Ihr aufrichtig ergebener

~John Kirk~.“

„Zanzibar, 22. September 1871.

Mylord!

Soeben durch Spezialboten, die Unyanyembé vor etwa einem Monat

verlassen haben, empfangene Briefe bringen uns die Nachricht

von einem schweren Unglück, das der dortigen arabischen Colonie

zugestossen ist und wahrscheinlich den Weg nach Udschidschi und

Karague für die nächste Zukunft versperren wird.

In Bezug auf die Hauptereignisse stimmen alle Berichte überein;

aber natürlich sind die Briefe Herrn Stanley’s, eines Amerikaners,

der sich an Ort und Stelle befand, die ausführlichsten und

zuverlässigsten. Ich verdanke Herrn Webb, dem hiesigen amerikanischen

Consul, einige Einzelheiten, die in diesen Briefen erzählt werden,

welche ohne Zweifel anderswo in extenso werden veröffentlicht werden.

In Kürze ist die Lage folgende: Die arabische Colonie des Innern,

deren Mittelpunkt Unyanyembé ist, hat seit einiger Zeit unter der

Führung von habgierigen, grundsatzlosen Leuten gestanden, deren sowol

an Eingeborenen wie an den ärmeren Arabern verübten Erpressungen

seit einiger Zeit Gegenstand von Klagen bei Seyd Barghasch geworden

sind, welcher ausser Stande ist, sich bei einer solchen Entfernung

in die Dinge zu mischen, solange dieselben für die Araber gut gehen.

Ein Häuptling, dessen Dorf eine Tagereise auf der Hauptstrasse von

Udschidschi nach Karague entfernt liegt, zog sich die Ungnade der

Unyanyembé’schen Ansiedler zu und sein Wohnsitz wurde darauf durch

eine Truppenmacht von etwa 1500 mit Flinten bewaffneten Soldaten

angegriffen. Da er einsah, dass er das belagerte Dorf nicht halten

könne, zog er sich mit seinem Gefolge zurück und legte sich in einen

Hinterhalt, um die Angreifer auf ihrem Rückzuge zu überfallen, wo

sie mit Elfenbein und anderer Beute beladen waren. Der Erfolg war

für die Araber sehr unglücklich; viele derselben wurden getödtet mit

Einschluss von 10 oder 20 Vornehmen, die guten hiesigen Familien

angehören. Der arabische Rückzug artete bald in eine wilde Flucht aus

und es ging dabei viel Vermögen verloren. Glücklicherweise gelang

es Herrn Stanley, der am Fieber erkrankt und geschwächt war, nach

Unyanyembé zurückzukehren; er wurde aber von den Arabern im Stich

gelassen, deren Betragen er als ungemein feig schildert.

Das ist beständig der Zustand der Dinge in Central-Afrika. Der Weg

nach Udschidschi wird jetzt auf einige Zeit versperrt sein und es

ist sehr ungewiss, wann wir wieder etwas von Dr. Livingstone hören

können. Einer der Leute, die jetzt hergekommen sind, berichtet, dass

ein Gerücht im Umlauf sei, Mahomed bin Gharib und der Weisse (Dr.

Livingstone) würden von Manyema über Marungu und Wemba zurückkommen.

Das Gerücht ist jedoch, meines Erachtens, nichts werth, doch kann ich

es immerhin erwähnen.

Die letzten von Herrn Churchill abgesandten Gegenstände haben

Unyanyembé, wie ich schon früher berichtet, erreicht. Jetzt erfahre

ich jedoch, dass der Führer, dem sie anvertraut worden, am Tage

nachdem er nach Udschidschi abgezogen, gestorben ist und die Güter

nach Unyanyembé zurückgebracht worden sind. Ich habe jetzt wenig

Zutrauen zu dem Scheikh Said bin Salim und werde Herrn Stanley

schreiben, der bisher wol nicht im Stande gewesen sein wird, den Ort

zu verlassen, und ihn bevollmächtigen, Einrichtungen zu treffen, die

Güter zu befördern oder, wenn er das nicht kann, für mich nach seinem

besten Urtheil zu handeln, um dieselben vor Plünderung zu schützen;

bei dem jetzigen Stande der Dinge aber wird es ein sehr grosses Glück

sein, wenn sie überhaupt gerettet werden und je ihren Bestimmungsort

erreichen.

