(gez.) ~John Kirk~.“
Dr. Kirk hatte mit seiner Bitte beim Sultan keinen Erfolg, wie er
mir später mittheilte; ich traf deshalb sofort Schritte, anderweitig
einen Führer zu beschaffen, und es gelang mir in wenigen Stunden einen
von Scheikh Haschid sehr empfohlenen Mann zu finden, den ich gegen
Vorausbezahlung von 100 Dollars miethete. Der junge Araber schien
zwar nicht übermässig intelligent, aber doch ehrlich und tüchtig zu
sein. Ich überliess es aber Dr. Livingstone, ob er ihn nach seiner
Ankunft in Unyanyembé noch weiter benutzen wolle, da dieser dann selbst
entscheiden könne, ob er ganz zuverlässig sei.
Am 25. segelte Lieutenant Dawson, nachdem er sich einen Platz auf der
amerikanischen Barke „Mary A. Way“, Kapitän Russell, nach New York
genommen hatte, ab. Ich gab ihm einen Einführungsbrief an einen Freund
in New York mit. Wir trennten uns in höchst freundschaftlicher und
wohlwollender Weise, da ich ihn für einen ritterlichen Gentleman hielt.
Am Morgen des 26. machte Dr. Kirk seinem Freunde, Herrn Webb, im
amerikanischen Consulat einen Besuch und als er im Hause war, ergriff
ich die Gelegenheit, ihm zu sagen: „Herr Doctor, ich fürchte, ich
werde nicht im Stande sein, die Expedition für Dr. Livingstone so
schnell wie ich hoffte abzusenden. Wenn das Dampfschiff, welches Herr
Henn, Herr Livingstone und ich gemiethet haben, abfahren muss, ehe ich
die Expedition auf den Weg bringen kann, so würde ich Sie bitten, sich
der Mühe zu unterziehen.“
Hierauf erwiderte mir Dr. Kirk: „Wenn Sie das thun, so werde ich es
abschlagen müssen. Ich will mich nicht wieder unnöthigen Beleidigungen
aussetzen.[9] Als Privatmann habe ich nicht die Absicht, noch
irgendetwas für Dr. Livingstone zu thun. Officiell werde ich für ihn
ebenso handeln, wie für jeden andern britischen Unterthan.“
„Sie sprechen von unnöthigen Beleidigungen, Herr Dr. Kirk?“ fragte ich.
„Ja wohl.“
„Darf ich fragen, worin dieselben bestanden haben?“
„Er tadelt mich, dass ihn die Karavanen nicht zur rechten Zeit
erreicht, und wirft mir vor, Sklaven gemiethet zu haben. Was kann ich
aber dafür, dass die Leute ihn nicht erreicht haben?“
„Verzeihen Sie, Herr Doctor, aber wenn Sie an Dr. Livingstone’s
Stelle wären, so würden Sie ebenso gehandelt haben. Sie würden Ihren
besten Freund mindestens im Verdacht der Kälte, um nicht mehr zu
sagen, gehabt haben, wenn Ihnen die Leiter der Karavanen ein mal nach
dem andern erzählt hätten, dass sie vom Consul den Befehl erhalten,
Sie zurückzubringen und Sie unter keinen Umständen irgendwohin zu
begleiten.“
„Er konnte ja aber aus den Contracten ersehen, dass ich dieselben dazu
gemiethet hatte, ihn überallhin zu begleiten. Wenn er lieber Negern und
Mischlingen als meinen Worten und officiellen Mittheilungen glaubt, so
ist er ein Narr; das ist alles, was ich zu sagen habe.“
„Aber, werthester Herr, wie kann Dr. Livingstone anders als einigen
Zweifel gegen den Vertrag zu hegen? Schwören es ihm nicht alle die
Leute zu, dass Sie ihnen befohlen haben, ihn zurückzubringen? Alle
seine Bitten sind umsonst, und das Ganze endet damit, dass er gezwungen
ist, von seinen Entdeckungen zurückzukehren. Musste er nicht glauben,
dass dem irgendetwas Unerklärliches zu Grunde liege? Ueberall im Innern
hat er dieselbe Geschichte immer wieder von neuem gehört, dass Sie ihm
einen Brief geschrieben haben, der ihm befiehlt, zurückzukommen.“
„Dafür kann ich nichts; ich habe ihm einen Brief geschrieben gerade so,
wie er ihn mir geschickt.“
„Dann“, sagte ich, „geht es nicht an, dass ich die Karavanen in
Zanzibar lasse. Ich muss sie selbst noch auf den Weg bringen.“
Am nächsten Tage sammelte ich die Leute; da es aber gefährlich war,
ihnen das freie Herumspazieren in der Stadt zu gestatten, so schloss
ich sie in einen Hof ein, gab ihnen daselbst zu essen und liess sie
warten, bis alle 57 beim Namensaufruf sich als anwesend meldeten.
