes und nützliches erwiesen.

Die Wahl wurde von der legislativen Versammlung einstimmig angenommen.

Das erste Werk des Ministeriums bestand darin, im Auftrage des Königs

ein dem Minister des Innern untergeordnetes Comité zu erwählen, welches

sich speciell mit den öffentlichen Bauten und Meliorationsanlagen des

Reiches befassen und umgehend an den Entwurf und die Ausarbeitung von

Plänen zu einer vortheilhaften praktischen Strassenverbindung des

Landes schreiten sollte.

Leider unterblieb die Ausführung dieses so wichtigen Projektes, da

der König und seine Regierung zu einem gründlichen Fortschritt in der

Entwickelung des Landes Schritt für Schritt im Allgemeinen so auch in

dem erwähnten Projekte auf Hindernisse stiessen, die die bestehende

constitutionelle Verfassung von 1852 namentlich hervorrief.

Die durch zahlreiche Widersprüche sich bestätigende Unreife derselben

bewog den König, die Verfassung einer gründlichen Revision und

Umgestaltung zu unterwerfen.

Um das Land politisch aus dem direkten Einflusse der amerikanischen

Missionäre und einem durch sie erweckten christlichen Aberglauben zu

ziehen und der Entwickelung der Industrie des Landes ein frischeres

Leben zu geben, entschloss sich das Ministerium, dem Wunsche des

Königs sich anschliessend, eine neue Constitution laut seiner ihnen

klar gemachten Grundsätze zu entwerfen und den ausgearbeiteten Entwurf

einer solchen der den 2. Januar 1864 zu Neuwahlen zusammentretenden

Legislatur zum definitiven Beschluss vorzulegen.

Die Arbeit wurde mit rastlosem Eifer vorgenommen, und man suchte --

und das mit erwiesenem Erfolg -- ein vollständiges Einverständniss der

Minister zu erreichen, durch welches die Widersprüche der Opposition

leichter bekämpft und die Annahme des Projektes leichter erreicht

werden sollte.

Den 3. Januar 1864 fand die glanzvolle Beisetzung des verstorbenen

Königs in das lieblich gelegene neuerbaute Familienmausoleum statt. Die

Königin-Wittwe Emma hatte vordem mehrere Tage und Nächte gleichwie zur

Einweihung desselben im Mausoleum verbracht.

Den 5. Mai unterzeichnete der König eine Proklamation, die den 7.

veröffentlicht wurde. In derselben deklarirt er seinen Willen, dem

Lande eine neue Verfassung zu geben, giebt seine Motive an, die ihn zu

einer sofortigen Revision und Umgestaltung der bestehenden Constitution

von 1852 und der Creirung einer festeren Basis derselben bewogen haben.

Er fordert in dieser Proklamation die Delegirten des Volkes auf, zum 7.

Juli 1864 in Honolulu sich zu versammeln mit der Bemerkung, dass diese

unter dem Präsidium des Königs geleitete Versammlung aus sämmtlichen

Gliedern des Hauses der Nobeln (deren 15 Glieder) und der Delegirten

des Volkes (deren 27 Glieder) und den Mitgliedern des Conseils bestehen

sollte.

Dieser Proklamation folgte der Befehl der Minister, dass die Wähler zum

13. Juni zu den regulären Wahlen schreiten sollten.

Der unerwartete Akt des Königs regte die Missstimmung der

amerikanischen Partei bedeutend auf. Sie sah in demselben das

energische Bestreben der Regierung, ihre bisherige Machtstellung

zu unterdrücken und sie entschloss sich als eine -- quasi --

oppositionelle Körperschaft aufzutreten, gegen sämmtliche Schritte der

Regierung zu protestiren, gegen die Revision der bestehenden Verfassung

des Reiches zu stimmen und die Behauptung der Regierung, dass mit

den bestehenden Gesetzen die dem Lande erforderlichen Reformen nicht

bewerkstelligt werden können, aufs Schärfste zu bekämpfen.

Die Glieder der Opposition, dem Könige gegenüber scheinbar demüthig

und unterthänig, wirkten heimlich mit grösstem Eifer und zwar nicht

ohne Erfolg unter dem Volke, dasselbe gegen die Regierung, namentlich

gegen den König hetzend und es überredend, der Opposition sich

massenhaft anzuschliessen. Sie verbreiteten unter Anderem das Gerücht,

dass der König heimlich zur anglikanischen Kirche übergetreten und

fest entschlossen sei, dieselbe als Staatsreligion zu proklamiren

und zu oktroyiren. Dieses Gerücht, welches durch die amerikanischen

Missionäre noch mehr Bekräftigung erhielt, entwickelte sich bis zu

einem gefährlichen Maassstabe unter dem Volk. Auch suchten jene das

Volk zu überzeugen, dass dem König die gegenwärtige Constitution nur

deshalb lästig sei, weil sie seine Herrschsucht einschränke und dass er

dieselbe zu Gunsten seiner Gewalt, aber zum Nachtheil der des Volkes

umändern wolle, dass die gegenwärtige constitutionelle Verfassung eine

weise und freisinnige sei und dass keine bessere für die Freiheit und

das Wohl des Volkes zu wünschen sei und dergleichen mehr.

Der König hörte von diesen sich gleich einem Lauffeuer verbreitenden

und natürlich wachsenden Gerüchten und entschloss sich, um sofort

dieselben im Keime zu ersticken, und um sich selbst und zugleich

die Ursachen der von ihm gewünschten Revision der Verfassung dem

Volke, namentlich dem der fernliegenden Inseln, genauer bekannt zu

machen, ungesäumt seinen schon längst gehegten Wunsch zu erfüllen,

die Inseln zu bereisen und mündlich dem Volke seine Ansichten klar

auseinanderzusetzen. Den 24. Mai segelte er demgemäss unerwartet nach

Hawaii, und von dort aus besuchte er die übrigen bewohnten Inseln.

Dieser rasche und der Opposition unverhoffte Schritt des Königs hatte

das Resultat, dass er vielseitig sich die Liebe seines Volkes erweckte

und schon den bedeutend verbreiteten Einfluss der Opposition -- wenn

auch nicht vollständig vernichtete -- so doch hemmte.

Den 13. Juni 1864 wurde die erwähnte Versammlung unter dem Präsidium

des Königs eröffnet. In seiner Rede setzte er der Versammlung mit

ausserordentlicher Ruhe kurz, klar und bestimmt seine Stellung

derselben gegenüber auseinander, indem er die Versammlung als

souveraine in ihren Beschlüssen anerkannte, sich jedoch das laut der

bestehenden Constitution ihm zugesprochene Recht des Veto vorbehielt.

Das Scrutinium über die Frage „soll eine Revision der Constitution

vorgenommen werden? Ja oder nein?“ ergab das Resultat, dass unter den

27 Delegirten des Volkes 10 mit Ja und 17 mit Nein, und von den 15

Gliedern der Nobeln 2 mit Ja und 13 mit Nein stimmten.

Die Debatten der Versammlung verliefen sehr lebhaft und die Opposition

in der Majorität als Siegerin -- „fühlte sich.“ Dieses Sichfühlen war

jedoch von kurzer Dauer, da dasselbe zur grossen Verwunderung der sich

prahlenden Opposition durch das Veto des Königs vernichtet wurde.

Bis zum 15. August jubelten die Sieger, den 15. gab der König sein

Veto und erklärte in kurzer Rede die Versammlung als geschlossen,

dankte den Gliedern derselben für die Bereitwilligkeit mit der sie

seinem Rufe, sich zu versammeln, gefolgt waren, betonte, dass die von

Kámehámehá III. proklamirte Constitution laut den Urkunden nur eine

zum Versuche als provisorisch verfasste gewesen sei, dass in derselben

klar und deutlich dem König das Recht der Veränderung derselben

vorbehalten worden war, was Jedem bekannt sein muss, der den Wortlaut

der Verfassung von 1852 kennt, dass er auf Grund dieses Rechtes, so

lange ihn Gott auf dem Thron des Königreiches erhält, dasselbe zum

Wohle des Landes beschützen und benutzen will und wird, dass er gemäss

dieses ihm zuerkannten Rechtes die bestehende Verfassung von 1852 als

abgelaufen erkläre und dass er dem Lande, kraft seiner Stellung und

seines constitutionellen Rechtes, eine neue constitutionelle Verfassung

oktroyiren wird.

Hierauf forderte er die Minister auf, unter der neuen Constitution

in ihren Stellungen zu verbleiben, mit der Bemerkung jedoch, dass er

jedwede von denselben eingereichte Demission zu acceptiren willens sei,

und schloss seine Rede, indem er den Deputirten zu wissen gab, dass

wenn das Volk durch dieselben über die Punkte der neuen Constitution

mit ihm oder seinen Ministern zu discutiren wünsche, er und seine

Minister stets bereit sein werden, in solche Discussionen sich

einzulassen und von jenen gemachte Vorschläge zu berücksichtigen.

Die Opposition war gleich wie niedergeschmettert; sie hatte nichts

weniger als diese Wendung erwartet und nie und nimmer geglaubt, dass

der König den Muth haben würde, gegen eine so bedeutende Majorität

seinen Willen so energisch und auf ein nicht zu verleugnendes Recht

sich stützend, so glanzvoll und dabei ruhig und gemessen durchzusetzen.

Noch unangenehmer war ihnen die ernst bezeichnende Ovation des Volkes,

die den Platz und die Strasse füllte. Der König zu Fuss die Versammlung

verlassend, wurde nämlich mit begeisterten Hochrufen bis zu seinem

Palais begleitet, während die Glieder der Opposition mit Kälte, sogar

mit Drohungen bei ihrem Erscheinen empfangen wurden.

Am selben Tage wurde durch Plakate an öffentlichen Orten, Strassen und

Plätzen der Stadt die Proklamation des Königs veröffentlicht, die über

alles Erwarten günstig aufgenommen wurde und die Ueberzeugung erweckte,

dass das Volk auf Seite des Königs stand, und nur beeinflusst durch die

Leiter der Opposition, momentan in Opposition getreten war. Gleich nach

Schluss der Versammlung machte sich sofort das Ministerconseil an die

definitive Zusammenstellung der neuen constitutionellen Verfassung.

VI. Abtheilung.

Die neue Constitution von 1864. -- Fortsetzung der Regierung

Kamehámehás V. bis zu seinem Tode.

Während der rastlosen Arbeit der Minister versuchte die Opposition

die Zeit zu benutzen, um durch in Zeitschriften publicirte Artikel,

in welchen sie ihrem Aerger freien Lauf gaben, den Unwillen und die

Unzufriedenheit des Volkes zu erwecken. Die Erfolge ihrer Umtriebe

waren jedoch nicht die, die sie in ihrem Mutterlande, wo das Volk

Unruhe sucht, gefunden hätten. Das Volk des Inselreiches wünschte

Ruhe und Frieden mit ihrem Oberhaupte und schenkte kein Gehör den

Ruhestörern.

Den 19. August 1864 war die Arbeit der Zusammenstellung der Verfassung

vollendet und den 20. verlas der König den Wortlaut derselben der

Versammlung der Mitglieder des Staatsraths und den Grossen des Reiches

und leistete seinen Eid auf die neue Constitution; desgleichen thaten

es nach ihm alle hohen Beamten des Reiches, und den Abend wurde der

Inhalt der neuen Constitution durch Zeitschriften an die entfernteren

Inseln, durch Plakate in der Residenz und nachträgliche Plakate in

den übrigen Inseln als in Wirksamkeit getreten veröffentlicht. Der

Inhalt war mit Ausnahme nur weniger Veränderungen gleich dem der

Versammlung vorgelegten Projecte, und ich will es versuchen, der

Beachtungswürdigkeit wegen wörtlich denselben übersetzt wie folgt

wiederzugeben:

Constitution,

verliehen von Seiner Majestät Kámehámehá V., durch die Gnade Gottes

Könige der Inseln von Hawaii, am 20. Tage des August A. D. 1864. --

~Artikel 1.~ Gott hat den Menschen mit gewissen unantastbaren

Rechten ausgestattet, als: das Recht des Lebens, der Freiheit, der

Erwerbung des Besitzes, der Integrität des Besitzes, und das Recht

Sicherheit und Zufriedenheit zu fordern und zu erhalten.

~Artikel 2.~ Jeder Mensch ist frei, Gott, in welcher Weise

es ihm sein eigenes Gewissen gebietet, anzubeten, so lange dieses

Privilegium die Sicherheit und den Frieden des Königreiches nicht

gefährdet.

~Artikel 3.~ Jeder Mensch darf frei reden, schreiben und seine

Gedanken über jeden Gegenstand veröffentlichen, ist aber für jeden

Missbrauch dieser Freiheit hiermit verantwortlich gemacht. Kein

Gesetz soll gegen die Freiheit der Rede oder Presse creirt werden;

es sei denn, dass ein solches zur Sicherstellung des Königs und

seiner Familie sich als erforderlich erweise.

~Artikel 4.~ Die Menschen haben das Recht -- jedoch nur in

ordentlichem und friedlichem Zustande und zwar unbewaffnet -- sich

zu versammeln, um sich über gemeinnützige Dinge zu berathen. Sie

haben das Recht, dem Könige oder der Legislatur ihre Beschwerden in

der Form einer Petition einzureichen.

~Artikel 5.~ Das Recht des „habeus corpus“ hat Jeder und

soll nicht unterdrückt werden; es sei denn, dass im Falle einer

Rebellion oder Invasion die öffentliche Sicherheit den König

zwingt, dieses Recht zeitweilig aufzuheben.

~Artikel 6.~ Keiner soll einer Strafe, für welches Verbrechen

es auch sei, unterliegen; es sei denn, dass seine Schuld oder That

vor einem legalen Gerichte bestätigt und erwiesen worden ist.

~Artikel 7.~ Keine Person darf weder für ein kleineres noch

grösseres Verbrechen zur Verantwortung arretirt werden (mit

Ausnahme in Fällen öffentlicher Anklagen von Verbrechen, die

im Jurisdiktionskreise eines Polizei- oder Gerichtsdistriktes

stattgefunden, oder von Vorgängen summarischer Widersetzlichkeit),

bevor nicht auf Grund einer Anklage das kleine oder grosse

Verbrechen vollständig und ausführlich beschrieben worden ist.