Die Boten werden sich in ein paar Tagen auf ihren Rückweg machen

und sollten im Stande sein, ihre Reise bequem in 70–75 Tagen zu

vollenden, denn der Weg ist so weit frei und Nahrungsmittel reichlich

vorhanden.

Für den arabischen Elfenbeinhandel ist die jetzige Lage der Dinge

sehr ernst; sie haben sich jetzt weit im Innern niedergelassen und

sich mit Tausenden von Sklaven, die aus dem Lande selbst sind,

umgeben; ohne diese können sie nicht auskommen und doch können sie

ihnen nicht Vertrauen schenken, denn sie sind alle bewaffnet und

können sich gegen ihre Herren wenden.

Der Häuptling, mit dem sie Krieg führen, ist mit Waffen wohl versehen

und eine seiner Karavanen befindet sich jetzt mit mehreren hundert

Fässern Pulver auf dem Wege ins Innere. Um diese Leute auf ihrer

Reise anzuhalten, haben die Wasagara bereits den Befehl erhalten,

sie anzugreifen und zu plündern; das kann jedoch auch nur der Anfang

ähnlicher Angriffe auf arabische Karavanen sein, denn die wilden

Stämme werden sich wenig darum kümmern, wen sie angreifen, wenn man

sie erst zum Plündern ermuthigt hat.

Ich habe die Ehre u. s. w.

~John Kirk~,

politischer Agent und Consul für Zanzibar.

_An Earl Granville._“

Kapitän R. F. Burton theilte mit, dies sei nicht das erste mal,

dass Unfriede zwischen den arabischen Handelsgemeinschaften und

den Eingeborenen von Unyanyembé und Unyamwezi ausgebrochen sei.

Der jetzige Stand der Dinge könne noch 2–3 Jahre anhalten; wenn

aber Livingstone es zu vermeiden wünsche, durch diesen Bezirk zu

ziehen, so würde es keine Schwierigkeiten für ihn haben, seinen

Rückweg südlich vom See Tanganika zu nehmen. Zu gleicher Zeit

würde ein muthiger Weisser, wie Livingstone, der die Sprache der

Eingeborenen spricht, im Stande sein, sicher durch Ortschaften zu

ziehen, in welche sich kein Schwarzer hineinwagen darf. Er habe nicht

die geringste Furcht in Bezug auf Livingstone, sondern sei davon

überzeugt, dass im Augenblicke, wo ihm irgend etwas geschähe, die

Nachricht sich sofort an die Küste verbreiten und der Gesellschaft

fast so rasch wie durch den Telegraphen zukommen würde.

27. November. Sir Henry Rawlinson zeigt an, dass er der Versammlung

eine Mittheilung über einen andern Gegenstand, an dem die

Geographische Gesellschaft ein ebenso warmes Interesse nehme, nämlich

über Dr. Livingstone zu machen habe. Bei der letzten Versammlung

habe er Veranlassung gehabt, Briefe, die von Dr. Kirk an unsern

hochgeehrten verstorbenen Vorsitzenden und an die Regierung von

Bombay geschickt worden, vorzulesen, in denen er Unruhen beschrieben,

welche zufällig in Afrika ausgebrochen und die Verbindung zwischen

der Meeresküste und dem See Tanganika unterbrochen hätten. Ueber

denselben Gegenstand hätte das Auswärtige Amt eine Depesche von

Dr. Kirk seitdem erhalten, ein Duplicat einer früher gelesenen, an

die Regierung von Bombay gerichteten Depesche. Er wünsche jetzt die

Massregeln anzukündigen, die der Vorstand am heutigen Tage infolge

des Empfangs dieser Briefe beantragt habe. Dem Vorstande und ihm

selbst schiene es jetzt, dass die bisher gehegte Hoffnung, durch

Herrn Stanley, den amerikanischen Reisenden, mit Dr. Livingstone

in Beziehung zu treten, aufzugeben sei und daher sei es Pflicht

des Vorstandes, auf andere Mittel zu sinnen, dies zu erreichen. Er

beabsichtige jetzt, sich an das Auswärtige Amt zu wenden, damit

entweder direct von diesem oder durch Zusammenwirken desselben und

unserer Gesellschaft Mittel geschafft würden, mit dem Innern, wo

sich Livingstone vermuthlich aufhielte, in Verbindung zu gelangen.