Mittlerweile verschaffte ich mir mit Hülfe des amerikanischen Consuls
die Dienste des Hauptdragomans des amerikanischen Consulats Dschohari,
der den Auftrag erhielt, die Expedition über die überschwemmte Ebene
des Kingani zu führen, und dem es eingeschärft wurde, in keinem
Falle zurückzukehren, bis die Expedition vom westlichen Ufer des
Kingani-Flusses abmarschirt sei. Herr Oswald Livingstone bezahlte ihm
freigebigerweise ein Douceur dafür, dass er seiner Pflicht vollkommen
nachkomme.
Als eine Dhow vor dem amerikanischen Consulat vor Anker gegangen war,
hielt ich folgende Anrede an meine alten Gefährten: „Ihr steht jetzt
im Begriff, nach Unyanyembé zum “Grossen Meister„ zurückzukehren. Ihr
kennt ihn und wisst, dass er ein guter Mann ist und ein gütiges Herz
hat. Er ist anders als ich und wird Euch nicht so schlagen, wie ich
es gethan. Aber Ihr wisst doch auch, dass ich Euch alle belohnt, Euch
alle mit Tuch und Geld reich gemacht habe. Ebenso wisst Ihr, wie ich
stets Euer Freund gewesen bin, wenn Ihr Euch gut aufführtet. Ich habe
Euch reichliche Nahrung und Kleidung gegeben. Wenn Ihr krank waret,
habe ich mich um Euch bekümmert. Wenn ich nun schon so gut gegen Euch
war, so wird es der Grosse Meister um so viel mehr sein. Er hat eine
liebliche Stimme und spricht freundlich. Wann habt Ihr je seine Hand
gegen einen Frevler aufheben sehen? Wenn Ihr Böses gethan hattet, so
sprach er nicht böse, sondern nur traurig zu Euch. Wollt Ihr mir nun
jetzt versprechen, ihm zu folgen, ihm in allen Dingen zu gehorchen und
ihn nicht zu verlassen?“
„Das wollen wir, das wollen wir, Herr!“ riefen sie alle eifrigst.
„Dann bleibt noch eins übrig. Ich wünsche Euch allen die Hand zu
drücken, ehe Ihr fortgeht und wir uns auf immer trennen.“ Alle stürzten
sogleich auf mich zu und wir schüttelten uns gegenseitig kräftigst die
Hände.
„Jetzt nehme ein jeder seine Last auf!“
Ich führte sie nun auf die Strasse und an den Strand, sah, wie sie alle
eingeschifft und die Segel aufgehisst wurden und wie die Dhow westwärts
nach Bagamoyo abfuhr.
Es war mir sonderbar zu Muthe und ich fühlte mich einigermassen
verlassen. Meine schwarzen Freunde, die so viele Hunderte von Meilen
mit mir gereist, so viele Gefahren mit mir getheilt hatten, waren fort
und ich war allein gelassen. Werde ich wol je eins ihrer freundlichen
Gesichter wiedersehen?
Am 29. fuhr der dem deutschen Consulat gehörige Dampfer „Afrika“, den
die Herren Henn, Livingstone, New, Morgan und ich gemiethet hatten, von
Zanzibar nach den Sechellen ab, geleitet von den besten Wünschen aller
auf der Insel wohnhaften Europäer.
Auf unserer Reise nach Osten sahen wir die „Mary A. Way“, auf welcher
sich Dawson allein befand. Ich wunderte mich, dass dieser eine so
langsame Segelgelegenheit benutzt hatte. Nach meiner Ankunft in England
bekam ich aber einen an den Secretär der Königl. Geographischen
Gesellschaft gerichteten Brief zu Gesicht, worin er sagt:
„Ich hätte dieselbe Route genommen; aber wenn ich auch Herrn Stanley
sein wohlverdientes Glück nicht misgönne, so wäre es mir, wenn nicht
uns beiden, unangenehm gewesen, zusammen zu reisen, und von Zanzibar
gibt es nur wenige Gelegenheiten nach Europa.“
Ich kann mir die Gesinnungen, von denen dieser Brief eingeflösst
worden, nicht vorstellen; sie sind so anders als ich nach der offenen,
edlen Natur des Schreibers voraussetzen musste. Ich kann es jedoch
begreifen, dass es ihm nicht angenehm sein mochte, mit mir zu reisen,
wenn sich irgend jemand unedle, misgünstige Vergleiche zu Schulden
kommen liess; warum es aber mir unangenehm sein sollte, kann ich gar
nicht einsehen.
Am 9. Juni kamen wir bei den Sechellen an, ungefähr zwölf Stunden
nachdem die französische Post nach Aden abgegangen war. Da eine
Verbindung zwischen Mahé, auf den Sechellen, und Aden nur einmal im
Monat stattfand, so mussten wir auf der Insel Mahé einen ganzen Monat
bleiben. Die Herren Livingstone, New, Morgan und ich mietheten ein
kleines hölzernes Haus, welches wir Livingstone-Cottage nannten; Herr
Henn dagegen zog in ein Hotel.