Der alsdann Arretirte hat das Recht, seine Confrontirung mit dem

Ankläger zu fordern; hat das Recht, Zeugen zu seiner Rechtfertigung

und zum Beweise seiner Unschuld zu stellen; hat das Recht,

selbst oder durch seinen Anwalt seinen von ihm vorgerufenen

Zeugen, desgleichen seinem Ankläger und ~deren~ Zeugen

Kreuz- und Querfragen zu stellen, sowie das Recht, zu seiner

Vertheidigung Gehör zu verlangen. Alle Fälle, die dem Urtheil der

Geschworenengerichte bisher anheimgestellt waren, bleiben demselben

auch weiterhin unterworfen mit Ausnahme von solchen, die Schulden

und mündliche Verträge betreffen, deren Forderungen unter 50 Dollar

betragen.

~Artikel 8.~ Keine Person darf wieder zur Verantwortung

gezogen werden für ein Vergehen, für welches dieselbe schon einmal

als schuldig oder unschuldig von einem legalen Gericht erklärt

worden ist.

~Artikel 9.~ Keine Person soll ohne gesetzlichen Prozess im

Criminalfall weder gezwungen werden, gegen sich selbst zu zeugen

noch seines Lebens, seiner Freiheit oder seines Eigenthumes

verlustig gemacht werden.

~Artikel 10.~ Keine Person darf als Richter oder Geschworener

in den Fällen fungiren, in denen ihre Verwandten als Kläger oder

Verklagte betheiligt sind oder in welchen das mögliche Resultat den

betreffenden Richtern oder Geschworenen -- direkt oder indirekt --

irgend welchen pekuniären Vortheil bringen kann.

~Artikel 11.~ Zwangdienst -- mit Ausnahme des dem

verurtheilten Verbrecher als Strafe zudiktirten -- ist im

Königreiche verboten, und jeder Sklave, der das Königreich von

Hawaii betritt, ist, vom Tage seiner Ankunft an gerechnet, als frei

zu betrachten.

~Artikel 12.~ Jede Person soll das Recht haben, vor jeder

unvernünftigen, grundlosen Haussuchung, vor der Beschlagnahme

ihrer persönlichen Freiheit, ihres Hauses, ihrer Papiere und

Effekten gesichert zu werden. Kein Verhaftsbefehl darf erlassen

werden, solange nicht eine glaubwürdige Ursache, die durch den Eid

bestätigt worden ist, und der ~zu untersuchende~ Ort der zu

verhaftenden Person oder deren Effekten deutlich beschrieben worden

sind.

~Artikel 13.~ Der König leitet seine Regierung zum allgemeinen

Besten und nicht zum Vortheil, für die Ehre oder für das

persönliche Interesse irgend eines Menschen, einer Familie oder

Classe seiner Unterthanen.

~Artikel 14.~ Jedes Glied der menschlichen Gesellschaft hat

das Recht zu fordern, im vollen Genusse seines Lebens, seiner

Freiheit und in seinem Eigenthum durch das Gesetz geschützt zu

werden. Dafür ist jedes Glied derselben verpflichtet, seinerseits

einen im Verhältniss zur Bevölkerung des Landes auf ihn fallenden

Antheil für die erforderlichen Ausgaben, die dieser ihm gewährte

Schutz hervorruft, beizutragen und zwar entweder durch persönlichen

Dienst im Staate oder durch ein Aequivalent für denselben. Weder

das Eigenthum einer Person, noch ein Theil desselben darf zu

öffentlichen Zwecken ohne ihre Einwilligung oder den Befehl der

Legislatur genommen werden, es sei denn in Zeiten eines Krieges

oder einer Insurrektion zu militärischen Zwecken. Für jeden

Fall jedoch, wo zum allgemeinen Nutzen des Landes der Staat

die Aneignung des Eigenthumes einer Person erfordert, soll das

betroffene Individuum für den entstandenen Verlust angemessen

entschädigt werden.

~Artikel 15.~ Keine Subsidien, Abgaben oder Steuern -- welcher

Art sie auch seien -- sollen festgestellt oder erhoben werden,

keine Geldenthebungen aus dem Staatsschatze sollen stattfinden ohne

vorhergegangene Genehmigung der legislativen Versammlung; es sei

denn, dass in der Zwischenzeit der biennalen Sitzungen derselben

Kriegseventualitäten, Insurrektionen, Rebellionen, Pestilenzen

oder andere öffentliche Ereignisse sich einstellen, wo sodann die

Genehmigung des Cabinets und der Majorität des geheimen Conseils

in pleno entscheiden muss, und ist alsdann der Finanzminister

verpflichtet, eine detailirte Rechenschaft über die getroffenen

Massregeln und die entstandenen Ausgaben der nächsten legislativen

Versammlung vorzulegen.

~Artikel 16.~ Kein Gesetz soll eine zurückgreifende Wirkung in

Verfügungen haben.

~Artikel 17.~ Das Militär soll den Gesetzen des Landes

stets untergeordnet sein. Kein Soldat soll in Friedenszeit ohne

vorhergegangene Genehmigung des Besitzers in ein Haus einquartiert

werden. Nur in Kriegszeit wird hierin eine Ausnahme gemacht

und zwar sodann nur in einer von der legislativen Versammlung

vorgeschriebenen Art und Weise.

~Artikel 18.~ Jeder Wähler ist während der Wahlzeit, während

der Wahlsitzung und während der Zeit seiner Reise zu derselben

und zurück vom Arrest befreit mit Ausnahme bei Vergehen von

Hochverrath, Missethat und Bruch des öffentlichen Friedens.

~Artikel 19.~ Jeder Wähler ist am Tage der Wahlen von seiner

Militärpflicht entbunden, jedoch mit Ausnahme: in Zeiten des

Krieges oder öffentlicher Unruhe.

~Artikel 20.~ Die Obergewalt des Königreiches ist in 3 Theile

getheilt, der executiven, der legislativen und der gerichtlichen.

Die 3 Theile müssen stets klar von einander getrennt bleiben, daher

kein Richter eines Protokoll führenden Gerichtshofes ein Mitglied

der legislativen Versammlung sein darf.

~Artikel 21.~ Die Regierung des Königreiches soll unter

Sr. Majestät Kamehámehá V., seinen Erben und Nachfolgern eine

constitutionell-monarchische sein.

~Artikel 22.~ Die Krone ist hierdurch als beständig Sr.

Majestät Kámehámehá V. und seinen gesetzlich-ehelich erzeugten

Nachkommen direkter Linie confirmirt. In Ermangelung solcher

fällt die Krone auf Ihre königliche Hoheit die Prinzessin

Victoria-Kamamalú-Kaahúmanú und deren leibliche, gesetzliche

Nachkommen in direkter Linie. Das Nachfolgerrecht fällt auf das

älteste männliche Kind und dessen Nachfolger, in Ermangelung eines

männlichen Kindes auf die älteste Tochter und ihre leiblichen

Nachkommen. Falls gar keine Nachkommen vorhanden, fällt das

Recht auf eine vom König oder der Königin gewählte und vom Adel

bewilligte Persönlichkeit, und muss eine solche schon vor dem Tode

des regierenden Hauptes als Nachfolger proklamirt worden sein.

In Ermangelung einer solchen Wahl oder Proklamation vor dem Tode

des regierenden Hauptes muss gleich nach dem Tode desselben das

Conseil die legislative Versammlung berufen, die alsdann durch ein

Ballotement einen eingeborenen Nobeln („Alii“) als König wählen.

Ein solcher Gewählter beginnt alsdann eine neue Dynastie, und er

gleichwie seine Nachfolger müssen sich nach den gegenwärtigen

Gesetzen der königlichen Familien reguliren.

~Artikel 23.~ Es ist ungesetzlich, dass ein Glied der

königlichen Familie von Hawaii, welches ein Anrecht auf die

Thronfolge hat oder möglicherweise einmal haben kann, eine Ehe ohne

die Genehmigung des regierenden Oberhauptes schliesst. Ein jedes

solches Glied demnach, welches ohne die Genehmigung des regierenden

Oberhauptes eine Ehe schliesst, soll durch eine Proklamation des

regierenden Herrschers des Nachfolgerrechtes auf den Thron von

Hawaii verlustig erklärt werden, und sein Recht geht alsdann nach

früher erwähnter Ordnung auf seine Erben über.

~Artikel 24.~ „Se. Majestät Kamehámehá V. „will“ und seine

Nachkommen, die den Thron besteigen, „sollen“ den folgenden Eid

leisten:

ich schwöre feierlichst in Gegenwart des allmächtigen Gottes, die

Constitution des Königreiches im vollsten Sinne und unverbrüchlich

zu erhalten und in Uebereinstimmung mit derselben zu regieren.“

~Artikel 25.~ Keine Person darf den Thron einnehmen, der

wegen eines verächtlichen Verbrechens schuldig erklärt worden,

geisteskrank oder Idiot ist.

~Artikel 26.~ Der König ist der Oberbefehlshaber der Armee und

Flotte, wie auch aller militärischen Körperschaften des Königreichs

auf dem Lande und zur See. Er hat eine unbeschränkte Gewalt für

sich und ebenfalls für die Offiziere, denen er die Leitung und

Einübung der verschiedenen militärischen Körperschaften nach

eigenem Gutdünken zur richtigen Vertheidigung und Beschützung des

Königreiches übertragen hat. Der König darf nie einen Krieg ohne

Genehmigung der legislativen Versammlung erklären.

~Artikel 27.~ Der König hat mit dem Rath des geheimen Conseils

das Recht der Begnadigung und Verzeihung für jedes gerichtlich

entschiedene Vergehen mit Ausnahme von Fällen öffentlicher Anklage.

~Artikel 28.~ Der König hat mit der Berathung seines

geheimen Conseils resp. durch dasselbe das Recht, die legislative

Versammlung an den Ort des Regierungssitzes oder an einen anderen

ihm beliebigen Ort zu berufen, im Falle das Land Feinde oder

irgendwelche andere Ursachen mit Gefahr bedrohen. Er hat das

Recht, wenn sich nicht Uebereinstimmungen zwischen ihm und der

legislativen Versammlung zeigen, letztere zu verlängern, zu

vertagen oder aufzulösen. Die Verlängerung oder Vertagung darf aber

nie die nächste ordinäre Sitzung der Versammlung überschreiten. In

ganz besonderen Umständen kann er eine extraordinäre Sitzung der

legislativen Versammlung berufen.

~Artikel 29.~ Der König hat die Gewalt, Verträge

abzuschliessen. Die Verträge, die eine Aenderung der bestehenden

Tarife und Gesetze des Königreichs erfordern, bedürfen jedoch der

Genehmigung der legislativen Versammlung. Der König ernennt seine

Minister, die angemessen den Gebräuchen und Gesetzen der Nation von

ihm bevollmächtigt, beglaubigt und instruirt sein müssen.

~Artikel 30.~ Der König hat das Prärogativ, die Minister zu

empfangen und anzuerkennen, die Legislatur durch eine königliche

Botschaft von Zeit zu Zeit über den Zustand des Königreichs zu

informiren und die ihm für nothwendig und rathsam erachteten

Massregeln derselben zur Berücksichtigung anzuempfehlen.

~Artikel 31.~ Die Person des Königs soll unverletzlich und

heilig sein. Seine Minister sind verantwortliche. Dem König ist die

executive Gewalt übertragen. Alle Gesetze, die in der legislativen

Versammlung adoptirt worden, erfordern die Unterschrift Sr.

Majestät zu ihrer Gültigkeit.

~Artikel 32.~ Im Falle nach dem Tode des regierenden

Herrschers der Thronerbe jünger denn 18 Jahre, soll die königliche

Gewalt von einem Regenten oder einem Regierungs-Concilium, wie

folgend auseinandergesetzt, ausgeübt werden:

~Artikel 33.~ Es soll dem König gesetzlich sein, dass wenn

er sich vom Königreiche entfernen will, er einen Regenten oder

ein regierendes Concilium ernennt, um die Regierung in seinem

Namen zu verwalten. Desgleichen kann der König testamentarisch

einen Regenten oder ein Concilium zur Verwaltung der Regierung

während der Unmündigkeit eines Thronerben ernennen. Sollte

ein Herrscher sterben, dessen Thronerbe unmündig ist, ohne

einen testamentarischen Willen hinterlassen zu haben, so

fällt die Ausübung der königlichen Gewalt auf das bestehende

Cabinet-Concilium und bleibt vom Augenblick des Todes des

Herrschers bis zur sofortigen Einberufung der legislativen

Versammlung in seinen Händen. Die legislative Versammlung ernennt

alsdann durch ein Ballotement einen Regenten oder ein regierendes

Concilium zur Verwaltung des Reiches im Namen des verstorbenen

Königs. Diesem Regenten oder Concilium wird alsdann die einem

constitutionellen Könige zustehende Gewalt und Rechte bis zum 18.

Jahre d. h. bis zur Volljährigkeit des unmündigen Königs übertragen.

~Artikel 34.~ Der König ist über alle Nobeln („Aliis“) und das

Volk Souverän. Das Königreich ist sein.

~Artikel 35.~ Alle Ehrentitel, Orden und sonstige

Auszeichnungen verleiht der König.

~Artikel 36.~ Der König prägt Münzen und regelt den Cours nach

dem Gesetz.

~Artikel 37.~ Der König hat die Gewalt im Falle einer Invasion

oder Rebellion das ganze Königreich oder Theile desselben unter

Kriegsrecht zu stellen.

~Artikel 38.~ Die nationale Standarte darf nur durch einen Akt

der legislativen Versammlung verändert werden.

~Artikel 39.~ Des Königs Privatland oder anderes Eigenthum ist

unantastbar.

~Artikel 40.~ Den König darf kein Gerichtshof oder Richter

seines Reiches belangen oder verantwortlich machen.

~Artikel 41.~ Das Staats-Concilium soll wie bisher

fortbestehen und soll in allen das Vermögen des Staates

betreffenden Geschäften als Assistenz in der Administration

der executiven Angelegenheiten und als Rathgeber des Königs --

wenn er ihren Rath fordert -- laut der Direktion des Königs

dem Lande dienen. Dieses Concilium soll demnach benannt sein:

„the kings Privy Council of State“ (d. h. „das königliche

Geheim-Staats-Concilium“). Die Mitglieder desselben werden nach

Belieben des Königs ernannt und bleiben im Amte, so lange es der

König will.

~Artikel 42.~ „the kings Cabinet“ (d. h. „das königliche

Cabinet“) soll bestehen aus den Ministern des Aeussern, des Innern,

der Finanzen und dem General-Rechtsanwalt des Königreichs. Diese

Sr. Majestät speciellen Rathgeber in den executiven Angelegenheiten

des Königreichs sollen ex officio Mitglieder auch des geheimen

Conciliums des Staates sein. Sie werden vom König ernannt und

bevollmächtigt. Sie leiten ihr Amt nach dem Belieben des Königs.