Der eine Plan bestände darin, eingeborene Boten abzusenden, denen

man eine Belohnung von 100 Guineen für das Ueberbringen eines

eigenhändigen Briefes von Dr. Livingstone an die Seeküste aussetze;

der andere von einem unserer Afrikareisenden herrührende Vorschlag

laute, eine directe, von einem erfahrenen, dazu geeigneten Europäer

geleitete Expedition hinzuschicken. Welcher von diesen Plänen am

räthlichsten erscheine, werde vom Resultat der Unterhandlung mit dem

Auswärtigen Amt abhängen; die Gesellschaft könne aber versichert

sein, dass der Vorstand kein Mittel unversucht lassen werde,

festzustellen, ob Dr. Livingstone in Manyema zurückgehalten werde, wo

er den Berichten zufolge zusammen mit dem arabischen Händler Mohammed

bin Gharib so lange gelebt haben soll.

Herr Hormuzd Rassam sprach auf eine an ihn gerichtete Anfrage seine

Meinung dahin aus, dass nach seinen Erfahrungen in Abessinien die

beste Art, Nachrichten über entfernte Individuen zu bekommen,

diejenige sei, Eingeborene als Boten auszuschicken. Bei drei

verschiedenen Gelegenheiten habe er sich dieser Methode bedient, von

Massowah aus mit den Gefangenen von Magdala in Verbindung zu treten.

Er habe drei verschiedene Boten gebraucht, einen christlichen,

einen mohammedanischen und einen Eingeborenen von Westabessinien.

Diese habe er auf verschiedenen Routen abgesandt und sei vollkommen

überzeugt gewesen, dass der eine von den Bewegungen der andern nichts

gewusst habe. Zwar habe einer derselben einen selbstfabrizirten Brief

zurückgebracht; die beiden andern aber seien etwa zehn Tage vor der

verabredeten Zeit mit authentischen Nachrichten zurückgekehrt. Einige

in Muscat lebende Araber, die bis an den Tanganika-See gereist seien,

hätten versichert, man könne, mit Perlen und andern Tauschartikeln

gehörig versehen, ohne Schwierigkeiten hin- und zurückreisen.

General Rigby war der Ueberzeugung, dass der von Herrn Rassam

empfohlene Plan vollständig misglücken werde. Zwar könnten in

Abessinien einzelne Reisende von einem entfernten Punkte des

Landes an einen andern reisen, aber auf der Ostküste Afrikas sei

dies unmöglich. Dort müssten alle Reisende von durch Bewaffnete

geschützten Karavanen begleitet werden. Nur Handelskaravanen machten

die Reisen an die Seen und diesen wäre es ganz gleichgültig, wie

viel Zeit sie darauf verwendeten; wenn die Gesellschaft sich darauf

verliesse, dass ein einzelner Eingeborener sich einer Karavane

anschlösse und darauf warte, bis er mit einer andern zurückkehren

könne, so könnte sie wol fünf Jahre oder noch länger warten. Er

sei überzeugt, dass der einzige Weg, sich mit Livingstone in

Verbindung zu setzen und ihm Hülfe zu bringen, darin bestehe, einen

unternehmenden englischen Reisenden von Zanzibar mit einer kleinen

bewaffneten Truppe und ausreichenden Vorräthen abzusenden.

Herr Rassam wollte nur noch hinzufügen, dass er durch Boten mit

Häuptlingen in den entfernten Galla-Ländern in Verbindung getreten

sei, die man nur durch eine Reise von 30–40 Tagen habe erreichen

können. Seiner Meinung nach werde es nichts schaden, wenn man beide

Pläne versuchte.