Der Aufenthalt in Mahé gehört zu den angenehmsten Erinnerungen an
meine Rückreise von Afrika. Ich fand in meinen Gefährten angenehme
Gesellschafter und echte Christen. Herr Livingstone entwickelte eine
Menge liebenswürdiger Charakterzüge und erwies sich als ein fleissiger,
nachdenkender, ernster Mann. Als schliesslich der französische Dampfer
von Mauritius ankam, bedauerte ein jeder von uns, dass wir die schöne
Insel und die gastfreien britischen Beamten, die dort stationirt sind,
verlassen mussten. Der Civil-Commissär, Hales Franklyn, und Dr. Brooks
thaten ihr Bestes, um es dem Wanderer angenehm zu machen, und ich
benutze diese Gelegenheit, die vielen Höflichkeiten, die ich persönlich
von ihnen erfahren, hiermit besonders hervorzuheben.
In Aden gingen die von Süden kommenden Passagiere auf den französischen
Postdampfer „Mei-kong“ über, der von China nach Marseille fuhr. In
diesem Hafen wurde ich von Dr. Hosmer und dem Repräsentanten des „Daily
Telegraph“ mit offenen Armen empfangen. Diese sagten mir, wie man die
Resultate der Expedition ansähe, aber erst bei meiner Ankunft in
England machte ich mir die ganze Lage klar.
Herr Bennett, welcher das ganze Unternehmen ins Leben gerufen und
erhalten hatte, krönte dasselbe jetzt durch eine der freigebigsten
Thaten, die man sich denken kann. Ich hatte Dr. Livingstone
versprochen, dass ich 24 Stunden, nachdem seine Briefe an Bennett in
den Londoner Zeitungen veröffentlicht wären, die für seine Familie und
Freunde in England bestimmten Briefe der Post übergeben werde. Um es
mir zu ermöglichen, mein verpfändetes Wort zu halten, beförderte Herrn
Bennett’s Agent die beiden Briefe durch den Telegraphen, was ihm nahezu
2000 Pfd. Sterling kostete.
* *
*
Nur noch einige Worte, theurer Leser, und dann zum Schluss! Es
wäre vielleicht würdevoller, wenn ich hier innehielte und unter
diesen Bericht über meine Reiseabenteuer und Entdeckungen das Wort
_Finis_ setzte. Es gibt aber einige Dinge, an denen ich nicht
stillschweigend vorübergehen kann, und unter diesen befindet sich die
Behandlung, die ich in England erfahren.
Die englische Presse scheint sich vor meiner Ankunft in England
in einem Netze von Irrthümern befunden zu haben. Kaum ein
afrikanisches Wort war richtig, alle Daten falsch, die Thatsachen
in unbegreiflichster Weise verdreht, und das schien zu Zweifeln und
Argwohn Veranlassung zu geben. Mit Ausnahme eines aus Unyanyembé
geschriebenen Briefes, der Depeschen nach meiner Rückkehr aus
Zanzibar und meiner Briefe aus Marseille, verwerfe ich alles übrige.
Ich kann nur für das einstehen, was ich geschrieben habe. Was im
„New York-Herald“ als meine Briefe und Depeschen veröffentlicht
worden, erkenne ich als correct an mit Ausnahme, wo Druckfehler sich
eingeschlichen haben, was bei den sonderbaren Namen und wol auch bei
meiner Handschrift natürlich ist, die, wenn man am Fieber leidet, nicht
sehr klar oder zierlich ausfallen kann.
Es ist aber eine erstaunliche Thatsache, dass englische Redacteure
darauf eifersüchtig waren, dass ein amerikanischer Correspondent Dr.
Livingstone hatte auffinden sollen. Fast alle englischen Zeitungen
haben ihre Ansichten über diesen Punkt in ganz deutlichen Ausdrücken
ausgesprochen, obgleich die hauptsächlichsten und angesehensten nicht
gezögert haben, mir zu gleicher Zeit viel Lob zu zollen. Ich beziehe
mich hierbei auf die „Times“, die „Daily News“ und die „Morning Post“.
Meine Herren Redacteure, wenn ich Ihnen auch für Ihr einem jungen und
nach seiner eignen Ansicht in keiner Weise ausgezeichneten Journalisten
gezolltes Lob danke, so muss ich doch offen gestehen, dass Sie kein
Recht haben, auf mich oder sonst jemand eifersüchtig zu sein. Ich bin
nur ein Special-Correspondent der Zeitung, der ich zu dienen die Ehre
habe und ganz zur Verfügung stehe. Ich war contractlich verpflichtet,
überallhin zu gehen, wenn es mir befohlen wurde. Ich habe nicht nach
der Auszeichnung gestrebt, Livingstone aufzusuchen; als ich aber den
Ruf erhielt, war ich gezwungen, entweder zu gehorchen oder meine Stelle
niederzulegen. Ich habe es vorgezogen, das erstere zu thun. Wenn Sie
dieses Buch gelesen haben, so werden Sie wissen, was aus der mir
anvertrauten Mission geworden, wie sie angefangen und wie sie beendet
ist.
Auch haben Sie kein Recht, meine Herren, auf meinen Auftraggeber
eifersüchtig zu sein. Ihnen stand ja Afrika ebenso offen wie ihm.
Die Amerikaner empfanden ein ebenso grosses Interesse für Dr.