Sie sind der öffentlichen Anklage unterworfen. Kein Akt des Königs

soll Wirkung haben, ohne die Contra-Signatur eines Ministers,

welcher alsdann für die Folgen des Aktes verantwortlich wird.

~Artikel 43.~ Jedes Glied des königlichen Cabinets hat

in der Residenz der Regierung ein specielles Amtslokal, ist

verantwortlich für das Betragen seiner Repräsentanten und Beamten.

Die Minister haben als Noble („Alii“) das Recht auf Anspruch eines

ex officio-Sitzes in der legislativen Versammlung.

~Artikel 44.~ Der Minister der Finanzen soll im Namen der

Regierung der legislativen Versammlung am ersten Tage ihrer

jedesmaligen Zusammenkunft das Finanz-Budget in hawaii’scher und

englischer Sprache vorlegen.

~Artikel 45.~ Die legislative Gewalt der drei Stände des

Königreiches bildet der König und die legislative Versammlung.

Die legislative Versammlung besteht aus dem vom König gewählten

Adel (Noble) und den Delegirten des Volkes, welche ihre Sitzungen

zusammen halten.

~Artikel 46.~ Die legislative Körperschaft soll sich alle zwei

Jahre im Monat April versammeln und desgleichen zu jeder andern

Zeit, wenn es der König zur Wohlfahrt der Nation für erforderlich

erachtet. Diese Körperschaft soll benannt werden, „the Legislature

of the Hawaïaan kingdom“ (d. h. „die Legislatur des Königreichs von

Hawaii“).

~Artikel 47.~ Jedes Glied der legislativen Versammlung ist

verpflichtet, folgenden Eid zu leisten: „Ehrfurchtsvoll schwöre

ich in Gegenwart des Allmächtigen Gottes, dass ich treu die

Constitution des Hawaii-Königreichs unterstützen und gewissenhaft

als auch unparteiisch meine Pflicht als Glied der Versammlung

ausüben will.“

~Artikel 48.~ Die Legislatur hat die volle Gewalt und

Autorität zur Verbesserung der Constitution laut den nachfolgenden

Regeln, hat die Gewalt, von Zeit zu Zeit wohlthuende Gesetze zu

schaffen, die jedoch den Verordnungen der Constitution nicht

widersprechen dürfen.

~Artikel 49.~ Jeder Gesetzentwurf und jede Resolution der

legislativen Versammlung erfordern zu ihrer Wirksamkeit die

Billigung des Königs durch seine Unterschrift, die daher vor dem

endlichen Beschlusse der Legislatur stattgefunden haben muss.

In dem Falle, dass der König gegen einen solchen Gesetzentwurf

oder eine solche Resolution gestimmt, sendet er selbigen oder

selbige der Legislatur zurück, die alsdann diesen Akt des Königs

in ihr Journal einträgt und diesen vom König zurückgewiesenen

Gesetzentwurf oder zurückgewiesene Resolution in derselben Sitzung

nicht mehr wieder vorbringen darf.

~Artikel 50.~ Die legislative Versammlung ist die richtende

Gewalt über die Qualification ihrer Mitglieder; nur eine Majorität

constituirt erst ein „quorum“ zum Geschäftsgange derselben. Eine

Minorität vertagt die Sitzung von Tag zu Tag, beruft die fehlenden

Mitglieder in einer ihnen beliebigen Art und Weise und sub ihnen

beliebigen Straferhebungen gegen dieselben.

~Artikel 51.~ Die legislative Versammlung wählt ihre Beamten

und regelt ihren Geschäftsgang selbst.

~Artikel 52.~ Die legislative Versammlung soll die Macht

haben, Gefängnissstrafen -- jedoch nicht über die Dauer von 30

Tagen -- gegen Personen, die keine Mitglieder der Versammlung sind

und die in ihrem Betragen Mangel an Achtung, ein unordentliches,

verachtendes Benehmen gegen dieselbe oder in Gegenwart der

Versammlung sich erlaubt haben, während der Sitzung der Versammlung

falsche Rapporte über die Discussion oder den Geschäftsgang

derselben oder beleidigende Commentirungen über Aussprüche und

Handlungen der Versammlung oder über ein oder mehrere Mitglieder

derselben, in einer Art, die der Körperschaft oder dem Stande

derselben zu schaden drohen, veröffentlicht haben, oder im Falle

eines Ueberfalles eines Mitgliedes der Versammlung oder im

Falle eines Ueberfalles oder einer Arretirung eines Zeugen oder

einer anderen Person, die auf ihrem Hin- oder Rückwege sich zur

Versammlung zu stellen berufen war, oder im Falle einer gewaltsamen

Befreiung eines durch den Befehl der Versammlung Arretirten, zu

verfügen.

~Artikel 53.~ Die legislative Versammlung soll die Macht

haben, ihre Beamten für ungebührliches Benehmen zu bestrafen.

~Artikel 54.~ Die legislative Versammlung soll ein Journal

über ihren Geschäftsgang führen und in dasselbe die „Ja“ und

„Nein“ ihrer Mitglieder für jede Frage, wenn es ein Fünftel der

Versammlung fordert, eintragen.

~Artikel 55.~ Die Glieder der legislativen Versammlung

sollen in allen Fällen -- mit Ausnahme der des Hochverrathes, der

Lehensuntreue und des Friedensbruches -- vom Arrest während der

Dauer der Sitzung der Versammlung und während der ihrer Hin- und

Rückreise befreit sein und sollen vor keinem andern Gerichtshofe

oder Richterstuhl für ihre auf der Versammlung gehaltenen Reden und

Debatten zur Verantwortung gezogen werden.

~Artikel 56.~ Die Repräsentativen sollen für ihre Dienste

eine gesetzlich festgestellte Entschädigung aus dem Staatsschatze

(„Public treasury“) erhalten. Die Entschädigung darf im Laufe des

Jahres nicht mehr erhöht werden. Kein Gesetz darf die Summe von

250 Dollar pro Sitzung als Entschädigung für einen Repräsentanten

überschreiten.

~Artikel 57.~ Der König wählt den sogenannten Adel („Nobles“)

lebenslänglich. Diese erhalten ihren Gehalt lebenslänglich und

sind dem Artikel 53 unterworfen. Die Zahl derselben darf nicht 20

übersteigen.

~Artikel 58.~ Keine Person soll zum Noblen ernannt werden,

die nicht das 21. Jahr erreicht und nicht 5 Jahre im Königreiche

wohnhaft gewesen ist.

~Artikel 59.~ Die Noblen sollen einen Gerichtshof („court“)

bilden, vor welchem als dem Ober-Untersuchungsgericht des

Königreichs („the grand inquest of the Kingdom“) alle öffentlichen

Anklagen der Repräsentativen gegen Beamte des Königreichs wegen

Misshaltens oder Uebelverwaltens ihrer Aemter vorgebracht werden

sollen und dem die selbstständige und vollständige Gewalt

hiermit gegeben wird, alle Beschwerden dieser Art zu hören und

zu determiniren. Vor jedem Verhör und zwar vor jeder einzelnen

öffentlichen Anklage sollen die Nobeln daraufhin vereidigt

werden, dass sie treu und unparteiisch die resp. Anklage laut den

Gesetzen des Landes und der erforderlichen Beweise prüfen und

determiniren werden. Das Urtheil dieses Untersuchungsgerichtes soll

nur die Competenz haben, den „schuldig“ Erklärten von seinem Amte

oder seiner Stellung zu entlassen, ihn als unfähig zu erklären,

irgend welchen Ehren-, Vertrauens-, Einkommensposten unter der

gegenwärtigen Regierung zu bekleiden und zu geniessen. Ein derart

Verurtheilter soll jedoch nichts desto weniger einer weiteren

Anklage, Untersuchung, Verurtheilung und Bestrafung laut den

Gesetzen des Landes unterworfen werden. Die Minister sollen als

Noble keinen Sitz unter denselben während des Verhörs einer solchen

einnehmen.

~Artikel 60.~ Die Repräsentation des Volkes soll auf dem

Princip der Gleichheit basirt sein und wird durch die Legislatur

im Verhältniss zur Zahl der Bevölkerung regulirt und vertheilt.

Das Verhältniss derselben soll durch einen von Zeit zu Zeit

stattfindenden öffentlichen Census der Bevölkerung festgestellt

werden. Repräsentanten sollen nicht unter 24 und nicht über 40

sein. Sie werden auf zwei Jahre gewählt.

~Artikel 61.~ Keine Person soll als Repräsentant des Volkes

gewählt werden, die geisteskrank oder Idiot, die nicht ein

männlicher Unterthan des Königsreichs, die nicht das 21. Jahr

überschritten, die nicht lesen, schreiben und rechnen kann, die

nicht 3 Jahre im Königreiche wohnhaft gewesen, die nicht ein

Grundeigenthum im Königreiche und zwar im Nettowerth von 500 Dollar

besitzt oder ein jährliches Einkommen von mindestens 250 Dollar aus

irgend einem Besitz oder gesetzlichen Geschäfte bezieht.

~Artikel 62.~ Jeder männliche Unterthan des Königreichs, der

seine Steuern bezahlt hat, das 21. Lebensjahr überschritten und ein

Jahr vor den Wahlen im Königreiche domicilirt und einen Grundbesitz

im Königreiche im Nettowerth von 150 Dollar oder eine Pachtstelle,

deren Rente 25 Dollar jährlich beträgt, oder eine Einnahme von

mindestens 75 Dollar jährlich aus einem Eigenthum oder gesetzlichen

Geschäft erzielt und zu schreiben, zu lesen und zu rechnen versteht

(dieses im Fall derselbe nach 1840 geboren) und wenn er darum

nachgesucht hat, seinen Namen in die Liste der Wähler seines

Distriktes einzuschreiben und derselbe faktisch eingetragen ist,

hat das Recht, eine Stimme für die Wahl des Repräsentanten oder der

Repräsentanten seines Distriktes abzugeben. Ausserdem wird verfügt,

dass der Wähler nicht geisteskrank, Idiot oder eines im Königreiche

begangenen Verbrechens erwiesen sein darf, es sei denn, dass er im

letzteren Falle vom König begnadigt und ausdrücklich wieder in alle

seine Rechte als Unterthan rehabilitirt worden ist, wonach er zur

Wahl wieder Berechtigung hat.

~Artikel 63.~ Die Eigenthums-Qualification der Repräsentativen

des Volkes und der Wähler darf nur durch ein Gesetz „erhöht“ werden.

~Artikel 64.~ Die richterliche Gewalt des Königreiches soll

im Obergericht („Supreme court“) und in den von der Legislatur von

Zeit zu Zeit zu etablirenden Untergerichtshöfen sich befinden.

~Artikel 65.~ Das Obergericht soll aus dem Oberrichter

(„chief justice“) und mindestens zwei Richteradjunkten („associate

justice“) bestehen. Die Richter des Obergerichtes sollen die

Sitzungen in anständigem Benehmen erhalten und leiten. Sie sollen

in Folge öffentlicher Anklage der Absetzung unterworfen sein. Sie

sollen für ihren Dienst eine Compensation erhalten, die während

ihrer Dienstzeit nicht verringert werden darf. Es wird hiermit

festgesetzt, dass ein Richter des Obergerichtes oder irgend eines

anderen Protokoll führenden Gerichtshofes nur durch die Resolution

von 2/3 der Stimmen der vollzähligen legislativen Versammlung

und mit der Sanction des Königs abgesetzt werden kann. In einem

solchen Falle muss jedoch dem betreffenden Richter die Resolution

der legislativen Versammlung mit genauer Angabe der Motive seiner

Absetzung nebst einer Copie des Urtheils mindestens 10 Tage vor

dem Termin, an welchem die Versammlung das Urtheil effektuiren

lassen will, benachrichtigt werden. Er soll das Recht haben vor der

legislativen Versammlung alsdann gehört zu werden.

~Artikel 66.~ Die richterliche Gewalt soll auf das Obergericht

und die verschiedenen Untergerichtshöfe des Königreichs in einer

Art und Weise vertheilt sein, dass die Legislatur von Zeit zu Zeit

ihnen Vorschriften erlassen kann. Die Haltung der Behörden der

untergeordneten Gerichtshöfe des Königreichs soll eine laut den

bestehenden Gesetzen entscheidende sein.

~Artikel 67.~ Die gerichtliche Gewalt soll in allen

Rechtsfällen und Fällen der Gerechtigkeit, die unter der

Constitution und den Gesetzen des Königreiches entstehen, ferner

in Abschlüssen von Verträgen oder bei Verträgen, die unter

ihrer Autorität abgeschlossen worden, desgleichen in allen, die

öffentlichen Minister und die Consuln berührenden Fällen, sowie in

allen Eventualitäten der Admiralitäts- und Marine-Jurisdiktion als

competent angesehen werden.

~Artikel 68.~ Der Oberrichter des Obergerichtes soll zugleich

der Kanzler des Königreiches sein. Er soll ex officio als Präsident

der Noblen in allen öffentlichen Anklagen, solange er nicht selbst

angeklagt ist, fungiren. Er soll diese Jurisdiktion gleichwie alle

anderen Fälle nach den Bestimmungen des Gesetzes ausüben. Sein

Urtheil in diesem Falle ist zu einer Revision im Obergerichte

appellabel. Sollte der Oberrichter selbst der öffentlich Verklagte

sein, so präsidirt das Untersuchungsgericht während der Dauer

seines Verhörs eine hierzu vom König ernannte Persönlichkeit.

~Artikel 69.~ Die Decision, d.h. das Urtheil des

Obergerichtes, wenn es die der Majorität der Richter ist, soll

inappellabel und endgiltig sein.

~Artikel 70.~ Der König, sein Cabinet und die legislative

Versammlung sollen die Autorität haben, von den Richtern

des Obergerichtes in wichtigen Rechtsfragen und feierlichen

Gelegenheiten deren Ansicht zu fordern.

~Artikel 71.~ Der König ernennt die Richter des

Obergerichtes, desgleichen alle Richter der Protokoll führenden

Gerichtshöfe („courts of record“), deren Gehalt gesetzlich

festgestellt ist.

~Artikel 72.~ Kein Richter, keine Magistratsperson darf

allein einer Appellation oder einem Verhöre in einer Rechtsfrage

vorsitzen, über die er schon früher ein Urtheil ausgesprochen hat.