Der Vorsitzende theilte mit, der Vorstand habe sich entschlossen,

zuerst den Versuch mit den eingeborenen Boten zu machen und wenn dies

misglückt sei, könnten sie das ernstere Unternehmen einer Expedition

in Angriff nehmen.

Die folgende Correspondenz, welche auf die an Dr. Livingstone gesandten

Vorräthe Bezug hat, ist vom Auswärtigen Amt veröffentlicht worden:

~Dr. Livingstone an Dr. Kirk.~

„Udschidschi, 30. October 1871.

Mein Herr!

Am 25. und 28. habe ich Ihnen zwei eilige Briefe gesandt, welche (der

eine für Sie, der andere für Lord Clarendon bestimmt) nach Unyanyembé

befördert worden sind. Ich war gerade hier ganz abgemattet an Geist

und Körper angekommen, als ich fand, dass Ihr Agent Scherif Bascha

alle von Ihnen geschickten Waaren zu eigenen Gunsten für Sklaven und

Elfenbein verkauft hatte. Er hatte den Koran um Rath gefragt und

herausgefunden, dass ich todt sei. Auch schrieb er an den Gouverneur

von Unyanyembé, er habe Sklaven nach Manyema gesandt, die mit dem

Berichte zurückgekehrt seien, ich sei todt; er erbat sich deshalb vom

Gouverneur die Erlaubniss, die Waaren zu verkaufen. Scherif Bascha

wusste jedoch von Leuten, die aus Manyema von mir gekommen waren,

dass ich in der Nähe von Udschidschi in Bambarre sei und auf ihn und

meine Güter warte. Als aber meine Freunde hier gegen den Verkauf

meiner Waaren protestirten, antwortete er ihnen jedesmal: “Ihr wisst

nichts über die Angelegenheit; ich allein weiss, dass der Consul mir

den Auftrag gegeben hat, einen Monat in Udschidschi zu bleiben und

dann die Sachen zu verkaufen und zurückzukehren.„ Als ich ankam,

sagte er, Ludha hätte ihm das befohlen. Von den Banyanischen Sklaven,

die Sie hergeschickt, erfahre ich, dass sich Ludha an Ali bin Salim

bin Raschid, eine notorisch unehrliche Persönlichkeit, gewandt und

dieser ihm Scherif Bascha als Führer der Karavane anempfohlen habe.

Kaum hatte dieser den Oberbefehl erhalten, so begab er sich zu

Muhamad Nassur, der ihn mit 20 Kisten Seife und 8 Kisten Branntwein

versah, die er im Einzelverkauf auf der Reise ins Innere losschlagen

sollte. In Bagamoyo bekam Scherif eine Menge Opium und Schiesspulver

von zwei dortigen Banyanen, deren Namen mir unbekannt sind. In ihrem

Hause öffnete Scherif die Seifenkisten und steckte ihren Inhalt in

meine Ballen; die Branntweinkisten liess er uneröffnet und brauchte

Pagazi, die aus meinen Ballen bezahlt wurden, zum Transport des

Opiums und des Schiesspulvers. Die Banyanen und Scherif hatten also

ihre eigenen Handelsspeculationen verfolgt, anstatt die Beziehungen

zwischen zwei Regierungsbeamten zu vermitteln und von da ab wurden

alle Reiseausgaben aus meinen Vorräthen bezahlt und Scherif war im

Stande, seinen Mitschuldigen 5 Frasilehs Elfenbein im Werthe von

etwa 60 Pfd. Sterl. aus Unyanyembé zu schicken. Wiederum wurden die

Pagazi von mir bezahlt. Er beeilte sich keineswegs, mir zu Hülfe

zu kommen, sondern brachte 14 Monate auf der Reise zu, auf einer

Entfernung, die man in drei Monaten hätte zurücklegen können. Wenn

man zwei Monate Aufenthalt durch Krankheit abzieht, so bleiben noch

12 Monate, von denen neun den Privatinteressen der Banyanen und des

Scherif gewidmet waren. Er hat meine Güter verprasst, indem er sich

das Beste an Speise und Trank, was das Land darbietet, kaufte; er

hat in meinem Zelte gewohnt, bis es so verfault und zerrissen war,

dass ich es nicht ein einziges mal brauchen konnte; er hat sich zwei

Monate an drei verschiedenen Orten aufgehalten, um Branntwein, Opium,

Schiesspulver und Seife zu verkaufen und als dies geschehen war

wollte er, nachdem er in Udschidschi angekommen, nicht weiter ziehen.