Livingstone wie die Engländer. Es hatten wol ebenso viele Amerikaner
seine Bücher gelesen, wie Engländer. Von dem Wunsche beseelt, die
Sehnsucht der Amerikaner, etwas über Dr. Livingstone zu erfahren,
zu befriedigen, hatte mein Auftraggeber den Gedanken gefasst, einen
Special-Correspondenten nach Central-Afrika zu senden, um Livingstone
aufzusuchen. Es standen ihm reichliche Mittel zu Gebote, und er hatte
den Willen dazu. Wenn +ein+ Special-Correspondent den Auftrag
zurückgewiesen hätte, so hätte ihn ein anderer angenommen; es standen
ihm genug zu Befehl, und wenn keiner der bei seiner Zeitung ständig
Angestellten sich der Aufgabe unterzogen hätte, so hätte sich aus
einer Menge intelligenter Leute ein Freiwilliger gefunden, und das
Resultat wäre mit Gottes gnädiger Hülfe dasselbe, vielleicht sogar ein
besseres gewesen. Hätte einer von Ihnen daran gedacht, die Aufgabe
auszuführen und das ernstlich gewollt, so hätten sich Tausende von
Engländern sofort freiwillig dazu erboten, und es wäre zu demselben
Resultat, vielleicht zu einem bessern, gekommen. Sie haben sich ja alle
ausgezeichnet: die „Times“ in der Krim, im indischen Aufstande, sowie
überhaupt bei allen politischen Begebenheiten; ihr Name ist auf dem
ganzen Erdball wohlbekannt. Ebenso haben sich der „Daily Telegraph“ und
die „Daily News“ bei unzähligen Gelegenheiten ausgezeichnet. Wenn nun
der „New York-Herald“ den Unternehmungsgeist der Presse ins Herz von
Afrika, in dieses fabelhafte, dunkle Gebiet zu tragen wünschte, wer
will es ihm verwehren? Wenn er die Kosten tragen kann, warum sollten da
andere Zeitungen darüber murren? Es dreht sich hier einfach um Geld,
welches der nervus rerum aller Unternehmungen ist. Man kann mit gehörig
viel Geld leicht ganz Afrika erforschen; und nicht nur erforschen,
sondern erobern und civilisiren; nicht nur civilisiren, sondern mit
Eisenbahnen von einem Ende zum andern durchschneiden. Wozu also die
Eifersucht? Die Welt steht Ihnen ebenso gut offen, wie dem „New
York-Herald“.
Wo liegt denn die Grösse der That? Der Reisende, den ich gesucht
habe, war gar nicht verloren. Er war am Leben. Wäre er todt gewesen
und hätten seine Aufzeichnungen sich zerstreut unter den Stämmen
befunden und ich hätte sie und jedes Stückchen Manuscript über seine
Entdeckungen sowie seine Gebeine zusammengebracht und sie denen
übergeben, welche sie zu schätzen wissen, so wäre das gross gewesen.
Was ich aber so glücklich war auszuführen, war weniger gross, aber wol
etwas verdienstvoll. Ich fand ihn krank und verlassen, und durch meine
Ankunft wurde er heiter; mit meinen Waaren kam ich ihm zu Hülfe.
Ist der Umstand, dass ich ihm Heiterkeit und Unterstützung brachte,
eine Quelle des Misvergnügens für Sie? Nun, meine Herren! würden Sie
ihm nicht dieselben Dienste in eben solcher Weise geleistet haben? Wenn
Sie ein Kind in den Rinnstein fallen sähen, würden Sie nicht Ihre Hand
ausstrecken, um es aufzuheben? Wenn Sie einen ehrlichen, armen Mann
sähen, würden Sie ihn nicht unterstützen? Wenn Sie sich dem Schwachen
gegenüber befänden, würden Sie ihm nicht mit einem Theil Ihrer Kraft
beistehen? Wenn Sie Leiden sähen, würden Sie dieselben nicht zu mildern
suchen?
Nun denn! wie haben Sie mich dafür belohnt, dass ich das gethan, was
Sie in solchem Falle auch gethan hätten? Einige von Ihnen haben erst
die Wahrheit meiner Erzählung angezweifelt; dann die Briefe, die ich
als von ihm kommend vorgewiesen, als Fälschungen verdächtigt; dann mich
beschuldigt, auf Sensationsnachrichten auszugehen; darauf die einzelnen
Thatsachen, die ich veröffentlicht, bekrittelt und mich, als ob ich
ein Verbrechen begangen hätte, begeifert. Sie konnten eine einfache
Erzählung, die ungekünstelte, klare, buchstäbliche Wahrheit tadeln! Wie
schwach! Wie kindisch! Glauben Sie es mir aber, meine Herren Redacteure
und Kritiker, oder glauben Sie es mir nicht: was in meinem Buch erzählt
ist, hat sich nach meinem besten Wissen und Gewissen so zugetragen.
Und was haben Sie für sich zu sagen, meine Herren Geographen? Denken
Sie mich mit Ihrem Unglauben ebenso niederzuschlagen, wie Sie James
Bruce, René Caillie oder Paul du Chaillu niedergeschlagen haben?