~Artikel 73.~ Keine Person soll im Königreiche Hawaii je

ein Ehren-, Vertrauens- oder Einnehmer-Amt bekleiden, die auf

gesetzlichem Wege des Diebstahles, der Bestechung, des Meineides,

der Fälschung, Veruntreuung oder anderer grösserer oder kleinerer

Verbrechen überfuhrt worden ist, es sei denn, dass der König

dieselbe begnadigt und in ihre Civilrechte restituirt hat und dass

in der Begnadigungsurkunde die Wiederberechtigung einer solchen

Person zum Bekleiden von Ehren-, Vertrauens- oder Einnehmerämtern

deklarirt ist.

~Artikel 74.~ Kein Beamter dieser Regierung darf ein Amt unter

einer andern Regierung oder Macht bekleiden oder irgend welches

Gehalt oder was es immer sein möge von einer solchen empfangen.

~Artikel 75.~ Die Legislatur soll alle 2 Jahre nach

vorhergegangener genauer Prüfung der Revenuen und Ausgaben der 2

verflossenen und der Aestimation der approximativen Revenuen und

Ausgaben der 2 folgenden Jahre ihre Bewilligungen votiren. Die

erwähnte Aestimation soll ihr vom Finanzminister vorgelegt werden.

~Artikel 76.~ Der Stil im Verfertigen und Bestätigen der

Verfügungen aller Urkunden und Gesetze soll sein: „Es sei demnach

verfügt durch den König und die legislative Versammlung der

Hawaii-Inseln in der versammelten Legislatur des Königsreichs,

dass....“

~Artikel 77.~ Um jeden unpassenden Einfluss zu vermeiden, der

durch das Vermischen in ein und derselben Urkunde von Sachen, die

in keiner passenden Relation zu einander stehen, hervorgerufen

werden könnte, so wird bestimmt, dass jeder Akt nur ein Objekt

enthalten und dieses Objekt den Titel der Urkunde bilden soll.

~Artikel 78.~ Alle gegenwärtig in Kraft stehenden Gesetze

des Königreichs sollen in ihrer vollen Wirksamkeit noch weiterhin

bestehen, so lange dieselben von der Legislatur nicht verändert

oder widerrufen worden sind mit Ausnahme der Gesetze, die im

Widerspruch zu dieser Constitution stehen. Alle bisher verfügten

Gesetze, desgleichen die, die in Zukunft verfügt werden könnten,

sind hiermit, wenn sie im Widerspruche zu dieser Constitution sich

erweisen, als null und nichtig erklärt.

~Artikel 79.~ Diese Constitution soll vom 20. Tage des

August im Jahre 1864 in Kraft treten. Damit durch den Wechsel

Keinem Ungerechtigkeit, dem Königreiche keine Unbequemlichkeiten

entstehen, so wird hiermit verfügt: dass alle Beamte des

Königreichs von der Zeit des Inkrafttretens dieser Constitution

an bis zur Zeit, wo neue Beamte an ihre Stelle gewählt werden,

ihre Stellung, ihre Wirksamkeit und die ihnen zuerkannte Macht

beibehalten.

~Artikel 80.~ Ein Amendement oder Amendements jeder Art

zu dieser Constitution können der legislativen Versammlung

vorgeschlagen werden und im Falle, dass solchen die Majorität der

Mitglieder derselben zustimmt, muss ein solches vorgeschlagenes

Amendement in das Journal der legislativen Versammlung mit

namentlicher Anführung der „Ja“ und „Nein“ ihrer Mitglieder

eingetragen und alsdann an die nächste Sitzung der Versammlung

verwiesen werden. Ein solches Amendement soll 3 Monate vor der

nächsten Neuwahl der Repräsentativen als Proposition publicirt

werden. Wenn in der nächsten Legislatur ein solches proponirtes

Amendement durch 2/3 der Stimmen der vollzähligen legislativen

Versammlung angenommen und vom König bewilligt worden ist, so wird

ein solches Amendement ein Theil der Constitution dieses Landes.

~Kamehámehá~ R.

Nachdem durch diesen sehr gewandten und muthigen Staatsstreich des

Königs und nachdem die neue Constitution in Kraft getreten, und er

zum Wohle des Landes und dessen Entwickelung eine einflussreiche

und starke Opposition besiegt hatte, legten weder er noch seine

Minister die Hände in den Schooss, sondern begannen mit Eifer den

errungenen Vortheil auszunutzen, um die Umgestaltung des Staates und

die Reorganisirung seiner Verhältnisse gemäss der neuen Constitution

möglichst rasch zu bewerkstelligen. Das Finanzwesen wurde mit Energie

vorgenommen, und binnen kurzer Zeit war die Staatsschuld bedeutend

verringert -- ein Resultat des Finanzministeriums, welches die stärkste

Waffe gegen die für die nächsten Wahlen sehr regsam unter dem Volke

wirkende Opposition wurde.

Das Resultat der Wahlen fiel günstig für die Regierung aus,

da Honolulu, Lahaïna und Hilo eine Majorität regierungstreuer

Repräsentanten stellten.

Die Vorlagen zur nächsten Sitzung der legislativen Versammlung häuften

sich durch Gesetze, die im Widerspruch zur neuen Verfassung standen,

und daher einer Umgestaltung unterworfen werden sollten. Unter den

Hauptvorlagen waren solche, die die Zuckerrohrplantagen, das Schulwesen

und namentlich die Einwanderung betrafen.

Die Versammlung wurde den 15. Oktober 1864 durch den König in demselben

Saale, wo die Sitzung des aufgeregten Convents den 13. Juni des Jahres

stattgefunden hatte, eröffnet.

Der Sinn der königlichen Eröffnungsrede bestand hauptsächlich in der

Aufforderung, dass die Versammlung einig, ohne persönlichen Hass,

Parteihader und Streit sich an die Debatten mache. Ferner sagte er,

dass er nicht der Ansicht sei, dass die neue Constitution gar keiner

Verbesserungen bedürfe, obgleich er der festen Ueberzeugung sei, dass

dieselbe mit grösster Sorgfalt redigirt und revidirt worden und dass

alle Punkte derselben mit grösster Genauigkeit geprüft und debatirt

worden sind. Er wiederholte die von ihm den 13. August des Jahres

übernommenen Verpflichtungen, nämlich, dass wenn sein Volk durch

die Repräsentative ihm den Wunsch äussern würde, die Constitution

des Reiches zur Vervollständigung derselben einer Revision zu

unterwerfen, er nicht nur hierzu seine Genehmigung, sondern auch

seine eifrigste Mitwirkung geben wolle. In Kurzem schilderte er die

günstige Stellung des Reiches den ausländischen Mächten gegenüber.

Er betonte den günstigen Stand der Finanzen des Reiches, der durch

den Rechenschaftsbericht, den der Finanzminister mit dem Budget der

Einnahmen und Ausgaben des Reiches der Versammlung vorlegen wird,

derselben den erfreulichen Beweis zeigen wird, dass der günstige

Finanzstand keine Erhöhungen der Steuern, keine Anleihe erfordert

und dass der Export des Landes derart sich gehoben, dass er mit dem

Import sehr bald sich gleichstellen wird. Dem folgte eine kurze, jedoch

klare Definition der der Versammlung zur Begutachtung und zur Debatte

vorgelegten Gesetzentwürfe, unter denen er namentlich denjenigen

der öffentlichen Erziehung und der Einwanderung auf das Wärmste zu

berücksichtigen empfahl.

Als der König die Versammlung für eröffnet erklärt hatte und den Saal

verliess, wurde er mit enthusiastischem Applaus und Hochrufen begrüsst,

sodass die Gegenwart einer Opposition im Saale kaum zu bemerken

war. Der Muth des Königs am 13. August des Jahres, seine ruhige,

verständige, in keiner Weise siegesbewusste Rede des gegenwärtigen

Tages, hatten die allgemeine Sympathie erweckt und seine Gegner

zum Schweigen gezwungen. Die formelle Antwort der Versammlung auf

die Rede des Königs war demnach in allen Punkten ihm und seiner

Regierung beistimmend und enthielt Beglückwünschungen für die weise,

wohlbedachte neue Constitution und den Ausdruck der Bereitwilligkeit

der Versammlung, sich in jeder Beziehung seiner Anschauungsweise

anzuschliessen.

Die Versammlung von 1864 begann ihre Sitzung unter dem günstigen

Eindruck der befriedigenden Resultate des Finanzbudgets. Dank diesem

Eindrucke wurden sämmtliche Gesetzvorschläge der Regierung diversen

Comités zur Ausarbeitung übergeben.

Ueber den Antrag eines Mitglieds der Versammlung entstand eine

bedeutende Meinungsverschiedenheit sogar unter den im Uebrigen

einig denkenden Ministern. Es war der, welcher die Abolition des

bestehenden höchst weisen Gesetzes befürwortete, welches den Verkauf

von Spirituosen an Eingeborene verbot und unbedingt zur Erhaltung der

Nation und zur Hemmung der abnormen Sterblichkeit erforderlich war. Das

Ballotement ergab 26 Stimmen gegen und 11 Stimmen für den Antrag, und

somit blieb das Gesetz, sich in der Zukunft als günstig bewährend, in

Kraft.

Im Dezember 1864 eröffnete der König die Korrektionsschule in Kapalama

bei Honolulu.

Nach der Prüfung des Finanzbudgets des Inselreiches, welches einen

Ueberschuss von circa 400,000 Dollar aufwies, wurde dasselbe ohne

Modification von der Versammlung begutachtet. Den 8. Januar meldete

die Versammlung dem Könige die Beendigung ihrer Arbeiten, und den 10.

Januar vertagte Se. Majestät die Versammlung bis zu ihrer nächsten

Sitzung. In seiner Rede beglückwünschte er die Versammlung und

sich hinsichtlich der herrschenden Einigkeit der Regierung und der

Repräsentanten des Volkes und gab seine Zustimmung zu allen von der

Versammlung adoptirten Massregeln.

In Folge des Beschlusses der legislativen Versammlung war ein

Einwanderungscomité ernannt worden, welches sofort Schritte nach China,

Japan, Manilla und nach Ostindien machte, um zum Anbau des Zuckerrohres

hauptsächlich und zur Anlage von Reis- und Kaffeeplantagen geeignete

Arbeitskräfte zu schaffen.

In kurzer Zeit erschienen tausende von Chinesen, die sogleich Arbeit

fanden und bald fühlbar den Nutzen ihrer Einwanderung bewiesen.

Der Muth der Plantagenbesitzer, der zeitweilig durch vollständigen

Mangel an Arbeitern gesunken war, hob sich wieder sichtlich. Die

Wiedererweckung des Unternehmungsgeistes wirkte belebend auf das ganze

Land. Meliorationen, Wegebau, Verbesserungen der Verbindungsstrassen

etc. brachten Leben und Treiben unter die Bevölkerung, und wie aus

einem Traum erwacht erstand wieder reger Handel und Verkehr, und

die Production des Landes nahm bald derart zu, dass man an eine

Vergrösserung des Zollhauses, die Vervielfältigung der Werften, die

Vermehrung der regelmässigen Verbindungsmittel der verschiedenen Inseln

untereinander und mit den continentalen Ländern ernstlich denken musste.

Der Hafen von Honolulu wurde demnach gründlich vorgenommen und ist --

wenn auch klein, sodoch -- zur sichersten und bequemsten Einfahrt der

Inseln des Stillen Oceans geworden.

Das „Comité für Emigranten“ bestand aus dem Minister des Innern Mr.

Hutchison als Präsidenten, C. R. Bischop, C. C. Harris (später Minister

der Finanzen), D. Kalakaua (späterem Könige des Reichs) und Dr. W.

Hildebrand als Glieder derselben.

Infolge einer früheren Einladung der Königin Victoria von England

entschloss sich die Königin-Wittwe Emma im Mai 1865, eine Reise über

Amerika nach England zu unternehmen. Ihr Begleiter sollte der Minister

des Innern Mr. Hopkins sein, an dessen Stelle der König M. W. F.

Hutchison, einen Engländer von Geburt und Anti-Amerikaner im Princip

ernannte.

Am 19. October 1865 starb der Minister der auswärtigen Angelegenheiten

M. Wyllie im Alter von 67 Jahren nach einem dem Lande unvergesslich

nützlichen und an Thaten reichen Leben. An seine Stelle wurde der

bisherige Minister der Finanzen und Freund des Königs, de Varigny,

und an dessen Stelle der bisherige Generalrechtsanwalt C. C. Harris

als Minister der Finanzen und an dessen Stelle E. H. Phillips den 20.

Dezember 1865 ernannt. Als Oberrichter blieb der frühere E. H. Allen,

als erster Richter M. G. Robertson und als zweiter Richter H. A.

Wiedemann.

Den 25. April 1866 eröffnete der König die legislative Versammlung

und schilderte in seiner Rede seine Zuversicht auf die Zunahme des

bedeutenden Progresses des Landes, drückte in derselben seine Freude

über die progressive Zunahme des Handels im Reiche aus, betonte

namentlich das wohlthuende Einverständniss, welches unter seinen

Ministern bestehe, und sprach seine feste Hoffnung aus, dass auch die

legislative Versammlung einig den erfreulichen Resultaten der Regierung

beistimmen wird.

Zu bemerken wäre hier, dass im verflossenen Jahre der Export an Zucker

3 Millionen Dollar ergab, während 1860 derselbe nur 600,000 Dollar

betrug.

Den 29. Mai 1866 starb die Schwester des Königs, die Thronfolgerin

Victoria Kamamalú Kaahúmanú im Alter von 27 Jahren unverheirathet,

daher kinderlos.

Die wichtigsten Angelegenheiten der legislativen Versammlung von 1866

waren 1) die Veränderungen in dem 1857 auf 10 Jahre mit Frankreich

geschlossenen 1867 ablaufenden Handelsvertrag und 2) der Antrag eines

Vertrages mit den Vereinigten Staaten, durch welchen entweder die freie

Einfuhr des Hawaii’er Zuckers nach Californien und Oregon ermöglicht

oder mindestens eine feste Steuer auf denselben, um den beständigen

eventuellen Schwankungen des Zolltarifes zu entgehen, bezweckt werden

sollte.

Die legislative Versammlung von 1866 stimmte sämmtlichen Anträgen der

Regierung bei und accreditirte die Ministerien für die Ausführung der

verschiedenen durch dieselben entstehenden Arbeiten und die Einführung

dem Lande passender Arbeitskräfte. Sie erhöhte um Bedeutendes die

Subventionen öffentlicher unentgeltlicher Erziehungsanstalten des

Landes.