Hier wird allgemein berichtet, er sei einen ganzen Monat betrunken

gewesen, und alles Durra, Pombé und den Palmwein hat er mit meinen

schönen Samsam-Perlen gekauft. Er hat 24 Meter Calicot monatlich für

sich, 8 Meter für jeden seiner zwei Sklaven, 8 Meter für seine Frau

und 8 Meter für Awathe, den zweiten Führer, verausgabt. Als er mir

die sieben Banyanen, von Ludha gemiethete Sklaven, nach Bambarre

schickte, bewilligte er mir nur zwei Frasilehs der gröbsten Perlen,

die er offenbar für meine schönen Samsam eingetauscht hatte, ein

paar Stücke Calicot und aus Gnade und Barmherzigkeit die Hälfte des

Kaffees und Zuckers. Die Sklaven kamen ohne Lasten. Schliesslich ging

Scherif soweit, wie bereits berichtet, alles mit Ausnahme der andern

Hälfte des Kaffees und Zuckers und eines Bündels unverkäuflicher

Perlen sowie von vier Stücken Calicot zu verkaufen. Er zog von hier

fort, deponirte jedoch, da er von Unruhen hörte, die in Unyanyembé

ausgebrochen, sein Elfenbein in einem nahe belegenen Dorfe, kam

zurück, nahm sich die vier Stück Calicot, und ich habe von all

dem schönen Calicot und den Perlen, die Sie mir zugesandt, nicht

+einen+ Meter oder eine einzige Reihe Perlen bekommen. Awathe,

der zweite gemiethete Führer, schaute dem von Scherif verübten Raube

von der Küste an zu und hat nie dagegen Einspruch erhoben oder einen

Bericht darüber an seinen Miethsherrn erstattet. Vor Ihnen hat er

sorgfältig ein Leiden verborgen, welches ihn daran verhinderte,

mir auch nur einen Dienst zu leisten. Er hatte nämlich einen Bruch

lange, ehe er gemiethet worden, und mir hat er gesagt, dass die

grosse Fleischgeschwulst plötzlich bei seiner Ankunft in Udschidschi

entstanden sei. Es ist kein Wasserbruch, sondern Fleischbruch und

seine eigene Erzählung beweist, dass der Schmerz, den er simulirte,

ganz aufgehört hatte, als sich einer meiner Freunde, Dugumbe, dazu

erbot, ihn in kurzen, bequemen Tagereisen zu mir zu führen. Er

schlug dies aus, da er glaubt, die Banyanen hätten so viel Macht

über uns, dass er seinen vollen Lohn für die ganze Zeit, in der er

meine Waaren verzehrt hat, bezahlt bekommen werde, obwol er ausser

Stande war, seinen Dienst zu versehen. Dugumbe erbot sich auch, ein

Packet Briefe, das dem Scherif als meinem Agenten übergeben worden,

mir zu bringen; als er ihm aber mittheilte, er sei im Begriff, sich

auf die Reise zu machen, kam nichts zum Vorschein. Das Packet ist

wol zerstört worden, damit ich nicht die Liste von Waaren zu sehen

bekäme, die Sie mir durch einen gewissen Hassani nach Unyanyembé

geschickt haben. Indem ich mich gebührenderweise Ihrem Urtheil

unterwerfe, fordere ich doch alle dadurch entstandenen Ausgaben,

wie sie in Ludha’s Büchern enthalten sind, von den Banyanen zurück,

die betrügerischerweise aus einer Karavane, die mir Hülfe bringen

sollte, ein Mittel gemacht haben, um ihre eigene Geldgier zu

befriedigen. Muhamad Nassur kann die Namen der übrigen banyanischen

Mitschuldigen Scherif’s angeben, welche es zugelassen haben, dass

die mir zugedachte Hülfe in eine Speculation verwandelt worden ist;