Gedenken Sie mich ebenso durch Ihre Unfreundlichkeit zu verwunden, wie
den berühmten Burton und den tapfern Petherick? Sie haben die Welt
glauben lassen, dass Sie sich um Ihren grossen Genossen kümmerten.
Sie wünschten, dass man annähme, dass Sie sich danach sehnten, zu
erfahren, was aus ihm geworden, als nichts über ihn zu hören war. Nun
wird ohne Ihre Hülfe oder Ihren Beirath die Mission angefangen und bis
zu Ende durchgeführt, und Sie erhalten die Nachricht, Livingstone ist
aufgefunden und hat Hülfe erhalten; Ihr grosser Genosse ist am Leben
und steht im Begriff, seine Entdeckungen mit noch grösserer Thatkraft
weiter zu verfolgen. Und was antworten Sie darauf: „Es gibt einen
Punkt, in Bezug auf den etwas Aufklärung wünschenswerth ist; denn es
scheint der Glaube vorzuherrschen, dass Herr Stanley Dr. Livingstone
aufgefunden und ihm Hülfe gebracht hat; wogegen es, ohne der Energie,
Thatkraft und Treue des Herrn Stanley zu nahe zu treten, wahr ist,
dass, wenn hier überhaupt ein Auffinden und eine Hülfe stattgefunden
hat, sie von Dr. Livingstone ausgegangen ist, der Herrn Stanley
entdeckt und unterstützt hat. In Wirklichkeit ging es Dr. Livingstone
sehr gut, während Herr Stanley fast von allem entblösst war. Es ist
nothwendig, dass die gegenseitige Lage der Parteien richtig dargestellt
werde. Wir hoffen, dass die von der Königl. Geographischen Gesellschaft
ausgesandte Expedition sowol Dr. Livingstone als Herrn Stanley
Hülfe bringen und sie in den Stand setzen wird, ihre Forschungen
fortzusetzen.“
Meine Herren, darf ich Sie wol fragen, wenn Sie glaubten, dass es
Dr. Livingstone ganz vorzüglich ginge, warum schickten Sie dann Ihre
Expedition aus, ihm zu helfen?
Was haben Sie dann gethan, als ich in England ankam, nachdem Sie
eine Woche lang die Briefe Ihres Collegen in Händen hatten? Wollen
wir den guten „Punch“ antworten lassen: „Der Präsident der Königl.
Geographischen Gesellschaft, welcher entdeckt hat, dass Livingstone
Stanley aufgefunden und Stanley nicht Livingstone, hat schliesslich
auch die Entdeckung gemacht, dass Stanley sich in England befindet.
Das ist keine üble Entdeckung. Sie scheint jedoch nur nach ernsten
Anstrengungen gelungen zu sein. Herr Stanley erfährt am 6. August,
nachdem er eine Woche in England ist, dass die Königl. Geographische
Gesellschaft ihn entdeckt hat.“ Hören wir den „Daily Telegraph“, er
sagt: „Es gebührt sich, dass die Mitglieder der Königl. Geographischen
Gesellschaft Herrn Stanley eine ernste, ehrliche Ehrenerklärung
abgeben, da er (Herr Stanley) für dieselbe das Leben des grossen
Reisenden gerettet und uns alle diese kostbaren Documente (Briefe)
gebracht hat.“ Dafür habe ich denn auch einen kalten Dankbrief
erhalten, eine Woche nach meiner Ankunft in England.
Wie haben Sie sonst noch Ihre Gefühle an den Tag gelegt, nachdem Sie
die gute Kunde, dass Ihr Freund am Leben sei, erhalten hatten? Ihr
Vicepräsident lud mich im Auftrage Ihres Vorstandes zu einer Sitzung
der geographischen Abtheilung der Britischen Gesellschaft ein. Ich
kam dieser Bitte nach. Nachdem ich aber meinen Vortrag gehalten und
Livingstone gegen ziemlich strenge Kritiken vertheidigt hatte, erhob
sich Ihr Vicepräsident und sagte mit weicher, sanfter Stimme: „Wir
wünschen keine Sensationsgeschichten, sondern nur Thatsachen.“
Was war denn die Sensationsgeschichte, die ich erzählt hatte? Nachdem
ich meine Mittheilungen über die „Entdeckungen am nördlichen Ende
des Tanganika-See“ gemacht, las Herr C. R. Markham einen vom Oberst
Grant (dem Gefährten Speke’s) verfassten Aufsatz vor, welcher besagte,
Livingstone befände sich in einem grossen Irrthume, wenn er glaube,
die Quellen des Nils auf dem elften Grade südl. Br. entdeckt zu haben,
und dass er (Grant), da er keine Spuren von Gorillas, Kannibalen oder
Eingeborenen, die Schweine essen, gefunden habe, auch nur annehmen
könne, Livingstone sei viel weiter nach Westen gekommen, als er meine.
Bald darauf erhob sich Dr. Charles Beke, um seine Ansichten über den
Gegenstand auszusprechen, nämlich über Livingstone’s Entdeckungen.