Den 27. meldete die Versammlung den Schluss ihrer Arbeiten, und den 28.

vertagte der König dieselbe, in seiner Rede wiederum seine Freude und

Zufriedenheit über die herrschende Einigkeit der Regierungsorgane des

Landes kund gebend.

In Folge der Beschlüsse der legislativen Versammlung wurde der

bevollmächtigte Agent des Königreichs in Washington Mr. Cooke

beauftragt, die erforderlichen Schritte zur Abschliessung eines

Vertrages mit den Vereinigten Staaten wie vorgehend erwähnt zu thun.

Den 20. October 1866 kehrte die Königin-Wittwe Emma von ihrer Reise

glücklich wieder heim und wurde mit Jubel und mehrere Wochen dauernden

Festlichkeiten empfangen, die noch glanzvoller für den Admiral Thatcher

und die Offiziere des Admiralschiffs der Vereinigten Staaten, mit

welchem die Königin-Wittwe zurückgekehrt war, veranstaltet wurden.

Der Aufenthalt dieses Kriegsschiffes zog sich jedoch so auffallend

in die Länge, dass er den Anschein einer politischen Ueberwachung

zu haben begann. Obgleich der Admiral sich sehr eingenommen für

die Einrichtungen des Landes aussprach, sogar seinen zahlreichen

Landsleuten der Opposition den Rath gab, den oppositionellen Geist

aufzugeben und in Friede und Einigkeit und Hand in Hand mit der

gegenwärtigen Regierung, die es so wohl mit dem Lande und ihnen meint,

zu leben und zu wirken, und obgleich dieser Rath eine gewisse Wirkung

auf jene hervorzubringen schien, blieb dennoch dem Lande das Gefühl des

Unbehagens und Misstrauens.

Im Beginn des Jahres 1867 gab die Regierung der Vereinigten Staaten

durch Cooke zu wissen, dass sie willig sei, einen gegenseitigen

Handelsvertrag laut den Vorschlägen des Königreichs zu negotiiren und

dass zum Abschlusse desselben ein von der Regierung des Königreiches

speciell zu diesem Zweck accreditirter Agent erforderlich sei.

Demzufolge wurde der Finanzminister M. C. C. Harris, mit einer

Generalvollmacht versehen, abgesandt. Während seiner Abwesenheit trat

der Generalrechtsanwalt Phillips in seine Stelle.

Harris und Cooke arbeiteten ein Projekt zu einem solchen

Handelsvertrage aus, welches das Cabinet von Hawaii annahm, und auf

Grundlage dessen die erforderlichen Schritte bei den Vereinigten

Staaten gemacht werden sollten.

Das Cabinet der Vereinigten Staaten empfing das Projekt und übergab es

zur Prüfung dem Comité für ausländische Angelegenheiten, von welchem es

alsdann zur Begutachtung dem Senat vorgelegt werden sollte.

Den 6. März 1867 legte der König den Eckstein zur anglikanischen

Cathedrale („Protestant Episcopal-“ oder „Reformed catholic church“).

Den 12. März 1867 starb G. M. Robertson, erster Richter des

Obergerichtes, das Haupt der Justizbehörde und einer der tüchtigsten

Juristen des Landes, und an seiner Stelle wurde seinem Wunsche gemäss

A. S. Hartwell, ein Amerikaner aus Massachusetts, ernannt.

Im August des Jahres traf der von den Vereinigten Staaten festgestellte

Inhalt des Handelsvertrages ein und zum Beschlusse desselben berief

der König zum 1. September 1867 eine ausserordentliche legislative

Versammlung.

Während dieser Zeit war ein Kriegsschiff der Vereinigten Staaten, die

„Lacka-Wana,“ vor Honolulu erschienen und zwar unter Commando des

Capitän Reynold, der 10 Jahre früher im Inselreiche gelebt hatte,

die Verhältnisse des Landes und die Landessprache genau kannte, im

Lande allgemein bekannt war und viele Freunde und freundschaftliche

Beziehungen im Inselreiche besass und der zur Zeit Kamehámehás IV.

einer der eifrigsten Befürworter einer Cedirung des Königreichs an die

Vereinigten Staaten gewesen und schon damals einen bedeutenden Einfluss

in dieser Sache im Lande ausübte und auch jetzt gleich nach seiner

Ankunft seinen Wunsch offen kundgab, dass dieses Projekt einmal erfüllt

werde.

Sein ganzes Benehmen, seine vielseitig gestellten Fragen, seine

Bemerkungen deuteten klar darauf hin, dass er in einer bestimmten

Mission hergesandt worden sei. Diese Vermuthung wurde derart

gesteigert, dass die Regierung unumwunden eine offizielle Anfrage bei

den Verein. Staaten in Washington machte und um Erklärung bat.

Die Antwort hierauf war eine unbestimmte, unklare und höchst

zweideutige seitens der Regierung der Verein. Staaten. Zur selbigen

Zeit trafen, gleichwie eine Annexion der Inseln durch die Verein.

Staaten befürchtend, und um das auffällige Treiben der „Lacka-Wana“

zu beobachten, ein englisches und zugleich auch ein französisches

Kriegsschiff im Hafen von Honolulu ein, und wieder musste das kleine

strebsame Inselreich die Rolle eines fetten Hammels, umgeben von

gefrässigen Geiern, spielen.

Ob infolge dieser letztbenannten Kriegsschiffe, oder infolge

der unumwundenen Anfrage der Regierung von Hawaii -- erhielt

unerwartet plötzlich die „Lacka-Wana“ den Befehl, nach San-Franzisco

zurückzukehren.

Den 1. September 1867 eröffnete der König die ausserordentliche

legislative Versammlung, die den ihr vorgelegten Handelsvertrag

der Verein. Staaten annahm und vom Könige ratificirt wurde. Vom

Finanzminister wurde der Versammlung zugleich auch ein neues

Steuerprojekt vorgelegt, welches die durch den mit den Verein.

Staaten abzuschliessenden Vertrag entstehenden Verringerungen der

Einnahmen, ohne dem Lande zu schaden, ausgleichen soll. Das Projekt

wurde einstimmig angenommen. Nachdem die legislative Versammlung ihre

Vollmacht zum Abschluss des erwähnten Vertrages dem Minister ertheilt

und ihn ersucht hatte, den Abschluss zu beschleunigen, vertagte der

König die Versammlung bis zur ordinären Sitzung derselben.

Umgehend wurden die erforderlichen Schritte nach Washington gemacht

und höchst unerwartet traf man daselbst wieder Schwierigkeiten zum

endlichen Abschluss des Vertrages, indem die ganze Sache daselbst unter

die unerledigten Vorlagen wanderte, weil der Präsident des Comités

der äusseren Angelegenheiten und die Südstaaten der Verein. Staaten

plötzlich gegen den Vertrag waren.

Den 18. April 1868 wollte der König die ordinäre Sitzung der

legislativen Versammlung mit einer Rede eröffnen, in der er seine

Befriedigung über die endliche Abfahrt der „Lacka-Wana“, seine Freude

über den erfreulichen Progress des Exportes des Königreiches laut

den Aufnahmen des Zollamtes, den günstigen Stand des Staatsschatzes

und den hoffnungsvollen Zustand fortschrittlicher Entwicklung des

Königreiches ausdrücken, doch kam er weder zu dieser Rede noch zur

persönlichen Eröffnung der legislativen Versammlung, da den 29. März

1868 er die Trauerbotschaft erhielt, dass der Mauna-Loa den 27. in eine

überraschend heftige Eruption seines 4477 Meter hohen von Kaiwahae 25

engl. Meilen entfernten Gipfelkraters -- des Mokuaweowá, der seit 1855

in vollständiger Ruhe gewesen, gerathen, und dass allem Anscheine nach

diese Eruption sich zu einer gewaltigen auszubilden scheine.

Den 2. April war der Ausbruch ein so gewaltiger, dass in Honolulu sogar

das Erdröhnen zu fühlen und ein gewaltiges unterirdisches Donnern

zu hören war. In der Richtung der Insel Hawaii war der Himmel mit

Dampfwolken bedeckt, die Sonne durch dieselben in feuerrother Färbung,

und über Honolulu, ungeachtet der grossen Entfernung, fiel feiner,

jedoch dichter Lavastaub.

Die ernsten Zeichen einer gewaltigen Eruption des Mauna-Lóa

veranlassten den König sofort, sein Concilium zu versammeln, um

Beschlüsse und Massregeln zum Schutz und zur Hülfe der Bewohner der

Insel Hawaii zu treffen, worauf der König in Begleitung des Ministers

des Aeussern und seines Adjutanten sich mit Geld, Lebensmitteln und

Kleidungen nach Hawaii resp. Hilo auf dem im Mai 1860 von der Regierung

gekauften Schraubendampfer „Kilauea“ sich begab.

Ausser dem Krater Mokuaweowá erhob sich mit Erdbeben und gewaltiger

Vernichtungskraft ein neuer Krater in der unmittelbaren Nähe von

Waiöhíno am sogenannten „Páli“ am Abhange des Manuâla, 26 englische

Meilen von Hilo entfernt.

Die Eruption dieses Jahres war an Verlust an Leben und Eigenthum

laut traditioneller Berichte die gewaltigste und umfangreichste des

Inselreiches. Sie begann, wie schon gesagt, den 27. März mit heftigen,

kurzweiligen, jedoch vielseitigen Dampfausstossungen. Den 28. folgte

starkes Erdbeben mit sich wiederholendem unterirdischen Donner und

Rollen, welches in Intervallen von ca. 1 Minute allen Inseln fühlbar

wurde. Im Distrikt Kóa der Insel Hawaii sollen bis 300 Erdstösse am

Tage gezählt worden sein. Die Umgebung des Kilauea-Kraterbeckens war

in beständiger Bewegung und Glühungen bildend. Den 2. April um 4 Uhr

ca. um die Zeit, als der König bei höchst aufgeregter See um Hawaii

zu Hülfe zu eilen, Honolulu verliess, fand die gewaltigste Erdröhnung

statt, die namentlich im Distrikte Kaua verwüstend gewirkt, indem

alle Kirchen, die gemauerten Gebäude und Mauerwerke im Allgemeinen

zertrümmert wurden. Der Boden schwankte hin und her; die Bewegung

desselben war anfänglich von Norden nach Süden, später wechselnd von

Osten nach Westen, und schloss seine Bewegung -- gleichsam durch einen

Wirbel gezogen -- den Boden drehend, hebend und senkend, um Alles, was

in die Bewegung gefasst, in wenigen Minuten zu vernichten. Bäume wurden

später gefunden, die mit ihren Wurzeln aus der Erde förmlich geschraubt

worden waren. Während dieses gewaltig wirbelnden Erdbebens erhob sich

in Kapapála d. h. im südlichen Theile des Distriktes Kóa, ca. 15

englische Meilen vom Kilauea eine heisse Masse von Koth und Wasser, die

das üppige Thal überströmend und ca. 3 Quadratmeilen verwüstend und 31

Menschen und ca. 1000 Stück Thiere als Rindvieh, Pferde, Ziegen tödtend

mit einer Geschwindigkeit von ca. 1 Meile die Minute in den Ocean sich

ergoss. Diesen kurzweiligen Auswurf von glühendem Koth und heissem

Wasser folgte merkwürdigerweise und zwar ohne allmäligen Uebergang

plötzlich aus derselben Oeffnung, mit derselben Vehemenz reines, kaltes

Wasser.

Den 7. April öffnete sich eine neue und gewaltige Spalte am westlichen

Abhange des Mauna-Lóa, die mit einem mächtigen Lavaauswurf den

westlichen Theil und das üppige, grasreiche Plateau von Kahukú

überströmend, sich in den Ocean stauend ergoss. Am selbigen Tage

öffnete sich noch ein neuer Krater, einige Meilen unterhalb des

ersteren, die Ebene von Kahukú vollständig überschüttend, indem kein

Haus, kein Baum, kein lebendes Geschöpf Rettung vor der gewaltig

niederströmenden Lavamasse fand, die sich im südlichen Theile der

Insel in den Ocean ergoss und daselbst eine circa 1 Meile vom Ufer

entfernte konisch geformte Insel mit dem Lande -- einen Damm bildend --

vereinigte.

Die vorhin erwähnte Masse von glühendem Koth und Wasser enthielt weder

Scorium noch Lava, nur cementartigen Thon, und die Quelle existirt

noch gegenwärtig, und ihr Wasser enthält gar keine mineralischen

Bestandtheile.

In Hilo hatte das Erdbeben bedeutende Schäden verursacht; das Zollhaus,

die neue katholische Kirche und viele Wohnhäuser waren nahezu Ruinen

geworden, und jetzt noch zeigt die Stadt die deutlichsten Spuren der

gewaltigen Wirkung des Erdbebens von 1868 und kann von Glück reden,

durch die Ausströmungen des in seiner Nähe neu gebildeten Kraters nicht

vollständig vernichtet worden zu sein.

Rührende Scenen der Dankbarkeit sollen auf der Insel Hawaii

stattgefunden haben, als der König der grössten Gefahr mit

selbstverleugnendem Muthe, mit herzlicher Theilnahme und gründlicher

Hülfe erschien.

Als er nach Honolulu zurückgekehrt, empfing ihn das Volk und die

Bevölkerung von Oahú an der Werfte mit Jubel und dem Ausdrucke der

Anerkennung und des Dankes.

Die legislative Versammlung fand er laut seiner Genehmigung bereits

eröffnet und in vollster Arbeit. Sogleich liess er der Versammlung ein

Projekt vorlegen, um die Entschädigungen der Verunglückten der Insel

Hawaii festzustellen, was von der Versammlung sofort acceptirt wurde,

sodass schon den folgenden Tag die für den Augenblick erforderlichen

Kleidungsstücke, Nahrungs- und Geldmittel für die Obdachlosen durch

einen Dampfer nach Hawaii geschickt werden konnten.

Der Gesammtprivatschaden, ungerechnet der des Landes und die vielen

Menschenleben, soll 30,000 Dollar betragen haben.

Unter den wichtigsten Vorlagen der legislativen Versammlung von 1868

war unter anderen die der Bewilligung einer Subvention zur Erlangung

einer direkten, constanten und regelmässigen Dampferverbindung

zwischen Honolulu und San Francisco und vice versa, da bisher nur eine

unregelmässige Segelschiffverbindung stattfand.

Diese Vorlage wurde trotz kräftig entgegenstrebender Opposition

durch eine Majorität angenommen und der Maximalbetrag der Subvention

festgestellt.