sie sollten die von Ludha mitgeschickten Sklaven bezahlen und sich

ihre Auslagen von Scherif wiedergeben lassen. Ich berichte diesen

Fall sowol an die Regierung Ihrer Majestät, als an Sie und glaube,

dass Sie dadurch besser im Stande sein werden, dafür zu sorgen, dass

mir Gerechtigkeit widerfahre und den Banyanen Scherif und Awathe

sowie den banyanischen Sklaven, welche mich, anstatt den in Ihrer

Gegenwart eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen, in aller Weise

schikanirt und gehindert haben, die gebührende Strafe zutheil werde.

Indem Sie die Angelegenheit meiner Vorräthe und Leute dem Banyanen

Ludha anvertraut haben, scheinen Sie nicht gewusst zu haben, dass

unsere Regierung ihren Beamten verbietet, Sklaven zu benutzen. Der

Commissar und Consul in Loanda auf der Westküste hat nach dem fernen

St. Helena geschickt, um ziemlich dumme Diener zu bekommen, nur damit

er sich nicht die Ungnade des Auswärtigen Amtes dadurch zuziehe, dass

er geschickte portugiesische Sklaven, die zur Hand waren, benutze.

Unter den sehr schwierigen Verhältnissen, von denen Sie reden,

da die Cholera wüthete und Sie weder meine bereits übermittelten

Instructionen, freie Leute und nicht Sklaven zu miethen, noch die in

dem verlorenen Packete enthaltenen Geldanweisungen erhalten hatten,

war es vielleicht am einfachsten, sich an Ludha zu wenden; ich hoffe

indess, Sie werden mich nicht für undankbar halten, wenn ich darauf

hinweise, dass dies doch ein grosser Irrthum war. Ludha ist zwar

höflich, aber der Sklavenhandel und fast jeder andere Handel wird

hauptsächlich durch das Geld der Banyanen vermittelt, die britische

Unterthanen sind und den grössten Theil des Profits empfangen, es

aber verstehen, das Odium der Sklaverei geschickt auf die Araber zu

wälzen. Sie hassen uns Engländer und freuen sich mehr, wenn uns etwas

misglückt, als wenn es gelingt. Ludha hat seine eigenen und andere

banyanischen Sklaven zum Jahreslohne von 60 Dollars hergeschickt,

während die gewöhnliche Bezahlung für Freie aus Zanzibar 25–30

Dollars beträgt. Er wird enorme Interessen für das vorgeschossene

Geld verlangen, angeblich 20–25 Procent, und selbst wenn Scherif’s

Behauptung, dass Ludha ihm befohlen, nicht weiter als nach

Udschidschi zu gehen, sondern nach einem Monat alles zu verkaufen

und zurückzukehren, vollständig unwahr wäre, so ist es doch sehr

merkwürdig, dass jeder der banyanischen Sklaven es aufs bestimmteste

behauptete, dass sie mir nicht folgen, sondern mich zur Umkehr

zwingen sollten. Ueber Leute, welche wussten, dass sie ihr Gehalt

nicht weiter beziehen würden, hatte ich natürlich keinen Einfluss.

Es ist auch sehr merkwürdig, dass die Zwecke Ihrer Karavanen so

vollständig durch Banyanen, die fast unter dem Schatten des Consulats

mit Scherif unter einer Decke stecken, vereitelt werden können und

Ihnen weder ein Dragoman, noch andere Ihrer besoldeten Untergebenen

das anzeigt. Diesen konnte doch der Charakter des Ali bin Salim bin

Raschid und seines Gefährten Scherif kaum unbekannt sein. Wie kann

man sie aber ohne glaubwürdige Zeugnisse in Dienst nehmen?

Wie ich Livingstone fand; Zweiter Band · 第 77 / 88 题