Beke wusste ganz bestimmt, dass Livingstone die Quellen des Nils nicht
entdeckt habe. Der wichtigste Einwurf gegen die Theorie, dass der
Lualaba der Nil sei, ergebe sich aus Dr. Schweinfurth’s Forschungen.
Dieser berühmte Botaniker habe den Uelle, einen grossen Fluss, der
von Osten nach Westen fliesst, auf 3° 45′ nördl. Br. entdeckt und
dieser scheine in den Blauen Bergen, westlich vom Albert-Nyanza, zu
entspringen und das Becken des Nils vollständig abzuschneiden. Ferner
sagte Sir Henry Rawlinson, nachdem er meiner höflich Erwähnung gethan,
dass er sehr bezweifle, ob Livingstone sich auf dem Nilbecken befinde,
und dass er glaube, der Lualaba endige in einem grossen centralen See,
dessen Entdeckung, wie er aufrichtig hoffe, die Arbeiten Livingstone
krönen werde.
Wollen wir jetzt die Motive untersuchen, welche diesen
entgegenstehenden Ansichten zu Grunde liegen, dann werden wir
wissen, welchen Werth wir denselben beizumessen haben. Oberst Grant
war der Gefährte Speke’s auf seinem berühmten Marsche von Zanzibar
nach Gondokoro und glaubte ganz fest, dass Speke die Nilquellen in
dem Fluss entdeckt habe, der aus dem Victoria-Nyanza heraus und
nordwestlich in einen See fliesst, dessen einen Winkel Sir Samuel
Baker später entdeckt hat. Als Freund und Genosse Speke’s auf dieser
Expedition liebt es der tapfere Herr nicht, davon zu hören, dass
irgendein anderer Ansprüche darauf erhebt, eine andere Nilquelle
entdeckt zu haben. Es ist ein Stückchen ritterlicher Freundschaft
seinerseits, das gebe ich gern zu; aber was weiss denn eigentlich
Oberst Grant persönlich über Speke’s Quellen des Nils? Möge Speke
selbst Zeugniss ablegen: „Ich richtete es so ein, dass Grant mit unsern
Gütern, dem Vieh und den Frauen direct zu Kamrasi’s Wohnsitz gehen und
meine Briefe und eine Karte sofort an Petherick, nach Gani, expediren
solle, während ich den Fluss hinauf bis an seine Quelle oder an seinen
Austritt aus dem See ging und nachdem ich ihn, soweit als es thunlich
war, beschifft, wieder zurückkäme.“
Dies beweist, dass Grant persönlich niemals den Fluss aus dem
Victoria-Nyanza hat herauskommen sehen. Im besten Glauben und in naiver
Unschuld zog er 60 Meilen über Land zu Kamrasi, wohin er sich wie ein
gewöhnlicher Bote begab, um Speke’s Depeschen hinzubringen, und während
seiner Abwesenheit entdeckt Speke die Ripon-Fälle und marschirt dann
Grant nach Unyoro nach. Es ist also die Vertheidigung Speke’s eine
ritterliche That par excellence, aber keine Geographie. Noch nie hat
eine so kostspielige Expedition wie die von Speke und Grant so wenig
Resultate erzielt. Auf dem blossen Umstande fussend, dass er einen
südlichen und nördlichen Punkt eines Sees gesehen, hat Speke einen
grossen Wasserkörper gezeichnet, der ein Areal von mehr als 40000 engl.
Quadratmeilen einnimmt.
Weil Grant weder Gorillas, noch Kannibalen, noch schweineverzehrende
Menschen gesehen hat, bildet er sich ein, dass Livingstone viel mehr
nach Westen gekommen ist, als er annimmt. Dies ist abgeschmackt. Ich
habe selbst die Kannibalen von Ubembe und Usansi gesehen und alle
Araber in Udschidschi auch von den Menschenfressern von Manyuema reden
hören. Baker hat von Menschenfressern, die sich 200 Meilen westlich von
Gondokoro befanden, gehört. Burton und Speke haben die Kannibalen von
Ubembe gesehen. Livingstone ist aber vier Längengrade weiter westlich
als das westliche Ufer des Tanganika gewesen. Was wird also nun aus
Grant’s Einwendungen? In Bezug auf Stämme, die Schweine essen, ist zu
bemerken, dass fast ein jeder Stamm in ganz Afrika das Fleisch des
wilden Ebers verzehrt. Ich habe zwar nie von Stämmen gehört, welche
sich zahme Schweine halten; Livingstone hat sie aber gesehen und es ist
guter Grund zu glauben, dass die Manyuema überhaupt ein viel höherer
Menschenschlag sind als irgendeiner, den man im Osten in der Nähe des
Aequators trifft.
Der Präsident der Königl. Geographischen Gesellschaft, Sir Henry
Rawlinson, ist ein eifriger Vertreter der Theorie, dass alle
Süsswasserseen einen Abfluss haben müssen; dennoch glaubt er
gleichzeitig, dass der grosse Fluss Lualaba in einem Sumpf oder einem
Süsswassersee endigt, der keinen Ausfluss hat. Ist da Sir Henry nicht
etwas inconsequent? Wenn alle Süsswasserseen einen natürlichen Abfluss
haben müssen, warum soll der „grosse Binnensee“, von dem man annimmt,
dass er den Lualaba aufnimmt, keinen haben?