Den 15. Juli 1868 vertagte der König die Versammlung und ertheilte nach

Schluss derselben dem Minister des Aeussern de Varigny einen Urlaub auf

ein Jahr nach Frankreich und ernannte als seinen Stellvertreter den

Generalrechtsanwalt Phillips, der zugleich in seinem bisherigen Amte

verblieb.

Den 4. August starb plötzlich im Alter von 75 Jahren der noch

auffallend rüstige Vater des Königs, der „Kuïnanui“ M. Kekuanaoa.

Im Jahre 1869 sollten das Inselreich nicht nur die vulkanischen

Umtriebe beunruhigen, sondern auch die des religiösen Wahnes.

Ein fanatisch religiöser Mann des Distrikts Kóna, dessen Name Kaóna,

glaubte ein Prophet und Abgesandter Gottes zu sein. Er war ein Mann

-- nach Hawaii’schen Verhältnissen -- von gründlicher Bildung,

verstand mit Begeisterung zu predigen und sich in kürzester Zeit

einen bedeutenden Anhang zu verschaffen. Die Reden des Mannes wurden

jedoch derart excentrisch, dass die -- obgleich sehr freisinnige --

Regierung gezwungen war, der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe

wegen einzuschreiten, demzufolge Kaóna arretirt und der Irrenanstalt

übergeben wurde. Diese aber entliess ihn in kurzer Zeit, da er laut

dem Zeugniss des Arztes, der Bestätigung der Beamten der Anstalt sich

ruhig und geordnet verhalten und in keiner Weise Zeichen des Irrsinns

entwickelt hatte. Im Frühjahr 1870 wieder in Freiheit gesetzt, kehrte

er sofort in den Distrikt von Kóna zurück. Er sammelte circa 100

Anhänger, pachtete ein Stück Land von dem ausländischen Besitzer

desselben und liess sich daselbst mit seinen Anhängern Ackerbau

treibend und predigend nieder.

Seine Predigten hatten einen derartig aufregenden Einfluss auf die

Bevölkerung, dass der Sherif Mr. Neville einschreiten musste. Mit

einer Abtheilung Polizei und einer formellen Ordre des Magistrats

begab er sich zur Ansiedelung, um die Inwohner zu arretiren. Die

Ansiedler stellten sich zur Gegenwehr, Neville wurde durch einen auf

ihn geschleuderten Stein getödtet, und es entstand eine vollständige

Rebellion, die die Sendung von Truppen nach Hawaii zur Folge hatte.

Bis die Truppen die Insel Hawaii erreichten, fand noch ein zweites

Scharmützel statt, in welchem der Constabler Komoï getödtet wurde.

Diesem Scharmützel zur Folge sammelte sich eine Schaar Ausländer und

Eingeborene, die gegen die Rebellen bewaffnet zogen, und bevor die

Truppen noch gelandet waren, Kaóna und seine Bande umzingelte und

gefangen nahm. Das Bezirksgericht von Hilo verurtheilte im selbigen

Frühjahr Kaóna und 4 seiner Hauptgenossen zu 5-10 Jahren Zwangsarbeit,

die übrigen wurden freigesprochen.

Den 21. Juli 1869 traf der Herzog Alfred Ernst von Edinburg als

Commandor der Fregatte „Galathea“ von Tahiti kommend und über Japan

nach Ostindien gehend vor Honolulu ein. Er hatte nämlich seinen Besuch

der Königin-Wittwe Emma in London versprochen, daher sein baldiges

Kommen dem König bekannt war und glanzvolle Vorbereitungen zu seinem

Empfange beizeiten gemacht werden konnten.

Den 22. landete der Herzog unter dem Donner der Kanonen sämmtlicher im

Hafen liegenden Schiffe und der alten Geschütze des „Punch Bowl-hill“.

Er sprach über den Anblick von Honolulu sein Erstaunen aus, da es ihm

kaum glaublich erschien, dass das die Hauptstadt desselben Inselreiches

sei, wo Cook vor nur 90 Jahren, d. h. 1779 das Inselreich besuchend,

damals von fast vollständig nackten Wilden empfangen wurde, nunmehr

dies eine der lieblichst gelegenen Städte der civilisirten Welt

mit ihrem eigenthümlichen nationalen Anstrich, schmucken Gebäuden,

Kirchthürmen, Gärten, Esplanaden, Villen, so rein gehaltenen, gut

makadamisirten Strassen, einer gut gekleideten, wohl und freundlich

aussehenden Masse einer höflichen christlichen Bevölkerung sei. Sein

Erstaunen soll ein so bedeutendes gewesen sein, dass es Zeit brauchte,

ehe er den Eindruck desselben bemeistern konnte, um in Worten seine

Ueberraschung klar auszudrücken.

Während 12 Tagen wurde jeder Wunsch des so liebenswürdigen, nunmehr

verstorbenen Herzogs erfüllt. 12 Tage hindurch fanden Zerstreuungen,

nationale Vergnügungen, Vorstellungen alter und noch bestehender

Gewohnheiten der Nation als z. B. die nächtlichen „hula’s“ (Tänze) und

„méle’s“ (Gesänge) in ununterbrochenem Wechsel statt. Namentlich war es

die liebenswürdige Mrs. Dominis, die Schwester des jetzigen Königs, die

Alles aufbot, um den hohen königlichen Besuch in allen Beziehungen zu

befriedigen.

Sichtlich erbaut von seinem Aufenthalte verliess der Herzog das ihm

-- wie er sich aussprach -- unvergessliche Inselreich, wo er so

gastfreundschaftlich empfangen und gern noch länger geweilt hätte, den

2. August, nach Japan seine Reise fortsetzend.

Da de Varigny seinen Abschied eingereicht hatte, wurde zum Minister des

Aeussern M. Harris und an dessen Stelle als Minister der Finanzen J. M.

Schmidt, der längere Zeit ein Glied der Repräsentativen-Kammer gewesen

war, ernannt.

Das Jahr 1870 war sonst ohne bemerkenswerthe Vorfälle, es sei denn die

wachsende Unruhe der Opposition im amerikanischen Stile, die wühlend

und intriguirend unter der Zahl der dem vernünftigen und ruhigen

Elemente des Landes Angehörigen ein Gefühl von unbehaglicher Schwüle

gleichwie das vorm Ausbruch eines gewaltigen Gewitters unwillkürlich

erweckte, zu erwähnen.

Dass ein baldiger Ausbruch der Gefühle der Opposition stattfinden

würde, zeigte sich in der Regierung selbst, indem die seither so

vortheilhaft wirkende, auch dem Könige zur Regierung des Landes so

erforderliche Einigkeit der Minister zu schwinden begann und hierdurch

der amerikanische Einfluss der Opposition -- um die Frage einer

Abtretung des Königreiches oder die Anschliessung desselben an die

Vereinigten Staaten wieder ins Leben zu rufen -- in die Handlungen

der Regierung tendenziös einzudringen verstand. Diese unglückselige

Idee, welche die einer Minorität des Landes ist, wird demungeachtet,

befürchte ich, doch einmal das kleine durch seine isolirte Lage, durch

seine intelligente Nation und fruchtbaren Boden zur Selbstständigkeit

geeignete Königreich dem Zwecke dieser gewinnsüchtigen, durch ihr

Capital gekräftigten Minorität seine Selbstständigkeit opfern müssen.

Die Sitzung der legislativen Versammlung im April 1870 verlief

wie gesagt ruhig, jedoch mit dem Zeichen unerwartet eintretender

Eventualitäten. Die Eröffnungsrede des Königs war eine Zufriedenheit

erweckende. Er drückte seine Freude aus über die, Dank der legislativen

Versammlung in ihrer letzten Sitzung genehmigte Subvention, durch

welche eine reguläre Verbindung des Inselreiches mit Californien,

Australien, Neuseeland und den Fidgi-Inseln ermöglicht worden ist.

Er empfahl der Versammlung die Annahme der Vorlage des den „habeus

corpus“ betreffenden Gesetzes und sprach seine Hoffnung aus, dass die

legislative und die executive Gewalt des Staates in unveränderter

Eintracht verbleiben werde. Die Vorlage des „habeus corpus“-Gesetzes

wurde von der Versammlung angenommen.

Den 19. April 1870 eröffnete der brittische Dampfer „Wagga-Wagga“ die

regelmässige Verbindung von Sydny via Auckland (Neuseeland) über

Honolulu nach San Francisco und vice versa, abwechselnd auch vor Levuka

(Fidgi-Inseln) haltend.

Die Linie hatte zu jener Zeit 3 Dampfer zu diesem Zweck, den

„Wagga-Wagga“, die „City of Melbourne“, „City of Adelaide“ und jetzt

noch die „City of Sidney.“

Diese Eröffnung einer regelmässigen Verbindung Honolulus mit Amerika

und Australien brachte neues Leben den Inseln, hob bedeutend den Handel

und die Produktionsfähigkeit, vermehrte die Einnahmen des Landes,

steigerte und erleichterte jedoch auch den gefährlichen Einfluss der

amerikanischen Partei und schmuggelte in das Land -- und zwar in

grossem Massstabe -- den betäubenden und demoralisirenden Schwindel der

Vereinigten Staaten und Australiens.

Den 22. September 1870 heirathete die Schwester des jetzigen Königs,

die Miram Likelike, den Kaufmann A. Scott Cleghorn.

Im Jahre 1871, beeinflusst durch die amerikanische Partei, reichten

Harris und Shmidt ihre Demissionen ein, und der König ernannte den

bisherigen Minister des Innern Hutschison an Stelle des Mr. Harris als

Minister des Aeussern mit dem Auftrage ein neues Cabinet zu bilden.

Sämmtliche Minister wurden von ihm wieder gewählt mit Ausnahme von

Smidt, an dessen Stelle Stirling, ein englischer Ingenieur als

Finanzminister gewählt wurde.

Den 17. April 1871 eröffnete mit dem Dampfer „Nevada“ die Linie „U.

S. New-Zealand and Australian Steamship line“ den regelmässigen

Verkehr von San Francisco via Honolulu über Auckland (Neuseeland) nach

Sidney und vice versa. Die Flotte dieser Linie bestand zu der Zeit

aus 3 Dampfern, „Nevada“, „Nebrasca“, „Dacota“ und gegenwärtig noch

„Zealandia“.

Die Sitzung der legislativen Versammlung von 1872, welche ruhig und

ohne bedeutsame Vorfälle verlief, sollte die letzte Versammlung sein,

die der König Kamehámehá V. eröffnete.

Obgleich frisch und gesund, starb er plötzlich den 11. November 1872

im Alter von 43 Jahren. Die Ursache seines Todes blieb ein Geheimniss.

Die mannigfaltigsten Muthmassungen coursirten im Land; doch, wo kein

Beweis, da ist kein Urtheil; daher sei hierüber geschwiegen. Mit ihm

starb die männliche Dynastie Kamehámehás I. aus, und von der weiblichen

blieb nur noch die Prinzessin Ruth Keelikoláni, die kinderlos war.

Der Thron blieb unbesetzt, da der König, einen so raschen Tod nicht

voraussehend, dokumentarisch keinen Thronfolger ernannt hatte.

Sofort nach dem Tode des Königs wurde die legislative Versammlung

berufen, die von den 4 zur Thronfolge proponirten Candidaten nur über

2 derselben ballotirte und das namentlich über den Prinz Lúna-lílo

und David Kalakaua. Ueber die Königin-Wittwe Emma, die, obgleich

beliebt und von Jedermann ihrer Herzensgüte und Wohlthätigkeit wegen

geliebt war, und obgleich sie sich unter den vier Candidaten befand,

wurde unter der Befürchtung, dass sie möglicherweise einen Ausländer

heirathen könnte, nicht ballotirt. Aus ebendemselben Grunde, da sie

an einen Ausländer verheirathet war, kam die Tochter des verstorbenen

Oberhäuptlings Pakí, die Mrs. Bishop, trotz ihres hochgeachteten

Charakters nicht zur Wahl.

Der Prinz William Lúna-lílo war ein Vetter des verstorbenen Königs

mütterlicherseits, geboren 1839, ein überaus leichtsinniger Charakter.

Er hatte sein Vermögen verprasst, war aber schön, liebenswürdig und bei

den Ausländern, namentlich den Frauen derselben, sehr beliebt.

David Kalakaua, Sohn des Oberhäuptlings Kapaákéa und der Kéohókalóle,

war sehr beliebt, von tadellosem Betragen, leutselig und überaus

populär.

Die Verwandtschaft mit dem verstorbenen König gab einerseits Lúna-lilo

den Vorzug, anderseits stimmte die Opposition für ihn, da sie

hofften, dass sie seinen schwachen, leichtsinnigen, bis dahin sehr

wankelmüthigen Charakter beherrschen und allmälig die Leitung der

Regierung vollständig in ihre Hände bringen würde. Demnach wurde den 8.

Januar 1873 Lúna-lilo mit einer nur geringen Majorität von Stimmen als

König gewählt und proklamirt.

Die Minister reichten -- wie bei einem Thronwechsel üblich -- ihre

Demission ein, die der König mit Ausnahme der des Finanzministers

Stirling, der in seinem Amte verblieb, annahm. Er ernannte als Minister

des Aeussern den Banquier M. R. Bishop, der ein Amerikaner im Prinzip,

ein tüchtiger Geschäftsmann, ein liebenswürdiger Gentleman, jedoch

von sehr geringer politischer Begabung war; als Minister des Innern

M. Hall, ein eingefleischter Amerikaner und treu der Tendenz der

amerikanischen Missionäre, nämlich der der Vereinigung des Reiches

mit den Vereinigten Staaten; als Generalrechtsanwalt und Kanzler des

Reiches den Sohn Dr. Judds, A. F. Judd, ebenfalls ein eingefleischter

Amerikaner.

Die Wahl war die der Opposition, und doch war diese mit jener nicht

zufrieden, da die Gewählten -- obgleich zumeist eingefleischte

Amerikaner, -- doch gewissenhafte Männer waren und den Vortheil des

Landes und der Nation mehr als die Speculationen der Glieder der

Opposition ins Auge fassten.

Das Resultat dieser Wahl und der bekanntlich leichtsinnige Charakter

des Königs veranlassten die Regierung der Vereinigten Staaten im

festen Glauben, den günstigsten Moment erreicht zu haben, sich --

wenn auch nicht sofort das Inselreich zu annektiren -- so doch

vorderhand in demselben festzusetzen, um alsdann allmälig die Annexion

zu ermöglichen. Die Regierung der Vereinigten Staaten schlug nämlich

der von Hawaii vor, ihr zu gestatten, eine Kohlenniederlage resp. eine

Marinestation an der Mündung des Perle-Flusses, circa 14 Meilen von

Honolulu entfernt, zu gründen. Zu diesem Zweck sollte die Regierung

von Hawaii den Vereinigten Staaten die dazu erforderliche Strecke

Landes für ewige Zeiten cediren und den Vereinigten Staaten das

ausdrückliche Recht einräumen, auf diesem Gebiete Häuser zu bauen

und einen permanenten Direktor zu ernennen, der, unabhängig von der

Regierung des Königs, als Beamter der Vereinigten Staaten fungiren

sollte. Als Aequivalent für diese Gewähr würden die Vereinigten Staaten

dem Königreich von Hawaii für ewige Zeiten die zollfreie Einfuhr

der Produkte des Inselreiches in das gegenwärtige und zukünftige

Territorium der Vereinigten Staaten von Nordamerika garantiren.

Dieser verlockende Vorschlag wurde von den Plantagenbesitzern

ausländischer Race und von den Gliedern der Opposition im Allgemeinen

mit Jubel aufgenommen. Der Kern der Bevölkerung jedoch, sogar viele

Ausländer, die im Inselreiche lebten und das Interesse des Landes zu

dem ihrigen gemacht hatten, verwarfen sofort mit Eifer diese schlaue

Proposition einen kleinen Staat im Staate zu bilden, wodurch die

Selbstständigkeit und die Erhaltung des nationalen Charakters des

Inselreichs, bedroht wurde.

Der König, trotz seines Leichtsinnes, seiner Wankelmüthigkeit und des

Gelüstes nach materiellem Wohlstande, war jedoch ein zu guter Patriot

und achtete seinen Nachruf als König zu sehr, um diesem Vorschlage

Gehör zu geben, und, unterstützt von seinen Ministern, schlug er

höflichst am 20. Januar 1874 den Vorschlag der Vereinigten Staaten mit

der Bemerkung ab, dass die Annahme dieses Vorschlages nie und nimmer

in der sich im April des Jahres versammelnden Legislatur durchzusetzen

möglich sein werde, da eine bedeutende Majorität, sogar ein Theil der

Opposition gegen denselben stimmen, und dass er, der König, im Falle

die legislative Versammlung den Vorschlag auch annähme, nie demselben

seine Zustimmung geben wird.

Somit war wieder das Land von einem schlau geführten Versuche die

Selbstständigkeit desselben zu vernichten, gerettet worden.

Den 3. Februar 1874 starb plötzlich, gleichsam zur Strafe seiner zum

Wohle des Landes bewiesenen Selbstständigkeit, der König Lúnalilo

kinderlos, jedoch kräftig und gesund in seinem 39. Lebensjahre. Sein

schmuckes Mausoleum befindet sich im Hofraum der Kawaiahae-Kirche.

VII. Abtheilung.

König Kalakaua und sein Wirken.

Den 12. Februar 1874 erwählte die versammelte Legislatur zum grossen

Missvergnügen der Königin-Wittwe Emma die stark auf den Thron rechnete

und eine bedeutende Partei für sich hatte, mit grosser Majorität der

Stimmen David Kalakaua zum Könige, mit welchem die Dynastie Kamehámehás

als erloschen, und die Kalakauas als beginnend zu betrachten ist.

König Kalakaua war geboren 1836 den 16. November auf der Insel Kauai.

Die Glieder seiner Familie bestanden zu dieser Zeit aus:

seiner Frau, der Königin Kapioláni, geb. den 31. Dezember 1834,

seiner Schwester Lydia Kamákaehá, geb. den 2. September 1838,

seiner Schwester Miriam Líkelíke, geb. den 13. Januar 1851,

verheirathet an den Banquier A. Scott Cleghorn den 22. September

1870,

der Schwester der Königin, Poómaikiláni,

der Schwester der Königin, der Prinzess Kekaulíki.

Die noch lebenden direkten und indirekten Nachkommen Kamehámehás I.

waren zu der Zeit:

die Prinzess Ruth Keelíkoláni, geb. den 9. Februar 1818, eine

Schwester der Könige Kamehámehás IV. und V. und die Königin-Wittwe

Emma, geb. den 2. Januar 1836, vermählt mit dem König Kamehámehá

IV. den 19. Juni 1856.

Der Regierungsantritt des Königs Kalakaua begann mit einem Aufstand

der bewaffneten Partei der Königin-Wittwe Emma. Das Rathhaus („court

house“) wurde von den Rebellen erstürmt, die Fenster und das Mobiliar

desselben zertrümmert und ein Mitglied der legislativen Versammlung,

welches die Masse beruhigen wollte, verwundet.

Dieser Aufruhr hätte unzweifelhaft eine höchst tragische, für das

aufblühende Reich ernste Wendung nehmen können, da ein grosser Theil

der kleinen Armee des Reiches, namentlich die durch Subscription

besoldete Compagnie der „Honolulu-Rifles“ unter den Aufständischen sich

befanden.

Die zufällige Gegenwart von 4 Kriegsschiffen, von denen 2 den

Vereinigten Staaten und 2 der britischen Regierung gehörten, sowie die

kaltblütige Ruhe und Besonnenheit des Königs und der Minister hemmten

sofort die Verbreitung des Aufstandes, und nach 2tägigem Lärmen war

Honolulu wieder in seiner gewöhnlichen friedlichen Ruhe.

Die erste Handlung des Königs bestand in der Ernennung seiner Minister,

da die bisherigen -- wie nach dem Tode eines Königs Gesetz war -- ihre

Demission eingereicht hatten.

Die Wahl dieser, sowie anderer hoher Beamten war folgende:

~Als Premier und Minister des Aeussern~ J. M. Kapéna, eine

seinem Vaterlande und Könige ergebene Persönlichkeit, ein Mann

von Energie und wissenschaftlicher Bildung mit gefühlvollem

Herzen und edelmüthiger Gerechtigkeit. Es lag in dieser weisen

Wahl das Vorgefühl des Königs, in Kapéna eine gediegene Stütze

zur Ausführung seiner grossen Pläne, zur glanzvollen Vollendung

und Regelung der von seinen tüchtigen Vorgängern angebahnten

Organisation des Landes, gefunden zu haben.

~Als Minister des Innern~ H. A. Wiedemann, ein Deutscher von

Herkunft, Kaufmann und Plantagenbesitzer, langjähriges Mitglied des

„Privy Council“ und ein Mann, der die Verhältnisse des Landes genau

kannte, durch seine Stellung in demselben mit den Interessen der

Nation verwachsen war.

~Als Minister der Finanzen~ S. K. Kaáï, ein Mann, der

im Reiche von allen Nationalitäten geachtet, mit einem

ausserordentlich klaren Verwaltungstalente begabt und seinem

Vaterlande und dem König aus vollem Herzen ergeben war.

~Als Generalrechtsanwalt~ A. S. Hartwell, der bisher als

erster Richteradjunkt der „Supreme court“ höchst thätig gewesen

und eine als Jurist und als Mensch allgemein geachtete Stellung

eingenommen hatte.

~Als Kanzler und Oberrichter der „Supreme court“~ wurde E. H.

Allen, der bisherige, wiedergewählt. Er war, Dank seiner Thätigkeit

und Verdienste, während der ganzen Entwicklungsgeschichte

des Königreiches eine allgemein geachtete und einflussreiche

Persönlichkeit.

~Als Vice-Kanzler und erster Richteradjunkt der „Supreme

court“~ C. C. Harris, ein überaus tüchtiger Jurist der

Universität Harward; er war 25 Jahre schon im Lande und

daher bekannt mit Land, Volk und Sitte. In das Land kommend,

fungirte er erst als Privatrechtsanwalt, später bekleidete er

unter verschiedenen Regierungen des Inselreiches das Amt des

Staatsprosecutors, verschiedene Ministerien und andere Aemter mit

Geschick.

~Als Vice-Kanzler und zweiter Richteradjunkt der „Supreme

court“~ wurde der bisherige Generalrechtsanwalt A. F. Judd

ernannt, der ein Sohn des im Reiche wegen seiner manigfaltigen

Thätigkeit als Minister und Leiter der Interessen des Landes --

während der Entwicklungszeit desselben -- hochverdienten Doctors

Geritt P. Judd war.

~Als Generalpostmeister~ wurde A. P. Brickwood wieder ernannt.

~Als General-Collector~ wurde W. F. Allen wieder ernannt.

In Folge des Aufruhrs löste der König im März des Jahres 1874 die im

Jahre 1857 an Stelle der 1850 organisirten „Hawaiian-Guard“ creirten

Compagnie der „Honolulu Rifles“ auf und formirte aus im Lande

gebürtigen Hawaii’ern die Compagnie „A“ der „Hawaiian-Guard“ und schuf

eine neue Compagnie unter dem Namen „Prince’s-own“, die ebenfalls

ausschliesslich aus im Lande gebürtigen Hawaiiern bestehen sollte. Er

reorganisirte die 1859 formirte Cavallerie-Compagnie, die sogenannte

„Leéleïóhúku-Guard“ und legte sich eifrigst auf das Eindrillen und

Discipliniren der kleinen Truppen.

Die legislative Versammlung von 1874 eröffnete der König mit einer

Rede, in der er klar und bestimmt seine Tendenz zur weiteren

Entwickelung des Landes in einer unübertrieben fortschrittlichen Art

auseinandersetzte. Er hob hervor, dass er fest darauf rechne, dass die

Repräsentativen des Volkes, gleichwie seine Minister und die Leiter

seiner Behörden ihm zur Entwicklung des industriellen Wohlstandes des

Landes laut den Bedürfnissen der Bevölkerung hülfreich zur Hand gehen

werden, da er der festen Ueberzeugung sei, dass sie, gleich wie er,

auch der Ansicht sind, dass der Hauptzweck einer Regierung darin liegen

muss, das Land und die nationale Bevölkerung desselben zu entwickeln

und zu heben, und nicht blos darin liegt, das Interesse der Fremden

im Lande und ihre speculativen Unternehmungen zu berücksichtigen,

indem durch die Entwickelung des Landes und der nationalen Bevölkerung

auch die Vortheile der Fremden und deren speculativen Unternehmungen

unwillkürlich zunehmend erblühen müssen.

Während der Session der Versammlung wurden mehrere vom Könige

vorgeschlagene Meliorationsmassregeln angenommen und zum Gesetz

erhoben. Dem Staatsmuseum zu seiner Uebersiedelung in das neue

ihm zur Disposition gestellte Lokal in der „Alioláni“-Halle zur

gründlichen Einrichtung desselben 1000 Dollar bewilligt. Das bisherige

Bezirksgericht der Insel Oahú wurde aufgehoben und dieses juristische

Amt einem der Richter der „Supreme court“ übertragen, wodurch eine

nicht unbedeutende Ersparniss dem Lande erwuchs. Die Ursache zu diesem

Schritt war, dass die „Supreme court“ oft in Honolulu Sitzungen hielt,

da es ihr leicht wurde, das Amt des benannten Bezirksgerichtes mit

demselben zu vereinigen.

Bisher war das Reich in 4 juridische Bezirke getheilt: Der erste war

der der Insel Oahú, der zweite der der Insel Maui, Molokai, Lanaï und

Kahóóláwe, der dritte der der Insel Hawaii und der vierte der der Insel

Kauai und Nihau. Der zweite Bezirk hielt seine Sitzung jeden ersten

Dienstag des Monats Dezember in Wailuka und jeden ersten Dienstag des

Juni in Lahaïna, der dritte jeden ersten Dienstag des Mai in Hilo und

jeden ersten Dienstag des November in Waiméa, der vierte Bezirk jeden

ersten Dienstag des Februar und jeden ersten Dienstag des August in

Navillivilli.

Die Sitzungen der Bezirksgerichte werden von einem der Richter der

„Supreme court“ assistirt und von mindestens 1 Bezirksrichter präsidirt

und dürfen nicht die Dauer von 14 Tagen überschreiten, indem die in

dieser Zeit nicht erledigten Sachen für die nächste Sitzung ad acta

gelegt werden.

Im Jahre 1875 wurde die „Hawaiian Artillerie-Compagnie“ organisirt.

Den 16. Oktober wurde die Prinzessin Victoria

Kawekiú-Kaiuláni-Lunalílo-Kaláninuiáhilápa, die Tochter der zweiten

Schwester des Königs, der Miram Likelike Cleghorn, geboren.

1876 wurde die Compagnie „B“ der „Hawaiian-Guard“ organisirt; letztere

bestand demnach aus 2 Compagnien „A“ und „B“, deren Major C. F. Gulik,

Capitän „A“ F. Wundenberg, Capitän „B“ C. B. Wilson waren.

Während der legislativen Versammlung des Jahres 1876 wurde ein

Vertrag mit den Vereinigten Staaten, die gegenseitige zollfreie

Einfuhr gewisser Landesprodukte der beiden Staaten angenommen und

vom König genehmigt. Dies Uebereinkommen, welches seit vielen Jahren

das Bestreben der Monarchen des Inselreichs gewesen und oft bis zum

Abschlusse gelangt, jedoch stets durch verschiedene Hindernisse wieder

vereitelt worden war, wurde dieses Jahr endlich und zwar in Folge einer

persönlichen Besprechung des Königs mit der Regierung der Vereinigten

Staaten in Washington -- einer Besprechung, welche er auf einer im

vorigen Jahre gemachten Reise nach Amerika ermöglichte, allem Anscheine

nach zu Gunsten des Inselreiches geschlossen.

Da dieser dem Inselreiche so wichtige Akt möglicherweise bei Vielen

Interesse erwecken könnte, so theile ich die wörtliche Uebersetzung

desselben wie folgt mit:

Gegenseitiger Handelsvertrag der Vereinigten Staaten von

Nordamerika mit den Inseln von Hawaii.

~Artikel~ I.

In Consideration der Rechte und Privilegien -- die der König

der Inseln von Hawaii den Verein. Staaten von Amerika laut

nachfolgenden Artikeln dieser Convention zugestanden hat und als

Aequivalent für dieselben -- genehmigen hierdurch die Verein.

Staaten, die laut folgender Liste benannten Gegenstände, solange

dieselben die Erzeugnisse, die Manufacturen oder Produkte der

Inseln Hawaii sind, zollfrei in alle Häfen der Verein. Staaten

einzuführen.