Trotzdem hat mich der Präsident der geographischen Abtheilung der
Britischen Gesellschaft, Herr F. Galton, dafür, dass ich Livingstone
in solcher Weise vertheidigt habe, mit merkwürdiger Leutseligkeit
beschuldigt, ein Fabrikant von Sensationsnachrichten zu sein.
Warum aber das? Dr. Livingstone zog aus, um den Ngami zu entdecken,
hielt tapfer auf der Reise aus und seine Anstrengungen wurden mit der
Entdeckung desselben belohnt. Auch Francis Galton unternahm es, den
See Ngami zu entdecken. Wie ihm das glückte, können wir von seinem
Reisebegleiter Andersson erfahren (Andersson’s Reisen): „Ich muss
gestehen, dass, als ich zuerst meines Freundes (Galton’s) Erzählung
las, ich anfangs etwas sehr erstaunt darüber war, als ich auf seine
angenehme Versicherung stiess, dass er sich nicht viel daraus mache,
den See Ngami zu erreichen. Es ist zwar wahr, dass wir, als wir an der
Walfisch-Bai landeten, nur wenig, Hoffnung hatten, dorthin zu kommen;
aber ich hatte, wenigstens für mein Theil, immer gemeint, dass das
grosse Ziel unserer Reise gerade der Ngami sei.“ Und weiter: „Galton
schien von der Aussicht entzückt zu sein, bald wieder in civilisirte
Länder zurückzukehren. Obgleich er bewiesen hatte, dass er fähig sei,
Strapazen und Beschwerden so gut wie irgendeiner von uns zu ertragen,
so leuchtete doch ein, dass er genug hatte.“ -- „Dass wir (Galton und
Andersson) den See Ngami nicht erreichten, hat mir sehr leid gethan.“
-- „Nicht lange nach seiner Rückkehr hat ihm die Königl. Geographische
Gesellschaft, wie ich mit Freuden hörte, ihre goldene Medaille als
Belohnung für seine der Wissenschaft geleisteten Dienste zuertheilt.“
Ich kann dieses Kapitel nicht schliessen, ohne noch ein Wort zu
Gunsten der jungen Herren zu sagen, die zur englischen Expedition zur
Aufsuchung und Unterstützung Livingstone’s gehört haben. Ich muss
gestehen, dass ich durchaus keine gerechtfertigten Gründe einsehen
kann, warum der Vorstand der Königl. Geographischen Gesellschaft sie
wegen ihrer Rückkehr getadelt hat. Das Geld für ihre Ausrüstung ist
vom britischen Publikum nur für die Unterstützung David Livingstone’s
zu einer Zeit gezeichnet worden, wo man diesem gesagt hatte, dass
meine Expedition misglückt sei. Nach der vom Vorstand in den Zeitungen
veröffentlichten Anzeige wurden freiwillige Befehlshaber gewünscht,
die Dr. Livingstone Hülfe bringen sollten. Die Herren Dawson, Henn
und Livingstone wurden mit der Erfüllung dieser Pflicht betraut. In
einer Versammlung der Gesellschaft kündigte Lieutenant Dawson an,
dass, da die Augen des britischen Publikums auf ihn gerichtet seien,
die Kenntniss dieser Thatsache ihm ein um so grösserer Sporn sein
werde, um das Geheimniss, das über Livingstone’s Schicksal ruhe, zu
lüften und seinen Aufenthaltsort auszukundschaften. Diese jungen Herren
reisten aus England nach Zanzibar, um getreulich die Instructionen
zur Aufsuchung und Unterstützung von Dr. Livingstone auszuführen.
Als ihr Anführer in Bagamoyo, dem Ausgangspunkt seiner Route, ankam,
brachte er in Erfahrung, dass Dr. Livingstone aufgefunden sei und
bereits Hülfe erhalten habe, worauf er nach Zanzibar zurück eilte,
um sich mit dem britischen Consul zu besprechen, wie man es ihm
befohlen hatte. Dieser rieth ihm, unter den gegebenen Verhältnissen
die Reise nicht fortzusetzen; auch hörte er aus derselben Quelle,
die durch eine Nachschrift in einem Blaubuch bestätigt ist, dass Dr.
Livingstone mit den Geographen in England nicht auf freundschaftlichem
Fusse stehe. Hierauf legte der Befehlshaber (Lieutenant Dawson) seine
Stelle nieder, weil man ihn zu dem Glauben gebracht hatte, dass
seine Anwesenheit Dr. Livingstone nicht angenehm sein werde. Darauf
übernahm es Lieutenant Henn, die Expedition zu führen; als er aber an
dem Ausgangspunkt derselben ankam, erschien ich persönlich auf dem
Felde und benachrichtigte ihn als Erwiderung auf die Frage, ob Dr.