Liste: Arowroot, Bananen, Ricinusöl, Nüsse, rohe Felle und Häute,

Pulu (pterus esculenta, ein Krautfarren), Reis, Saamen, Pflanzen,

Sträucher oder Bäume, Muscowado (braune und alle anderen nicht

raffinirten Zuckersorten; hierunter wird nämlich die Qualität

des Zuckers verstanden, die bisher auf den San Francisco- und

Portland-Märkten als Sandwichinselzucker bekannt ist), Syrupe

(aus dem Zuckerrohr), Melado und Molasses, Talg, Vegetabilien

(getrocknete und ungetrocknete, eingemachte und nicht eingemachte).

~Artikel~ II.

In Consideration der Rechte und Privilegien -- die die Verein.

Staaten von Amerika den Inseln von Hawaii laut dem Artikel I der

Convention zugestanden haben und als Aequivalent für dieselben

-- genehmigt hierdurch der König der Inseln von Hawaii die

laut folgender Liste benannten Gegenstände, so lange diese die

Erzeugnisse, die Manufacturen oder Produkte der Verein. Staaten

von Amerika sind, in alle Häfen der Inseln von Hawaii zollfrei

einzuführen.

Liste: Agrikulturgeräthe, Thiere, Rindfleisch, Speck,

Schweinefleisch, Schinken, alles frische, geräucherte oder

eingemachte Fleisch, Stiefeln, Schuhe, Ziegeln, Kalk, Cement,

Butter, Käse, Schmalz, Talg, Bouillon, Kohlen, Tauwerk, die

See betreffende Waarenvorräthe inclus. Theer, Pech, rohes und

rectificirtes Terpentin, Kupfer und Compositions-Ueberzüge, Nägel,

Bolzen, Baumwolle und baumwollene Manufacturen (als geblichene oder

ungeblichene, gefärbte oder ungefärbte, gefleckte, gemalte oder

gedruckte), Thüren, Fensterrahmen, Fensterluken, Eier, Fische,

Austern und alle Geschöpfe die im Wasser leben, und Produkte des

Wassers, Früchte, Nüsse und Vegetabilien (grüne, getrocknete

oder ungetrocknete, eingemachte oder nicht eingemachte),

Korn, Mehl, Kleie, Brot und Brotstoff jeder Art, Eisenwaaren,

Pferdegeschirr und jede Art Ledermanufacturen, Felle, Pelze,

Häute, Filze (zugerichtete oder nicht zugerichtete), Reifeisen,

Nieteisen, Nägel, Pflöcke, Bolzen, kleine Stifte (tacks), Nägel

ohne Kopf (brads), „sprigs“, Eis, Eisen, Stahl und Manufacturen

von denselben, Leder, Bretter, Bauholz jeder Art (roh, gehobelt,

zersägt, unbearbeitet, in ganzen Stücken oder in Theilen),

Maschinerien jeder Art, Dampfmaschinen und Theile derselben, Hafer

und Heu, Papier, Schreibmaterial, Bücher und Manufacturen von

Papier und Papier mit Holz in jeder Art, Petroleum und alle Oele

die zum Einölen und Beleuchten dienen, Pflanzen, Sträuche, Bäume

und Saamen, Reis, Zucker (raffinirter und nicht raffinirter),

Salz, Seife, Stärke, „shooks“, Fassdauben, Fassbretter (headings),

Tabak (in Blättern oder verarbeitet), textile Manufakturen (die

aus einer Combination von Wolle, Baumwolle, Seide oder Leinwand

oder aus zweien oder mehreren derselben gemacht, mit Ausnahme,

wenn dieselben schon verfertigte Kleidungsstücke sind), Wolle und

wollene Manufakturen (mit Ausnahme, wenn es verfertigte Kleider

sind), Wagen und Karren (zu Agrikultur- oder Kärrner-Betrieb), Holz

oder Manufacturen aus Holz oder Holz und Eisen (mit Ausnahme der

gepolsterten oder geschnitzten Geräthe und Fahrzeuge).

Artikel III.

Die Evidenz, dass die vorgeschlagenen Artikel, die in die Häfen

der Verein. Staaten von Amerika oder in die der Inseln von Hawaii

laut Artikel I und II dieser Convention zollfrei eingeführt werden

dürfen, wirklich die Erzeugnisse, Manufacturen und Produkte der

Verein. Staaten oder beziehungsweise die der Inseln von Hawaii

sind, soll zur Sicherstellung der Revenuen durch von Zeit zu Zeit

von den beiden Regierungen vorgeschriebenen Regeln, Regulationen

und Bedingungen festgestellt werden.

Artikel IV.

Es dürfen Exportsteuern oder Belastungen weder in den Inseln von

Hawaii noch in den Vereinigten Staaten auf einen der sub Artikel

I. und II. dieser Convention als zollfrei benannten Gegenstände

erhoben werden. Es ist Beschluss Sr. Majestät der Inseln von

Hawaii, solange diese Convention in Kraft steht, dieselbe weder

zu vergeben oder auf irgendwelche Art über dieselbe zu verfügen

oder über irgend einen Port, Hafen oder Theil seines Territoriums

Vasallen zu creiren oder in seinem Territorium, einer anderen

Macht, Regierung oder einem anderen Staate Privilegien zu

garantiren oder eine Vereinbarung zu treffen, durch welche irgend

einer Nation durch die freie Einfuhr irgendwelcher Artikel das

gleiche Privilegium zugestanden wird, welches hierdurch den

Vereinigten Staaten zugesprochen worden ist.

Artikel V.

Die gegenwärtige Convention soll in Wirkung treten, sobald sie

von Sr. Majestät, dem König der Inseln von Hawaii, genehmigt und

publicirt und von der Regierung der Vereinigten Staaten ratificirt

und publicirt worden ist, und nachdem der Congress der Vereinigten

Staaten ein Gesetz zur Ausführung dieser Convention erlassen haben

wird. Sobald dieses geschehen und die gegenseitige Ratification

des Vertrages stattgefunden haben wird, soll laut Artikel VI diese

Convention für die Dauer von 7 Jahren -- vom Tage an gerechnet,

an welchem sie in Wirkung treten wird -- in Kraft bleiben und

auch fernerhin bis zum Ablauf von 12 Monaten nach von einem der

contrahirenden Theile erfolgten Kündigung derselben. Jeder der

hohen Contrahenden hat erst das Recht einer solchen Kündigung bei

Ablauf der benannten Frist von 7 Jahren und alsdann weiterhin zu

jeder Zeit.

Artikel VI.

Die gegenwärtige Convention soll regelrecht ratificirt sein und die

Ratificationen in der Stadt Washington im Verlaufe von 18 Monaten

vom unterzeichneten Tage an gerechnet oder -- wenn es möglich ist

-- früher, ausgewechselt werden.

Vor nachstehendem Zeugen haben Wir hierunter

(S. L.) Unsere Hand gesetzt und das Siegel Unseres

Königreiches aufdrücken lassen.

den 17. Tag des Juni a. D. 1876.

vom König

W. L. Green, Kalakaua R.

Minister des Auswärtigen.

Ein anderer für das Land sehr wichtiger Beschluss wurde in der

Feststellung der Valuta ausländischer Gold- und Silbermünzen gefasst,

die -- da dieselben in auffallender Manigfaltigkeit im Inselreiche

coursirten -- oft bedeutende Verluste hervorriefen.

Die Valuta derselben wurde unter dem Titel „Currency-Act“ wie folgend

festgestellt und als vom 1. März 1877 gültig sofort proklamirt:

~Section~ I. Vom 1. März 1877 und nach demselben soll in

diesem Königreich in allen Schuldzahlungen die Goldmünze der

Vereinigten Staaten von Amerika in ihrem nominellen Werthe als

Normalwerth und legale Schätzung dienen.

~Section~ II. Die Silbermünze der Vereinigten Staaten soll

nach ihrem nominellen Werthe als Normalwerth und legale Schätzung

in diesem Königreiche für Schuldzahlungen, die den Betrag von 50

Dollar nicht übersteigen, dienen. Für Schuldzahlungen von 50 zu 100

Dollar sollen 50 Dollar in Silbermünze und der Rest in Goldmünze

wie vorher erwähnt, bezahlt werden.

~Section~ III. Für alle Schulden von 100 bis 1000 Dollar soll

die legale Schätzung einer solchen Schuld mit 25% derselben in

Silbermünze der Vereinigten Staaten wie vorhergesagt und 75% in

Goldmünze wie früher erwähnt bezahlt werden.

~Section~ IV. Für alle Schulden die 1000 Dollar übersteigen,

wird für die ersten 1000 Dollar die Zahlung laut Vorschrift der

Section III. und für den Rest der Summe 15% in Silbermünze und

dessen Rest in Goldmünze gemacht.

~Section~ V. Gold- und Silbermünzen anderer Staaten als die

der Vereinigten Staaten -- wenn solche den legalen Stempel eines

souveränen Staates tragen -- können desgleichen als Zahlungen

von Staatsgebühren, Abgaben, Steuern an die Schatzkammer und

desgleichen bei Schätzungen und Schuldzahlungen privatpersönlicher

Verträge, die in diesem Königreiche zahlbar sind -- angenommen

werden und zwar nach einem vom König in seinem geheimen Conseil

(„Privy-Council“) festgestellten und vom Minister der Finanzen

publicirten Werth.

~Section~ VI. Silbermünze bis zum Betrage von 25 Cent oder

einem geringeren, darf als legale Schätzung in allen Zahlungen

die nicht 10 Dollar übersteigen, dienen; in allen anderen Fällen

jedoch, wo laut den vorgehenden Sectionen Silbermünze gezahlt

werden darf, können Münzen von 25 Cent und darunter, in Raten von

15 Dollar auf je 100 Dollar gezahlt werden.

~Section~ VII. Es soll auf alle Silbermünzen, die in das

Königreich von anderen Ländern -- mit denen Se. Majestät keine

entgegengesetzte Vereinbarung getroffen hat -- importirt sind, eine

Steuer von 10% ad valorem erhoben, collectirt und bezahlt werden.

Es wird jedoch verfügt, dass die Verordnung dieser Section nicht

eher in Wirksamkeit treten soll, bis nicht eine Proklamation von

Sr. Majestät -- nachdem er den Rath und die Uebereinstimmung einer

Majorität seines geheimen Conseils hierzu eingeholt hat -- erlassen

worden ist.

~Section~ VIII. Vom Datum der Bestätigung dieses Gesetzes an

und nach demselben sollen alle auf den Import zu zahlende Steuern

in Goldmünze der Verein. Staaten oder ihrem Aequivalent gezahlt

werden.

~Section~ IX. Vom 1. März 1877 und nach demselben sollen

die Interessen für alle „Bond’s“ des Staates in Goldmünze der

Verein. Staaten oder ihrem Aequivalent bezahlt werden, sobald die

Interessen eines solchen „Bond“ 5 Dollar oder mehr betragen; ist

der Betrag derselben geringer denn 5 Dollar, so kann Silbermünze in

früher gesagter Weise bezahlt werden.

Cours des Königreiches.

Legale Schätzung des Werthes folgender Münzen:

~Gold.~

in 1/2 Dollar

Ver. Staaten Double Eagle = „ 40

„ „ Eagle = „ 20

„ „ 1/2 Eagle = „ 10

„ „ 1/4 „ = „ 5

Engl. u. Oest. Souvereign = „ 10

„ „ „ 1/2 Souvereign = „ 5

Frankreich 50 Franken = „ 20

„ 20 Franken = „ 8

„ 10 Franken = „ 4

Italien 20 Lire = „ 8

„ 10 Lire = „ 4

Russland 5 Rubel = „ 5

~Silber~

in 1/2 Dollar

Frankreich 5 Franken = „ 2

Mexico Dollar (alt) = „ 2

Belgien 5 Franken = „ 2

Italien 5 Lire = „ 2

in Cents

England 1 Schilling = 25 C.

Spanien 1/4 Dollar = 25 „

Mexico 1/4 Dollar = 25 „

Peru 1/4 Dollar = 25 „

Mexico 1 Dollar (neu) = 70 „

Chili 1 Dollar (un peso) = 70 „

Peru 1 Dollar (Sol) = 70 „

England 1/2 Krone = 50 „

Indien 1 Rupee = 35 „

Mexico 1/2 Dollar (neu) = 35 „

Chili 1/2 Dollar = 35 „

Peru 1/2 Dollar = 35 „

England 1 Florin = 35 „

Desgleichen wurde in derselben Sitzung das seit 1868 bestehende

Stempelgebührgesetz einer Aenderung unterworfen und als neues Gesetz

laut folgendem Wortlaute proklamirt:

Stempelgesetz von 1876. (Stamp-Act.)

~Section~ I. Von dem Augenblicke an, wo dies Gesetz in

Wirksamkeit tritt, und nach demselben soll es die Pflicht eines

Jeden sein, Sr. Majestät -- in Berücksichtigung verschiedener

Titel, Dokumente und Urkunden -- die in der dem Akte beigefügten

Liste specificirt sind, verschiedene Geldsummen als Stempelgebühr

zu zahlen.

~Section~ II. Der Minister der Finanzen soll -- und ist

hiermit angewiesen -- eine genügende Anzahl Stempel für die Gepräge

und Stempelmarken -- um die Verordnung dieses Gesetzes ausführen zu

können -- anschaffen.

~Section~ III. Die verschiedenen Stempel und Stempelmarken

sollen dem Registrator der öffentlichen Rechnungsführung („Public

Accaunts“) zur Aufbewahrung gegeben werden, der alle Urkunden,

die eine Stempelung erfordern, mit dem richtigen Stempel, der

die Summe der bezahlten Gebühr trägt, versieht und der jeder

Person auf Verlangen geforderte Stempelmarken gegen Empfang des

Betrages zu verabfolgen hat. Es wird jedoch verfügt, dass, bis

nicht der Minister der Finanzen durch eine öffentliche Kundmachung

in allen Zeitschriften Honolulus mittheilt, dass er genügend

Stempelmarken zur Befriedigung des Publikums hat, ~Postmarken~

des Königreiches von den Parteien zu allen Urkunden, die eine

Stempelgebühr von weniger als 1 Dollar erfordern, zu verwenden

gestattet sei.

~Section~ IV. Alle Personen, die Stempelmarken oder Postmarken

gebrauchen, sollen dieselben sofort vernichten, indem sie quer über

dieselben ihren Namen und das Datum der Vernichtung geschrieben

oder auf irgend eine andere Weise die Ungültigkeit derselben zum

wiederholten Gebrauch bezeichnet haben.

~Section~ V. Jede Urkunde, die eine Abstempelung erfordert,

soll sauber und derart gestempelt sein, dass der Stempel auf

demselben Papiere für eine andere Urkunde nicht benutzt werden kann.

Die Sandwich-Inseln, oder das Inselreich von Hawaii. · 第 1 / 4 章