Livingstone in Noth sei, dass der Reisende alle nöthigen Vorräthe
besässe, mit Ausnahme von funfzig tüchtigen Freigelassenen und
einigen Genussmitteln, worüber ich ihm ein Verzeichniss zur Prüfung
vorwies. Auch er kehrte nun nach Zanzibar zurück, besprach sich mit
seinem Freunde Dr. Kirk und legte sein Commando zu Gunsten von Oswald
Livingstone nieder. Schliesslich unternahm es dieser, ein Sohn des
Reisenden, eine Expedition zu seinem Vater zu führen. Da er aber gerade
an einer schweren Krankheit zu leiden anfing, die nach der Ansicht des
seinem Vater befreundeten Dr. Kirk ihn ganz unfähig machte, eine solche
Reise zu unternehmen, legte er, wenn auch sehr wider seinen Willen,
förmlich sein Amt nieder.
Wenn wir freimüthig und ehrlich untersuchen, wer dafür verantwortlich
ist, dass die englische Expedition sich zurückgezogen hat und
zurückgekehrt ist, so ist das meiner unmassgeblichen Meinung nach
keineswegs Lieutenant Dawson oder seine Gefährten. Sie hatten den
Auftrag erhalten, Livingstone Hülfe zu bringen, gleichzeitig aber den
Rath des Dr. Kirk einzuholen. Wenn dieser der Expedition den Rath
ertheilte, nicht weiter zu gehen, weil er der Meinung war, dass ihre
Anwesenheit dem Dr. Livingstone nicht angenehm sein würde, so hatten
die jungen Herren nach meiner Meinung vollständig Recht, umzukehren;
denn Dr. Kirk war berechtigt, da er zum obersten Schiedsrichter
ihres Schicksals erwählt worden, ihnen den Rath zur Rückkehr zu
ertheilen, wenn seiner Ansicht nach ihre Anwesenheit in Unyanyembé
Dr. Livingstone nicht ganz angenehm war. Allerdings stimme ich mit
Dr. Kirk in dieser Ansicht nicht überein, dass dies der Fall gewesen
wäre; sondern ich weiss, dass Dr. Livingstone die jungen Leute, die
dazu gekommen wären, ihm einen Dienst zu erweisen, willkommen geheissen
haben würde und dass sie, soweit er dabei in Betracht kam, die Fäden
seiner Arbeit hätten aufnehmen können. Dagegen stimme ich mit Dr. Kirk
darin überein, dass ihre Anwesenheit nicht mehr nöthig, ihre Hülfe
nicht erforderlich war. Auch bin ich nicht der Ansicht des Herrn,
dass Dr. Livingstone einen Streit mit der Königl. Geographischen
Gesellschaft gehabt oder den Mitgliedern derselben in irgendeiner
Weise feindlich gesinnt ist. Während der vier Monate, die ich in
seiner Gesellschaft verlebte, habe ich ihn nie ein Wort gegen die
Königl. Geographische Gesellschaft äussern hören, und fast alle seine
persönlichen Freunde sind Mitglieder gerade dieser Gesellschaft.
Die erste und eigentliche Ursache des Untergangs der Expedition bestand
aber darin, dass der Vorstand es unterlassen hatte, dem Befehlshaber,
Lieutenant Dawson, für den Fall Instructionen mitzugeben, dass er mich
mit Dr. Livingstone’s Briefen und Depeschen treffe und die Versicherung
von mir erhalte, er sei reichlich mit Vorräthen versehen. Hätten sie
officiell die Möglichkeit zugegeben, dass die amerikanische Expedition
in ihrem Liebeswerk von Erfolg gekrönt worden sei und die jungen Leute
auf diesen Fall vorbereitet, so brauchte der Vorstand jetzt nicht
Lieutenant Dawson und seine Gefährten der Untreue und Unfähigkeit
zu beschuldigen und diese selbst brauchten nicht zu bedauern, dass
sie freiwillig ihr Glück und ihr Leben dem Dienst der Gesellschaft
gewidmet haben. Da der Vorstand diesen sehr wichtigen Artikel in seinen
Instructionen ausgelassen, so sind die Mitglieder desselben einzig und
allein für das Scheitern der englischen Expedition verantwortlich.
Und jetzt, theurer Leser, will ich schliessen. Ich habe den Wagogo und
ihrer wilden Unverschämtheit; Mionvu, dem grössten aller Brandschatzer
und Tributsauger; den lärmenden Wavinza; den ungastlichen Warundi;
den arabischen Sklavenhändlern und Mischlingen; allen Fiebern, sowol
remittirenden wie intermittirenden; den Makatasümpfen und Krokodilen;
den Bitterwassern und öden Ebenen; meinen eigenen schwarzen Freunden
und treuen Nachfolgern; dem christlichen Helden und grossen Reisenden
Livingstone Lebewohl gesagt, und so biete ich denn auch Euch,
Kritikern, und allen Freunden wie Feinden, ein Lebewohl!
[9] Leser, die sich für diesen Gegenstand interessiren, werden
begierig sein, zu erfahren, worin diese Beleidigung bestanden
hat. Sie bezieht sich auf Dr. Livingstone’s Brief aus Udschidschi
an Dr. Kirk vom 30. October 1871. Siehe Anhang.